HlnterhaltMgsblaü des Nr. 181. Donnerstag, den 15. September. 1898 (NachdrwZ verboten.) � Am die Feeiheik. Geschichtlicher Roman aus dem deutschen Bauernkriege 1525. Von Robert Schweichs l. Cr hob das Buch auf und den von einem Holzschnitt umrahmten Titel überblickend, äußerte er:„Wenn ich mein gering' Latein zusammen nehme, so stehet hier:.Ein wahrhaft goldenes Büchlein vom besten Stand des Gemeinwesens.' Schade, daß es der große Mann bereits vor unserem Aufstand schrieb, sonst würde er sich nach keinem Fürsten umgeschaut, sondern erkannt haben, daß dieses goldene Büchlein mir durch die Erkennrniß. den Willen und die Kraft des Volkes zur goldenen Wahrheit werden kömie." „Merkwürdig, daß Wendel Hipler es für einen Scherz, eine Phantasterei hält," bemerkte Max Eberhard nach- denklich. „Mich wunderts nit. Er ist ein großer Politikus, aber nur ein Politikus, und hier ist mehr. Und Ihr, lieber Doktor, seid auch noch etwas mehr, oder nebenher als ein Politikus." Florian Geyer sagte es mit einem so eigen- thümlich heiteren Blicke, daß Max ihn nicht mißverstehen konnte und wider Willen roth wurde. Florian Geyer verließ ihn in einer angenehm erregten Stimmung, als auf dem Rathhausthurm die sechste Stunde ange- schlagen wurde und er die Klosterkirche betrat. Im ersten Augenblick gewahrte er niemand in der Kirche. Bei seinen auf den Stein- platten klirrenden Schritten erhob sich jedoch vor einem der vier kunstvoll geschnitzten Altäre eine dunkle Gestalt und schritt ihm zögernd entgegen. Sie trug einen schwarzen, mit Pelz verbrämten Seidenmantel und eine eben solche Kapuze, die aber zurückgeschlagen war, und Florian Geyer erkannte die schöne Gabriele. „Meine Botschaft muß Euch beftemden, Herr Ritter," be- gann sie mit hochgerötheten Wangen und stockte. Ritterlich kam er ihr zu Hilfe:„Ihr begehret einen Dienst von mir, edles Fräulein, gebietet l" „Ihr habt's errathen," antwortete sie freier.„Den Dienst aber sollet Ihr nicht mir, sondern Euch selber leisten. Er heißt: Vorsicht. Man möchte Eure Sendung an den Markgrafen von Brandenburg hintertreiben." „Dank der holden Warnerin," erwiderte er einigermaßen erstaunt,„doch leugne ich nicht, daß es mir recht wäre, wenn ich die Hand nicht zu bieten brauchte, damit das Bündniß mit dem Markgrafen zu stände kommt. Denn Feuer und Wasser verbinden sich eher als Bauer und Edelmann." Sie sah ihn mit großen Augen an.„Das ist wahr und darum verstehe ich Euch nicht. Ihr selber seid ein Edelmann und kämpfet mit den Bauern gegen Eure Standesgenossen." „Für die Freiheit wider deren Unterdrücker," versetzte er mit ruhigem Ernst. „Freiheit?" rief sie lebhast.„Was kann sie Euch bieten für alles, was Ihr darum aufgeben müsset? Wie kann es Euch verlocken. Euch zu einem Gleichen der armen Leute zu machen? Diese rohen, schmutzigen, stinkenden Bauern Brüder zu nennen? Gesteht, daß Euch der Ehrgeiz versthrt?" „O nein, davon weiß ich mich frei, welches auch sonst meine Fehler sein mögen," antwortete er schlicht.„Es ist nicht mein Verdienst, daß ich als Edelmann geboren wurde, aber ich werde es mir selbst verdanken, wenn ich mir den höheren Adel der fteien Menschenwürde erwerbe. Ein Höheres giebt es nicht, und darum ward dem Menschen das Leben, daß er nach ihr strebe und seine entwürdigten Nebcnmenschen mit sich zu ihr emporhebe." Die Wärme seiner Worte ergriff sie und es verrieth sich in ihren Augen, wie herrlich er ihr erschien. Aber sie ver- mochte es nicht, sich zu seiner Anschauung emporzudenken und sie gestand es, indem sie seufzte:„Sei es darum. Aber Ihr werdet den Bauer nie zu Euch emporheben. Ihr werdet untergehen, ohne das Ziel zu erreichen, wonach Ihr trachtet." Er sah mit einem Lächeln aus sie hinunter wie auf ein Kind. Sic aber fuhr eifrig fort, indem sie zwei Finger ihrer weißen Rechte auf seinen Ärni legte:„O, glaubet mir, daß es unmöglich ist. Ich brauche es Euch ja nicht erst zu sagen, daß die Bauern der Macht der Fürsten nicht gewachsen sind, sondern überall' den kürzeren ziehen, wo sie mit ihr zusammen stoßen. Worauf vertrauet Ihr also? Auf die mit Euch ver- bündeten Städte? Der Landtag ist fehlgeschlagen. Rothen- bürg harret des Schwäbischen Bundes als eines Erlösers. Ich sollte es nicht sagen, denn es ist meine Vaterstadt. aber—." Eine Blutwelle stieg ihr in die Wangen. Sie fuhr fort:„Darum lasset vom Schwerte, so lange es noch Zeit ist. Ich bitte, ich beschwöre Euch! Denket an Eure Sicherheit!" „Die ist nicht gefährdet," beruhigte erste.„Wünsche sind keine Thaten. Noch stehen wir im Felde und nicht die Feig- hest, sondern das Schwert hat das letzte Wort. Doch warum versuchet Ihr es, schöne Feindin, mir mit Euren Bitten die Locken mcmer Kraft zu schceren?" So in einen scherzenden Ton übergehend, faßte er ihre Hand und sah ihr fragend in die Augen. Sie senkte die Lider, schlug sie aber gleich wieder auf. Ein Gluthstrom übersluthete ihn und sie rief mit ausbrechender Leidenschaft:„Weil ich Euch retten will; weil Ihr leben sollet!" Er ließ ihre Hand betroffen fahren. Sie achtete es nicht; ihre Leidenschaftlichkeit zerriß die Zügel und sie rief:„Leben für mich, denn ich liebe Dich. Ich habe im Hasse gegen Demo Partei Schutz vor meiner Liebe gesucht. Wie konnte ich Dich lieben, wenn ich sie haßte? Ich müßte mich ja verachten, wenn es so war. Vergebens rang ich. Meine Liebe schied Dich aus, schied Dich aus von allen." „Armes Kind!" bemitleidete er sie. Sie aber rief mit glühendem Gesicht:„Nicht Mitleid, Deine Liebe will ich, denn ich liebe Dich." Sie umschlang ihn mit beiden Armen und drückte die Stirn gegen seine Brust. Er wollte sich sanft von ihr lösen, allein sie hielt ihn nur um so fester und rief. die glühenden Augen zu ihm erhebend;„Ja. ich liebe Dich f Laß uns fliehen, irgend wohin, wo dieser wahnsinnige Auf- rühr nicht tobt, und laß uns glücklich mit einander sein!" „Ihr seid von Euch," sagte Florian Geyer streng und machte sich aus den Armen der schönen Gabriele frei.„Wie kömitet Ihr mir sonst die Feigheit zumuthen. meine Sache zu verlassen? Und aus Liebe zu Euch? Wisset Ihr denn nicht, daß ich Weib und Kind habe?" „Was liegt an Weib und Kind, was liegt an allem anderen, wenn wir uns lieben?" rief sie mit wogender Brust und brennenden Augen. Das Blut stieg ihm bis in die breite Stirn hinauf, seine Brauen zogen sich zusammen und er rief mit starker Stimme: „Ich aber liebe Euch nicht." Sie starrte ihn mit weit geöffneten Augen an und wurde kreidebleich. Er fuhr etwas milder fort:„Besinnet Euch doch, daß ich der unerbittliche Feind Eurer Kaste bin. Ich will Euer Geständniß nicht gehört haben. Lasset uns im Frieden scheiden!" Er wollte ihr die Hand bieten. Sie zuckte zurück, die Augen inimer noch starr auf ihn gerichtet, die Arme schlaff herabhängend.„Lebet wohl!" sagte er mst einem mitleidigen Blick auf sie und ging. Lautlos, wie vom Blitz getroffen, sank sie hinter ihm zu- sammcn. Mit starken Schritten, um die peinliche Auftegung zu dämpfen, in die ihn die Liebesraserei der schönen Gabriele versetzt hatte, maß er den Weg nach dem Hause Stephans von Menzingen. Ein Goldschmied, der zu des letzteren Partei gehörte, rief ihn bei den Rathhausbuden aus seinem Laden an, vor dem viele Bürger standen:„Herr von Geyersberg, Ihr müsset es ja wissen. Ist's denn wirklich wahr?" „Was denn, lieber Meister?" „Das von der grausam blutigen Schlacht," mischte sich einer von den Bürgern ein. „Ja, und 4000 Bauern sollen todt liegen," ergänzte eine heisere Stinime. die einem offenbar schwindsüchtigen Hafner- meister gehörte. „Auf diese Weise kommen wir nicht zum Ziel," wandte Florian Geyer sich an den Goldschmied.„Redet Ihr." Dieser erklärte:„Die Sach' ist die, Herr Ritter, daß zuerst etliche Bauern in die Stadt gekommen sind und die haben es erzählt. Sie sind aus der Schlacht geflohen." „Bei Königshofen ist's gewesen," unterbrach ihn wieder einer seiner Mitbürger.„Bis in die Nacht hinein hat die Schlacht gedauert." „Ja bei Königshofen," bestätigte der Goldschmied, „und die Stadt und die benachbarten Dörfer stehen in Flammen." Der Name traf Florian Geyer wie ein Schlag auf das Herz. Er liest die Bürger jedoch nichts merken, sondern sagte mit äußerer Ruhe:«Ich weist noch von nichts. Wo sind die Flüchtlinge?" „Der Bürgermeister hat sie auf's Rathhaus holen lassen. — Es waren ihrer zwei." So riefen mehrere zugleich. „Die Angst übertreibt gern," sagte Florian Geyer und drehte seinen Schnurrbart in die Höhe.„Dank' Euch, Ihr Herren!" Auf dem Marktplatze standen nur wenige Gruppen bei- sammcn. Tie Menge war den Flüchtigen gefolgt und füllte dichtgedrängt die Herrcngassc vor dem Rathhause. Florian Geyer wollte die Unglücksraben selbst hören. Die Leute, ohne Ausnahme den niederen Zünften angchörig, gaben ihm bereitwillig Raum und er brauchte nur ein kleine Zeit zu warten, so kamen die beiden Flüchtlinge aus dem Rathhause. Es waren zwei Jammergestalten, baarhäuptig, in schmutzigen, zerfetzten Kleidern, deren Augen hohl aus den erschöpften, vom Pulver geschwärzten Gesichtern schauten. Ihre Waffen hatten sie mit Ausnahme der Schwerter weg- gelvorfen, um schneller laufen zu können. Sic hatten zum Taubcrhaufen gehört und waren aus Furcht vor den Reisigen des Truchsest bis Rothenburg geflohen, weil sie sich vor den- selben nicht in ihrcnr Heiniathdorfc unweit Jgcrsheim sicher geglaubt. Nach ihrem Bericht war der Truchsest im Verein mit dem Pfalzgrafen aus dem Schüpfgrund vorgebrochen, während die Bauern in halber Höhe über Königshofen, ani anderen Taubcrufcr, eine feste durch 40 Kanonen gedeckte Stellung eingenommen hätten. Die Pfalzgräflichen wären ober- und unterhalb der Stadt über die Tauber gegangen und dann der Truchsest trotz des heftigen Feuers mit der Hauptmacht vorgedrungen. Gegen 4 Uhr nachmittags hätte die Schlacht begonnen Von den weiteren Vorgängen hatten die beiden Flüchtlinge keine klare Vorstellung. Sie hatten in dem beginnenden Kampfgetümmcl nur noch bemerkt, daß die Büchsenmeister die Pferde von den Geschützen abschnitten und davonjagten, und damit das Zeichen zur Flucht gaben. „Feiglinge I", Schufte!" riefen die Leute, die sich dicht um Florian Geyer und die beiden Flüchtlinge geschaart hatten. „Schufte, ja Verräther," meinte einer von den letzteren. „Bestochen vom Truchsest und darauf will ich meinen eigenen Kopf setzen, wenn's nit wahr ist. Alle Schüsse gingen von Anfang an zu hoch." Wie Florian Geyer weiter erfragte, war Hans Kolbenschlag mit dem' größten Thcil seines Tauberhaufens während der Flucht der übrigen in den Wald auf der Höhe gezogen und hatte sich dort noch tapfer vcrtheidigt. Andere an die dreihundert hätten sich in ein Holz geworfen und wären gefangen genommen worden. Sic, die beiden Flücht- linge, wären mit etwa 100 Kameraden von dem Tauberhaufen abgedrängt worden, hätten sich aber glücklich durchgeschlagen. Ucber Wendel Hiplcr und Jörg Metzler wußten sie keine Auskunft zu geben, noch kannten sie den Ausgang von Lkolbenschlag's Widerstand. Die Rothcnburgcr Fähnlein unter dem langen Lienhart und dem Brcttheimer Metzlcr hatten sie mit keinem Auge gesehen. Florian Geyer gab ihnen etwas Geld, damit sie sich stärkten, und mit erhobener Ssimme sagte er weniger zu ihnen, als um die zuhörenden Bürger zu erniuthigen, in deren Mienen sich deutlich die Bestürzung verricth:„Das ist üble Kunde. Aber der Krieg ist ein Glücksspiel, und dieses war nicht unser letzter Wurf." Er ging nach Hause. Bevor er aber zu Stephan von Menzingcn hinaufstieg, begab er sich in den Stall auf dem Hofe und ersuchte den Knecht, seinen Rappen ungesäumt zu satteln. Achtes Kapitel. Tie beiden Flüchtlinge hatten den Rothenburger Fähn- lein nicht begegnen können. Denn wie diese, von dem brand- rothen Himmel mit bösen Ahnungen erfüllt, ohne Rast und Ruhe fürbaß zogen, kamen ihnen Schaaren fliehender Bauern entgegen und riefen ihnen zu, daß alles verloren, alles aus fei: daß die Reisigen des Truchseß gleich toll gewordenen Wölfen wüiheten; daß Jörg Metzler und Wendel Hipler entflohen seien. Wenn es also stünde, das Heer bei Königshofen ge- schlagen und zersprengt sei, warum sollten sie weiter ziehen und sich nutzlos opfern, meinten die Rothenburg er. Der lange Lienhart erhob sich mit dröhnender Stimme dagegen:„Glaubet den Feiglingen nicht. Wir dürfen unsere Brüder nicht verlassen. Vorwärts! Vorwärts!" Es hatte aber niemand Lust, ihm zu folgen, selbst Leonhard Metzler nicht. Der ehemalige Lanz- knecht wetterte und fluchte gräulich, er riß sein gewaltiges Schwert heraus und versuchte, indem er ihnen seinen stark- knochigen eisengraucn Schimmel in den Weg wars, die Bauern mit flachen Hieben voran zu treiben. Aber die rückwärts drängende Fluth war zu stark und er selbst wurde von ihr mit fortgerissen. Jeder strebte der Heimath zu. Nur mit großer Mühe und indem er seinen Gaul rücksichtslos ansprengen ließ, gelang es dem langen Lienhart, sich aus dem Gedränge zu befteien und mit Thränen der Wuth jagte er nach Heidingsfeld. Er konnte den Haupt- leutcn, die er in des Pfarrers Steinmetz Haus beisammen fand, nur die Hiobspost bestätigen, die schon vor ihm dort ange- kommen war. Sie war ihnen aber so unglaublich erschienen, daß man die ersten Flüchtlinge ins Gefängnist geworfen hatte; man hielt sie für Sendlingc der Bündischen, welche unter den Bauern Angst und Schrecken verbreiten sollten. Dem langen Lienhart mußte man wohl glauben, und die Schreckensnachricht verursachte in Heidingsfeld und Würz- bürg eine ungeheuere Aufregung und Verwirrung. Mancher Hauptmann, dein das Stolziren mehr am Herzen lag als das Fechten, machte sich in dieser Nacht aus dem Staube, auch verschwand mancher Pfcnnigmeistcr mit der ihm anvertrauten Kricgskasse. Gegen Morgen erfuhr man durch Flüchtlinge des Taubcrhaufens, die sich über die Berge gc- rettet hatten, daß Hans Kolbcnschlag gefallen war, nachdem er sich bis zur Dunkelheit im Walde auf der Höhe gehalten und dem Feinde schwere Verluste beigebracht hatte. Im Laufe des Sonntags hob sich die gedrückte Stimmung wieder in etwas, besonders als der schweigsame Gregor von Burgbcrnheim. dessen Fähnlein den Markgrafen Kasimir zurückgescheucht hatte, wieder einzog. Auch verbreitete sich das Gerücht, daß die Brüder noch unbesiegt bei Königshofen ständen. War es absichtlich von den Führern ausgestreut worden, so verfehlte es doch seine Wirkung nicht. Man wurde wieder hohen Muthes und beschlost nach Königshofen zu ziehen. Der Tag verging in eifrigen Rüstungen, und Simon Ncuffer war sicher nicht der Einzige, der sehnsüchtig nach Florian Geyer ausschaute. Mancher von seinen Gegnern wünschte jetzt den erfahrenen Kriegsmann herbei, dessen Abwesenheit Simon Neuffer die schwere Verantwortlichkeit auflud, an seiner Stelle die Schwarze Schaar zu führen. Uni nicht die Auf- merksamkeit der Besatzung des Schlosses zu erregen, sammelte sich der Auszug während der Nacht bei Heidingsfeld. Es schien aber auch auf dem Maricnbcrge etwas Ungewöhnliches vorzugehen; denn von der Stadt und den Tellschanzen aus sah man bald nach Mitternacht Lichter durch alle Zimmer des Schlosses sich bewegen, und die Mannschaft in den Tcll- schanzen gewahrte bei dem ersten Morgengrauen einige schwarze Reiter in der Richtung vom Schlosse gegen den Wald vor Hochberg. Sic gab Feuer, aber die Reiter waren ver- schwunden. Thcs Mertz, der Fischer, meinte, es sei ein Spuk des Schwarzkünstler- Mönches. Als die Pfingstsonne den Himmel zu rothen begann, standen die Fähnlein, wohl 5000 Mann mit ihrem gesammten leichten Feldgeschütz von etwa 70 Falken, Steinbüchscn, Doppelhacken, ganzen und halben Hacken, nebst Pulverkarren und Proviantwagen, zum Abmarsch bereit. Um das Schloß in Schach zu halten, blieben 2000 Bewaffnete aus Würzburg und 3000 aus den Landstädten unter Hans Bernreter, Bernhard Wießner und Balthasar Wirzbergcr zurück. Und jetzt, wer kam den Abfall der Hochebene nach Heidingsfeld auf einem von Schaum ganz lveißcn Pferde herabgejagt? Wem sprengten Jakob Köhl, Gregor, Simon Ncuffer, der lange Lienhart entgegen und schüttelten ihm die Hand? Ein sturmartiger Zuruf aus tausend und abertausend Kehlen und klirrendes Zusammenschlagen der Wehren bc- grüßten Florian Geyer. Auch Bruder Ambrosius war zugegen, -ast der einzige von den Dorfpfarrcrn, die ihre Gemeinden nach Würzburg geführt hatten, der ausharrte. Die anderen waren im Mantel der Nacht ohne Abschied heimgegangen. Er segnete die Ausziehenden. Auch die schwarze Hofmännin that es, allerdings in ihrer Weise. Wie das Heer aus dem Thor von Heidingsfeld gegen die Berglehne herausquoll, rief sie mit schriller Stimme:„Rache! Rache für unsere er- schlagencn Brüder! Die Gräber bersten, die Tobten stehen — 7i auf und streiten Euch voran. Der Sieg ist unser!" Sie blieb in Würzburg zurück. Wie sie, mit der knöchernen Hand auf den Marienberg deutend, zu Kaspar Etschlich sagte, als er von ihr Abschied nahm:„Ich bleib' zum Gericht."(Fortsetzung folgt.) (Nachdruck verboten.) Dvei Scher ufvln Erve. Von Peter Egge. Autorisirte Uebersetzung von Adele Neustädter. Es vergingen nicht viele Tage, an denen Olava, die Frau des Todtengräbers, nicht unter das Bett sah. Ja, sie stand da, die Kiste. Und sie wollte schon darauf achten, daß sie keinen Schaden nahm. Es war freilich nur eine alte Cichorienkiste, die sie bei dem Krämer bekommen hatte; aber Joakim sollte sowohl sie, als die Harmonika darin gerade so wiederfinden, wie er sie zurückgelassen. Der Junge sollte nicht sagen, daß sie nicht mehr auf die Harmonika bielt als sein Vater, denn Jver liebte nun einmal nicht Harmonikaspiel und Weltlichkeit. Er ging zu weit in der Gottesfurcht, etwas weniger wäre auch noch gut ge- Wesen. Aber Jver war ein Diener der Kirche, und deshalb konnte man ihn entschuldigen. Bei schlechtem Wetter gesdiah es oft, das; Olava unter das Bett sah. Joakim hatte es vielleicht jetzt nicht zu gut. Vielleicht segelte er dem Tode entgegen. Und er hatte nicht einmal die Harmonika als Trost und Aufmunterung, wenn es zu schlimm wurde. Aber Joakim hatte gesagt, daß es so sein müsse. Es hätte keinen Sinn, solch eine feine Harmonika mit sich ins Boot zu nehmen; denn jetzt würde sie der eine Kamerad leihen und darauf spielen, und dann wollte sie der andere haben. Das sollte eine Pracht im Frühjahr werden, wenn er zurückkehrte. Sie vermistte das Spiel, es regte so an. Eines Tages im Januar kam Jens Einen, zum Todtengräber hinauf. Es war spät am Nack, mittag und dämmerte schon. Unter dem Arm trug er eine kleine Kiste. Olava war draußen, und nur Jver empfing ihn. Der Mann nahm die Mütze vom Kopf und erzählte, daß er mit einer kleinen Leiche komme, die begraben werden solle. Er hatte einen Sohn bekommen, aber der kleine Bursche hatte nur eine Swndc gelebt, und so glaubte er, daß es keinen Sinn hätte, be- souderes Aufsehen von, Bcgräbniß zu machen; obwohl es traurig genug war, das Kind zu verlieren, denn es war ja das erste. „Hm, es ist doch getaust?" „Ja, es ist getauft in Hast und Eile. Ganz gewiß; denn es sah so krank und elend aus, daß man keine große Hoffnung auf sein Leben setzte. Nein." ~„Gott sei Lob!" sagte Iber; aber nach einer kleinen Weile siigte er hinzu:„Die sind glücklich, die so früh sterben." Ja, das glaubte Jens Einem auch. Jver nahm ihm die Kiste ab und setzte sie auf den Fußboden an's Bett und schob sie behutsam mit dem Fuß darunter, während er den Mann zum Sitzen aufforderte. Da Jver eine Weile nichts sagte, begann der Mann zu schwatzen. Er hatte von seiner Frau gehört, daß solche kleine Kinderleichen in ein Grab zusammen mit der Leiche eines Erwachsenen gelegt werden; aber das wolle weder er, noch seine Frau; denn es war ja das erste Kind und es blieb vielleicht das letzte. Und so war es doch angenehmer, ein besonderes kleines Grab zu haben. Gleichzeitig legte er auf den Tisch ein Zweikronenstück, das er in der Ta?che seiner Jacke bereit gehalten hatte. Aber Jver meinte, das sei zu viel, denn so viel erhielt er auch nur für die Leiche eines Erwachsenen. Das sei einerlei. Zwei Kronen solle er haben; denn es sei nicht gewiß, ob er noch mehr Kinder erhalten werde, nachdem es so schlecht mit dem ersten gegangen. „Ja. ja, dann vielen Dank I" Jver reichte Jens die Hand. „Ich danke," sagte der Mann und ging langsam hinaus, und Jver folgte ihm bis zur Treppe. Etwas später zündete Jver Licht an, zog die Kiste hervor, trug sie in die Tischlerwerkstatt, die an die Hütte stieß, und stellte sie auf die Hobelbank. Er bemerkte, daß der kleine Sarg eine Cichorien- liste war. Es war richtig, waS Jens Einem gesagt hatte, daß man nicht viel Auffehen von so einem kleinen Wicht machen könne, der nur eine Stunde gelebt hatte. Es war ja wahr, aber wenn er dabei so flott mit der Bezahlung war, hätte er wohl auch die Kiste wenigstens schwärzen können, das hätte dann doch besser aus- gesehen.� AmMorgen darauf stand Jver schon um 6 Uhr auf dem Kirchhof und grub. Sokonnte er mit diesem kleinen Grabe bis zum Frühstück fertig sein, und ztoei Kronen bis zum Frühstück verdienen, ivar gut. Das konnte er wohl gebrauchen, denn mit dem Gräberverdienst reichte man nicht weit. Aber als er nach Hause ging, um die_ Leiche zu holen, dachte er darüber nach, ob Jens Einem vielleicht ein kleines Holzkrcuz auf das Grab bestellt hätte. Dann hatte er auch den Verdienst. Er wollte Jens Einem direkt fragen, ob er vielleicht ein kleines Holzkrcuz wünsche, denn niemand konnte es billiger machen, als der Todtengräber. Und niemand konnte es besser wissen, wie so etwas gemacht wurde, und was auf einem Kreuze stehen mußte. Den nächsten Sonntag traf es sich, daß Gottesdienst in der Kirche war; das geschah nur jeden zweiten Sonntag. Nach dem � Gottesdienst warf der Prediger Erde auf die Gräber, die in den letzten Wochen hinzugekommen waren. Dieses Mal waren es nur zwei neue, das Grab eines Erwachsenen und dann das kleine Kindcrgrab. Der Küster sang. Und ein Theil der Kirchgänger stand umher und sang leise mit. Neben dem Grabe stand Jens Einem und seine junge Frau. Sie mußte sich auf den Mann stützen, denn sie>var noch schwach und bleich nach dem Kindbette, und sie weinte, als der Priester auf das kleine Grab drei Schaufeln Erde warf und langsam und laut sagte:„Aus Staub bist Du geworden, und zu Staub sollst Du werden, aber aus Staub sollst Du wieder auferstehen." Nur ein Bruder von Jens Einem begleitete die zivei Trauernden, denn die Kirche lag oben auf der Höhe, und es war weit bis zu Jens' Hause. In den nächsten Tagen arbeitete Jver in der Werkstatt; denn im Dorfe starb niemand, und da gab es auch kein Grab zu machen. Er machte ein kleines Holzkreuz und schwärzte es und malte darauf mit weißen Buchstaben: „Oswald Leonard Einem. Die Deinen werden Dich nicht vergessen!" Und außerdem hatte er auch noch eine Bestellung für einen kleinen Zaun um zwei Gräber. Olava ging umhe, und wartete geduldig auf Joakim's Rückkehr. Aber der Februar hatte gerade erst beqoüncn. Und der Regen rieselte, und das Schneegestöber wurde auf der Höhe immer heftiger. Einige Abende, als es gar arg wurde, mußte sie auf die Treppe hinaustreten und in die Ferne sehen. Weit unten lag die Stadt uud der Fjord. Der Fjord bewegte sich in weißen Schneewehen, die im Finstcrn leuchteten, obgleich er so gut eingeschloffen lag. „Gott helfe denen, die in solchem Wetter'auf See sind!" Und dann ging sie hinein und sah unter das Bett.„Wenn der Junge nur endlich wohl uud gesund nach Hause käme." Eines Abends las Jver laut aus der Postillc vor. Jeden Sonntag that er das; aber an Wochentagen geschah es nur, wenn das Wetter zu schlimm wurde; wie diesen Abend. Ihm gegenüber, an der anderen Seite des Tisches, saß Olava und strickte einen Sttumpf. Da er eine Pause machte, um auszuspucken, sagte sie fast erschreckt: „Aber, was ist denn hier für ein scheußlicher Geruch?" „He. riecht es?" „Ich habe es schon stüher verspürt." „Es wird doch nicht die Katze sein?" meinte Jver. Und be» dächtig sah er über die Brille zu seiner Frau hin. „Nein, das ist ganz anders." Sie blieb sitzen und schnüffelte ein wenig. „Jetzt merke ich es auch," sagte Jver. Er schob das Buch ein Stück von sich. „Hier kann ich es nicht länger aushalten, ich werde nachsehen." Und Olava begann sich umzusehen und zu suchen. Jver erhob sich auch, während er die Brille auf die Stirnc schob. Kauni hatte sich die Frau auf die Knie geworfen, um unter das Bett zu sehen, als sie sagte: „Hier spüre ich es am schlimmsten". Jver folgte und steckte seinen Kopf unter das Bett. Olava zog die Kiste sehr vorsichttg hervor, und beide guckten unter das Bett. „Ja, ich glaube es kommt von der Kiste," rief Olava. „Von der Kiste?" „Ja gewiß! Rieche nur!" „Vielleicht ist eine Maus hineingekommen und krepirt". Jver zog das Schuitzmefser hervor und brach ein Brett vom Deckel auf. „Bester, sei vorsichtig, daß Du die Harmonika nicht zerstörst". Sowie das Brett aufsprang, sahen sie unten in der Kiste eine kleine Kinderleiche ini weißen Kleide. Beide sichren zurück." „O. Du mein Gott, ich habe mich geirrt!" Jver's Stimme zitterte. Aber Olava brachte kein Wort hervor. Ihr Gesicht war weiß, und bald sah sie auf die Leiche, bald auf ihren Mann. „Ich habe die Kinderleiche von Jens Einem unter das Bett gesetzl, und habe mich geirrt; denn beide Kisten waren so ähnlich." Olava blieb auf den Knieen liegen und weinte. Aber Jver er- hob sich und ging zu einem Stuhl, auf den er sank. Die Kniee waren unter ihm so schlaff geworden. (Schluß folgt.) Vleinrs Feuillokon — Die Fische im Euripos. Der Meeresarm, der die Insel Kuba vom Festlande trennt, zeichnete sich von jeher durch seinen Rcichthum an Fischen aus. Von Marathon, ja von Skala Oropu, Chalkis gegenüber, werden die Fische, die man am Abend gefangen, während der Nacht über Land gefahren und versorgen den Markt von Athen, für den der Fang der Fischer im Piräeus und der Dörfer des saronischcn Meerbusens schon lange nicht mehr ausreicht. Im saronischcn Meerbusen nimmt der Fischreichthum allmälig ab, das hat gciviß seinen Grund in den vielen den Fischen unangenehmen Substanzen, welche die Fabriken im Piräeus und in Phaleron dem Meere zuführen. Diese 7. Substanzen bzaben sogar schon das Suinpffieber und typhöse Er- irnulungcn hertiorgenifen, das dor-t ankernde englische Geschwader von dort vertrieben und beschäftigen die Gesundheitskoininission des Ministeriums des Innern seit Monaten. In dein Kanal von Euböa hat man nun, wie die„Köln. Ztg." mittheilt, gleichfalls ein rasches Verschwinden der Fische bemerkt. Das Verschwinden der Fische führte zu Untersuchungen des Meeresbodens, und diesen fand nian init einer schwärzlichen, gallertartigen, übelriechenden Substanz bedeckt. Chemische Untersuchnnge» ergaben, daß es die in Fäulniß übergegangenen Neste von gegorener Gerste sind, die in den großen Fabriken von Chalcis zur Bereitung der verschiedenen Spiri- tuosen beimtzt wird. Die griechischen Bremiereien bereiten den Kognak nicht alle, wie sie behaupten, aus den Ueberresten der Wein- bercitung, sondern sie setzen, um ihren Fabrikaten mehr Spritt zu geben, auch andere Substanzen, wie gegorene Gerste, zu, und aller Abfall und die unreinen Wässer waiid'cni ins Meer. Hier hat sich der Meeresboden mit dieser gallertartigen Masse bedeckt, die ini Wasser Gase entwickelt und so den Fischen den Aufenthalt verleidet. Man sollte nun eigentlich annehmen, daß der Strom im Kanal von Euböa diese unreinen Substanzen mit wegnähme; das Gewicht der Masse scheint aber doch zu groß zu sein, sie setzt sich und verscheucht so die Fische, die sich alle nach dem südlichen Dheile des Mittelmecrcs verziehen, zunächst natürlich in die stillen Busen der peloponncsischen Küste. Dadurch erwächst einmal dcti Fischern großer Schade, denn die Entfernung ivird zu groß, um die Fische bei so langem Transport frisch zu erhalten, und der Grieche ißt nur ganz frische Fische. Anderersetts wird der Verbrauch durch den höheren Preis wesentlich vermindert. So reicht z. B. an Fast- tagen, wie dem des hl. Sotirios, anfangs August, an denen die Religion ausnahmsweise die Fische als Speise erlaubt, der Fang niemals aus, obwohl von allen Seiten zu Schiff, zu Wagen und mit der Eisenbahn in Eiskrsten Fische nach Athen und den anderen größeren Städten gebracht werden. Die Folge davon ist zunächst ein sehr hoher Preis, der nur den oberen Zehntausend den Ertverb eines Gerichts Fische erlaubt, und dami die wachsende Einfuhr von Stockfisch, an den sich die ärmere Bevölkerung hält.— Volkskunde. —„Den Alten bringen." In großen Gebieten Nord- dcntschlands, namentlich in der Mark, in Mecklenburg und Pommern, herrscht noch heute die Sitte, sobald der letzte Roggen gemäht und gebunden ist,„den Alten" zu bringen. Der„Alte", dem durch drei Kornseile die Gestalt eines Mamies gegeben wird, ist die letzte Roggengarbe. Aermere Besitzer lassen sie beim Abfahren des Korns allein auf dem Stoppelfelde stehen, auf den Gütern aber wird sie mit großem Pomp ins Herrenhaus gebracht, um die dort in einem Räume vorhandene vorjährige Garbe abzulösen. Sicherlich stammt dieser Brauch noch aus altheidnischer Zeit, wo man der Göttin „Hertha"', der Geberin des Erdsegens, durch heilige Garben dankte, um auch fernerhin ihres Wohlwollens sicher zu sein.— Geographisches. ie. Die wissenschaftliche Erforschung der Weih- nachts-Jnsel. Mitten im Indischen Ozeane etwa 400 Kilometer südlich von der Wcstspitze der Insel Java liegt ein einsames Eiland, das die Engländer zu ihrem Besitze zählen;' die Wcihnachts- Insel sChristmas-Jsland), nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen gänz- lich unbewohnten Insel, die einst von Cook auf seiner Weltreise im Stillen Ozeane entdeckt wurde. Wie wir vor etwa l1/« Jahren berichteten, wurde unter der Führung von C. W. Andrews und auf Kosten des britischen Naturforschers John Murreh eine wissenschaftliche Expedi- tion zur Erforschung dieses in mehr als einer Hinsicht merkivürdigen Erd- thcilchcns entsandt. Nach einer Abwesenheit von etwa IS Monaten ist Andrews nunmehr zurückgekehrt und hat außerordentliche Dinge von seinen dortigen Forschungen zu berichten. Dieselben waren in ganz ungewöhnlichem Grade erschwert. Die Insel ist bis 400 Meter hoch und so dicht mit riesigem Urwalde aus Bäumen und Buschwert bestanden, daß die wenigen Bewohner der Insel noch niemals über ein Kilometer weit von der Küste aus in das Innere vorgedrungen sind. Das einzige erreichbare Trinkwaffer wird von einer Quelle an der Küste geliefert und mußte also von dort in das Innere mitgenommen werden, was wegen der Steilheit der Abhänge und Fclsklippen außerordentlich schwierig ivar. Mit Hilfe aller ihm zu Gebote stehenden Mitteln konnte Andrews nicht mehr als 3 Kilometer täglich zurücklegen(die Insel ist 23 Kilometer lang und 13 Kilometer breit). Die Einwohnerschaft des Ländchens an Thieren ist außerordentlich interessant, da sie gar nicht durch den Menschen in ihrer EntWickelung beeinflußt wurde, zum Theil machte sie sich aber sehr unangenehm bemerkbar. Namentlich waren die vielen großen Landkrabben und Ratten eine wahre Plage für den Forschungsreisenden. Andrews mußte oft ohne Zelt im Freien schlafen und seine Zehen so gut als möglich gegen die Scheeren der Krabben schützen, während sein Körper von Hunderten von Natten überlaufen wurde. Eine der merkwürdigsten Eigenschaften der dortigen Thierwelt ist ihre Kletterkunst. Da dieselbe den Thieren zum Lebensunterhalt unbedingt nothwendig zu sein scheint, so haben sogar die Ratten und Krabben das Turnen an den Bäumen und Schlinaflanzen zu einer Fertigkeit entwickelt, wie man sie sonst nur bei den Affen und Spechten zu beivundcrn gewohnt ist. Andrews hat reiche* Sammlungen aus der dortigen Äcrantwortlicher Redakte»!: Hugo Poettsch in Berli !4— Lcbcwelt mitgebracht, besonders auch aus der Klaffe der Insekten. Die Geologie der Insel ist nicht weniger interessant. Der innere Kern ist vulkanisch, ursprünglich muß aber die Insel lediglich aus einem Korallenriff bestanden haben, deffen Ueberrcste noch jetzt die Spitze des Eilandes einnehmen, also von der aufdringenden vulkanischen Masse in die Höhe gehoben sein nnisseit. Später wurde die Insel von neuen Korallenbauten umgürtet, woraus zu schließen ist, daß die Hebung allmälig geschah.— Alts dem Thierleben. t. Ein ertrunkener W a s s e r k ü f e r. In den„Mit- theilungcn der schweizerischen Entomologischen Gesellschaft" thcilt ein eifriger Käfersammler aus Genf eine merkwürdige Beobachtung mit, die noch der Erklärung bedürftig ist. Der Riann hatte einen der gewöhnlichen pechschwarzen Kolbenwasserkäfer(H�ckroxbilus pieeus) gefunden und ihn zunächst in einem Schächtelchen aufbewahrt. Da er es gut mit dem Insekt meinte, so that er es später in ein Gefäß mit ftischem Waffer, das bekanntlich das Lebenselement dieses Käfers bildet. Aber kaum war er ins Wasser gesetzt lvorden, als er die größten Anstrengungen machte, wieder aus demselben heraus- zukommen, was ihm aber wegen der glatten Wände nicht gelang. Nach einer Stunde hatte der Käfer sich so abgearbeitet, daß er ganz matt geworden war und nur noch mit den letzten Beingliedern zuckie. Er wurde nun auZ dem Wasser genommen imo erholte sich nach wenigen Mimiten vollkommen. Das alte Wasser wurde dann weggeschüttet und noch einmal frisches in das Gefäß gethan. Als der Käfer nun wieder hineingesctzt ivurde, begann sofort das ängstliche Zappeln und die Fluchtversuche von neuem. Nach etwa zwei Stunden war der Käfer tobt. Warum er es in der Gefangenschaft im Wasser nicht aushalten konnte und in demselben regelrecht ertrank, ist schwer zu erklären. Man könnte daran denken, daß die Athemösframgen durch den längeren Aufenthalt im Trockenen gelitten hatten, auch daran. daß das Wafler nicht genug Sauerstoff zmn Athmcn enthielt, aber überzeugend ist keine dieser Erklärungen.— Aus dem Gebiete der Chemie. 88. Auf der diesjährigen Versammlung der Britischen Ver- einigung zur Förderung der Wissenschaften kündigte der bekannte Physiker und Chemiker William Crookes' die Entdeckung wieder eines neuen Elements an, das er M o n i u m benannt und aus einigen seltenen Erden, z. B. Dttrium, Samarium, Dtterbium, die man bisher für Elemente gehalten, ausgeschieden hat. Während die anderen in letzter Zeit neuentdeckten Elemente sich durch große Trägheit auszeichnen, soll das Monium leicht in Ver- bindungen mit anderen Elementen zu bringen sein. Auffallend ist, daß dasselbe durchweg in solchen Stoffen gefunden worden ist, die ein phoSphoreszircudes Spektrum besitzen,— Humoristisches. — Ursache. Arzt:„Nanu, Herr Krause, wo haben Sie sich denn so zerschunden?" Patient:„Beim Radeln, Herr Doktor." Arzt:„Aber Sie radeln ja gar nicht?" Patient: Nein, ich mcht, aber leider andere."— — Vorgesorgt. Er izu seiner Braut):„Fürchte Dich nicht, Kind, daß es zwischen uns beiden je zu einer solchen Szene kommen könnte, wie zwischen dem Ehepaar Meyer. Du und ich, wir werden nie so streiten, nicht wahr?" Sic:„Ganz gewiß nicht. Denn wenn Du jemals so zu mir sprächest, wie er zu ihr, würde ich sofort die Polizei holen."— — Unterschied.„Der Name des Komponisten Strauß wird ja wohl ebenso geschrieben, wie der des Vogels Strauß! Ist da gar kein Unterschied?" „.Doch, sogar ein sehr großer! Der Komponist Strauß schreibt sich S-t-r-n-u-s-z..."* „Und der Vogel Strauß?" „„Der schreibt sich gar nicht!""—(„Lust. Bl.") Vermischtes vom Tage. — In Oberau bei Lüben wollte ein 16jähriger Müllerlehrling den Boten, den er mit dem Mittagessen kommen sah, erschrecken: er legte sich einen Strick um den Hals. Der Strick gerieth aber in das Getriebe der Miihle und der Bursche wurde erdrosselt.— — In N e u d o r f bei Reichenberg lBöhmen) hat die Wittwe eines Schuldirektors ihren beiden Kindern, einem Knaben und einem Mädchen, die Kehlen mit einem Aasirmesser durchschnitten und sich dann erhängt.— — Eine F e u e r s b r n n st hat in G l o g o w(Westgalizicn) hundert Häuser und eine Kirche zerstört.— — In der Nähe von Fünfkirchen sind zwei Eisenbahnzüge zusammengestoßen. Vier Personen wurden schwer, zwanzig leicht verletzt; ein Bremser wurde getödtet.— — Eine englische Gesellschaft will eine elektrische Bahn über den 2500 Meter hohen St. Bernhard bauen. Die Bahn würde als elektrische Zahnradbahn gebaut und soll fünfzehn Millionen Franks kosten.— — Die Kreter wollen demnächst eigene Briefmarken in Umlauf setzen.— i. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.