Hnterhaltungsblatt des Horwärls Nr. 81. Dienstag, den 26. April. 1898. (Nachdruck verboten.) Der Schiffsjunge. TZ E!ne Seegeschichte von Peter Egge. Einzig autorisirte Uebersetzung von E. B r a u s e w« t t e r. Sic standen auf. Beim zuerst. Oivind schnell darauf, als wollte er ihn gern noch weiter unterweisen. Während er so schivatzte, blickte Betin immer achterwärts— iveit hinaus. Die Schiffe und Boote sah er in weiter Ferne wie weiße und braiiilc Papierfetzen auf dem Wasser.— Venu putzte sich im Geheimen ein wenig'heraus, ehe er zum Steuer ging. Sie setzte sich vielleicht ächter. Als es zwei Uhr schlug, ging er klopfenden Herzens dorthin. Vor was hatte er sich eigentlich zu fürchten? Auf sie brauchte er iil jedem Fall keine Rücksicht zu nehmen. So hochmüthig, wie sie war!... Wilde Gedanken durchzuckten seinen Kopf: Er wollte frech sein, ungeheuer frech, wenn jemand auf ihn schalt, während sie zuhörte. Er wollte sich ganz pöbelhast gebärden, alle zusammen. fluchen. Im Mitielschiff kam er am Kapitän vorbei, der auf und ab ging. Als er ans das Halbverdcck hinaufkam, sah er sie auf einem kleinen Klappstuhl sitzen, mit dem Rücken an die Kajütenwand gelehnt. Sie laß in einem Buche. Ein großer, breitkrempiger Hut aus weißent Stroh beschattete ihr Gesicht tind ihr Buch. Sie blickte ans, als er an ihr vorbeiging, und er grüßte elegant. Sie dankte freundlich. Beim sah, daß der am Steuer Befindliche, Anton, ein kleiner, rothhaariger Arendaler, lachte, und er begriff sogleich, das; er hernach schleunigst in die Roof gehen und den Kameraden zeigen würde, wie„der Lord" grüßte. Die Brise war matt und die See ruhig. Er mußte sich doch wohl mit dem Steuer znrecht finden können, jetzt wie sonst! Mit erkünstelter Keckheit ergriff er das Steuerrad und drehte es. Er sah eine ganze Weile nicht auf und verwendete viel Aufmerksamkeit auf den Kompaß. Dennoch folgte er ihr die ganze Zeit in Gedanken. Er hörte, wenn sie ein Blatt in dem Buche umwendete, und wenn sie abwechselnd ein Bein über das andere legte, so daß der Klapp- stuhl krachte. Venn meinte schließlich, es ginge bester mit dem Stenern, als er erwartet hatte. Seine Angst ging allmälig vorüber, und er begann, hie und da nach ihr hinanszuschielen. Sie sah garnicht auf, und das machte ihn dreister. Sein Blick wurde immer länger und forschender. Der breitkrempige Hut verbarg den größten Theil ihres Gesichtes. Nur wenn die Schute ein vereinzeltes Mal so stark stampfte, daß ihr Kopf unwillkürlich seine Stellung änderte, bekam er einen Schimmer von ihren großen, nußbraunen Augen zu sehen, die eifrig den Zeilen des Buches folgten. Ihr schwarzes Haar war schlecht aufgesteckt und bedeckte mit seinen Löckchen fast die ganze Stirn bis zll den Augenbrauen. DasGesicht war leicht gebräunt, dicWaugcn roth. Ihr kleines, feines Unrerkinn ließ das Antlitz kindlich und voll erscheinen. Ihre Figur war untersetzt, fest von einem abgenützten schwarzen Kleide umschlossen, das hier und da mit geträufelten Schleifen verziert war. Ter Fuß, der über den andern gelegt war, stach hervor; er steckte in einem hoch- rothen Pantoffel. Ihr ganzer Anzug, wie überhaupt ihre Er- scheinung, hatten etwas Fremdes, etwas Vornehmes und zugleich Nachlässige», fast Schlampiges. Der Junge sah schließlich ebenso viel nach ihr, wie nach dem Kompaß. Alles an ihr gefiel ihm, reizte seine Neugier. Selbst das schlechte Kleid stand ihr gut. Es erschien ihm ganz verteufelt pikant, daß sie, die wohlhabende Schiffskapitäns- und Schiffsrheder-Fran, so nachlässig angezogen ging, und doch in einer Weise, daß ihr Reichthnm und Geschmack erkennbar blieben. Der Junge tummelte sich plötzlich mit seinem Steuerrade. Er drehte es mit voller Kraft hin und her, krümmte sich zu- sammen und hängte sich an die Griffe, um es schnell genug herumzubekommen. Gleichzeitig starrte er auf den Kompaß, ohne es zu wagen, einen Blick dorthin zu werfen, wo sie saß. Es sauste ihm vor Schreck und Scham in den Ohren. Er fühlte, daß sie ihn ansah und dann in die Höhe guckte, um zu untersuchen, wohin er steuerte, daß sie das Buch aus das Kajütendach hinlegte und einen Augenblick saß, als wartete sie und wollte sehen, ob ihre Hilfe am Steuer uothwendig wäre. Endlich erhob sie sich und kam zu ihm hin. Der Junge arbeitete wie ein Rasender und murmelte ganz leise einen Fluch, den er aber nicht herausbrachte. „Nur rnbig!" sagte sie, wie es Ben» schien, sehr laut, und stand neben ihm.„Nur ruhig, desto früher kommt es wieder auf den Strich." Der Junge sah nicht auf, drehte aber das Rad etwas weniger wild, jedoch noch mit derselben Kraft. Da erfaßte sie mit ihrer weißen, drallen Hand einen Griff und hielt das Rad einige Augenblicke still. „Da kommt es ganz von selbst." Der Junge sah noch imnier nicht auf. Seine Augen irrten verstört umher. Ein wasserklarer Stein an einem ihrer Finger- ringe funkelte. Tann drehte sie daS Rad weiter, ohne mehr als die eine Hand zn gebrauchen, und sagte: „So, da haben wir ihn wieder! Nur Ruhe!" Der Junge griff mit beiden Händen ins Rad, dankbar, beschämt und verivirrt. Sie- sah ihm ins Gesicht und lächelte. Das fühlte er und seine Verwirrung wurde noch größer. Aber sie ivandte ihre Augen nicht von ihm. Er wagte flüchtig auf. zublicken und sah erstaunt, daß sie ihn ernst, fast forschend an- blickte; da wurde er blutroth. Daun drehte sie sich herum und ging ruhig über's Deck hin. Er wußte nicht mehr, warum sie gelächelt, und begriff nicht, warum sie ihn so ernst angestarrt hatte. Ihm wurde abwechselnd warm und kalt, froh und ängstlich, und seine Ge- danken verwirrten sich. So hatte noch keine Dame ihn an- gesehen. Ein Weilchen später kam sie wieder zu ihm hin, blieb stehen und drehte hier und da am Rade, wie um ihm zu helfen. „Es fällt Ihnen wohl schwer, zu steuern?" „Es ist nicht so ganz leicht, Frau Kapitän." „Ach, Sie werden sehen, Sie lernen es bald." Seine Hand hielt einige Male neben der ihrigen den Griff, den sie erfaßt hatte, und er mußte unwillkürlich seine und ihre Hände vergleichen. Sie stachen so sehr von einander ab. Es war ihm peinlich, daß sie seine Hände so grob und so schmutzig sehen sollte, wie sie jetzt waren. Er meinte, daß müsse ihn in ihren Augen herabsetzen. Zufälliger Weise blickte er nach vorn und gewahrte Jokum und Anton auf der Back. Sie steckten die Köpfe zusammen und schienen sich über die Beiden am Steuer zu amüsiren. Auch sie mußte aus die Matrosen aufmerksam geworden sein; denn sie ließ das Rad los, ging nach Lnvwarc hinüber und starrte hinaus. Der Steuermann zeigte sich auf der Treppe zum Halbverdeck. „Sieben Uhr, Benn!" Der Junge schlug an die Glocke und wurde ein Weilchen später abgelöst. Als er ging, grüßte er stumm die Kapitäns- frau. Aber sie sah es nicht oder that vielmehr nur so, alS wenn sie es nicht sah. Er ging in die Roof. Die Kameraden saßen und tranken ihren Nachmittagskaffee. Als sie Beim gewahr wurden, lachten sie und riefen durcheinander: „Na, was sagte die Schifferssrau denn Schönes? Bekamst Du'neu Kuß? Bot sie Dir Portivein an?" „Still, still. Jungen," rief Tom und sagte darauf, zu Ben» geivandt:„Riecht sbs«ich nach Pohrtivein, what?" „Nein," sagte Ben». „Oder nach Whisky?" „Heh, er bos keenen Geruch." „O doch, sogar sehr scharfen." sagte Benn überlegen und abwehrend. Diese Fragen gefielen ihm nicht. „Sie trinkt doch nicht immer, meine ich," sagte Anton. „Lbe?" rief der Engländer ärgerlich, daß jemand seine Worte in Zweifel zog.„Sock-äom, drinkt sbo not wie ein Pferd?" Benn durchrieselte es kalt. Hatte sie ihn darum so seltsam und lange angesehen? Ach, Unsinn! „Ich glaube nicht, daß sie trinkt," wagte Benn glcichgillig hinzuwerfen? „What?" rief Tom erbittert. Es war schwierig für ihn, sich in fremder Sprache zu streiten.„Weißt thou as besser, als J, der hier hat gestanden an Boai-d diese Ship zwei Jahre. J have gesehen she betrunken in New-Iork wie in Pensevola, wie hier an Board. Lbs drinkt Wisky, das weiß d gewiß!" „Was sagt denn ihr Mann dazu?" fragte Anton sehr interessirt. „Der man? She macht sich nicht mehr aus ihrem man, als d mir aus dem Board!" Er klatschte mit seiner flachen Hand auf den Tisch. „Warum hat sie ihn denn geheirathet? Sie hätte es ja gut bleiben lassen könneir", meinte Michel. „Das weiß d, der hier hat gestanden zwei Jahre an Board". Er nickte bedentnugsvoll, als wüßte er wichtige Geheim- nisie, und wartete nur auf eine Aufforderung, damit hervorzu- kommen. „So sag's doch. Junge!" rief Jokum. „Jo, sie heiratheleu sich kor money, alle zwo, alle zwo," und er nickte wieder. „Ach," sagte Jokum,„das kannst Du nicht so sicher wissen." „d? No, wart nur, bis rvs come to New-Iork. Da sollt Yoxx sehen, she geht not aus mit dem man. Er geht seine Wege in die Stadt and die Frau die ihren. Jo, paßt nur aus, da sollt'Von sehen, she macht sich nichts aus ihm. She has Freundinnen and Bekannte in ville Städte, zu denen she geht. She drinkt eher mit mir, als mit ihrem man. d war mit ihr in New-Iork. d sollt' tragen en stool an Board. Tom, say she, do you like Whisky, say she.„0 yes, Frau", say d.„d like Whisky verry good". Und so gingen we in shop und tranken. Jo! �nd she trank so ville als d, no, ville mehr. Jo!" Tom nickte stolz über die Freundlichkeit der Frau gegen ihn und über seine wichtigen Enthüllungen. „Ein Teufelsweib," sagte Jeus Christian.„Aber so viel sag' ick) nur, wär' sie mein Weib gewesen, hätte ich sie nüchtern geprügelt, ja, das sag' ich." Es entstand eine Pause. Ben» bekam nichts mehr von Frau Mcrry zu hören, und er schlich sich auf die Back hinaus. Dort sehte er sich hin und blickte ans das Meer und die Schiffe hinaus, die vorbeifuhren. Sie schienen ihm Gesellschaft und Unterhaltung genug zu sein. Mehrmals blickte er achterwärts; aber sie war jetzt nicht da: ach nein, es wurde ja kühler gegen Abend. Sie saß nun wohl in der Kajüte und las. Was das wohl für ein Buch war, das sie so interessirte. Vielleicht eines von Ibsen? Oder vielleicht waren es Verse. Drachmann? Ei» oder zwei Stunden saß er so, und seine Gedanken weilten immer bei ihr. Ihre Vergangenheit, ihr gegenwärtiges Leben, ihre Ehe, all dies lockte seine Neugier. Sie war so merkwürdig zurückhaltend und doch wieder geradezu. Sie hatte so freundlich mit ihm gesprochen, als sie das Steuer drehte; aber dann grüßte sie nicht, als er ging. Merkwürdig. Ach, sie hatte seinen Gruß natürlich nicht be- merkt. Auch hatte sie bisher noch kein Wort an ihn gerichtet. Ach nein, es ging doch wohl nicht an, daß sie ihm mehr Auf- merksamkeit schenkte, als den andern! Wie er auch grübelte, es blieb doch eine gewisse Unzu- friedcnheit mit ihr ans dem Grund seiner Seele zurück. Er war fast neidisch auf Tom. Einige Male lauschte er auf den Chor der Kameraden, der wie ans einem tiefen Keller zu ihm hinausdrang: .. Den Wanderstab nehme ich dann zur Hand, Mein Mädchen und ich eine Throne verpicßen; Uns Beide umschlang ja der Liebe Band!" Daß sie sich in ihren Augen so herabwürdigen mochten, solch' gemeine Lieder zu singen. Denn sie hörte wohl ihr Ge- brüll und Gegröhle, wenn sie auch nichts sagte.— lForlsetzung folgt) lNachdruck verboien.) Das Vvauk Kleid. Bon Georg Hermann. Es ist Sonntag Nachmittag. Es regnet»och nicht, aber es ist grau und treibe; jede Minute kann es losbreche», üluf den staubige» ausgetretenen Steinstnfen der Hinlertreppe klingt beute kein Klipp, Klapp von flinke» Füßen. Das ganze Treppenhaus scheint zu schlummern, selbst die Messingschilder nebe» den Thüren blinzeln matt und schlaftrunken, ivie aus halb geschlossenen Augen. Dicke blaue Brummfliegen marschiren an den breiten Scheiben aus und nieder und slinimen eintönig. Eine seifte schwarze Katze schmiegt sich ganz dicht an die Stäbe des Geländers und schleicht langsam und ziehend die Sinsen hinauf. Plötzlich bleibt sie stehen, krümint de» Nücke», hebt den Kopf und spitzt die Ohren. Tritte hallen. Eine Thür geht. I» langen, milden Sätzen jagt die Katze hinunter, daß ordentlich der Staub auffliegt, wo der Schwanz den Boden schlägt. Das ist solch ein blondes, vollbusiges Mädchen, das da herunter kommt und vor einer Thür stehen bleibt; die Gesundheil selbst. Die nackten Arme sind ebenso rolh, wie die ausgearbeiteten Hände. Sie wartet einen Augenblick und, als mau ihr nicht öffnet, wirft sie, wie absichtslos, einen Schlüssel auf die Schwelle. Ein kleines mageres Geschöpf steckt erstaunt den Kopf zwischen die Thürspalte. „Auguste! Haben Sie denn heute keinen Ausgang?" Die andere überhört die Frage. „St! Minna, kommen Sie schnell'rauf, wenn Sie'was sehen wollen, sie wird sich jleich wieder anziehen, sie hat schon vorhin auf ihre» Hängeboden ausjewischt, daß man allens so je- schwömmen hat. „Was Sie sagen, Auguste!?" „Ja, aber seien Sie ja ruhig; denn wen» sie uns merkt, zieht se die Jardine» vor." „Auguste, wissen Sie eijentlich, was mit die Selma los ist?" „Verrückt is se— weiter nischt!" „Aber man merkt es ihr doch jarnich an, wenn man'mal mit ihr redet." „Ja. in de Woche hat se eben keine Zeit dazu, und deswegen ist ste's nur Sonntags." „Sie soll doch ei» Kind haben? Lebt denn das Kind noch?" „Nee!— Das is jestorben.— Vor drei Monate etwa. Bei sich behalten konnte sie es doch nicht; welche Herrschaft nimmt denn ein Dienstmädchen mit'» Kind?! Na, da hat sie's eben nach Sckiöneberg zu ne Frail jejeben und die hat es ihr in aller Eile zu Tode ge- pflegt. Es soll so ein niedlicher, dicker Junge gewesen sein, und »ach zwei Monate», sage ich Ihnen, das reine Jerippe. „Hat se den Jung'» nicht von'» Sohn von ihre frühere Stelle?" „Ja, schön finden thue ich es ja auch nicht von die Herrschast. Erst bringt der Sohn des Mächen ins Unjlück, un nachher schmeiße» die Eltern se raus. Daß er ihr»ich heirathe» kann, verstehe ich ja. Aber denn sollten se doch wenigstens een bischen für se sorgen. Nich wahr? Aber er jeht uu ooch«ich mehr mit ihr, un sie, was die Mutter is, die komnit nur innner drüben zu de Räthin un macht noch ihren Spaß mit des arme Mächen. Denn sagt se im. wenn die Selma reinkommt un bedient, so janz beiläufig. als ob s« jarnischl damit beabsichtigt.„„Heute Abend kommt Karl."" — Sie jlanben's»ich? Verlassen Se sich drauf, die Räthin hat's mir ja selbst erzählt.— Und dann geht die Selma rauf ans ihre» Hängeboden, legt'ne weiße Kautendecke auf die Kommode; jeht runter in die Küche und schauert und putzt das janze Blech- und Messingjeschirr blitzeblank, damit, wenn ihr Karl kommt, allen? sauber is. sie hat sich doch das in'» Kopp jesetzt, daß er sie heirathen wirb. „Was Sie sagen?!" Und denn ein ander Mal hat die Mutter so unter der Hand jesagt, als ob sie so jarnischt damit meinte:„Wissen Sie, Frau Rälhin, nachher wird mein Sohn ein Bouquet schicken"; da hat sich doch die Selma hinjesetzt, den janze» jeschlagenen Abend, von Achte bis Zwölfe vor ihre Kommode und hat'n Thaler vor sich hinjelegt, für'» Dienstmann, wenn er ihr die Blumeii bringt. Na. waS nich jekomnien is, is natürlich das Bouquet. un mein Sohn, der läßt sich auch nich mehr blicken, den» ihm is das natürlich— peinlich.—" „Aber nn schnell, Auguste, sonst sehen wir nischt mehr!" „St! leise!— Un jetzt hat sie sich doch«in richtiges Braut- kleid machen lassen, mit Pufkärmeln. Vergangenen Sonntag hat sie's erst bekommen! St!— leise!—. da oben von's Flursensler aus können wir sehen, wie sie sich anzieht."— Sie find angelangt und drücken beide neugierig die Nasen gegen die Scheibe. „Sehen Sie'mal, Minna, wie fein sie sich das da gemacht hat, un da steht doch'ne jroße Fotografie." „Was sie liir'n Hemd bat, allens mit Kante!" „Un der Rock janz mit Pliffee!" „Minna! jetzt guckt se sich in'n Spiegel." „Det Korsett! I— Jeslickt von oben bis unten, un mit blaue Seidenschleifen!" „Die sollte doch ooch lieber ihre paar Jroschen sparen." „Aujuste?— Scheint es Ihnen nich ooch so, als ob da nebe» dem Taschenluch weiße Handschuh liegen? Un— is das zu jlauben! In de Ecke; bei de Lampe ein richtiger Brautkranz." „Wie ihr das Kleid steht; mit richtige Schinkenärmel! Und etzt— jetzt fetzt se sich sogar den Brautkranz auf.— Mit lauter rische Orangeblüthen." „St! Ducken Se sich schnell, Minna; se kiekt rüber. Was habe ich Ihnen jesagt, Minna, Se sollen nich soviel reden. Sehen Se, jetzt zieht se die Jardinen vor." „Ach, die wird sie schon wieder ausmachen." „Wie ich sie kenne— nicht!" „Na dann werde ich'mal'ruuterjehn, auswaschen und dai.» können Se mir so in'no jnle hnlbe Slnnde abholen, Angusie; dann jehn mir noch ein bischen in die Lnft. Älber soviel safte ich Ihne», bü is se doch. Welches Mächen kansl sich denn ein Branlkleid, wenn sie nich mal'neu Man» hat?" Dann wird's wieder siill ans der Hintertreppe. Die grane Eintönigkeit schläft weiter. Tie Fliegen smmncu zäh nnd eindringlich wie vordem. Nach einer halben Slnnde hört ina» oben Thnren ans nnd zn schlagen, dann eine Frauen- ftinnne laut kreischen. Auguste läuft hochrolh und atheinlos die Treppe herunter. Ei» Arzt kommt, ein Schutzmann. Minna, die eben dabei ist, sich»inzuziehen, stiirzl mit noch seife- glänzendem Gesicht ans der Thür. „Was ist denn los, Auguste?!" „Selnia hat sich aufjehängt— an'ne Waschleme— ins Brautkleid, mit'n Kranz us!"--- Mlernrs Fenilleton. — DaS Fest der Eheleute. Vor einem Jahrhundert, an, 10. Floreal des Jahres VI der Republik, das ist am 29. April 1798, wurde in Köln auf Veranlassung der Mnnizipalverwallung ei» Fest der Eheleute veranstaltet, zu welcher republikanischen Feier der Präsident der Munizipalität I B. Fuchs die DLmoisvlles de Cologne mittels solgenden Zirkulars einlud:„Die Munizipal- Verwaltung ladet ei», an dem schönen Feste der Verehelichle» am 10. Floreal theilzunehmen. Sie ersucht Sie, nach Ihrem an- erkannten Geschmack gekleidet, i» der Farbe der llnschulo durch die Ihnen von der Natur mitgethcilten Reize und aus diesen hervor- gehende eigene Anmuth de» Zug des Festes zu verherrliche». Es »st keine Eelbstschmeichelei, lein eitler Stolz der Verwaltung, sondern nur echtes Gefühl für die erhabene, jedem empfindende» Wesen so luteressante Feierlichkeit; es ist keine drohende Forderung als gesctzmähige Macht, sondern ein billiges Begehren, bei dieser Gelegenheit de» Wunsch erfüllt zu sehe», daß die Vernunst- sreiheit aus den heitern Stirnen der Kölnischen Schönen der eingebildete» Etiquelle nolhwcndig de» Abschied gebe. Junge Bürger von edlem Anstände»nd guter Erziehung werde» S,e deflleilcn; de- scheiden werde» sie Sie begleiten; bescheiden werden sie sich bestreben, durch eine dem Gegenstände angemessene Unterhaltung Ihnen jeden Augenblick in ihrer Gesellschaft angenehm zu machen.'Ausbleiben, Entschuldigung oder sonstiges Ausweichen betrachtet die Verwaltung als Geringschätzung der Einladung, als Verachtung der bürgerlichen Feste; sie sieht es a» als eine nur der architektonischen Schönheit eigene Gesühllosigkeit. die blas in dem physische» Bilde der Schöpfung erscheint; sie wird dagegen jeder Bürgerin de» Dank des Vater- landes zollen, deren Seele frei von Vorurlheile». geschmückt mit Au- innth und Würde, ihrem Geschlechle Ehre macht; die durch zwang- lose Begleitung die Gefühle der jungen Bürger zur Erreichung des schönsten Zweckes der Natur und der menschlichen Gesellschaft höher stimmt und sie zu schöne» Thate» aufmuntert. Tie Munizipal-Ver- waltung wird Sie durch eine» Depulirten um 2 Uhr nach dem Mittag abhole» lassen."— e. Ucbrr den Schwatbcuinord an den Gestaden des adriatische» Meeres erhält die„Tribnua" von einem ihrer Leser folgende Miltheilnng: Von der Spitze des Gargano-Vorgebirges bis zum Monteconero und»ach Aucona hin hat jetzt wieder der große Bernichtungskamps gegen die Vögel aller Art, besonders aber gegen die zierlichen Schwalbe», begonnen. Ai» frühe» Morgen ziehen die sogenannten„eaeciaroH" hinaus und spannen auf dem Strandsande ihre Netze aus, die zwischen zwei Stöcken ruhen. Zn Tausenden kommen die Schwalben»nd fliegen zwilschenid in engem, geschlossenein Zuge kaum einen Meter vom Boden enlsernt auf und ab; sie sind niüde, weil sie einen weilen Weg gemacht habe», und doch sind sie voll Freude, denn das Ziel ist nahe. Die Jäger nehmen die Gelegenheit wahr und ziehen das Netz an. welches, sich halbkreisartig zusammenziehend, in einem Nil 800 bis ö(X) Schwalben fängt. Die Vögel, die den» ersten Netze entgehen, finden in einer Entfernung von lvv Metern andere Jäger und andere Netze u. s. w. So groß ist der Vogelmord, daß gegenivärtig in den Landbezirken nnd besonders in den Villen der vornehmen Leute die kleinen Vögel tagaus, tagein aus den Tisch kommen, obwohl sie als„Tafelivild" nicht den beste» Ruf haben.— Theater. Im Schiller-Theater wurde am Sonnabend das Kompagnie-Lustspiel„Blaues Blut" von Moser und Schaper gegeben. Ob Moser und Schaper. ob Moser nnd Trotha oder wie die Koinpagnons insgesammt heißen mögen, es bleibt doch immer dasselbe; nnd eine Kritik, die sich nicht zur Liebedienerei gegen Theaterdirektoren nnd Geschäftsskribente» herabwürdigt, hat mir den faden Sächelchen eigentlich nichts zn schaffen. Viele Romanleserinneii haben die Gewohnheit, erst de» Schluß der Geschichte durchzublättern; sie sind eben zu neugierig. Also sei denn auch bei der Moser'schen Komödie für die Wißbegierigen mit dem Ende begonnen. Die Geschichte schließt mit zwei Verlobniigen: Ein adliges Fräulein verlobt sich mit einen» bürgerlichen Marine- Offizier, trotzdem sie im Ansang gelobt hatte, niemals einem See- mann die Hand zu reichen. Das Publikum freute sieb diebisch, da es zu Beginn merkte, dem Mädchen sei es mit seiner Abneigung gegen die Marine durchaus nicht ernst, und der dümmste Kerl hat«in Recht sich zn freuen, ivenn er etwas richtig vorausgesehen nnd„er- rathen" bat. Aus dieser Berechnung beruhen viele Theatererfolge. Die ziveite Verlobung betrifft ein bürgerliches Fräulein nud einen adlige» Herrn. Die Bürgerliche ist mit Moneten beladen, der 'Adelige ist in Wahrheit ein Edelmann, arm, aber be- gabt und arbeitstüchtig. Der eigentliche Mann mit dem blauen Blut ist der Onkel des zweiten Brautpaares, ein Kavalier aus alter Zeil, mit altväterlichen Vorstellnugeu vom Adel, mit einem Wort einer der schnurrigen alten Herren, ivie sie Friedrich Hanse mit Vorliebe zu spielen pflegt. Es war hübsch von Herrn P a t r y, der diesen komischen Kauz mit Würde spielte, daß er uns dabei nicht mit Mätzchen k la Haase kam. Die Herrschafleu, die sonst nichts zu thun halten, als sich zu verloben, gefielen dem Publikum ebenfalls recht gut.— ff. Kit ii st. — Die letzten Vorbereiluugen für die diesjährige Große Berliner K u n st a n s st e l l u n g sind im Gange. Schon jetzt wird von der Tdätigkeit der Jury eine Thalsache bekannt, die enl- schicdencn Widerspruch herausfordert. Es solle» gegen 1500 Bilder zurückgewiesen sein. Dagegen wäre au sich geiviß nichts ein- zuwende». Eins der schlimmsten Nebel der Berliner Ausstellungen war bisher immer die Uebersülle. Aber die Art der Zusammensetzung der Jury verbürgt nicht eine vorurtheilssreie Auswahl. Es sind wieder die alten Herren von der Zuust, bei denen die Entscheidung liegt. Unter den zurückgewiesenen Bildern befinden sich Arbeiten von Waller L e i st i k o>v. dem ausgezeichneten Landschafter! lind ivie viel„Kitsch" wird die Ausstellung dafür wieder cnt- halten? Glücklicherweise habe» die Eezessionsgruppen der Müucheuer. Karlsruher. Dresdener eigene Jury, die Herren konnten also nicht alles verderben.— — Im Kunstsalon von Schulte ist eine außerordentlich interessante Ausstellung von Originale» der München er Wochenschrift„Jugend" zn sehe». Alle bekannteren Mit- arbeiter dieser illnstrirten Zeitschrift sind mit gut ausgewählte» Beiträgen vertreten. Die Originale haben bei der Ausführung in größcrem Format Feinheiten im Strich und besonders, Ivo sie ver- wendet nnrd, in ver Farbe, die der Ncprodnktio» auch bei der sorgfältigsten Ausführung entgehen. Bei den ausgestellten Blättern zeigt sich überall der Dnrchbrnch der dekorativen Ideen, die bei der Ausstellung des Verbandes der Illustratoren so. sehr zu ver- missen waren. Sie geben daher eine werlhvölle Ergänzung für das Gejaunnlbild des deutschen Jllustrationswcsens der Gegenwart.— Medizinisches. k. Der Alkohol ein Feind d e r I m m n n i s i r u n g. Daß der Alkohol die Widerstandsfähigkeit des Körpers gegen die Jusektion herabsetzt, ist längst bekannt, daß er aber auch die Jiumuni- sirung aushebt, oder geradezu unmöglich macht, hat jetzt Delearde. vom Institut Pastenr, festgestellt. Zahlreiche Experimente haben ergebe», daß die gegen Starrkramp; immunisirlen Thiere durch Alkohol ihre Junnuuität verlieren und, wenn sie alkoholisirt sind, sich nur sehr schwer immnnisireu lassen. Bei Huudsivuth verloren die Vcrsuchsthiere, wenn sie vorher immunisirt waren, ihre Jmmnnilät durch Alkohol nicht, letzlere aber trat überhaupt nicht ein, wenn während der Jmmnnisirung Alkohol gegeben wurde. Ebenso war es unmöglich, alkoholisirte Kaninchen gegen Milzbrand nnempsänglich zu machen.— Ans dem Thierlebc». dg. Vom Z(i h l e n g e d ä ch t n i ß d e r Thiere. Brehm berichtet von einer Katze, die neben ihren beiden eigenen Junge» ein fremdes ausgezogen hatte Eines TageS lies sie in die Scheuer und fing Mäuse. Die erste Maus gab sie dem einen, die zweite dem andern Junge», die dritte erhielt das Pflegekind. Die vierte Maus bekam wieder das Jung», welches die erste erhalten hatte, die fünfte bekam das andere nnd die sechste das Pflegekind. Ebenso kannte eine Maus genau die Zahl ihrer Jungen. Man hatte ihr Nest unter einem Holzstoß hervorgeholt und in eine Mütze gelhan. Ohne Furcht vor den Umsteheuden sprang sie dann impor und trug, als man es ihr hingab, das eine Junge schnell unter den Holzstoß zurück. Kaum war es geborgen, erschien sie wieder nnd forderte die anderen, die sie der Reihe nach fort- schleppte. Nach dem neunten und letzten kam sie nicht mehr zum Vorschein. Lichtenberg halte eine Nachtigall, die bis drei zählte. Er fütterte sie täglich zweimal mit drei Mehlwürmern, halte sie das dritte erhalten, so kam sie nicht mehr an die Thür. Eine Eule, die in einer Felsenhöhle ihr Nest halte, ivnßte ganz genau, wann drei Freunde, die die Höhle öfter besuchten, dieselbe wieder verlassen halten. Erst wenn der dritte wieder heranskam, kehrte sie in ihren Ba» zurück. in dessen Nähe sie sich bis dahin aufgehalten hatte. Auch die Elster hat ein gutes Zahlengedächtniß. Stehen süns Menschen ins dem'Anstand, sie zu schießen, und fehlen sie, so kehrt der Vogel nicht eher heim, als bis alle fort sind. Nur wenn über sechs Schützen dastehen, wird er verwirrt, wie Leroy das mehrere Male beobachtet hat.— Ans dem Pflanzenlebei«. —f. Eine rationelle Ausnutzung von Sumpf- l ä n d e r e i e n haben die Staaten Michigan und Indiana ein- geführt. Die sumpfioen Ländereien haben sich nämlich als unerwartet fruchtbar für die Kultivation der P f« s s e r ni i n z- p f n» z e gezeigt. Im letzte» Jahre z. B. war eine so reiche Ernte gewesen, dag dura, die auf de» Markt gebrachte Ueberproduklio» die Preise des Pfefferimnzöles fast ans die Hälfte herabgedrüctt wurden. Das amerikanische Oel wird infolge dessen jetzl nichl thcuerer bezahlt, als das japanische, was wohl eine weitere Ab- nähme der Psefferininzötproduklion in Amerika zur Folge habe» ivird, nachdem schon in den letzten Jahren die Produktion im Staate New-Iork bedenleud nachgelassen hat.— Geologisches. c.©. u eb e r einen großartigen Ausbruch des Vesuvs schreibt man aus Neapel. Professor Mattcucci theilt de» Blättern niit, daß man in der Nacht vom 15. ans de» 1K. April am Kratersanme des Vesuvs einem grandiosen Schauspiel, einer noch nie gesehene» Naturerscheinung von großer wissenschaftlicher Bedeutung beiwohne» konnte. In der Nacht vom 9. auf den 10. April brach ein Theil der südliche» Wand des großen Kraters zusammen und stürzte in die Tiefe, wodurch die Kraleröffnung eriveitert wurde. Die Eteinlrümmer verstopften den Zugang zu dem eigentlichen Vulkan. Die aus dem darunterliegende» Lavabecken kommende Hitze machte die Steine weißglühend, wodurch der Flammenglauz weit intensiver wurde als gewöhnlich. Kleine Flämmche» von 2 Meter Höhe, von herrlicher blauer und grüner Färbung, wurden entseffelt. Die größte Thäligkeit zeigte sich in der Zentralregiou des Krater- grundes. Dort bahnte sich durch die vollständig glühenden Stein- massen eine nngehettre Flammengarbe«inen Weg, die mit surcht- barer Gewalt nach außen getrieben und von einem donnernhnlichen Geräusch begleitet war. Die Fenerzungen, die eine Höhe von SO Metern erreichten, waren meist von gelblicher Farbe. Die Eruption, die am 11. April begann, hatte am 16. April ihren Höhe- punkt erreicht.— Technisches. — Ueber die ZI d d i t i o n s m a s ch i n i n, die schon seit längerer Zeit im Postamveismigsdienst mit Erfolg gebraucht werde», ent- nehmen wir der.Dt. Berkehrsztg." folgendes: Die Maschine trägt oben ein Griffbrett mit 9 Reihen zu je 9 Tasten. Die beiden äußersten Reihen nach rechts sind für die Einer und Zehner der Pfennige bestimmt, die dritte Reihe ist für die Einer, die vierte für die Zehner, die fünft« für die Hunderter der Mark ic. vorgesehen. Sollen beispielsweise die Beträge 357 M. 29 Pf. und 34 M. 63 Pf. addirt werden, so wird zunächst der erste Betrag derartig ans die Maschine gebracht, daß— beginnend bei der fünften Zahlenreihe von rechts— die Taste», 3, 5, 7, 2 und 9 niedergedrückt werde». Die nieder- gedrückten Tasten bleibe» vorerst in der gegebenen Lage, wodurch man kontrolliren kann, ob richtig gedrückt worden ist. Hierauf wird eine Vorwärtsbewegung der an der rechte» Seile der Maschine befindlichen Handkurbel ausgeführt. Die Kurbel- bsivegnng bewirkt, daß der Betrag von 357 M. 29 Pf. ans einen Papierstreifen abgedrückt wird, der sich an der Rück seit« der Maschine befindet. Jetzt wird die Handkurbel- wieder loSgelaffe»; sie lehrt in die ursprüngliche Lage zurück, die niedergedrückte» Tasten schnellen in die Höhe, und der Additionsmechanismus innerhalb der Maschine wird auf die vorher angegebene Zahl gestellt.— Bei dem zweiten Betrage(34,65 M.) werden die Tasten 3. 4, 6 und 5 in den entsprechende» Reihe» niedergedrückt. Eine Bewegung der Kurbel nach vorn bewirkt, daß die Zahlen auf dem Papierslreifen, und zwar unterhalb des ersten Betrages niedergeschrieben werden, und daß die Addition mit der ersten Zahl(357,29 Pf.), und zwar zunächst nur innerhalb der Maschine stattfindet. In gleicher Weise werden die sonstige», znsanimenzu- zählenden Beträge behandelt. Um die Summe ans dem Papierstreifen erscheinen zu lassen, wird eine doppelte Knrbelbewegnng ausgeführt, und dabei der Bügel an der linken Seite des Grlssbrettes nieder- gehalten. Durch eine hinten an der Maschine angebrachte Schneide- Vorrichtung kann der beschriebene Theil des Papierstreiseus leicht abgetrennt werden. Eine große Erleichterung gewährt die Maschine dadurch, daß die Nullen nicht gedrückt zu werden brauchen. Lautet eine Postanweisnng auf 399 M. 19 Pf., so sind nnr in der fünsten und zweiten Reihe(von rechts) die Tasten 3 und 1 zn drücken; aus dem Papierstreifen erscheint alsdann die Angabe 399 19. Ebenso find Postanweisungen gleichen Betrages, wie sie im Verkehr mit Lotteriekollekteuren n. s. w. viel vorkommen, mit großer Leichtigkeit niederzuschreiben und zu addiren, indem der Betrag nur durch ein- maligen Tastendruck gebildet zu werden braucht, da bei Benutzung des ans dem Griffbrett rechts befindlichen Bügels der Betrag bei wiederholter Bewegung der Kurbel so oft geschrieben und addirt wird, als Postanweisungen dieses Betrages vorhanden find.— ie. Die Frauen i n der Elektrotechnik. In den Vereinigten Staaten beginnen die Frauen sich auch in dem Gebiete der praktischen Anwendung der Elektrizität zu bethätigen. Eine der Damen, die eine derartige technische Ausbildung genossen habe», be- findet sich gegenwärtig in einer sehr verantwortlichen Stellung bei der Westinghouse-Gesellschaft. Eine andere Dame, die aus den Süd- staaten stammt, hat sich als Elektro- Ingenieur und Unternehmer niedergelassen und soll an Fachkenntniß und Unternehmungsgeist keinem ihrer männlichen Kollegen nachstehen. Eine dritte Frau be- kleidet in Ohio«ine hervorragende Stellung als Verwalterin einer einträglichen elektrische» Bah», trotzdem sie sich erst in einem Alter von 29 Jahren befindet. Im Staate New-Iork ist eine Fran beim Verlegen elektrischer Drähte beschäftigt, und New-Jersey besitzt«ine» weiblichen Führer sür elektrische Straßenbahnwagen.— Humoristisches. — Selbsteinschätzung. Ein Herr fiel bei einer Kahn- fahrt ins Waffer und wurde von einem Schiffer mit eigener Lebens» gefahr gerettet. Er gab seinem Retter als Belohnung— eine Mark. Als die Umstehenden nun ihren, Unwillen Ausdruck gaben, meinte der Lebensretter:.Was wollt Ihr? Muß er nicht selost am besten wissen, wieviel seine Haut werth ist!*— — Einfach schön. In dem Roman.Die Heimkehr" von O s s i p S ch u b i n findet sich auf Seite 4 und 5 des zweiten Bandes folgende Stelle:.Sie hat ein verblühtes Madonnengesicht. trägt Scheitel und macht in Wohlwollen und Sentimentalität. Ihr ganzes Wesen dampft förmlich von Jdealismns. jenem sterilen. schwnnglosen Jdealismns, der, wenn er kann, ans der Ironie den Stachel sammt dem Witz herausreißt, andererseits nichl ungern der Begeisterung hemmend in die Flügel greift, und der de» gesponnenen Zucker seiner süßlichen Weltanschauung mit ruchloser Unparteilich» keil gleichermaßen über Ananaskompott und Schweinebraten hin» zieht."— — Im Wiener Wald.»Halt! Stehen geblieben und nicht gerührt!" .Jessas! Sa» denn Sö a Raiiber?" „Nein, Amateur-Phvtograph, der eben die Gegend auf- nimmt."— Vermischtes vom Tage. — Die namhaftesten Konservenfabriken Tenlschlands haben die Preise sestgesetzt, die sie dieses Jahr sür Gemüse zahlen werden. Prima-Spargcl(pro Stange nicht unter 49 Gramm wiegend und 25 Stangen gleich ei» Kilogramm), wird mit 47 M. der Zentner, IIa Spargel,(25 Gramm pro Stange wiegend) soll mit 33 M. und Spargel dritter Güte niit 18 M. der Zentner bezahlt werden. Für de» Zentner Erbsen sind 8,5 M., sür den Zentner Bohnen 4 M. zn entrichten. Die Bohnen wurden bisher mit 5 M. der Zentner bezahlt.— — Der Dramaturg des Thalia- Theaters in Hamburg. Wulff, der in einem Zlnsall vom Gemüthsleiden Hamburg verlirß und seitdem in de» hannoverschen Waldungen umüerirrte, ist jetzt aufgesiinden worden. Er ist vermnthlich einem Gehirnschlage er» legen.— — In der Nähe der Stadt G e r i n g s w a l d e bei Chemnitz wurde die zwanzigjährige Tochter eines Slrcckenarbcitcrs erniordel anfgefunde». Die Leiche war in ähnlicher Weise verslümmelt, wie unlängst das todte Mädchen in der Hasenhaide.— — In P f a s f e» h o f e n(Bayern) schlug ein K.ch». in dem sich 6 Knaben befanden, um, 2 Knaben ertranken.— — Eine 79 jährige Näherin wurde iu Kastenmann bei Moosburg nachts beraubt lind ermordet.— — In Lauf(Bayer») erschoß ein Chemiker, der seit Jahren in No!h lebte, seine achtzehnjährige Tochter, dann seine Frau und zuletzt sich selbst.— — Ein schreckliches Unheil ist der.Pfalz. Preffe" in Kaisers» l a u t e r n widerfahren. Sie schreibt:.Der Verleger unserer Zeitung ist seiner a»gegriffe»eii Gesundheit wegen zur Zeit von hier abwesend. Er bedauert, wie er uns mittheill, daß das Inserat betreffend die Revolntionsfeier mit Dr. Q u i d d e als Festredner in den Spalten der„Pfalz. Preffe" Aufnahme fand. Die sür Freitag vorgeschrieben g e» weseue zweite Publikation habe« wir deingemäß unter» lassen."— — Der Direktor Mahler ließ in der Wiener Hofoper durch Plakate alle störenden Beifalls- oder Mißsallsäußerniigen untersagen. Einige Besucher der Gallerte, die zwei Sängern trotz- dem Ovationen bereitete», wurden durch D e l e k t i v e s heraus- gerufen und verwarnt. Ein Postbeamter wurde zur Polizei gebracht.— — In Wiener-Nenstadt wnrden einem Polizeiofsizier Zigarrendiebstähle nachgewiesen. Er ist flüchtig geworden.— — Im städtischen Krankenhause z» C tu h l w e i ß e n b n r g brach in der Nactit Feuer aus. Eine Kranke starb infolge des Schreckens. Zwei Feuerwehrleute erlitten schwere Verletzmigen.— — Während eines Sturmes kentert« gegenüber Belt-Jsle (Frankreich) die Fischerschaluppe„Elel". Nur der Eigeiilhüiiier deS Bootes wurde gerettet, die übrigen sechs Insassen verwickcltcn sich in die ansgcworsenen Netze und ertranken.— — Zwei große, mit etwa 39 Personen besetzte Wagen stießen in Paris mit der Dampfslraßenbahn zusammen. Die meisten Insassen der Wagen wurden auf die Straße geschleudert, zehn schwer verletzt.— — Eine Herzogin von UzäS in Paris ist schon eine groß« Jägerin vor dem Herren, sie bildhanert, malt, schrislstellert, schau- spielert ic. Jetzt wirst sich ihr Ehrgeiz ans das Fahren mit Motorwagen. Sie will vor der betr. Kommission ein Examen ablegen, um den Motonvagen eigenhändig durch die Straßen von Paris führen zu dürfen.—_ Verantwortlicher Redakteur: August Jarodcy in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing iu Berlin.