Nnterhaltungsblatt des Horwürts Nr. 65. Freitag, de» I. April. 1898. iNachdrurl certclen) 24] Ain hÄnslichen �erd. Noincui von Iwan Franko. »War es mir in der That möglich, anders zu handeln? Ich halte keine Macht. Entweder mußte ich als Infamer gelten, wenn ich ohne jeden Protest meinen Namen, meine Ehre, die Ehre meiner Fran beschimpfen ließ, oder ich mußte diesen Schimpf im Blut« des Beleidigers räch«». Tie Alternative war schrecklich, aber imveimerblich!" Tie zivei rothcn BIntstropfen, die ans der durchschossenen Brust langsam auf den schmutzigen, kothigen Fußboden hinab- sickerten und dort Kreise, groß wie Dierkreuzerstiicke, bildeten, standen ihm lebhast vor den Augen. Er hatte jetzt die Empfindung, als stehe er noch dort, lasse sich ans die Knie nieder, bücke sich mit dem Gesichte über den Fußboden, be- trachte die Flecke durch ein Vergrößerungsglas, analysire sie, und suche nach den Mikroben jener moralischen Pest, die das Herz seines Freundes so plötzlich, auf so räthselhafte Weise zum Stillstand gebracht. Blut ist ein ganz besonderer Saft" klangen ihm Goethe's Worte im Ohr, jene ironischen und so tief symbolischen Worte des Mephisto. Gehört zu den Besonderheiten dieses Saftes auch diejenige, daß er im stände ist, die beschmntzte Ehr» eines Menschen rein- zuwaschen? Wird unsere Familienchre durch diese zwei ver- gossenenBlutstropsenwiederklarundriinwieeinfrischgeschliffenes Metallschild, das vordem beschmutzt und besteckt war? Sein Geist, der sich augenblicklich nach außen nicht bethätigen konnte, bohrte sich in unzählbare Reihen ähnlicher Fragen und Vergleiche; ohne eitle Antwort oder eine Befriedigung darin zu suchen, fühlte er blas ein sonderbares Gefallen an der- gleichen Kontrasten. Es ging etwas Aehnliches in ihm vor, wie in der Optik bei der Zerlegung des Lichtstrahls. Indem sein Gedanke aus das, seinem Wesen nach harte, glatte und helle Faktum:„Ich habe einen Menschen getödtet", stieß, war er augenblicklich nicht ini stände, es vollständig, seiner ganzen Bedeutung nach zu erfassen und sich seiner zu bemächtigen, sondern zersprang daran in tausend Splitter und Streifen, flimmerte in allen Regenbogen- färben, flackerte und zischte und ging in eitel Schaum ans. Das Leben ist ein Traum, wie und durch iven ich geweckt werde, ist mir gleich. Konnte ich jetzt nicht ebenso da liegen und mir mit krampfhaft bebenden Händen die Brust znhalten? Ich möcht' wohl wissen, ob sie auch mir so schnell zu Hilfe geeilt wären oder mich wie einen Hund hätten verenden lassen? Und Redlich schoß mir über den Kopf iu die Lust. Dafür senkte ich ihm die Kugel in die Brust. „Dafür?" stöhnte er wieder, und suchte dieses neue schreckliche Gefühl zu bekämpfen.— War's wirklich dafür? O nein,»ein, nein! Es war dafür, was er gestern gesagt! Für den niedrigen, unerhörten Schimpf, den er nicht zurücknehmen wollte. Und warn» wollte er es nicht? Aus angeborener Bosheit, oder weil es ihm nicht möglich war? Nicht möglich? Warum nicht möglich? Run, darum wohl, weil alles, was er gesagt, die reine Wahrheit war! Oh!" Dieses letzte Wort rief der Hauptmann laut, und dabei wankten ihm die Füße. Er war einer Ohnmacht nahe und wäre umgefallen, wenn er sich nicht mit den Händen an einem Laternenpfahl festgehalten hätte. Der Pfahl war naß voni Schnee, kalt und schlüpfrig. Tiefe Berührung brachte den Hauptmann bald zur vollen Besinnung, doch der Schmerz und die Angst verschwanden nicht aus seiner Brust, ja sie steigerten sich mit jedem Augenblicke. Jener furchtbare, verpestete Abgrund, der gestern Nacht nach dem Gespräch mit Redlich zu seinen Füßen sich aufthat, und dessen Anblick ihn in dem einsam auSgefochtenen Kampfe vor dem Thor seiner Wohnung beinahe zu einer fürchterlichen That Hingerisse», jener Abgrund, den er sodann mit einer Riescuanstrengung seines Willens verschüttet, versperrt und, wie es schien, für ewige Zeiten ausgeglichen hatte, össnetc nun wieder seinen schrecklichen Rachen. Es war ein Ungeheuer, das sein Opfer heischte. Redlich's Blut hat den Abgrund nicht verdeckt, im Gegentheil, es hat ihn noch vertieft, ihn noch größer, noch schrecklicher gemacht. Und war Redlich wirklich unschuldig, und hatte er wahr gesprochen? Hat er mir's doch nicht in verleumderischer Ab- ficht gesagt, sondern weil er es sagen mußt«? Die fatale Begegnung mit Julie und die Beleidigung, die er mir infolge dessen zufügte, zwangen ihn, sich zu entschuldigen. Und wer war schuld daran, daß diese Entschntdigung so viel Schändliches und Niedriges ans Tageslicht brachte? Uebrigens ist Redlich nicht der Einzige, der um das Geheimniß weiß. Alle Offiziere mußten es ja kennen, da sie den Entschluß gefaßt, mich aus ihrem Kreise zu verbannen. Ein jeder war ja bereit, mir dasselbe zu sagen, was Redlich mir gesagt! Was folgt daraus? Wenn es so ist, warnni habe ich dann Redlich ge- tödtet? Warum hat er nicht lieber mich getödtet? Warum hat er mir diese Wohlthat nicht erweisen wollen? Ich wäre gestorben, ohne in den Abgrund des Schmutzes und der Ver- derbtheit zn tauchen, ich wäre aus dem Leben geschieden mit der Ueberzeugung, daß ich als unschuldiges Opfer einer häß- lichen Jntrigue gefallen. Und nun? Was bin ich nun?" Auf einer der ersten Bänke auf den Promenade-Aulagen vor der Statthalterei nahm er ganz ermüdet Platz und ver- senkte sich wieder in tiefes Nachdenken. Die Menschen, die hier vorübergingen, um in die rntheuische Kirch« zn koinmen, oder die vom Ringplatz in diese Stadtgegend eilten, betrachteten sein Gesicht, das den inneren Kampf wiederspiegelt?, zuckten mit den Achseln oder machten halblantc Bemerkiuxgen über den Hauptmann, der gewiß in der vorigen Nacht über den Durst getrunken und jetzt an der frischen Winterluft sich er- nüchtern wollte. Doch er sah nichts, hörte nichts. Unter den Vorübergehenden waren auch Soldaten, die, in die Kaserne eilend, vor ihm salntirten und, sich kerzengerade aufrichtend,„links schaut" niachten. Der Hauptmann saß da mit weitgeöffueten Angen, doch sah er weder die Soldaten, noch ihre Grüße, und grüßte auch nicht wieder. Dieser ganze Ameisenhaufen der sich hin und her bewegenden Mmschen schien ihm so unermeßlich weit, so fremd, so illusorisch, daß er vergeblich nach einem Zusammenhange zwischen ihnen und seinem eigenen Wesen gesucht hätte. „Es ist also meine Frau, meine Angela, die in Gemeinschaft mit dieser Julie die Leitung eines Freudenhauses führt. Meine Frau— Angela— und ein Freudenhaus!...* Dieser Gedanke, der ihm noch gestern in seiner Monstrosität so lächerlich vorkam, so unmöglich und allen Naturgesetzen zn- wider, schien ihm jetzt so einfach, so naheliegend, so natürlich zn sein. Julie/ ihre Schulkollegin,«ine Witlwe, ein spekula- tiver Kopf und frei von Skrupeln; Angela, eine Slrohwitlwe mit zwei Kindern, einem kargen Gehalte, ohne irgend welchen Verdienst.... Sie hat von einer Lektion berichtet— doch das war wohl Lüge! Sie spielte zwar ein wenig Klavier, aber durchaies nicht so gut, daß sie Lektionen hätte geben können. Ein gemeinschaftliches Unternehmen also! Eine schöne Wohnung, hübsche Möbel... Ein Pensionat für erioachsene junge Damen und die Jagd auf lustige Passa- giere, auf reiche Junker, denen es nach vornchnien, rasfinirten Freuden gelüstete! Die Jagd auf goldene Vögel, die sich rupfen lassen— in erster Reihe aus höhere Offiziere! Auf die Herreu von der Aristokratie? Und den Gewinn dann getheilt! Das also war das Geheimniß ihrer Sparsamkeit und Wirthschaftlichkeit! Hier liegt auch der Kern der Geschichte mit Reuchlingen! Rcuchlingcn! O ja, jetzt begreise ich! Hab« ich sie doch vor meiner Abreise vor ihn gewarnt. Er bezeigte ihr viel Sym- pathie, hatte große Achtimg vor ihr, kam beinahe täglich in unser Haus! Dock) sie hielt ihn fern; in ihren Briefen erwähnte sie feiner nie. Das schien mir verdächtig, doch wollte ich ihr nicht Unaunehm- lichkeiten bereiten und sie deswegen befragen. Und dann seine moralische Verkommenheit, die schreckliche Wnth, die bei der Erwähnung Angela's iu seineu Augen glänzte. Er nannte sie abwechselnd Engel und Teufel— Ah, ich verstehe, ich ver- stehe! Sie hat seine Leidenschaft ausgenützt, ohne sie zu be- friedigen! Die beiden Freundinnen saugten ihn aus, brachten ihn um sein Vermögen, feine Ehre und seinen Verstand. Wie sie das erreichten? Ach, das ist nicht schwer zu rathen! Mit ungewöhnlicher Geistesschärfe, mit tens- lischer Durchdringlichkm versenkte sich der. Hauptmann in dieses Meer des Abscheues, tauchte darin unter und trachtete seine ganze Tiefe zu ermessen. Das» wc»S ihm vor kurzem so räthselhaft, so dunkel, so ver- ivorren, so voller Widerspruche schien, wurde jetzt klar und hell, deutlich und verständlich wie elleugroße Buchstaben. Eilig und mit unersättlicher Gier verschlang er den Inhalt dieses entsetzlichen Buches, von dem er jedes einzelne Wort vor kurzem noch mit seinem Herzcnsblute hätte verwischen mögen. Mit ungeheurer Bitterkeit mußte er sich eingestehen, daß es genügt, die Achtung vor eineui Menschen zu verlieren, um ihn in seinen verborgensten Absichten und Motiven verstehen zu lernen. Und trotz dieser pessimistischen Anschauung, trotz der zahl- reichen und wichtigen Beweise, die Angcla's Schuld bestätigten, suhlte der Hauptmann doch, daß er nicht aufgehört halte sie zu lieben, daß in seinem armen, unverbesserlichen Herzen der Funke seiner Zuneigung für sie noch immer glomm, und da- neben auch der Funke einer dummen sinnlosen Hoffnung, daß all das sich noch als unwahr, als Täuschung, als schreckliches Traumgebilde herausstellen könne, daß ihre wunderbaren Augen, ihre Worte, ihre ganze Gestalt dieses Schreckgespenst.bannen, die Nebel zerstreuen würden. „Und der Großvater, der alte Kurter!" erinnerte er sich schließlich. lFortsetznng folgt.) Dov SchiffsverKehv mif den GeivÄssern Berlins. Für die Entwicklung des Schiffsverkehrs ans de» Gewässern Berlins logen bis zur zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts die Verhältnisse ziemlich ungünstig; erst als im Jahre 1669 der Bau des Mällroser Kanals vollendet war, gelangte der Verkehr auf den Wasserstraßen zu hoher Bedeutung. Allerdings war bereits am 1. Juli 1538 zwischen dem Kurfürsten von Brandenburg und dem Kaiser Ferdinand l. in» Vertrage von Müllrose der Bau des Kanals be- schlössen ivorden. Der Ausführung des Beschlusses stellten sich aber bald Hindernisse entgegen, die vor allen Dingen in dem Mangel an Mitteln gipfelten. Die Kanalstrccke von der Spree bis zum Müll- roser See wurde von kaiserlicher Seite energisch in Angriff ge- uonunen; Brandenburg sah sich aber schon 1S63 gezwungen, aus genanntem Grunde de» Bau seines Kanallheils elnzustellcn. Als nach dem dreißigjährigen Kriege die Arbeiten endlich wieder ans- genommen wurden, gelang es, den Kanal in siebe» Jahren soweit fertig zu stellen, daß er dem Verkehr übergeben iverden konnte. Die Enlwickelnng des gesammten Handels war besonders durch die hohen Zölle gehemmt. So mußte für Güter, die von Breslau nach Hamburg lransportirt wurde», nur— 28 mal Zollabgabe» geleistet werden; kein Wunder also, wenn z. B. auf diesem Wege für ein Faß etwa 12 M. Zoll erhoben wurden. Außer den Schleusen-, Wehr- und Krahngeldern mußten für jeden Thaler Werth noch zwei Heller weitere Abgaben entrichtet»verde». Im Jahre 1700 hatten die Streitigkeiten zwischen den Schiffern von Berlin und Hainburg eine solche Ausdehnung angenommen, daß zunächst ein Neglement über die„Aeihefahrt" erlassen wurde. Nach Verlauf von 16 Jahren wurde die Märkische Schiffergilde gegündet, die im Jahre 1746 erst 27 Mitglieder aufwies. Das Reglement vom Jahre 1748 gab den Mitgliedern dieser Gilde das Vorrecht, von der Reihefahrt zivischen Berlin und Hamburg die Hamburger Schiffer vollständig auszuschließen. Nach einer Berechnung aus dem Jahre 1769 soll jedes Gildcnmitglied einen jährlichen Verdienst von eliva IS 000 M. gehabt haben. Für die weitere Entwickelung der Schifffahrt war die Vollendung des Planer Kanals im Jahre 1743 und die Eröffnuiig des Bromberger Kanals im Jahre 1774 von großer Wichtigkeit, da jetzt die Verbindung zwischen Weichsel, Oder, Spree und Elbe hergestellt war. Durch die Ablenkung des Oderhandels über Stettin ging aber bald der Frachtverkehr über Berlin so zurück, daß die Mitglieder der Schiffergilde verarmten. Die Vorrechte dieser Gilde, die in einem Reglement ans dem Jahre 1773 über die Reihefahrt zwischen Berlin, Hamburg und Magdeburg abermals anerkannt ivurde», ließen sich auch nicht mehr lange aufrecht erhalten. Durch das Gewerbe- stener-Edikt des Jahres 1310 ivurde die Schifffahrt von den lästige» Fessel» befreit. Von nun an konnte jeder, der im Besitze eines Geiverbescheiiies ivar. Flußschifffahrt betreiben. Als im Jahre 1813 das Zollgesetz ganz bedeutende Erleichterungen für den Verkehr brachte, nahm der Frachtverkehr auf den Gewässern der preußischen Hauptstadt schnell zu. Um eine Organisation zum Ersatz der früheren Schiffsgilde zu habe», ivurde vier Jahre später von Berliner Kaufleuten der Verein „Berliner Elbschiffsahrt und Assekuranz- Gesellschaft" gegründet. Die dieser Vereinigung beitretenden Schisser mußten eine Bürgschaft hinterlegen; inimerhi» traten sofort 80 Schiffer»in. I» de» fünfziger Jahren löste sich die Sckifffahrls-Gesellscha't auf. Der Verkehr auf der Elbe gestaltete sich erst von, Jahre 1832 für Berlin günstig. Bis dahin»»ißleu iiämlich die Güter, die von Hamburg nach Berlin befördert wurden, in Wittenberge verzollt iverden. Die Kosten der Wasserfahrt bcliesen sich mit Berücksichtigung der Gebühren für Benutzung von Schleusen und Krahne für jeden Bollzentner auf 93 Pf.(7 Silbergroschen und 9 Pf.); dazu kamen an. Zoll und Fracht noch 1,80 M. Nachdem in den Jahren 1829 bis 1331 der Packhos von Friedrichswerder nach dem rechten Ufer des Kupfergrabeus verlegt war, wurde er mit einer steuerfreien Niederlage verbunden, so daß die lästige Zollrevision iu Wittenberge wegfiel und die Waaren in Berlin verzollt wurden. Im Jahre 1837 wurde von der Norddeutschen Fluß-Dampsschifffahrts-Gesell- schaft eine Güter-Schleppschifffahrt zwischen Berlin und Hamburg gegründet, die mit 40 Schleppkähnen von beiden Städten aus zwei Reisen in jeder Woche machte. Der 183S gegründete Schiffsverband für die Oder konnte sich gegenüber der Konkurrenz der Berlin- Stettiner Eisenbahn nicht lange halten. Zur Verbesserung der Wasserwege wurde in fünfjähriger Bau» Periode vom Jahre 1343 an der Landwehr- und Luisenstädtische Kanal erbaut; in den Jahren 1343—1339 erfolgte die Herstellung des Berlin-Spandaner Kanals. Weitere Wasseranlagen haben dann noch verschiedentlich statt- gefunden und im Jahre 1694 mit der Verbesserung des Spreelaufes und der Eröffnung der Schleuse am Mühlendamm ihren vorläufige» Abschluß gefunden. Diese Arbeite» haben bewirkt, daß heute Schiffe mit 8000— 10 000 Zentner Tragfähigkeit über Berlin verkehren können und daß daher die Wasserfrachl für je 100 Kilo Massengüter zwischen Berlin und Hamburg nur noch 44—64 Pf. und etwa 34 Pf. für Stück« güter beträgt. Dagegen iverden über die Tragfähigkeit der Schiffe, die Berlin früher passirten, folgende Angaben gemacht: 400 Zentner Fassungsraum war im Jahre 1700 üblich; 40 Jahre später kamen Schiffe, die über 30 Zeulimeter Tiesgang hatten,»och immer nicht überall fort. Im Jahre 1316 war die Tragfähigkeit der Schiffe schon auf etwa 1000 Zentner, 1846 auf 3000 und 1338 auf 3500 Zentner gestiegen. Die Reise zwischen Hamburg und Berlin dauerte früher l'/s bis 4 Wochen. Unter Benützung der Dampf- kraft wird heule diese Strecke von den Schiffen mit Leichtigkeit in vier Tagen zurückgelegt. Während im Jahre 1340 auf den Berliner Wasserstraßen 48 330 Schiffe mit einer Fracht von 1.3 Millionen Tonnen (ä 1000 Kilo) verkehrten, beförderte« im Jahre 1883 schon 86 330 Schiffe fast 4,1 Millionen Tonne». Im Jahre 1895 wurden 99 6l1 Schiffe mit einer Ladung von über 3,6 Millionen Tonne» gezählt. Die Zahl der vo» den Dampfern auf der Oberspree beförderte» Personen hat sich erst in den letzten Jahren ivieder gehoben. Während sich nämlich dieser Verkehr im Jahre 1374/73 auf 323 317 Personen belief, sank er bis zum Jahre 1879/80 auf 222 372 Per« sonen, hob sich im Jahre 1834/83 auf 292 623 Personen und erreichte 1393 sogar 436 000 Personen. Die Entstehung und Verbreitung der Eisenbahnen hat natürlich auch auf de» Güterverkehr der Flußschifffahrt einen Einfluß aus- geübt. Während noch 1833 auf den Wasserstraßen über 1.3 Millionen Tonnen ii»d von den Eisenbahnen nur 493 000 Tonnen befördert wurden, halten letztere bereits 1863 de» Güterverkehr der Flußschiff- fahrt um 230 000 Tonnen überflügelt. Im Laufe der Jahre hat sich dann der Verkehr ans den Gewässer» ivieder so gehoben, daß im Jahre 1893 etwa 5,604 Millionen Tonne» befördert wurden. Der Güterverkehr der Eisenbahne» betrug in diesem Jahre 5,6 Millionen Tonnen. Von den Ausladestellen verdient besonders die Hafen- anlage am Urban erwähnt zu werden, die auf Kosten der Stadt Berlin hergestellt wurde. Sie ist mit guten und zweck- mäßigen Hebezeuge»(Krahnen) ausgerüstet und bietet Raum für 79 Schisse. Die Gebühren für die Benutzung der Ausladestelle» sind verschieden. Am billigsten kommt diese den Schiffen zu stehen, die Ausladestellen des Fiskus benutze» können, da derselbe nur vo» jeden» Fahrzeuge 1.30 M. Ufergeld erhebt, während die Gemeinden Berlin. Nixdorf und Charlolteudurg bedeutende höhere Abgaben erzielen. Die Aus- und Einladung der Schiffe ist im großen und ganzen eine äußerst primitive, da nur wenige Ufer mit den bequemen Maschinen— Krahne, Elevatoren er.—, welche die moderne Technik uns zur Verfügung stellt, ausgerüstet sind. Wenn l»a» sieht, wie die Ar« beiter mit mangelhaften Karreu. Körben je. die Güter unter großen Kraftanstrenguiigen im Schweiße ihres Angesichts verladen, dann kann»in» mit vollem Rechte daran zweifeln, am Ende des viel- gerühmten 19. Jahrhunderts, im Zeilaller des Dampfes und der Elekirizität zu leben; so wurde auch vor Jahrtausenden, als man keine maschinelle» Hilfsmittel hatte, die Verladung vorgenomine». Die Personenschifffahrt wurde zuerst im Jahre 1842 zivischen Berlin und Hamburg betriebe». Die kgl. Seehandlung beförderte auf Dauipfern Personen in der I. Kajüte gegen eine Gebühr von 24 M. niid in der II. Kajüte von 13 M. Die Fahrt dauerte zwei bis drei Tage. Im Jahre 1846 wurde von 9300 Personen diese Dampferverbindung, die»ach Eröffnung der Eiseubahn Berlin- Hamburg eingiug. benntzt. I» den letzte» Jahren haben dann ver- jchiedene Prival-Gesellschaften de» Dampferverkehr für Personen- beförderung auf de» Geuiäffern Berlins zur hohen Blüthe gebracht. wz. Vleines Fonilloto»» b. d. Nprilhagcl. Fräulein Luck fuhr eifrig mil dem Polierleder über de» Ri»g. Das Polierrolh stäubte durch die Luft, und die Werk- zeuge auf dem Tisch, der dicht am Fenster stand, überzog eine in»» er dichter werdende Schicht des rothen Pulvers. Fräiileiii Luck arbeitete so hastig, daß sich ihre Haut an den Fingerspitze» immer mehr röthete. Da? war da? einzige an ihr. wa? Farbe annahm. Ihr welkes Gesicht blieb trotz der Anstrengung gelb. Als es plötzlich finster wurde, nahm sie sich keine Zeit, aufzusehen. Der Ring mußte in einer halben Stunde fertig fein. Sie beugte den Kopf weiter über den Feilnagel. Mit einem Male prasselte es auf das Blech vor dem Fenster. Fräulein Luck zuckte zusammen. Dann sah sie auf, mit einem gleich- giltigen, leeren Blick, während ihre Hand regelmäßig hin und her fuhr. Das Springen der weißen Körner auf dem Fensterblech betrachtete sie, als wenn sie es mit blinden Augen ge- schaut hätte. Dann fiel ihr Blick auf die Straße. In das Hausthor des gegenuberliegenden> Gebäudes hatten sich einige Leute vor den Hagelschauern gefiüchtet. Mehrere alte Frauen schüttelten die schmelzenden Körner von ihren Tüchern und wischten sich die Nässe von den Gesichtern. Ein paar Kinder traten ab und zu einen Schritt vor und hielten die Hände vor sich hin, um die Körner aufzufangen. Sonst ivar die Straße leer. Alles schien sich vor dem Schauer geflüchtet zu haben. Fräulein Luck wollte die Augen wieder auf ihre Arbeit richten, als über die Straße ei» Schwärm junger Mädchen lief. Es waren Arbeiterinnen, die im bloßen Kopf, oft nur ein buntes Bändchen im Haar, auf dem Nachhausewege waren. Sie drängte» lachend in das Hausthor neben die Alten. In diesem Augenblick kamen mehrere junge Männer vorbei. Auch sie schienen aus der Fabrik zu kommen. Sie gingen ohne Kragen und Kravatte, ihr Hemd, das oben aus der Jacke sah, war nicht mehr weiß. Sie blieben stehe» und schoben sich auch in das Hausthor hinein. Dann sprachen sie mit einander und lächelten. Die Mädchen kicherten und warfen heimliche und auffordernde Blicke nach den junge» Männern. Fräulein Luck's gelbes Gesicht durchzog eine jähe Röthe. Jetzt sah sie deutlich, wie die weißen Hagelkörner Striche vom Himmel zur Erde zogen. Ach ja— es war ja die Zeit, da die Mädchen frischer und anziehender aussehe», als den ganzen langen Winter über, und die junge» Männer so offen und unternehmungslustig umherblicken, als wären sie sich ihrer Kraft bewußt geworden... Damals hatte» sie die jungen Männer auch so keck und froh angeblickt. Aber sie wollte keinen von ihnen. Und die ans ihren Kreisen zogen sich von ihr zurück, wenn sie hörte», daß sie kein Geld inilbekam. Damals... Ihr Gesicht war wieder grangelb geworden. Die weißen Körner prasselten noch ans das Blech vor dem Fenster. Sie beugte sich über den Feilnagel, der Ring mnßte ja in einer halbe» Stunde fertig sein.—-- Kulturhistorisches. — Kräftige G e b e t l e i». Bayerische Blätter berichten, daß im südlichen Schwabe» um den Preis von 10 Pfennigen gedruckte Gebetlein verkauft werden, welche die Ueberschrifl trage»: „Jesus, Maria, Joseph! Anrufung z» Gott und dem heiligen Kreuz Christi." I» der gedruckten Empfehlung heißt es, dieses Gebet sei im Jahre 150S auf dem Grabe Christi gefunden worden, Kaiser Karl der Große habe es vom Papste zum Geschenk erhallen und es nach St. Michael in Frankreich geschickt. Wer das Gebet täglich bete oder beständig bei sich trage, werde keines jähen Todes sterben, in keinem Wasser ertrinke», in keiner Schlacht umkommen, von keinem Gift Ungemach haben, er, verde von Epilepsie nicht besallen werden, werde von Donner und Blitz keinen Schade» leide» und drei Tage vor seinem Sterbetag«in Zeichen von Gott erhalten. Gebärende»verde» leicht gebären, wenn ihnen das Gebet aufgelegt wird.— Völkerkunde. — Im Verein für Volkskunde sprach Dr. Seler über m e x i- ka nische Volkstrachten in alter und»»euer Zeit. Stach einem in der„Voss. Ztg." vorliegende» Referat verbreitete sich der Redner über den Gegenstand solgenderniaßen: Ueber die allen Trachten gebe» am besten Auskunft die eigenartigen Bildschrift«» der Azteken. Sahagu», einer der erste» Missionare in Mexiko, hat sich um die Sammlung derselben wie der Traditionen der Indianer erhebliche Verdienste erivorbcn. I» seinein»nexikanisch geschriebenen Werke zählt er unter den leiblichen Trachten nicht weniger als dreißig verschiedene Namen für Mäntel auf, fünfzehn Mutier von Schambindcn und die gleiche Zahl von Frauenröcken und Hemde». Die für Verdienste verliehenen Auszeichnungen bestanden vorwiegend i» Trachteuabzeichen. Am höchsten geschätzt wurden kriegerische Thaten,»vobei es namentlich darauf ankam, möglichst viel Gefangene zu erbeuten, den» lebende Gefangene brauchten die eivig hnugrigen Götter als Opfer. Die Kriegerlracht bestand ans einer Art von gestepptem Wattepanzer, der eine» ganz»virksamen Schutz gegen die Waffen ge>vährle, die den alten Mexikanern z» Gebole standen. Eisen rvar noch unbekannt und auch Kupfer und Bronze nur in geringen Mengen vorhanden. Die Waffe» bestanden daher nur aus Holzkuitteln und Wurfspeere», die mit Feuerstein- u»d Obsidianspitzen versehen waren. In den Holzschwertern waren nieist seitlich scharfe Obsidiansplitter eingekittet. Aus alte» Berichte» gehl hervor, daß man mit einem derartige» Schiverte einem Pferde »nitZi einem einzige» Schlage de» Hals durchschneiden konnte. Die vornehme» Krieger trugen außer dem Watlepanzer eine» bunten, federbcsetztcn Waffenrock und die für besondere Verdienste ver- liehenen merklvürdigen Abzeichen. Es»varen dies hahnenkamm- arlige, thierartige und ähnliche Symbole aus bunten Federn, die auf einem an den Rücken geschnallte» Gestell befestigt waren. Ei» anderer Kriegeranzug stellt eine Art Fuchs dar. Die Scham- binden wurde fast allgemein getragen. Nur bei einigen Stämmen im Norden und Nordwesten findet sich an deren Stelle eine Art Hemde. Alle Aztekenbilder fallen durch ihre eigenthümliche Haartracht aus. Besonders charakteristisch sind in dieser Hinsicht die Frauendarstellungen. Wahrscheinlich ivurden die Zopfenden so herumgenommen, daß sie»vi« z»vei Hörner an der Stirn auf- ragen. Alle Frauenbilder zeigen ferner Halskette und Ohreupflock und ein eigenartiges, auf der Brust spitz endendes Obergewand. Die Gölterbilder tragen die typischen Trachten in allerdings reicherer Form. Der Vollgott ist mit der königlichen Slirnbinde, dem Ab- zeichen der mexikanischen Könige geschmückt. Neben den mexikanischen Stämmen»veisen auch die alten Mayastänune in Jucatan und Guatemala eine hervorragende Kultur auf. Leider find alle diese Bilder ans alter Zeit lückenhaft, iveil»vir die alten Trachtenstücke nicht mehr an Originale» studiren können. da sich in Mexiko in alten Gräbern nur noch sehr»veuig erhalten hat und auch dieses Wenige fast gänzlich der Unkennlniß und Zerstörungswulh zum Opfer fiel. Das Prunkstück des modernen Mexikaners ist der große spitze Filzhut niit schwerer Silberborte. Dazu trägt er kurzes Jäckchen und eng anschließende Hosen. Diese Tracht ist jedenfalls erst von den Mönchen eingesührr ivorden. Mit der alten hat sie keinen Zusammenhang. Die Frauentracht dagegen stimmt in den Grundzügen mit der alten überei». Auch eine andere Gewohnheit hat sich»och von alter Zeit erhalten. Es ist dies das Tragen der Rückenlasten mittels eines Stirnringes, eines der Bilder, ivie man es aus den Landstraßen Mexiko's Tag für Tag zu sehen bekommt.— Geographisches. — Die diesjährige arktische Kampagne verspricht, nach „Petermain»'s Mittheilungen", eine außerordentlich starke Betheili- gung. Außer der Andröe'schen Expedition, über»velche Nachrichten vor Rückkehr der Thranlhierjäger aus Spitzbergen kaum zu erwarten sein dürften, sind allerdings keine Expeditionen mehr unterwegs. aber gesichert ist die Abfahrt von vier Expeditione». Der schivedische Geologe Nathorst hat die Erforschimg des Meeres- thcils z, vischen Spitzbergen und Franz Josef-Land sich zum Ziel genommen. Der dänische Lieutenant A in d r u p wird die Bor- expedition nach Ostgrönland führen, um die größere 1300 auszu- sendende Expedition zur Erforschung der noch unbekannlen Küsten- strecke zwischen König Oskar-Hafen und dem Scoresby- Sund vorzubereiten. Der amerikanische Ingenieur P e a r y kehrt nach dem nördlichen Theil von Westgrönland zurück, um die Nordküste von Grönland festzustellen und dann etappenweise nach dem Nord« pol vorzudringen. Wie im Jahre 1832 Greely, so will auch Peary die Brücken hinter sich abbrechen, indem er sein Expedilions- schiff„Windward", welches bekanntlich die Jacksou'sche Expedition nach Franz Josef-Land gebracht und wiederholt frisch verprovianlirt hatte, und welches von seinem Besitzer Harmsworth zu diesem Zweck Peary zur Verfügung gestellt worden ist, vom Sherard Osvorne Fjord zurücksenden wird. Von der Greely'scheu Ueberwintenliig in Grinnel-Land unterscheidet sich Peary's Plan insofern vortheilhaft, als selbst im Falle, daß später Verprovianlirungs-Expeditioneu das Wniterquartier nicht erreichen sollten, ein sicherer Rückzug über das Landeis nach der Melville- Bai offen steht. Auch der norwegische Kapitän Sverdrup, der Theilnehmer an der Nanseii'schen Expedition, will mit der umgebauten und dadurch seetüchtiger ge- wordenen„Fram" die nördliche Küste von Westgrönland zum Ziel nehmen, aber weniger in der Absicht, den Nordpol zu erreichen, als die Ersorschnng des Meeres im Norden von Grönland und Griimel- Land zu verfolgen.— Medizinisches. — Tragisches Schicksal. Das Wiener„Vaterland" er- zählt: Am 23. März waren 12 Jahre verflossen, seitdem der dm mals löjäbrige Schüler am Brünner Ctaaisgymiiasiiim Anton Cana im Rrankensaale Nr 31— Klinik des Hofrathes Nothnagel— an a l l m ä l i g e m Muskelschwund hoffnungslos darniederlicgt und nur durch eine außerordentlich sorgfältige Behandlung»»o Pflege erhalten wird. Cana, dessen Intelligenz und geistige Kräfte nicht stark gelitten haben, ist seit etwa sechs Jahren physisch ein Lebendiglodter. der. beständig ans Bell gefesselt, das ihm zur zweiten Heimalh gewordene Krankenzi miner während der letzlen sechs Jahr« nicht mehr verlassen konnte, seine» höchst traurigen Zustand jedoch in beispiellos bcwilndernngswürdiger Weise ertrügt. In sriihereu Jahren vermochte er noch, sich in den Parkanlagen des Spitals, wohin er von den ihn aufopfernd und liebevoll pflegenden Wärterinnen in einem Krankenstnhle getragen ivorden war, zu er- freuen, sowie durch Schreiben und Lesen sich zu vergnügen— seit sechs Jadren muß der inoderne Hiob infolge des Fortschreitens der fürchterlichen, oft mit großen Schmerzen oerbniidenen Krankheil, die auch eine bedeutende Abnahme der Sehkraft zur Folge halte, mit schwerem Herzen daraus verzichten. Gutherzige Patienten und Wärlerinneu pflegen dem Aerinste» ans Büchern und Zeitnngeii vorzulesen, das ist alles. Im verflossenen Jahre sollte er den Ans« enthalt aus der Klinik mir jenem im Hanse der Barmherzigleil für unheilbare Kranke vertauschen, wurde jedoch aus seinen sehnlichen Wunsch ans der Klinik behalten, wo er sein Leben beschließen ivill.— Nus dem Thierreiche. — D i e dnuklen Thiersormen der Gebirge be� Handell Professor 91. S. Packard tu einer Arbeit, der der„Pronietheils" 22 bis 23(Sr. C. friuärmf,«nd somit erfolgt das Trocknen anxer- ordentlich rasch. Nach der lcylen Trocknung werden die Bogen durch eine LeinckSsniig gezogen, damit der bei dem mehrmaligen Rnfenchlen verloren gegangene Leim ersetzt wird. Dann merden die Bogen geglättet. geschnitten, die Eiirzelscheine geriffelt und znr Ab- lieferung und Stempelung fertig gemacht. Diese Schein? erhält zu- nächst die Reichsschuldenverivallniig. die sie später nach Bedarf unter Rnssicht von zwei Beamlen in der Reichsdrnckerei mit Buchstaben und Nummern in rother Farbe bedrucken läßt. Sind die Reichs- bankiioten mit Ninmner» und Bnsfcrtiglingsstempeln versehen, so gelangen sie an die Raffe, von der gewöhnlich wöchentlich einmat die Ablieferung a» die Reichsbank erfolgt.— l�.Voff. Ztg.") HnmorisiischeS. — Unschuldig. Richter tzmu Zeugen):.Warum lcininen Sie so spät?"— Zeuge:..Eulschnloige». Herr Richter, meine Frau liegt im Kindbett."— Richter:.Ist kein Grund, Sie hätten sich wenigstens vorher eutschnldigeu müssen."— Zeug«: .Ja. aber wen» doch meine Frau im Kindbett liegt...— Richter (brüllt):.Schiveigen Siel Dafürkann i ch nichts!"— Zeuge (verwirrt):„Ich auch nicht, Herr Richter!"— — Abgefertigt. Protz(zu seinem Nachbar im Eisenbahn- Konpee):„Pfui, was ran che» Sie aber für schlechte Zigarre»!"— Nachbar:„Das kam, Ihnen doch egal sein, seitdem Sie keine Stninmeln mehr auflesen!"—(„Jugend") —(Sin Naturwunder. In Nr. 126 der„Berlinischen Nachrichten", Jahrgang löst?, lautet«ine Heiraihsauzeige:„Die am 22. September d. I. vollzogene ehelich« Verbindung meiner von dem verstorbenen Hofprediger Mörs geborenen Tochter:c."— das Folgende entniinnit: Es ist bekannt, daß die Insekten nnd besonders die Schmellertinge der Gebirge hänfig viel dunkler gefärbt sind als ihre nächsten Verwandten in der Ebene. Dies trifft nicht nur für die Alpen, sondern mich für die.weißen Berge"»nd andere amerikanische Gebirg« zu»nd gilt auch für die Käfer. Leydig schrieb .die Ursache der größeren Feuchligkeil der Berge zu. andcre habe» »den geringeren Lnstdruck, das stärkere Licht und besonders die Kälte verantwortlich gemacht, die nach den Versuchen von .Weisinniin, W. H. Edwards»nd neuerlich von Merrifield bei Schinetlerlingen entschieden Melanisnins erzengt. I» Eiskästen ge- haltene Schinellerlingspiippen verschiedener Arte» lieferte» dunkle Schmetterlinge. Schon Weinlanv hatte bemerkt, daß auch bei den Schlange» dunkler« Bergformen vorkomme», so Vipera. prester, oi« schwarz« Bergform der gemeineil Krcnzotler(Vipern beru«) und die schivarze Klapperschlange der White Monntains»> Nordamerika. Packard sah dasselbe bei der Slreifenschlange(Eutaeina sirtalis), deren dunkele Streifen ans Bergen viel breiter werden, und halte bald danach Gelegenheit, eine ans Monnt Snrprise getöctete Klapperschlange z» sehen, die mit Ausnahme der iveiße» Bauchseite völlig schwarz war. während sonst die gewöhnliche Klapperschlange der Ebene in ihrer viel helleren Färbung und Zeichnung wenig variirt.— Astronomisches. — Der neue Komet P e r r i n e. Ter„Franks. Ztg." wird geschrieben: Der neue Komet hat die Erwarluuge». zu denen seine helle Erscheinung bei der Entdeckung berechtigte, nicht erfüllt. Die Berechnung seiner Bah» um die Sonne ergiebt, daß der Komet bereits am 13. März der Sonne am nächsten war und sich»umnehr schon wieder von ihr entfernt. Er war damals von der Sonne"/w des Abstands Erd-Son»e entfernt, hätte also der Erde ans V10 ihres Abstandes von der Sonne nahekommen kömieu. tvenn er am 14 Juni durch diese» Punkt der Sonnennähe gegange» wäre; sein Abstand von der Erde hätte dann nur lö Millionen Kilometer betragen, während er jetzt 238 Millionen Kilometer ist nnd ebenfalls langsam zunimmt. Daun wäre der Komet, der jetzt schon z» den hellere» zählt, eine glänzende Erscheinung wie die große» Kometen von 1831 geworden. Jetzt ist schon ein kleines Fernrohr ersorderlicb. um ih» zu finden, der in langsam abnebniender Helligkeit aus de,,, Sternbild« des Pegasus i» das der Eidechse sind nordwärts bewegt.— Technisches. — In der Anfertigung des Papiergeldes für das Deutsche Reich und die Reichsbank besteht die Hauptaufgabe der Reichsdrnckerei. Das für Anfertigung des Papier- geldes nolhivendige Papier wird in einer Privalfabrik unter amt» licher Ueberwachnng hergestellt. Das Merkmal dieses PapierS besteht darin,„daß in die Papiermaffe aus der Papiermaschine millels eines palenlirten, von der Slaatsdruckerei erworbenen Verfahrens zahlreiche gefärbte Fasern wirr durcheinander eingebettet sind nnd diese weder durch Handarbeit»»auffällig auf anderes Papier aufgebracht,»och durch irgend ein Lichtdruckvccfahre» körperlich wiedergegebe» werden können." Mittels der Knpferdruckpresse werde» die von Künstler- l)anö entworfenen und in Kupfer gestochenen Figuren, Randleisten, Ausschristen n. s. w. auf das Papier übertragen. Der Druck dieser Reichs-Kaffenscheine ersolgt in de» Sälen der Neichsdrnckerei ans zwanzig Hand- und vier Schnellpressen. Zunächst wird die Farbe auf die Platte aufgetragen und über die Fläche mit großen Zeug' ballen gleichmäßig vertbeilt. Bei dem Druck durch Handpressen wird die Platte ans einen envärnileii Tisch gelegt nnd die Farbe mit Lappen von allen glatten Stellen entfernt, bis diese nur noch in de» Vertiefungen haftet. Diese Prozedur wird„Wischen" genannt. Die„gewischte" Platte wird mit der Bildseile»ach oben auf das Lauibrett der Presse gebracht nnd nach Auslegung des Papierbogens mit diesem zwischen die mit grober Gewalt gegen einander pressenden horizontale» Walze» der Presse hindurchgejchickt, und der Druck ist fertig. Vor jedem„«neu Druck muß die Platte wieder eingeschwärzt und gewischt werden. Bei der Schnellpresse wird das Einsärben nnd Wischen der Platte von der Maschine besorgt. Im Gegensatz znm Zeitungs-, Buch- und Accidenzendriick vollzieht sich der Drnck der Kassenscheine außerordentlich laiigimn. Die Handpressen machen, um gute und gleichmäßige Kassenscheine zu erziele», in der Minute»nr etwa drei Umgänge. Da die Kupserplatten sich verhältniß- mäßig sehr schnell abnutzen würde», so werden von dni Originalplatlen auf gatvanoplastischem Wege Nebenplatte» abgenommen, diese zu je vier oder je acht zu einer Druckplatte ver- einigt, von der dann gedruckt wird. Bon der Originalplalie wird nur ausnahmsweise einmal gedruckt. Natürlich muß das Papier vorher angefeuchtet werde», damit eine gleichmäßige Ueberlragung der Farbe erfolgt, und zwar wird dieses Anfeuchten durch eine besondere Maschine bewirkt, wobei eine Pumpvorrichtung das Wasser gleichmäßig durch die eingelegten Bogen hindurchpreßt. Sind die Bogen gedruckt, so kommen sie in den Trockenraum, der sich im Dachgeschoß befindet, nnd werde» an Rahmen und Leinen auf» gehängt. Di« Trocknung nimmt durchschnittlich vier Tage in An- sprnch. Künstig werden jedoch, um diesen Prozeß wesentlich zu beschleunige». Trockenschränke aufgestellt werden. Diese 3 Meter hohen und 1'/» Meter breiten, mit Glaswänden versehene» Schränke, Verden durch am Boden befindlich« Heizschlangen aus Vermischtes vom Tage. — Am Donnerstag ist in Straßbnrg i. E. eine i n t e r- nationale Lustscki»ffer-Ko nierenz eröffnet ivorde». Etiva 43 Gelehrte ans Deutschland. Oesterreich. Frankreich. Ruß» land und Amerika sind erschiene».— — Steckbrieflich verfolgt iverden zwei S e k o n d e lieutenants aus Bockenheim und G l o g a n. Der eine hatte einen Kauf- mann um ö M, der andere«in armes Tienstmädchen n>» 203 M. beschwindelt.— — In Frauenaurach wurde ein Gendarm im Walde er« schössen aufgefunden.— — In Nürnberg wurde am 27. März die erste össent- liche Lesehalle in Bayern eröffnet.— — In Augsburg wurde ein Mann von einem andern, den er anfgetmiert hakte, erstochen.— — Der Nachmittags- Schnellzug Raab— Graz entgleiste am .Mittwocb bei der Station Szemere. Der Zugführer wurde schwer, mehrere Reisende leicht verletzt.— — Ein Leinenwaarenhändler in dem holländische» Ort D o e l i ch e m erließ eine Anzeige, i» der er den Ausverlauf von Heinde»»nd Unterhose» ankündigt, jedoch hinzufügt, daß er diese Bekleidungsstücke nicht in seiner Auslage zur Besichtigung stellt, um das Anstandsgesühl des Publikums nicht zu verletzen.— — Im Dorfe Stepanowka(Bezirk Pntwil, Rußland) e r f ch l n g«in B a n« r seine F r a n und seine drei Kinder sowie seinen Nachbar mit Beilhieben nnd verletzte seine S ch>v ä g e r i n schwer. Er scheint ui einem Wahilsiimsaiisall gehandelt zu haben.— — In B r u ssa, S i w a und S n> y r n a finden, wie aus Konstantinopcl gemeldet wird, sortgesetzt starkeErdbebe» statt. — Ein« Bande von Verbrechern, die zahlreich« Räubereien begangen hatte, wurde in Setif(Algier) ansgehoben. 63 Ver- Haftungen wurde» vorgenommen.— — Die bejahrte Mutter des verstorbenen irischen Führers Parnell ist an Brandwilnden, Vie sie am Sonntag erlin, ge- starben.— — Die Boxerkämpfe in den Vereinigten Staaten nehme» nicht ab, trotzdem i» der letzte» Zeit häusige Unglücksfälle mit lädt- liche», Ausgange vorgekommen sind. In Trenlon(Staat Neiv-Jersey) erhielt kürzlich wieder ein Boxer einen Stoß, daß er ohnmächtig zusammenbrach und bald darauf starb.— — Ein reicher Protz in N e w- J o r k hat sich ein Haus gebaut, dessen Treppe allein«in« halb« Million Mark kostete.— — Eine amerikanisch« Papierfabrik hat sich«ine Maschine bauen lassen, die an jedem Arbeitstage 730 Zentner Papier in 12 Fuß breiten Rollen herstellen wi>d.— Die nächste Nummer des Unterhaltungsblalles erscheint Sonn« tag, den 3. April.__ Beranlwortlicher Rtdakteur: August Jacobe« ,» Berlin. Druck und Verlag von Max«ading in Berlin.