Anterhaltungsblatt des HorwMs Nr. Z59. Dienstag, den 16. August. 1898 (Nachdruck verboten.) Mm die Freiheik. Geschichtlicher Roman aus dem deutschen Bauernkriege 1325. Von Robert Schweichs l. Hans Berle wußte dem Kanzler einen Ausweg aus seiner Verlegenheit anzugeben. Nein, ändern konnte man den Artikel- brief nicht; aber man konnte ihn auslegen. Und sie setzten sich hin und verfaßten einen Nachtrag zu demselben in acht Paragraphen, welchen sie„Deklaration der zwölf Artikel" nannten. Darnach sollte die Abstellung der meisten Beschwerden, die der Artikel- brief sofort verlangte, bis zur Reichsreform vertagt werden. Andere erfuhren eine Einschränkung. Am wichtigsten waren die Zusätze, wonach Zinsen, Gülten und Schulden bis zur Reichsreform weiter bezahlt und besonders das geistliche Besitz- thum von der weltlichen Obrigkeit jeder Gemeinde sorglich geschützt werden sollte. Es kostete Wendel Hipler die größten Anstrengungen, um für diese„Deklaration" im Siebenerrath eine geringe Mehrheit zu erhalten. Sie aber sogleich vor den hellen Hausen zu bringen, wagte man nicht. Hans Berle nahm sie auf seiner Rückkehr nach Heilbronn mit, um ihre Wirkung erst bei einigen verbündeten Gemeinden zu versuchen. So kam die Sache in Aniorbach aus und schlug wie ein Funken in ein Pulverfaß. Das Heer trat ohne die Haupt- leute zu einer Gemeinde zusammen. Ihre Wuth traf Haupt- sächlich Götz von Berlichingen. Er sei ein Pfaffenfreund, erscholl es aus dem Tumulte, es thäte nit anders gut, als daß man ihn durch die Spieße jage. Ihm, der kein Raubnest zerstören lassen wolle, zum Trotze wurde beschlossen, die in der Nähe gelegenen Schlösser Wildenberg und Limbach zu ver- brennen, und es stürmte auch gleich eine Schaar zu diesem Zwecke fort. Die Odcnwälder schlugen vor, die Geschütze zu nehmen, umzukehren und alle Geistlichen auszuplündern. Andere drangen darauf, daß alle diejenigen, die zu der Deklara- tion geholfen hätten, todtgeschlagen würden.„Zuerst den Hans Berle, denn der ist an allem schuld," schrien die Heilbronner. Andere verlangten, daß alle Fürsten, Herren und Junker, die nicht auf die zwölf Artikel schwören, erschlagen würden. Hans Berle hatte längst das Lager verlassen, Wendel Hipler war zufällig abwesend. Als sie nicht gefunden wurden, erhob sich das Geschrei:„Götz I Götz I" Ein wilder Haufen lief zu dessen Herberge und plünderte sie aus. Götz war dem Grafen Georg von Wertheim entgegen- geritten, mit dem er ein Stelldichein verabredet, um die Be- dingungen seines Vertrages mit den Bauern festzustellen. Auf dem Rückwege kam ihm Hans Flux entgegen und warnte ihn. Er aber ritt achtlos weiter. Die Flammen des Schlosses Wildenberg erregten seinen Zorn. „Wer hat das befohlen?" fuhr er die Hauptleute an, und da von ihnen niemand darum wußte, schalt er die Bauern aufs heftigste wegen ihrer Treulosigkeit.„Er selbst ist treulos," scholl es ihm mit funkelnden Augen entgegen.„Stecht ihn vom Gaul herunter." Die Spieße fällten sich gegen ihn. Mit Mühe gelang es den Hauptleutcn, ihn zu retten. Von Stund an hatte er das Vertrauen der Bauern ver- loren, und sie überwachten ihn auf Schritt und Tritt, wie einen Gefangenen. Zehntes Kapitel. Dicht geschaart umgaben die Bauern den Erzähler. Er war ein alter Mann, weißes, langes Haar umflatterte das braune Gesicht mit den tiefen Krähenfüßen an den Augen. Für seine Jahre erschien er ungewöhnlich kräftig und es zeigte sich, während er redete, daß er den Mund noch voll weißer Zähne hatte. Wams und Hosen waren vielfach geflickt und das Wetter hatte ihre ursprüngliche Farbe ungleich mäßig ausgezogen. Ucber dem Rucken hing ihm ein Dudclsack. Es war derselbe Spielmann, der vor etlichen Monaten den Stiefsohn des Konz Hart als Führer gemiethet hatte. Der Knabe war ihm entlaufen. Der Athem der Freiheit, der durch die Welt wehte, hatte auch den Buben berührt. Er schämte sich, daß er mithalf, das Mitleid zu betrügen, indem er für einen Blinden bettelte, der vortrefflich sehen konnte. Er war zur Schwarzen Schaar gelaufen und trommelte lustig dem Fähnlein Simon Neuffer's voran. Um den Spieß zu führen, war er noch nicht stark genug. Benz Frank, der Dudelsackpfeifer, war als Briefbote Würzburgs an das evangelische Heer des Odenwalds und Neckars gekommen und hatte dasselbe bei Miltenberg ge-- troffen, bis wohin es inzwischen von Amorbach vorgerückt war. Die Stadt Würzburg hatte sich empört und mahnte die Bauern zu eilendem Zuzuge. Die Aufforderung trug die Unterschriften Hans Bermcter und Georg Grünewald. Der erstere war ein Vetter des Rathsherrn Bermeter zu Rothenburg, ein großer Künstler auf der Pfeife und der Laute, als lustiger Geselle und vor- trefflicher Sprecher bekannt und angesehen. Georg Grüne- Wald, gewöhnlich Meister Till genannt, entstammte ebenfalls einem alten Hause und war ein geschätzter Maler und Bild- schnitzer. Diese beiden hatten, wie Benz Frank erzählte, die Revolution in der Stadt erhoben und sie waren nicht die einzigen Künstler, die in der großen Bewegung mitHerz undHand auf feiten der Unterdrückten standen. Aus ihren Freudengelagen waren die Flammen aufgeschlagen, so daß sich der Bischof Konrad von Thüngen von dem Marienberge kaum noch her- unter in die Stadt wagte. Der Spielmann war weit im Lande Franken, dessen Herzog sich der Bischof von Würzburg nannte, umhergekommen, und, wie er seinen Zuhörern zu berichten wußte, überall waren die Bauern und Bürger aufgestanden, legten die Klöster und Schlöffer nieder und wälzten, in einen furchtbaren Strom zusammenfließend, der sich das Fränkische Heer nannte, seine empörten Wogen gegen die Bischofsstadt.„Auf nach Würz- bürg l", rief die schwarze Hofmännin und schüttelte drohend die Faust gen Osten. Die Bauern, die den Erzähler wieder- holt mit stürmischen Zurufen unterbrochen hatten, stimmten in den Ruf des unglücklichen Weibes ein und sich fortpflanzend durchbrauste er das ganze Lager. Benz Frank nahm seinen Dudelsack her und entlockte ihm einen Marsch in quiekenden. schnarrenden Tönen. Dann fiel er in einen Tanz und alles drehte sich, Bauern und Dirnen, und sprang und stampfte und stieß in den aufwirbelnden Staub seine gellenden Jauchzer. Götz von Berlichingen kam eben mit Wendel Hipler aus dem Rathe, wo das Schreiben aus Würzburg verlesen worden und Götz nochmals vergebens auf seinen früheren Vorschlag zurückgekommen war, dem Truchseß von Waldburg im offenen Felde entgegenzutreten.„Loset, sie toben als wie die wilden Bestien", sprach er zu seinem Begleiter, wie er das Lärmen vernahm.„Sie sind nicht anders zu bändigen als mit der Schärfe. Was hat's geholfen, daß ich ihnen zu Amorbach wegen ihres Wortbruchs ins Gewissen geredet habe? Haben sie nicht auch hier in Miltenberg wieder geplündert?" „Leider, und obendarein meines eigenen Freundes, des Friedrich Weigand Haus," gab Wendel Hipler mit einem Seufzer zu.„Sie wissen nicht, wie viel er schon lange zur Befreiung der armen Leute beigetragen hat. Offen hervor- getreten ist er freilich nimmer, denn er ist ein schwächlicher Mann und besitzt nicht die Gabe der Rede. Aber mit der Feder, die in seiner Hand ist wie ein flammend Schwert. Er ist der klarste Verstand und wenn einer, so ist er's, der weiß» was dem Reich noth thut. Zahllos sind die fliegenden Blätter, die er seit Jahren hat ausgehen lassen in das Volk, und sie haben allerwärts entzündet. Weil er auf meine Bitte zu einer Berathung nach Amorbach kam, vermeinten die Leute, daß er zu der Deklaration mitgeholfen habe, und haben es ihn in ihrer Weise entgelten lassen." „Ja, in ihrer Weise," rief Götz bitter.„Und die Weise wird fortdauern bis ans End'." „Ich Hab' ein besser Vertrauen," erwiderte der Kanzler. „Um der großen Aufgabe willen, zu der Ihr uns Eure eiserne Faust geboten habt, lasset Euch durch die Gährung nicht irren. Wer Großes will, darf das Unrecht, so ihm widerfährt, nicht nach Quent und Loth abwägen. Ich kenne einen, dessen Wahlspruch lautet: Keine Krone ohne Kreuz l Das gemarterte und gekreuzigte Volk ist auferstanden." Es war auferstanden. Wie ein Steppenbrand, von einem Punkte ausgehend, mit feurigen Armen nach allen Seiten weiter und weiter um sich greift, so hatte sich die Revolution von den Quellen des Neckars und der Donau und vom Main an bis zum Harz im Norden und den julischen Alpen im Süden ausgebreitet, und seine Borhut stand vom Oberrhein bis zum Niederrhein. Ein gewaltiges Wogen, hervorgegangen aus dein gemeinsamen Martyrium und in geistige Einheit zusammen- gesagt durch die zwölf Artikel! Und allerwärts ward er vollstreckt, der Artikelbrief, an Klöstern und Abteien, an Burgen und Schlössern und widerspenstigen Städten. Da krachten, barsten, stürzten die Mauern und der Himmel war allerwärts roth von den leckenden Flammen. Da" ward auch das Schloß gestürmt, in dem die Wiege des stolzen Kaisergeschlechts der Hohenstaufen gestanden, und leuchtete als eine Riesenfackel der Bolksfreiheit weit in die Lande hinaus. „Eine schreckliche Auferstehung! Furchtbare Ostern!" murmelte Götz von Bcrlichingen. Zu der geistigen Höhe des Kanzlers sich zu erheben, war er unfähig. Der Junker in ihm konnte es nicht verwinden, daß die Bauern so wenig Feder- lescns nnt ihm machten. Und so ritt er dann am nächsten Morgen in einer Stimmung, die wenig dem wunderherrlichcn Maientage ent- sprach, an der Spitze des Baucrnheeres gen Würzburg. Mit ihm ritten seine Waffenbrüder Max Stumpf von Schweins- bcrg und der Graf Georg von Wertheim, der in Milien- berg dem Bunde beigetreten war, demselben Geschütz und Munition zugeführt und sich hatte verpflichten müssen, wie es fortan jedem Edelmann geschah, mit dem hellen Haufen zu ziehen. Götz verhielt sich wortkarg. Das Rauschen und Flattern der Fahnen in der balsamischen Maicnluft, das lustige Dröhnen und Tönen der Trommeln und Pfeifen, das fröhliche Grölen und Singen und die Jauchzer der Bauern erheiterten sein Gemüth nicht. Wie anders war es sonst ge- Wesen, wann er am schönen Morgen mit seinen Knechten zu einer seiner vielen Privatfchden ausgezogen war oder im grünen Busch gelegen, um dem Feinde Geißeln und Güter abzufangen! Es mochte ihn die Ahnung bedrücken, daß er eine Aufgabe übernommen, ja aus junkerlichem Eigennutz zu ihr sich gedrängt hatte, der er nicht gewachsen war. Aber klar machte er es sich nicht. Dem Einflüsse Hipler's auf Jörg Metzler, Hans Reyter und andere Hauptleute war es zu danken, daß der helle Haufen auf dieser Kriegsfahrt Klöster und Burgställe ver- schonte und, wo ihm nicht freiwillig, wie es in den meisten Städtlein geschah, die nöthige Zehrung geboten wurde, diese aus deni gemeinen Säckel von dem Bcutemeister Eisenhut baar bezahlt wurde. Freilich konnte nicht verhindert werden, daß sich auch jetzt noch dann und wann Streifparteien von dem großen Heerhaufen absonderten und auf eigene Faust plünderten und brannten und die Junker, die nicht zun: Bund schwören wollten, gefangen einbrachten. Die Brandruinen von Klöstern und festen Häusern aber, auf die der helle Haufen bei seinem Bonnarsche stieß, waren die Spuren, die die Schwarze Schaar im strengen Vollzug der zwölf Artikel auf ihrem Zuge nach Franken zurückgelassen hatte. Sie mahnten den Ritter mit der eisernen Hand daran, daß er vor Würzburg der Be- gegnung mit Florian Geyer nicht würde ausweichen können. Seine Laune wurde dadurch nicht besser. Aber auch in dem hellen Haufen regte sich eine Mißstimmung gegen Florian Geyer. Denn er hatte die neun mainzischen Städte auf dem Odcnwalde und Tauberbischofsheim bereits auf den Artikel- brief eidlich verpflichtet, als das Heer Georg Metzlers, das auf ihre Bundesgenossenschaft ein näheres, gleichsam geographisches Anrecht zu haben vermeinte, nachkam. Der helle Haufe zwang sie, tn den evangelischen Bund des Odenwalds und Neckars über- zutreten und nochmals zu schwören. Da gab es viel Hader und Streit und es gelang Wendel Hipler nicht, die Wunde des Splitters auszuheilen, den Florian Geyer den Oden- wäldlcrn in das Fleisch ihrer Eitelkeit gestoßen hatte. Solche Wunden schwären übel. (Fortsetzung folgt.) (Nachdruck verböte».) MettevMtetzen und künltlichev Mvgeu. So verwegen es nach allen Erfahrungen und nach der Gering- fügigkeit unserer menschlichen Hilfsmittel im Vergleich mit den ge- wältigen Kräften der Natur erscheinen mutz, das Wetter beeinflussen zu wollen, das wir trotz der Hunderte von meteorologischen Stationen noch immer nur sehr ungenügend und nur nach seinem allgemeinen Charakter für große Landstriche, aber keineslvegs in seiner Besonder- heit für einen einzelnen Ort voraussagen können, so deuten doch verschiedene Umstände darauf hin, das; unter gewissen Umständen das atmospärische Gleichgewicht ein so labiles ist, daß nur ein kleiner, von unseren Kraftanstrengungen erreichbarer Anstoß erforder- lich ist, um einen gewissernmßen schon von der Natur vorbereiteten Umschlag des Wetters in beschränkten Distritten herbeizuführen. Es sind nun zwei Punkte, in welchen man sich mit der Hoff- nung trägt, den launischen Wettergott den menschlichen Zwecken dienstbar zu machen, nämlich die künstliche Herbeiführung eines Regens nach langer Dürre und die Verhinderung des vom Land- wirth mit recht so gefürchteten Hagelschlages. In der südlichen Steiermark, dessen gesegnete Weindistrikte fast alljährlich von vernichtenden Hagelwettern heimgesucht werden, sing man vor zwei Jahren an, bei herannahenden Unwettern auf die hageldrohcnden Wolken aus Mörsern blinde Schüsse mit starker Pulver- ladung abzugeben. Man glaubte auch, feststellen zu können, daß statt des erwarteten Hagels sich jedes Mal aus den Wolken nur ein starker Regenguß entlud, dessen Intensität nach jedem Schusse vorübergehend zunahm, ebenso Ivie man dies nach jedem Donnerschlage eines Ge- witters beobachten kann. Wieso durch die Erschütterung der Luft die Schallwellen die Entstehung der Hagelkörner verhindern können, blieb dabei gänzlich unaufgeklärt, und der Spott über das Unterfangen, die Wölken zerschießen zu wollen, blieb nicht ans. umsomchr, als man in wissenschaftlichen Kreisen die Sache ziemlich iguorirte. Unter den Interessenten fand das Wetterschieyen dagegen großen Anklang, und in den österreichischen Kronländern südlich der Alpen sind jetzt aus öffentlichen und privaten Mitteln auf den Anhöhen Hunderte von Böllcrbatterien errichtet, aus welchen lustig auf die gelbgrauen Wetter- Wolken kanonirt wird. Um die Wirksamkeit des Wetterschließens glaubhafter zu machen, berief man sich auf die Jahrhunderte alte Gewohnheit der Alpen- bewohner, bei schweren Wettern mit den Kirchcnglocken zu läuten. Sogar die Chinesen, Ivelche allerdings seit Jahrtausenden eine Art Wetterschießcn betreiben, wurden als Gewährsmänner herbeigezogen, obwohl man sich sagen mußte, daß dieses Volk, welches bei Mond- ilnd Sonnenfinsternissen mit Tam-Tamschlagen und Schießen den genannten Gesttrnen zu Hilfe Zu kommen sucht, die es durch einen Drachen bedroht glaubt, nicht gerade auf dem Gipfel logischer Natur- erkenntniß steht. Wichtiger als dieser blinde Autoritätsglaube sind physikalische Versuche, mittels welcher man einen Hagel in kleinem Maßstabe im Laboratorium erzeugen kann und die eine gewichtige Stütze für die Nützlichkeit des Wetterschießcns sind. Wenn man nämlich die beiden Poldrähtc einer starken elektrischen Kraftquelle so anordnet, daß der eine von unten in ein Wasserbecken eintritt, und bis nahe an die Ober- fläche reicht, während der andere dem Wasserspiegel von oben ge- nähert wird, und nun einen Strom von außerordentlich hoher Spannung durchsendet, welcher die Lücke zwischen den beiden Polen überspringen muß, um sich mit dem entgegengesetzten Strome aus- zugleichen, dann entsteht an der betteffenden Stelle des Wasser- spiegeis eine anfangs kleine, später sich mehr einsenkende Vertiefung. aus welcher kleine Wassertröpfchen hervorspritzen; binnen kurzer Zeit aber bildeten sich die fortwährend emporspringendcn Tröpfchen durch die zwischen beiden Polen auftretende Abkühlung zu echten Hagel- körnchen uni. Aehnliche Verhältnisse herrschen bei Ausbruch eines Hagelwetters. Was im physikalischen Versuch unten, ist in den natürlichen Ver- Hältnissen allerdings oben, und obendrein ist das Wasser in der Luft zunächst noch nicht in tropfbarflüssiger Form vorhanden. Die Atmosphäre der Wetterwolke ist ober mit Wasserdampf gesättigt, welcher bei dem geringsten Anlaß sich in Gestalt von Tropfen aus- zuscheiden beginnt. Diese Anlässe sind nun die Abkühlung der Lnft unter den Thaupunkt und das Vorhandensein von Staubtheilen in der Luft, an welchen sich die Wasscrbläschcn niederschlagen; bei ihrer gänzlichen Abwesenheit kann man die Luft weit unter den Thaupunkt abkühlen, ohne einen Niederschlag zu erhalten. Beides ist bei jedem Gewitter und Regenfall in ausreichendem Maße vor- Händen, führt aber noch nicht zur Hagelbildung. Das Zustande- kommen von Hagelkörnern fetzt nämlich außerdem noch absolute Ruhe der Luft voraus. Auch der Versuch im Laboratorium mißlingt im- weigerlich, wenn sich die Attnosphärc um den Apparat auch nur in der gcringstenBewegung befindet. Nun herrscht vor dem Hagelwetter eine ge- radezu unheimliche Ruhe und unbedingte Windstille, und nur wenn diese vorhanden ist, erfolgt die Umbildung des gasförmigen Wasser- dampfes in dem stark abgekühlten Räume in und unter der Ge- wittcrbildung so langsam, daß ein Thcil der Tropfen zu Hagel- könicrn gestiert. Die' Erschütterung der Luft durch die Schallwellen einer starken Detonation ist auch ausreichend, um den Laboratoriumsversuch zu vereiteln und nur Wassertropfen entstehen zu lasten, und hierauf gründet sich die Berechtigung, zur Verhütung des Hagelschlages vor und während eines Geniitters zu schießen. Natürlich ist nur diejenige Schallwirkung von Nutzen, welche die gefahrdrohenden Wolkenschichten erreicht; was sich an Schall links und rechts in die Ebene verliert, ist nutzlos. Man steckt daher über die annähernd senkrecht gegen die Wolken gerichteten Geschütze, welche die Form von Mörsern oder Böllern haben, große Schallttichtcr, welche den Schall gegen die Wolken konzemriren. Es wird scbstredcnd noch zahlreicher Versuche bedürfen, um die beste Methode des Schießens zu ermitteln und die wissenschaftliche Theorie desselben auszubauen. Die Erfahnmgen zweier Sommer, welche an Unwetter außerordentlich reich waren, bestätigen,� daß sonst fast alljährlich vom Hagel verheerte Gegenden verschont blieben, seitdem regelmäßig bei jedem Unwetter geschossen wurde. — 6; und cs wäre wirklich der Mühe Werth, wenn mm, auch anderwärts die Methode probirte, die dazu berufen zu sein scheint, von den von Hagelschlag bedrohten Gegenden grohcs Unheil abzuwenden. Was den zweiten Punkt, die künstliche Herbeiführung von Regen betrifft, so sind wir über die Regenbildung weit besser orientirt als über die zum theil noch recht dunklen Verhältnisse der Entstehung des Hagels. Die in Europa vorwiegend herrschende westliche Windrichtung führt unausgesetzt riesige Wassern, assen in Dampfform über unseren Kontinent, der de», Atlantischen Ozean ja bekanntermaßen außer dem Rcgcnreichthum auch die relative Wärme seines Klimas verdankt. In den westlichen Theilen Europa's sind auch die Regenfälle derart häufig, daß an- haltende Trockenheit nur höchst selten das Wachsthum der Feld- früchte in Frage stellt. Je weiter lvir uns aber von der Seeküste nach dem. Innern der großen Landmassen entfernen, um so seltener werden die Niederschläge und schon in Ungarn und Südrußland sind Mißernten durch Regcnmangel nicht selten. Dasselbe gilt von den Vereinigten Staaten von Nordamerika, welche große Gebiete von wüstenartigem Charakter enthalte», die sich alsbald in ein fruchtbares Eden verwandeln würden, wenn nur das nvthige Wasser von, Himmel gespendet würde. In Amerika hat man sich auch zunächst damit beschäftigt, künst- lich im großen die Verhältnisse herbeizuführen, ivelche den Eintritt von Regen begünstigen. Aus der Thatsachc, daß nach mehreren großen Artillerieschlachten des Bürgerkrieges Regenwetter eintrat, zog man den Schluß, daß die gewaltigen Detonationen die Rcgenbildung be- günstigten und kanonirtc nun bei klarem Himmel ebenso, tvie dies in Steiermark bei Wettcrgefahr geschieht. Die Erfolge waren indeß sehr zweifelhaft. Neuerdings hat nun aberMackah gezeigt, daß man in Ländern von Steppencharaktcr, über denen oft wochenlang eine graue Wolkendecke hängt, ohne daß ihr auch nur ein Tropfen Rege» auf die schmachtende Erde fällt, zuweilen Regen herbeiführen kann, wenn man durch mächtige Feuer einen starken senkrecht in die Höhe steigenden Luftstrom erzeugt. Der Versuch an sich ist unanfechtbar. Es fragt sich nur, in welcher Weise dadurch die Negcnbildung beeinflußt wird, ob durch das Emporreißcn der Wasserdampf führenden Wolkenschichtcn in Höhe», wo die zur Kondensation des Wasser- dumpfes nöthige niedrige Teinpcratnr herrscht, oder dadurch. daß aus den niedrigeren Schichten der Atmosphäre nlassenhaft Staubtheilchen nach' oben entführt werden, welche, wie schon erwähnt, zur Tropfcnbilduug»öthig sind. Wahrscheinlich ist das letztere, denn auch nach großen Vulkanausbrüchcn, Ivelche häufig Millionen von Zentnern Äschenstaub in die höchsten Luftschichten werfen, folgt meistens ausgiebiger Rcgcnfall. Vielleicht ist aber auch das Zusammenwirken beider Faktoren vorthcilhaft. Jedenfalls wird die Menschheit auch hieraus Nutzen ziehen. De» Traum, die Sahara oder die Wüste Gobi dadurch in fruchtbares Land zu verwandeln, wird man freilich nicht hegen dürfen denn an dem Maßstäbe der gewaltigen Natur gemessen sind, unsere HitfSmittel ja verschwindend klein. Im Kleinen aber und dort, wo wie bei uns der Wassergehalt der Luft meistens nicht iveit vom Sättigungspunkt entfernt isl, sind werthvolle Resultate mit ziemlicher Bestiimnthcit zu erhoffen.— Rudolf Eurtius. Vleines.Xemllekou. -1- Rückkehr auö der Sommerfrische.„Endlich ist die Reise zu Ende!" seufzt der etwas korpulente Herr Papa, nachdem er den letzten Nagel zur Befestigung für die Bcgrüßungsguirlande ein- geschlagen und das dazu gehörige Enblem mit dem„Herzlich Will- kommen" weithin sichtbar oberhalb des Thürrahmens angebracht hat. Dann steigt er vcrfichtig von dem Klapptritt, wischt sich die Hände und gicbt der dickarmigen Köchin den letzten„gestohlenen Knutschkuß", bei dem sie, wie gewöhnlich, mit einem überraschten„Aber, Herr Rath!" aufkreischt. Noch sind keine zehn Minuten vergangen, da hört man in der Ferne etwas wie die ersehnte Droschke die Straße hinunterpoltern. Daun hört das Gepolter auf, der Wagen hält vor der Thür und Papachcn vergißt sein Asthma und stürzt Hals übcrKopf die Treppe hin- unter. Richtig, sie sind siel Vorn auf dem Kutschcrbock der große Reise- korb, der dickbauchige, braune Ledcrkoffcr und Emil, das„Nesthäkchen". Dann wälzt sich aus dem Innern des geschlossenen Gefährts— es ist Regenwetter— eine dicke, mit verschiedenen Hutschachteln um- gcbcne Masse: die geliebte Gattin. Ihr von der Sonne an und für sich schon stark gebräuntes Gesicht ist heute noch mehr als ge- wöhnlich, vom Aergcr geröthet.„Die verfl... Göhren!"— Scheu und sich behutsam duckend, entkricchen nun noch Else und Karl dem Dunkel des Wagens. Dann kommt, überladen mit Blumensträußen und kleinen Packeten, die„erwachsene" Marie, der Stolz deS Hauses. Nach vielem Handeln und Feilschen wird der Kutscher abgelohnt, und unter dem Johlen und Lachen der Straßenjugend wird der Rückzug ins Haus angetreten. Die drei Kleinen sind schon längst oben und probiren bereits verschiedene Male, ob eS sich am Treppengeländer noch so gut herunterrutscht wie früher. Dann kommt Mamachcn in einem Aufzug, von dem der Dichter so treffend sapt: „Und ihres Hutes Bänder flattern Ihr um den Hals, wie zwei gereizte Nattern/ Papachen stöhnt keuchend hinterher, indem er in lammfrommer Geduld mit dem verschiedenen Handgepäck herumbalancirt. Die großen Stücke muß natürlich die Köchin tragen, während das„cr- o— wachsene" Fräulein Mariechcn genug mit den Blumensträußen zn thun hat. Dann setzt man sich cm den Kafseetisch. Es geht alles in bester Ordnung, bis Emil seine Tasse umwirft und zur Strafe einige Katzentöpfe erhält und dann in die Küche muß. Nun beginnt das Auspacken.„Meta!" meint Fräulein Mariechcn, indem sie sich an die Köchin wendet,„wir haben Ihnen auch etwas Schönes mitgebracht, weil Sie mit Papachen so gut fertig geworden sind, während wir verreist waren!" Mit diesen Worten überreicht sie ihr eine kleine Brache, Filigranarbeit. Meta bedankt sich und geht in die Küche, um das neue Schmuck- stück in den Kasten zu legen, da schleicht ihr die kleine Else nach und meint altklug:„Freuen Sic sich denn auch wirklich über die Broche? Mama wollte eigentlich erst eine billigere nehmen, da meinte Mariechcn dann aber, daß wir Ihnen unter fünfundsiebzig Pfennigen doch eigentlich nichts mitbringen können!" Als dann nachher in der Dämmerstunde das Mädchen die nöthige» Sachen zum Abendbrot einholt, wird sie von verschiedenen HauS- genossen angehalten und gefragt, was ihr denn die„Gnädige" mit- gebracht habe. „Na, so bie filzige Sippe!" meint die Gcmüsehändlerin. „Bei mir sind se ja ooch noch zehn Mark vor Bier schuldig!" „Na und bei mir elf Mark vor Kohlen!" „Sollten man ooch lieber erst ihre Schulden bezahlen, eh Se großartige Badereisen machen!" Oben aber erzählen sie von den prächtigen Rsuuions und Ver- onügungcn in Norderney.-- — Das Dorf Fort Mardyck ist eine der merkwürdigsten Ge- meindcn Europa's. Es liegt bei Dünkirchen in Französisch-Flandern. Dort wird seit mehr als 200 Jahren eine eigenthümliche Art von sozialistischer Gemeinschaft geübt, die von keiner der vielen Uni- wälzungen, die in dieser langen Zeit über Frankreich kamen, berührt worden ist. Im Jahre 1670, kurz nach der Abtretung Dünkirchen's an Frankreich, rief Ludwig XIV. das Dorf Fort Mardyck ins Leben, um in der fast rein vlämischen Gegend eine französische Kolonie als nationales Gegengeivicht zu gründen und gleichzeitig eine Quelle für Matrosen zur Verfügung zu haben. Er schenkte den sich als Ansiedler meldenden vier pikardischen Familien zusammen 1200 Quadratmeter Landes unter der Bedingung, daß sie und ihre Nachkommen den Sccmannsbcrnf ausüben und sich der Marinekonskription fügen sollten. Die anfänglich mehrfach, aber vergebens angefochtenen Vorrechte wurden von Ludwig XV. bestätigt und um das ausschließliche Recht der Fischerei in jenen Ge- wässern vermehrt und sind seither niemals wieder angetastet worden. Anderseits ist auch das ursprüngliche Bodenansmaß nie erhöht worden, obgleich die Einwohnerzahl des Dorfes bereits nahezu 1800 beträgt, Die Hälfte der Ländereien wird verpachtet und die Pacht- schillingc bilden das Gemeinde-Einkommen! dieses reicht vollkommen hin für die Stnatsstcucr und die Untcrstütznng bedürftiger Bürger. Die andere Hälfte dient dazu, jedem Einwohner bei seiner Ver- hcirathung ein halbes Quadratkilometer zn sichern, das er, wenn er will, verpachten, aber unter keinen Umständen veräußern oder ab- treten darf. Infolge dieser öffentlichen„Mitgabe" pflege» die Mar- dyker früh zn Heirathen. Da nun ein halbes Quadratkilometer stets mehr bringt, als eine Familie bcnöthigt, gelangt der lieber- schnß zum Verkauf nach auswärts, sodaß die übrigen Bedürfnisse der Familie, ganz abgesehen von der Marine-Entlohnung, reichlich gedeckt erscheinen. Die Leute leben in Wohlstand und haben der Staatsregicrnng niemals Kosten verursacht. Die Gesundheit ist eine gute. Anne giebt es nicht, höchstens zuweilen Bedürftige, denen im Älter, falls der Ertrag ihres Grundstücks nicht hinreicht, ans Gcmeindemittcln Zuschüsse gewährt werden, damit sie weiter in Wohlstand leben können. Das Dorf macht einen sehr freundlichen Eindruck.— Theater. b. Das Zentral-Theater wurde am Sonntag unter der neuen Direktion Ferenczy wiedcreröffnet.— Zugleich ist damit dies Theater einer neuen Bestimmung zugeführt und der Anfang der vielen Veränderungen gemacht, die unserem Theaterwcsen in diesen« Jahre bevorstehen. Worin all diese Veränderungen bestehen werden. das wird sich erst später erkennen lassen. Die künstlerischen Pro- gramine der neuen Direktionen sind nämlich erfahrungsgemäß zu Anfang schön und reich; da aber der Markt-Profit, nicht die Kunst in unseren Theatern den Ausschlag giebt, werden die„Programme" gewöhnlich rasch umgestoßen. Vorerst schwört Herr Ferenczy zur Operette; die Tage der gänzlich verdummenden Berliner Ausstatwiigsposte sollen in« Zentral- Theater vorüber sei». Er wählte die viclgegebene englische Operette D i e G e i s h a s" als Eröffnungsvorstellung. Das Glück, niit dem Herr Ferenczy seinerzeit dasselbe Singspiel anS Lcssing-Theater brachte, blieb ihm diesmal wieder treu. Die Trägerin der Hauptrolle war, wie damals, die zierliche Mia Werber.— Im übrigen kennt man den Eröffnungsrummel zn gut. Die freiwillige(oder auch die „honorirte"> Claguc sitzt in« ganzen Hans verthcilt, jede Nummer, die gleichgiltigstc wie die gefälligste, wird mit Nachdruck da capo verlangt, nach den Aktschlüssen werden meterhohe Blumenkörbe ans die Bühne geschleift und der Direktor verbeugt sich glücklich und ge- rührt. Der altgewohnte Rrimmel wird kaum durch eine neue Nuance unterbrochen.— Noch sei eines kleinen Stimmungsbildes gedacht. Eine Koupletstrophe zu Ehren Zola's wurde mit demonstra- tivem Beifall aufgenommen. Offenbar war das Gros des Pnbli- kums riesig stolz darauf, sich zur Elite der Intellektuellen zählen zu dürfen. Wie sich manche Leute doch fühlen!— Archäologisches. — Ueber die Ausgrabungen in Eretria hat soeben der Ephoros an die griechische Archäologische Gesellschaft einen Bericht erstattet, wonach das Ergebniß der bisherigen Arbeiten überaus günstig und befriedigend war. Es wurde nämlich eine große An- zahl von Gräbern freigelegt, in welchen sehr beachtenswerthe und werthvolle Todtengaben zun: Vorschein kamen. In einem Grabe aus dem zweiten Jahrhundert vor Christi wurde ein Wasserkrug ge- stmden, verziert mit Darstellungen von Pflanzen und Fischen. Innerhalb dieses Kruges fand sich zusammen mit verbrannten Knochen ein goldenes Stirnband, 25 Zentimeter lang und 4,5 Zentimeter breit, ans welchem sich folgende sehr schon erhaltene und erkennbare Darstellung befindet: Links ist dargestellt Selene auf einem Wagen, der von Hirschen gezogen ist; vor diesem befindet sich Hermes mit einen? goldenen Heroldstab und zur Rechten Zeus mit dem Adler auf einem Throne sitzend, auf welchen Selene und Hermes zuzuschreiten scheinen. Hinter Zeus sind dargestellt zwei sceptertragcnde Göttinnen, die auf einem Throne sitzen, sowie ferner in der Mitte der ganzen Darstellung fünf tanzende Weiber. Auf der rechten Seite der guirlandenförmigen Darstellung erscheint eine andere weibliche Gottheit, neben welcher kann? erkenn- bar eine Kindergestalt steht. In demselben Grabe wurde noch eine goldene Kette iii Länge von 40 Ztm. aufgefunden, die auf beiden Seiten in kleine Stierköpfe endigt, von denen der eine einen Ring, der andere einen Haken trägt. Ferner wurden noch ein Paar kleiner goldener Ohrringe gefunden, die an ihrem unteren Ende einen kleinen Hundekopf aus Glas oder einem anderen blauen Material hängen haben, sowie schließlich ein goldener Reif und drei andere goldene Schmuckgegenstände zu unbekannten? Gebrauch. In einen? anderen Grabe aus den? 5. Jahrhundert v. Chr. wurden zwei roth- figurige kleine Lekythei? in Höhe von 38 Zentimetern in vortrefflicher Erhaltung gefunden. Auf der einen ist ei?? Pferd und vor demselben stehend ein bewaffneter junger Marm vor einer Säule, auf der an- deren dagegen zwei Frauen zu beiden Seiten einer Grabsäule dar- gestellt. Bei de?? A?>sgrabunge!? wurden a?? verschiedenen Stellen zahlreiche Grabinschriften entdeckt; auf der einen sind zwei Ziegenböcke auf den Hinterfüßen stehend dargestellt, die gcivisserinäßen einen Bogen über einer im Relief gezeichneten Amphora bilden. Die Darstellung ist außerordentlich lebendig. Die A?lsgrab?lngen werden fortgesetzt werden, damit der ganze Platz des alten Eretria freigelegt wird.— Aus dem Gebiete der Chemie. t. D i e Gewinnung vonkünstlichem Zucker und Harn st off auf elektrischem Wege ist nach einer Mit- theilu?ig an die belgische Akademie einem Gelehrten Slosse gelunge??. Bei den ersteren Versuchen wurden ein Raumtheil von trockener reiner Kohlensäure?uld zwei Raumtheile Wasscrstoffgas in eine gewöhnliche Berthelot'sche Ozonröhre gebracht, worauf innerhalb derselben 5 Stunden lang elektrische Büschclei?tladungcn unterhalten wurde??. Zl?nächst bildete sich i>? der Röhre ei??e farblose Flüssigkeit, später schlugen sich kleine Krystalle??iedcr. die wie feuchter Zucker rochen. Die Krpstalle lösten sich i?? kalten? Wasser i?icht ganz a??f. Nach dem Filtriren Ivirkte die?oäffcrige Lösung des Stoffes ans ammoniakalischein Höllenstein sanerstoffcntstchend?!??d??ach dem A?ifkochen ging sie in Gähru??g über. Bei längerer Einwirku??g der elektrischen Entlad??nge?? wird das Erzeugniß noch kohlenstoffreichcr und riecht nach Caramel. Dieser chemische Vorgang gleicht der Zucker- bildung, die in Pflanzen unter der Einwirkui?g des So????e!?lichtes vor sich geht. Es wurde nachgeioiese??, daß sich vor der E??tstehu??g des Z??ckcrs Fornlaldehyd und Methylalkohol bildeten. A??f ähnliche Art wurde mittels des elektrischen Stromes ans Kohlensäure und trockci?cm Ammoni????? nach ztvei Stunden kü??stlicher Harnstoff in kleinen Krystallen erzeugt. Auch dieser Vorgang dürfte demje??igen, d??rch den der Harnstoff im thicrischen Körper gebildet»vird, näher kon??>?ei? als irgend ein bisher beka??ntes che?nisches Verfahre??. So- mit sind diese beiden Experimente zum Verständniß biochemischer Vorgäi?ge von Bcde??t?i??g.— Meteorologisches. b. Sonnenflecken und Wetter. Bekanntlich zeigen die So????e??flecke?? eine Periode von etiva IV/a Jahren, innerhalb deren eine Zeit der größten und eine Zeit der geringsten Häufigkeit der Flecke?? �Maximum und Minimum) auftritt. Diese Periode hat man oft mit irdische?? Erschei??ungc?? in Zusamn?e??ha??g zu bri??gen ge- s??cht, z. B. mit unregel???äßigen Störungen der Magnetnadel (magnetisches Geivitter) und Nordlichterschei??ungen, bisher jedoch chnc sonderlichen Erfolg. Jetzt iverden in ei??er ei?glische?? Zeitschrift wieder ei?re Reihe von Beobachtungen über Sonnenflecke mitgetheilt, aus denen der Verfasser einen Einfluß derselbe?? auf die Jahreszeiten herleiten will. In den gemäßigten Breiten der Erde sollen zur Zeit des FIeckenmaxim??ms milde Winter u??d warme Sommer über- lvicge??, während dem Minim??n? harte Winter und kalte Som???er enffprcche?? solle??. Da i?n Jahre 1901 wieder ein Fleckenminim??m zu ertvarten ist, so prophezeit er für mindestens einen der drei Winter von 1899—1902 große Kälte, während diese drei Sommer sän??ntlich kalt sein sollen. Großes Vertrauen kö??ncn wir in diese Prophezeiring nicht setzen; denn bisher scheint es nicht so. als ob eine so regelmäßige Aufeinanderfolge warmer und kalter Winter und Sommer statt hat, wie es bei der größeren und geringeren Häufig« keit der So?menflecke der Fall ist.— Technisches. f. Acetylen in Flüssigkeiten. Eine eigc??artige Idee zur Umgehi?ng der Gefahr bei der Entwickelung vo?? Acerylei? ist vo?? eine?n französischen Erfinder ausgeführt worden. Bekanntlich haben Flüssigkeiten unter besonderen Umständen die Fähigkeit, Gase in sich aufzunehmen. Das in einer großen Ze??ttala??lage hergestellte Acetylen wird so in geeigneten starken Ge- fäß'en unter hohem Druck in eine Flüssigkeit gepumpt. die sich, wie zum Beispiel Aceton, besonders zur Auf??ah?ne desselben eignet. Die Gaszufuhr wird so lange fortgesetzt, bis die Flüssigkeit vollständig mit Acetylen gesättigt ist. Die Gefäße werden mit einem Druckregler versehen, und können??u?? a?? beliebige?? Orten zur Lieferung von Acetylen, das bei einer Verringeru??g des Druckes a??s der Flüssigkeit frei wird, verwendet werden. Allerdings dürste sich der Preis des Acetylens bei dieser Methode etwas er- höhen.— Humoristisches. — Irisches. Der„Spektator" giebt in seiner letzten Nummer eine Blüthenlese aus dem Gebiet des??nsteiwillige?? Humors, auf dem die Iren von jeher groß waren. In dem Jahresbericht einer ivohlthätigen Gesellschaft' in D?tbli?? findet sich folgende Stelle: „Trotz des großen Bettages, den die Gesellschaft für ärztliche Besuche und Medizin gezahlt hat, haben wir dieses Jahr nur wenige Todes- fälle zu verzeichnen."— In dem Bericht eines Corker Blattes über eine Partciverfammlnng lesen wir:„Hernach sprach Mr. Brem?an sehr lange in seinem gewohnte?? glücklichen Stil; i??folge der große?'? Entfernung war es uns aber ga??z unmöglich, seine Bemerkungen z?? hören."—„Hat Ihre Schwester einen Sohn oder eine Tochter bekommen?" stagte ein Herr einen seiner Pächter, dem er begegnete. Die prompte A??twort Ivar:„Ich will verwünscht sein, aber ich weiß wirklich nicht, ob ich Onkel oder Tante bin."— Dem Major eines Milizrcgiments in Südirland Ivird gemeldet, die M?lnitton sei erschöpft.„Dann lassen Sie blasen: Feuer einstellen!" brüllte er.— Ein Farmer wollte eine Anzeige einrücken; man sagte ihm, das erste Inserat koste 6 M. und für's zweite Mal 2,50 M.„Dann möchte ich's das zlveite Mal".— Vermischtes vom Tage. — Ein Dienstmädchen sprang in Eberswalde aus eii?e?n Zug, der sich schon wieder in Bewegung befand. Sie wurde von einem auf dem Nebengeleise nahenden Schnellzuge zer?nalmt.— — Gymnasialkurse für Frauen und Mädchen iverden a?lch in Königsberg eingerichtet.— — Ein großes Hotel in Bad Flrnsberg bra????te in der Nacht zum So??ntag theilweise nieder. Eine Frau aus Berlin soll nach einer Meldung der„Bresla??er Zeitung" verbrannt sein, drei Kellner, die auf die Straße hi??absprange??, w??rde?? schloer verletzt.— — In Bokel(Hannover) hat ein Schwalbenpaar sich die Hängelantpe in der„guten Stube" eines Bauen? z?tr Brutstätte ausgesucht. Die Vögel fliegen durch die stets geöffnete L??ftschcibe aus u??d ein. Fünf Junge fil?d bereits ausgebrütet.— — Der diesjährige Heringsfang der deutschen Höchste- fischerei tvird mit 85 Schiffe?? bettieben. Der erste Fang ergab bc- reits 24114,6 Tonnen Scepackung.— •— Vier junge Schlosser????teN?ahmen am So??nabe??d Abend eine Kahnfahtt a??f dem Dort n?u?? der Hafen. Sie schaukelten und fielen sämmtlich ins Waffer. Drei von ihnen ertranken.— — Zwischen Baun? garten und Hütteldorf bei Hietzii?g f??hr ein Personenzug in einen a??dercn vorausfahrenden Zug. Zehn Fahrgäste und 7 Beamte wurden verletzt.— — Die Pellagra tritt in sechs Gemeinden des T e m e s e r Komitats auf.— — In der Gegend von F ü z e s- G y a r m a t riß ein furcht- barer Stur??? die???eisten Dächer von den Häusern. Ein Hagel- schlag drosch die aufgestapelten Getteidegarben fast ganz leer.— — I?? dem dämschen Dorfe H a a rb y auf Assens hat ein Mann seinen irrsi??nigcn Brüser 20 Jahre lang eingesperrt gehalten._ Die Nachbaren hatten ihn gänzlich vergessen. Der jetzt endlich Bestcite mußte in ein Krankenhaus gebracht tverden.— — In der Nacht vom Son??abend zum Sonntag entgleiste eilt Persone??zug bei Beuvillers in? Dcparteme?tt Calvados. Sieben Personen büßten ihr Leben ein, 41 wurden ver- loundet. Der Zug soll auf der Strecke, die gerade ausgebessert Ivurde, zu schnell gefahren sein.— — Bei einem Ausflug eines Londoner Vereins schlug auf den? Derwe??twater-See ein Boot mit fünf jungen Mädchen??nd drei Herren um. Alle fünf Mädchen ertranken, die drei Herre?? sind gerettet.— — Au der Cholera find in Madras� vom 9. Juli bis 6. August 117, und vom 8. bis 12. August 55 Menschen gestorben.- Berautwortlichcr Redakteur: August Jacobe?? in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berli??.