Nr. ISS. JÜtttnunutttf-KtdiiMNgtN: «bonneminl»- vr«l» pränumerando: vierleljährl. SLo Mk., monall. 1,l0Mk.. wöchentlich SS Pfg. frei in» Hau». «inzelne Nummer 6 Psg. Sonntag». Nummer mit Illustrierter Sonntag»- Seilage»Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: s,so Marl pro Quartal. Singetragen in der Post- Zeitung»- Preisliste für ISVS unter Dr. 7890. Unter tlreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 9 Marl, für da» übrige«uSland S Marl pro Monat. Srscheiul liiglich«ugit Moukng». Vevliner VolKsblakt. Centrawrgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands. IS. Jahrg. Dt» Knftrttons- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Solonel- zetle oder deren Raum so Pfg., für politische und gewerkschaftliche Verein»- und Versammlung»-Anzeigen so Pfg. „Kleine Anzeigen" jede» Wart 5 Psg. (nur da» erste Wort fety. Inserate für die nächst« Nummer müssen bis» Uhr nachmittag« in derExpeditton abgegeben werden. Die Expedttton ist an Wochen- tagen bi» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bt» S Uhr vormittag» geöffnet. Fernsprecher: vml l> Nr. 1508, Telegramm-Adresse: „Sorialdemoürat Berlin" Redaktion: SW. 19, Veuth-Strage 2. Sonnabend, den 26. August 1899. Expedition: SW. 19, Bentkz-Strafze 3. „Terroristnus" und Jnteressenverbäude der besitzenden Klaffen. i. Die Verfasser der Motive zur Zuchthausvorlage gehen� wie man weiß, im wesentlichen von dem harmlos klingenden Philisterschlagwort aus, daß Koalitionen wohl eine gewisse Bewegungsfreiheit haben sollen, daß sie jedoch niemanden „zur Heeresfolge zwingen", daß sie nicht in wirksamer Weise den„Zweck verfolgen dürfen, Un lustige und Widerwillige zum Anschluß an die Bewegung zu bestimmen und zwar auch dann nicht, wenn die Thäter in der ehrlichen Ueberzeugung handeln, daß ihr Vorgehen auch den noch Widerstrebenden nützlich sei", kurzum daß das Koalitions recht nicht zum Koalitions zwang ausarten dürfe. Seit Jahr und Tag hat die socialistische Presse hervor gehoben, daß, wenn man ernstlich mit solchem Zwange der Jnteressenvereinigungen gegen unbotmäßige Mitglieder und widerstrebende Außenstehende aufräumen wolle, man z u n ä ch st vor der Thür aller möglichen Unternehmer verbände recht viel zu fegen finde. Vor allem wurde von socialistischer Seite seit jeher hingewiesen auf die vollständige. durch keinerlei Sophismen zu verschleiernde Gleichartigkeit der Arbeiterkoalitionen und ihrer Werbe- und Kampfmittel mit denjenigen kapitalistischen Kartellen, die— genau wie die Organisationen der Verkäufer der Ware Arbeitskraft— den Zweck verfolgen, die Absatzpreise aller sonst mit einander frei konkurrierenden Waren möglichst einheitlich zu gestalten und möglichst in die Höhe zu bringen. Diese Gleichartigkeit ist sogar eine soweit gehende, daß in A m e r i k a schon Trust Gesetze gegen Gewerkschaften angewendet worden sind, während die Bestimmungen des ö st r e i ch i s ch e n Koalittonsgesetzes von 1870 über Arbeitsverhältnisse ausdrück' lich nadj seinem§ 4 auch Anwendung finden sollen„auf Verabredungen von Gewerbsleuten zu dem Zwecke, den Preis einer Ware zum Nachteile des Publikums zu erhöhen." Indes, theoretische Beweisführungen und thatsächliche Erfahrungen sind an manchen Gesetzesfabrikanten im Reichs amte des Innern verloren; und erst recht natürlich an den interessierten Scharfmachern, die nicht hören wollen, daß sie in ihren Kartellen alle Tage selber das thun, wozu in Zukunft den„terrorisierenden" Arbeitern durch drakonische Gesetze die Lust ausgetrieben werden soll. Doch das der doppelt nur unsere Pflicht, immer von neuem auf diese schreienden Ungerechtigkeiten zurückzukommen. Wir thun das heute an der Hand eines eben veröffenb lichten juristischen Werkes von Dr. W a l t h e r Nothnagel über„Exekution durch sociale Interessen- g r u p p e n". Das Buch ist, wie wir vorausschicken, wahrhaftig nicht auf unsere deutschen inneren Kämpfe zu geschnitten. Es verdankt einer ganz unverdächtigen höheren Anregung, nämlich durch den ehemaligen östreichischen Finanzminister Steinbach, dem es auch gewidmet ist, sein Entstehen. Es zeigt sogar einige, wenn auch leichte reaktionäre Anwandlungen, wie man sie bei Juristen gewöhnt ist, die nun einmal das flutende junge Leben immer gleich mit fest- begrenzten Ufern und regelnden Dämmen beglücken möchten, auch wenn sie sonst diesem Leben nicht abhold sind. Nothnagel schildert und zergliedert die„psychologische Exekution" durch die verschiedensteil Interessengruppen, durch Kreditorenvereine, durch Schutzgemeinschaften für Handel und Gewerbe, durch Hausbesitzerverbände, durch Börsenorgani- sationen, durch Standesvertretungen mit ihren Ehrenräten, durch Kartelle, durch Berufsvertretungen. Ueberall stellt er eine starke„Ausübung von Zwang" fest, den Organisationen und organisierte Mehrheiten durch Androhung von allerlei Nachteilen dem„freien" Individuum zufügen, um bestimmte Leistungen seitens des Individuums zu erreichen oder be- stimmte Schädigungen des Associationszweckes durch dritte ein für allemal zu unterdrücken. Diese„exekutive Selbst- Hilfe", oder wie Nothnagel den Ausdruck wählt: diese Exekution durch sociale Interessengruppen spielt sich nicht etwa nur ab, um Vertrags- mäßig schon fe st stehende Verpflichtungen rascher und dauernder zur Erfüllung zu bringen, als das vielleicht durch die Inanspruchnahme des Gerichtes zu erzielen wäre. Sie wendet sich auch durchaus nicht lediglich gegen Mit- a l i e d e r des„exekutierenden" Verbandes, die also durch Aufgabe ihrer Mitgliedschaft sich einem zu weit gehenden Zwange jederzeit wieder entziehen könnten. Sie kommt viel- niehr überall auch gegen Außenstehende zur An- Wendung und sucht alle möglichen wünschbaren Zwecke zu fördern, die einer Interessengruppe von Be- deutung zu sein scheinen, auch wo es sich wahrhaftig nicht mehr um zivilrechtlich garantierte Vermögensinteressen handelt. Ueberall. um des Juristen eigene Worte zu gebrauchen: erzwingt eine Pcrsonenmehrheit, in einer Association oder Or- »anisation vereinigt, von einem Mitgliede oder außenstehenden Individuum eine konkrete L e i st u n g oder ein den Interessen der Vereinigung entsprechendes Verhalten, welche mit gesetzlichen Mitteln nicht oder nicht in dem gleichen Matze erzwungen werden tonnten, durch die stillschweigende oder direkt ausgesprochene Drohung, seine Persönlichkeit in ihren gesamten wirtschaftlichen oder antzerwirtschaftlichen Beziehungen, soweit sie mit dem Inhalte der Zwecke der Organisatioit in Berührung kommen, für sein den Organ isations intercssen nicht entsprechendes Ver- halten zur Verantwortung heranziehen zu wollen. Zum Schrecken der Zuchthauspolitiker müssen wir sogar noch hinzufügen: der Schüler des östreichischen Ministers kommt am Schlüsse seines Buches—„obwohl er anerkennt, daß die Form des Vorgehens häufig an„Erpressung" streife" — sogar zu der Frage,„ob nicht eine bewußte Organi s i e r u n g der in allen Lebenskreisen angewendeten psycho logischen Exekusion die Grundlage für eine Fortentwicke- lung des socialen Rechtes bilden kann". Und sein Meister Steinbach hatte schon vorher geschrieben: „Es kann nicht daran gezweifelt werden, datz wir uns in einer Zeit sehr lebhafter Bethätigung des korporativen Princips befinden. Und dabei kann es uns nicht befremden, datz alle diese neu entstehenden oder an der Kräftigung ihres althergebrachten Bestandes wirkenden Genossenschaften, Vereine. Associationen und Gemeinschaften gerade wie der staatliche Organismus selbst zur Förderung ihres Zweckes und des Wohles ihrer Glieder einen sehr kräftigen Egoismus bethätigen, so datz sie gerade wie der Staat geneigt sind, eine Handlungsweise ihrer Mitglieder, welche gegen diesen Gesamtegoismus nach ihrer Ansicht v e r st ö tz t, als Verletzung der guten Sitten aufzu- fassen.... In der für unsere Zeit charakteristischen lebhaften Wirksamkeit des Associationsprincipes in allen seinen verschiedenen Fornien zeigen sich eben überall auch die Einflüsse des g e s e l I s ch a f t- I i ch e n Egoismus, für dessen Wesen es bezeichnend ist, datz die Bethätigung desselben seitens der Gemeinschaftsmitglieder als etwas moralisch Lobenswertes, die Verletzung desselben als etwas moralisch Tadelnswertes empfunden und hingestellt wird.' Doch suchen wir in einem zweiten Artikel einen Ueber blick über Nothnagels thatsächliche Mitteilungen zu geben. politische Mebevfichk. Berlin, den 2ö. August. Aus ist's. Am Sonnabend wird der Landtag durch den Minister' Präsidenten, der immer noch Hohenlohe heißt, geschlossen werden und Onkel Chlodwig wird, wie wir hören, bei dieser feierlichen Gelegenheit folgende Rede halten: Die Session des hohen Hauses hat mit dem betrübenden Vorfall geendigt, datz die Kanalvorlagc nicht angenommen worden ist, und zwar durch die schwere Schuld der Mitglieder der rechten Seite dieses Hauses, von denen wir sonst gewohnt sind, datz sie mit der Regierung durch dick und dünn gehen. Meine Herren I Wir haben Sie vorher gewarnt, wir haben Sie auf die Verhängnis- vollen Folgen Ihres Thuns hingewiesen. Sie aber wollten nicht hören, Sie haben unsere Vorstellungen nützachtet. Die Regierung hat keine Verantwortung mehr für Ihr Schicksal. Sie haben sich selbst zuzu- schreiben, was kommen wird und kommt» mutz. Geben Sie sich keinen Illusionen hin. Die Regierung wird ihr Wort halten, so schwer es uns fällt, mit unseren berufensten Freunden ins Gericht zu gehen. Meine Herren I Ich bin in der Lage, hier- mit' in der bcstimnuesten Form zu erklären, die Regie- rung wird vor keinem Mittel zurückschrecken, um die Kanalvorlage durchzubringen. Niemand bedauert diesen Umstand mehr als die Regierung, aber es kann nicht anders sein.... Bereits in der nächsten Session werden wir den Eni- wurf auss neue vorlegen. Und lehnen Sie dann abermals ab, dann ist unsere Geduld erschöpft. Dann— verzichten wir auf das Zustandekommen. So ungefähr wird der Alte reden, und die Liberalen werden aus der Rede neue Hoffnungen saugen und von jener Ministerherrlichkeit träumen, die immer am Horizonte bleibt. Die Regierung aber begnügt sich.'über ihren Mißerfolg zu quittieren. Sie läßt, wie es Schweinburg gerathen, ein paar Beamte über den Stock springen. So ist Professor Jrmer, der als Hilfsarbeiter ins Kultusministerium berufen worden war, Knall und Fall entlassen worden, nachdem er gegen den Kanal ge-stimmt. Er muß nun wieder als Gymnasiallehrer Knaben irillen. Die Junker aber reisen befriedigt heim. Ihnen konnte keiner I Keiner I—_ Preußisches Abgeordnetenhaus. Im Abgeordnetenhause wurde heute die Vorlage, betreffend die Gerichtsorganisation von Berlin und Umgebung, mit erdrückender Majorität angenommen. Es ist sicher, daß der Landtag Sonnabend in die Ferien zeht. Nach dem geheimnisvollen Kronrat, der die liberalen Blätter so sehr dadurch überrascht hat, daß er keine Ueber- raschung gebracht hat. wird wohl alles seinen ruhigen Verlauf nehmen— wenn nicht der Kanal, so ist doch der Junker er- baut, und das ist die Hauptsache.— Ei» Gerichtstag der Herren. .Der Zweite folgt auf den Ersten." Diese alte Wahrheit, die bereits der selige Falstaff als weise Lebensregel anerkannt hat, hat das preußische Herrenhaus heute bestätigt. Als vor einigen Wochen ein Antrag des Justizministers auf Strafverfolgung einzelner schle- sischer Blätter wegen Beleidigung der preußischen Pairskammer, ab- weichend von der stets geübten Praxis, angenommen wurde, da glaubten einige unschuldige Gemüter, die da? edle und erlauchte HauS der Herren auch noch als ein Parlament auffaffen; man habe nur grundsätzlich fest- stellen wollen, daß das Herrenhaus nicht jxde Beleidigung einzu- stecken brauche; im übrigen würde es mit dem einen Fall sein Be- wenden haben. Heute sind diese Träumer, die sich vorwiegend in dem minderwertig-bürgerlichen Teile deS hohen Hauses finden, eines Bessern belehrt worden: Das Herrenhaus hat beschlossen, den .Vorwärts" weaen deS Artikels:»Der Tag der Herren" straf- rechtlich zu verfolgen. Es mutz zugegeben werden: mit ganz geringer Majorität. Auf der Linken— wenn diese Be- Zeichnung bei jener hochedlen Körperschaft überhaupt parlamentarisch zulässig ist— erregte daS Resultat auch manches besorgte Kopf- schütteln. Einige mutz wohl die Thatsache, datz die Edelsten der preutzischen Lande in corpore sich unter den Schutz eines Richters stellen und ihre verletzte Ehre durch eine Geldstrafe reparieren lassen wollen, etwas bedenklich gestimmt haben. Die staatsmännische Rechte aber war weitsichtig genug, durch die etwas blamable Außen- seite hindurch den edlen Keni der Matzregel zu erblicken. Es handelte sich für sie keineswegs blos um eine simple Beleidigungsklage, es handelte sich um eine grotze nationale Aktion, mit der die so not- wendige Gesundung unserer gesellschaftlichen Zustände ihren Anfang nehmen soll. Der Berichterstatter der Kommission, der Freiherr v. Durant, war sich freilich dieser weittragenden Bedeutung der Sache »och keineswegs bewußt. Er sprach nur in klagendem Tone von der Zttgellosigkeit in der Presse, der man nicht beikommen könne, da wir leider die Pretzfreiheit habenl Die Welt liebt es, wie seit einiger Zeit bekannt ist. das Strahlende zu schwärzen und das Erhabene in den Staub zu zieh'». Die zucht- lose Jugend wagt sich selbst an die höchsten und ehrwürdigsten Institutionen heran, jetzt hat sie gar den letzten Schritt gethan und das Herrenhans zur Zielscheibe ihres Spottes genommen. Aber noch giebt es eine Vorsehung. Der preußische Justizminister wacht, und die Staatsanwaltschaft soll mit schwerer Hand die Frevler treffen. Indes überall giebt es Zweifler; etwas Skepsis gehört ja schließ- lich seit der Fricdericianischen Epoche zur altpreutzischen Tradition. So erhob sich denn auch hier ein Redner und meinte, das Herren- haus habe doch nicht den Beruf, auf den.Vorwärts" erzieherisch zu wirken. Ja, er wurde sogar ironisch und fragte, weshalb denn nicht die Regierung bei beleidigenden Aeutzerungen, wie die in den letzten Monaten gegen die Spitzen des Ministeriums in hochangesehenen bürgerlichen Blättern gefallen seien, den Klageweg beschritten habe. Die arme Regierung! Selbst da, wo sie gerade ihre zärtliche Für- sorge bekundet, mutz sie sich noch aufziehen lassen. Ja, es ist zu Endel Wenn sie auch nach.oben' die Prüfung vielleicht bestanden hat, s o n st ist sie.unten durch". Selbst im Herrenhause verziehen sich die versteinerten Gesichter zu einem Lächeln, wenn sie auf den Käfig blicken, in dem dort die Regierungsvertrcter eingeengt sitzen müssen. Dieses heitere Intermezzo hatte die alten Herren milde ge- stimmt. Beinahe wäre aus dem ganzen kühnen Vorstoß nichts geworden. Da rettete der Herr Graf von Klinckowström die Situation. Er begriff, worauf es ankommt. Mit weichlicher Sentimentalität kommt man nicht weit: der Herr Graf hatte noch in trüber Erinnerung, wie er im Reichstage so herzbeweglich erzählt hatte, datz seine Gemahlsn, die Frau Gräfin, mitten in der Nacht aufstehe, um kranke Arbeiter zn pflegen, und wie dann der Socialdemokrat Haase mit diesem gräflich Klinckowströmschen Edelsinn das ganze Haus amüsierte. Die Socialdemokratie mutz vernichtet werden I Und der Graf aus Ostpreußen hat ein sicher wirkendes Mittel gefunden. Man mutz einfach so viel Geldstrafen über die Kerle verhängen, datz die freiwillige Steuer, die sie der ganzen Bevölkerung auferlegen, total aufgebraucht wird. Man sieht: ganz einfach I„Damit ist d ie ganze Frage mit der Socialdemokratie gelöst!" rief triumphierend der geniale Erfinder. Nein, datz man darauf nicht früher gekommen ist? Jetzt braucht Herr v. Kardorff nicht mehr verzweifelt aus- zurufen:„Mein Gott, mein Gott, was jsoll aus uns werden?" Er braucht jetzt bloß dafür zu sorgen, datz der„Vorwärts" und die anderen socialdemokratischen Blätter so oft wie möglich fünf Mark Strafe zahlen müssen. Die finanzielle Uebcrwindung der Socialdemokratie I Das ist die endlich gefundene Sieg ver- heitzcnde Formel. Wie ist es da noch zu verstehen, datz der Oberbürgermeister Becker, in vollständiger Verkennung der großen nationalen Gesichts- punkte, von der Würde des Hauses sprechen konnte, die man durch fortgesetzte Beleidigungsklagen blotzstelle? Ist das nur Schwerfällig- keit, oder lauern hinter der gutmütigen Miene des braven Herrn mit dem biedern grauen Schnurrbart gar destruktive Tendenzen? Wer weiß! Trau keinem Bürgermeister nicht I Aber auch Herr v. Levetzow harte an der ganzen Sache durch- aus kein Gefallen. Er fand zwar den Artikel des„Vorwärts", wie er als alter Kavallerist sich ausdrückte,„hundsgemein", aber sein Soldatenherz sträubte sich offenbar gegen die richterliche Ein- Mischung. Der alte Herr mit den aristokratischen Gewohnheiten ver- steht wohl auch zu wenig von irationalen Kämpfen, die auf sinanziellem Boden ausgefochten werden. Auf die Sache versteht sich der Bund der Landwirte und sein notleidender Anhang besser. Gleichviel, die gute Sache hat gesiegt, der„Vorwärts" wird verklagt werden. Wir sind den guten Herren deshalb nicht böse. Auch wir meinen mit dem Herrn Grafen von Hutten- CzäpSki:„Man kann von niemand mehr verlangen, als er nach seiner Gesinnung und Gesittung leisten kann." Derselbe Herr, der überhaupt ein ganz gefährlicher Revolutionär zu sein scheint, meinte auch: viel gefährlicher als solche formalen Beleidigungen seien E n t st e l l u n g e n in der Wiedergabe von T h a t s a ch e n l Wahrhaftig, das meinen wir auch I Aber wenn man gegen solche Entstellungen gerichtlich vor« gehen wollte, so wäre heute der Verfasser der berühmten Denkschnft zur Zuchthausvorlage, nachdem im Reichstag nach« gewiesen, datz er sich z. B. bei der Darstellung der Geschichte vom friedlichen B. einige merkwürdige Ungenauigkeiten hat zu Schulden kommen lassen? Wo wäre heute das Königliche.Dresdner Journal", das über den Löbtauer Fall so eigenartig berichtet hat? Ja, wo wäre heute der hohe Bundesrat und das höchste Herrenhaus mit ihm, nachdem sich beide bei der Besprechung fccr lux Leynhtfl�en ühcr manche Thatsachen so sonderbar aus- czelasse» haben« Wenn der Herr Gras von Hutten-Cz-rpski gegen all diese Dinge hat vorgehen wollen, so kann er voll Stolz mit seinem etwqs entfernten und minder bemittelten Namensvetter von sich sagen: »Ich hab's gewagt!" Der Strafbeschluß gegen den„Vorwärts" bildete heute die große That der Herren. Sonst hatten sie diesmal wenig Gelegenheit zu staatserhaltender Thätigleit. Nur die arme Regie> rung, die sich gar nicht mehr retten kann, wurde von den Junkern noch ein wenig gehänselt. Sie hatte sich so viel Mühe gegeben mit dem Gesetz betreffend die Gewährung von Zwischeukredil bei Rentenguts- Gründungen. Und es ging auch alles ganz schön Es fehlte nur noch die Unterschrift des Herrenhauses. Aber zwischen Lipp' und Bechersraud.... Die Junker beschließen einfach den Gegenstand in der zwölften Stunde von der Tagesordnung abzusetzen. Vergebens beschwört sie der Landwirtschaftsmiuister mit Grabesstimme: die erlauchten Herren möchten doch geneigtest erwägen, daß damit die ganze gesetzgeberische Leistung vernichtet sei, da doch morgen bereits die Session überhaupt schließe. Auf seine hcrzbewegliche Klag» folgt eisiges Schweigen, und die Vorlag« wird glatt abgesetzt.—_ Tie Geucralriite. Paris, 24. August.(Eig. Ber.) Das wichtigste politische Ereignis der letzten Tage ist die Session der Generalräte die am Montag eröffnet wurde. Die Geucralräte haben von jeher, besonders in kritischen Zeiten, ihre Stimme in die Wagschale ge- worfe», trotzdem das Gesetz ihre Konipetenz auf die lokalen An- aelcgenhciten des Departements beschränkt. Und ihre Stimme wiegt schwer, weil sie gerade von den regierungsfähigen Parteien als der treueste Ausdruck der Landesmeinung angesehen werden. In der gegenwärtigen Krise ist letzteres besonders zutreffend, indem die Generalräte der überhitzten Atmosphäre von Paris fernstehen. Die Mehrheit der Genrralräte hat sich nun zur Bestürzung der Generalstäbler fite das Ministerium ausgesprochen. In zahl reichen Resolutionen und Ansprachen werden die energischen Maß nahmen der Regierung gegen die Feinde der Republik gebilligt. Sympathie-, Vertrauens-, Glückwunsch- und Ermuiiterungsfornceln lösen einander ab. Dabei niachen bourgeoisrepublikanische General rate mit ihren radikalen Kollegen gemeinsame Sache. Mehrere Dcpartementsräte haben außerdem Sympathie-Adr essen an den Präsidenten Loubet votiert aus Anlaß des Attentats vom 4. Juni und der fortwährenden Angriffe der prätorianischen Parteien. Nicht minder bedeutsam ist der klägliche Mißerfolg der klerikal- m o narchistisch-nationalistischen Kampagne für die vorzeitige Einberufung des Parlament s. Nur die an den Fingern einer Hand abzuzählenden Gcneralräte mit einer klerikal-monarchistischen Mehrheit haben einen dahingehenden„Wunsch votiert. In allen anderen Räten, wo ein solcher Wunsch beantragt wurde, fiel er glatt durch. Die plötzliche Liebe zum Parlament seitens derselben Parteien, die sonst nicht genug über die„parlamentarische Fäulnis" schreien können und ihre Staatsrechtspläne mit dem Feigenblatt einer anti parlamentarischen Gesinnung zu verdecken suchen, erklärt sich sehr einfach. Sie möchten noch vor Beendigung des Drehfusprozesses das Ministerium stürzen und jedenfalls den Mililärrichtern ourch «patriotische" Kammeroebatten eine Verurteilung erleichtern... Die Kundgebungen der Generalräte sind ein doppelter Schlag für die Prätorianer.«Da? Land", das sie selbstsicher in ihren ZeitungZredaktionen sprechen lassen, hat sie durch seine berufenen Vertreter desavouiert. Das Land will in seiner Mehrheit ebenso- tvenig von generalstäblerischem Rummel in der Kammer hören, wie von einer parlamentarischen Beeinflussung der Militärrichter von Rennes. . Dem Ministerium aber haben die Vertranenskundgebungen einen sehr erwünschten Zuwachs an Autorität verschafft— inmitten des Gezeters der Generalstabspresse über die„jüdische Schreckens- Herrschast" des Kabinetts, das sie gern auf den Namen Josef Reinach taust.— Leider sind die allerneuesten Handlungen der Regierung im Ge- folge der Sonntagstrawalle höchst zweifelhafter Natur. Ich spreche von der gerichtlichen Aktion gegen den Anarchisten Sebastien Faure und seiner vier Mltredarteure vom„Journal du Peuple", die vom Justizminister in Uebcreinstimmung mit dem Mnisterpräsidenten beschlossen wurde. Fanre und Genossen werden ganz willkürlich eine? Mord- Versuches an einem Polizeibeamten beschuldigt I Der«Mordversuch" besteht darin, daß der betreffende Beamte, wie daö in jedem hier nicht mehr ungewöhnlichem Zusammenstoß zwischen Manifestanten und Polizei vorkommt, mehr oder minder schtver ver- wundet wurde. Noch nie aber wurde so was als„Mordversuch" qualifiziert. Damit nicht genug: Das schönste an der Aussage ist, daß Faure und Genossen sich zur Zeit jenes Zusammen- stoßes nachweisbar in einem anderen Teil von Paris befandenl... Eine andere, nicht minder tadelnswerte Art Willkür liegt in der Anklage von Faure und Genossen wegen„Aufforderung zur Zusammenrottung". Dieses Ber- gehen trifft zwar sachlich und gesetzlich zu, aber es wurde noch in einem einzigen Falle zum Gegenstand einer gerichtlichen Verfolgung gemacht. Wozu aber von der bisherigen Praxis gerade zum Nachteil der extremsten Gegner des GeneralstabeS abweichen? Zudem geschah die„Aufforderung" verncittelst der Presse, aber auch daS gegenwärtige Ministeriums hat— übrigens aus berechtigter Rücksicht auf die freiheitliche Handhabung des Preß- gesetzeS— keinen einzigen Generalstabsredacteur wegen der viel schwereren Aufforderung zu einem militärischen Prouunciamento ver- folgen lassen.— Ebenso sind zu tadeln die steilich unabhängig von der Regierung erfolgten Ausschreitungen der Polizei in Ronen gegenüber den streikenden Hafenarbeitern. Nach einer Reihe Provokationen zerstreute die Polizei mit Hilfe von Gendarmen und berittenen Jägern eine friedliche Straßen- kundgebung der Arbeiter unter Anwendung von Säbelhieben, die eine Anzahl Verwundungen zur Folge hatten. Auch ivurde der Sekretär der Arbeitsbörse unter irgend einem Borwand verhaftet. Selbst die bürgerliche Bevölkerung von Ronen ist über die Brutalität der Polizei entrüstet. «» die Bersicheruug, eine rechtlich »daß und erregt auch bemerkt die Deutsches Meich. Tie neueste angebliche Majestätsbeletdigung des„Vorwärts" in der zahmen bürgerlichen Presse Verwunderung. So »Kölnische Zeitung": „Außer dieser Sache sder Denunzianten-Notizs befinden sich in der Beilage nur Lokalnachrichten der gewöhnlichsten Art und höchstens noch eine kleine sehr harmlos gehaltene Notiz über unfern unbestätigten Oberbürgermeister, in die auf keine Weise eineMajestäts- beleidigung hineingedeutet werden kann. Auch in den Anzeigen der Beilage ist nichts zu entdecken, woran man den mindesten Anstoß nehnzen könnte. Bleibt also nur die Zeile von Hoffmann v. Fallers- leben, und wenn diese der Grund für die Konfiskation gewesen sein sollte, so scheint u»S der konfiscierende Beamte ganz merkwürdige Austastungen über das Wesen der MajestätS- beleidigung zu haben." Bis zur Stunde aber haben wir die Beilage, die so schnell kon» fisciert wurde, noch nicht wieder erhalten. DaS Wegnehmen ist an- scheinend bedeutend ldichter als da« Zurückgeben und erfordert mehr Arbeit und Zeit, obwohl eS sich doch nur darum handelt, an eine Stelle die Exemplare abzuliefern, die bei der Konfiskation an hun- Herten von Orten zusammengesucht werden mußten.— Eine Frage an Fürst Hohenlohe. Am ,27. Juni ISftv, damals als das Bürgerliche Gesetzbuch in sommerlicher Hast zum Abschluß gebracht wurde, gab Fürst Hohen- lohe folgende Erklärung ab: „Es besteht die begründete Zuversicht, daß das in den verschiedenen Staaten für politische Vereine erlassene Verbot, mit anderen Vereinen in Verbindung zu treten, außer Wirksam- k e i t werde gesetzt werden. Ich kann a u f G r u n d der inzwischen unter den beteiligten Regierungen gepflogenen Erörterungen diese Erklärung dahin ergänzen, daß es in der Absicht dieser Regierungen liegt, die Beseitigung des durch das Verbot geschaffenen Rechtszustandes herbeizuführU. Geschieht die« aber und ich zweifle nicht, daß es geschehen wird— so wird... dieser Ersatz mlter allen Umstände« früher eintreten als dies durch eine Annahme des Antrags Auer in das Bürgerliche Gesetzbuch der Fall sein würde, weit das letzter« erst mit dem Beginn des nächsten Jahrhundert» Gesetz werden soll." Die Socialdemolraten äußerten damals Mißtrauen gegenüber diesem Versprechen. Minister v. Bötticher aber verstärkte die Feierlichkeit der Erklärung Hohenlohes durch die vom Reichskanzler abgegebene Erklärung politisch unanfechtbare ist". . Das Bürgerliche Gesetzbuch tritt am 1. Januar 1900 in Kraft. An diesem Sonnabend bereits wird der preußische Landtag geschlossen, und er wird vor dem 1. Januar 1900 sich nicht wieder ber- sammeln. Wie denkt sich der Herr Reichskanzler angesichts dieser Lage der Dinge die Erfüllung seine? Versprechens?! In Preußen ist keine Möglichkeit mehr vor dem Inkrafttreten des Bürgerlichen Gesetzbuches das Ber bindungsberbot für die Vereine aufzuheben. Es giebt also nur noch einen Weg. Der Reichstag muß sofort bei seinem Zusammentreten das Versammlungsrecht reichsgesetzlich im Sinne des Hohenloheschen Versprechens regeln, wie ja das Vereinsrecht eigentlich verfassungsmäßig Reichssache ist. Fürst Hohenlohe hat also nur noch eine ganz k urze Frist, sein Wort einzulösen. Diesmal handelt es sich um eine ernstere Angelegenheit, als die Kanaldrohuugen. Es handelt sich um die politische Ehre des Fürsten Hohenlohe.—_ Der Landgraf Alexis v. Hessen, der in dem„Vorwärts"- Artikel über„den Tag der Herren" eine scherzhafte Note erhalten hatte, die manche Herrenhäusler als die schwerste in dem Artikel enthalteue Beleidigung aufgefaßt habe», hat, wie man uns ans dem Herrenhause schreibt, gegen die Verfolgung des„Vorwärts" ge- stimmt.— Das haben wir von dem Landgrafen nicht anders er- wartet, der ja auch gegen die ZuchthauSvorlage seine Stimme ab- gegeben hat. Dieier eine alte Herr wenigstens ist noch rüstig genug, um dem Satiriker gleichmütig standzuhalten und das Recht auf Spott auzuerkeuuen.— „Wie wir voraussagten". Eine höchst spaßhafte Aufgabe wäre es, die Preß Meinungen der liberalen frei- sinnigen Presse nacheinander �usannneuzustellen, die in der Kanalangelegenheit gedruckt worden sind. Jeden Tag weissagten sie genau das Gegenteil von dem, was dann in Wirklichkeit geschah, und wer auf der Höhe des bürgerlichen Presjegeschäfts stand, leitete wohl gar die Widerlegung seiner Prophezeiung mit dem Vermerke ein: Wie wir gleich vermuteten. Eine hübsche Probe dieser ahnungsvollen Publizistik greift die „Kreuz-Zeitung" auf. Am Donnecscag schrieb das„Berliner Tage- blatt" am Schluß seines Leitartikels: „Darum ist es unseres Dafürhaltens ganz auögeschloffen, daß alles beim alten bleiben könnte. Irgend eine Wendung in unserer inneren Politik muß sich vorbereiten und zwar inner- halb einer nicht allzu langen Zeit." tlnd zwölf Stunden später, am Freitagmorgen, schreibt dasselbe Blatt: „Nnsere Mitteilungen, welche darauf hinauslaufen, daß in Prenßen alles beim alten bleiben solle, werden von allen Seiten bestätigt." Auf diese Weise bleiben die falschesten Propheten immer die Unfehlbarkeit selbst.— O, diese Zwangsiminngen! Den patentierten Handwerks rettern wird schwül angesichts der Erscheinung, daß bereits eine Reihe der neugegründeten Zwangsinnungen socialdcmotratische oder innungsfeindliche Vorstände gewählt hat. Die„Konservative Kor respoudenz" beschäftigt sich gleicherweise wie die„Germania" mit der Frage, wie dem Eindringen der Socialdemolraten. m die Zwangs- innungen zu begegnen sei. Sic rät zunächst, gemäß Abs. 2 des§ 100 der Gewerbe-Ordnung die Zwangsinnung auf den Kreis derjenigeil Meister zu beschränken, die der Regel nach Gesellen oder Lehrlinge halte», weil die social- deniokratischeu Meister in der Regel nur in den Kreisen der Klein meister zu finden wären. Daun aber fordert sie die Handwerker, die in den Zwangsiiinungen das Wundermittel zur Beseitigung der Konkurrenz sehen, aus, ihre Gleichgültigkeit zu überwinden und auch selbst fleißig in die Jnnungsversammluiigeu zu gehen, an den Wahlen teilzuiiehmeu und überhaupt tüchtig an die Arbeft zu gehen und 'elbst etivas zu thun. Befolgen sie aber diese Ratschläge nicht, dann—„dürste die staatliche Gesetzgebung in dem Handiverkerschutz- Gesetze vom 26. Juli 1897 zun, letztenmale dem Haudtverke Hilfteiche Hand geboten haben. Insbesondere die R-glerungen. welche nur aeztoungen dem neuen Gesetze zugestimmt haben, würden sich in Zutuiift völlig zurückziehen mit dem Bemerken, daß man doch ver- gebliche Arbeit leiste, wenn die Handwerker die gebotene Hilfe nicht annehmen und so den Beweis geliefert haben, daß das Hand- werk in der überwiegende» Mehrheit nicht lebensfähig oder nicht willens sei, seine Lebensfähigkeit in der ihm gebotenen neuen Organisation zu beweisen." Man mutz die Gelegenheit beim Schöpfe fassen. Daß die Masse der Jnnungsschwärmer nicht fähig ist, ernsthaft an öffentlichen Dingen mitzuwirken und daß da alles Zureden wirkungslos ist, da- von. ist die„K. K." ebenso überzeugt, wie von der Nutzlosigkeit der Zwangsinnungen. Man ist ja nicht für Innungen, um den Handwerker!: zu helfen, sondern um sich ohne Kosten eine Wahlgefolgschaft in ihnen zu sichern. Aber wo gäbe es eine günstigere Gelegenheit, den vorauszusehenden Miß- erfolg der Jnnunasorganisation der Unthätigkeit der Begliicklen in die Schuhe zu schieben und sich die Möglichkeit einer abermaligen Täuschung hieser Bevölkerungsschichten zu sichern, als wie diese? Die Socialdemoftaten sind schuld und Eure eigene Gleich- gültigkeit... Auf de» Antisemitismus ist die nationalliberale Partei ge- kommen. Es haben nämlich nicht bloß, wie kürzlich die„Deutsche Tageszeitung" mitteilte,„einige nationalliberale Herren" den Wahl- aufruf für den antisemitischen'Kandidaten im achten sächsischen Kreise unterzeichnet, sondern die nationalliberale Parteueftung hat ihre An- Hänger in diesem Kreise offiziell aufgefordert, für den Antisemiten zu stimmen. Die nationalliberale Parteileitung hätte sich diese Prostituierung wirklich ersparen können; die Zahl ihrer Anhänger in diesem Kreise ist so gering, daß sie gar nicht in Betracht kommen und zudem ist ihr' Liberalismus so sächsisch, daß sie auch ohne besondere An- Weisung für den Antisemiten gestimmt hätten. Ter Kampf gegen die„Minderjährigen" in Sachsen nimmt die Formen an, d»e bei Schaffung de» neuen Bereinsgesetzes von allen seinen Gegnern vorausgfsagt wurde; die Bestimmung, daß Minderjährige an politischen Versammlungen nicht teilnehmen dürfen, wird nicht nur m der verschiedensten Weise ausgelegt, sondern vor- nehmlich zur Behinderung der Minderjährigen in du Gewerkschaft»" bewcgung benutzt. In einer Holzarbeiter-Versaminlung in Oschatz wurde«in Bor« trag über Arbeitszeit und Arbeitslohn gehalten. Am Schlüsse er- wähnte der Referent die Zuchthausvorlage und sagte, daß es nicht Aufgabe dieser Versammlung sei, diese Vorlage zu erörtern, daß dies aber nächstens in einer politischen Versammlung geschehen werde. Bei diesen Worten verlangte der überwachende Beamte vom Lorsitzenden, daß er die Minderjährigen entferne. Da dieser aber nicht einsehen konnte, daß die Versammlung durch die bloße Er- wähnung der Zuchthausvorlage zu einer politischen geworden sei, veriveigerte er dies. Dafür wurde er von der Polizeibehörde in eine Geldstrafe von 10 M. genommen und diese wurde vom Schöffengericht bestätigt.— Im Landtag ist seiner Zeit selbst vom Ministertische aus erklärt worden, daß man keineswegs beabstchttge, die gewerkschaftliche Arbeiterbewegung zu beeinträchttgen und daß man eine gewerkschaftliche Bersammlung keineswegs zu.einer politischen stempeln wolle deswegen, weil etwa gelegentlich politische Angelegenheiten gestreift würden. Militärische Märsche. Aus Elsaß-Lothringen wird uns geschrieben: Noch hat sich in der Bevölkerung die Erregung über die beiden■ Todesfälle, die kürzlich beim 4. Badischen Infanterie- Regiment Nr. 112 in Mülhausen infolge von Hitzschlag vorgekommen find, nicht gelegt/ und bereit» ist über einen zweite« ähnliches Ereigniß zu benchteu. Das württemberaische Infanterie- Reginient Nr. 126 befand sich am Mfttwoch auf dem Marsch nach seiner Garnison Straßburg. Infolge der großen Anstrengungen, die man der Truppe dabei trotz der hohen Tagestemperatur zu- mutete, wurden nicht weniger als 44 Mann unwohl und mußten den Weitermarsch aufgeben. Wie der„Straßburger Bürgerzeitung" mitgeteilt wird, erlag von diesen ein Mann den Strapazen lind st a r b kurz nach seiner Einkieferung ins Lazarett. Es ist begreiflich, daß diese wiederholen Todesfälle von Soldaten infolge von übermäßigen Anstrengungen im Lande das peinlichste Aufsehen erregen. Es wäre deshalb zu wünschen, daß die Militär- behörden, insbesondere angesichts der bevorstehenden Kaiser- n> a n ö v e r mit ihren gesteigerten Anforderungen an die körperliche Leistungsfähigkeit der Truppen, durch geeignete Maßregeln zur Be- ruhignug der Bevölkerung beitrügen. Vom Nord-Ostsce-Kanal. Aus Kiel wird uns berichtet: Der dieser Tage für das Fahr 1898 von der Kieler Handelskammer Heransgegebene Bericht enthält über den Verkehr im Rord-Ostsee- Kanal für die drei letzten Jahre eine interessante Zusammenstellung, die das allgemeine Interesse nicht entbehtt. An abgabepflichtigen Schiffen haben den Kanal befahren: Segel- und Schleppschiffe Zahl 14 811 13 712 11673 Jahr 1898/99 1897/98 1896/97 Dampfschiffe R. G. Reg.-T. Zahl 11 00S 9 396 .8 287 2 467 839 1 927 946 1 407 43S Bon diesen Schiffen führten die deutsche Flagge Reg.-T. 2 126 701 1 711 549 1 260 768 Reg.-T. 650001 541 849 441023 Zahl 25 816 23 108 19 960 Zusammen R. G. Reg.-T. 8117 800 2 469 795 1848 458 Jahr 1898/99 22 540 1897/98 20 307 1896/97 17 862 Der Verkehr ist demnach gestiegen nach ver in 1897/98 um 1898/99 fremde Flaggen "ahl Reg.-T. 6 991 139 2801 758 246 2098 587 690 gegen das Borjahr Zahl nach dem der Schiffe Raumgehalt 16 Proz. 84 Proz. 12.. 26 Der Verkehr der deutschen Schiffe hat zugenommen in nach der Zahl der Schiffe 1897/98 um 14 Proz. . 1893/99„ 11. der fremden Schiff« in 1897/98 um 34 Proz. „ 1893/99„ 17, Die Kanaleinyahmen betrugen 1898/99 1897/98 Kanalabgaben 1 478 684 1 173 389 Schleppgebühr 108 009 90 149 Sonst. Einnahm. 3 790 6 458 nach dem Raumaehalt 86 Proz, -4. 29 Proz. «1. 1896/97 907 771 m. 72 918, 6143„ 986 882 M. 1590 483 1269 996 Die vereinnahmten Gebühren sind gestiegen in 1897/98 um 29 Proz., in 1898/99 um 25 Proz. Trotzdem der Kanal von Jahr zu Jahr ein günstigere» Ergebnis sowohl in der Frequenz wie in oen Einnahmen aufzuweisen hat, haben sich doch die an die Eröffnung de» Kanal» gestellten Er- Wartungen noch nicht im entferntesten erfüllt. In der dem Reichs- tage über den Bau des Nordoftsee- Kanals vorgelegten Regierungs« Vorlage war für das erste Jahr der Raumgehalt der den Kanal passierenden Schiffe schon auf 5 500000 Registerton» geschätzt und die zu erwartende Einnahme auf 4 125 000 M. taxiett.— Der MariniSuius alS Gcruianisator, Au» Elsaß- Lothringen wird uns geschrieben: Eine neue, besonder» er« frculiche Lichtseite haben nnsere Flottenfanatiker an der deutschen Kriegsmarine entdeckt' sie ist nach ihrer Auffassung dazu auSersehen, ein patriotisches Künststück zu vollbringen, an dem sich der preußisch- deutsche Polizeigeist der Puttkamerschen Dittaturregierung seit nun- mehr bald drei Jahrzehnten vergeblich abmüht, nämlich die Aus- söhuung der elsaß-lochringischen Bevölkerung mit der deutschen Reichsherrlichkeit. Diese neue Waffe für da» Arsenal ihrer Wasserpropaganda haben unsere Marinepolitiker aus der That- sacke geschmiedet, daß unter den etwa 650 jungen Vaterlands- Verteidigern, die während der letztverflpssenen drei Jahre aus Elsaß-Lothringen in die deutsche Marine eingestellt wurden, nicht weniger als 110 sich noch nicht im militärpflichtigen Alter befanden, also freiwillig in den Dienst Aeair« getreten find. Grund hierfür natürlich: helle Begeisterung für die Herrlichkeit unserer Kriegsmarine I Soweit wäre die Sacke nun ganz schön, wenn sie nicht einen ganz bedenklichen Haken hätte. Ehe wir nämlich an die patriotisch- bezaubernde Wirkung glauben, die unser MarinismuS auf die Ge- müter der wehrftäftigen Nachkommenschaft der„wiedergewonnenen Brüder" ausüben soll, muß man uns den Nachweis erbringen, daß jene 110 Marinefreiwilligen durchweg oder doch der großen Mehr- zahl nach auch thatsäcklich Söhne«ingeborener elsaß-lothringischer Familien stnd. Ohne diesen Nachweis hegen wir die gewiß nicht unbegründete Vermutung, es möge sich unter ihnen«in erheblicher. vielleicht gar überwiegender Prozentsatz von Sprößlingen der nach 1870 aus Altdeutschlaud eingewanderten Familien befinden. Diese Vermutung liegt um so näher, als gerade in den letzten Jahren die erste Generatton der zwar im Reichsland geborenen und infolgedessen im Besitz der elsaß-lothringischen Staatsangehörigkeit befindlichen, in Wahrheit aber von eingewanderten altdeutschen Familien abstammenden Landesangehöriaen ins militärpflichtige Alter getteten sind. Wenn man in Bettacht zieht, wie groß die Zahl der unmittelbar nach der Annexion und auch in den folgenden Jahren nock besonders aus dem preußischen Norden zu uns herüber- gekommene» Beamtenfamilien ist, in deren Kreisen die Flotten- schwärmerei ihre tollsten Orgien feiert, so wird man über die Zahl der aus dem Reichsland kommenden Marinefreiwilligen keineswegs erstaunt sein.—> Ausland. Dt» Pest. Au» Oporto wird gemeldet, daß vorgestern(23. d. Mts.) drei festfälle vorgekommen sind. Zugleich wird über den Ausbruch von umullen in der Stadt berichtet, die au» der Wut der Einwohner gegen Dr. Jorge entsprungen sein sollen, de» Arzte», der zuerst da« Austreten der Pest feststellte. Der«Hamb. Korrespondent" bringt darüber bo» seinem Korrespondenten in Oporto folgende Mitteilungen: Die Unruhen hatten ihre erste Ursache in der Wut der Einwohner gegen Dr. Jorge, der, wie bereits genicldct, zuerst das Austreten dcrPcst konstatierte und der Regierung öffentlich den Vorwurf machte, seine Berichte absichtlich über einen Monat lang geheim gehalten zu haben. Die niedere Bevölkerung war bei den Tumulten planmäsiig aufgehetzt durch einige der größeren Zeitungen, die im Ueber- eifer um die Verteidigung der Handelsintcressen der Stadt ihren Haß an dem Arzte ausließen Und diesen für den vollständigen Stillstand alles Handels verantwortlich machten. Da die Unterbrechung aller Verbindung mit der Außenwelt sder Sanitätskordon ist heute offiziell gezogen und die Stadt voll- ständig abgescklossenj auch die Schließung der meisten Fabriken und Manufakturen zur Folge hatte, so genügten diese Hetzereien natürlich, um die nun beschäftigungslosen Arbeiter gegen den Pflicht- getreuen Arzt aufzuwiegeln und zu Manifestationen zu veranlassen. Als letztere in Thätlichkeiten ausarteten und das Leben des Dr. Jorge bedroht schien, griff die Polizei ein, die Beamten wurden aber miß- handelt und viele durch Steine und Knüttel verwundet. Darauf riefen die Schutzleute Verstärkungen herbei, und nun griffen be- rittene Gendarmen und Polizisten ein und trieben die Menge aus- einander. Seitdem kam es zu einer ganzen Reihe von Zusammenstößen m den verschiedensten Teilen der Stadt, zuin Teil infolge Absperrung einzelner Häuser und Straßen, in denen Pestfälle thatsächlich gar nicht vorgekommen sind. Die Polizei wird beschuldigt, in vielen Fällen ganz willkürlich, sobald jemand an irgend etwas erkrankte, das betreffende Haus zu sperren und zu isolieren, lediglich um dabei ihr Schäfchen ins Trockene zu bringen, da in allen diesen Fällen die Polizisten allein den Verkehr mit der Außenlvelt, die Lieferung von Lebensmitteln usw. übernehmen. Dies beuten sie, der Volksauffassung nach, zu Gclderpressungen aus. Der Jsolierkordon wird 20 Kilometer weit um die Stadt herum- gezogen, mit Ein- und Ausgangspunkten, die jetzt mit Sanitäts- Personen besetzt sind. Desinfektionsmittel sind bereits 300 Proz. im Preise gestiegen, was natürlich die ärmeren Volksmengen hindert, sich ihrer zu bedienen, obwohl gerade sie in der höchst ungesunden, schmutzigen Stadt, was die Arbeiterviertel betrifft, dieselben nötig hätten. Die Presse protestiert energisch gegen die krasse Un- wissenheit und den vollständigen Mangel an Takt der Behörden, die brutal und schematisch vorgehen und zweifelsohne viele Fehler machen.— Frankreich. Erlast betreffend Unfälle bei der Arbeit. Das„Journal officiel" vom Donnerstag veröffentlicht einen umfangreichen Er- laß des Handclsministers, Genossen Millerand, an die Präfekten über die Anwendung des Gesetzes vom 9. April 1898 in Bezug auf Un- glücksfälle bei der Arbeit. Der Minister giebt eine ausführliche Er- läutcrung der Formalitäten, die von deni Unternehnier bei der An- Meldung eines Unfalls zu erfüllen sind, und macht allen Beamten bei den an die Meldung sich anschließenden Arbeiten— Feststellung der Verantwortlichkeit zc.— die größte Eile zur Pflicht. � Die Ermordung Klobbs. Im heutigen Ministerräte teilte der Minister für die Kolonien Depeschen mit, die an der Er- morduna des Obcrstlieutenants Klobb keinen Zweifel mehr lassen. Die Mission Voulet-Chanoine wird von jetzt ab als im Aufstande befindlich angesehen.— Ruhland. Russische Betrachtungen über Teutschland. Die nissische Presse widmet in letzter Zeit den inneren politischen Verhältnissen in Deutschland aufmerksame Beachtung. So besprechen die„Nowosti" und die„Rossija" in ihren letzten Leitartikeln die persönliche Politik des deutschen Kaisers betreffs der Zuchthausvorlage und des Mittel« land-KanalprojektS, und erklären, daß diese Politik zwei schtvcre Niederlagen erlitten habe. In Bezug auf die Zuchthausvorlage meint die„Rossija":„Wenn Kaiser Wiihelm II. einen Ausweg aus der jetzigen äußerst schwierigen Lage in der Auflösung des Reichstages und deS Landtages suchen sollte, so wird in Deutschland ein un- bermeidlicher Konflikt zwischen dem Kaiser und der Volksvertretung entstehen, ein Konflikt, der ernster sein würde, als alle im Laufe der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts vorgekommenen Zusanimen- stöße, nicht ausgeschlossen das Bismarcksche Regiment vor dem Kriege von 1866, denn damals hatte man es nur mit dem prenßi- scheu Abgeordnetenhause zu thun, jetzt aber mit der Vertretung des ganzen Reiches.— Amerika. Bryans Prästdentschafts-Kandtdatur. Daß die sogenannte Silberfrage im Wahlprogramm der Demokraten fehlen soll, will den silberproduzierenden Staaten der Union recht wenig passen und so haben die Demokraten in Nebraska unter Bryans Führung be- schloffen, daß in der Wahlkampagne der Silberfrage die gleiche Be- deutung beigemessen werden müsse, wie dem Trustwesen, dem Jinperialismus und der Alliance mit England. Herr Bryan hat seinen Anhängern den Gefallen erwiesen, dieser Meinung beizustimmen; in seinen neueren Reden aber beschäftigt er sich weit niehr mit den Trusts und der Philippinenpolitik des jetzigen Präsidenten, als mit dem Silber. Die Wendung gegen die Krufts ist um so klüger berechnet, als diese in den Mittelschichten der Bevölke- rung immer mehr verhaßt werden, und andererseits mehrere der hervorragendsten Mitglieder der jetzigen republikanischen Regierung eng mit den Trusts liiert sind. Der neue Kricgsminister, Herr Root, ist jahrelang der Rechtsbeistand von mehreren Trusts gewesen. Vice- Präsident Hobart hat als Rechtsanwalt nie andere Klienten gehabt als große Korporationen, und der Generalanwalt Grigg«, der als Vertreter der Bundesregierung eigentlich vor den Gerichtshöfen deS Landes auf Grund des gemeinen Rechts Prozesse einleiten sollte, um die Auflösung der großen„Combines" zu bewerkstelligen, hat erklärt, der Staat könne gegen dieselben nichts ausrichten, lfcas sind Ilinstände, welche die Demokraten bei ihrer Agitation schlau auSzu- nutzen wissen.— Mac Kinleys Aussichten. In einem Teil der republikanischen Partei macht sich seit einiger Zeit eine Mißstimmung gegen die forcierte Philippinenpolitik Mac Kinleys bemerkbar. Unter andWm o«'"rLe. �ct®.enQt0t Burrow(Michigan), daß er seine Unterstützung Mac Ktnley nicht länger leihen könne, falls dieser nicht in kürzester »rist in der Lage auf Luzon in der einen oder anderen Weise ein befriedigendes Ende mache; jedenfalls müsse die Philippinen- frage vor Beginn der eigentlichen Wahlkampagne entschieden fem. Der Abfall Burrows würde für Mac Kinley den Verlust des Staates Michigan bedeuten. Diesem würden aber zweifellos andere, ichon jetzt schwankende Staaten folgen, und die Nomination Mac Kinleys zum Kandidaten der Republik für die nächste Präsident- schasts-Wahl ivllrde damit die besten Aussichten verlieren— Aon Kuba.„Daily Telegr." meldet aus New Kork: Einem Telegramm aus Santiago de Euba zufolge sind daselbst 16 kuba- nische Soldaten, die auf ihren Sold warteten, mit dem amerikanischen Posten in Streit geraten. Der amerikanische Posten feuerte und er- schoß fünf kubanische Soldaten.— Zur MinisterkrifiS in Chile wird aus Paris gemeldet: Die Demission des gesamten Kabinetts ist hauptsächlich die Folge der noch immer nicht gelösten P a p i e r g e l d f r a g e, da der Kongreß die von der Regierung vorgeschlagenen Maßnahmen be- treffend Konversion der Schuld und Einziehung der im Umlauf be- findljchen Bankscheine nicht billigte.— Ob Fragen der auswärtigen Politik mitspielen, läßt sich nach den vorliegenden Meldungen noch nicht beurteilen. Von oppositioneller Seite war behauptet worden, einige Minister hätten im vorigen Jahre, als die Beziehungen Chiles zu Argentinien noch sehr unfteundliche waren. dem Gesandten der Vereinigten Staaten ver- sprechungen betreffs Ueberlassung einer Kohlen st ation gemacht. während augenblicklich die öffentliche Meinung in Chile«in der- artige» Zugeständnis an Nordamerika mit Entschiedenheit zurück- weist.— Afrika. Zur Lage im Trauövaalstaat. Den„TiineS" wird ans Johannesburg vom 2ä. August gemeldet: Obgleich, die Arbeiten in den Bergwerken noch fortgesetzt werden, liegt das Geschäft in der Stadt völlig danieder, nimmt die Not schnell zu und wird die Aus- luanderung aus der Stadt und den Mincndistrikten immer bedenk- licher. Da auch zahlreiche Leute der ärmeren Klassen, welche die Reisekosten nur schwer aufbringen können, jetzt anfangen fortzugehen. ist jeder abfahrende Zug gedrängt voll. In Kreisen, in denen man die Verhältnisse gut kennt, glaubt man. daß kaum ein Grund zu uumittelbarer Beunruhigung vorliege, doch hat die Unklarheit der Sachlage in den letzten Wochen den Neuigkeitskrämern freies Spiel gegeben und viel dazu beigetragen, die allgemeine Spannung zu erhöhen.— Asien. Drohende Hungersnot in Indien. In der heutigen Sitzung des Präsidentschaftsrats von Bombay kam der Finanzsekretär auf das Ausbleiben des RegenS zu sprechen, gab aber noch der Hoffnung Ausdruck, daß die Verhältnisse sich bessern könnten; sollten sie jedoch, wie gegemvärtig, andauern, so habe die Regierung einer überaus mißlichen Lage entgegenzusehen.— - ititriit'iditcu» Ein„socialdemokratischer" Stadtverordneter. Die bürger- liche Presse findet Vergnügen daran zu behaupten, daß in Solinczen cin„socialdemoIratischer"StadtverordneteronderBcgrüßungdesKaiwrs teilgenommen habe und ergeht sicki in Anknüpsung an diese Be- haupmug in witzig sein sollenden Bemerkungen über den„unbot- mäßigen Genossen", der nun wohl„hinausfliegen" werde usw.— Ein kindliches Vergnügen, das aber nur auf der kindischen Unter- drückung der bekannten Thatsache basiert, daß der gemeinte Stadt- verordnete, Herr Langenberg in Solingen, schon vor Jahr und Tag aus der socialdemokratischen Partei ausgeschlossen worden ist. Unser Parteiblatt in Solingen hat sofort bei dem ersten Auftauchen der Notiz auf' diesen Sachverhalt aufmerksam gemacht, Herr Langenberg hat darauf im Stadtverordneten- Kollegium selber erklärt, er sei dankbar für die Konstatterung der Thatsache, daß er mit der socialdemokrattschen Partei nichts zu thun habe; trotzdem' läßt es sich z. B. die„Deutsche Tageszeitung" nicht verdrießen zu schreiben, daß diesem.„»»bot- mäßigen Genossen" mit„Hinausfliegen"-gedroht werde. Es lohnt nicht, mit Leuten, denen es um solcher Lappalien willen auf absichtliche Verdrehung der Thatsachen nicht ankommt, zu polemisieren. Man begnügt sich ihnen gegenüber mit der einfachen Konstatiennig der Thatsachen. Im socialdemokrattschen Wahlverein in Lüneburg wurde, wie das.Volksblatt" für Harburg berichtet, einstimmig be- schloffen, sich an den Kirchenvorstandswahlen zu beteiligen. Hoffent- lich versäumt man nicht, die Kandidaten zuvor auf das Partei- Programm zu verpflichten, um etivaigen Stegmüllereien von vorn- herein vorzubeugen. Wenn nun aber ein Parteigenosse disciplinlos genug ist, sich diesem Beschlüsse nicht zu fügen, weil er die Beteiligung an diesen Wahlen für überflüssig hält? Spanischer Parteitag. Das Nationalkomitee der spanischen socialislischen Arbeiterpartei erläßt einen Ausruf, mit dem es den fünften Parteitag auf den 16. September nach Madrid einberuft. Aus der Tagesordnung nennen wir folgende Punkte: Leitung und Geschäftsführung des Nationalkomitees. Verhalte» und Geschäfts- führung der Partei-Erwählten. Verhalten der Parteidelegatio» auf dem Internationalen socialiftischen Kongreß in London. Anträge auf Abänderungen der Partei-Organisation, sowie zur politischen Agitation und' zur Organisation des Preßwesens. Repräsentation der Partei auf dem nächsten internationalen Kongreß. Die von den Sektionen eingereichten Anträge beziehen sich meist auf das Verhältnis der Sektionen zueinander und im Verkehr mit dem Nationalkomitee, sowie auf Erhöhung der Sektions-Beiträge. Wichtiger sind die Anträge zur politischen Taktik und zur Preß- Organisation. Die ersteren empfehlen meist zur Ab- wehr der drohenden politischen Reaktion ein Zusammen- gehen mit dem radikalen Flügel der bürgerlichen Parteien, das heißt den republikanischen Föderalisten und den radikalen Republikanern; die Anträge zum Kapitel„Presse" verlangen das tägliche Erscheinen oder eine bedeutende Vergrößerung des „Socialista", des bisher nur einmal in der Woche erscheinenden offiziellen Centtalorgans. Für die Umgestaltung des„Socialista" zu einem Tageblatte sprechen sich eine Reihe der größeren Sektionen aus(z. B. die von Madrid, Barcelona, Alicante, Ortuella-c.), sowie auch das Nationalkomitee selbst. In Nennes. Die Freitag- Sitzung deS Kriegsgerichts wird um 6 Uhr 86 Min. eröffnet. Es wird eine von zwei Aerzten unterzeichnete Bescheinigung verlesen, in welcher attesttert wird, daß der Gesundheitszustand du Paty de Clams ihm nicht gestatte, vor Gericht zu erscheinen und Zeugnis abzulegen. Labori verlangt, es sollen von feite» des Gerichts Aerztc be- stimmt werden, um amtlich den Zustand du Paty de Clams fest- zustellen. Der Präsident erwidert, dies sei unnötig, er halte daS vor- liegende Attest für vollkommen ausreichend.(Bewegung.) Bom Esterhazy. Stroug Rowland, Korrespondent englischer Blätter, macht Mitteilungen über seine Zusammenkünfte mit Esterhazy. Letzterer habe erklärt, der Generalstab sei im Besitze von 163 Schriftstücken, die gegen DreyfuS sprächen. Esterhazy habe dann hinzugefügt, daß er das Bordereau geschrieben habe. Die Schriftstücke des Bordereaus seien Deutschland von Dreyfus geliefert worden. Hierauf wird die Aussage Weils verlesen, welcher in« Jahre 1873 Offizier im Generalstabe war. Er kannte Esterhazy und er- kennt die Schrift des BordereauS als diejenige EsterhazyS wieder. Er erwähnt eine Aeußerung deS letzteren. welche dahin ging, daß DrryfuS, obwohl er unschuldig sei, ver- urteilt werde» würde, weil er Jude fei. Sodann wird eine Note des Ministeriums verlesen. durch welche die Ermächtigung erteilt wird, daß im Beralungs- -immer die Regimentsnote» des ehemaligen Ordonnanzoffiziers Picguart's. Savigneau, Labori mitgeteilt würden. Der nächst- Zeuge, ein früherer Diener im Kriegsministerium. sagt aus, er habe gelehen, wie Dreyfus die Liste, in welcher die Truppen-Einschiffungsstellen angegeben sind, kopierte. DreyfuS erwidert:„Ich kopierte die Liste auf Befehl deS Hauptmann» Besse."(Bewegung im Saale.) Di« Schretbsachverftäudigen. Sodann folgen die Aussagen der Schreibsachverständigen. Der erste ist Gobert, Schreibsachverständiger der Bank von Frankreich und des Appellgerichts. Gobert sagt aus, die Handschrift des Bordereau's sei nicht die von DreyfuS und erwähnt die gegen ihn(Gobert) gerichteten Angriffe. Dann wendet er sich Dreyfus zu und ruft:„Ich habe keinRecht, mich zu beklagen. wenn ich diesen Unglücklichen hier ansehe."(An- haltende Bewegung im Zuhörerraum.) Gobert geht sodann näher auf die Gutachten der Schreibsachverständigen ein. Man habe ihm ver- weigert, da» Bordereau durch Photographen photographieren zu lassen. DaS Mmisterium habe den Vorwand gebraucht, daß sonst ganz Paris da« Bordereau am nächsten Tage kennen würde. Man hat ihm auch den Namen de» vermutlichen Schreiber» de» Bordereau» vorenthalten. Sein dahingehendes Ersuchen sei vom Ministerium mit Entrüstung aufgenommen, und gleichzeittg sei di« Schrift« Untersuchung Bertillon übertragen worden, der nach seiner Arbeit von einigen Stunden ganz bestinimt Dreyfus der Urheberschaft bezichtigt' habe. Stach seiner(Goberts) Ueberzeugung sei das Bordereau daö Werk EsterhazyS; man brauche bloß die Handschriften zu vergleichen, um sich davon zu überzeugen.(Be-- lvegung.) Gobert bespricht sodann die Handschriften vom tech- nischeu Standpunkt und kommt zu dem Schlüsse, daß Esterhazy der Verfasser sei. Dieser Schluß finde auch seine Bekräftigung durch die Art des verwendeten Papiers; es sei dasselbe wie das Papier, dessen Esterhazy sich bediente. Nach seiner Ansicht sei das Bordereau Ende Juli 189» geschrieben. Die Flüssigleit der Schrift schließe den Gedanken einer Nachahmung auS. Es folgt nun eine AuSeinandersetzuug zwischen Gobert und Gouse. Letzterer will konstatieren, daß Gobert sich zahlreiche Indiskretionen habe zu schulden kommen lassen; dieser dementiert mehrere Behauptungen GonseS. Ganse insinuiert, die Beschäftigungen Goberts in der Bank er« möglichten diesem, über Dreyfus Mitteilungen zu erhalten. Zeuge bringt gelvisfe Behauptungen über Einzelheiten vor. die sich auf die Uebergabe des Bordereau's an de» Sachverständigen bezieben. Gobert protestiert und beruft sich dabei aus dAbovllle; aber dieser Zeuge, der vorgerufen wirb, erklärt,« habe Gobert ni» ge- sehen.(Unruhe.) Dreyfus erklärt, er habe niemals Beziehungen zur Bank von Frankreich gehabt. Hierauf wird Bertillon aufgerufen. Derselbe erscheint, gefolgt von 4 Männern und einem Korporal, welche umfangreiche Mappen und Pakete ttagen. Bertillon öffnet dieselben und beginnt seine Aussage. Es ist sehr schwer, seinen Ausführungen zu folgen, obgleich er, um sie verständlich zu machen, sich i'eineS Materials bedient. Bertillon sucht zu beweisen, 1. daß das Bordereau ein nachgeahmtes Schrift- stück sei, 2. daß dasselbe nur von DreyfuS fabriziert sein könne, und 3. daß es zwar fließend geschrieben sei, jedoch unter Benutzung eines Wortmusters, das unter das dünne Papier des Dottiments transparentartig geschoben worden sei. Bertillon verteilt an die Richter und die Advokaten Photographien des Bordereaus und der von ih»n ausgeführten Untersuchungen. Der Saal gewährt einen mteressanten Anblick. Bertillou, welcher sich dem Tische genähert hat, an welchem die Richter sitzen, zeigt denselben gewisse Bcsonderlichkeiten, welche er vorher hervor- gehoben hatte. Die Verteidiger haben gleichfalls ihre Plätze ver- lassen und sich dem Sachverständigen genähert. Die Mitglieder des Kriegsgerichts haben sich hinter Jouaust aufgestellt. Dreyfus sieht mitStauuen zu. Das Publikum, welches nichts von den Erläuterungen Berttllons wahrnehmen kann, verläßt den Saal. Nachdem Bertillon in ans- führlicher Weise seine Ansicht über die Herstellung des Bordereaus dargelegt, erklärt der Präsident, es sei wünschenswert,«ine Pause eintreten zu lassen. Hierauf wird die Sitzung um O1/» Uhr unterbrochen. Nach Wiederaufnahme t> erSitzung fährt Bertillon in seiner Darstellung fort und vergleicht mehrere Worte deS BordereauS mit anderen Worten von Vergleichsschriftstücken. Zeuge wiederholt seine Aussagen vor dem Kriegsgericht, legt das ganze Bordereau auf eine einsprechende Schreibunterlage und beniühl sich/ zu beweisen, daß irgend ein Schreiber, der im Besitze deS Modells gewesen, das ganze Bordereau reproduzieren konnte. Bertillon führt sodann aus, er habe in dem Bordereau eine Anzahl Buchstaben gefunden, deren Uebereinftimmuna er mit Buch, staben in Briefen an Madame und Mathieu Dreyfus nicht habe finden könne« und legt dem Kriegsgericht entsprechende Photographien vor. Zeuge erinnert alsdann an den Ausruf von Dreyfus vor dem Kriegsgericht von 1894:„Ah, Elender, Du hast mich also schreiben sehen!" Dreyfus hört teilnahmslos zu. Bertillon sagt nun, er wolle eine praktische Demonstration vor- nehmen und indem er sich setzt, geht er daran, das Bordereau zu schreiben. Nach Verlauf einer Viertelstunde zeigt er seine Arbeit dem Kriegsgerichte vor. Man hört ihn sagen:. I ch h a t t e einen ungünstigen Platz", woraus man schloß, daß sein Versuch nicht geglückt sei. Bertillon wird morgen seine Aussagen fortsetzen.. Die Sitzung wird um il3/< Uhr geschlossen. Bertillous System. Ueber die famose Vernehmung des Schreibsachverständigen Bertillon berichtet das„Verl. Tageblatt": Bertillon bittet den Präsidenten um Erlaubnis, sein Material hereinbringen zu dürfen. Der Präsident nickt. Und nun erscheint das, was Bertillon sein„Material" nennt. Der Aufmarsch keines jtarnevalzuges hat jemals einen größeren Heitcrkcitserfolg gehabt. Vjer kräftige Unteroffiziere schleppen, hochrot vor Anstrengung, Riesen- moppen in Mannshöhe, gigantische Reißbretter, einen Berg meter- großer, mit Photographien' und Plänen beklebter Blätter herein. Das Publikum schwelgt in Heiterkeit. Der Präsident, die Richter, der Regierungskommffsar, alles lacht. Bertillon öffnet die erste Mappe(man muß ihm einen besonderen Tisch bringen, um sie ausbreiten zu können). Er beginnt: Die münd- liche Darstellung meiner Theorie ist nur für eine sehr geringe An- zahl von Persol'ien verständlich.(Erneute Heiterkeit.) Ich bitte da- her daö Kriegsgericht, Photographien und anderes Matenal vorlegen zu dürfen. Der Präsident nickt seufzend. Bertillon sucht dann, so weit man die Sache versteht, zu er- llären, daß das Bordereau ein Schlüsselwort habe, das Wort „intöröt", und daß man mit Hilfe dieses Schlüssels die Worte deS BordereauS in andere Worte verivandeln und so den geheimen Sinn herausfinden könne. Er hält ein metergroßes Schema in der Hand und überreicht jedem Richter eine kleinere Nachbildung davon. Der Präsident schwankt zwischen Heiterkeit und Verzweiflung. Man kann den Nichtern ansehen, daß sie kein Wort verstehen. Allmählich schlununert der Saal ein. Nur die Generalstabszeugen, die BerttllonS Ausführungen für sehr beweiskräftig erklärt haben, fühlen sich noch verpflichtet. Aufmerksamkeit zu heucheln. Nachdem Bertillon eine halbe Stunde gesprochen hat, kommt eS zu einer Seen« hoher Komik. Bertillon breitet auf dem Tisch des Kriegsgerichts vor dem Präsidenten einen großen Plan aus. auf dem er' mit Hilfe eines durchsichtigen Linienblattes irgend etwas, es ist schwer zu sagen, was. zu beweisen sucht. Die Richter und Ersatzrichter erheben sich, und es bildet sich eine gemütliche Gruppe, in deren Mitte Benillon dociert. Labori und Demangc bitte». gleichfalls mit herantreten zu dürfen. Der Präsident ladet sie mit vergnügtem Lächeln ein, als wollte er sagen, geteilter Schmerz ist halber' Schmerz. Nach einer Weile wirft Labori mit der Geste eines Mannes, der absolut nichts begreift, die Arme gen Himmel und kehrt auf seinen Platz zurück. Die Nichter können ihre Heiter- keit nicht verbeißen. Bertillon aber ruft, seine Stimme prophetisch erhebend, aus:„Dieses Phänomen ist nicht natür« lich und DreyfuS kann der Autor deS Bordereau» sein." Um 10 Uhr unterbricht der Präsident ihn und läßt eine Pause cintteten. Nachdem er mehrere Stunden sein Publikum zur Verzweiflung gebracht hatte, erklärt Bertillon nunmehr, nach seinem System genau die Schrift de« Bordereaus herstellen zu wollen, er setzt die Brille auf und beginnt zu schreiben, während der Saal in ironischer Stimmung verharrt. Als Bertillon nach zehn Minuten noch immer schreibt, fragt ihn der Präsident, ob er noch nicht fertig sei. Endlich überreicht Bertillon sein Opus. Die Richter, Verteidiger, der Regierungskommissar und der Greffier bilden eine Gruppe. Neugierige Betrachtung, hierauf allgemeines Kopffchüttcln. Bertillon erregt:„Ich habe unter schlechten Bedingungen gearbeitet. Die Tischplatte ist nicht glatt." Ueber di« Mitttvoch-Siyung und die in ihr erscheinenden Zeugen erhalten wir ans Renne« unterm 93. August noch folgenden Bericht: Die Zeugen von 1834 erscheinen immer noch und bringen absolut nichts vor. Sie bringen nichts vor, weil gegen Drehfus nichts vorliegt. Es ist eine Schmach. Offiziere an den Zeugenstand treten zu sehen, die nur erbärmliche Klatschgeschichten und das Ergebebnis ihres Geberdenspähens vorbringen, um den Mann dort vor ihnen zu belasten, ihren früheren Kameraden, vielleicht gar Freund, von dem sie wissen, daß er unschuldig ist. Nicht einen gicbt es, der beim Anblick des Gemarterten eine Spur von Gewissensbissen oder Scham empfände, nicht einen, der im tiefsten Grunde seines Innern die Entsetzlichkeit des Verbrechens empfände, das er verübt. Aber diese Leute sind von einer besonderen Art; sie haben weder Gewissen noch Herz. Wenn das das Resultat des Militarismus ist Menschen zu züchten, denen nichts Menschliches bleibt, so werden wir es niemals bedauern, ihn als die schlimmste der menschlichen Tollheiten gebrandmarkt zu haben, und alles daran zu setzen, ihn niederzuwerfen.* Immer noch marschieren unsere siebenundzwanzig Offiziere als Belastungszeugen gegen Drehfus, und zu diesen feierlichen Ver- Handlungen, zu denen man sie zur feierlichen Bekundung der Wahrheit gerufen hat, bringen sie nur ihren niedrigen Haß und Groll mit. Ein gelvisser D e r v i e n, Kommandant bei der Infanterie, er- klärt, daß Drehfus einer der bewandertsten und hervorragendsten Offiziere des Kriegsministcriums war. Ost habe er, der Zeuge, bei Drehfus Belehrung gesucht, weil dessen Kenntnisse sehr ausgebreitet waren. Er zeigt, daß Drehfus ein unterrichteter und intelligenter Offizier war. während er, der Kommandant Dervicn. an Intelligenz nur eine Null war. Es ist es übrigens auch geblieben. Der Hauptmann B u ch a t e l e t, früherer Ordonnanzoffizier des Generals Boisdefire, erzählt, daß DreyfuS einstmals bei einem Spazierritt in der Straße von Miromesuil zu ihm eine scherzhafte Bemerkung über die Fensterläden eines Hauses gemacht habe, die in diesen« Augenblick gerade von einer Frau geöffnet ivurden. Das ist doch, sollte ich denken, einmal ein Beweis für die Schuld des Hauptmanns! Der General Zebelin de Dionne, der frühere Kommandant der hohen Kriegsschule, hat den Ehrgeiz, seine«veißen Haare zu cnt- ehren, und erzählt mit schwacher, iveinerlicher Stimme, daß Drehfus beim Abgang von der Kricgsichule sich bei ihm beklagt habe, daß ein Examinator ihm sehr schlechte Noten gegeben habe, obivohl seine Antivorteii�beim Examen durchaus zufriedenstellend gewesen waren. Die Dummheit endigt�in albernem Gewäsch, zdaS Drehfus gründlich abführt. Ebenso verfährt er mit den anderen militärischen Zeugen. Aber auch das Civil hat zu dieser Sitzung einen Zeugen her- gegeben. Wir haben endlich einen Zeugen des stühcren Ober- Staatsanwalts Ouesnay de Bcaurepaire gehört. Es ist das ein Herr du B r e u i l. früherer Staatsanwalt der Republik in Saint Brieux, der in den Jahren 1835 und 1886 in Paris wohnte. Die Geschichte, die er erzählt, ist sehr drollig. Als er eines Morgens im Boulogner Wäldchen(der Pariser Tiergarten) spazieren ging, stürzte ganz in seiner Nähe ein Herr mit dein Pferde. Er half ihm, sich wieder zu erhebe««, machte seine Be- kanntschaft und führte ihn bei sich ein. Dieser noch nicht näher untersuchte Kavalier nannte sich Bodson und«var von Beruf Handeltreibender. Er hatte eine junge, sehr schöne Frau, die er Hern« du Breuil vorstellte. Bei den uaheren Beziehungen, die sich entwickelten, traf du Breuil eines Tages dort Drehfus, der da- Nlals noch Lieutenant war, und außerdem verkehrte dort auch— — welch erschwerender Umstand— ein Herr, den inan ihn« als Attachs der�dcutschen Botschaft vorstellte. Später beklagte sich dann Bodson bei du Breuil, daß seine Frau die Maitresse des Drehfus wäre, und noch sehr vieler anderer, die bei ihm verkehrten. Und folglich— ist Drehfus schuldig. Durch Fragen gedrängt, vermag der Zeuge über den famosen deutschen Gesandtschafts-Attachö nichts zi« sogen, und alsbald erkennt man den falschen Zeuge««. Aus«velchem Gründe erschemt er hier. um zu lügen? Ganz einfach,«vcil er ein von Frau Bodson abgc«Viesen er Liebhaber ist. In« Gninde seines Herzens hat er noeli die Eifersucht bewahrt, die er gegen Drehfus in dieser Liebesaffnire empfand, und niit ein wenig Einbildrmg und Uebelwollen macht er aus seinen« Nebenbuhler einen Verräter. Was seine Moralität ai«la»gt, so wird man bald näheres darüber erfahren und wird dann den Wert seines Zeugirisies beurteilen können. Wir wußten schon, daß er aus seinen« Ämtc als Staats- anivalt ivegci« schmutziger Geschichten cntfernt lvurdc. Demaiige fragte ihn außerdem nach einem Prozeß, den er vor der Kammer in Cacn verlor und der seiiicu inoralischen Wert erkennen läßt. Labori bat auch um eine Nachforschung bei der Staatsanwaltschaft von Contances, die ebenfalls nützliche Auskunst wird erteilen köirnen. Hierbei bittet Labori den Regieru»gsko»««miff'ar, diese Auskunft als dringlich einzuholen. Bei diesem Anlaß ereignet sich einer jener Zivischenfälle,«vclche bei jeder Sitzung durch die notorische Unfähigkeit des Koinmandanten Carriöre hervorgerufen werden. Carriöre ist der Klolvn dieses Prozesses. Die Dummheiten, die er schon angestellt hat. werden «veltgeschichtlichen Ruhm erobern. Die,«velche er noch anstellen wird, werden ihn hoffentlich der Eivigkcit erhalten. Der Kommandant Carriöre ist ein kleiner gutmütiger Tropf mit eine««« bornierten Gesicht, mit spitzem Schädel, kreischender Stimme und stuinpfein Verstand. Als am Tage des Mordversilchs gegen Labori die Verteidigung die Aussetzung der Verhandlungen für einige Tage beantragte, protestierte er. indcin er erklärte, er«v i s s e v on der Affaire nichts, er habe sie erst seit zwei Monaten studiert, und das Verschivindcn Laboris stelle eiiiigcrmaßen das Gleichgewicht zwischen der Verteidigung und der Anklage wieder her. Eine solche idiotcnhafte Dummheit ist«eltei«. Als man vorgestern von der Fälschung Schneiders sprach, rief er aus:„Staatsgeheimnis! Staatsgeheiinnis l Ich ver- lange den Ausschluß der Oeffentlichkeit." Der Aermste vergaß, daß dieies Schriftstück vom General Mcrcier in die Verhandlungen ge- bracht worden war. Ucbrigens bestand er nicht darauf. Seine Dummheiten haben keinen Eigensinn. Da er heute noch keine besondere Thorheit begangen, hatte, so rief er bei dem höflichen Antrag Laboris. der auf eme Nachfrage über den Zeugen du Breuil bei der Staatsa>«lvaltschaft von Contances gerichtet war, aus:.Ich werde den Auftrag Laboris nicht arisführen." Dieser arme Schtvachkopf«veiß nicht, daß das Gesetz ihm die Verpflichtung auferlegt, diese Erkni«dig«nig vorzunchoncn, und Labori hat ihn i» so spitzigen Ausdrücken daran erinnert, die er vielleicht nicht vergessen«vird. Judessen das wichtigste Ereignis des Tages«var daS Erscheinen des Generals G o n'js e. Da der Kommandant Esterhazy trotz des freien Geleits, das man ihn« bewilligt hat. in Ei«glai«d bleibt, so wurde seine vor dem Kassationshofc gemachte Aussage verlese««. In dieser criiuiert er an alle Machenschaften der Abgesandten des Generalstabes, die mit falschen Bärten und blauen Brillen zu ihm kamen. Diese Verlesung brachte den General Gonse arif die Estrade. Er lerignete einen Teil der Thatsachen, u>«d für den anderen bemühte es sich, die Verantwortlichkeit abzulehnerr. Ersichtlich suche» manche Generale, ihre Solidarität mit den Machenschaften Henrys und du Paty de ClomS zu lösen. Jetzt, wo diese beka»i«t sind und ihnen als Verbrechen angerechnet werden, verheiße«« ihnen diese von ihnen veranlatztcn oder doch geduldeten Umtriebe nichts gutes. Daher blasen sie zum Rückzug. � Aber der General Ganse macht, durch die Fragen LaöonS ,n d»e Enge getrieben, sehr«vcrtvolle Geständi«isse. Als der Verteidiger des Drehfus ihn aufforderte, zu erklaren. warum der Gcneralstab de» Angeklagten Esterhazy von den auf«hm lastenden Verdachtsgründeu in dein Augenblick benachrichtigen ließ, als man ihn auf die Anschuldigung des Mathieu Drehfus hin als Urheber des Bordereau vor ein Kriegs- gericht stellte, da antlvortete der General Gonse, der .«»ommandant Esterhazy wäre ein besonderer Angeklagter. Verantwortlicher Redacteur: Robert Schmidt in Berlin. Wir hatten schon ztvei Gerichtsbarkeiten: Die Militärgerichts- barkeit und die andere. Jetzt haben wir auch zlvei Arten von An- geklagten: Die besonderen Angeklagten und die andern. Warum Esterhazy ein besonderer Angeklagter«var, konnte der General Gonse nicht sagen. Aber er mußte eingestehen, wenn er sich mit den Umtrieben Henrys und du Paths auch nicht solidarisch er- klären«vollte, daß er selbst dem Kriegsminister vorgeschlagen habe, Esterhazy durch einen anonymen Brief von den a«if ihm' lastenden Vcrdachtsgründen zu benachrichtigen. War das nicht das Ein- geständnis, daß er alle anderen Machenschaftei«, mit verschleierten Frauen, mit falschen Bärten und blauen Brillen, zum mindesten gedeckt hat? Labori fragt ihn, ob er denn nicht daran dachte, daß diese gesetztvidrigen. abgesehen von jeder juristischen Form, verbrecherischen Benachrichtigungen nicht auch geeignet wären, auf die Richter ein- zuwirken,»velche die gegen Esterhazy vorgebrachten Verdachtsgründe zu prüfen hatten? Für den General Gonse war es eine förmliche Zerschmetterung. Bevor ich diesen Brief schließe, will ich Ihnen noch von der merkivürdigen Geschichte Mitteilung machen, die uns gestern der Hauptmann G e n d r o n erzählt hat, und die ich Ihnen aus Mangel an Zeit und Raum nicht berichten konnte. Im Jahre 1892 machte der Hauptmann Gendron uuter dem Namen eines Hauptmanns Romani eine Reise nach Italien. Er «vurde der Freund einer sehr intelligenten Frau, von der er glaubte, Nachrichten über die italienische Armee erhalten zu können. Diese Frau trieb aber Spionage für die italienische Negierung und deimucierte alsbald den fallchen Hauptmann Romani, der schleunigst über die Alpen zurückkehrte. Aber im folgenden Jahre machte ein Hauptmann der Garnison von Nizza, der in Wahrheit Romani hieß, eine Bergnllguirgsreise nach Italien. Der italienische Nachrichtendienst, welchem er ge- meldet war. ließ ihn sofort verhasten, da er glaubte, die Hand auf den durch die Spionin angezeigten Hauptmann zu legen. Romani wurde vor ein Kriegsgericht gestellt und zu mehreren Jahren Gefängnis verurteilt. Also die Dummheit des dem Kriegsministerium zugeteilten Hauptmanns Gendron, der so einfältig gelvescn war, vor seiner Abreise nach Italien den Namen eines Hauptmanns der aktiven Armee anzunehmen, der im militärischen Jahrbuch verzeichnet war und der überdies noch ganz nahe an der Alpeugrcnze stand— diese Dummheit verschuldete es, daß Romani verhastet und verurteilt wurde I Der stanzösische Generalstab kannte den begangenen Irrtum: aber anstatt die Dum>i«heit des Hallptmmms Gendron einzugestehen, ließ er Romani iin Gefängiris. Was ivürden he«lte wohl die Feinde Dreyfus' sagen, wenn er einen ähnlichen Fehler begangen hätte! Ohne«veiteres«viirden sie ihn anklagen, es absichtlich gethan zu haben. Uebrigens sagte mir Jaurös, daß im Jahre 1894 die ganze»ationalistische uud antisemitische Presse Dreyfus anklagte, den Hauptmann Romani ver- kauft zu haben, und daß der Gcneralstab diese Legende sich festsetzen ließ. Heute ist es Gendron, der Dreyfus anklagen will. ** * Reunes, 25. August. Die Verteidiger uud der Regienmgs- kommissar haben,«vie verlautet, 20 neue Zeuge«« zum Prozeß vor- laden laffen, darunter den früheren Kriegsminister Freycinet. Der Vorsitzende Jouaust hat von« Kriegsminister Galliffet eine» Brief erhalten, in«velchem er den Obersten Cordier von seinem Amts- geheiniuis entbindet._ CDsiuc vft Berliu und ttiugcgcud. In der mechanischen Weberei von Feibisch wurde ein Kollege«vegen Zugehörigkeit zur Orgairisation gcmaßregelt. Samt- liche Arbeiter und Arbeiterimrei« bis auf vier erklärten sich niit de» Gemaßregelten solidarisch und legten, da der Chef jede Unterhandlung niit dem Arbeiteransschuß ablehnte, die Arbeit nieder. Es wird ge- beten, den Zuzug fernzuhalten. Der Borsland des deutsche«« Textilarbeiter- Verbandes. Filiale I, Berlin. Bein« Rixdorser Aewerkschaftskartell sind folgende Beiträge vom 13. bis 24. August eingegangen: Centralvcrb. der Bau-, Erb- u. Hilfsarbeiter Deutschlands, Filiale Rix- borf, Lf>,—. Laubenkolonie Louilcnthal(Tadowöli) durch Gen. Schiuidt 12,16. Von eiiiigcn Tischlern in Tcuipelhof gesainuielt auf Liste 135 3,50. Gesaunuelt in der Pinnoiuechanil-Fabrik Berlin, Schlestswestr.«8, auf Liste 183 4,35, Liste 184 4,80. Ges. von den Polierern bei Laboren.«, Rir- dors, Liste 182 11,30. Gesaimuelt von Steinsetzern Rixdorfs auf Liste 148 «0,70. Durch Nmtinrich auf Liste 150 7,80. AlS 6. Rate sind 100 M. für die dänischen Arbeiter abgesandt. Weitere Beiträge niiuint entgegen Aug. Nierich, Rixdorf, Steiiunetz- striche 85. Deutsches«Itcich. Die Lohubewestung der Töpfer in Forst hat mit der An» erkeiinuiig der Hauptkorderungen ihr Ende erreicht. Bewilligt wurden gi/estüirdiae Arbeitszeit, 10 Proz. Lohnerhöhung für die Accord- arbeiter. Tagelohn 4 M.. Ueberstuuden 50 Pf. Für anslvärtige Arbeit über 4 Kilometer muß Fahrgeld 3. Klasse, freie Station oder 4 Proz. Lohnzuschlag gezahlt werden. Anerkciiiiung des 1. Mai als Feiertag. Nur der Obermeister der Innung hat noch nicht unterschrieben und ist dessen Werkstelle bis auf«veiteres gesperrt. Zum Formerstreik in Leipzig. In der Begründung, mit der die Metalliudustrielle» die Intervention des Gelverbegerichts als Einignngsamt abgelehnt haben, heißt es: .Nachdem ein großer Teil Modelle und mit ihn« eine große Zahl Ailsträge von Leipzig nach dem übrigen Deutschland, teils «ogar nach dem Auslande gegangen ist und nach den einmal ge- schlossenen Verträgen dort vielfach auch auf längere Zeit verbleiben muß, und nachdem der bei«veitem größte Teil der Gießereien «vieder in die Lage versetzt ist, die noch verbliebene Kundschaft be- friedige» zu könnei«, was dadurch möglich geivordcn ist. daß man Handwerker angelernt hat, ferner dadurch, daß verschiedentlich Aus- ständige die Arbeit wieder ausgenoiilinen haben und daß ausivürsige Arbeitskräfte herangekonmien sind, ist nicht die geringste Aussicht vorhanden, daß der größere Teil der Ausständigen in Leipzig in nächster Zeit wieder Arbeit finden kann und es dürsten unter Um- ständen Jahre vergehen, bis es gelungen sein wird, wieder so viele Aufträge nach Leipzig zu ziehen, daß die bis vor dem Ausstände hier beschäftigt gelveseue Zahl Former wieder erreicht lvird." Die Unternehmer halten deshalb die Emigungsverhandluirgen ür zivecklos. Uni sie ihnen mit der Zeit doch als ziveckmätzig er- scheinen zu lassen, haben die Centralverbände der Former und der Metallarbeiter an die Berbands-Zahlstellen ein Cirkular erlassen, in dem es beißt: Diese Stellung des Uiiterliehmerverbandes(zu dem Einigungsversuch des GewerbegerichtS)• findet seine Erklärung darin, daß demselben durch Einstih>rung von außerhalb Leipzigs hergestelltem Guß der Nacken ganz geivaltig gesteift worden ist und sich die Unternehmer der Illusion hingeben, daß die Anrufung des Ge- «verbegerichts als EinigungSamt lediglich ein Ausfluß der Schwäche der Streikenden ist, die nach Meinung der Unternehmer mit ihrem Latein zu Ende sind. Dem gegenüber erklären wir, daß eine derartige Hoffnung eine trügerische ist. Noch stehen die Leipziger geschloffen da. fest entschlossen, ihren Kanrpf in Ehren zu beenden. Die paar Arbeitswilligen vermögen die Unteniehmer nicht heraus- zureißen, wem« sie ausivärts keine Hilfe bekonrmen. Dies ist leider bis dato in mehr als ausreichendem Maße durch Anfertigung von Guß außerhalb Leipzigs geschehen und««mß künftighin anders«verde». Soll der Kanchf der Leipziger nicht zwecklos in die Länge gezogen werden, so darf künftighin nach Leipziger Modellen für Leipziger Finnen kein Guß mehr auswärts gefertigt werden. Die unterzeichneten Vorstände ersuchen Sie daher, in den be« teiligten Kreisen Ihres Bezirks darauf hinzuwirken, daß de«« von Für den Jnferaientekl verantwortlich: Th. Glocke in Berti««. Druck und. Leipzig kommenden Gußaufträgen künftighin mehr Aufmerksamkeit als bisher zugelvaudt und die Anfertigung derselben unterbleibt, ganz gleichgültig, ob es sich um vor dem Streik schon ausivärts angefertigten Kundschaftsguß oder um wegen Streiks erteilte Neu- austrüge von Leipziger Firmen handelt. Allenthalben, wo Leipziger Modelle auftauchen, ist sofortige Mitteilung an das Streikkomitee, Leipzig, Dresdenerstraße 20, notwendig. Es ist zu wünschen, daß die Solidarität der deutschen und ausländischen Former ihren Leipziger Kollegen zum Siege ver- Hilst. Nach ztvölfwöchentliche»« hartnäckigem Kampfe beschlossen die Dresdene»' Maurer, den Streik bis auf weiteres zu vertage««. Sämtliche Streikende sind in« Laufe der letzten Wochen in Arbeit gebracht worden. Den geforderten Lohn von 50 Pft pro Stunde bekommen 1300 Kollegen. Die übrigen arbeiten für einen Stunden- lohn von 44—43 Pf. Während'vor dem Streik die Löhne zlvischen 38 und 43 Pf. schlvankten und der Durchschnittslohn 44,7 Pf. betrug, belänft er sich jetzt auf 47,8 Pf. Wenn auch von einem vollen Siege»icht die Rede sein kann, so belveisen doch die angeführten Zahle««, daß der Durchschi«ittslohn um 3 Pf. pro Stunde gestiegen ist.— Wir warnen jedoch ausdrücklich davor, daß Kollegen jetzt nach Dresden reisen. Die Bauten sind genügend mit Arbeitskräften ver- sehen und es könnte ctlvaigen zureisenden Kollegen passieren, daß sie hier«vocheiilang beschäftigungslos umherlaufen müssen. Rückreise- gelber werden von der Kommission auf keinen Fall mehr vergütet. Die Streitkommission. Sociales. Baugerüst-Kontrollc in der Tchtveiz. In den Städten Basel und Zürich bestehen besondere Gerüst-Kontrollen«md in der Sladt Bern streben die organisierten Arbeiter die Schaffung einer solchen und ztvar durch ein Gesetz und auch für die übrige» Gemeinden des Kantons Bern seit längerer Zeit au. Hoffentlich mit baldigem Erfolg. In der Stadt Zürich' wird die Gerüst-Kontrolle von zwei früheren Arbeitern. wovon der eine Ziii«niern«ann und Präsident des schweizerischen Getverkschaftsbundes«var, ausgeübt. In dem soeben für 1898 erschienene» stadlrätlichen Geschäftsbericht lesen«vir über die Thätigkeit der Gerüst-Kontrolle folgende Mitteilungen: Im Berichtsjahre«vurden insgesamt 1145 Gerüste kontrolliert, gegenüber 1026 im Vorjahre. Die Kontrolle erforderte 5759 lllitersuchungcn und ergab neuerdings eine namhafte Besserung in den Rüstungen. Die Arbeit der Koiitrollbeaniten«var keine geringe, wurde aber gegenüber früheren Jahren verhältnismäßig erleichtert durch das im allgemeinen bereitwilligere Entgegenkommen seitens der Baumeister, deren Poliere und Arbeiter,«velche den Vorschriften zur Verhütung von Unfällen aus freien Stücken nachkommen und den in der R egcl an Ort und Stelle mündlich erteilten Weisungen der Controlcure ohne weiteres Folge leisten. Schriftliche Verfiigunaen mußten nur in 80 Fällen erlassen werden. In 15 Fällen, Ivo Ge- fahr in« Verzuge«var, wurde die sofortige Einstellung der bai«lichen Arbeite» für so lange, als die Vorschriften nicht befolgt waren, an- befohlen: in 7 Fällen dauerte die Arbeitseinstellung 1 bis 5 Stunden, in den übrigen 1 bis 4 Tage. I» 4 Fällen«vurden die betreffenden Baute» während der Tauer der Arbeitseinstellung polizeilich über- «vacht. Die Zahl der Unfälle auf den Bauten beträgt 9, davon Ivaren 2 mit tödlichem Ausgange, die übrigen hatten leichtere Wer- letzungen zur Folge. Keiner der Fälle konnte auf mangelhast» Rüstung zurückgeführt werden.— Die Bauarbeiter scheinen im all« gemeinen mit der Thätigkeit der Gerüstcontroleure zufrieden zu sein. Die Lage. Köln, 25. August. Die„Köln. Ztg.* schreibt zu der inner- politischen Lage, vor allen« komme es darauf an, daß man iin Lande unzweifelhaft erkennt, daß und wie die Staatsleitung handeln«vill. Der Verlauf und der Ausgang der Kanaldebatte hat gerade dort, Ivo die Regiennig in ihrer gesamten Wirtschaftspolitik eine so bcreittvillige Unterstützung gefunden, tiefes Miß« trauen zurückgelassen. Das Blatt sagt:„Es sind uns Aeußerungen aus der konservativen Partei zur Genüge be- kannt, aus denen hervorgeht, wie dringend von allen Seiten das Bedürstiis verspürt wird, daß die Parteien, auf denen die große nationale Politik früher beruhte, unter einander und der Regierung gegenüber aus dem leidigen Zustand des Mißtrauens und deß Diplomatisicrens endlich herauskommen.* Köln, 25. August, tB. H.) Der„Kölnischen Volks- z e i t u n g*«veht aus Regierungskreisen die Mitteilung zu, daß die Hauptschivierigkeit der gegenwärtigen Lage in der Ratlosigkeit liege, was bezüglich der Bcämtc» geschehen solle. Beiin Kaiser sei ein völliger Umschwung in der Stimmung eingetreten, der alle bisherigen Berechnungen durchkreuzte. Eine Klärung sei nicht erfolgt: es sei fraglich, ob sie überhaupt komme. ES sei denn, daß der Reichskanzler eine Forderung zur Bedingung seines Bleibens mache,«vonach die Kabiuetsordre, welche den politischen Beamten die Vertretung der Regierungspolitik befiehlt, auch auf das parlamentarische Verhalten derselben ausgedehnt «verde. Dies würde nur durch eine Verfassungsänderltng zu bewerk- stelligen sein._, Netzte Itaitzeutzfen und DeprPchen. Frankfurt a. M., 25. August.(B. H.) Die„Frkf. Ztg.* meldet aus Neiv Dork: Ter amerikanische Konsul in Kanton, Bedloe, «vlirde abgesetzt,«veil er angeblich einem Schiff das Recht verlieh, die amerikanische Flagge zu führen, trotzdem dasselbe den Insurgenten Kriegsmaterial lieferte.— Die Revolution in San Domingo gewinnt erheblich au Ausbreitung. London, 25. August.(B. H.) Nach Meldungen aus Manila ist eine Deputation der' auf den Philippinen ansässigen Europäer auf dem Wege nach London, um die englische Regierung um die Besitz- ergreifung der Philippinen zu bitten und dafür den englischen Insel- besitz in Westiudicn an Amerika abzutreten. Rom, 25. August.(B. H.) Die Meldungen aus Tripolis rufen in Regierungskreisen große Besorgnisse hervor: der Aufstand breitet sich weiter aus. Die türkischen Truppen werde» überall zurückgeschlagen. Frankreich konzentrieri große Truppenmassen an der tuiiesisch-tripolitanischcii Grenze. Konstaniinopel, 25. August.(Meldung des Wiener k. k. Telegr.- Korresp.-Bureau's.) Der ökumenische Patriarch, welchem wieder- holt Audienz beim Sultan verweigert wurde, überreichte im Dildiz-Palafte eine Bcschwerdeschrift, in welcher er anführte. daß 24 orthodoxe Kirchen in macedonischen Ortschaften mit bulgarisch-griechischer Bevölkerung gesperrt gehalten und Kirchen und Klöster innerhalb dieses Bezirks mit Beschlag belegt würden. In einem Rundschreiben an die diplomatischen Missionen ersucht die Pforte, die Schiffahrtsgescllschaften zu veranlasse», die »ach der Türkei ohne Paß reisenden Armenier nickt aufzunehmen. Der arnienische Patriarch erhielt Briefe, in welchen ihm niit den« Tode gedroht«vurde. Ahmed Dschelaleddin Pascha veranlaßte acht Jungtürken. darunter zwei Offiziere und ein Mitglied des arnienische«, Komitees nach der Türkei zurückzukehren, uin vom Sultan Gnade zu erbitten. Konstautinopel, 25. August.(Meldung des Wiener Telegr.- Korresp.-Bureaus). Die Reise deS Fürsten und der Fürstin'von Montenegro nach Konstantiiiopel verfolgt keinen politiichen Ziveck. Sie findet nur infolg« der wiederholt erfolgten Einladungen deS Sultans statt und um gleichzeitig dem Sultan für verschiedene Auf- merksamkeiten desselben zu danken. Pretoria, 25. August.(Meldung der„Agence HavaS.'j Der Volksraad nahm nach langer Beratung mit großer Mehrheit eine Resolution an, in welcher der Bericht deS SondcrausschufseS für die Dynamitstage genehmigt«vird. Der Bericht deS Ai«sschuffe» empfiehlt die Annahme deS Regierungsentwurfs.___ erlag von Max Badina in Berlin. Hierzu 2 Beilagen. 8t. 199. 16. •iwi. l. DU te Jütmärtö" ßtrlin« MIKsblM-<».»».«. j.«»«. Die Hervenhäusler nnd der „Vorwärts". Als letzten Gegenstand der Tagesordnung erörterte das Herrenhaus in seiner Sitzung vom 26. August die Klage gegen den„Vorwärts": Der mündliche Bericht der Geschäftsordnungs- Kommission über ein Schreiben des Justizministers betreffend die Erteilung der Genehmigung zur Strafverfolgsung des „Vorwärts" wegen Beleidigung des Herrenhauses durch einen Artikel„Der Tag der Herren" vom 6. Juli 1899. Berichterstatter Frhr. v. Durant: Der Artikel des„Vorwärts", überschrieben: Der Tag des Herrn(Heiterkeit), der Tag der Herren, behandelt die Sitzung vom 5. Juli, in welcher über den Gesetzentwurf zum Schutz der Arbeits- willigen verhandelt wurde. Der Artikel hat eine zieuiliche Länge, einige Punkte desselben sind von der Staatsanwaltschaft als Be- leidiguugen angesehen worden, der Justizmiuister ist daher um die Ermächtigung zur Strafverfolgung eingekommen. Ich werde mir erlauben. Ihnen die� Stellen vorzutragen, welche nach dieser Richtung ins Gewicht fallen. Es heifft da gleich z»n> Eingänge: „Wenn die zu lebenslänglichem Herrenhaus verurteilten, ge- borene» Gesetzgeber Preußens, die Prinzen, Herzöge, Fürsten, Grafen und Freiherren nebst ihrem Gefolge einfacher Vous in ihrem Rervenapvarat durch ihre weder Tag noch Nacht ruhende �.häligkeit fürs Vaterland dermaßen gestört sind, daß ihnen keine Somiucrfrische, kein Badeort mehr die nötige Ruhe und Erholung zu gewähren vermag, so Pflegen die Hausärzte den erlauchte» Herren ein letztes Mittel zu verordnen: Sie schicken die Patienten m eine Sitzung des Herrenhauses. Hier finden sie Ruhe und Frieden. Nirgends bietet sich die hygienische Gelegenheit zu einem kräftigenden Nachnnttagsschlaf in solcher Vollkommenheit dar, wie bei dem eintönigen Redegeplätscher dieser feudalen Fötus- Parlamentarier." Es folgt dann eine Beschreibung der Art, wie hier beraten nachher noch ein Passus, der ebenfalls Anlaß giebt, eine Beleidigung darin zu erblicken. Er beginnt mit den Worten: _„Ter Ahnenkult feiert in diesen Gesichtern seine seltsame» Myitenen. Man ist gar nicht im stände, die ganze Fülle der Ge- danken heransznlescn, die hinter diesen in uralter Zucht an die Bedingungen eines preußischen Herreudaseius allmählich an- gepaßten Stinten nicht vorhanden sind. Gewiß sind sie nicht alle Schönheiten, dafür aber verbriefte Grafen vom Geiste. Eine hübsche Neigung, die Augen zeitweise zu schließen, vertieft noch den sinnigen Charakter dieser aus der Vorzeit stammenden Persön- lichkeiten." �ch glaube, den übrigen Inhalt des Artikels hier übergehen zu lvnucii und mich darauf beschränken zu sollen, zu sagen, daß da mehr oder weniger icharfc Spitzen gegen einzelne Mitglieder dieses hohen Hau, es enthalten sind, namentlich gegen ein hochgeschätztes Mitglied. Meine hochverehrten Herren, es ist eine bekannte, aber be- klagenswerte Erscheinung, daß die Z ü g e l l o s i g ke i t in. der Presse einen sehr hohen Grad erreicht hat. lZustimmuug). Leider haben wir infolge der Prcsifrcihcit nur geringe Mittel, dieser <i der Arbejsefklasse dem Unternehmertum so verhaßt! Die Trennung der Geschlechter in der Schule ist in Berlin f ii r d i e G e m e i n d e s ch u l e nicht allgemein durchgeführt. Es bestehen nicht nur an vielen Genieindeschulen Knaben- und Mädchenklafsen neben einander, sondern es giebt solche Klassen, in denen beide Geschlechter gemeinsam unterrichtet werden, sogenannte„gemischte" Klassen. In dem laufenden Somincrsemestcr Und von den jetzt 229 Schulen 8t nur von Knaben und 89 nur von Mädchen besucht, während die übrigen 56 von Knaben und Mädchen besucht sind. Zu diesen 56 gehören die meisten katholischen Schulen. Die Vereinigung von Knaben- und Mädchenklassen zu einer Schule wird hier meist nötig, weil die in den einzelnen Bezirken vorhandenen katholischen Shllder in der Siegel nicht für zwei besondere Schulen ausreichen. Avich in den neu errichteten, anfangs noch wenig besuchten Schulen hilft man sich aus demselben Grunde zunächst oft mit der Veremigung von Knaben- und Mädchenklassen. Unter den jetzt 4034 K la f f e n sind 3934 lehrplanmäßige und 46 Nebeilklassen für Schivachbcfähigte. Von den lehrplaumätzigen sind 1961 für Knaben, 1976 für Mädchen, 57 gemischt, von den Nebenklassen 3 für Knaben. 1 für Mädchen, 36 gennfcht. Bei den Rebenklafsen reichen «i1 twrhandenen Schwachbefähigten selten zur Bildung besonderer Klassen für jedes Geschlecht aus, so daß meist Geschlechterniischung nötig wird. Jahr 00, Das preußische Ministerium hat nunmebr endgültig entschieden, daß in den verstellbaren Dienststempeln sFahr- karlenv erkauf. Giiterannahme usw.) das Jahr 1906 abgekürzt mit 00 zu bezeichnen ist, Die folgenden Jahre tragen dann die Zeichnung 01. 62 usw. eigex bekannten Sorte ton-! lniigsfähiger Gescllschaftsstiitzcn ervor, die ein hiesiges„Ball- Die sittliche Perstiildernng angebender und selbstverständlich zä tritt recht grell in einer Einladung. etablisseineiit" versendet. Es heißt darin: -„■"®je, unterzeichnete Jagd-Saal-Verwaltinig, deren Direktion Sie, hochgeehrter Herr, als passionierter Jäger empfohlen worden, giebt sich die hohe Ehre, Ew. Hochwohlgeboren auf ein iieuerschlossenes, herrliches Jagdterrain mit reichem, vorzüglichem Wildstand aufmerksam zu machen und zur ersten C d el w i ld-I a q d am 26 August a. c. in den Jagd- Sälen höflichst einzuladen. Ein besonderer Umstand läßt unser neues Forstrevier in hervor- ragender Weise angenehm und bequem erscheinen: die Jagd- r u n d e befinden sich im Mittelpunkte der Siesidenz, dqs Wild ist einerlei Schonung unterworfen." 3cheifei werden die ordnungsstiitzenden Ballgäste, deren sittliche Qualitäten in der originellen Forin der Einladnng richtig ein mögen, auf dem Vergnügen der heutigen Nacht von ekegenheit wahrnehmen, sich zum Kampf für Ordnung, � wider die Parteien des Uinsturzes gehörig zu l eingest neuem die Religion und Sitte präparieren. Vierzehn Pferde der Neue,, Berliner Omuibus-Aktien gefellschaft wurden gestern dem Hauptmann Vogel, dem Kommissar für das ostentliche Fuhrivesen, vorgeführt. Sämtliche Pferde be- fanden sich, wie die»Voss. Ztg." berichtet, in einem sehr schlechte» Futterzustqiide, waren abgetrieben und zeigten an den Hüften, der Brust und an den Fesseln alte, noch nicht verheilte Wunden, Beulen und Hautabschürfungen. Der Kommissar verfügte, nachdem er jedes ?!inmr»W• 6enau angesehen hatte, die Autzerdienststellnng aller 14 Pferde, die, wenn sie auch nicht krank oder altersschwach sind, doch in ihrem jetzigen Zustande dem schweren Dienst der Omnibus- Pferde nicht gewachsen sind. Die Mörderin de- Witwe Fielitz, das Dienstmädche» Schröter— und nicht, wie wir infolge eines telephonischen Miß- Verständnisses gestern angab«», Berger— befindet sich noch imnier im Amtsgefängnis in Kalkberge-Niidersdorf, weil sich bei ihrem Geständnis verschiedene Widersprüche herausgestellt habe», die noch emer Aufklärung bedürfen. Vor allen Dingen gilt es festzustellen, wo sich das geraubte Geld befindet. Ferner wird die Möglichkeit in Betracht gezogen, daß die Mörderin eine» Mitwisser gehabt hat, wiewohl sie wiederholt erklärte, di« That ganz allein verübt zu haben. Thatsächlich hat dqs Mädchen erst nach einem mehrstündige» Verhöre m der Nacht zum Donnerstag dem Amtsrichter ihre Schuld zugestanden und das Geständnis auch nicht widerrufen. Die Be- röter,„das kann nur mein Bruder verraten haben", zu, daß dieser an der That niöalicherweise jedoch unzutreffend, die Verhastete giebt! .... � ihrer Worte selbst folgende Auf- klarung: Als sie ihren Pflegevater Kühn besuchte, äußerte der eben- falls anwesende Bruder den Verdacht, daß sie. Bertha, den Mord verübt hahe. Auch der Pflegevater schien derselben Ansicht zu sein und forderte das Mädchen auf, doch die volle Wahrheit zu sagen und sich selbst zu melden, da es dqnn eine gelindere Strafe erhalten wurde. AZie dl» Schröter weiter erzählte, habe sie den beiden den Verdacht ausgeredet. Die benutzte Waffe ist ein 56 Centimeter langes, k»ulenartig»s Holzscheit, welches am unteren Ende bequem mit der Hand zu umfassen, am oberen Ende eine» Durchmesser von ca. 15 Centimeter besii■■•■ Kienast, der etwas spi ist der Schädel oberhal merkung der Sä ließ die Annahme beteiligt sei: das ist über die Bedeutung hausegehcn spitzte sich die Auseinandersetzung ans der Straße so zu, daß das Mädchen dem Bräutigam den Ring vor die Füße warf. Strohwald machte in den nächsten Tagen wieder Amiäherungsuersuche, hatte aber damit keinen Erfolg. Verzweifelt ging er api Mittwoch», argen, als sein Dienst ans dem Postamt 83 in der Skalitzerstrnße zu Ende war. weg und kam nicht wieder nach Hause. Am liächstcu Morgen fand man seine Leiche an, türkischen Friedhof. Er hatte sich aus einem Revolver eine Kugel über dein rechten Auge in den Kopf gejagt. Durch eine» Sturz von« Bau ist gestern ein Arbeiter Klitscher aus der Prenzlauer Allee 33 tödlich verunglückt. Er erlitt einen Schädelbruch und starb bald nach der Anfnahme in einem Kranken- Hause. Sein« persönlichen Verhältnisse sind nicht bekannt. Seine Wirtin Frau Peters weiß nur, daß er von seiner Frau getreunt lebte. Eine» tötlicheu Ausgang hat wieder einmal ein Unfall durch Verbrühen genonimen. Die Frau des Formers Köhler aus der Swinemünderstr. 56 ließ jn der Nähe ihres kleinen Sohnes Walter, der auf einem Kinderstnhl» saß, einen Kessel mit kochendem Wasser auf dem Fußboden stehe». Der Kleine wurde unruhig und fiel schließlich mit dem Stuhle so unglücklich um, daß er mit den Händen in den Kessel stürzte. Nun schlug auch dieser um und ergoß seinen heißen Inhalt über den Knaben. Ueber und über verbrüht ivurde der Verunglückte in das Lazaruskrankenhaus gebracht. Hier ist er seinen Verletzungen erlegen.— Weniger bedenklich, als es anfangs fchien, ist der 15jährige Lehrling Max Barth ans der Rheinsbergersir. 8 verletzt, der gestern in der Feingiasbläseroi von Ehrhardt in der Liuieustr. 112 verunglückte. Barth sollte Leuchtfäden für elektrische Glühlampen in einem Benzinbade zubereiten. Dabei entzündeten sich Dänipfe, und brennendes Benzin ergoß sich ihm über den ganzen Körper mit Ausnahme des Rückens. Trotz der großen Hantfläche, dje in Mitleidenschaft gezpgen ist, besteht für das Leben des Ver- unglückte» keine Gefahr, weil die Verbrühungen nicht schwer sind. Auf einer Bierreise ist gestern nachmittag der Kutscher der Taxameterdroschke Nr. 3766 schiver verunglückt. Er hatte mehrere junge Männer nach dem Spandauer Berg gefahren und dort mit ihnen gezecht. Auf dem giückwege ließ der Kutscher einen Fahrgast sei» Fuhrwerk lenken. Dieser konnte jedoch nicht fahren. In der Spandanarstraße zu Charlottenburg wurde das Pferd infolgedessen unruhig, die Droschke rannte gegen die Bordschwelle und der Kutscher flog bei dem heftigen Anprall auf das Pflaster nnd zog sich einen Schädelbruch zu. Man brachte de» Schwerverletzten indas Charlotten- burger Krankenhaus. Ei» Durchbrciiner-Klecblatt. Der Angestellte einer hiesigen Lederwaren-Firma, Namens Hugo Spielvogel, ist in Begleitung seiner Geliebten mid eines Freundes nach Unterschlagung von 12 666 M. durchgegangen. Spielvo.qcl, ein Man» von 24 Jahren, genoß so unbedingtes Vertrauen bei seinem Chef, daß ihm dieser von einem Bade-Orte aus, auf Sp's Bericht, zur Leistung einiger Zahlungen einen Ehek von 6066 M. auf die Nationalbank einsandte. Nach Erhebung dieses Geldes sowie nach Mitnahme weiterer 6666 M. aus der Kasse des Geschäfts wurde die Flucht der drei Personen bewerkstelligt. Spielvogel floh init einem jungen Mädchen, daß die Tochter hochachtbarer Eltern ist, und mit einem Freunde, dem Feldmesser Tanbitz. Sp. hatte mit der Kasse des Geschäfts eigentlich nichts zu thun. Diese verwaltet eine Kassiererin, der er aber so überlegen und herrisch gegenüberirat, daß das eingeschüchterte junge Mädchen bei der Ab- Wesenheit des Chefs ihn nicht an die Ablicfernng der von ihm ein- gezogenen Gelder zu erinnern wagte. Sp. hat ein wüstes Leben geführt, obgleich er erst jung verheiratet ist. Erst in den Morgen- stunden pflegte er sein Heim auszusuchen. Als seine Gattin ihm einmal erklärte, daß sie das nicht mehr ferner ertragen könne und der Finna Mitteilung machen werde, drohte er, sie zu ermorden. Jn Dresden hat man eine Spur des sauberen Kleeblatts entdeckt. Von da ab fehlt jedoch jeder weitere Anhalt über den Verbleib der Flüchtlinge. Man vermutet, daß sie sich nach der Schweiz gewandt haben. Aussehe» erregte gestern, Freiiagnachmittag, um 4t/, Uhr ein Selbstmordversuch im Friedrichshaiu. In der Nähe der Büste Friedrichs II, zog plötzlich ein unbekannter Mann in Arbeiter- kleidung einen Revolver aus der Tasche und schoß sich eine Kugel in die Brust und eine zweite in den linken Arm. Spaziergänger trugen den Schwerverletzten in das Krankenhaus. Selbstmorde. Am türkischen Friedhofe in der Hasenheide wurde gestern der Arbeiter und Posthalter S. erschosien aufgefunden. Jn einem hinterlassencn Briefe hatte er unglückliche Liebe als Vera»- lassung �zuin Selbstmorde angegeben.— Der Schuhmacher H. erbängte sich in seiner Wohnung in der Lothringerftraße. Er war dem e � m_je � j„ clbstmordc Besichtigilllg der Pflege-Anstalten Berlin?, wie dcZ Friedrich-Wilhelm« Hospitals, der Anstalten in Numinelsburg, vorzunehmen, wozu der Berliner Magistrat feine Genehmigung' bereitwillig erklärt Nach den bo» diesen Deputierten eingezogenen persönlichen formgtignen'"' weiden. soll die Armen-, Kranken- und Waisenpflege gestaltet Tic Abschaffung der Schlachtstcuer die nächst«» Stadwerordnötepwahle» 1» Es sollen aus bürgerlichen Parteikreifen nur wird in Potsdam für !e gemacht werden. solche Männer als st. Jn dieser Keule steckt ein vorspringender und widcrhakig ausläuft. Mit diesen, Ast . der Schläfe zertrümmert worden. Bei der gewaltigen Wucht, welche di» eigenartige Waffe besaß, konnte auch me schwächere Person als die Schröter den Mord vollziehen. Di» Behauptung des Dienstmädchens Schröter, daß est nach Aus' Übung des Mordes au der Witwe Fielitz das permißte Geld nicht gestohlen habe, findet bei der Amtsbehöroe keinen Glauben. Gestern Nachmittag fand auf dem Fielitzschen Gehöfte eine Haussuchung statt, da behördlicherseits angenomnien wurde, daß das Geld möglicher- weise in einem Stalle oder in einem Schuppen versteckt worden sei. Die fortgesetzte Untersuchung bat inzwischen eine Begründung zu der Annahme gegeben, daß die Sch. ihren Staub in der Gegend von Kalkberge-Rüdersdorf vergrabe» habe. Schon vor mehreren Monaten batte die jugendliche Verbrecheriii ihrem Pflegevater gestohlenes Geld t? Thalerj an zwei verschiedenen Stellen in den Anlagen der Kalkherge versteckt. Am 16. ds. Mts., also 6 Tags nach der Ermordung der F., machte sich die Sch. in verdächtiger Weise in dem Fielitzschen Garten zu schaffen. Sie hielt sich ganz besonders i" der Nähe eines Obstbaumes auf. Als halb darauf eine Schwester der Erschlagenen den Garten betrat, demerkte sie in der Nähe des Baumes in dem Erdboden eine Ver- tiefung. Daneben lag ein gehäkelter Spitzenkragen, welcher als Eigentum der Sch. erkannt wurde. Es wird angenonmmen, daß das Mädchen nach Berübung der Blutthat das Geld an jener Stelle versteckt, und, da ihr das Versteck nicht sicher erschien, es dort wieder fortgenommen hat, um es bei ihrem Besuch in Rüdersdorf in einem ihr bekannten Schlupfwinkel zu verbergen. Da sich die Schröter beobachtet wußte, so entfernte sie sich mit solcher Eile, daß sie nicht mehr Zeit fand, den entfallenen Kragen mitzunehmen. Es wird gemeldet, daß die Verhaftete noch ein» dreimonatliche Gefängnisstrafe zu verbüßen hat. Der wegen Mordverdachts verhaftete Herr Thyrnecker ist gestern nach orettägiger Haft wieder entlassen worden. Bei der Arbeit yermiglifttt ist gestern, Freitagnachmittag, der Krhsiter Fritz Leopold ans»er Kielerstraße 80 in der Maschinenfabrik von Petzold u. To. in der Waldstraßo. Ein»iserner Träger fiel ihm auf das linke Bein und zerschmetterte ihm den Unterschenkel. Ein ArbeitSgenoffe schaffte de» Verunglückten mit einer Droschke in «in Krankenhaus. Berhijugnisvoll ist dem öbiährigen Post-Hilfsboten Robert Strohwald au« der Reichenbergerstr. 125, der sich am türsischen Friedhof in der Hasenhaide erschossen hat, s-in letzter Geburtstag ( geworden. Bei der Feier am vergangenen Sonntag genet er mit einer Braut, mit der»r seit einem Jahre verlobt war, in Streit. Der junge Mann glaubte aus dem Verhalten seiner Braut gegenüber einem Gast», daß sie diesem mehrzugethansei, als ihm selbst. Beim Nach« Trunk ergeben.— Die Frau des Hausdieners G. erhä» ihrer Wohnung in der Rtstestraße. Der Grund zu dem ü ist wahrscheinlich in einem Nervenleiden zu suchen.— Abends sprang der obdachlose Schmied V. am Planufer ins Wasser, wurde aber wieder herausgezogen und nach dem Krankenhause gebracht. Theater. Heut« Sonnabend findet in der Morwitz-Oper im Schiller- Theater die letzte Aufiühruna„Der Freischütz" bei halben Preisen statt, und Sonntagiiachmittaz 3 Uhr ist Lortzings komische Oper„Zar und Zimmer- mann". Die letzte Sonntag-Abendvorstellmig bringt„Die lustigen Weiber — Das Alepa nderplatz-Tbeater bleibt von morgen ab geschloffen. um am 9. September mit der Baudeville„Die lveitze Henne" wieder er- »ffnot zu werden.— Im Lokale Sanssouci, Kottbuserstr. 4, ist heute die erste Vorstellung der Nr. dt.'..cichen Sänger unter der bekannten Direttion Hoffman». Fenerbcricht. Auch in den letzten 24 Stunden erfolgten nur 4 Alarnncrungen, von denen zwei auf blinden Lärm zurückzuführen waren. Brandenburg st raße 23 hatte Freitag früh die Balkenlage unter der Kochmaschine Feuer gefangen und hatte die Wehr über eine Stunde mit dem Aufreißen des Balkenlagers zu thun. Größere Gefqhp war nicht vorhanden. Nachmittags isi/» Uhr erfolgte eine Alarniiernng»ach Beuth st ratze 3, wo in der Blumenfabrik von A. Leschkan ein unbedeutender Brand entstanden war. Da eine mehrmalige Feiiernleldung erfolgte, rückten 4 Lösch züge aus, die indes nicht in Thätigkeit traten, da das Feuer noch im Entstehen beseitigt werden kpnnte. Kandidaten aufgestellt werden, die sich verpflichten, nach Ablauf der jetzigen Hteuerperiode für die Aufhebung der Schlacht- und der daniit zusammenhängenden Wildpret- und Geflügelsteuer zustimmen. In der Bürgerschaft begegnet diese Forderung den weitgehendsten Shmpathien, da namentlich seitdem die Steuer durch städtische Bcqmte erhoben wird, welche sehr rigoros vorgehen, die von jeher mißliebige Steuer noch mißliebiger geworden ist. Daß trotzdem die Schmuggeleien blühen, haben die Ereignisse der letzten Tage, wo ein Kaufmann zwei Kübel Schmalz, verborgen in einem Kleiderspind, einschmuggeln wollte, wieder be- wiesen. Von der Polizei find übrigens die Steuerbeamten darauf aufmerksam gemacht, daß auffallend viele Schlächterwagen zur Nacht- zeit auf der Straße sind. Als ein Zeitnngsredacteur, wie et nicht sein soff, hat sich der Lieichsglöckner G e h l s e n entpuppt, wenn es mit der folgenden uns zugegangenen Meldung seine Richtigkeit hat. Man berichtot nämlich: In der Angelegenheit des„Reichsglöckners" Joachim Gehffe» ist schon früher angedeutet worden, daß das Verfahren gegen den Verhafteten voraussichtlich für eine ganze Anzahl seiner Mitarbeiter ebenfalls verhängnisvoll zu werden drohe. Diese Ver- mutung bestätigr sich jetzt, össtf Veranlassung des Regierungs- Präsidenten zu Pptsdam find gestern die Charlottenburger Magistrat-assistcuteil Främke, Herbrich und Schnelle,� die Gehtsen für sein» Angriffe gegen verschiedene Personen Material zugetragen habe», vom Dienste suspendiert und auf halbes Gehali gesetzt worden. Ein gleiches Schicksal steht aber noch lueiteren tviagistratSbeaniton bevor, denn da« Material zu manchen hämischen Artikel,,, die Gehlsen gegen den Magistrat und einzelne Stadträte gerichtet hat, stannnt au« den Bureau«, denen di» jetzt betroffene» Beamten nicht angehösen. Sein? Zuträger vor Un- amiehmlichkeiten zu schützen, hat sick, der„Reichsglöckner" � auch nicht die geringste Mühe gegeben. Er hat vielmehr die Manuskripte, die er von Beamten erhielt, i» öffentlichen Wirtschaften gezeigt und dabei die Namen der Verfasser genannt, Ter Besuch von Gastwirtschaften mit Damenbediennug ist dem Eisenbahnkassierer Sch. vom Bahnhof Erkner, einem sonst durch- aus ehrenwerten und pflichtgetreuen Beamten, verhängnisvoll gc- worden. Der junge Mann hatte, als er zu seinem Vergnügen nach Berlin fuhr. 46 M, Stationsgelder, die er für Verkauf. der Fahr- karten am Schalter eingenommen, bei sich und verausgabte diesen Betrag in der Annahme, daß er das Geld am Ultimo ersetzen könne. Die Billets hatte er als„nichlverkauft" gebucht. Wider Erwarten fand in der folgenden Nacht eine Stepision der Schalterkaffen statt, wobei das Vorkommnis entdockt wurde. Wiewohl Sch. in der Lage war, das Geld sofort aufzutreiben, zog er es doch vor, die Flucht zu ergreifen, und fuhr nach Frankfurt a. O. zu seine» Eltern, wie angenommen wird, um sich dort von seinen Angehörigen zu ver- abschieden und sich dann das Lebe» zu nehmen. Ehe er jedoch diese Absicht qnssühren tonnte, erfolgte auf Grund telegraphischer Requi- sition der Polizei die Verhaftung des Sch. Ei» großes Fencr zerstörte in der Nacht zum Freitag auf dem Grundstück Wcstfälischestr. 52 zu Halensee den Dachstuhl des Quergebäudes und des Seitenflügels. Auf dem Grundstück steht ei» Neubau, der noch nicht ganz fertig und daher noch unbewohnt ist. Das Feuer brach in der Nacht gegen 12 Uhr aus. Di« Wehren von Halensee, Grunewald, Wilmersdorf und Charlottenburg hatten mit seiner Bewältigung bis gegen 2 Uhr zu thpn. Die Ursache des Brandes ist nicht bekannt. Ans dein Reiche des Herr» v. Ltzpe». Wie weit es mit der Schneidigkcit des socialistentötenden Amtsvorstehers in Adlers- Hof gekommen ist, läßt folgender Fall erkennen. Kürzlich wurde von uns des Konflikts gedacht, den im Vorort Adlershof der Gastwirt Schmauser mit dem Amtsvorsteher v. Oppen hatte. Jetzt ist in dem Schmauserschen Lokal, Bismarckstr. 16, eine„Erklärung" augeschlago». die in großen Lettern der Welt die eigentlich ganz selbstverständliche Thalsache verkündet, daß di»„lverten Gäste" sich friedliebend und anständig bewegt und sich mit Gesang und Tanz amüsiert haben, wie es Herr Schm. überhaupt nur von dem bei ihm verkehreiideu Publikum geivöhut ist. Dann heißt es ab»r Iveiter: „Das Aufgebot von P o l i z e i m a n n s ch a f t und Gen- darin erie, welches der Amtsvorsteher Herr v. Oppen auf mein Grundstück schickte, um meinen Saal zu räumen, sogar m i t der Ordre, bei Widersetzlichkeit die Waffen anzn- iv e n d e n tdie gesperrten Worte sind mit 2V» Centimeter hohen Lettern gesetzt l), T h ü r e n und Klavier zu versiegeln, geschah nur, weil es dem Amtsvorsteher nicht gefiel, daß der das Lokal innehabende Verein und seine Gäste sich mit Tanz amüsierten."_ Aus beu Nalhbacocle». Rixdorf. Morgen, Sonntag, findet im Apollo-Theater die L a s s a l l e- F ei e r' statt. Die' Parteigenossinnen und Genossen werde» ersucht, sich an dieser Feier zahlreich zu beteiligen. Die Mitglieder der mitwirkenden Gesangvereine wollen sich morgens 16 Ühr zur Probe in, Apollo-Theater einfind»». Der Vertrauensniann. Jn Pankow-Nieder-Echönhausen spricht Montagabend 8 Uhr bei Großkurt. Berlinerstr. 27, Genosse Kotzke-Berlin über den Kampf gegen das Unrecht. Auch erfolgen tu dieser Versammlung die Delegiertenivahlen zur Kreiskonferenz. Der Leseabend fällt aus. FricdrichShagen. Heute abend pünktlich 8V» Uhr findet im Restaurant Conrad. Friedrichstraße. eine Versammlung des.Arbeiter- Bildungsvereins" statt, in welcher Genosse Müller tErkner) einen Bortrag über die„Bern st eins che Streitschrift" halten wird. Gäste sind Willkomm«». Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. Dt» Bestätigung deS zweiten Bürgermeisters von Rixdorf, des seiner Zeit von der Stadtvcrordnereii-Persammlung gewählten Stadtrats Voigt-Danzig, ist nuiunehr erfolgt. Hoffentlich fällt es in Berlin niemandem ein, aus diesem Ereignis die Notwendigkeit der Bestätigung des Herrn Kirschner zu folgen,. Die 14 Monate, die seit dessen Wohl verflossen sind, haben gezeigt, wie wenig Be- deutung für das kommunal» Wohl di« früher für unerläßlich ge- halte»» Formalität im Grunde hast Die Rixdorfer Armenpflege soll nach Berliner Muster orga- nisiert werden. Zwei Stadtverordnete sind beauftragt worden,»ine GevUtzis-Beltunfl. Bereits ciitwertcte Jnvaliditätsmarkeu sollte der Schuh- inachenneister Hermaim E l s n e r zum zweiteumal benutzt haben. Er stand deshalb gestern wegen Vergehens gegen das JnvaliditätS-i gesetz vor der vierten Ferienstrafkammer des Landgerichts I. Der taubstumme Geselle des Angeklagten lieferte in diesem Frühjahre seine vollbeklebte Jnvaliditätskarte bei der Polizei ab, um dajür eine neue Karte zu empfaugen. Der Behörde fiel das Aussehen einiger Marken ans, dieselben iuurden abgelöst und dem Gerichts- chemiker Dr. Jeserich zur Untersuchung übergeben. Dieser stellte fest, daß der Datumvcrmcrk aus früheren Jahren ans chemischem Wege unsichtbar gemacht und durch ei» neues Datum ersetzt worden war. Mit Hilfe des photographischen Apparats gelang es, auch die früheren Zahlen wieder hervortrete» zu lassen. Der Angeklagte bestritt, daß er beimißterweise unreell gehandelt habe. Im März habe ein Mann sich bei ihm ein Paar Stiefel machen lassen. Bei der Abholung babe der Besteller gebeten. einen Teil der Zahlimg in Jnvaliditätsmarten leisten zu dürfe»,. Er habe keine Veranlasnmg gehabt, diese Bitte abzulehnen. Von diesen Marken habe er eincii Teil in die Karte seines Geselle» geklebt. Der Sachverständige Dr. Jeserich teilte mit, daß ihm in letzterer Zeit mehrere derartige Fälle vorgekvmnien seien. Der Staatsanwalt wollte den Angaben des Angeklagte» keine» Glauben schenken, er beantragte gegen ihn eine Geldstrafe von 20 M. Der Gerichtshof fällte mangels genügender Ueberführung ein freisprechendes Urteil. Polizeiliche Protokolle dürfen bekanntlich in einer Gerichts- Verhandlung nicht verlesen werden. Wie sie doch zur KenniniS des Gerichts gebracht werden können, beweist der folgende Fall. Vom Landgericht I in Berlin ist am 14. Juni der Lichtdrucker Wilhelm Friedrich Laternicht zu Zuchthaus verurteilt worden, weil er aus der Wohnung eine« Arbeiters, di« er gewaltsam geöffnet hafte, verschiedene Wertobjekte ent- wendet hat. Ein in dieser Sache aufgenommenes polizeiliches Protokoll wurde dem Angeklagten in der Haiiptverhandlung. ivie das Protokoll ergiebt, Wort für Wort vorgehalten. Dies rügte der An- geklagte in seiner Vt e v t s i o n vor dem Steichsgericht. Der Reicks- anwakt vertrat in der Berbandlung am Mittwoch di« Ansicht, daß dieser Vorhalt des Prorokolles, weil er Wort für Wort erfolgt sei, als unzulässig angesehen werden müsse, da auf diese Weiie das ganze Protokoll zur Kenntnis des Gerichtes gebracht worden sei, Ivos doch das Gesetz verhindern ivolle.— Das Reichsgericht erkannte jedoch auf Verwerfung der Revision. Es ist allerdings, so wurde ausgeführt, da« polizeiliche Protokoll Wort für Wort dem Auge- klagten vorgehalten worden. Man hat jedoch angenomnien, daß dieser Vorhalt nicht die Merkmale der Verlesung im Sinne des Gesetzes an sich trägt. Wenn wirklich der Inhalt des Protokolls dem Angeklagten nur vorgehalten worden ist. so war dies nicht unstatt- Haft.— Wer kann daraus klug lverdcn? Wege» Vergehens gegen das sächsische Juwel" wurde vom Schöffengericht in Dresden der Vorsitzende des dortigen V o l k s b i l d un gsvereins zuoM. Geldstrafe verurteilt. In dem Verein wurde seiner Zeit ein geschichtlicher Vortrag über„Wissenschaft und Proletariat" gehalten. Dem über- wachenden Beamten erschienen einige Wendungen afs„politisch", während der Vossitzende anderer Meinung war und deshalb die Minderjährigen nicht hinauswies. Staatsanwalt und Gericht fanden die politischen Merkmale des Vortrages darin, daß der Referent einige Staatseinrichtungen so beiläufig erwähnt und eine Schluh- bcmertuug über die Organisation des Proletariats gemacht hatte. Der genannte Verein verfolgt nur B i I d u n g s z w e rk e. Was flimmert das die Polizei, sie schert politische, gewerkschaftliche und Bnduugsvereine über einen Kamm. Roheitövergchen. Wegen Zweikampfes mit tödlichen Haffe» wurden von der Strafkammer Dessau zwei Studierende des höheren technischen Instituts aus Käthen zu je drei Monaten Festungshaft verurteilt. Die Angeklagten hatten am 9. März d. I. nn Restaurant Pilsenhöhe bei Köthen eine Schlägermensur aus» gefachten, wobei der eine am Kopfe verwundet worden war. Ein alter Sünder. Die„Brschw. Land.-Ztg." berichtet: Unter der Anklage, niehrcre Sittlichkeitsverbrechcn 176, 3 des Reichs- StrafgesetzbnResj begangen zu hqben, stand gestern der 73 jährige Pastor a. D. Dr. Quentin ans Holfenbüttel vor der zweiten Ferien- Strafkannner des Landgerichts Braunschweig. Der Angeklagte in früher in Mecklenburg Geistlicher gelvesen. Die Verhandlung. die unter Ausschluß der Oeffentlichkeit geführt wurde, endete mit r.r Verurteilung des Angeklagten zu zwei Jahren Zuchthans und drei Jahren Ehrverlust. Das Gericht beschloß die sosortiae Ver- Haftung des Angeklagten. Streik und Erpressung. Vom Landgericht zu Stendal wurde, wie man uns schreibt, der Vorarbeiter Friedrich Habermann wegen Erprestung zu neun Monaten Gefängnis verurteilt. Jpi Namen und Auftrage seiner Arbeitsgenossen auf dem Ritlergute Neuermark m der Altmark hatte er eines Abends im Juli erklärt, sie wurden k»r den bisherigen Lohn nicht weiter arbeiten; für den Morgen Rapz zu mähen, verlangten sie 3 M. Als diese Forderung nicht bewilligt wurde, gaben am nächsten Morgen die Arbeiter, an ihrer Spitze Habermann, die Erklärung ab, sie»inirden die Arbeit niederlegen, wenn sie nicht einen Tagelohn von 2,50 M. erhielten. Sämtliche Arbeiter, mit Ausnahme von zwei, stellten thatsächlich lofort die Arbeit ein, als auch diese Forderung abgeschlagen wurde. Angeklagt wurde nur der Vorarbeiter Habermann. Obwohl er auS- führte, daß er lediglich die Wunsche seiner Mitarbeiter vorgebracht habe, wurde er der Erpressung für überführt erachtet.— Hoffentlich legt der Verurteilte Revision ein. damit da« oberste Gericht über die Auffassung de? Stendaler Landgerichts fich äußern kann. Vevmipchkes« An» den Gefilden Ostrlbiens. Aus Posen wird berichtet, daß der Inspektor auf dem Rittergute Krzesinh auf einen Ar- beiter geschossen hat. Die Tochter des Arbeiters Rogodzinski zeigte sich dem Gutsverwalter gegenüber„widerspänstig", so daß sie von diesem eine Ohrfeig e erhielt. Rogodzinski, der hinzukam, Ichimpfte auf den Verwalter, ergriff eine Heugabel und ging damit auf den Beamte» los. Der letztere forderte den Wütenden'wieder- holt auf, Vernunft anzunehmen, erreichte aber nur, daß Rogodzinski nnmer heftiger auf ihn eindrang. Nun machte der Verwalter von seiner Waffe, einem kleinkalibrigen Revolver Gebrauch. Der Schuß verletzte den Arbeiter in der Brust. Die Wunde ist, wie die Unter- suchung ergeben hat, nicht lebensgefährlich. Ein schweres Bauunglück hat sich in Köln ereignet. Im Stadlhezirk Nippes stürzte ein dreistöckiger Neubau ein, wobei mehrere Bauarbeiter sehr schwer verunglückten. Die herbeigerufene Feuerwehr nahm sofort die Rettungsarbeiten auf und befreite die unter den Trümmern begrabenen Leute, Zwei derselben erlitten tätliche Verletzungen und mußten in ein Hospital überführt werden.— Ferner wird aus Köln berichtet: Im benach- barten Vingst sollte gestern Nachmittag die Beerdigung einer Stau stattfinden. Der Leichenkondutt war bereits' auf dem irchhofe angekommen, als plötzlich seitens der Staatsanwaltschaft die Beerdigung inhibiert und der Ehemann der Berstorbenon ver- hastet wurde. Die sofort vorgenommene Obduktion der Leiche er- gab, daß die kurz vor der Entbindung stehende Frau infolge brutaler Mißhandlung seitens ihres Mannes gestorben ist. Jnsolgo der Explosion eines Petroleummotors entstand auf dem Grundstück des Seiler- und Schiffsbaumeisters Schuniann zu Wernsdorf, am Oder-Spreekanal. Feuer. Dasselbe fand in den in der Werkstatt lagernden und leicht brennbaren Stoffen, bestehend in Theer, Hanf und sonstigen zum Schiffsbau sc. erforderlichen Uten- silien reiche Nahruiig, so daß in kurzer Zeit das ganze Gebäude ein Flammenmeer bildete. Der Schaden ist bedeutend. Aus Hamburg wird berichtet: Der in dem Friebrichsruher Hausfriedcnsbruchs-Prozeß zu drei Monaten vernrteittc Photograph Priester, der sich nach Amerika geflüchtet hatte und steckbrieflich verfolgt wurde, ist hierher zurückgekehrt und hat sich der Behörde freiwillig gestellt, um seine Strafe abzubüßen. Kein Spion. Der unter dem Verdacht der Spionage in Pillau verhaftete Franzose, Prof. Müller aus Paris, ist, nach der„Königsb. Hart. Ztg.", wieder freigelassen worden. Eisenbahn- Unfall. Ein Kleinbahnzug von Witkowo ist, wie aus G n e s e n berichtet wird, gestern infolge falscher Weichenstellung auf einen Güterivagen gefahren, der vor dem Prellbock stand. Ein Bahnarbeiter ist schiver, ein Reisender leichter verletzt worden. Die Schuld an dem Unfall trägt der Lokomotivführer. Von einem jähen Tode wurde der Referendar a. D. Karl Anbersch zu Schwerin a. W. ereilt. Er stieg in der Nacht über den Gartenzaun seiner Eltern, blieb aber so unglücklich zwischen dem Zaun nnd eigem darüber befindlichen Stacheldrqht hängen, daß der Tod durch Ersticken eintrat. Erst am Nachmittag wurde S. als Leiche gefunden. Raubmord. Bei Landsberg a. W. wurde Donnerstag-' vorniittag in der Nähe des benachbarten Dorfes Loppow die Leiche eines Handwerkers gefunden, der offenbar einem Raubmord zum Opfer gefallen ist. Der Ermordete hatte mehrere Messerstiche im Kopfe, Uhr und Geld waren geraubt. Die Persönlichkeit des Er- mordeten konnte bisher nicht ermittelt werden, von dem bezw. den Thätern fehlt jegliche Spur. Die verfehlte Begeisterung. Bon der Parade in Kassel am 15. d. M. erzählt die„Weserztg." folgendes heitere Stllcklein: Die Truppen hasten im offenen Viereck dem königlichen Schlosse gegen- über Parade-Aufstcllung genommen, während der Kaiser noch im Thropsaale der Fahneiuiagelung beiwohnte. Den Truppe» war von den Offizieren bekannt gemacht worden, wenn der vor der Front zu Pferde haltende Brigadekommandeur hie Säbestlinge über seinem Haupte schwingen werde, so sei dies ein Zeichen, daß der Kaiser vom Schlosse herannahe und die Leute Hurra rufen müssen. Die Mannschaften sollten deshalb das Auge unverwandt auf de» Brigadekommandeur gerichtet halten. Die Disposition ivar getroffen, und die Leute gaben sich alle Mühe, den Befehl so buch stäblich wie möglich auszuführen. Alles würde auch vortrefflich„ge- klappt" haben, wenn nicht ein loser Kobold dem etwas kurzsichtigen terrn Brigade-Kommandeur einen schlimmen Streich gespielt hätte. r hielt nämlich den auS der Richtung des Schlosses horansprengon- den Flügeladjutanten für den Kaiser selbst und ließ sofort die Säbel- klinge einige Dutzend Male pfeifend um sein Haupt kreisen. Die Truppen begannen sofort mit dem Hurrarufen, das sich mit den Klängen des „Heil Dir ini Siegerkranz" donnergleich von Regiment zu Regiment die ganze Parade-Aiffstellung entlang fortpflanzte, sehr zum Eist- setzen des kurzsichtigen Offiziers, der inzwischen seinen Irrtum erkannt hatte und nun aufs neue mit der Säbelklinge in der Luft herum- zufuchteln begann, diesmal jedoch, um ,dcin Hurrarufen Einhalt zu lhun. Allein die Leute hielten fest an ihrer Jnsiruktion. Wenn der Herr Generalmajor mit dem Säbel winke, müsse Hurra gerufen iverden, war ihnen gesagt worden, und so schrieen sie denn Hurra bis sie kirschrot im' Gesicht wurden. Je mehr der verzweifelnde Brigadekomniandcur mit der Säbelklinge winkte, um so lauter und kräftiger schallte das Hurra der Trupp»», bis endlich der Kaiser selbst erschien, gerade noch rechtzeitig genug, um wenigstens noch einen kleinen Teil der an die Adresse des Flügeladjutanten gerichteten Kundgebung zu ernten. Das Kaniiichc» und die deutsche Dichtkunst. Der Kaninchen- ziichter-Berein von Miihlhausen und Umgegend feierte sein Stiftungs- fest am 20. August, verbunden mit Ausstellung. Im„Pstihlhauscr Anzeiger" tvird dem Verein und seinem Motto:„Kaninchenfleisch muß Volksnahrung werden", folgender Hymnus gewidmet: Mögen Borurtcile schwinden Gegen das Kaninchenfleisch, Mit der Zeit wird es sich sinden Eingeführt bei Arm und Reich. Laßt uns ringen, laßt uns streben, Laßt uns sorgen im Verein, Daß Kaninchenfleisch bald iverde Volksnahrung für Groß und Klein. Es ist dringend zu wünschen, daß jeder, der bis heute vom Genuß dieser Delikatesse noch nichts wissen wollte, schleunigst das Kaninchen aus seinen Speisezettel' setzt. Schlechter wie die ihm ge- widmeten Verse kann es unmöglich schmecken. Marktpreise von Berlin am 24. August 189? nach Eriaittelimgcn des kgl. Polizeipräsidiums. »)We!zen D.-Est. "INoggen, Futter-Gerste, Hafer gut, ,,»nttel .. gering Nichtstroh„ Heu PjErbsen PSp-isebohneu. PjLiiiscil, Kartoffel», neue Riiidficisch, Keule Ibg bo. Bauch„ *) Erniittelt pro 15,90 11.90 13,30 15,60 14,90 14,30 4,82 6,10 40,- b0.- 70,- 8,- 1,60 1,20 14,80 13,90 12,80 15- 14,40 13,80 3,50 4,00 25- 25,--- 80,— 4,— 1,20 1- Schmeinesteuch Kalbfleisch Hammelfleisch Butter Z'"'- Karpsen Aale Fander Hechte Barsche Schleie Bleie Krebse lüg 60 Stück 1kg per Schock 1,60 1,60 1,60 g.SO 4- 2,40 2,80 2,60 2,40 1,80 2,50 1,40 12- l,- i;- i,- 2,-t- 2,20 1,40 1,20 1,20 1,20 0,80 1,20 0,80 2,---- ,.............. Tonue von der Ceutralstelle de» Prcuß. Landwirt- ichastskammern— Notiermigsslelle— und umgerechnet vom Polizeipräsidium für den Doupel-CeuMer. P) Kleinhandelspreise. Produkten markt vom 24. August. Die Tendenz der Getreide- börsen Nordamerikas war gestern anfangs unentschieden und schwankend, schlieblich ermattend. Infolgedessen lag Weizen am hiesigen Markte heute etwas schwächer, wobei auch starkes Jnlaudsangebot mitsprach. Weniger offeriert war Roggen, der sein letztes Preisniveau behauptete, währeud Weizen>/, M. nachgab. Am Hasermarkt war die Preisgestaltung durch schwache Zufuhr günstig beeinflußt. Für Brotgetreide kam der etwas bester lautende Saatenftandsbericht aus Ungarn aber noch abschwächend in Betracht, fand jedoch im allgemeine» wenig Beachtung.— Am Spiritusmarkte blieb das Geschäft belanglos. 5000 Liter 70er loco wurden wie gestern mit 43,70 M gehandelt. Termine lagen nominell etwas schwacher.— Berlins Getreide- und M e h l z u f u h r e n zu Wasser voin 24. August mittags bis 25. August mittags betrugen 150 To. Weizen, 75 To. Roggen. 258 To. Hafer, 22 To. Erbsen, 681 To. Mais, 5200 Doppel- centner Weizenmehl. Briefkasten der Redaktion. Tie juristische Sprechsiuude wird Dienstags, TonucrstagS und Freiings abends von v bis 8 Uhr abgehalten. H. I.. Fglkcnfteluftrafie, Soll gelegentlich verwertet werden. «rautman». Zur Ausnahme ungeeignet. Vaethgx, Teilen Sie den Fall in der Organisation mit. W. SS, Der Kaiser bezieht als solcher kein Gehalt, als König von Ppeuheu erhält er jährlich lö 710 206 M. Die Eivilliste des Kaisers von Oestrcich beträgt 4 650 000 Gold-Gulden für den Monarchen der«streichischen Länder»ud dieselbe Summe für ihn als König von Ungarn, das sind zu- sgMINt" rund 18 600 000 M. Das Einkommen des Kaisers von Oestreich- Ungarn ist also ein wenig höher als das des Königs von Preufeen. ' sö», V. 900. Wenden Sie sich an Mistgrg, Aimenstr. 16. W. N., Fürstemvalde. Einen solchen Aufruf smnien wir nur abdrucken, wenn er vo» der Organisation ausgeht oder von dieser(durch Stempel) legitimiert ist. D. 10 031. Der Geschichtskalendcr� hgt recht: Die Cholera wütete 1832 und Tschech verübte sein Attentat am 26. Juli 1844, nicht 24. August. C. Tch. 1. Wenn das Kind unter 7 Jahre alt ist, ja, sonst nein. 2. Lohnarrest ist in Ihrem Falle zulässig, jedoch muh dem Beklagten so viel belasse» werden, als zu seinem Unterhalt, dem seiner Frau und Kinder er- forderlich ist.— Erblos. 1. Fragen Sie beim Amtsgericht an, ob ein Testament vorhanden ist und beantragen Sie eventuell die Oefinung. Sie können dann, weini gütliche Einigung nicht eriolgt, beim Amtsgericht Nachlaß- rcgiilierung beantragen. I» kein Testament vorhanden, so kann der Ehemann entweder auf den Nachlaß seiner Frag verzichten— dieser fällt dann den Kindern zu— oder er kann erliären, Erbe sein zu wollen. Erklärt er dies, so wird aus dem Vermögen, das am Todestage seiner Frau seitens beider Eheleute vorbanden war, eine Masse gebildet, die Hälft« dieser Mass« erhält der Witwer, die andere die Kinder. Zu dem Vermögen gehören auch die Schulden. — Jocksch. Von den 5 Milliarden befinden sich im Juliusturm 120 000 000 M.— A. A. 1. Ein Grund zum Ziehen liegt in dem von Ihnen Angeführten nicht. Sie könnten auch nicht gegen den Oessner vor- gehen, wohl aber von dem Wirt ein hinreichcnvcs Schloß verlangen. 2. Etwa 10— 15 M. würden der Fwn zugesprochen werden.— H. R. F. Der Portier ist nicht berechtigt, Ihre Sachen sich vorzeigen zu lassen, sie zg untersuchen, oder gar wegzunehmen. Thut er es dennoch, so stellen Sie Strafanirag bei der Staatsanwaltschaft«eäen Diebstahls und Beleidigung. - W. W. 101. In solchem Fall ist leider nichts mit einer Klage zu erreichen. Es kann der Beste nicht in Friede» leben, wenn es dem bösen Nachbar nicht qesällt.-®. S S. Der Lohn steht Ihnen zu: jetzt herrscht darüber allerdings Streit. Das Bürgerliche Gesetzbuch hat die Streitfrage im bejahenden Sinne entschieden.— A. Kommen Sie in die Sprechstunde. S.ti»ier»»gö>>üotsicht vom Sä. August 180«, uiorgeus 8 Uhr »v Wetter 2gvolkig 2, wolkig Iheiter ljwolkenl l heiter 3chtb.ved a?? Ii i» Stationsii Haparanda Petersburg Eork Aberdeeu Pari« ??1 767 S 1 NO BW 763 SSO 765- Wetter wolkig wolkig „ bedeckt - wölken! öS s- ü ** 18 18 17 iKf ciicv« jnv neu«u* iowc»« Ein wenig kühler, vorwiegend wollig bei mäßigen südwestlichen Winden, ohne erbcbliche Niederschläge. Berliner W e t t« r b u r« a». Wakre Jacob js-zs«-» Unserem Budiker-UKort zu seinem heutigen Wiegenfeste»in donnerndes Hoch, daß die ganzen Aullamer Linden wackeln. Albert, sei nich knickerig, laß tüchtig gießen! Dolus Kolonne aus der Fehrbelllner- Strasse nebet Schwlenarmuttar. yttunyi. iu&x>muv vwvnw den 36. August, zur Ausgabe. Von der Reise zurück. I>i>. Cart Frendonbevc, 21146] SQ., Otanitnfir. 37 I. Bergolder! Hieniilt zur Nachricht, daß ich jeden Sonnabend von 6-7 Uhr bei Kugllng, früher Lange, Zeugbofstr. 22, und leben Montag bei Köpnlnlt, Schilling- »nd Magazinstraßcn-Ecke, von 7 bis 8 Uhr anwesend bin, und ersuche ich dringend die Kollegon, hauptsächlich mit den Listen für die Arbeiter Däne- marls abzurechnen. 227/2 Hl. Lange, Vertrauens»«,,»» der Vergolder, Berlin. Oeffentliche Tapezierer-Verfammlung (Kleberbranche) am Sonntagvormittag 11 Uhr, in den Arminhallen, _ Äomiiiaudantenstr. 20._ 21106 FneiirlUngtN. Töpfer. Köpenick. Sonntag, de» 27. August 180«, mittags 12 Uhr, in LercheS »Bürgersälen» in Friedrichshage»: Oeffentliche Verfammlung der Töpfer von Friedrichshagen, Köpenick und Umgegend. Tagesordnung: 1. Die Bedeutung der G-wertschafts-Kartelle. 2. Gewerkschaftliches. Die Angehörigen anderer Gewerbe sind hierzu mit eingeladen. 193/11 Der Arrtr«ue»»man»! 0. David. Arbeiter-Mslshm-Btttiil Morgen 7 Uhr Prenzlauer Thor n Fraiizöjisch-Buch- holz> Vorm.-Tour). Arbtiter-Radsahrtr-Pereill ,»Vorwärts". Sonntag, den 27. August: Tour nach Chorin. 63 Klmtr. Abfahrt 5Vz Ubr Prenzlauer Chaussee und Danzigerstr.-Ecke. Jeden Mittwoch nach dem 1. und 15. im Monat Vereins-Versammluiig Beusietstr. lfl_ 12,11 zahrrädtr, TellMung, Woche pon 3—5 M i0300L" Oi-anienutraase 33. 11, Minna! Textilalbeiter. Mm! Filiale Berlin I. Sonntag, S7. August, vorm. 10 Uhr, in der Königsbank, ivrvfte Franksurterftr. 117: IfSSF" Tersaniinlaii�. Tages-Ordnung: 1. Der Streik bei der Finna Feibi'ch. 2. Verschiedenes. 272/6 Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung ist es Pflicht der Kollegen und Kolleginnen, tn dieser Versammlung zu erscheinen. ver'Woratiuid. Verband der Miibelpolierer. Morgen Toiliitag: Derrenpartie. Abfahrt früh 7 Uhr 12 Min. vom Schlestschen Bahnhos(Madaistraße) nach �riede-IelealiaUei», von dort nach Ktaleniedni»!', Keaer Krug usw._ Vkoutag. den 28. August, abend« 8Vi Uhr, Admtralftrahe 18o« WM- Nerlammlnng Tagesordnung: 1. Vortrag deS Genossen Saaaeiibacli über: „Zwang«.J„»u»aen.« 2. DtSiuision. s. Verschiedenes. 147/6 Der Toratand. Mtiiw! PMkMMNlkgkr. Achtmig! Montag, de» 28. August 18««. abends 8 Uhr: Oeffentl. VersLnnttNttttg im Lokale des Herrn Kubcil, Lindenstrafte 106. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Kollegen, zeigt durch zahlreiches Erscheinen, daß Ihr noch Interesse a» Euren Arbeitsverhältnissen habt. 109/9__ Der YerlrawenswanH.__ «f.TÄ Kr. Dampfer-Exlral'ahrt uit Musik nach V'aretineiiNaf. Abfahrt mittags 1 Uhr von der Srralauer Brücke Nr. 5. Fahrpreis hm und zurück 75 Pf. Kinder unter t0 Jahren irei. Herrn. Herber. Schlesjschestr. 6. Fernsprecher: Amt IT. 417. Einsegnungs-Anzilgt 12-27" M. Schulmeiater.teSZÄ Bitte genau auf die Firma zu uilm 11 jpMUPW und Polfterwaren. Re-ll« Arbeit. Ganze Einrichtung»« zu billige» Preisen.>23369" l-'rai,» Tar-iauer. Brunnenstraste 162. Möbel Heppen- n.Xonfjpmgnllenllijte.'»' Prima Die beliebte» Harle, nur neue moderne Sache»,>16412» Qualität 1,60 und 2,—. Arbelfsliöte rr 1 Hntfabrik-Comptoir und»eines VereillSMUM noch Montag und Donnerstag zu vergeben. Klei«, Lansttzerplatz 8. Freunde« und Bekannten ■ WW mein Werß- u. Bavrisch- Bierlokal. Relnkold«streit, Kirchftr. Stz, früh NpU-,Nst,.eS. 23092» Mithl-ustr. Nr. 8 nahe Oberbaum,»chlefischem Bahnhof und Warschauerftraste, sind zum 1. Oktober»och 2 freund- liche Hoswohnungen für 20 M. und 22 M. pro Monat zu vermieten. Näheres daselbst beim Verwalter. Bklülilt MÜNsser-MM, Inhalt Zeichmingen u. Beschreibungen, für Unbeteiligte wertlos, ist verloren worden. Abzugeben Im Eomptoir bsi loonstr. 1, gegen 10 M. Rothenbücher, Belohnung. 145/5 Kinderwagen, Puppen-, Sport-, Kasten-, L-n?r- u. Ziegenbock-Wagen, Kinder- Klappstühle, rrimilvhstühie, Kin- wr-Hoizmöbel.Kran- cnwagen für Er- wachseue u. Kinder. Kinderbettstellen. ?ä»itl. Korbwaren. örößt.LagerBerlins. A. W. Schulz. , uerim N., 95 Brunnenstr. 95. Fernspr. Amt III, 1767. Musterbuch vorzügliche Qualitäten empfiehlt glasweise vom Fuss billigst Carl Oobslaw Spqrthaut Ostend bei KBpenlck. Der Arheltar-StanograptaeR-Vereln , Stolze'(Einigungssystem) eröffnet neue Unterrichtskurse in der „Vereinfachten deutsch. Stenographie" (Syst. Stoke-Scbrev) am Montag, den 28. August, bei Krause, KUIIerstr. 7a, am Dienetag, den 29. August, bei Grupe, Annenstr. 16, am Donnerstag, den 31. August, bei Jahn, Qräfastr. 82, und am gleichen Tage im Hoabltar Clubhaua, Beusselstr.».— Anfang Obarall IVs Uhr abanda- 20596 DMic den Juholt der Jiiserute «iberuimittt die Nednktion dein Publik»», gencuiiber keinerlei Veraiitivortuug. Äthrskev. Sonnabend, 26. August. Neues Oper«- Theater lKroll). Die Fledermaus. Anfang 7,/z Uhr Lessing. Das alte Kind. Anfang V/t Uhr. Neues. Kiwito. Anfang 7>/z Uhr. Weste». Der Mikado. Auf. 7>/z Uhr. Schiller. Der Freischütz. Anfang 7V- Uhr. Central. Der Heiratsmarkt Anfang » Uhr. Friedrich. Wilhelmstädtisches. Siermiual oder: Der Streik der Bergarbeiter. Anfang S Uhr. Sliexauderplap. Nana. Ans. 8 Uhr. Ostend. Die Kubanerin. Anfang « Uhr. Luisen. Glykerion. Hierauf: Der Kanimerkater. Ansang 8 Uhr. Metropol. Berlin lacht! Anfang 8 Uhr Belle-Zllliauce. Specialitäten-Vor- stellung. Anfang v Uhr. Apollo, Frau Lima. Specialitäten- Vorstellung. Anfang 8 Uhr. Rctchslialle». Stettincr Sänger. Anfang 8 Uhr. Passage- Panoptiknn«. Speciali- tätcii-Borslclluug. Urania. Jntmlideustr..-;7/«L. täglich abends von b— 10 Uhr: Stcrnivartc. Taubenstr. 48/4». Im Thealer Das Land der Fjorde. Anfang 8 Uhr. Friedrich-Wllhtlillst.Thtllter llbzuisoestr. 25 26. Abends 8 Uhr: Zum 21. Male: Germinal oder: Der Streik der Bergarbeiter. Sensationsstück in 8 Aufzügen nach dem gleichnamigen Roman v EmileZola Regie: Leonh.Ottomeyer. t. Bild: In Not und Elend. 2. Bild: Der Schwur. 3. Bild: Beim Berg- Werksdirektor. 4. Bild: Brot! Brot! Brot! 5. Bild; Am Rande deö Ab- grundes. 8. Bild: Der Zusammensturz. Im Friedrlch-Wllhelmst. Konzertpark: Georgette mit ihre» drei Liebhabern. Pariser Burleske- Pantomime. In Scene gesetzt von Curt Ellis. Aus- geführt von der Pantomimen-Gesell- schast„Mimoza!' Hauptrolle: Georgette, franz. Soubretten-Diva: Curt Ellis. Das Rätsel des 18. Jahrhunderts: Htiberto Vlncento.— Mib Darnett, Salon-Athletin, hebt u. a. ein Piano mit dem Pianisten.— Eugen Milardo, der amüsante Karikateur.— Patty Frank-Truppe, Akrobaten, 5 Pers. zc. Außerdem 20 Specialitäten. _ Entrce 30 Pf. SchillerTheM (Walluer-rhcatcr». Itloravtt�-Oper. S o nn abend, abends 7V-Uhr: Klasaizobs Opem-Voratollung bei halben Preisen: ver t'relsellitt�. Sonntag, nackimittags 3 Uhr Letzte Nachmittags-Vorstellung bei balbcu Preisen: G»»r i»i«I Kiiiiineriiionn. Abends 7>/z Uhr: Letzte Sonntags-Vorstellung llio lusiiggll Voldor von Vloäsor. Montag, abends 7>/z Ubr: populsre Opern-Vorstellung del batben preisen. Oer Trompeter von SSkklngen. Es finden nur noch 4 Opern- Vorstellungen statt. Wild-Karl Weili-Thrater. Gr. Frankfurterstrafte lSL. Täglich: Die Kubaneritt. Anfang 8 Uhr. Vorzugsbillets haben Gültigkeit. Jni Garten: Specialltätenvorstellung. Anfang 51/2 Uhr. 20 stiniinbcgabte junge Damen können sich melden. Crntvnl Tsienter Direktion: loss perenoz>. L«ftsPiel.Ensemblr(Frl.»llll» Krause vom kgl. Schauspielhaus. Herr Otto pablau vom Schiller-Theater, Herr Nick. Ewald vom Thalia-Theater als Gäste.) Der Heiratsmarkt. Schwank in 3 Akten v. G. Olonkowöki. Ansang 8 Uhr Morgen und folgende Tage: Die- ftlbe Vorstellung. Metropol-l'keAtkr. Behrenstr. 55/57. GrUsster Salsoii-Krfolg;!!! Berlin lacht! und das reizende Presse-Ballett. Hierzu: Neues Speclalit-Prograrnrn U. a. Robinson Baker-Trio. Japanesen Fuhushlma Truppe. Werner-Arnoros- Cornpany etc. etc. _ Anfangs U Ii r. Reichshallen. Garten resp. 8 aal täglich: Stettiner Sänger kMehsel. Pietro, Britto», Steidl, Krone, K i r ch 1» a y e r, Schneider und Schräder). Ailflllllf 8 Uhr. 2lll|Ull{), Sonntags 7 Uhr. Entrce 50 Pf., Vorverkauf für die Wochentage 40 Pf. Nnin. Balkon 75 Pf. Balkon-Logc 1 M. Orchester- Loge l,50 M. Fremdenloge 2 M. Jeden preltag: Neues Programm. Vietom-LrAllorei Lnt>ou> strafte 111/112. Im Kntnrgarten oder Saal: Tägllcli Humoristische Soiree der NonMeutLClien Sänger (Fuhrmann,. Horst, Walde).!?] Auf. Sonntags l präc. 7, wochentags 8 Uhr. Entree 50 Pf. Vorverk. 40 Pf. Familienbillets 5- 1 M. Sonntag und_ Donnerstag nach der Vorstellung! Tan�liritn�clien. Urania Tanbenstrasse 48/40. Um 8 Uhr: Im Theater: Das Land der Fjorde. Um 5 Uhr; SchQIervoratellung, Dr. Spies:„Flüssige Luft." Zu ermässigten Preisen. Invalldcnstr. 57/02: Tägl. Sternwarte. Passage-Panoiillcum Geöffnet von 9 Uhr früh bis 10 Uhr abends. »lenk Neu! Das urkomische Böcksburger fiauern- Ensemble. Anfang der Vorstellung 8 Uhr abends. " CASTANS■■ PANOPTICUM Die sennationellen SM- lebenden-WS Photographien! In Lebensgrösse. Die russische UinilOII� Damenkapelle uHlljJllUIl In moskowltischen Kostümen. Viele nene plastische Gruppen nnd Figuren. Prater-Tlieater Kastanien-Allee 7/9. Täglich: Dorns Resl. Volksslück mit Gesang u. Tanz v. Hugo Schulz, Musik von A. Kersten. Kostümsoubrette Fränl. Lucle Sarow, Gebr. Milardo, Grot. Duett. Tauma-Quartett,(Scfnng und Tanz. Die 3 Schönbrunns, humoristisches Bilderbuch. The 4 Flashes. Excentrics Ballettgcsellschast Döring. Vendaro-Trlo, Exercitie» am Hand- Trapez� Danlei-Truppe, Pantomime. SM*' Konzert und Ball. Eintritt Sonntags und wochentags 30 Pf-, nilm. Platz 50 Pf. Kalbo. R. Ballschmieders „Kastamenwäldchen" Kolljertgartell h. Prachtsiile Badstr.16. Gesundbrunnen, Badstr. 16. Täglich: Gr. Promenaden- Konzert. Jeden Doimerstas: Elite-Streich-Konzert. Sonntags: Großer Ball im neuerbauten Saal. Empfehle meine Säle zu allen Fest- lichkeiten. R. Ballschmleder. W. Noacks Theater. Brunnenstrabe 16. Täglich: Theater- u. Specialitäten- Vorstellung. Gin lustiger Streich. Posse mit Gesang in 1 Akt von Braune. Neu! Neu! Berliner Leben. Burleske mit Gesang und Tanz in 1 Akt von W. Gericke. Mufik von Schmidt. Jm Saale: Da>>zkrä»zchen. Apollo-Theater. FranLuna mit dem Luftballett„Grlgolatis". Ausstattungs-Operette v. Bolten- Baeckers. Musik von Paul Lincke. «Otto Reutter K usw. usw. usw. Garten-Konzert 7 Uhr. Anfang der Vorstellung 8 Uhr. Vorverkauf täglich im Theater und beim„KUnstlerdank", Unter den Linden 69. Freitag, den 1. September Eröffnung der Winter-Saison 12 sensationelle Oebnts. Ostbalm-Park Hermann Imbs 71 Riidcrsdorfer Strasse 71, am K ü st r i n e r Platz. Däglich: Hon�ert, Theater- nnd Specialitäten-Vorstellung. Nur erstklassige Nummern. Ansang: Sonntags 4 Uhr. Entree 20 Pf. Kinder 10 Pf. Sperrsitz Nachzahl- 20 Pf- Anfang: Wocheut- 5 Uhr. Entree 10 Pf. Kinder 10 Pf. Sperrsitz Nachzahl. 10 Pf. Jeden Dienstag: Merddentsche Sänger. Hermann Jmbs, Direktor. Salon, Gr. Frankfurterstr. 85. Empfehle meine Säle einige Sonn- abende, wie Totensonntag an Vereine zu Festlichkeiten. 2120b G. Theel. Palast-Theater l*"" früher • Fal« Feen- Palast, Burgstrasie 2Z. Direktion: Wnkler und Fröbel. Sonnabend, S. September: fjp Eröffnung � der durchweg wunderbar renovierten l-P Grosses s7278L« SpeelaNtäten- Programm. Vom Besten das Beste! Zum 1. Male: Sprev�Uottlffen! Grobe Original- Ausstattungs-Poffe. habsche Chordamen können sich melden vormittags von 11—12 im Bureau des Palast-Theater, Burgstrabe 22._ ani* Müggelsee zwischen Muggclschlost und Teufel- see. Wunderbar schön von der Natur begabt- Tanzsaal mit Parqnet» Fuffboden. 3 Kegelbahnen. Gr. Halle, 3000 Personen fassend- Emps. den Vereine», Fabriken, Gesell- schaften zum Sommer-Ausflug. A. llcgcbrodt. Gastwirth. Ttrailh-Restaiirailt Haben Sie Wanzen?? Dann ist es Ihre eigene Schuld! Lesen Sie das Buch über„Uugeziefer- Plage«, welches gratis und franco(.als Brief gegen 20 Pf-Marken) an jeder- mann gesandt wird. 2299L In diesem Werkchen findet man genaue Anweisungen: Wanzen, Schwaben, Aineisen, Fliegen zc. gründlich und dauernd zu vertilgen. k. llossers, Berlin, Manteuffelstrabe 92. Max Kliems Sommer-Theater Jeder Arbeiter Jeder Harrdwerker foUte zur Arbeit die Lederhose Herhnles tragen. Allein. Verkauf. Sehr starke Ware in praktischen grauen u. braunen Streifen. Hinten u. vorn am Bund aus einem Stück gearbeitet. Nietknöpfe u. Kapp- nähte. Feste Leder-Pilot-Taschen, die Hose / bei Entnahme von� 4 Mf [ 6 Stück 26 Mk.)** Ml. ÖU Echt indigoblaues Jackett für Maschinisten, Monteure zc. 1 M. 90 Echt indigoblauc Hose dito. IM. 80 Prima Manchester Hose 8.—, 5M-ö0 GesÄttert.Manchest.-Jackett 13,— 1v,— Maler-Kittcl in Leinen-Art. 2 M. 25 Mechaniker-Kittel(braun).. L M. 40 Weisses Leder-Jackett, ge- füttert, zweireihig.... 7 M. 50 Weisse Leder-Hose, Prima Ware........ 3 PI. 75 Baei* Soli si En gros. Export. En detail. Berlin H., Berlin SO., Chansseestr. 24a. Brückenstr. II. Berlin O.. Gr. Frankfurterstr. 16. Die 13 te Preisliste(Aufl. 1 Million) über gesamte Herren- und Knabeu-Be- kleidung wird gratis u. franco verschickt. Versand von 20 M. an franco.— Bei Bestellung genügt Angabe der Brust- u. Bundweite u. Schrittlänge. Hasenhelde 14—15. Artistische Leitung: Paul Milbiss. Tiiglilii: krsßts Artell-kMrt. Auftreten des gesamten Schauspiel- 11. Specialitäteu-Pcrsouals. DM- Nur erstklassige Kräfte.-MG Georg Fischer(Liedersänger), Bmst Kühne(Charakter-Komiker), Fritzl Verra (Kostüm- Soubrette), Charles Gilten(Equilibrist), The Original Becars ( Musikalischer Akt), Hlle. Marguerite mit ihren Rassetauben, les Flganos _(Jnstrumentalisten)._ DM- Xencs gediegenes Familien» Programm.-MM Fntree: Wochentags 20 Pf.| Entree: Sonntags 25 Pf. Numerierter Platz 40 Pf| Numerierter Platz 50 Pf. Anfang des Konzerts tlgllch 4 Uhr. Anfang der Vorstellung 6 Uhr. In den Festsäleu: DM- Grosser Ball.-MG Die Kaffeelüche ist geöffnet._ Max Kliem. SchWeizer-Garten Am Königsthor(Ringbahn) Am FriedrichShain. TSglij: Theater- und Specialttaten-Vorstellung. Jeden Mittwoch: Gvoffvs unh Vinverfept. Auftreten des neuen Künstler-Ensembles. Jeden Abend von 10—11 Uhr: Novität. Her Novität! Ober-Bouze von Kiautsclioa. Ausstattungs-Burleske mit Gesang in 3 Bildem von I. Sisner.— Musil von Max Schmidt. Volksbelustigungen aller Art. Im Saale: K3cII>d Sanssouci) Kottbnserstr. 4a. Tonnabend, den 916. August ct., abeudS 8 Uhr: Eröffnungs-Vorstellnng Hoflmanns Siorddentsche Sänger. Anfang der Vorstellung: Sonntags 7 Uhr. Wochentags 8 Uhr. Sonntags: Numeriert. Sperrfitz 75 Pf. Entree 50 Pf. Wochentags: Sperrfitz 60 Pf. Entree 40 Pf., im Vorverkauf Sperrfitz 50 Pf., Entree 30 Pf. Billets im Borvertaus sind zu haben in den Cigarren- geschästen von Loeser u. Wols, Kottbuserthor, Alfred Wegener, Kottbuierstr. 1, Paul Juhl, Britzerstr. 24a. (Nachdruck verboten!) Empfehle meine drei Restaurants: liübeztahl, am Müggelsee, 'Tenfelssee, Müggelberge, Marlcnlnst, a. b. Dahme, zwischen Grünau und Friedrichshagen bei Fußpartien über die Müggel- berge I�ÖL' C. Streicbban, Bescher des KaiserhofS(Köpenick. W. Noacks Festsäle, Brnnnenstr. 18. Empfehle meine neu renovierten Säle Vcrcwen und Gewerkschaften unter coulantesten Bedingungen. Auch sind noch einige SpSSSS- abende ft-i. 20731. Aontenbrinks Tanz- Institut. Frankfurterstr. 58.[23432* Sonntag, 3. Sept., beginnt der erst« Tanzkursus in der Saison. Empfehle meinen Saal mit Theaterbübn«, sowie grosse und kleine Vereinszunmer zu Festlichketten und Versammlungen. Restaurant Kiekeinal bei Ravenstein, Bahnstation Hirschgarten. Sonntag, den 27. August, im Parket» Saal: Gresser Tanz. Kaffeeküche. 2 neue Kegelbahnen. Ausspannung. 2366L Für gute Speisen und Getränke ist bestens gesorgt. Wilhelm BrUsewitz. � fCIßinG /inzßiitßn* PT: W Worg/etf. Worte mehr als �99 g WL M%0 M M M MT mLMM MM M WM M M% U in de W i5 Buchstaben sdhlen doppelt. MKg JS>£ W b Anzeigen fä.ZLrTJ'/en In den Annahmestellen für Berlin bis 2 Uhr, für die VorortebisJ Uhr, i in der JTauptexpedition BeuthstT.3 bis 4 Uhr angenommen._ Töte � rden lin m Verkäufe. Destillation kranlheitshalber zu verkanten Soldinerstrasse 11.(-7« Gin gut gehendes Materialwaren- Geschäft mit Grünkram und Rolle Umstände halber preiswert zu oer- kaufen Pankow, Wollankstrasse 112. Fahrräder, erstklassige Marken, 2 Jahre Garantie. Gefahrene Räder. noch gut erhalten, billig Teilzab- lungen gestattet. Tandems und Ein- siyer werden verliehen Karl Fischer, Beusselstrasse 9._ 5lK- Äkobel, baar und Teilzahlung, billigst. Frankfurter Allee 110. I, Ecke Königsbergerstrasse._ 143* Nuftbaummäbel. Kleiderspind. Verlikow, Sofa, Bettstellen. Muschel- fpiegel, Verschiedenes spollbilligGarten- strasse 32A, l. links._ Nussbaummobel. ganze Wirtschaft. wegen Wegzugs spottbillig Waldemar- strasse 68, I. links. 99E* Betten, Schlafdecken, Steppdecken Portieren, Kleidungsstücke. Teppiche, Tisdidecken, Reisekoffer, Regulatoren, Remontoiruhren spottbillig. Pfand- leihe, Neanderstrassc 6._ 97/1* Teppich. prachtvoller Mauerhoff, Grosse Franksurterstrasse 9._ f43* Ilhrcuausverkauf spottbillig, Sla- litzerstrasse 126 parterre._ 12* Goldwarcu-AuSverkauf, spottbillig, Skalitzerstrasse 126 parterre._ 13* Strickmaschinen, bestes Fabrikat, auch aus Teilzahlung. Gustav Bredereck, Engel-Ufer 20._[flS* Nähmaschinen sämtlicher Spsteme ohne Anzahlung. Bestellungen Post- karte. Wandret, Lortzingstrahe 16. ssi60* Eichhörnchen, junge, fingcrzahm, Stück 2 M. Brückenftrasse 1, Special- geschäft. 99/10* Fahrrad, eleganter deulicherHalb- renncr. verkauft soiort krankheitshalber spottbillig Schuhmann, Waldemar- strasse 21, vorn I._ 99/9 Damenrad und Halbrenner, S9er Modell, allerfeinstes deutsches Fabri- kat, hochelegant, wunderbar leicht laufend, muss ich soiorl spottbillig verkaufen. Garantie noch 10 Monate. Lanzestrasse 34, l links._ 99/8 Halbreuner und Damenrad. feinstes Fabrikat, hochelegant, für jeden annehmbaren Preis. Garantie nach>0 Monate Birkenstrahc, Ecke B redowstrasse. im Cigarrengeichäst. Möbel, gebraucht und neu, zu billigsten Preisen, da mein Geschäfts- lokal am 15 September räumen muss Mulchel-, Taschenlosas, Säulen- trumeaux, Säulenipinden 48. Muschel- spinden, Mulchelbetten 18. Hirschomitz, Mariannenstrasse 7. 103K* Cigarre». rein Felix- Brasil, Sumatra- Decke, eigenes Fabrikat, 10 Stück 50 Pfennige, 100 Stück 5 Mark empfiehlt Forsberz, Man- teuffelstr 117, Hos parterre Seiten- slügel. s-70 Yermiscbte Anzeigen. Elektrotechnik. Neuer Slbcitd- kursus. Jackton, Alte Jakobstrasse 24. Elektrn. Prinzenstrasse 55. Prak- tische Ausbildung in allen Elektro- ulonteur-Arbeite». AbendkuriuS. Auf- nähme jederzeit. Prospekt gratis. 1863* Bereiuszimmer, 40 Personen fassend, frei. Gustav Ladewig, Kom- mandantenstrasse 65, nahe Alte Jakob- strasse. 1962L* Vereiuszinimer(zwei freundliche) sind zu vergeben, auch passend sür Zahlstelle. Hugo Lehmann, Buttmnnn- strasse 10(Ecke).[f7' Vereiuszinimer mit Pianino zu vergeben. Restaurant„Lindenhof", Lindenstrasse 72.„Vorwärts" liegt aus. A. Denk. 2105b O-uitnings-Marken und Kautschuk- Stempel liefert seit 20 Jahren für tausende Kassen und Vereine Jean Holze, Hamburg, Grosse Drchbahn 45. Illustrierte Preislisten gratis.[134/1 Elektro. Berliner Elektrotechnikum, Prinzenstrasse 55. Einzige und älteste Anstalt Berlins auf wissenschaftlich- praktischer Grundlage, eröffnet am Dienstag, den 5. September, einen neuen Abendkursus für Elektro- monteure. Anmeldungen persönlich. Prospekte gratis. 86K* Ehrenerklärung. Nteine Beleidr- gungen gegen Fräulein Nah Schw- keth sind aus Irrtum gefallen. Ich bitte das Fräulein hiermit um Ver- gebung. Frau Göring. 2119b Erklärung. Die Verleumdung, die ich gegen Herrn Schurich aus- gestossen haben soll, nehme ich hier- mit zurück, da dieselbe aus Unwahrheit ruht. M. Geisler. 2111b Elektrotechnik. Ansang Sep- tember beginnt ein auf 5 Monate berechneter Abendkursus. Keine Vorkenntnisse. Vorzügliche Lehrmethode, glänzende Resultate. Prüfung. Ab- gangszeugnis. Stellennachweis. An- meldung persönlich, auch Sonntags vormittags. Jackson, Alte Jakob- strasse 24. 99/7* Vermietunxen. Schlafstellen, Möblierte Schlafstelle Admiral- strasse 21, III, Witwe Wiedennann. Zimmep. Separat möbliertes Zimmer zu vermieten an einen anständigen Herrn, mit Kaffee 18 Mark MarkuSstrasse 47, Hof III. s-43 �rbeltsmarkt. Stellenangebote. 3,50 Feuerversicherung Bautzener- strasse 3. 93/1* Kolporteure und Hausierer bei hohem Verdienst sucht die Buch- druckerei von Carl Ringer und Sohn, Alexandrinenstrasse 27. 2094b Zwei Gesellen auf Büffets und Vertikows verlangt. Rummelsburg, Kantstrasse 11. 2097b Süchtiger Farbigmacher verlangt Wrangclstrasse 12. 2116b Gürtler verlangt»7 Adalbertstrasse 70. Kneiiel, 2127b Geübte Einfasserinnen finden so- fort dauernde und lohnende Be- schästigung. Filzschuhfabrik Reue Königstrahc 39. 105 K* Junge Mädchen für leichte Buchbinderarbeit verlaugt die Geschäfts- büchersabrik Riesenstahl, Zumpe u. Co., Holzmarttstrasse 67.[102K* Karton» Arbeiterinnen, geübte, junge Lehrmädchen finden dauernde Beschäftigung bei Hoffmann, Ritter- strasse 78. 2112b Plätterin verlangt Ast, Dresdener- strasse 86, Hof III. 2115b Karton-Arbeiterinnen im und ausser dem Hause sucht Fränkel, Kastanien-Allce 79. 2113b Arbeiterin»� verlangen Gebrüder Siemens u. Co, Charlottenburg, Salzufer2._ 2123b Gazcborten> Vernäherinnen verlangt Thiem, Tilsiterstr. 34, vorn 2 Treppen. ch43 Wäsche> Wall und Weiss- Nähe- rinnen verlangt Schmidt, Frank- sutter Allee 90._+43 Falten. Säumchen- Näherinnen, Vorderteile im Same, höchster Lohn, oerlangt Jannuscheh, Brunnenstrahe 83. Im Arbeitsmarkt durch besouderen Druck hervorgehobene Anzeige« kosten 40 Pf. pro Zeile. Achtbare Herren, welche den Verkauf eines leicht abzusetzenden Artikels gegen hohe Provision übemehmen wollen, werden um Einsendung ihrer Adresse unter U. G. 159 an Haasensteln& Vogler, A. D., Magdeburg, gebeten. 107/3* Achtung, Tischler! In der Möbelfabrik von Fiegel. Wasserthorstr. 14, haben sämtliche Tischler wegen Differenzen die Arbeit niedergelegt. 108/12* Zuzug fenihaltenl AchtllNs.Rui>ors! In der Bautischlerei von Kurhahn, Mühlenstr. 6, sind die Forderungen nicht bewilligt. Zuzug fernzuhalten. Annahme- Stellen für„Kleine Anzeigen". Osten: Robert WengelS. Frucktstr. 30, H. L. Vogel Wwe., Koppenftr. 83 Ehr. Schul». Blumenftr. 14. Xurdosten: I. Reul, Barntmstr. 42. Norden: W. Gaftniann. Grünthalerstr 65. Karl Mars, Kastanicn-Allee 95/96 Eniil Stolzeubnrg. Wieicnstr. 14. L. Dechaud, Rubeplatzstr. 24. H. Vogel, Demminerstc. 32. n. Die». Jnvalidenstr. 124. Kordwesten: Karl Anders. Salzwedelerstr. 8. Stidwesten: F. Lhuesorgc. Bergmannstr. 23, H. II H. Schröder, Rreuzbergstr. 15 Süden: tans Vaake, Dresdcnerstr. 52,53 . Gntschuiidt, Kottbuier Damm 3 Südosten: Fri» Dhiel, SkaUtzerstr. 35. W. Grsche, Wrangelstr. 58. Martin Mescha. Adalbertstr 24. Oentrnm: P. Harsch, Gipsstr. 27. Chailottenbnrg: Gn st. Scharnberg. achul/vflr. 94 1. 51. Die», Kaiser Friedrich, tr. 3 id. Friedenau: H.«ernsee. Kirchslr. 15. Friedrichsberg: Anton Kopp, Friedrich Karlstr. 4. Pankow: Kümmert, Kaiser Friedrichstt. 15. Rixdorf: ff. Lstermanii. Erckstr. 6, tt. Reyerau, Hermannstr, 50. Schüneberg: Wilh.Bäumler.ApostclPaulusflr 13 Weissensce: Heinrich Bachnia»», Lehderstr. 1 Julius Schillert, Königchaussee 59a. Rob. Liebschlvager, Gustav-Adols- strasse 16. Verantwortlicher Redacteur: Robert Schmidt in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Dh. Glocke w Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. 8t. 199. 16. 2. Keilage des Lmiirts" Kerlim Kldsdllltt. � A«--» l8S9. VevfAttttttlnngen. . Die Berliner Gewerkschaftskommission hielt am Donnerstag eine Dclegicrtenversammluiig ab. Bor Eintritt in die Tages- ordnung erklärte M e tz k e, die Maurer lokaler Richtung haben ihren Delegierten zurückgezogen, weil in der Gclverkschaftskommisston an die Stelle des Rechts die Willkür getreten sei. E r d m a n n machte Mitteilung vom Rücktritt der Marmor- und Granitarbeiter. Hierauf teilte M i l I a r g mit, daß einige kleinere Gewerkschaften Lohn- bewcgnngen bei dem Ausschnh angemeldet haben. Thomas gab numnchr eine Darstellmig des Streiks der S t e i n a r b e i t e r. Der Streik habe bis jetzt einen für die Arbeiter nicht ungünstigen Verlauf genommen, die Streikenden stehen fest znsmnmen, aber infolge des Verhaltens der Unternehmer, die hier eine Kraftprobe veranstalten wollen, könne der Ausstand größere Dimensionen annehmen, und die Steinarbeiter er- suchen deshalb um finanzielle Unterstützung ihres Streiks. — Nachdem Schauer ha nini er und W i n kl e r, sowie Link namens des Ausschusses die Unter st ützung des Streiks befürwortet hatten, wurde dieselbe in namentlicher Abstimmung mit allen S t i ni ni e n genehmigt. Hierauf begann die Beratung über die Aenderung des A b st i m in u n g s ni o d u s. Dazu liegen folgende Anträge vor: Die Vertreter der Buchdrucker, Holzarbeiter, Metallarbeiter, centraliflcrteii Maurer, Töpfer, Zimmerer in der Berliner Gewerk- schastskonimission empfchlen der Gewerkschaftskommission folgende Abänderungen des bisher geltenden Reglements: 1. Den ersten Satz„Zusammensetzung der Kommission* zu streichen und durch folgenden zu ergänzen: Die Berliner Gewerkschaftskommission setzt sich aus Vertretern der Berliner Gewerkschaften zusammen, welche in öffentlichen Ver- samniluiigen gewählt sein müssen. Die Gewählten haben sich bei ihrer Anmeldung dem Ausschuß der Gewerkschaftskommission gegenüber zu legitimieren. Ausgeschlossen von der Vertretung innerhalb der Berliner Gewerkschaftskomniission sind diejenigen Gruppen eines Gewerbes, die sich aus persönlichen oder sachlichen Gründen von ihren Organisationen abzweigen und Sondervereine bilden.— Gewerkschaften, die bis S Polierer beantragen: Die Gewerkschaftskommission möge beschließen: Der in der Sitzung vom 6. Juli von den lokalorgauisierten Gewerkschaften ge- stellte und angenommene Antrag, den Äbstinimungsmodus betreffend, ist wieder herzustellen und aufrecht zu erhalten. Zur Geschästsordming beantragt der Delegierte der Zinkgießer, über den vorstehenden Antrag sofort abzustimmen, denn wenn der- leibe abgelehnt wird, könnten die Befürworter des ersten Antrages «nter sich bleiben. Massini bemerkt dazu, es scheine, daß die Lokalorganisationen bereits entschlossen sind, ihren eigenen Weg zu gehen. Wenn dem so sei, dann könne eine reinliche Scheidung nur wünicheuswert sein. Ma a ß tritt dafür ein, daß man zunächst die vor- liegenden Anträge diskutiere. Es werde sich wohl ein Weg finden, auf dem die Berliner Gewerkschaften auch ferner zusammengehen können. Nicht hie Stimmung einzelner verärgerter Genossen, sondern die Interessen aller Gewerkschaften sollen hier maßgebend sein.— Der Geschäftsordnungs-Autrag wird mit großer Mehrheit abgelehnt. M a s s i n i begründet nun den ersten Antrag: Es sei nicht leicht, alle in der vorliegenden Frage Interessierten zufrieden zu stellen. Die centralisierten Gewerkschaften glauben aber, daß der von ihnen eingebrachte Entwurf allen Gelvcrk- schasteu gerecht wird. Neu sei der Passus, welcher die Vertretung von Souderorganisationen ausschließt. Dieser Passus solle sich aber nicht etwa gegen die schon bestehenden Lokal- organisationeu richten, sondern nur gegen eine Vertretung derjenigen Soiidervereinignugen, die sich neueröiiigs von der Örganisation ihrer Berufe losgetrennt haben, weil sie mit den Beschlüssen der --vteren nicht einverstanden waren, wie z. B. die Gewerkschaft der .Aelallarbeiter. Durch den betreffenden Passus solle ausgedrückt werden, Saß Avsplitteruiigen der bezeichneten Art nicht ans Anerkennung durch die Gewerkschaftskommission rechnen können. Was den vor- gcich.agencu Modus der Vertretung betrifft, so biete er manchen der kleineren Gewerkschaften mehr Rechte, als sie bisher hatten. Wenn auch den großen Gewerkschaften bis zu 6 Delegierte zugestanden wm eii, io sei doch nicht anznnchmen. daß sie von diesem illeckt vollen Gebranch machen würden. Mit der Bestimmung, daß eine Abstimmung nach der Stärke der Organisation nur vorgenommen werden kann, wenn sie von acht Delegierten beantragt ivird, glaube man den klciiicreu Gewerkschaften eine Konzession zu machen, und der be- sürchteten Majorisieruiig einen Riegel vorzuschieben. Da anzunehmen sei, daß sich die Aufgaben des Gewerkschaflsbureaus mehr und niehr erlveitcru und die Kosten desselben dann nicht mehr aus den Beiträgen gedeckt werden können, sei vorgeschlagen, 3 Proz. von den durch das Burcan gehenden Geldern zurückzubehalten. Redner ersucht um Annahme des Antrages, denn derselbe sei das Einigende. — Musikinstrumenten-Arbeiter Arendt bezeichnet den von Massini empfohlenen Autrag als unannehmbar. Kaufmann Maaß führt aus: Er habe sich stets bemüht, für Ausgleichung der Differenzen, welche sich in der vorliegenden Frage bemerkbar machten, zu wirken. Dagegen habe der„Vorwärts" durch die verbohrte, tendenziöse Be- cichtcrstattuiig über die Sitzungen der Geiverkschastskommission zur Berichärfnng der Differenzen und zur Verhetzung der Berliner Arbeiterschaft beigetragen, der Bericht, den der„Vorwärts" über die letzte Sitzung brachte,' sei in so tendenziöser und gehässiger Weise entstellt, daß er an die Machenschaften der blutigsten Revolver- jouriialistcn erinnere. Da nach den bisherigen Erfahrungen Vor- stellungen bei der Redaktion nutzlos seien, so sehe Redner sich ge- nötigt, diese Angelegenheit vor das Forum der Berliner Arbeiterschaft zu bringen und hier zu zeigen, was in der Redaktionsstube des„Vorwärts" in tendenziös- gehässigem Sinne zusammengebraut wird.")— In seinen weiteren Ausführungen stimmt der Redner im allgemeinen dem ersten Antrage zu. hat aber Bedenken gegen die unbedingte Ausschließung der Sonderorgani- sationen, da man die Gewerkschaftskoniinission nicht zum Schiedsrichter in Streitfragen innerhalb der Gewerkschaften machen dürfe. Redner stellt eine ändere Fassung des betreffenden Passus in Aus- ficht und betont schließlich, daß es sich nicht um einen Gegensatz zwischen kleinen und großen, lokblen und centralen, sondern um das Wohl aller Gewerkschaften handele. Im weiteren Verlauf der Debatte erklären sich Steinsetzer Knoll, Töpfer Hagen, Metallarbeiter S ch l e g e l und Holz- arbciter H a f f n e r für den ersten Antrag, während Handelshilfs- arbeiter N t h e s, Bäcker H ä t s ch o I d imd Bäcker Schneider gegen denselben sprechen. Wie in den früheren Sitzungen, vertreten die Anhänger der lokalen Richtung auch diesmal die Ansicht, daß sie durch den Antrag der centralen Richtung in ihren Rechten beschränkt werden sollen, was um so niehr zu bekämpfen sei, als die kleinen Gewerkschaften im Verhältnis zu ihrer Mitgliederzahl für die Allgemeinheit mehr finanzielle Opfer bringen, wie die großen Gewerkschaften. Einige Vertreter der letzteren' bestreiten diese Be- Häuptling und betonen, daß es sich nur um eine gerechte Vertretung bandele und von einer Beeinträchtigung irgend einer Gewerkschaft keine Rede sein könne. Der eingangs erwähnte zweite Antrag, von den Stein- Hauern und anderen Gewerkschaften gestellte, wird in namentlicher Abstimniung mit 27 gegen 51 Stimmen abgelehnt. Hierauf erklären' die Delegierten der nachfolgenden Gewerk- schaften ihren Austritt aus der Kommission: Zimnierer(lokal), Musikinstrumenten-Arbeiter, Bäcker(lokal), Steinhaucr, Fabrik- und Hilfs- arbeiter, Holz- und Bretterträger, Schinnmacher, Stockarbeiter, Schlächter, Fliesenleger, Zinkgießer. Holzarbeiter K I i n g e r erklärt im Namen der centralisierten Gewerkschaften: Die Delegierten dieser Gewerkschaften würden in keinem Falle von der Kommission zurückgetreten sein, auch dann nicht, wenn die Abstimmung gegen sie ausgefallen wäre.— Ausschußmitglied Link bemerkt: Die soeben Ausgetretenen, soweit deren Gewerkschaften Verpflichtungen übernommen haben, für die der Ausschuß sich verbürgt hat, sollten nun auch dafür sorgen, daß ihre Gewerkschaften diese Verpflichtungen erfüllen. Gegen den Widerspruch von Maaß erhält nun Berichterstatter R e i n k e zu einer persönlichen Bemerkung das Wort: Als Verfasser des— um im Tone des Genossen Maaß zu reden— von diesem in wahrhaft gehässiger Weise kritisierten Berichts der letzten Sitzung. müsse er die Anslassungen des Genossen Maaß auf sich beziehen. Der Bericht gebe, so weit das iin Nahmen eines Zeitungsberichtes möglich ist. ein zutreffendes Bild der Verhandlungen. Thatsächlich hätten sich doch die Debatten über den Abstimniungs- modus zu einem Gegensatz zwischen lokalen und centralen, kleinen und großen Gewerkschaften zugespitzt, und diese Gegensätze seien in der vorigen Sitzung scharf zum Ausdruck gekommen. Wenn dieser Thatbestand, wie es Genosse Maaß zu wünschen scheine, in dem Bericht nicht veranschaulicht worden wäre, dann hätte man dem Redner mit Recht den Vorivurf tendenziöser Berichterstattung machen können. Maaß habe nun auch die Redaktion ver- dächtigt.—(Hier unterbricht der Vorsitzende Sasseubach den Redner mit der Bemerkung: Die Redaktion könne sich selber verteidigen.)*) Reinke fährt fort: Ob der Bericht in dem' einen oder andern Punkte hätte anders sein können, das sei Sache der persönlichen Auffassung, und darüber ließe sich reden. Ganz entschieden müsse er sich aber gegen die Unterstellung verwahren, daß er einen tendenziös-entstellten Bericht verfaßt habe,' um bestehende Differenzen zu verschärfen, oder gar die Berliner Arbeiter gegeneinander zu verhetzen. Maaß er- widert: Er habe Reinke nicht persönlich angegriffen, und dieser habe daher keine Veranlassung zu einer persönlichen Bemerkung gehabt. Redner sei überzeugt, daß die Berichte ivohl durch die Redaktion tendenziös zurechtgestutzt werden. Er könne dafür Beweise bei- bringen. Im übrigen sei es ja in Berlin allgemein bekannt, daß Parteigenossen, deren Meinung mit der vom„Vorwärts" vertretenen Ansicht nicht übereinstimmt, durch die Redaktion in unerhörter Weise niedergeknüppelt werden.")(Große Unruhe. Rufe: Un erhört! Unverschämt I) K n>'i p f e r bezeichnet das Auftreten von Maaß als eine Unverfrorenheit und Unverschämtheit sondergleichen, und bedeutet ihm, da hier nicht der Ort sei, den „Vorwärts" zu kritisieren, so möge er mit seinen„Belveisen" in den nächstens statlfindenden Parteiveriammlungen herausrücken. Die Abstimmung über den Antrag der centralen Gewerkschaften wurde bis zur nächsten Sitzung vertagt. Es fehlten die Vertreter der Bauanschläger. Buchdruckerei- Hilfsarbeiter, selbständige Mützenmacher, Stuccaleure, Xylographen. ") Mit dem Genossen �llkaaß wollen wir weiter nicht rechten; die beste Widerlegung seiner aufgeregten Schimpfereien, für deren Be- rechtigung er nicht einmal versucht einen Beweis zu erbringen, dürfte darin liegen, daß wir ihn hier so ausführlich zu Worte kommen lassen, wie unser ganz uninteressierter Berichterstatter es uns berichtet. Dagegen möchten wir dem Vorsitzenden der Ver- sammlung, Genossen Sassenbach, bemerken, daß es zwar für uns sehr schmeichelhaft ist, wenn er meint, mir könnten uns selbst ver- teidigen, daß es aber einfacher gewesen wäre, wenn er unierm Bericht- crstarter gestattet hätte, den Satz zu vollenden. Die Versammlung hätte dann sofort erfahren, was wir nun hiermit feststellen müssen: daß die Redaktion den Bericht über die letzte Sitzung des Gewerkschafts- kartells, enthalten in Nr. 169 des„Vorwärts", so aufgcuommeii hat, wie er vom Berichterstatter eingegangen ist; es ist kein Wort daran geändert worden. Im Interesse unseres Berichterstatters bemerken wir noch, daß er ein durchaus gewissenhafter Mann ist, der es mit seiner Bericht- erstatterpslicht so ernst nimmt, daß sich Gen. Maaß ein Beispiel an ihm nehmen könnte. Uebrigens ist uns gegen den augegriffenen Bericht keinerlei Berichtigung zugegangen. Red. d.„Vorwärts". In einer öffentliche» Metalldrücker-Versammluiig. die am Donnerstag im Loriiseiislädtischen Konzerthaus tagte, sprach der Ge- nosse N ä t h e r über die gegenwärtige Lage und über den Streik der Drücker in der„Berliner Metall- w ar en-F a b ri k", vorm. Luckhardt. Er führte unter anderem aus: Die Geschäftslage in der Metallwaren-Fabrikation sei eine sehr gute. Von einigen Betrieben abgesehen, hätten alle Fabrikanten vollauf Beschäftigung. und Arbeitslose seien so gut wie nicht vorhanden,' obwohl die Hochsaison erst in einigen Wochen eintrete. Das treffe sowohl auf die Drücker wie auf die Gürtler zu. Umsomehr befremdeten die Differenzen, zu denen es in einer Reihe von Betrieben gekonimeu sei. Die Unter- nehmer versuchten vielfach, auf Kosten der Arbeiter billiger zu produzieren, trotz der erzielten Preissteigerung der Fabrikate. Wenn sich die Metalldrücker zur energiichen Vertretung ihrer Interessen auftafften, dann kömiteri sie mindestens Verschlechterungen verhüten. So habe man, als Arbeiter der Firma Heber wegen der Maifeier gemaßrcgclt wurden, durch energisches Vorgehe» bewirkt, daß weitere Maßregelungen unterblieben. Differenzen bei der Firma Kirchner seien gleichfalls im Interesse der Kollegen erledigt worden. Vor etwa vierzehn Tagen habe die Firma Dette u. Co. versucht, nicht nnr den Drückern, sondern auch den Drehern und anderen Arbeitern erhebliche Abzüge zu machen. Darauf hätten dann die Kollegen mit eigenen Forderungen geantwortet. Ohne eigentlichen Streik, unter Opferung nur iveniger Arbeitsstunden, sei es innerhalb einiger Tage gelungen, die Verkürzung der Arbeitszeit von 9V» auf 9 Stunden, einen Stundenlohn von 50 Pf. für alle qualifizierten Arbeiter und eine Lohnerhöhung von 10 Proz. für die nicht qualifizierten Arbeiter(durchzusetzen. Die Verkürzung der Ar« beitszeit trete am 1. Oktober in Kraft.— Der letzte Streitfall, der vor ivenigen Tagen zum Austrag gekommen sei, betreffe die Berliner Metallwaren- Fabrik' vormals Luckhardt. Hier seien bisher die meisten Arbeiten grosweise angefertigt worden. Selbstverständlich sei auch der Accordpreis einem solchen größeren Auftrage gemäß berechnet worden. Neuerdings habe man nun von den Drückern verlangt, auch kleinere Posten,) z. B. Vi Gros, zu dem Grospreise zu machen. Deshalb sei es zum Streik gekommen, die Kollegen hätten aber schließlich mit Herrn Luckhardt einen Waffen- stillstand geschlossen, und zwar habe man folgendes vereinbart: Gewisse lästige Nebenarbeiten werden den Drückern abgenommen. Diese arbeiten vorläufig zu den alten Preisen weiter. Für den Fall, daß sie bei kleineren Aufträgen nicht zurecht kommen, wird ihnen ein Stunden- lohn von 50 Pfennig garantiert. Die während des auf sechs Wochen bemessenen Provisoriums gesammelten Erfahrungen sollen dann die Grundlage neuer Verhandlungen bilden. Zum Schluß er- mahnte der Redner die Drücker, enger zusammenzustehen und mehr Thatkraft zu zeigen. Vor allem müsse in dieser günstigen Geschäfts- zeit jeder, auch der geringsten Verschlechterung vorgebeugt werden, und es sei auch an der Zeit, mal für Verbesserungen einzutreten. Hetz, Beisitzer in der Ortsverwaltung des Verbandes, regt die Wahl von Wcrkstatt-VertrauenSmännem an. Solche wären zur Zeit nur noch in etwa 20 Betrieben vorhanden. Das müsse ivieder anders werden.— In der folgenden Debatte wurde der Ausbau der Ver- trauensmäuuer- Institution von mehreren Seiten befürwortet. Zur Ueberstundeiifrage äußerten sich einige Redner dahin, daß Ueber- stunden am besten ganz verweigert würden. Ein Beschluß wurde hierzu nicht gefaßt. Dagegen nahm die Versammlung folgende Re- solution an: „In allen Werkstätten, wo jetzt keine Werksiatt-Vertrauensleute sind, haben die Kollegen solche zu Ivählen. Die Adressen sind als- bald dem Kollegen Hetz anzugeben, damit dieser in nächster Zeit eine Vertraueiismänner-Kouferenz abhalten kann, die darüber zu be- raten hat, welche Schritte zu machen sind, rini den Mißständen in der Branche ein Ende zu bereiten." Hetz wohnt Straußberg erstr. 42. Die Vertrauensmänuer-Konfcreuz, die sobald als möglich stattfinden soll, wird sich auch mit der Wahl eines Vertrauensmauues für die Ber- liuer Drücker beschäftigen.-- Hetz forderte zu einer besseren Be- tciligung an den Sammluiigcn für die dänischen Ausgesperrten auf. Jeder Kollege müßte wöchentlich 50 Pf. opfern. Die Kistcmuacher hielten am Donnerstagabend in den Andreas- sälen eine öffentliche Versanimlung ab. Auf der Tagesordiiung stand: Die Aussperrung bei Stolze und der Streik bei Voigt. Wolter berichtet über die Verhandlungen mit der Firma Stolze, die zu keinem Resultat führten. Die Firma Kubitz u. Imberg, welche durch den Streik bei Voigt in Verlegenheit gekommen ist, wollte die Arbeit, welche sie ursprünglich Herrn Voigt übertragen hatte, wegen des dortigen Streiks der Firma Stolze übertragen. Die Kistcnmacher dieser Firma weigerten sich, diese Arbeiten fertigzustellen und wurden wegen dieser Weigerung ausgesperrt. Ein anwesciider Vertreter der Firma Stolze führte aus, daß die Sache jetzt insofern anders liege, als die Firma Kubitz und Imberg sich nunmehr auf ein Vierteljahr verpflichtet habe, ihre Arbeit der Firma Stolze zu übertragen. Es könne doch von der Firma nicht verlangt werden, daß sie einen neuen Knuden zurück- weise. Von allen Seiten wird dagegen betont, daß es sich dabei lediglich um eine Verschleierung des ivirkichcn Thatbestandcs handelt und daß nur auf einem Umwege der Firma Voigt, bei der die Kollegeuiiidcn Streik gezwungen worden, beigesprruigeii werden soll. Es wird berichtet, daß voii Kubitz u, Imberg anderen Kistenfabriken sogar noch größere Zugeständnisse gemacht worden sind. Das ist aber nur ein Beweis dafür, daß es um der Sache der Kistenmacher gut stehe. Im übrigen wird festgestellt, daß eine ganze Reihe von Kisten- fabriken seitens ihrer Arbeiter die Arbeiten der Firma Kubitz u. Imberg abgelehnt haben. Es wird dann beschlossen, daß die Kollegen bei Stolze so lauge die Arbeit nicht aufnehmeu, als diese Firma V o i g tsche Kunden befriedigt. Weiter wird beschlossen, daß am Freitagmittag die Kommissioli noch einmal bei Stolze vor- sprechen soll.— Friese berichtet über den Stand des Streiks bei Voigt. Festgestellt ist, daß von der Firma E i n s p o r n ein Teil der Arbeit gemacht wird. Weiter erscheint es auffällig, daß Plötzlich die Firma W e rk m ei sie r so große Aufträge nach Rummelsburg gegeben hat, daß fast der Verdacht entsteht, daß diese Firma Arbeiten' für Neu m a u n u. H e n n i g ausführen läßt. Streikbrecher wurden bei Voigt neun bis zehn gezählt. Als einer der Redner die Kollegen auffordert, ohne Rücksicht auf die Polizei ihre Pflicht bei der Ueber wachung zu thun und dabei bemerkt, nach der Ten felsin sel könne niemand des- ivegen geschickt werden, erhebt sich der über- wachende Beamte mit den Worten:„Herr Vor- sitzender, wenn das in dem Tone iveiter geht, löse ich die Versammlung a u f I"(Bewegung und Gelächter in der Versammlung.) Interessant sind einzelne der von den Streik- Posten mitgeteilten Abenteuer. So wurde in der Liildenstraße einem Kollegen von einem Schutzmann gesagt:„Gehen Sie auf der anderen Seite spazieren; hier ivird gestreikt." Trotz dieser nicht immer angenehmen Vorkommnisse erklärten die Streikenden, fest und rineuttvegt zur Sache zu halle». Ein Autrag, noch einmal mitHerru Voigt in Unterhandlung zu treleu, um ihm den Rückzug zu erleichtern, wird abgelehnt, da Herr Voigt ivohl weiß, an wen er sich zu wenden hat. Zum Schlüsse ivird dann noch zu recht regem Besuche des am Sounabeild statt- findenden Sliftungsfestcs aufgefordert und mitgeteilt, daß die Streikenden freien Eintritt haben. Die Zimmerer lokaler Richtung hielten am Donnerstag eine öffentliche Versammlniig bei Cohn, Benthstr. 20, ab. Zunächst be- richtete Hoff, daß die übliche Quartalsrevision stattgefunden hat und daß Kasse und Bücher in bester Ordnung befunden wurden. Die Einnahmen des Agirations- und Untcrstützuugsfonds betrugen im verflossenen Quartal inklusive des alten Bestandes von 2394,83 M. insgesamt 9413,63 M. Die Ausgaben beliescn sich aus 4492,11 M., so daß ein Bestand von 4921,52 M. verbleibt. Aus Anlrag der Revisoren wurde dem Kassierer Neppschläger einstimmig die Entlastung erteilt und demselben 20 M. Entschädigung bewilligt. Hierauf erstattete Th. Fischer Bericht über die Verhandlungen der Neimerkommission und über die mit denr� Arbeitgeberbund getroffenen Abmachungen. In Bezug auf die Löhne und die Arbeitszeit sind dieselben Vereinbarungen wie mit den Maurern getroffen. Ebenso sind auch die weiteren Bestim- muugcn, die Baubuden, Abotte nsiv. betreffend, fast mit denen der Maurer gleichlautend und treten ebenfalls sofort bezw. am 1. November in Kraft. Während sich die meisten Redner mit den Abmachungen im allgemeinen eiiiverstanden erklärten und der Meinung'Ausdruck gaben, daß dadurch und mit Hilfe einer kräftigen, zielbewußten Organisation stabilere Verhältnisse im Zinmierergewerbe geschaffen werden, sprachen sich andere Redner, wie bereits in früheren Versammlungen, entschieden dagegen aus. Sie glaubten, daß tvohl die Zimmerer durch die Vereinbarungen, die in verschiedene» Punkten auch uugenügeud wären, gebunden seien, daß sie aber von dem größten Teil der Unternehmer nicht gehalten und für diese nur auf dem Papier stehen'werden.' Ein Antrag, den Abmachungen mit dem Arbeitgebcrbunde nicht zuzustimmen, wurde niit erheblicher Majorität abgelehnt. Hingegen gelangte ein Antrag zur Annahme, nach welchem die Unteriiehmer ersucht werden sollen, den Arbeitern das Fahrgeld zu entschädigen, wenn die Arbeitsstelle außerhalb derWeichbild- grenze liegt. Hierauf erörterte T h. Fischer die Vorkommnisse in der Berliner Gewerkschaftskommission bezüglich des Abstimmungs- modus. Nach einer kurzen Diskussion, in der von verschiedenen Rednern mit dem Hinweis auf das Vorgehen der Vertreter großer Centralorganisationen die sofortige Zurückziehung des Delegierten befürwortet wurde, wurde folgende Resolution belchlolieu. ..Die am 24. August in Cohns Festsälen versammelten Zimmerer Berlins und Umgegend lönnen dem Vorgehen einzeliier Ccntralverbände in der Berliner Gewerkschafis- Kommiuion ihre Zustimmung nicht geben. Der Delegierte wird deshalb beauftragt, falls das bisherige friedliche Verhältnis nicht wieder hergestellt wird, sein Mandat niederzulegen." Nach Erledigung einer Unterstützungsangelegenheit wurde auf die Lohnbewegung der Bau» tischler und Einsetzer hillgewiesen und die Versammellen aufgefordert. für diese Bewegung aus den Bauten zu wirken. Das 6. Sliftungs- fest des Vereins der Zinimercr Berlins und Umgegend findet Sonnabend, den 26. August in der Brauerei Friedrichshain statt. Die Cementiercr und Berufsgcuofsen(Zahlstelle Berlin 1�) hielten am 16, August ihre regelmätzige Mitgliederversammlung ab um die Abrechnung vom letzten Quartal entgegenzunehmen, welche folgendes ergab: Für die Haupttasse: Einnahme 364.32 M., Aus- gäbe 237,42 M.; Einnahme für den Streikfonds 226,86 M,, Aus- gäbe 181,44 M.? Einnahme für die Lokalkasse 116.76 M,. Ausgabe 164.73 M. Die Milgliederzahl beträgt 226. Hierauf hielt das Mit- gtied N e u m a n n einen inleressanten Vortrag. Tacke beantragte die Wahl einer Lohnkommission. Nach längerer Debatte wurde der Vorstand mit diesem Amte betraut, H ä s e stellte den Antrag, den gcmaßregelten Kollegen von der Firma Deckers eine Unterstützung zu gewahren. Der Antrag wurde dadurch erledigt, dafc den betreffenden Arbeitern sogleich andere Arbeit nachgewiesen �wurde, Auf sämtlichen Bauten sind Listen sür die ausgesperrten dänischen Arbeiter zu haben. Tie Droschkenkutscher waren am Mittwoch zahlreich mit Frauen versammelt, Genosse M c tz n e r referierte über.Die Sittlichkeit der heutigen Gesellschaft". Piper erstattete danach namens der Revisoren den Bericht über den Agitations- und Streikfonds. Der Barbestand beträgt nach der Revision vom 21. Juli d. I. 2982,66 M. Maimarken sind 472 Stück a 22 Pf. verkauft worden, Nach einer längeren, zum Teil unerquicklichen Diskussion wurde die Abrechnung nlit allen gegen 3 Stimmen sür richtig erklärt und Ent- lastung erteilt. Für die bereits abgesandten 26 M. an die dänischen Ausgesperrten wurde die nachträgliche Be- willigung und die Ermächtigling, weitere 166 M. abziisenden. mit Begeisterung e i n st i m m i g eneilt. Ferner gelaugte ein Antrag zur Annahme, der die Agitationskommission berechtigt, bei Plötz- lich entstehenden Arbeitseinstellungen von Angehörigen anderer Berufe sofort eine Unterstüyungssunnne bis zu 166 M. zu be- «villigen. Schulz berichtet nunmehr über die-Thäligkeit der GeWerk schaftskommtssion und den von derselben be- schlossenen AbstiinmungsmodilS. Redner kann sich mit den Absichten einzelner Gciverkschastcn, aus der Gewerkschaflskommission auszu- scheiden, nicht einverstairden erklären,«vas auch von andern Rednern betont wird, Mit allen gegen eine Stinnne wurde nachstehende Resolution angenommen: Die am 23. August tagende öst'cntliche Versammlung der Droschkenkutscher Berlins beauftragt ihren Delegierten bei der Gciverkschaftskvmmission, für den vom Delegierten der Schmiede gestellten Antrag zu stimmen,«vonach jede Geiverkjchaft berechtigt sei» soll, für jedes neue Hundert ihrer Mitglieder je einen Delegierten in die Kommission zu entsenden. Die Versammlung erachtet eine fernere Zusammensetzung der Gcwerkschaftskommission in, Sinne dieses Antrages für geboten ini Interesse der Gleichberechtigung. Sie verurteilt mithin das Verhalten einzelner Gclverkschaften, ihre fernere Beteiligung an der Kommission zu verweigern, für nicht mannhaft und, weil gegen die gesamten Arbeiterintercsscn ver- stoßend, klassenbcivußten und organisierten Arbeitern für univürdig. Da von den Fuhrherren bereits Versuche gcmacht werden, die im letzten Winter erreichten Lohnaufbesserungen«vicder rück- gängig zu machen, wurde nach kurzer Begründung durch Schulz nachstehende Resolution e i n st i in ni i g angenommen: „Die öffentliche Versammlung der Droschkenkutscher Berlins erklärt, an dem im Winter 1898/99 errungenen Lohn von 1,26 M. und 25 P r o z e n t d e r E i n n a b in e pro Tag s e st z u h a l t e n und jede Verkürzung dieser Forderung zurückzuweisen, da dieser Lohn bei 16 Mk Einnahme 36 Proz.— uiibj.'di>igf erfprdcrlich ist für eine nur bescheidene Lebenshaltung und Erfüllung der Pflichte» gegen Familie und Gesellschaft! llcbcrall, Ivo bei Fuhrherren Lohnabzüge ge- macht ivcrden, hat sofortige Arbeitseinstellung zu erfolgen. Im übrigen gilt die am 6. Dezember 1898 angenommene Resolution auch fernerhin als Richtschnur für die„Lohn- bcwegnng". Einem Antrage gemäß«vnrde das Ergebnis der Teller- sainmlung den streikenden Formern in Leipzig überivicsen. Mit der Aufforderung des Vorsitzenden: mehr als bisher, anstatt die inhalt- losen und arbeiterfeindlichen bürgerlichen Blätter und Zeitungen, die Arbeiterblätter zu lesen, und sich der O r g a n> s a t i o n der Berliner Droschkenkutscher anzuschließen, wurde die Versammlung gegen 1 Uhr nachts geschlossen. Der Fachvcrcin der Holz- und Bretterträgcr Berlins und Umgegend hielt Sonntag, de» 26. d. Wl., vormittags lö'/e Uhr, eine sehr gut besuchte Mitglieder-Versammlnng bei Elvald ab. Versamm- lungen haben in diesem Jahre stattgefunden zehn sür Mitglieder und acht öffentliche. Mitglieder sind in diese«» Jahre aufgenonimen 146. Das Verciiisvcrmögen ist um 392 M. gestiegen. Bei der Wahl wurden folgende Mitglieder geivählt: P, Karnal als 1. Vorsitzender. A. Schmidt' 1. Schriftführer, Schön- Wal dt 1. Kassierer, Santowsky 2. Vorsitzender, See- f e l d t 2. Kassierer, F a h r e n s o h n 2. Schriftführer. Als Revisoren«vurden geivählt Heckel, Hittel und K e r n ch e n, als Controlcure Hechel und Bielgezogen. Im Gewerkschaft- lichen wurde besonders über die Firma Fischer u. Collberg ver- handelt, weil von niehreren Kollegen der Bciveis erbracht wurde. daß diese Firma geringere Preise zahlt, als den Kollegen laut Tarif bewilligt sei. Die Versannnlung beschloß, daß alle organisierten Kollegen die größte Aufmerksamkeit auf tarifmäßige Bezahlung haben müßten. Tie Vergolder nahmen in ihrer�außerordentlichen Versamm- lung am 21, d. Mts. Kenntnis von der Abrechnung des zweiten Quartals 1899, Sie ergab init dein Bestände von 1731,24 M. eine Gesamteinnahme von 2876.24 M., Ausgabe 237.74 M.. an die tauptkasse 697�43 M,. mithin jetziger Bestand 1632.12 M. Dein assierer wurde Decharge erteilt.— Hierauf leitete Schnorre eine Diskussion über die Anträge der Filiale München. betreffend die Einführung der Arbeitslosen- und Kranken- Unterstützung, und Verlegung des Termins der Generalversanmilimg ein. Höpfner erläuterte des näheren die Arbeitslosen- Unterstützung und empfiehlt warm seine eingebrachte Resolution, welche fast einstimmige Annahme fand.— Die Arbeitslosen- Unterstützung ist somit angenommen.— Die Krankenunterstützung, wenn auch gehörig diskutiert, wird noch- mals aus der Tagesordnung der nächsten Versammlung erscheinen, Die Verlegung des Termins der Generalversamnilung' wird durch eine Urabstimmung festgelegt iverden. Interne Filialangelegenheite» bildeten den Schluß der gut besuchten Versammlung. Eine Vcrsainmlung der Einsetzer, einberufen vom Deutschen Holzarbeiter-Verbande, tagte am Donnerstag bei Cohn. Beuthstraße, um die Stellung des Lokalvereins zur Lohnbewegung zu besprechen. Das Verhalten der lokalorganisierten Einsetzer wurde getadelt und denselben der Vorlvurs gemacht, daß sie sich nicht genügend an der Bewegung beteiligten und an das Streikburcan nicht die notwendigen Mitteilungen gelangen lassen. In der Diskussion wurde von allen Rednern im Jnteressc der Bewegung zur Einigkeit geniahnt und zum einmütigen solidarischen Handeln aufgefordert. Wie sodann berichtet wurde, sind verschiedene Meister gewillt, die aufgestellten Forderungen zu bewilligen, weigern sich aber, den Tarif zu unterschreiben, Fast alle Redner erklärten, daß daran festgehalten iverden muß, die Anerkennung der Forderungen durch Unterschrist zu verlangen und nur dann hiervon Abstand zu nehmen, wenn der betreffende Meister de» Vertretern der Organisation gegenüber ehrenwörtlich den auf- gestellten Tarif anerkenne. Der Fachderei» der Musikinstriimeutett-Arbciter hielt Man- tag, den 21. August bei Graumann. Naunynstr. 27, seine regelmäßige Mitgliederversammlung ab, in der W a g n e r einen Vortrag über „Volksbildung undKlassenbelvußtsein" hielt. Der Referent entivickelte in seinem interessanten Vortrage ein anschauliches Bild von dem Unterricht bezw. der Erziehungsniethode in der heutigen Volksschule. Dem Vortrage folgte eine kurze Diskussion. Es folgte die Abrechnung vom Sommcrfest 1899. Einer Einnahme von 196,62 M, stellt sich eine Ausgabe von 196,96 M, gegenüber, so daß ein Defizit von 6,22 M. vorhanden ist. Die Richtigkeit der Abrechnung wird von den Revisoren bestätigt. Namens der Agitationskommission erstattet K l e i n l e i n Bericht über die Thätigkeit derselben ini letzten Jahre, aus dem hervorgeht, daß die Kommission in 72 Werkstatt-Sitzungen mit den Kollegen der verschiedenen Fabriken in Verbindung getreten ist, mithin also eine sehr eifrige Thätigkeit entfaltet hat. Nachdem der Vorsitzende auf die ain 28. d, M. stattfindende Delegiertenversaiinnlung aufmerksam gemacht, erfolgte Schluß der Versammlung. Versammlung der Freien Vereinigung der Civil- Bernfsmusiker Berlins und Umgegend. Bevor zur Tagesordnung übergegangen«vurde, gedachte der erste Vorsitzende des verstorbenen Kollegen Taubenhei». Die Kollegen ehrten das Andenken durch Erheben von den Plätzen. Anfgenommen wurden die Kollegen Könneke, Quandt, Strangfeldt, Mewes, Marx, Howe. Die vom Kollegen I u s k o gestellten Anträge wurden mit einer Aeiiderniig angenommen. Die Ab- rechnung vom Stiftungsfest konnte nicht angenommen werden, da die Revisoren nicht revidiert hatten. Die Maurer centraler Richtung hielten am Dienstag, den 22. d. M.s_ciite Rlitglieder-Versammlung bei Keller. Koppenstraße, ab. Genosse P a u l Jahn referierte über:«Lebenshaltung und Volkseinkpinisten". Von einer Diskussion wurde über den mit Beifall aufgenommenen Vortrag Abstand gcnomnien. Alsdann bewilligte die Versammlung 1666 M, sür die dänischen Ausgesperrten und 166 M, für die Arbeitcr-Samariter-Kolonne. Die Lohnkommission wurde beauftragt, im Centruin eine Wohnung zum Zwecke der Bureauverlegung zu mieten und der nächsten Versammlung Mit- teilung zu machen. Ausgeschlossen«vurden mehrere Mitglieder. Tapezierer, Filiale Süd. Versammlung vom 23. August. Kollege Schröder referierte über die Bedeutung der Frau in der Gewerk- schaftsbewegung. Redner tadelt das Verhalten vieler Männer den Frauen gegenüber und empfiehlt, anstatt dieselbe als Mensch zlveiter Klasse zu betrachten, sie als vollberechtigt anzuerkennen und Schulter an Schulter mit den Frauen den Klassenkampf zn kämpfen. In der Diskussion wurde bemängelt, daß gerade die Tapezierer sehr viel sündigen in der Agitation unter den Tapeziernäherinnen. Nach Er- lcdigung einiger internen Angelegenheiten und Entgegennahme des Berichts von der Streikbelvegung schloß die von 66' Personen be- suchte Versammlung. Die Schraubendreher und Bernfögenossei«, welche zur Zeit keiner Organisation angehören, versammelten sich am 23. August bei Nowak, Manteuffelstr. 9. Nach einer längeren, teiliveise sehr erregten Debatte zwischen mehreren in der Branche beschäftigten Arbeitern und den Vertretern der Ortsvcttvaliung Berlins'dcS deutschen Metallarbeiter-Verbandes gelangte eine von Heinrich Schulz ge- stellte Resolution zur Annahme, in der sich die Versammelten für die Gründung einer Lokalvereinigunz aussprachen. Im Anschluß hieran wurde ein provisorischer Vorstand geivählt, Adleröhof. Am 13. August fand hier eine öffentliche Ver- sammlung statt, in«velcher Herr Professor Dr. Gehrke über:„Das Christentum in alter und neuer Zeil" sprach, Anlaß zu dieser Ver- sammlung gab die am gleichen Tage stattgehabte Grundsteinlegung zur hiesigen' Kirche, zu«velcher aus Gemein'demittcln 36 666 M. schon vor einige» Jahre» belvilligt waren, trotz des Protestes der über- wiegend socialdemokratische» Bevölkerung, lieber diese Bewilligung war das Erstaunen um so größer, als wegen der schlechten Finanzwirtschaft der vergangenen Jahre die Gemci»desteucrii in diesem Jahre von 166 Proz. auf 146 Proz. erhöbt iverden mußten. Wie die Bevölkerung über den Kirchenbnu denkt, zeigte den»! auch die überfüllte Versammlung. Nach den sarkastischen und treffenden Ausführungen des Genossen Ad, Hoffmann, welcher über:«Kirchenbaulen und der Anstritt aus der Landeskirche" sprach, erfolgten denn auch ca. 76 Austrittserklärungen,«velchen iveitere »och folgen werden. Der eingeladene Geistliche von„Adlershof «var zu dieser Versantmlung nicht erschienen, hat aber für eine künftige Versammlung sein Erscheinen zugesagt. Zum Schluß nahmen die Antvesenden einstimmig eine Resolution an, welche es jedem, der schon innerlich keiner Religonsgemeinschaft angebört, zur Pflicht macht, nicht durch längere Nachlässigkeit zu den Kosten des Kirchen- baues beizutragen(bekanntlich erhebt die hiesige Kircheugemeinde trotz der schon hohen Gemeindesteuern von allen Stenerzahlern ca. 26 pCt.j, sondern aus einer Gemeinschaft auszutreten, welche die darbende Menschheit auf das Jenseits vertröstet. Austritts- erklärungen und Forniulare besorgen L Stemmwedel, Bismarckstr. 22, Cigarrengeschäft; G. Tempel, Kronprinzenstr. 6. Reinickendorf. Montag, den 21. d. M,. abends 8l/z Uhr, fand in Böttchers Seepark eine öffentliche Parteiversanimlimg statt, in «velcher Genosse R a d i ck e den Zweck der neu eingeführten Kreis- konferenz erläuterte. In der Diskussion begründeten R a d i ck e und Gramm die von ihnen eingebrachten Anträge, welche von der Versammlung einstimmig angenommen wurden. Zu Delegierte:: «vurden geivählt die Geuossen Gramm, R a d i ck e und Stolz- mann. In der Charlottenburger Gailibriniisbraucrci hatten sich am Mittivoch Frauen und Mänuer in großer Zahl eingefunden, um einen Vortrag von Fräulein Ida Altmann über:„Er soll Dein Herr sein" zu hören. Die Referentin führte in sachlicher, klarer Weise aus,«vie das Mutterrecht dem Vaterrecht«veichen mußte, und«vie selbst bei den Germanen, Ivo der Frau und dem Manne alles ge- meinsant gehörte, das«veibliche Erbrecht beseitigt wurde, als die Männer Eroberungen machten, die sie für ihre Familie erhalten wollte««. Auch werde der christliche» Kirche zu Unrecht nachgesagt, daß sie die Stellung der Frau gehoben habe. Die Kirche habe sogar die Unterwersiing der Frau' sanktioniert. So seien denn auch die schlechten Folgen der Unterwerfung der Frau nicht ausgeblieben. In bürgerlichen Kreisen sei die Frau vielfach eine schlechte Mutter und schlechte Gattin, da sie nur als Erzeugerin legitimer Kinder dienen solle. In arbeitenden Kreisen aber sei sie die gefährlichste Konkur- rentin des Gatten, aber keine Stütze. Die Referentin forderte die Versanimelten zum Schluß energisch auf, durch die Vereinigung in Gewerkschaften und durch Anschluß der Männer an die Social« demokratie, die diesen Zuständen ein Ende bereiten will, diese Un- gercchtigkeiten abzuschaffen. Der zustimmende Beifall blieb ohne, Widerspruch. Auch in der Diskussion fand die Referentin nur Beifall. Nachdem die Adressen der Zahlstellen der Gelverkschaften bekannt gegeben«varen, gingen die Versammelten mit einem dreifachen Hoch auf die Socialde'mokratie auseinander. In Steglitz tagte am 23. d. Mts. eine öffentliche Partei-Ver- sammlung, in der Genosse Z u b e i l über die Thätigkeit der social- demokratischen Fraktion im Reichstage sprach. Fritsch forderte die Arbeiter auf, sich mehr um lokale Angelegenheiten zu bekümmern. Zur Kreiskonferenz wurden Knösel, Näther und Mohr geivählt. Wilmersdorf. Hier tagte am 23, August eine Versammlung, in der Gciijisse O b st über die augenblickliche politische Lage referierte. Die Diskussion fiel in« Sinne des Referenten aus. Sodann wurden Th. Müsler, W. Piesker und Köhler zu Delegierten für die Kreiskonferenz geivählt. Wcistcnscc. In einer nur mäßig besuchten Volksversammlung «vurden nach einem beifällig aufgenommenen Referat des Genossen Paul Jahn die Delegierten zur Kreiskonferenz des Kreises Nicderbarnim. und zivar die Genossen Taubmann, Siegrist und Max Schröder gewählt. Nachdem beschäftigte sich die Versammlung in eingehender Weise mit den zu den verschiedenen Konferenzen und dem Parteitage eingegangenen Anträgen, welche auf der Kreiskonferenz zur Verhandlung kommen werden. Freireligiöse tiieineinde. Sonntag, den 27, August, vorm, 8«/, Uhr, im oberen Saal des„Englischen Gartens", Alexanderstrabe 27o, Versaninilung: Freireligiöse Vorlesung,— Uni 10»/, Uhr vormittags ebendaselbst: Vortrag des Herrn E, Vogtherr:„Goethe und Schiller,"(Zum 159. Geburtstage Goethes,) Gäste, Damen und Herren, sehr willkonimen. Bildmigsvcreiii„Mehr Licht". Sonntag, den 27, August, Ausflug nach Schlachtenfee, Für Nachzügler Treffpunkt Krumme Lanke, Die erste Sonntagversammlung findet am Sonntag, dm 1. Oktober, w Hoffmanns Sälen, Alexanderstr. 27o, statt. Tischler- Verein. Heute abend 8»/, Uhr, Mclchiorstrabe 15; Versammlung. Eentralverband der Elettroinonteure und Berufsgcnossen Teutschlands. Sonntag Besichtigung der Sternwarte, Treffpuntt 4 Uhr nachmittags im Jägerhet»» am Bahnhof Treptow. Kotten sind dott zu haben. C. Joels V ictoria-'Garten. SO., Köpmcker Landstraße Nr. 4, Dampfer-Wrasahrtell Iii Slttllltilg, den ,27. Anglist 1899: 1. Nach Woltersdorfer Schleuse u. Meniviulttl. Preis für Hin- and Küekfahrt I Mk. Abfahrt von der Stralaner Brücke 2 um 9 Uhr morgens. 2. Nach Tenpitz lTornoiver Kyll). pÄrM* hT* Abfahrt von dcr Stralaner Brücke 3 um 7 Uhr morgens. 2365L_ IL. Kaimt. V.�Joham�Schulze, Fischerbrücke 17. iHoimenbergs Restaurant Treptow, Parkstrasse. Grotzer Saal.— Großer Garte«. Jede» Sonntag: Hall.(1VV9L" Empfehle mein Lokal zu Festlichleiten. Wo? ist der schönste Ort für Hcrrciipartien und Aus- flüge? Auf der Insel Pichelswerder 1K71L" beim alten Freund. Neue massive DamPfer-AiilegefteUe�_ Hohlwein's Keglerschlösschen, KBpenlc,