Mnttthalwngsblatt des Horivärls Nr. 149. Dienstag, den 2. August. 1898 (Nachdruck verboten.) 451 Am die Fveiheik. Geschichtlicher Roman aus dem deutschen Bauernkriege 1523. Von Robert Schweich? l. In geringer Entfernung von dem Burghause des wilden Zcisolf, am Vorbach weiter aufwärts, liegt das Kirchdorf Oberstetten. Hier hatte der Rath von Rothenburg große Ge- treidevorräthe lagern. Die Bauern legten sogleich die Hand darauf und der Beutemeister Fritz Mölkner ließ es den Hohen- lohe'schen Bauern des nahen Amtes Schrotzberg, die kauflustig herbeiströmten, ausmessen. Ueber dem Handel trafen Ab- gesandte des Ausschusses daselbst ein. Es kamen Valentin Jckel- samer, Hans Leupold der Beck, Kilian Etschlich.dazu Hieronymus Offner und Christian Hainz, welch' beide vordem in dem Aeußeren Rothe gesessen hatten. Diese letzteren, den Ge- schlcchtern angehörig, mußten mit stillem Ingrimm zusehen, wie das städtische Getreide verkauft wurde; hindern konnten sie es nicht. Wie Jckelsamcr den Hauptleuten eröffnete, hatten die Abgesandten den Auftrag, die Bauern eidlich zu ver- Pflichten, daß sie gegen die Entscheidung des Ausschusses nicht weiter sich setzten, sondern sie als unabweislich anerkennen wollten. „Daruber läßt sich ja reden," meinte Leonhard Metzlcr. „Nur müssen die Herren sich halt die Müh' nit verdrießen lassen, mit uns zu reisen, derweilen wir weiter ziehen! Wir haben halt Eile." „Freilich," bestätigte der lange Lienhart,„und mag der- weilen der Pfarrer Denner verhandeln. Nur das möcht' ich noch fragen: Wenn wir uns auch itzo mit dem Ausschuß und der Gemein von Rothenburg vergleichen, luget, der Rath wird es uns nit vergessen, und auch die benachbarten Herren nit, deren arme Lcut' zu uns getreten sind, daß wir sie durch unseren Aufruhr gezwungen haben zur Gerechtigkeit gegen uns. So müssen wir der Straf durch einen Rath immer gewärtig sein. Wie wollet Ihr uns davor behüten? Denket daran, Pfarrer Denner!" Damit schwang er sich auf seinen Eisenschimmel und ritt zu dem Haufen der Rosenberger und Laudenbachcr, welche, die Borhut bildend, schon ungeduldig des Zeichens zum Auf- brnche harrten. „Vorwärts, Ihr Brüder," rief er ihnen zu,„vorwärts! Aber horchet, lebendig müssen wir ihn haben, lebendig, den greulichen Mordbrenner! Was sollen wir mit einem todtcn Hund?" „Braten wollen wir ihn bei lebendigem Leib, den Hund!" scholl es ihm wild ans dem Haufen entgegen, der sich in Bewegung setzte, den langen Lienhart an der Spitze. Knobloch gesellte sich zu ihm. Mit einer Kopfbcwegung auf die nachfolgende Schaar deutend, fragte er:„Venneinst D», daß die mit ihren Sensen, Forken, Stachelkloben und rostigen Spießen die Burg erstürmen werden?" „Wamm nit?" fragte der lange Lienhart mit großer Ruhe und setzte mit einem Seitenblick auf ihn hinzu: „Leichter ist's freilich. Humpen zu stürzen und Mädel zu kiissen. Die Hauptfache ist, daß sie den Fuchs in seinem Bau umstellen, bis daß die anderen nachkommen." Links auf der Höhe tauchten aus de» Büschen die grauen Mauern von Haltenbergstetten auf. Die Schaar erhob ein Geschrei, das wild und leidenschaftlich wurde, als jetzt bei einer Wendung des Weges, zu Füßen der Burg das Dorf sichtbar wurde, vor dem eine Brücke auf das linke Ufer des Vordachs führte. Es war ein Anblick, der selbst starke Herzen erschüttern konnte, um wie viel mehr nicht diejenigen der Un- glücklichen, die dort ihre Heimath hatten. Der größte Theil des Dorfes war eine Brand iitine. Von einigen Häusern starrten die verkohlten Dachsparren schwarz gen Himmel, von anderen waren die Dächer ganz verschwunden und entweder in das Innere oder als brand- schwarze Reste auf die Gasse gestürzt. Hier schauten die Ringmauern ans leeren Fensterhöhlcn auf die Ver- Wüstung, dort waren die Wände geborsten, zusammen- gebrochen, oder nur Stücke noch, ein Herd, ein Rauch- sang ragten aus den Schutthaufen. Jammer, Schmerz, Ver- zweiflung der Armen brachen gewaltsam hervor und, als schlügen nur eben die Flammen aus ihren Hütten, Scheuern, Ställen, und es gälte noch zu retten, so stürmten sie, taub gegen alle Zurufe ihrer Hauptleute, nach dem Dorfe. Dort mochte man sie inzwischen gesehen haben, erwartet wurden sie gewiß schon längst; denn nun brach zwischen den Brandtrümmern ein dunkles Gewühl hervor und drängte über die Brücke den Kommenden entgegen: Frauen, Mädchen, Kinder, Greise. Welch' ein Wiedersehen zwischen den Ausgezogenen und ihren zurückgebliebenen Angehörigen. Wie sie einander in den Armen lagen, an den Händen hielten, in verworrener Hast, unter Thränen, Schluchzen, Klagen, zornigen Ausrufen, Flüchen, Racheschreien berichteten und hörten! Die Laudenbachcr, die beisammen geblieben waren, schauten mitleidig auf ihre unglücklichen Kameraden, und der lange Lienhart hielt bei ihnen und drehte ein über das andere Mal an seinem dicken Schnauzbart. Und der Ursächer all' dieses Jammers und Elends saß unterdessen mit seinem Freunde Philipp von Finster- lohr in seinem Burgstall auf der Höhe, und beide spülten mit Wein das Mittagsmahl hinunter, dessen Ueberreste noch auf dem Eichentische zwischen ihnen standen. Die Stube, in der sie saßen, schaute das wildschöne Vorbach- thal abwärts und ersparte ihnen den Anblick des verwüsteten Dorfes. Junker Philipp weilte seit gestern auf der Burg; am Morgen waren sie auf der Schweinsjagd gewesen und ließen es jetzt sich wohl sein. Der Laudenbacher war heraufgekommen, um mit dem Freunde Raths zu pflegen, wie sie bei den tag- lich drohender sich gestaltenden Unruhen sich verhalten sollten. Zwar hatte er gegen seine davongezogenen Hintersassen nicht die gleiche heimtückische Bosheit wie sein Freund sich zu schulden kommen lassen. Aber ein gutes Gewissen hatte auch er nicht; auch er hatte seine Hörigen hart gedrückt, um schlemmen zu können, und nun waren, dem Beispiele der Bürger von Mergentheim folgend, auch die Weikelsheimer in seiner nächsten Nachbarstadt aufgestanden. Er schlug vor, sich nach Würzburg in Sicherheit zu bringen, da sie nnt ihren wenigen Knechten die Burgen gegen einen Anlauf der Bauern schwer- lich halten könnten. Der wilde Zeisolf lachte ihn aus. Für ihn waren die Bauern nur ein feiges Gesindel, das ausein- ander ssieben würde, sowie man ihm den gehörigen Ernst zeigte; sie würden es nicht wagen, ihre Burgen zu berennen. Auch hätten sie kein Geschütz, und wollten die Roßmucken mit ihren Köpfen die Mauern einstoßen, so sollten sie es nur ver- suchen. Der leichtlebige Junker von Finsterlohr ließ sich durch die Zuversicht des Rothbartes gern beruhigen. Der Gegen- stand wurde zwischen ihnen nicht weiter berührt. Es mochte aber durch ihn manches angeregt worden sein, was der wilde Zeisolf, vielleicht unbewußt, bei sich weitergesponnen hatte. Denn wie sie jcht bei dein Wein saßen, rief er plötzlich mit einem Faustschlag auf den Tisch:„'s ist ein hundsföttisch Leben! Und wer anders ist schuld an dieser Hoffärsigkeit der Roßmucken, als Kaiser Max mit seinem ewigen Landfrieden. Wie soll der Bauer Respekt vor dem Edelmann haben, wenn er keine Furcht mehr vor ihm hat? Früher, gab's eine Fehde, fuhren wir dem Bauern ins Dorf mit dem Feuerbrand, trieben sein Vieh weg und schleppten ihn selbst fort, daß er auf unseren Feldern rackerte, oder warfen ihn in den Thurm, bis er sich löste. Mehr als einmal hat mein Vater selig Rothen- bürg Fehde angesagt und ist in der Stadt Dörfer gefallen. Ja, damals zitterte der Bauer noch vor uns. Und unser eigenes Fleisch wird schwach bei dem ewigen Frieden! Selbst der Götz nnt der eisernen Hand, der sonst alle Arme voll Händel hatte, ist ins Mauseloch gekrochen, seitdem er vor drei Jahren aus deni Heidelberger Gefängniß mit 2000 rheinischen Gulden sich lösen mußte. Es war von wegen seinem Beistand, den er dem Herzog Ulrich gegen den Bund gethan hatte. Und der Thomas von Absberg, der Wolf von Giech, mein Vetter Kunz, der Hans von Enrbs haben auch zum letzten Mal in den Stauden gelegen, nachdem ihnen der Schwäbische Bund vor zwei Jahren den Waldstein gebrochen und niedergebrannt hat." Junker Philipp brach in ein lautes Gelächter aus. Das Stirnrunzeln Zeisolf's, dem der Wein das Blut ebenso schwer/ wie jenen munter machte, zügelte sein Lachen nicht, und er rief:„Du fängst Grillen, Freund, das kommt davon, daß Du hier einsam wie ein Schuhu hockst. Zum Henker, warum ninimst Du Dir nicht ein Weib? Ich wüßte eine, die zu Dir passen thäte." „Laß' mich aus," murrte der andere und trank. „Nein, denn Du fängst an abzustehen. Hab's Dir erzählt, daß ich zum Fasching in Würzburg war. Die Blume-war die Adelgunde von Thüngen, sah sie im Haus ihrer Mutter und schloß mit ihrem Bruder Adam Freundschaft. Du weißt wohl, daß er ein Vetter des Bischofs ist, des Herzogs in Franken, wie er sich nennt," setzte er lachend hinzu.„Ist ein sauber Frauenbild, die Adelgunde, und der Bischof hat einen Narren an ihr gefressen. Der Junge, der Wilhelm von Grum bach, scharwenzelte um sie herum. Er will hoch hinaus, aber er mag sich den Mund wischen. Der Adam giebt sie keinem Lehensmann feines Vetters und am wenigsten einem jüngern Bruder, wie es der Grumbach ist. Ich will meine eigene Zunge fressen, wenn Du sie nicht kriegst, so Du nur willst." „Aber, zum Henker, ich will sie nicht," schrie Zeisolf. „Weil Dir. die Gabriele noch immer im Kopf herum- spukt, was?" Junker von Rosenberg faßte seinen Becher bei der Mündung und stieß ihn mit solcher Gewalt auf den Tisch, daß der Wein zwischen seinen gespreizten Fingern hoch aufspritzte. Es glomm drohend in seinen blassen Augen. Der Finsterlohr zuckte die Achseln und jener fragte:„Hältst Du mich denn für verrückt?" „Nu, damals warst Du's und wolltest nicht auf mich hören,- obgleich ich Dir voraussagte, daß die Geschichte miß- glücken müßte," erwiderte Junker Philipp gleichmüthig.„Ich kann ja von Glück sagen, daß nicht ich selbst, sondern blos mein Mantel dem rabiaten Gesellen in die Hände fiel. Ver- dämmt hübsch ist sie ja, das muß ihr der Neid lassen." Der wilde Zeisolf antwortete nicht. In Sinnen verloren strich er sich wiederholt die beiden Zacken seines rothen Bartes. Auch sein Freund schwieg. Wie er den Becher zum Munde führte, zögerte er und sah nach dem Fenster. Es war ihm, als ob sich draußen ein starker Wind erhoben hätte. Eben begann der Rosenberg wieder; so trank er und wandte ihm seine Aufmerksamkeit zu. „Wer kennt sich aus in den Weibern? Du weißt, wie sie sich damals sträubte und schrie. Auch soll mich der Rath beim Kammergericht verklagt haben— an mich ist von dort noch nichts gelangt— und jetzt, wenn ich wollte--" „Nu?" fragte Junker Phüipp gespannt und beugte, auf beide Ellenbogen sich stützend, den Oberkörper gegen ihn vor. „Es ist halt zu toll," rief der wilde Zeisolf.„Meine Muhme schreibt mir aus dem Kloster, daß die Gabriele sie be- sucht habe. Sie sei zwar sehr böse auf mich, aber doch nicht ganz abgeneigt, mir zu vergeben, wenn ich selbst sie darum bäte. Aber nicht schriftlich, sondern mündlich müßte ich es thun. Ich sollte sie wissen lassen, nämlich die Muhme, wann ich zu ihr kommen wollte, sie wurde dann bewerkstelligen, daß ich die schöne Gabriele träfe. Es sei aber von meiner Seite die größte Vorsicht nothwendig; denn da inzwischen das Garten- pförtlein vermauert sei, müßte ich meinen Weg durch die Stadt nehmen." „Donnerwetter!" rief der Junker von Finsterlohr.„Und Du willst das Abenteuer bestehen?" „Gelt, jetzt wär' ich nicht verrückt, wenn ich's thäte?" ver- höhnte ihn der andere.„Ich weiß noch nicht, was ich thun soll. Aber wie, wenn es eine Falle wäre, die mir die schöne Teufeliu aus Rache stellte?" „Im Kloster könnte man nicht an Dich l" „Aber auf der Gasse." „Nun, sei es, wie es sei, fein eingefädelt ist's, bei meinem Dauch," rief Philipp von Finsterlohr und fuhr, beide Becher füllend, fort:„Die schönen Weiber sind gemeinhin die klügsten nicht; aber vor dieser Krämerprinzessin ihrem Kopf Hab' ich alle Achtung. Stoß an, Zeisolf l Die schöne Gabriele soll leben, hoch I" Sie stießen lachend an. Noch aber hatten sie die Becher nicht geleert, als einer von den Burgknechten mit verstörtem Gesicht in die Stube gestürzt kam und rief:„Gnädiger Herr, die Bauern kommen!" „Was für Bauern, Du Tölpel?" schnob ihn der Burgherr an und setzte den Becher hin, während Philipp von Finsterlohr von der Bank aufsprang. „Ich Hab' von den unseligen etliche erkannt und auch andere siud's, alle mit allerlei Gewaffen," berichtete der Knecht. »Wie Ameisen kribbelt's den Berg herauf." (Fortsetzung folgt.) Dev Ourlk in dev Müffc. Von Ch. L. H e n n i n g*) Es ist eine bekannte Thatsache, daß Völker, welche unter sehr primitiven Lebensverhältnissen und unter einem heißen und trockenen Himmelsstrich leben, im Ertragen von Hunger und Durst Unglanb- liches zu leisten im stände sind. Ich erinnere nur an die Busch- männer, die Bakalahari und an die Tubustämme der Sahara, von denen Nachtigal eine so treffliche Schilderung gegeben hat. Von der eigentlichen physiologischen Wirkung. des Durstes und von den ver- schiedenen Stärkegraden erzählt uns Nachtigal jedoch nichts. Um so werthvoller dürste die Schilderung erscheinen, welche kürzlich Professor Mc Gce über den Durst in der Wüste gegeben, und die bis in die kleinsten Einzelheiten uns die Schrecknisse jener furcht- baren Qualen vom ersten Verlangen nach Wasser bis zum Tode des Leidenden schildert. Mc Gee unternahm im Jahre tSSt eine wissenschaftliche Ex- pedition in das Gebiet der bis dahin kaum gekannten Papagos- und Seri-Jndianer von Arizona und Sonora in Mexiko, und mutzte dabei Gebiete passiren. die an Oede und Wassermangel mit der großen Sahara wetteifern. Er führt zunächst aus, wie im Innern Papagerias(dem Wüstenrand von Arizona und Sonora) der Boden so heitz ist, daß dünn beschuhte Füße verbrannt werden; außerdem ist er so hart wie gebrannrer Thon. Monatelang ist die Temperatur 45 Grad Celsius und darüber im Schatten und so trocken, daß ein Gefäß voll Wasser in einer Stunde verdampft und kein Tropfen Schweiß auf Pferd oder Wanderer zu sehen ist. Die einzigen Pflanzen, die einer derartigen Hitze und Trockenheit Stand halten können, find wasserführende Monstrositäten, wie Kakteen und Agaven, und die Indianer selbst haben hier das Aussehen halbgedörrtcr Mumien.„Hier haust der Durst und in der Sonne bleichende Skelette und starrende Schädel legen Zeugniß von ihm ab." Aber selbst in der Wüste giebt es verschiedene Stufen von Durst; sie steigen und fallen in dem Maße, wie es die Hitze und Trockenheit der Lust mit sich bringt. Im ganzen unterscheidet Mc Gee fünf Stufen des Durstes, deren erste nur die Vorstufe der vier anderen Stadien genannt werden kann. In der Vor- stufe wird der Mund trocken und heitz; eine Spannung in der Kehle erzeugt eine unsteiwillige, schluckende Bewegung und beugt das Kinn; die Stimme ist geivöhnlich heiser. das Genick schmerzt zeitweise und ein Gefühl des llnbc- Hagens oder selbst der Aufregung zu lebhafterer Thätigteit führend, stellt sich ein. Dieses Gefühl wird ausgeglichen durch das Tragen eines Kieselsteines oddr Zweiges im Munde, um den Speichelfluß zu reizen; es wird gemildert durch eine Spur von Wasseraustiahme oder irgend welcher Flüssigkeit. Die Gefühle sind noch thcilweise subjektiv; ist das Wasser schmutzig oder übelriechend, so genügt ein halbes Glas, und wenn ein Haar oder ein Insekt darin herum schwimmt, genügt noch weniger, obwohl die siebcrische Aufregung sehr schnell zunimmt. Dies ist der.beklagenswerthc Zu- stand" und kann vielfach bei Leuten, die in trockenen Gegenden wohnen, beobachtet werden. Im zweiten Stadium der Trockenheit oder dem ersten des Durstes steigt das Fieber; der spärliche Speichel und Nasenschleim schäumen träge an Lippe und Zimge, kleben an den Zähnen, erschweren das Sprechen und machen die Zunge am Gaumen kleben. Man hat das Gefühl, als hätte man einen Klumpen in der Kehle, der mit dichten Schnüren aufgehängt ist, vom Kehlknorpel gegen die Ohren hinlaufend, und die Hand sucht instinktiv diese Bande zu löse». kommt aber nur dahin, den Kragen zu öffnen und mehr Haut der Verdunstung auszusetzen. Der Kopf pocht rasch und mit jedem Schlage arbeitet das Genick, wobei die Schmerzen scheinbar das Rückgrat hinablaufen. Manchmal klingen die Ohren, dabei plötzlich den Ton ändenid, ähnlich demjenigen, weim ein Untcrgrundzug in einen Tunnel einfährt. Die Einbildung ist launenhaft: grünenden Blätterfchmuck und reizende Feen in der Entfernung zaubernd, ob- gleich sie halb blind in der Führte ist. Das Gefühl der Unbehag- tichkeit wächst zu starker Erregbarkeit, verbunden mit einer Art Mischung von Lethargie und krankhafter Thätigteit. Wenn allein, ist der Durstende verdrießlich, stille, oft zu plötzlichem Selbst- gespräch geneigt; wenn mit anderen zusammen, tritt eine erhöhte Sprechneigung ein, die aber nur ein Wort zum Gegenstande hat: „Wasser"! In diesem Zustande ist das Gesicht zmammengefallen und gedrückt, dir Augen blnttmterlaufen und thränenvoll, die Be- wegungen hastig und die Sprache launisch wechselnd. Der Leidende gleicht einem wandernden Fieberpatienten ohne Pflege. Dieser Zustand wird erleichtert durch den Genuß von 3— 4 Litern Wasser, auf ein- oder zweimal getrunken, obgleich die Haut sich bei äußerlicher Anwendung von doppelt so viel dagegen sträubt. In diesem Stadium sucht der Wanderer ängstlich nach der„bisnag»«— einer wild wachsenden Kaktusart, die giftftcies Wasser enthält—. schneidet die spinnengcwebeartige Rinde durch und zieht den erfrischenden, limonadeähnlichcn Saft ein. Mc Gee bemerkt, daß die mexikanischen Nomaden es gelernt haben, den an Durst Leidenden davor zu be« wahren, daß"er zuviel auf einmal trinkt, da sonst unmittelbar der Tod einttitt.— Dies ist der Zustand der„beginnenden Ver- schmachtung". *) Aus der von Dr. R. A n d r e e herausgegebenen Wochenschrist „Globus"(Braunschweig, Verlag von F. Vicweg.u. Sohn). Der dritte Grad ist eine Verstärkung des zweiten. Der Mund- schanm verwandelt sich in einen zähen, koEvdiumgleichcn Ueberzug, welcher die Lippen zusammenpreßt; das Zahnfleisch löst sich von den Zähnen, und das freiwerdende Blut stockt zu unregelmäßigen Klümpchen; die Zunge ist mit Schleim bebeckt, und die Spräche kommt heiser und schwierig, gleich einem unterdrückten Bellen, aus dem Munde. Der Kopf erscheint wie in Eisen eingespannt; wenn der Leidende seinen Hut abnimmt, tritt keine Erleichterung ein. Das Genick und das halbe Rückgrat gleichen einer stark gepreßten, geschwollenen Beule, durch die eine Lanzette gestoßen ist; mit jedem Herzschlag fühlt man einen klopfenden Schmerz durch den ganzen Körper, mit hallncina- torisclien Erscheimmgen im Gefolge; ein Sausen und Knacken ist im Ohr fiihlbar. Die Augen thränen, aber nur, um sofort zu ver- trocknen, und der Augapfel tritt zurück. Gefühllosigkeit bemächtigt sich des Gesichtes, der Hände und schließlich des ganzen Körpers, und in dem Maße, ivie diese zunimmt, steigert sich die Betäubung des ganzen Organismus. Um diesen gual- vollen Zustand zu enden, ist auch hier Wasser das einzige Rettung«, Nittel, und man verschluckt es unbeschadet der Unreinlich- keit; aber die größte Vorsicht ist geboten, da eine Ueber- sättigung sehr leicht den Tod im Gefolge haben kann. McGee nennt diesen Zustand den der.zusammengeschrumpften Zunge". Nach dieser Schilderung dürfte Nachtigal die ersten Stadien dieses letzt- genannten Zustandes durchgemacht haben. Mit dem vierten Stadium des Anstrocknens der Gewebe beginnt eine neue Phase des Durstes; die kollodiumgleiche Bedeckung der Lippen bricht auf und fällt ab, es entstehen Risse in der Hanl und dem darunterliegenden Fleisch, so daß verdicktes Blut und Serum ausgeschwitzt wird. Dieser Ausfluß verdunstet ebenso rasch, als er sich bUdet, und der Rückstand vertrocknet an der Ober- fläche der Haut. Jeder Hautriß ist eine sich entzündende Wunde, und das Aufbrechen der Haut nimmt zu, bis auch die Lippen da- von ergriffen sind und geschwollene Massen von rohem und eiterndem Fleisch vorstellen. Gaumen und Zunge werden ebenfalls angesteckt und im Delirium, wenn die ausgeschwitzte Flüssigkeit in Mund und Kehle tropft, erscheint die Oase in der Wüste als Phantasiegebilde, als Fata Morgana. Die zusammengeschrumpfte Zunge schwillt schnell, sich gegen die Zähne pressend und die Kinnbacken auseinandertreibend. Die Finger greifen mechanisch über die ge- schwollene Zunge und Lippen, ohne irgend welches Gefühl hervor- zubringen, bis auch sie selbst anfangen zu schwellen und aufzu- springen. Im Gaumen hat man das Gefühl einer schweren Masse, und traumhafte Erscheinungen stellen sich ein. In diesem Zustande ist keine Hilfe nwglim, außer wenn Wasser äußerst vorsichtig eingeflößt wird. Dies ist der Zustand des Blutschweißes. Wie nun das zweite Stadium des Durstes verstärkt in das dritte übergeht, so das vierte in das fünfte und letzte. Die äußeren- Symptome sind Ivenig verändert, nur nimmt die völlige Aus- trocknnng des ganzen Körpers zu. Durstige Insekten versuchen sich überall auf den Geschwüren niederzulassen, die Schmeißfliege ver- sucht ihre Eier in Augen, Ohren und Nasenlöcher zu legen und der hungrige Geier freut sich, hoch oben in der Luft kreisend, auf ein leckeres Mahl. Der bis zum Aeußersten erschöpfte Wanderer reißt sich das Haar vom Kopfe und greift in seiner Verzlveiflung in Dornen und Kaktus, deren Stacheln ihm das Fleisch durchbohren, in der Hoffnung, ein kühlendes Naß zu bekommen, bis endlich der Tod sein letztes thut. In diesem Zustande giebt es keine Rettung mehr.— LUcines Isouilleton — Tic Zeichensprache..Harpers Monthly Magazine', die bekannte englische Zeitschrift, erzählt von einem Amerikaner, der zwei Monate in Wie n zubringt und sich mit der Zeichensprache durchhelfcn will, folgendes Geschichtchcn: Er kann fließend Englisch, Französisch kann er ein wenig und Italienisch in seiner Weise. Deutsch kann er aber gar nicht. Im Wien bekam seine Füllfeder einen ihrer chronischen Anfälle von Verstopfung. Er blies bei einem Ende hinein und sog dann am anderen Ende. Dann schraubte er sie auseinander und versuchte, durch den spitzen Theil zu schauen. Nach- dem er beide Theile wieder zusammengeschraubt hatte, klopfte er damit sanft und beharrlich auf das Löschpapier seiner Schreibmappe. Endlich ging er einige Schritte weit mit ihr und öffnete das Fenster, denn er wollte sie hinauswerfen. Er ließ sich dabei hinreißen, einige kräftige Worte in lautem Tone zu sprechen. Und siehe da, als er es am wenigsten erwartete, begann die Feder plötzlich reichlich zu fließen, aber nicht auf sein Schreibpapier, sondern auf ein paar neue lichte Sommerbeinkleider, die er gerade zum ersten Male an- gezogen hatte. Daraufhin erleichterte er sich mit noch einigen kräftigen Worten. Er zog die Beinkleider aus, gab sich Mühe, ihnen das Aus- sehen einer Manuskriptrolle zu geben und trug sie eigenhändig in eine chemische Reinigungsanstalt, die er im Vorübergehen bemerkt hatte. Um zu erklären, daß die Flecken von Tinte und nicht etwa von Wagenschmiere herrührten, lenkte er die Aufmerksamkeit des Flecken- piltz'ers auf ein Tintcnfläschchen, das auf dem Einschreibepulte stand. Er deutete zuerst auf die Tintenflasche, dann auf die Flecken im Beinkleide, nickte mit dem Kopfe und wiederholte einige Male: .sie". Der Fleckenputzer war sofort Herr der Situation und antwortete»�ab l Yah!' Dann sagte der Amerikaner zur Bc- kräftigung auch:„Yah! Yah!" Sie lächelten beide befriedigt, denn sie wußten, daß sie sich gegenseitig vollkommen verständigt hatten, und daß es ihnen geglückt war, der„Verwirrung der Sprachen" durch Einsilbigkeit auszuweichen. Als dann der Ameri- kaner eine Woche später die neuen hellen Sommerbeinkleider aus der chemischen Steinigungsanstalt zurückbekam, Ivaren sie— schön schwarz gefärbt."— — Das Ende der schwedischen Urwälder. Die skandinavische Halbinsel gehört bekanntlich zu den waldreichsten Ländern des europäischen Kontinents. Industrielle Spekulation und rücksichtslos gehandhabtcr Raubbetrieb haben in diesen reichen natürlichen Schätzen jedoch während der letzten Jahrzehnte dermaßen auf- geräumt, daß man sich in den forstlichen Kreisen des Nordens mit allem Ernste der Frage zugewandt hat, wie lange diese im großen betriebene Waldschlächterei sortgesetzt werden kann, bis man über- Haupt an der Grenze der Abtriebssähigkeit angelangt sein wird. Da das ungemein langsame Wachsthnm der neu angepflanzten Walddistrikte als ein Ersatz des alljährlichen Ausfalles nicht in Frage kommen kann, so gestaltet sich das statistische Fazit überaus trübe. Schon in den vierziger Jahren dieses Jahrhunderts wurde von fachmännischer Seite konstatirt, daß das jährliche Betriebsdefizit über zwei Millionen Klafter Holz betrage. Dieses Defizit hat sich in den letzten beiden Jahrzehnten jedoch noch verdoppelt, da dem jährlichen Verbranch von 15 OOO 000 Klaftern Holz nur ein Zuwachs von etwa 11 Millionen Klaftern gegenübersteht. Einzelne Provinzen sind bereits jetzt von allem abtriebsfähigen Waldbestande entblößt, und in anderen steht ein gleiches Ncsllltat für die nächste Zukunft zu erwarten. Alles in allem ist man inxbethciligten Kreisen zu der Auffassung gekommen, daß an der Hand der bisherigen Wirthschaftsform nach' 80 bis SO Jahren überhaupt kein größeres Waldterritorium in Schweden zu finden sein wird. Das meiste Holz geht bei der kostspieligen Herstellung des feinen schwedischen Stahles darauf, dessen weltberühmte Güte lediglich darauf beruht, daß die Hochöfen ausschließlich mit Holz- kohle beschickt werden. Auch die großen Sägewerke Norrlands ver- schlingen ungeheure Mengen der immer, seltener werdenden Urwalds- riefen, ganz zu geschweigen von dem großen Uebersee-Export, der sich von Deutschland und England bis zu den waldarmen Distrikten Südafrikas erstreckt.— Völkerkunde. — Die Art, wie die Kalmücken im Gouvernement�Stawro» pol ihre Nahrung zubereiten, schildert der„Neue Peters- burger Herold" in folgender Weise: Brot backen die Kalmücken nicht. Ihre Hauptnahrung besteht ans gefallenem Vieh, ganz gleich ob Pferde, Kühe, Schafe oder Schweine. Es darf nur nicht geschlachtet sein. Es ist widerlich, so etwas mit anzusehen. Ein Stück Vieh, das schon einige Tage todt ist, verzehren sie mit dem größten Appetit. Verbreitet sich die Nachricht, daß irgendwo in der Nähe ein Pferd, eine Kuh n. s. w. gefallen ist; dann kommt Leben in die sonst so träge Gesellschaft, Männer und Weiber machen sich über den Kadaver her, wie die Geier über ein Aas. Man sieht es ihnen an, welche Lust ihnen der in Aussicht stehende Schmaus gewährt. Alles wird mitgenommen und nichts zurückgelassen. Doch meiden sie im Sommer das Pferdefleisch; es sei zu heiß, sagen sie; im Winter da- gegen ist es ihre liebste Nahrung. Das Fleisch wird etwas abgekocht und dann mit großem Appetit verzehrt.— Meteorologisches.� — We st indische Orkane. Alljährlich im Hochsommer treten in den westindischen Gewässern furchtbare Wirbelstürme auf. Die Orkanzeit beginnt im August und dauert bis zum Oktober. Aus den Veröffentlichungen des hydrographischen Bureaus in Washington ist ersichtlich, daß die tropischen Wirbelstürme im Atlan- tischen Ozean während des zwölfjährigen Zeitraums 1885 bis 1896 im Juni 6mal, im Juli 4mal, im August 16mal, im September 24mal und im Oktober 2Smal auftraten. In dieser Zeit sind also die Schiffe, die die westindischen Gewässer und die Meere in der Nähe der Küsten Nordamerikas befahren, keinen Augenblick sicher, daß sie nicht von einem Orkan überfallen werden, weshalb die Schiffsführer sorgsam auf alle verdächtigen Anzeichen, die den Wirbelstürmen vorauszugehen pflegen, achten müssen. Die West- indischen Orkane sind im allgemeinen von derselben Art wie andere Wirbelstürme, nur daß sich das Zentrum beim Beginn ihrer Wanderung stets bis zu einem gewissen Grade in westlicher Richtung bewegt, ganz in Uebereinstimmnng mit der westlich gehenden Bewegung der Atmosphäre auf den niedrigen Breitengraden, wo diese Stürme entstehen. Ihre Ausgangspunkte liegen an der nördlichen Grenze des stillen Gürtels am Aeqnator, ungefähr zwischen dem zehnten Grad und zivanzigsten Grad nördlicher Breite, und so- mit ösflich von den kleinen Antillen. In diesen Gegenden herrscht kein Gleichgewicht in den atmosphärischen Verhältnissen, es streben vielmehr häufig Ströme wanner- Luft aufwärts, während die kältere und demnach dichtere Luft mit Gewalt von allen Seiten heran« strömt und die entstehende Leere ausfüllt, ivobei sich der Wirbel bildet. Dieser Wirbel ist anfangs wenig umfangreich, wahrscheinlich unter 100 Seemeilen im Durchmesser, doch schwillt er schnell an, so daß der Durchmesser, je nach dem der Orkan höhere Breitengrade erreicht, 500 oder sogar 1000 Seemeilen groß sein kann. Einer der fürchterlichsten Orkane, der jemals in Westindien stattgefunden, ging am 29. Oktober 1867 über St. Thomas hinweg. AmMorgenhatte das Wetter noch kein beummhigendes Aussehen, bis um 11 Uhr das Barometer sank und der Sturm zu rasen begann, was bis>/s2 Uhr daiinie, worauf eine halbe Stunde Windstille eintrat/ Dann begann der Sturm von neuem, und zwar von der gerade entgegengesetzten Richtung. Bei dem erste» Sturme hat das Zentrum nicht die Insel erreicht, und es waren nur kleinere Fahrzeuge zu gründe gegangen, doch jetzt bot der Hafen von St. Thomas in wenigen Minuten ein Bild ärgster Verwüstung. Die größten Schiffe wurden von ihren Ankerplätzen gerissen, trieben an Land und zcr- schellte». Die Bucht ivar bald von Wrackstücken übersät, und im Hafen hallte es von Hilferufen wieder. Im Laufe einer Stunde waren bei St. Thomas oder in der Nähe der Insel KV— 70 Schiffe vernichtet worden, außer den Schiffen, die kleinere Schäden erlitten. Die Stadt sah fürchterlich aus, von den Häusern waren die Dächer gerissen, viele Gebäude lagen gänzlich zcrtnimmcrt. Der Leucht- ihurm war eine Ruine. Die Zahl der umgekonimenen Menschen betrug 500.— Aus dem Thierleben. — lieber eine Spinne, die in der.Falle" einer sogenannten insektenfressenden Pflanze lebt, werden von Porock in der„Nattire" interessante Beobachtungen veröffentlicht. Die Pflanze, um die es sich handelt, gehört zu den in zahlreichen Arten über das indische und australische Gebiet verbreiteten und auch in Madagaskar ver- trctenen K a n n e n p f l a n z e n(Nepentb.es). Die Jnsektenfalle besteht hier in einem kannenfönnigcn Gebilde, das am Ende einer langen Ranke von der Spitze des Blattes herabhängt. An der Oeffinmg befindet sich ein Deckel, der so gestellt ist, daß er das Ein- fallen des RegcnS in die Kanne verhindert, aber die Insekten nicht abhält, in die Kanne einzudringen. Uni die Aufmerksamkeit der Insekten zu erregen, sind die Kannen häufig in ihren oberen Theilen auffällig gefärbt i durch Drüsen, die rings um den Rand der Oeffinmg und auch an der Unterseite des Deckels verstreut sind, wird Honig ausgeschieden, der von den In- fetten begierig ausgesucht wird. Unterhalb des niit Honigdrüsen ver- sehenen Randes ist die innere Wand der Kanne so glatt, daß die Insekten, die leicht dorthin gerathen, unfehlbar auf den Boden der Falle hinabstürzen und in die dort befindliche Flüssigkeit fallen, die von gewissen Drüsen im unteren Theile der Kanne ausgeschieden wird und die Fähigkeit hat, thierische Stoffe zu verdauen. Man findet diese Flüssigkeit in der Regel mit den unverdauliche» Ueberrcsten von Insekten und mit solchen Körpern, die in Zer- setznng begriffen sind, angefüllt. In den Kannen einer solchen Nepenthes, die in N o r d b o r n e o vorkommt, hält sich nun eine Spinne, Alisumoua nepentliicola. auf, die zur Familie der Thomisidac gehört. Die Kannen sind bei der erwähnten Nepenthes- ort ein Stiickchcn unter dem Stande eingeschnürt. Gerade unterhalb der Einschnürung macht die Spinne ein leichtes Gewebe, das der Wand der Kanne anhaftet. Dieses Gewebe hat aber nicht die Be- deutung eines zum Fangen der Insekten bestinnnten Netzes,, wie denn die Spinnen ans der Familie der Thomisiden überhaupt nicht zu den Fangnetze machenden Arten, sondern zu den Wander- oder Jagdspinnen gehören. Das Spiimengewebe erstreckt sich vielmehr in diesem Falle nur als ein dünner Teppich über einen kleinen Theil der oben erwähnten glatten Zone der Jnnenlvand der Kanne und ermöglicht es der Spinne, sich mit Sicherheit auf diesem für die Insekten so gefährlichen Boden zu beivegen. Hier lebt sie und Pflanzt sich fort, indem sie zweifellos die in de» Kannen hineinkriechenden oder schon auf den Boden hinabgcfallencn Insekten erhascht und zu ihrer eigenen Nahrung verwendet. Wcim mau. um sie zu fangen, die 5la»ne gewaltsam öffnet, so versucht die Spinne, obwohl sie sehr flink ist, niemals durch die Mündung des Gefäßes zu entkommen, sondern läuft an dessen innerer Oberfläche hinab, um sich in die Flüssigkeit zu stürzen und, bei weiterer Verfolgung, ans deren Grund zurückzuziehen und sich unter den dort aufgehäuften Uebcrresten von Ameisen, Schmetterlingen, Käsern sc. zu vergraben. Daß die Spinne der Einwirkung der Flüssigkeit kurze Zeit widerstehen und ihren Sitz im oberen Theil der 5ka»»e ivieder erlangen kann, lvird erklärlich, lvemi man bedenkt, daß es möglich ist, viele Spinnen und auch zahlreiche Insekten in Wasser und andere Flüssigkeiten zu tauche» und sie voll- kommen trocken wieder herauszuziehen, und ferner, daß fast alle Spinnen, ivenn sie sich von ihren Netzen herabfallen lassen oder der Beute nachspringen, sich die Rückkehr nach dein verlassenen Ort durch Ausscheidung eines Spinnfadens sichern.— l.Voss. Ztg.") Physikalisches. t. Flüssiges Ozon. Das Ozon ist bekanntlich nichts als reiner Sauerstoff, nur gewissermaßen in einein mehr verdichteten Zustande als der gewöhnliche Sauerstoff. Ozon komnit als Gas in der Nattir vor und kann wie alle anderen bekannten Gase und ebenso wie der gewöhnliche Sauerstoff auch mit den heutigen technischen Hilfsmitteln verflüssigt werden. Die Verflüssigung des Ozon gelang verhältnißmäßig früh, wesentlich früher als z. B. die Werflüssigung der Lust. Schon in« Jahre 1882 erhielten die beiden französischen Chemiker Hautefeuillc und Chapuis zum ersten Male Ozon als Flüssigkeit von dunkler indigoblauer Farbe. Bisher aber ließ die Bestimmung der Temperatur, bei der das Gas sich in eine Klüssigkeit verwandelt, an Genauigkeit noch viel zu wünschen übrig. und so hat der bekannte Pariser Chemiker Troost neue Unter- suchungen mit flüssigem Ozon gemacht, deren Ergebnisse er neulich der Akademie der Wissenschaften in Paris mitgetheilt. Troost er- Verantwortlicher Redakteur: August Jacobey in Be dachte dazu ein ganz besonders gutes Verfahren zur Bestimmung der Temperatur, welches die Möglichkeit gab, die Temperatur inner- halb der Röhre, in der die Verflüssigung des Ozon vorgenommen lvurde, bis auf einen halben Grad genau zu messen. Die Ver- flüssigung des Ozon wurde in der Weise vorgenommen, daß das Gas allmälig von der Temperatur einer Mischung von fester Kohlen- säure und einem Chlorsalze(79 Grad) durch de» Einfluß von flüssigem Sauerstoff(181 Grad) langsam immer lveiter abgekühlt lvurde. Das Ozon bildete dann schließlich Tropfen von öligem Aussehen, die sich allmälig au dem Ende der Röhre zu einer Schicht von flüssigem Ozon sammelten. Durch die genauen Hilfsmittel ge- lang es, die Temperatur im Augenblicke der Verflüssigung mehrmals übereinstimmend auf 119 Grad zu ermitteln.— Technisches. — Gitterwerk, das in Form rhombischer Maschen aus Blech hergestellt wird und als Einlage zu Platten, Wänden, Fuß- böden ans Zement oder Gips, oder auch als Zaun zu Einfricdi- gungen Verivendung findet, wird jetzt, wie der„Prometheus" mit- rhcilt, durch Verbesserungen an den Maschinen bedeutend einfacher hergestellt als bisher. Während es früher nöthig war, das Auf- biegen der Maschen aus der Blechtafel durch Einstanzen von Schnitten in dieselbe vorzubereiten und dann in besonderen Maschinen die Maschenfonn herzustellen, ist neuerdings in Liverpool eine Maschine gebaut worden, welche die Maschen ans der Blcchtafcl ohne Vor- arbeit ausschneidet und dabei formfcrtig stanzt. Die Maschcnbreite kann verschieden groß gemacht werden. Die Maschine kann Blech- platten bis zu 6 Millimeter Dicke verarbeiten. Die Druckfestigkeit von Zemcntplatten ist nach den angestellten Versuchen durch das Einlegen eines Blcchgitters von 76 Millimeter Maschengröße und 5 bis 6 Millimeter Breite der Bänder, daS ans einer 4 Millimeter dicken Blechtafcl hergestellt war, um das Fünfcinhalbfache gesteigert worden.— Humoristisches. — Ein echter Bergfex.„Was fehlt denn dem Müller eigentlich?"—„Der hat sich drei Rippen gebrochen— er ist sin Gebirge abgestürzt!"—„So, so, ich glaubte schon, es Ivär' ihm ein M a l h e u r passirt!"— — Von der„Schmiere". Direktor(nach der Vor- stclluug):„Das geehrte Publikum tvird gebeten, noch ein Weilchen sitzen zu bleiben! Die Königin Maria Stuart wird sich erlaube», um ein kleines Douceur sammein zu gehen!"— Vermischtes vom Tage. — Aus dem M u s e u in s ch l e s i s ch e r A l t e r t h ü in e r zu Breslau sind in der Nackt vom Freitag znm Sonnabend viele ko st bare Münzen und S ch m u ck g e g c n st ä n d e g c st o h l e n worden.— — Ein Miillcrgcsclle der Weißthalmühle bei Sagau gerieth in das Mühlwerk und lvurde von den Zahnrädern zcrnialmt.— — Im K r u p p' s ch c n Gußstahlwerk in Essen waren im Jahre 1897 21 082 Arbeiter und Beamte beschäftigt, gegen 18 723 im Jahre 1896.— — Sechzigtausend Mäuse wurden in der Gemarkung Oberflörshcim im Bezirk Hessen-Kassel während der Heuernte eingcsangen. Für das Stück lvurde ein Pfennig aus der Gemeinde- lasse bezahlt.— — Seine Frau todtgepriigclt hat ein Landlvirth in Z s e d ü n y nach einem heftigen Streit.— — In W e r s ch e tz(Illlgarn) lvurde bei einem heftigen Orkan die Wand einer Kaserne umgeriffen. Das Dach stürzte ein. Drei Mann wurden getödtet, zwei tödtlich verletzt und mehrere schwer verwundet.— — Auf einer Domäne bei A i g u e s- M o r t e s(Frankreich) brach in der Nacht Feuer aus. Zivei Personen kamen in den Flammen um. Mehrere andere sind schwer verletzt.— — In eine brennende Kantschuksabrik zu P u t e a n x in der Nähe von Paris wollten drei Männer eindringen. Sic berührten den zerrissenen Draht einer elektrischen Leitung. Bon einem Strom von 24 000 Volt Stärke getroffen, stürzten sie todt zu Boden.— — Der Vesuv ist wieder stark in Thätigkeit. Die am 3. Juli 1895 entstandenen Seitenöffnungen stoßen seit einigen Tagen dicke Lavaströme ans, die in der Richtung nach B e t r e n a fließen. Basalt-Explosionen und Aschenregen folgen kurz auf einniider.— — T o m s k wird bald eine v o l l st ä n d i g e Universität, die einzige im asiatischen Rußland, haben. Im Herbst lvird dort die juristische Fakultät, die bisher noch fehlte, eröffnet.— — Einer Meldmig des„Berliner Tageblatt" zufolge ist da? chinesische Kriegsschiff, F u t s ch i" bei Port Arthur im Sturm untergegangen. 146 Personen er- tranken.— — Eine Volkszählung soll in nächster Zeit in China ausgeführt lverden. Die bisherigen offiziellen Angaben über die Bevölkerungszahl schwanken zwischen 325 und— 215 Millionen I— lin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin.