Ar. 196. AbomemeM«-Zedingunge»: ' CbonnementS- Preis pränumerando! Pierleljährl. Z.go Ml., monatl. l.IVMI., wöchentlich 28 Psg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Psg. Sonntags- Nummer mit«lluftrierler Sonntags» Beilage„Dt- Neue Welt" 10 Pfg. Post. Abonnement: 8,80 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zettung»- Preisliste für ISSS unter Er. 7080. Unter streuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Susland 8 Marl pro Mona«. 16. Jahrg. Erscheint laglich«Ilster Monlag«. Verliner Die Inftrttons- Gebühr � beträgt für die f-chSgefpaltene«olonel- »eile oder deren Raum so Pfg., für politische und gewerlschaftltche Verein»- und VersammlungS-Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Anseigea" jedes Wort 6 Pfg. (nur da» erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen biS 4 Uhr nachmittag» in derExpedttion abgegeben werden. Die Erpcditton ist an Wochen- tagen dt» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bt» 8 Uhr vormittag» geöffnet. Fernsprecher: Amt l, Ar. ISOS. Telegramm, Adresse:.. „Sorialdemokrat Berlin«"* Centrawrgan der soeraldemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth-Stratze 2. Mittwoch, den Ä3. August 1899. Expedition: SM. 19, Beuth-Steatze 3. Die Pariser Stratzenkrawalle. Paris, 21. August.(Eig. Ber.) Im Augenblick ist eS schwer, eine genaue Vorstellung von den gestrigen Strastenkrawallen zu ge Winnen. Vielleicht wird es überhaupt unmöglich sein, da die Berichte der mehr oder minder„unparteiischen" Zeitungen auf den poli- zeilichen Angaben beruhen. Die Polizei aber hat mannigfache Gründe. tnsbesondere auch die gestrigen Krawalle in schiefer oder falscher Weise darzustellen. Andererseits sind die Berichte der direkt beteiligten Elemente, des anarchistischen„Journal du Peuple" und der nätio nalistischen Organe subjektiv gefärbt beziv. bei den letzteren in üblicher Weise im Interesse der Stimmungsmache wissentlich ge fälscht. Andere Zeitungen schließlich, darunter die„Petit Nöpublique" geben offenbar wegen Mangels au sicheren Informationen einen farblosen Bericht, der die wichtigsten Punkte im Schatten lätzt. Aus den widerspruchsvollen Angaben läßt sich nur folgendes mit einiger Sicherheit erkennen. Gegen die manifestierenden Anarchisten, denen sich wohl auch etwelche socialistische Elemente angeschlossen haben, hat die löbliche Pariser Polizei ihre ganze Brutalität wiedergefunden, die sie in den letzten zwei Jahren und auch in den letzten Wochen bei ihrem Vorgehen gegen die nationalistischen Radaumacher verlernt hat. Die Sanft- mütigkeit der Polizei gegenüber den seit acht Tagen vor„Gusrins Beste" sich abfpielenden antisemitisch-chauvinistischcn Kundgebungen hat ja in erster Linie die anarchistische Kundgebung hervorgerufen. Es galt, die den Antisemiten ausgelieferte Straße für das Volk wiederzugewinnen, den Hochmut der von der Polizei begünstigten reaktionären Banden durch eine Massenkundgebung des echten Volkes niederzuschlagen... Ist nun dieser Zweck erreicht worden? Das„Journal du Peuple" stimmt freilich einen Jnbelgesang an. Die von ihm veranstaltete Kundgebung soll nicht weniger als 200 000 Teilnehmer auf die Beine gebracht haben— so versichert das Journal. Das ist aber eine arge llebcrtreibuug. Nur die socialistische Partei Iväre im stände, eine solche Massenkundgebung zu organisieren, wie sie es am 11. Juni auf dem Rennplatz vonLougchanip gezeigt hat. Dies- mal aber ist unsere Partei als solche der Kundgebung ferngeblieben. Das vor einigen Tagen auf das Verlangen der Allemanisten außerordentlich zusamnienbenifene Verstäudigungs- koinitee hatte sich auf folgende Erklärung beschränkt:„Die Delegierten jeder Organisation erklären, daß diese, welche Ereignisse auch vorkommen mögen, stets auf ihren Kampfposten sich einstnden werden für die Verteidigung der Republik und die Bekräftigung ihrer socialistisch-rcvolutiouäre» Politik." Die anarchistische Kundgebung hat aber auch deshalb ihren Zweck verfehlt, weil sie von schlimmen Ausschreitungen begleitet war. Die Erstürmung der Kirche in der Saint-Manr-Straße und die sich daran anschließenden Zcrstörungs- und Verbrennuiigsakte kommen den Gegnern der Republik so sehr gelegen, daß mau den Verdacht nicht unterdrücken kann, es handle sich nni T h a t e n reaktionärer �Zents provooabeurs. Die„Aurore", das Organ Clcmenceaus, spricht diesen Verdacht als eine Gewißheit aus. DaS „Journal du Peuple" dagegen triumphiert auch über jene Aus- schreitungen als ein Zeichen der„revolutionären" VolkSslimnrnng. Man nmß vor der Hand darauf verzichten, über diesen Prurkt ein bestimmtes Urteil abzugeben. Sicher ist dagegen, daß die Zusammenstöße zwischen Anarchisten und Polizei ausschließlich durch die herausfordernde Brutalität der letzteren verursacht wurden. Die antisemitische G e g e n k u n d g e b u» g des Abends trug einen viel ernsteren Charakier. Es läßt sich nun einmal nicht verkennen, daß die reaktionären Banden in- mitten der Gleichgültigkeit der großen Masse und dank der ihnen wohlwollenden Polizei sich als die Herren von Paris fühlen. Sie gehen denn auch stets als Angreifer vor. Sie irren nur darin, daß sie die Gleichgültigkeit der Masse niit einer aktiven, that bereiten reaktionären Gesinnung verivechseln. Die blutigen Vorgänge des Abends sind in beiden Beziehungen lehrreich. Während die sonst ja nicht sried- und furchtsam gestimmten Anarchisten nur im letzten Augenblick sich gegen die brutal dreinschlagende Polizei zur Wehr setzten, haben die Antisemiten und Konsorten von Anfang an die blutigste Offensive ergriffen— mit Steinen, mit aus dem Pflaster herausgebrochenen Stücken von Pferdebahnschieuen und Revolverschüssen. Schließlich ivagten sie sogar den Versuch eines Barrikadenbaues.... Aber sie blieben isoliert, ebenso wie am Nachmittage die anarchistischen Manifestanten. Die uniftchende Map'e rührte leinen Finger, sich nach Pariser Manlaffenart von sern am erregenden Schauspiel weidend. Es ist bezeichnend, daß die Polizei die blutigen Vorgänge i lit.fr Partei" in die Schuhe schieben will, weder den Anarchisten, noch den Antiseniiten!"... Dieses„weder— noch" ist köstlich, wenn man weiß, daß die Aufrührer unter dem Schlacht- ruf:„Hoch Gusrin I Tod den Juden!" kämpften. Die lieben Anti- jenuten sollen eben um jeden Preis reingewaschen werden. Tie Polizei verzeiht ihnen großmütig sogar ihre zahlreichen Ver- wundeten. Von den 59 verwundeten Polizisten sind nämlich nicht weniger als 48 am Abend im Kampfe gegen die antisemitischen Ver- fcchtcr des Gencralstabes verwundet worden. � llcbrigens bedurfte es des persönlichen Eingreifens des Polizei- se lt en Lop ine, der der Regierung loyal ergeben ist, um die Polijistcn zu einem energischen Vorgehen gegen die antisemiti- schcn Meuterer zu nötigen. Die Meuterei spielte sich in nächster Nähe der„Festung Guärins" ab. Es ist höchst wahrscheinlich, daß sie die Befreiung der Gusrinschen Bande zum Zwecke hatte. Der Gcsamteindruck des gestrigen Tages ist, daß die republikanische Regierung auch ihrer Polizei nicht ganz'sicher ist. während die Masse der Bevölkerung am liebsten stumpfe Gleichgültigkeit bewahrt und vor allem„ihre Ruh'" haben will. «« * Die Beste Gnörin hat immer noch nicht kapituliert. Der Koch Gttörius, welcher erkrankt ist. wurde in ein Lazarett gebracht. Auf Befragen gab er an, daß sein Zustand die Folge der Ent- behrungcn sei.' Ferner teilt er mit, daß Gusrin nicht'40, sondern nur ein Dutzend Leute bei sich habe, die Lebensmittel seien den Be- lagerten nahezu ausgegangen. Die nationalistischen Deputierten Millevoye und Gcrvaize er- suchten Waldcck-Rousscnu um die Erlaubnis, Gusrin zu sehen, die- selbe wurde ihnen jedoch verweigert. Ebenso wurde die Bitte um Wasser und Lebensmittel für die Belagerten abschlägig beschieden. In der Nacht zum Dienstag aber hat Gusrin, nachdem die Truppen durch wenige Gendarmen abgelöst ivaren, neue Lebens mittel aus einem gegenüberliegenden Hause zugeschleudert er- halten, was die Uebergabe nochmals hinauszieht. Für die Stimmung in Frankreich ist folgendes Telegramm aus Meziäres charakteristisch: Während der neue Kommandeur der 23. Brigade General Durant anläßlich der Uebernahme des Kommandos eine Revue über die Truppen abhielt, ereignete sich ein Zwischenfall. Als eine Anzahl Zuschauer beim Vorbeikonimcn der Fahne die Kopfbedeckung nicht abnahm, soll der General eine verletzende Aeußerung dem Publikum gegenüber gethan haben. Die Volksmenge begrüßte darauf in ostentativer Weise die Regimenter mit den Rufen:„Es lebe das Heer", verhielt sich jedoch beim Vorüberreiten des Generals schweigend. NolikifiHe Meöevfiihk. Berlin, den 22. August. Nachspiele. Man schreibt uns aus dem preußischen Abgeordnetenhause: In die sonst so trockenen Verhandlungen des preußischen Ab gcordnetenhauses ist jetzt ein leiser Schuß von Pikanterie hinein gekommen. Bei Materien, die sonst von dem Hause mit gleiche inütigem Gähnen abgcthan werden, wittert man jetzt versteckte man vieldeutige Erklärungen. Obgleich die nicht mehr existiert, obgleich der Kauab eine abgeurteilte Sache ist, so giebt Gegenstand, der ohne Beziehung darauf könnte. Während die aufgeregten' Liberalen und von Krisen und durchgreifenden Vcrände pitzen, erwartet preußische Affaire Handel bereits es doch keinen behandelt werden hin- und herrcnncn rungen orakeln, haben sich die Konservativen vollständig in die Situation gefunden und nutzen alle Chancen mit strenger Folge- richtigkeit aus. Sie sind zum Bewußtsein dessen gekommen, daß sie, wenn auch nur„Umstände halber", die Träger des konstitutionellen Gedankens geworden sind, und schlagen daher Plötzlich den verdutzten Liberalen gegenüber d i e Tonart an. die die anderen bisher ihnen gegenüber Jahrzehnte hindurch mit so wenig Geschick und so wenig Erfolg gebraucht. Der Herr Freiherr von Zedlitz erklärte heute mit viel Ironie und großer Würde dem Abg. Richter, daß die Rechte jetzt die Aufgabe habe, den k o n st i t u t i o n e I l e u Boden gegenüber den renk- tiouären Gelüsten der Linken zu verteidigen, daß die Rechte überhaupt für alle freiheitlichen Institutionen eintrete, daß sie die Sclbstverivaltung und die Stärkung der unteren, gewählten Organe solvie des direkten und öffentlichen Verfahrens erstrebe, tvährend die Linke nur die Bnreaukratie, das Komniando von oben her und das veraltete schriftliche und geheime Verfahren einführen ivolle. Natürlich ivar diese Erklärung der Sache»ach eitel Komödie. Es handelte sich um einen Antrag Kauitz— dieser Name sagt wohl schon genug der die Entscheidung über die Errichtung von Rentengütern der Generalkommission aus der Hand uehmen und den lokalen Behörden übertragen will. Diese lokalen Behörden, die da Plötz- lich das Princip der Selbstverwaltung vertreten sollen, sind aber völlig in dcrHand des Großgrundbesitzes und werden denWüuschen desGrafeu Kauitz. der keine Rentengüter in seiner Nähe haben tvill, keinen Widerstand entgegensetzen. Die Schivächung der Bnreaukratie bc deutet also in diesem Falle nichts ivcitcr, als daß den Herren Groß- juukern, zu deren Gunsten die Gesetze ja ohnehin gemacht werden, nun auch»och die Vollstreckungsbefuguis übertragen werden soll damit sie ganz ohne Kontrolle ihre„Liebe für den kleinen Mann" bcthätigen können. Wie sie sie bethätigen ivollcn, darüber spricht sich sehr deutlich eine gleichzeitig eingebrachte Resolution aus, die die Parzellierung und die Errichtung voii Rcntcngütern erschwert oder ganz unmöglich gemacht wissen will. Also materiell bleibt das Junkertum selbstverständlich Junker- tum. Aber formell kann es jetzt ungestraft auf die Barrikade des Freiheitskampfes steigen. Herr Richter, der nach 30 Jahren ununterbrochenen Wlltens gegen die reaktionäre Rechte jetzt das erleben mußte— schwieg. Was hätte er auch erwidern können, nachdem seine Parteipresse von der Regierung einen gewaltsamen Druck auf die entgegenstehende Gesinnung ver- langt hatte? Heute noch schreibt das freisinnige„Berliner Tage- blatt":„Wenn man auflöst, so kann sich die Regierung sclbstverstnud- lich nicht gefallen lassen, daß abhängige Beamte als Kanal- gcgner kandidieren, und noeb weniger, daß sie in der Wahlbcwcgung ciwa dcni Kampfe gegen die Kan'alvorlage Vorschub leisten. Wenn das Mimsteriuin derartige Wahlbcciuflussuiigen mit sofortiger Zurdispositionsstellung der frondiercndcn Beamten bcantivortct, so ivird alle Welt ihr recht geben." Also nur derartige Wahlbeciiiflussungen! Andersartige sollen gestattet sein. Daß die Regierung abhängige Beamte überhaupt kandidieren läßt, dagegen hat das wackere freisinnige Blatt nichts einzuwenden; aber daß sie sie als Kanal g e g n e r kandidieren läßt, das erfüllt es nnt Empörung. Ein solcher Liberalismus kann in der That die höhnischen Ausfälle triumphierender Junker mcht anders aufnehmen, als mit �chivcigeu. In, übrigen brachte die heutige Sitzung noch eine komische Episode: Die Regierung, deren Geschick noch immer in dunkler Mächte Hand ruht,' versuchte eS einmal mit der energischen Tonart. Und als Träger der Energie tvar der Laudivirtschaftsininister auserschen. Herr von Hammerstein, genannt die Null. Er and den Mut, den lapidaren Satz zu sprechen:„Der Antrag Kauitz ist für die Regierung unannehmbar!" Die Rechte lachte: Wer ist denn„die Regierung"? Wer wird sie morgen sein? Herr von Miguel, der heute in' einem melancholischen laugen schwarzen Nock erschien, sah wahrlich nicht furchtgebietend aus. In der heutigen Sitzung wurde auch noch mancherlei erledigt: die G e r i ch t S o r g a n i sa t i o n für Berlin und Umgebung zweiter Lesung, ebenso das Gesetz, betreffend die Gewährung von Zwischeukredit bei Rcntengutsgründungen. Hervorzuheben ist, daß. �.. das Ccntrum für seine Stellungnahme immer noch kein besseres giebt. Argument kennt, als einen Ausspruch des seligen Windt- 1 Horst. Herr Windthorst hat einmal gesagt: die Zerreißung des Berliner Landgerichts könne nicht schaden. Damit ist heute für Herr» Schmitz die Sache erledigt. Die Autheuticität jenes Aus- spruchs wurde nicht bezweifelt. Sonst hätten wir es am Ende noch erlebt, daß auch heute, wie vor IVa Jahren bei Festlegung des Flottcn-Sexeuats, man sich nicht um die Sache selbst gestritten hätte, sondern um die Frage, Ivie wohl Windthorst, wenn er heute lebte, sich dazu gestellt hätte, und daß wieder die bibelkundigen Schrift- gelehrten die Folianten Decennien alter stenographischer Berichte gewälzt und durch Schriftauslegung argumentiert hätten.— Die Kanalvers, Impfung macht Fortschritte. Am Montag hat eine Sitzung des Staats- Ministeriums unter Hohenlohes Vorsitz stattgefunden, deren Ergebnisse geheim gehalten»verden. Eine„entscheidende" Sitzung des Kronrats steht bevor. Ueber die Stellung des Ministeriums wird der„Frank- furter Zeitung" aus Berlin telegraphiert: „Die Auflösung des Abgeordnetenhauses gilt jetzt als wahrscheinliche Lösung. Wenigstens verlautet zuverlässig, daß Hohenlohe diese Maßregel entschieden befürwortet, wie es heißt, im Gegensatz zu Herrn v. Miguel. Das Verbleiben des einen oder anderen im Amte dürfte davon abhängig sein." Uebereinstimmend mit dieser Nachricht will die ultra- montane„Kölnische Volkszeitung" aus zuverlässiger Quelle wissen, daß Miguel der einzige Minister sei, der gegen eine Auflösung des Abgeordnetenhauses ist. Das Blatt sagt ferner, Miguel sehne sich nach Entbindung von seinem Amte; arbeitsmnde seien auch Minister Thielen und Dr. Bosse, sowie v. d. Recke, welcher bereits zlveimal dem Kaiser seine Entlassung eingereicht habe. Daß Aenderungen im Ministerium vorgenonunen würden, sei feststehend. Wie weit es sich hier um Kombinationen oder um zu- verlässige Angaben handelt, ist schwer festzustellen. Die Blätter gefallen sich"darin, einzelne Personen, denen sie nicht wohl- wollen, als zukünftige Minister zu tiennen, um ihnen dadurch die Karriere zu verderben. Die Organe der Junkerschaft benutzen weiter die seltene Gelegenheit, sich in der konstitutionellen Sprache zu üben. Sie reden diesen ihnen so fremden Dialekt bereits ziemlich geläufig. So plappert z. B. die„Deutsche Agrar- Korrespondenz" wie folgt: „Die Parteien der Stechten aber betrachtet der Kaiser, er hat eS oft genug deutlich ausgesprochen, als die modernen Träger deS nach seinem' Willen und nach seiner Vorstellung bis in die Neuzeit hineinreichenden geschichtlichen V a s a l l e n t u m s. Ihnen steht das Recht der Bethätigung anderer Meinung grundsätzlich nicht zu; ihre Pflicht ist es einfach, ihrem Märkgrafen zu folgen durch dick und dünn. Die schwerste Verfehlung aller seit zehn Jahren in Preußen amtierenden Berater des Monarchen besteht darin, daß keiner von ihnen den Mut gehabt zu haben scheint, es dem Monarchen mit der erforderlichen Rückhaltlosigkeit zu sagen, daß das Volk zwar einer geivissen poetischen Würdigung jener vom Kaiser so gern ins Moderne hinübergcrettetcn romantischen Auffassung noch fähig ist, daß es aber ihrer praktischen Bethätigung widerstrebt. ivcil es längst zu der durch die Lehren der neueren Geschichte innigst gefestcten Ueberzeugung gekomnien ist, daß die mannhafte Mitwirkung an der Gestaltung der Dinge im Nahmen des für diese Mitarbeit'ihm in der Verfassung zncrteiltcn Ausmaßes von Recht und Pflicht eine Vorbedingung für die Wohlfahrt des Landes und seines Herrscherhauses ist.'...'. Was iverden die nächsten Tage bringen? Auch das ist ein überaus schlimmes Zeichen der gegen- wältigen Zustände, daß niemand mehr an eine logische. Eutivickelung der Dinge glaubt und daß man sonach alle Prophezeiungen zurückhält. Die Presse der Rechten glaubt weder noch wünscht sie, daß die logischen Konsequenzen den vorangegangenen offiziellen Erklärungen folgen möchten. Die für diesen Wunsch gegebenen Gründe erscheinen flüchtiger Bc- trachtnng stichhaltig. Es ist ganz gewiß richtig, daß eine, Neinvahl zu ivcitreichender Verwirrung der Begriffe im Lande führen»uijztc und das Volk bis in die Tiefe und in einer bisher unerhörte» Weise aufregen würde. Und doch will uns scheinen, als sei eine wirkliche, dauernde Gesundung unserer Zustände nur durch diese— gewiß sehr angreifende, aber nur allein tief genug greifende— Kur noch möglich. Zunächst scheint es uns eine zwar ticfbctrübcnde, aber nicht mehr änderbare Thatsache, daß die persönliche Autorität des Herrschers durch die letzten Vorgänge zu stark engagiert ist, als daß Iv i r vom Standpunkt monarchischen F ü h l e n s aus ein unthätiges Zurück iv eichen wünschen dürfen. Erfolgen die so scharf und bestimmt angedrohten Kon- sequenzen jetzt nicht, dann wird für absehbare Zeit— niemand darf es sich verhehlen— keiner Kundgebung des Monarchen der von jedeni ehrlichen Monarchisten als notwendig empfundene Grad von Beachtung mehr bcschiedcn sein. Die Vermeidung einer in ihren Folgen unabsehbaren Schivächung königlicher Autorität muß gegenwärtig auch für uns im Vordergründe des politischen Interesses stehen'. Appelliert nun der Monarch an das Volk und stehen ihm hierbei, wie insbesondere beim Eingang der Antivort des Landes, aufrichtige, der Schwere ihrer Pflicht und Ver- antivortuug sich voll bewußte Männer zur Seite, dann wird der Monarch zu der, seine volle Autorität wieder herstellende!» Er- kenntuis sich durchringen, daß er am Ende des neun- zehnten Jahrhunderts nicht mehr ein absoluter Herrscher über Vasallen, sondern nur der machtvolle und geliebte Führer eines mündigen Volkes sein kann." Die Revision des monarchischen Gefühls, das die Junker- chaft gegenwärtig vornimmt, geht recht weit. Man wird aber an dem Tage den Fortschritt ivieder znrückrevidieren, wo es ich zeigt, daß es in Preußen auf die Dauer keinen Gegen- fatz zwischen dar ministeriellen und der junkerlichen Regierung Vorboten des Znchthausknrscs. ES ist erst kürzlich darauf hingewiesen worden, daß es ein wesentlicher Punkt der Zuchthausvorlage sei, die Streik- Verbrecher ohneAntrag der beleidigtenArbeits- willigen bestrafen zu können und wir haben bei dieser Gelegenheit erörtert, wie in der That diese Bestimmung zu den schlimmsten Drangsalierungen ftihren und den Hebel dazu bieten könnte, Streikführer ganz nach Wahl zu verurteilen und jedes Entlastungszengnis der Nächstbeteiligten, der Verletzten, als unglaubwürdig hinzustellen. Wir konnten zur Stütze dieser Ausführungen bereits auf einen Vorfall vor einem Dresdener Gericht hinweisen. Die„Sächsische Arbeiterzeitung" berichtet nun über einen zweiten derartigen Fall vor einem Dresdener Gericht: Angeklagt>var der Maurer Schöiihcrr. Er soll zweimal am 18. bezw. 19. Juli auf den Leivaudofokyschen Neubau in Löbtau gekommen sein und dort die streikbrecheudeu Maurer bedroht und efjrvcrletzt haben. Die Anklage legt ihm die Acußerungcn in den Mund:„Macht, daß Ihr aus dem Bau ranSkommt, habt Ihr denn gar keinen Berftand, Ihr Streikbrecher. Wir werden Euch schon rauSbringen, wir schlagen Euch mit dem Tragriegel raus." Sch. behauptet zunächst, gar nicht auf dem Bau gewesen zu sein, waS später auch von den Zeugen bestätigt wird. Er ist nur a» dem Nachbargrundstück bezw. auf der Straße mit zwei Maurern zusammengekommen. Er bestreitet auch die ihm zur Last gelegte Aeußerung. Er will nur gesagt haben:„Wenn Ihr jetzt die Arbeit nicht niederlegt, seid' Ihr selbst schuld, wenn Ihr später hinausfliegt". Der Angeklagte erklärt den Sinn dieser Aeußerung sehr ein- leuchtend dahin, daß er gemeint hat, wenn die tüchtigen streikenden Maurer wieder die Arbeit ausnehmen, werden die wenig lcistuugs- fähigen Arbcitslvilligen entlassen. Der Polier des Baues hätte selbst erklärt, er könne mit den ungeschickten Leuten nichts machen. Dem Vorsitzenden des Gerichts will diese Definition durchaus nicht in den Kopf. Er sucht durch allerhand Fragen die Sache so dar- zustellen, als ob die vom Angeklagten zugegebene Aeußerung so gemeint sei, daß die Arbeitswilligen von den Streikenden vorn Bau vertrieben werden sollten. Weil der Angeklagte bei seiner Erklärung bleibt, wird ihm II n e h r l i ch k e i t in seinen Angaben vorgeworscn. Immer wieder redet der Vorsitzende ans ihn ein, er solle der Wahrheit doch die Ehre geben, bis der Verteidiger endlich dem Hin und Her ein Ende macht und mit nachdrücklicher Entschiedenheit die Erklärung des Angeklagten als die logisch richtige hinstellt. Als Zeugen ivarcn die„bedrohten" Manrer Borten und Gcnsitz sowie der Bauunternehmer LcwandosSky geladen. Zeuge Borten erklärt auf das bestimmteste, vom Angeklagten nur die Aeußerung gehört zu haben:„Euch Brüder werde» wir schon heraushelfen." Im übrigen weiß er nichts. Eine drohende Haltung habe der Angeklagte nicht angenommen. Der Zeuge Gensitz hat vom Angeklagten nur die Worte gehört:„Kamerad, w i l l st Du nicht die Arbeit niederlegen?" Der Vorsitzende redet eindringlich auf die Zeugen ein, ja alles zu sagen in Rücksicht auf den Eid. Er verweist auch darauf, daß die Zeugen bei ihrer früheren Ver- nehmnng laut Protokoll mehr gesagt haben sollen. Die Zeugen bleiben bestimmt bei ihren jetzigen Angaben stehen. Wenn sie die Wahrheit sagen sollen, könnten sie nicht mehr sagen. Nun», ehr meint der Vorsitzende, daß die Zeugen wahrscheinlich eingeschüchtert(!) worden seien. Auch das be st reiten diese ganz entschieden. Auch hier sieht sich der Ver- leidiger wieder veranlaßt, zum Schutze dcS angeklagten Maurers und— der Zeugen einzugreifen. Dann kommt der Zeuge Bauunternehmer LewandofSky an die Reihe. Es stellte sich bald heraus, daß er die ganze Anklage mit Hilfe der Polizei in die Bahnen geleitet hat. Selbst weiß er von den angeb- lichen Strafthaien des Angeklagten rein nichts. Die Bedrohten sollen aber zu ihm gekommen sein und die Angaben gemacht haben, welche dann Aniaß zur Anklage wurden. Er habe die Polizei holen lassen, und da sei gleich ein Protokoll nieder- geschrieben worden» Maurer Feierabend bekommen würden. Der Vorfall wurde deshalb als»villkommencr An- laß betrachtet, die unangenehmen Mahner für geordnete Arbeits- Verhältnisse los zu»verde»», um sie durch die gefügigen Elemente vom„Arveitcrschutz" zu ersetzen. Eine Fordcning, die im„Arbeiter- schütz" organisierten Manrer zu entlassen, konnte gar nicht gestellt »verde», da die Majorität der ans dem Bau beschäftigten Mnurer diesem Verein angehörte. So der uns' zugegangene Bericht, man vergleiche damit die Schilderung des Centrilmsblattcs. Es»väre den christlichen Leitern des' Vereins„Arbeitcrschntz" dringend zu raten, daß sie in ihre» Sonntngserbaulingen recht oft als Thema für ihre Predigt anfsetzci»: „Du sollst nicht fälsch Zeugnis reden wider Deinen Nächsten", viel- leicht ist unter den Milglicdcrn noch eine Regung zum Bessern vor- Händen, in der Redaktion der„Märkischen Volkszeilung"»väre daS Bemühen fruchtlos._ Für die Zuchthansvorlage spricht sich auch die H a n d e l s ka m m e r von Halle a. S. in ihrem jüngsten Jahresbericht ans. Das»väre nun weiter kein Anlaß, viel Aufhebens von diesem neuesten Zuivachs im Lager der Znchthansfrcunde zu machen. Aber die Weisheit, die der Handels- kammer-Bericht dabei zum besten gicbt, ist doch so originell imd für die socialpolitischc Rücksländigkcit der meisten deutschen Handelskammern so charakteristisch, daß wir den Ausführungen der Handelskammer einige Worte»vidincn»vollen. Der Bericht glaubt zunächst konstatieren zu müffcn, daß ein guter leistungsfähiger Arbeiter heutigen Tags für sein Fortkommen nicht zu sorgen brauche. Freilich müsse cr den nämlichen guten Willen mitbringen»vie sein Arbeitgeber. Das sei leider heutzutage nicht der Fall. Denn während der„Arbeitsgeber" sich Mühe giebt, geeignete Arbeitskräfte an seinen Betrieb zu fesseln und cincii beider- scitigcn befriedigenden Verkehr anzubahnen, begegne ihm ans seiten der Arbeiter vielfach Mißtrauen und eine Unzufriedenheit, die auf fremde Einflüsie himvcisc. Und nun kommt ein Ausfall auf die Socialdemokratie und die Arbcitcrbeivcgung, der klassisch beweist, Ivelche socialpolitischc Finsternis in den Köpfen der Handelskainmcr-Mitgliedcr von Halle a. d. S. herrscht. Es heißt»vörtlich: „Das ist die Saat, lvclche frühzeitig in die Gemüter der jngaidlichen Arbeiter durch fremde Elemente, zumeist von einer Seite ansgcstrcut»vird, die sich zur Führung um so»veniger eignet,»vcil sie nicht gewillt sind, durch eigne Arbeit den Lohn zu erwerben, der— sei sie körperlich oder geistig— ihr von Rechtswegen gebührt." Wir»vollen»ms nicht über das gute Deutsch des Herrn ans- hallen, der den HandclSkammcr-Dericht abgefaßt hat, aber sicherlich stamnit er von einer Seite her, die nicht in der Lage„sind", über die Qualität anderer Personen zu urteilen. Es ist eine bodenlose Unverfrorenheit, die sich der Hnndclskainmer-Bcricht zu Halle a. S. zu schulden kommen läßt,»venu cr denjenigen Personen, die an der Spitze der Arbeitcrbcivegnng stehen, die Interessen der Arbeiter schriftstellerisch, gciverkschaftlich oder parlamentarisch vertreten, den Vorwurf macht, daß sie nicht gewillt seien, durch eigene Arbeit den Lohn sich zu erwerben, der ihnen von Recht«»vcgen gebühre. Ein Handclskammersckrctär, der die Interessen von Handel und Industrie vertritt und dafür bezahlt»vird, sollte, ehe er seine Nase in Dinge steckt, die ihn nichts angehen, sich überlegen, ob nicht die Vorlvnrfe. die er anderen machen will, ans ihn in allererster Linie angeivendet werden könnten. ES spricht auS dem citicrtcn Satz nicht niir dreiste Anmaßung, sondern mich ein solches Maß von wirtschaftlicher und sociakpolitischer Versländnislasia.keit, daß uns eine Handelskammer danern kann, die der Ocffcntlichkeit gegenüber sich selbst so brandmarkt,»vie es seitens der Handelskammer von Halle a. S. geschieht. Aber daS ist noch nicht das schlimmste. Man höre weiter, ans »vclchcn Ursachen nach dem Soeialpolitikcr der Handelskammer die Freizügigkeit der Arbeiter basiert ist. Der Bericht meint, daß ans dem Mißverhältnisse zivischcn einer rechtinäßigen, gern zu- gestandenen und einer fälschlich begehrten Existenz' und LebenS- ührung die vielfältig beklagten Erscheinungen hervorgehen, daß den Arbeiter trotz guten' Auskommens die Wanderlust ergreift und er 'einen Arbeitsplatz nncrklärlicherlvcise verläßt, nn»„an einem anderen Orte oder ans einem univeit davon gelegenen Werke Arbeit zu nehmen, oft genug, ohne sich in seinem Einkommen zu verbessern." Nicht eine Spur von Einsicht in den modernen Arbeitsprozeß niiscrcr Industrie, der den freizügigen Arbeiter zur Voraussetzung hat, findet sich in dem Gehirn des Herrn, der die Freizügigkeit der Arbeiter ans ihre unerklärliche Wanderlust znrücksührt. Endlich fehlt auch in dein Bericht nicht die Bc- hmiptniig, daß die Lohnvcrhältnisse sich nicht nnlvescntlich verbessert hätten.'DaS Nkntcrial zu dieser Bchanptnng fehlt natürlich. Es »vird einfach,»vie so oft, die Behauptung anfgcsicllt und mit ihr operiert. Es ist nicht ander? zu erivarten, als daß Personen, die so strafbar zurückgebliebene Ansichten über socialpolitische Fragen ent- wickeln, für die Znchthansvorlage eintreten. ES kennzeichnet aber auch das Niveau allgemeiner Bildung, auf dem die Industriellen des Handels kammerbezirkS Halle n. S. stehen, daß sie solche AuS- ührnugen in der Oeffcmlichkeit zu vertreten sich nicht scheuen. Der Kaiser ist DicnStagnachmittag in Potsdam eingetroffen. Recke läßt sich seine Wurschtigkeit von Schwcinbnrg in den „Verl, Pol. Nachr." bescheinigen. Gegenüber dem Boykott, den die Konservativen über den Minister des Jiuiern verhängt haben, ver- sichert das genannte Organ, es»vürde„von einer nicht gewöhnlichen Naivctäl der Aufsassniig zeugen, wenn irgend eine parlamentarische Fraktion glauben wollte, einen M i n i st er persönlich zu ärgern, indem sie eine in sein Ressort schlagende Vorlage unter den Tisch fallen läßt": „Ob die Ncu-Organisation der Polizei in den Vororten von Berlin angenommen oder, infolge von Parteiranküne, dilatorisch behandelt wird, kann den Minister v. d. Recke s o Ivenig ärgern als es ihn persönlich schädigt. Den Schaden einer so unsachlichen Bchandluugsiueise trägt einzig das Land, das an der thnnlichst baldigen Durchführung der Neuerung lebhost interessierte Gemeinlvohl; dessen Veivertun'g en bagatelle", lote sie in der Zurückweisung der Vorlage an die Kommission zu Tage getreten ist, sich allerdings dem Verhalten der Konservativen in Sachen des Mittelland-Kanals ebenbürtig anreiht," Herr Recke hat also persönlich»veder Schade»» noch Aerger von dem Boykott, und das genügt für seine Begriffe von ministerieller Vcrannoortlichkeit, um sich durch das Mißtrauensvotum nicht geniert zu fühlen. Man sollte Herrn v. d. Recke zu seiner konstitutionellen Aus- bildnng auf ein paar Jahre in parlamentarisch regierte Länder senden.— 30V Millionen für Samoa! Ter Landtags- Abgeordnete Ring- Düppel erläßt im„Schöneb. Stadtanz." folgende Er- klärung: „Wie mir soeben mitgeteilt Ivird, haben mehrere Berliner Zeitungen unbegrciflichcrwcise die Nachricht gebracht: ich hätte für die Kanalvorlnge gestimmt. Dies ist selbstverständlich völlig u n Iv n h r. Prineipiell kein Gegner der Wasserstraßen, kann ich für einen Kanal, der 300 Millionen kosten soll und sicher- lich 409 Millionen kosten wird, nicht eintreten, so lange die »närkischen Flußläufe alljährlich infolge gänzlicher Ver- wahrlostnig durch U e b e r s ch>v e m m u n g e n verheerendster Art heimgesucht werden, die Hunderttausende treuer Marler um Hab und Gut dringen, ohne daß der Staat Mittel zur Abhilfe bereit stellt, trotz alljährlich vor- gebrachter Verziveifelter Nothschreic und zahlreicher Petitionen. So lange die Finanzpolitik Preußens auf den Erträgen der Eisen- bahnen basiert, ist es jedenfalls eine verkehrte Politik, mit dem Gelde der Sreuerzahlcr kostbare, ertraglose Kanäle zu bauen, um den Eiscnbahncu eine künstliche Konkiwrenz zu schaffen und ans diese Weise neue Stenern notlvcndig zu mache».— Für die Flotte, um die Schmach von S a in o a auszugleichen, würde jeder konservative Abgeordnete obige Summe gern der Regierung zur Verfügung stellen. Daß in Preußen alle Kulturaufgabcn Not leiden, also auch. die Fkußregulterungcn, stimmt. Immerhin beruhen die preußischen Ausgaben»vcnigßcns teilweise ans dem direkten Steuersystem, das die Besitzenden,»vciin auch unverhältnismäßig schivach, mit- trifft. Herr Ring»vill nun aus den Mitteln der die Arbeiterschaft ausbeutenden indirekten ReichSfteuern 399 Millioncir zur Aus- wetznng der Schmach von Samoa bclvilligen. Auf anderer Leute Kosten lassen sich gut 399 Millionen spendieren. Indessen Herr Ring vergißt, daß cr für das Reich überhaupt nichts zu be- willigen hat,»vcil er lediglich im preußischen Abgeordneten» h a u S sitzt.— Eine Erinnerung. Die„Franks. Ztg." erzählt: Vor Beginn der entscheidenden Sitzung dcS Abgeordnetenhauses teilte der Präsident mit, daß der Abgeordnete v. Hasselbach, seines Zeichens L a n d r a t in Nenha'ldenSlcben, sein Mandat niedergelegt habe. Augenscheinlich ist cr ein Opfer der berühmten lliilcrrcdung mit Herrn v. d. Recke gcivorden, denn Herr von Haffclbach hatte gegen den Mittcllaiid-Kanäl gestimmt, wünichte aber augenscheinlich nicht, diese llcberzcugnngStreue in der dritten Lesung zu bethätigen. Parlamcntarislt, ist Herr von Haffclbach nicht »veiter hervorgetreten— bis aus eine Gelegenheit. Ihm gelang es nämlich, frisch auf seinen jetzigen Posten versetzt, mittels starker Beeinflussung den Wahlkreis Wol mir st edt- NeuhaldenS» leben mit geringer Mehrheit seinem freisinnigen Inhaber v. Forckenbeck zu entreißen. Kurz darauf kam der alte Kaiser Wilhelni I. zur Jagd in jene Gegend, und der landrätliche Reichstags- Abgeordnete»vurde ihm vorgcftellt. Der Kaiser, der offenbar über dielen Wahlsteg»vohl nnterrichlel»var, richtete an Herrn v. Hasselbach die Frage: Wo er denn das Wählen so gut gelernt habe? Der Landrar erividerte prompt:„In Ostpreußen, Eiv. Majestät." Darauf soll der Kaiser lachend bemerkt haben:„Dann haben Sie eine gute Schule gehabt."— Der Herr erhielt darauf einen Orden — ist aber später nicht mehr in den Reichstag geivählt worden und blieb— Landrat in jenem Kreise bis zum hcl'uigen Tage. Und nun zivischcn allerhöchste Ungnade und den Zorn des Bundes der Land- »virte gestellt, brachte er dies Opfer des Intellekts.— „Nationale Gefahren" entdeckt die„Post" in ihrem heutigen langen Leitartikel. Darunter versteht sie aber nicht etwa die Politik der Land- und Schlotfcndalcn, sondern die— Polen. Ablenken ist die Hauptsache!— Grobe lkukeimtniS der RcichSverfasinng offenbart die „Deutsche Tageszeitung", indem sie zu dem im„Vor- ivärts" erörterten Borsltilagc, dem Reichstag die Kanalvorlage vor- zulegen, behauptet, nicht die Herstellung der Land- und Wasser« straßen im Interesse der Landesverteidigung sei ReichSsachc, sondern nur die Beaufsichtigung dieser Herstellung. Nach Artikel 4 unterliegen natürlich nicht nur der Bcaussichtigung sondern auch der Gesetzgebung derlei Kanalprojckte. Fürchtet die„Tcnrschc Tageszeitung" den Vorschlag so sehr, daß sie rhn alS verfassungswidrig ericheinen lassen' möchte?— Eine für die Gerichte beleidigende Interpret»«»» lassen die„Nenesten Nachrichten" dem Flugblatt« zu Teil»verden, daS am Sonntag hier von den Parteigenossen verteilt wurde. Die „Neuesten Nachrichten" behaupten, m dem Flugblatte würde den deutschen Gerichten mit dürren Worten vorgeivorfen, daß sie daS Recht beugen z» Gunsten der Regierung. In dem Flngblatte heißt es nach einer Besprechung der Znchthansvorlage:' Mau denke sich diese Paragraphen Gerichten anvertraut, die Recht sprechen,»vie es der preiitzische Jnstizminister gefordert und der höchste sächsische Gerichtshof in der Praxis durchgeführt hat: daß es nicht dasselbe sei, lvenn zwei dasselbe thun, daß Social- demokraten grundsätzlich anders zu behandeln seien,»vie An- gehörige der übrigen Parteien!" Aus der Konft'alierling dieser beiden feftstrhcndcn Thatsachen. der Aeußerung Schönstedts und der Ansicht des sächsischen Ober- Landcsgcrichts, lesen die„Neuesten Nachrichten" den Vorwurf der Rcchtsbeugimg heraus. Wir können nicht finden, daß die„Neuesten Nachrichten" den deutschen Gerichten niit dieser Auslegung unbestreitbarer und unbestrittener Thatsachen einen guten Dienst leisten. Zehn Gerichte, elf Urteile nnd kein Recht. In der„Deutschen Juristenzeitling" liest man: Gutsherr und Bancrngemeinde stritten über die Pflicht zur Besoldung des Nachtivächtcrs. Die Klage der Gemeinde auf Erstattinig eines einjährigen Gehalte?»vurde vom Aiinsgcrichl an das Landgericht verwiesen jl. Urteil nachdem der Gutsherr durch Widerliage die Besoldnngspflicht im ganzen zum Streitgegenstände gemacht hatte. Landgericht und Ober- laiidcsgericht erkannten zur Sache(2. und 3. Urteil); das Reichsgericht ivicsjs.)»vegen Unzuständigkeit der ordentlichen Gerichte(und Zuständig- keit der Vcrlvnltuugsgerichte) ab. Nunmehr erkannten Kreisausschuß nnd Bezirksausschuß zur Sache so. und 6.), das Obcrverwaltungs- gericht aber s7.) aus Unzuständigkeit der VerlvaltuiigSgcrichte. Den hierauf erhobenen negativen Konpeteiizkonflikl wies der Gerichtshof zur Eitischeidung der Kompctciizkoiiflikre zur Zeit ab(3.), weil nicht feststehe, ob nicht statt der ordentlichen und der Berwaltungs- gcrichte die Aiiscinandersetzuiigs-Behörden znständ'.g seien. Die deshalb angerufene Gencralkoinmission sv.),»vie auch das Ober- landeskulturgericht s19.) verneinten diese Zilständigkeit durch Urteil. Der abemials angegangene KompctenzgcrichtShos nahm jetzt den negativen Konflikt als gegeben an, erklärte diirch Urteil(Ii.) den soroentlichcn) Rechtsweg für zulässig, hob deshalb das Urteil dcS ReichsgenchiS(zu 4.) auf nnd wies die Sache zur anderweiten Ver- Handlung und Entscheidung an dos Reichsgericht. Auf Ernnd dcS L 17. 2 der prcnßnchen Verordnung betr. KompctenzkonMkte vom 1. August 18'9 ersuchte der Jnstizminister durch Vermittlung des NeichS-JustizamteS das Reichsgericht als doS mit der Sache befaßte Gericht um Zustellung dieses UrtcilcS des KompctcnMrichtshofcZ. Das NeichZgcncht aber beschloß sim Juni dieses Jahres), die Zustelliuig wegen llnzulässigkeit deS weiteren gerichtlichen Verfahrens abzulehnen. War der positive Koiupereuzkonflikt erhoben, während eine Prozeßsache in der RcvisioiiSiustanz schwebte, so hat das Reichs- geeicht allerdings stets eine Entscheidung des Kompetenz- Gerichts- Hofes, die den Konflikt siir begründet erklärte, als bindend an- gesehen und das Verfahren eingestellt. Es gesteht aber dem preußischen Kompetenz- Gerichtshof nicht die Befugnis zu, eine vom Reichsgericht schon getroffene Entscheidung aufzuheben und das Reichsgericht zu andcrweitcr richterlichen Thätigkeit anzuweisen. Es besteht also ein Rechtsstreit, aber kein Gericht hält sich bc- Nlfcn zur Entscheidung. Die Gemeinde muß zahlen und der Guts- Herr behält sein Geld.— Eine Maifcicr-Ttatistik stellt der Verband der Holzindustriellcn im Bezirk Leipzig auf. Auf besondere Fragebogen, die wahllos an Gerechte und Ungerechte versandt wurden, soll jeder Untemehmer alljährlich Zahl und Namen und genaue Personalien aller Arbeiter und Arbeilcrinncn angeben, die am 1. Mai feiern. Es dürfte als ein erfreuliches Ergebnis angesehen werden, wenn die Listen recht voll würden und kein einziger Arbeiter fehlte. Ausland. Strastcuknmpfc in Qcstrcich. — st— Wien, 21. August. Der Kampf gegen die absolutistische Wirtschaft der Regierung hat Sonnabend und Sonntag in zwei böhmischen Städten zu großen Strnßcncxccsscn geführt, die in einer davon, in der Musikinstrumenten- stadt G r a s l i tz, mit dem Tode von vier Menschen endeten. Die Demonstrationen begannen am Sonnabendabend. Da die Regierung in ihrer Verblendmig das Versammlungsrecht ganz koufisciert hat und jede Protestvorsanunlnng einfach ver- bütcii_ wird, so bchilst sich die erregte Bevölkerung überall mit«traßcnaufzügen So zog auch in Graslitz am Sonnabend- abend eine viclhnndcrtköpfige Menge, Deuts chnationale und Social- dcmokraten, vor das Gebäude der Bezirkshauptmannschaft, dessen Lcilcr— wie überall in Oesircich ein Graf— durch seine Chicanen besonders mißliebig geworden ist. Dem Auge wurden symbolisch Znckcrhüte vorangetragen, und Rufe gegen die Regierung wechselten mit Absingnng von Kampfliedern. Die Behörde wollte den Zug zerstreuen und die Gendarmen schritten mit gefälltem Bajonett ein; da ihrer jedoch nur wenige waren, mußten sie vor der erbitterten Menge flüchten. Der Angriff der Gendarmen hatte die Erregung»och gesteigert und die Wut machte sich in einem Steinhagel Lust, dem sämtliche Scheiben des Amtsgebäudes zum Opfer fielen. Für Sonntag hatte die Behörde die Gendarmerie um 1ö Mann verstärkt. Diese Maßregel wirkte jedoch nicht ab- schreckend, sondern aufreizend. Am Abend fanden neuerlich Ansamm« Inngcn statt. Die Gendarmerie enreuerte ihre überflüssigen Zer- strcunngsversuche. Die Menge verschanzte sich in einem Hotel- gebäude, von wo heraus auf die Gendarmen ein wahres Bombardement eröffnet wurde. Sie wurden mit Bicrkrügcn, Tassen, Kohlenstückcu beworfen; die zumeist aus jungen Leuten gebildete Menge, meist Deutschnattonale, geberdete sich, als ob sie alle Besinnung verloren hätte. Die Gendarmerie zog sich auf etwa hundert Schritt« zurück, freilich nicht ohne zehn Verhaftungen vor- genommen zu haben. Eine aus dem Bürgermeister und drei deutsch- nationalen Vertrauensmännern bestehende Deputation suchte in diesem Lrigenblick den Anitsleiter zu bestimmen, die Verhaftungen rückgängig zu machen und die Gendarmen zurückzuziehen. Das spielte sich schon in später Nachtstunde ab und eS war also klar, daß die Entfernung der Gendarmen daS beste, ja einzige Mittel sei, die Volksmenge zur Raison zu bringen. AuS reiner LutoritätLiucht lehnte der al« Scharfmacher bekannte Kommissar das Ansuchen ab. Um zwei Uhr nachts wurde da« Begehren noch einmal wiederholt. Was sich nun ereignete, ist noch nicht ganz klar. Nach dem offiziellen Bericht loll gegen die Gendarmerie ein Schuß abgefeuert worden sein, der einen Wacht- meister getroffen hatte, worauf die Gendarmerie von der Waffe Gebrauch machte. Zwei Tote blieben so- fort auf dem Platze; von den sechs Schivcrverwnndctcn starbenuochinderNachtzwci, so daß man bereits vier Totenopfer zählt. Heute ist in GraSlitz Militär angekommen; die Bevölkerung befindet sich aber noch imnier in der größten Er- regung. Rcichsrats-Abgevrdneter Dr. Verlauf, zu dessen Wahl- bezirk Graslitz gehört, macht die größte» Anstrengungen, um die Ruhe herzustellen, aber die Anwesenheit der„bewaffneten Macht" reizt die Leute iminer von neuem. Weniger tragisch, immerhin aber ernst genug waren die Vor- gänge, die sich m A s ch, einem der Hauptsitze des dcutschnationalen Jrredcnttsmus am Donnerstag, dem Vorabend von Kaisers Geburtstag abspielten. Die Demonstration hatte hier einen ausgesprochen a n t i d y n a st i s ch e n Ch arakter. Der Zapfen« streich, mit dem das Kaiscrfcst gefeiert hätte werden sollen, wurde abgesagt, um die Bevölkerung nicht aufzuregen. Um 8 Uhr abend? herrschte in- der Stadt lebhafte Be- wegung, gut 10 000 Leute waren auf den Beinen. In der ganzen Stadt war nur eine einzige schwarzgelbe Fahne zu sehen, am Postgebäude, und diese mußte, da die Menge Miene machte, das Gebäude zu stürmen, zurückgezogen werden. Vor der Bezirkshauptmannschast hatte eine Wache-Abteilung Auf- stellung genommen. Plötzlich v'. asselte ein Steinhagel über ihre Köpfe hinweg und sämtliche Fenster des Ge- bäudeS gingen in Trümmer. Die Wache mußte sich flüchten und die Menge zog gegen die Gcndarmcriekaserne, der gleichfalls die Fenstcr eingeschlagen wurden. So war es auch beim katholischen Vereinshause, wo die Situation am kritischtcn ward. Auf dieses wurde eine förmliche Attacke ausgeführt. selbst die Scheiben im letzten Stockwerk gingen in Scherben. Der Sturin auf das klerikale Heim wurde deshalb unternomnien, ivcil darin den von auswärts aiigelangten Geiidarinerieverslärkmigen, die in der ganzen Stadt keine Unterkunft erhalten hatten, Quartier und Verköstigung gegeben wurde. Die Behörde war vollständig niachtlos, es blieb ihr nichts übrig, als die Dcnion- stratioiicii gewähre» zu lassen, denen erst die späte Nacht ein Ende machte. Man kann diese Maffenexccsse natürlich nicht billigen, aber be- grciflich sind sie leider nur allzu sehr. Ein Staat ohne Parlanient, ein Volk ohne VersamnilnngSrecht und Preßfreiheit: da müssen sich eben die Argumente der Masse eil, stelle». Es ist nicht bloß die Emponmg gegen die Regierung, die aus ihnen spricht, es ist die Wut gegen dieses O e st r e i ch, die unausgesetzt zu so lraungeii Ausbrüchen führt. Wenn sich die Machthaber nicht bald zur Einkehr und Ilmkehr ciitschlicßcn, so wird der ZersctzuugSproceß bald unheilbare Formen annchmen.— Die Pest in Portugal. Aus Lissabon wird der„Internationalen Korrespondenz" geschrieben: Endlich haben sich die hiesigen Zeittiiigen aufgerafft, um in nachdrücklichster Form gegen daS bisherige VerhciuiliaimigSsystem der Regicning Einsprache zu erheben. Der„Seculo" greift den Minister der vffciitlicheu Arbeiten, Herrn Brito, scharf an, da derselbe trotz seiner zweimalige» Reise nach Oporto noch immer keinen amt- lichcn Bericht über die dortige Lage und den wahren Umfang der Pest erstattet habe. Das Land müsse die ganze Gefahr teiiucn. sonst sei eine wirkliche Bekäiupfluig nicht möglich. Ein Arzt schreibt kern geuanuten Blatte folgendes:„Der Minister hat sich hier mit eigenen Augen davon überzeugt, daß das ganze rechte Ufer des Pnero von üKiragaya bis zum Ende von Ribera Ribolcira eine einzige Brutstätte von Bakterie» und MiaSmcn ist. Demi hier Ucgen die seit Jahrzehnten aufgehäuften Abfuhrstoffe der Stadt, imp p!z jxtzl hat weder die See noch der Fluh uns den Gefallen° gclhan, diese Millionen Kubikmeter Schlamm und Unrat hinwegzuspülen. Des weiteren hat derMinistcr, ohne allerdings selbst dahmgegniigen zu sei», genaue Keiiiitiiis davon erhalten, daß das Stadtviertel Fonta Taurina, wo die ersten Pest- fälle allftraten, hinsichtlich seiner gesundheitlichen verhältniffe jeder Beschreibimg spottet. Dort wohnen die Hasenarbeiter zu Hlmdcrtcn in einem Hause. Keines dieser Häuser be- sitzt auch nur die primitivsten Anlagen zur Entfernung des Unrates, der vielmehr die Höfe und Kellerräume zu Pesthöhlcn macht. In dem sich daran anschließenden Stadtbezirk Moutebcllo sind die Verhältnisse nicht besser, und es ist niit völliger Sicherheit vorauszusagen, daß die Pest in diesen Quartieren jähre- lang allen Bemühungen der Gesmidhcitsbehördcn und Aerzte wieder- stehen wird, Rur die vollständige Niedcrlcgnng dieser Häuserbezirke kann die Gefahr eiudämnien. Deshalb muß sich die Regierung zu ganzen Maßregeln aufraffen, ehe es zu spät ist." Die ärztliche Zeitschrift„Medicina Contemporanea" schreibt:„Es ist festgestellt, daß nenn Todesfälle an der Pest ein- getreten waren, ehe der Ausbruch der Seuche durch die Behörden zugegeben wurde. Bei sämtlichen nenn Todesfällen gab man als Ursache„infektiöses Fieber"- an, und doch war sofort bei dem ersten Falle eine genaue Untersuchung seitens des bakteriologischen Laboratoriums angeordnet'worden. Aber dieses Institut hat einen vollen Monat die Untersuchung unter völliger Geheiinhaltting geführt, anstatt sofort die öffentlichen Warnungen zu erlassen. Trotzdem wollen wir nicht verzagen. Die Seuche ist noch zu bewältigen, aber ihre Bekämpfiiiig ist in die Hand ernster Riäimcr zu legen und nicht denen zu überlassen, die bisher ihre gesundheitspolizeiliche und bakteriologische Thätigkeit als einen Sport und eilte harmlose Spieleret betreiben."— Aus Oporto geht die Nachricht ein, daß dort drei weitere Fälle von Beulenpest festgestellt sind, doch haben, da offenbar die Be- Hörden noch immer zu Vertiischungen geneigt sind, alle derartigen Zahlenangaben recht wenig Wert.'Tie von der spanischen Regierung nach Oporto gesandten Aerzte halten den Sanitätsdienst und die getroffenen Vorbeilgungsmaßregeln in Portugal für ungenügend. Der spanische Konsul in Oporto soll zur Verantwortung gezogen Iverdcn, weil er es unterlassen hat, die Regierung von dem Auf- treten der Pest in Kenntnis zu setzen. Ans Porlngal kommende Reisende bestättgen, daß ein Pestfall in Lissabon vorgetömmen ist. Dem„Hamburg. Korrespondenten" ivird unter dem lg. August aus Oporto geschrieben: Die offiziell von portugiesischen und spanischen Aerztcn gemeinsam angestellten Untersuchungen über die in Oporto ansgebrochcne Epidemie haben lediglich zu der wieder- holten Feststellung geführt, daß es sich lhatsächl'ich um typische Fälle der Beulenpest handelt. Die spanischen Aerzte Dr. Mendoza und Dr. Vieente haben ihre Regierung von diesem Resultat tclcgrnphisch benachrichtigt, und die Madrider Regierung hat darauf heute die diesseitige unterrichket, daß die strengsten Schntzmnßrcgeln an der Grenze entlang, sowie für alle aus portugiesischen Häfen nach Spanien und dessen Kolonien gehende» Schiffe aufrechterhalten werden müßten...... Nach einer heule ausgegebenen offiziellen Statistik erkrankten bereits im Juni 16 Per- soncn, von denen 6 starben: ihnen folgten im Juli 9 Erkrankungen und 3 Tote, im August 11 Erkrankungen und 3 Tote; diese Statistik geht indessen nur bis zum 12. d. M. Auch in Nustlaud ist die Pest ausgebrochen, wie der„Voss. Zeitung" telegraphisch gemeldet ivird, und zwar in dem schon ohnehin durch Hungersnot bcimgcsuchten Gouvernement Samara. Auf drahiliches Ansuchen wurden mehrere Regimenter Soldaten dorthin entsandt. Die Stadt Zaryzin ist abgesperrt. Es liegt in der Absicht der Regierung, die Wolga-Schiffahrt ein» zmchränken, worunter der Verkehr, namentlich der Jahrmarkt in Nischnei Nowgorod, sehr zu leiden hätte. Den russischen Zeitungen wurde strengstes Stillschweigen auferlegt.— Ein neuer französischer Militär-Tkaudal. Der Militarismus in Frankreich zeitigt immer liebkichere Blüten. Während sich in Nennes die„tapferen" Generale, von denen eine chauvinistische Phantasie die Zurückerobernng Elsaß- Lothringens und einiger nicht zu kleiner Dependcnzen erhofft, sich als furchtsam zitternde und plärrende Komödiame» erwiesen, deren Feigheit vielleicht nur noch von ihrer Skrupel- losigkeit übcrtroffcn wird, spielt sieb im westlichen Sudan ein Drama ab, das in seiner gemeinen Roheit und an DiScipIinlosigkeit auf die inneren Ziistände in der„glorreichen" Armee fast»och ein traurigeres Licht ivirft, als die Fälschungen und Durchstechereien im Geiicralstab. Die Anfrechterhaltung der Disciplin im Heere, das ist das Schlagwort, da? so manchen Anhänger der DöronlsdcS zu seiner Stclluiigiiahme in der„Affaire" bestimmt hat, um diesen Preis hielt er selbst wider cigcuc sich aufdrängende bessere Ueberzeuguug a» dem vom Kriegsgericht gegen DrcyftiS gefälltem' Urteil fest, und nun zeigen uichr nur die Verhandlimgeii in Reimes, sondern weit mehr uocv die Vorgänge im Sudan, wie es in Wirtlichkeit mit dieser vielgerühmtcn soldatischen Disciplin im verehrten unijubelten Heer bestellt ist! Man begreift, wenn den cnisthaftcrenPariscr Blättern ob dieses neue» militärischen Skandals schwül zu Mute wird, iveim sie erkläre», daß alle übrigen Ereignisse der letzten Zeit, so ernst sie sonst sein mögen, vor dem' gemeinen Attentat zurücktreten, dem Oberst Klobb und Lieutenant Meuuier zum Opfer gefallen sind. Dabei ist, wie der„Teinps" sagt, besonders schmerzlich, daß unter den fünf Offiziercii, die Voulets(nicht EouletS) Expedition begleitete», sich auch nicht einer gefunden hat, der den aufrührerischen Akt Voulets zu verhindern gesucht hätte, daß alle sich feige seiner Anordiiuiig uutcrordiietcii. lieber den Vorgang selbst werden nähere Einzelheiten bekannt. Im vorigen Jahre ivaren die Hauptlente Vonlet und Chanoine mit der Aufgabe betraut worden, die Verbindung des Sudan mit dem Tsadsce' zu vervollkommnen und neue Gebiete in jenen Gegenden für Frankreich in Beschlag zu nehmen. Mit etiva iOÖ Mann Senegal-Schützen und Träger zogen beide aus. In, April dieses Jahres aber traf ein Pnvntbricf eines Lieutenants dieser Expedition in Paris ein, ans dem der Kolonialiniiiister Guillaiii die Ucberzengmig geivann, daß Vonlet und Chanoine sich mnncnsch- lichcr Behandlung der Eingeboreneii, des Raubes und andercrVcrbrechcn ini Sudan schuldig gemacht hätten. Guillain telegraphierte an die Behörde im Sudan, ein höherer Offizier und ein Lieutenant sollten die beiden angeklagten Offiziere ihrer Aemter entheben, als Gefangciie nach der Hauptstadt von Senegainbien. KayeS, bringen und dort vor ein Kriegsgericht stellen. Zu diesem Zwecke entsandte der Gouverneur von Französch- Sudan den Oberstliclitciiant Klobb und den Lieutenant Meunier mit einer geringen Begleitmannschaft. Als Klobb und Meunier mit ihrer Begleitmannichaft sich der Expedition näherten, ließ Hauptmann Voulet seine Leute so- fort laden und sich schußbereit halten, nachdem er vor« her Klobb und Meunier gewarnt hatte, näherzukommen. itlobb erividerte:„Ich lasse nicht laden, schießen Sie, wenn Sie es lvagen!", nnd rückte mit Meunier vor. Voulet konimandierte „Feuer"! Beide. Klobb und Meunier. fielen, mit ihnen mehrere Unteroffiziere und Schützen. Um Voulet nnd Chanoine zur Verantwortting zu ziehen, hat die französische ötegiermig sofort die beiden Expeditionen Foureau- Lamy und Geiitil-Bretoniiet angewiesen, der Voulctschen Expedition nachzusetzen und die Aufrührer um jeden Preis zurückzubringen. Oestreich-Ungarn. Unruhen in Nachod. Unter der Arbeiterschaft in Nachod ist eine gewisse Aiifrcguiig und Gereiztheit bcmerlbar, weil ein Fabrik- etabli'ssenient Arbeiter nicht wieder aufiiehmeu wollte, welche aus der Strafhaft entlassen waren, die sie wegen der Teilnahme an den Plüudcrunge» vom vergangenen April erlitten hatten. Ein bedeu« tendcs Militäraufgebot ist hier eingetroffen. Auf einem unbenutzten Webstuhl des erwähnten Etablissements ist ei» Paket mit Pulver vor« gefunden worden. Bisher sind keine Ruhestörungen vorgekommen.— Weltcrc Vcrsi'lgnngen ans Grund deS K 14. Die„Wiener Zeitung" veröffentlicht eine kaiserliche Verordming auf Grund deS z 14, betreffend Gebühren bei Bcrmögensübcrtragling, sowie eine kaiserliche Verordnung auf Gnmd desselben Paragraphen, durch welche die Bezüge der in die Kategorie Dienerschaft gehörigen aktiven Staatsdiener für die Zeit vom 1. September bis 31. Dezember 1LL9 festgesetzt werden.— Rustland. Weitere russische Masjuahmrn gegen Finnlands Selb- ständigkeit. Dem„Bureau Ritzau" in Kopenhagen wird aus Helsingsors gemeldet: Der russische Minister des Innern hat dem fiiinländischen Senat mitgeteilt, daß er laut Ermächtigung des Post- manifestes von 1890 beschlossen habe, die finnläudischen'Postmarken für die Korrespondenz nach dem Auslände vom 1. Januar 1900 an und die Postniarken für das Inland vom 1. Juni 1900 an abzuschaffen. Die Portojätze bleiben unverändert.— Bulgarien. Russische Gönnerschaft. Aus Sofia wird berichtet: Die der Regierung nahestehenden Blätter behaupten frohlockend, die Be- ziehungen zwischen dem Fürsten Ferdinand und Petersburg hätten sich in den letzte» Wochen bedeutend gebessert. Der Zar habe gegenwärtig wieder die freundlichsten Gesinnungen gegenüber Bulgarien und habe der Bitte des Fürsten, eine Kommission russischer Offiziere zur Inspektion des bulga- rischenHeerwesens zu entsenden, bereitwilligstseine Zustimmung gegeben. Die Wiederaufnahme der Bestrebungen der Slavischen Wohl- thätigkeitsgesellschaft beweise zugleich, daß der Zar den kleineren slavischen Nationen ein hohes Maß von Interesse entgegenbringe. Bulgarien dürfe daher ganz besonders hoffen, daß Kaiser Nikolaus eine baldige Durchführung der gieformen in Maee- d oni e n unter Berücksichtigung der bulgarischen Wünsche durch- setzen werde. Afrika. Zur TranSvaalkristS. Falls sich der vom„Reuterfchen Bureau" aus Kapstadt gemeldete Inhalt der Antwort Krügers auf den englischen Vorschlag bestättgen sollte, dann entspricht tha'rsächlich, wie wir schon gestern vermuteten, der Kriigersche Gegenvorschlag den vor einigen Tagen von den„TimeS" und pem„Standard" ge- brachten Mitteilmigen; nur geht er in einem Punkt noch über die von beiden Blättern gemeldeten Zugeständnisse hinaus, indem die Transvaal-Regienmg sich bereit erklärt, die noch sonst verbleibenden Differenzen einem Schiedsgericht zu unterbreiten. Das erwähnte Rentersche Telegramm hat folgenden Wortlaut:„Wie in Afrikaiiderkreisen verlautet, hat die Regierung der Südafrikani- schen Republik in ihrer Antwort auf den Vorschlag ChamberlaiiiS betreffend Einsetzung einer gemischten Kommission einen Gegenvorschlag gemacht, der dahin lautet, den Uitlanders nach fünfjährigem Aufenthalle das volle Wahlrecht auch für die Prästdenteu- Wahl soivie eine größere Vertretung im Volksraad gewähren zu wollen. Diese Bestimmung soll rückwirkende Kraft haben. Für die Beilegung der sonstigen Differenzen wird ein Schiedsgericht vor- geschlagen." Ergänzend wird dazu in einem Drahtbericht de?„Daily Tele- graph" benierkt. den stimmberechtigten Ausländern solle auch gestattet sein, bei der Präsideiitenwahl mitzustimmen.— England im Sudan. Ein Telegramm aus Kairo meldet, Lord Kilchcuer habe Kairo verlassen, um für zwei Monate nach dem Sudan sich zu begeben. Er werde dort die neue Eisenbahnbrücke über die Atbara einweihen und die Eisenbahnarbciten überwachen. Man hofft, daß das Eisenbahnnetz noch vor Ende des JahreS dem Betriebe übergeben werden kann.— In Nennes. Da« Ereignis der Dieustag-Sitzung deS Kriegsgericht« war da» Wiedererscheinen LaboriS. Labori ist bei seiner Ankunft Gegenstand herzlicher Ovationen nnd tauscht beivegt mit vielen der Anwesenden Händedrücke aus. Die Generale B i l l o t und M e r c i e r wechseln mit Labori überaus höfliche Worte. Auch Frau Labori ist im Saale anwesend. Labori nimnit uebeii Demauge Platz. Um 6 Uhr 35 Mm. ivird die Sitzung eröffnet; als DreyfuS den Saal betritt und Labori erblickt, schüttelt er ihm die Hand. Oberst Jouaust ergreift unter tiefem Schweigen der Zuhörer das Wort, und sagt zu Labori, die uiiqualifizierbare That, der Labori beinahe zum Opfer gefallen tväre. habe bei den Mitgliedern des Kriegsgcrichls tiefste Entrüstung hervorgerufen.„Wir freuen UNS", schließt Oberst Jouaust,„daß keine nachteiligen Folgen cnt- standen sind, und daß Sie heute Ihre Aufgabe wieder aufnehmen können".(Allseitige Zustimmung.) Labori dankr dein Vorsitzenden, den Mitgliedern des Kriegs- gcrichts, seinen Kollegen und allen denen, ivelche ihm ihre Teil- nähme bezeugt hätten. Er sagt, er nehme seinen Platz wieder ein, mehr, um den Verhandlungen zu folgen, als um sich an den- selben zu beteiligen. Labori schließt, man werde dank der Ausführlichkeit der Verhandlungen die absolute Wahrheit und be- ruhigende Gerechtigkeit aus ihnen hervorgehen sehen. Labori setzt sich sichtlich ermüdet nieder. Das Publilum begleitete seine Ansprache mit Aeußerungen der Zustimmung. Der erste heute vernommene Zeuge, der frühere Präfekt von Belfort, Grenier, hebt die Intelligenz und da? Wissen EsterhazyS hervor, sagt jedoch, derselbe handle öfter unüberlegt. Esterhazy, welcher bei General Grenier, dem Vater des Zeugen, Ordonnanzoffizier gewesen, habe mehrere ErbschaftenIinfolge von Liebschaften und übermäßigem Auf- ivaild durchgebracht. AlS Esterhazy im Jahre 1897 Versuche machte. ins Kriegsniiiiisterium zu kommen, habe Grenier feine dahin gehenden Schritte uilterftützt. Als EsterhazyS Bemühungen auf Widerstand stießen, habe dieser zu Unrecht Henry die Schuld daran bei- gemessen. Zeuge sagt, es scheine ihm— positiv behaupten könne er es jedoch nicht— daß Esterhazy ihm gesagt habe, er halte DreyfuS für nnschuldig. Der nächste Zeuge, Major Rollin, stellt dem Agenten Lajoux ein ungünstiges Zeugnis aus. Auf Wunsch Labori« wird ein Schreiben dieses Agenten an das Ministerium zur Verlesung gebracht, in welchem Lazoux dringend um Unterstützung bittet und benierkt, der Agent Cuers sei infolge der Ansprüche Henrys aus einem Verbündeten ein Gegner geworden. In dem Briefe wird auch über eine Unterhaltung Lajoux mit Cuers berichtet, welcher äußerte, weder er noch der Berliner Generalstab, noch die verschiedenen deutschen Militär-Attachös in Europa hätten von DreyfuS sprechen gehört. Ter Brief deS Oberst Schneider. In dem Verhör, das Labori mit dem Zeugen Kommandanten Nollin anstellt, bringt der Anwalt die Rede auf den gefälschten Brief deS Oberst Schneider. Ucber den denkwürdigen Zwischenfall berichtet das„Bert. Tagebl.": Labori: Könnte der Kommandant Rollm uns sagen, ob er die Veramivortnng für die Uebersetzung deS Briefes übernimmt? RegierungSkommissar Carriäre: Ich erkläre es für unmöglich, daß der Verteidiger hier eine Frage berührt, die daS diplomatische Gebiet streift. Ich müßte in einem solchen Falle den Ausschluß der Oeffentlichleit fordern. Labori: Ich erkläre zunächst, daß, wenn der Regienuigs- kommissar glaubt, Maßnahmen beantragen zu sollen, er sie be- antragen mag. Wir werden uns dann dazu äntzern. Nicht wir sind es, welche diesen Zivischenfall geschaffen haben, eS war General Mercier, der hier vor dieser Barre von demselben Dokoment gesprochen hat. Wir folgen nur auf das Terrain, das man vor lms betreten hat. Der Präsident will Labori abweisen. Labort i Ich frage nochmals, ob der Kommandant Rollin die Verantlvorluiig für die Uebersetzung übernimmt, ob er erklären kann, daß sie so lautet, wie General Mercicr sie hier vor- gelesen hat. Rollin zuckt die Achseln und giebt eine ausweichende Antwort. Labori: Könnte der Zeuge uns sagen, an wen ich»nch dann mit der gleichen Frage richten kann? Rolltn: Nein.' Labori: Also frage ich den Gerichtshof, welchen Wert ein Dokument besitzt, für das niemand die Verantwortung übernehmen will. Der Präsident macht wieder vergebliche Versuche, Labori zum Schweigen zu veranlassen. Labori: Jetzt bitte ich den Herrn Präsidenten, den General Mercier zu fragen, woher er dieses Dokument hat. Mercier(sehr zögernd und erst nach längerer Pause): Ich glaube auf die Frage keine Antwort erteilen zu sollen. Präsident: Sie sehen, Maitre Labori, der General Mercier kann nicht antworten. Labori: Der General Mercicr hat geschworen, die ganze Wahrheit sagen. Wir haben hier nicht nur die Aufgabe, d,e Wahrheit m den Grenzen, wie der Kassationshof die Frage gestellt hat. zu suchen, wir wollen V o l I e s L i ch t. Ich frage deii General Mercier nochmals, woher er das Dokument hat. Mercicr: Ich werde nicht antworten. Ich erkläre, daß ich die Verantwortung für die Richtigkeit der Uebersetzunq übernehme. Labori: Ich frage dann, mit welchem Recht General Mercier Besitzer dieses Dokumentes ist? Und mit welchem Recht ist General Mercier überhaupt Besitzer des Dossiers? Es wird nützlich sein, daß GeneralMercier hier bleibt, denn ich habe nicht wenig Fragen an ihn zu richten. Ich sehe aber voraus. das) Mercier häufig die Antwort verweigern werde.(Bewegung.) Drcyfus' Kriegsschulhefte. Labori verliest einen Bericht des Agenten Guenöe, der Drehfus in keiner Weise belastet, und ferner eine Note des Generals Gonse, die sich tadelnd über Lajoux ausspricht. In Bezug auf die Aussage Rollins erklärt Dreyfus, im Laufe der bei ihm vorgenommenen Haussuchungen sei alles in seiner Wohnung beschlagnahmt worden. Der Präsident erwidert hierauf: Es fehlten Seiten in Ihren Arbeitsheften aus der Kriegsschule. Drcyfus: Nein, Herr Oberst, im Jahre 18S4 nicht. (Bewegung.) Bureaubesuche. � Der ehemalige Ministerialsekretär Ferret, jetzt Beamter bei einer Beerdigungsgesellschaft, sagt aus, er habe eines Tages Dreyfus in dem vierten Bureau überrascht, wie er nnt einer Civilpcrson ein Schriftstück durchsah, anscheinend eine gezeichnete Darstellung des Transportes von Bedeckungstruppen. Um diese Zeit habe sich nie- mand im Bureau befunden. . Dreyfus protestiert und erklärt, die behaupteten Thatsachen seien nur gehässige Insinuationen, die von dem früheren Kriegsmini st er gesammelt seien.(Lang- andauernde Bewegung.) Es entspinnt sich eine Debatte zwischen dem Präsidenten, Gonse, Dreyfus und D e m a n g e. Gonse verliest Briefe von zwei Ingenieuren, aus welchen hervorgeht, dah sie oft in das Ministerium kamen. Dreyfuö widerspricht, er habe niemals jemanden in sein Bureau gefuhrt und sei aufierhalb seiner Dienststunden dorthin nur während der Abwesenheit seiner Frau im August und Scptcniber 18gt qe- kommen. Demange konstatiert, daß. da der Zutritt zu dem st e r i u m s o leicht war, auch andere Personen als Offiziere sich dort Mitteilungen verschaffen konnten.(Bewegung.) Zeuge Colonel Bertin. Berttn beginnt mit lautester Stimme, aus einem Manuskript ablesend: Ich will sagen, wie Drehfus in meinen Dienst getreten ist. und wie ich dazu beigetragen habe, daß er ihn verlassen hat. Als Drehfus eintrat, war er mir absolut unbckamit. Ich übertrug ihm die gleichen Arbeiten wie seinen Vorgängern. Er beschäftigte sich mit dem Eisenbahnnetz. Ich gab ihm den Schlüssel'zu allen Schränken, und bald bemerkte man bei Dreyfus die Tendenz, sich von den bei uns gültigen Gewohnheiten frei zu machcir. Er sprach viel und fragte viel und beschäftigte sich mehr mit den Resultaten der Studien als mit methodischer Arbeit. Ich machte ihm Vorwürfe. Bertin sagt dann, wie er Dreyfus bei dem Verlassen des Bureaus das Zeugnis gab. er fei ein Offizier von lebhafter Intelligenz, aber gleichzeitig erklärte, er wache einen absolut ungünstigen Eindruck. General Mercier hat hier eine Unterredung vorgebracht, die ein besonderes Licht auf den Patriotismus Dreyfus wirft. Ich habe sie 18S4 nicht erzählt, weil ich nicht den Angeklagten sysiematisch belasten wollte.(Heiterkeit.) Bertin erzählt, wie er im Manöver in der Nähe der Grenze seine Bewegung ausgesprochen habe, sich so nahe den verlorenen Provinzen zu sehen. Da habe Dreyfus ihn plötzlich unterbrochen und gesagt:„Das gilt nicht f ü r u n S I u d e ii, d e n n iv o wir sind, i st u n s e r G o t t mit uns." Bettins abgehackte, fortwährend wie im Kommandoton vor- gebrachte Erzählung erregt mehrfach die Heiterkeit des Saales. Bertin erklärt noch, er sei auf Grund des Gutachtens Bertillous von der Schuld Dreyfus' überzeugt worden. Ein Brief Scheurer-Kestners. Der Gcrichtsschreiber verliest sodann einen Brief Scheurer- Kestncrs, in welchem dieser sich entschuldigt, daß er nicht vor Ge- richt erscheine und weiter darlegt, daß er durch die Handschrift Esterhazys von der Unschuld Drehfus' überzeugt worden sei. Scheurer- Kcstner betont ferner in seinem Schreiben die Ge- ständnisse Esterhazys bezüglich des Bordereaus und giebt dem Wunsche Ausdruck, daß bald die Stunde der Gerechtigkeit schlagen möge im Interesse des Heeres und des Baterlandes.(Bewegung.) Auf eine Frage Dcmanges antwortet Bertin, er habe dem General Billot von den Nachforschungen Scheurer-Kestners Mit- teilung gemacht, aber der Minister ließ dem Senator antworten, nichts in der Sache zu unternehmen. Er(Bertin) habe Scheurer- Kestner niemals verhehlt, daß er von der Schuld Drcyfus' über- zeugt sei. Der Zeuge Bertin erklärt weiter, er habe P i c q u a r t stets für einen Ehrenmann gehalten. Dreyfus sei stets im Ministerium als ein Kamerad bettachtet worden und man habe ihm, ohne sich um seine Religion zu kümmern, alle Amtsgemeimnisse mitgeteilt. Es werden dann die Zeugnisse Dreyfus' verlesen. Sie sind alle sehr glänzend, nur in denen des General- stabS werden Vorbehalte hinsichtlich seines wenig sympathischen Charakters gemacht. Labori bringt dann dem Major Bertin ein Diner in Erinnerung, dem sie beide vierzehn Tage nach der Degradierung DreyfuS' bei- wohnten. AIS er(Labori) damals gesagt habe, daß Demange von der Unschuld Dreyfus' überzeugt sei, habe Bertin erwidert: Sprechen Sie mir nur nicht von Demange, das ist ein Advokat der Deutschen Boffchaft I(Rufe im Saale: Oh! Oh I) Labori fragt Bettin: Sie haben geäußert, Demange habe schon andere Spione verteidigt und zwar als Offizialverteidiger. Berttn giebt zu, diese Aeußerung gethan zu haben, ausge- nommen die Bemerkung, daß Demange Offizialverteidiger in Spionage- Prozessen gewesen sei. Bertin giebt ferner zu, daß er Demange übel wollte, weil dieser Drehfus dadurch schlecht verteidigte, daß er ihn in seinem Pttncip der systematischen Ableugnuiig unterstützte. Demange erwidert hierauf, dieser Vorwurf richte sich gegen Dreyfus. Was das anbetreffe, daß er als Offizialverteidiger Spione verteidigt habe, so rechne er sich dies zur Ehre an, denn es beweise, daß man auf seine Diskretion rechnete. Dreyfus: Man thut hier fortwährend, als mache man neue Entdeckungen. So gestern über die Fahrplan-Tabelle. Aber alle diese Punkte waren schon 1394 erörtert worden! Auf all das habe Verantwortlicher Rcdacteur: Robert Schmidt in Berlin. Für den Jnscr ich schon 1834 geantwortet. Ich begreife nicht, daß man eS der Ehre des Heeres schuldig zu sein glaubt, auf mich fort- während loszuhacken und mich als schuldig hinzustellen. Ich habe von der Ehre des Heeres eine andere Vorstellung. Ich meine, diese Ehre erfordere nicht, daß ein französischer Offizier durchaus schuldig sei. Ich liebe das Heer! Ich liebe Frankreich! Lesen Sie, was ich über beide auf der Teufelsinsel schrieb in meinem Jammer, im Fieber. Lesen Sie meine damaligen Briefe und sagen Sie dann noch, daß meine Gefühle nicht die eines guten Franzosen sind. Es wird eine Pause gemacht. Nach Wiederaufnahme der Sitzung wird Nkajor Gendron vernommen. Dieser Zeuge sagt aus, einer seiner Freunde, der eine Frau Delh, eine Ungarin, als Geliebte ge- habt habe, habe ihm erzählt, diese Frau Delh habe sehr gute Be- ziehungen, u. a. zu einem Offizier Dreyfus. Zeuge spricht sich dann sehr anerkennend über Sandherr aus. Die Majore Besse und Bonllanger, die früheren Kollegen Dreyfus' im vierten Bureau, machen die wenig interessante Aussage, daß Drehfus genau die Fragen kannte, mit denen der Gencralstab sich beschäftigte. Boullanger fügt hinzu, daß Dreyfus ihn über seine (Boullangcrs) Arbeiten befragte. Drcyfus erwidert, er habe sich stets nur bemüht, das zu erfahren, was er berechtigt war zu erfahren. Obcrstlieutenant Jcannel erklärt, er habe Drehfus im Juli 1394 die Schießvorschriften geliehen. DccyfuS entgegnet hierauf, es seien dies die Schießvorschristen der deutschen Artillerie gewesen. Zeuge behauptet, er könne sich dessen nicht erinnern. Labori erwidert auf die Aussagen Jcanncls. Er giebt seiner Ueberraschung Ausdruck, daß Jcannel nicht vom Kriegsgcttcht 1834 vernommen wurde, welches annahm, daß das Bordereau im April abgefaßt worden sei. Damals wäre Jeannel ein Entlastuugs- zeuge gewesen. Heute nimmt man an, daß das Bordereau im August abgefaßt worden sei und jetzt vernimmt man den Zeuge», der plötzlich ein Belastungszeuge wird, der da sagt, er habe DreyfuS die Schießvorschriften im Juli geliehen. Major Maitre bestätigt die Aussagen Boullangcrs. Er vcr- liest einen Brief des Hauptmanns Lemonmer, der im Jahre 1894 zum Generalstab kommandiert war. In diesem Brief schreibt Lemonnicr, Dreyfus habe ihm erklärt, daß er über gewisse Absichten des deutschen Generalstabs unterrichtet sei und den Manövern in der Umgegend von Mülhausen beigewohnt habe. Dreyfus antwortet hierauf, daß er nicht zu verbergen brauche, was er über die Absichten des deutschen Generalstabs erfahren hatte. Was die Manöver bei Mülhausen betreffe, so wolle er über das, was QueSnay de Beaurepaire erzählte, kein Wort verlieren, das sei geradezu ungeheuerlich. Er bedauere aber, daß ein Offizier sich der Aussage eines Zeugen bediene, dessen Charakterlosigkeit an dieser Stelle nachgewiesen werden würde. Die Sitzung wird sodann aufgeboben. * LaboriS Dankrede hatte nach dem„Berk. Tagebl." folgenden Wortlaut: Erlauben Sie mir, daß ich, trotz der Bewegung, die ich empfinde, ein Wort sage! Es war mehr als ein gewohnlicher Schuß, der mich traf, es war ein Schuß, der mich aus dieser Af faire herausriß, die ich nun seit zwei Jahren durch so viel Gewitter geleitet habe, und die nun vor Ihrem Tribunal enden soll, vor einem Tribunal von So l- baten; denn das war es, was ich erstrebte.(Der Präsident hat bei der ersten Erwähnung der Affaire die Stirn gerunzelt.) Indem ich Ihnen das sage, verstehen Sie meine Trauer, hier herausgerissen zu sein, und meine heutige Freude. Ich danke allen denen, Bekannten und Unbekannten, die mir einen Ausdruck ihrer Sympathie gesandt. Ich danke dem Herrn Präsidenten und dem Hern: Ersatzpräsidenteu. Ich danke denjenigen, die gekommen sind, ohne daß ich sie anders gekannt als durch diese nun zweijährigen Kämpfe, in denen die Ge- sichter sich so oft begegnet sind, daß' die Gesichter der Gegner an- sangen, wie Freundesgesichter zu lächeln. Ich danke den Journalisten und allen denen, die mir ihre Empfindungen ausgesprochen, und deren Adresse ich nicht einmal weiß. Wenn ich hier vielleicht weniger Thatkraft mitbringen sollte als früher, so ist es sicher nicht weniger Gewissenhaftigkeit und Ucberzeugung. Die Arbeit, die wir hier vollbringen, Sie, die Schiedsrichter, und wir, die Verteidiger, ist schwierig, aber es ist unser Gewissen, was sie uns erleichtert. Und jetzt wollen wir in dieser Debatte fortfahren, an deren Ende die absolute Wahrheit, Gerechtigkeit und derFrieden stehen sollen. Ja. wenn der Frieden hinterher nicht eintreten sollte. wird es, ich darf es sagen, nicht an uns liegen. Wir vergessen nicht, daß der Irrtum an allen menschlichen Dingen immer sein Teil hat. «» » Aus den Verhandlungen vom Montag heben wir nach der „Franks. Ztg." noch einige Einzelheiten hervor: Hauptmann Junck, der als Zeuge die achte Anklagerede gegen Drehstls hielt, war ein Kamerad von Dreyfus auf der Kriegsschule und hat mit ihm zu- sammen in den Generalstabs-Burcaus gearbeitet. Er behauptet, Drcyfus habe überall herumgcstöbert, habe seine Kameraden auszu- horchen gesucht, habe mit seinem Vermögen geprahlt und habe mit Kokotten verkehrt. Zu Junck selbst sagte Dreyfus einmal im „Loncours hippique'-, als sie an drei Kokotten vorübergingen: Dies seien alte Bekannte. Drehfus habe ihm ferner einmal erzählt, er habe einem Cercle in Le Maus angehört und dort großen Spiel- vertust gehabt. Junck spricht weiterhin von dem Besuche, den er zusammen mit Henry im Kabinett des Untersuchungsrichters Bertulus abstattete. Esterhazy und die Pays waren gleichfalls anwesend. Junck sagt: Wäre nicht die Advokatcnrobe des Verteidigers Esterhazys gewesen, so hätte man sich ganz anderswo glauben können, als»n Kabinett eines Untersuchungsrichters. Bermlus zeigte eine Zeichnung zu Fabeln von Lafontaine herum. Er sagte Madame PayS, sie könne ihr Jackett ausziehen. Sie sagte, sie habe darunter keine Aermel. Er sagte, dann geht eS nicht, was würde man glauben, wenn man uns so fände; später sagte er, ich möchte gern am Ufer des Meeres sein, wir werden bald dort sein; er legte seinen Arm um die Taille Henrys und führte ihn aus dem Kabinett heraus. Bcrtulns, der im Zeugenraum sitzt, ruft laut und entrüstet: Ich bitte ums Wort I Der Präsident: Warten Sie! Bertulus: Ich fordere, daß hier jeder mich respektiert! Der Präsident: Sie können rede», so bald der Zeuge geendet har l Demange fragt Junck, ob er aufrecht erhalte, daß ihm Dreyfus' Benehmen bereits seit der Kriegsschule verdächtig war. Nachdem Junck bejaht hat, verliest Demange aus der Aussage Juncks vor dem Kassationshof eine Stelle, welche besagt, Junck habe im Generalstab lange mit Dreyfus gearbeitet; nichrs habe damals darauf hingedeutet, daß Dreyfus eines Tages Verrat begehen werde. Demange fragt, wie Junck den Widerspruch zwischen seiner heutigen und der Aussage vor dem Kassationshof erkläre. Junck antwortet: Gewisse Thatsachen seien ihm erst eingefallen, nachdem er vor dem Kassattonshof ausgesagt hatte. Demange: Warum haben Sie vor dem Kassationshof mit keinem Worle erwähnt, daß Dreyftis im Cercle von Le Maus gespielt haben soll? Junck: Ich habe damals nicht daran gedacht. Hierauf erbittet Dreyfus das Wort. Drcyfus scheint endlich den richtigen Weg zu seiner Verteidigung geftuiden zu haben. Er hat sich während der Aussage Juncks Notizen gemacht und hält jetzt eine kleine wohlgcsetzte Rede, indem er Punkt für Punkt erörtert. Er spricht weit besser, als dies bisher Demange gethan. Dreyfus 'agt: Ich will den Zeuge» nicht an die intimen Geständnisse er- inner», die er mir selbst gemacht hat; ich will ihm nicht auf dieses tcnteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Terrain folgen; in dieser Affaire habe ich die Hände sauber und werde sie sauber behalten. Ich will nur von der Beschuldigung sprechen, daß ich gespielt habe. Ich versichere, ruft Drcyfus mit energischer Betonung, daß ich niemals in den Cercle von Le Maus gegangen bin und niemals dort gespielt habe! Ich bitte den Präsidenten des Kriegsgerichts, unter den Mitgliedern des Cercles eine Enquete zu veranstalten; wir werden dann sehen, wer die Wahrheit spricht! Dreyfus polemisiert dann noch ausführlich gegen eine Reihe technischer Ausführungen Juncks. Dreyfus begründet dies über- zeugend und die Mitglieder des Kriegsgerichts hören seiner ganzen Rede mit großer Aufmerksamkeit zu. Hierauf ergreift Bertulus das Wort. Er sagt: Er werde Junck nicht die Ehre anthun, ihm auf die Angaben zu antworten, die Junck über seinen Besuch im Kabinett Bertulus' gemacht hat; hierüber habe er bereits dem Kassattonshof, der zugleich das höchste Gericht und das Disziplinargericht für Richter sei, Aufschluß gegeben. Nach- dem der Kassationshof ihm recht gegeben, sei die Angelegenheit für ihn erledigt. Bertulus erklärt hierauf, warum er Henry freundlich und höflich behandelte; er wollte ihn sicher machen und Einfluß auf ihn gewinnen. Bertulus erklärt entschieden, er habe niemals geäußert, wie Junck gehört zu haben behauptet, Esterhazy sei ein Lump, aber kein Verräter; Bertulus sagt laut und feierlich: Meine Ueberzeugung war und ist unerschütterlich. Ich habe Esterhazy verhaftet, weil ich die Gewiß- heit mir verschafft hatte, daß er Verrat begangen hat. Mögen alle mir widersprechen, ich halte aufrecht, daß Esterhazy, nicht Drcyfus der Verräter ist. General Gonse erhebt sich, um mitzuteilen, Junck und Henry hätten ihm gleich nach der Unterredung mit Bertulus gemeldet, Bertulus habe gesagt: Esterhazy sei kein Verräter. Bertulus: Ich kann General Gonse nicht dementieren, denn er war nicht dabei. Mein Dementi gegen Hauptmann Junck bleibt bestehen. Junck steht an der Barre mit seinein starren Jesuitengesicht, wortlos, aber sichtlich verlegen. Schon wieder? Jetzt bittet Picquart ums Wort. Der Präsident, welcher die Antipathie, die ihm dieser Zeuge einflößt, offenbar nicht mehr bc- meistern kann, ruft: lSncors;(schon wieder?> Darüber Entrüstting im Auditorium. Picquart, durch die Feindseligkeit des Präsidenten unberührt, sagt: Das Kriegsgericht wlle die'verschiedenen Aussagen nachlesen, die Junck in den Unter- suchungcn Ravary. Fabre und Tavernier gemacht hat, wenn das Kriegsgericht die flagranten Widersprüche sehe, welche die Aussagen enthalten, werde es begreifen, welchen Wert das Zeugnis dieses � Offiziers besitze.(Vereinzelte Bravo-Rufe.) Die Animosität des Präsidenten gegen die von der Verteidigung geladenen Zeugen wird immer klarer. Das Ereignis des heutigen Tages ist das Wort„snoors?", das der Präsident Picquart eut- gegenrief, als dieser zur Entgegnung auf die Aussage Juncks das Wort verlangte. *» � RenncS, 22. August. Labort erhielt gestern eine Sendung, in welcher Explolosivstoffe enthalten waren; bei der Oeffnung im Laboratorium der Artillerie stellte sich heraus, daß es Schießbaum- wolle war.— Hier werden von neueni Haussuchungen vorgenommen, da man glaubt, daß der Attentäter wieder hier ist. Frankfurt a. M., 22. August. Die„Frkf. Ztg." meldet aus Paris; Es ist nicht richtig, daß der östreichisch-ungarische Botschafter Graf Wolkenstein seinen Urlaub unterbricht, um nach Paris zurück- zukehren. Auch Oberst Schneider soll nur zu einem kurzen Aufenthalt hier sein, um nach Beendigung seiner Kur in Ems nach der Schweiz zu reisen. Darauf, daß Schneider oder die östreichische Botschaft über die bisherigen Dementis an den„Figaro" hinausgehen, ist also schwerlich mehr zu rechnen.— In der Rue Chabrol dauert die Belagerung Guerins ohne besondere Anteilnahme des Publikums fort. Mit Gusrin find nur noch zwölf Genossen eingeschlossen. Nachdem ihm Nahrung und Wasser ab- geschnitten solvie die Abflutzkanäle des HauseS gestaut sind, soll der hygienische Zustand des Innern jammervoll sein, so daß die baldige freiwillige Ucbergabe erwartet wird. Soxittles. Die MonatShencr der Seeleute in der Provinz Schleswig- Holstein ist in den letzten Jahren um ein Minimales gestiegen. Dieselbe bettug für Vollmattosen im Ostseegebiet im Nordseegebiet 1898... 52,40 M. 55.12 M. 1897... 49.49. 54.03�. 1896... 47,80„ 51,96, 1895... 47.11„ 52.00. 1894... 47.93.. 52,10„ Schiffsjungen im Ostscegebiet im Nordseegebiet 1898... 16.63 M. 15,75 M. 1897... 16,23„ 14.32. 1896... 14.69. 13.48. 1895... 16.01. 14,28., 1894... 16.39 ,, 14.61 Man sieht, vom reichgedeckten Tische des Profils der Reeder ist nur ein kleiner Brosamen für die im steten Kampfe mit Wind und Wellen ihr Leben einsetzenden Seeleute abgefallen. Uetzke MerchviMen und Depeschen. Hilversum(Holland). 22. August.(W. T. B.) Anläßlich der Untersagnng des hiesigen Jahrmarkles entstanden heute nacht ernste Ausschreitungen. Gegen 11 Uhr abends rotteten sich Volks- Haufen zusammen, zogen durch die Sttaßen, zertrümmerten die Fensterscheiben im Hause des Bürgermeisters, foivie in mehreren Villen und Läden und zerbrachen die GaSlaterncn. Da die Orts- Polizei nickt stark genug ivar, um die Ruhe wieder herzustellen, er- bat der Bürgermeister eine Abteilung Bürgcrgardc. Heute ist der Belagerungszustand erklärt worden, auch sind Abteilungen Infanterie- und Kavallerietruppen eingetroffen. London, 22. August.(W. T. B.) In cinem�soeben veröffent- lichten Blanbuch über die Frage bezüglich der Souzeränetät über Transvaal wird gezeigt, wie Transvaal in den letzten zwei Jahren wiederholt Anstrengungen machte, diese Frage aufs Tapet zu bringe», um die Uebcrwcisuug derselben an ein Schiedsgericht zu erlangen. Schließlich richtete Geucralgouverncnr Milner im Juni 1899 ein Schreiben an Chambcrlain, in lvelchem er ausführte, daß der von Transvaal eingenommene Standpunkt unhaltbar fei. Milner fügte hinzu, daß die Art und Weise, in welcher der Staatssekretär von Transvaal mit dem Vertrage von 1884 hernmspiele, einen gerade», ehrlichen Mann erbittern könne. Chamberlain stimmte in einem Schreiben vom 13. Juli mit Milner überein und erklärte, daß die englische Regierung nicht die Absicht habe, diese Frage weiter zu erörtern. London, 22. August.(B. H.) In Bälde werden die 160 Beweis- stücke, aus denen die Unschuld Drcyfus' und die Schuld Henrys und Esterhazys hervorgeht, veröffentlicht ivcrden. Rom, 22. August, stö. H.) Wie verlautet, ist die tclegraphische Bitte, angeblich der Fürstin von Monaco, an Visconti Vcnosta, Drcyfus durch die Aufdeckung der ihm wohlbekannten Jutriguen zu rette», abschlägig bcschiedeii worden, und zivar auf Veranlassung des Kriegsministers. Madrid, 22. August.(W. T. B.) In Oporto sind, wie hierher gemeldet wird, gestern 4 Pcstfälle vorgekommen, davon 2 tödlich. Vor dem städtischen Laboratorium fand eine feindselige Kundgebung der Volksmenge gegen den dort thättgen Dr. Jorge statt. Babing tu Berlin. Hierzu 4 Beilaae und Unterhaltungsblatt. Ys. 196. 16. Ilchrgimg. Stilast i>ts Jmuiärta" Sttlintt SaMlatt. Mwach. 23. Aagast 1899. Die zweite Konferenz focioldeinokratischcr Gemeinde- dertrctcr Thüringens trat am Soimtagvormittag in Weimar zu- samnien. Die Tagesordnung bildete die Fortsetzung der Beratung des Programms zu Gcmeindevertrcter- Wahlen. Als Grundlage diente das Programm der gleichen Brandenburger Konferenz. Er- schienen waren dieses Mal nur Delegierte von Gemeindevertretcrn, Ivährcnd an der ersten Konferenz in Ilversgehofen eine sehr grofze Zahl Gemeindevcrtrctcr teilgenommen haben. Anwesend waren Vertreter ans sieben thüringischen Staaten— Sachsen- Gotha, Sachsen- Altenburg, Sachsen- Weimar, Rcnß j. L.. den beiden Schwarzbnrg und dem preußischen Teile Thüringens.— Die meisten Beschlüsse wurden einstimmig nach lebhafter Debatte gefaßt. Uebcr den Punkt, daß an Mitglieder der Gemeindevertretung und Gcmeindeverivaltung Arbeiten und Lieferungen für die Gemeinde nicht vergeben werden dürfen, daß auch an Lieferungsverträgen und gewerblichen Unternehmungen für die Gc meinde sie nicht beteiligt sein dürfen, entstand eine längere Aus einandersetznng. Eine starke Minorität wollte die Streichung dieser Bestimmung, doch gelangte ichließlich das Programm in der bekannten Fassung zur Annahme.— Die Frage:„Kann den Parteigenossen bei Gcmeindevertretcr-Wahlen der Abschluß vom Kompromissen empfohlen werden?"— beantwortete nur ein Delegierter ans dem Gothaischcn mit ja, sämtliche anderen Delegierten nahmen einen Antrag an. daß weder ans taktischen noch änderen Gründen den Genossen bei den Wahlen zu den Gemeindevertretungen Anlaß zu Kompromissen gegeben sei; überall sollen die Genossen ans eigener Kraft sich Er folge erkämpfen und die Principicn rein erhalten.— Bemerkenswert ist noch, daß der zweite Bürgermeister von Weimar, Dr. Damdorf. ein Sohn des Stuttgarter Bildhauers Professor Damdorf, die Konferenz aus Gründen des öffentlichen Wohles verboten hatte. daß er aber das Verbot wieder zurücknahm, als ihm durch den Vertrauensmann der Partei in Wciniar Auf- klärung über Wesen und Zweck der Konferenz gegeben war dieser sich mich protokollarisch verpflichtet hatte Gesetzesübertretungen zu hindern, sotvie Ordnung Ruhe und Sitte zu wahren, schließlich auch noch garantierte daß einige als R e f e r e n t e n in der Tagesordnung bezeichnete auswärtige Genossen keine Wühler und Hetzer seien.— Gclcgcnt- Itch dieser Unterhandlung sagte der Herr Bürgermeister, es sei eine „Anweisung von oben" ergangen, tvonach die Behörden verpflichtet werden, nicht mehr so leicht Versammlungen zu gestatten.— Diese Bemerkung bestätigt nur, was wir schon mußten, nämlich, daß mit dem Einzug des„neuen Herrn" im Departement des Innern, Herrn v. Wurnib, die Bekämpfung der Socialdcmokratie in jeder Weise erfolgen muß. und da ein Versammlungsrecht für die wcimarischcn Staatsbürger nickit besteht(nach dem Ausspruch des früheren Staatsministers von Groß), so ist das nächstliegende ja das Verbot dcr� Versammlungen.— Es besteht zwar keine g e fetzkiche Bestimmung, ans welcher hervorgeht, daß wir im Weimarischen das Versammlungsrecht nicht haben, umgekehrt existieren Verordnungen mit Gesetzeskraft, ivelche das Vereins- und Bcrsammlungswescn regeln, nebenbei gilt doch auch für unser» Kleinstaat die Reichsverfassnng.— Wenn man am grünen Tisch aber glaubt, uns mir solchen Nadelstichen tot machen zu tvollen, dann irren sich diese thüringischen Verwandten preußischen Krautjnukcrtums. Sie scheinen den harten Kopf des Thüringers nicht zu kennen i wir empfehlen ihnen das Studium der Thüringer Geschichte, damit sie es begreifen lernen, wenn das Thüringer Volk auch für sich die Nutzaitweiidung zieht aus dem Wort des Schmied von Ruhla. Dann heißt es aber nicht„Landgraf" sondern„Bauer werde hart".— Äu der Kreiökonfercnz des sechsten schleswig-holsteinischen Wahlkreises sOtteiisen-Pinneberg) wurde mitgeteilt, daß der Kreis- verein 2978 Mitglieder hat. Die Einnahme betrug im Jahre 1398 17 288 M. und die Ausgabe 16183 M. Das„Hamburger Echo hat im Kreise 1778, die„Scklleswig-Holsteinische Volkszeitung" 1218 und die„Nordivacbt" 153 Abonnenten. Der„Wahre Jakob" wird in 3000 und der„Postillon" in 200 Exemplaren verbreitet. Außer diversen Flugblättern ivurden 18 000 Volkskalendcr, 1200 Partei- tags-Protokolle und 2000 Abdrücke des Bürgerlichen Gesetzbuches verteilt. Totenliste der Partei. In Almoshof in Bayern starb nach kurzer Krankheit ei» treuer Parteigenosse, der Zimmerer Konrad S e i s ch a b. Er hat sich stets als ein braver Kämpfer erwiesen. Jnteriiationalcr Kongrest in Paris. Die Kommission für die endgültiges Feststellung der Einladung zum iuternalionalen Kongreß von 1900 ist Montagabend zusammengetreten. Die Kom- Mission besteht aus den Genossen: Jean Jaures, Victor Dalle. Jules Gncsde, Albert Richard, Louis Dubrcuilh. Als Stellvertreter fungieren Louis Reveliii, Pierre Morel, Ed. Fortin. A. Lenormand. H. Le Page. Polizrilichrs, Grrichklichrs usw. Der Freiheitsberaubung hatte Genosse Rakntt in Königs- berg als Redacteur der„Volkstribüne" einen Gendarm und zwei Gcmcindebeamte beschuldigt, weil sie drei socialdemokratische Flugblatt- Verteiler festgehalten und fast einen ganzen Tag lang eingesperrt hatten. Darob der Beleidigung angeklagt, wurde Rakntt zu Gefängnisstrafe verurteilt. Das Rcvisionsgericht hob das Urteil auf und die Straf- kammer in Braunsberg sprach Rnkutt frei, indem sie ausdrücklich anerkannte, daß für die Beschuldigung der Frei- heitsberaubung der Wahrheitsbeweis erbracht sei. Einer der damals eingesperrten Genossen stellte nun bei der Staatsanwaltschaft Strafantrag ivegen Freiheits- bcraubung. Die Verfolgung wurde abgelehnt, weil ein be- wüßt rechtswidriges Handeln, das ein Einschreiten wegen Freiheits- beraubung rechtfertigen könnte, nicht vorliege. Es würde sich doch empfehlen, diese Angelegenheit durch Beschivcrdc bis ans Ober- Landesgericht zu bringen, um festzustellen, ob sich dieses auf feite der Staatsanivaltschaft oder der Strafkammer stellt. GemevrtstfjAftlidjes. Berlin»nd Umgegend. Zur Lohnbewegung der Bautischler. Mit einer Anzahl Unternehmer, welche bisher bei ihrer Weigerung beharrten, wurden gestern Verhandlungen gepflogen, die das Resultat ergaben, daß 7 Unternehmer bewilligten. Die Haltung der noch ausständigen Kollegen, deren Zahl sich täglich verringert, ist eine gute. Heute Nachmittag 3 Uhr findet bei Feuerstein, Alte Jakobftr. 75, eine Kontrollvcrsammlnng der Streikenden statt. Auch in den Vororten verringert sich die Zahl der Ausständigen; in Rummclsburg, Schönewcide und Weißensee sind 89 Kollegen die Forderungen bewilligt. Von dcil Einsetzer» sind bis jetzt 18 unter- schriebene Tarife auf dem Bureau niedergelegt. Da dies nicht die Gesamtzahl der bewilligten Tarife ist, werden die Einsetzer, welche nach dem ueucil Tarif arbeiten, ersucht, dies dem Bureau mit- zuteilen. Achtung, Lederarbeiter k(Porteseniller.) In der Lcder- warenfabrik von Sommer, Reichcnbergcrstr. 181, haben am Mon- tag Jji m t l i ch e Arbeiter wegen Lohndifsercnzen die Arbeit nieder- gt. Zuzug ist streng fernzuhalten. Der Vertrauensmann. Die Arbeiter der städtischen Markthallen beschlossen in der am 20. August stattgefundcncii Versammlung, eine Petition bezüglich der Lohn- und Arbeitsverhältnisse ihrer zuständigen Deputation zu unterbreiten. Die Eingabe, die sie inr vergangenen Jahre an die Direktion richteten, hat bisher nur einige Zugeständnisse zur Folge gehabt. Man hat den Tagelohn derjenigen Arbeiter, die bereits 5 Jahre im Dienste der Markthallen-Verwaltung standen, von 3 M. auf 3,25 M. erhöht. Außerdem ist den Arbeitern nach 10 jähriger Dienst- zeit eine weitere Lohnerhöhung von 25 Pfg. pro Tag geivährt worden, w daß diese Kategorie jetzt einen Tagelohn von 3,50 M. erhält. Dagegen haben alle Arbeiter unter fünfjähriger Thätigkeil keine Zu lagen' erhalten, obgleich gerade diese eine Lohnerhöhung besonders notwendig hätten. Der Anfangslohn, mit dem die Arbeiter ein ganzes Jahr laufen müssen, beträgt z. B. 2,50 M. pro Tag. ist als noch 20 Pf. niedriger als der ortsübliche Berliner Tagelohn. Die Forderung betreffs Beseitigung des Tage- und Einführung eines Wochenloijnes ist gänzlich abgelehnt worden. Auch die geforderte 36stiindigc Rnhcpansc, welche jeden dritten Sonntag ein treten sollte, hat noch nicht in allen Markthallen Eiir gang gesunden. In einigen Hallen, in denen die 36stündige Ruhezeit bereits durchgeführt war, wird in letzter Zeit versucht, sie wieder zu beseitigen. Die gewünschten Dienstmützen, welche den Arbeitern, die solche tragen müssen, n n entgeltlich geliefert werden sollten, sind gleichfalls nicht bewilligt worden. Darum haben die Markthallen-Arbeitcr die von der Direktion abgelehnten Wünsche der höheren Instanz in der Hoffnung unterbreitet, daß diese sich entgegenkommender zeigen wird. Deutsches Reich. Achtung, Klempner(Flaschner)! Der Kampf der Haw burger Klempner um die Durchführung des neuen Lohntarifs dauert fort' und scheint eine größere Ausdehnung annehmen zu wollen. indem eine größere Anzahl Mittelbetriebe sich heftig gegen die be- fcheidene Lohnforderung sträubt. Als geregelt zu betrachten sind erst 83 Betriebe niit zusannncn 680 Arbeitern, lieber mehrere Betriebe mußte die Sperre verhängt werden. Ausständig sind gegenwärtig etwa 100 Mann, doch wird sich die Zahl der Ausständigen' voraussichtlich ver- mehren. Bisher ist leider eine Verringerung deS Zuzuges nicht zu bemerken gewesen. Ganz besonders haben wir unter dem Zuzug über Harburg zu leiden. Wir bitten daher dringend, den Zuzug von Klempnern sFlaschnem) und Installateuren mehr als bisher fernzuhalten. Die Lohnkommission der Klempner Hamburgs. I. A.: K ö p k e. Die Adresse der Lohnkommission ist„Lessinghall'e", Gänscmarkt 35. Ter Streik der Töpfer in Halle endete mit einem vollen Siege der Arbeiter. Am Sonnabend bewilligten die Meister die Forderungen der Gesellen in vollein Unifange. Strafgefangene Manrer aus Hannover und Eclle werden in Lehe beim Bau deS Amtsgerichts beschäftigt. Sie erhalten nach den Angaben unseres Hannövcrschen ParteiblatteS die Stunde 35 Pf,, was wesentlich weniger ist, ivie der dort für freie Arbeiter geltende Lohnsatz. Bei der GrwcrbcgcrichtS-Nachwahl für die llnternehmcr in einem Wahlbezirke Stettins sdic erste Wahl ivar für ungültig erklärt worden) wurden die vier socialdemokratischcn Kandidaten' mit 76 gegen 71 Stimmen gcivählt. Von den 48 Beisitzern des dortigen Gewerbegerichts sind nun 23 Socialdemokratcn. Ter Verband der Metallindustrielle» hat in Sachen des Leipziger Formerstrciks die Intervention des Schiedsgerichts als Einigungsamt abgelehnt. Die Gründe für diesen Beschluß sollen dem Gewcrbegericht schriftlich mitgeteilt werden. Der Kampf geht weiter! Die Unternehmer, die den Kampf erst provozierten, haben nun auch die zum Frieden gebotene Hand zurück- gewiesen. Die Folge wird sein, daß die öffentliche Meinung immer- mehr für die Arbeiter, die bekanntlich auf zwei Jahre ausgehungert werden sollen, Partei ergreift. Kein zielbewußter Arbeiter darf versäumen, das Seine dazu beizutragen, daß der Kampf für die ausständige» Former mit einem glänzenden Siege endet._ ivmcns tag irfi Aitrgt. / Di � nm 90 UoltAles. Zur Stadtverordneten-Wahl. Die„Reform" des K o m m u n a I- W a h l r c ch t s ist in der Kommission des Abgeordnetenhauses nunmehr zu Fall gebracht und der Finanzminister Miguel hat von der Thatsache bereits in höflicher Verbeugung Notiz genommen. An sich braucht man ja allerdings dieser„Reform" keine Thräne nachzuweinen, denn dieses angeblich reformbedürftige Gesetz ist gar nicht zu reformieren, sondern muß beseitigt werden. Die Zustände, die das jetzt geltende Wahlgesetz schafft, werden von Jahr zu Jahr ungeheuerlicher. Während vor 10 Jahren die Zahl der eingeschriebenen Wähler der ersten Abteilung in Berlin noch über 5000 betrug, war sie bis vor 2 Jahren unter 1200 gesunken, und heute beträgt sie gar nur noch tistl. Ihr stehen gegenüber 7400 Wähler der ziveiten Abteilung und 308 000 der dritten Ab teilung. Da nun jede Abteilung 48 Stadtverordnete zu ivählen hat, o wählen in der ersten Abteilung schon 14 eingeschriebene Wähler, in der zweiten 154 und in der dritten 6400 einen Stadtverordneten. Die zur Berechnung gelangende Stenersumme beträgt 56 000 000 (sechsundfünfzig Millionen) Mark. Diese Summe ist um deswillen o hoch, weil nach der Miquelschen Steuerreform auch die Grund- teuer in Anrechnung gebracht wird. Diese Bestimmung der Steuerreform des Exkomnmnisten Miguel war im Interesse seiner Freunde, der Junker, denen die Grundsteuer geschenkt lvurde, allerdings notwendig, denn sonst könnten ja viele von diesen Herren überhaupt nicht lv ä h l e n. Die künstliche Rcchtlosmachung vonHunderttausenden zu Gunsten einer Handvoll Besitzender mutz für die Besitzlosen ein Ansporn sein, die wenigen Rechte nachdrücklich zu verteidigen. Eine Gelegenheit dazu bietet die im Herbst stattfindende Stadt- v e r o r d n e t e n- W a h l, bei der es gilt, wie ein Mann für die Socialdemokratie einzutreten! Die Socialdemokratie ist die einzige Partei, die ehrlich daS Wahlsystem der krassen Ungerechtigkeit beseitigen will. Der Wahlverein für den 3. Berliner Reichstagö-Wahl- kreis hält morgen. Donnerstag, bei Möhring, Admiralslraße 18e, eine Versammlung ab, in der Genosse Paul Jahn über Bernstein und das Genosienschaftswese» referieren wird. Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Vorstand. Achtung, 5. Wahlkreis. Am Sonntag, den 27. August, ver- anstalten die Genossen des 5. Kreises einen FamilienauSflug zur Lassallefeier nach Johannisthat, Restaurant Senftleben, Äöpnicker- und Friedrichstraßen-Ecke. Abfahrt früh 8 Uhr, Bahnhof Alexander- platz.— Nachzügler im genannten Lokal. Die Genossen werden gebeten, sich mit ihren Familien zahlreich zu beteiligen. _ Der Vorstand. Weber das Berliner GewerkschaftShauS bringt Genosse Sassenbach in dem Fachorgan seiner Gelverkschaft einen informierenden Artikel, dem wir folgendes entnehmen: Das eigene Heim, das sich die Berliner Gewerkschaften auf dem Grundstück Engelufcr 15 erbauen, wächst bereits tüchtig aus der Erde heraus. ES wird bestimint darauf gerechnet, daß der Rohbau noch vor dem 1. Oktober d. I. fertig wird, sodaß Restaurant, Säle, Burcauräume und Herberge spätestens am 1. April 1900 bezogen werden können. Man hat bereits an einzelnen Orten(Stuttgart, Frankfurt usw.) eigene Gewerkschaftshäuser,' da man aber vorhandene Bauten übernehmen und sich in ihnen einrichten mutzte, so konnte nicht alles so praktisch eingerichtet werden, wie man es wünschen mußte. Das ist beim Berliner Gewcrkschaftshause anders; da hier ein vollständiger Neubau aufgeführt wird, so konnte von vornherein alles so zweckentsprechend und praktisch wie möglich eingerichtet werden. Neben-. bei konnte aber auch dem S ch v nh e i t s b e d ii r fn i s so weit als möglich nachgekonmien werden, ohne daß dadurch der Bau ver-' teuert wurde. Die Richtschnur bei der Entwerfung der Pläne mutzte sein: möglichste Ausnutzung des vorhandenen Bodens, praktische An- ordnung der einzelnen Räumlichkeiten, Benutzung aller modernen Errungenschaften und gefällige, das Auge befriedigende Architektur/ dabei Vermeidung aller unnützen Kosten. Dieser Richtschnur sind die � mit der Ausarbeitung der Pläne betrauten Architekten, die Herren Reimer und Körle vollständig gerecht geworden. Das neue. Gewcrkschaftshaus tvird ein Ort werden, wo sich sowohl der Ber- lincr Arbeiter als auch der zureisende Wanderbursche wohl fühlen wird. Das Gewcrkschaftshaus gliedert sich in drei Bauteile: s.) das Vordcrgebäude mit einem Seitenflügel, b) ein an den Seitenflügel anschließendes Quergcbäude, o) ein zweites Qnergebände mit zwei kurzen Seitenflügeln. Vordcrgebäude und Seitenflügel sind im Par- terre für R e st a ü r a t i o n s r ä u m e und in den übrigen Stockwerken für B u r e a n r ä u m e für Gclve rk s ch a ft e nund Krankenkassen bestimnit. Das 1. Qnergebäude enthält die Säle, das 2. Quer- gcbäude die Herberge. Diese Anlagen verteilen sich auf einen Flächcnranm von 3463 Quadratmeter, bei 34 Meter Straßenfront und 102 Meter Tiefe. Vordcrgebäude und Seitenflügel nehmen 770 Quadratmeter Vodenfläche ein. Sie sind vollständig unterkellert und bestehen aus Erdgeschoß und 4 Stocktverken. Die im 1., 2. und 3. Stock gelegenen Bnreanräume haben einen Flächcnranm von 2300 Quadratmetern. Im 4. Stocke befinden sich 6 Wohnungen von 2 bis 3 Zimmern. Die Straßenfront wird in Backsteinrohbau und mit reichlicher Verlvendung von Fornlsteinen und zwar im Style des Märkischen Sandsteinbaucs in moderner Auffassung ausgeführt. Das Restaurant steht mit seiner inneren Einrichtung als Küche, Kühlraum, Aufzügen ze. vollständig auf der Höhe der Zeit. Der zwischen Vordergebäude, Seitenflügel und 1. Quergebüude befindliche 1. Hof, auf dem ein großer, schattiger Baum hat erhalten ivcrdeil können, wird ebenfalls zu Restaurationszwecken verwendet ivcrdeir. Das 1. Qnergebäude bedeckt eine Bodcnfläche von 920 Quadrat- mctcr und ist ebenfalls unterkellert. Im Kellergeschoß befinden sich die erforderlichen Wirtschafts- Ränmlichkeiten sowie die Räume für die Centralhcizung. im Erdgeschoß die sehr umfangreichen K ii ch e n- r ä u>n e, die in sehr begneurcr Verbindung mit den Sälen und dem Restaurant des Vordcrgcbäudes stehen. Weiter liegen im Erd- gcschoß mehrere Kegelbahnen mit verschiedenen Nebenräumen. Vom 1. Hofe ans führt eine breite Freitreppe in die weiten Vestibiilräume des 1. Geschosses, in denen sich die umfangreichen Garderoben und z lv e i Säle mit Nebenrüumen befinden. Der eine Saal hat 166 Quadratmeter, der andere 75 Quadratmeter Flächenraum. Der große Hauptsaal mit fast 500 Quadratmeter Bodenfläche, mit einem Nebcnsaal von 90 Quadratmeter, mit zwei großen Galerien und Vorräumen, geht durch das 2. und 3. Stockwerk hindurch und hat eine lichte Höhe von 11,60 Meter. Die Lage der Säle ist eine derartige, daß sie getrennt und im Ganzen verwandt werden können. Die Herberge hat 540 Quadratmeter bebaute Fläche und ist nur teilivcise unterkellert. Sie ist mit der Straße durch eine be- sondere Einfahrt verbunden, die durch das Vordergebäude nach dem 2. Hofe führt. Die Herberge bildet mit ihrem Hauptgebäude und Seitenflügeln einen 3. Hof. Das Erdgeschoß der Herberge enthält ein Aufnahmezimmer, die Küchenräume, die Wohinnig des Hausmeisters der Herberge, ferner Waschküche, Desinfektionsanstalt und Baderäumc. Die aus Wannen und Brausen bestehende Badc-Einrichtung ist ziemlich unifangrcich angelegt, da darauf hin- gelvirkt werden soll, daß jeder Zureisende ein Bad nimmt. Im ersten Stocke liegt ein Restaurationssaal mit 78 Quadrat- meter Bodcnfläche und ein Lesesaal mit 63 Quadratmeter Boden- fläche. Im Lesesaal, der den Zugereisten den ganzen Tag offen steht, dürfen keine Getränke ausgcschänkt werden. Ferner erhält der erste Stock zlvei große Schlafsäle für je 11 Personen und zlvei Logis- zimmer für je 2 Personen. In den drei oberen Geschossen, die nur Schlafräumc enthalten, befinden sich im ganzen 15 Zimmer für je 2 Personen, 6 Zimmer für je 4 Personen, 9 Zimmer für je sechs Personen und 6 große Schlafsäle für je 11 Personen, so daß im ganzen 200 Personen in der Herberge linterkommen finden können. Auch die Schlafzinnner der Herberge sind mit Linoleumfußboden,) Ccutralheizung und e l c kt r i s ch c m L i ch t versehen. Die Venti- lation, die Toiletten, die Wasch- und sonstige Einrichtung der Herberge sind nach den modernsten Erfahrungen und Erfindungen ausgestattet. Diese Ausführungen zeigen, daß die Gründer des Gelverkschafts- Hauses bestrebt sind, der Berliner Arbeiterschaft daS zu geben, was ihr bisher gefehlt hat: ein komfortables Heim, ein Haus, das den Ansprüchen genügt, die man in bürgerlichen Kreisen zu stellen für selbstverständlich hält, die in der Arbeiterschaft aber, lvie man fast zu deren Beschämung sagen mutz, bisher durchaus nicht mit der wünschcnsivcrten Energie hervorgetreten sind. An der Berliner Arbeiterschaft wird es künftig liegen, daS Gewcrkschaftshaus nach jeder Richtung hin existenzfähig zu erhalten. Daö Heilverfahren für Luugenschwindsüchtige hat bei de? Jnvaliditäts- und Altersvcrsichcrungs-Anstalt Berlin im Jahre 1893 einen großen Umfang angenommen. Die männlichen Tuberkulosen ivurden vornehmlich der Lungenheilstätte des Rothen Kreuzes am Grabolvsee und den auswärtigen Heilstätten in Görbersdorf, Loslau und Andreasberg überwiesen, während die weiblichen hauptsächlich in Görbersdorf behandelt wurden. Im ganzen konnten 266(1897: 110) männliche, 96(26) weibliche Kranke'aus der Behandlung cnt- lassen werden. 35 Proz. der männlichen, 33 Proz. der weiblichen Patienten konnten als„erwerbsfähig" entlassen werden, eine BcgriffSformulicrung, die allerdings einer erheblichen Korrektur be- darf, denn der Bericht der Versicherungsanstalt bemerkt selber, daß unter der großen Anzahl von Lungenkranken, die ein Gesuch um Ucbernnhme'' der Kran kcnfürsorge stellten, nur diejenigen ausgewählt wurden, die begründete Aussicht auf Besserung oder Herstelluiig durch eine mehrwöchentliche Kur boten. WaS die Dauer des Heilerfolges an- betrifft, so liegt noch kein endgiltigcs Resultat vor, da erst seit zwei Jahren die Krankenfürsorge für Luugenschwindsüchtige eine solche Ausdehnung angenommen hat. Sehr erwähnenswert ist aber eine Stelle im Bericht, die besagt, daß von den als erwerbsfähig E n t l a s s e n e n in sehr großer Anzahl Gesuche um Wieder- aufnähme des Heilverfahrens eingereicht wurden, die aber bei den vielen Vornoticrungen anderer Versicherten, denen noch keine Heilbehandlung zu teil wurde, fast ausnahmslos abgelehnt wurden. Die Mitteilungen zeigen deutlich, wie durchaus ungenügend es mit den so oft im Anreißerjargon gepriesenen„Segnungen der Social- reform" auch nach dieser Richtung hin bestellt ist. Der Oberbürgermeister ans Probe. In diesen linden Spät- ommertagcn macht sich in der hohen Politik daS anerkennenswerte Streben breit, alle unangenehmen Dinge nach dem Grundsatz„Freut Euch des LebenS" zu beurteilen. Offiziöse Blätter stellen die Prügel/ die der Regierung vom Junkertum beigebracht worden sind, mit ge-1 winnendcm Lächeln als Ministerlabsal hin. Kann man es da ein em! anderen großen Geist übel nehmen, wenn er bei solcher Gelegenheit auch die halbvergesfene Bestütigungsftage wieder auffrischt und seine! Verwunderung darüber ausspricht, daß die Menschen überhaupt soj thöricht sein konnten, Herrn Kirschner schon jetzt als Oberbürgermeisters ehen zu wollen. In der„Märkischen Volks-Zeitung" finden wir folgende Meldung. abgedruckt:„Die Entscheidung über die Bestätigung des Bürger- meistcrS Kirschner als Oberbtirgcrnieisier von verlin dürfte sich voraussichtlich»och einige Zeit hinziehen. Die Verzögerung der Entscheidung dürfte überdies einen ganz erklärlichen Grund haben. Als zweiter Dilrgcrnnsificr hat Herr Kirfchuer verhältnismäßig wenig Gelegenheit gefunden, als selbständiger Leiter des Verivaltungs- Wesens d�r Stadt Berlin hervorzutreten. Die ganz besondere Eigenart dieses Verwallungslvesens bringt es mit sich, daß die Regierung in der Personenfrage für den Berliner Ober- bürgermeister-Posten über die allgemeine Qualifikation hinaus anch das in Betracht ziehen muß, wie die gewählte Kraft sich für die besonders gearteten Berhältnisse Berlins eignet. Es lag darum nahe, daß die Entscheidung über die Bestätigung K'irschiieys zunächst ausgesetzt wurde, um durch eine längere Amts- thätigteit als leitender Kcmmnnalchef die Initiative des Herrn K. kennen zu lernen. Eine gleiche Praxis wird bei zahlreichen höheren Aemtern der Staatsverwaltung geübt und wird, wo e§ die Ver hultuisse ermöglichen, anch in der Äonimunalverlvallung angeivcudet." Soniit hätte Herr Kirschucr Aussicht, wenn nicht in dieser, so doch in jener Welt als Obcr-Biirgermeistcr bestätigt zu werden Uebt er sich aber in patriotischer Initiative, so kann es leicht kommen, daß er doch noch bei Lebzeiten avanciert. Auf jeden Fall lasse nia» das Räsonnieren. Goethe und August Scherl. Die Geschäftsleute August Scherls werden� diese Woche Goethe auf Flaschen ziehen. Wr werden bei dieser Gelegenheit das radikale Urteil des Beilagen königs über den Dichter hören, der natürlich schon deshalb nichts Ordentliches leisten konnte, weil er weder die Bildung des„Loknb Anzeigers", noch der„Woche" eingesogen hat. Iii der letzten Sonntagsnummer hören wir schon einen Vorklang dieser radikalen Schcrlschen Umwertung Goethes, dem die„übliche Wald« und Wiesen-Scntimentalität" vorgeworfen wird. In einer Briefkasten Notiz ivird nämlich folgende Antwort gegeben: Der Vers:„Fch möchte Dir mein ganzes Inneres zeigen, jedoch das Schicksal will es nicht", klingt uns zwar bekannt— allerdings vielleicht mir wegen der üblichen Wald- und Wiesen Sentimentalität, die er atmet— das Lied, dem er entnommen ist, kennen wir indessen nicht. Der Vers erinnert an Strachwitz. Die Vers entstammt Goethe? Mignonlicdern, die bisher als die zartesten Eingebungen seiner Lyrik galten. Jetzt sind sie in ihrer „üblichen Wald- und Wiesen-Sentinrentalität" entlarvt. Neugierig sind wir mm, wie August Scherl über die»msikalische Wiedergabe des Liedes durch Schubert urteilt. Sie wird ihn vermutlich a» Lntolf Waldmann erinnern. Das Kuratorium der städtische» Sparkasse beabsichtigt eine Filiale im Westen der Stadt zu errichten. Dieselbe soll in der Potsdamerslraße voni Potsdamer Platze ab bis zur Kurfürstcnstraße oder in einer der Nebenstraßen daselbst ihr Domizil aufschlagen. Die gesetzliche Beschränkuug der Sonntagsarbeit haben zwei Petitionen zum Gegenstände, welche dem Berliner SK�gistrat bczw. der Gewerbedeputation zugegangen sind. Die erstcre der Petitionen, welche von einer großen Zahl von Handlungsgehilfen unterzeichnet ist, verlangt die Einschränkung der Somitngsarbcit in Detnilgeschäften ans drei Stunden und die völlige Aushebung der Sonntagsarbeit in EngroSgesthäften durch Erlaß eines Ortsstatuts. Die zweite ähnlich lautende Petition hat der Vorstand der Orts- grnppe Berlin des deutsch-nationalen Handlimgsgchilfcn-Vcrbandes an die Gewerbedeputation des Magistrats gerichtet. Beide Petitionen werden die genannte Deputation nach den Ferien beschäftigen. Ueber einen nichtsnutzigen Unfug, wodurch schon seit längerer Zeit Fahrgäste der Stadtbahn- und Vorortzüge beunruhigt werden, wurde mehrfach berichtet. Iii der Gegend des Bahnhofs Tiergarten sind wicderholentlich von einer bisher nicht ermittclien Person Schüsse auf St adtbahnzüge abgegeben worden. Nur als glücklicher Zufall ist es zu betrachten, daß Perkonen bisher noch nicht verletzt wurden. Nach einer längeren Ruhepause scheinen jetzt die Schießübungen auf die Stadtbahn wieder aufgenomnieir worden zu fem. Gestern vormittag wurde auf einen von« Grunewald kommen- den Stadtbahnzug geschossen. Wie sich später herausstellte, war die Waste mit Vogcldimst geladen gewesen. Mehrere Körner wurden in einem Wagcnabteil zweiter Klasse aufgefunden. Ein Herr, der sich in dem Wagcnabtheil befand, war unverletzt geblieben. Totschlag? Eine unglaubliche Mitteilung bringt ein Bericht- erstatter: Ein empörender Vorfall hat sich am Montagabend zwischen k und 6 Uhr auf dem Tcmpelhofcr Felde zugetragen'. Eine Schar Kinder spielte„Blindekuh". Mitten durch die Schar ging ein Herr nnt einer Dame, beide sehr fein gekleidet. Dabei lies sie ein etwa ILjähriger Knabe an, der gerade die Binde vor den Augen trug, unch seilten Gespielen tastend. Wütend schwang der Herr seinen Stock und schlug den schuldlosen Knaben über de» Kopf, so daß der Knabe wie vom Blitz gclrvfscn zu Boden stürzte. Die anderen Kinder glaubten zuerst, der Knabe mache Scherz und verstelle sich, als sie aber hinzutraten, sahen sie zu ihrem Schreck, daß ihr Gespiele tot war. Inzwischen hatte sich der Totschläger mit seiner Dame eiligen Schrittes entfernt, so daß niemand den Thätcr kannte. Blutvergiftuttg durch Flicgcnstich. An Blntvergistnng schwer erkrankt ist der Inspektor Schröder von der Erziehungsanstalt „Grünes Hans" in der Miillcrsiraße. Eine Fliege, von welcher er gestochen wurde, kam angeblich von der Abdeckerei hcrgeflogcn. Wie- wohl Herr Sch. ärztliche Hilfe sofort in Anspruch genommen hatte, war die Vergiftung doch schon so weit vorgeschritten, daß ein operativer Eingriff stattfinden mußte, um die'Lebensgefahr zu de- seitigen. Passai, ten wurde das Lehrpersonal der Militär-Schwlmmanstalt von dem Vorfall in Kenntni» gesetzt, worauf Schwimmlehrer schleunigst an die Unfallstelle eilten. Ter Sergeant Modrow vom 2. Garde- Regiment zu Fuß sprang als erster dem Selbstmordkandidatcu nach. Es' glückte ihm, den anscheinend leblosen Körper im Schlamm ans- zufinden nich in Gcmeinschast mit dem Grenadier Meier ans Ufer zu schaffen. Hier nahm der Sanitäts-nutcroffizier Lübben sofort WicderbelcbniigSversuchc vor. Nach einiger Zeit schlug der Leben? müde seine Augen wieder auf und wurde zur Schwimmanstalt gc bracht. Als Motiv zu dein unseligen Schritt gab der vom Tode Er rettete an, daß er infolge Krankheit verhindert sei, feine Arbeit Ivic bisher zu verrichten. Bei der Arbeit schwer Ucriingliilkt ist Dienstagnachmittag um 2�s Uhr der tv jährige Maschinenbau- Lehrling Paul Voß aus der LandSbcrgcrstrahe Nr.'tzS, der seit einem Jahre in der Maschinen fabrik von Hohndel n. Cohn am Grünen Weg Nr. 117 beschäftigt war. Der junge Mann hatte an der Hobelmaschine zu thun und geriet in das Getriebe, das ihm das rechte Bein zermalmte so daß das Fleisch vollständig zerfetzt und die Knochen zersplittert sind. Der Verunglückte wurde mit einem Lückschen Rcttnngsivagcn in das Krankenhaus am Friedrichshain gebracht.— Wie ist es möglich daß man ein Kind an einen so gefährlichen Platz stellt� Hoffentlich findet solche Gewissenlosigkeit an' dem Schuldigen ihre Sühne. Sport. Der Schwimmklnb Vorwärts hielt Sonntag tm Alten Studentenbad, Ratiborstr. 14, ein Schivimmfcst ab, das sich eines außerordentlich zahlreichen Besuches erfreute. Das Wctt schwimmen nahm folgenden Verlans: Erösstiungs- Schwimmen. 100 Meter. 1. K. Vögtle, 2. E. Walter.— Jngcndspringcn. 1. W. Schneider.— Gast- Schwimmen, 150 Meter. 1. M. Bach sSchwimmklnb Neptun), 2. P. Gladow(Schwimmberein Nord). Damen-Schwimmen, 100 Meter. 1. Frl. S. Häßler, 2. Frl. M. Bruns — Springen. 1. E. Kiel.— Jugend- Schwimmen. 75 Meter. 1. O. Nehmann.— Gast- Springen. 1. M. Bach sSchwimmklnb Neptun), 2. P. Gladow sSchwiinmvcrcin Nord).— Hanpt-Schwiunncn 200 Meter. R. Boclitz.— Schwimmen der Herren über 30 Jahre, 75 Meter. E. Kiel, K. Schütze.— Damen- Gast Schwimmen, 60 Meter. 1. Frl. H. Pictsch sSchwimmvcrein Nord) Hcchltanchen. 1. H. Klank mit 40 Meter.— Jugend- Gast Schwimmen. 75 Meter. Im Alter von 14—16 Jahren wnrd 1. F. Wegener sSchwimmklnb Neptun). Jni Alter von 16—18 Jahren wurde 1. E. Sprcngler, 2. H. Liesegang(beide Schwimmuercin Nord).— Schwimmen in Kleidern mit Hindernissen. 50 Meter. 1. W. Klank.— Die Preisverteilung fand bei Ganscwig, Neichen- bcrgcrstr. 147. statt. Aus der Rad-Rcnnbahn Kurf ü r st c n d a m m sind jetzt die meisten Fahrer zum Training eingetroffen. Am heutigen Mitt- woch werden wohl alle um den Großen Preis von Tcnffchland kinikurricrendcn Kräfte auf der Bahn versammelt sein, um mit dem Training zu beginnen und sich mit der Bahn vertraut zu machen. Ter Skrdcitcr-Stcnographenl'crein„Ttolzc"(EinIglingSMcni) zu Berlin(Mitglied des Verbandes der Arbciter-Stcnographclivcreiiie Deutsch- lands) crösmct neue UiiterrichtLkurse in der„Vercinfachlen deutschen Stcno- zrapbie"(Einignugösyslem„Stolzc-Schrey") am Montag, de» 23. Augilst, m Lokale des Herrn Krause. Mnlleistr. 7a, am Dienstag, den 2ll. August, im Lokale des Herrn Grupe, Aiinenslr. 10, am Domierstag. den ZI. August. im Lokale des Herrn Jahn, Gräsestr.«2, nild am gleichen Tage im Moabiter Zllribhaus, Bcnffclstr. 9.— Zum Besuch des erste» Umerrichtsabends, der unentgeltlich ist, wird ergebenst eingeladen. Weiteres siehe Inserat in heutiger Nummer. Ter Vorstand. I. A.: Hubert ftreucr, Melchior str. 5. Auf der Treptow-Sternwarte spricht Direktor F. S. Archenhold rettagabcnd S'/e Uhr über„Der Mond im Treptower Riesensernrohr". ii diesem Vortrag habe» auch die VereiusbilletS Gültigleit. Der Mond wird nach dem Vortrag bis IL Uhr nachts mit dem Riescurefrakior gezeigt. Theater. Wegen deS nahen SchlilsscZ der Monvitz-Oper im Schiller Theater finden Wiederholungen nicht mehr statt»nd gelangt Beethovens „Fidelis" tm Klasslker-EykluS bei halben Preisen mir heute. Mittwoch, zur cirmialigeil Ausführung. Morgen, Donnerstag, wird bei geivöbnlicheil kleinen Preisen zum letzteumali„Carmen" mit Hcrmin« Schuster-Wirth in der Titelpartic— Maria von Tergow: Micaela, Karl Jörn: Jose und Josef Faiita als EscamiNa gegeben.— Die Beniltzung der noch ausstehenden freien Abouiiemeiils wird wiederholentlich in Erinnerung gebracht.— Für das Friedrich W i I h e l m st ä d t i s ch e Theater ist Herr R. Hartmann als Obcrregiffeur und Schauspieler verpflichtet worden. Zu dem Lltusanner Unglücksfall ivird bekannt, daß der Kauf- mann Bergmann es ivar, der das Glcichgeivicht verlor und in den See stürmte. Der Licntenant v. Ramm sprang ihm ohne Besinnen nach, mutzte aber, wie mitgeteilt, seine mutige That gleichfalls mit dem Tode bezahlen. Das Schiff hielt zwar sofort an und fuhr rückwärts, und man durchforschte die Stelle, Ivo Beide verschwunden waren, aber alle Bemühnngen waren mnsonst. Erst mehrere Stunden später wurde die Leiche de? Liciltenmits v. Ramm ans dem See treibend bemerkt und geborgen. Lieutenant Friedrich Wilhelm v. Ramm war der jüngste von drei Brüder», die dein vierten Gardrrcgimenl zu Fuß angehören. Der Kansmann Hans Bergmann ist der 26 Jahre alte Sohn der vor kurzer Zeit verstorbenen Frau Bergmann, der Witwe eines wohlhabenden Schlächtermeisters. Ertrnnkc» ist dieser Tage beim Baden in der Oberspree der 84 Jahre alte Tischler Wilhelm Scholz ans Francnthal im Kreise Goldbcrg. Man nimmt an. daß der Verunglückte im Wasser von einem Schlaganfall betroffen worden ist. Scholz wohnte zuletzt bei dein Gastwirt Kühn in Obcrschönewcide, Siemcnsstraßc 1. Herr Kühn hat keinerlei Anhalt über die Fainilienverhältiilsse des Ver- storbenen und hofft nun, daß diese Veröffentlichting die Verwandten veranlassen wird, sich entweder bei der Behörde oder hei ihm zu melden. Anch ist Herrn Kühn darum zu thun, die letzte Arbeits- stättc deS Scholz zu erfahren. Zur Illustration der Berliucr WohltlütgSznständr. Die ans Mann, Frau und drei Kindern beslchcnoe Familie des Schuh- macherS Keltn wohnt seit etwa sechs Wochen in Weisensce in der Stratzbnrgstr. 22 im Keller, unweit der Stapclplätze von Lumpen und Knochen, zwischen denen Hunderte von Natten Hansen. In der vorige» Nacht hörte Frau Keim ihr jüngstes, 14 Tage altes Kind Erna schreien, ohne daß sie sogleich nach dem Grunde der Unruhe forschte. Als das kleine Wesen aber immer heftiger weinte, ging die Mutter zum Korbe, in welchem dnS Mädchen lag. Aus diesem kam ihr eine große Ratte entgegengksprimgen. ivelche dem armen Kinde am Gesicht genagt hatte. Unter einem Auge und aus der Oberlippe hatte das Tier dem Kinde große Stücke Fleisch heraus- gefressen. Die Eltern, denen Ulisauberkeit nicht nachgesagt iverden kann, trugen das Kind nach dem Krankenhanse am Friedrichshain, wo es in ärztliche Behandlung genommen wurde. Eitlen Selbstmordversuch machte gestern abend der 26 Jahre Metallarbeiter Rudolf Rodenberg, indem er von der Brücke im Zuge der Seestraße in den Spandauer Schiffahrtskanal sprang. Durch In der am Sonnabendabend 8 Uhr bei Gnrsch statt- r s a mm l u n g werden die Gemeindcvcrtretcr Buck Aus den Nachbarorte» Stralau. Ver WW und Mütze über ihre Thätigkcit Bericht erstatten; mich erfolgt dort die Wahl der Delegierten ziir Kreiskonferenz. Ferner machen ivir auf die heutige Anzeige betreffend die Lassallcfeier aufmerksam. Freigabe von Radfahrcrwcgcn. Infolge der Anregung des Landrats Stubenrauch hat nun auch, wie das.Teltower Kreisblatt mitteilen kann, der Landesdircktor zu der von den Nadfahrern gc- wünschten Freigabe des nördlichen Banketts auf der Chaussee Steglitz— Zchlendorf—Waimsce— Potsdam seine Zustimmung gegeben. Nunmehr darf dieses Fußgänger- Bankett da, wo nicht Materialien auf demselben lagern, und außerhalb der Ortschaften, durch welche die Chaussee führt, ausschließlich von Radfahrern befahren werden. Tie freigegebenen Strecken werden, wie schon erwähnt, an ihrem Anfang und Ende durch große Tafel» kenntlich gemacht werden, welche der„Echntzbcrbnnd Berliner Radfahrer" zu diesem Zivccke machen lassen wird,.Hoffentlich werden im Grunewald bald ähnliche Maßnahmen getroffen. Ans Rixdorf. Wegen eines an einem achtjährigen Mädchen begangene» SittlichkcitSuergehrus wurde der Galanteriewaaren- Händler Paul B. ans der Ziethenstraße in Haft genommen,— Eine neue Apotheke ist vom Rcssicrungspräsidcnteii für die westliche Seite des Richardplatzes konzessioniert worden.— Der neue Nixdorfer Bebamingspian wird demnächst vervielsältiat und dem Publikum zur Verfügung gestellt werben.— Die kürzlich in der Ringbahnstraße bei einer Spiritnsexplosion schwer verletzte Frau ist' jetzt den erlittenen Braildwimden erlegen.— Am 7. September findet die erste Sitzung der Stadtverordnctcn-Vcrsammlniig nach den Ferien statt. Die Asphaltiernng de? Knrfilrstcndanimes ist jetzt ans dem nördlichen der beiden Fahrdänimc in Angriff genommen worden. Ans der Strecke zwischen der JoachimSthalerslraße»nd der Grolman- stvaße hat man mit dem Aufreißen des Steinpflasters begonnen. Der Endpunkt der elektrisch betriebenen Straßenbahnlinie Steglitz— Nollendorsplatz— Zoologischer Garten ist deshalb vom Zoologischen Garten nach dem Savignyplay verlegt worden. Die Wagen laufen jetzt von der Kaiser Wilhelm-Gedächlniskieche an durch die Kaut- straßr bis zum Savignyplatz. Ebenso ist der Endpunkt der Pferde- dahnlinie Weißcnburgcrstraße— Hackeschcr- Markt— Brandenburger- Thor— Zoologischer Garten vom Zoologischen Garten zum Savigny- platz verlegt worden. Die Vcrlchrsablcilknng wird etwa 5 bis 6 Wochen dauern. Ju Charlottcnbnrg ist Montagabend durch ein im Schaufenster durch Kurzschluß der elektrischen Leitung entstandenes Feuer daS Warenlager des KanshanseS„Jacob Gebrüder", Wilmcrsdorfer- straße 56a, fast vollständig vernichtet worden. Nur die Abteilung für Herrenkoiisektion und das im ersten Stockwerk befindliche Privat- comptoir sind unversehrt geblieben._ Das Warenhaus befindet sich in einem Eckhause, hat zehn Schaufenster und nimmt das Erd» geschoß, das Parterre und die erste Etage ein. Ilm 864 Uhr stand plötzlich das zweite Schaufenster in der WilmerSdorfer- straße, in dem Photographien ausgestellt waren, in Flamme». :elter ergriff mit' rapider Schnelligkeit das ganze Parterre. cuerwehr konnte nicht verhüten, daß auch die Lager im und ersten Stock vollständig vernichtet wurden. Um iU/z Uhr war die Gefahr einer Weiterverbrcitung des Feuers beseitigt. Der Schaden an Waren, ans 800000 M. geschätzt, ist durch Ver- Das Die Keller ernng gedeckt. Den ca. 120 Angestellten ist es gelungen, sich durch ie Notausgänge zu retten; eine Verkäuferin wurde ohnmächtig und mußte hinäusgetragen werden. Zwei Feuerwehrleute sind Glassplitter nicht unerheblich verletzt. Einer schweren Sorge ist die Stadt S ch ö n e b e r g lehig Der bereits zweimal geänderte Entwurf des Schöneberger Stad:- Wappens hat nämlich die Zustimmung des Kaisers gefnuden. Ein bedentcndcö Bantcrrain an der Rixdorf» Tcmpelhoser Grenze in unmittelbarer Nähe der Ringbahn belegen, ist für den Kaufpreis von 1 800 000 M. von der Rixdorfer Kies- und Sandgruben-- Gesellschaft F. W. Körner u. Eo. an die Firma Philipp Holzmann in Fraiiksiirt a. M. verkauft worden. Ans dem Vcrkanfsgcschäft fließt der Gemeinde Tcinpelhof das artige Sümmchen von 18 000 M. an Umsatzsteuer zu und der Staat erhält einen gleich hohen Betrag als Kaufftcinpel. Ter grösttc Schuft im ganzen Land... Es wird bcrichict: Ein nnangcnehmcs Ereignis ist gestern einer Anzahl Berliner in Spandau passiert. Sechs Herren besuchten, von einem Aussluge nach der Unterhavel komnlend, vor der Abfahrt des ZngcS nach Berlin noch den„Wilhelmsgarten" in der Klostcrstraße zu Spandau, in dessen Mitte eine Büste des Kaisers steht. Einer von den Herren machte mm über das Bildnis angeblich eine nnpassende Bemerkung. Als die Herren sich entfernten, wurden sie von anderen Gästen ver- folgt und auf deren Deiinnziation auf dem Bahlchos von der Polizei angehalten. Derjenige, welcher die Acnßernng gethan, wurde zunächst festgenommen; er legitimierte sich als ein Handwerler Sroka: nach Feststellung seiner Persönlichkeit wurde er ivicdcr auf freien Fuß gesetzt. Zwei andere Herren von der Partie, die bei der Sistienulg Widerstand leisteten, mußten mehrere Stunden im Polizei- gcwahrsam bleiben. Ter wegen Nnterschlagnng bon SO 000 Mar? ans Spandau flüchtig gewordene Kansmann Karl Skarbina, der in Luxemburg verhaftet und als Untersuchungsgefangcner nach Berlin gebracht worden ist, war dem„Anz. f. d. H." zufolge lang- jähriger Buchhalter der Firma Hermann Körner in Spandau und verschiedene Jahre auch offizieller Koukursverivalter am Spandauer Amtsgericht. Als die Veruntreuungen entdeckt wurden, siedelte er nach Berlin über, um nach einiger Zeit von da ins Ausland zu flüchten. Damals fiel es allgemein auf, daß Skarbina nicht gleich verhaftet wurde, als seine Unlcrschleife bei der, Firma Körner cnt- deckt worden waren. Abscheuliche Verbreche» gegen die Sittlichkeit sind in Spandau begangen worden. Die 13 jährige Tochter des Kutschers Heilig. Seebnrgeistraße wohnhaft, trug seit einiger Zeit ein ver- äudcrteS Wesen zur Echan und erkrankte schließlich. Nachdem sie von einem Arzt untersucht ivorden, gestand sie, daß sie von zwei Männern mehrmals vergewaltigt worden sei. Der eine von den Wüstlingen ist der Onkel des Mädchens, der Schmied Heilig; der andere Thäter verkehrte, ivie dieser, gleichfalls freundschaftlich in der Familie des Kutschers Heilig. Beide.Unholde, von denen der eine Familienvater ist, sind verhaftet worden. Zur Anlage der Endhaltestelle der südlichen Vorortbahn in der Eisenacherstraße zu Schöneberg, die gleichzeitig als AuSgangepmikr mehrerer anderer Straßenbahnlinien dienen sollte, hatte die dortige Stadtverordneten-Versammlung ihre Zustimmung mir unter der Bedingung erteilt, daß dem Magistrat das Recht der K ü n d i g u n g eingeräumt werde. Die Bahngesellschaft hat es jetzt abgelehnt, ans diese Bedingungen einzugehen. Nach Petroleum soll jetzt auf dem Grundstück GesellschaftS- straße 31 in N e i n i ck e n d o r f, wo sich Petroleumspuren im BrUnnen auf dem Hofe zeigten, im nächsten Monat gebohrt werden. Ein Konsortium hat das Grundstück gekauft und beabsichtigt durch die Bergakademie(?) die Bohnmgen vornehmen zu lassen. An- geblich sollen bei früheren Bohrungen dort schon Petroleumspuren gefnuden worden sein. In einer Tiefe von etwa 100 Meter soll man auch auf noch nicht abbanfähigc Braunkohle gestoßen sein und man hofft bei einer Bohrung in noch größeren Tiefen auf Petroleum zu stoßen. Eine Einbrechergescllschaft hatte sich in der Nacht zum Sonn- abend die Umgegend von Friedrichshagcn als Operationsfeld aus- ersehen. Zuerst statteten die Einbrecher dem Müggelschlößchen einen Besuch ab, wo sie jedoch gestört wurden und sich zurückziehen mußten. Dagegen erbrachen sie cine der im Walde stehenden Buden und raubten dort KleidiingSsiiicke und verschiedene Gebrauchsgegenstände. Tann wandten sie sich nach dem Restaurant Rüdezahl. Doch hier ivar ihre Mühe vergebens. Der Buffetier des Lvkals hatte eine praktische Diebesfalle konstruiert, welche sich vorzüglich bewährte und ihn sofort von dem Erscheinen der Diebe in Kenntnis setzte. Als die Einbrecher sich überrascht sahen, ergriffen sie schleunigst die Flucht. In derselben Nacht sind im Nestanrant Tcnfelssee und ans dem Miiggeltnrm eine Anzahl Ailtomaten erbrochen und ihres Inhalts beraubt worden. Beschädigung von Telcgraphenleitnngcn.� Von den am Rariendorfer Wege geführten Telegraphen- und Telephonlcitungeu waren, wie berichtet, vor etwa drei Wochen zwischen den Telegraphen- langen Nr. 31—33 über 600 Meter starker Bronzedraht mit scharfen Instrumenten abgeschnitten und gestohlen worden. Gestern nun ist fast an derselben Stelle der Diebstahl wiederholt worden. Durch die Beschädigung der Leitungen, welche zum größten Teile nach den südlichen Teilen Deutschlands führe», ivar der Telegraphen- und Fmisprechbetrirb gegen mehrere Stunden vollständig unterbrochen. Govi�kS--Soikttttg. Wie die Schmindclbaurnnst bestraft wird. In frevelhafter Weise hat der Maurermeister Friedrich Mating sein eigenes und das Leben anderer auf das Spiel gesetzt, weshalb er sich gestern wegen groben Verstoßes gegen die anerkannten Regeln der Bau« kmist vor der ersten Ferien- Strafkammer am Landgericht II zu ver- antworten hatte. Der Angeklagte hatte im vergangenen Jahre auf dem GnindstückseincrTochtc'rin Lankivitz einen Schuppen aufzurichten, der 17 Meter lang und an der niedrigenHiiiterivcind drei Meter hoch war. Trotz dieser Größciiverhältnisse und obwohl die Mauer nur einen halben Stein stark war, brachte er, der, wie ausdrücklich hervorgehoben wurde, ordentlich geprüfter Meister" ist— weder Anker noch Zargen in Amventmng' und trotz dieses haltlosen ZustandeS des Baues setzte er das Dach ans. Am 4. Oktober begab er sich mit den Gesellen Dunkel und Grund ans das Dach, ließ auch noch Kalk und leine hinanf bringen, so daß das Dach mit 15—16 Centnern belastet war. Diese Last vermochten die nicht verankerten oder abgesteiften Wände nicht zu tragen, sie fielen in sich zusammen und das Dach rutschte herunter und mit ihm der Meister mit seinen Ge- ellen. Alle drei kamen mit dem Schreck davon, verletzt wurde flü'cklich erweise niemand. Ter Angeklagte machte in der VerHand« nng den Versuch, die Verantwortung auf seinen Polier Fischer zu 'chicbm; die Kcweiömifiiahme ergab aber, daß er den Bau allein geleitet bade und der Maurer Fischer mir als Geselle bei ihm ge- arbeitet habe. Der Sackiverftäiidige, Banrat Bohl bezeichnete daS Verschulden des Angeklagten als einen überaus groben Verstoß gegen die a n e k k a n n t e n R e g e l n d e r B a u k u n st. Der Staats- amvalt beantragte 300 M. Geldstrafe, dem Verteidiger, Referendar Dr. Fraedrichs gelang es aber, den Gerichtshof zu einer mildernden Atlffassung zu btweaeit, so daß daS Urteil nnr auf 50 Dt. Geld- träfe l'a n t e l c!— Mit dieser milden Strafe für eine frivole und genieingefährliche Handtung vergleiche man die schweren Ver- urteilungen, die oft über ehrenhafte Arbeiter in Strcikangclegenheitcn ausgesprochen werden I Eine interessante Anklage wegen Vergehens gegen das Postgcscv gelangte gestern vor der 5. Fenen-Strafkamuier des Ländgerichts I zur Verhandlung. Angeschuldigt waren der Kauf- mann Richard S i e r i n g. Vertreter einer auswärtigen Schreib- maschinen-Gesellschaft, der Kansmann Wilhelm Günther, Inhaber einer Privat-Postnnstalt in Hamburg, und der beim ersten Angeklagten l angestellte Buchhalter Alexander W e h n c r t. Im vorigen Sommer durch ließ Siering gegen 10 000 Cirlulare drucken und mit Umschlägen ' versehen, die mit den Adressen von Hamburger Geschäftsleuten beschrieben toaven. Die Briefe wurden unverschlossen in zwer� Kisten verpackt und dem Vertreter SieringS in Hamburg zugesandt mit dem Auftrage, die Briefe einer dortigen Privatpost zur Bestellung zu übergeben. Ter Vertreter schickte die Kisten zum Angeklagten Günther und vereinbarte mit ihm den Preis für die Be- stellung. Später stellte sich heraus, dag ein Teil der Cirkulare bereits in verschlost'cucn Umschlägen in Hamburg eingetroffen waren, die Posibchörde erhielt hiervon Kenntnis»md stellte Strafautrag gegen die Angeklagten. Nach dein Pcstgeietz ist es strafbar, wenn vcr- schiosscne Briefe in verschlossenen Kästen gegen Bezahlung nach einem anderen Orte befördert werden. Der Angeklagte Siering erklärte, das; er seinen Angestellten die strenge Weisung erteilt habe, niemals verschlossene Briese in der bezeichneten Weise zu versenden. Wenn cS im vorliegenden Falle dennoch geschehen sei, so sei er daran schuldlos. Die Kisten hätten monatelang i» seinem Comptoir ge- standen, da der Inhalt erst im Herbst zur Verteilung gelangen sollte. Während er auf Reisen gewesen sei, habe einer seiner Leute die Kisten wieder geöffnet, um die Briefumschläge zu schliefen. Ter Angeklagte Wehner: gab zu, dies Versehe» begangen zu haben, er habe dem Reisenden in Hamburg die Arbeit ersparen wollen. aber nickst geahnt, dah er dadurch etwas Strafbares begehe._ Der Angeklagte Günther gab an, daß die Kisten in verschlossenem Zustande an ihn geschickt seien, ohne das; er vorher den Inhalt geprüft habe. Er habe nicht gewußt, daß die Kisten aus Berlin kamen. Ihm könne doch unmöglich ein Verschulden zur Last gelegt werden und er könne seine Verwunderung darüber, daß auch er zur Verantwortung gezogen worden sei, nicht unterdrücken. Der Staatsanwalt hielt die Angeklagten Siering und Günther mindestens der Fahrlässigkeit für überführt. Nach den: An- trage der Postbchörde seien dieselben mit dem Vierfachen des hinter- zogenen Portobctragcs und außerdem mit dem einsachcn Porto zu be- legen. Da sich in den Kisten vSöv Briefe befanden, so stelle sich die Gc- samtstrafe auf 4775 M, Gegen Wehncrt beantragte er Freisprechung. Die Verteidiger, Rechtsanwalt Grüuschildt und Justizrat Bruck I, plaidierten für Freisprechung, unter allen Umständen könne es sich höchstens um Portohinterzichling betreffend Drucksachen handeln. Dieser letzteren Auffassung sckiloß der Gerichtshof sich an. Auch Cirknlare in verschloffcsten Umschlägen seien als Briefe anzusehen, im vorliegenden Falle handele es sich aber nur un: 3 Pfennig-Bricse und müsse nach diesem Tarif die Strafe bemessen werden. Nur der Angeklagte Sicring sei als Verantwortlicher angesehen worden. Cr sei zu einer Geldstrafe von llstll M. und außerdem zur Erstattung des hintcrzogcncn Portos in Höhe von 28/,g im Bereenelokal Lle Jocobüieol 75(€i Füersieens Fcsu'aal); Toiarnenlunst von de Sleswig- Holslceners(Jungs un Deenis). de in Berlin jünd, Nee Mitglieder werd opnahrn Landslüo find willkarne» Vsesauimlungstt» Der Verein der Zimmerer hielt am 20, August seine regel- mäßige Mitgliederversammlung ab. Vor Eintritt in die Tages- ordnung brachte der Vorsitzende das Ableben des Kameraden Fritz Schulz zur Kenntnis. Das Andenken an den Verstorbenen wurde VevmiMzkvs. Achtung dcS Menschenlebens. Der«Rh.-W. F." schreibt man: In den Forsten des Frciherrn v. Mendt zu Gevelin g- Hansen trug sich vor einigen Tagen folgender Vorfall zu. Der Förster des Freiherr» traf auf seinem Dienstgange in de» Forsten zwei Knaben, welche in cincni Bache badeten rmd auch zu fischen schienen. Als die Knaben den Förster erblickten, rafften sie ihre Kleidungsstücke zusammen und entliefen. Der Förster rief die Knaben an. welche jedoch nicht standen, worauf der F ö r st e r a u f e i n c n d e r K n a b e n schoß und, als dieser dennoch weiter lief, zum z w e i t e n m a l e Feuer gab. Auf den zweiten Schuß stürzte der Knabe in den Rücken getroffen nieder und nun war der Förster gezwungen, sein Opicr zu tragen. Als er dies eine Weile qethan. setzte er den Jungen nieder und drohte, ihn gänzlich tot zu fchicßen, wenn er jetzt nicht gehe! Was wird mit dem Förster gc- schchcn, wenn es mit dieser bestialischen Handlung seine Richtig- keit hat? In Thorn ist beim Artillerie-Schießplntz ein schiverer Unglücks- fall durch leichtfertiges Umgehen mit Sprengkörpern vorgekommen. Der zwölf Jahre alte Sohn des Kuhhirten Przhbilski aus Podgorz hatte einen Gelchoßzniidcr gefunden. Beim Versuche, denselben zu entladen, explodierte der Zünder und verletzte den Knaben an beiden Armen und an der Brust lebensgefährlich. Sin weiblicher Defrandant. Aus Elbing wird gemeldet: Das in der Wernickschen Druckerei mit dem Einkassieren voii Geldern für Inserate usiv. betraute Botciimädchcn König hat in der letzten Zeit wiederholt hohe Beträge nicht abgeliefert, sondern für sich be- halten. Seil Freitagabend ist nun das junge Mädchen flüchtig. Da die König in der letzten Zeit viel von Rußland gesprochen hat, ist wohl aiizuiiehmen, daß dieicr weiblickie Defrandant nach Rußland hat flüchten wollen. Wie verlautet, ist der Bräutigam des jimaen Mädchens, der wohl um die Veruntreuungen gewußt haben dürfte, auch verschwunden. Die Summe der Unterschlagung wird aus 10 000 M. angegeben. In Ronen explodierte Montagabend 8 Uhr auf dem Qual de ln Bourse eine Petarde. Die herbeieilende Polizei fand ei» 12 Ccntimetckr langes. 7 bis 8 Centiiiieter hohes Blechgcfüß, welches in seinem obersten Teile mit Pulver gefüllt war. Da die Stelle zur Zeit der Explosion nienschenlccr mar,' ist niemand verletzt ivordcn. Auch sonstiger Schaden wurde nicht verursacht. Eingegangen« Druckschetfien. Bon der.Neuen Zeit«(Dwttgart, Dietz' Verlag) tfi soesen dal 18. Heit des 17. Jlihrganges erschienen. AuS dem Inhalt heben wir her« vor: Worth« und die Acgenmart.— Der Klasienlampf in der Demokratie. Ein Beitrag zur Bernstein-Debatte von Otto Lang.— Grundlinien des neuen Gesetzes für höhere öfsemliche Schulen in Norwegen. Von Otto Anderffen, Gvmnastaldirctwr tu Christiania.(Schluh.).— Der Aufschwung der Landwirtschast und die Bodenerschöpfung. Von Dr. Aljred Naliig cParis).— Litterariiche Rundschau: Paolo Lombroso, Uovora. Gsnee, Erzählungen.— Feuilleton; Leonardo da Binci als Anatom.(Erste Ver- öfscuilichung seiner analouiijchen Werle.) Von E. Gagliardi. Marktpreise von Berlin am ZI. August 1899 nach Erniitteliingeii des kgl. Polizeivrafidiums. »IMelzen D-Clr. 15.9» »)Noggen. 14,9»! Futter-Gerste, 13,40! Hafer gut. 15,60 , mittel, 14,90 .. gering„ 14,3» Richtsiroh. 4.32 Heu„ 6,8» yErbien'. 4»,- sisSpeisebohnen„ 5»,— tjLmfcu„ 70,— Kartoffeln, neue„ 8,— Rindfleisch, Keule 1 kg 1,60 fco. Bauch„ 1,20 ) Ermittelt pro Tonne 14,80 13,90 12,80 1»,� 14,40 13,80 3,32 4- 26,- 25,- 30,- 4,- 1,20 1,- von der Ceniralflelle der Schweinefleisch Kalbfleisch Hammelfleisch Butter Eier Karpfen Aale Zander Hechte Barlche Schleie Bleie Krebse 1 kg SO Stück 1kg per Schock 1,60 1,60 1,60 2,60 4,- 2,20 2,80 2,60 2,40 1,80 2,50; 1,40 12, !:= 1,- 2- 2,20 2,- 1,20 1,20 1,20 0,80 1,20 0,80 2,- Preufi. Landwirt- schastskammern— Noiieruiigsstelle— und umgerechnet vom Polizeipräsidium sür den Toppel-Ceiittier, t) Kleinhandelspreise. Produltenmarkt vom 22. Auguy. Im Preise gab Welzen etwa 0,75 M. nach, während Roggen, für welchen sich weniger starkes An- gebot geltend macht, nur 0,26 bis 0,50 M. unter gestrigem Schluß zu haben war. Der Berkehr blieb nach wie vor sehr beschränkt. Haser behauptete sein Preisniveau.— bim Svtritusmarkt war das Geschäft gleich Null. 5000 Liter 70er loco wurden zu gestrigem Preise, 43,50 M., gehandelt. Ter- mtne lagen nominell 0,10 M. schwächer.— Kartoffelmehl loco 19,— M. Trockene Kartoffelstärke loco 19,— M. Briefkasten der Redaktion. Die iiitlscilclic Spreckffiuude wird TleuStagS, Tonuerstagö und Freitags abends von 6 bis 8 Uhr abgehalten. W. Z. S8. Das Wewerbcgericht in Berlin trat am 1. Januar 1893 in Kraft. I., Köpenick. Wenden Sie sich an den ArLeitSnachwets der Metall- arbciter, Aiiiienstr. 39. Sl. T. Gl. 1. Erfordert find wohl von jedem 3 Sorten Beträge: a) Strafe, b) Paufchalgebühr für die gerichtliche Accordarbeit, pro Instanz 5 Mark, c) Auslagen(Zeugciigcbühren, Schreibgebühren k.). Nim hastet, lucmt einer fmstra exoussus ist, der andere außer für den ihm Über- miitelien Rechnungsbetrag für den von dem Mitverurieiltcn nicht bezahlten Teil der Auslagen(a), nicht für dessen Paufchalgebühr(b). 2. Verträge in der von Ihnen augedeutelcn Art würden wie jede ähnliche Manipulation zwecklos sein und können außerdem als strafbare Schiebungen erachtet werden.— Rauch. Sie löimeii gegen den Wirt auf Abbestellung des Uebclstandes und Schadensersatz klagen und mit dieser Klage eine eventuelle Klage aus Aufhebung des Vertrages verbinden. Zuständig ist das Amtögericht. tili ktternicgß Übersicht vom 28. Zlugust 18»», morgens 8 Uhr. Stationen Swinemde. Hamburg Berlin Wiesbaden München Wie» -ff c 5 §? Wetter 767 WNW! 3 heiter 769 WSW; öhlb.bed. 769NW 770 NO 770 O 767 NW ö s c» Stationen paparanda Petersburg Eock Aberdeen Paris a 3 R- jä? S 3 753N355 7709} 769® 769]giO Wetter gedeckt 2 Nebel 2>hettcr 2wolkcnl öS Ä � dll 1» Wtz, 12 3 heiter 2, heiter Meiter q bedeckt Wetter-Prognose für Mittwoch, de» 23. Augnst 18»», Bielfach wolkig, zeilweise heiter mit mäßigen nordwestlichen Winden, leichten Regeiisälleu und wenig veränderter Temperatur. Berliner W e i t e r b u r e a n. 77«!-? Oeffentliche Bersammlunq der' 109/6 ßreikeiilieilVlllitWltruElMtj' am Mittwoch, den 23, d. M., nachmittags 3 Uhr, im Lokal des Herrn Herzbcrg, Alte Jakobstraftc 75. Verband der MM-, land-, Klfsarteittt und-Ardeltennnen DenMlands Zahlstelle Berlin. DonnerStag, de» 24. Zlugust 18U». abends 8 Uhr, im Kolberger Talon, Kolbergerstraste Nr. 23: ZlttKltv tlvl'- Ve R'«» I» Uli ,1 Tagesordnung: 1. Bortrag deS Genossen lilvnol. 2. Diskussion. 3. Vcrbalids-Am cn.— Um zahlreiches Erscheinen der Mitglieder ersucht Tie OrtSverioaltung. Achtung! Zimmerer. Achtung! (Uertranensmiinner Centrttlifation.) Tounerstnz, den 21. Aiigiiit, abends 8 Uhr, in Cohns Feslsäken, Benthstrasie Nr. 2U: Oeffenkl. VevfQltttttluns. Tages-Ordnung: 1. RcvifionSbericht über den Agitatious- und UnterstützungSfondS. 2. Berichterstattung der Neuner-Kommlsiuni über die wciiereu Vereinbaruiige» mit den Unternehmern. 3. Siellungnahme zu dem Abstimmungsmddns in der Berliner Gewerlschastskommissioii. 4. Verschiedenes. 256,17 Tie Neuner Kommifston. rrltgni». TonncrStag, den 21. d. M., bei Cohn, BeutHftrafie: Gr. Einsetzer-Versammluitg. Tages-Ordnung: Die Stellung des Lokalsvereiiis zur Lohnbewegung. Die Mitglieder deö Vereins sowie die Einsetzer von ken-t«iNag sind dazu eingeladen. 109/7 Die OrtSvcrwaltuiig. Friedrichsberg-Slralaii. Sonntag, den 27. Zlugust 18»», im Lokale der Bictoria- Brauerei in Stralau: Lassaile- Feier. Groszes Garten-Konzert unter gütiger Mitwirkung der örtlichenGesangvereine. Specinlitiikrn� Vorstellung ausgeführt von UchNnhci-i-s Possen- und Operetten-Gesellschaft. Um 9 Uhr abends: Großer Fackelzug, wozu todeS Kind eine Stocklaterne gratis erhält. Marlen hierzu werden aber nur beim Eintritt ins Lokal an der Kasse ausgegeben. Im Saale: Gr. Ball Herren, welche hieran teilnehmen, zahleit 50 Pf. nach. Kassciierössiinng 2 Uhr.— Eniree 20 Pf.— Anfang 4 Uhr. 223/6__ Das Festkomitee. und Polsterwaren. Reelle Arbeit. Ganze Einrichtungen zu billigen Preisen. i233SL' Dntnniioi-, Briinuenstrasie 152. Proi>«ktiv- Nli Eiilkilllfs-Cenosieüslsiast sür Raüsllhrer (zur Zeit 700 Mitglieder) liefert ihren Mitgliedern aus dem reellsten und bequemsten Wege(Abzahlungen) Fahrräder, Fahrradleile, Reparaturen, Nähmaschinen, Anzüge:c. Ewkittsaeld 50 Pf. Anmeldungen nimmt die Geschäftsstelle Marstlius- 17 entgegen. 20666 strafte„„ Die Stelle de« Geschäftsführers(Lagerhalters) ist zu besetzen. Bewerber mit Kenntnis der Fahrrad-Branche und Kaution wollen sich schriftlich melden beim Borsttzcnden Rechtsanwalt Stolnsodnslcksr, Kaiser Wilbclnistr. 47.______ Sehne gelsbergs Festsäle s> Hasenhcldo.V o. 21- JalinstrasseSl«. 8. Jnh: Max Schinctlor. Telephon: Amt IV 1132. Empfehle den geehrten Geiverkschafien, Vereinen, Fabriken-c. meine Säle, 300 u. 1200 Personen fassend(mit Buhne), zu Versammlungen und Festlichkeiten jeder Art. Mittwoch u. 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Specialitäten-Vor- stcllung. Anfang K Uhr. Apollo. Frau Luna. Spccialitäten- Vorstellung. Anfang 7>/z Uhr. Neichshallen. Stettiner Sänger. Anfang 7 Uhr. Passage- Panoptiluin. Speciali- täicn-VorstcNnng. Urania. Snvalidcnstr. K7/KS. Täglich abends von 5— Iv Uhr: Sternwarte. Taubenstr. 48/49. Im Theater Das Land der Fjorde. Anfang 3 Uhr. Slhilk'-Thtliter (BSallner-Theaterl. ÜI o r w 1 1 z- O p e i*. Cyclus populärer u. klassischer Opern- Vorstellungen bei halben Preisen. Mittwoch, abends 7»/, Uhr, bei halben Preisen: r lueUa. Große Oper in 3 Akten von L. v. Beethoven. Donnerstag, abds.7V2 Uhr: Zum letztenmal: Carmen(gewöhnliche kleine Preise). Freitag, abends 7-/- Uhr, bei halben Preisen zum letztenmal: vle.Tiidln. Sonnabend, abendS7Vi Uhr, bei halben Preisen: »er Freischütz. Es finden nur noch 7 Opern- Vorstellungen statt. CrnkVÄl-Tlzrnfev Direktion: öosö Perencry. SnstsPiel-Enscnible(Frl.llII»y Krause vom kgl. Schauspielhaus, Herr Otto Pahlau vom Schiller-Theater, Herr »tob. Ewald vom Thalia-Theater als Gäste.) Der Heiratsmarkt. Schwank in 3 Akten v. G. Okonkowski. Anfang 8 Uhr. Morgen und folgende Tage: Die- selbe Vorstellung._ Metropol-Theater. Behrenstr. 55/57. GrUsstcr Saison-Frrolg!!! Berlin lacht! und das reizende Presse-ßallett. Hierzu: Neues Speclalit.-Programm U. a. Robinson Baker-Trio. Japanesen Fuhushlma Truppe. Werner-Amoros- Company etc. etc. Anfang 8 Chr. Urania Tnnbenstrasse 48/49. Um 8 Uhr: Im Theater: Das Land der Fjorde. Jnvalldcnstr. 57/6Ä: Tagl. Sternwarte. Nachmittags täglich 5—10 Uhr. MMmBlililHBIIliBIllllMiiMWIlil Passage-PanopUcum Geöffnet von 9 Uhr früh bis 10 Uhr abends. Slen: Ken! Das urkomische Bückeburger Bauern- Enserable. Anfang der Vorstellung 6 Uhr abends. i"»" CASTANS SPANOPTIGÜMl H Die sensationellen lebenden"� iPhotographien!f 1 Die Q Dam n ,n mi i y1®1 In Lebensgrösse. Die russische Ififflinn" Damenkapelle nIllllJIlUll In moskowltlschen Kostümen. Viele nene plastische Gruppen und Figuren. Palast-Theater M- früher-qSß Feen- Falnst, Burgstrafie 22. Direktion: Winkler und Fröbel. Sonnabend, 2. September; Eröffnuitg � der durchweg wunderbar rei renovierten Grosses f7278L» Specialittiten- Progrannu. Vom Besten das Beste! Zum 1. Male: Sp rvo�Uotkrhrn! Große Original- Ansstattungs-Poffe. hübsche Chorda, neu können sich melden vormittags von 11—12 im Bureau des Palast-Theater, Burgstraße 22. /lpollo-lheater. Abends 9 Chr; IPa'aMlLBBsasa mit dem Lufthallett„Giigolatls". «-Otto Rentier« Der Kosraograpli ü. Neu! Die FrUffunng Neu! des Dortmund Ems-Kanals am 11. August 1899 durch Se. Maj.(I. Deutschen Kaiser. Garten-Konzert 7 Uhr. Anfang der Vorstellung 8 Uhr. Vorverkauf täglich im Theater und beim„KUnstlerdank", Unter den Linden 69. Friehrilh-Mhelmst. Theater Chausseestr. 26/36. Abends 8 Uhr: Zum 18. Male: Germinal ober: Der Streik der Bergarbeiter. Sensationsstüll in 6 Aufzügen nach dem gleichnamigen Roman v.Emile Zola. Regie: Leonh.Ottomeper. 1. Bild: In Not und Elend. 2. Bild: Der Schwur. 3. Bild: Beim Berg- wcrködirektor. 4. Bild: Brot! Brot! Brot! 5. Bild: Ain Rande des Ab- grundes. 6. Bild: Der Zusammensturz. Im Frledrlch-Wllbelmst. Konzertpark; Jeden Abend ungeheurer� Lachersolg der Seusationsposse: Berlin amüsiert sich! Hauptrollen: Lona Barriso», Mlle. Popolair, Uvettc Guilbcrt, Professor Svcngali. Das Rätsel des 19. Jahr- Hunderts: Huberte Vincente. Miß Danictt, Salon-Athletin, bebt u. a. ein Piano mit dem Pianisten. Patty Franl-Truppe, Akrobaien, 5 Personen zc. Außerdem 20 Specialitäten. Entree 30 Pf. Nstend-Carl Weij- Thealer. Gr. Frankfiirtcriirasje 13». Täglich: Die Kubanerin. Anfang 8 Uhr. Borzugsbillcts haben Gültigkeit. Im Garten: Speclalltätenverstellung. Anfang ö'/j Uhr. 20 stiuiiubegabte junge Damen können fich melden. Kastanicn-Zlllec 7/9. Täglich: Doms Resl. Bolksstück mit Gesang u. Tanz v. Hugo Schulz, Musik von A. Kcrsten. Kostiimsoubrctte Fränl. l-ucle Sarow. Gebr. Mllardo, Grot. Duett. Tauma-Quartett, Gesang und Tanz. Ole 3 Schönbrunns, humoristisches Bilderbuch. The 4 Flashes. ExcentricS. Ballcttgcsellschast Döring. Vendaro-Trio,(Smctiicu am Hand- 1 Trapez. Daniel-Truppe, Pantomime.' Konzert und Ball."TpS Eintritt Sonntags und wochentags 30 Pf., n»m. Platz 50 Pf. Kaldo. Neue freie Volksbühne. Sonntag, 27. August, nachm. 2Vz Uhr, im Schilicr-Fhcatcr (Morwitz Oper) letzte Opern-Extra-Vorstelluug: Zar und Zimmermann. Karten a 1 M. inkl. Garderobe(auch für Nichtmitglieder) sind nur zu haben: KW. H. Becker, Gotzkowskpstr. 9; 0. Ackermann, Jagowstr. 15, 2. Hof I; W. E. Springer, Bülowstr. 53, 3. Ausg. IV; SW. J. Pech, Möckernstr. 120; H. Landgraf, Neuenburgerstr. 15; S. H. Bobslen, Kom- mandantenstr. 62; P. Rusch, Adiniralstr. 17, Hof I; Konsum-Genossenschaft Befreiung, Skalitzerstr. 6; SO. Th. Stampehl, Marianncnstr. 26; H. Kaufhold, Melchiorstr. 3 I; O. W. Schrolle. Landwchrstr. 3; N. E. Schmidt, Tresfow- straße 22; E. Knapp, Grünthalerstr. 5 und beim Unterzeichneten 150/12 I. A.: Ad. Ciihc. Kassierer, Aderstr. 38 II. Hasenheide. W©lt. Hasenheide. Heute, Mittwoch, 23. August i Gv. Evnte-DQttlT-Fest mit Gratisverlosnng, Fackelzug durch den Garten, Bonbonregen und sonstigen Ueberraschungen. Außerdem Grosses Konzert mit 8pc,cialitiiten-Vorstcllang. Auftreten des gesamten Künstler- Personals.— Anfang 4 Uhr. A. Froelich. - JedeS Kind erhält ein Los. sowie eine Stocklaterne. ■livxktrrjsiis: • Max Kliems Sommer-Theater Hasenheide 14—13. Artistische Leitung: Paul Milditz. Tiiglish: kroßes Carteu-Koilzert. Anftreteu des gesamten Schauspiel- u. Specialitöten-Personals. M?- Nur erstklassige Kräfte.-VF Georg Fischer(Liedcrsänger), Emst KUhne(Ebarakter-Kviiliker), Fritzl Verna (Kostüm- Soubrette), Gharles Gllton(Equilibrist), The Original Becars (Musikalischer Akt), Mlle. Marguerite mit ihren Rassetauben, Les Ffganos (Jnstrmncntalisteii)._ gESf Acnes gediegenes Familien■ Programm. Fntree: Wochentags 20 Pf. I Entree: Sonntags 25 Pf. Numerierter Platz 40 Pf| Numerierter Play 50 Pf. Anfang des Konzerts täglich 4 Uhr. Anfang der Vorstellung 6 Uhr. I» de» Festsäle»: BV Grosser Ball, Die Kaffeeküche ist geöffnet._ Max Kliem. R. Eallschmieders „Kastanienwäldchen" ßoitjcrtprtcH u. Prachtsöle Badstr. 16. Gesundbrunnen. Badstr. 16. Täglich: Gr. Promenade»- Konzert. Jeden Donnerstag: Elite-Streich-Konzert. Sonntags: Grosser Ball im nenerbauten Saal. Empfehle meine Säle zu allen Fest- lichkeiten. R. Ballschmleder. Victoria-Brauerei Lützowstrasse 111/112. Im Xatnrgarten oder 8aal; Tägliclt Hnnioristische Soiree der KorddeulZrden Sänger (Fuhrmann, Horst, Walde). Ans. Sonntags präc. 7, wochen- tags 8 Uhr. Entree 50 Pf. Borverk. 40 Pf. Familienbillets 3- 1 M. Sonntag und Donnerstag nach der Vorstellung: l'anzhrjinzehen. Schweizer-Garten Am Königsthor(Ringbahn) Am Friedrichshain. Töglich: Theater- und Specialttätea-Vorstellung. Jede» Ätittwoch: GvoHes und KinVevfefi. Auftreten des nepen Künstler-Ensembles. Jeden Abend von 10—11 Uhr: Novität. Der Novität! Ober-Bonze toii Kiautscliou. AnSstattungs-Burlesle mit Gesang in 3 Bildern von I. Eisner.— Musik von Max Schmidt. Volksbelustigungen aller Art. Im Saale: ElsB» Kottbnser- 8trasse 4a. 22792» Sanssouci} Glänzend renoviert! Eröffnung: Sonnabend, den 26. August, abends 8 Uhr. Hoffmanns Norddeutsche Sänger. Darsteller: Adolf Hofiman», Herm. Müller-Lipart, Rudolf Steinhardt, Haus Bär, Bruno Grnneberg. Georg Hirsche!, Karl Levnhardt, Theodor Mensel. Emil Xcsch, Pnnl Wolfgang. SytT" Gleichzeitig empfehle die Säle zu Festlichkeiten. Das beste und im Gebrauch. hiliigste und 'bequemste ■�sschmittcl W. Noacks Theater, Brnnneiistraße 16. Täglich: Theater- u. Specialitäten, Vorstellung. Ein lustiger Streich. Posse mit Gesang in 1 Akt von Braune. Das Blumeumädchen. Volksstück mit Gesang in 2 Akten von Johann Eißner. •Im Saale: Tanzkränzchc». Ostbalm-ParSi 1! er mann Imbs 71 RüderSdorfer Strasse 71, am K ü st r i n e r Platz. Täglich: Konzert. Theater- iiud Specinlitätcn-Borstelluiig. 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