AnteHattml Nr. 151. gsolMl m Donnerstag, den 4. August. 1898 (Nachdruck verboten.) 47J Htm die Lseeikzeik. Geschichtlicher Roman aus dem deutschen Bauernkriege 1525. Von Robert Schweichs l. Siebentes Kapitel. Die Glocken des Cisterzienserklosters Schönthal sandten ihr melodisch- feierliches Morgengeläute weithin durch das lieblich grüne Jaxtthal. Das altgothische Kloster war eine Stiftung der Herren von Berlichingen, deren Stammburg eine Stunde entfernt auf einer Anhöhe am Flusse lag. In dem von gewaltigen Mauern und mächtigen Thürmen geschützten Schlosse Iaxthausen hatte Götz als jüngster Sohn des ver- storbenen Kilian von Berlichingen vor 45 Jahren das Licht der Welt erblickt. Zur Zeit saß dort sein ältester Bruder Hans, während er selbst auf der Hornburg am Neckar hauste. Seine Vorfahren lagen in der Klosterkirche zu Schönthal bestattet. Die Mönche waren bei ihren Gemüsebeeten. Sie zogen allerlei neue Arten, wie Kohl, Rüben, Spinat und Zwiebeln und sorgten für deren Kultur unter den Land- leuten. In das verhallende Geläut begann sich das Stimmengewirr einer großen Menschenmasse zu mischen, die das Thal herauskam. Lauter und lauter wurde es und jetzt umbrauste es das Kloster. Es waren die Bauern der Reichsstadt Hall und des Schenken von Limburg, welche als die ersten auf dem allgemeinen Sammelplatze sich einfanden. Sie kamen aber in solcher Unordnung und Eile daher, als ob sie sich auf der Flucht befänden. Wie allerwärts im Reiche, wo die Bauern nicht schon früher aufgestanden waren, hatten auch sie am Sonntag Judika zu den Waffen gegriffen. Aber un- erfahren in ihnen, waren sie wie auf einem Spaziergang hin und her gezogen, wobei sie die Hakenbüchsen, als ob es Holzkloben gewesen wären, auf Wagen mit sich führten, und wo in den Dörfern die Pfarrer noch am alten Glauben hingen, da hatten sie ihnen die Kästen gefegt und die Säckel geleert. Eine lustige Fastnacht war es gewesen, bis die Bürgerschaft von Schwäbisch Hall und der Limburger mit seineu Knechten über die sorglos Lagernden ge- fallen waren. Bei dem ersten Schuß über ihre Köpfe weg, waren sie davongestoben, sechs Wagen mit Frucht, Mehl, Wein, Brot, Hühnern, Fleisch, Geschütz und Munition im Stich lassend. Ihre Führer waren bis auf einen einzigen nach Oehringen ini Hohenloheschen, wo inzwischen die von Wendel Hipler ausgestreute Saat ebenfalls aufgegangen war, geflohen. Wegmüde, hungrig und durstig, waren sie an dem Stamm- schloß der][ Berlichingen vorübergezappelt und lagen nun vor dem reichsfreien Kloster. Seine Pforten waren geschlossen, und sie zu erschöpft und niedergeschlagen, um sich mit Gewalt Eingang zu verschaffen. Da rasselte eine Tronunel, Jörg Metzler aus Balleuberg zog heran. Im Schüpfgrunde hatte er seine Odenwälder und die Bauern aus den vielen Herrschaften, die dort zusammenstießen, gesammelt. Auch die Mergentheimer waren zu ihni gekommen und wie er das Jaxtthal herunter- zog, strömten die Hörigen des Klosters seiner Schaar zu. Seine Standarte war ein Bundschuh auf einer Stange. Wie die Haller das jedem Bauernherzen theure Zeichen erblickten, da ertoste das grüne Thal von ihrem Freudengeschrei und als ob es die Zauberkraft einer Wüuschelruthe besessen Hütte, so sprang Plötzlich das Klosterthor vor ihm auf. Der schon betagte Abt erschien an der Spitze seiner Mönche. Hatte er die Absicht, eine Ansprache an die bedenklichen Pilger zu halten. so kam sie nicht zur Ausführung. Die weißen Gestalten mit den schwarzen Kapuzen machten die Bauern wohl einen Augen- blick stutzig. Im nächsten aber schoben, drängten und stießen sie die frommen Hirten beiseite und durchfluthcten plündernd das ganze Kloster. Die Hörigen suchten vor allen Dingen nach den Zinsbüchern. Der Abt hatte aber alles, was er von wichtigen Papieren und Kostbarkeiten in der Eile hatte zusammenraffen können, bereits nach Frankfurt am Main in Sicherheit bringen lassen. Dennoch ward den Bauern noch viel silbernes und goldenes Kirchengeräth zur Beute. Den reichsten und ihren augenblicklich willkommensten Schatz bargen die Weinkeller. Die Geister der edelen Trauben, die sie bisher kaum dem Namen nach gekannt, waren es dann, die sie zu manchem Unfug verleiteten. Beichtstühle wurden zerschlagen, Altäre beschädigt, Heiligenbilder mit den Spießen durchstochen, manch gemaltes Fenster eingeworfen. Der Wein erhitzte den Aerger der Leibeigenen und Frohnbauern darüber, daß sie die Zins- bücher nicht fanden, zur Wuth und sie drohten, die Mönche todtzuschlagen. Georg Metzler nahm sich ihrer jedoch so nach- drücklich an, daß die Bauern sich begnügten, sie aus dem Kloster zu jagen. Nur einem von ihnen wurde dazubleiben gestattet, wofür er die Hauptleute bedienen mußte. Die Ankunft eines neuen Haufens lockte diese aus dem Refektorium, wo ihnen Pater Eusebius, so hieß der zurück- gebliebene Mönch, mit dem Besten aufwartete, was die Kloster- küche zu bieten vermochte. Wagenhans von Lehren, ein ehe- maliger Kriegsmann, kam mit den Bauern des Weinsberger Thales, in deren Banner ein Dreschflegel und eine zweizackige Gabel über einem Bundschuh sich kreuzten. Und so langte Schaar nach Schaar bei dem Kloster an, dessen Weinkeller und Wirthschaftshof Wein, Mehl und Korn mehr als genug für alle auf viele Tage bot, und schlug ihr Lager in dem freundlichen Thale den Ufern der Jaxt ent- lang. Zunächst hielt unter Trommelschlag und Pfeifenklang ein Fähnlein seinen Einzug, das allgemeines Staunen erregte. Es mochte mehr als 2000 Mann zählen und war durchaus kriegerisch geordnet und gegliedert. Ihr Oberster, der auf einem Rappen saß, trug schwarze Rüstung, jedoch keine goldenen Sporen. Schwarz war auch das wallende Banner und darein in Gold gestickt eine aufgehende Sonne. Schwarz waren die Schärpen der Führer und jeglicher Mann trug eine schwarze Binde um den linken Oberarm. Alle waren vortrefflich, wenn auch verschieden bewaffnet und dem- gemäß geordnet. Die einen trugen den nackten Flammberg auf der Schulter, den Dolch am Gürtel; die anderen Spieße oder Hellebarden nebst Schwert und Dolch. Die Mehrzahl war mit Büchsen versehen und erschien in Eisenhüten und Krebsen, das Schwert an der Hüfte. „Der Florian Geyer!" rief Jörg Metzler in das bei- fällige Stimmengebrause und drängte sich durch die Menge, unter der er stand, um den Obersten der Schwarzen Schaar zu begrüßen. Fritz Büttner aus Mergentheim aber rief laut den Hauptmann der Schützen an, der niemand anders als sein Freund Simon Neuffer war. Es waren die Ohrenbachcr und Ncichardtsroder, verstärkt durch eine auserwählte Schaar von Lanzknechten, die Florian Geyer geworben und mit denen er zu jenen gestoßen war, als sie auf dem Zuge nach Schönthal unlveit seiner Burg Halt gemacht hatten. Schon von Rcichardtsrode aus hatte Sinion ihn an sein Versprechen, das er in Ballenberg gegeben, erinnert. Wie wenig er dasselbe auch nur einen Äugenblick vergessen, davon zeugte die schwarze Fahne, in welche Frau Barbara selbst die aufgehende Sonne gestickt hatte. Sie und das Söhnlein hatte er zu ihrem Bruder Haus nach Nirupar unter dem Vorwande geschickt, dort das Osterfest gemeinsam zu feiern. Mit tausend Schmerzen war sie von dem geliebten Manne, dem Vater ihres Kindes geschieden; ihn zurück zu halten hatte sie nicht versucht. Ihre Liebe sollte ihm in dem Bild der Sonne voranleuchten zum Siege. Paul Jckelsamer, der feurige Krauskopf, trug das Banner. Ebensalls eine Sonne, aber eine vollstrahlende über einem goldenen Bundschuh mit der Umschrift:„Wer frei will sein, der zieh unter diesem Souncnschciu", leuchtete von der weiß damastenen Fahne, welche der Bauernschaft der vier Dörfer der freien Stadt Heilbronn und vieler anderer am Neckar auf- uud abwärts voran flatterte. Die schwarze Hofmännin schritt ihr voran an ihrem weißen Stecken und neben ihr als oberster Hauptmann der Schüler und Erbe ihres glühenden Hasses: Jäcklein Rohrbach aus Böckingen. Er entstammte einem sehr alten rcichsfreien Geschlechte, das zu Weinwirthen geworden war. Es schien, als ob in dem letzten Sprossen desselben alle Untugenden und Leidenschaften des adeligen Blutes noch einmal zum Durchbruch kommen sollten, ehe es erlosch. Er lebte wild und wüst, war mit Schulden überhäuft und sollte selbst Blut vergossen haben. Seine Gläubiger fürchteten ihn und die Gerichtsdicncr, die ihn ver- haften sollten, trieb er mit Gewalt ab. Sein Trotz, seine Tollkühnheit und sein überlegener Verstand gewannen ihm die — 602— Dorfjugend. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß der Wider- spruch seiner wirklichen Stellung zu derjenigen, auf welche ihn seine Herkunft wies, ihn sür den Haß besonders empfänglich machte, den er aus dem Verkehr mit der schwarzen Hof- männin gegen Sporen und Glatzen in sich aufnahm. Auch ihm erschien die Unglückliche als eine Sibylle, als eine Prophetin, und so weit verbreitet war ihr Ruf, daß die Leute sich herbeidrängten und sie mit ahnungsvollen Schauern be- trachteten, als sie jetzt nach Schönthal kam. Jakob Rohrbach hatte seinen Weg über Oehringen ge- nonunen. Noch hatten die beiden Grafen von Hohenlohe in ihrer Hochfährtigkeit vermeint, den Sturm mit ein wenig Ernst und vielen Versprechungen beschwören zu können. Als Jäcklein mit den Seinigen nach Oehringen kam, brach er mit un- widerstchlicher Gewalt aus. Die Hohenloher folgten ihm auf deni Fuße; Wolf Gerber war ihr Hauptmann. Wendel Hipler kam mit ihnen. Noch an demselben Abend traten die Hauptleute der ver- schiedenen Haufen in dem Konventssaal des Klosters zusammen und wählten Jörg Metzlcr zum obersten Hauptmann des ver- einigten Heeres, das sich den hellen Hansen des Odenwaldes und Nekarthals nannte. Wendel Hipler wurde dessen Kanzler. Dieser schlug sein Quartier in den Stuben des Abts auf, wo Pater Eusebius die Spuren der Plünderung möglichst ver- tilgt hatte. Er kam aber erst spät zur Ruhe; denn es gab unter den Genossen, die sich nun wieder zusammengefunden hatten, viel zu berichten und zu erzählen. Ueberdies waren die Geister erregt, wie es am Vorabend erfolgreich vor- bereiteter Ereignisse natürlich ist. Da ward in hoffnungs- froher Sttmmung mancher Becher des edlen Klosterweins ge- leert. Und auch in den Lagern und Dörfern des Thals wurde es gar spät erst stille. Noch verzehrte Wendel Hipler am nächsten Morgen, aller- dings etwas später als es seine Gewohnheit war. sein Früh- mahl, das aus einem Stücke Brot und einein Trunk Wein bestand, als Jörg Metzlcr einen von Kopf bis Fuß Ge- harnischten bei ihm einführte. Er war von untersetzter Gestalt, welche der gewölbte Brustpanzer und die Achselstücke noch breiter und gedrungener erscheinen ließen. Der offene Helm zeigte ein apfelrundes, von einem kurzen weichen Vollbart umfaßtes Gesicht. Die nicht großen Augen standen etwas weit von einer eingebogenen, stumpf und fleischig ausgehenden Nase über dem schlicht herabhängenden Schnurrbart ab. Die Augen schauten eher treuherzig als heldisch aus dem rothwangigeu Antlitz, in das Wendel Hipler kaum einen Blick gethan, als er sich aus dem weich gepolsterten Sorgensttchl des Abts überrascht mit dem Ausrufe erhob:„Götz von Berlichingen!" „Er selbst", erwiderte dieser.„Ihr kennt mich also noch? Es ist lange her, seitdem wir einander nicht begegnet." „Freilich; ich aber sah Euch zuletzt in Heilbronn", ant wartete Hipler.„Doch Ihr kommt sicher nicht also gerüstet. um mich zu befehden. Nehmt also Platz, Herr Ritter." Götz von Berlichingen folgte der Einladung, wobei er den Helm abnahm und eine weit gewölbte, über den starken Brauen etwas platte Sttrn entblößte, die bereits weit hiumr kahl war. Das Haar, welches schlicht auf die Halöberge herab fiel, war an dem Ende noch dicht und dick. Wendel Hipler fuhr fort:«Ich war just zum Gerichtstag in Heilbronn, als der Rath die ritterliche Haft, auf die Ihr Euch zu Möckmühl ergeben hattet, in Gefängniß verloandeln wollte. Der schlaue und herzlose Truchseß von Waldburg hatte ihn dazu angesttstet, wie ich später erfuhr. Zum Glück konnten der Bruder Eures Schwagers, der Franz von Sickingen und Florian Geyer, die auf ihrem Zug gen Stuttgart in der Nähe waren, den wohlweisen Rath eines besseren belehren. Man erzählte nachher, wie dieser schreckensbleich in die Höhe gefahren sei, als Ihr ihm mit einem Schlage Eurer eisernen Faust auf den Tisch Euer Recht bewieset, und darob die ehr- samen Bürger, die mit Spießen und Stangen bereit standen, um Euch zu fahnden, zur Thür hinanswischten." Jörg Metzler. der an einem schmalen Stehpulte lehnte, lachte aus vollem Halse. Götz stimmte etwas gezwungen ein. Die Erinnerungen an Möckmühl gehörten nicht zu seinen an- genehmen, und die leise Ironie in dem Tone des Erzählers machte sie nicht angenehmer. Ablenkend sagte er:„Der gute Franz! Hätte er noch warten können, heut' würd' ihm sein Fürnehmen gegen den Erzbischof von Trier nicht zu scheitern gehen, und die Bauern hätten an ihm einen Führer, wie es keinen zweiten im Reich giebt. Hui, würd' er die Pfaffen und Fürstlein von den Stühlen fegen' dringend an.„Ihr habt die alten Projekten noch immer nicht vergessen?" fragte er. „Was wollet Ihr?" erwiderte Götz.„Dergleichen ver- gißt man nie wieder. Ich war nie der Pfaffen und der Fürsten Freund, und itzt weniger denn je. Findet die Reichs- ritterschaft doch kaum mehr Luft genug zum Athmen." „Aber mit den alten Karten ist in der heuttgen Zeit kein Spiel mehr zu gewinnen, schaut nur um Euch," bemerkte Hipler. „Das ist's just," erwiderte der Ritter mit der eisernen Hand.„Es ist nit um des Rühmens willen, wenn ich sage, daß ich von jeher ein Freund der armen Leute war. Ist es doch bekannt genug, wie manchem ich wider bischöfliches oder städtisches Regiment beigestanden bin und ihm zu seinem Recht verholfen habe." „Freilich ist's bekannt," unterbrach Jörg Metzler ihn. „Wie der Ritter vor dem Kloster vom Pferd stteg und es hieß: Das ist der Götz! da liefen die Leut' herbei, um ihn zu sehen." Götz strich seinen schlichten Schnurrbart mit kaum ver- hehltem Wohlgefallen und nahm den Faden seiner Rede wieder auf.„Franz schätzte die Bauern gering, hätten sie aber einen Feldhauptmann wie ihn, er brächte den Adel zu ihnen. Das wollte ich sagen. Ein solcher Hauptmann, der dazu die Geltung beim Adel hätte, und das Spiel wäre gar fein gemischt." Hipler, der ihm aufmerksam zugehört hatte, schwieg nach- dcnklich. „Aber da schwätz' ich von alten Zeiten und bin doch von wegen ganz anderem hergekommen," rief Götz.„Schaut gar übel aus im Kloster, wohin mein Blick fiel. Nu, Krieg ist halt Krieg." sForffetzung folgt.) (Nachdruck verboten.) IsU'ifrijlicmfta'vcu. (Schluß.) Als Bakteriengifte sind die verschiedensten chemischen Stoffe in Vorschlag gebracht worden, wie Schwefelkohlenstoff, Glyzerin, Borax, Chloroform. Salizylsäure und Kreosot. Sie haben indessen nur eine beschräntte Verwendung gefunden, da selbst bei gründlicher Reinigung das unter Anwendung dieser lviittcl konservirte Fleisch nicht schinack- hast ist. Von anderen antiseptischcn Stoffen finden hauptsächlich essig- und schwefelsaure Salze, vor allein Borsäure Verwendllng, die den wichtigsten Bestandthcil der meisten Konservesalze bildet. Weniger Schwierigkeiten bereitet die Erhaltung von an- gebratenenem oder halbgekochtem Fleisch. Besonders hat sich die Appert'sche Methode zur Herstellung von Büchsenfleisch, das unter dem Namen Corneck beef bclaunt ist, vortrefflich beivährt. Das Fleisch wird halbgar gekocht und in Blechbüchsen gefüllt, auf die ein mit einer Ocffnung versehener Deckel aufgelöthct wird. Durch Nachsüllen der Fleischbrühe wird die Luft aus dem Jmicr» der Büchse getrieben und dann die Ocffnung im Deckel luftdicht verschlossen. Um die Eiwcißkörper gerinnen zu lassen und die etwa noch vorhandenen Baktcricnkcime zu vernichten, setzt man die Büchsen einem genügend heißen Salzwasserbade aus, wobei auf- steigende Bläschen die ctwa"noch undichten Stellen der Blechgcfäße erkennen lassen. Solches Büchsenfleisch kommt bekanntlich in großen Mengen auS Amerika und Australien nach Europa, doch wird es auch von europäischen Konservenfabriken in gleicher Güte erzeugt. Zu den Fleischkonserven pflegt mau im allgemeinen auch die keischextrakte zu rechnen, obwohl sie keineswegs, wie man lange eit annahm, alle wesentlichen nahrkräftigcn Bestandthcile des Fleisches enthalten. In den Extrakten fehlen vor allem gewisse Eiweiß- und Proteinstoffe, fenier die durch den Magensaft löslich werdenden Fleisch- fasern, Leim und Fett— nahrkräftige Bestandthcile, die für die Bc- reitung des Extraktes verloren gehen. Nichtsdestoweniger sind derartige Präparate immer noch werthvoll genug und wegen ihrer leichten BeHand- lung beim Versand zum Exportartikel wie geschaffen. Sie haben sogar in natwual-ökonomischcr Hinsicht eine große Bedeutung erlangt, denn nur durch die Bereitung von Extrakten ist es gelungen, die un- geheuren Rinder« und Schafheerden vieler Gegenden Podoliens, Mexiko's, Südamerikas und Australiens für die Bevölkerung fleisch- ärmerer Länder nutzbar zu machen. Früher wurden in jenen Gegenden fast ausschließlich die Häute, Horntheile und das Fett ge- nirgend ausgenutzt, große Fleichmcngen aber, die an Ott und Stelle keine Verwendung finden konnten, als werihlos fortgewottcn. Roch vor kurzer Zeit kostete z. V. in einigen Gegenden Australiens ein Pfund des besten Ochsenfleisches vier Pfennige. Große Verdienste um die Herstellung und Einführung des FleischextraktcS erwarb sich der berühmte Chemiker Justus v. Liebig, auf dessen wiederholte Anregung die fabrikmäßige Gewinnung des Fleischextraktes in Südamerika zu außerordentlicher Bedeutung gelangte. Bereits im Jahre 1865 konnten die ersten Sendungen I amerikanischen Extraktes nach Europa ausgeführt werden. M»»W»WW»MW>WW>W>___________ Die Wendel Hipler schaute ihn mit seinen klugen Augen durch-> von dem Hamburger Kaufmann Gilbert begründete Fabttk in Frah- Bentos in Uruguay, die sich seit t867 im Besitz einer englisch- belgischen Aktien- Gesellschaft befindet, verarbeitet jährlich das Fleisch von 160 000 bis 200 000 Stück Rindern, von denen jedes etwa fünf Kilogramm Extrakt liescrb Das Fleisch wird durch riesige, durch Dampfkrast getriebene Schneidemaschine» zerschnitten, und zwar verniag jede dieser Maschinen fast zweihundert Rinder in einer Stunde zu verkleinern. Das zerschnittene Fleisch gelangt in schmiedeeiserne „Digestoren" von 6000 Kilogramm Fassungskraft, um unter Hochdrucks- dampf von 6 Atmosphären Spannung die flüssigen Stoffe auszuscheiden. Die gewonnene Flüssigkeit wird durch Röhren nach Apparaten, welche das Fett abscheiden, geleitet und von hier in gußeiserne Klärapparate be- fordert, in denen durch hochgespannte Dämpfe Eiweiß, Fibrin und phosphorsaure Magnesia abgesondert werden. Nach einem weiteren Klär- und Filtrirprozeff wird der Extrakt in riesigen Bakuumpfannen abgedampft, in Stahlblechpfanncn, in denen je hundert Stahlscheiben rotiren und die Verdunstung beschleunigen, zu einem dicken Brei konzentrirt und endlich in gußeisernen durch Wasserbäder erwärmten Behältern„dekristallisirt". Nach Prüfung des gewonnenen Produkts durch die Chemiker der Fabrik erfolgt die Verpackung in jenen wohl- bekannten Büchsen, die zu vielen Tausenden nach allen Welt- richtungen verschickt werden. Außer dem berühmten Etablissement in Fray Bentos befinden sich große Fleischextrakt-Fabriken in Montevideo, in Gualcgnahchu und in Santa Elena in Argentinien. Als Nebenprodnkr wird das Fleischmehl gewonnen, das als werthvollcs Viehfuttcr Verwendung findet. Von geringerem Werth als die Flcischextrakte sind fast ausnahmslos die sogenannten Bouillontafcln und Bouillonkapseln, die unter Zusatz von gereinigtem Leim, Gelatine und ähnlichen Stoffen gefornst werden und schon wegen der aus- gedehnten Verfälschungen ein Nahrungsmittel von zweifelhaftem Werth c liefern. Eine besondere Bedeutung haben die Fleischkonserven für die Verpflegung der Truppen im Kriege erlangt, zumal sich das Rc- quisitionssystem— die Beschaffung der Lebensmittel durch die Ein- wohner derjenigen Gegenden, in welchen sich die Heere gerade auf- fialten— für die gewaltigen Truppcnmaffen der modernen Kriegs- llhrung als völlig ungenügend eriviesen. Durch Einführung der Konserven— der Fleisch- wie der Gemüsekonserven— ist es möglich geworden, große Mengen von Nährstoffen, die im Nothfall ohne weitere Vorbereitung genoffen werden können, mit viel geringeren Kosten als früher nach dem Kriegsschauplatz zu trnnsportircn.— _ Fred H o o d. Vleincs Iseuilleto»». h-o. Mittag am Kanal. Auf den Kähnen an der grauen Ufernmuer arbeitet jetzt niemand. Leere und halbgefüllte Karren stehen ans den Holzstapeln, Kohlen- und Steinbergen umher. Die Arbeiter haben sich auf der Böschung im Schatten der Nüstern lang- gestreckt, die Mütze über dem Gesicht oder unter dem Kopf. Die zähen Arme, an denen die Henidärmel hochgckrcmpt sind, liegen so schlaff, als könnten sie nie wieder die schwerbeladenen Karren über die Planke, die Böschung und den holperigen Straßcndamm nach dem großen Lagerplatz schieben. Einige Schläfer wälzen sich unruhig hin und her. Die Wärme ist auch unter dem Schatteudach der Bäume»och unerträglich. Die Sonnenhitze scheint sich zwischen den Ufcrmauern zu verdichten. Von den Sandsteinfliesen prallt sie ab und dehnt sich bis unter die Bäume aus. Auch die Frauen, die im kleinen Kochraum hinten auf den Schiffen das Mittagessen bereiten, kommen ab und zu hervor, um frische Luft zu schöpfen. Ein Endchen weiter hinunter sitzen junge Leute aus einer Holz- waarenfabrik auf dem Geländer. Sie effen ihre Stullen, still und schweigend. Die Hitze hat auch sie, die unerinüdlichen Plauderer und Lacher, verstummen lassen. Hier, auf dieser Seite, hat die Mittagsgluth alle überwältigt. Aber drüben eilt eS hin und her, Männer. Frauen und halbgroße Menschen; mit erhitztein Kopf aus der Fabrik zum Essen, vom Essen in die Fabrik. Straßenbahnen hasten und klingeln vorüber. So Viele dürfen sich nicht von der Sonnenhitze auf den Rücken werfen lassen, um mit geschlossenen Augen zu wachen.... — Das Berge» von Geldschränken ans gesunkenen Schiffen ist, so schreibt die.Frankfurter Ztg.", ein ebenso kostspieliges wie manchmal, im Falle des Gelingens, rentables Unternehmen. Das zeigen jetzt wieder die Arbeiten an der seit 1812 im Triester Hafen auf dem Meeresgründe liegenden französischen Fregatte„Danas". Aber trotz der wiederholten Anläufe zu Lergnngsversuchen sind im Vergleich zu den für die Hebung der Schisiskaffe des„Eumber- I a n d" dargebrachten kolossalen Geldopfern kaum nennenswerthe Summen angewendet worden. Dieses der Unionistenflotte gehörende Kriegsschiff wurde im Jahre 1862 in dem Gefecht auf der Hampton- Rhede von dem konföderirten Panzerfahrzeug„Virginia" in den Grund gebohrt— sammt der vollen Kasse, die es an Bord hatte und die neben verschiedenen Werthgegenständen noch die für Monate hinaus berechnete Löhnung der Mannschaften des atlantischen Geschwaders, dem es zugetheilt mar, enthielt. Die vielfachen Vcrniche zur Hebung dieses Schatzes wurden mit der den Nordamerikanern eigenen kalkulatorischen Gründlichkeit vorgenommen, was jedoch nicht ver- binderte, daß die ersten zehn Gesellschaften, die sich daran machten, eine nach der anderen, des anscheinend aussichtslosen Unternchniens müde, sich davon zurückzogen. Den Anfang bildete eine Bostoner Firma: sie hatte das gesunkene Schiff nebst Inhalt für 60 000 Dollars gekauft und drei Jahre lang an der Bergung des Geld- schraukes gearbeitet, wozu sie weitere' 40 000 Dollars verwandte. Total entmuthigt, verkaufte sie ihr Anrecht,— eine frische Kom- pagnie begann die Arbeiten von vorn, um nach verschiedenen miß- lungenen Versuchen desgleichen jede Hoffnung aufzugeben. Und so ging es fort— ein jedes Jahr sah neue Unternehmer an dem gesunkenen„Cumberland" arbeiten und neue Gelder verschwinden, und auch die von den Beamten des Marine-Etablissements zu Ports- month zu diesem spekulativen Zwecke zusannnengebrachten 16 000 Dollars wanderten den Weg ihrer Vorgänger. Die elfte Kompagnie, die in die Arena trat, kam unter Führung der Firma Hinman u. Windsor, kaufte das Schiff für den Preis von 10 000 Dollars(man sieht, es wurde inimer billiger) und— setzte sich in den greifbaren Besitz der Kriegskasse des„Cumberland". Das geschah 1877— also 16 Jahre nach dem Untergang des Schiffes. Kapitän Brown, ein Taucher von damals unbestrittenem Rufe, war mit der Leitung der sub- marinen Arbeit betraut worden. Das Schiff lag in einer Wasser- tiefe von 76 Fuß, an einer besonders ungünstigen Stelle, die von starken Strömungen durchflössen ist: sie glich infolge der wieder- holt an dein Wracke vorgenommenen Dynamitsprenguirgen einem unheimlichen und schwer anzugehenden Trümmerfelde. Kapitän Brown grub vorerst abseits von: Schiffe einen Schacht und arbeitete sodann mittels Torpedos bis zum Schrank weiter. Als dieser endlich klargelegt, war es ein Kinderspiel, ihn ans Tageslicht zu bringen. Dieses nun glücklich erledigte Unternehme» hatte seine Haupt- schwicrigkciten darin gehabt, daß sie mit der Zeit stets gewachsen waren, da der Boden, auf dem der Geldschrank innenbords stand, nach und nach iveggcfault und dieser etiva sechs Fuß tief in den sandigen Meeresboden eingesunken war. Diese nunmehr gerettete Kricgskaffe enthielt 102 000 Dollars in Grecnbacks und 60 000 Dollars in Gold. Ein auf derlei nicht alltägliche Kuriositäten ver- sessener Engländer brachte den Geldschrank— natürlich den leeren— für 1500 Dollars an sich.— Literarisches. — Guy d e Maupassant, Gesammelte Werkei frei übertragen von Georg Freiherr« von O m p t e d a. Berlin 1898. F. Fontane u. Co.— Maupassant's Bedentuiig als Klassiker auf dem Gebiete der moderne» französischen Erzählung ist über die Grenzen seines engeren Vaterlandes längst hinausgedrungen und hat auch bei uns in Deutschland nicht nur ein Publikuni gefunden, sondern sogar Schule gemacht. Georg Freiherr von Ompteda hat sich an die Riesenarbeit herangewagt, den genialen Franzosen in freier Uebersetzung dem deutschen Publikum vorzulegen. Bisher find siebzehn Bündchen dieser Arbeit erschienen. Ihre Anordnung und ihr Inhalt beweisen, daß der Ueberjetzer nicht nur eine vorzügliche Auswahl zu treffen wußte, sondern auch in alle Feinheiten der französischen Sprache eingedrungen ist. Gewiß wird die Freiheit und Schroffheit einzelner Skizzen auch manchen Leser abschrecken. Schöpfungen von so hohein Werth bahnen sich aber ihren Weg.— Musik. — Richard Wagner's„Tannhäuser� hat gestern im Neuen königlichen Lpernlheater seine 400. Aufführung in Berlin erlebt. Er ist in 42 Jahren zu dieser Ziffer gelangt. Am 7. Januar 1866, volle 11 Jahre nach der Dresdener Erstaufführung ist die Oper in Berlin zun» ersten Male aufgeführt worden.— Volkskunde. — Mit welcher Beharrlichkeit die Engländer an ihren alten nasionalen Gebräuchen festhalten, ist bekannt. Im„Ludgate Magazine" finden sich einige Beispiele dafür zusammengestellt. So hat sich ein uralter Gebranch in Rivon im nördlichen Norkshire erhalten. Jeden Abend um 9 Uhr zieht der„Herold" der Stadt durch die Straßen und läutet das Abendglöcklein: in den Zwischenpausen bläst er da» „Deckt das Feuer zu"-Signal. Er trägt ein Kostüm aus den« 16. Jahr» hundert, und seine Trompete soll aus derselben Zeit stammen. Das Merkwürdigste ist, daß nichts die Bewohner verpflichtet, seinem atisdrücklichen Befehl Folge zu leisten: er läutet und bläst also nur ans purer Liebe zur Traditio««. In Morley sDorkshire), Dunstable sBedfordshire) und Teddmgton(Middlesex) ziehen alle Behörden nach jeder Bürgern«eisterwahl rii«gs un« die Stadt,>«ach ihren genauen Grenzen, und fchlagen in genau abgemessenen Zeit- räumen mit ihren Stöcken gegen die Steine oder Pfosten, die die Grenzen anzeigen. Selbst in London befolgt man noch derartige seltsainc Gebräuche, die heute eigentlich jeden Sii«n verloren habe».— Medizinisches. ss. Wer das Zählen des Pulses erfand, wissen heute gewiß wenige zu sagen. Schon der alte griechische Arzt Galenos lehrte seine Jünger das Befühlen des Pulses als ein Mittel zur Beurtheilung des Krankheitszustandes eines Menschen. Es ist um so«vunderbarer, daß noch weit mehr als ein Jahrtausend verging, ehe man darauf kain, die Schläge des Pulses beim gesunden und kranken Menschen zu zähle««, wie der Arzt es'auch heute noch vielfach thut,«venu es nicht auf eine ganz genaue Messung der Körperte»nperatur ankommt. Freilich koimte man nicht früher daran denken, de«« Puls zu zählen, ehe«na» genaue Apparate zur Messung kleiner Zeitabschi««tte besaß. — 601— Sanduhren waren dazu nicht geeignet, weil der von ihnen angegebene teitabschnitt zu lang war und dasselbe war bei den frühesten aschenuhren der Fall, Es war der englische Arzt Sir John Floyer, von 1649 bis 1794 lebend, der als Erster versuchte, die alte Kunst des Pulsfühlens durch den Gebrauch einer P u I s u h r zu vervollkommnen. Im Jahre 1797 veröffentlichte er eine Arbeit unter dem Titel„Die ärztliche Pulsuhr", in der es heißt: „Nach vielen Versuchen mit Pendeluhren versuchte ich es mit einer Pulsuhr, und mit dieser kann ich einen gesunden von einem über- mäßigen oder von einem versagenden Pulsschlage gut unterscheiden." Als es ihm zum ersten Male gelungen ivar, den Puls zu messen, las er gleich darauf noch einmal alles sorgfältig durch, was Galcnos über den Puls geschrieben hat. und sogar vor der Kunst der alten Chinesen in der Befühlung des Pulses äußert er eine unbegrenzte Hochachtung, indem er sagt:„Vor 4292 Jahren schrieb ein chinesischer Kaiser ein Werk über den Puls, und seither sind die Chinesen berühmt dafür, eine große Kunst im Pulsfühlen zu besitzen." Erbe- schreibt, wie die chinesischen Acrzte sich dabei anstellen. Ein solcher würde es für eine große Pflichtvcrnachlässigung halten, wenn er zur Untersuchung des Pulses weniger als eine halbe Stunde ge- brauchte, in kürzerer Zeit scheint ihm diese Arbeit in gewissenhafter Weise auszuführen unmöglich. Ein chinesischer Arzt entblößt dabei auch stets die Brust des Kranken, um deren Bewegung beim Athmen und die Farbe der Haut zu beobachten. Floher giebt bereits an, daß der gesunde Puls 79— 75 Schläge in der Minute besitzen müsse; seien es mehr, so sei der Körper überhitzt und das Blut verdünnt, bei kaltem Temperament und bei gewissen.kalten" Krankheiten sei die Zahl der Pulsschläge geringer.'— Ans dem Gebiete der Chemie. t. D i e Sonnenkorona auf der Erde. Vor einigen Tagen kam die Nachricht von einer Entdeckung, die sich der erst vor verhältnißmäßig kurzer Zeit geschehenen Auffindung des auf der Sonne so überaus häufigen Gases Helium in irdischen Gasen würdig an die Seite stellen würde. Professor Nasini aus Padua sollte in den vulkanischen Dämpfen, die aus den Gehängen des Vesuvs dem Boden entströmen, einen Bcstandtheil nachgewiesen haben, der mit dem Stoffe der Sonnenkorona übereinstimmen würde. Die Korona, dieser merkwürdige Liranz, der in unregelmäßigen Strahlen von der Sonnenscheibe in den Weltraum ausstrahlt und als solcher bei vollen Werfinsterungen unseres ivtuttergestirns sichtbar wird, erzeugt ini Spektrum eine eigenartige Linie, die nirgend sonst in der Natur beobachtet worden war. Man vennuthete daher, daß diese Korona aus einem besonderen Grundstoffe bestände, dem man den Namen Koronium Kegeben hatte. Ebenso wie nun vor etwa 3 Jahren das bisher nur auf der Sonne vermuthete Element Helium auf der Erde entdeckt wurde, soll nun auch das Koronium auf der Erde aufgefunden worden sein. Diese Entdeckung wäre von noch größerer Tragweite als die des Helium. Wir wollen dies im Anschluß an die von Professor Nasini on die Pariser Akademie der Wissenschaften gerichtete vorläufige Mittheilung zeigen. Der Gelehrte hatte sich seit geraumer Zeit mit einer genauen Untersuchung der Gase beschäftigt, die an verschiedenen Orten von Italien entsteigen, der Hauptzweck war die Prüfung dieser Ausströmungen auf einen etwaigen Gehalt an Argon und Helium Nachdem bereits ein Theil der Ergebnisse veröffentlicht war, der die Gase der warnten Quellen von Äbano behandelt, wurden die For- schungen an der bekannten Solfatara von Pozzuoli, der be- rühmten Hundsgrotte bei Neapel, und der ammoniakalischen Grotte r>m Vesuv fortgesetzt? überall wurden die ausströmenden Gase mit allen Hilfsmitteln der Wissenschast genau unter sucht. Zuerst fiel Nasini in dem Spektrum des Gase- jbet Solfatara von Pozzuoli, das übrigens auch Argon enthält, eine ziemlich helle Linie von der Wellenlänge 5% auf; diese Linie ltvar die berühmte Koroniumlinie der Sonnenkorona(mit dem Ipektroskopischen Zeichen 1474 K.), die bisher»och nirgends auf der Erde bemerkt wurde. In gewisser Hinsicht kann diese Entdeckung bas ganze Grundshstem der Chemie umstoßen. Von den Anfängen der chemischen Wissenschaft an war der Wasserstoff das leichteste Element, und daher wurde sein Atomgewicht als Einheit angc- »wmmen. Auch das Helium, dieses eigenthümliche Sonnenkiud, reiht sich oberhalb des Wasserstoffs ein. Nun aber kommt das Koronium, das aller Wahrscheinlichkeit nach leichter ist als Wasserstoff. Daß auch dieses Sonnenelement auf der Erde in irgend einer Form vorhanden wäre, mußte schon als wahrscheinlich gelten, da außer dem Koronium bisher alle Elemente der Sonne auf der Erde nachgewiesen wurden, zuletzt das Heliuni. Es konnte aber nicht Wunder nehmen, wenn dieser Stoff sich lange der Wahrnehmung des Menschen entzog. Wegen seiner großen Leichtigkeit müßte das Koröniumgas, wo es auch in die irdische Atmosphäre hinausträte, mit außerordentlicher Schnelligkeit emporsteigen und sich der Unigebung des Menschen entziehen wie ein mit Leuchtgas gefüllter Ballon. In den Dämpfen des Vesuvs zeigte das Spektrun« ferner Linien, die einige Aehnlichkeit mit solchen von �Stickstoff, Kalium, Titanium und Eisen zeigten, da aber das Vor- chandensein dieser Elemente in den Dämpfen ganz unwahrscheinlich >ilNd nicht nachweisbar war, so mußte angenommen werden, daß die- fselben noch anderen, ebenfalls noch unbekannten Elementen zu- �gehörten. Daß noch mehr Grundstoffe in diesen vulkanischen Gasen worhanden sind, ist auch dadurch wahrscheinlich, daß das Koronium »«folge seiner Leichtigkeit sich dem menschlichen Auge wahrscheinlich s chncll entziehen und garnicht wahrnehmbar sein würde, wenn es nicht mit anderen Elementen verbunden wäre. So eröffnet sich auch hier ähnlich>vie bei der Untersuchung der atmosphärischen Luft eine weite Aussicht auf neue Entdeckungen, die die Grundlagen der Chemie im Zustande einer Umwälzung erscheinen lassen.— Technisches. — Auf dem in Wien tagenden Ehemiker-Kongresse wurde ein neues Metall-Mikroskop demonftrirt. Während die gewöhn- lichen Mikroskope nur für Beobachtungen in durchfallendem Lichte eingerichtet sind und Metalle nur mit schwachen Vergrößerungen beobachtet werden konnten, hat dieses neue Metall-Mikroskop den ivesentlichen Vorzug, daß mit demselben undurchsichtige Metallobjckte in gleicher Weise wie die durchsichtigen am gewöhnlichen Mikroskop in jeder beliebigen Vergrößerung beobachtet werden können, wovon die mit diesem Mikroskov niikrophotographisch aufgenommenen Metall- aufnahmen ein sehr instruktives Zcügniß ablegten.— Humoristisches. — I n der Hitze des Gefechts. Gatte:„Himmel- Herrgott, wenn Du doch blos ein einziges Mal logisch sein wolltest I" Gattin:„Ja, nicht wahr, da? könnte Dir so passen!"— — Trinker-Logik. Sepp:„Sakra, jetzt woas i net, trink' i no eins oder n'et?'■ Met Moagcn sagt: Jo Sepp; mei Verstand sagt: Na, Sepp. Mei Verstand is halt klüger wie mei Moagen— aber der Klügere giebt nach: Also trink i no o a n s I"— — Der schlaue Photograph.„Wie kommt es denn nur, Herr Guckerl, daß Sie von ihrer Reise nach dem Sudan außer so hübschen Photographien auch eine solche Menge schöner Straußen- federn heimbrachten?" „Ja, wissen Sie, das kam so: Kaum hatte ich meinen Apparat gerichtet und den Kopf zur Beurtheilung der zu machenden Auf- nahnie u n t e r' s schwarze Tuch g e st e ck t, da glaubten auch schon alle in der Nähe herumlaufenden Strauße, es muffe Gefahr im Verzuge sein,— dort v e r st e ck t ja Einer den Kopf und— schivupps! hatte schon ein Dutzend von den dummen Viechern den Kopf unter meinem Tuch! Na, ich hatte mich überdies noch entsprechend kostümirt und rupfte die Kerle, was das Zeug hielt."—(„Lustige Blätter.") Vermischtes vom Tage. — Mt dem Bau der meteorologischen Station auf der S ch n e e k o p p e soll in nächster Zeit begonnen werden.— — Bei Uerdingen am Rhein hat sich die Frau eines Katastcrbeamten ans M.- Gladbach mit ihren drei jüngsten Kindern, Mädchen von 5, 6 und 19 Jahren, ertränkt.— — In den Reservoirs der Dünkirchcner Petroleum- Raffinerie ist Feuer ausgebrochen. Bei den durch den Brand verursachten Explosionen wurde ein Mann getödtet und mehrere verwundet. DaS Feuer bedroht mehrere große Holzplätze.— — Der Ruh r- Ep i d ein i e in den Kasernen von B o u r g e s erlagen abermals fünf Soldaten. Im Hospital sind noch 119 Ruhrkranke untergebracht. Die Krankheit soll durch schlechtes Trinkwasser entstanden sein.— — Zum Besten der Opfer beim Untergange der„Bourgogne" sollte zu T o u l o n ein Stiergefecht abgehalten werden. 4999 Personen hatten sich hierzu eingefunden. Da stellte sich heraus, daß die Veranstalter des Schauspieles mit der Kasse durch- gebrannt waren. Die erzürnte Menge zcrtriinnnerte die Arena.— — Ein irrsinniger Schlosser in Wien hat seine junge Frau mit einem Messer lebensgefährlich verwundet.— — Ein Bauernfuhrwerk wurde in der Nacht zum Dicns- tag in der Nähe von Lancut bei Lemberg von einem S ch nellzuge überfahre». Vier Personen kamen dabei ums Leben, drei wurden schlvcr verletzt.— — Schwere Gewitter verwüsten fortdauernd weite Landstriche in O b e r i t a l i e n. In der Provinz S o n d r i o wurden mehrere Kinder vom Hagel erschlagen.— — Aus dem Londoner Straßen schmutz wurde» im Laufe eines Jahres aufgelesen: 191 995 M. in Gold, Silber und Kupfer, 2638 M. in Checks,' 38 999 M. in Banknoten. 199 999 M. in Eisenbahnaktien, ferner 68 Damenuhren. 6 Männeruhren, 212 Ringe, 134 Broschen, 618 Armbänder, 6 Zahngebisse, ca. 13 999 Photo- graphien und 98 Operngläser nnd Anderes mehr.— c. e. Zahlreiche russische Studenten sind beim Be- ginn der Ilnivcrsitätsfcrien an der M o s k a u- K u r s k e r und Nischni-Nowgoroder Bahn als Kontrolleure an- gestellt worden. Die anderen russischen Bahnen wollen diesem Bei- spiele folgen.— — In S t. L o u i s soll ein Schiller-Denkmal errichtet werden. Die 19 Fuß hohe Figur ist»ach deni Rau'schen Modell in Stuttgart gegossen werden.—________ Llexantwortlicher Redakteur: August Jacobey in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.