AnlerHaltungsblatt des Worwärls Nr. 125. Mittwoch, den 29. Juni. 1898 (Nachdruck verboten)| Er war betreten: aber er rief, seine Verlegenheit 211 Ulf,»» i örutalisirend:„Nun ja. zum Teufel, ick) mußte es Euch sagen, vlC vC» z oaß Eure Schönheit es mir angethan hat." Geschichtlicher Roman aus dem deutschen Bauernkriege 1525. j Sie zog stunim die Schultern in die Höhe und wollte wahrhaftig, es ist keine eitle Mär, daß der Teufel zuwellen einer schwachen Mutter auf den Juriker richtete.„Ich habe> die Gestalt eines schönen Weibes annehme, um uns toll zu ihm zugeredet, daß er die Buße an den Rath zahle; aber er! machen." will nicht. Hilf mir, ihm zureden."'„So schlaget ein Kreuz, wenn Ihr es noch nicht der- „Ich?" fragte das Mädchen mit kühlem Befremden. � lernt habt, und der Spuk verschwmder," höhnte sie abermals. „Es wäre ein christlich Werk; denn er stirbt auf Helden!„Daß ich oer Narr wäre, den Ihr mich scheltet," rief er bergstcdten vor Langerweile und Sehnsucht," seufzte Uichenö| mit dumpfer Leidenschaft.„Solch' schönen Teufel halt' ich fest, die Nonne.' und halt' ich ihn einmal, so weiß ich auch, daß er sich aus Die schöne Gabriele zuckte gleichmüthig mit den Schultern, i meinen Armen nicht wieder fortwünschet." Zeisolf von Rosenberg starrte sie aus seinen etwas wässerigen Augen an und zwirbelte an seinem rothen Bart, der ihm über den Mund hing. Seine Muhme aber rief noch heiterer: „Die Mutter Gottes sei gepriesen, daß ich nie schön war. Ich würde sonst so grausam sein, wie Du, meine holde Blume." „Das schöne Fräulein darf nicht glauben, daß ich eigen- sinnig bin," räusperte sich der Junker.„Ich habe meine guten! langer Ihr? Fordert, ich gehorche! Soll ich die verdammte Gründe."' Sradi an allen vier Ecken mit Feuer anstoßen und mitsammt „Ueber die mir ein Urthcil nicht zusteht," lehnte Gabriele dem Rath verbrennen?" seinen Versuch einer Rechtfertigung ab.„Wie?" rief sie verächtlich,„seid Ihr so zag, daß ich Euch „Nein, aber die edle Jungfrau verkennt mich." zum Vorwand dienen soll. Euch zu rächen?" „Da ich Euch nicht kenne, Herr von Rosenberg, so kann; ich Euch auch nicht verkennen," antwortete Gabriele kalt. Wenn Ihr ihn haltet," erwiderte sie mit einem her- ausfordernden Blick.„Aber lassen wir ihn und die Heiligen! Beide schätzen Eure Schwüre nicht schwerer denn eine Flaum- feder, und so thue auch ich." Sie wollte gehen. Er aber vertrat ihr den Weg und schnaufte:„Wenn Ihr meinen Worten nicht traut, so will ich Euch durch die That beweisen, daß ich Euch liebe. Was ver- „Ihr thut's dennoch," murrte er. „Ihr brauchet auf inich keine Rücksicht zu nehmen, Kinder, fechtet Euren Strauß nur aus," bemerkte die Nonne gemüthlich. „Ich hab's gern, wenn die Jugend sich neckt." Gabriele's be Wenn das ein anderer Mund als der Eurige gesagt hätte, Hölle und Teufel," polterte er und seine Hand um- ihrer unschuldsvollen Seele ab. i mehr" --- Die sremdeter Blick glitt an „Also sie verkennt Dich, Neffe?— Aber war das nichts Schwester Beate, die den Kopf aus dem Refektorium herein-' steckte?" Damit erhob sie sich, watschelte nach dem Refektorium, dessen Thür sie öffnete und hineinsprach, wie es schien.„Ich komme gleich wieder," rief sie laut zurück und verschwand. Gabriele, die ihr mit den Augen gefolgt war, krauste die feinen schwarzen Brauen.„Worin also verkenne ich Euch?" fragte sie gedehnt. „Darin, daß Ihr das Recht und die Macht Eurer Schön- heit über nüch mißkcnnt!" rief Zeisolf von Rofenberg auf- flammend. Die schwarzen Augen Gabriele's öffneten sich weit. Jener fuhr leidenschaftlich fort:„Das ist die Wahrheit. Ich erinnerte mich Eurer wohl noch aus den Klosterjahren. Aber dann sah ich Euch am Dreikönigstag und wie Ihr über den Markt rittet. Sturm und Hagel, seid Ihr eine Schönheit!" Er schlug sich mit der Faust so stark auf die Brust, daß der Harnisch, den er unter dem Mantel trug, dumps erdröhnte. Es flog wie Feuerschein über Gabriele's Gesicht. Dann lachte sie leise auf und spottete, indem sie sich erhob:„Um Eure Beichte zu hören, ward ich also herbeschieden?" krampfie den Griff seines Schwertes. Feinde?" „Und wenn, was dann? Wer hätte keinen?" o nennt ihn, wer es auch sei, und er „Ihr habet wohl keine lebt nicht unheimlich Augen der schönen Gabriele flammten auf. Aber sie blieb stumm. „Den Namen!" drängte er. „Genug I" rief sie mit einer gebieterischen Bewegung ihrer Hand.„Lasset Euch von Eurer Muhme, der Schwester Lam- perta, unterweisen, wie man um Frauenliebe wirbt." Sie rauschte davon, und der wilde Zeisolf starrte ihr wie an der Stelle eingewurzelt nach. Gleich darauf kam Schwester Lamperta aus dem Refektorium zurück und that verwundert. als sie Gabriele nicht mehr fand.„Schon fort?" fragte sie. „Aber Du hast sie gewonnen?" Der Ritter ließ die beiden Zacken seines rothen Bartes langsam durch beide Fäuste gleiten. Dann sagte er mit dumpfem Groll:„Aber ich werde sie gewinnen, bei allen Teufeln I" Die fromme Schwester schlug ein Kreuz.„Die heilige Jungstau verzeihe Dir Dein greuliches Fluchen, Neffe. Du bist also Deiner Sache gewiß? Gott sei gelobt! Aber es ist auch die höchste Zeit, daß Du Dein wüstes Wesen abthust, und das Geld kannst Du wahrlich auch brauchen. So erzähle doch l" €*e ließ sich neugierig auf der Bank nieder. Er be- trachtete sie mit spöttischen Blicken, indem er seinen Schnurr- bart in die Höhe drehte und sagte:„Sicher, wenn Ihr mir helfet, fromme Muhme. Denn sie sagte, daß ich mich von Euch unterweisen lassen sollte, wie man um Frauenlicbc wirbt." Er grinste höhnisch. „Sagte sie das?" fragte Schwester Lamperta gedehnt. Nach kurzem Nachsinnen fügte sie hinzu:„Aber sie hat recht. In Herzensangelegenheiten seid Ihr Männer ja alle Tölpel. Ich kann mir vorstellen, wie Du um die verwöhnte Schöne geworben haben wirst, etwa wie ein Strauchritter um den vollen Beutel eines Kaufmannes. Gut, ich will Dir helfen, denn ich binüberzeugt, daß derHimmelEuch für einander bestimmt hat. Ach, wann werdet Ihr wilden Junker endlich lernen, Euch in die Zeit schicken und zu Hofe gehen, anstatt in den Stauden zu liegen, wie Dein sauberer Vetter, der Kunz von Rosenberg, der Pappcnhcim, der Thomas von Absberg und wer seine Freunde sonst noch sein mögen. Tu. Neffe, brauchtest dann auch nicht Dich heimlich hier einzuschleichen, sondern könntest offen werben, wozu Du morgen auf dem Geschlechter- tanz die beste Gelegenheit hättest." Der Neffe hatte sie mit zunehmender Ungeduld angehört. „Ich zähle auf Euern Beistand." sagte er jetzt.„Wenn Eure Frömmigkeit und meine Sündhaftigkeit einen Bund schließen, dann müßte es ja mit dem Teufel zugehen» wenn ich die schöne Gabriele nicht eroberte." . Die ehrwürdige Schwester schlug entsetzt ihre fetten, weißen Hände zusammen. Er aber zog eine von ihnen fast gewaltsam an seine Lippen.„Ist das ein schrecklicher Mensch I" ächzte sie.„Mögen die Heiligen sich Deiner erbarmen!" „Amen, fromme Muhme." lachte er und entfernte sich durch das Pförtchen in der Stadtmauer. Vor demselben leitete ein Pfad, zum theil durch dichtes Gebüsch, steil zur Tauber hinab und auf einem schwanken Stege über dieselbe zur Fuchsmühle. In den Erlen bei derselben wartete ein Reit- knecht mit dem Pferde des Junkers. Einem Bettler, der eben des Weges kam, spie Zeisolf von Rosenberg in den demüthig abgezogenen Hut. Das war sein Almosen. Der Bettler drohte den thalabwärts Reitenden wüthend mit der Faust nach und in den Mühlen, vor deren Thürcn er heischte, und in der Stadt droben erzählte er. daß er den Teufel in Gestalt des rothbärtigen Junkers von Rosenberg aus dem Kloster der Dominikanerinnen hätte ausfahren sehen. Die schöne Gabriele verließ das Kloster so eilig, als be- fürchtete sie, verfolgt zu werden. Erst in der Durchfahrt der Klingcngasse unter dem Orgelchor von St. Jakob mäßigte sie ihre Schritte. Daheim erzählte sie Sabine mit einem aus- gelassenen Lachen von der Liebeserklärung des wilden Zeisolf und daß er die Stadt anzünden wollte, um ihr die Aufrich- tigkeit seiner Leidenschaft zu erhärten. Von seinem Anerbieten, ihre Feinde zu tödten, schwieg sie.„Nicht wahr, Schatz, ich habe Ursache eitel zu sein?" so schloß sie mit einem neuen Auflachen und warf einen Blick in den venezianischen Spiegel mit silbernem Rahmen, hinter dem Pfauenfedern hervorstakcn.„Ich will mich daher morgen auch so schön machen, als ich nur kann." „Für alle Welt sich putzen, das heißt blos für sich selbst sich putzen; ich wollte, ich hätte jemand, für den es sich der Mühe lohnte," seufzte die blonde Braut des Ritters von Adelsheim. Ihre Freundin aber that nach ihren Worten. Das Tanzhaus der Geschlechter, in welchem das Fest stattfand, lag auf der Hcrrengasse, dem Rathhaus schräg gegenüber. Dort hatte vordem das alte Rathhaus gestanden, das abgebrannt war. Von ihm rührte noch das dicke Mauer- werk des Erdgeschosses mit den drei Eingängen her. Die Stockwerke darüber waren ijnr leicht aufgeführt und das Dach zierten zwei goldene Kugeln, die Sicgesbeute eines Auszuges der Rothenbnrger gegen das Schloß Archshofen. Das Erd- geschoß wurde von den Fleischbänken eingenommen, und die Metzler waren bei einer Strafe von fünf Pftind Heller oder zehn Gulden gehalten, ihre Waare nirgend anderwärts als hier feil zu bieten, gleich wie die Bäcker die ihrige in dem Brothause auf dem Plätzlcin hinter dem Rathhause und der Herren- Trinkstube. Unmittelbar über den Fleischbänken lag der große Tanzsaal. Er war zum Feste niit Tannengewindcn und Bannern geschmückt und die Bänke, die rings an den Wänden sich hinzogen, waren mit rothen Kissen belegt. Eine schmale Gallerte im Hintergründe des SaaleS Ivar schon lange vor der dritten Nachmittagsstunde, um welche der Tanz beginnen sollte, von Zuschauern eingenommen. Die minder Glücklichen ballten sich auf der Herrengasse zusammen, um wenigstens die Patrizier ankommen zu sehen. Still und feierlich ging es dabei nicht zu. Die Schaulust war groß und die Mittelstanken sind alles andere, nur keine Murrköpfe. Kaspar Etschlich war es dank seiner breiten Schultern gelungen, für sich und Hans, der ihm nur mit innerem Widerstreben gefolgt war, einen Platz auf der Gallerie zu er- obern und sich sachte bis an die Brüstung durchzudrängen. Sein Humor kam ihm dabei wohl zu statten. Wie Thomas Zweifel, der Chronist von Rothenburg, die Geschichte der Stadt kannte, so eingeweiht erschien Kaspar in die geheime Chronik der Ehrbaren. Er verrieth es in den Glossen, die er laut zu einzelnen Persönlichkeiten machte, wenn sie, nachdem sie aus Mänteln und Kapuzen sich geschält hatten, den Saal betraten. Seine nächste Umgebung lachte darüber zuweilen so laut und ausgelassen, daß es unten im Saale bemerkt wurde.„Ja, gucket nur," sagte Kaspar.„Sonst schaut Ihr auf uns herab; heut sind wir die Obersten und Ihr müsset vor uns Komödie spielen." (Fortsetzung folgt.) " n(Nachdruck verboten.) , EkMAS übev Vaden untr Schmintinon. Obgleich der äußerliche Gebrauch des Wassers zur Erhaltung der Reinlichkeit und der Gesundheit schon zu allen Zeiten und bei allen Völkern gewöhnlich gewesen ist, so scheiM doch das Baden, als angenehmer Genuß oder als Heilmittel, vornehmlich auf die ge- silteten Völker Europa's und Asiens beschränkt gewesen zu sein. Bei ihnen trat dasselbe nach den Schriften des Alterthnms entweder als religiöser Gebrauch auf, oder als Stärkungsmittel gegen die Be- schwerden und Abmattungen körperlicher Hebungen. Bei alledem ist das kalte Bad, worauf auch wir unsere Aufmerksamkeit beschränken wollen, in bewacht gezogen. Den Anhängern des mosaischen Gesetzes wurde das Baden streng befohlen. An verschiedenen Stellen der Bibel wird es als Heilmittel verschiedener Krankheiten genannt. In mehreren Fällen wurden die Israeliten, bevor sie nicht die vorgeschriebenen Waschungen verrichtet hatten, als unrein angesehen und dursten keine Gemeinschaft mit anderen Pflegen. Die Griechen, die ebenfalls das Baden vorschrieben, ent- lehnten, nach ihren Geschichtsschreibern, den Gebrauch des Badens von den Egyptcrn; es wurde bei ihnen bald so beliebt, daß ihre öffentlichen Bäder einen lvichttgen Zweig der Baukunst bildeten. Viele Wohlhabende suchten sich durch Verschwendung bei der Ein- richtung und Verzierung öffentlicher Bäder die Gunst des Volkes zu erwerben. Auf diese Weise entstanden Volksbädcr, deren werthvolle Ueberreste noch heute bewundert werden. Die Spartaner über- ließen die Einrichtung der Badeanstalten nicht der Willkür von Privatpersonen, sondern unterwarfen sie festen Gesetzen. Die Römer ahmten diese Sitte nach und verwandten auf ihre Badcanftaltcn. besonders während der Kaiserzcit, eine Pracht, die alle Begriffe über- steigt. Solche Bäder hatten gewöhnlich zwei Abtheilungcn, die eine für Frauen, die andere für Männer. In jeder derselben konnte man kalt und warm baden. In der Mitte des Gebäudes, gewöhnlich im Kellergeschoß, befand sich das Hcizzimmer, und über diesem ein Gemach, wo in der Regel drei große Kessel über einander eingemauert waren, so daß der untere unmittelbar über dem Feuer, der zweite über diesem und der dritte über dem zweiten stand. Auf diese Weise hatte man zugleich heißes, laues und kaltes Wasser. Durch besondere, mit Hähnen versehene Röhren wurde das Wasser in die Badezimmer geführt und aus einem großen Wasserbehälter die Kessel sogleich wieder gefüllt. Neben dem Hcizzimmer lagen gewöhnlich drei besondere Zimmer, für das heiße, laue und kalte Bad. Die Badestuben hatten inr Fußboden ein gemauertes Becken, um welches eine Gallerie mit Sitzplätzen lief, wo sich die Badegäste, bevor sie ins Wasser stiegen, rmd das Bcdicnungspersönal auflsiellcn. Außerdem diente noch ein eigenes Zimmer als Schwitzbad, welches durch Röhren geheizt wurde. Mittels Klappen an der Decke. die man öffnete und wieder schloß, konnte man die Hitze beliebig vermindern. Zum Auskleiden und Aufbewahren der Kleider und zum Salben nach dem Bade gab es ebenfalls eigene Zinimcr. Auch durften bei einem Bade bedeckte Spaziergänge, Säle zum Bali- spielen und Gärten nicht fehlen, damit man sich nach dem Bade die gehörige Bewegung machen konnte. Da, wo die Römer ans ihren Eroberungszügen hinkamen und sich niederließen, griindekcn sie sogleich solche Bäder, wie die Reste in den ehemaligen Römernieder- lassungen beweisen. Aus dem allen geht hervor, daß die genannten Völker den Werth des Badens für die menschliche Gesundheil wohl zu schätzen wußten, und daß sie die vorthcilhastcn Veränderungen, welche die Berührung des kalten Wassers aus de» Körper hervorruft, bereits erkannten. Wenn jemand im gewöhnlichen Gesrtzndheitszustande in ein kaltes Bad geht, so ergreift ihn zuerst ein Gefühl von Kälte, worauf fast unmtttclbar eiue schnell zunehmende Wärme folgt. Diese Zunahme der thierischcn Warme ist der Gegenwirkung des gesammten Körpers zuzuschreiben, die ihn in den Stand setzt, dem äußeren Eindrucke, welcher ihm schädlich werden könnte, zu widerstehen; diese Gegenwirkung steht im Verhältnisse mit der Stärke des Eindrucks, durch Ivelchen sie erregt wird, und mit der Stärke der Lebenskräfte, deren besondere Anstrengung sie ist. Diese Gegenwirkung ist es, die den Körper in den Stand setzt, von der Anwendung des kalten Bades Nutzen zu ziehen; wo sie aber nicht oder nur in geringem Grade stattfindet, ist das kalte Bad un- Vorsichtig angewendet. Wenn daher der Körper durch dauernde Arbeit"oder Krankheit geschwächt worden ist, sollte das kalte Bad verinieden werden. Wird jemand nach dem Gebrauch des kalten Bades matt und unthätig, oder fröstelt er, oder wird er von Kopfschmerz oder Brustbeklemmung befallen, so ist es einleuchtend, daß er dasselbe nicht vertragen kann, oder daß er es zu lange ge- braucht hat. Ueberhaupt ist der menschliche Körper nicht geeignet, den großen Druck des Wassers zu lange auszuhalten, denn das leichteste Wasser ist wenigstens 800 mal schwerer als die Lust, Wenn daher die Luftsäule, welche auf unseren Körper drückt, mit einer Gewalt von 39 000 Pstind in Wasser verwandelt werden könnte, so würde das Gewicht dieses Druckes 31 200 000 Pstmd betragen. Da aber unsere Gesundheit schon durch einen Unterschied von 3000 bis 4000 Pfund in den: Druck der Lust angegriffen wird, so kann man leicht begreifen, daß der menschliche Körper auf längere Zeit den ungleich größeren Druck des Wassers nicht ertragen kann. Aus diesem Grunde wagen es selbst die erfahrensten Taucher nicht, über eine gewisse Tiefe hinaus sich in das Meer hinabzulassen, wohl wissend, daß es unmöglich sein werde, den Druck zu ertragen, oder sich gegen den vermehrten Druck des Wassers auf ihren Körper wieder zu erheben. Das beste kalte Bad ist das im Meere oder in einem tieferen Flusse genommene, indem inan dabei nicht unthätig fein darf, sondern stets in Bewegung bleiben muß, ivodurch das Blut von dem Mittelpunkte bis zu den entferntesten Theilcn des Körpers in regeren Umlauf gebracht wird. Freilich gehört dazu, daß man schwimmen kann, das jedoch zu lernen, wie Franklin behauptete, nie zu spät ist. Und in der That wird diese Meinung durch die spezifische Schwere der verschiedenen Theile des menschlichen Körpers gcrcchtfcrtiat. Die Beine, Arme und der Kopf, als feste Theile, sind spezifisch schwerer als frisches Waffer; der Rumpf jedoch, besonders der obere Theil, ist wegen seiner hohlen Beschaffenheit viel leichter als Wasser und zwar derart, daß der ganze Körper zusammengenommen zu leicht ist, um ganz unter Wasser zu sinken; es wird ein Theil oben bleiben, bis die Lunge mit Wasser angefüllt ist. Dies geschieht dadurch, daß anstatt Luft, Wasser aufgenommen wird, daß'jemand in plötzlichem Schrecken zu athmcn versucht, während Mund und Nase untergetaucht sind. Die Beine mid Arme, spezifisch schwerer Ivie„süßes" Waffer, sind immerhin noch spezifisch leichter als salziges Wasser; sie werden deshalb in demselben an der Oberfläche erhalten bleiben, so daß der menschliche Körper in Salzwasser nicht sinken würde, selbst wenn die Lunge schon mit Waffer angefüllt wäre, wenn nicht die größere spezifische Schwere des Kopfes vorhanden wäre. Ist aber die Lunge noch nicht mit Wasser angefüllt, so kann ein Mensch, wenn er sich im Salzwasser auf den Micken legt und die Arme ausstreckt, in dieser Lage ver- harren und durch Mund und Nase frei athmcn, wenn er durch leichte Handbewegungen den Körper am Umwenden hindert, sobald er dazu Neigung zeigen sollte. Legt sich jedoch jemand in frischem oder „süßem" Wasser auf die Oberfläche, so bedarf er in dieser Lage eine gewisse Anstrengung der Gliedmaßen, um sich darin zu erhalten; denn es sinken die Beine und der untere Theil des Körpers langsam unter, bis dieser in eine aufrechte Stellung kommt, in welcher er bleiben wird, indem die hohle Brust den Kopf aufwärts erhält. Wenn aber der Körper in dieser auf- rechten Stellung verbleibt lind nur der Kopf zurückgelegt wird, so daß das Geficht aufwärts gerichtet ist, so bedeckt das Wasser den ganzen Hinterkopf, und da sein Gelvicht durch dasselbe unterstützt ivird, bleibt sein Gesicht über dem Wasser, und das Athmcn stei. Beim Einathmen wird sich das Gesicht etwas erheben und bei jedem Ausathmen um ebenso viel senken, aber nie so tief, daß das Wasser über den Mund kommt. Wenn jemand, der nicht schwimmen kann. zufällig ins Waffer fällt, aber Geistesgegenwart genug behält, um den Körper in die beschriebene Lage zu bringen, so kann er sich vielleicht so lange vor dem Ertrinken bcivahren, bis Hilfe kommt, denn das durch eingesogenes Wasser vermehrte Gewicht der Kleider ist im Wasser selbst unbedeutend, obschon sie sehr schwer sind, wenn sie aus dem Wasser kommen. Es ist jedoch Keine, n zu rathen, sich auf seine Geistesgegenwart in einem solchen Augenblicke zu verlassen; das Sicherste ist. schlvimmen zu lernen. Daim wird man. im Besitz dieser Fertigkeit, bei vielen Gelegenheiten sich sicherer und glücklicher fühlen, da man frei von peinlicher Furcht vor Gefahren sein kann, des Ver- gnügens nicht zu gedenken, das diese so angenehme und nützliche Uebuiia gewährt. Abgesehen davon, daß es eine nützliche Leibes- Übung ist, hat es auch noch den Nutzen eines kalten Bades, der durch die Bewegung und Muskclanstrengung noch vermehrt lvird. Einige Regeln und Warnungen müssen jedoch dabei beachtet werden; mehrere sind bereits erwähnt, und es ist noch zu bemerken nöthig, daß derjenige, der sich hinabstürzen will, mit dem Kopf und nicht mit den Füßen zuerst ins Wasser tauchen sollte; der Körper soll weder zu warm, noch zu kalt sein; gefährliche Flüsse, sowie an- dere derartige Gewässer müssen gemiede? werden, auch sollte man das Wasser nicht eher betreten, bis es einigerniatzen er- wärmt ist. Besonders gefährlich für den Badenden und Schwimmer ist der' Kranipf. Wird man von einem krampfartigen Gefühl befallen, so ist es am rathsamsten und besten, dem davon ergriffenen Glieds einige plötzliche, starke und heftige Bewegungen, wo möglich außer- halb des Wassers, zu geben; sollte dieS nichts nützen, so muß sich der Schwimmer auf den Rücken legen und diese Bewegungen fort- setzen. Ein Schutzmittel gegen den Krampf ist, wenn man die Glieder vor dem Baden mit einem rauhen Handtuch reibt. Zu welcher Vortrefflichkeit es auch die Menschen im Schwimmen gebracht haben mögen, so ist es doch bcmerkenswerth, daß viele Schwimmer, die ins Wasser fielen, hätten ertrinken müssen, wenn sie nicht durch fremde Hilfe gerettet worden wären. Die Ursache davon ist vielfach der Schreck. Es ist bereits bemerkt, daß der menschliche Körper nach physischen Grundsätzen schwimmen muß, wenn er nicht durch unsere Anstrengungen daran verhindert wird, daß ein Mensch im Salzwasser, wenn er ganz ruhig mit ausgestreckten Armen liegt, schlvimmen und stei athmen wird, und daß er dasselbe auch in gewöhnlichem Wasser thun kann, wenn er eine leichte Bewegung seiner Hände eintreten läßt. Sollte daher jemand, der sich im Wasser befindet und nicht schlvimmen kann, versuchen, gelassen und ruhig zu werden, anstatt im Schreck alle möglichen An- strenguilgcn zu inachen, die ihn nur erschöpfen und zi!m Sinken bringen, so lvürde er vor dem Ertrinken sich leichter schützen. Die Plötzlichkeit des Falles lvird ihn erst zum Sinken bringen un- mittelbar darauf aber hebt ihn das Wasser wieder auf die Ober- fläche empor; eine unglückselige Neigung aber, die Arme empor zu strecken, als ob er nach etwas soffen wollte, bringt ihn un, die ganze Schwimmkraft der Arme und gclvöhnlich auch um sein Leben.— _ F. R. Lehmann. Vleiues Fouillekon. — Ter Gruß der Japaner. Es dürfte für die Abendländer kaum etwas Spaßhafteres geben, als Zeuge einer Begrüßung zu sein, wie sie zwei Bekannte im Lande des Mikado auszutauschen pflegen. Erkennen sich dort zwei Leute von weitem, so verlangsamen sie sofort ihren sonst ziemlich eiligen Gang und nähern sich in feierlich gemessenem Schritt. Sobald sie sich gegenüberstehen, senken sie die Augen mit so dcmüthiger Miene, als wagten sie es nicht, sich frei ins Gesicht zu sehen. Nun verneigen sie sich voreinander und zwar so ties, daß der Kopf sich in gleicher Höhe mit den Knicen be- findet, auf denen die Hände ruhen. Jetzt lvcrdcn eine Reihe zischen- der Laute hörbar, die der Grüßende dadurch hervorbringt, daß er die Luft durch die geschlossenen Zähne emzieht und wieder ausstößt. Ist dieser erste Theil des Grußes erledigt, dann plappert jede der beiden Personen eine Menge zeremonieller Redensarten her, wobei sie gegenseitig die Handteller aufcinandcrreiben. In diesem Augenblick erreicht das Komische der Situation den Höhepunkt: zwischen den beiden BckanMen entspinnt sich nämlich ein edler Wett- streit um den Vortritt. Jeder will den andern zuerst an sich vorüber- schreiten lassen, und dieser Höflichkeitsakt dauert oft mehrere Minuten. Plötzlich glauben die Betheiligten, der unbedingt peinlich werdenden und zeitraubenden Formalitäten durch einen Gewaltsweich ein jähes Ende bereiten zu müssen, indem sie wie auf Kommando mit einem schnellen Ruck zur Seite springen und so eilig als möglich auseinander- laufen. Jedenfalls hegen beide Parteien dabei den inbrünsfigen Wunsch, sich an diesem Tage nicht wieder zu begegnen.— e. o. Ter Fischfaug i» Astrachan. Die astrachanischen Fischereien sind nächst den neufundländischcn die größten der Welt. Welch' enorme Mengen von Fllchen im Wolgadelta und an den Wolgamündungen im Meer gefangen werden, ist aus folgenden Zahlen, die sich blos auf die vor kurzem geschlossene Frühjahrs- Periode der Fischerei dieses Jahres beziehen, zu ersehen. Es wurden gefangen: Heringe 70 473 759 Stück, Wobla sein zum Karpfengeschlccht gehörender kleiner Fisch) 285137 974 Stück, 15 923 869 Sandartc, '12 308 405 Hechte, 18 254 500 Neunaugen, 10815 Weißlachse, 17 420 Lachsforellen. 13 398 Lachse, 74 889 Sterlete, 171 555 Stem- hausen, 183 783 Störe und 45 556 Hausen. An Kaviar wurden von diesen Fischen gewonnen: vom Hausen 8223 Pud, vom Stör 7277 Pud, vom Sternhausen 4950 Pud und von anderen Fischen 55 978 Pud; Fischlcim oder sogenannte Hausenblase, die aber nicht immer vom Hausen, sondern auch von anderen Fischen stammt, 439 Pud, getrocknete Rückenschne des Störs und Hausens 428 Pud und 10 625 Pud Thran. Der diesjährige Heringsfang wird zu den schwachen gerechnet, da gewöhnlich weit über 100 Millionen gefangen werden.— Literarisches. -1- Hugo Reuter:„B ö r s e n f ü r st e n". Zürich 1893. Cäsar Schmidt.— Das bisher in der modernen Romanlitcratur so außerordentlich wenig behandelte Thema Börse hat in dem vor- liegenden Buche seine Vcrwerthung gefunden. Es handelt sich hier gleichsam um eine Stndiensaminlung vou Bestechungen und Finanz- öpcrationcn der schmutzigsten Art. deren Urheber, wenn man nur ein klein wenig über die vorgeschobenen Strohmänner hinausgeht, in den allerersten Reihen der europäischen Finanzaristokratie zu suchen sind. Um dem Ganzen den Charakter einer losen, skizzenhaften Aneinanderreihung ein wenig zu nehmen, läßt der Verfasser eine höchst gleichgiltige und neben- sächliche Liebesgeschichte im Hintergründe als fortlaufende Handlung mitspielen. Auch eine Morphinistin muß als Vertreterin des hysterischen Weibes der ganzen Geschichte einen modernen Anstrich geben. Die im übrigen scharf und lebenswahr gezcicyncten Figuren sind der Wirklichkeit entnommen, und zwar in dem Maße, daß jeder Laie mit Leichtigkeit die Vorbilder zu diesen Personen mit Namen nennen kann. Ein absichtlicher und häufiger Gebrauch von kauf- männischen Fachbezeichnungcn erschwert das Lesen des sonst unter- haltend geschriebenen Romanes ganz ungemein.— Karl Strobl:.Der verkannte Hans". Mit 17 Bildern von Th. Zajaczkowski. Zürich. Cäsar Schmidt. — Ein Schmarren, zusammcngckocht von einem Manne, der weder Geschmack noch natürliches Empfinden besitzt. Der„Waschzettel" stellt das Gewäsch mit„Max und Moritz" in eine Reihe.— Völkerkunde. —ss— Ein liebliches Getränk besitzen einige Natur- Völker Hinter-Jndiens, das seiner Wirkung wegen crwühncnswerth ist. Dasselbe führt den merkwürdigen und fiir unsere Ohren ominös klingenden Namen Schum- Schum. Es gicbt davon zwei Sorten. Die crstere mag noch angehen, sie ist ein Extrakt, der aus dem Sasi deS Zuckerrohrs durch Destillation gewonnen wird und dem Ruin ähnlich ist, das zweite aber ist weit gefährlicher, schon durch seine Zusammensetzung, noch mehr aber dadurch, daß es billiger und darum verbreiteter ist. Es Ivird aus uurektifizirtem RciSschnapS hergestellt und mit verschiedenen Essenzen versetzt, darunter Rosmarin-Eskcnz, Pfeffer- minzc, Eucalyptus, Absinth, Anis und ungereinigtem Rohzucker. Diese wunderbare Mischung hat Wirkungen auf den Menschen, die eigentlich nach der furchtbaren Znsanunensctzung erwartet werden müssen. Ein Forscher konnte dieselben neulich an einem Menschen beobachten, der eine ganze Zeit lang täglich einen halben Liter davon in zwei Litern Wasser getrunken hatte und infolge dessen an sehr bedeutenden Störungen des Nervensystems litt. Das Gedächtniß war sehr geschwächt, ebenso die Willenskraft, die Aufmerksamkeit war völlig lahmgelegt i dazu kamen heftige unbegründete Ausbriiche von Jähzorn, starke Störungen des SehvcnnögcnS durch Farben- erscheinungen. Zittern der Hände, Gefühllosigkeit in den oberen Gliedmaßen und heftiger Schmerz bei jeder Berührung der linken Seite— alles Symptome des Alkoholismus zusainme» mit solchen toxischer Hysterie.— Ans dem Pflanzenleben. — Einen R o s e n st o ck von seltenem V l ü t h e n r e i ch- t h u m besitzt, wie das„N. W. Tagbl." mitthcilt, eine Villa in Oberkirchbach bei St. Andrä-Wördcrn. Unter den vielen Ltosen- bäumen befindet sich einer, der mehr als zweitausend B l ü t h e u hat. Der Rosenstock ist zwei Meter hoch, und seine Krone hat einen Unfang von 3 Metern. Der Stamm mißt 2>/z Zoll im Durchmesser. Die Rosen sind vollblätterig, weiß mit Rosa- rändern und haben über 2 Zoll im Durchmesser. — Der älteste Baum Belgiens ist die tausend Jahre alte Eiche, die sich hinter der Kirche dicht an der Kirchhofsmaner im Dorfe L i e r n n«Provinz Nanmr) befindet. Am Erdboden hat diese Eiche 12,40 Meter Umfang. Ihr Stamm ist hohl. Der Baum hat eine erstaunliche Lebenskraft und liefert alljährlich eine reichliche Ernte an Eicheln.— Meteorologisches. •— u. Falscher T h a u. Wenn man nach einer kühlen Nacht in den Gräsern und Kräutern helle Wassertropfea hängen sieht, so schreibt man dieselben ohne weiteres dem Thon zu, der infolge der Abkühlung der Luft zunächst des Bodens niederfällt. Ein bekannter englischer Meteorologe, Attken, der sich um das Vcrständniß der Regenbi'ldung besonders verdient gemacht, hat schon früher darauf hingewiesen, daß diese Tropfen gar nicht immer als eigeirt- lichcr Thau aus der Lust stammen, sondern häufig ans dem Innern der Pflanze selbst. Der amerikanische Botaniker Bcssey hat darauf- hin die Sache weiter verfolgt und festgestellt, daß die Pflanzen- blättcr, wenn der Boden feucht und wann ist, Wasser ausschwitzen, das sich in Tropfen an den Halmen und Blättern sammelt; kühlt sich nun die umgebende Luft mit Eintritt oder im Verlaufe der Nacht ab, so wird auch sie feuchter und verhindert dadurch das Ver- dunsten des Pflanzenthaues. Pflanzen, die eine ungewöhnlich kräftige Lebensthätigkeit besitzen, vermögen auch bei trockener, warmer Lust Tropfen aus ihren Geweben auszupressen. Die Pflanzen- künde kennt die Bildung solches„falschen Thaues" unter dem Namen KurUtion(Tropfung).— Bergbau. ie. Neue Schwefellager im russischen Reiche. Neber die Entdeckung von Schwefellagern in Jnner-Asien cuthält ein im amtlichen Auftrage herausgegebenes Werk bcmerkenölverthe Mittheilungen. Danach ist in den russischen Besitzungen Inner- Asiens an vielen Stellen Schwefel in bedeutenden Mengen zu tage getreten. Im Ferghana-Gebiete, der nördlich vom Pamir gelegenen Provinz, ist ein"Fundort, der bereits zur Anlage einer Fabrik Veranlassung gegeben hat; dieselbe erzeugt jährlich an 10 000 Pfund reinen Schivesel. Schwefellager in der Gegend von Samarkand find noch garnicht in Angriff genommen. Ganz besonders große Lager sind im transkaspischen Gebiete in der Nähe des Ortes Gök- tepe an der Bahn von Merw zum Kaspischen Meere in der Nähe der persischen Grenze gefunden worden. Hier find es Hügel, die sich mitten aus der Sandstcppe erheben und sogenannten Schwefclstein in dicken Adern und Nestern mit einem Schivcfclgehalt bis zu 60 pCt. bergen. Es sind 40 solcher Hügel gezählt worden, und jeder Hügel soll etwa 10 Millionen Zentner Schwefel enthalten. Zweifellos ist dies das reichste Schwefcllngcr Rußlands und eines der reichsten der Welt. Ferner sind ähnliche Lager in der Nähe des Sees Kulart-ata in unmittelbarer Nähe des Kaspischen Meeres im Bezirk Krasuewodsk und etwas südlich davon bei llsnn-ada entdeckt worden, die ebensalls als sehr werthvoll geschildert werden.— Humoristisches. — D i e schwere Stunde.„Oes Neidhammel schaut's bloS alleweil auf den äußeren Schein; ich Hab' so manche Stund', wo ich mit dem letzten von meine Knecht' tauschen mvcht'." „Dös glanb'n mer Dir scho, Bräu. Goj, wennst Dei Ein- kommensteuer zahl'n mnaßt!"— — Der nothleidende Agrarier(beim Sekt):„Alberne Blätter, die sich immer über uns lustig machen. Sollte nur mal so'n dämlicher Journalistenfritze hinaus aufs Land kommen und sehen, wie sich die armen Bauern schinden müssen!"— („Simplicissinins.") — A u s der Briefmappe eines Backfisches .... Ilnserc Ucbcrsiedelimg aufs Land ist in vollem Zug, theuerste Carola! In meinem Zimmer speziell sieht es aus wie vor Erschaffung der Welt: nichts als ein Bett, ein Tisch und zwei Stühle."— Vermischtes vom Tage. y. In der Ortschaft K l e i n- P e i st e n(Ostpreußen) hat ein 17jährigcr Arbeiter seinen Stiefvater, mit dem er seit langem in Streit lebte, mit der Hengabel erschlagen. Die Mutter ist der Mit- thätcrschafl verdächtig, hat sich aber der Verhaftung durch die Flucht entzogen.— — In Frotheim bei Jssenstadt mußte einem Pastor Winklcr das Wort entzogen werden. Er richtete aber an die Ver- sammlnng das Ersuchen, ihm zu einer konservativen Versammlung in demsclvc» Orte zu folgen. Als von den etwa 250 anwesenden Per- soncn nur drei bis vier folgten, die andern aber durch mehrfachen Zuruf erklärten, daß sie keine Neigung dazu hätten, schrie der Pastor die Versammlung, die in der Mehrzahl zu seiner Gemeinde ge- hörte, an:„Mit Euch grünen Rüpeln will ich auch nichts zu thun haben."— — Die„Münch. N. Nachr." bringen die Tranernachricht, daß ein Fräulein M. E.,„ k ö n i g l. bayerische topographische K upferstcchcrstochter, im Älter von 80 Jahren und nenn Monaten in die Elvigkcit abgerufen" worden ist.— — Ein vierjähriger Knabe tödtcte in Waldinghofen(Elf.) sein zweijähriges Brüderchen. Dieses hatte ihm beim Spielen mit einem Stock ins Gesicht geschlagen. Darauf ergriff er einen Karst und schlug es so heftig auf den Kopf, daß ein Zinken in der Hirn- schale stecken blieb.— — Im Gräflich Nostiz'schcn Eisenwerk in Rothau bei Graslitz (Böhmen) kam es wegen eines mißliebigen Oberbeamten zu einer Revolte. Die Gendarmerie ist auch hier wieder das einzige Auskniiftsmittel.— — Bei Stuppach bemerkte am Sonnabend der Führer eines Personenzuges G r a z— W i e n einen kleinen Knaben, der auf dem Geleise spielte. Sofort ließ er die Dampfpseife ertönen, gab Gegen- dampf und zog die Vakuumbrcmse an. Im nächsten Moment erschien der dort postirte Bahnwächter, der Vater des Kindes, und schleuderte es zur Seite. Das Kind Ivar gerettet. Der Vater hin- gegen, welcher vor Schreck nicht mehr im stände war,.das Geleise zu verlassen, wurde von der noch nicht zum Stillstände gebrachten Maschine erfaßt und entsetzlich zugerichtet.— — Das»enerbaute Schweizerische Landesmnseum, das die Alterthumssaminlungen der Eidgenossenschaft aufnehmen soll, ist am Sonnabend in Zürich feierlich eröffnet worden.— — Das Laboratorium eines Pyrotechnikcrs in G r a z ist durch Explosion zerstört worden. Ein Arbeiter wurde dabei getödtet, zwei schwer verletzt.— — In der Nacht zum Dienstag wurden in Perugia und Rieti(Mittel-Jtalien) zwei heftige Erdstöße verspürt. Viele Häuser wurden schwer beschädigt. Mehrere Personen wurden ver- letzt. Die Bevölkerung floh erschreckt ins Freie.— — Der bekannte Possenreißer Marius Tournadre, ein großes Pumpgcnie, hat die Ministerkrisis in Frankreich sehr gut aus- zunutzen verstanden. Er nahm die Liste der Abgeordneten und Senatoren vor und bezeichnete diejenigen, die das Telephon zu Hause haben. Dann berief er der Reihe nach zwei Dutzend der bekanntesten Landesvcrtreter telephonisch ins Elysee, an dessen Thor er Posto faßte, um die mit den seligsten Hoffnungen Eintreffenden in der bequemsten Weise anzupumpen. Das Unternehmen gelang vortrefflich, und Tournadre hatte noch das Vergnügen, sich über die Verwirrung der Abgeblitzten zu ftenen, die nach einander das Elysee veriießcn.— — Bei einem Stiergefecht in Barcelona wurde ein Torero von einem Stier erfaßt und getödtet.— Verantwortlicher Redakteur: August Jacobey in Berlin. Druck und Verlag von Max Vadiug in Berlin.