Anterhaltungsblatt des Horwärts Nr. 141. Donnerstag, den 21. Juli. 1898 (Nachdruck verboten.) 37J Htm die Iseeiherk. Geschichtlicher Roman aus dem deutschen Bauernkriege 1523. Von Robert Schweichs l. Jeder einzelne wurde bei seinem Namen aufgerufen und von dem ersten Bürgermeister bei Pflicht und Gewissen be fragt, ob der Rath auf seinen Beistand zählen dürfe, um die Empörung der Bauern zu ersticken? Schon waren 25 Bürger auf die Seite des Rathes getreten, als Stephan laut seine Stimme erhob:„Wo denket Ihr hin? Seid Ihr Knechte oder Bürger? Wollet Ihr ohn' Bedacht und Ueberlegung in Euer Verderben rennen, an Euren Brüdern zu Mördern werden? Tretet ab, überlegt erst!" Die Bürger wurden stutzig, so ohne war die Mahnung nicht. Herr Stephan fuhr fort zu rufen:„Raus! Raus!" Bald war niemand mehr ini Saale als die fünfundzwanzig und von diesen bat der alte Lienhart Stock:„Ihr Herren, ich bin ein alter, kranker und tauber Mann, ich kann zu solchen Sachen nichts thun, ich bitt' um Urlaub." Damit folgte er den anderen, die Ritter Stephan in den Ring führte, in dem das Blutgcricht gehalten wurde. Es war dieses ein großer hoher Saal mit einer kunst- voll geschnitzten Holzdecke, der durch viele hoch angebrachte quadratische Fenster vom Westen her sein Licht empfing. Eine steinerne Schranke von zierlicher Arbeit schied das Tribunal von dem übrigen Theil des Saales. Von Stein waren auch der Hochsitz des Richters und auf beiden Seiten die Bänke für die Schöffen. Die Wand dahinter schmückte ein kolossaler Reichsadler, und über einer Seitenthür las man auf einer Steintafel in altdeutschen Buchstaben den Spruch: Ains. ManneS. red. ein. halbe. red. Recht. ist. man. sol. sie. verhören. bed. Seht. eins. mans. red. ein. halbe. ist. So. sol. man. merken. ir. beder. list. An derselben Wand befand sich in einem verschließbaren Schrein aus Stein gehauen und reich gefärbt eine Darstellung des jüngsten Gerichts. Auf Menzingen's Vorschlag wurde der Rath von den Versammelten ersucht, ihnen sein Begehren zur reiflichen Erwägung schriftlich zuzustellen. Unterdessen füllte sich der Saal mehr und mehr; die Anhänger Menzingen's in den sechs Wachen sorgten dafür, daß die beiden Räthe in ihrer Stube einsam blieben. Eine unabsehbare Menge staute sich vor dem Rathhause auf der Hcrrengasse und dem Marktplatze, und auf dem letzteren stand der blinde Mönch und mahnte zur Brüder- lichkeit mit den Bauern. Gearbeitet wurde an diesem Tage in keiner Werkstatt, und so befanden sich auch viele Gesellen in der Menge. Am zahlreichsten waren die von der Zunft der Tucher, welche nicht nur die Weber, sondern auch die Woll- kränipler, Spinner, Scheerer und'Färber umfaßte. Sie hatten ihre Degen angehängt und schienen gar guter Dinge zu sein. Ursache dessen war Kaspar Etschlich, dessen Bemerkungen ihre Heiterkeit erregten. Unterdessen sprach Stephan von Menzingen im Saal zu den Meisten! und Bürgern.„Wollet Ihr," fragte er sie,„dem Rathc zu Lieb gegen Euch selbst sein, der uns bisher so ge- drückt hat und Euch bald noch härter, unerträglich drücken wird? Folget mir, ich will Euch den Weg zur Freiheit führen! Ich will es verantworten vor Kaiser und Reich!" Die stolze Haltung seiner großen, zur Fülle neigenden Gestalt, das Rollen seiner dunklen Augen unter den breiten Lidern, seine kühne Sprache rissen die Versammlung fort. Mit einhelliger Zustimmung begrüßte sie seinen Vorschlag, einen Gemeinde- Ausschuß zu wählen, der dem Rathe zur Seite stehen und ihm gegenüber das Volk wahrhaft vertreten sollte.„Nicht mir Beschiverden führen soll er," verfolgte er sich.„Er hat inehr zu thun; denn wann hätte der Rath den Beschwerden der Bürgerschaft ein geneigtes Ohr geliehen? An die Spitze muß er sich stellen, die Gewalt mit dem Rathe theilcn, die Streitig- leiten zwischen ihm und der Bürgerschaft entscheiden, seine Schritte überwachen, die Rechnungen kontrolliren und die Hut der Stadt übernehmen." Noch mancher ergriff nach ihm das Wort, um seinen Vor- schlag zu unterstützen und die Nothwendigkeit-der Aufgaben des Ausschusses in seiner Weise durch Beispiele aus seiner eigenen Erfahrung zu erhärten. Es war für viele eine will- kommene Gelegenheit, das erlittene Unrecht, das sie bisher stumm hatten tragen müssen, offen auszusprechen. Es goß Oel in das Feuer. Ueber die Wahl des Ausschusses, der aus zweiundvierzig Mitgliedern bestehen sollte, der gleichen Zahl, wie der äußere Rath, drang die Nachricht in den Ring, daß ein Bote des Markgrafen Kasimir mit einem Schreiben an den Rath eingeritten sei. „Ha," rief der Ritter von Menzingen mit mächtiger Stimme,„der bringt die Zusage, daß Herr Kasimir kommen und die Stadt einnehmen will. Der Rath hat an ihn um Hilfe geschrieben. Gebet acht, die Reiter sind schon im An- zuge?" „Zu den Thoren! Zu den Thoren I" riefen Jos Schad, der Gerber, und Lorenz Knobloch. „Die Schlüssel dem Ausschuß!" rief von Monzingen den Davoneilenden nach, denen ein Theil der Versammlung folgte. Unter den Zurückbleibenden schlug die augenblickliche Be- stürzung über die Nachricht in heftigen Zorn um.„Verrath!" riefen die einen.„Da sieht man, was die Bürger- schaft sich von dem Rath zu versehen hat," die anderen.„Verräther sind sie alle," knarrte Melchior Mader, der Schuhmacher. Hans Krätzer forderte, daß man sie aus dem Rathhaus jage und Hans Leupold der Beck rief in den wachsenden Tumult:„Schmeißt sie aus den Fenstern!"� Fritz Dalk der Metzger Lberdröhnte ihn mit dem Ruf:„Stecht sie ab l Schlagt sie todt!" Schon machte man Miene, nach dem Sitzungszimmer des Raths zu stürmen, als ans dessen Bitten, der den Tumult vernahm, der Altbürgermeister Ehrenfried Kumps in den Saal sich wagte. Georg Bermeter begleitete ihn. Herr Ehrenfried sprang auf die nächste Schöffenbank und bei dem Anblick des wegen seiner Redlichkeit und protestantischen Gesinnung all- gemein beliebten Mannes beruhigte sich die Aufregung so weit, daß er sprechen konnte. Er berichtete kurz, daß Markgraf Ltasimir wie schon einmal so auch jetzt wieder dem Rathe seine Hilfe gegen die Bauern angeboten, der Rath sie aber ab- gelehnt habe.„Narrengeschwätz, Fabeln," rief ihm von Menzingen entgegen.„Lasset uns den Brief des Markgrafen sehen und die Antwort des Rathes!" Herr Ehrenfried reichte beide Schreiben hin. Sie bestätigten seine Angaben.„Wohl," sprach Stephan von Menzingen,„will der Rath ernstlich in Güte mit den Bauern handeln, so saget ihm, daß wir, der Ausschuß, die Hand dazu bieten." Es wurde ihm laut bei- gestimmt und Ehrenfricd Kumps entfernte sich mit der Be- merkung, daß er es dem Rathe berichten werde. Während die Versammlung nun weiter in der Wahl des Ausschusses fortfuhr, waren von der bei dem Rathhausc der- sammelten Menge, die auf den Ruf Krätzer's und Knobloch's nach den vier Stadtthoren gestoben war, diese geschlossen worden. Kasper war mit seinen Zunftgenossen nach dem Röder Thor geeilt, dort aber mit ihnen links an der Stadt- mauer entlang nach dem Weiberthurm gestürmt, vor dem sie Halt machten. Mit Fäusten und Schwertknäufen hämmerten sie an die Pforte. Das graubärtigc Gesicht des Gefangenwärters erschien an einem vergitterten Fensterlein in mittlerer Höhe und Kaspar rief ihm zu, daß er öffnen sollte.„Was soll's? Was giebt's?" fragte jener herunter.„Sperr' die Thür auf," wiederholte Kaspar seine Ausfordenmg.„Eil Dich, in drei Teufels Namen I" Der Alte maß ihn und seine Gefährten mißtrauisch und ver- schwand. Die Pforte aber blieb geschlossen.„Wartet einen Augenblick," rief Kaspar und lief nach dem nur wenige Schritte entfernten Hause seines Vaters, von wo er mit einer Axt zurückkehrte, und sogleich hieb er auf die eichene Pforte ein, so daß die Späne flogen. Wieder zeigte sich der Grau- bart am Fenster.„Was ist denn los? Was wollt Ihr?" fragte er mit starker Stimme.„Gieb die Käthe heraus, die Käthe Neufser," riefen die jungen Gesellen im Chor, während Kaspar's Axt wuchtig gegen die Pforte zu schmettern fortfuhr, und von den Leuten, die inzwischen vom Röder Thor auf den Lärm herbeigekommen waren, riefen viele:„Heraus mit der Käthe!" Der Kerkernicister blieb stumm. Er drückte sein Gesicht so nah als möglich an das Gitter und schaute hinunter und links und rechts. Es war ihm unfaßbar, daß der- gleichen am hellen lichten Tage geschehen konnte, ohne daß auch nur eine �-eder von einem lötabuuecht sich zeigte. Diese wurden auf Befehl des Herrn Erasmus au der Burg zusammengehalten, um alle Reibungen zwischen ihnen und der Bürgerschaft, woraus leicht ein Blutvergießen entstehen konnte, zu vermeiden. „Will der alte Dachs nit aus dem Bau, so räuchern wir ihn aus," traf eine Stimme des Gefangenwärtcrs Ohr, und es folgte ein Beifallsgeschrei, ein Knirschen und Krachen. Die Gesellen rissen die Stiegen ein, die zu beiden Seiten des Thurmes auf den Wehrgang führten, und der Alte sah. daß sie das Holz vor der Pforte aufhäuften. Kein Zweifel, die Tollköpfe wollten dieselben durch Feuer zerstören, und ihm sank das Herz.„Zum letzten Mal, sperr auf, wenn Dir Dem Leben lieb ist!" So schrie Kaspar hinauf. Das Gesicht des Alten verschwand von dem Gitter und es trat eine lautlose Stille ein. Das Schloß der Pforte kreischte. „Juch! Juch!" schrien die Burschen. Im Nu waren die Treppenschwellen bei seite geschleudert und Kaspar drang als erster in den Thurm, packte den Alten an der Brust und schrie, ihn schüttelnd:„Wo ist sie. die Käthe? Mach fort!" „Hat Euchf alle denn der Satan?" stotterte jener.„Ja, ja, ja, laß' mich schon los!" Und er begann die gewundene Steintreppe hinanzusteigen, viel zu langsam für Kaspar, der ihm mit einigen Kameraden folgte und ihn unbarmherzig vorwärts drängte. Im dritten Stockwerke schob er die schweren Riegel von einer niedrigen schmalen Thür aus starken Bohlen zurück. Kaspar, dem das Licht entgegenfiel, sah in der engen Zelle nur eine schwarze Gestalt. Aber es war Käthe's Stimme, die seinen Namen rief, und ihre Arme umschlangen ihn. Wie ein Schwindel überkam es ihn. Er konnte kein Wort hervorbringen. In seine starken Arme nahm er Käthe und trug sie die Stiegen hinunter. Dabei brach er in ein lautes Lachen aus und seine Genossen, die ihm voraus- eilten und die ihn unten erwarteten, und die Menschen auf der Gasse jubelten und schrien, als er mit Käthe erschien. Mit den Worten:„Jetzt bist frei I" setzte er sie nieder und führte sie an der Hand nach seines Vaters Haus, mitten in dem Schwärm, der sich nun verlief. Käthe war bisher stumm gewesen. In der kleinen Stube neben dem Flur strich sie mit beideü Händen über das Gc- ficht i dann faßte sie tief aufathmend die Hände ihres Vetters und sagte:„Ich dank Dir auch von ganzem Herzen, Kaspar. Machen wir, daß wir aus der Stadt fortkommen!" „Es eilt nicht; verruh' Dich erst, iß und trink was," be- schwichtigte er sie und wollte nach der Küche, um der alten Gundel, der Magd, die das Hauswesen führte, einen Austrag für die Bewirthung zu geben. Käthe hielt ihn zurück.„Der Thurmknecht wird nit den Mund halten, und sie werden mich wieder greifen." sagte sie unruhig.„Sie wissen ja. wo ich bin, und schau. Kaspar, itzt möcht' ich leben. Ich Hab' den Bruder mit den Ohrenbachern daher ziehen sehen in Wehr und Waffen, itzt hebt's an. Du wirst es auch entgelten müssen, was Du an mir gethan hast." „Wie mich das freut, daß Dir das Leben wieder lieb ist. Käthelein", rief Kaspar mit Blicken, in denen sich seine ganze Liebe verrieth.„Freilich wird der Kerl im Thurm das Maul nicht halten; aber die Oberkeit hat keine Ohren, um ihn zu hören. Wenn einer am Ersaufen ist, denkt er blos an sich." Er erzählte dem Mädchen von den Vorgängen in der Stadt, zu dem ihre Verhaftung den Anlaß gegeben, indem die Ohrenbacher nach ihres Bruders mißglücktem Versuch zu ihrer Befreiung sich erhoben hätten.„Es ist halt wunderbar, wenn ich's bedenk', wie Dein schweres Herzeleid an den ganzen Ehrbaren gerächt wird. Wär' ich dazumalen erschlagen worden, nach mir hätte kein Hahn gekräht." So schloß er mit einer eifersüchtigen Regung, die er nicht zu unterdrücken der- mochte. tFortsetzung folgt.) (Nachdruck verboten.) Vom Angeln. Auch das Angeln will gelernt sein. Es genügt nicht, den Haken mit einem Köder zu versehen, die Schnur auszuwerfen und nun der Dinge zu harren, die da kommen sollen, sondern es mutz eine Reihe von Momenten sorgfältig berücksichtigt werden, wenn das Unter- nehmen befriedigend und erfolgreich ausfallen soll. Zunächst mutz schon das Ängelgeräth von geeigneter Beschaffen- eit sein. Für den Liebhaber kommt meist nur die Handangcl in etracht, aber auch für sie sind gewisse Forderungen zu erfüllen. Der Anaelstock soll fest, elastisch und leicht sein. Wird er an der Spitze durch den gefangenen Fisch belastet, so darf er sich nicht nur dort biegen, sondern er mutz sich in seiner ganzen Ausdehnung krümmen. Vortreffliches Material liefert die Hasel, da man aber nur selten Haselstöckc von der nöthigen Länge finden wird, so wird man gewöhnlich zum Nadelholz greifen müssen. Unter den Nadelhölzcrir ist an erster Stelle die Edel- oder Weitztanne zu nennen. Ihr Holz ist am leichtesten von allen Nadelbäumen; es ist fest, biegsam und wirft sich nicht. Mit acht Meter» ist der Angelstock hinreichend lang. Darüber hinauszugehen ist zwecklos. Der Angelstock wird sonst zu schwer, und die Angel läßt sich auch nicht weiter auswerfen. Des leichteren Transportes wegen empfiehlt es sich, den Stock in drei Theilc zu zerlegen und diese durch Metallhülsen fest zu verbinden. Man kann dann den Stock nach Belieben auseinandernehmen und zusammen- setzen. An der Spitze und an den einzelnen Stücken des Stockes werden kleine Metallringe angebracht, durch die die Angelschnur ge- zogen wird, die man auf einer nahe dem Griffendc befestigten Rolle mittels einer Kurbel aufrollt. Man hat die Länge der Angel- schnür auf 30— 40 Meter zu bemessen. Ist sie am Stock befestigt, so soll das freihängende Stück etwa einen Futz kürzer sein, als der Stock. Man hat dann mehr Kraft, den gefangenen Fisch aus dem Wasser zu schnellen, und kann auch bequem den Köder am Haken anbringen. Am besten sind die Schnüre aus roher, gcfirr.itzter Seide. An der Nollschnur befestigt wird das sogenannte„Vorfach", eine dünnere Schnur von etwa Meterlänge. Man verwendet dazu Pferde- haare oder Gut. Vorfächer aus Pferdehaaren bestehen in ihrem oberen Theile aus mehreren Haaren, an ihrem Ende aus einem. Als Gut bezeichnet man einen aus den Spinndrüsen der Seiden- raupe gebildeten Faden. Damit das Vorfach im Wasser weniger sichtbar wird, kann man es grünlich oder bläulich färben. Zum „Floß" oder„Schwimmer", wodurch der beködcrte Haken in der nöthigen Tiefe schwimmend erhalten wird, gebraucht man am besten reinen Naturkork, da bunte Farben dem Fisch leicht auffällig werden. Der Schwimmer mutz je nach der gewünschten Tiefe verstellbar sein. Man beschwert das Vorfach mit einen, Blättchcn gc» schlagenencn Bleis, dessen Gewicht bei einem grötzeren Haken ge- ringer, bei einem kleineren Haken größer sein mutz. Im allgemeinen empfiehlt es sich, einen kleinen Haken zu wählen, da ein Fisch mit einem kleinen Maul diesen leichter verschlucken kann, als einen großen. Benutzt man als Köder einen Wurm, so mutz der Haken langstielig sein. Gebraucht man Kügelchen aus Brot, Käse, Kartoffeln und dergleichen oder Insekten, so mutz er kurzstielig, vcr« wendet man Früchte, wie Kirschen oder Weintrauben, so mutz er dickstielig sein. Der üblichste Köder werden immer Negenwllrmcr bleiben. Diese sind vor dem Gebrauch zu reinigen, weil sie sonst anr Haken abbrechen. Man legt sie zu diesem Zweck einige Stunden lang in ein Gefäß niit frischem Wasser, das mau so oft zu erneuern hat, bis es klar und rein bleibt. Darauf werden die Würmer in eine Büchse gethan, die mit Honig ausgestrichen ist. Honig ist für die meisten Fische eine vortreffliche Witterung. Statt der Rcgenwürmer kann man auch Fleischmaden, Raupen und Mehlwürmer benutzen. Der Käse für künstliche Köder mutz faul und ungesalzen sein. Eben- falls ausgezeichnet sind Kügelchen aus frischem Weißbrot, dem man Honig zugesetzt und das man mit Pulver von alten Ziegelsteinen roth gefärbt hat. Ergiebig wird das Angeln aber nur dann sein, wenn man sich nicht auf den eigentlichen Angelköder beschränkt, sondern auch Grund- ködcr auslegt. Dadurch, daß man die Fische körnt, gewöhnt man sie daran, einen bestimmten Ort, eben denjenigen, wo man angeln will, aufzusuchen, sodatz nun die Aussichten auf das Anbeißen bedeutend besser sind. Es giebt eine große Anzahl von Rezepten für Grund» köder oder Witterungen. Sehr einfach ist folgender Gnmdköder: Etwa l2ö Gramm Honig mischt man mit einigen Loth Lorbeeröl und zerläßt diese Mischung über dem Feuer, bis sie zu einer ein- heitlichen Masse wird. Darauf gießt man sie auf Regenwürmer und läßt das Ganze mehrere Stunden stehen. Oder man ninimt Rinderblut, reibt daran etwas Thymian und Majoran, wirst zerstückelte Regcnwürmer hinein und rührt Mehl an, bis das Gemisch dick wird. Daraus formt man dann Klötze. Der Grundköder ist mindestens einige Stunden vorher an den Stellen, wo man angeln will, in das Wasser zu werfen. Es sind jedoch bei dem Auslegen von Witterungen noch gewisse Regeln zu beobachten. Zunächst soll davon keine zu große Menge ausgeworfen werden. Denn die Fische dürfen nicht gesättigt werden. Vielmehr soll nur ihr Appetit rege gemacht werden. Ferner darf man nicht an einer und derselben Stelle mit der Witterung wechseln, sondern mutz bei ihr verbleiben. Durch die Beibehaltung derselben Witterung giebt man mit der Zeit den Fischen ein Zeichen, daß für sie der Tisch ge- deckt ist. Am geeignetsten als Platz zum Körnen und Angeln ist eine Bucht, deren Wasser nur sanft bewegt wird und deren Ufer von mätzig hohem Strauchwerk bestanden ist, das dem Angler eine be- queme Deckung verleiht. Hier hat er sich so aufzustellen, daß er die Sonne weder gerade vor sich, noch auch ganz hinter sich hat. Unaussälligkcit und Ruhe gehören zu den ersten Anglerpflichtcn. Ein heller Widerschein, wie er von blitzenden Gegenständen und weißen Wäschestücken der Kleidung ausgeht, verscheucht die Fische ebenso sehr, als ein Schatten, der sich unruhig über die Wasser- oberfläche bewegt; darum hat man sich auch still niederzusetzen und nicht, wie es oftmals geschieht, dem Floß der Angel beständig zu folgen. Bei starkem Winde ist sodann diejenige Seite auszusuchen, die in der Windstille liegt. Man kann hier nicht nur die Angel weiter auswerfen, sondern' sie wird auch, wenn man den Wind im Rücken hat und sich durch ein aufsteigendes Ufer geschützt unter dem Winde befindet, nicht fortwährend dem Ufer zugetrieben. Außerdem gehen die Fische an der windstillen Seite ihrer Nahrung nach, wäh- rend sie ans der vom Wind beunruhigten Seite entweder verscheucht werden oder auf dem Grunde, ohne zu suchen, feststehen. Ueberhaupt hat der Wind einen ziemlich bedeutenden Einfluß auf das Ergebniß des Angelus. Am ungünstigsten ist der Nord- wind, dagegen der Südwind glückverheißend. Von den übrigen Wittcrungsmomenten ist namentlich ein Gewitter von Bedeutung. Nach dem Gewitter wird der Fang meist recht ergiebig sein. Im allgemeinen sind die Morgenstunden zwischen 6 und 9 Uhr am vor- thcilhaftcsten. Späterhin zeigen die Fische weniger Lust zum An- beißen. Ihren Höhepunkt erreicht die Freßnnlust am Nachmitrag von 2 bis 5 Uhr. Ist der Tag heiß gewesen, so stellt sich von 6 Uhr ab bis zum Einbruch der Dämmerung wieder ein größeres Verlangen nach Nahrung ein. Für den Anfänger empfiehlt es sich, zuerst immer nur mit einer einzigen Angel zu angelu. Ist man schon bewanderter, so kann nian es mit mehreren versuchen. Doch müssen sie dann soweit von ein- ander ausgelegt werden, daß sich die Schnüre im Wasser nicht vcr- wickeln. Ist das Wasser ruhig, so kann nmn sich dadurch eine Erleichterung schaffen, daß man den Angelstock in die Erde sticht und ihn durch einen gegabelten Zweig stützt. Den Angelstock so aus- zulegen, daß seine Spitze in das Wasser taucht, ist unzweckmäßig, da hierdurch die Fische verscheucht iverdc». Sobald durch die Bewegung des Schwimmers angezeigt wird, daß sich ein Fisch am Köder befindet, ist die Angel vorsichtig in die Hand zu nehmen. Die Schnur darf nicht im geringsten betvegt werden. Denn der Fisch beißt nicht sofort an, sondern stößt erst an den Köder. Nachdem er noch einige Zeit davor gestanden hat, nimmt er den Köder ins Maul und untersucht, ob er für ihn geeignet ist. In diesem Moment bewegt sich der Schwinimer kräftiger. Nun erst verschluckt der Fisch den»Köder und fährt nüt ihin ab. Der Schwimmer taucht unter I Jetzt ist der Augenblick gekommen, anzu- hauen, d. h., durch einen Ruck mit dem Angclstock den Haken in die Mundthcile einzuschlagen. Das Anhauen muß stets so geschehen, daß die Bewegung der Angel der Richtung, in der der Fisch abgeht, entgegengesetzt ist. Denn nur so dringt der Halen ein, während er, wenn er in der Richtung des abgehenden Fisches angehauen wird, aus dein Maule gezogen wird. Man fühlt sogleich beim Anhauen, ob der Fisch fest sitzt und ob er klein oder groß ist. Einen kleinen Fisch kann man sofort auf das Land schleudern. Ein großer Fisch muß„gedrillt" werden. Indem er in die Tiefe taucht, rollt er die Schnur von der Nolle ab. Da- durch, daß man die Rolle etwas au den Stock andrückt, erschwert man das Ablaufen der Schnur und ermüdet den Fisch. Fühlt man ihn matter werden, so rollt nian die Schnur langsam aus. Konnnt er in Sicht und legt sich bereits auf die Seite, so hebt man ihn so weit aus dem Wasser heraus, daß er Luft schnappen muß. Hat man diese Vornahme mehrere Male wiederholt, so ist der Wider- stand gebrochen und selbst ein sehr großer Fisch läßt sich bequem an das Land leiten.— Th. Sichel. Nleinos Iseuillelon. — Tie neue elektrische Niitergrnndbahir iu London besteht ouS zwei getrennten Tunneln, einer für die Hin-, der andere für die Rückfahrt bestimmt, welche einen kreisförmigen Querschnitt von 3,45 Metern Durchmesser befitzen. Die Tiefe des Tunnels unter der Straßcnoberfläche ist sehr bedeutend, indem sie an einzelnen Stellen 31 Nieter erreicht. Durch diese außergetvöhnliche Tiefe gewinnt man den Vorthcil, daß man alle Kanäle, lltohrlcitnngcn u. dcrgl. vcr- meidet, während bei den Untergrundbahnen mit geringerer Tiefe die erforderliche Verlegung einen bedeutenden Theil der Baukosten aus- macht. Um bequem zu der Bahn gelangen zu können, sind mit Rücksicht auf diese bedeutende Tiefe elektrische Aufzüge an- geordnet worden, und zwar im ganzen 49 für die 14 Stationen der Bahn. Außerdem ist jede Station noch mit einem Schacht versehen, der zwei Wendeltreppen enthält zum Gebrauche für Per- fönen, welche nicht den Aufzug benutzen wollen. Für das Längs- profil wurde eine Einrichtung benutzt, wie sie auf der„Elevated" in New« Jork zur Anwendung gelangt Ivar. Das Geleise wurde nämlich in den Stationen ungefähr drei Meter höher gelegt als auf der freien Strecke zwischen den Stationen, so daß da? Geleise mit einer Steigung von 16: 199 auf die Station gelangt und mit einem Gefälle von$3: 199 dieselbe verläßt. Dadurch wird die Gcschwindig- keit des Zuges beim Einlaufen in die Station von selbst verlang- samt, Ivos sonst durch Bremsen geschehen muß, während anderer- seits beim Verlassen der Station der Zug von selbst rasch die nor- male Geschwindigkeit erlangt, ohne übermäßigen Aufwand von Energie. Die Wichtigkeit dieser Anordnung wird leicht ersehen, wenn man in Erwägung zieht, welch' ein enormer Prozentsatz an Energie bei einem Zuge mit häufigen Aufenthalten durch das Anfahren verbraucht wird. Man rechnet, durch die eben beschriebene Anordnung eine Ersparniß an Energie von nicht we- nigcr als 33 pCt. zu erzielen. Da die Züge in jedem Tunnel nur in' einer Richtung verkehren, und der freie Raum zwischen dem Quer- schnitt der Wagen und dem Profil des Tunnels sehr gering ist. so ist eine besonders Veutilirung des Tunnels, wie sie sonst nöthig ist, nicht erforderlich, da die Züge selbst dieselben ventiliren. Der Vcr- kehr wird durch Züge von je 7 Wagen bewerkstelligt, welche zwei Klassen aufweisen werden. Die Züge werden einander in Jnter- vallen von 2!/2 Minuten folgen, ivobei die praktische Geschwindigkeit derselben, also die Aufenthalte mitgerechnet, 23 Kilometer per Stunde betragen wird. Der Aufenthalt aus jeder Station ist auf Sekunden fixirt, so daß man von einem Ende der Bahn bis zum andern unge- fähr 25 Minuten brauchen wird, während man bis jetzt zu derselben Strecke per Wagen l'/s Stuuden benöthigt. Die Züge werden von einer Lokomotive gezogen, der der Strom von einer dritten zwischen den beiden Laufschienen angeordneten Schiene zugeführt wird. Die Rück- leitung findet durch die Geleisschiencn statt. Die am westlichen Ende der Bahn gelegene Zentrale erzeugt einen dreiphasigen Wechselstrom von 5999 Volr, ivclchcr in drei llnterstationcn in einen Gleichstrom von 599 Volt verwandelt wird, der dann der Lokomotive zugeführt ivird. Die Anlage ist für eine Leistung von 9999 Kilvivatt berechnet. Was die Lokomotiven selbst anbelangt, so ist jede derselben init zwei Motoren von 35 Pferdekräften ausgestattet, während ihr Gesammt- gewicht 42 Tonnen beträgt. Die Zentrale enthält 9 Kompound- Maschinen von je 1399 Pferdekräften, deren jede direkt mit einer dreiphasigen Wechselstrommaschine von 859 Kilowatt gekuppelt ist. Die Bahn dürfte Anfang nächsten Jahres in Betrieb gesetzt werden. Die Gesammtkosten der Anlage, das rollende Material eingerechnet, beziffern sich auf etlva 79 999 999 M.— Erziehung und Unterricht. fl. Eine Ausstellung der gewerblichen Unter» r i ch t s a n st a l t e n im Königreich Sachsen ivird in Dresden vom 25. September bis zum 5. Oktober abgehalten werden; 259 UnterrichtSanstalten werden die Ausstellung beschicken. Ausstellen werden die Kunstgewerbe- und Baugewerbe-Schulen, die Fachschulen, die gewerblichen Zeichcnschulen, die Handelsschulen, die Berg- und Schiffcrschulen. Als Ausstellungsgegenstände ivcrden zu- gelassen: Arbeits- und Vortragsheftc und Zeichnungen der Schüler, Ergebnisse der Werkstattarbcit oder der sonstigen praktischen Thätig- keit der Schulen, Druckschriften, welche sich auf die Organisatton, Ziele, Entwickclnng ic. der Schulen beziehen, Bau- und EinrichtungS- Pläne, Ansichten der Schulgebäude und anderer Gegenstände.— Völkerkunde. — Eine sehr bemerkcnswerthe Meldung ist, wie man der „Voss. Ztg." aus Brüssel schreibt, aus dem noch so gehcimnißvollcn II r u a gekommen. Nach Mpala am Tanganyikasee wurden kürzlich einige Thcilc weißlichen Gesteins aus Urua gebracht. Man erkannte sofort den Amiant(Asbcstj. diesen mineralischen Stoff von adrigem Aussehen, seidenartigem Wicdcrscheinc und einem glänzendem Weiß. Missionar Van Acker in Lusaka hat sofort in llrua Nachforschungen angestellt. Dieser Amiant, von den Eingeborenen„Mululiva" ge- nannt, rührt aus den bei Kisnbi in Urua belegenen Steinbrüchen Kabele her. Die Eingeborenen benutzen ihn zur Herstellung von Töpfen und Kochtöpfen, die durch ihre Leichtigkeit, ihre Härte und eine große Widerstandskraft gegen das Feuer bcmcrkenswcrth sind. Sie beuten ihn aus durch wenig liefe unterirdische Gänge, die in dicker Thonerde angelegt sind. Der Amiant wird sodann zerstoßen, gc- knetet und zu allen möglichen Töpfen und Krügen verarbeitet. Das Brennen geschieht unter freiem Himmel unter der Wirkung eines FcncrS aus aufgeschichtetem Holze. Die Eingeborenen geben dieser gebrannten Erde einen schönen blutrothcn Firnis, indem sie sie vor dem Brennen mit einem gewissen zerstoßenen Eisenerze über- streichen. Dieses ganz besondere Eisenoxyd ist für diesen Gebrauch sehr gesucht. Bei den Baluba ersetzt dieses Eiseuoxyd in der Toilette den Ukula oder die rothe Farbe, welche die Eingeborenen des Marungu' aus dem gemahlenen Holze deS kteroeargus gewinnen. Da noch kein Museum Europa's Proben dieser Kunst Urua's besitzt, so ist Van Acker ersucht worden, sich solche zu verschaffen und nach Europa zu senden.— Ans dem Thicrlebe». io. Der Zungen sinn der Schlangen. Jeder, der estt- mal einer Schlange zugeschaut hat, hat beobachtet, welch' ungemein häufigen Gebrauch sie von der langen, dünnen, gespaltenen Zunge macht, die fast dauernd in Bewegung bleibt. Während sonst dem Gesichtssinn der Schlangen eine-ziemlich bedeutende Fähigkeit zu- geschrieben wird, ist P. de Grijs in Hamburg nach Beobachtungen an einer Nattcrart zu dem Schlüsse gekommen, daß der Tastsinn der Zunge eilte weit größere Bedeutung für das Thier besitzt, als irgeitd ein anderer Sinn. Eine Natter, die besonders gern Eidechsen frißt, nimmt auch Fleisch an, wenn dasselbe vorher in Berührung mit einer Eidechse gebracht wurde. Immer bevor sie eine solche Nahrung annimmt, bezüngelt sie dieselbe und scheint sich dadurch ihrer Appetitlichkeit zu versichern. Die Schlangen bedienen sich, wie de Grijs im„Zoologischen Garten" ausführt, ihrer Zunge ähnlich wie die Insekten ihrer Fühler. Dieser„Zungensinn", denn von einen: solchen kann man geradezu sprechen, muß ungemein fein entwickelt sein. Die Schlang eil erkennen durch die Berührung mit der Zunge sofort, ob sie eine Schlange ihrer eigenen oder einer fremden Art vor sich haben. Als_ einmal eine Natter in einen Käfig gebracht wurde, worin sich eine Schlange der Gattung Leptodira aufhielt, ging letztere auf den sich übrigens ganz ruhig verhaltenden Ankömmling zu und bezüngelte einen Körpertheil desselben, um sofort voller Angst davon zu schießen; sie hatte den Eindringling sofort als einen Fremden erkannt, obgleich sie noch mit mehreren anderen Arten den Käfig theilte. Auch das Geschlecht anderer Schlangen derselben Art erkennt eine Schlange durch die Zunge. Ferner spürt sie durch Be- züngeln einer Stelle, wo ein von ihr zum Futter begehrtes Thier gesessen hat. die Anwesenheit desselben sofort, wenn es auch ihren Blicken vollständig entzogen ist, und sie verfolgt dann die Fährte mit der Zunge wie ein Hund mit der Schnauze. Ringelnattern, die Fische fressen, vermögen, wenn sie mit der Zunge über die Oberfläche eines Wasserbeckens hinfahren, zu erkennen, ob Fische in dem Becken darin sind. Der Gesichtssinn ist nach de Grijs über- Haupt nur bei Schlangen mit großen Augen einigermaßen eist- wickelt, aber auch bei diesen soll der Zungensinn dem Gesichtssinn entschieden überlegen sein. Schlangen mit mittelgroßen oder kleinen Augen können ihre Beute aus einiger Entfernung meist nur in der Bewegung erkennen und auch dann schnappen sie häufig daneben oder beißen auf Thiere los, die gar nicht von ihr gefressen werden. Schlangen, die sich von Eidechsen nähren, packen oft aus Versehen einen Frosch und froschfressende Schlangen gehen auf alles los, was in froschähnlichcr Weise vor ihnen vorbei'hüpft. Hungrige Schlangen können auch sehr leicht irre geführt werden, wenn man irgend ein Stück Zeug oder dergleichen an dem Käfig entlang bewegt. Viel bedeutender ist der Gesichts- sinn bei den höheren Kriechthieren, also bei den Eidechsen entwickelt, wo der Zungensinn entsprechend schwächer ist. Eine Mauer-Eidechse, die man einmal mit dem beinahe allen Thieren widerlichen Marien- käfer angeführt hat, erkennt ihn später stets wieder und läuft an ihm vorbei.— Aus der Pflanzenwelt. — Neues überGetreidero st-Krankheit. In Schweden hat man die Nostpilzfrage einer eingehenden Untersuchung unter- zogen, deren Resultate um so interessanter sind, als man jetzt auch m Deutschland daran geht, diese Frage gründlich zu prüfen.- Die Ergebnisse der schwedischen Getreidcrost-Uutersuchuugen stehen mehr- fach mit den bis heute giltig gewesenen Anschauungen in Wider- spruch. Bisher hatte man angenommen, daß auf unseren Gctrcide-Arten nur drei Arten des Rostpilzes vorkommen, eine auf allen Getreide- Arten, eine auf Roggen und Weizen, eine auf Hafer und dann eine Abart der zweiten auf der Gerste. Stun will man 30 Rostpilzformen, die auf 7 Arten zurückgeführt werden, unterscheiden, von denen 10 Formen auf verschiedenen Gctreide-Arten, die andern auf verschiedenen Gräsern vorkommen. Früher glaubte man, daß die ein und dieselbe Rostart tragenden Getreide- Arten einander sämmtlich anstecken können; nun scheint es, daß jede Becherrostform nur die zuständige Getreide- art anzustecken vermag. Die Keimfähigkcii der Wintersporen ist von gewissen äußeren Umständen abhängig und auf kurze Zeit beschränkt. So keimen die Wintersporen des Schwarzrostes im Früh- jähr nur dann, wenn sie während des Winters natürlichen Verhältnissen der Kälte, dem Regen und Schnee ausgesetzt waren, und wenn sie aus dem unmittelbar vorhergegangenen Jahre stammten. Rostiges Stroh also, das nicht im Freien, sondern in Scheunen oder im Innern der Schober überwinterte, oder das älter als ein Jahr ist, ist unschädlich. Die Ansteckung soll, entgegen den bisherigen An- schaumigen, in erster Linie eine innere sein, die auf einen im Innern der Pflanze vorhandenen, von der Mutterpflanze an das Saatkorn vererbten Krankheitsstoff zurückzuführen ist; erst in zweiter Linie kommt die Ansteckung von außen, durch einen Nachbar.— Meteorologisches. k. U e b e r den Regen auf den Ozeanen berichtet die Zeitschrift„Viel et Terre", daß auf den Meeren die jährliche Regen- menge größer ist als auf dem flachen Laude. Besonders hervor- zuHeven ist, daß wiederum auf den Meeren der nördlichen Halbkugel mehr Regen fällt als auf denjenigen der südlichen Hemisphäre. Der Gcsanimtmenge des jährlichen Regen? auf den Meeren der Nord- Hälfte der Erde in eiuer Höhe von 1213 lviillimetern bei 114 Regen- tagen stehen für die südlichen Meere nur 933 Millimeter bei 83 Regentagen gegenüber. Das Maximum der Niederschläge in unseren nördlichen Meeren wird im Januar mit 272 Millimetern Regenmenge erreicht, dann nimmt dieselbe ab, um im Mai auf das Minimum von 7 Millimeter herabzusinken. Diese Zahlen sind das Resultat vieler Beobachtungen, die auf Schiffen mit Regenmessern angestellt worden sind. Bemerkt sei noch zum Vergleich, daß für Deutschland die Jahrcs-Regenmenge im Durchschnitt 710 Millimetern beträgt, welche Zahl in diesem Jahre allerdings wohl überschritten zu werden scheint.— Geologisches. — n. D i e Entstehung dcrKap-Diamanten ist durch eine Untersuchung von Dr. Friedländer, die im englischen„Geologkal Magazine" veröffentlicht wird, in ganz neuer Weise aufgeklätt worden. Die Entstehung dieser Diamantenfelder war bisher noch sehr räthselhaft geblieben und man konnte mir erwarten, daß weitere Erfolge in der Erzeugung künstlicher Diamanten eine wichtige Er- klärnng herbeiführen würden. Der Pariser Chemiker Moissan erhielt künstliche Diamanten von winziger Größe dadurch, daß er geschmolzenes Eisen, welches reich an Kohlenstoff war, unter hohem Drucke erkalten ließ. Verantwortlicher Redakteur: August Jacobey in Bei Später wurde nachgewiesen, daß der Druck für die Entstehung der Diamanten im Eisen gar nicht besonders stark zu sein braucht, und daß sich mikroskopische Diamanten ganz gewöhnlich auch im Guß- eisen finden, das bekanntlich stets feinvettheilten Kohlenstoff enthält. Die Erkenntniß dieser Thatsachen trug zur Erklärung der Entstehung der Kap-Diamanten wenig bei, da sich in deren Muttergestein, der sogenannten„blauen Erde", Eisen in metallischem Zustande nicht findet. Es blieb noch die Annahme übrig, daß die Diamanten zwar zunächst unter der Erdoberfläche in_ geschmolzenem Eisen entstanden und dann später mit vulkanischen Massen weiter nach oben getragen ivurben; auch dies aber ist un- ivahrscheinlich, weil die vulkanische Masse im Zustande des Schmelz- flusses die in ihr befindlichen Diamanten wieder aufgelöst haben würde. Friedländer hat nun durch neue Versuche nachgewiesen, daß Diamanten auf künstlichem Wege auch in ganz anderen Stoffen als in Eisen erzeugt werden können. Er schmolz ein kleines Stück Olivin. eines Minerals, das in vielen Gesteinen einen wichtigen Bestandtheil bildet, und berührte den oberen Theil desselben, noch während er sich in geschmolzenem Zustande be- fand, mit einer kleinen Stange von Graphit, so daß auf diese Weise kleine Mengen von Kohlenstoff, aus dem der Graphit besteht, in den Olivin übergingen. Nachdem die Masse er- kältet war, fand Friedländer in dem Olivin eine große Zahl mikroskopischer Krystalle; die nach allen ihren Eigenschaften nur Diamanten sein konnten, dieselben saßen nur an den Stellen, wo er die Masse mit dein Graphitstäbchen berühtt hatte. Daraus ist zu schließen, daß die südaftikanischen Diamanten sich auf folgende Weise gebildet haben: Eine geschmolzene vulkanische Masse von ähnlicher Zusammensetzung wie der Olivin durchbrach Gesteinschichten, die Kohlenstoff in Gestalt von Graphit enthielten, und aus den in die gluthflnssige Masse gelangenden Kohlcntheilchen entstanden beim Er- kalten die Diamanten. Diese Erklärung wird durch die geologischen Verhältnisse der Diamantfelder des Kaplandes unterstützt."— Humoristisches. — In der Schule. Lehrer:„Ich Hab' Euch erklärt, was man unter Drama versteht; bilde nun einen Satz mit dem Worte Drama!" Schüler:„Dra'ma' Vätern de Sttcbeln rin!"— — Philosophie. Fleckeles:„Was ist das menschliche Leben? Weiter nichts als ein Schatten an der Wand! Wcrffte um de Wand— weg ist der Schatten!"—(„Lust. Bl.") — Die Probe auf das Exempel. Der englische Satiriker Samuel I o h n s o n war von Lord Fitzgerald zu Tische geladen worden. Beide kannten sich noch nicht persönlich. Der Pförtner will nun den Dichter wegen seiner bescheidenen Kleidung nicht vorlassen. Während deS Wortwechsels hierüber kommt der Lord selbst heraus, sieht den Dichter befremdet an und sagt:„Es ist nicht möglich, daß sie Johnson sind. Sie sehen ja aus. als könnten Sie nicht„Mäh" zu einem Schafe sagen." Johnson sah den Lord an, schrie ihm ein lautes„Mäh" ins Gesicht, kehrte den Rücken und ging davon.— Vermischtes vom Tage. — Unter den Ländern E u r o p a' s- steht in der G e s a m m t- g ü t e r- Er z c u g u n g an der Spitze England mit 16 400 Mill. Tons; dann folgen Deutschland mit 11 660 Mill., Frankreich mit 8980, Rußland mit 7 260, O e st e r r e i ch- U n g a r n mit 6 500, Italien mit 2 420, Spanien mit 1 700 und die Schweiz niit 640 Mill. Tonnen.— — Gegen Schreibkrämpfe empfiehlt der„Praktische Wegweiser", abwechselnd Federhalter von verschiedener Dicke zu benutzen.— — Im Walde bei S ch i e r a k o w i tz(Schlesien) wurden zwei Mädchen im Alter von 16 und 23 Jahren ermordet und gräglich verstümmelt aufgefunden. Der That verdächtig sind zwei Zigeuner.— — Eine abnorme Winde wurde bei F r e y b u r g a. d. U. in einem Kartoffelfclde gefunden. Sie mißt etwas über 1 Meter, und der Stiel, der etwa Ifls— 2 Zentimeter breit ist, bildet ein hellgrünes, ziemlich dickes Band, dem zahlreiche Windenzwcige, bis 20 Zenti- meter lang, entwachsen sind.— — Der Maler und Illustrator Prof. Karl G c h r t s ist in der Heilanstalt zu E n d e n i ch gestorben.— — Vier Personen stürzten, ivie ans Innsbruck gemeldet wird, an verschiedenen Stellen in den Alpen ab.— — Während eines Gewitters schlug in C h u r der Blitz in eine Pulvernnihle. Diese explodirte. Verletzt wurde niemand.— — Bei einer Versteigerung hinterlassener Werke von Edward Burne-Jones in London brachte» fünf Pastellbilder über 40 000, sieben Aquarelle über 75 000 M.— — Der letzte Woche verstorbene Hilfsarchivar von Schott- l a n d, Sir William Fräser, hat den größten Theil seines über 20 Millionen Mark bettagenden Vermögens zu wohlthätigen Stiftungen für wissenschaftliche und künstlerische Zwecke hinterlassen.— — Die älteste Zeitung der Welt ist der„Tsing P a o" oder die„Pekinger Nachrichten". Das Blatt wurde 710 v. Chr. gegründet. Bis vor kurzem glaubte man, daß es der gleichfalls in Peking seit 1000 Jahren veröffentlichte„ K i n P a o" wäre.— in. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.