Anterhaltungsblatt des Horwärls Nr. 105. Mittwoch, de» 1. Jiml. 1898 '(?!�chdruck eeiSoteu.) Mm die Fveiheit. Geschichtlicher Roman aus dem deutschen Bauernkrieze 1525. 1j Von Robert Schweich el. Erster Theil. Erstes Kapitel. Es war am Vortage der heiligen drei Könige, einem Donnerstage, da man schrieb das Jahr 1325. Trotz des rauh- feuchten Nebeltages hatte sich in dem Dorfe Ohrenbach vor einer der ärmlichen Hütten eine große Menschenmenge der sammelt und wich und wankte nicht. Das Dorf lag in waldreicher Umgebung zur Rechten der Heerstraße, die von Rothenburg ob der Tauber gen Norden über die mittel fränkische Hochebene zum Main führte. Eine undurchdring liche Dornhecke umschloß das Dorf. und auch der Friedhof war durch eine starke Mauer aus Feldsteinen bc festigt. Die Gassen liefen von dem Dorfplatze bei der Kirche krumm und winkelig zwischen den Hofstätten der Bauern, den Holzhäusern und Lehmhütten der Höngen und Tagelöhner hin. Die Bauernhöfe bildeten nach fränkischer Sitte geschlossene Vierecke, so daß man aus dem einstöckigen Wohnhause in die Ställe und Scheunen gelangen konnte, ohne daß man den Fuß ins Freie zu setzen brauchte. Meistens waren diese Vierecke jedoch weder gleichseitig noch recht winkelig. Die Leibeigenen waren oft schlechter behaust als das Vieh der Baueni. Jedenfalls ließen die Wohnräume an Reinlichkeit alles zu wünschen übrig, hatten doch Hühner. Enten, Schweine freien Zutritt zu ihnen. Innen glitzerten Wände und Decken von Ruß; Rauchfänge gab es nur in den wenigsten Häusern, und wo solche vorhanden waren, be standen sie aus Brettern, die mit Lehm ausgekleidet waren. Seltener noch sah man Fenster aus Glas; ein dickes, ölgetränktes Papier vertrat dessen Stelle. Die Dächer waren vorwiegend mit Stroh gedeckt, das wünner als Schindeln hielt, und auf den Firsten fehlte ebensowenig ein Storchncst, wie in den Grasgärten der Hollunder an der Scheunenwand. In den Grasgärten mit verkrüppelten Obst- bäumen standen auch die plumpen Backöfen. Ueberall Spuren von Vernachlässigung. Verfall und Schmutz. Die Bauern saßen in Erbpacht auf ihren vor Zeiten freien Höfen, die Hörigen auf ihren wenigen?leckcrn in Zeitpacht. Die Geschlechter oder Ehrbaren von Rothenburg, in deren Händen ausschließlich das Regiment lag. Ivaren bereits zu der Erkenntnis; gediehen, daß die Bestellung der Felder durch verdroßene, von den Vögten znr Arbeit getriebene Leibeigene viel geringere Er träge lieferte, als die Bewirthschaftung durch Zeitpächter, die scheinbar für sich selbst schafften. Die Stadt hatte deshalb auf ihrem Gebiete, das über sechs und eine halbe Geviert- meile mit fünf und vierzig Dörfern umfaßte, ihre Hörigen zum größten Theil als Zcitpächter angesiedelt. Selbstverständlich mußten diese neben allen anderen Abgaben einen unverhaltnißmäßig hohen ZinS entrichten, so daß ihre Freiheit im Gegensatz zu derjenigen der Leibeigenen auf den Privatgütcrn der Stadtherren und den Besitzungen des Adels und der Geistlichkeit in Wahrheit darin bestand, vcr- hungern zu dürfen, wenn sie in Roth geriethen, ohne daß ihre Herren sich um sie kümmerten. Da nun der Ackerbau die nürthfchaftliche Hauptgrundlage der Zeit bildete, so mußten nicht nur diese Zeitpächter, sondern der ganze Bauernstand— die armen Leute, wie man sie nannte— um so mehr bluten, je höher die Bedürfnisse«nd der Luxus der Herren stiegen. Die elende Hütte, vor welcher die Ohrenbacher, Männer»nd Weiber, sich versammelt behatten, herbergte unter ihrem bemosten, schadhaften Strohdache den Hörigen Konz Hart. Das Haus war verschlossen, und der Mamc, der vor demselben lvie der Pendel einer Uhr hin und herging, erklärte das beklommene Schweigen, mit dem die Leute dastanden. Der Mann, der die auf ihn gerichteten Blicke mit dem Ausdrucke eines übel- launigen Kettenhundes zurückgab, war ein Gerichts- böte' des Centamtes Endsee, zu dem Ohrenbach ge- hörte. Er hatte übrigens außer dem schlechten Wetter noch einen anderen Grund für seine bissige Laune. Denn es >var ihm von Konz Hart nicht aufgethan worden, obgleich er im Namen des Schultheißen Einlaß gefordert hatte. Nicht einmal Antwort hatte er erhalten. Jetzt wartete er auf den Dorfschmied, nach dem er geschickt hatte. Was er von dem Hörigen lvollte, erriethen die Leute nur zu gut, und manchen! mochte das geheime Bangen, gleich ihm über lang oder kurz aus seiner Hofstelle gewiesen zu werden, das Herz zusammen schnüren. Das ganze Dorf konnte es Hart bezeugen, daß er und sein Weib von früh bis spät in jedem Wind und Wetter sich geschunden hatten, um sich ehrlich zu erhalten. Und jetzt dennoch mitten im Winter erbannungslos auf die Gasse geworfen! „Der Dorfmeister!" hieß es, und es war wie ein Auf- athmen, als dieser von dem nahen Dorfplatze herkam. Simon Neuffer stand in der Vollblüthe der ersten Dreißig. Er war nur mittelgroß von Wuchs, jedoch breit in Brust und Schultern, und der Hals trug den eckigen charaktervollen Kopf in freier Haltung. Nach der Bauernsitte, welche Bart und Stiefel dem Adel ließ, war das Gesicht rasirt und zeigte frei die lange Oberlippe und den breiten Unterkiefer. Kluge braune Augen überschauten die Menge. Er war erster Dorfmeister, wie es sein Vater vor ihm gewesen, der als Wittwer im Alten- thcil auf dem Gehöft des Sohnes saß. Mit ihm kain Wieland der Schmied mit einem wuchtigen Hammer auf der Schulter, der nach ihm gesandte Knecht des Ämtsdieners mit Schwert und Sturmhaube, begleitete ihn. „Ihr habet einen Befehl des Herrn Schultheißen von Endsee, den Konz Hart aus der Pacht zu weisen?" fragte Simon Neuffer den Amtsdiener.„Zeiget ihn vor!" „Was fallt Euch ein?" rief jener erstaunt.„Kennet Ihr nicht den Stöckerlein von Endsee. den Exekutor?" „Und kennet Ihr Euer Amt so wenig, daß Ihr nicht wisset, daß Ihr in den Dörfern nicht pfänden, noch sonst amt- lich handeln dürfet, es sei denn, daß Ihr dem Gemeindcrath Eure Vollmacht gewiesen habt?" Die Ruhe, mit welcher der Dorfmeister sprach, steifte den anderen noch nichr in seinem Hochmuth. Er pfeife auf den Gemeindevorstand und alle Dorfmeister der Welt. „Dann wird ans der Pfändung nix, und das Rügegcricht nimmt Euch wegen Ungebühr gegen die Dorfoberkeit in Straf'", entschied Simon gelassen. Die Dorfgenossen aber gaben durch die Bewegung, die sich unter ihnen erhob, ihrem Oberhaupte ihre Zustimmung zu erkennen. „Kreuz und Hagel," fluchte Meister Stöckerlein,„das wollen wir doch sehen!" und er befahl dem Schinied, die vcr- schlossene Thür mit Gewalt zu öffnen. Dieser jedoch, dem das wirre Haar lvie ein Storchnest um das berußte Gesicht stand, blickte fragend auf den Dorfmeister, und da dieser schwieg, so rührte er sich nicht. Zum Ueberflusse rief ihm noch seine Frau zu, ein hageres, starkknochiges Weib:„Du thust's nicht, Jakob!" Zu den Dörflern sich wendend, fügte sie hinzu:„Wenn Ihr Männer seid, dann dürft Jhr's nit leiden, daß der Konz mit Weib und 5tii!dern lvie ein Hund aus dein Haus gejagt wird." Der Gerichtsdiener warf ihr einen bösen Blick zu, hielt es aber dann, dem festen passiven Widerstand gegenüber, auf den er stieß, für gcrathcncr, das Begehren des Dorfmeisters zu erfüllen. Mit einem lvüthenden Schnaufen riß er das amtliche Schreiben, das die Austreibung verfügte, aus seinem Gürtel. Während Simon es bedächtig auseinander schlug und las, schaute ihm ein jüngerer Mann mit krausem Haar über die Schulter. Es lvar der Gemeindcschrciber Paul Jckelsamer, dessen Bruder Valentin lateinischer Schulnieister in Rothenburg lvar. „Um die Pfändung auszuführen, braucht's aber doch keine Gewalt nit," sagte Simon und gab Stöckerlein das Schriftstück, an dem nichts auszusetzen war, zurück.„Lasset den Konz in Ruh'! Er ist doch auch ein Mensch und ich will Euch Bürgschaft leisten, daß er bis morgen früh seine Käthe geräumt hat. Der Herr Schultheiß von Wcrnizer wird's zufrieden sein." Aber der Exekutor fauchte:„Nix da, gleich muß er'raus. Sein Nachfolger will einziehen. Was? Seit länger als einem Jahr hat er den Pachtzins nit mehr zahlt, auch nit den Zehnten an die Zlirche. Die Oberkeit und der Herr Pfarrer»vollen auch leben." „Und wir können darüber verrecken", schrie es ans der Menge. „Konz, Konz, sperr' auf!" erhob der Dorfmcister seine Stimme. Es blieb aber alles still im Hause. Stöckerlein wiederholte seinen Befehl an den Schmied. Als dieser auf die Hausthür zuschritt, wurde es unter den Menschen so still, daß man sein langes steifes Schurzfell rauschen hörte. Meister Wieland nahm seinen Hammer nicht von der Schulter: er sprengte die Thür mit einem mächtigen Fuß- tritt auf.„Dazu wird einer von seiner Arbeit weg- geholt", rief er verächtlich, indem er die Schrittsteine hinuntersticg. Hinter ihm in dem Thürrahmen tauchte die von Arbeit und Entbehrung ausgemergelte Gestalt des Hörigen auf. Seine magere Faust hielt den Stiel eines Beiles umspannt, und er drohte mit funkelnden Augen: „Komm' mir keiner zu nah, wer sein Leben lieb hat." „Sei nit gar so ungescheit," rief Simon ihm zu.„Mach' Dich nit noch unglücklicher als Du bist. Denk' an Dein Weib und die Kinder!" „Betteln können sie auch ohne mich," erscholl die Antwort des Verzweifelten und er schwang sein Beil gegen den Knecht des Centamtes, der sein Schwert gezogen hatte. Der Kampf konnte nur kurz sein. Der stämmige Knecht schlug dem Entkräfteten das Beil aus der Hand, packte ihn an der Brust und riß ihn mit solcher Gewalt von der Thüre weg, daß er aus der Gasse der Länge nach hinschlug. Die laute Empörung der Leute über diese Rohhcit wurde von dem Jammerschrei der Frau des Hörigen übertönt, die jetzt mit einem Säugling auf dem Ann ans dem Hause eilte. Ein etwa dreijähriges Büblein klammerte sich an ihren Rock, während ein Knabe von etwa zwöls bis dreizehn Jahren hinter ihnen sichtbar wurde, und zitternd, mit schreck- weiten Augen auf den blutenden Vater starrte, dem die jammernde Mutter vom Boden aufzuhelfen versuchte. Die Frau war um viele Jahre älter als Konz. Sie war eine Wittwe, und ihr verstorbener Mann der Vorgänger Konzes in der Pachtstelle gewesen, aus der dieser jetzt vertrieben wurde. In der Hoffnung, die durch den Tod erledigte Pacht zu er- halten, hatte er die Tochter eines Hörigen aus dem weiter nördlich gelegenen Reichardtsrode, die erliebtc, heimführenwollcn. Die Obrigkeit aber hatte ihm die Erlaubniß dazu verweigert und ihn gezwungen, die mit einem Kinde zurückgebliebene Frau des Verstorbenen zu Heirathen. Alle seine Vorstellungen und Bitten hatten nichts gefruchtet und Konz Hart mußte für ein Weib, das er nicht liebte, und ein Kind, das nicht das seinige war, das Mark seiner Knochen hergeben. Der Gcrichtsdicner und der Knecht begannen die Hütte auszuräumen und das dürftige Hausgeräth auf die Straße zu werfen. Sie bekamen dabei von den erregten Leuten manch' derbes Wort zu hören. Stökerlein herrschte ihnen brutal zu, daß sie die Mänlcr halten sollten. Damit kam er aber übel an; denn Simon Neuffer trat ihm mit den zornigen Worten entgegen:„Na, damit seid Ihr auf dem Holzweg. Ihr peinigt uns bis aufs Blut und wir sollen nicht schreien? Ich sag' Euch, wir werden schreien und sie sollen uns schon hören, die Herren in Rothenburg, verlasset Euch darauf!" Paul Jckelsanier fügte hinzu:„Wenn der Hörige schaffen soll, wie ein Stück Vieh, dann soll die Obcrkeit auch dafür sorgen, daß er's kann. Wo soll der Konz jetzt im Winter Brot für alle Mänlcr finden?" „Ach! Ach! Wer kann das ändern?" seufzte ein Bauer, dem das Haar schneeweiß uin das in lauter Runzeln, Falten und Fältchen verschrnnipfte Gesicht flatterte. Harte Arbeit, Alter und Rheumatismus hatten seinen Rücken gekrümmt, und er mußte sich mit beiden Händen auf einen Krückstock stützen. Es war Martin Neuffer, der Vater Simons. Er fuhr fort: „Vor Zeiten, als wir noch eine freie Bauernschaft waren und unsere Sachen selbst in der Gemeind' richteten und schlichteten nach Fug und Billigkeit, da hätt' das einem redlichen Manne ninimer geschehen können. Aber itzo ist's halt so!" „Und der Teufel geseg'n es, Amen!" rief das Weib des Schmiedes. Unterdessen hatte die Frau des Hörigen, deren Thränen- quell in der Wüste des Elends längst versiegt war, ein kleines Bündel, das sie wohl schon vorher bereitet hatte, aus der Hütte geholt. Konz Hart wischte sich mit dem Aermel das Blut von der zerschlagenen Stirn, nahm das Bübchen auf den Arm und rief laut:„Kommt!" „Wohin willst denn?" fragte Simon. „In den ersten besten Straßengraben, um zu verrecken," antwortete der Hörige mit wildem Hohn. „Wartet noch!"" rief eine kernig schlanke Dirne mit licht- braunen Zöpfen, indem sie sich vordrängte.„Hast Du ein Geld bei Dir, Bruder?" wandte sie sich an Simon Nenffer.„Wir können sie doch nicht so von bannen gehen laffen. Helfet und gebt alle um Gottes Barmherzigkeit willen!" „Ist recht, Käthe," lobte sie der Dorfmeister, zog seinen ledernen Beutel und legte einige Kupfermünzen in die ausgestreckte Hand der Schwester. Paul Jckelsamer folgte seinem Beispiele und so kamen viele zu der hübschen Dirne, auch mancher, der sonst wohl seinen Heller festgehalten hätte; aber er schämte sich vor den Nachbarn. Andere, deren Taschen leer waren, riefen der Frau des Ausgewiesenen zu, daß sie bei ihnen vorsprechen möge, bevor sie das Dorf verließ. Die klaren, braunen Augen des Mädchens leuchteten von mitleidsvoller Freude, als sie den Ertrag ihrer Sammlung dem unglücklichen Weibe aushändigte. „Gott vcrgelt's," stammelte diese mit zitternden Lippen, indem eine leise Röthe in dem bleichen vergrämten Gesicht aufstieg. Es war weniger die Röthe der Freude, als die der Scham.„Betteln!" schlug es ihr auf das Herz. Ihr Mann schüttelte die geballte Faust gen Süden, in welcher Richtung Endsce lag und knirschte:„Aber Gott soll's auch denen vcr- gelten, so mich wie einen Hund ins Elend hinausgestoßen, nachdem sie mir das Mark aus den Knochen gepreßt haben." lFortsetzung folgt.) (Nachdruck verboten.) Ueuchkenve Dlrnnem Das Leuchten der Blumen wurde zuerst von der Tochter des großen Botanikers Linne beobachtet, als sie an einem schwülen Juli- äbende des Jahres 1762 nach Sonnenuntergang an einein mit Kapuzinerkresse besäten Gartenbeete saß. In einem Berichte, den sie auf Veranlassung ihres Vaters der schwedischen Akademie der Wissenschaften übersandte, beschreibt sie die Erscheinung folgender- maßen:„Das Leuchten besteht in einem so schnellen Ausblitzen eines Scheines, daß es nicht hastiger angenommen werden könnte. Wenn man sitzt und auf eine Stelle Hinsicht, die mehrere Vliithen hat, so kann man bemerken, wie bald die eine, bald die andere ganz jählings aufschimmert oder erglänzt. Wenn man da- gegen unverwandten Auges nur auf eine Blüthe starrt, so leuchtet sie nicht gerne." lieber' die Ursache der Erscheimmg wagten Vater und Tochter keine entschiedene Meinung zu äußern; andere Forscher begnügten sich damit, sie in der„überall verbreiteten elektrischen Materie" zu suchen. Neue Beobachtungen über den Gegenstand erfolgten 62 Jahre später durch Haggren, der dieselbe Erscheinung auch an der Ringel- b lu m e, an der F e u e rli li e und der Sammet- oder Studenten- b l u m e entdeckte. In seinem Bericht an die schwedische Akadcnne hebt er den Umstand hervor, daß das Leuchten nur bei feucr- farbenen Blumen uitd an warmen, klaren, nicht feuchten Sonnncrabenden vorkomme, und fährt dann fort:„Einige Blumen blitzten oft in einem Zwischenraum von zwei bis drei Sekunden: bisweilen vergingen auch mehrere Minuten. Wenn mehrere zusamnienstchendc Blllthen auf einmal aufleuchteten, so war der Schein auf mehrere Klafter Entfernung noch deutlich wahrnehmbar. Wenn man mit unverwandten Augen auf eine oder mehrere nahe beisammenstehende Blüthen sah, erfolgte der Blitz nur wenig oder garnicht, während andere Blumen daneben sehr oft die anmuthige Lichterscheinung zeigten. Um mich von der Richtigkeit meiner Beobachtungen zu überzeugen, ließ ich einen Anderen zu mir treten und mit einem leichten Stoß den Augenblick bemerken, wo die Blume das Licht gab. Ich hatte das Vergnügen. jederzeit zu finden, daß derselbe in der nämlichen Sekunde ivie ich das Aufleuchten beobachtete." In Teutschland scheint Goethe als Erster leuchtende Blumen gc- schaut zu haben. Als er am Abende des 19. Juni 1799 mit einem Freunde lustwandelte, nahm er in der Dämmerung bei dem Gartcnmohn etivas Flanimenähnliches wahr: doch muß ihm die Realität der Erscheinung, da er ihrer in seiner„Farbenlehre" nur Erwähnung thut, etivas fragwürdig vorgekommen sein.— In der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts iverden dann noch folgende Lichtblumen entdeckt: die gelbe Rofenafter, die Sonnen- b l u m e n oder Sonnenrosen, an denen ein Beobachter in einer dunklen Kammer selbst bei Tage ein schwaches Leuchten bemerkte, die geruch- lose Wucherblume oder unechte Kamille, die man im Nebel eines Schwcizcrbergcs in blendend phosphorischem Glänze leuchten sah, und die Nachtkerze, von deren Blüthen und Blättern der Herzog von Vuckingham im Jahre 1838 ei» brillantes Leuchten aus- gehen und lange Zeit anhalten sah. Ein Bcobackter glaubte den Lichtschein sich verstärken und den Bewegungen der Fingerspitzen folgen zu scheu, wenn er die Blüthen mit dem Finger strich oder schlug. Obwohl unter den bisherigen Beobachtern leuchtender Blüthen Männer von ivissenschaftlichem Rufe und geschulter Beobachtungs- gäbe waren, so schien die Thatsachc doch nicht einmal unumstößlich festgestellt, geschweige denn erklärt zu sein, als im Jahre 1857 ein bedeutender Botaniker, Prof. Fries zu Upsala. die Untersuchung wieder aufnahm und in größtem Maßstabe durchführte. Als er am 18. Juni, stslv Uhr abends, im botanischen Garten der Universitär einsam umhcrwandelte, zeigte sich plötzlich in einer isolirt stehenden Blüthe des Garteiiiiiohns ein starker Lichtblitz, und als er sich hierauf :_ erstaunt einer größeren Gruppe derselben Pflanze zuwendete, blitzten dort gleichzeitig 3 bis 4 Blüthen, Da Fries im voraus starken Zweifel gegen die Existenz der Lichterscheinung hegte, so schrieb er diesen blitzähnlichen Schimmer anfänglich einer zufälligen kränklichen Affektion seiner Augen zu; die Folgezeit überzeugte ihn aber, daß dem nicht so sei. Am Abend darauf führte er eine Person, die nicht die mindeste Ahnung von einer derartigen Erscheinung in? Pflanzen- reich hatte, an den Ort, und sogleich rief diese erstaunt ans: .Es blitzt aus der Blume!" An den folgenden Abenden zeigten sich die Lichtblitze selbst bei regnerischem, trübem Wetter, aber doch warmer Lust und wurden von mehr als 20 Personen gesehen, auch bei. der Feuerlilie, bei dieser jedoch schwächer als beim Mohn. Um'weitere Ui?tersuchu?igen anzuregen, ließ Prof. Fries einen kurz«? Bericht in mehreren Zeitungen ein- rücken. Von ISO Leuten, die infolgedessen im Garten erschienen, sahen nur 3—4 Kurzsichtige das Leuchten nicht; auch aus Trondjhen? wurde die Erschei?mng bestätigt. Fassen wir das wesentliche dieser Beobachtrmgen zusam?nen, so ergiebt sich folgendes: Gewisse Blüthen, besonders die der Kapuziner- kresse, des Gartenmohns und der Feuerlilie haben das Vermögen, an warmen, wenn auch feuchten Sommerabenden, besonders i?n Juni und Juli, in der Dämmerung schnell vorübergehende, jähe Lichtblitze auszusenden. Nach Fries scheinen diese a??s dem Grunde der Blüthe, von der Anheftungsftclle der Staubgefäße zu kom?nen. Merkwürdig ist, daß dieses Phänomen seit dem Jahre 1857 nicht wieder beobachtet zu sein scheil?t; es m?lß also doch??icht zu den alltäglichen gehören. Ich habe in den beiden vorgegangenen Jahren häufig eigens dazu angepflanzte Stauden der Nachtkerze und der' Kapuzinerkresse. beobachtet, aber??iemals eine Sp?lr von Leuchten wahrgenommen; allerdings war ich während der günstigsten Zeit, im Juli, stets ab- wesend. Da die meisten der obe??genam?ten Pflanzen im Garten und auf dem Balkon häufig gezogen werden, so sei den Lesern, besonders aber den Bluinen liebenden Leserim?en, die Sache zur eigenen Untersuchung angelegentlichst empfohlen. Eine Erklärung des Leuchtens steht noch aus. Lii?no und seine Tochter überlassen es den scharfsichtige?? Augen der Natur- kundigen, zu untersuchen, inwiefern die Erscheinung.einen?????- sichtbare?? Nordlichte, das in der Luft schi??????ere?md von den schim?ner??den Blmnenblättern reflektirt werden könne", zuz?lschreiben sei. Andere Forscher jener Zeit waren geneigt, die Ursache in der Elektrizität der Luft oder in der Ve- rühr?i>?g des ausgelvorfenen Bliithenstaubes???it de?? Blui??c??- blättern zu suchen. Fries meinte, in der bei allen diesen Blüthen ziemlich überei??stim?nenden Farbe müsse der Erklärungsgrund zu finden sein, und schob die E??tscheid????g den Physikern zu, die bis heute jedoch Nothwendigeres zu thun gehabt habe??. Auch über den Zweck des Le?lchte??s für die Pfla>?ze kann???an?>ur Veri????th?l??gcn aufstellen. Bei einigen Blüthe??, ivelche sich Ivie die Nachtkerze erst zur Däi??merzeit ai?stchließc?? oder ihren Honig in eine??? la??gei? Spori? für sehr langrüsselige Insekten reserviren, wie es die Kapuzinerkresse thut, köi?ntei? die Lichtblitze dazu diei?e??, die z??r Ueberirag????g des Blüthe??sta??bes????d zur Herbeifiihru??g der Fremdbestä?!bui?g geeigneten Abendschmettcrlinge und Nachtsalter aufmerksa??? zu?nache??. Dieselbe Erklär?u?g dürste auch für die Fc??erlilie???it tief geborgene??? Nektar Heranz??ziehen sei??, trifft aber für den Rest der Leuchtblumen nicht zu. Haben wir hier im Za??bergarten derNat??r die mit bräutlichem Gesicht glühenden, b????te??, dufte??de?? Bl?????en, so fehlt es anderseits auch a?? den auf Blatt??nd Reis brennende?? F?mke>???icht. A>? das andauernde Leuchten faulenden Holzes will ich????r erii?i?ern. Es ist durch Pilzvegetation im abgestorbenen Holzkörper bcdi??gt. Nicht die Holzsubsta??z selbst, sondern????r die es d??rchw??cheri?be?? Mycelfäden des Pilzes strahlen das Licht a?is????d wachen so scheinbar die ganze Holzmasse lc??chte??d. Ein ähnliches phosphorartigcs Licht bemerkte der Reisende Schomlmrgk, als er während der Regci?zeit in Südn???erika an? Essequibo weilte, an abgefallene??? Laube. Schließlich war der Boden??m das Lagcrzelt herum ga??z erleuchtet; nicht allein die Blätter sonder?? auch kleii?e Zlveige, die auf der Erde lagen, zeigten dieses weißliche Licht. Merkivürdig ist auch das Leuchte?? des Hutes?nchrcrcr Pilzarte?? aus der Gatt??ng, zu der unser Cha???pignon gehört(Aga- ricus). Mai? hat solche Lichtpilze in Afrika, Südostasien, Ne??holland und Brasilien entdeckt; in Enropa besitzt der am Stan?n?gr?li?de der Oelbäume schmarotzende Agaricns olearii?s diese Eigenthümlichkeit. Die auf der Ui?terseite des Hutes sitzei?de?? La???elle?? oder Blättchei? strahlen i?? der Dunkelheit eil? helles Licht aus, so daß die Pilzunterseite von eii?em schwachen Licht??cbel?l???gebe?? erscheint. Einige Exemplare des brasilia??ischen Leuchtpilzes reichen a??s, ein Zi??????er so zu erhelle??, daß?na?? lesen kann. Dieses Selbstleuchtei? ist wahrschei??lich eine An- Passung der Pilze ai? Nachti??sektci?, Sch??ecke?? und a??dere kriechende Thicres die dem sanften Gla??ze folgend die La?nellen aufsuchen????d sich dem Pilze durch Fortschleppen und Aussäen seiner Sporen nütz- lich erweisen kö????c??. Zum Schluß sei noch an einen hübschen Fall ui?beabsichtigter Illumination erinnert. Wie die Rautengctvächse überha?ipt, deren beka????teste Vertreterin bei uns die aro???atisch dufte??de Weinraute ist. so ist auch der in sonnigen Bcrgwäldern hei?nische Diptam in allen Organen reich an ätherische??? Ocl, das ständig in der L??ft vcrdui?stet. Nan?ei?tl>ch bei warmem Wetter ist die ganze Pflanze in eine Du??stat?nosphäre ätherischen Oeles eingehüllt. Nähert man nun dem unteren Theile der Pfla??ze ein bre??ne??des Zündholz, so entflam???t sich das brennbare Oel n?it einer kleinen Explosion, und ei??e große, helllcuchtende Flamme huscht von unten nach oben über das ganze Gewächs, ohne ihm Schaden zu thun. Wir können das Feuerwerk nach einiger Zeit wiederholen, und es ist nicht unmöglich, daß unter ähnlichen U???ständen, Ivie denen, welche die Entzündung von Irrlichtern begünstigen, auch eine Selbstent- flammung beim Diptam eintritt.— Hermann Berdrow. Vleines Fettilleko»r. K. Rast. Recht heiß ist es schon. Selbst im Schatten der frisch- belaubten Bäume flimmert eine ermattende Hitze. Die neuen Blätter sind schon ausgewachsen. Das Laub scheint sich vor Behagen in dem warmen Sonnenschein zu dehnen. Das Gras ist auch schon hoch, trotzdem nur hier und da leuchtende Sonnenflecken auf dem Boden liegen. Die Menschen auf dem Fußweg haben alle einen erhitzten Kopf. Die meisten gehen bedächtig. Alle ziehen die Augenbrauen herunter, auf dem trockenen, hellen Fahrweg prallen die Sonnen- strahlen auf und werfen ihr grelles Licht herüber. Eine starkbeleibte Dame kommt hinter einen? Herrn, der den Hut in der Hand hält. Sie trägt nichts als einen Sonnenschirm; und dei?noch keucht sie lauter??iid heftiger, als der alte Mann, der mit einen? kleinen Lehm- faß und Töpfcriverkzeug kurz hii?tcr ihr geht. Fast Vcrzlveifclt sieht sie sich um: Eine Bai?k.. nur ein wei?ig sitzen.. ausruhe??. In einem SeiteiNveg, ganz vorn, steht eine Bai?k.„Oskar! Oskar I" rnst die Daine. Der Herr, der den Hut in der Hai?d trägt, sieht sich um. Sie ist ganz außer Athem und Iveist wortlos mit dem Soi?nc??schirm nach der Bank. Er kommt zurück. Beide gehen nach dem Ruheplatz. Sie bleibt stehen, als er sich setzen will, und sagt mit unglücklicher Miene:„Ach, Mäi?ni! Du bist gar i?icht mehr ein bischen zartfühlend und a?ismerksam! Siehst Du dein? nickt, daß die Bai?k ganz mit Sand bestreut ist?" Sie schnappt nach Lust.—„Den haben gewiß wieder Rangen beim Spielen hinanfgestreut." Er zieht sein weißes Taschentuch und stäubt die Bank ab. Sie niii?mt es ihm fort:„Ach, mcht einmal das verstehst Du! Ich soll mir wohl mein neues Seidei?klcid gleich ivieder verderben?" Er setzt sich mit gleichgiltigcm Ausdruck sind schlägt ein Bein über das andere. Sie läßt sich auch endlich ?ncder, wobei ihr Seidenkleid ra?lscht und raschelt, mit der ganzen Protzigkeit der Träger!??. Der alte Mann???it dem Lehn?faß ist auch in den Seitenweg eingebogen. Er setzt sein Werkzeug zu Boden?ind läßt langsam seine steifen Glieder auf die Bank sinken. Die Frau zieht ihr Kleid an sich, trotzdem zwischen ihr und dem Alten noch ein breiter Raum ist. Den Sonnenschirm, de?? sie auf die Bank gelegt hatte, i?iiiiint sie auf. Dann hebt sie ein langstieliges Lorgnon ui?d sieht umher.„O, ist das schön! Wie die Reiter so vorbeisausen, daß die Erde emporstäubt! Und da drübe??, auf dem Spielplatz, die Kii?derchcn! Ach, das ist ja zu himmlisch! Die kleinen Bälger, wie sie auf der Erde umherkrabbel??. Nicht lvahr, Man???, ist das nicht reizend?" Er sieht gar nicht auf, soi?dern betrachtet nur die Löcher, die er ?i?it der Fußspitze in die Erde bohrt.„Mäni?i!" Es klingt gereizt. „Hast Du dei?n gar keii? Auge für die lieben Ki??der?-- Ach Gott ja, da m?lß n?an nun zusehe??, wie die Kii?der der Andern ge- deihe??, lvie sie geherzt und geküßt werden." „Ach, weißt' Du, das wäre so etivas, das Gequarre I... Das habe ich noch nie ausstehe?? kö>?i?en. Da ist mir mein Wein und meine Zigarren lieber. An die Hab' ich mich nu mal gewöhnt, seitdem ich aus dein KadcttcnhauS bin... Das Kasi'noleben..." „Ja. ja... das Kasinoleben I" Ihre Stimme zittert vor unter- drücktem Schmerz, während er nur etivas heftiger Löcher gräbt. Plötzlich fährt sie auf:„Aber ivas riecht denn hier so?... Pfui! der Lehm!" Sie zieht ihren Mann mit hoch?ind geht rauschend und entrüstet fort. Der Alte blickt ihr verdutzt nach. Dann sieht er an seinem schmierigen Arbeitskittel herunter und betrachtet das fleckenlose Seidenkleid der davongehenden Frau— und lächelt.—-- Theater. — Der Raimund-Preis von 830 Gulden ist dem stllhercn Direktor des Burg-Theaters, Dr. Burckhard für sein im Raimund- Theater aufgeführtes Wiener Volksstück„'s K a t h e r l" zugesprochen ivorden. Dieser Preis ist für das beste im Laufe von zwei Jahren im Wiener Raimund-Theater aufgeführte volksthümliche und zug- kräftige Werk ausgesetzt.— Alls dem Thierleben. — Orpheus im Zoologiscken Garten. Unter dieser lleberschrift bringt die„(Juarterfy P.uview" einen Artikel, in dem die Wirkung der Musik auf die verschiedenen wilden Thiere ge- schildert ivird. Man hatte das Experiment mit einer Violine, einer Flöte und einer kleinen Pfeife angestellt. Die Violine gefiel aus- nahmslos allen Thieren. Alle reckten sie den Kopf lauschend nach der Richtung des Tones; der Löwe wedelte mit dem Schiveif, die Lö>vin rannte geschäftig nach vorn und suchte ihren Gatten von dem Gitter zu verdrängen; der Eisbär ging bedächttg auf den Hintertatzcn auf und nieder und brummte vergnügt, die Schlangen waren gar wie be- zaubert, richteten sich hoch auf und schwenken den Kopf im Takt, wobei sie mit der gespaltenen Zunge wn den Rachen spielten selbst der Tige., horchte unbeweglich und gespannt, eine Tatze in der Suft. Dagegen versetzte der Ton der Pfeife die Bestien in helle Wuth. Der Elephant wendete sich um und stampfte entrüstet davon: der Vogel Strauß sträubte die Federn und rannte zornig auf und nieder, der Tiger peitschte den Boden wüthend mit dem Schweif und raste im Käfig hin und her, und die Schlangen wanden sich lvie unter physischen Schnrerzen. Doch der Ton der Flöte beruhigte die Gemüther sofort. Völlig unempfindlich gegen die Musik erwiesen sich nur die Robben, die Tarantel und die Riesenschlange. Alle andern zeigten sich äußerst empfänglich und verletzt durch fälsche Töne. Der Wolff nahm sogar, weil eine Saite riß. den Schweif angstvoll zwischen die Beine und floh fauchend mit gesträubtem Haar in die äußerste Ecke des Käfigs.— Hydrographisches. ie. Wie die Flüsse i h r Wasser selbst reinigen, hat der Schweizer Hydrograph Forel in mehreren Fällen sowohl an der Oder bei Stettin wie bei einigen russischen Flüssen nachgewiesen. Leider ist diese Selbstreinigung nicht so gründlich, um das Wasser der Flüsse iinmer von neuem krystallklar zu erhalten, dennoch ist dieser Vorgang von höchster Bedeutung, und man kann sage», daß es an vielen Stellen ohne ihn keinen einzigen Fisch im Flußwasser geben würde. Wenn nian das Waster in einem großen Flußhafen z. B. in Stettin oder bei Swine- münde genau betrachtet, so sieht man es bedeckt von einer trüben Schicht, die aus allerhand fetten Stoffen, besonders aus Petroleum besteht und eine große Menge von aller Art Schmutz enthält. Besonders auffallend ist diese Erscheinung in Flüssen lvie in der Moskwa und der Wolga, wo die meisten auf dem Wasser verkehrenden Dampffchiffe mit Petroleum geheizt werden. Nun sollte man glauben, daß diese Schicht das Wasser dauernd bedeckt, das ist aber nicht der Fall, vielmehr sieht man dieselbe vielfach unterbrochen von Stellen klaren Wassers, die durch ihr Aussehen und dnrch die vom Winde erzeugten kleinen Wellen deutlich zu unterscheiden sind und allmälig immer größer werden. Verfolgt man einen mit solcher Fettschicht bedecktm Fluß abwärts, so verschwindet dieselbe allmälig immer mehr. Die Moskwa z. B. ist 50 Kilometer unterhalb Moskau und die Wolga 40V Kilometer unterhalb des großen Hafens von Nischmj-Nowgorod wieder so rein wie oberhalb dieser Häfen. Woher konnnt nun diese Reinigung? Nach den Beobachtungen Forels ist sie eine Folge der dauernden Brechung des Wassers an den Ufcm und au den Inseln und sandigen Untiefen, die etwa ans dem Wasser hervorragen. Hier wird das Wasser immer aufs neue in kleinen Wellen angetrieben, und die Fettstoffe bleiben am Sande, an der Erde, an Wurzeln k. als ein seifiger Schaum hängen, der ein Spiel des Windes wird. Solchen Schaum kam man sehr häufig an den Usern verkehrsreicher Binnengewässer sehen. Würden solche Wasser- länfe, Seen und Häfen, Ivo sich viel Schmutz ansammelt, nicht auf diese Weise ihr Wasser selbst reinigen, so würden die Fische wahr- scheinlich bald daraus verschwinden, weil die zähe Fettschicht die Zu- fuhr frischer Lust zum Wasser verhindern würde, deren die Fische zum Leben bedürfen.— Technisches. gr. Fabrikation von K u n st h o l z ans Torf. Sluf ein Verfahren zur Erzeugung von Kunstholz aus Torf hat ein Fabrikant in Broich bei Mülheim ein Patent genonunen. Nach diesem wird roher Torf jeder Art ausgelaugt beziv. entsäuert und zwar so lange, bis Lackmuspapier keine Röthung mehr zeigt. Dann wird der ausgelaugte Torf vollständig zerfasert, sodaß eine faserige krause und eine mehlige Masse entsteht. Hierauf wird das Gemenge beider Massen solange hin- und herbewegt oder gc- schüttelt, bis sich eine filzige, in den Zwischenräumen Torf- nicht enthaltende feuchte Masse gebildet hat. Diese feuchte Masse läßl man nun antrocknen und vermischt sie darauf zur Ausfüllung der Poren mit in Wasser aufgelöstem Gips. Alsdann wird dieses Gemisch in geeignete Formen gebracht und einem hohen Hydrauli- scheu Druck ausgesetzt. In den Formen bleibt die Masse etiva eine Stunde unter dem hohen Druck stehen, bis alles überschüssige Wasser entfernt ist. Nachdem kein Wasser mehr abläuft, wird die Masse aus den Formen genommen und in einer Trockenkammer durch einen mittels Ventilatoren erzengten, mmnterbrochcnen kalten Luftstrom getrocknet. Durch die starke Preffung und die vorherige Tränkung mit Gipswasser, durch dessen Gipsgehalt die Poren verstopft wurden, sind die hygroskopischen Eigenschaften der Masse fast aufgehoben. Zur Vorsicht wird die Masse itartt den, Trocknen noch geölt oder mit einer Lösung von Harz in Spiritus angestrichen. Als ein geeignetes Mischungsverhältniß hat sich folgendes erwiesen: 2 Volumtheile Gips, 10—12 Volnmtheilc Wasser, 6 bis 8 Volumtheile Torf. Damit der Gips bei der Fabrikation im Großen, wobei die Masse längere Zeit zur Verarbeitung braucht. nicht so schnell bindet, setzt man zu diesen Bestandtheileu noch ei» wenig Leim hinzu. Das nach diesem Verfahren hergestellte Kunst- holz soll widerstandsfähig gegen Hitze, Kälte und Druck sei» und jeder mechanischen Bearbeitung unterzogen werden können.— Humoristisches. — Unerwarteter Erfolg. Ein lustiges Intermezzo er- eignete sich am vergangenen Sonntag in einer stark besuchten Kirche im vornehmsten Viertel Londons. Die Gemeinde lauschte den Verantwortlicher lliedakienr: August Jacoben m B Worte» eines beliebten Kanzelredners. Mitten in feiner Rede machte der Prediger plötzlich eine lange Pause. Von seinem erhöhten Stand- Punkt aus konnte er einen großen Theil seiner Zuhörer übersehen, und da ivar denn sein Auge unvermuthet von einem merkwürdigen Anblick ge- fesselt worden. In der Tiefe einer der altmodisch hohen Bänke saßen eng aneinander geschmiegt ein Jüngling und ein Mädchen. Sie drückten sich innig die Hände und gaben sich auch noch anderen Zärtlichkeiten hin, die selbst die in der Bibel enthaltene! Ennahnung„Liebet euch unter einander" nicht gerade zur Bedingung machen dürfte. In dem Gesicht des peinlich überraschten Pastors malte sich deutlich die Entrüstung, die er empfand. und ehe er in seiner Rede fortfuhr,' setzte er die verwunderte Gemeinde davon in Kenntniß. daß„zwei jugendliche Personen beiderlei Geschlechtes sich eines Betragens schuldig machten, das in hohem Maße unschicklich wäre, und falls diese Sünder es nicht vorzögen, nach Schluß des Gottesdienstes in die Sakristei zu kommen, um persönlich das Bekenntniß ihrer Reue abzugeben, lvürden ihre Namen am nächsten Sonntag vor der ganzen Versammlung genannt werden". Das Resultat dieser furchtbaren Drohung war eine überaus ergötzliche Szene. Als der Pastor nach Schluß der Andacht in die Sakristei kam, erwarteten ihn— zehn Pärchen, um reumüthig das Donnerwetter über sich ergehen zu lassen.— — Keine Regel ohne Ausnahme. 1. Reisender: „Sagen Sie mir, was eiir Mensch liest, und ich will Ihnen sagen. was ein Mensch ist."— 2. Reisender:„Das trifft nicht immer zu. Sehen Sie, meine Frau z. B liest beständig das Kochbuch—"— 1. Reisender:„Nun?— 2. Reisender:„Und ist nichts weniger als eine Köchin."— Vermischtes vom Tage. — Der Schützenvorstand der Gilde in W i 1 1 i n g e n, einem kleinen Städtchen in der Lüneburger Haide, macht bekannt, daß während des Schützenfestes„Dienstboten, welche weder Bürgersöhne noch Biirgertöchter sind, das Tanzen an diesen Tagen nicht gestattet ist".— y. Bei den zahlreichen Holzauktionen im Harz werben für Bau- und I n d u st r i e h ö l z e r jetzt 30— 40 pCt. höhere Preise als früher bezahlt.— — Die Maschinenfabrik Nagel u. Eaemp in Hamburg ist gänzlich ii i e d e r g e b r a im t.— — Einer der Theil nehm er an der Nansen'schen Expedition, der Maschinist Lars Pcttcrson, ist Sonnabend Nacht im Hamburger Hafen ertrunken.— — In Breslau ist am Dienstag die k>0. deutsche Lehrer- Versammlung zusammengetreten. 3500 Lehrer aus Deutschland und Oesterreich nehmen daran theil.— — In der Nähe der Station Silucka entgleiste ein Per- sonenzug P r a g- W i c n. 4 Passagiere wurden verwundet.— — Ein etwa 3 Wochen alter Hase mit acht Füßen, drei Ohren und zwei Schwänzen wurde in S t o n n i n g(Niederösterreichs aufgefunden.— — Gleich ein halbes Dutzend öffentlicher Denk- mäler sind für Wien in nächster Zeit in Sicht: Helmerts Goethe. Tilgner's M a k a r t, Bogbs R a i m u n d, die für Canon und B r a h in s projettirteu Denkmäler, dazu ein E r z h e r z o g. Berlin ist aber doch„über". Und waS das für eine Bcrtheilung ist: fünf Zivilisten und e i n Militär!— — In eine Dynamitfabrik bei Peggau schlug, wie aus Graz gemeldet wird, der Blitz. Eine Hütte flog in die Luft, wobei ein Arbeiter getödtet und zwei verwundet wurden.— — In der Ortschaft O r l o(Ungarn) sind 34 Häuser und 33 Nebengebäude abgebrannt.— — Völlig entkräftet infolge von andauernden Entbehrungen stürzte einer der begabtesten Schüler der Künstlerschule zu Budapest plötzlich ini Lchrsaale zusammen und starb.— — In der Gemeinde Beznnia bei Semlin führte ein Lehrer Knaben zum Baden in einen Teich, ohne die Tiefe zu prüfen. lvkehrere Knaben sanken unter, vier ertranken.— — Infolge eines WolkenbruchcS ist der Fahrdamm zwischen P i r o t und Z a r i b r o d(Serbien) in einer Ausdehnung von 000 Metern eingestürzt. Der Verkehr ist unterbrochen. Ein Zug. der zur Uebernahme der Reisenden entsandt wurde, stieß bei Ralja mit einem Güterzuge zusanimen. Drei Beamte erlitten dabei Ver- letzungen.— — In Antwerpen sank infolge Zusammenstoßes mit einem anderen Schiffe der Dampfer„Medusa". Ein Arzt und zwei Bkatrosen sind ertrunken.— — Ans der Gotthardbahn wurden am Montag in der Nähe des Bahnhofes L u z e r n Streckenarbeiter, die vor einem heranfahrenden Zuge auf das benachbarte Geleise übergetreten waren, auf diesem von einem Sonderzuge überfahren. Vier Arbeiter waren sofort todt, drei wurden schwer verletzt.— — Auf den Schweizer Eisenbahnen sollen vom 1. Juni ab Gencral-Abonnements eingeführt werden, mir einer Giltigkeitsdaner von 15 oder 30 Tagen, 3, 0 oder 12 Monaten Für 30 Tage betragt der Preis dritter Klasse 30 Franks. Für diese? Geld kann man die Schweiz einen Aionat lang, nach allen Richtungen hin, jede Strecke so oft man will, befahren.— rliv Druck und Verlag von Max Vading in Berlin.