Mnlerhaltimgsblatt des vorwärts Nr. 114. Dienstag, den 14. Juni. 1893 (Nachdruck verboten.) 101 Mm Äie Freihett. Geschichtlicher Roman aus dem deutschen Bauernkriege 1525. Von Robert Schweichel. „Liebe?" rief der Vater, und warf die Feder auf den Schreibtisch zurück.„Aber das sind altmodische Thorheiten, deren ich Dich nicht für fähig gehalten hätte. Die Ehe er- fordert verläßlichere, festere Grundlagen und Bedingungen, als eine flüchtige Erregung des Herzens. Und diese Be- dingungcn sind auf beiden Seiten vorhanden. Hast Du darum den Doktorhut mit Auszcichmmg erworben, um ihn in unserer kleinen Stadt verstauben zu lassen? Das würde Dein Loos sein, da Du außer dem kleinen Erbtheil Deiner Mutter keine Mittel hast; denn ich besitze kein Vermögen. Du wirst wohl wissen, daß Rothenburg selbst seine obersten Beamten so kärglich bezahlt, daß ich mir die verschiedensten Nebenämter aufbürden mußte, um meiner Stellung gemäß leben und die Kosten Deiner Erziehung bestreiten zu können. Sie hat viel, sehr viel Geld gekostet, insonderheit Dein Studium in Welsch- land und Deine dortigen Reisen. Aber ich habe dessen nicht geachtet, weil esnachmeiner Ueberzeugung bei Deinen Fähigkeiten gut angelegt war. Nun wohl, diese Fähigreiten eröffnen Dir eine glänzende Laufbahn; aber ohne Vermögen bist Du ein Hinkender, den jeder überholt. Heute ist es nicht mehr das Schwert, sondern in erster Reihe die Äenntniß des römischen Rechts, was die Anwartschaft aus die einflußreichsten und höchsten Stellen im Rothe der Fürsten verleiht. Das Ver- mögen nieiuer Mündel wird Dir den Weg bahnen und Du kannst auf ihm keine bessere Gefährtin haben als sie. Denn sie ist ehrgeizig und sowohl durch die Erziehung, die sie bei den Dominikanerinnen erhatten hat, wie durch ihre Schönheit ge- schassen, selbst an den prächtigsten Höfen zu glänzen." „Um Gottes willen, Vater, so niedrig schätzest Du mich?" rief Max mit schmerzlicher Erregung.„Nicht meiner Kraft soll ich meine Zukunft zu danken haben, sondern dem Golde, fremdem Golde?— und welchem Golde!" Er that einen tiefen Athemzug und fuhr dann mit einer gewissen Hast fort:„Ich habe auf nieincrReise durch das Reich vielElend gesehen, grenzen- loses Elend. Ich sah, daß unsere Bauern ost das Allernoth- wendigste entbehrten, trotzdem sie sich keine Rast gönnten und bei jedem Wind und Wetter voni ersten Tagesgrauen bis in die sinkende Nacht schassten. Ich sah ihre erbärmlichen Hütten, sah sie elend gekleidet, elend genährt und von ihren Herren schlechter behandelt als das Vieh. Ich sah die von der langen Tages- arbeit erschöpften Männer Nachts bei ihren Aeckern mit Klappern wachen, damit das Wild ihnen nicht die Frucht wegfrißt, von der ihr und der Ihrigen Leben abhing. Ich sah die armen Weiber au Sonn- und Feiertagen, anstatt zu ruhen, vor Thau und Tag auf den Wiesen Schneckenhäuselein zusammenlesen — zu Garnknäueln für die Schloßherrin. Und, Vater, ich sah Männer und Weiber zusammen vor den Pflug gespannt und die Vögte sie mit der Peitsche antreiben als wie das Zugvieh. Und ich fragte mich: woher das grenzenlose Elend der armen Leute? Wer isset die Frucht ihres zähen Fleißes? Haften an dem Reichthum der Herren die Thränen, der Hunger, die Flüche der Annen und Elenden, so kleben sie dreifach schwer an den Schätzen derjenigen, welche die allge- meine Volksftimmc die Tochter des Wucherers nennt. Ihre Schönheit vermag das Urtheil nicht zu bestechen." Das einem verwitterten Steine ähnliche Gesicht Konrad Eberhards war womöglich noch starrer geworden. Aus seiner Stimme aber grollte es wie ein heraufziehendes Wetter: „Roth und Armuth hat es stets gegeben und sie werden dauern bis an der Welt Ende. Kein'Weltverbesserer wird je etwas daran ändern; denn Gott hat es also geordnet. Du aber hüte Dich vor den Irrlehren der Neuerer, dieser Münzer, Karlstadt, Deutfchlin und wie sie noch heißen mögen. Sie können nur Verderben über die Verführten heraufbeschwören, deren Leichtgläubigkeit und Blindheit sie zu ihrem Nutzen auszubeuten trachten. Im übrigen: was kümmert Dich das Geschwätz der Leute? Der alle Ncurcutcr ivar ein kluger Mann. Hat er klein angefangen, nun, die weltberühmten Fugger, jpe heute reicher sind als kein Fürst es ist, kamen als arme Weber nach Augsburg. Wie sie hat er die günstigen Umstände, die sich ihm boten, zu nützen verstanden. Das ist nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht eines jeden Verständigen. Solche Köpfe sind es, die Leben in Handel und Wandel bringen und den Auf- schwung ihrer Vaterstadt fördern. Gegen die Gesetze hat er nie verstoßen. Wenn seine Tochter in den Häusern unserer Geschlechter mit offenen Armen empfangen wird; wenn der erste Bürgermeister der Stadt sie in seine Familie auf- genommen hat, so deucht mich, daß selbst Dein überfeines Zart- gefühl sich zufrieden geben könnte. In ihren Händen ist das Vermögen ohne Makel." „Der Glaube an die Weltordnung, zu der Du Dich be- kennst, versagt mir," erwiderte Max mit Festigkeit, doch ohne Trotz.„Aber wenn ich auch Gabriele von aller Verantwortlich- keit für die Handlungsweise ihres Vaters freispreche, so bleibet dennoch der Makel an ihrem Reichthum hasten. Ich würde meine Ehre in meinen eigenen Augen schädigen, wollte ich solche Mittel meinem Ehrgeiz dienstbar machen. Ich habe Deine große Güte gegen mich nie verkannt und ich bin Dir dafür von Herzen dankbar. Du hast auch diesen Plan zu meinem Glücke ersonnen; aber Du kennst jetzt die Gründe, weshalb ich auf ihn nicht eingehen kann. Las}' ihn daher fallen, ich bitte Dich l" „Deine Gründe beweisen nur die Unreife Deines Kopfes/ versetzte der Vater, während der Zorn seine hageren Wangen röthete.„So muß ich denn für Dich denken und handeln. Ich habe für Dich kraft meiner väterlichen Rechte gewählt; dar- nach richte Dich!" Er schob seinen Sessel zurück und stand auf. „Es ist mir schmerzlich, daß ich Dir darin nicht gehorchen kann." sagte Max entschlossen und erhob sich gleichfalls.„Ein Knabe bin ich nicht mehr und was Du meiner Ueberzeugung nicht abgewinnst, durch Zwang erreichst Du es nicht. Ich bitte Dich, laß uns nicht so von einander gehen." „Die Wahl steht bei Dir," erwiderte Konrad Eberhardt und verließ das Zimmer. Max seufzte schwer, als er allein war. Es war ihm, seitdem er wieder in Rothenburg sich befand, mit jedem Tage deutlicher geworden, daß es zwischen seiner Geistesrichtung, zu der er sich in der Fremde durchgerungen, und den fest im Alten wurzelnden Ueberzeugungen seines Vaters zu harten Reibungen kommen müßte. Nun hatte der Kampf begonnen, der die Gegensätze nicht ausgleichen, sondern nur verschärfen konnte, und das schmerzte ihn. Denn der frühe mutterlos Gewordene war in der höchsten Meinung von dem scharfen Verstände und der starken Willenskraft des Vaters auf- gewachsen. In dieses Gefühl mischte es einen Tropfen von Bitterkeit, daß der Streit um Gabriele's willen entstanden ivar. Er hatte in Welschland der geselligen und heiteren Stunden, die er mit ihr und ihrer Freundin Sabine im Hause des Herrn Erasmus verlebt, gern gedacht und gehofft, in der schönen Gabriele eine Vertraute seiner Ideen zu gewinnen. DaS gestrige Festmahl hatte ihn vollends über den Trug dieser Hoffnung aufgeklärt,„llscta est alea(der Würfel ist gefallen)", sprach er mit Ulrich von Hutten, dessen Schriften ihn hauptsächlich auf die neue Bahn gewiesen hatten. Der Name dieses genialsten und radikalsten unter den Humanisten hatte ihn zu Bologna von der Mauer des Universitätshofes inmitten derjenigen vieler Landsleute ge- grüßt und er hatte den Heimweg über die Schweiz nur des- halb gewählt, um das Grab Hutten's auf der Jnfel Ufenau im Zürichsee zu besuchen. Der heilkundige Pfarrer Schneeg, der den Unglücklichen in seinen letzten Leidenstagen auf- genommen, hatte ihm viel von Hutten erzählt. Es trat jetzt wieder lebhast vor seine Seele, und er gedachte des stänkischen Ritters, der dem Pfarrer Schneeg das Geld geschickt hatte, um das Grab des so früh dem Tode Verfallenen mit einem Denkstein zu zeichnen. Florian Geyer von Geyersberg hieß er. Der Name war Max als einem Rothcnburger nicht fremd, und es hatte den in seiner Vaterstadt Vereinsamten schon wiederholt die Versuchung angewandelt, an Hutten an- knüpfend, dem Ritter sein Herz zu erschließen. Jetzt gehorchte er diesem Drange. Den Brief trug er zu Langenberger, in dessen Gasthaus, dem Bären, sich am häufigsten Gelegenhett zur Beförderung zu finden pflegte. Noch gab es in Rothenburg keine Post. Kaum wieder in seiner Schreibstube, erhielt Max den Be- such eines Mannes, der erst am Tage vor dem Dreikönigsfeste in der Stadt eingetroffen und von dem an der Tafel des Herrn Erasmus viel gesprochen worden war. Manches davon hatte Max bereits von feinem Vater vernommen, und ver- schlangen sich die Fäden zu einem Gewebe, wonach Ritter Stephan von Menzingen, einem tunnerfähigen Geschlechte Schwabens entsprossen, zu Anfang des Jahrhunderts nach Rothenburg gekommen war, hier Margarethe, die Tochter des Rathshcrrn Pröll geheirathet und das Bürgerrecht der Stadt erworben hatte. Bald darauf war er als Ober- amtmann des nahen Städtchens Äreglingen an der Tauber in die Dienste des Markgrafen von Brandenburg getreten und hatte, als er nach wenigen Jahren aus dieser Stellung geschieden, das Schlößlein Rcinsburg auf Rothenburger Gebiet erstanden. Dieser Kauf hatte zu Streitigkeiten mit dem Rathe geführt. Denn Stephan von Menzingen hatte sich geweigert, die Steuer für Uebertragung des Besitztitels von Rcinsburg, die sogenannte Rekognitionssteuer, zu zahlen. Zur selben Zeit hatten die Krcglinger bei dem Reichskammergericht gegen Stephan von Menzingen wegen harter Bedrückung geklagt, und dieser war zur Entschädigung verurthcilt und Rothen- bürg mit der Exekution beauftragt worden. Das hatte um so mehr Oel ins Feuer gegossen, als dadurch der Verdacht bestätigt erschien, daß Ritter Stephan, dessen Vcrmögcnsverhältnisse bei seiner Ankunft keines- Wegs die glänzendsten gewesen, sich durch die Unter- drückung der Krcglinger bereichert hätte. Und Stephan von Menzingen war nicht der Mann, dergleichen geduldig hin- zunehmen. Er ließ sich zu schweren Beleidigungen gegen einige der angesehensten Rathsherrcn hinreißen und als deshalb auf ihn gefahndet wurde, entwich er zu dem Herzoge Ulrich von Württemberg. Jetzt hatte der Rath ihm auf sein Ansuchen freies Geleit gewährt und er war zum Austrag seines Handels in der Stadt erschienen. Haltung und Mienen des Ritters ließen klärlich erkennen, daß das widrige Schicksal seinen Stolz nicht geschmälert hatte. Auch war sein dunkler Anzug, der sich dem spanischen Zuschnitt näherte, wie er unter der Regierung Karls V. in Deutschland Mode zu werden begann, von kostbarem vlämischen Tuche und darüber hatte er einen feinen Kamclotmantel geworfen. Die große Gestalt begann zur Fülle zu neigen und der Kopf saß auf einem starken, etwas kurzen Halse. Kurz gehaltenes schwarzes Haar streckte eine Spitze in die hohe runde Stirn vor, unter der dunkle Augen niit breiten Lidern sich ein wenig wölbten. Sinnlich geschnittene Lippen glühten zwischen dem gekräuselten Schnurr- und dem starken Kncbelbarte. Max fühlte sich deni Besuche gegenüber anfänglich nicht ganz un- befangen, als ob er und nicht Stephan von Menzingen in einem üblen Leumund stände. Der Ritter ließ ihn über den Zweck seines Besuches nicht lange im Ungewissen. „Ich hatte mir nicht vorgestellt, daß Ihr noch so jung wäret, HerrDoktor; denn mein Gang gilt dem Rechtskundigen," sprach er mit einem kardialen Freimuth.„Um so sicherer sind Eure Älicnren. daß Ihr deren Sachen niit Eifer und Liebe betreiben werdet." „Vorausgesetzt, daß der Eifer von der Rechtskenntniß und Erfahrung nicht im Stiche gelassen wird," bemerkte Max, indem er ihn zun: Niedersitzen einlud. „Komnien wir ohne Wortgefecht zur Sache," nahm der Ritter wieder das Wort.„Bei einem Becher guten Weines, meiner Treu, da Hab' ich es gern. Warum ich im freien Geleit der Stadt hierher zurückgekehrt bin. ist kein Staats- geheimniß. Ihr wußtet es sicher, lieber Doktor? Wohl I Der Altbürgermeistcr und selbst der Stadtschrciber, Ehrenfricd jkumpf und Thomas Zweifel, haben mich beide auf Euch ver- wiesen als den fürtrcfflichsten Rechtsbeistand in meinen Händeln wider Rath und Reichsgericht, hauptsächlich wider letzteres. Der Kreglinger Prozeß muß revidirt, der Exckutionsschluß aufgehoben werden. Wollet Ihr also meine Sache führen?" Max zögerte.„Ich habe noch nicht durch Thatcn be- weisen können, daß ich das große Zutrauen der beiden Herren und das Eurige verdiene, Herr Ritter," wandte er ein. „Meiner Treu, ich wage es darauf." versicherte Herr Stephan mit einer Bewegung seiner Rechten, als wollte er alle Einwendungen zurückweisen.„Ihr werdet Euch aus meinen Papieren überzeugen, lieber Doktor, daß ich in Kreglingen nur nach meinen Instruktionen verfahren bin. Ihr wisset so gut wie ich, in welchem Grunde die Saug-, pumpen stecken, aus denen die Summen fließen, die auf Schloß i Onolzbach verschlemmt werden. Der sürnehmste Befehl der; Markgrafen lautete stets: Geld! Geld! und wiederum Geld! Ich will nicht leugnen, daß ich selbst damals meine Lage verschlimmerte. Wer vermag auch seinen ehrlichen Zorn zu bezwingen, wenn er wahrnimmt, daß die Gerechtigkeit zweierlei Maß hat? Wäre ich den großen Hansen versippt gewesen, ei, sie hätten die Rekognitionssteuer von mir nicht gefordert. Da ich ihnen das ins Gesicht sagte, hatte ich verspielt. Nichts mehr davon, es regt mir zu sehr die Galle auf! Jedenfalls aber hätte ich die Meinigen nicht nach Rothenburg mitgebracht, wenn ich der Gerechtigkeit meiner Sache nicht fest vertraute." „So will ich es denn versuchen, ihr zum Siege zu ver- helfen," entschied sich Max. Stephan von Menzingen schüttelte ihm die Hand. Auf dem Rathhausthurm wurde die elfte Stunde an- geschlagen. Der Ritter erhob sich. „Schon Mittag! Schade!" sagte er.„Ich hätte wohl gern noch dieses und jenes mit Euch besprochen, sind doch die Zeitläufte gar wunderlich kraus. Alte Freunde werden zu Todfeinden und alte Gegner reichen sich zu einem neuen Bunde die Hände. Wie wäre es, lieber Doktor, wenn Ihr morgen mein bescheidenes Mittagsmahl theiltet? Ich bitte Euch, seid mein Gast!" Max fand keinen stichhaltigen Grund,'die Einladung ab- zulchnen. Lieber wäre es ihm gewesen, nicht eher in gesell- schaftliche Beziehungen zu dem Ritter zu treten, als bis er sich aus dem Einblick in die Akten überzeugt hatte, daß die Bedrückung der Kreglinger ihm mit Unrocht zur Last gelegt wurde. Eines Schivereren konnte nach seiner Ansicht niemand bezichtigt werden. lFortsetznng folgt.) Ein neues Vevfnhven zne Eezvugung lzolzvv ErnrpeenLuven. Bei der unlängst in Darmstadt stattgehabten Hauptversammlung des Vereins deutscher Chemiker erregte Dr. Hans Goldschmidr aus Essen(Ruhr) mit einem Experimentalvortrag, in welchem er sein neues Verfahren zur Erzeugung hoher Temperaturen, die man bisher nur unter Anwendung von Elektrizität hervorbriugeir konnte, dcmonstrirte, großes Aufsehen. Die Methode beruht, wie der „Franks. Ztg." von kompetenter Seite mitgetheilt wird, im wescnt- lichen darauf, daß Aluminium fauch Magnesiuni und Calcium- earbid können mit in Anwendung gebracht werden) verbrannt wird, aber nicht mit Hilfe des Sauerstoffs der Lilft. sondern mit dem an ein Metall chemisch gebundenen Sauerstoff, also z. B. mit einem Oxyd wie Eisenoxyd, gewöhnlichem Sand oder dergleichen. Es wird also das Aluminium mit„festem Sauerstoff" verbrannt. Der Effekt ist ein sehr überraschender: Die Mischung wird mit einem Streichholz in Brand gesetzt und brennt dann unter hellster Weißgluth ruhig weiter. Auf diese Weise wurde ein etwa 4 Zoll großer Niet, der mit einer solchen Erhitzungsmasse umgeben war, ,n einigen Sekunden glühend gemacht. Uni die Ausstrahlung, also Wärmcverluste, zu vermeiden,! wurde das Experiment in einem gewöhnlichen Holzcimer wiederholt, jedoch mit einem sehr viel größeren Niet, der zirka Kilogramm wog. Der Eimer war mit einer Sandschicht ausgekleidet, die die Wärme so gut zusammenhielt, daß das Holz nicht einmal warm wurde. Nach einiger Zeit wurde die hochglühende Masse ausgestürzt, und nachdem die Schlacke von dem Eijenstiick abgeschlagen war, präsentirte sich ein weißglühender, stauchfcrtiger Niet größter Dimension. Ein fernerer Versuch zeigte das Verfahren als besonders zum Hartlöthen geeignet. Ein Flansch wurde auf ein zölliges Eisenrohr mit Hilfe der neuen Wärmemasse hart aufgelöthet. Die Kosten des neuen Verfahrens wurden ausdrücklich als gering bezeichnet, da man nur sehr wenig Aluminium zur Hervorbringung der hohen Temperatur braucht und man außerdem noch ein billiges Roh-Alnniiniuni wählen könne. Beispielsweise betragen die Kosten des Auflöthcns des einzölligen Flansches kaum 15 Pfennige. Da man auch reines Schmiedc-Eifen so direkt darstellen kann, ist das Verfahren unter den nöthigcn Kautelen auch als Schweiß- verfahren anzuwenden. Es ivurden von den: Vortragenden einige derartige Stücke vorgezeigt. Ebenso leicht ist es möglich, durch dicke schmiedeeiserne Platten große Löcher zu schmelzen. Das Verfahren ist aber besonders wichtig für die M e t a l- l u r g i e, indem man auf dieselbe Weise, nur dunb Variationen in der Mischung, direkt reine, geschmolzene kohlcfreie Metalle herstellen kann, welche in reinem und geschmolzenem Zustande abzuscheiden, bisher noch nicht gelungen war. In erster Linie gehört hierzu das Chrom, und von diesem wurden nunmehr in einem großen Tiegel mehrere Kilo innerhalb weniger Minuten dargestellt. Wieder wurde die Masse mit einem gewöhnlichen Streichholz angezündet, in den Tiegel wurde nach und nach immer mehr von dem Gemenge ein- getragen; der ganze Inhalt stellte einen fenrig-glühenden Flu« dar, dessen Temperatur auf ca. 3000 Grad C. zu schätzen ist. Irgend eine nutzere Wärmezufuhr fand auch hier nichr statt, so datz die Autzen- wand des Gcfähes kalt blieb. Die während der Dauer deS Versuches von etwa 5 Minuten in dem Tiegel verbrauchte Kraft berechnet sich auf reichlich 2000 Pferdestärken, da ebensoviel Kraft nöthig wäre, um daS bei diesem Vcr- suche verbramrte Aluminium in gleicher Zeit herzustellen. Das hergestellte Metall konnte natürlich noch nichr besichtigt werden, da die Abkühlung viele Stunden dauert. ES war jedoch vorher in einem gleich grotzen Tiegel und in genau derselben Weise, etwa ö Kilo, Chrom hergestellt worden, das von der Schlacke befreit und vor- gezeigt wurde. Eine grotze Zahl anderer Metalle lassen sich in derselben Weise abscheiden! es wurde vom Vortragenden besonders auf die aus- gestellten Stücke von reinem kohlefrcicn Mangan aufmerksam ge- macht, das sich fast ebenso gut an der Luft hält, wie das Chrom und vor allem nicht zu Pulver auSeinanderfälll, wie das bisher im Handel käufliche, stark carbidhaltigc Produkt. Interesse boten auch einige kleinere Stücke metallisches Vanadium, ein Metall, das in diesem reinen, rcgulinisckicn Zustande bisher auch noch nicht bekannt war. Ferner lagen noch Legierungen von Fcrrobor, Ferrotitan, Chromtupfer ze. aus. Die Schlacke, die bei dieser Metalldarstellung sich bildet, ist nichts Ivciter als künstlicher Korund. Sie ist aber bedeutend härter als der natürliche Korund resp. Schmirgel und eignet sich deswegen besonders gut als Schleifmittel, soweit das Material nicht wieder zur Herstellung von metallischem Alnnnnium passende Verwendung findet. Als Nebenprodukt werden bei dem Verfahren künstliche Edel- steine, Rubinen erzeugt. Der Vortragende zeigte in der Schlacke, die von der Chromdarstcllung stammt, kleine durchsichtige rothe Krystalle, die ihrer Zusammensetzung nach als Rubinen an- zusehen sind, aber infolge ihrer geringen Grütze keinen Handelsiverth besitzen. Es folgten weiter noch einige Experimente, die speziell darthim sollten, mit welcher explosionsartigen Wirkung Aluminium besonders mit Sulfaten reagirt. Die bctrcftcndcn Mischungen entzündeten sich zu wahrem Feuerregen. Ferner werde gezeigt, datz ein Gemisch von Aluminium oder auch Calciunicarbid mit Natriunisupcroxhd schon beim Vermischen abbrennt, und datz man diese Reaktion be- nutzen kann, um beispielsweise ein Geniisch von Eiscnoxyd und Aluminium behufs Abscheidung von Schmiedeeisen zur Entzündung zu bringen. Man braucht also, um die Reaktion hervorzurufen, welche diese grotze Wärme abgicbt, nicht einmal ein Streichholz in Brand zu setzen. Der Redner machte zum Schlutz besonders darauf aufmerksam, datz das Aluminium als ein Wärme-Akkumulator an- zusehen ist, dessen Heizkrast überall mit grötzter Leichtigkeit aus- zulösen sei und datz somit eine neue Verwendbarkeit dieses inter- essanten Metalles gegeben ist.— Nleines Isenilleton. — Sine mißglückte Wahlrede. AuS Zeven schreibt man dem„Hannoverschen Courier": Ein Junisonntag, wie er besser gar nicht sein konnte! Die Sonne leuchtete, der Himmel glänzte, die ganze Erde war voll Fciertagsstille, und um die Lindcnkroncn summten die Bienen. Siehe, dies ist die Stunde, wo die Schönheit der Welt sich offenbart.— Aber Hermann Hohns keimt den stillen Zauber einer solchen Feierstunde nicht. Hermann Hohns ist ein Riese von Gestalt, seines Zeichens Bäckermeister und seines politischen Glaubens wegen ein eiftigcr Verfechter des Antrages Könitz. Eine Eigenthümlichkeit hat Hermann Hohns noch, die ich er- wähnen mutz: er hat Hände, oder wenn man will, Fäuste, so arotz und derb, als hätte die Natur ihn bestimmt, damit jeden Tag fo,— na so einige Ochsen zu erschlagen. Mit diesen Händen ist Hermann immer in Bewegung, wenn er redet, er„weiharnit jümmcr rüm". Das machte er auch gestern Nachmittag, als er die feierliche Sonntagsstille mit Agitationsrcden störte. Unaufhörlich flotz der Strom seiner Rede, unaufhörlich gingen seine Hände. Trotzdem ich mich etwas abseits setzte, um mein Glas Bier in beschaulicher Ruhe zu gcnietzen, klang es doch abgerissen zu mir her:—„nothlcidende Landwirthschast,"—„Antrag Könitz,"—„Getreidezölle,"—„will ich Euch mal auseinandersetzen,"—„Vorthcil,"—„Ihr doch ein- sehen" u. f. w. Hermann wutzte seinen Text!— Und seine Zuhörer? Na, die hörten auf ihn, freilich, aber auf ihren Gesichtern stand der Zweifel geschrieben, sie trauten anscheinend demKanitz-Evangelium nicht recht. Nur mein Nachbar Meierdierks sah immer mit gespanntester Aufmerksamkeit den Redner an. immer, ohne Aufhören. Und als zuletzt Hermann Hohns seine Rede schlotz, und alle schwiegen— da wandte er sich an Meierdierks und sprach: „Nich wahr, Meierdierks, Du hest mi verstahn un stimmst mit mi? Ick hefft an Din Gesicht sehn. Dat hest Du Di woll nich drömcn taten, dat Ii Buren so bei Bördele von dem Bund Herme Ist nich so?" „Weet nich. Du," sagte Meierdierks und kratzte sich hinter dem Ohre,„weet nich rech,— awcr ick heff jümmer Din Han' n ansehn mutzt! Scgg mal, Minsch, wo kannst Du woll mit so'n g r o t e Han' n so'n l i t t j e B r ö d ch e n backen?" Diese Wahlrede hatte keinen Erfolg.— — Die Furcht vor dem Ttencrbcamtcn. Als der berühmte Thier maler Landscer seine erste Reise nach Schottland machte, gefielen ihm die Hunde in einem Dorfe derart, datz er sie nicht nur aufmerksam musterte, sondern auch eine ganze Anzahl zeichnete. Bei Fortsetzung seiner Reise am nächsten Tage war er nicht wenig erstaunt, an allen Bäumen Kadaver erhängter, und im Dorsteich die zahlloser ertränkter Hunde zu sehen. Er hielt einen heulenden kleinen Knaben an, der ein junges Hündchen mit einem um den Hals gebundenen Stein zum nächsten Wasser trug und fragte nach dem Gmnde. Da erfuhr er denn zu seiner grötzten Verwunderung, datz die Dörfler ihn für einen— Stcuerbeaniten gehalten hätten, der alle Hunde, die er sah, aufschrieb, um die Eigenthümer wegen der etwa nicht bezahlten Hundesteuer an- zuzcigen.— Literarisches. —I.— Hermann Bang:„Am Wege." Berlin 18V3. S. Fischer.— Wieder einmal ein Roman voll lebenswahrer Ein- fachheit und wahrhafter Poesie! Kathinka, eine kinderlose Frau in den mittleren Jahren, ist an den Bahnhofsinspettor Bah verheirathet. Zehn lange, eintönige Jahre gingen wunschlos und ereignitzlcer an dem Ehepaar vorüber, wie die Eisenbahnzüge drautzen, die die Station durchliefen, ohne ein Stück Welt näher zu bringen. Endlich kommt doch jemand dort drautzen aus der Welt. Der'Gutsverwalter Hnus bringt etwas in diesen versteckten Erdenwinkel, was Kathinka wie eine Art Seelcnbefreiung empfindet. Mit einer stillen, nn- ausgesprochenen Liebe zu Huus erwacht in ihr eine Sehnsucht nach allem Unbekannten, Fernen und Freien; allein es ist ihr nicht vcr- gönnt, die engen Grenzen der sie umgebenden Kleinlichkeit zu über-' steigen. Huus, dessen Neigung zu Kathinka von Tag zn Tag wächst. besitzt Taktgefühl genug, nichr in den Frieden eines' alltäglichen Ehe- lcbcns einzugreifen; er reist weit fort. Einsam und unverstanden mutz das zu feinen Empfindungen geborene Weib am Wege eines eintönigen und werthloscn Lebens liegen bleiben und so an einer ungestillten Sehnsucht zu gründe gehen. Eine eigeuarttge Stimmung durchzittert das ganze Buch, das man unmöglich lesen kann, ohne seine» Inhalt mitzuerleben.— Theater. ck. Die Nene Freie Volksbühne gab am Sonntag im Thalia-Thcater als letzte Vorstellung ihrer diesjährigen Spielzett „Das n c u e S y st c m" von B j ö r n s o n. Das neue System ist eine Eisenbahn-Bauart, die von scheinbarem grotzen Vortheil für das Gemeinwohl ist. Der Generaldirettor Riis genietzt die Ehre, dieses System angeblich crsnuden und eingeführt zu haben. Da kommt, zu Beginn des Stückes, der junge Hans Kampe und weist nach, datz dieses System von verheerender Wirkung ist. Sein Vater, der beste Arbeiter des Generaldirektors. der durch die Vertreter des neuen Systems moralisch niinirt worden ist, hilft ihm dabei und richtet sich dadurch wieder auf. In dem Stück werden sämmtliche Phasen des Kampfes der Beiden gegen das neue System mit reifer Psychologie geschildert. Erst treten die Kinder des Generaldirektors gegen ihren Freund Hans Kampe auf. Als es sich aber herausstellte, datz der Generaldirettor nicht der Erfinder des neuen Systems ist, als alle Welt sich von der Gefährlichkeit desselben überzeugen muh und es vom Reichstag verworfen wird, da kommen Frcderik Riis als Freund und Karen Riis als Liebende wieder zu dem muthigen Streiter. Und so mutz der Generaldirektor erleben. datz nur seiiie Frau, die er einst der Karriere halber geheirathet, bei ihm bleibt, als nieniand, und auch er selbst nicht mehr an das neue System glaubt. Selbstverständlich handelt es sich bei dem„System" nicht allein um die nackte Geschichte. Die Hauptsache ist die Blotzstellung des gesellschaftlichen Systems der Verschweigung der Wahrheit aus Eigennutz. Das ganze System gipfelt in dem Ausspruch des Generaldirektors:„Die Kunst, die grotze Kunst des Lebens, ist eben die, zu balanciren, zu manövriren, nicht anzustotzcn!" Der Dichter, der mit überlegener Kcnntnitz seine Menschen behandelt hat, kann denn auch sehr rücksichtslos gegen diese Vertuschungs- und Lllgenapostel sein. Aber sein hoffnungsvolles Wesen äutzert sich zum Schlutz doch darin, datz die Wahrheit siegt, und selbst die Lügenapostel am Scheidewege stehen bleiben, um abzulenken von ihren Pfaden.— Das Stück ist eines von jenen, die durch eine tüchtige Regie und gute Schauspieler erst zum Leben kommen. Besonders tritt das in seinen tragischen Stellen hervor. Bei den zahlreichen Personen des Stückes konnten nicht alle gleichwerthig sein. Dennoch war das Schauspielerische im ganzen nicht unbedeutend. Magda Forts als weiche Mutter und Frau war die beste der Damen. Von den Herren war K l a u d i u s Merten als Frcderik Raben neben Robert Garrison, der einen fanatischen Bureauvorsteher zu geben hatte, der hervorragendste. Kunstgewerbe. — PreiS-Ausschreiben. Zur Erlangung von Entwürfen zu eigenartigen und künstlerisch ausgeführten Gegenständen, die als Andenken an Nürnberg zu dienen geeignet sind, schreibt die Firma Gg. Leykauf in Nürnberg unter Deutschlands und Oesterreichs Künstlern und Kunsthandwerkern einen allgemeinen Wctt- bewcrb cm§. Der Entwurf kann entweder als Modell fresp. als fertiger Gegenstand), oder als Zeichnung eingesandt werden, muß aber den Gegenstand in Naturgröße zeigen und so gearbeitet sein, daß aus ihm die Art der Ausfuhrung klar zu ersehen ist. Für diese ist Metall irgend welcher Art. Holz, Stein, Glas, Thon, Leder, Papier zc. oder eine Verbindung verschiedener Materialien anzunehmen. Die Be- zichnng zu Nürnberg muß an dem Gegenstände, aus dessen künstlerische Durchführung der Hanptwerth gelegt wird, unmittelbar hervortreten. Die Wahl des Motivs und des künstlerischen Stils ist freigestellt. Der Verkaufspreis des fertigen Gegenstandes darf nicht niedriger als 10 M. sein und 25 M. nicht überschreiten. Als Preise sind ans- gesetzt: ein I. Preis im Bettage von 500 M., ein If. Preis im Be- lrage von 300 M., ein III. Preis im Betrage von 200 M. Außerdem behält sich die Finna den Ankauf weiterer hervorragender Enttvürfe vor. Die Preisträger erhalten, falls sie sich mit der Her- stcllnng des betreffenden Gegenstandes befassen, sofort den Auftrag, 100 Exemplare desselben zu liefern. Der äußerste Termin für Eilt- sciidungcn ist der 20. September 18S8.— Medizinisches. ie. Die Weisheitszähne u n d ihre Schmerzen baben neulich die Pariser Akademie der Medizin lebhaft beschäftigt. Es ist leider sehr vielen Menschen aus Erfahrung bekamit, daß das Wachsen der Weisheitszähne in verhälttnßmäßig vorgeschrittenem Alter außerordentliche Beschwerden mit sich bringt. Dieselben be- stehen in Entzündungen,.ttnocheueiterungcn u. s. w. und gehen so- gar bis zur Erzeugung von Gebirnabsccssen. Bisher wurde als Grund dieser Erscheinungen ziemlich allgemein angenommen, daß der wachsende Zahn zwischen dem hintersten Backzahn und dem anffteigenden Ast der Kinnlade keinen Platz fände, besonders in der unteren Kinnlade, weshalb die Krankheitserscheinungen zehnmal häufiger im Unterkiefer als im Oberkiefer auftreten. Besonders wird noch darauf Hingelviesen, daß die bösen Folgen der Weisheitszähne sich vorzugsweise bei den geistig hvhcrstebendcn Menschenrassen einstellen. weil sich bei ihnen die Stirne auf Kosten der übrigen Gcsichtslnochen und so auch der Kicferäjte entwickelt hat, letztere werden kleiner und. damit auch der Raum, den der Weishettszahn einnehmen soll. Moty meint neuerdings, daß massenhafte Hautwuchernngen, die von der Wurzel des Zahnes ans in die Höhlung eindringen, die Ent- zündungeu und bösen Geschwüre veranlassen. Diese Theorie findet vorläufig wenig Glauben. Uebrigens hat der berühmte Anatom Paul Broca bereits prophezeit, daß der Mensch sich mehr und mehr seiner Weisheitszähne entledigt, so daß unsere Nachkommen sich glücklicherweise garnicht mehr mit ihnen zu plagen haben werden.— Ans dem Thierlcbe«. — Von d er Freßgier der Forelle. Ein seltsames Abenteuer erlebte kürzlich ein englischer Angler, der im Ilsk iMon- mouthshirc) auf Forellen angelte. Er hatte einen Anhieb vollführt und war eben im Begriff, die Leine mittels der Rolle zu verkürzen und, da dies geschehen, das Handnetz zu gebrauchen, da Jüe von ihm angehakte Forelle bereits auf der Oberfläche des Wägers erschien. da fühlte er einen starken Ruck, auf den die Forelle wieder verschwand und ein Stück Leine von der Rolle sich abwickelte. Rasch wurde diese nacki der entgegengesetzten Richtung in Thätigkeit gesetzt, wobei es recht fühlbar wurde, daß der Widerstand, der von dem gefangenen Fisch ausging, sich um ein bedeutendes gesteigert; doch brachte er die Beute so hoch, daß er sie in dem klaren Wasser genau besichtigen konnte, und da nahm er zu seinem größten Erstaunen wahr, daß die von ihn, angehakt?! erste, schwache Forelle von einer bedeutend stärkeren angefallen und in dem weitaufgerissenen Maul dieser, mitten mn den Leib gefaßt, fest- gehalten wurde. Im nächsten Augenblick schoß sie mit ihrem Raub in die Tiefe, blieb aber nur wenige Fuß vor dem während der Zeit im Wasser gehaltenen Handnetz an einem im Wasser be- sindllchen Felsen stehen. Mit einer ebenso vorsichtigen wie raschen Bewegung des Netzes gelang es dem Angler, den Nänber zu faffen und zu landen, lieber zwei Pfund betnig das Gewicht der so räuberischen Forelle, deren Fang nur dem Ilmstande zu danken war. daß die Sonne, auf das ohnedies klare Wasser herniederleuchtend, dieses auf bedeutendere Tiefe hin durchsichtig machte und so nicht nur die Bewegungen, sondern auch den Stand der von der Ober- fläche in die Tiefe fahrenden räuberischen Forelle deutlich eneimcn ließ. Mit Hechten wurden ähnliche Erscheimmgen öfter gemacht: bezüglich einer Forelle, die so gierig nach einer ihrer Art schnappt und sie, quer gefaßt, im Mcml hält, dürste der Fall einzig da- stehen.— Technisches. — Eine Bergbahn auf den 4810 Meter hohen Montblanc will ein französischer Industrieller vom Chamounix- thale aus bauen. Er hat bereits von der Gemeinde Les Hauches die Konzession hierzu erworben. Die Bahn selbst soll sich vor- wiegend unter den felsigen Hängen des Berges hinziehen, die Gletscher möglichst vermeiden und nur an solchen Stellen zu tage treten, die dafür besonders geeignet erscheinen. Eine Vorprüsimg des Planes durch einen Sachverständigen hat ergeben, daß nnüber- windliche Schwierigkeiten nicht vorhanden sind. Der Unternehmer hat sich auch an die natuNviffenschaftliche und medizinische Fakultät der Universität Lyon gewendet und von dieser gleichfalls zustimmende Erklärungen erhallen. Sonach wird die Jungftaubahn durch die Montblancbahn noch überttoffen werden.— Hnmoristisches. — Auf der Brautsöbau. Heirathskandidat fzur Frau des Hauses):„Gnädigste Frau, mein Kompliment I So gut habe ich schon lange nicht gegessen." Der kleine Fritz:„Wir auch nicht— — Das dramatische„R". Regisseur szu einem Schauspieler, der das„R" trotz zahlreicher Ermahnungen des Regisseurs mit besonderem Nachdruck herausschnarrt): Es„err't" der Mensch, so lang er lebt!— Inschrift eines Weinfasses von 1773: Sechs Hundert Ohmen wcrd ich allzeit fassen. Was aber drüber ist, nicht in mich gießen lassen, O Leser, nimm auch stets zu Deinem Beispiel an: Ein Schelm, der mehr verschluckt, als er verttagen kann.— Vermischtes vom Tage. — Bei einer Versteigerung bisher un gedruckter Briefe und Handschriften deutscher Klassiker in Berlin wurde ein Brief Lei sing's von achtzehn Zeilen für 715 Mark verkauft. Zwei Schillerbriefe erzielten 480 und 405 M.. das Mannstript zu zwei Tnrandoträthseln 455 M. Für das Manuskript des Goethe' scheu Gedichtes„Im May" wurden 395, für„Harras, der kühne Springer" Körner's 400 M. gezahlt.— — Die schweren Unwetter, die in der Mosel-, in der E i f e l-, sowie namentlich in der S i e g g e g c n d niedergegangen sind, haben überall großen Schaden angerichtet. Ter Ertrag der Felder ist stellenweise völlig vernichtet. Die Erdmasien der Weinberge sind in be- stündiger Bewegung, an einzelnen Stellen find die Bahngcleise verschütter. In D e t t e n h e i m lRheinpsalz) ist eine Kirche, in Odern hei m sind Fabrikanlagen niedergebrannt, in Freinsheim ist eine Frau durch den Blitz getödtet worden. Ans der hochgehenden Ruhr schlug bei M ü l h e i m ein Nachen mit 5 Personen um. Eine Frau er- trank.— Ei» verheerendes Unwetter hat auch im Hennegaus che« Bezirk D o n r gewüthet. Mehrere Dörfer wurden unrer Wasser ge- setzt, Häuser mid Fabriken niedergerissen und die Ernte zerstört. Die Marmorfabrik in Rai sin ist verwüstet: der Direktor und ein Ar- beiter, die sich in einen Stall geflüchtet hatten, sind crttunleu.— y. Bei einem Radsahrsest in Telgte ibei Münster i. W.) rrank der Sieger kurz nach dem Rennen ein Glas Bier. Kurz darauf sank er von einem Herzschlage getroffen todt zu Boden. � — Unglückliche Liebe bat einen jungen Bauermohn ans Kilianstädten jHessen-Naffau) und die Tochter eines Gastwirths in den Tod getrieben. Die Eltern des Burschen waren gegen die Verbindung, weil das Mädchen ihnen nicht genug Geld hatte.— — Am 9. Juni ist ein Thcil des größten Pontons, welcher jemals gebaut worden ist, im Schlepptau von fünf Dampfern von S b i e l d s' n a ch Stettin abgefahren. Der ganze Ponton ist 510 Fuß lang und im stände, ein Schiff von 10000 Tons Wasser- Verdrängung aufzunehmen.— — Eine schlaue Reklame-Idee hatte ein Hausirer beim letzten Derby in Wien. Er drängte sich an einen glücklichen Gewinner beim Turf: dieser möchte ihm doch helfen, er habe alles verspielt; sein neues Opernglas, das ihm selbst 50 Gulden koste, wolle er ihm für zehn geben, nur um vielleicht noch etwas zu retten. Der gut- gelaunte Gewinner kaufte ihm das GlaS auch ab und— traf ihn kurz darauf bei einem andern Glücklichen, bei dem der Hausirer das Spiel wiederholte.— — Ein junger, sehr tüchtiger Sprachforscher in K o p e n- Hägen verhandelte mit dem Direktor des dortigen Zirkus, um eine Anstellung als K l o w n zu erhalten. Er lvollte seine Studie» nicht ausgeben, sah sich jedoch genöthigt, eine Stelle welcher Art immer zu suchen, um nicht verhungern zu müssen.— — Im Zollhause von Moskau Vrach� infolge einer Explosion von Bertholctfäsiern Feuer ans. Der Schaden beträgt gegen 400000 Rubel.— — Ein I l I u st r i r t e r Fremdenführer durch Sibirien wird gegenwärtig auf Anordnung des russischen Berkehrs-MinisterinmS' hergestellt. Der Fremdenführer wird in französischer Sprache erscheinen.— — Die Schweiz hat ein Netz elektrischer Bahnen in einer Gesammtlänge von 140,2 Kilometern. Sie steht damit an vierter Stelle unter den Staaten Enropa's.— — Gegen einen der bekanntesten Kaufleute in Marseille wurde strafgcrichtlichc llntersuchung eingeleitet, weil er einen schwer- kranken Angestellten durch Unterschiebung eines Strohmannes bei Pariser und Londoner Lebensversicherinigs-Gejellschastew mit 1 300 000 Franks versichert hatte.— y. In einein mit Brau«schweig er Schülern, die von einem Ausflug zurückkehrten, dicht besetzten Harz zu g wurde die Roth- leine gezogen, weil der Fußboden eine» Konpees derartig unsicher erschien, daß ein Durchbrechen desselben zu befürchten war. Das Zugpersonal legte zur Sicherung Bretter hinein.— Peranlworltlcher Redakteur: August Jarobey in Berlin. Druck uud Verlag von Max Vading in Berlin.