Zlnterhaltungsblatt des Vorwärts Nr. 146. Donnerstag, den 28. Juli. 1898 vcit überschaute. Die Bauern zogen so nahe an der Stadt hin, daß es deutlich tvar, daß sie sich keines Angriffes von dieser versahen. Der Stadthauptmann riß in ohnmächtiger Wuth an seinem Schnurrbart; er empfand es als einen Spott der Bauern, die in Fähnchen geordnet waren und deren Vor- und Nachhut miS wohlgcrüsteten Reitern bestand. Von den Fähnlein war nur ein Theil mit Feuerwaffen versehen, ein anderer mit Armbrüsten, die Mehrzahl tvar mit Spießen, deren langen, biegsamen Spitzen kaum ein Panzer widerstand, mit auf- gerichteten Sensen und igelartigcn Dreschflegeln verschen. Ihnen nach wurden auf einer Reihe von Wagen die Hacken- büchsen und Falkonettlein geführt, welche die Bauern von den Landthürmen genommen hatten. Neben den mit vier, sechs und selbst acht Pferden bespannten Wagen, die tiefe Ge- leise in den Boden schnitten, schleppten sich Weiber mit Pfannen, Kesseln, Töpfen und Lebensmitteln. Jedes Fähn- lein hatte sein besonderes kleines Banner, wie seine eigenen Pfeifer und Trommler. Hoch über allen den glitzernden Speeren und Sensen flatterte das Hauptbanner des Haufens. Es tvar braun, gelb und grün, gleich der Farbe des Acker- selbes,- und darauf eine dreizackige Gabel und ein Dreschflegel in Forni eines Andreaskreuzes über einander gelegt. Das Herzschild zeigte eine Pflugschaar, unter der ein Bundschuh hervorragte. Alle Fahnen waren von dem Beutegeld ange- schafft, das Fritz Mölkncr aus Nortcnburg verwaltete. Er ritt an der Spitze des Zuges mit den obersten Hauptlcutcn, unter denen einer auf einem Eisenschimmel durch seine Größe auffiel. Den Herren auf dem Faulthurm war er fremd; unter den Leuten jedoch, deren Köpfe dicht bei dicht über die Stadimauer lugten, lief es von Munde zu Munde:„Schau, der lange Lienhart!" Albrccht von Adelsheim schätzte die Bewaffneten auf 2000 Mann. Der Eindruck, den sie machten, war um so ttcfer, als Pfeifer und Trommler ihr Spiel nicht rührten, kein Lärmen und Singen in den Reihen sich vernehmen ließ, sondern sie in einem feierlichen Ernst zogen.„Seltsam," wiegte Herr Erasmus den Kopf,„der Wernitzer schrieb von 4000, die zu Reichardtsrode beisammen wären. Mehr noch erstaunt es mich, daß er, der doch so gut unterrichtet scheint, uns von diesem Zuge und seinem Ziel nichts�vermeldet hat." „So steht uns also noch ein zweites Schauspiel bevor; denn die Fehlenden werden ja nicht ausbleiben," bemerkte Konrad Eberhard mit einem Satyrgesicht.„Wie wär's, wenn wir das Geschütz unter sie gehen ließen? Hei, wie sie zappeln würden!" Die Bauern waren mittlerweile auf dem Brühl vor dem Rödcrthor angelangt. Trommeln wirbelten, der Zug schwankte und stand, Spieße und Büchsen glitten von den Schultern zur Erde. Die laute Aufregung der Rothenburger auf den Wehrgängen wich einer erwartungsvollen Stille. Auf dem Brühl traten die obersten Hauptleute zusammen und einige Minuten später näherten sich drei Personen, von denen die eine ein Trommelschläger war, die andere eine Fahne trug, dem Thor. Sie begleiteten einen Mann in schwarzem Pfarr- kleide, über welches ein Panzer geschnallt war. An der Seite trug er ein Schwert und seine Kopfbedeckung bestand auS einem schwarzen Schlapphute mit einer rothen Feder. „Sie schicken uns einen Unterhändler," rief ErasniuS von Muslor.„Eilet zum Röderthor, lieber Adelsheim. Ihr habet jüngere Beine wie wir. Wir folgen so schnell wir können." Er sagte letzteres, indem er schon mit seinen Be- gleitern die Thurmtrcppen hinunterzusteigen begann. Noch unterwegs hörten sie die Trommel rühren, und eine mächttge Lunge über den Fcstungsgraben das Verlangen nach dem ersten Bürgermeister herübcrschreien.„Ein Glück, daß die Mauern unserer Stadt stärker sind als die von Jericho, der Kerl würde sie sonst umschreien." scherzte Herr Erasmus. Einen Stich aber gab es ihm, als er die Stimme des RitterS von Wenzingen die Frage von der Thorbastei zurückrufen hörte, was das Begehren des Parlamentärs an den Bürgermeister sei? Der sonst so schweigsame Stadthauptmann von Adels- heim verwies ihm mit scharfen Worten seine Einmischung in Dinge, die ihn nichts angingen und rief hinunter, daß Se. Gnaden sogleich erscheinen würde. Stephan von Wenzingen schlug zornig an sein Schwert und Adolf von Adelsheim entgegnete kalt:„Ich stehe Euch zu Diensten, wann und wo Jhr's begehrt." Das Erscheinen des Bürgermeisters schied die Streitenden. Der Stadthauptmann verkündete es dem Unterhändler, der ein noch junges Gesicht mit einer auffallend großen Nase, die so knöchern tvie seine lange Gestalt war. zur Bastei empor- wendete. Er rief:„Der christliche Bruderbund der Rothcnburger Bauernschaft sendet mich, von der Stadt zu begehren frei Geleit für seine Gesandten auf den morgenden Tag in der Früh." „Zu was Zweck?" „Um in Güte zu verhandeln und abzuthun in christlicher Liebe der Bauernschaft Beschwerden." „Und gelobt Ihr," fragte Herr Erasmus von Neuem, daß Euere Boten sich friedlich halten, so ihnen die Stadt für morgen gewährt, frei ein- und auszureiten in Wehr und Waffen?" „Ich gelob' eS im Namen des Rothenburger Haufens." Erasmus von Muslor warf einen fragenden Blick auf seinen Amtsgenossen und da dieser nickte, so rief er hinunter:„So sollen den Boten morgen die Stadtthore geöffnet sein um sieben Uhr in der Frühes!" Damit verließen er und seine Begleiter die Röderbastei. Das Heer der Bauern setzte sich wieder in Bewegung, jetzt unter Trommelschall und Pfeifenklang und begleitet von lauten Zurufen der Rothenburger auf den Mauern. Es zog nach dem drei Viertel Stunden entfernten Dorfe Neusitz, welches ihnen eine feste Stellung bot. Denn das Dorf lag an einer Anhöhe, die von dem besonders festen Kirchhof gekrönt wurde. und gewährte den Bauern den doppelten Vortheil, nicht nur Rothenburg im Auge zu haben, sondern auch die Straße nach Ansbach zu beherrschen. Leonhard Metzler war mit den Seinigen schon früher von Gebsattel her in das Dorf gerückt. In Erwartung der noch fehlenden Zweitausend blieben die Zugbrücken von Rothenburg aufgezogen und die Thore geschlossen. Anstatt der Bauern kam ein Bote von Endsee. Der Schultheiß schrieb, daß sich von dem Lager zu Reichardtsrode die Hälfte westlich gewendet hätte; von der Bewegung der anderen auf Rothenburg hätte er zu spät erfahren, um noch rechtzeitig warnen zu können. Von dem Aufbruch dieser zweiten Hälfte hätte er erst infolge eines groben Unfugs, den te in Ohrenbach verübt, Kunde erhalten. Es wäre nämlich ein Haufen in der Frühe dem dortigen Pfarrer vor das Haus ezogen, hätten einen Graben vor der Thür aufgeworfen, die chür selbst zugepfählt, den Eimer über dem Brunnen weg- hauen und den Backofen mit Lehm vermauert. Nach solcher Aechtung und luteräictio aguao et ignis oder Untersagung des Gebrauchs von Wasser und Feuer hätte sich der ehr- würdige Herr, sobald die wüste Rotte hinweggezogen, sammt seinem Hausrath und der Pfarrköchin, der er manch' gute Nachricht über das Fürhaben der Bauern verdanke.. zu ihm auf Schloß Endsee geflüchtet, allwo er sich noch verhielte. Auch dieser Brief war erst auf dem Umwege durch Stephan von Menzingen's Hände an die Bürgermeister gelangt. Die Wache am Galgenthor hatte den Boten erst zu dem Ritter geführt. Dieser wußte sich die westliche Richtung, welche die Bauern von Rcichardtsrode genommen hatten, richtig zu deuten. Wendel Hipler hatte ihn über die Verabredungen in Ballen- berg nicht in Unkenntniß gelassen und der Sonntag Judika, an welchem sich die Bauernheere bei dem Kloster Schönthal treffen sollten, war ganz nahe zur Hand. Er sah sich selbst schon am Ziele. Jetzt, in Nachahmung der neuen spanischen Mode, den Erfolg auf den Zufall eines Schwertstoßcs zu setzen, wäre ein Wahnsinn gewesen, und er drängte die Wuth über die ihm von dem Stadthauptmann zugefügte Be- leidigung zurück. Seiner Machtstellung würden ja die Mittel nicht fehlen, den künftigen Eidam des ersten Bürger- meisters den Schimpf entgelten zu lassen. Wie ein Trinker nur um so durstiger wird, je mehr er trinkt, so steigerte der Erfolg nur seinen Ehrgeiz. Derselbe machte ihn blind für die Herzensangst, mit der seine Gattin seinem gewagten Fluge nachschaute, blind fiir die verblassenden Rosen auf den Wangen seiner Tochter, die mit der Mutter und um ihrer Liebe willen zu Max litt. Dreißig von ihren Hauptleuten, unter ihnen den gestrigen Parlamentär, der niemand anders als der Pfarrer Denner aus Leuzenbronn, und Fritz Mölkner aus Nortenburg, sandten die Bauern als Unterhändler in die Stadt. Eine tausend- köpfige Menge erwartete sie auf dem Straßenzuge vom Spittelthor bis zum Rathhause, in dessen großem Saale der Innere Rath und der Ausschuß, der an stelle des Aeußeren Rathes saß, von dem er etliche Mitglieder aufgenommen, versammelt waren. Mit sehr wenigen Ausnahmen waren es noch junge Männer, die im Anfang der Dreißig standen, kernige und auch wie Eichen knorrige Gestalten, mit klugen und entschlossenen Gesichtern, die Wind und Wetter braun gebeizt hatten. Ihre Haltung war, die des Pfarrers und Mölkner's ausgenommen, kaum eine heldische zu nennen; aber sie war auch keine demüthige, noch von dem Gefühl befangene, vor ihre Herren treten zu sollen, die ihnen seit Generationen den Fuß auf den Nacken gesetzt hatten. Es war die von Männern, die sich ihrer ernsten Aufgabe bewußt waren, und unter denen manchen das Gefühl, ihr vollkonimen gewachsen zu sein, selbst heiter stimmte. Die Menge begrüßte sie mit lauten, er- muthigenden und auch scherzhaften Zurufen, begleitete sie und drängte sich ihnen nach. Seit dem Jahre 1513, wo Kaiser Maximilian bei der Stadt zu Gast gewesen war, hatte Rothen- bürg in seinen Gaffen kaum ein solches Menschengewühl ge- sehen und das Brausen desselben kündigte den vereinigten Rüthen schon von weitem das Nahen der Gesandtschaft an. Da- mals hatte es auf dem Marktplatze ein glänzendes Tournier gegeben, heute sollte ein solches im Rathhause, aber mit scharfen Lanzen gehalten werden, und die Menge wogte erwartungsvoll um dasselbe hin und her. Die Arbeit ruhte. Auch Kaspar Etschlich, der sich bisher vorsichtig bei seiner Arbeit zu Hause gehalten hatte, machte heute einen Feiertag. Er mischte sich aber nicht in das Gewühl auf den Gassen, sondern wanderte nach Neusitz hinaus, nachdem er sich über- zeugt hatte, daß unter den Gesandten, die ihre Pferde im Hirschen auf der unteren Schmiedgasse einstellten, kein Ohren- bacher sich befand. Es trieb ihn die Sehnsucht, von dem langen Lienhart, den er seit dem Begräbniß Lautner's nicht gesehen hatte, zu hören, wie es in Ohrenbach stände. (Fortsetzung folgt.) (Nachdruck verboten.) DievlestkvifrtzeSksdtbstljttinVevlin. n. Nachdem so alle Hindernisse beseitigt sund die Vorbereitungen fiir den Bau der elektrischen Hochbahn getroffen waren, konnte im September des Jahres 1896 mit den Ausführungsarbeiten begonnen iverden. Zunächst mußten die Fundamente fiir die eisernen Konstruktions- thcile des Ucberbaues in der Gitschincrstraße in Angriff genommen werden; durch diese Arbeiten wurde selbstverständlich vielfach die Ber- legung oder Veränderung der im Erdboden eingebetteten Leitungen verschiedener Art nothivendig. Es gelang(nach den von Baltzer ver- öffentlichtcn Angaben der Firma Siemens u.Halskc) noch im Jahre 1896, die Fundamente für den Bahnkörper der Strecke Kottbuscr Thor bis Hallesches Thor— etwa 1300 Kubikmeter Mauerwerk— fertigzustellen und schon im ersten Theil des folgenden Jahres IltXl Kubik- metcr Fundament aufzuführen, so daß im Juni die ersten eisernen Theile des Ueberbaues errichtet werden konnten. Die Ausgangsstation Zoologischer Garten der zukünftigen Hoch- bahn wird von vornherein so eingerichtet werden, daß sie den größten Ansprüchen des Personenverkehrs genügt, indem nämlich drei Bahnsteige, die durch Treppen mit einander verbunden sind, zur Ausführung gelangen. In der Nähe des Aufganges zuni Stadt- bahnhofe Zoologischer Garten wird der Zugang und der Ab- gang zur Hochbahnstation gegenüber der Joachimsthalerstraße angeordnet sein. Soweit die Hochbahn durch den Zoologischen Garten geführt werden ninß, wird sie als Massivbau hergestellt werden. Bei dieser Haltestelle wird der Bau des Bahnkörpers so eingerichtet werden, daß bei einer späteren Weiterführung der elek- krischen Hochbahn über die Stadtbahn hinweg bis nach Charlotten- bürg keine Umbauten nothwendig find. Nachdem die Stadtbahnstrecke an der Kirche auf dem Augusta- Viktoriaplatz vorbeigeführt und durch die Tauenzienstraße mit einem Bogen von 390 Metern Radius die Haltestelle auf der Mitte des Wittenbergplatzes erreicht hat, führt sie in gerader Linie durch die Kleiststraße zu der Starion Nollendorfplatz, die in den Gartenanlagen dieses Platzes angeordnet wird, um dann durch die Bülowstraße an der Potsdamerstraße die Haltestelle gleichen Namens zu erreichen. Die Ueberfiihrung der Hochbahn über die Geleise des Potsdamer Außen- Bahnhofes gc- schieht geradlinig mit einer großen Brücke von drei Ocffnungen. Hier war zuerst eine Brücke von 138 Metern Spannweite geplant; nachdem aber die Errichtung einer Mittelstütze zwischen den Geleisen des Güterbahnhofes möglich und erlaubt worden ist, wird der Ueber- bau der Hochbahn auf drei Stützen in der Weise herzustellen sein, daß die Konstruktion der Mittelstützc ohne jede Einschränkung oder Unterbrechung des Bahnbetriebes derHochbahn und ohne nennenswcrthe Aenderungen des Ueberbaues nach rechts oder links beiderseits bis zu einer Entfernung von 4,59 Metern verschoben werden kann— ein Problem von einer solchen Eigenart, daß die Lösung desselben für die Technik von ziemlicher Bedeutung sein dürfte. Auf dem Gelände des ehemaligen Dresdener Bahnhofes entsteht durch den Anschluß der nördlichen Zweiglinie nach dem Potsdamer Platz an die durchgehende Linie vom Zoologischen Garten nach der Warschauerstraßc ein Gcleisdreieck, indem nämlich der Anschluß einer- seits von Südwesten längs des Viaduktes der Ringbahn und anderer- seits von Osten mit einem Bogen von 199Mcter Radius erfolgt. Tie Vereinigung dieser beiden Anschlüsse kommt westlich vom Treffpunkte der Schöncbergerstraße mit der Luckenwalderstraße zufliegen. Damit die Züge sich in Zeiträumen von 2 Minuten bequem folgen können, sollen die drei Kreuzungen der Linien dieses Geleisdreicckcs durch Uederführungsbauwcrke einander überführt werden, damit viele Bctriebsgefahren und die Schiencnkreuzungen zwischen den Bahn- linien vermieden werden. Der durch das Geleisdreieck eingeschlossene Platz ist für einen Betriebsbahnhof mit einem zweigeschossigen Wagen- schuppen in Aussicht genommen. Außer den genannten Haltestellen(Zoologischer Garten, Witten- berg Platz, Nollcndorsplatz und Potsdamerstraße) sollen längs der Hochbahnstrecke folgende Stationen angelegt werden: Möckenibrücke, Hallesches Thor, Prinzcnstraße, Kottbuser Thor, Görlitzer Bahn am Kreuzungspunkt der Manteuffelstraßc mit der Wienerstraße, Schlesisches Thor, Stralaucr Thor, Warschauer Brücke, mithin unter Berücksichttgung der Endstation Potsdamer Platz 13 Haltestellen, die sich durchschnitt- lich in einer Entfernung von etwa 939 Metern von einander bc- finden. Die Gesammtlänge der elektrischen Hoch- bahn beträgt 19,15 Kilometer; die größte Entfernung zweier Stationen von einander bettägt 1949 Meter(Potsdamer- straßc bis Potsdamer Platz); dagegen befindet sich die geringste Bahnsttecke mit nur 349 Metern zwischen den Stattonen Stralaucr Thor und Warschauer Brücke. Die Haltestellen werde» weder Warteräume noch Abortanlagen haben und führen von der Straße durch einen Vorraum auf Treppen zu den Bahnsteigen. Zwischen den Aufgängen sind Schalter für den Fahrkarten-Verkauf vorgesehen. Wannenartige Ein- bauten an den Zugangstreppen werden als Standort der mit der Entwerthung und Abnahme der Fahrkarten betrauten Betriebs- beamten dienen. Möglicherweise werden für den Verkauf der Fahr- karten auch Automaten vorgesehen. Damit die Fahrgäste die Züge der elektrischen Hochbahn stets auf der r e ch t e n Seite in der Fahrrichtung sowohl be st eigen als auch verlassen müssen, sind die Fußwege als Außen- bahnsteige von drei Metern Breite angeordnet. Die Anordnung der Bahnsteige entspricht aber nicht der unserer Stadtbahn, sondern ähnelt der Ausführung der Perronanlagen auf den Hochbahnen in New-Aork. Die Haltestellen sind durch Hallen, die entweder in der Mitte über den Geleisen offen oder mit Oberlicht versehen sind, gegen Regen und Schnee geschützt; sie sind zunächst nur in Längen von 45 Metern in Aussicht' genommen. Stellt der Verkehr größere Ansprüche, so werden die Haltestellen für Züge von vier Wagen auf 69 Meter Länge über- dacht werden. Die Bahnsteige werden dagegen überall eine Länge von 75 Metern erhalten. Da die Fußböden der Wagen der elek- irischen Hochbahn einen Meter über der Schiencnoberfläche liegen und Trittbretter zum Einsteigen nicht vorgesehen sind, werden die Bahnsteige 85 Zentimeter hoch angelegt, so daß ein Schritt mit 15 Zentimetern Steigung bequem in die Wagen führt. Die Fußsteige der Stationen der Hochbahn werden etwa 6.1S Meter über dem Straßenniveau liegen, dagegen sind einzelne Stadtbahn-Stationen noch um einen Meter höher. Die beiden Gleisemitten liegen in einer Entfenmng von 8 Metern auf dem 6,3 bis 7 Meter breiten Bahnkörper der elektrischen Hochbahn. Zwischen zwei sich begegnenden Zügen bleibt ein Spielraum von 70 Zentimetern, so daß Personen, die sich aus den Fenstern hinauslehnen, nicht verletzt werden können. Die Höhe der Trägeruntcrkante der Viadukte über dem Mittelstreifen der Gürtelstraßcu war durch die Forderung der Feuerwehr, die 2,80 Meter freie Höhe für die Bewegung ihrer Gerärhe verlangre, bestimmt. Die Unterführungen der Straßen mit 4, öS Metern Höhe gestatten die Durchfahrt der Pferdebahnwagen mit Tecksitzen. Die eisernen Viadukte der Straßenunterführungen haben verschiedene Stützweiten, die normal 12 oder 16,50 Meter betragen und hin und wieder auch auf 21 Meter gesteigert sind. Massive Steinpfeiler werden nur selten als Gruppeupfcilcr. meist aber bei den Ueberbrückungen der Wasserläufe und Bahnhöfe zur Verwendung gelangen. Geivölbte Viadukte wird die Bahnstrecke nur an wenigen Stellen erhalten. Das Gewicht der eisernen Ueberbauten der Hochbahn wird auf zirka 16 Millionen Kilo ver- anschlagt.— Der Betrieb soll mit 42 Motorwagen und 21 Anhängewagcn eröffnet werden; erstere werden 1 155 000 Mark und die letzteren 210 000 Mark Kosten. Tie Motorwagen bieten für 35 Personen Sitzplätze; die Beiwagen haben 60 Sitzplätze. In neunzehn Stunden— von früh 5 Uhr bis abends 12 Uhr — werden bei gewöhnlichen Verkehrsverhältnissen auf der elektrischen Stadtbahn 204 Züge in jeder Richtung verkehren, untcr der Voraus- setzung, daß in den beiden ersten und in den beiden letzten Verkehrs- stunden die Zugfolge von fünf auf zehn Minuten beschränkt wird. Die Tagesleistung würde 4243 Zugkilometer betragen und unter Berücksichtigung der Verkehrszunahme an Feiertage» ze. durch Einlegung von Extrazügen auf 1,80 Millionen Zugkilometer im Betriebs- jähre anwachsen. Unter der Voraussetzung, daß vorläufig nur Züge von zwei Motorwagen mit je 35 Sitzplätzen den Verkehr vermitteln, würden, ivcnn nur auf 10 Platztilometer ein Fahrgast die Fahrgelegenheit benutzte, täglich etwa 34 160 oder im Jahre etwa 12 470 000 Per- sonen auf der elektrischen Hochbahn befördert werden; durch An- hängung eines Wagens mit 60 Sitzplätzen kämen über 23 Millionen Reisende im Jahre' zur Beförderung. Durch schnellere Zugfolge kann dann den weitgehendsten Ansprüchen des Verkehrs auf der elektrischen Stadtbahn Rechnimg getragen werden. Für die Lieferung der nöthigen Betriebskraft hat man eine Kraftstation mit Kessel- und Maschinenhaus vorgesehen. Die 7 Dampf- kessel werden eine Heizfläche von 1200 Quadratmetern haben; 4 Dampfmaschinen zu je 600 bis 750 Pfcrdckräften und 4 Jnnenpolmaschincn werden die Maschinenanlagc bilden. Die gesammten Baukosten der elektrischen Stadtbahn Zoologischer Garten— Warschauer Brücke sind auf 13,80 Millionen Mark ver- anschlagt; unter Berücksichtigung der Kosten für die Erwerbung der nöthigen Grundstücke und 1,24 Millionen Mark Zinsen betragen die Gesammtkosten der Bahn 19 Millionen Mark. Für das erste Bctricbsjahr hat die Firma Siemens u. Halske einen Reingewinn von 4 pCt. garantirt; für die nächsten Jahre des Betriebes berechnet man eine Dividende von 5,8 pCt. Die Fahrpreise für die elektrische Hochbahn werden sich nach dem Tarif der Stadtbahn richten; für die Bahnstrecke bis zur 5. Haltestelle wird der Reisende 20 Pf. in den oberen und 10 Pf. in der unteren Wagcnklasse zahlen müssen. Für weitere Ent- fernungen werden 30 und 20 Pfennig Fahrpreis erhoben. Es sei jedoch gleich bemerkt, daß die Ertragsberechnung für die späteren Betricbjahre Einheitspreise von 10 und 20 Pfennigen für die beiden Wagenklassen vorsieht. Während man bei der Großen Berliner Pferdebahn durchschnittlich für 10 Pfennig nur 2470 Meter befördert wird, legt mau für diesen Fahrpreis künftig auf der elektrischen Hochbahn im Durchschnitt etwa 3720 Meter zurück.— P. M. G r e m p e. Vleines Fenillekon — Shanghai. Ein anziehendes Städtebild entwirft Panl Goldmann in der„Franks. Ztg." von der Handelsstadt Shanghai in China. In gewaltiger Breite, einem großen Binnensee gleich, liegt der Strom Whangpo vor Shanghai. Es ist wohl eines der schönsten Städtcbilder'der Welt. Oder richtiger: ein Wasserbild. Denn überall ist Wasser, und dann steht an dem einen Ufer des Wassers die Stadt. Zur Linken zweigt sich von dem See eine breite Wafserstraße ab. die ins Meer führt. Da kommen die großen Dampfer herauf. In voller Fahrt rauschen sie am Stadtgarten vorüber. Wenn man sie herandampfen sieht, glaubt man, sie müßten an den Aesten der Bäume anstreifen. In anderen Städten werden auf dem Stadttcich Schwäne gehalten. Shanghai läßt auf seinem Stadttcich Ozeandampfer hcnimschivimmen... Die Hauptstraße, die an den: Wasser entlang führt, ist der Bund. Er ist noch breiter als der Boulevard von Paris, und dann hat er nur eine Häuserseite. Auf der anderen Seite ist das Waffer, und durch das Grün hindurch öffnet sich der Blick auf die Stromlandschaft. Uebcrall längs des Flusses sind die großen Dampfer verankert. Dicht gedrängt ragen die Masten in die Luft. Die Straße hat den seltenen Reiz, daß ihre eine Seite fortwährend in Bewegung ist und wechselt... Die stolze Handelsstadt Shanghai' hat sich diese Prachtstraße gebaut, um dort ihre Koinptoirs� hinzustellen. Die Komptoirs auf dem Bund fteilich sind zumeist Paläste. Die Baumeister von Shanghai sind sichtlich von der italienischen Renaissance ausgegangen, die ja allen Baumeistern der Welt als Muster dient, wenn sie etwas Glänzendes schaffen wollen. Die Anforderungen des Klimas haben aber eine sklavische Nachahmung der italienischen Vorbilder verhindert. Das Klima ist der beste Freund der Baukunst, und wenn die Architekten sich nur von ihm berathen lassen, wird es ihnen niemals an neuen Ideen fehlen. Hier hat man beim Bauen nicht vergessen dürfen, daß es im Sommer glühend- heiß wird. Aus einer Kombination von Renaissance und chinesischer Sonunerhitze ist ein neuer Shanghai-Styl entstanden. Die Hitze verlangt lustige Räume, auch muß ein Zwischenraum zwischen den Zimmern und der sengenden Gluth draußen fein. So ergeben sich die Veranden, die hier die Ausdehnung von offenen Hallen vor den Fenstern annehmen, von Vorzinnnern für die Sonne, wo diese zu antichambrircn und ihre Straßcnhitzc abzulegen hat, ehe sie ins Innere des HauscS tritt. Um diese äußeren Hallen, die die Hitze verlangt, zu tragen, giebt die Renaissance dann wieder ihre Säulen her. So ge- langen die Säulen zur ungezwungenen Verwendung. Es giebt sonst kein nichtsnutzigeres Ding als eine Säule; sie ist vornehm geworden mit der Zeit, will nicht am Ganzen mitarbeiten, steht als Örnamcnt an der Fa