Nttterhaltuttgsbsatt des Worwärts Nr. 165. Mittwoch, den 24. August- 1898 (Nachdruck Vcrvoten.) ett Xtm die Feeiheik. Geschichtlicher Nonian aus dem deutschen Bauernkriege 1325. Von Robert Sch weiche!. „Oho," murrte es unter den Zuhörenden und Hans Leminger, der Bader zum Löwen, rief mit einer dünnen, spitzen Stimme:„Wir haben seine Miserikordia unser Lebtag an unserem Leib und Gut erfahren. Hätten wir dermalen den Bischof aus der Stadt nit ausgelassen, so müßte er alle unsere Bedingungen annehmen, und aus wär's." „Haltet das Maul, seid so gut," fuhr Jakob Köhl ihn an und der Dechant von Guttcnberg sprach weiter:„Diese Miserikordia, dieses wahrhaft christliche Erbarmen mit Euch, den Verirrten und Verführten, ist es, das uns hierher führt. Wir wollen Frieden und Versöhnung. Die Besatzung des Schlosses unserer lieben Frau ist bereit, die zwölf Artikel für sich anzunehmen, überzeugt, daß unser Hochwürdigster Bischof Kourad damit einverstanden sein werde. Nur eine Frist begehren wir, um seine Meinung einzuholen. Will man künftig eine Reformation vornehmen, so wollen auch wir dabei bleiben." Die Ueberraschung war groß und sie schlug rauschende Wogen in der Kapilelstube.„Ich sieh' einen Fuchsschwanz," rannte Metzler aus Brettheim feinem Nachbar Zu, während der Dechant mit einem von Wohlwollen glänzenden Gesicht sich wieder setzte.„Schau, wie der Florian Geyer seinen Knebelbart streicht," murmelte der lange Lienhart.„Die Art kenn' ich an ihm. Gieb' acht, er wird dem Fuchs auf den Schwanz treten." „Mich dünket, daß wir die Bedingungen annehmen sollen, so vortheilhast sind sie," ergriff Götz von Berlichingen, der unterdessen angelegentlich auf Jakob Köhl eingeredet hatte, das Wort.„Beschwöret die Besatzung die zwölf Artikel, so stehen wir ohne Blutvergießen am Ziel und gewinnen an dem Frauenberge eine feste und mächtige Stütze für unsere weiteren Unternehmungen." „Das dünket mich auch." pflichtete Köhl ihm bei und fügte mit der ganzen Wucht seiner Stimme hinzu:„Nehmen wir's an, Brüder!" „Ei, habt Ihr es so eilig?" fragte Florian Geyer. Er durchschaute, Warrun Götz von Berlichingen auf den Vorschlag des Dechantcn so bereitwillig einging. Es ttteb den Ritter mit der eisernen Hand, so bald wie möglich an seinen alten Feind, den Bischof von Bamberg, mit dem er in so mancher Fehde und auch vor dem Reichskammergericht sich herum- gezerrt hatte, sein Müthchen mit überlegener Macht zu kühlen. Aber der Führer der Schwarzen Schaar erkannte auch, daß der Dechant nur Zeit zu gewinnen trachtete, indem er des Bischofs Zustimmung zu seinem Erbieten sich ausbcdang, und als erfahrener Kriegsmann wohl wissend, wie bedenklich, ja verderblich für das Baucrnhcer ein langes Stillliegen vor dem Frauenbcrge sein mußte, versuchte er, einen Druck auf die Unterhändler auszuüben. In dieser Absicht sprach er weiter: „Im Kreuzgang unten bin ich einen alten Leichenstein gewahr worden, an dessen vier Ecken je ein Ncchflcin ausgehöhlt ist. Ihr werdet ihn auch bemerkt haben. Darunter schlummert der edle Minnesänger Walter von der Vogelweidc. Als er zu sterben kam, hinterließ er dem Neumünster ein Ver- mächtniß, daraus den Vögeln jeden Morgen ein Futter in den Näpfen gestreut werden sollte. Die frommen Chorherren aber gedachten der heiligen Schrift, darin zu lesen ist, daß Gott die Vögel unter dem Himmel erhalte, obgleich sie weder säen noch ernten, und die Chorherren verwendeten die Stifturig zu Frühstückssemmcln für sich." Ein schallendes Gelächter nöthigtc ihn, innezuhalten. Auch Götz von Berlichingen lachte und"der Dechant lächelte. Mit strengem Tone nahm Herr Florian seine Rede wieder auf:„Also haben die Bischöfe alle Rechte und Frechcitcn des Herzogthums Franken verspeiset. Und itzt, wo»vir für sie das Schwert in die Faust genommen haben, da sollen wir sie für ein Linsengericht von Versprechungen verkaufen? Wer traute noch dem Krummstab? Wann wären die armen Leute nicht durch die schönen Worte der Herren ge- nasführt worden? Es ist die Zeit gekommen und die Axt dem Baum an die Wurzel gesetzet. Der Tanz hat erst recht angefangen und es soll einem jeden Fürsten vor seiner Thür gepfiffen werden. Wollen ivir die Axt zurück- halten? Wollen wir selbst schon wieder aufhören?" „Nein! Nein! Nein!" rief die Menge und die Haupt- leute und Räthe stimmten fast alle ein. Von der Thür her schmetterte es hell wie eine Troinpete: „Das Rattenncst muß zerrissen und zerschmissen werden." Hans Bermeter stand dort.„Wir sind 20 00U und ihrer kaum 250, darunter gar viele Kutten." Silvester von Schaumburg stieß sein Schwert heftig gegen den Fußboden und rief, der warnenden Geberde des Dechantcn nicht achtend, mit zornig rothcm Gesicht:„Versucht's, Ihr sollet willkommen sein!" Kaspar von Neinstein setzte hinzu:„Wir haben Pulver und Steine genug, um Eure 20000 Mann in die Lust zu blasen." Ungewöhnlich flink schnellte der Dechant von seinem Sessel in die Höhe und bat:„Gebietet Eurer nur zu gerechten Entrüstung, edle Herren! Mit feurigen Worten löschet man keinen Brand. Bedenket, daß wir Voten des Friedens sind l" „Aber Euer Hoffen stehet auf den Fürsten," entgegnete Florian Geyer.„Ihr bauet auf Sand. Die Fürsten können nicht zusammen kommen, sie sind im Schach. Ihre Zeit ist um, und sie können wider die Bauern nichts vornehmen." Hier ergriff der Pfarrer Bernhard Bubenleben ein Math über das seine Feder kratzend geflogen war, und sprach und las:„Vernehmet den Antrag derer von der Tauber: Der Fraucnberg mit allen noch übrigen Schlössern des Bisthuins und allem Geschütz und allen Vorräthen wird an das evangelische Heer übergeben. Den Geistlichen zusammen wird eine genügende Schätzung gezahlt, der Besatzung Leib und Gut und freier Abzug gewährt. Bei der Stadt Würzburg, der Landschaft und des Stifts Gefallen soll es stehen, den Frauenberg ungebrochen zu lassen oder nicht." Stürmischer Beifall ertoste und erstickte allen Widerspruch, auch derjenigen, welche die Zerstörung des Schlosses ver- langten. Die Hauptleute von Creglingen, WeikerLheim, Lauda, Königshofen schlugen an ihre Wehren. Götz von Berlichingen trocknete sich die kahle hcißgewordene Stirn und Balthasar Würzberger, der stattliche ViertelS- meister und Wirth zu der Schlehen rief mit dröhnender Stimme aus der Menge:„Das war ein Manneswort! Würz- bürg niuß wieder freie Reichsstadt werden." „Ja das war ein Wort, wie ein Schlag just auf den Kopf des Nagels," sagte Jakob Köhl.„Wer meiner Meinung ist, ich meine, wer dem Bubenleben seinem Vorschlag zu- stimmt, der erhebe eine Hand." Da streckten sich die Hände nicht nur der Hauptleuke und Bauernräthe, sondern auch der Zuhörer in die Höhe.„Es ist ein Mehr!" verkündete Köhl. „Das gilt nicht," rief Bermeter und versuchte zum Tische vorzudringen,„Die Zwingburg muß gebrochen werden." „Ja," fielen ihm die Würzburger zu, die Tauberthaler riefen:„Nein!" So schrien sie heftig gegeneinander. Götz überhäufte den obersten Hauptmann mit Vorwürfen, daß er die Versammelten überrumpelt habe. Der Pfarrer Denner wollte Ruhe stiften, aber seine Stimme verhallte in dem Lärm, der es den Ge- sandten nicht geheuer machte. Götz, Metzler und die Räthe der Odenwälder gingen unmuthig davon. Jetzt heischte Jakob Köhl mit seiner Stentorstimme Ruhe und hieb dazu mit der Faust krachend auf den Tisch.„Ihr habet hier garnix zu reden," fuhr er Hans Bermeter an.„Und wer jetzt noch sei« verfluchtes Maul aufthut, den schmeiße ich zum Fenster'naus. Höret die Boten!" „Roma locuto, carm finita," sagte der Dechant sarkastisch. „Das heißet zu Deutsch: Ihr habet gesprochen und wir habe» Eure Meinung vernommen, das ist das End. Den Marien- berg auf Eure Bedingungen zu übergeben, dazu haben wir nicht Vollmacht. Wir werden darüber berichten." Damit verneigte er sich und verließ unter allgemeinem Schweigen mit seinen Begleitern die Kapitelstube. Sie waren froh, wieder den freien Himmel über sich zu haben. „Ihr Herren," fragte der Dechant leise die beiden Edel- leute, als sie im Geleit Bermeters heimritten,„habet Ihr demerkt, wie der Götz und der von Geyersberg zu ein- ander stehen? Sie zerren den Strick nach beiden Enden; lasset uns sehen, ob wir ihn nicht in der Mitte durchschneiden können." Unterdessen entleerte sich die Kapitelstube allmälig. Balthasar Würzburger, Hans Leminger und andere Bürger der Stadt umringten den Pfarrer Bubenleben aus Mergent- heim und Jakob Köhl und sprachen eifrig mit ihnen; Florian Geyer trat dazu. Der lange Lienhart reckte aufstehend seine Glieder.„Bruder," fragte er den Brettheimer,„weißt Du nit irgendwo ein gut Tröpflein? Hab' einen Durst, als ob mich der Dompfaff in die glühende Hölle gesegnet Hütt'." „Der Bäck am Mühlthor hat ein gut Gewächs," er- widerte Leonhard Metzler und schickte sich zum Gehen an. „Oder wollen wir in den Grünen Baum? Kannst dort Deinen Höllenbrand mit Pfaffenwein ausgießen, und kostet nix. Denn die Würzburger verstehens, den Schwarzen die Keller zu fegen. Hast Du von dem Stücklein vernommen, das sie dem Domvikar aufgespielt haben? Nit? Der Domdechant hat auch dabei mitgespielt. Nu, wie der Vikar, der seine Pfarre in Rottendorf hat, eines Tags aus der Stadt heimkehrt, trifft er unter'm Rennweger Thor etliche junge Bursche, die dort ihren Spaß haben. Vermeint der Pfarrer, es ist auf ihn gemünzt und schimpft:.Was fanget Ihr denn an, Ihr Lausbuben? Ich will noch sehen, daß man Euch die Köpfe auf dem Markt abschlägt!' Feurio! Vor dem Dechanten Guttenberg seinem Haus rottircn sie sich zusammen, und der, aus Angst, es könnte noch schlimmer werden, erlaubt ihnen, dem Pfarrer zur Büß ein halb Fuder Wein aus seinem Keller in Rottendorf zu nehmen. Mit Gewehr, Trommeln und Pfeifen ziehen sie hinaus, als ging's zur Schlacht, und zu dem halben Fuder nahmen sie noch neun ganze hinzu. Das ganze Dorf lauft zusammen, auch die Weiber und Kinder, sauft und trägt lustig fort in Töpfen, Kannen und Zubern. Zuletzt war alles besoffen wie Noa und wälzte sich auf den Gassen im Koth wie die Schweine." Der lange Lienhart schlug eine tief dröhnende Lache auf. Metzler aber rief, ausspuckend:„Ist überhaupt eine Schweinezucht in dem Würzburg, und wird halt ärger von Tag zu Tag." Sie gingen zu dem Bäcker an der Maienbrucke, um ihre Maß in Ruhe zu trinken. Nicht lange, so sahen sie Florian Geyer die Domgasse herunter kommen, gefolgt von einem neu- gierigen Schwärm. Diejenigen, welche ihm begegneten, rückten ihre Hüte und Kappen, blieben stehen und schauten der hohen, fest einherschreitenden Gestalt mit den ernsten Augen beifällig nach. Ernst, jedoch ebenso entfernt von Hochmuth wie von Herablassung, dankte er ohne Unterschied der Person. Ein schmuckloses Barett, dessen Rand herabzuschlagen war, bedeckte das bärtige Haupt und anstatt des Brustharnisches trug er über dem Lederkoller eine lange, schlichte Schaube, unter der das Schwert hervorkam. Wind und Wetter hatten das kühne Antlitz, dem weniger die Vererbung der Rasse als Geist und Charakter ein edles Gepräge verliehen, stark ge- bräunt. Als er jenseits der Brücke die Burkharder Gasse entlang schritt, vernahm er aus dem Gildehaus der Fischer Fiedel und Dudelsack, Jauchzen und Weibergekreisch. Seine Brauen zogen sich finster zusammen. Vor dem Thor wandte er sich dem Nikolausberge zu, den die Würzburger den Klas- oder Gläsberg heißen. (Fortsetzung folgt.) (Nachdruck verboten.) WtevKmüvdigrs Geld. Die Entwickelung des GeldbegriffZ hat bei den Kulturvölkern zu einer ziemlich einheitlichen, allen geläufigen Auffaffung geführt; des realen Werthes von Gold und Silber, des konventionellen Werthes des Papiergeldes und der Scheidemünze sind sich die Chinesen ebenso bewußt wie die Völker Europa's.„Merkwürdig" und sonderbar konmn uns dabei das Papiergeld gewiß nicht vor. Wir müssen vielmehr die sogenannten Naturvölker durchmustern oder in unserer eigenen Kulturgeschichte um ein Jahrtausend zurtickgehen, um Geld- forte» ausfindig zu machen, die uns eigenartig, bizarr oder komisch anmuthen. Der Begriff des Sonderbaren ist ein relativer und entspringt rein subjckrivem Empfinden; der Zweck heiligt hier die Mittel, und jedes Volk Hilst sich eben wie es kann, um fiir seinen Besitz oder für den Ver- kehr in: eigenen Gebiet und mit den Nachbarn geeignete Werthmesser zu schaffen. Wir führen zunächst einige Beispiele aus schon mehr vor- ?eschrittenen Entwickelungsstadicn an und wenden uns dann den eute noch bestehenden primitivsten Verhältnissen zu. Bekanntere, weit verbreitete Geldarten, wie Perlen und Muscheln, lassen wir außer betracht. Achatstücke kursiren alS Geld in einzelnen Gegenden Borneo's, in Kordofan und Dar-For; Nephrit in Guayana; Eberzähne, die kreis- förmig gebogen und daher selten sind, an der Küste von Deutsch- Neuguinea; Pottwalzähne, ebenfalls nicht häufig, auf den Fidschi- und Gilbertinseln. Federgeld, aus den rorhen Federn einer Papageienart gefertigt, kommt aus verschiedenen Inseln Melanesiens vor, und mit den Stückchen rothen Pelzes des Fliegenden Hundes zahlt man auf den Loyalitätsinseln. Messingdraht hat am mittleren Kongo Kurs, einheimische Eisenketten gelten bei den Masiai, Kupfer ist besonders in 2—3 Pfund schweren, kreuzförnügen Stücken aus Katanga(Kongoquellgebiet), die„Handa" .genannt werden, eine in großen Gebieten Aequatorialafrika's gillige Münze; Zinnringe werden in Darr-For in Zahlung genommen. Die Vermuthnng läge nahe, daß man dieses Messing-, Kupfer- und Zinngeld eintauscht, um es zu praktischen Zwecken, etwa zur Ver- fertigung von Geräthschasten zu verwenden. Das ist jedoch keines- Wegs der Fall. Der Messingdraht wie die Handa behalten ihre Form beim neuen Besitzer bei, bleiben, was sie sind— also Geld. Alle bisher angeführten Geldsorten hat man wohl als„Schmuck- geld" bezeichne':; denn ihrer Entstehung liegt die ursprüngliche Be- deutung als Schmuck zu gründe. Noch mehr gilt das vom Kupfer und Antimonpulver, das als Zahlungsmittel im Zentralsudan be- mltzt wird, vom Röthel und blauen Vitriol, die früher in Usambara Geldwerth hatten. Kleidungsstücke oder Material zu solchen sind vorzugsweise dort als Geld im Gebrauch, wo sich dafür infolge der Sitte oder aus Roth- wcndigkeit ein Bcdürfnitz vorfindet. Zu den Zeiten der Hudsonsbai- kompagnie hatten die nördlichen Jndiancrstämme als Werthmesser das Biberfell, die Stämme am Missouri Bisonhäute, die Völker im Nordwesten des heutigen englischen Nordamerika seeottcr- oder auch Rennthierfelle. Hier dürfte allerdings das Geld gleichzeitig als Kleidungsstück dienen. Dagegen rechnete man auf den Färöer nach Schashäüten, die in Wirklichkeit nicht kursirten, und in Uganda dienten vor Einführung der Kaurimuschel Stückchen Rinderzeug als Scheidemünze. Im Sudan werden Hemden, die„Toben", bei den Missouri-Jndianern Hosen und in Tibet Fußbekleidungen als Münze genommen. Shawls werden in Persien in Zahlung gegeben, in winzige Stückchen zerschnitten selbst für die kleinsten Beträge. Er- wähnt sei bei dieser Gelegenheit, daß im alten Japan die Dichter- Honorare in— Stoffen gezahlt zu werden pflegten. Waffen und Geräthe als Geld scheinen zwar verbreiteter zu sein, doch beschränken sie sich fast ausschließlich auf den Erdtheil Afrika. Speere sind Wcrthmcsser am Kongo und oberen Nil, früher waren sie es auch bei den Kaffern. Die gefährlichen, hackigen Wurf- eisen werden von den nicht mohamedanischen Stämmen Süd-Bagirmis als Münze akzcptirt. Die Hacke ist nahezu überall in Afrika Werth- messer, vom Nil bis zum Sambesi, auch an der Karawanenstraße von Tabora nach Bagamoio in Deutsch-Ostafrika. Bei den Mankoya im Sämbesibogen bekommt man beispielsweise für 7 Hacken einen Sklaven. Eiserne Spaten sind ebenfalls echt afrikanisches Geld. Europäisches Schreibpapier wird im mohamedanischen Sudan gern in Zahlung genommen. Die sonderbarsten Vertreter dieser Geld- katcgoric sind freilich die leeren europäischen Branntwcinflaschen, die in früheren Jahren im Nigerdelta als Münze Umlauf hatten. Nahrungs- und Genutzmittel bilden wieder eine besondere, über die ganze Erde verbreitete Geldart. Bekannt ist wohl der in China geformte Zicgelthcc, mit dem mau vielfach in den chinesischen Neben- länderi:(Mongolei, Tibet) bezahlt. Salzzicgcl sind speziell afrikanisches Geld, wie in der Sahara, im Sudan und auch in Westafrika. So kommt Salzgcld aus der Landschaft Kissama südlich den Quanza in Angola, wo das gewonnene Steinsalz iir 1:/- Spannen lange zilindrische Stücke gesonnt wird; je 5 davon werden zusammengebunden und weithin ins Innere ausgeführt, wo das Bündel als Geld kursirt. Auch in Abessynien giebt es Salzgeld, und hier kann ein herumgebundenes Bastband als eine Art Prügung angesehen werden. Die abessynischcn Herrscher lassen aber außerdem seit Jahrzehnten Münzen schlagen, wie denn überhaupt alle diese afrikanischen Geldsortei: zum theil neben geprägtem Geldc(Maria Thercsicn-Thaler) und der fast überall als Scheidemünze üblichen Kaurimuschel in Umlauf sind. Mit Stockfischen bezahlte man in Island. Ein ziemlich sonderbares Geld kam in Lapp- land vor, nämlich— Käse. Alle diese Geldarten, so absonderlich sie uns erscheinen wollen, sind immerhin zweckentsprechend und einem gesteigerten Verkehrs- bedürfniß entsprungen— wenn schon sie ein ziemlich großes„Porte- monnaie" voraussetzen. Manche von ihnen haben nur innerhalb des Stammes Geltung, die meisten aber dienen doch schon dem so- genannten Außenhandel, d. h. sie werden von Stamm zu Stamm genommen und haben daher oft einen ungeheueren Vcrbreitungs- kreis. Es handelt sich ja auch zum großen Theil um Wcrthmesfer, deren Material überall aus praktischen Gründen geschätzt ist, deren Bestandtheilc also einen realen, faßbaren Werth haben. Ganz anders verhält es sich indessen mit den Geldarten, die ausschließlich entweder dem Umsatz im eigenen Lande dienen oder aber überhaupt nicht kursiren, sondern ein todtes, aber darum nicht weniger werthvolles Kapital des glücklichen Besitzers darstellen. Zu- stände, in denen einzig und allein solches Geld bekannt und vor- Händen ist, kennzeichnen sich als die primitivsten, sie finden sich aber nur sehr vereinzelt. Auf Handlichkeit, die man den bisher be- sprochenen Geldartcn doch bis zu einem gewissen Grade zusprechen muß, kommt es bei diesem auf den Kreis des Stammes beschränkten Gelde nicht im geringsten an; daher begegnet man hier den merkwürdigsten Geldformen. Dahin gehören z. B. bronzene Kanonen, die bis vor nicht langer Zeit den Häuptlingen auf einzelnen Inseln dcS ostindischen Archipels als unschätz- bare Werthstücke galten. Die Dayaks auf Börnes, die keineswegs auf der niedrigsten Kulturstufe stehen, tauschten den Ueberschutz ihrer Produkten sowohl gegen solche alten Kanonen wie gegen große chinesische Porzellanvasen aus. Dasselbe gilt von den alten Bronze- pauken bei den halb unabhängigen Stämmen des Inneren Hinter- indiens, sowie der malayischen Inselwelt, und auch von den Elfenbeinmassen, die die afrikanischen Herrscher anhäuften. Diese drei Beispiele sind übrigens gleichwerthig. Daß sich für die Afrikaner das aufgespeicherte Elfenbein, nachdem dieses in den Europäern eiftige Abnehmer gefunden, zu einem realen Werth- > gegenständ gewandelt hat, ist ein zufälliges Zusammentreffen; vorher waren diese Elfenbeinmassen ebenso wie die ostindischen Pauken und Kanonen nichts anderes als ganz imaginäre Beweis- stücke großen Reichthums. Sonderbar ist ferner das Steingeld der Karolinen; es sind das zentnerschwere Blöcke von Aragonit(kohlensaurem Kalk) von mühlsteinartiger Form, deren Werth sich nach dem Durchmesser abstuft. Dieses Steingeld bekam eine noch um so wichtigere Bedeutung, als das Material nicht im Lande selbst gewonnen, sondern auf Kanus von den benachbarten Paula-Jnseln geholt werden mußte. Auch die Kanonen und Pauken in Hinterindien und auf den Inseln sind, da sie wohl chinesischer Herkunft, importirte„Schätze". Alle diese Reichthümer wechselten begreiflicherweise kaum jemals ihren Besitzer. Den Dayaks auf Bonieo sind, wie erwähnt, alte große chinesische Porzellanvascn der Inbegriff alles Reichthums. Daß es sich hier wirklich um Geld handelt, wird durch die Thatsache erhärtet, daß die Basen je nach ihrer Art so und so viel Tellern an Werth gleich- stehen, also genau so, wie etwa unsere Mark hundert kleinste Werth- einheiten repräsentirt. Doch tritt bei diesen Basen noch ein Umstand hinzu, der ihnen eine besondere Bedeutung giebt. Sie wurden nämlich vor Zeiten als Behälter für die Ueberreste der Tobten benutzt, waren also nicht nur werthvoll, sondern im Sinne des Ahnenkults auch heilig. Ja, die Ueberbleibsel der Verstorbenen selber werden noch hier und da als Geld gebraucht. Wer von den Dayaks viel Feinde erschlagen hat und darum in den Besitz vieler Schädel gelangt ist, wird für reich gehalten. Auch den Battaks auf Sumatra gälte«— nach älteren Berichten— menschliche Schädel als Geld, während auf der Karolineninsel Jap gar die ganzen, in Matten gehüllten menschlichen Reste nicht nur todtes Kapital gewesen sein, sondern auch als Geld kursirt haben sollen. Es handelt sich bei diesen zuletzt erwähnten Geldsorten wahr- scheinlich in den meisten Fällen um heute verschwundene Zustände; die Quellen, auf denen die Mittheilungen hierüber beruhen, rühren vielfach aus älterer Zeit her. Heute ist mit Ausnahme einiger Jndianerstämme Brasiliens und der Bewohner des Inneren von Neuguinea kein Naturvolk mehr vor der Berührung mit den Europäern bewahrt geblieben, und unter dieser Berührung wandeln sich die Anschauungen sehr bald. Die Völker sehen ein. daß sie für ihre alten Reichthümer, die für die Europäer höchstens als Kuriositäten Bedeutung haben, die begehrten Erzeugnisse der Fremden nicht er- kaufen können. Diese verlangen vielmehr Gegenleistungen von realem Werth. Und so bringen denn auch auf diesem Gebiete die Anschauungen der Kulturvölker, sobald sie sich mit denen der Natur- Völker nicht auf gleichem Wege begegnen, große, alles Alte ver- nichtcnde Umwälzungen hervor.— Hermann Singer. lülciucö Isettillokon — s. Nciscgcnoss»!«. In Schnellzügen bleiben die Leute zu- geknöpft, selbst bei der größten Hitze. Als ich jüngst gegen Görlitz fuhr, saß neben mir ein Herr mit einem eisgrauen, feingeschnittenen Spitzbart. Ich rauchte ihm fünfundzwanzig Zigaretten der Reihe nach vor, aber nicht einmal zog er die behandschuhten Hände von den Knieen. Einige Tage später traf ich ihn wieder.— Da stellte es sich heraus, daß er seine Frau aus einem schlesischen Bade geholt. Nun verstand ich seine Geduld und Ergebung in den Willen eines Anderen. : Handlungsreisende freunden sich sehr leicht an. Noch offener geben sich junge Geschäftsleute, die sich erst vor kurzem etablirt. Denen hängt noch der ganze Hinmicl voll Geigen, im Sack haben sie die allergrößten Rosinen und vor der Konkurrenz fürchten sie sich nicht einmal ein klein wenig. Wenn Sie die Miethe zwei Tage vor dem Termin beisammen haben, geht e-Z bei ihnen schon auf den Kommerzienrath zu. Man muß sie jubiliren hören:„Bei mir wird nicht unter zehn Stück verkauft!"—„Was denn?"— „Zigarren I Selbstverständlich!... Mit dem£ habe ich einen Abschluß gemacht: Tausend Mille pro Monat. Fünfunddreißig I Sehr prciswerth! Regulirt wird bei mir innerhalb 10 Tagen.... Vorige Woche war ich in Bremen. Unsere Stadt... Pensionisten- Heini.... Ja!... Wird sehr viel und sehr gut geraucht. Nicht unter fünfzig.... Was, schon Horka?... Muß aussteigen.... Wissen schon.... Meine Verbindungen!..." Er schiebt ein Päckchen, in dem sich augenscheinlich zwei Zigarrenkisten befinden, unter den Arm und verschwindet. Es giebt auch Leute, die einem nach fünf Minuten ihre geheimsten Schmerzen vcrrathen. Auf der Linie hinter Warnsdorf war es. Der kleiiw Krämer ans Kirchenberg fragte, wie hoch heute die Mark stünde. Er müßte nacki Karlsbad in die Kur, schon zum dritten Mal, und da sei es ein wahres Kreuz mit dem Umwechseln. Aber hin müsse man, um sich einige Wochen auszurasten, sonst platze einem die Leber vor Aerger. Des Krämers Zorn stammte von den Quargeln her. Er selbst mache welche, schöne, fette, lege sie in Bier ein, dannt sie reif werden, und verkaufe sie dann, zwei Stück zu fünf Pfennig. Aber da habe sich vor einigen Jabren in dem Nach- barort so ein Kerl hingesetzt, und seit der Zeit sei nichts mehr zu wollen. Er, der Kerl, mache jeden Tag gleich einige hundert Schock Käseln, von weit her, in ganzen Fässern, bekomme er den Weißkäse. Die Quargeln ivürden zwar schon nach acht Tagen schwarz, aber die Leute kauften wie toll; die Dinger seien groß, und es gäbe drei Srück für fünf Pfennige......Wann gingen Sie das erste Mal nach Karlsbad?"—„Bor fünf Jahren."—„Und seit wann ist der— Kerl in Ihrer Gegend?"—„Wird wohl ein gutes Jahr länger her sein."— Ich schwieg. Mein Gegenüber griff nach der Rothweinflasche. Ja, man erfährt so manches aus der Eisenbahn; aber man muß auch etwas von den Quargeln, von den Küinmel-, Spitz- und Weiß- käse und von anderen guten Sachen verstehen!— — Barisalschüsse. Die„Barisal-guns" oder„Mist-Puffers* (Nebelzertheilcr), wie sie von den belgischen Matrosen genannt werden, jene eigenthümlichen, fernem Kanonendonner ähnlichen Töne, die vielfach in der Nähe der Meeresküsten gehört werden, sind in sehr verschiedener Weise erklärt worden. Auf eine neue Möglichkeit ihres Entstehens hat in der Londoner„Nature" neuerdings Prof. Cleveland Abbe hingewiesen. Der amerikanische Meteorologe macht darauf aufmerksam, daß diese Geräusche dieselben Eigenschaften haben wie diejenigen, die man hört, wenn man neben einem Aquarium mit Trommelfischen steht und deren Beivegungcn bewacht. Der Trommel- fisch, der an der atlantischen Küste der Vereinigten Staaten gemein, pflegt einen Ton von sich zu geben, der, bei einem großen Thiere, auf weite Entfernung hörbar ist. Abbe glaubt nun, daß ein Theil der als „Barifalschüffe" bezeichneten Tone von den Trommelfischen hervor- gerufen wird. Daneben sind nach seiner Ansicht als Ursachen wirk- fam: die Brandung, deren dumpfer Schall sich weit durch die Luft und noch weiter durch das Wasser verbreitet; ferner das Bersten von Felsen; endlich auch wirkliche Erdbeben, die auf dem Grunde des Meeres auftreten. Nach einer Mittheilung von Samuel W. Kam werden die Barifalschüffe in der Fundy-Bay an schönen, ruhigen Sommertagen sehr häufig gehört. Würde man hier und an anderen Ocrtlichkciten eine genaue Vergleichung der an verschiedenen Punkten gemachten Beobachtungen vornehmen, so dürfte wohl ein nähere» Einblick in das Wesen dieser seltsamen Naturerscheinung gewonnen »verden können.—(«Voss. Ztg.") Killturgeschichtliches. — Eine Geschichte der Kältcmischnngen, die sich die Völker in dem Verlangen nach Kühlung unter der glühenden Sonnenhitze schon frühzeitig zubereitet haben, giebt v. Lippmann in der„Zeitschrift für angewandte Chemie". Danach verfügte man, wie aus einer Bibelstelle zu schließen ist, schon zu Salomo's Zeiten im Sommer über Schnee. Auch die Inder konnten schon in alter Zeit künstliches Eis machen. Sie benutzten dazu das Zusammen- »virken von Verdunstnngskälte und Wärme-Ausstrahlung, indem sie �während ganz klarer und»vindstiller Nächte Wasser in flachen porigen irdenen Pfannen aus eine Unterlage trockenen Strohes in kleinen Erdgruben stellten.»vobei sich dann vor Sonnenaufgang eine Eisschicht gebildet, jedenfalls aber das Wasser sich bis zum Geftierpunkt abgekühlt hatte; daß salziges Wasser(seines tiefen Gefrierpunktes wegen) hierbei besonders kalt»vird,»var ihnen gleich- falls schon frühzeitig bekannt. In Rom»var die Verivenduiig von Schnee und Eis zn Anfang der Kaiscrzeit bereits ganz allgemein. Bei Beginn der Mahlzeiten begoß man sich die Hände mit Schnee- Wasser, mair kühlte die Getränke mit Eis, man trank Schnee- und Eiswasser und»varf Schnee in die Weinbecher, ja selbst in der Ein- ladung zu einem„einfachen Abendessen" verspricht der jüngere Plinius seinem Freunde Clarus neben Lkartoffelsalat, drei Schnecken und zwei Eiern auch Grütze mit Meth und Eis. Die Römer hatten schon förmliche Eiskeller. Sie packten zusammengepreßten Schnee in Gruben. die mit Erde, Dung oder Baum- zlveigcn bedeckt wurden. Der so aiifbelvahrte Schnee»var natürlich nicht besonders rein, und Plinius wußte schon, daß solches Schnee- und Eislvasser höchst ungesund sei und vielerlei Krankheiten verursache. Damm»varf man seit Nero's Zeiten den Schnee nicht mehr in das Getränk, fondern kühlte die Gefäße von außen damit. Nero wußte schon, daß vorher erwärmt geivesencs Wasser sich leichter und rascher abkühlen läßt, eine Erscheinung, die offen- bar auf der Austreibung gelöster Luft und Kohlensäure beruht. Nach Hippokrates gössen auch die Egypter vorher angewärmtes Wasser in flache Thonschüsseln, ließen diese auf der dem Winde ab- gewandten Seite der Dächer über Nacht stehen und brachten sie dann vor Sonnenaufgang in feuchte Erdgruben. Auch im frühen Mittelalter kanirtc man bei den Khalifen von Bagdad und Damaskus die sachgemäße Aufbclvahrung des Schnees. In Europa scheint die Verwendung von Schnee und Eis zur Sommerszeit zuerst am französischen Hofe Boden gefaßt zu haben, doch»var sie zur Zeit Köing Franz I. noch mrbekannt, da nach Brantöme damals eine Hofdame zun» Abkühlen von Getränken aus ihren» Vaterlande Portugal unglasirte porige Thongefäße kommen lieh. Bald lernte man aber auch hier die Aufbewahrung von Schnee und Eis. Im Anfang des 16. Jahrhunderts kamen auch künstliche Kältemittel auf. Durch Auflösen von Salpeter in Wasser konnte man Getränke derartig abkühlen, daß sie fast unerträglich für dieZühne waren. Der berühmte Baptiste Porte zu Neapel giebt 1589 schon an. daß man mit Eis und Salpeter eine weit höhere Kälte erreicht, als mit Salpeter und Wasser allein; bald verstand man auch damit Wasser zu klarem festem Eis erstarren zu lassen, und 1621 trug man in Bechern oder anderen Hohlformen gefrorenen Wein lind Fruchtsäste auf die Tafel. Avienna lvuhte, das; sich der Salpeter in der Kältemischung durch Kochsalz ersetzen lieh. Gegen die Mitte des 17. Jahrhunderts kannte mcm schon eine ganze Reihe Kälte- Mischungen, alle wurden damals als sehr bemerkenswerthe Er- findungen angesehen. Nach der Ueberliefcrung soll das Abkühlen von Wasser durch Salz an den Küsten des Mittelländischen Meeres erfunden worden sein, und zwar von durstgequälten Galeerensklaven. Wahrscheinlich ist, daß diese Unglücklichen wohl die Verbreiter dieses Verfahrens sind, dah besten Ursprung aber auch im Morgenlande zu suchen ist. Salpeter als Abkühlungsmittel von Wasser wird auch in chinesischen Schriften schon um 1150 erwähnt.— Völkerkunde. — lieber das Zwergvolk der Bakellis in Kamerun, das bisher nur dem Namen nach bekannt war, wird dein„Deutschen Kolonialblatt" jetzt von dem Kommandeur der dortigen Schntztruppe Ausführliches geschrieben: Während des Aufenthalts in Tuuga sMärz 1898) war es mir vergönnt, zum ersten Male mehrere Leute des Zwergvolkes der Bakellis zu sehen. Die Bakellis bewohnen den westlichen Urwaldgürtel und kommen hauptsächlich im Ngumba-, Bakoko- und Buligcbiet vor. Nach wiederholter Aufforderung brachte mir Tunga einen Häuptling und sieben Männer dieses Volkes. Ich habe die Körpergröße dieser acht Leute gemessen, die von 1,15 bis 1,60 Meter variirt Die Bakellis haben sich augenscheinlich schon vielfach mit anderen Stämmen gemischt, nur bei den kleinsten Männern war die hellere, beinahe gelbe Hautfarbe und die eckigen, starkknochigen Gesichter zu bemerken. Schon während meines Aufenthaltes in Matcmape Ivar von einer Patrouille ein Balelliweib und ein Knabe ergriffen worden. Nur der Knabe schien von reiner Nasse zu sein. Beide entwiche», absichtlich nicht streng bewacht. Späterhin kaufte ich in Lolodorf von einem Ngumhäuptling ein ausgewachsenes Bakelli- mädchcn frei, dasselbe ist 1,24 Meter groß; ich habe es behufs Messungen und Abbildungen nach Kamerun gebracht. Die Bakellis sollen fleißige Gummisaminler und Jäger sciii, trotzdem werden sie von den anderen Stämmen verachtet und werden kaum als Menschen angesehen.— Geographisches. ss. lieber die Schiffbarleit der nordchinesischen Ströme hat der belgische Ingenieur Edouard Walin nach seiner Rückkehr aus China eine bemerkenswerthe Arbeit veröffentlicht. Walin war erstaunt über die Bedeutung der regelmäßig wieder- kehrenden Ucbcrschwcmmungen, über den schlechten Zustand der Schifffahrtswcge und über die ungeheure Menge von �ink- stoffcn, die die Flüsse zu jeder Jahreszeit mit sich hcrabsühren. Als wirklich schiffbare Flußstrecken wären im nördlichen China nur der Hnn-Ho zwischen Ticn-tsin und Peking, der Fluß von Ticn-tsin auswärts bis Pao-ting, der Wei-Ho von Ticn-tsin aufwärts, der zur Hälfte für den Kaiserkanal benutzt ist, und der Dang-tse-kiang zu nennen. Alle anderen Flußlänfe können nur von kleinen Dschunken befahren werden. Es ist aber nicht unmvglick, Verbesserungen der Verhältnisse sogar auf den meisten dieser Flüste einzuführen. Die Chinesen selbst haben sich bereits sehr darum bemüht, durch Errichten von Deichen und Grabung von Ableitungskanälen, aber die bisher ergriffenen Maßregeln genügen nicht annähernd. Es handelt sich darum. das fortwährende Losreißen von Erde durch die Flüsse zu verhindern, das Wasser so viel als möglich zu klären und die Sinlstoffc, die durchaus nicht zu beseitigen sind, bis in die Flußmündungen und bis ins Meer hinabzuführen. Als ein Beispiel der gegenwärtigen Vcr- hältnissc giebt Walin die Zustände an dem Flutze von Peking und seinem Hauptnebenflussc. Die Zuflüsse beider sind wie die Mehr- zahl der anderen Flüsse dieses Gebietes wahre Wildwasscr, die außerordentliche Verheerungen in der Provinz Pe-tschi-Ii an- richten. Außerdem erhöhen sie, was ebenfalls stattfindet, fortgesetzt ihr Bett durch Ausschüttungen von Sand und Schlamm, sodaß dastclbe bereits 2—1 Meter über dem Niveau der um- gebenden Ebene liegt. Man kann sich danach eine Vorstellung da- von machen, welche Schwierigleiten und Gefahren die Eindämmung solcher Flüsse mit sich bringt. Walin schlägt zur Verbesserung der nordchincsischcn Schifffahrtsvcrhältnisse folgende Arbeiten vor: Ein- dämmung der oberen Zuflüsse, Sicherung der Flntzufcr gegen Ein- stürz in den Hauptbetten, Verkleinerung und Vertiefung der Betten, Regelung der Flußzusammcnflüsse, sodaß dieselben im spitzen Winkel und in der Strömungsrichtung erfolgen, verschleuste Barren ze. Würde eine hiirrcichcndc Durchführung dieser. Pläne lange Zeit in Anspruch nehmen, so würde sie doch sicher lohnend ausfallen.— Technisches. lc. Amerikanische Arbeitsverhältnisse. Bei der Annahme von Arbeitern fragt der Werkmeister in Amerika den sich Verantwortlicher Redakteur: August Jaeobey in Ber Meldenden einfach, was er machen will und erkundigt sich nicht, >oie bei uns, danach, ob er es auch machen kann, wo er schon ge- arbestct hat u. s. w. Die zweite Frage ist, wieviel Stück er täglich fertigstellen kann, und schließlich, welcher Lohn gefordert wird. Fordert ein Arbeiter einen hohen Lohn, so muß seine Leistungs- fähigkeit dem entsprechend sein, sonst wird er sofort wieder ent- lassen. Andererseits steht es aber dem Arbeiter vollständig stci, zu arbeiten wie er will. Er ist in keiner Weise an eine feststehende Arbeitsmethode gebunden, wie dies in Europa zumeist der Fall ist, wo der Werkmeisrer ängstlich darüber wacht, daß nach seiner.alten, bewährten Methode" gearbeitet wird. Es kommt häufig vor, daß Arbeiter es verstehen, durch eine Verbesserung der Werkzeuge oder durch besondere Geschicklichkeit die Fertigstellung ihrer Arbeit außerordentlich zu beschleunigen. Vielfach muß der Arbeiter ein Probestück machen; so wird z. B. in der Singer Nähmaschinenfabrik dem sich meldenden Arbeiter ein dickes Stück Rundstahl übergeben mit dem Auftrag, es mit Hilfe des Winkelmaßes derart abzufeilen, daß es einen Block mit verschiedenen absolut rechtwinkeligen Seiten bildet. Nach der Zeit, die der Ar- beiter zur Vollendung dieser Aufgabe braucht, wird der Lohn fest- gesetzt. Ist auch nur eine einzige Stelle nicht genau winlelrecht, so ivird der Arbeiter nicht augcnomnien.— Humoristisches. — Des Fromm en Klage..Koa biß! koa Religion hams niimner dö Leut heutzutag; derazeit, daß unseroans in Amt und Predig is, sitzcnS in der Wstthschaft und fressen an d' Weiß- würscht weg!"— — F a m i l i e n s o r g e n. Fähndrich(zu seinem Bruder- dem Kadetten):„Wie unser alter Herr nur so aus der Art schlagen konnte I Alle unsere Borfahren waren Milirärs, nur er ist untcr's Zivil jerathen. Jetzt können w i r imn sehen, wich wir unsere Familie wieder hoch kriegen."—(„Simplicissiüms.") Vermischtes vom Tage. lc. In diesem Jahre wurden bis jetzt in Deutschland drei Millionen Doppckzenmer Eis im Werthe von 1 Millionen Mark eingeführt. Norwegen lieferte mehr als 2 Millionen Doppelzentner. In der gleichen Zeit des Vorjahre? wurden nur 89 295 Doppel- zcntner eingeführt, die einen Werth von 118 000 Mark hatten.— — In der Nacht zum Dienstag brannten in M rufe I w i tz die Gebäude einer Braunkohle nabbau-Gcsellschaft niederf; nur die Brikettfabrik und die Vorrathssckwppcn wurden gerettet.— — Bei einer Hochzeitsfeier wurde in Herxheim bei Landau die Braut und ihr Better vom Blitze erschlagen; der Bräutigam wurde gelähmt.— — Ein Ilniversitätsprofestör rnis Innsbruck wollte ohne Führer die G e i st c r s p i tz e in Tirol ersteigen. Er stürzte ab und ertrank in einem Gletschcrvach.— c. e. In A l t o r f IKanton Uri) wird im Frühling 1899 ein Theater eröffnet werden, das fast ausschließlich Tell-Auf- führungen von Schweizer Künstlern bringe» soll.— — In der Schweizer„Hotel- Revue" ist zu lesen: Ein R e i s c s ch r i f t st e l l e r in Halle a. S. schreibt an ein Schweizer Hotel:„Habe Auftrag, meine Schweizerreise in einer großen deutschen Zeitung zu veröffentlichen. Habe auch bei Ihnen verkehrt und ivar sehr zustieden. Werde Sie lobend erwähnen, das wird ihnen viel Freunde zuführen. Bitte, mir als E u t s ch ä d i- gung 10 Fr. zuzusenden, dafür erhalten Sie sofort Zeitung als Beleg."— — Die Bevölkerung Belgiens beträgt nach der Volks- zählnng vom 31. Dezember 1897 6 586 593 Personen; demnach hat hat sich also die Bevölkerung fett dem Jahre 1895 um 175000 Per- sonen vennehtt.— — Vor 37 Jahren wurde in Nantes ein Mann zu l e b e n S« länglichem Gefängniß verurthcilt, weil er eine Wittwe um» gebracht haben sollte. Jetzt soll das Verfahren wieder aufgenommen werden, da die Unschuld des Verurtheiltcn eriviesen wurde.— — Bei einem Gewitter in M e z z a n o bei Trient hatten sich drei Geschwister unter eine Tanne geflüchtet. Der Blitz schlug in den Baum und tödtcte alle drei.— — 260 Wohnhäuser und alle öffentlichen Gebäude der Stadt Luboz(Gouvernement Wiusk) sind durch einen großen Brand zerstört worden. Mehrere Menschen werden vermißt.— o. e. Gemäldei-Alis stell«» gen für Arbeiter, zugänglich für ein Eintrittsgeld von 5 Kopeken, veranstaltet der„Verein Petersburger Künstler", da die M n s c e n nur in. g u t e r Kleidung" betreten werden dürfen.. Die erste dieser Ausstellungen, die über 500 Gemälde und Skulpturen cnthälr, ist ani 13. August eröffnet worden.— — Mehr als 100 000 Menschen sind seit zwei Jahren in V o m h a y und den angrenzenden Provinzen an der Pest ge« storben.— liu. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.