Anterhaltungsblatt des Horwürts Nr. 129. Dienstag, den 5. Juli. 1898 (Nachdruck verböte«.) 2S1 Mm vis Freiheit. Geschichtlicher Roman aus dem deutschen Bauernkriege 1525. Von Robert S ch w ei ch el. „Ich begreif' nit, wie's möglich ist. wann einer mit offenen Augen die beiden Madlen vergleicht," schüttelte Kaspar den Kopf.„Aber laß Dir Zeit, Hans!" Er faßte diesen unter dem Arm, und sie stiegen unter den entlaubten Buchen den nördlichen Thalrand hinauf nach Gattenhofen. Ein wehmüthiges Lächeln umspielte die blaßrothen Lippen des jüngeren Gesellen.„Ich würd' sie blos unglücklich machen und mich dazu," sprach er.„Du weißt jetzt alles, Kaspar, und mir ist das Herz leichter. Wann ich erst mit der Käthe gcred't haben werde, nachher mag mit mir geschehen was will. Sie soll Dich kennen lernen, wie ich Dich kenne, und ich will mein Leben lassen, wenn ihr zwei beide nicht noch glücklich mit einander werdet." Kaspar machte sich mit einem erregten Lachen über sich selbst lustig.„Als ob Du Dich in mir auskennst! Nix wirst Du dem Käthelein von mir sagen, ich will's nit. Sie weiß besser Bescheid als Du, was ich für ein grobes, lüderlich ge- wobenes Stück Tuch bin." „Freilich, Du bist ein rechter Haderlump," versuchte Hans auf seinen Ton einzugehen. �- Sie hatten die Höhe von Gattenhofen erreicht und ver- schnauften ein wenig, bevor sie ihren Weg wieder unter die Füße nahmen. Ihre Blicke schweiften über die ausgedehnten Waldungen der hügeligen Hochebene. Im Nordost erhoben sich die Giebel und Thürme des Schlosses Endsee, im Norden ragte aus dem dunkeln Tannengrün die Kirchthurmspitze von Ohrenbach auf. Zur Rechten der beiden Wanderer zog die Heerstraße an Gattenhofen sich heran, wand sich zwischen Hügeln weiter und verlor sich im Wald. Lautner's Blicke blieben an dem Schloß hängen, auf dem ein Banner im Winde flatterte. Dort herrschte schon seit Mitte der Woche ein geräusch- volles und überschäumendes Leben. Fluren und Wälder er- schallten mit dem frühen Morgen von Hifthörnern und Rüden- gebell; Hirsch, Rehbock und Wildschwein wurden gepürscht und gehetzt; Enten, Birkhühner und Fasanen mit der Armbrust oder dem Handrohr geschossen und zur Reiherbeize die Falken steigen gelassen. War die reiche Beute im Schloßhof bei Fackelschein zur Sttecke gebracht, dann ging es zur Tafel, und Tanz, Spiel und Gelage schlössen den Tag. Georg von Wer- nizer, genannt Böheim, weil einer dieses ältesten Geschlechts der Stadt eine Gesandtschaft zu Kaiser Sigismund in Böhmen geführt hatte. Pflegte jährlich eine solche große Jagd Ausgangs des Winters zu veran- stalten. Er stattete damit seinen Dank für die Einladung zu den pattizischen Lustbarkeiten in der Stadt ab, an denen er nur theilnahm, wenn sie einen offiziellen Charakter ttugen. Die rasche That seiner Jugend warf einen Schatten über fem Gemüth, den der frühe Tod seiner Gatttn vertiefte. Er war ein wortkarger, verschlossener Mann; dabei streng, aber gerecht, � insoweit bei Zuständen, in denen ausschließlich der Willen der Herrschenden das Gesetz macht und handhabt, von Gerechttgkeit die Rede sein kann. Gewannen die finsteren Geister über ihn Macht, dann griff er zum Becher. Karten und Würfel rührte er seit der Blutthat auf der Herrcn-Trinkstube nicht mehr an. Eine arme Verwandte versah an dem Knaben, der seiner kurzen Ehe entsprossen war, Mutterstelle und verttat die Schloßfrau. Die Junker von Rothenburg waren der Einladung des Centanunannes in großer Zahl gefolgt, und unter seinen weib- lichen Gästen befanden sich auch Sabine und Gabriele. Der Bräuttgam der ersteren, Albrecht von Adelsheim, hatte die beiden Mädchen begleitet. Die schöne Gabriele erwarb sich den Ruf einer kühnen und unermüdlichen Jägerin. Als man am Samstag eben zur Tafel gehen wollte, traf noch ein Gast ein, dessen Erscheinen die Mehr- zahl höchlich erstaunte. Es war der Junker Zeisolf von Roscnberg. Slls Georg von Wernizer seinerzeit aus Rothenburg hatte fliehen mußen, hatte er sich wochenlang bei dem damals noch lebenden Vater Zeisolf's auf Haltenberg- siebten aufgehalten. Daher die Bekanntschaft, infolge deren Zeisolf von Rosenberg regelmäßig zu den großen Jagden auf Endsee eingeladen, seitdem Herr von Wernizer hier Schultheiß war. Die rothenburger Patrizier waren ihm bei der Ge- legenheit schon in früheren Jahren begegnet. Aber es be- ftemdete sie, daß er sich ungescheut auf rothenburger Gebiet und in ihre Gesellschaft wagte, nachdem er nur eben dem Rathe in unzweideutigster Weise seine Mißachtung bewiesen hatte. Während der Schloß- Herr ihn wie inrmer empfing, zeigten ihm viele von den Stadtjunkern die kalte Schulter, was er seinersetts unbeachtet ließ und unbefangen an der Tafel Platz nahm. Er war der letzte Mann, der sich von irgend jemand imponiren ließ. Gegen die weiblichen Gäste hatte er sich mit einer all- gemeinen flüchtigen Verbeugung abgefunden und sich nicht weiter um sie bekümmert. Vielleicht hatte er bemerkt, daß Gabriele bei seinem Eintritt finster die Brauen krauste, und daher es unterlassen, sich ihr zu nähern. Sabine, die eine gute Beobachterin war, bemerkte zu ihrer Verwunderung, daß er auch bei Tische keinen einzigen Blick zu ihrer schönen Freundin schickte, und sie schob es hierauf, daß diese unge- wöhnlich hetter war. Sie bemertte ferner, wie die Stimmung gegen Zeisolf von Rosenberg während der Abendtafel in ihr anfängliches Gegentheil umschlug. Ja der Umschlag war so völlig, daß der Nachttrunk der Männer, nachdem sich die weiblichen Mttglieder der Gesellschaft zurückgezogen hatten, zu einem wüsten Gelage ausartete, dessen Seele der Rothbart war. Die Weinsärbung ließ sein Benehmen gegen den Rath als einen tollen Streich in den Äugen der Stadtjunker erscheinen. Seine Trinkfähigkeit erregte Bewunderung, und der grobe Zynismus, mit dem er die Becher würzte, wieherndes Gelächter. Die Knechte mußten manchen Todten aus dem Saale zu Bette schaffen, Zeisolf von Rosenberg behauptete als Sieger das Schlacht- feld. Trotzdem war er am anderen Morgen einer der ersten auf, als die Hifthörner erklangen, und die Meute darob ihr jagdgieriges Geheul erhob. Das schwere Gelage verzögerte das Frühmahl und es wurde verhältnißmäßig spät, ehe die Gesellschaft die Pferde bestteg, bei deren Sattelung Zeisolf's Reittnecht eifrig geholfen hatte. Als er seinem Herrn den Jagdklepper vorführte, sagte er leise:„Es fft alles besorgt," und der Junker von Rosenberg raunte, indem er sich in den Sattel schwang:„Behalte mich im Auge." Er befand sich unter den letzten, die den stellen Schlotzberg hinunter ritten und, wie gestern, so hielt er sich auch heute von der schönen Gabriele fern, die etwas bleich aussah. Sie habe schlecht geschlafen, erklärte sie auf die thell- nehmend an sie gerichteten Erkundigungen. Der Waldvogt führte die Jäger nach einem Schlage, in dem ein Vicrzehnender seinen Stand hatte. Der Vorstehhund wurde hineingelassen, und nicht lange, so verkündete sein Läuten, daß er auf der Spur des Hirsches war. Die Meute wurde entkoppelt, und die Jäger folgten dem führenden Waldvogt. Im wilden Jagen ging es gen Westen. Plötzlich zügelte Gabriele ihren Rappen und ließ sich zu Boden gleiten, während die anderen achtlos weiter stürmten. Sie hatte bemerkt, daß der Sattel sich nach der linken Seite zu neigen begann. In demselben Augenblicke hielt Zeisolf von Rosenberg bei ihr.„Was ist geschehen?" ftagte er und stieg ebenfalls ab. Der Sattelgurt war geplatzt, und Gabriele deutete statt zu antworten auf dessen längeres Ende, das unter dem Bauch des Pferdes zu Boden hing. Hätte sie es untersucht, so würde sie an der vorderen Kante einen über drei Finger breiten Einschnitt wie von einem Meffer bemerkt haben. Sie that es aber nicht, sondern fragte nur rathlos: „Was nun?" Zeisolf von Rosenberg zuckte die Achseln; dann sagte er:„Auszubessern ist der Schaden augenblicklich nicht." Nach kurzem Nachsinnen fügte er hinzu:„Es wird am besten sein, wenn wir uns nach der Stelle begeben, wo nach dem ersten Jagen ein Imbiß eingenommen werden soll. Ich habe sie mir von unseren Wirthen beschreiben lassen und getraue mir wohl, sie zu finden." „Aber ist das verdrießlich," rief sie mit gekrauster Stirn. „Freilich, denn Ihr müsset Euch meiner Führung ander- trauen. Aber da sehe ich meinen Reitknecht." Er erhob seine Stimme und rief:„Stoffel, hierher!" Als dieser zur Stelle war, trug er ihm auf, die Pferde nach dem zum Stelldichein bestimmten Platz zu führen.„Es ist bei der alten Steineiche; Du kennst sie?" Er bejahte, und Zeisolf von Rosenberg lud die schöne Gabriele ein, mit ihm zu kommen, während jener sich mit den Pferden zu schaffen machte. Gabriele warf die Schleppe ihres Reitkleides�über den Arm, fund sie gingen die Schneise hinunter, auf der sich das Mißgeschick ereignet hatte.„Und wo liegt die Steineiche?" fragte sie. Er deutete nach Süden. Nach einer kurzen Strecke blieb er bei einem rechts in die Schneise mündenden Fußpfad stehen und sagte:„Wenn wir ihn einschlagen, kommen wir bälder zum Ziel." Sie betrat ihn und er folgte ihr.„Ihr scheint Euch ja gar gut in diesen Wäldern auszukennen," bemerkte sie und er erwiderte:„Ist es doch heut' nicht das erste Mal, daß ich auf der Rothen- burger Wildbahu jage." Eine Weile gingen sie schweigend weiter.„Ich erfuhr erst auf Endsee, daß Ihr den Wernizer kennt und wie Ihr mit ihm bekannt geworden seid," begann Gabriele dann wieder. „Wollet Ihr damit sagen, daß Ihr nicht gekommen wäret, wenn Ihr es vorher gewußt hättet?" fragte er dumpf. „Warum denn?" erwiderte sie kühl.„Ich, obgleich ein Weib, bin nicht so eitel wie Ihr. Nicht einen Augenblick ist mir eingefallen, daß Ihr der Einladung des Wernizer um meinetwillen gefolgt sein könntet." „Aber es ist so; ich vermuthete Euch hier," rief er mit mühsani beherrschter Leidenschaft. Ein gedehntes„Ah!" war ihre Antwort. Spöttisch fuhr sie fort:„Ihr wolltet mir also einen Beweis geben, daß Ihr um meinetwillen vor nichts zurückschcut? Ich argwöhnte es. Es gehört ja allerdings in dem Berhältniß, in dem Ihr Euch zu Rothenburg befindet, einiger Muth dazu, hierher zu kommen. Aber Ihr wisset, daß ich keinen Beweis Eures Muthcs begehrte, und er ist verfehlt." Sie erwartete, daß er aufbrausen würde. Es geschah nicht, obgleich er dunkelroth im Gesicht wurde. Schweigend gingen sie weiter, bis sie einen Holzweg erreichten, wo er sich an ihre Seite begab.„In einem Punkte träfet Ihr das Richtige," begann er jetzt.„Mein Platz ist nicht unter diesen Stadtjunkern und der Eurige auch nicht, schöne Gabriele. Hingegen irret Ihr höchlich, wenn Ihr vermeint, durch Euren Spott meine Liebe zu Euch auszulöschen. Sic ist ein griechisch Feuer, das nichts erstickt. Und itzt, in dem grünen Jagdkleid und dem Federhut schauet Ihr aus, daß ich rasend werden könnte, wenn ich es nicht schon wäre." „Vermag' es nicht mein Spott, so verbiete ich Euch in vollem Ernst jeden Gedanken an mich," erwiderte sie, stehen bleibend.„Sind wir bald bei der Eiche?" Er schaute sich um.„Ja, gleich; kommt nur, wir müssen uns rechts halten." sagte er und bog nach einer kurzen Strecke in der angegebenen Richtung von dein Holzwege in das Dickicht ab.„Eure Macht ist groß, schöne Gabriele," begann er nun. „Aber daß ich nicht mehr an Euch denken soll, das vermöget Ihr nicht über mich. Gebietet doch dem Monde, daß er von der Erde lasse, oder dem Teufel, daß er das Kreuz anbete. Und bei diesem oder jenem, schöne Gabriele, liebt Ihr mich nicht, so soll Euch doch kein anderer besitzen. Wer es wagt, Euch zu begehren, der hat den letzten Tag gesehen." „Ihr seid groß im Schwören," spottete Gabriele.„Heute soll denjenigen der Tod treffen, der es wagt, mich zu lieben, neulich schwüret Ihr ihn meinen Feinden. Tödtet Euch selbst und ich will an Eure Liebe glauben." „Ich werde beide Schwüre halten, verlasset Euch darauf," erwiderte er mit unheimlich glühenden Augen. „Entwerfen wir also die Liste der Todeskandidaten," ver« suchte sie zu scherzen.„Um meine Hand bewirbt sich niemand. Wenden wir uns also zu meinen Feinden." Da flammte das Gesicht des wilden Zeisolf auf und er drohte:„Auf diese Weise entschlüpft Ihr mir nicht. Glaubt Ihr, ich hätte nicht erfahren, daß der Sohn des Bürgermeisters Euch heimführen soll?" „Ach!" rief sie mit einem tiefen Athemzuge und blieb stehen. Sie sah sich ringsum. In einiger Entfernung gewahrte sie zwischen den Bäumen einen Reiter und deutete mit dem Finger auf ihn. „Es ist mein Reitknecht; wir sind ganz nahe bei der Eiche," erklärte er. Gabriele wandte ihm wieder das Gesicht zu. Es war blaß, ihre Augen funkelten seltsam und sie in die Zeisolf's bohrend, zischte sie:„Derjenige, den Ihr nanntet, ist mein ärgster Feind. Er hat meine Ehre tödtlich beleidigt. So hasse ich keinen wie ihn." Er erwiderte ihren Blick, indem er die beiden Zaffen seines rothen Bartes langsam durch beide Hände laufen ließ. „Aber es ist Thorheit, Euch das zu gestehen," rief sie mit einem Achselzucken.„Lasset uns weiter gehen!" Er rührte sich jedoch nicht.„Ich glaube Euch," sagte er.„Und wenn ich Euch räche, wollt Ihr die Meinige sein?" „Reden wir nicht weiter davon. Gehen wir," wich sie ihm aus. „Und wenn ich Euch räche, wollt Ihr die Meinige sein?" wiederholte er dringender seine Frage und ergriff sie bei dem Handgelenk. Sie versuchte sich ftei zu machen; aber es gelang ihr nicht.„Mein Wort ist so gut wie die That," preßte er dumpf heraus.„Gebet mir das Eurige dafür. Ihr wollt nicht? Ihr glaubt, mich hintergehen zu können? Ihr täuscht Euch, schöne Gabriele. Der Patt zwischen uns ist geschlossen. Er in sein Grab. Ihr in mein Bett!" Er zog sie trotz ihres Sträubens mit sich fort. „Lasset mich los, Ihr thut mir weh!" rief sie, sich wehrend. „Nichts da!" rief er brutal.„Ihr erinnert Euch, was ich Euch ini Kloster sagte? Wenn ich den Teufel einmal habe — und jetzt halte ich den schönen Teufel fest." „Seid Ihr wahnsinnig geworden?" schrie sie entsetzt auf. „Hilfe! Hilfe!" „Es hört Euch keiner," rief er, umschlang sie, wie sie sich auch wehrte, und trug sie auf seinen Armen fort, während sie ihr Hilfegeschrei fottwährend ergellcn ließ. (Fortsetzung folgt.) Ein Stivvgeferht. Nach dem Dänischen des I. V. Jensen. Madrid. El corrida beginnt um 4>/s Uhr. Das ist alle Sonntage die gewöhnliche Zeit, dann ist die erste Hälfte des Gottesdienstes so einigermaßen vorüber. Die Leute können bequem zu einem Thor heraus und zum anderen herein kommen, dann heim zum Mittagsessen und dann zur Abendmesse. Für den Nest des Tages bleibt es jedem überlassen, etwas zur Erhaltung des spanischen Volkes bei- zutragen. Plaza de Toros ist vollständig besetzt. Die Zuschauer sind deratt vetthcilt, daß diejenigen, die sonst auf der Sonnenseite deS Lebens zu wandeln pflegen, hier auf der Schattenseite sitzen— la sombra— und umgekehrt scheint den kleinen Steuerzahlern die Sonne hier gratis in die Augen. Die Billetprcise sind so landcsvätcrlich ein- gerichtet, daß dieses Verhältniß ganz von selbst entsteht. Ich saß natürlich auf der Schattenseite. Die Bänke sind ans Stein, und ich besaß ein weiches Kissen, um die Härte dieses Sitzes zu mildern. Und der ganze gewaltige Zirkus war mit Menschen an- gefüllt. Plaza de Toros ist in maurischem Stil erbaut, eine freche und rohe Jmitatton. Da die Ballone und Logen mit vielfarbigen Kopfbedeckungen aller Art besetzt sind und die Logenbrüsttmgcn sich rund umher wie bunte Gürtel erstrecken, so crinncrt das Ganze an ein rundes, kunstvoll arrangirles Tcppichbcct. oder auch an ein Meisterwerk von einem Heringssalat, bunt zusammengestellt und in einer Schüssel serviert. Oben über diesem mächttgcn Ningc lvölbt sich der Himmel gleich einer Käseglocke. Sobald die Hornmusik einsetzt, reiten zwei Herolde durch die Arena und machen eine ttefe Verbeugung vor der Präsidcntenloge. Dann holen sie die Cuadrillc, die Matadore zu Fuß, die Pikadore zu Pferd und die Stallknechte. Sie begrüßen den Präsidenten und gruppiren sich an der Barriere. Ohne Zögern läßt man den ersten Stier herein. Er ist schon zuvor etwas geärgert und gereizt loorden, wie man wohl weiß, betritt nun den Sand und sieht sich verwundert um. Es ist ein hübsches, junges, wohlgenährtes Thier. Die Matadore entfalten ihren leichten Seidenmantel, und der Stier erblickt sie. Euch ivcrd' ich Beine machen I denkt er sofort und rennt auf sie los. Die Matadore schwärmen auseinander. Einer der außerordentlich leicht- füßig zu sein scheint, eilt den: Sttcr entgegen, pflanzt sich vor ihm auf und brüstet sich trotzig vor ihm. Der Stier springt auf ihn zu. er weicht zur Seite und schwenkt seinen Mantel vor den Augen des Thieres. Andere lösen ihn ab, und dieses Fangspiel dauert eine geraume Weile. Der Stier wendet sich hierhin und dorthin, wie ein Bauernjunge, der am Spiel der Stadtkinder thcilnimmt und absolut keinen zu erwischen vermag. Das ärgert ihn; er schnaubt durch die Nasenlöcher, daß es wie Schüsse aus einer Windbüchse klingt, und jetzt ist er zu weiteren Dingen aufgelegt! Die Pikadore halten an der Barriere auf ihren Pferden, eS sind schlanke, starkknochige Gestalten in gelben Lcder- Hosen: sie strecken ihre Lanzen und reiten vor. Das Pferd hat eine schräge Binde vor den Augen, das rechte, das Ivährcnd des Kampfes dem Stier zugewendet sein wird, ist ganz zugedeckt, da- gegen vermag das Pferd mit dem linken etwas zu sehen. Das giebt dem Pferde einen sorglosen Ausdruck, etwa als wolle es betrügen beim Blindekuhspiel. Der Stier erblickt einen tapferen Mann, der vor ihm auf einem Pferde hält und giftig mit einer langen Stange nach ihm zielt. Er zieht sich langsam zurück, scharrt mit den Vorderbeinen ini Sande, sinkt nieder, zielt, nickt und flüstert gleichsam zu sich selber: Da soll doch gleich der Teufel dreinfahren!'... Und jetzt geschieht wirklich das, was jeder Mensch verhindern sollte, es soll geschehen. Der Stier schießt mit einem Krach auf Pferd und Reiter los. Der Pikador stürzt aus dem Sattel und fällt weit fort wie ein Mehlsack aus den Sand. Das Pferd krümmt sich, strauchelt und stürzt, und wieder sind die Matadore da mit ihren rothen Mänteln. Der Stier fährt aus sie los und jagt sie der Barriere zu, wo sie sich sofort in Sicherheit bringen. Stallknechte helfen dem Pikador auf die Beine. Das Publikuni lärmt, und das Pferd, das Pferd wird so lange mit Riemen und Stöcken bearbeitet, bis es sich wieder auf- gerichtet hat. Es hat nur zwei leichte Wunden davongetragen, eine in der Schulter und eine zwischen den Rippen; sie können nicht mehr als 25 Zentimeter tief sein und sind so breit wie ein Arm. Bei jedem Pulsschlag stürzt das Blut stoßweise heraus. Woher kommt das? scheint das Pferd zu denken, cS beißt auf den Zaum, pustet erleichtert und meint, noch recht gut davon gc- kommen zn sein. Aber jetzt schwingt sich der Pikador in den Sattel und reitet von neuem das zitternde' Thier vor. Ein neuer donnernder Zusammenstoß, und diesmal stürzen Pferd und Reiter gegen die Barriere. Der Pikador hält sich ruhig im Schutz des Pferdes, obgleich er kaum eine bequeme Stellung einnehmen mag, und der Stier wühlt rasend in dem nach allen Seiten ausschlagenden wahn- sinnig erschreckten Thier. In diesem Augenblick ist die dickschädclige Bestie, deren Muth in den Hörnern sitzt, die Inkarnation dieser paar tausend Menschen, welche zuschauen. Während die Matadore den Stier nach sich ziehen, holt nian den Pikador hervor; er hat einige böse Püffe davongetragen, lahmt und stöhnt heftig. Aber das Pferd soll sich erheben. Und die Stall- knechte schlagen ihm über Augen und Maul mit ihren Stöcken. Diese Stöcke sind aus einer Art biegsamen, knotigen Dorn gemacht. Ja, ja, geduldet Euch einen Augenblick...! Das Pferd will sein Aeußerstes thun; denn das will ein Pferd unter allen Uniständcn; es ist gehorsam und vernünftig. Aber es kann nicht. Nun es soll! Und als es nun— wankend auf den Beinen steht, hängt ein Sack brauner und wcißblaucr Gedännc aus seinem Bauche fast bis auf die Erde herab. Es ist jedoch noch ganz branchbar, da es ja stehen kann, und soll noch einmal heran. Der Pikador hat sich durch sein Stöhnen einen Hintergrund geschaffen, auf dem er als rauher Held austreten kann. Er schwingt sich in den Sattel lSvation). Aber als das Pferd vor- wärts schreiten will, tritt es mit dem einen Hinterbein in die Ge- dänne hinein, die dadurch länger herausgezogen werden. Jv! sagt es und fällt auf das Hintcrtheil, und ärgerlich steigt der Pikador ans dem Sattel. Das Pferd darf jetzt ein wenig sitzen, vielleicht sammelt es wieder Kräktc. Es sitzt auf den Hinterbeinen wie ein Hund und wendet den Kopf hierhin und dorthin und blickt sich um. Ein eigenartiger, armseliger Ausdruck licgr um das ge- schlossene Manl. Wenn es nur einen Augenblick sitzen und ausruhen darf, wird es sich seinem Reiter schon wieder fügen. Inzwischen vergißt man cS über dem Stier, der damit beschäf- tigt ist, Leber und Eingeiveide aus einem anderen Pferde heraus- ziipflügen— buchstäblich— denn als der Stier sich von dem zusammengekrünnntcn Pferde abwendet, zieht er einen langen, feuchten Darmstrcifcn auf dem einen.Horn mit heraus. Der Pikador wird aufgcfammclr, feine Hosen sind mit Blut bespritzt. In diesem Augenblick springt der erste Bandcrillo mitten in die Arena hinein, seine Bandcrilleu hoch in der Lust schwingend, als wolle er mit zwei Taktstöcken ein Musikstück intonircn. Das Pferd, dasjenige, das abseits auf dem Hintcrtheil sitzt und über seine Ohnmacht nachsinnt, hat den Eindruck erhallen, als hätten es alle vergessen', vielleicht, daß es sich ctivaS Ruhe gönnen könnte. Ilnd geräuschlos fällt es auf die Seite und streckt den Kopf in den Saud. Einer der Stallknechte wird es gewahr, eilt herbei und schlägt cS herzhaft in die Augen. Aber dann begreift er, daß es nicht weiter kann, zieht ein Messer mit herzfönniger Spitze hervor und bohrt es in den oberen Theil des Rückenmarks. Das Pferd krümmt und streckt sich eine Minute lang, bevor es still liegt. Ter Bandcrillo stampft mit dem F»ß und bläst sich auf— der Stier rennt im Galopp auf ihn zu— und stehend, mit vorgestreckter Hand, zwischen die Hörner hindurch, sticht er blitzschnell beide Bandcrillcn aus einmal in des Thieres Rücken, und fort ist er. Applaus. Diese Banderillen haben Widerhaken, sonst würden sie ja gleich wieder bcransfallen, und wenn der Stier sich bewegt, schneiden die Spitzen ihm in das Fleisch, ivcshalb er komische Gebärden macht. Das Blut strömt an den Flanken nieder und tropft vom Halse, und wenn das Thier sich dreht, fallen von den Schultern rothe Licht- funken herab. Und es dreht und wendet sich unausgesetzt, plump« geschmeidig wie es ist; es will einen dieser Zwcifüffler in ihren grünen oder gelben oder rothen Scidcnmänteln spießen, und es muß ja auch glauben, daß dies die Meinung ist. Aber anstatt jemanden auf die Hörner zu nehmen, bekommt der dumme Stier noch ein paar Banderillen ins Fleisch— er befindet sich gerade in der Nähe des einen todten Pferdes— und in seinem Schmerz und seiner Wuth stürzt er sich kopfüber wie ein Schwimmer in den todten Körper, zerfleischt ihn, zerstückelt ihn, rollt ihn zusammen und wühlt alles Innere aus ihm heraus. Das todte Pferd scheint wieder auf- zulcben und bewegt phantastisch die Beine, das sieht unglaublich barock aus. und das Publikum fängt an zu lachen. Wenn über dies kostbare Blumenbeet eine Lachwelle hinzieht, klingt es wie der Flug eines Vogelschwarms— eine ungezählte Schaar selffamer Vögel, von denen jeder seinen Schnabel in Aas wetzte. Der Stier ist nun ganz athemlos und überangestrengt; er schnappt nach Luft, die bluttriefenden Flanken wogen aus und ein, und die Zunge hängt ihm zum Halse heraus. Das giebt ihm aber ein aufgewecktes, pfiffiges Aussehen, etwa wie einem Hunde, mit dem man spielt, und der in seinem Eifer vergißt, seine Zunge zu beherrschen. lSchluß folgt.) ZVUeiues FonMekon — Radfahrer-Typen. In der„Franks. Ztg.' zeichnet Hein- r i ch Lee einige Radfahrer-Spielarten. Wir geben hier wieder, was der humorvolle Verfasser über„den Mechaniker" sagt:„Auf dem Rade sieht man ihn nur selten, um so häufiger am Chaussee- rande oder in einem Gartenlokal, wo er jedesmal mit Reparaturen beschäftigt ist. Entweder läßt er aus einem Reifen die Luft aus, um nach einem muthmaßlichen Defekt zu forschen, oder er nimmt etwas auseinander, besonders gern die Pedale. In diesem Zweige der Mechanik, dem Auseinandernehmen, fördert er Leistungen zu tage, die denjenigen und zwar leider so zahlreichen Fahrern, welche den komplizirten Organismus eines Zwcirads nie be- greifen, geschweige gar ergründen würden, Staunen und Bewunderung abringen. Ein schöner menschlicher Zug bei ihm ist seine stete kollegiale Hilfsbereitschaft, auch gegen Sportsgeuossen, die ihm sonst ganz fremd sind. linterstützt durch alle nur erdenklichen Werkzeuge, die er in seiner Sattel- taschc mit sich führt, nimmt er sich sofort jedes Schadens an. Halbe Stunden lang, im Schweiße seines Angesichts, seine eigenen Jnter- essen opfernd, bemüht er sich so, aii dem Rade des Kollegen zu forschen, zu drehen, zu schrauben, zu hämmern, nur seiner Leiden- schast ergeben, während der Besitzer des Rades, indcni er thatenlos dabei steht, sich nur angelegen sein läßt, eine theilnehmcnde Miene zu zeigen oder, falls der Schauplatz ein Restaurati onsqarten ist, sogar in guter Ruhe sein Glas Bier dazu trinkt. So ist der Mc- chaniker auch Samariter. Oft wird seine Güte gemißbraucht, denn es giebt Fahrer, die, weil es sie belästigt, grundsätzlich keine Lust- pumpe, keinen Schraubenschlüssel mitnehmen und sich damit be- ruhigen, daß gewiß schon jemand Anderes, falls es noththnt, das für sie besorgen werde."— Kunst. — Die M ü n ch e n e r Sezession hat nicht nur künstlerisch außerordentliche Erfolge errungen, sie hat auch durch umsichtige und energische Geschäftsführung gute materielle Resultate erzielt. Sie begann im Jahre 189ll mit einer Schuldenlast von 170000 M. Bis Ende Juni wurde diese auf 10 000 M. herabgemindert, und voraussichtlich wird dieser Restbetrag noch in diesem Jahre getilgt werden.— Anatomisches. — n. Wieviel Ob er fläche besitzt dermcnschliche Körper? Es ist ungemein schwierig, die Größe der Oberfläche des menschlichen Körpers einigermaßen genau festzustellen, und doch ist eine solche Bestimmung für die Physiologie von ganz hervor- ragender Wichtigkeit. Durch die Oberfläche des Körpers geht fast die ganze Energie, die der Mensch erzeugt, in Form von Wärme hindurch, und die Größe dieser Oberfläche zu wissen, ist eine unerläßliche Vorbedingung für die Bestimmung der erzeugten Wärme. Der französische Physiologe Bouchar'd >var der Erste, der auf die Bedeutung solcher Messungen hinwies, aber das Verfahren war bisher noch immer ein ungenügendes Jetzt haben die beiden Forscher Bergonie und Singalas vor det Pariser Biologischen Gesellschaft ein neues Verfahren bekannt ge- geben, dessen Genauigkeit sie erprobt haben. Dassclhe besteht darin, daß der ganze zu messende Körper mit einem sofort an der Haut haftenden Gewebe bekleidet wird, und zwar wurde dazu das Diachylon, das bekannte englische Heftpflaster, benutzt. Zunächst wurde das Verfahren an einer dünnen rechteckigen gut abgehobelten Bleiplatte erprobt, deren Oberfläche auf verschiedenen Wegen ganz genau be- stimmt wurde. Dann wurde diese Platte nnt der Hand in irgend eine ganz unregelmäßige Form gebracht, wie sie die Oberfläche des menschlichen Korpers nicht unebener aufweisen kann und dann mit dem Heftpflaster überzogen. Bevor die Rollen des Pflasters aus- geklebt wurden, wurde ihr Flächeninhalt genau bestimmt, dann die nöthigen Stücke zur Bekleidung der Platte herausgeschnitten und auf dieselbe aufgeklebt. Nachdem dies geschehen, wurden die nicht verwandten Theilc des Pflasters nach ihrer Oberfläche abgeschätzt und die erhaltene Fläche von der Fläche des gesammten Pflasters abgezogen; die erhaltene Zahl ergab naturgemäß die Größe des be- nutzten Pflasters und damit die Oberfläche der Bleiplattc. Das Verfahren crivieS sich als so genau, daß die Fläche der Platte auf diese Weise bis auf V«*» richtig erhalten wurde. Nun wurde dasselbe Berfahreu zur Flächenmessung am Körper eines gesunden und normal gebauten Menschen benutzt. Da derselbe ganz symmetrisch gewachsen ivar, so brauchte nur die Hälfte des Körpers mit dem Heftpflaster bedeckt zu werden, was begreiflicherweise eine ungeheuer mühsame Arbeit war. Die Oberfläche der so bekleideten Körpcrhälste wurde auf 81,03 Quadratdezimeter ermittelt, danach betrug die Oberfläche deS ganzen Körpers 102,06 Quadratdezimeter, lieber ein ueues Verfahren, den Rauminhalt und die Dichte deS menschlichen Körpers zu messen, werden die Forscher demnächst berichten.— Aus dem Thierleben. — Daß nahezu die Hälfte aller Zugvögel im Frühling über die bewohnten Gegenden von Europa weg nach den arktischen Regionen fliegt, erfährt man aus einem Artikel der„Onarterly Review". Die Erscheinung winde von den Oniithologcu schon lange beobachtet, ohne daß man zu erklären gewußt hätte, wo diese Millionen uon Vögeln ihre Nahrung finden. Nun hat die Forschung eines Mr. Secbohm zu folgender Entdeckung geführt: Innerhalb des Polarkreises auf der asiatischen Seite erstreckt sich ein riesiger, sumpfiger Landstrich, die Tundra. Acht Monate laug liegt dort Schnee und das halbe Jahr hindurch herrscht Nacht. Geht aber dann die Sonne auf, so geht fie bekanntlich durch sechs Monate überhaupt nicht unter, wodurch der Schnee rasch schmilzt und die Vegetation doppelt rasch hervorsprietzt. Da erblühen üppige, mit Löwenzahn, Butterblumen, Vergißmeinnicht, und anderen Wiesen- blumen iibersäete Weiden, die von keiner englischen oder holländi- ichen Wiese übertroffen werden; auch Preiselbeeren und Moosbeeren in ungeheueren Mengen. Nun reifeil diese allerdings erst gegen das Eilde des arktischen Sommers und bleiben am Strauch; aber der Schnee, der bald darauf fällt, erhält fie frisch wie krystallisirte Früchte, und schmilzt er dann im kommenden Frühling, so finden die Zugvögel die Beeren vorn vergangeucn Jahr frisch und saftig vor, was ihnen die reichlichste Nahrung sichert.— Bergbau. Is. Zu Anfang des vorigen Jahres lief die Nachricht durch die Blätter, daß man in Neu-Albenreuth im Böhmer walde Gold gefilnden habe. Das Dorf liegt dicht an der deutsch- böhmischen Grenze in der Nähe der Station Waldsassen an der Eisenbahn von Regensburg nach Eger. Es Ivurde sowohl im Schutt als in einzelnen Gesteinsstücken Gold gefundeil. Mehrfache Analysen verschiedener Proben ergaben einen ungewöhnlich hohen Goldgehalt. Die Nachricht war um so bemerkensw erther, als nach alten Archiven im 10. Jahrhundert in dieser Gegend Goldbergbau mit Erfolg betrieben wnrde. Wie aus der Chronik zu ersehen, ist dieser Bergbau nicht wegen Erschöpfung des Goldlagers oder Verminderung des Ertrages, sondern infolge der böhmischen Wirren und des späteren dreißigjährigen Krieges zum Erliegen gekommen. Die seit Jahresfrist betriebenen Arbeiten hatte zum Hauptzweck, die alten Bergwerke aus dem 10. Jahrhuildert wieder aufzudecken. Man hatte auch Erfolg. Als es gelungen war, das gänzlich verschüttete Mundloch des Hauptstollcns bei der Troglauer Myhle ausfindig zu machen, hat man mit der Räumung und dem Ausputzen dieses Stollens begonnen. der zu den Goldbergwerken im Burgholze gehörte, wo schon von dem nun verstorbenen Münchcncr Geologen von Gürnbel das Goldvorkommen festgestellt und in der geologischen Karte von Bayern eingezeichnet wurde. Man ist jetzt bereits 50 Meter oeit in dem alten Gange vorgedrungen. Die in dem alten Berg- bau angesammelten Berglvasser und die durch eingefallene Schächte hervorgerufenen Verschüttungen, die erst unterbaut iverden müssen, verhindern ein rascheres Vordringen. Das bisher Vorgefundene stimmt genau mit den Berichten' des Archivs überein, und es steht außer Ztveifel, daß man nach Aufstellung kräftiger Pumpwerke und weiterem Eindringen in die Tiefe auf die von den Alten infolge Wasserandranges verlaffene goldreiche Quarzader stoßen wird. Der erwähnte Stollen ist 120 Meter lang, und man glaubt binnen 14 Tagen bis in den Hauptschacht zu gelangen. Es ist dem Steiger auch bereits gelungen. in dein Stollen etwa 30 Meter vor defieii Eingang goldhaltigen Quarz zu finden.— Der vorstehende Bericht ist einer Korrespondenz entnommen. Die im vorigen Jahre vorgenommenen Analysen lauteten so günstig, daß sie nicht recht glaubwürdig erschienen.— Technisches. — Herstellung der Luft schlauche. Luftschläuche für Pneumatics herzustellen, ist, wie die„Gunnm-Z." schreibt, nicht so einfach. Vor allen Dingen muß dazu der beste Gummi verwendet werden. Dieser ist sorgfalfig zu waichen und in mäßig erwärmter Luft zu trocknen, wozu immerhin 14 Tage erforderlich sein werden. Erst dann darf er auf mäßig warmen Walzen verarbeitet und mit dem nöthigen Schwefel vermischt werden. Zu rasch und in mehr als 32 Ärad Celsius getrockneter Rohgummi wird in der Fabrikation leicht porös. Nim handelt es sich darum, aus dieser Mischung eine blasenfreie Platte in der erforder- lichen Stärke herzustellen, was auf zwei Arten zu erreichen ist. Die erste und einfachste ist, den Gummi auf einem Fadenkalander(von 4 Walzen) auszuwalzen und zu doubliren, bis die gewünschte Stärke erreicht ist; bei vorsichfiger Arbeit genügen zwei Lagen. Das Doubliren wird gleich auf dem Kalander vor- genommen, indem man die erste Lage auf einen stark apprefirten glatten Stoff aufwalzt und beim zweiten Passiren die zweite aus- legt. Die zwrite und beste Art ist, den Gummi in Steinkohlen- Benzin zu lösen und aus der gut verarbeiteten Lösung auf der Streichmaschine Platten herzustellen. Diese geben die schönsten. besten, aber auch theuersten Luftschläuche. Eine weitere Art der Her- stellung ist, die Luftschläuche auf der Schlauchmaschine zu pressen. Es find damit viele Versuche gemocht worden, aber bis heute ist noch nicht viel Vollkommenes herausgekommen. Einmal wird die Wandstärke ungleich, und dann werden die Oberflächen nicht genügend glatt. Man lann aber auch den Gummi in Plattenform ans diesen Maschinen herauspressen, die Platten sind dann blasen- frei. Die Luftschläuche werden aus diese« in derselben Weise her- gestellt wie jeder andere Schlauch. Man verwendet dann einen glatten Dorn ans Metall, den man vorher mit kieselsaurem Natron überzieht. Um diesen wird die Gummiplatte gelegt und der dadurch erhaltene Schlauch, nachdem die Naht sorgsälttg verklebt ist, in Nessel eingcivickelt und vulkanisirt, ausgewickelt, abgezogen und umgewendet, wodurch die auf dem Dorn glatt gewordene Innenseite nach außen kommt. Nun wird der Schlauch mit Ventil versehen und zusammen- gesetzt, iiidcni man beide Enden teleskopartig ineinander schiebt und verklebt.— .Humoristisches. — Ahnungsvoll. Schauspieler(von einer Schmiere, bestürzt zu feinem Direktor):„Herr Direktor, icb bm außer mir, soeben hat das Söhncben unserer Naiven den Apfel, nach welchem ich heute Abend als„Teil" hätte schießen sollen, bis auf den letzten Bissen aufgegessen!"— Direktor lgennithlich):„Na, lieber Brüll- inami, machen Sie sich keine unnöthigen Sorgen. Bis Sie zur Schlußszene kommen, haben wir bereits mehr Aepfel ans der Bühne, als wir brauchen können."— — Der Protz:„Sie kümmern ssich wohl nie um anderer Leute Angelegenheiten?" Mehrfacher Hausbesitzer:„Nie l Ich kehre lieber vor meinen eigenen sechsnndzwanzig Thüren."— — Freundliche Einladung. Chemieprofess or(zu seinen Hörern!:„Wenn es das Unglück will, können wir bei diesem Experiment mit den, ganzen Laboratorium in die Luft fliegen.— Wollen die Herren nähertreten, daß Ihnen nichts entgehe."— Vermischtes vom Tage. — So sehr erboste es einen Restaurateur in Roscnberg (Westpreußen), daß ein Wähler den schlechten Witz gemacht hatte, seinen Namen aus einen Stiinnizettel zu schreiben, daß er in einer Annonce 10 M. Belohmmg demjenigen verspricht, der ihm diesen Uebelthäter namhaft niacht.— — Ein Schuhmachergeselle in Hamburg machte vor einigen Tagen eine Erbschaft von 25 000 M. Die Freude raubte ihm den Verstand. Er verübte allerhand tolle Streiche und wurde schließlich in eine Irrenanstalt gebracht.— — In der Rosenausstellung in Frankfurt a. M. stürzte während des Blumenkorsos am Sonntag im Thurmgerüst einer Rutschbahn eine Treppe ein. Sieben Personen wurden dabei verletzt.— — Ein Ziegeleibesitzcr in Brünn wurde in seinen Waldungen ermordet und beraubt aufgeftinden.— — Im nächsten Herbst soll auch Wien seine„Freie Bühne" haben. Eine neue Zeitschrist soll als ihr Organ ins Leben gerufen werden.— — In Riga stürzte ein neues, fünfstöckiges, zum theil bewohntes Haus ein. Zwei Personen wurden getödtet, eine verletzt. Sechs Personen, die im Kellerraum verschüttet waren, wurden durch die Feuerwehr gerettet.— — In Basel hatte man bisher vergebens gegen die Damen- mode, Vogclausstellungen ans dein Hute zu tragen, anzukämpfen versucht. Jüngst haben Schulknaben den Kampf mit besseren, Erfolg aufgenommen. Ans der Schule tretende Knaben, denen der Lehrer offenbar kurz vorher in der Schule die Ungeheuerlichkeit dieser Mode vor Augen geführt hatte, erblickten ein solches Mode-Ungeheuer, und — im Gänsemarsch ging's hinter der erschreckten Dame her, und in eintönigem Gesänge unter taktmäßigem Häudellatschcu erschallte es: Mo— de— da— me.Vo— gel— mord, Mo— de— da— me, Vo— gel— inord I Fast die ganze Schule wollte sich anschließen, und nur der Umstand, daß die Dame in das Haus einer Verwandten sich flüchten konnte, hielt die Jungen davon ab, die Dame durch die ganze Stadt zu begleiten.— c. e. Die Gemeinde Sulz im Kauton Aargau gab vor sechs Monaten ihrem SchuUehrcr, der ihr fünfzig Jahre lang gedient hatte, den Abschied, ohne ihm auch nur einen Pfennig Pension zu bewilligen. Als sie die Stelle neu ausschrieb, bewarb sich kein einziger Lehrer darum, trotzdem das Gehaltsmaxiinnin und eine hohe Extragratifikation in Aussicht gestellt wurde. Der Lehrer- verein hatte die Stadt für so lange bohkottirt, als dem entlassenen Lehrer keine angemessene Pension ausbezahlt würde. Als die Stadt den Lehrcrvcrein verklagen wollte, fand sie keinen Advokaten, der bereit war, ihre Sache vor Gericht zu vertreten.— — Am Sonntag schlug bei Antwerpen eine Dacht mit 11 Insassen um. 10 Personen ertranken.—_ Beranlivortlicher Redakienr: Angust Jacobey tu Berli». Druck und Verlag von Mnr Bading i» Berlin.