Mnterhallungsblatt des Horwärts Nr. 78. Donnerstaa. den 21. April. 1898, Donnerstag, den 21. April. (Nachdruck r erboten.) Der Srfiiffsjmrgr. 4] Eine Seegeschichte von Peter Egge. Einzig(uttoriftrte Uebersetzung vo» E. B ra u s e w et t er. Ter Mann folgte ihrem Blick, und seine Worte glitten langsam und gleichsam weich hervor. Michel schielte nach den Beiden hin, hielt mit einer Hand das Rad und gab ihm hie und da einen Stoß. Ben« war ihm dankbar, jedesmal, wenn dieser Stoß kam. Wenn sie nur gehen ivolltc. Er hörte sie davon reden, daß sie sich darauf freute, in den Passat hineinzukommen. Es wäre so kalt und häßlich nun in diesen Tagen. „Gute Nacht denn, Steuermann!" „Gute Nacht, Frau Kapitän 1" Er schlenderte zum Steuer zurück. „Na, wie geht's?" Er blickte auf den Kompaß, sagte aber nichts; die Schute lag ans dem Strick. „Nun mußt Du auch eine Stunde Auslug haben. Du sollst ja Boll-Seemann werden, soviel ich weiß!" Benn ging hinaus ans die Back, froh, so gut vom Steuer fortgekommen zu sein. Noch waren ihm die Ohren ganz heiß. Aber die Freude war doch keine ganze; es schien ihm fast eine Temüthigung, daß die Schisserfrau ihn gar nicht be- achtet hatte. Er hatte nicht gewünscht, daß sie ihn ansprechen sollte, während er ani Steuer beschäftigt war, aber trotzdem... trotzdem.. Sie konnte sich natürlich nicht denken, daß er von den Damen, die er kannte, eine andere Behandlung gewöhnt wäre, aber er war wohl auch in ihren Augen wie in denen der Matrosen nur Schisssjunge... Venn starrte vorn hinaus, aber er sah nur die großen, ruhig rollenden Wogen, das schwarze Meer. Tann begann er hin nnd her zu trampeln, um sich zu erwärmen. Die Frau hätte gut, ohne in den Kompaß zu sehen, sagen können: „Finden Sie es amüsant, zu steuern?" Er besann sich genau auf da? einzige Mal, wo er mit ihr gesprochen hatte. Es war am Morgen des Abfahrtstages. Er stand an der Reeling noch in seinen Staatskleidern. Da sah er einen Fährmann an der Schute anlegen. Eine junge Dame saß mir einigen Packeten unten im Boot neben ihm. Er wußte, daß es die Frau des Kapitäns war und stürmte die Strickleiter hinab, lüftete den Hut und ergriff das größte Packer. Sie starrte ihn fast erstaunt an, als wollte sie sagen: „Was bist Du für Einer?" Benn lüftete wieder den Hut und sagte erklärend: „Mein Name ist Benjamin Frank. Ich bin als Schiffs- junge geheuert hier an Bord." Er meinte, es klänge verdammt seemännisch, wenn er das s Wort„heuern" gebrauchte. Sie warf einen blitzschnellen Blick nach der Reeling hinauf, wie nur zu sehen, ob jemand bemerkte, was er, dieser drollige Bursche, that. Und er ivurde ein ganz, gmiz kleines Lächeln in eincnt ihrer Mundwinkel gewahr. Er folgte dem Blick und sah dort oben den zweiten Steuermann; der wandte sich dann aber ab, und es war Benn, als wenn er lachte. „Darf ich der Frau Kapitän nicht bei den Packeten helfen?" fragte er, verlegen und erstaunt. Er hatte doch wohl keine Dummheit begangen? Da lächelte sie so hübsch, wie Benn noch niemals jemand hatte lächeln sehen nnd sagte: „Ja, besten Dank. Uebrigens komme ich auch schon selbst zurecht. Es ist ja so wenig." Dann sprang er vor ihr mit den Packeten hinauf. Diese kleine Szene hatte der zweite Steuermann am Hinter- decktisch zuni besten gegeben und der Steward sie einem der Matrosen wiedererzählt, der sie eines Abends zum großen Vergnügen der Kameraden in der Roof vortrug. Sie hatten ihn geneckt, einige gutmüthig, andere höhnisch. Daß er auch dafür leiden sollte, daß er höflich nnd wohl- erzogen war! War denn etivas Lächerliches dabei, daß er so höflich war? Das meinten wohl alle an Bord? Die Frau auch; sonst hätte sie nicht dem zweiten Steuermann zugelächelt. Aber sie war wohl nicht an solche Anfmerksamkeit von diesen rohen und gewöhnlichen Menschen gewöhnt. Sie hatte die wenigen Male, da sie sich auf Deck hatte sehen lassen, nicht ein Wort an ihn gerichtet— auch heute Abend nicht. Sie ivußre seine Aufmerksamkeit schlecht zu schätzen. Sie konnte nicht sonderlich gebildet sein. Sie mußte doch bedenken, daß er ans guter Familie stammte, einer ebenso guten, wie die ihrige vielleicht war, daß er selbst gebildet war und mehr Kenntnisse besaß, als sie, darüber konnte wohl kaum ein Zweifel sein.... Er sah an seinen Kleidern herab. Freilich war er jetzt nicht sonderlich gekleidet. Aber, dn lieber Gott, wer konnte sich sauber halten, wenn man sich schinden und abrackern mußte wie er? Und er dachte daran, wie flott dieser Arbeitsanzug bei der Abfahrt ausgesehen, da er damals ganz neu war. Er wäre sein genug gewesen, sich in ihm vor den Freundinnen daheim zu zeigen. Er kratzte an den großen Rißwunden an den Fingqrn innen in der Hand. Es that weh, und er wurde ungeduldig: hu, daß er noch nicht in New-Aork war! Dann konnte er bald wieder in Europa sein. Und nach Hause kommen. Er würde dann in einem Jahr das Studenten- examen machen, wenn er privatim fleißig ftudirte! Dann beschäftigte er sich wieder mit der Schissersfrau. Er interessirle sich nicht im geringsten für diese Schiffer- madame, Merry Olsen geborene Schnor.«olch' hübsche und vornehme Damen hatte er früher genug gesehen! War sie hoch- müthig, konnte er es, zum Teufel, auck sein. Er würde nicht einmal nach der Seite hinsehen, wo sie ging, wenn sie auch noch so viele Packete schleppte. Er wollte unhöflich, ja un- verschämt sein... Die Schute legte sich so auf die Seite, daß er sich irgendwo halten mußte, uni nicht zu fallen. Er richtete sich wieder auf und blickte hinaus. Keine Laternen. Alles war still. Es blieb auch für den Rest der Wache ganz hübsches Wetter; so brauchte er heute Nacht nicht hinaufzuklettern... Eine ganze Weile stand er in Gedanken versunken. „Siehst Du etwas, Benn?" Es war der Steuermann, der nach vorn gekommen war, ohne von ihm gehört zu werden. Benn starrte hinaus, und ihm wurde Angst: ein rothes Licht in Luvwart. „Ja, eine Laterne; aber sie ist noch sehr weit fort!" Er versuchte seiner Stimme einen so ruhigen Klang wie mög- lich zu geben. Der Steuermann stieg auf die Mastspiren und reckte de» Hals. -„Ist sie weit fort? Ich glaube, hol mich der Teufel, Du hast da gesessen und geschlafen!" „Ach wo, ich stehe ja!" „Na, dann stehst Du und schläfst! Warum rufst Du denn nicht!" Benn schwieg. „Wenn das noch einmal vorkommt, bekommst Du Hiebe! Nun weißt Du es!" Dann ging er zum Achterdeck. Benn stand beschämt und wüthend. Daß dieser Mann ihn in seiner Art sehr rücksichtsvoll behandelt hatte, war in diesem Augenblick vergessen. Er dachte nur daran, daß er ihm nun mit Prügeln gedroht hatte. Er sollte wie ein kleiner Junge bestraft werden. Seine Unaufmerksamkeit konnte er nicht verantworten; aber das machte seine Erbitterung nur noch größer. Er schluchzte laut auf und verwünschte die Steuerleute wie die Mannschaft und all' sein Unglück.— IV. Aus Hundewache"), einige Tage später. .Auf!" Benn erwachte. „Auf! Großsegel soll fest!" Es war Oivind's Stimme mit dem heiseren Stimmwechsel- ') Die Wache zwischen 12 Uhr nachts und 4 Uhr morgens. klang. Venn steckte den Kopf aus der Koje heraus nftd.be- gegnete dem des Freundes. Das Wasser tropfte von ihm herab und der Schweiß perlte aus seinem rothen Gesicht her- vor. Venn begriff sogleich, daß Oivind ihn hatte wecken wollen, er sollte als erster angekleidet sein, damit ihm niemand etwas sagen könnte. „Spute Dich, Benn, Du mußt auch Oelkleidcr anziehen. Die See schlägt herein." Nun wurde ihm die Situation erst klar. Er hörte die Wogen über das Dach der Roof trommelnd, platschend und rollend hinspülen und das Heulen und Kreischen des Sturmes, der wie ein Nothschrei in der Nacht stieg und wieder sank. Er fühlte, wie die Schute sich einmal ums andere mal auf die Seite legte, und ehe er sich dessen versah, schlug sein Kopf gegen die Kojenwand, so daß es schmerzte. Er kroch vorsichtig und langsam hinaus. Die Hände klammerten sich am Kojenrand fest, an der Schissskiste, an den Kleiderrechen, an der bloßen Wand. Er rollte seine Decken in ein Bündel zusammen und ließ sich barfuß ans dem nassen Boden nach Lee hinübcrgleiten. Hier begann er sich so schnell wie möglich anzukleiden. Oivind fuhr zur Thüre hinaus. „Ach Gott!" nmrmelte Ben», und in dem Wort lag seine Müdigkeit, sein Schmerz und seine Ungeduld. Er bekam eine kleine Anwandlung von Seekrankheit, und das erinnerte ihn unwillkürlich an gefahrvolle Stellungen hoch oben, an De- müthignngen, an körperliche Leiden, an Schrecken und Grauen. Einer nach dem andern von seiner Wache kam zwischen den Vorhängen der Kojen zum Vorschein, schlaftrunken und erbittert. Venn hörte die Zurufe der Mannschaft draußen bald nah, bald fern. Die Rufe erstickten einige Male, als wenn sie im Brausen des Sturmes und der Wogen ertranken, tauchten wieder auf und verschwanden plötzlich, als wenn der Rufende den Mund voll Wasser bekommen hätte. Dann ertönten sie wieder. „Ahoil A-streckt! A-Halt!" Er hörte ans diesen athemlosen und hervorgepreßten Schreien, wie schwer man arbeitete. Es lag etwas Ver- zweifeltes darin. Es war, als schrie man sich verzweifelte Kraft an. Ein Schlag gegen die Thüre, als sollte sie zerschmettert werden, und cm seiner Wasserstrahl schoß durch eine Spalte herein. Darauf Plätschern und Rieseln von Wasser, das zurückfiel und in alle Ecken und Winkel auf seinem Wege hinein- und hinauslief. (Fortsetzung folgt) *'(Nachdruck verboten) Dev Vevlnssene. Von Guy de Mau passant. Deutsch von Wilhelm Thal. „Wahrhaftig, ich glaube. Du bist toll, liebe Freundin, bei einem solchen Wetter einen Ausflug aufs Land machen zu wolle». Seit zwei Monaten hast Du merkwürdige Ideen. In de» Jahren, die wir verhcirathct sind, hast Du nie solche Phantasien gehabt. Mit Vorliebe wählst Du Fecanip, eine traurige Stadt, und D», die Du Dich nie bewegt, hast eme solche Wnth, Dir Bewegung zu macheu, daß Du am heißesten Tage des Jahres durch die Felder spaziere» willst. Sage doch d'Apreval, er soll Dich begleiten, er erfüllt ja alle Deine Launen. Was mich betrifft, so möchte ich lieber mein Nach- Mittagsschläfchen halten." Frau von Cadonr wandte sich zu Ihrem alten Freunde: „Kommen Sie mit, d'Apreval?" Er verneigte sich lächelnd und sprach mit einer Galanterie ver- gangener Zeit:„Ich gehe, wohin Sie gehen." „Nun gut. holt Euch nur einen Sonnenstich," erklärte Herr v. Cadour und lehrte in das Badehotel zurück, um sich ein bis zwei Stunden auf sein Bett zu strecke». Sobald sie allein waren, brachen die alte Frau und ihr alter Gefährte ans. Sie sagte mit ganz leiser Stimme, ihm die Hand drückend:„Endlich... endlich!" „Sie sind toll!" murmelte er.„Ich versichere Sie. Sie sind toll! Denken Sie doch, was Sie wagen. Wie dieser Mensch..." Sie fuhr auf.„Oh, Henri, sagen Sie nicht:„dieser Mensch...", wenn Sie von ihm sprechen." Mit rauhem Tone fuhr er fort:„Nun denn, wenn unser Sohn etwas ahnte, wenn er Verdacht schöpfte, so hält er Sie. hält uns alle fest. Sie haben es doch ertragen, ihn vierzig Jahre nicht zu sehen. Was haben Sie denn heute?" Sie hatte» die lange Straße verfolgt, die von dem Meer zur Stadt führt, und wandten sich rechts, um die Küste von Etretal zu ersteigen; die weiße Ebene streckte sich unter einem glühenden Sonnenregen vor ihnen aus.- / Sie gingen langsam, mit kleinen Schritten, unter der brennenden Hitze. Sie halte ihre» Arm in den ihres Freundes gelegt und sah wie entgeistert, mit starrem Blicke gerode vor sich hi»: dann sprach sie:„Sie haben ihn also nie mehr wiedergesehen?" „Nein, niemals!" „Ist es möglich!" „Aber, liebe Freundin, sangen mir doch diese ewige Disknsfion nicht wieder von neuem an. Ich habe eine Frau und Kinder, wie Sie einen Galten habe»; beide haben wir also die öffentliche Meinung zu fürchten. Sie antwortete nicht, sondern dachte an ihre ferne Jugend und die traurige Vergangenheit. Man halte sie verheiralhet, wie man die jungen Mädchen eben verheirathet. Sie kannte ihren Bräutigam. eine» Diplomaten, kaum, und lebte später mit ihm das Leben aller Frauen von Welt. Aber nun lieble sie ein junger Mann, Herr v. Apreval. der ebenso wie sie verheirathet war, mit tiefer Leiden- schnsl; und während einer langen Abwesenheit ihres Gatten, der nach Indien gereist>var, erhörte sie ihn--- „Wie lebt er?" fuhr sie fort. „Ich habe ihn nicht wiedergesehen; ich weiß es nicht." „Ist es möglich, einen Sohn zu haben und ihn nicht zu kennen! Vor ihm Furcht z» haben, ihn von sich zu stoßen, wie eine Schmach... oh. das ist entsetzlich!"— Sie gingen, von den Sonnenflamme» wie ausgedörrt, ans der langen Landstraße einher, und stiegen die Küste hinauf, die noch immer kein Ende nehmen wollte. „Man möchte es beinahe eine Strafe nennen," fuhr sie fort- „Ich habe nie ein anderes Kind gehabt. Nein, ich könnte dein Wunsch, ihn zir sehe», der mich seit vierzig Jahren quält, nicht widerstehen. Ihr begreift das nicht, Ihr Männer. Denken Sie doch, daß ich schon mit einem Fuß im Grabe stehe. Und ich sollte ihn nicht wiedergesehen haben!... Nicht wiedergesehen? Ist denn das möglich? Wie habe ich nur so lange ivarte» könne»? Mein ganzes Leben habe ich an ihn gedacht. Welch' entsetzliche Existenz hat mir das bereitet! Ich bin nicht ein einziges Mal. hören Sic wohl, nicht ein einziges Mal erwacht, ohne daß mein Gedanke nicht ihm, meinem Kinde galt! Wie sieht er aus? Oh, wie schuldig fühle ich mich ihm gegenüber. Darf man sich in solchem Falle vor der Welt fürchten? Ich hätte alles verlasse» müsse», hätte ihm folgen, ihn erziehen, ihn lieben sollen! Geiviß wäre ich glücklicher geworden. Aber ich habe es nicht gewagt. Ich war feige. Wie habe ich gelitten! Oh! Wie müssen diese arme» ver- lassenen Wesen ihre Mütter hassen!" Bon Schluchze» beinahe erstickt, blieb sie plötzlich stehen. Der ganze Thalkeffel lag stunnn und verlassen da unter der drückende» Hitze des Tages. Nur die Heuschrecken ließen in dem gelben, an den beiden Seiten der Straße spärlich wachsenden Grase ihr ein- töniges Gezirp ertöne». „Setzen Sie sich ein wenig!" sprach er. Sie ließ sich zu dem Rand eines Grabens führe», und setzte sich, das Gesicht in den Händen. Ihre weißen, zu beiden Seiten ihres Gesichts spiralsörmig gewundenen Haar lockerten sich, und sie weinte, von tiefem Schmerze erschüttert. Unruhig blieb er ihr gegenüber stehen, und murmelte, da er nicht wußte, was er sagen sollte:„Vinn... nun... fassen Sie Mnth!" „Ja, Sie haben recht, ich werde Mnth haben." versetzte sie. er- hob sich, trocknete sich die Augen und setzte sich mit dem schwanken- de» Schritt einer allen Frau wieder in Bewegung. U s Ein wenig weiter verschwand die Landstraße unter Baum- grnppen. die einige Häuser verdeckten. Sie unterschieden jetzt den regel- mäßigen Schlag eines Hammers ans einen Ambos und sahen bald ans der rechten Seite einen Wage» vor einer Art niedrigen Hauses und unter einem Schuppen zwei Männer stehen, die ein Pferd de- schlugen. Herr von Apreval trat näher und fragte:„Wo liegt Pierre Benedict's Gehöfte?" Einer der Männer antwortete:„Schlagen Sie den Weg links ein und gehen Sie gerade ans; es ist das dritte Hans nach Porel's Meierei. Es steht'ue kleine Fichte am Zaun. Sie können sich gar nicht irren." Sie wandten sich nach links. Sie ging jetzt ganz langsam, die Füße versagten ihr fast den Dienst, und das Herz schlug ihr so heftig, daß sie fast erstickte. Bei jedem Schritt murmelte sie wie zum Gebet:„Mein Gott! oh! mein Gott!" Eine furchtbare Aufregung schnürte ihr die Kehle zu, und sie wankte auf ihren Füßen, als hätte man ihr die Knie- kehlen durchgeschnillen. Nervös und etwas blaß sagte Herr von Apreval in rauhem Tone zu ihr:„Wenn Sie sich nicht besser zu beherrschen verstehen, so werden Sie sich sofort verrathen. Versuchen Sie doch, sich zu mäßigen." „Kann ich es denn?" stammelte sie.„Mein Kind! Wenn ich daran denke, daß ich mein Kind sehe» werde!"... Sie verfolgten einen jener kleinen zwischen den Bauernhöfen sich hinschlängelnden Landwege, die unter einer doppelten Reihe der a» den Gräben gepflanzten Buchen gleichsam verschwinden. Und plötzlich befanden sie sich vor einem Zaun, hinter dem eine junge Fichte stand. „Hier ist es!" sagte er. Sie blieb stehen und blickte sich lim. Der mit Apselbäumen bepflanzte Hof war groß und dehnte flch bis zu dem kleinen mit Stroh gedeckten Wohnhause aus. Gegenüber lag der Stall, die Remise, die Scheune, der Hnhnerhof. Unter einem Schieferdach standc.i Wagen, Karre», Kabriolet und Kutsche Vier Hennen pickten im Schatten der Bäume einige Körner auf. Kein Geräusch ließ flch hören, die Hausthür stand offen. Aber mau sah niemand. Sie traten ein. Sosort schoß ein schwarzer Hund aus einer am Fuße eines großen Birnbaumes stehenden Hülic hervor und begann wüthend zu heulen. Vier an die Hausmauer gestellte Bienenkorbe, die auf Planke» gelegt waren, zeigten ihre Sliohdächer (Schluß folgt) Vlrinrs Icuillckon c, e Tie Vielweiberei in Utah. An die Erwähnung der Mormcnenkirche und des Mormonenlhnms knnpst sich für die meisten Menschen ganz unwillkürlich der Gedanke an die Viel- iveiberei; dabei lebt man in dem Glauben, daß diese eigeuarlige Einrichtung heute in Utah zu den Dingen gehört, die da waren, und daß die Vielweiberei unter de» Mormone» nicht häufiger ist ais unter Andersgläubigen, daß sie, wenn überhaupt, in Utah unter denselben Verhältnissen und Bedingungen geübt wird. wie in jeder Großstadt, d. h. im Verstohlenen. Diele Annahme aber scheint doch irrig zu sein. wenn man nach de» Thalsachen urtheile» will, die das>n Richfield, Utah, erscheinende Vlalt„The Advocale" bekannt giebt. Die Spalten dieser Zeitung enthalten eine Menge von Mit- rdeilungen, aus denen hervorgeht, daß wenigstens in den kleinere» Ortschasten des Mormonen- Staales die Vielweiberei noch fort- dauert und von den hervorragenden Bürgern ganz offen geübt wird. „In Richfield," heißt es im„Advocate",„sind mehrfache Frauen nicht gerade häufig, aber auch nicht selten". Die Stellung solcher Frauen ist allgemein bekannt, und iveder für sie noch für ihre» Gatten enlspringt daraus irgend welche Schädigung ihres gesell- schasllichen Ansehens. Von Schande ist keine Rede. Dieselbe Zei- uuig lenkte unlängst die Ansmerksainkcit ans diesen Stand der Dinge in einem Artikel, der einige weniger elegante als deutliche all- sächsische Bezeichnungen sl.r die Glieder solcher„Vielehen" an- wandte, und in welchem gefragt wurde, warum die Orlsbehörden leinen Versuch»lachte», diese Gesetzesverletziinge» zu ahnden. Ein „Eulrüstungssturm" unter den Mormonen des Ortes war die Antwort, und eine der„mehrfachen Frauen" rächte die ihr und ihresgleichen in dem„Advocate" widerfahrene Beleidigung dadurch, daß sie dem Redakteur eine kräftige Ohrfeige verabreichte, als sie ihm Tags darauf auf der Straße begegnete. Das Vorgehen jener„mehrfachen Frau" fand allgemeine Billizung. Der Bürgermeister des Ortes Richfield, selbst ein Mormonen-Bischos, hat, so theilt der„Advocate" mit, die schlagfertige Dame wegen ihres schnellen Handelns belobt und soll erklärt haben, daß er, wenn dies in seiner Macht stände, jedes Kirchenmitglied exkoiniuuniziren würde, das ein Blatt in seinem Hanse duldete, welches derart gehässig von der Vielweiberei spricht. Aus alledem geht hervor, daß es mit der Vielweiberei in Utah praktisch noch lange nicht zu Ende ist, wenn sie auch gesetzlich schon längst für todt erllärt wurde.— Literarisches. — Von seinem„Jnserno" hat August St rindberg skandinavischen Blättern zufolge jetzt in der südschwedischen Universi- tälsstadl Lund den zweiten Theil vollendet und wird ihn nächstens im Buchhandel erscheinen lassen. Von Lund begiebt sich Strindberg nach Stockholm, wo er ein neues Drama für die Bühne vorbereiten will.— Mit dem Ins- Kloster- Gehen scheint es also noch gute Wege zu haben.— Kuusthandwerk. — Am 4. März wurde, wie man der„Voss. Ztg." ans London schreibt, die von William Morris gegründete und als „Kelmseott-Preß" bekannte Druckerei in Hammerfmith nach ungefähr siebenjährigem Bestehen geschlossen. Es ist nicht wahr- scheinlich, daß dieses Unternehmen großen Gewinn abgeworfen hat; aber da William Morris für seine Zeichnungen und seine Aufsicht nichts berechnete, kann auch von einem Verlust nicht wohl die Rede sein. In der„Kelmseoll-Preß" sind im ganzen 53 Werke gedruckt worden, wovon über 20 von W. Morris versaßt oder doch übersetzt worden sind; süus waren Neudrucke von Ausgaben Caxton's; die Ausgabe„Chancers",„?salmi?enitentiales".„Landes Beatge Mariae Virginis", Sir Percyvelle, Sir Degravaunt, Sir Jfnmbra's Romanzen waren eigene Schöpfungen, soweit Textausstattung in belracht kam. Shakespeare's Gedichte und Soiniete Temiysou's„Maud". Cwiuburne's„Atalanta in Calydou" und die Gedichte von Keals, Shelley und Rosjeti waren nebst den Auswahlen von Hcrrick und Coleridge die beliebtesten der von Morris gedruckten Bücher. Da durchschnittlich nie mehr als 300 Exemplare gedruckt wurden, ist es nicht überraschend, daß der Werth der aus..Kelmscotl Preß" stammenden Werke in der letzten Zeit bedeutend über den Kaufpreis gestiegen ist. Das letzte in der Druckerei entstandene Buch enthält eine interessante Schilderung der von Morris mit der Gründung der„Kelmscott Preß" angestrebten Ziele. Das Papier war dem in Bologna um 1473 gebrauchten nachgemacht. Die Lettern der goldenen oder römischen Art wurden nach Mustern zweier Franzosen N. Jenson und I Leronge, die um dieselbe Zeit in Venedig lebten, gegossen. Die goihischen Buchstaben wurden den von Schösser in Mainz, von Menlclin in Straßbürg und von Zaiuer in Augsburg gebrauchten»achgebildet. Die Holz- blöcke der Zeichnungen befinden sich im britischen Museum und dürsen ein Jahrhundert lang nicht gebraucht werden. Die Matrizen der Buchstaben befinden sich in den Händen der Testamentsvollstrecker des William Morris und dürsen zum Abdruck von Sonderausgaben seiner Werke benutzt werden.— Llus dem Thierrciche. — Das„Seemoos" ist heute in vielen Häusern zu finden; namentlich zur Winterszeil, wenn viele Pflanzen den Winterschlaf halte», muß es unsere Ampeln schmücken, und es erfüllt diese Pflicht in der selbstlosesten Weise, denn es fordert durchaus keine Pflege, nicht einmal Wasser. Das Seemoos hat kein Leben, es erhält sich demzufolge unverändert. Nur darf es dem Sonnenlicht nicht allzu sehr ausgesetzt werden, sonst verblaßt seine Farbe, denn diese ist nicht echt. Der Ursprung des Seemooses dürfte wenig bekannt sein; wir entnehmen hierüber einiges einem in der„Jlluslrirlen Frauen- Zeilnng" veröffentlichten Aufsätze: Wer den Sommer in einein unserer Seebäder verbracht hat, erinnert sich vielleicht, ähn- liche Gebilde am Meercsstrande gefunden zu haben; nur sehen sie glänzend hellbrännlich ans. Es war das„Seemoos" in seiner natürlichen Beschaffenheit, denn das Grün ist künstliche Färbung. Den Namen Seemoos" trägt das Gebilde jedoch mit Unrecht. Trotz seiner Pflanzenähnlichkeit stammt es nicht aus dem Pflanzen-, sondern aus dem Thierreiche. Es ist ein Polypenstock, eine Serlularie. Betrachte» wir die Zweige genauer, so finden wir, daß sich zahlreiche kleine Knötchen auf ihnen befinden, und unter Anwendung der Lupe erkennen wir, daß dies becherartige Erweilerrnigen sind. In diesen Bechern saßen einst, als sich der Stock noch am Grunde des Nlceres befand, die kleinen Polypen-Thiere. Sie haben einen zylinderische» Körper, an dessen oberen Ende um den Mund herum gegen zwanzig weihe, fadenförmige Fangfäden stehen, sodaß die Thicrchen wie zarte, zierliche Bliilhen aussehen. Während die Pflanzen des Meeres der Bliilhen entbehren, finden wir sie bei de» Thierbäumen. Ein solches Polypeii-Bänmchei! mit leinen Tausenden von zierlichen Polypen, welche in beständiger Bewegung sind, ge- währt einen reizenden Anblick. Nach allen Seilen neigen und wenden die kleinen Thierchen den weichen, schlanken Körper. ziehen sich abwechselnd zusammen und dehnen sich Wiederaus. während die biegsamen Fangfäden begehrlich sich schlängelnd hin- und herbewegen, um Infusorien und andere der kleinsten Wassergeschöpse zu fangen und dem gierigen Munde zuzuführen. Das Bäninchen selbst eiltsteht als Slusscheidung der Thiere. Aber wir dürfen nicht glauben, daß es, wen» auch aus Hornstoff bestehend, eine tobte Masse ist, welche den Thiere» nur als Behausung die»!, wie etwa den Schnecken und den Muscheln ihre Schalen. In der Mitte des Bänmchens befindet sich ein Achsenkanal, welcher Aeste und Zweige durchzieht und mit der gemeinsamen Leibesmasse der Thiere ansgesüllt ist, so daß durch diese sämmtliche Thiere mit einander im Zusammenhang stehen. Auch der Nahrungssaft zirknlirt durch die gemeinsame Leibesmasse durch das ganze Bänmche». Was ein Thier fängt und verzehrt, kommt allen übrigen zugute. So arbeitet jedes Thier für das all- gemeine Wohl und wenn ein Thierchen unfähig ist, sich Nahrung zu erwerben, wird es von den übrigen versorgt.— Aus dem Thierlebe». t. Ein seekranker Hecht. Ein sehr merkwürdiger Fang wurde vor wenigen Monaten in einer Oberförsterei des pommerschen Kreises Bülow gcthau und dem Museum in Berlin zur Begut- achtung überwiesen. Der Konservator Krause schreibt darüber an die„Allgemeine Fischerei-Zeituug": In einer abends in den dortigen See ausgelegten Reuse fand man nach einer sehr stürmischen Nacht einen ungewöhnlich großen Hecht verendet vor. Der Fisch wog ausgenommen 13 Pfund und war 130 Zentimeter lang. Außer dem Hecht schwammen in der Reuse sechs lebende Barsche, eine Menge kleiner halbverdauter Barsche und ebenfalls halbverdaute Reste von einem Krebs. Der tobte Hecht hatte hinten im Schlünde quer eine große Krebsscheere stecken, die mit der Spitze nach außen durch die Bauchwand durchgedrungen war. Nach der Meinung des Oberförsters sollte sich dieses Trauerspiel folgendermaßen zugetragen haben: Bei dem starken Sturme suchten die Fische Schutz und gingen in die Reuse. Der Hecht konnte aber in derselben, da sie nur 80 Zeutimelcr lang war, für seine Länge keinen Platz finden und mußte sich sehr quälen, bis er darinnen war. Dabei wurde er vom Wellenschläge beständig gerultell. Durch dies forlgesetzte Rütteln in der gekrümmten Stellung wurde ihm„sehr übel" oder mit anderen Worte»: er wurde seekrank und gab den Mageninhalt von sich, der aus kleine» Barschen und einem zer- stückelten Krebs bestand. Die eine Scheere des Krebses, die sehr groß war, muß sich dabei quer gestellt haben. Sie steckte beim Herausnehmen seitlich in dem Hecht, hatte sich also von innen nach außen durchgebohrt. Beim Slusklappen des Fischmanles konnte man sie sitzen sehen. Außerdem waren in dem weiten Manle auch noch Barschreste erlcnnbar, ein Beweis, daß auch die anderen in der Reuse schwimmenden Reste aus seinem Magen stammten. Nach der Meinung des Zoologen ist diese a» sich nicht unwahrscheinlich klingende Erllärnng von dem seekranke» Hecht vielleicht doch un- richtig. Fische und namentlich Raubfische' geben nach mehrfache» Beobachlniigcn im Znstande großer Angst ihren Mageninhalt von sich. Dies mag auch hier der Fall gewesen sei». Der Hecht halle Schutz in der NtUse gesucht, wo ihn das Schaukeln, die Enge seines Schlupfwinkels und die vergebliche» Bemühungen zu seiner Befreiung in starke Angst versetzten. Das Erbrechen erfolgte mit so großer Gewalt, daß die jkrebsscycere sich quer stellte und durch die Speise- röhre und das Fleisch»ach außen gedrängt wurde. Der Tod war wohl eine Folge der starken Verwundung und Blutung, verbunden mit der nervösen Aufregung der enge» Gesangenschast.— Physikalisches. — Ueber die Farbe des Himmels und der Meere sind neuerlich sehr eingehende Untersuchungen angestellt worden, die die alte Frage in der Hauptsache erschöpfend beantworten. Be- züglich der blauen Färbung des Himmels hatten zuerst die englischen Physiker I. Tyudall und Rayleigh nachgewiesen, daß ftaubartige Massen in der Atmosphäre das weiße Sonnen- licht zurückwerfen, derart, daß die kürzeren Lichtwellen viel voll- koinmener zurückgeworfen werden, als die längere». Die kürzesten sind die blauen Strahlen im Sonnenlicht, die längsten die rothen, und es werden zehnmal soviel blaue Strahlen als rolhe reflektirt. Dasselbe findet im Wasser statt. Hier kommt aber eine noch stärker wirkende Ursache hinzu. Beim Eindringen in das Wasser werden dem weißen Sonnenlichte durch Absorption große Theile der rothen und gelben Strahlen genommen. Die an den äußerst kleineu Theilchen fester Substanzen im Wasser stattfindende Reflexion belrifsl also schon überwiegend blaues Licht, dessen wirklich blaue Strahlen zehnmal so stark, wie der Rest der rothen znrückgeivorsen werde». Durch diese zweifache, sich gegen- seitig verstärkende Wirkung wird also die blaue Farbe des Meeres vollständig erklärt. Die Veränderungen der Meeresfarbe, besonders das Grün des Meeres, haben jetzt durch die Ergebnisse der deutschen Plankton-Expedition(von Dr. O. Krümmel) eine sehr wohlbegriindele Erklärung erfahren, auf die Dr. ZIbbeg in Nr. 14 der„Naturw. Rundsch." näher eingeht und auch eigene Beobachtungen in ver- schiedenen Meeren hinzuzieht. Je durchsichtiger und klarer das Meercswasser war. um so reiner das Blau seiner Farbe. Je trüber das Wasser aber ist, um so größer und zahlreicher also die refleklirenden festen Substanzen, desto früher findet die Reflexion des weißen Sounenlichles an ihnen statt; also ist auch die Absorption der gelben und rothen Strahlen eine schwächere. Dadurch wird aber das weiße Licht nur grün gefärbt, und zwar um so mehr, als auch die Reflexion an den größeren Substanzen nicht mehr die blauen Spektralfarben des Sonnenlichts so stark vor de» roihen bevorzugt. Es erscheint hiernach auch erklärlich, warum in der Nähe der Küsten das Blau des Meeres weniger vorherrschi als das Grün. Durch die Brandungen werden von den Küsten größere feste Substanzen ins Wasser gebracht, wobei dann durch geringe Absorption und Reflexion längerer Lichtwellen die grüne» Strahlen überwiegend zur Wirkung komme» müssen. Es wird natürlich von der Beschaffenheit der Küste» abhängen, ob kleinere oder größere Theilchen durch die Brandirng losgelöst iverde», so daß z. B. in der Nähe der Felseninsel e-okotra das Meereswasser i» der Nähe des Landes auffallend blau blieb. Es erscheint hiernach aussichtsvoll, durch die Farbe der Meere und See» auch geologische Ausschlüsse über die betreffenden Gebiete zu erlangen.— Technisches. Ic. Neue Glühfäden für elektrisches Licht von Auer. Der österreichische Physiker, dessen Name durch das Gas- glühlicht in der ganzen Well bekannt geworden ist, hat soeben auch für das elektrische Glühlicht eine neue Erfindung gemacht, durch welche die Glühfäden haltbarer und leuchtender werden solle». Das Platinmetall Osmium galt bisher als ei» bei sehr hoher Tempe- ratnr sich schnell verflüchtigender Körper. Nach Aner's Versuchen ist dies durchaus nicht der Fall, vielmehr ist Osmium selbst bei der Verdampfungs- Temperatur des Platins sowohl im Bacnnm. als auch in gewissen rednzirend wirkenden Gasen und Gasgemischen nicht flüchtig; ein Osmiumfaden, von einem genügend starken elektrischen Strom durch- flössen, strahlt ein blendend weißes intensives Licht ans, ohne zu schmelzen, bei de» höchsten Temperaturen bleibt er fast starr. Znr Verfertigung von Glühfäden ans Osmium wird dasselbe in metalh- schein Zustande ans irgend eine Weise, z. B. in dünne» Schichten eventuell unter Zusatz eines Bindemittels oder elektrolytisch auf»inen dünnen Metalldraht aufgetragen; alsdann wird «in starker Strom Kindurchgelcitet, unter dessen Einwirkung sich der Metalldraht verflüchtigt, während die dünne Osiniumröhre zurückbleibt und als Lenchl- oder Glühfaden benutzt werden kann. Uebrigens können nach Auer zur Herstellung dieser Glühfäden oder eigentlich Glühröhren außer Osmium auch seine Legirungen mit andereii Platinmetallen, wie Platin, Iridium, Liho- diiim und vor allem Ruthenium benutzt werde»; auch mit Thoroxyd kann das Osmium oder die Osminmlegirung noch überzogen werden.— — Ein selbstthätigeS K l a p p t h o r. Eine für den Bau von Schleusen ivichtige Erfindung ist i» Lübeck an der ersten in den Lauf des im Bau begriffe»?» Elbc-Travc-Kanals eingefügte» Schleuse probirt worden. Es handelt sich um ein setbftlhätiges Klappthor und die Schaffung von Umlanfheber», ivelche das ans dem Obenvasser in die Schleuse cindringiiide Wasser in iiebiiiliegende Sparkar.unerii saugt und dadurch jeder u»lützen Wasservergeildung vorbeugt. Die Einrichtung war bisher nicht praktisch probirt. Nachdem nun die erste Schleuse bei Krumesse unweit Lübeck fertig ist und die Probe glänzend bestanden hat, darf man annehmen, daß SchleuseN'An lagen für die Folge vielfach nach diesen äußerst einlachen Prinzipien geschaffen werden. Das Obenvasser wird durch«in Klapp- thor abgeschlossen, das sich als ein hohles Rechteck darstellt. Erscheint ein Schiff vor der Schleuse, so wird der Hohlraum voll Wasser gelassen und das Thor fällt einfach in's— Wasser, an den Grund des Schlensenvorbaues. Das Schiff oder der Schlepvzug geht in die Schleuse hinein, und das vorher mit Wasser gefüllte Thor wird durch eine mittels des andringenden Wasserdruckes in Thäligkeit gesetzte Pumpe wieder leer gepumpt und hebt sich selbsttätig wieder. Gleichzeitig tritt nun eine Heberglock in Thätigkeit, welche das i» die Schleuse gelassene Oberwasser in eine Sparkammer befördert. Der Wasserstand in der Schleuse wird dadurch mit dem Unterwasser gleich und die Schteufenthore am Unterhaupt iverden frei und öffnen sich ohne Mühe. Das ist»amenilich für wasserarme Kanäle auf kleinem Niederschlagsgebiet äußerst werthvoll, weil zum Durch- schleusen immer wieder dasselbe Wasser benutzt wird und nichts enlweicht.— Hninoristisches. — Gemüthliche Todesfurcht. Arzt(vor der Operation zum Patienten): Und nun die Hauptsache: Mulh»nd Ruhe! Geben Sie sich keinen trüben Gedanken hin, Sie sollen sehen, morgen lachen Sie über diese Todesahnungen. Patient(düster): Morgen? Wenn ich morgen noch lebe, heiß' ich Hans!— — Unterschied. Nacht iv ächter(zum Studenten): Wenn Sie nicht sofort das Singen unterlassen, arretire ich Sie! Student: Ach was!„Singe, wem Gesang gegeben", heißt es in, U h l a» d! Nachtwächter: Sie sind aber hier in Deutschland und nicht in Uhland!— — In der Sieges-Nllee(bei de» Rnndbänken). Schusterjunge(eiuem Sprengwagenkiitscher nachrufend): Sie, Kutscher, halten Se an, da liejt ja'ue Menge Jeld vor Ihnen. Kutscher: Wo denn, dummer Junge? Schusterjunge: Na, links da drüben. Se haben ja eben de Bank jesprengt!—(„Lustige Blätter".) Vermischtes vom Tage. y. Ein Wirthschastsbesitzer in der Ortschaft F i s ch a u(Hannover) legte sich, wie eS auf dein Laude immer noch üblich ist. Spinn- g e w e b e auf eine unbedeutende Schnittwunde. Zwei Tag« darauf starb er an B l u t v e r g i f t u n g.— — Auf der Uebungsfahrt des Kieler ersten Geschwaders wurde» bei S k a g e n L Matrosen des Flugschisses über Bord gespült. Einer ertrank.— y. In Hannover wurden am Montag zwei Kinder von der elektrischen Straßenbahn Übersahren und ge- tödtet.— — Die Dorfschule in K a t t o h in f e l d in Thüringen zählte im letzten Jahre 12 Kinder. Die(mibe Klasse hörte auf den Namen „Dielenschneider". Unter den 12 Kindern war nur ein Knabe.— — Sechs junge Bursche» wurden in G e l s e n k i r ch e n fest- genommen, die jene Gegend seit Monaten unsicher machten. Drei Morde, zwei Rnnbaiijälle, mehrere Diebstähle und eine Braudstistiiug haben sie bereits eingestanden.— — In Z a w o d z i e(Oberschlesieii) wurde eine Frau von ihrem Manne, von dem sie gelreiint lebte, überjallen und durch Messerstiche gelödtet.— — Der D a ch st u h l des Börsengebäudes in Wie n ist Niedergebra n ii l.— — In der Orlschasl P o d b i e l im Prvaer Komitat ist bei einer Fahrt über de» stark geschwollenen Arvaflnß ein Boot mit acht Arbeitern gekentert. Alle acht Insassen ertranken.— — Von seiner Frau ermordet wurde ein Arbeiter in Dom- browa-Gora(Rnssisch-PvUu). Den Leichnam versenkte die Frau in eine» Teich.— — Durch andauernden Ncgen haben S e r e t h und P r n t h ihre beiden Ufer überschwemmt und in der Moldau und in Bessarabien Felder, Straßen und Valiiidäinme beschädig!.'Auch de- stelig wachsende Donau läßt Hochwasser bcsürchleu.— c. e. Ein Theaterkritiker in Bari(Italien) wurde zu vier Jahren Gesänguiß verurlheilt, weil er sich von Schauspieler» »nd Sängern die lodendeii Kritiken bezahle» ließ und ihnen mit Schmäharlileln drohte, wenn sie nicht bezahle» wollten.— — Die Insel Sizilien wurde von einem hestigen Wirbel- stürm heimgesucht. Namentlich in der Provinz Messina richtete er bedeutende» Schaden an. Dort soll fast die gesamiiite Südfrucht- ernte zerstört sein. Zahlreiche Personen wurden verletzt.— — In Paris hat sich der junge Maler Carpentier, dem die„Sa!on"-Jnry das eingesendete Bild zurückgewiesen hatte, mit Cyankati vergifte!.— c. s. R o b e r l R e i tze l, der Herausgeber und Redakteur des „Armen Teufel", ist in Detroit(Nordamerika) im Aller von 50 Jahren gestorben.— Beramwortlicher Redakteur: Slugnst Jacoben in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin.