Anterhalwngsblatt des'Uorwärts (Nachdruck verboten.) 6-1 Ltm die Proitze ik. Geschichtlicher Roman aus dem deutschen Bauernkriege lö2ö. Von Robert Sch weiche!. Dritter Theil. E r st e s Kapitel. lustig flatterten und rauschten im Maienwinde die zahl- losen Banner. Fahnen und Fähnlein der Bauern auf beiden Usern des Maiustromes und hoch über allen auf dem Kirch- thunn von Heidingsfeld das schwarze Banner mit der golden aufgehenden Sonne. Florian Geyer war allen Haufen vor- aus in dem Städtlcin am linken Mainufer schrägüber Würz- bürg mit seinen Schwarzen eingerückt und die Stothenburger Landwehr ihm auf dem Fuße gefolgt. Tags darauf, am Sonntag Jnbilate, während die Odenwälder und Neckar- thaler ihr Lager bei Höchberg schlugen, war das große Fränkische Heer erschienen, zu dem sich sämmtliche Bauern- fchaaren des Bisthums ans Nord und Süd bei Ochsenfurt unter Jakob Köhl aus Eivclstadt als ihrem obersten Hauptmann zu- sammengcschlossen hatten. Etwas später waren noch LOW Bauern aus dem Ansbachischcn angekommen und hatten sich neben den Rothenburgern gelagert. Die Würzburger waren eitel Freude und Hans Ber- mctcr frohlockte auf der Tanzlaubc der Bürger im Grünen Baum, wo er und seine Freunde ihr Hauptquartier hatten: „Jtzt sitzen die Ratten in der Falle. Und wenn der Barfüßer- mönch, den sie auf dem Schlosse haben, nicht nur ein großer Schwarzkünstler, wie sie sagen, sondern der Teufel selbst wäre, er hülfe ihnen nicht davon." Die weite Tanzlaubc schwärmte und lünnte tags und nachts von Bewaffneten, die sich theils mit Karten und Würfeln die Zeit veririebc», thcils bei ewig vollen Kannen schwätzten, stritten, saugen. oder auf den mit Polstern belegten Bänken an den Wänden entlang sich reckten, streckten und schnarchten. Es waren vor- wiegend Bürger von den niederen Zünften und Bauern, die der Rath ans den nächsten Dörfern in die Stadt zugezogen hatte, um die wohlhabende Bürgerschaft nicht mit Wachen und Waffenübnngen zu beschweren. Ter Rath entgalt die Dienste mit einem Solde, Brot und Wein in Fülle lieferten die geist- lichen Stifter und manch' Bäuerlcin aß sich in dein reichen Würzburg zum ersten Male in seineni Leben an Brot satt. Allerdings gaben die geistlichen Herren nichts freiwillig her, aber der Rath und die Vicrtelsmeister vermochten es nicht zu hindern, daß Bürger und Bauern ihnen aus die Fruchtböden und in die Keller stiegen, auch sonst manchen Unfug verübten und ans den geistlichen Häusern mitgehen hießen, was ihnen in die Augen stach. „Aber der Rattenkönig ist entschlüpft." goß der Maler Grunewald einiges Wasser in den Wein seines jüngeren Freundes, des Musikers. Bischof Konrad von Zhüiizcn hatte das Erscheinen der Bancrnheere vor dem Marienbcrge nicht abgewartet. Vergebens hatte er sich um Hilfe an Bamberg, Eichstcdt und Brandenburg. sowie an den Statthalter von Mainz und den Pfalzgrafcn Ludwig gewendet. Sie staken alle in Sorge und Lcdrängniß. und von den Grafen. Edel- leutcn und Herren, die bei dem Bisthum zu Lehen gingen. waren ans daö Aufgebot, unverzüglich gewappnet und gc- rüstet auf dem Marienberge sich einzufinden, nur wenige er- schienen. Die Gelegenheit düitkte manchen günstig, seiner Lehenspflicht sich zu entledigen. Der mächtigste Vasall des BischosS ging mit seineni schlechten Beispiele den anderen voraus. Graf Wilhelm v. Hcnncberg, eiii Fürst des Reiches, Elbmarschall und Burggraf von Würzburg.>var nicht nur unter leeren Vorwänden ausgeblieben, sondern verband sich mich zu Bildhansen mit den fränkischen Bauern. Anderen verlegten die Bauenr die Wege zum Schlosse,»iid Hücker von Würzbnrg schössen aus ihren Weinbergen ans diejeiligen. die ober- oder unterhalb der Stadt auf Kähnen oder auf ihren schwimmenden Rosjen den Main übersetzen wollten. In dieser Roth griff Bischof Konrad zu einem letzten Mittel. Er berief den Landtag, der seit undenklicher Zeit nicht mehr versammelt gewesen war. Die i-?iaoie seym««** auch mit geringen Ausnahmen ihre Abgeordneten. allein sie weigerten sich. in die Unterhandlungen einzutreten. eS sei denn, daß auch der vierte Stand, den die Bauern bildeten, einberufen würde. Zugleich überreichten sie dem Bischof, der persönlich zur Eröffnung des Landtags in der Stadt er- schienen war, eine Vittschrift, welche von den unerträglichen Bedrängnissen durch die bischöflichen Beamten handelte, die meistens vom Adel und von der Geistlichkeit waren. Und der Bischof beschickte die Bauern, die zu Geroldshofen standen, wo auch Florian Geyer sich mit ihnen vereinigt hatte. Sie aber ließen zurücksagen. sie könnten alleweile nicht viel tageleisten, sie kämen jedoch balde alle- sanimt nach Würzburg, bis dahin wollten sie die Sache sparen. Da übertrug Bischof Konrad dem Dom- propste Friedrich von Brandenburg, einem Bruder des Markgrafen Kasimir, den Oberbefehl auf dem Schlosse unserer lieben Frau und entwich nach Heidelberg zu dem Pfnlzgrafen Ludwig. Götz von Berlichingen hatte am Morgen nach seinem Einrücken in Höchberg den Artikelbrief auf den Marienberg geschickt und die Besatzung aufgefordert, sich auf grund des- selben mit den Bauern zu verbünden. Infolge dessen kam nun der Domdechant Johann von Guttenberg nnt einigen Rittern vom Schlosse herunter, um mit den Hanptleuten und Rüthen der Bauern zu verhandeln. Hans Bermeter, der Musiker, empfing sie am Zeller Thor mit einer Rotte Be- waffneter zum freien Geleit durch die Stadt nach dem Nenmünstcr auf dem Kürschnerhofe in nächster Nähe des Domes, wo die Verhandlungen stattfinden sollten. Hans Bermeter war ein noch junger Mann, dessen volle Lippen unter dem gekräuselten Schnurrbart lebensdurstig glühten. Die nichts weniger als prüde Bischofsstadt ivußte inanch' tolles Stücklein von dem heißblütigen Künstler zu er- zählen. Noch jüngst, während des Faschings,»var er mit Adam von Thüngen. dem Vetter des Bischofs, hart an ein- andergerathcn, und zwar auf offener Straße am hellen Tage. Vor der Marienkirche hatten er und seine Freunde den Junker gestellt, wie man wissen rvollte, tveil letzterer seine Angel in dem Fischteich des Musikers ausgeworfen. Aber auch der ans der Messe kommende Junker Adani war nicht allein gewesen, sondern von einen paar jungen gespornten Hähnen begleitet, unter ihnen von Wilhelm von Grumbach, der seiner Schwester hofirte. Bon scharfen Worten war es zu scharfen Schlägeil gekommen und daß HanS Bermeter dabei den Kürzeren gezogen, hatte seinen Haß gegen Pfaffen und Pfaffenadel wahrlich nicht gemindert. Zur Ver- geltung hatte er jetzt dem Junker, der sich ans der Marien- bürg befand, den Profoß der Rothenburger nebst zwei Gehilsen in das Stadthans gelegt, das von seiner verwittweten Mutter und feiner jüngerril Schwester beivohnt wurde und die Aufnahme der unliebsamen Gäste mit Gelvalt erztvungen, da der Haushofmeister sie Veriveigerte. Bei dem Empsange der Gesandten schauten seine blau- grauen Augen noch übermüthiger als sonst unter dem schief in die breite Stirne gedrückteil Barett. Der Domdechant, der sehr wohl wußte, daß seine Thatkraft und Beredtsamkeit viel dazu beigetrageii hatte, das zähe Bürgerthrim zu erregen, rief bei seinem Anblick mit einem leichten Anflug von Ironie: „Ei. siehe da. der große Volkstribnn. Würzburgs Cola Rienzi!" Zu dem neben ihm haltenden Ritter sich ivendend, fügte er hinzu:„lim so größer die Ehre seines Geleites für uns, da er auch ein großer Meister aus der Laute ist, niein Herr Gras von Schaumburg." „Auch der Nonnenmacher auf der Weibcrtreu war ein Spiclmann," verfetzte Berineter mit flammendem Gesicht und gab seiner Mannschaft das Zeichen zuni Aufbruch. Die Hand Kaspars von Rcinstein, der dem Dechanten zur Linken ritt, zuckte nach dem Schwerte. Der Domdechant warnte ihn mit einem raschen Blicke und flüsterte, ohne die wohl- wollende Miene seines runden Gesichtes niit dem Doppelkinn aufzugeben:„Behaltet seine Worte in Eurem Herzen." Es blieb nicht die einzige, in ihren Ohren mißtönende Aenßernng, welche die Gesandten in den belebten Gassen zu hören be- kamen. Der Domdechant von Guttenberg schaute mit un- verändertem Wohlwollen aus die Menge, selbst als ihnen jenseits der Mainbrücke bei dem Graf-Eckardsthurm am Rath- — 6 }UnheTt �Icn' darunter vielen weiblichen das schrei entgegen gellte:„Tod den Marienberaern l Tod den Ätttcrn und Pfaffen! Tod den würg aber blickte mit hochmüthiger Verachrung Wem Mo Kaspar von'".�iaen Gi-tmme S£r.Mtt" .wv», cmcu iieiotiocren Grund, die Würzburger zu hassen. Denn, als er, um seiner Lehenspflicht gegen den Bischof nach- zukommen, bei dem Kloster Himmclspforten, unterhalb der Stadt, über den Rhein schwamm, hatten ihm die Winzer sein bestes Pferd unter dem Leibe erschossen und er wäre fast ertrunken. Eine Ehrenwache in blankem Harnisch, mit Schwert und Hellebarde stand im Zleumünster auf den Treppenstufen zur Ltapitelstube. Sie war vom Rothe bestellt, jedoch nicht um der bischöflichen Gesandtschaft willen, sondern als Ehren- bezeugung der Stadt für die obersten Hauptleute und Räthe der Bauern, die auf der Kapitelstubc ihre Sitzungen hielten. Die Wache wehrte den Neugierigen nicht, die hinter dem Dechanten und seinen Begleitem die Treppe herausdrängten. Die Kapitelstubc war nicht groß genug, sie alle zu fassen. Für die Gesandten waren in der Blitte der Tafel, um welche die Bauern saßen, Sessel hingestellt, und der Dechant, des Reitens ungewohnt, ließ sich bcgucin nieder. Er liebte überhaupt die Bequemlichkeit, die zuweilen etwas zu schwer in die Wagschaale seines Muthcs fiel. Das Gepräge des Wohlwollens in seinen Aticncn verwischte sich ein wenig, als er sich jetzt Angesicht zu Angesicht den Männern gegenüber befand, deren bloßer Namen bisher sein Blnt als katholischer Priester und als Edelmann zu Wogen des Hasses aufgestürint hatte. Da saßen die doppelt abtrünnigen Ritter Götz von Berlichingen und Florian Geyer, die zum Protestantismus abgefallenen Pfarrer, der hagere Dcnner aus Leuzenbroun, der leidenschaftliche Bernhard Bubenleben von Mergentheim und andere, die beiden Vettern Metzlcr, Hans Flux, der lange Lienhart, der Schreiner Hans Schnabel, der den Bildhauser Hansen führte, der Schultheiß und Pfennig- meister Kunz Bayer aus Ottelfingen, Hans Kolbenschlag, der oberste Hauptmann der Mergentheinier und Leutinger des Jakob Köhl aus Eivelstadt, welch' letzterer den Vorsitz führte, und mancher von minder bekanntem Namen. Die vornehme Ruhe Florian Geyer's, die von Entbehrungen und Eifer hohlen Wangen und stechenden Blicke der Dorfpfarrer, die Entschlossenheir in den groben, eckigen Gesichtern der Bauern, ihre durchdringenden Augen und ihre breitschulterigen Gestalten wollten es dem Domdechanten schier unheimlich machen. Die rauhe Stimme des obersten Hauptmanns, auf welche das Flüstern, Murmeln und Rauschen in der Kapitelstubc stille ward, vergönnte dem Dechanten nicht, seine Eindrücke zu zergliedern. Jakob Köhl war von gedrungenem, kraft- strotzendem Körperbau und im Fränkischen Heere durch seine Grobheit bekannt. Er hatte eine niedrige, zusammengednickte Stirn, die ein Merkmal des Eigensinnes zu sein pflegt. Und Eigensinn, der Bastardbruder der Charakterstärke, sowie seine rück- sichtslose Grobheit, verbunden init seiner starken rauhen Stimme waren die Fundamente seines Ansehens. Von seiner Höflichkeit erfuhren auch die Gesandten nichts. Kurz ange- Kunden und ohne die Ritter eines Blickes zu würdigen, fragte er:„Was schaffet Ihr, Herr Domdechaut? Machet's kurz, wir haben nit viel Zeit." „So will ich denn kurz sein und ich kann es," erhob sich der Dechant.„Mein Gewand kündet meine Sendung: Frieden! Als Bischof Konrad am Sonntag Miserikordiä zur Eröffnung des Landtages in die Stadt hinuntergehen wollte, da stellten wir auf der Marienburg ihm die Gefahren für, deren er sich vielleicht aussetzte. Er aber sprach, daß er sich nicht bewußt sei, dem Lande Grund zum Aufruhr gegeben zu haben, viel- mehr stets zur Milderung der Beschwerden, die es etiva haben xönnte, sich erboten hätte." (Fortsetzung folgt.) Dev Ettkenfcrng nuf den novdfviofiflsivtt Von der Mitte des Slugnst-Monatcs ab sind in jedem Jahre die Watten vor der Westküste Schleswigs und in der Umgebung der nördfriesischen Inseln von zahlreichen Entcnschaarcn belebt, die von der Brutstätte in Nord-Europa und Nord-Asicn kommen und hier Nahrung suchen, bis der Frost sie zum Weiterziehen»ach südlicheren Nach der„Neuen Freien Presse". Meeresküsten nöthlgt. Wenn sie dort eintreffen, sind ihre durch neue Brut des Symm»'-■**-'-■ rn-'c'~- an den Wsü in Holland, in England yat man Fanganstalten'chs''- fang dieser wilden Gesellen eingerichtet, die hier am! Inseln-Logeltosen genannt werden. Von diesen sind seit 1730, als man nach holländischem Muster die erste dieser Anstalten auf Führ einrichtete, elf entstanden, von denen auf Föhr fünf, auf Amrunr eine und auf Sylt drei noch im Betriebe sind. Wenn die Fluth von den grauen Watten zurücktritt, läßt sie in den tieferen Wasserrinnen, den Leihen, Lohen und Gaten, allerlei Meerthiere zurück, die den gefiederten Bewohnern der Wattenwüsten ausgesuchte Leckerbissen sind, an denen sie sich während ihres Aufenthaltes dick und fett fressen. Den wohlschmeckenden Vögeln stellt der Mensch nach, sie liefern ihm den Braten und füllen ihm die Betten mit Federn und Daunen. Manche trifft des Jägers Blei, andere, namentlich die Grau- und Rothgänse, werden in Stell- und Schlagnetzen gefangen: die größte Beute pflegen aber die für den Entcnfang angelegten Vogelkojen zu liefern. Daraus ergiebt sich schon, daß dieselben besonders zweckmäßig eingerichtet sein müssen. Man wählt zur Anlage einer Koje eine etwa drei bis fünf Hektare große Landfläche aus, die unfern des Meeres, hinter Dünen oder Deichen eine möglichst günstige Lage hat, bei der Störungen durch das Schaffen und Treiben der Menschen nicht leicht vorkommen. Inmitten der Fläche ist ein Teich, 60 bis 30 Ar groß, so tief aus- gegraben, daß er auch in trockenen Sommern Wasser hält. Derselbe ist von einem Wall umgeben, doch so, daß an jeder Ecke des gc- wöhnlich quadratförmigen Süßwasscrteichs eine Ocffnung bleibt, welche kanalförnsig im Bogen, eNva 20 Meter lang, sich in dem Gebüsch verliert, allmälig seichter wird und auf dem Trockenen endet. Diese vier Kanäle(beim sechseckigen Teich sechs, wie bcispicls- weise in der Borgsumer Koje) haben auf der rechten Seite lin der Richtung zum Teich hin) einen Erdwall und sind ihrer ganzen Länge nach mit Planken eingefaßt: an der Mündung sind sie 4 bis 5 Meter, im Gebüsch einen halben Meter breit. Aus der linken Seite des Kanals stehen senkrechte Pfähle, Schinnpfähle, auf denen die Latte» ruhen, die vom Wall aus quer über den Kanal gelegt sind. Diese tragen das Netz, welches den„die Pfeife" genannten Kanal bis zu seinem Ende vollständig abschließt. Wo er auf dem Trockenen endet, wird dann einNctzsackangchängt. Was auf den Kanälen vorgeht, kann vom Teiche aus wegen des aus Erlen, Ulmen, Eschen, Weiden, Pappeln ze. bestehenden dichten Gebüsches nicht bemerkt werden, und das ist wichtig, weil hier die Beute dem Kojenmann, so heißt der in einer Fanganstalt thätige Wächter und Vogelfänger, durch die Hand geht. Sie würde ihm aber entgehen, wenn nicht auf der linken Seite jedes Kanals, dem rechtsseitigen Wall gegenüber, acht bis zehn etwa zivei Meter hohe, aus Schilf und Hölzwerk gefertigte Schirme aufgestellt ivären. Dieselben stehen einen halben Meter von einander parallel; eine Planke, welche durch kleine Löcher eine Brobachtung dcS Teiches gestattet, deckt den Wächter, so daß ihn die Vögel vom Teiche ans nicht sehen können. Die Schirme bilden mit den Kanälen spitze Winkel. An der einen Pfeife findet man im Gebüsche ein kleines Häuschen, das als Wohnung des Kojenmanncs und zur Aufbewahrung von Fanggeräthcn dient, und ein Bassin, das für die Zähmung der flir den Fang unentbehrlichen„Lockenten" bestimmt ist. Von den zu- erst gefangenen Enten einer Fangzeit läßt man nämlich etwa hundert am Leben bleiben, die mit gestutzten Schwingen oder abgetrenntem Eckflügcl in diesem Bassin gezähmt werden und sich an den Kojen- mann gewöhnen, der sie täglich init Gerste reichlich füttert. Nach sechs bis acht Wochen kann er sie schon, ohne daß sie das Weite suchen, auf den Teich führen und sie beim Fanggcschäft, das er bis- her mit den im vorigen Jahre gezähmten Enten betrieb, zu Hilfe nehmen. Namentlich bei stürmischer Wittening und zur Fluthzcit suchen die Entenschaaren der Watten die friedlich gelegeneit Süßwasscrtciche der Vogelkojen auf, sei es, daß sie von dem Geschnatter der auf dem Teiche schwimmenden Lockenten herbeigelockt wurden, sei es, daß sie von ihren gezähmten Vcrivandten. die ihnen einen Besuch auf den Watten machten, herbeigeführt, sich niederließen, um an der Gersten- mahlzcit theilzunchmcn, die der splendide Kojenmann ans sicherem Verstecke in den Teich wirft. Bald sind sie an der Mündung der Pfeife angelangt, über ivclchcr der Wind dem Teiche zuweht, denn sie schwimmen gertt gegen den Wind. Die Lockenten vor und unter ihnen eilen immer ivcitcr den Gerstenkörnern nach in die Pfeife hinein. Nichts Verdächtiges hält die Fremden zurück; hat doch der Kojenmann, damit sie seine Nähe nicht ivitterit, ein Gefäß mit glimmenden Torfbrocken in der einen Hand, während er mit der änderen Körner ivirft und dabei fleißig Ausschau hält auf den Teich und auf das Treiben in den Pfeifen. Bald sind sie so weit vor- gedrungen, daß der Kojenmann, welcher bisher der schrägen Winkel- stellung der Schirme wegen von ihnen nicht bemerkt ivurde, plötzlich hinter ihnen an die Pfeife herantreten kann. Er ivirft aufs neue Körner, die Lockenten eilen ihm entgegen, dem Teiche zu, während die wilden Vögel vor Schreck aufzufliegen versuchen und in die Enge des nctzübcrspannten Kanals eilen, um zuletzt im Netzsack ihrem Schicksale entgegenzugehen. Sind sie hier angelangt, so nimmt der Kojenmann den' Sack von der Kanalöffnung fort und holt nun die Beute, Stück für Stück, jedes Thier mit Damnen und Zeigefinger am Kopfe packend, heraus genannr, wiegt zwei ms vret kleine Krickenten auf, während die Pfeifcnte an Größe zwischen Krick- und Stockente steht, aber, wenn sie fett ist, die schmack- hafteste von allen zu sein pflegt. Löffel- und Sammetenten erscheinen zumeist als Fremdlinge unter der gewohnten Beute, doch ist es be- merkenswcrth, daß einzelne Kojen meist kleine, andere meist große Enten liefern. Interessant ist es, die Zusammensetzung der einzelnen Enten- ziige zu beobachten. In den ersten Zügen, die auf den Watten ein- treffen, kommen vorwiegend niagere Weibchen vor, während spätere Züge Weibchen und einzelne Männchen bringen. Erst gegen Ende der Fangzeit, einige Wochen vor Eintritt des Frostes, erscheinen als Nachhut die Männchen auf dem Platze. Die Ausbeute der einzelnen Tage in einer Koje schwankt durchschnittlich zwischen 20 und 2S0 Vögeln, doch lieferten einzelne Tage auch 600—800, auf Führ sogar reichlich 2000 Stück. Noch 1891 wurden an vier Tagen 1600 Stück in einer Koje gefangen. Unter den Monaten ist der September meistens für den Fang der beste. In den ersten Monaten der Fang- zeit werden die erbeuteten Enten zumeist frisch verspeist, da in den Hotels der Nordscebäder viel Nachfrage nach denselben ist. Bei er- giebigenr Fange werden außerdem, namentlich im letzten Theile der Fangzeit, viele in lustdicht verschlossenen Blechbüchsen oder in kleinen Tonnen nach auswärts versendet. Derweil rauscht und braust in der Umgebung der Insel» das ruhelose Meer und deckt bei jeder neuen Ebbe den Entenschaaren den Tisch, die bisher den Netzen des Kojenmannes oder der Büchse des Jägers entgingen; wenn aber die nächste Tagesfluth den Strand erreicht, eilen sie dem Lande und den Kojen zu, um den Netzen der Fanganstalt neue Beute zuzuführen. Vor dem Winter flüchtet, was übrig bleibt, dem Süden zu und zieht, sobald sich der nahende Frühling kündet, geräuschlos an den schleswigschen Küsten vorüber nach dein Norden, um gegen den nächsten Herbst hin, nach erledigtem Brntgcschäftc, mit neuem Nachwuchs die Küsten und Watten zu be- Völkern.— ZUeiaes Iieuillekoa — Herba-Matc. Dieses Genutzmittel, das in fast allen Staaten Südamcrika's die Stelle des Kaffees und des chinesischen Thees ein- nimmt, bei uns meist als Paraguay- Thee bekannt, wird aus den Blättern und Stengeln der llex paraguayensls gewonnen. Der immergrüne Baum wächst im Gebiete des Parana in Gruppen bis zu etwa 100 Bäumen, ivild, untermischt mit anderem Strauchwerk. Er wird 4—8, zuiveilen auch 12 Meter hoch und hat lanzettförmige, glatte, glänzende Blätter. Als die Spanier 1ö91 das Paranagcbiet unter ihre Herrschaft brachten, stand Zcrba bei den Guarani- In- diancrn schon in hohem Ansehen. Zur Zeit der Herrschaft der Jesuiten in Paraguay<1903 bis 1768) wurden die vorthcilhaftcn Eigenschaften der Verla erkannt und man baute sie in den Ländereien zwischen dem Parana und Uruguay künstlich an. Auch nachdem 1727 sich in Wcstindicn und Mittelamerika Kaffee- Anpflanzungen zeigten, hielten die Jesuiten an der Vcttöa fest und noch jetzt ist der Kaffeekonsum in den Zerba- Gegenden äußerst genug, obwohl sich Brasilien, das größte Wachsthumgcbict des Kaffees, in unmittelbarer Nähe befindet. Mit der Vertreibung der Jesuiten verlor sich die Kenntniß der landwirthschaftlichcn Kultur der Ierba, und alle Versuche zur Wiedereinführung sind im Sande vcr- laufen, so daß noch heute alle Arrba von wildwachsenden Bäumen stammt. Die zahlreichen Nebenflüsse des Paraguay crlcichtcni die Versendung der Derba auf Flachbootcn nach den Marktplätzen; indessen läßt sie sich wegen häufigen Wassermangels nur sehr langsam bewerkstelligen und ist infolge dessen ziemlich theuer. Bei der Gewinnung der I�ba werden, wie die„Tägliche Rundschau" mitthcilt, die Bäume in gewisser Höhe abgeschnitten, ungefähr in derselben Weise, wie bei uns das Köpfen der Weiden vorgenommen wird. Die mit dem Buschmesser abgehauenen Zweige werden durch ein offenes Feuer gezogen, auf Hürden über Hellem Feuer getrocknet und zuletzt mit Holzkeulen zerbrochen. Votthcilhafter ist das Rösten auf kuppelförnngen Gestellen durch strahlende Hitze, die von einem Kanal ausgeht. so daß die Derba, ohne Flammen und Rauch zu berühren, gedörrt wird: noch mehr empfiehlt sich die Röstung vermittels Pfannen, wobei jeder Ranchgeschmack vcr- mieden ivird. Zur Bereitung des Mate- Aufgusses werden die pulvcrisirtcn Blätter gewöhnlich in ein eigenes, aus der harten Schale eines kleinen Flaschen- Kürbisses gearbeitetes Gefäß gebracht, das mit heißem Wasser bis zmn Rande angefüllt wird. Der Aufguß wird vermittelst einer silbernen oder blechernen, unten mit einer beutelarttgen, fein durchlöcherten Er- Weiterung versehenen Röhre, genannt Bombilla, aufgesaugt und je nach Bedarf durch Nachgießen von heißem Wasser erneuert: die Derba- Mate hat nämlich vor Kaffee und Thee den bedeutenden Vorzug, daß dieselben Blätter ohne Nachthcil verschiedene Male hintereinander benutzt werden können, und der vierte ivie fünfte Aufguß liefern sogar nicht nur ein gutes, sondern noch bei weitem besseres Getränk, als die vorangegangenen Aufgüsse. In Südamerika herrscht die Sitte, daß nur ein Mate und eine Bombilla, von Mund zu Mund gehend, für alle Anwesenden die Runde macht. Ein derartiger Genuß des Mate würde sich in Europa wohl schwer einführen ivvzn oann 0uui;i, imo wnidi verwendet werden können. Bis jetzt sind noch alle Versuche gescheitert, den Genuß von Ierba-Mate nach Europa hillüberzuführen, obschon in Südamerika lebende Europäer sich sehr bald an seinen Genuß gewöhnen. Der ausgezeichnete diätcttsche Werth des Mate ist von zahlreichen Aerzten anerkannt worden, die den Genuß des Mate namentlich auch, für tropische Malariagegendcn empfehlen. Der Einfluß auf die Nerven ist der- selbe wie bei Kaffee und Thee.— Kulturgeschichtliches. — In der Stadt Lüneburg befinden sich noch einige auZ dem 16. Jahrhundert stammende Wohnhäuser für kleine Leute, über die Paulsdorff im„Zentralblatt der Bau- Verwaltungen" interessante Mittheilungcn macht. Diese Gebäude, „Buden" oder niederdeutsch„Boden", ivie sie in den Schoßbüchern jener Zeit heißen, werden jetzt noch in derselben Weise benutzt, wie vor dreihundert Jahren, und entsprechen etwa den heutigen Arbeiter- Wohnhäusern. Es sind Nebengebäude, die an Gängen oder Höfen liegen. Die Bezeichnung„Hof" kommt in Lüneburg, wie in manchen anderen deutschen Städten, vor für ein Hauptgebäude oder Herrenhaus mit Neben- Wohnungen für Hörige, später für kleine Leute. Bekannt sind in Lüneburg der„Biskulenhof", der„Soetbcerhof" und andere mehr, wobei Viskule und Soetbccr Patriziernamcn sind. Weitere„Boden" gehören zum„Neuen Hof" und stanimen nach der Aufschrift am Thürsturz aus dem Jahre 1598. Ein anderes Haus ist zweifellos noch rnn Jahrzehnte älter. Das beweisen schon die Hansthürcn nnt ihren Spitzbögen, die um 1598 in Lüneburg durchaus nicht mehr gebräuchlich, vielmehr inzwischen allgemein durch Stich- oder Korb- bögen verdrängt worden waren. Die an alten Fachwerkgcbäuden übliche Vorkragung des oberen Geschosses fehlt an diesem Hause; das erste Stockwerk liegt mit der Wandfläche des massiven Erd- geschosses bündig, eine Bauweise, die in Lüneburg bei unter- geordneten Fachwerkhäusern aus dem 16. Jahrhundert zuweilen angetroffen wird. Die Grundriß-Anordnnng der nach heutigen Be- griffen recht bescheidenen Wohnungen ist bei allen diesen Gebäuden im wesentlichen dieselbe. In mittelalterlicher Weise bildet die Diele, welche die einzige Feuerstätte enthält, den Hauptraum, Von ihr ist im Erdgeschosse nur eine kleine Stube abgetrennt. Einzelne Woh- nnngcn haben außerdem noch einen Raum im ersten Stockiverk auf- zuweisen, der an der Fläche so groß ist, wie die untere Stube und Diele zusammengenommen. Der Dachraum bildet allgemein je ein ungetheiltcs Ganzes und ist nicht zu Wohn-, sondern nur zu Lager- zwecken benutzbar. Die oberen Räume sind durch sehr steile Treppen, oder besser gesagt, Steigeleitern zugänglich, lieber dein Feuerhcerd auf der Diele befindet sich ein in den Schornstein übergehender Rauchfang, dessen ausgemauerte Wangen durch einen eichenen Balken gettagen werden— eine Bauart, die sich in der Gegend von Lüne- bürg auf dem Lande bis in die heutige Zeit erhalten hat. Das zum „Neuen Hofe" gehörige Haus hat an seiner Vorderseite noch kleine Stallvorbantcn erhalten. Der Thürsturz ist mit Schnitzereien vcr- ziert. An jeder Thür sind die Wohnungs- und Abtheilungsnummern cingeschnitzt. Wie viel Wohnungen in dem Hause im ganzen vor- Händen sind, ist nicht mehr festzustellen, da einige Theile desselben bereits abgebrochen worden sind.— Gesundheitspflege. t. Die Entstehung und die Behandlung von Ohren sause n. Obgleich das Ohrensausen eine der häufigsten und hartnäckigsten Krankheitserscheinungen des menschlichen Gehörs ist, die dem Ohrenärzte zur Behandlung vorkommen, ist seine Ent- stehung noch fast garnicht bekannt. Man bezeichnet als Ohrensausen vorläufig in unklarer Weise alle Reaktionen des Gehörsnerven auf mittelbare oder unmittelbare Reizung. Ohrensausen ttitt ein im Verlauf verschiedener Krankheiten des Ohres, sowohl des äußeren und des mittleren wie des inneren Ohres, ganz besonders bei der Entzündung des mittleren Ohrgangcs und bei verhärtender Ent- zündung. Es läßt sich verstehen, daß Verletzungen, durch solche Krankheiten hervorgerufen, die Endungen des Gehörs- nerven angreifen, den Gchörsnerven selbst dadurch dauernd reizen und ein chronisches Ohrensausen veranlassen. Auch im Verlaufe verschiedener Nervenkrankheiten, der Hysterie und Nerven- schwäche, auch bei Verdauungsstörungen und starker Verderbniß der Säfte zeigt sich Ohrensausen als Nebenerscheinung. Im Gegensatz zu dieser Vielseitigkeit der Veranlassung ist die Erscheinung selbst immer die gleiche. Der Kranke hört fortgesetzt Geräusche, die weder bei Tage noch bei Nacht aufhören und oft völlige Schlnflosigkcit zur Folge haben. Die Art der Geräusche ist sehr verschieden: meist gleichen sie dem Summen von Fliegen, dem Zischen eines Dampf- strahkes, dem Rauschen von Wellen oder von kochendem Wasser, zu- weilen nehmen sie auch einen musikalischen Charakter an und gleichen dann Pfiffen oder Tönen von Musikinstrumenten. Die Dauer der Erscheinungen ist sehr verschieden; treten sie mit Unterbrechungen auf. fo sind sie weniger störend, werden dagegen bei hartnäckigem Andauern zu einem wahrhaft unerträglichen Leiden. Die Heil- künde war bisher diesem Leiden gegenüber beinahe macht- los, außer in den Fällen, wo dasselbe durch einen Fremdkörper im Gchörgange, durch einen Polypen in der Paukenhöhle oder durch eine akute Ohrentzündung veranlaßt wurde; alsdann hört das UU|.------- das Ohrensailscii nicht beseitigt weroe» lomilr........... Ohrenkrankheitc» gclimpst>var, gegen die man ein Heilmittel nickt kennt. Zwei französische Acrzte Robin und Mendel haben nun, wie die.Wiener Medizinischen Blätter" berichten. Bcrsnchc ge- macht, ein neues Heilmittel gegen Ohrensausen anz»»>vendcn. Dasselbe stammt von einer in Nordamerika heimische» Pflanze namens CimicikuM» raceraosa ans der Familie der Ranunkeln, deren Wnrzeljtock einen eigenen Stoff, das Cimici- fngin, enthält. In gröstcren Gaben veranlaßt dasselbe Erbrechen, Kopfweh und einen Nachlaß der Kräfte; auf das Herz wirkt es ähnlich wie der Extrakt des Fingerhutes, aber viel schwächer. Dieser Eigenschaften wegen wurde der Stoff schon bisher zmveilen in der Heilkunde verwandt. Jetzt erhält er eine neue Bedeutung durch die außerordentliche» Erfolge gegenüber dein Ohrensausen. Das Heil- mittel hat nach Erfahrung aii einer großen Anzahl von Fällen die Eigenschaft, auf das Ohrensausen cinzmvirtcn. ohne daß die dasselbe veranlassende Erlranlnng gehoben zu werden braucht. Auch in einem Falle, wo daS Ohrensausen von einem Ohrcnschmalzpfropfcn her- rührte, hörte das Ohrensausen nach der Verabreichung von Eimicifnga auf, ohne daß der Pfropfen vorher entfernt worden wäre. Das Mittel wirkt also augenscheinlich ans den Gehörnerv direkt. Das Mittel wird in Tropfen gegeben.— Lliis dem Thierreich«. — kl e b e r den Erreger der K r c l> s p e st berichtete Prof. Hofcr-Mnnchcn auf den« deutschen Fischereitag in Schwerin. Zunächst tvies er im allgemeinen auf die Ursachen hin. welche auf die Entvölkcrnng unserer Geivässer einen Einfluß üben. Diese sind zu suchen einmal in der Korrektion der Gewässer, welche unsere kaltblütigen Wasscrbcwohncr ihrer besten Schiltz- und Laich- Plätze beraubt, andererseits in der zunehmenden Bernnreiriignng der Gewässer. Die natürlichen Exiftciizbedingnngcn für unsere Wasserbewohner wurden dadurch so verändert, daß dies massenhafte Hinsterben von Fischen nicht mehr verwunden! konnte. Ganz besonders hat unter diesen Ucbclstäuden der Kulturcntwiikclung der KrcbSbcstaud gelitten. Anfang der Wer Jahre begannen nn Westen Europas zuerst die cigcnthiimlichcn Massen- sterben der Krebse, die man zunächst garnicht zu erklären vermochte. Der Name.Krebspest" wurde schließlich ganz kritiklos ans alle Massensterben von Krebsen angeivandt, obschon die beobachteten Kraiikeitösymptome durchaus nicht einheitlicher Natur waren. Die wistenschaftliche Forschung führte zu der Erkenntniß, daß Krebs- sterben häufig ganz lokalen Charakter tragen nud dann von einem auch mehr oder weniger lokal auftretenden Parasiten verursacht werden. Als solche Krankheitserreger oder doch Bc- aleiter, die wenigstens einen gewissen Zusainmenhang mit der Krankheit vcrmnthen lassen, fand man einen fadenförmigen Pilz u. a. m. Für das allgemein auftretende Massensterben hatte man aber damit keine Erkkärnng gewonnen und so nahm man, ohne daß ein exakter BclvciS zu erbringen war. an, daß hier gewisse Wasserbakterieu im Spiele seien. Emde 1897>var im Woldegger See in Mecklenburg ein großes Krebssterbe« ausgebrochen, durch das nach Pfingsten der gesammte Krebsbestand vernichtet ivar. Zurückführen mußte man dies Sterben auf die Bcrnnrcinignng durch die Abwässer einer Zuckerfabrik, die kurz vorher dort gegründet loar. Die Untersuchung der Krebse ergab im Blut und allen inneren Organen die Anwesenheit von Baktcricii. die mit den bekannten Wasserbakterieu nicht identisch waren. Es handelt sich um ein Stäbchen- bakteriiim von etwa l'/e Tausendstel Millimeter Länge und 1 Zivei- tanscndstel Millimeter Breite, welches durch helle Stellen ans- gezeichnet ist. Beim Wachsthnm zeigt sich zunächst ein kleiner Fleck. der dann unregelmäßig gelappt ist und schließlich einen dunklen Hof mit hellem Saum zeigt. Eine Reinkultur in Gelatine wächst sehr charakteristisch in Form eines sogenannten Strmnpfcs und bildet dabei Massen von Wolken. Jmpsvcrsnchc an Krebsen ergaben die überraschendsten Resultate. In 2—8 Tagen gingen die Krebse unter den typischen krampfartigen Erscheinungen unbedingt zu gründe. Fütterungsvcrsnche mit infizirtem Laich hatten dasselbe Ergebniß, ebenso Einsetzen in infizirtes Wasser. Damit ist erwiesen, daß dieses im Woldegger See gefundene Baktcrinm unter den Krebsen furchtbare Bcrhrcrnngcn anzurichten vermag. Durch erperimentell zngcführte starke Dosen, wie sie freilich in der Natur nicht vorlonnnen. begannen die Krankheits- erschcinnngen bereits nach 5— 10 Minuten. Danach darf man annehnien. daß nian in diesem Bakterium den Erreger der eigentlichen Krebspest gefunden hat. Professor Hofer hat dem Para- fiten deshalb den Namen Bacteiiurn pestis Astaci beigelegt. Dabei kann es aber auch noch andere Bakterien geben, die größere Krebs- sterben veranlassen. Ncbcnbalterien treten neben dem Hanptcrrcgcr immer auf, ein Umstand, der die Schwierigkeiten der Untcrsuchimgen erkennen läßt. So giebt es eine nebenher auftretende Form, die die Krebse aber sehr viel langsamer und nickt unter den typischen Er- scheinungen tödtet. Neuerdings ist daS Bacterium pestis auch im Chorincr See und im Ossagcbiet nachgewiesen. Für den Menschen birgt die Krankheit nach den eingehenden Untersuchungen des hygic- nischen Institutes in München keinerlei Gefahr. DaS Auftreten deS Bakteriums hängt zweifellos mit der Verunreinigung unserer Gc- Wässer zusammen.— berichtet: In Chalais-Meudon bei Par.v v"->............. die ihre Kunst für die militärischen Luftballons ausüben müssen. Die Spinnen sind in Gruppen von 12 Stück vor einem HaSpcl an- gestellt, auf den die zarten Fäden aufgewickelt werden. Die Thiere haben keine leichte Arbeit, denn man giebt ihnen erst nach einer täglichen Lieferung von 20 bis 40 Ellen Feierabend. Die röthlichcn Fäden werden durch Waschen von der klebrigen äußeren Schicht be- freit und dann zu acht zusammengenommen. Schließlich werden überaus haltbare Stricke für die Ballonnctze daraus gedreht, die viel leichter sind als seidene Taue.— f. Elektrische Ventilation. Die immer mehr zu- iichntendc Anlage von elektrischen Leitungen für Beleuchtungszwccke und Kraftcrzengung hat zu einer großen Verbreittnig elektrischer Ventilatoren geführt, die sehr praktisch sind. Sie bestehen ails ganz kleinen Elektromotoren, die auf ihrer Achic mehrere große Metall- flügcl tragen. Bei der außerordentlich schnellen Umdrehung der Achse erzeugen die Flügel eiiie» sehr starken Luftzug, der onsgezeichuet zur Abkühlung geeignet ist. Es wäre sehr wünschenswerth. daß in Räumen, in denen elektrische Leitungen vorhanden find, namentlich in heißen Ardcitssälen, derartige Ventilatoren eingeführt würden. Da der Stronivdrbrauch dieser kleinen Motoren sehr gering ist. so sind mich die Kosten einer derartigen Ventilation nur sehr gering.— Hnmoristisches. — Vor Gericht. Richter:.Benehmen Sie sich hier nicht so flegelhaft, als ob Sie hier d e r R i ch t e r und nicht der An- geklagte wären!"— — Wirksame D r o h n n g. K a r l ck e n szu seiner Maina. die sich auf der Straße längere Zeit mit einer Freundin iinterbält): „Du. Maina, wenn Du jetzt nicht bald gehst, jag' ich der Dame, was Du heute früh über sie gesagt hast!"— — Druckfehler..... lind nun meine Herren, rufe ich dem Gedeihen unseres niicigcuuützigeu UnteruehmcnS ein kräftiges „Profit" zu!"— Vermischtes vom Tage. — Das Dorf M u l k n i tz in der Lausitz ist am Montag fast ganz niedergebrannt. 12 Wirthsckaften und daS GeineindrhanS find eingeäschert. Tie betroffencii Besitzer sind nicht versichert.— — Die Elbe ist durch die Hitze stark gefallen. Größere Schiffe können nicht mehr mit voller Ladmi'g in den Hamburger Hafen.— — Die D a n z i g e r technische Hochschule soll mit 47 Dozenten besetzt nud für 000 bis 800 Studirende eingerichtet iverdcn.— — Bei S ch i e r st e i n sWiesbadeni ertranken am Sonntag drei Mnnlier beim Baden im Rhein. Die Strömung hatte sie inil fortgerissen. — Bei einer Lustfahrt außerhalb des Halens von B o g e n s e sDnnciiiarl) kenterte ein Segelboot. Es ertranken ein älterer Herr. eine junge Dame und zwei Knaben.— — In Lemberg wurde ein Mann verhaftet, der einer weit- verzweigten Bande angehörte, die den Handel mit jungen Mädchen im Großen betreibt. Die Bande hat in allen galizischen Städten Agenten und schickt ihre Opfer meist nach überseeischen Städten.— — In S n i a t h n(Galizicii) ivollte ein junger Bauer hcirathen und stellte an seine Eltern das Ansuchen, ihm die Hülste des An- wescnS zuzuschreiben. In der Nacht schlichen diese darauf in seinen Schlasranni und erschlugen ihn.— — Eine Tuchfabrik ist in Elbens abgebrannt. Zwei- talifciid Arbeiter sind brotlos; der Schaden beträgt zwei Millionen Franks.— — Eine Südpol-Expedition ist heute unter Führung des Norwegers Borchgrcvint von London abgegangen. An Bord befanden steh 34 Mann und 80 Hiinde. Die Expedition wird voraus- sichtlich zwei Jahre unterwegs fein.— — Der Ra rsei ller Dampfer.D r n n n t i a" fließ am Sonn« abend an der algerischen Küste niit dem englischen Dampfer . P e d a n" zusammeu. Ter letztere sank. Die aus 59 Mann bc- flehende Besatzung wurde gerettet und nach Algier geführt. Der„Pcdan" ivar mit Seide und Thcc von Algier nach Hamburg unterwegs. Der Werth der Ladung wird auf 2'U Millioueu Franks geschützt.— — Auf einem russischen Gcfangcncii-Traiisportschiff sind ans der Reise von Tjumen nach Tomsl von 500 tranSportirtcn 31 Ge- f a n g c n e wegen L u f t in a n g e l S erstickt. Die meisten übrigen Gefangenen kamen schwer erkrankt an.— c. e. In Clarendon lArkanfaS) war ein Bürger auf Ver- anlaffung feiner Frau ermordet worden. Diese Ivollte die 5000 Dollar erlange», auf die er versichert war. Zehn Tage»nck dcni Morde schleppten dreihundert Bürger vier deS Mordes Verdächtige, unter denen auch die Frau des Ermordeten war, ans dem Gefängniß und knüpften sie auf.—_ Verantwortlicher Rcdalleur: Sliigiist Jarobey in Berlin. Druck und Verlag von Max Bndinz in Berlin.