Hlnterhaltungsblatt des Horwärls Nr. 103. Freitag, den 27. Mai. 1898 (Nachdruck verboten.) ez Die Sulumfisfuolzen. Von Georg Hermann. (Schluß.) „Nicht weinen. Mausi! Nicht weinen!... Nein? Nicht weinen!... So so so... nicht weinen... so so so... Mausi... ich hatte Dich ja... Du bist... hörst Du? Du... ich habe die ganze Zeit darüber nachgedacht... Nicht? Du bist... jetzt... meine Frau... Wir haben Hochzeit gemacht, ja. die Leute haben zwar gesagt... aber, Mausi... Du weißt doch... wir haben Hochzeit... Der da..." er zeigte auf mich,„war auch noch da, er hat Wein getrunken, Wein... so viel Wein... und Bier... Du bist... jetzt... meine Frau, Mausi... komm her zu mir... Du mußt jetzt bei... mir... bleiben... Du sollst nicht weggehen!... Unser Kind... Mach das Fenster auf... es ist so---" Das Mädchen warf sich über ihn und schrie. Ein Schrei war es, durchdringend und kläglich, wie nächtens Lokomotiv- pfiffe durch stille Straßen gellen. Als ich sie von einander trennte, war er verschieden. Das Mädchen konnte ich nicht davon überzeugen, daß er todt war. Sie rieb ihm Brust und Schläfen mit Wasser, rief ihn an, schüttelte ihn, weinte und lachte wie eine Irrsinnige. Nur mit Mühe und nach langem Zureden konnte ich sie ein wenig beruhigen. Mit dem Zimmer war plötzlich eine merkwürdige Ver- ändcrung vorgegangen, jene große Ruhe, welche jeder Todte ausstrahlt, hatte sich eingestellt. Jenes eigcnthümliche Nach- hallen der Geräusche, das bange Tönen und Klingen der Stimmen, das geheimnisvolle, beängstigende Knistern und Wispern der todten Ruhe. Ich ging, einen Arzt zu holen.— 25. Mai. Im Bureau brachte am nächsten Morgen die Neuigkeit eine fünf Minuten währende Panik hervor. Jeder Ankömm- ling wurde schon an der Thür begrüßt. „Wissen Sie, Lintrow ist gestorben." „Lintrow? Was Sie sagen? l Unmöglich!" „Ja, Lintrow! Gestern Nachmittag um sechs." „Und natürlich gerade jetzt, fünf Minuten nach dem Ersten, wo nian nicht'mal einen anständigen Kranz kaufen kann, weil kein Mensch mehr Geld hat. Das sieht ihm wirk- lich ähnlich!" Nur Lorenz,.Klütoer und der Lieutenant zeigten sich ein wenig ergriffen. Der alte Herr sprach den ganzen Tag über fast garnichts, ließ eine Liste für den Kranz umlaufen und trank still eine Flasche nach der anderen in sich hinein. Er lebte seit dem Zehnten des Monats schon wieder beim Ober- kellenneistcr aus Pump und saß tief bis über beide Ohren in der Kreide. 27. Mai. Der Kranz war ein weißes Wagenrad und auf der Atlas- schleife stand in Goldschrift: „Ihrem treuen und unvergeßlichen Mitarbeiter Ernst Lintrow. Die Kollegen. Ruhe sanft!" Er kam, wie vorauszusehen, erst im letzten Augenblick; zehn Minuten später, und Herr Lintrow wäre ohne die Zukunstsfrohen begraben worden. So waren sie aber noch fast vollzählig erschienen, ein ganzer Wald ehrwürdiger Cylinderhüte war plötzlich neben der offenen Gruft auf- gewachsen. Man sah ernst zu Boden und lauschte dem jungen Prediger, der in einer kurzen Rede dem Verblichenen ein ganzes Heer von Kardinaltugenden andichtete, daß, wenn er auch nur knapp die Hälfte davon besessen, sie ihn schon zum unausstehlichsten aller Mustermenschen gemacht hätte. Nach der Beerdigung umringte man das Mädchen, schüttelte ihr die Hand, und trotzdem sie alle um ihr Ver- hältniß zu dem Verstorbenen wußten, war auch nicht einer, der sie nicht mit„Frau Lintrow" angesprochen hätte. Gerade über vom Kirchhof war die Destillation„Zum Trauerseidel", und nach einer Viertelstunde fanden sich die Zukunftsfrohen dort ein. Sie hatten vorher bestimmt, nicht mit Hurrah in ge- schlossencr Abtheilung das Bollwerk zu stürnten, sondern in Plänklerketten und langsam von verschiedenen Seiten her Besitz zu ergreifen, wer zuerst anlangte, sollte dem Wirth ausrichten, er möge nur iininer Tische zusammenstellen, es kämen noch mehr. Das erste Glas spülte man still und ernst hinunter; der eisgraue Heilige klopfte mir auf die Schulter und sagte weh- müthig: „Wissen Sie, junger Freund, das Beste ist, man hängt sich auf und geht dann unter die Affen. Seitdem der Tod auf der Welt ist, ist ja kein Mensch seines Lebens mehr sicher I" Bei dem zweiten Glas wich die Spannung. Man kam darin überein, daß Lintrow nur aus Bosheit gerade jetzt gestorben wäre. Er hätte ganz gut noch warten, oder wenn es durchaus sein mußte, es zehn Tage früher ab- machen können. Der Kranz wäre ja garnichts gewesen: Wie Pasemann aus dem Zentralbureau gestorben ist, da hätten Sie'mal den 5kranz sehen sollen! Der Sekretär von der Abtheilung B. hat gesagt, so einen Kranz wie den Kranz hat er überhaupt noch nicht gesehen. Der kleine Lorenz erzählte eine lange enffetzliche Ge- schichte, wie er einst dabei war, als sie jemand lebendig be- graben haben. Hubert, der schon vorher des Guten zuviel gethan, schalt auf die Predigt und rief über den Tisch:„Nicht, Pastor, Du hättest uns eine bessere Rede gehalten?" Der Angeredete überhörte die Frage. Der Doktor und der Lieutenant waren bei einem eifrigen Gespräch über Be- festigungswesen ins Feuer gekommen, und jeder nannte den anderen einen krassen Ignoranten. Hubert wurde immer unverschämter. „Wissen Sie, das Mädchen hat mir sogar recht gut ge- fallen! Glaubst Du, daß da was zu wollen ist, Klüwer.." Im nächsten Augenblick ein wüstes Durcheinander. Ein Tisch fiel um, Bier lief über die Dielen, Scherben klirrten; alle sprangen auf, aber da lag auch schon Hubert trotz seines Sträubens und Um-sich-schlageus mitten auf dem Bürgersteig. Klüwer hatte nichts abbekommen, doch dem Wirth, welcher schlichten wollte, blutete die Nase. Der Oberkellermeister hatte einen Hieb ins Auge erhalten. „Was war denn los? Wie kam denn das?" „Dieser freche Beugel erlaubt sich Redensarten über das arme Mädchen!" „Ich, an Ihrer Stelle, Herr Klüwer, ich hätte den Burschen ja dczimirt!" schreit der kleine bucklige Lorenz und schlägt mit der Faust auf den Tisch. AlleS pruscht los, lacht, lacht, und selbst der Wirth hält sich trotz seiner blutenden Nase den Bauch.— 28. Mai. Wenn jemand eine Stelle verlassen hat und nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werdet: kann, sieht man doch erst, was für ein schlechter Mensch er war.„Ich würde es ja nie von Lintrow geglaubt haben, daß er so viel Fehler machen könne." Selbst Aktenstücke, die �er'sein Lebtag nicht gesehen, die in ganz andere Rayons gehörten, hatte er mit Fehlern gespickt... 3. Juni. Der Tag der Entlassung kam heran, die Quittungen waren unterschrieben, und jeder erklärte, daß er zum aller- letzten Mal in einem solchen Bureau gearbeitet hätte. Der Doktor wollte eine Fabrik zur Ausnutzung seiner Er- findungen erbauen. Es war alles fertig, nur der Geldmann fehlte noch. Doch es war ja eine Kleinigkeit, den zu cnt- decken, er könnte schon morgen zehn für einen bekommen. Der kleine Pastor gründete eine periodisch erscheinende ethische Zeitschrift, welche zugleich die Bestrebungen der Temperenzler unterstützen sollte. Klüver und Lorenz traten ihre Stellungen an. Der Lieutenant bezog einen Jngenieurposten; der Ober- kellermeistcr eröffnete eine Kneipe am Wedding. Und Hoffburg, ja, Hoffburg wurde Journalist. Heute rührt kaum noch jemand eine Feder an, doch der Oberkellermeister bleibt in einem Lausen, so viel Bier m»d er hcranschleppen.--- r Hubert ist schon angetrunken in den Dienst gekommen, er geht zwischen den Tischen auf und nieder und giebt Kraft- Proben im Stühlehanteln und Händedrücken. Der kleine Lorenz seufzt. „Aber Lorenzchen?" „Ach! Ich denke nur so nach. Die fünfundsiebzig Mark, die man hier bekommt! Da bade ich früher meinem jüngsten Laufburschen niehr gegeben. Und dafür schuftet man sich nun den ganzen Monat ab. „Na, es war ja das letzte Mal... Werden wir denn heute nicht früher entlassen? Wie ist denn das?" „Ich werde doch mal den Sekretär fragen." Der kleine Lorenz humpelt in das Nebenzimmer. „Verzeihen Sie, Herr Klüwer, was gedenken Sie eigent- lich zu unternehmen?" „Ich komme in die Registratur der Zentralkasse, ich habe gestern Bescheid erhalten; aber sagen Sie ja nichts Herrn Lorenz, dem habe ich eingeredet, ich trete eine Buchhalter- stelle an." „Nicht ein Wort, Herr Klüwer." Der kleine Herr kommt wieder. „Nun?" „Sowie das Geld da ist, es ist ja doch nichts mehr zu thun:— es muß jede Minure von der Kasse hier sein." Klüwer erhebt sich, um Frieden zu stiften, denn Hubert hat soeben in einer Ecke mit Herrn Hoffburg einen griechisch römischen Ringkampf mit Griffsuchen begonnen. „Oberkellermeister, bringen Sie mir doch einmal eine Flasche Bier I Ja?" Lorenz wendet sich an mich:„Man wird leichtsinnig, wenn man soviel Geld erwartel." „Entschuldigen Sie, Herr Lorenz, was werden Sie jetzt beginnen?" Der kleine Herr winkt mich zu sich heran und sagt mir ganz leise ins Ohr: „Ich komme in die Registratur der Zentralkasse; gestern haben sie mir geschrieben; aber sagen Sie keinem etwas, am wenigsten Herrn Klüwer, dem habe ich erzählt, ich werde Disponent bei Bleichröder." „Nicht ein Wort, Herr Lorenz..." ** * Die Welle, die sich hier einige Zeit gestaut, schlug auf die Düne, zersprang in Tropfen. Die Zukunftsfrohcn zerstoben in alle Winde.— Der arme Lintrow hätte sich keine schlimmen Gedanken um sein Kind machen brauchen. Es war wie Lessing's Sohn ein außergewöhnlich kluger Junge. Erst wollte er nicht aus die Welt, mit Zangen mußte man ihn holen, und als er end- lich hier war, machte er schnell, daß er wieder fortkam und— nahm die Mutter mit.— (Nachdruck verboten.) ..... In Summa, die grüne Petersilie ist ein Gewürz, so allen Speisen einen sehr guten Geschmack giebt, auch zu allen ge- brauchet wird, sowohl wegen des guten Geruchs wie wegen ihrer Farbe." Solche Würdigung dieses schmucken Kiichcnkrauts finden wir in einem alten Kochbuch, das im Jahre 1716 herauskam, und man thut wohl nicht Unrecht, wenn man behauptet, daß die Gunst, deren sich die Petersilie damals erfreute, nicht nur nicht nachgelassen, sondern sogar zugenommen hat. Was für ein Gericht auch ans der Küche her auf deii Tisch wandert, fast immer spielt die Petersilie bei der Zurichtung eine Nolle. Wenn man auf das seingeästete, zierliche grüne Blatt mit seinem Bestandtheil an ätherischem Oel verzichten zu können glaubt, so nimmt man Zuflucht zu der kräftigen Wurzel mit ihrem energischer wirkenden Geschmack. Der charakteristische Wohlgeschmack, den die Petersilie den mit ihr angerichteten Speisen verleiht, quillt vorwiegend aus einem sehr feinen ätherischen Oel, das in den krautartigen Blättern enthalten ist. Der Gehalt an diesem Oel ist überaus winzig, aber er wirkt doch so intensiv, daß eine nicht völlig theilnahmlose Zunge stets sein Vorhandensein errathcn wird. Uebrigens ist die Kultur der Petersilie als esnes Küchengewächses uralt. Griechen und Römer begnügten sich freilich noch ausschließlich mit der in wildem Zustande vorkommenden Pflanze, aber schon zur Zeit Karls des Großen wanderte die Pflanze in den Küchengarten, um hier sorgfältigster Kultur theilhaftig zu werden. Im Jahre 1070 wird sie als sehr wesentlicher Faktor unter den Küchenkräutcrn erwähnt, die das Kloster Hirsau in Württemberg in sorgfältigster Pflege aufzieht. Man darf wohl annehmen, daß sie zu jener Zeit bereits überall in der Küche der.Kulturnationen Europas Berwcndung fand. Nur John Bull mag sich zuerst ganz und gar nicht mit ! dem schmucken Küchengrün befreunden. Im Jahre 1B48 : gelangte es aber schließlich doch von Sardinien aus auf leinen Tisch, und seitdem hat es sich denn auch genügend in den Gärten des Dreiinselreiches eingebürgert. Etwa seit jener Zeit aber ist die Petersilie in ganz Europa das allgemeinste und auch wohl beliebteste aller Küchenkräuter geworden. Selbst in der verhältnißmäßig kurzen Zeit, da sich die ' Petersilie als Küchengewächs einen Platz zu erobern verstand, hat 1 die Kultur bereits zwei ganz verschiedene Spielarten zu stände ge- bracht. Es ist dies die Schnittpetersilie mit gekrausten � Blättern und die Wurzelpetersilie, deren Bätter platter, breiter sind. Von der ersteren kommen nur die Blätter der Würze halber in Verwendung, während man es bei der letzteren, wie schon der Name besagt, vorwiegend auf die Wurzel abgesehen hat. Diese ist dick, reich an Fleischgehalt und nicht selten sogar 60 Zenttmeter lang. Wir auf deutschem Boden legen zwar aus die Wurzel im allgemeinen keinen zu hohen Werth; höchstens daß die Hausfrau sie bei manchen Speisen als würzendes Beiwerk verwendet. Und auch l dann wird sie das Maß dessen, wovon sie etwa Gebrauch macht, stets mit hinreichendem Bedacht in Erwägung ziehen, weil- der süß- lichc Geschmack der Wurzel doch aui die Länge ermüden möchte. Bei anderen Völkern dagegen gilt das Pciersilienwurzel-Gemüse für ein Gericht, das vollkommen selbständig servirt und mit großem Behagen verzehrt wird. In Frankreia. spielt es sowohl in den Familien als auch m öffentlichen Speisehäusern eine sehr beachtens- wertbc Rolle. Man kann der Petersilie nicht gedenken, ohne gleichzeitig vor : ihrer gefährlichen Verwandten zu warnen, der so gifttgen Schierlings- stände. Diese wächst überall, sowohl in Gräben oder nahe bei Teichen und Bächen als auck> auf dem Gartenboden, der unserer ■ Petersilie am zuträglichsten ist. Im allgemeinen kennt man den � Schierling als Wasserschierling. der nahe bei Bächen und Gräben. als Flcckenschierling, der in Hecken, und als sogenannten kleinen � Schierling, der vorzugsweise in der Gartenerde gedeiht. Am ge- fährlichstcn ist Ivohl der erstere; der aus ihm gewonnene Saft war es, durch den Sokrates den Tod fand. Die Wurzel, groß ' wie eine Rübe, ist durch Querräume gethcilt, in denen das Gift zumal reichlich vorhanden sein soll. Die zweite Art hat ihren Namen von den Flecken, die bräunlichroth an Stengeln � und Blättern angebracht sind. ES ist dieS ein scharf ausgeprägtes . Kennzeichen der Pflanze; die Spitzen an den Blättern nehmen sich bei ihr so aus, als ob sie durch eine Flamme versengt seien. Auch diese SchierlingLart ist stark giftig: Thiere halten sich instinktiv von ihr fern; ein widerlicher Geruch, der von ihr ausgeht, warnt sie vor dem todbringenden Gclmß. Vor dem kleine.. Gartenschier- ling, der auch Hundspetersilie genannt wird, muß sich zumal der Mensch hüten. Diese Art ist um so gefährlicher, als sie besonders gern sich als Unkraut unter die Küchcnpetersilie zu mischen pflegt. Glück- sicherweise giebt es ein sicheres Mittel, durch das man diese von ihrem so gefährlichen Verwandten zu unterscheiden vermag. Zerreibt man nämlicki einige Blättlein der Petersilie, so duften sie würzig,_ mit angenehmem Aroma, der Folge des bereits erwähnten ätherischen Oeles; um so widerlicher aber ist der Geruch, den ein auf gleiche Weise behandelter Schierlingsstengel ausströmt. Auch dem Aussehen nach vermag man bei einiger Uebung die beiden Pflanzen durchaus sicher zu unterscheiden. Die Blüthe der Petersilie ist grünlichgelb, die des Schierlings weiß. Unter jedem Blüthenstande, den diese ansetzt, befinden sich drei Deckblättchen, die, sehr lang und schmal, beinahe senkrecht abwärts hängen; bei der Petersilie zeigen diese Deckblättchcn ein fast verkümmertes Aussehen. Wer schließlich in die Erde gräbt, kann sich ganz und gar nicht täuschen: denn die Wurzel des Schierlings, selbstverständlich des Gartcnschicrlings, bleibt, entsprechend der Stärke des Stengels, allzeit dünn, während man bei der Petersilie doch jene vollen, fleisch- Halligen Wurzeln sucht, deren die Hausfrau meistentheils für ihre Fleischsuppen und hin und wieder auch bei manchem Fischgericht bedarf „Peterlein von Alexandrien"— das ist der Name, den unsere Gartcnpetersilie das ganze Mittelalter hindurch in den Kräuter- büchern führt. Man glaubte nämlich, die Pflanze stamme aus jener Stadt Nordafrika's, von wo aus Kreuzfahrer sie erst nach Deutsch- land, überhaupt nach Europa gebracht hätten. Im Sonimer zieht sich wohl fast jede Hausftau, die über ein Stücklein Gartenerde verfügt, ihre Petersilie selber. Diese will recht dünn ausgestreut sein und kanii, was den Platz bettifst, auch als Zwischen- frucht zwischen anderen Gemüsearten gesät oder gepflanzt ivcrdcn. Sehr hübsch niacht sich Petersilie, zumal die schmucke, krausblättrige, als Einfassung für Beete. Das satte Grün hebt sich äußerst ge- schmackvoll von dem etwaigen bunten Blumenflor ab, der die Beete selber füllt. Um so größer ist die Sorge im Winter, zumal in einem Haushalte, der auf dieses Küchcngewürz den richtigen Werth legt und seiner nicht gern bei der Zubereitung der Speisen entrathen mag. In manchen Familien hilft man sich, indem man die Stengel noch in der guten Jahreszeit schneidet, an heißer Stelle trocknet,� in Pulver zerreibt und inFlaschen, die natürlich fest verkorkt werden müssen, aufbewahrt.'So hergerichtet, behält sie ihr Aroma und leistet im Winter, wenn der Boden erstarrt oder gar in Schnee gehüllt ist, erhebliche Dienste. Auch noch auf andere Art kann man sich, wenigstens auf mehrere Tage hinaus, den aromatischen Geschmack der Petersilie und ihren grünen Farbcnton sichern: man zerlasse ein Stück Butter auf mäßigem Feuer, schütte die gewiegte Petersilie hinein und gieße diese Mischung, nachdem sie einige wenige Male aufgekocht, in ein' Töpfchen oder Näpfchen. Solche Petersilienbutter hält sich, an richtiger Stelle aufbewahrt und immer gut zugedeckt, recht wohl ein bis zwei Wochen. Der Theil, dessen man bedarf, wird kurzweg herausgestochen. Auch im Winter ist es nicht mit Schwierigkeiten verknüpft, dieses Küchenkraut allzeit grün bei der Hand zu haben. Man braucht nur im Keller einen etwas hellen Platz zu wählen und hier eine Anzahl Wurzeln pyramidenförmig in Sand ein- zuschlagen. Bald keimen oben zierliche kleine Triebe, die höher und höher steigen und mit gekrausten Blättlein gekrönt sind. Auch in der Küche kann man sich ein solches Petersiiienbeet anlegen; eine etwas große Schüssel oder Holzkiste geben den geeigneten Platz dafür ab. Nothig ist nur, daß der Sand stets feucht lei; den Sonnen- strahlen oder wenigstens dem Licht soll man immer reichlich Zutritt zu diesem primitiven Kräutergarten verstatten. Ja, nicht einmal die ganze Wurzel ist zur Anlage durchaus nothwendig. Die Hausfrau schneidet, wenn sie Petersilienwurzeln in der Küche verwerthet, die Köpfe ab und stellt diese in einen mit Wasser gefüllten Blumentopf-Untersatz. Bald grünt es hier so üppig. Stengel an Stengel, Blatt an Blatt, als ob ein wirkliches Petersilienbeet in den Küchenraum verpflanzt worden. Wem damit nicht genügt ist, den: sei das folgende Ver- fahren angerathen. Man bestelle sich beim Töpfer em irdenes Gefäß von etwa 30 Zentimetern Höhe und einem unteren Umfang von nahezu 70 Zentimetern. Oben soll es sich ein wenig verengen, während seitwärts ringsum vier Reihen Löcher angebracht werden mögen. Im Herbst oder Winter, wenn die frische Petersilie knapp ist, lege man, zwischen Erde gebettet, kurze Wurzeln in den Topf, und zwar derart, daß stets der Kopf derselben dicht an je eine Oefinung gebracht wird. Der Topf ist dann völlig mit Erde zu bedecken und von Zeit zu Zeit zu begießen— aber nicht etwa in übertriebener Weise, da sonst die Wurzeln leicht in Fäulniß übergehen. Binnen kurzen? gucken aus jeder Oeffnung grüne Triebe, die dann hervorsprießcn und das ganze Gefäß wie mit einem Kranz von gekrausten Blättlein umzirken. In solchem Küchengärtlein geht die Petersilie niemals aus. Sobald ein Stengel abgepflückt ist. drängt sich schon der andere neugierig hervor. Uebrigens braucht dieser Pctersilienkranz durchaus nicht in die Küche verwiesen zu werden. Auch im Zimmer, am Blumenfenster kann er sich jederzeit blicken lassen; ja er schlägt mit seinen reizenden, zier- lichen Blättern und dem vollen satten Grün manche andere Pflanze, die hier ihren Platz findet, siegreich auS dem Felde.— S i l v e st e r Frey. Nleines Fvulllefon. — Ick. Sport. Im Westen. Durch einen weiten, kiesbestreuten von Neubauten umgebenen Platz ziehen sich meterhohe Gitter. In den durch diese Gitter gebildeten Abtheilcn bewegen sich hell- gekleidete Frauen, junge, unentwickelte mit offenen Haaren, ältere, mit ruhigerem Auftreten. In einer Ecke ttimmeln sich Radfahrer. Alle Frauen haben die glatten, ungettübtcn Gesichter jener Men- scheu, die nicht den Kampf ums Dasein mitkämpfen müssen. Ein Herr komnit den schmalen Gang zwischen den Gittern herunter. Er hat den offenen, kühlen Blick der Aerzte. Er grüßt mehrere Damen. Sie rufen ihm freundlich lächelnd zu:»Guten Tag, Dottor!" Vor dem letzten Abthcil bleibt er stehen. Eine über- schlanke, blasse Dame spielt dort mit einem jungen Rkann Lawn Tennis. Mit lässigen Bewegungen fängt sie die ihr zugeschlendcrten Bälle auf und schlägt sie wieder zurück. Kaum, daß sie einen Schritt zur Seite springt, um vorbeisauscnde Bälle aufzufangen. Die zur Erde gefallenen mutz ihr ein kleiner Junge reichen, der von dem Hin- und Herlaufen und dein fortwährenden Bücken ganz athemlos ist. Sein rother, struppiger Kopf folgt mit einer gewissen Angst den fliegenden Bällen. Der Arzt schüttelt den Kopf. Dann sagt er mit klarer Stimme: »Guten Tag. gnädiges Fräulein!" Das Fräulein sieht sich um, kommt laugsam näher und begrüßt ihren Arzt. Der Junge lehnt sich müde an das Gitter, auf den Gartcnstuhl darf er sich nicht setzen; der ist nur für das gnädige Fräulein. Der Arzt schüttelt abermals den Kopf:„Gnädiges Fräulein! Sie erfüllen meine Vorschriften nicht— also kann ich auch nicht für den Erfolg der Kur garantieren."„Wieso?" fragt sie mit einein herrischen Aufwerfen des Kopfes.„Erstens tragen das gnädige Fräulein immer noch ein Korsett." Das Fräulein, das trotz des Spieles, trotz der Hitze, die über dem baumlosen Platz brütet, immer noch bleich und fahl geblieben war, crröthct:»Aber Herr Doktor.. Das schickt sich doch nicht I" Er fährt ruhig fort:„Und glauben Sie, das elegante Tuchklcid mit dem hohen Spitzenkragen thur Ihnen gut beim Spiel?"„Aber, Herr Doktor! Sic vergessen ganz, was ich meinem Stand schuldig bin... Ich bin die Gräfin Oberweide I" „Ein Waschkleid, eine helle Bluse würde Ihrer Gesundheit zu- träglicher sein. Vor allem dürfen Sie keinen so hohen Kragen tragen."„Und mein Hals?" Der Doktor lächelt verbindlich:„Uebcr einen hohen Hals einer hohen Person wird niemand spotten. Vielleicht wird er sogar dann Mode... Und vor allem, sehen Sie sich einmal die Frauen dort hinten in dem Neubau an, die die Fenster putzen. Wenn die sich bewegen müssen, machen sie ganz ungeniert vorn ihre Taille auf und krempeln die Aerniel auf..." „Aber diese Frauen..." „Diese Frauen werden auch nicht bleichsüchttg I" Ein kritischer, herber Zug zeigt sich um seinen Mund.„Und dann haben Sie sich auch da einen Jungen genommen. Der muß Ihnen ja die ge- sundeste Arbeit abnehmen. Müssen Sie denn auch die dumme Mode der Andern mitmachen?" Sie blickt ihn verzweifelnd an:»Aber ich... ich kann mich doch nicht fortwährend bücken?... Ich soll jetzt gar noch das Bücken lernen?"-- — Eine Zeitnngsstatisttk wird in den„Berk. Pol. Nachr." ver« öffentlicht. Von den 3405 täglich, mehrmals oder mindestens einmal wöchentlich erscheinenden Zeitungen, welche am 1. Juli 1897 im Reiche gezählt wurden, erscheinen 3337 in deutscher, die übrigen 68 in fremder Sprache. Unter den letzteren überwiegen lveit die polnischen(39) und dänischen(19) Blätter. Unter den 3337 deutschen Zeittmgen erscheinen täglich(6 Mal in der Woche oder noch öfter) 1197. Zwei oder mehr Ausgaben täglich haben nur 91 Zeittmgen. Die 2439 Zeitungen, deren Auflage zahlenmäßig angegeben ist, er- scheinen in 3 926 100 Exemplaren. Demnach wird man mit einer Gesammtauflage von nicht viel unter 12 Millionen Exemplaren zu rechnen haben. Nach Abrechnung der Verbreitungsgebiete der in ftemder Sprache erscheinenden Zeitungen entfällt somit auf wenig mehr als 4 Köpfe der deutschen Bevölkerung ein Zeitungsexemplar. Auf Zeitungsabonncmcnt werden in Deutschland im ganzen 63 Millionen Mark, also über 1 M. auf den Kopf der Bevölkerung, ausgegeben. 321 Zeitungen sind konservattv oder freikonservattv, 318 Zcntrumsblätter, 300 nattonallibcral, 3S6 linksliberal der verschiedenen Schattirnngen, 54 sozialdemokratisch und nicht weniger als 900 bezeichnen sich als parteilos. Der Rest sind Amts-, Kreis-, Anzeigenblätter oder Zeitungen, deren Parteistellung nicht ermittelt ist. Charakteristisch ist dabei die vergleichsweise sehr große und zugleich stettg wachsende Zahl der parteilosen Zeitungen.— Archäologisches. — Reiche und wichtige Ergebnisse haben die von Gahet vor« genommenen Ausgrabungen in Antin oe(Ober-Egypten) geliefert. Der„Vosi. Ztg," wird darüber aus Paris berichtet: Anttnoe wurde 132 v. Chr. vom Kaiser Hadrian zum Andenken an Antinous erbaut. Sie war die prächtigste, großarttgste Stadt der Rönicr in Afrika, eine Nebenbuhlerin der Reichshauptstadt. das afrikanische Rom, und hat bis ins neunte oder zehnte Jahrhundert unserer �Zeitrechnung bestanden. Gavet grub namentlich in der Nähe eines aus röthlichem Granit er« bauten Tempels nach, wo er hauptsächlich vier Grabfelder aus egyptischer, römischer, bhzanttnischer und koptischer Zeit auffand. Mit Ausnahme der römischen lieferten die Gräber nur Gegenstände, die auch schon durch andere Ausgrabungen reichlich zu Tage gefördert worden sind. Die Ausbeute aus den römischen Gräbern ist bis jetzt einzig in ihrer Art. Die Bestatteten waren theilweisc in rönnscher Kleidung beigesetzt, die sofort erkenntlich war. Eine große Zahl der Tobten war in asiatischer Kleidung, hanptsäch- lich in einer Art Hemd oder Fallklcid bestehend, begraben worden. Aber diese Kleider, auch diejenigen des byzanttnischen Grab- selbes, bestehen aus schöner Seide, die aus China bc- zogen, aber in Syrien verarbeitet, gewebt und gefärbt worden war. Die Farben, blau, gelb, grün, rosa, Purpur, find heute noch äußerst lebhast und schön, die Webe- Arbeit, die Musterung der Stoffe kann nur mit den besten Webereien verglichen werden, die heute in Lyon angefertigt werden. Die Verzierungen und Muster bieten eine unendliche Mannig- salttgkeit in Zeichnung und Herstellung. Manches ist gewebt und gewirkt, anderes gestickt. Die meist breiten Einfassungen bc- stehen aus stilisirten Pflanzen, Blumen und Thieren in großer Abwechselung. Besonders in den römischen Gräbern hat sich auch viel schönes Schuhzeug gefunden. Schön gearbeitete, den heutigen ähnliche, ausgeschnittene Schuhe aus feinem Leder mit Goldvcrzierungen, die ganz in derselben Weise eingepreßt zu sein scheinen, wie heutzutage die Goldbuchstaben auf den Bucheinbänden. Aus den römischen Gräbern stammen auch eine Menge Gesichtsmasken, offenbar Bildnisse der Verstorbenen. Sie sind aus Gips, oft der Natur entsprechend gefärbt, die Auge» aus Schmelz. In dem Grabe einer jungen Römerin wurde ein thaler- großer Spiegel in silbernem Nahmen gefunden. Der Spiegel ist linsenförmig, aus Glas, hinten mit Zinn belegt. Dank dieser Form sieht man sich mit gutem Gesicht darin. Auch eine ivohl- erhaltene, sehr frisch aiissehende römische Bauch- oder Kugelflasche mit langem Hals ist erhalten, ganz diciclbe Form, wie unsere heu- tigen Wasserflaschen. Die in den römischen Gräbern gefundenen Brldwcrkc sind natürlich alle klein. Es befinden sich darunter mehrere schöne, zum theil gekrönte Frauenköpfe. besonders aber eine sitzende Isis in der bei den Römern üblichen Form. Auch eine schön gear« beitetc Fraucngestalt, wahrscheinlich nach einem griechischen Urbild, aus Elfenbein; leider fehlen Kopf und Füße, dazu auch Ringe, Lampen und sonstige kleine römische Sachen. Die byzantinischen und die koptischen Gewebe bieten unter der großen Menge auch einige Zeichnungen, Berzieningcn und Muster, wie sie bei den sonstigen derartigen Funden der letzten Jahrzehnte noch nicht festgestellt worden sein dürsten.— Physiologisches. t. Lachen als Krankheit. Die Anficht, daß Lachen gesund sei, hat geWitz ihre grotze unbestrittene Berechtigung, anderer- scits kann das Lachen aber auch geradezu eine Krankheit oder min- bestens die Aeutzerung einer solchen sein. Auch beim gesunden Menschen ist ein zu heftiges oder andauerndes Lachen von verschieden- artigen Erscheinungen der Erschöpfung gefolgt, die gelegentlich zu gänzlicher Erschlaffung führen. Man hat auch schon häufig an eine Verwandtschaft zwischen Lachanfällen und epileptischen Anfällen gedacht, indem beide mit gleicher Unwiderstehlichkcit auf- treten. Es handelt sich hier aber nicht nur um eine oberflächliche Aehnlichkeit, sonderii das Lachen kann zuweilen geradezu an stelle eines epileptischen Krampfes treten. Datz das Lachen nicht immer ein Ausdnick der Freude ist, weitz wohl jeder. Bei Nerven- leidenden zeigt es sich zuweilen unter Umständen, in denen eine ganz andere' Bewegung als Heiterkeit den betreffenden beherrscht. Es ist eine krampfhafte Reaktion nach einer starken Erregung und tritt an stelle eines Schluchzens, dem es übrigens hinsichtlich der körperlichen Bewegung nahe verwandt ist. Das Lachen kann als Anfall auftreten wie ein Krampf, dies wird besonders oft bei hysterischen Personen und unter besonderen Merkmalen auch bei Epileptischen beobachtet. Das Auftreten von Lachkämpfen bei Epileptikern ist besonders interessant und noch wenig beachtet. Der bekannte ftanzösische Physiologe Charles Fere berichtet von einem 36jährigen Epileptiker, dessen Anfälle sich in eigentlichen Krämpfen und eigenthümlichen Lachkrämpfen abwechselten. Auch bei crsteren Kug sein Gesicht den Ausdruck eines höhnischen Lachens, während seine Brust unbeweglich blieb. Den Lachkränipfen ging regelmätzig eine Zeit grotzcr Geschwätzigkeit voraus, dann wurde der Blick plötzlich starr, das Gesicht blatz, der Kranke sank langsam hintenüber, während seine Züge den Ausdruck des Lachens annahmen, begleitet, von abgerissenen und laut hörbaren Athembewegungcn, so datz der ganze Anfall wie ein lautes unangenehmes Lachen wirke. Die Anstrengung dabei war eine so grotze, datz das Gesicht unter dem Blutandrang voll- ständig violett wurde und eine Erstickungsgefahr vorhanden zu sein schien. Der Krampf hörte dann plötzlich auf, nachdem er 4 bis 6 Minuten gedauert, der Athem steht zunächst still, als ob der Kranke thatsächlich erstickt wäre, dann kehrt die Athnnmg wieder, jedoch bleibt der Kranke noch etwa eine Sttinde in tiefer Ohn- macht.— Aus dem Thierrciche. **». Wie entsteht der Farben Wechsel des Chamäleons. Das Chamäleon und, wie nicht so allgemein bekannt sein dürfte, auch andere Reptilien besitzen die Eigenschäst, je nach der Farbe ihrer Umgebung die Farbe zu wechseln! sitzen die Thiere im grünen Gras, so haben sie selbst eine grüne Farbe, sitzen sie auf der Erde oder auf Steinen, so sehen sie wie diese grau aus. Es ist klar, datz diese schätzbare Eigenschaft den damit begabten Thieren Hilfe gegen Feinde insofent verleiht, als sie von dielen infolge der ihrer Uingebung gleichen Farben weniger leicht gesehen werden können. Weniger klar war längere Zeit hindurch, auf welche Weise dieser Farbenwechsel entsteht. Nmnnehr glaubt man sagen zu dürfen, datz das Auge der Thiere dabei unbewutzt und unwillkürlich mitwirkt. Wie bei uns, wenn wir in ein grelles Licht blicken, unwillkürlich ein Zucken der Augenlider, ja auch wohl Thränenflutz hervorgerufen wird, so werden beim Chamäleon und den ihm verwandten Thieren, wenn sie in ihrer Nähe Grünes sehen, gewisse unter der Haut befindliche Organe, welche mit grünem Farbstoff angefiillt sind, angeregt, diesen Farbstoff in die Haut zu ergiehen, so datz diese selbst dann auch grün erscheint— also in der That eine mit der Thränenabsondcrung gar nicht so wenig verwandte Erscheinung. Befinden sich die Thiere m grauer Umgebung, so ruht auch die Tbätigkeit dieser Farbstoff liefernden Organe, weil sie eben nur dadurch, datz das Auge etwas Grünes erblickt, angeregt wird, gerade wie das Niesen und Husten auch Bewegungen sind, die durch gewisse störende Einpfindungcn her- borgerufen werden. Datz diese Theorie vom Farbenwechsel des Chamäleons die richtige ist, wird ganz besonders noch dadurch er- härtet, datz zufällig blind gewordene Thiere die Erscheinung nicht zeigen, sondern auch im grünen Gras grau aussehen.— Aus der Pflanzenwelt. — Ein Riesenbaum. Unweit der Stadt Oaxaca im süd- lichen Mexiko bei dem Dorfe Tule steht eine mächtige mexika- Nische Sumpfcypresse. Der Stamm trägt die heute noch lesbare Inschrift mit Humboldfs Namen, die der grotze Forscher vor einem Jahrhundert eingrub. Sein Durchschnitt, von unregel- mätziger Gestalt, mitzt an 13 Meter in der Richtung des größten Durchmessers, und etwa die Hälfte hiervon in der Quere! er ist jedoch so stark ausgebuchtet, datz sein Umfang, unter Einrechnung aller der vorspringenden Sweben, zu reichlich 45 Meter anzunehmen ist. Der Baum' von Tule bedeckt bei einer Höhe von nahezu 50 Metern mit seiner üppigen immergrünen Krone, deren Aeste und Sweige zierlich nach den Seiten überhängen, eine Fläche von reich- ch 40 Metern im Geviert. Sein Grün ist frisch und seine Belaubung dicht, und trotz seines auf zwei Jahrtausende geschätzten Alters zeigt .sich an ihm heute ebensowenig wie zu Humboldts Zeiten ein einziger dürrer Ast.—_ � Beranlivortlicher Redakteur: August Jacobe» in B Geologisches. — Das Alter der Erde. Den neuesten' Beitrag zur Frage über das Alter der Erde hat Herr I. G. Goodchild von der brittschen„Geological Society" in einer Vorlesung geliefert, die er kürzlich als Vorsitzender der Physikalischen Gesellschaft in Edinburg gehalten hat. Indem er gewisse Veränderungen, die in der Vorzeit stattgefunden haben, einer Bettachtung unterzieht, schätzt er die Zeit ab, die für die Bildung der Gesteinschichtcn verschiedener geologischer Perioden erforderlich war, und gelangt zu dem Schlüsse, datz 93 Millionen Jahre seit dem Beginn' der Terttärzeit und 700 Millionen Jahre seit dem Anfang der kambrischen Periode verfloffen seien. Der Beginn des Lebens auf der Erde dürste seiner Ansicht nach ebenso weit hinter der kambrischen Zeit zurückliegen, wie diese hinter der Gegenwatt. Es würde also für die EntWickelung der Thier- und Pflanzenlvelt ein Zeitraum von 1400 Millionen Jahren zur Ver- fügung stehen.— Humoristisches. — Sklaven oder freie Männer?.Sind wir Sklaven oder freie Männer?*— donnette der Redner..Na, ver- heirathet sind wir wohl alle"— tönte es von einer der Hinteren Reihen als Antwott zurück.—(.Jugend.") — Weitschichtige Halbbrüder. Landrichter(zu einem Manne, der als Zeuge ftmkttonitt):„Sind Sie mit dem Angeklagten verwandt?"— Zeuge:„Jawohl, Herr Richter!"— Richter:„In welchem Grade?"— Zeuge:„Na— wir sind halt wcitschichttge Halbbrüder."— Richter:„Wie soll ich das verstehen?"— Zeuge:„Sein Vater hatte meine Mutter hcirathen sollen,'s ist aber nichts daraus geworden!"— — Genügt.„Sind Sie auf der Gebirgstour, auf welcher Sie Ihre Frau kennen lernten, nicht auch abgestürzt?"—„Nein, nur reingefallen."— Vermischtes vom Tage. — Vor der Elbmündung überrannte der Dampfer„Washington" ein englisches Fischerboot. Zwei von den Insassen cttranken.— y. Infolge einer Explosion flog eine Pulvermühle in Hagen in die Luft. Ein Arbeiter wurde sofott getödtet, ein anderer schwer verletzt.— — Diamidodiphenylamin— kürzer konnte ein Hallenser ein Mittel zum Färben der Haare, auf das er ein Patent erhielt, nicht benennen.— — Auf der Bahnsttecke vor Schöneb eck(Provinz Sachsen) fuhren am Sonntag zwei Radler. Der Führer des Schnellzuges von Magdeburg bemerkte sie und gab ein Signal mit der Pfeife, doch gelang es' nur dem Einen, noch bei seite zu springen. Der Andere ivurde zermalmt.— — Weil er ihn nn Wirthshause um drei Mark gemahnt hatte. lauerte ein junger Bursche in Pforzheim einem Kameraden auf und stieß ihn mit dem Messer nieder.— — Eine Magd in Weigenhofen(Mittelfranken) �warf ihr heimlich geborenes Kind in eine Hecke, wo es von einem Jagdhund fast gänzlich aufgefressen wurde.— — In einer Länge von andetthalb Kilometern wurde der Telephondrahi auf der Linie Wien-Triest zwischen Oyenhausen und Günselsdorf— gestohlen.— — In TemeSvar(Ungarn) hat ein Gymnasialschnler seinen Professor, der ihm eine schlechte Note gegeben hatte, nieder- geschossen.— — In Czernowitz(Bukowina) und Umgebung hat ein U n« Wetter großen Schaden angerichtet.— — Unter dem Landvolke in S i e b e n b ü r g e n ist die P e l» l a g r a aufgctteten. — Um ein Vogelnest auszunehmen, kletterte ein Arbeiter in Bobrownik lRussisch-Polen) auf eine Pappel. Er stürzte herab und fiel so unglücklich auf einen Gattenzaun, datz ihm eine Spitze desselben in den Unterleib drang, und er nach kurzer Zeit starb.— — Eine furchtbare Fcuersbrunst suchte die Stadt O st r i n a im Gouvernement Wilna heim. Zwei Synagogen und 120 Häuser wurden zerstört. Drei Personen find verbrannt.— — Bei der Versteigerung einer Gemäldesammlung in London wurden drei Bilder Ross'etti's verkauft. Die„Vcronica" er- zielte 32 000 M.,„Dante am Sarge der Beattice" und„La Ghir- landata" je 60 000 M. Ein Bild von Burne-Jones„Spiegel der Venus" wurde für 100000 M.. der„Chant d'Amour" für 64 000 M. verkauft. Ein Portrait des Nicolas Rut vonRembrandt ergab 100 000 M.— — Auf der Reise von Kalkutta nach Rangoon fuhr der englische Dampfer„Lindula" gegen einen anderen englischen Dampfer „Mecc a". Der letztere sank. Der Kapitän, 2 Maschinisten und etwa 50 andere Personen ertranken.— Die nächste Nummer des Unterhaltungsblattes erscheint Sonn- tag, den 29. Mai. rli». Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.