InterHallungsblatt des vorwärts Nr. 176. Donnerstag, den 8. September. 189» (Nachdruck verboten.) 72] ttm die Fveilzeik. Geschichtlicher Roman aus dem deutschen BaueMkriege 1525. Von Robert Schweichs l. „Rück' es ihnen nur auf," schaltete Florian Geyer ein; „denn der Götz und ich haben leider tauben Ohren ge predigt." „Und vor fünf Tagen ist es bei Böblingen zu einer mörderischen Schlacht gekommen," fuhr Hipler fort.„Die Württemberger haben sich mit großer Tapferkeit gewehrt, wie auch vordem; aber zuletzt haben sie weichen müssen. Ueber zwei Tausend von ihnen sollen ge fallen und auf der Flucht erstochen sein. Alle Wege, alle Wälder sind voll von Flüchtlingen, und wo der Truchseß in ein Dorf oder Städtlein einzieht, da hat der den Henker bei sich und schaffet ihm reiche Arbeit. Auf die Pre- diger des gereinigten Glaubens hat er es besonders ab- gesehen. Es geht ihm aber ein absonderlich großer Schrecken voraus. Das sind seine Eisenreiter und das Volk nennt sie Jörg's Tod." „Mag er nur kommen, wir fürchten uns nit," rief Jakob Köhl und schlug sich mit der Faust auf die Brust. Wendel Hipler nahm den Faden seines Berichtes wieder auf:„Alsobald wir durch Flüchtlinge von der Schlacht bei Böblingen erfuhren, thaten wir, was in unseren Kräften stand, der Locher, Schickmer und ich. Da aber die Neckar- thaler hier bei den Odenwäldlcrn liegen, so hatte unsere Aufmahnung keinen sonderlichen Erfolg. Die Land- Icute waren Wohl willig zu fechten, allein die Städte waren zag und hatten bereits ihre Unterwersungsschreiben an den Truchseß eingeschickt. Ohne sie als zuverlässige Stiitzpunkte, war bei der geringen Macht, die wir sammeln konnten, jeder Widerstand aussichtslos, zumal der Truchseß die Flüchtlinge von Böblingen, die der Jäcklcin Rohrbach bei Hohenasberg sammelte, zersprengte. So bin ich denn hierher geeilt. Helfet, Freunde, Brüder! Der Sieg unserer Sache wird nicht hier, sondern in Württemberg ausgefochten. Schlagen wir den Truchseß aufs Haupt, so schlagen wir damit alle unsere Feinde aufs Haupt." Der lange Lienhart stieß sein mächtiges Schwert klirrend gegen den Steinboden und rief:„Recht hat er. Zu den Waffen denn I Auf, dem Truchseß entgegen Der Ruf fand jedoch nur geringen Wiederhall. Kunz Bayer, der Pfcnnigmeister und Schultheiß von Ottelfingen, sagte vernehmlich:„Wir sind halt Franken, keine Schwaben." „Und das Hemd ist uns näher als der Kittel," fügte Jakob Köhl hinzu. Jörg Metzler und Hans Flur drohten beiden mit den geballten Fäusten und Wendel Hipler starrte sie an, als ob er nicht recht gehört hätte. „Das ist die wahre Freihcitsliebe, die nur an sich denkt und den Bruder zu gründe gehen läßt," bemerkte Florian Geyer bitter. „Aber auch die Würzburger sind unsere Brüder, und wir haben ihnen gelobt, nicht von ihnen zu lassen, bis daß der Marienberg zerrissen ist," wandte der Pfarrer Bernhard Bubenlcben ein, worauf der Vrettheimer Metzler murrte: „O weh, itzt ist's gefehlt!" „Das wäre kein Grund, Bruder Pfarrer," hielt diesem der oberste Haupttnann des Tauberhaufens, Hans.Kolbenschlag, ein breit und fest auf sich ruhender Mann, entgegen.„Denn wir haben just gehört, wie übel es auf dem Schloß ausschaut. Wir haben aber auch gehört, daß der Bischof 5lonrad mit dem Pfalzgrafen und im Norden der Henncbcrger mit dem Land- grasen von Hessen unS bedroht." „Und im Osten der Markgraf Kasimir," ergänzte Gregor von Burgbernhcim, der Haupttnann der Markgräfischen. Es war ein noch nicht dreißigjähriger Mann, der höchst selten einmal das Wort ergriff.„Er hat sich an der Rothenburger Grenze zusammengeballt und senget und brennt, noch freilich in seinem eigenen Land." „Und übcrdem sind wir nit schlagfertig," nahm Hans Kolbenschlag von neuem das Wort.„Wir haben viele und just die zuverlässigsten Leute, weil wir sicher sind, daß sie sich auf den ersten Ruf wieder stellen, zu den Feldarbeiten nach Hause entlassen und die Schwarze Schaar hat gar schwere Verluste erlitten." „Stehet es also?" rief Wendel Hipler betroffen.„Jetzt rächt es sich bitter an uns, daß wir nichts davon haben hören wollen, die nach der Schlacht von Pavia entlassenen Fußknechte anzuwerben. Dem Feind haben wir sie zugetrieben und ihre Waffen auf unsere Brust gekehrt." Florian Geyer, der bisher nachdenklich an seinem Schnurr« bart gedreht hatte, erhob jetzt den Kopf und sprach:„Unter den Feinden, die uns umdräuen, ist zweifellos der Truchseß der stärkste. Haben wir ihn besiegt, haben wir mit den anderen ein leicht Spiel. Durch unsere Schuld hat er sich derart ausgewachsen. Ihm müssen wir uns daher vor allen Dingen mit unserer größten Macht entgegenwerfen, ohne unseren Rücken bloßzugeben. Das fürnehmlichste ist daher, und wir müssen es sogleich ins Werk setzen, daß die Fähnlein ihre Beurlaubten zurückrufen und daß der Ausschuß an alle uns Verbündeten Gemeinden ein Anschreiben richtet, sich zu rüsten und auf das erste Zeichen mit ihrer ge- sammten waffenfähigen Mannschaft uns zuzurückcn. Denn wir werden unseren Feinden gegenüber unsere ganze Macht brauchen; den mindesten Theil, um den Maricnberg im Auge zu behalten, einen anderen gegen den Hcnneberger und den Landgrafen, den dritten gegen den Markgrafen und den größten von allen, um dem Truchseß die Sttrne zu bieten. Beschließet indcß nach meinem Antrage, denn wir haben keine Zeit zu verlieren, und führet's aus." „Aber wir müssen doch erst einen Fcldzugsplan haben," wandte Kunz Bayer, der Schultheiß von Oettelfingen, ein. „Den entwerfen und erwägen wir, derweilen Unsere Eil- boten laufen," erwiderte Florian Geyer.„Die Hauptsache wird sein, daß wir uns nicht hier von unseren sämmtlichen Feinden umdringen und wie einen Eber von den Jägern stellen lassen." „Das ist das richttge," pflichtete der Kanzler ihm bei, der inzwischen durch einen neuen Trunk sich gestärkt hatte. „Wir müssen eine feste Stellung beziehen, in der wir es dem Truchseß, der nit säumen wird, dem Bischof und dem Pfalz- grasen Ludwig die Hand zureichen, unmöglich machen, in das Bisthum zu fallen. Lasset itzt die Briefe schreiben und sendet die Boten fort, wie es der Hauptmann Geyer vorgeschlagen hat. Mir vergönnet unterdessen, daß ich mich eine kleine Weile verruhe." „Wir brauchen wohl alle eine kleine Stärkung. Ich bin allbcreitS hungerig als wie ein Wolf," ließ sich Jakob Köhl vernehmen. „Aber mein Antrag?" fragte Florian Geyer mit ge- runzelter Stirn. „O, da ist halt keiner gegen," meinte der oberste Haupt- mann, und von allen Seiten erscholl ein Nein. Als Wendel Hipler die Kirche verließ, trat ihm aus der Menge, die das Gerücht von seiner Ankunft vor derselben versammelt hatte, die schwarze Hofmännin entgegen und er- kundigte sich, ob er etwas vom Jäcklcin Rohrbach wisse. „Ach, Ihr seid's, Hofmännin?" antwortete Hipler zögernd. „Hm, der Rahrbach! Ja, von dem weiß ich Euch kaum gutes zu vermelden. Ihr wisset halt selbst, wie es im Krieg zugehet." „Todt," murmelte sie. „Ich habe halt nur vernommen, daß er gefangen ist worden, bei Hohenasberg von dem Truchseß." „O, das ist schlimmer als todt," stöhnte sie. „Freilich: denn er befehligt das Strafgericht zu Weins- bcrg," gab Wendel Hipler mit einem mitleidigen Blicke zu. Sie sah ihn forschend an und fragte:„Was meinet Ihr?" „Nun, Hofmännin, Ihr möget's Euch selber ausdenken. Auch der Melchior Nonncnmacher, der dem Grafen von Helfen- stein zum Gang in die Spieße aufspielte, wurde gefangen, schon etliche Tage vor ihm. Es ist eine große Schlacht bei Böb- lingen gewesen und der Nonnenmacher hatte einen Unter- schlupf in Sindclfingen gefunden. Die Bürger lieferten ihn an den Truchseß aus. Als es Nacht wurde, ließ der Truchseß ihn auf dem Schlachtfeld mit einer Kette an einen Apfelbaum binden, so daß er zwei Schritte um denselben laufen konnte,' und anderthalb Klafter von dem Baume einen Holzstoß auf- schichten. Der Truchseß und seine Ritter trugen Scheite dazu und scherzten, daß sie den Spielmann fein langsam braten wollten. Und die Entmenschten standen dabei und lachten und johlten, wie der Unglückliche in dem feurigen Kreis an seiner Kette hin und herlief und sprang und vor Schmerzen brüllte als wie ein wildes Thier. Es währte aber lange, bis er zu Boden fiel und verstummte.— Einer von den Ge- fangenen, die zusehen mußten, und dem es im Laus der Nacht zu entfliehen gelang, hat es mir erzählt." Es gab wahrlich unter den Zuhörern, zu denen sich die aus der Kirche kommenden Bauern gesellt hatten, starke Herzen genug. Selbst die stärksten überfröstelte jedoch bei solch ausgeklügelter Barbarei ein Grauen. Die schwarze Hof- männin lachte wie eine Wahnsinnige auf. „Ich fasse es nicht, wie ein Feldherr seine Ehre vor Mit- und Nachwelt durch solche Gräuel schänden kann," äußerte Wendel Hipler, als er sich vor denr Hirschen, in dem er her- bergte, von Florian Geyer verabschiedet.„Keine Zeit kann solche Schandthaten im Gedächtniß der Menschen je aus- löschen." „Der Schwäbische Bund wußte wohl, warum er just ihn zum obersten Feldhauptmann wählte," erwiderte Florian Geyer.„Wenn eine schlechte Sache, wie eS die der Herren, noch zu retten ist, dann bedarf es dazu des gewissenlosesten Mannes. Suchen wir den Schrecken, den er absichtlich ver- breitet, uns zum Guten zu wenden!" Inzwischen hatten sich, seinen Tags zuvor crtheilten Be- fehlen gemäß, bei den Geschützen auf dem Platze die Mann- schaften gesammelt und jetzt trafen auch die Gespanne ein, um mit dem Transport der Stücke auf den Nikolausberg bc- ginnen zu können. Florian Geyer ließ darüber sein bereits verspätetes Mittagsmahl vollends im Stiche. Ein Imbiß im Hirschen, wohin er sich einige Stunden später begab, um gemeinsam mit Wendel Hipler den Fcldzugsplan zu berathen, mußte ihn schadlos halten. Bis in die Nacht saßen sie bei- sammen. Eine Stellung, welche den von Hipler angedeuteten Vor- theil gewährte, Ostfranken zu decken und das Vordringen des Truchseß zu verhindern, bot das hoch über dem Jaxtthale ge- legene Städtchen Krautheim. Ein festes Lager daselbst be- drohte nicht nur die ganze noch unentwaffnetc Landschaft bis Stuttgart, sondern deckte auch die Tauber und den Mittelmain, von wo man sich ungehindert mit den nöthigen Lebensmitteln versehen konnte. Umgangen konnte diese Stellung nicht Werden, auf dem rechten Flügel nicht, weil Adelsheim und Morbach sie deckten, und der Umweg über Miltenberg hätte Stuttgart preisgegeben. Aus dem linken Flügel war eine Um- gehung unmöglich, so lange Rothenburg nicht genommen war. Nur Haltenbergstedten, die Burg Zeisolfs von Rosenbcrg, unter- brach diese Linie, weshalb die Burg gebrochen werden mußte. Außerdem war die ganze Stirnseite des Lagers, von der estigkeit durch die Natur abgesehen, durch eine Reihe von urgen und Städtlein der Grafen von Hohenlohe verstärkt, die mit den Bauern verbündet waren. Sie mußten unvcrzüg- lich aufgefordert werden, die Städte und Schlösser mit Geschütz, Munition, Fußknechtcn und Lebensmitteln zu versehen. Als aber Florian Geyer und Wendel Hipler am nächsten Tage diesen Plan der Versammlung vortnigen, stießen sie auf einen zähen Widerstand. Selbst die klarste Darlegung der Vortheile, welche ein festes Lager bei Krautheim gewährte, vermochte die Widersacher nicht zu überzeugen, weil sie nicht überzeugt sein wollten. Simon Neuster behielt nur zu sehr recht mit dem, was er gegen Florian Geyer über den unter den Führern herrschenden Geist geäußert hatte. Nicht nur der Hauptleute Eitelkeit, Eifersucht und Ehrgeiz und der Pfarrer Streitsucht und Rechthaberei erhoben ihre verwirrenden Stimmen. Man gefiel sich auch zu gut in dem reichen Würz- bürg, um es ohne Roth, wie ihnen dünkte, zu verlassen, und was kümmerten sie die Württemberger, die Schwaben? Nicht einmal die Aufmahnungen an die verbündeten Gemeinden waren ergangen. Welche Unterstützung Florian Geyer und Wendel Hipler auch an dem langen Lienhart, den beiden Vettern Metzler, Hans Kolbenschlag, Gregor von Burg- bernheim und Jörg Spelt fanden, die kostbare Zeit verrann ergebnißlos. Der Kanzler war der Verzweiflung nahe.„Wohl, wohl," rief er bitter,„legen wir die Hände in den Schooß und warten wir, bis uns der Truchseß absticht oder brät; das ist unser Heldenthum." Am folgenden Morgen kam Götz von Verlichingcn in den Ausschuß, in welchem er sich seit der Zerstörung der Kirche von St. Burkhard nicht mehr hatte blicken lassen. Er hatte viel Mühe, in den Ausschuß zu gelangen: denn der Kirchen- platz war voll Bauern von der Schwarzen Schaar, dem Rothen- burgcr Fähnlein und dem Evangelischen Heer, das zu Hoch- berg lagerte. Hipler's Nachrichten hatten alle Lager aufgeregt und der Zwiespalt im Ausschuß drohte auch des Heeres sich zu bemächtigen. Heftiges Geschrei, aus dein Rufe vernehmbar waren, wie:„Helfet den Brüdern!"„Wer nit will, ist ein Verräther!"„Ziehen! Ziehen!" begleiteten den Ritter mit der eisernen Hand. Im Ausschusse selbst standen sich die Parteien drohend gegenüber und nur die geivaltige Stimme Kohl's vermochte die Ruhe so weit herzustellen, daß die Sitzung beginnen und Götz das Wort ergreifen konnte. Dieser erklärte, daß die Zeit des Berathens vorüber sei; ob der Ausschuß den Plan Hipler's und Geyer's annähme oder nicht, er würde unverzüglich mit dem Evangelischen Heere aufbrechen. Denn die Brüder am Neckar seien auf das ärgste bedrängt und flehten kläglich um Hilfe. (Fortsetzung folgt.) Die nkmosptziieisisze Luft. Vor drei Jahren wurde die wissenschaftliÄe Welt und bald auch das größere Publikum aufs höchste überrascht durch die sonderbare Kunde, daß es zwei englischen Forschern gelungen sei, in der uns umgebenden Luft einen bisher nicht bekannten Stofi, den sie Argon nannten, aufzufinden und nachzuweisen. Es existirt also in ganz beträchtlichen Mengen rings um uns ein gasförmiger Körper, den wir bei jedem Athemzuge einathmen, den wir stets im Leben in unserer nächsten Nähe haben, ohne daß wir klugen Menschen auch mir die leiseste Ahnung davon hatten. Wie war das nur möglich? Wie konnte unseren Chemikern und Physikern ein'solcher Umstand entgehen, während wir für gewöhnlich doch meinen, die Wissenschaft sei beinahe schon auf den höchsten Stand ihrer Vollendung gebracht. Und noch Wunderbareres haben wir in den letzten Wochen vernehmen müssen; nicht genug mit dem einen neuen Gase, dem Argon, so hat sich jetzt gezeigt, daß noch drei weitere Stoffe in der Luft vorhanden sind, die von den Entdeckern als Krypton, Neon und Mctcrgon bezeichneten Gase, und wir stehen vielleicht durchaus noch nicht am Ende der Entdeckungen. Die Luft also, unsere beständige Umgebung, die wir doch eigent- lich so gut kennen sollten, wie unsere Westentasche, hat sich der näheren Kcnntniß bisher so meisterhaft zu entziehen gewußt, daß die Menschen erst jetzt eine Reihe ihrer Bestandthcile auffinden. Wie ist das nur denkbar? Um das zu verstehen, müssen wir uns erst einmal über die Frage klar werden: Was ist denn die Lust? Wir sehen sie nicht, wir riechen und schmecken sie nicht, im allgemeinen fühlen und hören wir sie auch nicht, so daß es fast scheinen könnte, als ob die Luft gar kein Stoff wäre, sondern nur ein anderer Name für den stofflosen leeren Raum. Dem ist freilich nicht so; wenn wir das Heulen des Sturmes vernehmen oder wenn er uns gar selbst um die Ohren pfeist und mit unwiderstehlicher Macht packt, dann er- kennen wir deutlich, daß hier kein bloßer Raum, sondern ein kräftiger Stoff vorhanden ist. Aber doch sind Jahrhunderte und Jahrtausende dahingegangen, che die Menschen erkannten, daß dieser seltsame unsichtbare Stoff, den Ivir nicht fassen und greifen können, mit den anderen Körpern, die sich auf der Erde rings um uns be- finden, die Eigenschaft der Schwere gemein hat, und daß diese Eigenschaft eS überhaupt ist, die ihn an die Erde fesselt. Und nicht nur die Menschen im allgemeinen, sondern auch hervorragende Naturforscher hielten die Lust für gewichtslos; der be- rühmte Lehrer Alexander des Großen, der sämmtliche Wissensgebiete seinerzeit ungemein bereichert hat, Aristoteles (334 bis 322 v. Chr.).' dessen physikalische Anschauungen das ganze Mittelalter beherrscht haben, gab sogar einen Beweis dafür an, daß die Luft kein Gewicht habe. Eine stark gefüllte und demgemäß gespannte Schwcinsblase zeigte nur dasselbe Gewicht, wie wenii sie zusammengepreßt und die Luft aus ihr herausgedrückt wurde; die vorher in ihr enthaltene Luft hatte ihr Gewicht also nicht vermehrt. Wäre Aristoteles im stände gewesen, aus einer Glasflasche die Lust zu entfernen, wie wir es heute mittels dcr Luftpunipe thun, und hätte er dann eine solche Flasche luftleer und mit Luft gefüllt gewogen, so würde er einen Unterschied wohl bemerkt haben, voraus- gesetzt, daß seine Wage so kleine Gewichtsdifferenzen angezeigt hätte. Heute gehört dieser Versuch zu den allcrcinfachstcn und wird in jeder Schule' bei den Vorträgen über die Luft angestellt; man hat durch ihn ermittelt, daß 1 Liter Luft etwas mehr als 1'/« Gramm wiegt, eine geringe Größe zwar verglichen mit dem Gewicht des Wassers, von dem 1 Liter 1 Kilogramm wiegt. Denkt man jedoch an die gesammte Luft, welche die Erde mit einer Dunsthülle von 10 bis 12 Meilen Höhe umgiebt, so erkennt man bald, daß sich hierfür ganz gewaltige Zahlen ergeben, unsere gcsamnite Atmosphäre wiegt nämlich nicht weniger als 5 Trillionen Kilogramm. Nachdem man die wichtigsten Eigenschaften der Lust erkannt hatte, ihre Schwere, ihre Ausdehnungsfähigkeit und ihre Zusammen- drückbarkeit, ihr Verhalten bei Erwärmung und Abkühlung, u. s. f., drängte sich naturgemäß die Frage auf: Was ist sie denn eigentlich? Ist die Luft ein einfacher chemischer Körper oder ist sie ein Gemenge aus mehreren Gasen, und sind diese dann einfache oder zusammen- gesetzte chemische Stoffe? Es ist noch nicht viel länger, als 100 Jahre her, daß man ans diese Fragen eine Antwort fand. Zunächst ergab sich, daß in der Lust mehrere, im wesentlichen zwei Gase mit einander gemengt enthalten find, denen man die Namen Sauerstoff und Stickstoff gab. So wesent- lich diese beiden Bestandtheile in ihrer Mischung für unser Leben sind, so verschieden sind sie in allen ihren Eigenschaften. Beide sind natürlich, wie auch die Lust, durchsichtige färb- und geruchlose Gase; während aber der Sauerstoff eine Verbrennung unterhält,� ja, zu jeder Ver- brennung unbedingt nöthig ist, kann im Stickstoff keine Flamme auch nur während des Bruchtheils einer Sekunde bestehen bleiben. Von der Anwesenheit dieser beiden so verschiedenen Stoffe in der Luft kann man sich leicht überzeugen; ein sehr einfaches Experiment ist z. B. das folgende: Man bindet ein Stückchen Schwamm an einen Draht, gießt einige Tropfen Weingeist darauf und hält den gebogenen Draht so in eine Schüssel mit Wasser, daß der Schwamm sich einige Zoll über dem Wasser befindet; dann zündet man den Weingeist an und stülpt rasch ein leeres Glas oder eine leere Flasche so weit darüber, daß ihre Oeffmmg etwas ins Wasser taucht. Ais- bald bemerkt man, daß die Flamme schwächer wird und verlöscht, während etwas Wasser in dem Glase in die Höhe steigt. Es ist also bei dem Verbrennen etwas Luft verbraucht worden und an stelle derselben ist Wasser in den Raum eingedrungen; die übrig gebliebene Luft ist nicht mehr im stände, die Verbrennung weiter zu unter- halteil. Die verbrauchte Luft war der Sauerstoff, der sich mit den Bestandtheilen des Alkohols beim Brennen vereinigt hat, während die zurückgebliebene der Stickstoff ist; seinen Namen hat er daher, weil in ihm allein, ohne daß er eine Bei- mengung von Sauerstoff enthält, kein lebendes Wesen auszuhalten vermag, sondern sofort ersticken muß. Er ist aber nicht etiva giftig— wir athmen ihn ja beständig ein—, sondern der Erstickungstod würde nur eine Folge davon sein, daß der Sauerstoff fehlt; denn dieser ist die wahre Lebenslust, die wir brauchen und unserem Körper durch das Athmen beständig zuführen. Den unschädlichen Stickstoff athmen wir mit ein, und athmen ihn auch wieder aus, während ein großer Theil des eingcathmeten Sauerstoffs durch die Wände der Lungen und Adern ins Blut eintritt und mit diesem durch den ganzen Körper strömt, um die Lebensthäsigkeit zu unterhalten. Ganz überflüssig ist für unser Athmen der Ssickstoff freilich auch nicht; denn ohne seine starke Beimengung— er beträgt etwa � s, der Sauerstoff nur �/s der Luft—, würden wir zu viel Sauerstoff athmen, was für unseren Körper keineswegs ungefährlich wäre. Ist mm aber die Luft mit diesen beiden Gasen vollständig er- schöpft? Ganz offenbar nicht; schon unser Athmungsprozcß kann uns das lehren. Der Sauerstoff, den wir der cingeathmctcn Luft beständig entziehen, wird in unserem Körper verbraucht, wo er sich mit deni Kohlenstoff, den wir in den Nahrungsmitteln einnehmen, verbindet und das kohlensaure Gas oder Kohlensäure bildet. Wesentlich aus diesem Vorgang stammt unsere Körperwärme, die 37 Grad beträgt und somit erheblich stärker ist, als dicTempcraturunscrer Umgebung; die Verbindung mit Sauerstoff ist nämlich innner eine Verbrennung, mag sie nun schnell mit Flammcnerschcinung oder langsam ohne die- selbe sich vollziehen. Die Kohlensäure kann unser Körper nicht brauchen und transportirt sie im Blute schnell zu den Lungen, wo sie ausgeathmet wird. Somit wird beständig von uns und allem Gethicr Kohlensäure fabrizirt, die in die-Lust hineingeathmet wird und dort also vorgefunden werden muß. Thatsächlich enthält auch die Luft stets etwas Kohlensäure, und zwar in jedem Liter 3 bis 4 Zehntel eines Kubikzentiinctcrs; die direkt beim Athmen ausgestoßcne Luft ist natürlich viel reicher an Kohlensäure, hier beträgt sie 120— 140 mal so viel. Sie wird aber durch die ständige Bewegung der Luft fortgeführt und vertheilt sich dann bald ganz gleichmäßig. Außer der Kohlensäure ist stets, auch in der trockensten Luft, etwas Wasserdampf enthalten. Auf die Fähigkeit der Luft, Wasser aufzunehmen, beruht ja ihre für uns so angenehme Eigenschaft des Trocknens, von der wir reichlich Gebrauch machen. Aber weder die geringe Beimengung von Kohlensäure, noch die etwa 20 mal so starke von Wasser ist für die Luft etwas Wesentliches; im Grunde verstehen wir unter der Luft nur ein Gemenge von Sauerstoff und Stickstoff, das uns umgiebt, ohne dabei noch sonderlich an die geringen Beimengungen anderer Bestandtheile zu denken. Außer Kohlensäure und Wasser müßten wir sonst noch andere, wie Ammoniak und Salpetersäure, nennen, die sich in sehr geringen Mengen stets vor- finden; auch das Ozon, in das sich der Sauerstoff unter gewissen Umständen verivandeln kann, findet nian in sehr geringen Quanten besonders in der frischen Waldluft, während die städtische Luft ozon- frei ist. Daß noch vielerlei Beimengungen in der Luft enthalten sein müssen, ist fast selbstverständlich; denn alles, was sich auf unserer Erde verflüchtigt oder zerstäubt, wird von ihr aufgenommen. Die von den Gewllrzinseln komniende Luft z. B. riecht noch in einer Entfernung von 8— 10 Meilen nach Zimmt und Nelken, von denen also kleine Thcilchen in der Luft schweben müssen. Den Staub in der Luft kann man deutlich wahrnehmen, wenn ein Sonnenstrahl ins Zimmer fällt; dann sieht man ihn in lustiger, wirbelnder Be- wegung. Die neu entdeckten Stoffe aber, von denen anfangs die Rede war, sind nicht solche geringe, unwesentliche Beimengungen, sondern, wenn auch nur in kleinen Mengen vorhanden, so doch stets und überall unabhängig von den Vorgängen und dem Leben auf der Erde, so daß sie als ebenso wesentliche Bestandtheile der Luft an- gesehen werden müssen, als der Stickstoff selbst. Den ersten Anlaß zur Entdeckung des Argon gab die Beobachtung, daß der Stickstoff, wenn er aus der Atmosphäre durch Entfernung des Sauerstoffs gewonnen wurde, stets etwas schwerer war, als Stickstoff, der auf anderem Wege aus stickstoffhaltigen Substanzen hergestellt wurde. Dies legte die Vermuthung nahe, daß dem atmosphärischen Stickstoff noch eine schwerere Substanz beigemengt sei. Wenn man nun allen Ssickstoff beseitigte, indem man ihn etwa über glühendes Magnesium streichen ließ, das den Stickstoff zurückhält, so blieb fftcts noch ein kleiner Rest übrig; dieser wurde schließlich als ein neues Gas erkannt, das sehr träge ist, mit anderen Körpern kaum eine Verbindung eingeht, und gerade da- durch sich so lange unserer Erkenntniß entzogen hat. Eines der wesentlichsten Hilfsmittel zur Erkennung dieses Körpers bildete die Untersuchung des Spektrums, Ivorauf wir hier nicht näher eingehen können. Daß auch dieses Gas kein einfacher che- mischer Körper, sondern ein Gemenge mehrerer bis jetzt unbekannten gasförmigen Stoffe sei, ist in den letzten Wochen erkannt worden. Es gelang dies durch die Herstellung so außerordentlich; großer Kälte(über 200 Grab), daß die Luft darin flüssig wird und' sogar zu erstarren droht. Die nähere Untersuchung der Körper bei so tiefen Temperaturen wird uns vielleicht noch manches Geheimniß der widerstrebenden Natur enthüllen.—— b—. ZUeincs Fouillekon. — Die erste amtliche Zeitung China's. In seiner Revue der chinesischen Presse Shanghai's berichtet der„Osiasiatische Lloyd" in seiner letzten Nummer: Ein kaiserliches Edikt vom 20. Juli be- sagt:„Sun Chia-nai hat sein Gutachten über die Umwandlung der Shanghai'er„Shih Wu pao"(bekannt unter dem Namen Daily Chinese Progress) in eine amtliche Zeitung erstattet. Die Gründung einer Zeitung geschieht, um das Volk über die Ncgierungs- und allgemeinen Landesverhältnisse aufzuklären. Deshalb soll die Sache mich schleunigst in Angriff genommen werden. Der erwähnte hohe Beamte hat hierüber drei sehr wohl überlegte Paragraphen aus- gearbeitet. Demgemäß soll die genannte Zeitung in ein amtliches Organ umgewandelt und Kang Do-wci(ein Sekretär im Tsungli- Damen) mit der Oberleitung betraut werden. Letzterer hat jede Nummer nach ihrem Erscheinen dem Kaiser vorzulegen. Die Zeitung soll in Ticutsin, Shanghai, Hupei und Kuangtung veröffentlicht werden. Die betreffenden Gcncralgouverncure und Gouverneure sollen Zeitungsübersichten aus ihrem Bezirke dem„Großen Zcnsorate" und der„Pcking-Univcrsität" einschicken, welch' letztere besonders wichtige Nachrichten dem Kaiser vorlegt. Was die Haltung des Blattes anlangt, so soll es darüber belehren, was nützlich und was schädlich ist und dadurch zur Verbreitung fester Grundsätze bei- tragen. Chinesische und ausländische Angelegenheiten sollen wahrheits- getreu und furchtlos geschildert werden. So soll die Zeitung dazu 'benutzt werden, um' der Negiennig zu helfen, dem Volke Aug' und Ohr zu öffnen." Hierzu bemerkt der„Ostasiatische Lloyd":„Dieses Edikt führt die erste„offizielle" Zeitung in China ein, da die„Peking-Zeitung" ja keine Zeittnig in unserem Siime ist. ES wird interessant sein zu beobackitcn, ob die„Shih'Wu pao", ohne Zweifel schon jetzt die best- redigirte chinesische Zeitung, auch in Zukunft unter der amtlichen Zensur„Zollfreiheit" der Gedanken genießen wird. Vielleicht ist die ganze Umtaufe der Zeitung in ein Rcgierungsorgan nur ein Trik.'um das weitverbreitete und durch seine offene Aussprache der kaiserlichen Regierung manchmal wohl recht unbequem gewordene Blatt, dem man auf' andere Weise nicht beikommen konnte,' unter die Zensur zu bringen."— Kulturhistorisches. dg. AuS der guten alten Zeit. Von der Berliner Jugend des vorigen Jahrhunderts bringt eine Flugschrift vom Jahre 1788 ein nettes Charakterbild. In dem„Schattenriß von Berlin", der heute zu den antiquarischen Seltenheiten gehört, heißt es:„In der ganzen Welt wird man unter dem Volke keine so un- gezogene Jugend finden, als zu Berlin. Das kommt hauptsächlich von den vielen Soldatenkindcrn her, die oft nicht die geringste Er- ziehung erhalten und wie das wilde Kraut in die Höhe wachsen. Sobald einer von ihnen ruft oder pfeift, versammeln sie sich zu Hunderten, sie treiben allerlei Unfug auf den Straßen und besonders auf öffentlichen Plätzen. Dennoch hat man noch nicht mit Ernst daran gedacht, diesem Unfug zu steuern. Nichts wäre indessen leichter, wenn nur die Stadtdiencr besser ihr Amt verrichten und, von der nächsten Wache unterstützt, jedesmal nur etliche von diesen Jungen haschten und auf acht oder vierzehn Tage zum Arbeits- hause ablieferten Nach und nach würden sich ihre Tumulte schon geben, die zuweilen ganze Straßen beunruhigen." Weiter heißt es dann:„Die Schenkbuden sind wahre Diebeshöhlen. In einigen kauft man gestohlenes Gut um wohlfeilen Preis an sich, in anderen tjetlicrcjt man Diebe und Gassendirnen. Es giebt in einigen Gegenden von Berlin noch andere, worin lüderliche Buben von 12, 13, 14 und mehr Jahren eine Freistätte finden, die sie den Augen der Polizei entzieht. Die ganze Stadt weiß davon zu reden, und doch hat die Obrigkeit sie noch nicht ausfindig gemacht. Daran kann nichts schuld sein, als die Pflichtvergessenheit der Subalternen, die sich durch die Wirthe bestechen lassen. Die Burschen von 13, 14 Jahren sitzen mir den niederträchtigsten Weibsbildern in bunter Reihe, rauchen Tabak und berathschlagen, wie sie die Bürger am besten bestehlen können. Die abgefeimtesten Buben schleichen sich gemeiniglich in die Häuser unter dem Vorwande, Hasenfelle kaufen zu wollen. Sobald sie nie- mand getroffen, nehmen sie mit, was sie finden, oder verbergen sich auch Ivohl in einem Winkel des Hauses, um des Nachts ihren Ge- Hilfen die Thür zu öffnen oder selbst so viel zu entwenden, als sie können. Diese Knaben stehen größtcntheils mit starken Diebesbanden im Bündnis;, und da man sich ihrer wegen ihrer grosien Jugend nicht versichert, so leisten sie den älteren Dieben die größten Dienste."— Aus dem Thierleben. — Ein schnarchendes Reh. In„Wild und Hund" er- zählt ein Jäger:„Gelegentlich eines Revicrgangcs am 23. Juli d. I., aus einem begrasten Schleichwege, hörte ich plötzlich in einiger Eni- fernung in einer dichten, von Miefern und Rothtannen bestandenen Schonung lautes Schnarchen. In der Annahme, es habe sich dort ein Bummler eingeschoben und sei eingeschlafen, birschte ich mich ganz nahe an die Stelle heran, von wo die Töne immer lauter und stärker sich vernehmen ließen. Da ich wegen der Dichtheit der Schonung nichts sehen konnte, trotzdem ich auf einige Schritte heran war, so birschte ich, eine Lücke suchend, im Bogen herum, und stand hier plötzlich dicht vor dem lauten Schnarcher— einer Ricke. Diese, im Bette sitzend, hob in diesem Augenblick den Kopf und drehte ihn schlaftrunken nach mir. Wie fest sie geschlafen haben mutz und wie schlaftrunken sie noch war, geht daraus hervor, daß sie erst nach einiger Zeit, zumal sie jetzt vollen Wind von mir und dem hinter mir stehenden Hunde hatte, sich ihrer Lage bewutzt wurde und absprang. Auch war mein Birschen, da ich ja kein Rothwild vernmthcte, nicht ganz lautlos, da mehrfach kleinere Zweige unter meinen Fützcn brachen. Bisher habe ich diese Wahrnehmung noch nicht genracht, habe auch nie gehört, datz dieses öfter beobachtet worden. Es waren keine Klagetöne und auch kein Husten, sondern ein regelrechtes Schnarchen, wie bei einem fest schlafenden bezw. schnarchenden Menschen."— Astronomisches. — Ein Fleck auf der Sonne. Man schreibt der„Franks. Ztg.": Auf der Sonne ist soeben am Südostrande ein großer Fleck aufgegangen, der einen Durchmesser von etwa 9000 Meilen hat mit einem schwarzen Kern in der Mitte, und dessen Ausdehnung die der ganzen Erde um das doppelte übertrifft. Bei der jetzt herrschenden geringen Fleckeubildung auf der Sonne ist die Erscheinung um so auffallender und man darf auf die weitere Entwickelung derselben gespannt sein, wenn der Fleck mehr in die Mitte der Scheibe gerückt sein tvird.— Meteorologisches. t. K ü n st l i ch e W o l k e n b i l d u n g. In der„Monatlicheu Wctter-Revuc" der Vereinigten Staaten beschreibt der Meteorologe Ward die merkwürdige Bildung kleiner Hausen-Wolken über einem Brande, die er bon der Wetterwarte der Harvard-Universität bei der Peruanischen Stadt Arequipa aus beobachtete. Hinter dem tuest- lichen Abhänge des Vulkangipfels Cherchari stieg in etwa 25 Kilo- meter Entfernung von einem bedeutenden Waldbrande eine Rauch- säule auf, die die Höhe von etwa 14000 Fuß über dem Meeres- spiegel erreichte. Ueber dem Rauche bemerkte er die Bildung einer kleinen Cumuluswolke, und über dieser war der Himniel wieder klar. Es handelte sich hier nicht ettva um eine aus dem Rauche selbst gebildete, sondern um eine richtige Himmelswolke, die gerade über dem Feuer entstand. Auf diese Weise bildeten sich acht deutliche Wölkchen hintereinander, die sich innerhalb einer halben Stunde wieder auf- lösten. Die Bildung von Himmelswolken.über großen Feuern ist schon verschiedentlich in Gegenden mit bedeutender MeereShöhe beobachtet worden. Eine Erklärung für die Erscheinung giebt Ward nicht. Möglicherweise sind es die durch den Rauch in die höheren Luftschichten gelangenden Staubtheilchen. um die sich der Wasser- dampf verdichtet, außerdem dürfte vollständige Windstille dazu nöthig sein. Zur künstlichen Regenerzeugung bietet die Beobachtung jeden- falls kaum eine Handhabe.— Technisches. — Das Heben eiserner Brückenbogen mittel st des Einflusses der Wärme. Zum Aufstellen eiserner Brückenbogen wird ein Gerüst auf Holzpfählen errichtet, die tief in den Boden des Flußbettes eingerammt sind. Auf den oberen Längs- und Querverbindungen aus starken Holzbalken dieses Gerüstes wird ans dicken Brettern ein Leerbogen von der Form, die der Brückenbogen erhalten soll, hergestellt. Er bildet so zn sagen den Arbeitsttsch, auf dem das Zusammensetzen der Bautheile des Brücken- Vogens vor sich geht. Da der Bogen gleichzeitig vckn den beiden Auflagern an den Brückenpfeilern nach der Mitte zu zusammen- gebaut und hier erst durch Einfügen des Schlußstückes geschlossen wird, so muß er bis dahin auch vom Gerüst getragen werden. Da ist es begreiflich, ivenn durch die mit dem Baufortschritt zunehmende Belastung das Gerüst nach und nach sich mehr oder weniger setzt, der Leerbogcn sich also entsprechend senkt. Um nun während des Baues und beim Einpaffen des Schlußstückes einen Ausgleich in der Höhenlage des Brückenbogens bewirken zn können, ruht derselbe während des Baues auf niedrigen Winden, sogen. Stockivindcn mit breiter Fuß- und Kopfplatte.' Letztere liegt mit einem Kugellager auf dem Kopf der Schraube, die sich in dem Fußstock der Winde dreht. Durch das Drehen dieser Schraube läßt sich daher das auf ihr ruhende Bogenstück heben oder senken. Ist das Schlußstück ein- genietet, so läßt man den ganzen Brückenbogen durch Nachlassen der Stockwinden auf die Auflager herabsinken, so daß er nun nicht mehr vom Gerüst, sondern von den Pfeilern getragen wird. Hierbei pflegen sich gewisse Veränderungen in der Höhenlage der in den Brücken- bogen eingebauten Fahrbahn einzustellen, die ein Heben derselben, also auch des ganzen Brückenbogens, nothwendig machen können. Weil aber in der Regel das Gewicht desselben für ein mechanisches Heben zu groß ist, so macht man sich zu diesem Zweck den Einfluß des Tempcrattirwechsels dienstbar. Bei steigender Temperatur kann sicki der geschlossene Brückenbogen seitlich nicht mehr ausdehnen, weil ihn die Brückenpfeiler daran hindern, deshalb muß sich sein Scheitel heben. Das beträgt z. B. beim Mittelbogen der noch im Bau befindlichen Rheinbrücke zwischen Bonn und Beuel, der eine Stützweite von rund 194 Meter hat, bei je 10 Grad Celsius zunehmender Wärme rechnungsmäßig, also theoretisch, 31 Millimeter. Erfahrungsgemäß erreicht die Ausdehnung nachmittags zwischen 2 und 4 Uhr und die Zusammcnziehung morgens zwischen 5 und 7 Uhr das höchste Maß. Wenn man also zum Heben des Brückenbogens nach- mittags die Stockwinden fest gegen den Untergurt des Brückenbogens schraubt, so werden morgens nach erfolgter größter Zusammen- ziehung die beiden Enden an den Auflagern sich so viel gelockert haben,' datz die Lagerkcile unter denselben sich antreiben lassen. Dann bilden sie von neuem die festen Stützpunkte für die bei zu- nehmender Wärme eintretende Ausdehnung und Hebung des Bogen- scheitels. Durch Wiederholen dieses Verfahrens läßt sich ein weheres Heben betvirken. Beim Bau der Bonner Rheinbrücke, deren Mittel- bogen rund 1700 Tonnen wiegt, ist dieses Verfahren zur Anwendung gekommen, und man fand am Nachmittag die Stockwinden, unter dem Scheitel des Vogens, auf denen dieser am Morgen ruhte, so entlastet, daß sie ohne Nachlassen der Schraube enrfernt werden konnten.—(„Prometheus.") Humoristisches. — Konsequent. Sie:„Ms ich noch Deine Braut war, nanntest Du meine Rede Musik, und jetzt sagst Du, ich schwatze Blech." E r:„Na ja, jetzt ist's eben Blechmusik."— — Sonderbarer M a ß st a b. Rechtsanwalt(in einer Privatklagesache): Der Angeklagte hat, wie die Beweisaufnahme er- giebt, meinen Klienten thatsächlich„Rindvieb" genannt. Mein Klient hatte die Absicht, eine Geldstrafe von 20 Mark zu beantragen. Ich gehe noch weiter und bitte, unter Berücksichtigung der hohen Fleischpreise, auf 100 Mark Sttafe zu erkennen.— — Abgeblitzt. A.:„Warum rennen Sie nur immer so?' B.:„Weil ich Nothwendigcres zu thun habe, als Ihnen das aus- emanderzusetzen!"—•(„Lust. 231.") Vermischtes vom Tage. y. Der Hamburger Vicrmaster„Hebe", der am 23. März d. I. von Cardiff nach Jquique(Chile) abgegangen ist, gilt als verschollen. Die Besatzung ivar 30 Mann stark.— — In AI lenstein(Ostpreußen) haben, wie man der„.Köln. Zeitung" schreibt, zwei Strafgefangene drei Ein- b r n ch s d i e b st ä h I e verübt. Mit ihrem Raube kehrten sie in das Gefängniß zurück.— — Im Kurischen Haff hat unlängst ein Fischer einen Seehund im Netze gefangen. Das Thier wog 76 Pfund.— — Eine Frau aus Modrzejow(Oberschlesien) wollte drei Schwcinsblasen voll Spiritus, die sie unter ihren Kleidern trug, nach Rußland schmuggeln. Bei der Revision auf dem Zollamte platzte aber eine der Blasen, und so kam die Sache auf.— — Im Kanton S ch w y z wollte man vor einiger Zeit einen „Lindwur m" gesehen haben. Andere meinten, es sei eine große Baumwurzel gewesen. Jetzt schwört einer in der„Schwyzer Ztg." Stein und Bein, es sei doch ein Vieh gewesen, ein molchartiges von fünf Schuh Länge, und einen dreimal geringelten Schwanz habe es gehabt.— — Gladstone hinterließ nach seinem jetzt veröffent- lichten Testament 1 180 000 M. bewegliches Vermögen und die Be- sitzung Hawardcn Castle.— — Am Dienstag stürzten zwei Bögen der bei Cornwall über den St. Lorcnz'-Strom führenden großen'neuen Eisenbahn- b r ü ck e plötzlich zusammen. Dreizehn Arbeiter wurden getödtet, zwölf erlitten Verletzungen.— Verantwortlicher Redakteur: Hugo Poetzsch in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.