Ur. 301. Kboimement»-Kedingungen: Sbonnemini»-Prei» pränumerando: «ierleljährl. SL0 Ml., monatl. 1,10 Ml., wöchentlich 28 Pfg. frei in» Hau». Einzelne Nummer S Pfg. Sonnlag»- Nummer mit illuftrlerler Sonntag»- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- ilbonnement: 3,30 Mark pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung»- Preisliste für lSSV unter»r. 7020. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn S Marl, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Erscheint täglich aufter Montag». Vevlinev Volksblakk. 16. Jahrg. Die Jusertions-Gcbülfr beträgt für die fechSgsfpaltene Kolonsl- zeile oder deren Raum SO Pfg., für politische und gewerlschaftltche Verein»- und BersammlungS- Anzeigen 20 Pfg. ,, Kleine Ansetgen" jede» Wort S Pfg. (nur da» erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bt» S Uhr nachmittag» in derErvedition abgegeben werden. Die Erpcdtlton ist an Wochen- tagen bi» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen btSSUhr vormittag» geöffnet. Fernsprecher: Smt I, Nr. 1508. Telegramm- Adresse: „Bocialdemollrat Berlin« Centrawrgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: 3�.19. Ventlz-Straste 2. Dienstag, den ÄN. August Expedition:£W. 19. Beutlz-Steasze 3. Ter General der Verbrechen und die Regiernng. Unter de» stetroddelten und bestcnitcil Mitgliedern der Vcr- drcchcrbnnde gebührt der erste Plötz dem General M e r c i e r, dem Kriegsminister von 1894, dein Haupturheber des Justizmordes. Nach der Sonnabendsitzling des Militärgerichts ist es möglich geivorden, alle seine Verbrechen j u r i st i s ch festzustellen. Wir Ivollcn sie der Reihe »ach anfzählcn: 1. General Mercicrhat einen A m t s f r c v e I begangen, indem er den Militärrichtern voil 1894 im Bcratungszinnncr.geheime Doltt- mente" mitteilen ließ, die der Verteidigung und dem Angeklagten vcrhcim- licht wurden. Diese Dokninente sind: zwei ans D r c y f n s nicht anwendbare Briefe, die als solche dem General Ni e r c i e r bekannt sein mußten; ein von du P a t y de Clam verfaßter„Kommentar" zu den Doklnnentcn, eigentlich ein geheimer Analogeakt, von gewissenlosen Verlenmdnngen und Lügen strotzend; endlich die falsche, DreysuS belastende Ucbcrsctzung der chiffrierten Panizzardi-Depesche— eine Fälschung, die als solche ebenfalls de ni General bekannt war, da das Ministerinni des Auswärtigen sechs Woche» vor dem Prozeß die richtige, D r e y f u s entlastende Urbcrsetzung der Depesche dein Kriegsministcrium mitgeteilt hatte. 2. Damit hat sich General Mercier des Gebrauchs einer F ä I s ch u n g wider besseres Wissen schuldig gemacht. 3. Der General leugnete unter dem Zeugeneid sowohl vor der Kriminalkammer dcS Kassationshofes, wie vor dem Militärgericht von Rennes, die Fälschung im Prozeß von 1894 verwertet zu haben. Das ist ein zweifacher Meineid, juristisch erwiesen durch die gestrige Konfrontation zwischen Hauptmann Frey- st ä t t e r, einem der Militärrichter von 1894, Oberst M a n r e l, dem Gerichtsvorsitzenden von 1394, der seinerseits doch vor einem direkten Meineid zu MercicrS Gmisten schließlich znrnckwich, und General Mercier. Durch die wahrheitSgcnn'ißc Aussage Frcystättcrs, eines weißen Raben unter den verbrecherischen Militärrichtern von 1894, an die Wand gedrückt, blieb dem General kein anderer Ausweg, als im flagranten Widerspruch zu seiner eigenen vor einigen Tagen gemachten Aussage in Rennes die Schuld am Fälschungsgcbrauch auf den toten Oberst Sandherr abzuwälzen. 4. General Mercier hat, was er selbst in Rennes eingestehen mußte, das„Kommentar" dn Paty de ClamS, d. h. den Hand- greiflichcn Beweis seines AmtSfrcvelS, seines FälschnngSgcbranchs t.iib seiner Meineide, ein amtliches Dokunient unter- schlagen— zuerst das Original bald nach dem Jilftizmord und dann, Ende 1897, mit der Mitschuld des Generals Gonse, auch die Abschrift des Kommentars. 5. In einer der letzten Sitzmigen wurde der Beweis erbracht, das Mercier am 3. August 1899 den Versuch gemacht hat, den Streich von 1894 niit der gefälschten Panizzardi- Depesche z» wiederholen. General Eh am o in, der Delegierte des Kriegsministers, der Hüter des„geheimen Dossiers crhiclk von Mercier jene Fälschung nebst einem lügnerischen Kommentar zngcstcckt, um sie in das Dossier ein- znswmuggeln. Der Versuch mißlang, weil General Chamoin wäl'rend der geheimen Sitzungen des Kriegsgerichts von Lab ort rechtzeitig ertappt wurde. In der öffentlichen Sitzung suchte sich danir Chamoin in der jämmerlichsten Weise hcransznlüge», indem er„anfrichlig" seinen„Fehler" bereute. Mercier aber mußte cingcslchcn, daß die Fälschung. eine noch weiter zu D r e y f u s' Nachteil verfälschte„ U e b e r s e tz u n g" der Depesche, eine Fälschung zweiten Grades, die Vcrfälschinig einer Fälschung ihm von niemand anderem zugestellt wurde, als von— du Paty d e Clam, dem„bettlägerigen",„schwerkranke»" Zeugen, seinem Koniplizcn von 1894.... 9. In seiner„ZengcnanSsagc" operierte Mercier mit A b- schristen von Dokumenten ans dem„geheimen D o s s i e r". darnntcr die Fälschung Schneide r. Das ist, von dem Gebrauch eincr Fälschung abgesehen, ein Vergehen gegen das Spionngegesetz, denn Mercier hat ebensowenig recht, Abschriften von Gchcimaktcn z» besitzen und öffentlich zu ver- Ivcrten, wir jeder beliebige Privatmann. Die Liste ist, glaube ich, vollständig— bis auf weiteres wenigstens. Welches sind min die Strafen, die die schlverstcn der auf- gezählten Verbrechen treffe»? Auf de» AmtSfrevel steht die Verbannung nebst dem Verlust der Bürgerrechte, der Meineid wird mit Zuchthaus bestraft, der Gebrauch einer Fälschung wider besseres Wissen mit dem Bagno. Dabei gilt für alle Verbrechen Mcrciers der erschwerende Umstand, daß sie zum Zioecke begangen wurden, cincn Justizmord herbeizuführen oder wenigstens aufrecht zu erhalten. Wohl gemerkt, Mercier hat die Bagno-Strafe verwirkt, ganz unabhängig davon, ob DreysuS freigesprochen wird oder nicht. Sofern das Strafgesetz in Frankreich noch z« Recht bestehen soll. muß Mercier in jedem Falle gerichrlich verfolgt und ins Bagno geschickt werden. Und istebesondere wegen seines zweiten Meineids vor dem Militärgericht hätte er von Rcchtstvcgen, auf Grund einer ausdrück- lichcn Vorschrift des UntcrsnchiingSkodex, mitten in der Gerichtssitzung verhaftet werden sollen, wie z. B. Ehren- T a u s ch. Diese Pflicht liegt der Regierung ob, die vor dem Militärgericht durch den„RcgierungSkommissar", wie der militärische Staatsanivalt drastisch betitelt wird, vertreten ist. Warum rührt also die Regierung keinen Finger? Warum läßt sie den ohnehin seit zwei Jahren allzu starken Glauben, daß das Gesetz vor einem General Halt macht, noch tiefere Wurzel fassen? Hierüber sind die Meiminge» im Revisionslager allerdings geteilt. Die einen billigen— übrigens stillschweigend— die Unterlassung des Ministeriums aus Rücksicht auf den Ausgang des Prozesses bcziv. auf die Autorität eines Freispruchs. Die Militärrichter, heißt es, könnten sich gegen die Verhaftung Mercier mitten in den Ver Handlungen aufbäumen und ans Wlit darüber Dreyfus desto eher verurteilen. Andererseits gelte es, jeden Schein eines ministeriellen Druckes auf die Militärrichter zu vermeiden, damit ein Freisprach nicht als die Ausführung eines Regierungsbefehls verdächtigt werden könnte.... Die offen aiisgcsprochencn Gegengrllnde der revisionisti scheu Tadlcr des Ministeriums— es sind Clemenceaus „Aurore" und Dves Gnyots„Siecke"— sind nicht nur rechtmäßiger, sondern auch meines Erachtens praktisch zlvcckmäßiger. Eins von den beiden: entweder sind die Militärrichter einzig von dem Wunsch beseelt, ein rechtliches Urteil zu fällen, oder aber sie sind entschlossen, um jeden Preis die„Ehre" des verbrecherischen Militärklüngels durch einen neuen Justizmord zu„retten". Im ersteren Falle ist dieses oder jene Verhalten der Regierung gegenüber Mercier ganz gleichgültig, im letzteren Falle aber, der zudem— nach der bis herigcn Haltung der Militärrichtcr zu urteilen— wahrschein sicher ist. muß die Schonung Merciers einen weiteren starken Grund für die Wiederholung des Justizmordes bilden. Erscheint doch der ganze Prozeß in den Augen der Armee und auch gewiß der Militärrichter von Rennes vornehmlich unter dem Gesichts Punkt eines Duells zwischen Drehfus und dem die„Arnicc-Ehre verkörpernden General Mercier, dem vom Gesetz zunächst gezeichneten Verbrecher. Mercier hat selber in seiner Staatsanwaltsredc mit allem Nachdruck die Richter vor die Wahl gestellt:„E r sDreyfus) oder ich! Und in der gleichen Richtung nmß ans die Militärrichter der feige Beschluß der Kammer wirken, die Beratung des Antrages auf Ver Weisung Merciers vor das Hochgericht deS Senats bis zuni Abschluß des DreyfusprozesseS zu vertage», trotzdem sein Amtsfrevel schon im Revisionsurteil dcS Kassationshofes rechtskräftig festgestellt war. Thatsächlich bedeutet also gerade die gesetzwidrige Schonung Merciers snach dem erwiesenen Meineid) einen freilich unfreiwilligen ministeriellen Druck auf die Richter im Sinne der Verurteilung Und was gar die Verdächtigung eines eventuellen Freispruchs betrifft, so gehört tvirklich ein unerlaubtes Maß von Naivität zu der An- nähme, daß die generalstäblerifchtn Parteien sich je vor einem Frei spruch, unter welchen Umständen immer ein solcher gefällt werden mag, beugen würden. Ein Freispruch würde von ihnen unter allen Umständen als ein neuer„Beweis" für die Ucbcrmacht deS, Verrats shndikats" beschimpft werden, das sogar die Militärgerichte zu be stechen verstanden habe, wie dasselbe ja sämtliche Mitglieder des Kassationshofcs bestochen hätte.... Uebrigcns bcthätigt die Regierung auch sonst eine übertrieben äugst liche ins Gegenteil umschlagende Rücksichtnahme auf die„Unabhängigkeit des Militärgerichts", eines Gerichts, das durch und durch im Banne der Hocharnice, der von ihm im gegebenen Falle einzig anerkannten Autorität, steht. Von der rechtmäßigen Regierung aber, von der Civilgcivalt, sagen wir noch deutlicher: von der in den militärischen Kreisen verabscheuten„drehfusistischcn" Regierung fühlt sich das Ge richt von Rennes ungefähr ebenso„unabhängig", wie vom chinesischen Kaiser.... Insbesondere ist das Benehmen des„Rcgierungs kommissars geradezu skandalös. Er gcberdet sich offen als der Kommissar des G c n e r a l st a b e s, Ivas ihm dadurch erleichtert wird, daß die Regierung von ihren, gesetzmäßigen Recht, ihm bestimmte Instruktionen zu erteilen, keinen Gebrauch gemacht hat, um so die„Unabhängigkeit" der Militärjnstiz in hellstem Lichte erstrahle» zu lassen. Ebenso seltsam ist schließlich die Nachsicht des Kriegsministcrs bczw. der Regierung gegenüber dem General Chamoin in der erwähnten Angelegcichcit. wo dieser sich halb und halb zum Komplicen Merciers gemacht hat. Im ganzen ist das scheue Verhalten der Regierung im Drehfus Prozeß ein Bciveis für die immer noch große Macht der Militär- gewalt und deren Parteigänger. Jnzlvischcn hat die Pariser Staatsanivaltschaft beschlossen, a l l e Z c i t n n g e n. die in der letzten Zeit z u m A u f r u h r aufforderten, gerichtlich zu verfolgen. Die wegen Aufreizung zu Straßcndemonstrasioncn in Untersuchung gezogenen Blätter sind:„Jnlransigcaut",„Soir",„Libre Parole".„Patrie" „Journal dn Pcuple".— Gegen den Herausgeber des„Eclair", Sa baticr. und gegen den Journalisten Sassajoux ist Untersuchung wegen Publikation eines geheimen Schriftstückes sowie wegen Fälschung ein- elcitct, weil dieselben im September 1896 den Briefe„l?o Canaille e D..." veröffentlichten und anstatt D... Dreyfus setzten. In drei Wochen iväre Verjährung eingetreten. Die Regierung erivägt die Frage der Einberufung des S t a a t s» e c i ch t s h o f S. welcher die kürzlich verhafteten Urheber des Komplotts gegen die Sicherheit des Staates aburteilen soll. Wahrscheinlich wird das CinberufungLdekret in einer der nächsten itzungen des Ministerrats unterzeichnet werden. Aebevfirhk. Berlin, den 28. August. Auf den Tcheiterhaufen! „Sie saugen aus allem Gift"— so ruft schaudernd' der fromme„Reichsbote" aus und wehklagt zornvoll, daß der Vorwärts" in der Unterhaltuugs-Beilagc„Die Neue Welt" Goethes Prometheus abgedruckt hat, und sogar auf der ersten Seite und in großer Schrift. Keine würdigere Ehrung für den Dichter als die Erinnening an dieses hohe Lied mensch- licher Schöpferkraft, das die reinste und stolzeste Sittlichkeit verherrlicht, daß sich der Mensch alles, was er ist, ielber errungen hat, daß er sich nur dem Gesetze unterwirft, daß er sich selbst gegeben. Und durch diesen prometheischen Hymnus auf die Autonomie, die freie Selbständigkeit des Menschen, der sich erhoben hat über die demütige Unter- würfigkeit unter fremde Gewalten der Willkür, durch dieses gewaltige Gedicht der Lebensbejahung und Lcbenserhöhung haben wir— so zetert der„Reichsbote"— ein Verbrechen begangen: „Sie benutzen so die Gelegenheit, dies furchtbare Gedicht in die Arbeiterwelt zu schleudern; sie eignen es sich an als ihr Glaubensbekenntnis. Wie er sich räuspert, wie er spuckt, das haben sie ihm glücklich abgeguckt. Nicht der nach Wahrheit ringende Faust, soliden, Mcphistopheles, der Satan, ist ihr Vor« bild. Die Herzen des Volkes zu vergiften mit Haß und Trotz gegen alles, was Gott und Gottesdienst heißt, wie gegen alles, iväs groß und edel ist auf Erden, Revolution gegen den Himmel und die Erde, und das ist ihr Ziel. Dazu wollen sie daS Volk aufstacheln." Die Entdeckung, daß Prometheus nicht etwa der griechische Faust, sondern der griechische Mephistopheles ist, niag auf sich beruhen; nur bleibt unbegreiflich, warum der gottlose Faust nicht gleich mitverbrannt wird. Aber eines geht aus dem Gegeifer hervor: der Protestantisnius hat kein Recht, sich über die bornierte lächerlich-widcrliche Kunstfeind- schaff gewisser katholischer Litteratur-Jnquisitoren aufzuhalten. Er versteht sich auch auf das Handwerk. Die geistigen Frcudenfeuer, die die Welt anzündet, um Goethe-Prometheus zu feiern, sind der Orthodoxie gerade recht, um den verruchten. Künder freier Menschlichkeit in ihnen zu sieden. Die Abstrafung der Beamten, die gegen die Kanalvorlage gestimmt haben, wird von ver- schiedenen Seiten als unmittelbar bevorstehend angekündigt. Die Maßregel ist nicht nur kleinlich, sondern widerspricht auch dem Artikel 84 der Verfassung, daß die Abgeordneten„für ihre Abstimmungen in der Kammer niemals, für ihre darin aus- gesprochenen Meinungen nur innerhalb der Kammer auf den Grund der Geschäftsordnung zur Rechenschaft gezogen werden können." Politisch abhängige Beamte gehören freilich nicht ins Parlament, sind sie aber einmal darin, so haben sie die Pflicht, ihrer Ueberzeugung zu folgen und dem Willen ihrer Wähler. Die Zahl der Landräte, welche am 17. und 19. August in allen vier Abstimmungen zur Kanalvorlage gegen den Kanal gestimmt haben, beträgt 13. Dazu kommen 2 Regierungspräsidenten. Außerdem haben in allen 4 Ab- stimniungen gegen den Kanal gestimmt neben dem bereits gemaßregelten Prof. Inner zwei Regierungsräte und ein Konsistorialpräsident. Die Regierung vergrößert zwar mit solchen Maßnahmen die Schwere und Kläglichkeit ihrer Niederlage, aber sie zeigt doch in dieser Frage eine gewisse Konsequenz. Wenn Herr Podbielski es nicht duldet, daß Post-Unter- beaniten sich organisieren, wenn ein socialdemokratischer Physiker nicht an der Universität lehren darf, dann ist auch schließlich die Forderung zu verstehen, daß Beamte in allen Stücken Ordre zu parieren haben und sich allen Wünschen der vorgesetzten Regierung zu unterwerfen haben. Wenn der Staat über ein Heer charakterloser, knetbarer und biegsamer Streber herrschen will, uns kann's recht sein. Sie werden dann auch die ersten sein, das sinkende Schiff zu verlassen, wenn es mit der Herrschaft des gegenwärtigen Systems zu Ende geht.— Die Lage in Belgien. Ans Belgien wird uns geschrieben: Montag wird der außerordentliche Kongreß der Arbeiterpartei zusammentreten. Es handelt sich darum, welche Haltung die socialistische Partei zu dem von der Regierung vorgeschlagenen Wahlgesetze einnehmen ivird, um die Befragung des Landes über die Verleihung des all- gemeinen Stimmrechts herbeizuführen. Am Freitag hat die Deputierten-Kammer darüber debattiert, ob der von der jocialistischen Linken eingebrachte Gesetzenttvurf über die Revision des Artikels 47 der Verfassung, der in Belgien daS Pluralstimmrecht festsetzt, zur Beratung komnien soll. Die Sitzung war sehr bewegt. Die Regierung erklärte, sich mit dem Borschlag nicht befreunden zu können. Unsere Freunde Vandervelde und Anseele hielten eindrucksvolle Reden. Die Regiening hat durch das Organ des Kabinettschefs, de Smet de Naher, erklärt, daß jeder sparsame und ordentliche Mann so be- sitzend werden könne, daß er die Zusatzstimmen zu erwerben im stände sei. Die Linke ging natürlich mit dieser famosen Aeußerung kräftig ins Gericht. Genosse Vandervelde zeigte, warum die Rechte jetzt die Proportionalvertretung beantrage: Die Verbindung der Liberalen und Socialisten drohte, die klerikale Herrschaft zu brechen, und des- wegen erfülle man gezwungenermaßen die Forderung der Linken. Anseele wies auf die Feigheit gewisser Liberalen hin, die heute, um die Klerikalen zu stürzen, sich mit uns verbinden, aber die eingegangene Verpflichtung ableugnen. Die Bourgeoisie sei im- ähig, eine Handlung der Gerechtigkeit zu begehen, wenn sie nicht durch die Gewalt der Straße dazu gezwungen werde. Trotzdem werde das allgemeine Stinimrecht siegen. Das belgische Volt sei reif für das allgemeine Stimmrecht; es werde durchgesetzt iverden, mit Güte oder mit Gewalt. Die Diskussion wird Dienstag fortgesetzt werden. Am Freitagabend wurde eine große Versammlung von der ocialiftischen Vereinigung veranstaltet. Dazu wurden die Deputierten eingeladen, welche den Aufruf ans Land unterzeichnet hatten, in dem die Befragung des Landes gefordert wurde, die aber gleichwohl heute erklären ,' sie würden für den Regierungsvorschlag ohne Befragung deS Landes stimmen. Tisse Deputierte» alicr ließen sich nicht sehen In einer energischen Nefointion ivurdc ihre Hnltnng K�lteivelt� Die knpitcilistischen Journale des Auslandes, die von einer Spaltung in der socialistischen Partei über die Frage der einzu- schlagenden Taktik fabeln, sprechen Lugen ans. Verschärfung der Transdaal-Krisis. Die Hofsnungen auf eine friedliche Lösung der Transvaalfragc wollen sich nicht bessern. I» England nimmt die Ungeduld über die Hinanözvgernng der Entscheidung stetig zu und äußert sich in heftigen Prcßansfällen gegen die Boerenregierung. Sehr deutlich kommt diese Stimmung in einer längeren Rede zum Ausdruck, die Ehamberlaiu am Sonnabend bei seinem Empfang in Highbury hielt. Er führte ans, daß ungeachtet der Verhandlungen, welche während der letzten drei Monate mit dem Präsidenten Krüger statt- fanden, nur ein geringer Fortschritt zu verzeichnen und die Krise noch nicht beendei sei. Krüger mache Anerbictungen, welche er selbst für unmöglich halte. Die von England verlangten Nesottnen seien von jedcnnann als gerecht und vernünftig anerkannt ivorden, weniger zu fordern sei unmöglich. JnKrtigersHand liege die Entscheidung übcrKrieg und Frieden. Die Lage fei zu drohend und zu gespannt, als daß sie noch lange Zeit so fortdauern könnte. Sollte sie noch länger anhalten, so würde die englische Negierung sich nicht auf die schon gestellten Bcoingungen beschränken, sondern' Schritte thun. nm Bc- dingnngen zu erhalten, welche endgültig die englische Vor- Herrschaft in Südafrika herstelle» wurden. Tie leitende englische Presse fährt fort, über die Haltung Schreiners und der Kapregiernng zu klagen, welche durch ihre Zu- lassung der Kriegsmunitions-Transvorte nach dem Oranje-Freistaat sich des offenen Verrats der englischen Interessen schuldig mache. Zugleich werden allerlei iibertrtebene Nachrichten über die schlimme wirtschaftliche Lage in Transvaal und der Kap- kolonie verbreitet. So lassen sich beispielsweise die„Times" aus der Kapstadt melden, in Geschäftskreisen herrsche dort die größte Besorgnis über die Verzögerung in der Beilegung der Krisis in den Beziehungen zwischen Großbrilaniiien und Transvaal. Der Handel liegt völlig danieder. Die Kanflente halten ihre Ware» in den Hafenplätzc» zurück, da sie eS nicht Ivagen, dieselben der Möglichkeit des Verlustes auszusetzen.— TeS weiteren führen die „Times" in einem«rtilel ans, eS fei Grund zu der Annahme vor- Händen, daß in den allerletzten Tagen im Kricgsamte endgültige Ab- machungen hinsichtlich der Richtung getroffen' seien, welche die im Falle eines Bruches mit Transvaal notwendig werdende Expedition im allgemeinen einhalten solle. ** » Deutsches Weich. Die„MajestätSbeleidignng" deS„Vorwärts" und ihre Begriindung erregt mit Recht größtes Aufsehen. Selbst die „National-Zeitung" nennt das Verfahren seltsam. Die „BolkS-Zeitung" bemerkt: „Der gegen den„Vorwärts" angestrengte Masestäts- beleidigungsprozetz dürfte ein Unikum unter' den Prozessen dieser Art bilden. Nach den von dem Blatte wiedergegebcncn Aeußerungen des ersuchten Richters werden die bekannten Worte Hoffmanns von Fallersleben, die fast immer angewendet werden, wenn man eine Denunziation richtig charakterisieren will, thatsächlich zum Ausgangspunkte der Anklageerhebung gemacht. Der„Vorwärts" hatte sie offenbar auf den unbekannten Teil- »ehmer der Spandauer Gesellschaft bezogen, der das Einschreiten der Behörde veranlaßt hat. Dieser Scharfsinn in der Auslegung einer Zeitungsnotiz, die in derselben Form nicht im„Vorwärts" allein gestanden hat, sucht, wie eS heißt, seine Stütze in der An- nähme: weil die Notiz im„Vorwärts" gestanden, so sei die denkbar gravierend st e Interpretation naheliegend. In der„National- Zeitung" wäre die Notiz in der inkriminierten Fassung harmlos aufzufassen gewesen. Diese Konstruktion eines specifischcn„Bor- wärts"-voluz eventualissimus wird in juristische» Kreisen das größte Aufsehen erregen. Denn wenn man erst bestimmten Blättern einen bestimmten Dolus vindiziert bei eine m Delikt, so ist nicht abzusehen, warum nicht jedes Blatt in jedem Augenblick von jedem Gericht eine» Specialdolus zugewiesen erhalten kann, mittels dessen jede deutsche Zeitung eine eigene AuSnahnierechtsprechung über sich heraufbeschwören würde. NB.: Wenn eS einen beamteten Juristen in Preußen gicbt, der den verantwortlichen Redacteur des„Vorwärts" für so schlecht hält, daß ihm die inkriminierte Majestätsbeleidigung zuzutrauen wäre, so sollte dieser Jurist den Redacteur doch nicht für so dumm halten dürfen, daß er jene Notiz mit dem Bewußtsein einer Majestätsbelcldiguna zum Druck geben könnte I Diese Er- wägung allein müßte unseres Erachtens den Gerichtshof zur Frei- sprechung deS Angeklagten führen." Das„Berliner Tageblatt" meint: „Wir können unmöglich glauben, daß der Untersuchungsrichter sich so geäußert hat. Ist der Artikel strafbar, so muß eS gleichgültig sein, ob er im„Vorwärts" oder in der.„National-Zeitung" erscheint. Sonst könnte man eine doch ganz gut mögliche günstige Beurteilung einer Kaiserrede im„Vorwärts", lediglich deshalb, Iveil sie in diesem Blatte erscheint, als Ironie und daher als MajestätSbeleidignng auffassen. Und vor dem Gesetz sollen doch alle Preußen gleich sein!" Die vorsichtige Einkleidung seiner Kritik:„wir können unmöglich Glauben", hätte sich das Blatt sparen können. Die„Berliner Zeitung" urteilt: „Das Verfahren übertrifft alles bisher Dagewesene, es zeigt den Eventualdolus in seiner denkbar künstlichsten politischen Züch- tung. Wir vermögen uns aber, trotz aller trüben Erfahnnigen, nicht zu denken, daß diese Klage zu einer Verurteilung führen könnte; sie wird nur mit einer Blamags der allzu eifrigen Staats- retter enden." In der„Welt am Montag" lesen wir: „Diese Worte der Denunzianten-Verurtheilung auf denKaiser zu münzen, wäre eine derartige Geschmacklosigkeit, daß sie einem ge- bildeten Menschen, welcher Pacteiaiischaunng er auch immer huldigen mag, nicht im entferntesten zuzutrauen ist. Wird hier wirklich ein Strafverfahren eingeleitet, so wird solche Maßregel im ganzen Lande bedenkliches Aufsehen erregen. Namentlich jetzt, nach- dem der Untersuchungsrichter zugegeben hat, daß man in einerArt und Weise mit zweierlei Maß mißt, die nun doch anfängt, gemeingefährlich zu werden. Vorläufig glauben wir allerdings nicht, daß sich ein GcrichtShok bereit findet, den„Vorwärts" zu verurteilen, sondern daß die Affaire mit einer Blamage für Polizei und Staatsanwalt- schaft enden tvird." Eine Antwort auf unsere Beschwerde ist uns bisher noch nicht zugegangen, und die unschuldig beschlagnahmte Beilage auch nicht.— Minister Miguel soll krank sein. Sollte er sich wirklich bei bei seinem Schiffbruch im Kanal erkältet haben? Wir glaubend nicht.— Neue Pachtung? Der„Vosstschen Zeitung" wird aus Nünr- berg von ihrem Korrespondenten genieldet: Ein auf dem Kontinent sich aufhaltender englischer Diplomat teilte meinem Gewährsmanne mit, die Veröffentlichung der Verträge mit Portugal wegen dessen ostafrikanischen Besitzes stehe in den nächsten Tagen bevor. Der Norden des portugiesischen Ostafrika werde deutscher, die Delagoabai englischer Besitz, beides in der Form einer SS jährigen Pachtung. Mozambique bleibe portugiesisch.— Die marxistisch« Dante Voß. Die„W. a. M." hat im H a n d e I s t e i l der guten„vossischen Zeitung" folgende revolutionäre Meinungsäußerung aufgespürt: „DaS Zeitalter drängt immer mehr auf Konzentration und die gegenwärtige Bildung von Syndikaten erscheint uns als der Vorläufer einer innigern Verschmelzung, wenn nicht zu einem-, so doch zu wenigen autoritativen Masfenbetriebc n." . Früher wurde der Handelsteil doch wenigstens nur von Redac- teuren hergestellt, die ein wetiig auf kapilaliskischen'Nebenerwerb bedacht waren. Jetzt ist er gar so tief gesunken, daß er m a rxisti- scheu Einfällen tlnterschlupf gewährt.' Da wird doch die Tante renig zu den Redactenren mit Trink- geldern znrücktehrcn müssen. Besser noch, sich von einer Bank als von Karl Marx bestechen zu lassen I Oder hat etwa Stephany, der alte Socialist, wieder einmal in den Handelsteil gepfuscht?"— Der„hnudsgemcilie" Vorlvärtsartikcl über das Herren- Hans ilild seine Prozcssiernng veranlaßt den„Hamb, Korresp,", ein „offiziöses Blatt" zu folgender Bemerkimg: „Wir erttziiictn uns des betreffenden„Vorwärts"- Artikels und können ihn nicht so„hnndsgemein" finden, wie Herr v. Levetzow, sind aber seiner Ansicht darin, daß die Herren sich nüt einem kräftigen Lachen hätten begnügen können. Die Argumentation deS Grafen Klinckowström, daß' man jede BeleidfgnngSklage gegen Socialdemokraten geiiehmigen müsse, um diese am empfindlichften Fleck, am Geldbeutel zu schädigen, ist ungewöhnlich kleinlich. Noch weniger Sinn für parlamentarische Gerechtsame verriet aber Frhr, v. Durand, der es als Berichterstatter der Kommission für wünschenswert erklärte, wenn in solchen Fällen die Staatsanwaltschaft von selbst einschreiten könnte und nicht jedesmal erst die Genchmignng des betreffenden Parka- nients einzuholen brauchte. Außerhalb des Herrenhauses wird Frhr. v. Durand bei Parlamentariern für seine auf Beseitigung parlamen- tarischer Vorrechte gerichteten Wunsche nicht viel Billigung finde». Ueberhaupt darf nian annehmen und erwarten, daß das preußische Herrenhaus mit seiner neuen Praxis der Verfolgung von Beleidi- gungcn ctne Ausnahme unter.den gesetzgebenden Körperschaften DentschlaiidS. bleiben wird," Zur Laudtags-Ersatzwahl in Linden. In denjenigen Be- zirken, in denen Wahlinänncr verzogen oder verstorben sind, wird am ö. September die erforderliche Ersatzivahl der Wahimänner vor- genommen. Die Hanptwahl wird acht Tage später vorgenomine» werden.— Ausland. Dr. Verkauf über die Ereignisse in GraSlttz. Sonnabeiidabend fand in Hambergers Saal-Lokalitäten in Wien eine große Volksversammluiig statt,' in welcher der socialislische Reichsrats-Abgeordnete Verkauf über die Vorfälle in Graslitz sprach. Eingangs seiner Ausführungeii besprach der Redner die gegen- wattigen politischen Verhältnisse in Nordböhmen. Die Erzwingung des Ausgleichs auf Grund des§ 14 und die Oktroyiening desselben have dort eine tiefgehende Erregung hervorgerufen; es sc» dort so viel Zlindsioff aufgebäust, daß ei» Funke genüge, ihn zur Explosion zu bringen. Dr. Verkauf er- klärte ferner, daß er es für seine Pflicht hielt, darüber zu sprechen, uni der Regierung zu sage», daß jede Uiivorsichtigkeit die furchtbarsten Konseguenze» im Gefolge habe» würde. Die Negierung möge die Massenverbaflinigeii unterlasse», sie möge eS ferner unter- lassen, czeckiische Gendarnien avermalS nach Graslitz zu senden, yach- dem sie bei den letzten Ereignissen dorl verivcndet wurden. Dr. Verkauf schilderte dann den Verlauf der Ercigiiisse am letzten Sonntag und sagte: Die Socialdcmolratcn hielien ein Fest in Eger ab, uiid als die zurücklehrende» Graslitzer Arbeiter auf dem Bahnhofe ankamen, wurden sie von einer Menge erwarlet, welche ihnen mitteilte, daß sich schreckliche Dinge ereignen. Von der Menge mitgezogen, kamen Deutschnationale und Social- demokratcn mif den Marktplatz. Da flogen einige Gläser aus den Fenstern des Hotels, wo die Deutsch- Nätionalen waren, gegen die Gendattnen. In demselben Momente krachte die Salve. Etwa 40 Schüsse wurde» abgefeuert. Tote und Verwundete deckten den Platz. Die Kugeln schlugen durch die Fenster des Hotels. Eine fiirchterlicho Angst bemächtigte sich der Menge, die aber bald einer fürchterlichen Wut Platz machte. Als der Bürgermeister auf dem Markiplatze erschien, wäre er beinahe gelyncht ivorden. Bezirks- haiiptmann v. Manrig, der bald darauf erschien, benahm sich, wie Dr. Verkauf konstatiert, musterhaft. Er gab der Forderung nach, das Militär nicht vor 6 Uhr auf den Marktplatz zu dirigieren; er gab auch der Forderimg auf Entlassiiiig der Gefangenen nach, ihm sei es zu verdanken, wenn größere Menscheiiopfer vermieden wurde». Dem Eingreife» des Dr. Vertauf und des Abg. Hofer sei es schtiehlich gelungen, die Menge vor 6 Uhr vom Markiplatze zu entferncii. Am Montag kam es allerdings bei dem Abzüge der czcchische» Gen- darnien z» abermalige» Steiuivürfen und eiueni Bajonettangriffe der Geiidarmen auf die Menge. Man sage, die Gendarmen hätte» auS Notivehr gehandelt. Das fei nicht richtig. Das Kommando zum Feuern sei erst gegeben worden, nachdem die Gendarmen einen vcr- geblichen Bajoiietiangriff ans das mit Menschen überfüllte Hotel gemacht und sich dann 30 Sckiritte zurückgezogen hatten, wo sie die Wurfgeschosse nicht mehr erreichen konnte». Der Redner schloß seine Ausführungen mit der Versickierung, daß die ArbcuerschaftSestreichs an anderer Stelle Rechenschaft für das Blutvergießen in Graslitz fordern werde.— Socialdcnlokratische Versammlungen verboten. Die von socialdemokratischer Seite für den 28. d. aiigcmcldcten Volks- vrrsammlunge» auf der Landstraße, auf der Wieden und in Hernats, bei denen über die Ereignisse in Graslitz referiert werde» sollte, wurden von der Polizeibehörde auf Grund des§ 6 deS Beriamm« lungsgesetzes, als die öffentliche Sicherheit gefährdend, untersagt.— Auö GraSltt? geht die Meldung ein, daß die im Zwiespalt mit der Slatthatterei befindliche Stadtvertretung ihre neuliche Drohung ausgeführt und in corpors ihr Amt niedergelegt hat. Der Bürgermeister von Graslitz. Meindl, ist infolge der Aufregung der letzten Tagen nicht unbedenl.ich erkrankt.— Die Pest. In O p o r t o haben die letzten Tage nur wenige neue Pestfälle gebracht. Nach einer Meldung des spanischen Konsuls in Lissabon sind in der Umgebung Oportos zwei Pestfälle vorgekommen, der eine in Zanibuja, der andere in Atalaya. Beide Ortschaften liegen an der Bahn von Oporto nach Lissabon. In Ovorto selbst soll am Sonnabend nur ein neuer Pestfall vorgekommen sein, ebenso am gestrigen Sonntag. Der. letztgenannte Fall ist in einem Gefäiitpiis festgestellt worden. Der Kranke wurde sofort nach dem Hospital gebracht und dort isoliert. Die Gefängniszelle wurde desinfiziert. Insgesamt waren bis Soniiabend nach offizieller Meldimg&1 Personen an der Pest erkrankt, wovon 18 Personen gestorben sind, doch dürften diese Zahlen hinter der Wirklichkeit zurückbleiben, da nicht alle Fälle von den Aerzten gemeldet werden. Im Distrikt Slstrachau(Rußland) breitet sich ebenfalls die Pest aus. In Konstantinopel hat der dortige Saniiatsrat auf die Nachricht aus Odessa, daß in Skobelowka, Distrikt Astrachan, 40 Personen an Pest erkrankt und 20 gestorben seien, strenge ärzt- Uche-Untersuchung für Provenienzen aus Asow i»id dem asiatischen Küstengebiete des Schwarzen Meeres angeordnet.— Oestreich-Ungarn. Oestreichischer Brüscwitz. Dem„Berk. Tageblatt" wird nach- träglich über eiiieu Vorgang in Graz gemeldet: Ein blutiger Konflikt zwischen einem Studenten und Kadetten rief heute Mittag eine große Ausregung uud lärmende Straßenscenen hervor. Der Mediziner Licktenegger und der Kadett und Offiziers- Stellvertreter Schüch v. Glückfelden vom fünften Ulanen-Regiment gerieten in Streit, weil der Mediziner über den Säbel des Kadetten gestolpert war. Sie begaben sich in den Flur des nächsten Hauses auf dem Marktplatz. Dort versetzte der Kadett dem Studenten eine Ohrfeige. Dieser crividerte mit Stockschlägen, worauf der Kadett den Säbel zog und dem Studenten durch mehrere Hiebe eine Knochenivunde ans dem Schädel und Verletzungen an der Hand beibrachte. Die Menge drang in das Haus, brachte den Studenten in Sicherheit und wollte den Kadetten lynchen, der sich in die Wohnimg des Hausbesitzers Julius Hcrzl flüchtete. Bald war das Haus von Hunderten umlagert, die lärmend die Auslieferung des Kadetten vcrlaiigtcn. Die Sicherheitsivache besetzte Thor und Hof, des HanseS. Die Menge erklärte aber, nicht vom Platze zu weichen, bis der Kadett das Haus verlasse. Erst nach mehreren Stunden kam der Bnider des Kadetten mit einem Wagen, den der Kadett unter dem Schutz der Sicherbeitswache bestieg,' worauf der Wagen unter dem Wutgeschrei der Menge davonfuhr.— Dänemark. Umbildung des Ministeriums. Die schon seit längerer Zeit erwarteten Verändmliigen im Ministerium sind heute erfolgt. Den Ministern de Bardenfleth, Tuxen und Rump wurde vom König die nachgesuchte Entlassung erteilt. Das ehemalige Mitglied deS Folkcthings Direktor Bramsen wurde zum Minister des Innern eriiaiiilt, der ehemalige Kricgsmiilister Oberst Schnack zum Kriegs- minister. Dem Ministerpräsidenten Hörring wurde interimistisch die Leitung des Justiziiiinistenums anvertraut. Nach einer Mitteilniig der„Frankfurter Zeitung" auS Kopenhagen hängt der Mimsterwechsel mit der Ansspernmg der Ardeiter zusammen, die sich jetzt über 50000 Arbeiter erstreckt. Schon vor der Sperre war der Geldmarkt sehr knapp, nachdem aber alle produktive Wirksamkeit im ganzen Lande seit vier Monaten fast vollständig aufgehört hat, ist es beinahe ulimöglich, bares Geld ans- zutreiben, ohne sehr hohe Zinsen zu bezahlen. Besonders haben die Sparkassen mit großen Schivierigkciten zu kämpfen, da Private und selbst Kraiikeiikassen ihre Einlagen zurückziehen. Hier soll im» der neue Minister Bramsen Hilfe bringen. Er soll eine Versöhnungs» aktion einleiten, um den unglückseligen Konflikt zwischen Arbeilgebern und Arbeitern beizulegen. Italien. Kolonialschmerzcn. Der„Agenzia Stefani' zufolge besteht in politischen Kreisen das Bestreben fort, in den Berhandliliigen mit China an dem wesentlich friedlichen und kommerciellen Standpunkt sestzuhalteii; man glaube indessen, daß die Möglichkeit einer Ver- wickelmig eintreleii könne, falls die chinesische Regierung de» mäßigen Wünsche» der italiciiifchcn Regierung hartnäckige und andauemde Ablehnung entgegensetzen würde.— Spanien. MinisterkristS. Im spanischen Kabinett krieselt eS wieder mal, und zivar soll diesmal, wie der„Jmparcial" berichtet, die KrtsiS durch Polavieja, den bigotten erzreaktionären Kriegsininister ver- anlaßt sein. Die Krisis erstreckt sich nach dieser Meldung auf die Porlefeuilles der Justiz, des Krieges und der Marine. Villaverde, der jetzige Finanzimnister, werde das Justizministerium über- nehmen.— Amerika. Der Kampf um die Präsidentschaft. Mr. Bryan sprach in einer Versammlung in New Jork über den Jmperialismiis. Eine Armee von 25 000 Leuten— sagte er— genüge für die Bevölkerung von 75 Millionen in den Vereinigten Staaten; aber man brauche 100 000 Soldaten, um den Imperialismus zu unterstützen, der die Bevölkeniiig um einige Millionen Astaten vermehren wolle, obgleich jüngst GesctzcSvorschläge durchgingen, nach denen die Asiaten nicht einmal als Einwanderer geduldet werden sollten. Da» Volk müsse sich entscheide», ob es eine gewaltlhätige Regierung einer seine Interessen vertretenden Regierung vorziehe. Auch Mac Kinley macht mobil. Er sucht die Kubanei für seine Kandidatur cinzufangen. Nach Meldung der„Daily Mail" bat er eine Erklärimg abgegeben, der zufolge die allgemeine Wahl auf Kuba »ach der Volkszählung im Januar 1900 vollzogen werden soll. Die Insel wird eine Verfassung und eine Regierung erhalten, welche innerhalb kurzer Zeit Kuba eine vollständige Selbstherrschaft geben ivird. Diese Erklärung Mac Kiuleys wird allgemein als«in förm- liches Versprechen für die Unabhängigkeit der Insel angesehen. Ansgabcn für die Philippinen- Armee. Die Mitteilung. daß das Schatzamt die Ausgabe von BonS beabsichtige, um den schweren Anforderungen zu genügen, die auS der Vergrößerung der Annee für den gegemvärtigeii Feldzug entstanden seien, wird neuer- dings vom Sekretär Gage dementiert. Er erklärt, die augenblick- liche Besteuerung reiche aus, die Mehrausgaben zu decken. Sie Hab» im letzten Jahre über 100 Millionen Dollar ergeben und werde in diesem Jahre noch mehr bringen. Die Meldung von der BondS- ausgäbe beruhe auf bloßer Spekulation. Der Ansstaud auf Haltt.„Daily Mail" meldet au» New : Den letzten Nachrichten aus Kap Haitien zufolg« hat der revolutionäre General Tacho an der Spitze von 100 Mann einen Sieg über die Regierungstruppen davongetragen. 150 reguläre Soldaten wurden getötet. Zwei Feldkanonen fielen in die Hände der Aufftäudigen. Ktavtei-Ltschvichten. Zum Parteitage schreibt die„Volksstimme" in Chemnitz: „Der wichtigste Punkt der Tagesordnung de« diesjährigen Partei- tags ist das Referat, das Bebel über die Angriffe auf die Grund- aiischauuiigen und die taktische Stcllnngiiahme der Partei abhalten wird. Es wird selbstverständlich hierbei zu einer Auseinandersetzung zwischen dem sogenannten„rechten" und dein sogenannten„linken" Flügel der Partei kommen. Unserer Ansicht nach ist eS aber die größte Thorheit, die Partei- genossen in zwei Klasse» zu spalten, denn einmal eine solche Unter- icheidung anerkannt, ist dem Gedanken einer Spaltung gewissermaßen Hausrecht gewährt. Bebel wird sicherlich der Links« und Recht«- Scheiderei keine Konzessionen machen. Wir hoffe», daß der Parteitag in derselben Weise verfahren wird. Oberster Grundsatz der Partei muß sein: frei in der Meinung, einig im Handeln. Darin ist viel gesündigt worden. Man läutet Sturm gegen die. die über die Theorie eine andere Meinung äußern, als sie im Programm niedergelegt ist, man ist aber nachsichtig gegen die, die sich durch Zuwiderhandlung gegen Parteibeschlüsse, gegen die Disciplin und dadurch gegen die zum Handeln notwendige Einigkeit vergehen. Das muß aushören, soll die Pattei nicht zu einem untergeordneten Haufen werden, wo jeder thut, was ihm gutdünkt. Die Abertausende von namenlosen Parteigenossen, die durch ihre praktische Thätigkeit die Partei mit auf ihren heutigen Stand gedracht haben, die, verfolgt und gehetzt vom Unternehmertum und den Bebörden. nur das Bittere des Socialismu« kosteten, ihnen ist es die Socialdemokratie schuldig, alle Versuche, im, erhalb der Partei einen Gegensatz zwischen Gemäßigten und Radikalen, zwischen Links und Rechts zu konstruieren, mit dem für jeden ausnahmslos gültigen Gebot abzuwehren: In Reih und Glied." Der Konkurs über da» Vermögen de» Genossen Agster ist eine Folge seines seit längerer Zeit bestehciiden KrantheitS- znstandeS, der den Alleinstehenden hinderte, sein Eigarrengeschäst in Zsorzheim genügend zu beaufsichtigen. Das Geschäft ging mehr und mehr zurück und es mußte deshalb zu dieser Katastrophe konimen. Die gerichtliche Bekanutmachung erfolgte am 24. d. Mts. im Amtsblatt« von Pforzheim. Genosse Agster vermag� in seinem Zustande die Schwierigkeit seiner Lag» auch l-tzt� nrch nicht zu erkennen n»d hat sich bis jetzt allein freundlichen Zu- reden mahqebcnder Parteigenossen, sich in einer längeren Erholungs- knr vollständige Beruhigung seiner Nerven zu vcrscliaffen, iuidersetzl Er ist jeder Einwirkung der Genossen nnzngänglich und hat sich jetzt in Cannstatt niedergelassen, Ivoselbst er ein Ausknnfts- und Per- mittlungsbnrcän eröffnet' hat. Agster vertrat bisher den g. badischcn Wahlkreis, der nun vor eine Neuwahl gestellt ist. Der Kreis fiel uns lböll durch Stichwahl znin crstennlal zu. In der Hauptwahl wurden abgegeben 10 380 socialistische, 7272 nationallibcrale, 4254 nltraniontane und 1509 konscrvalivc Stinimen. Bei der Stichwahl erhielt Genosse Agster 12 972 und der nationalliberale„Oekonom" Frank in Pforzheim 10 530 Slinuncn. Kann ein Socialdemokrat Minister sein? Die Umfrage der„Pctite Nepubligue" veranlaßt den holländischen Genossen Troelstra, der gleichfalls befragt worden war, zu einer längeren Auseinandersetzung, in der er sich auf den Standpunkt stellt, daß die Socialdcmokratie lehr wohl den Anspruch erheben kann, daß die Bour- geoisie, je größer die Macht des Volkes und je ausgebreiteter der Einfluß des allgenieinen Wahlrechts wird.'ihre Macht mit ihr teilt. Den speciellen Fall Millerand betreffend, hält er sich zwar nicht für kompetent zu beurteilen, ob dessen Eintritt ins Ministerium eine politische Not- wendigkeit war. incint aber, wenn es sich darum handelt, in außer- gewöhnliche» Fällen bisherige Errungenschaften gegen eine Kontre- rcvolution zu verteidigen, so soll sich die Socialdemokratie über alle Bedenken hinwegsetzen und selbst als kleine Minderheit an der Ne�ieruiig teilnehmen. So wäre nach seiner Meinung selbst in Belgien nach dem Sturze des Ministeriums Vandenpeereboöm und bei anders nach der unter Anführung der Socialistcn ins Werk gesetzten Volksbewegung ein liberal-radikal-socialistisches Ministerium zur Einführung des allgemeinen Stimmrechts mit Proportional- Vertretung sehr am Platze gewesen. �cr Nationalitätcnstreit»nd die Socialdemokratie in bestreich. Auf deni kontmeuden Gesaintpartciiage der Social- dcmokratie Oestreichs wird auch der Nationalitätenstreit erörtert werden. Die Parteileitung empfiehlt dem Parteitage dazu eine Resolution, die folgende Poftulale aufstellt: � «Die endliche Regelung der Nationalitäten- und Sprachen- frage in Oestreich im Sinne des gleichen Rechtes und der Gleich- bercchtiguug und Verminst ist vor allem eine kulturelle Forderung, daher im Lebensinteresse des Proletariats gelegen; � sie ist nur möglich in einem wahrhast demokratischen Gemein» Wesen, das auf das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht gei- gründet ist, in dem alle feudalen Privilegien im Staate und in den Ländern beseitigt sind, denn erst in einem solchen Gemein- weseu können die arbeitenden Klassen, die in Wahrheit die den Staat und die Gesellschaft erhaltenden Elemente find, zu Wort kommen; die Pflege und Entwicklung der nationalen Eigenart aller Völker in bestreich ist nur möglich auf der Grundlage des gleichen Rechtes und unter Vermeidung jeder Unterdrückung, daher müssen vor allem anderen jeder bureaukratisch-staalliche Ceutralisnms ebenso wie die feudalen Privilegien der Länder perhorresciert werden. Unter diesen Boraussetzungen, aber auch nur unter diesen wirb es möglich sein, in Oestreich an Stelle des nationalen Haders natio- nale Ordnung zu setzen, und zwar unter Anerkennung folgender leitender Grundsätze: 1. Oestreich kann nur ein demokratischer Nationalitätenstaat sein, fNationalitaten-BundeSstaat.) 2. Dieser Bundesstaat gliedert sich in autonome nationale Selbstverwaltungsgebiete, die sich möglichst den Sprachgrenzen an- passen. 3. Die Selbstverwaltungsgebiete jeder Nation bilden zusammen je eme nationale Einheit, die ihre nationalenvo sie dann am Fällig- keitstage inibcanstandet bezahlt wurden. Die Waren brachte Hedderich nach seiner Wohnung, entfernte die Etikettes, änderte die Verpackung um und brachte die Ware dann zum Versatz. Der Erlös wurde zwischen ihm und Levin geteilt. Hedderich schätzte, daß diese Bc- trügcreicn etwa 60 bis 80 mal vorgekommen seien, ivodnrch der Firma ein Schaden von gegen 10 000 M zugefügt sein könnte Im Juni habe Hedderich einen driite» früheren Bekannten ans Plötzensee, den Hand- liingsgehilfen Goldbarth, auf der Straße getroffen. Dieser erzählte, das; er bei der Artillerie in Thor» stehe, aber fahnenflüchtig gclvordcn sei. Er müsse suchen, das Anstand zu erreichen: Hedderich nahm den Flüchtling bei sich auf und suchte dann Levin für den früheren gemeinsamen Gefängnisgcnossen zu interessieren. Levin inachte den Vorschlag, gemeinsam in dem Warenhanse seines EhefS einen g affen Diebstahl anszuführcn. Es solle dies am Abende des 18. I' i, einem Sonntage, geschehen. Levin ivolle sich gegen 8 llhr in die Geschäftsräume begeben, was bei ihm als Disponent nicht auffalle. Dort wolle er mehrere Ballen zusainmcnpackcn, die Goldbarth dann in einer Droschke abholen solle. Tic Ware» sollten am Montag dann verkauft und niit Hilfe des Erlöses sollte Goldbarth dann ins Ausland geschafft Iverden. Der Diebstahl gc- langte auch programmgemäß zur Ansführung, als Goldbarth und Hedderich aber die Ware zum Versatzamt bringe» ivollten, wurdcn sie verhaftet. Der Angeklagte Levin blieb auch im gestrigen Termine niit unerhörter Halsstarrigkeit dabei, das; alle An- gaben des Mitangeklagten Hedderich erlogen seien. Ans die Bemerkung des Vorsitzenden, daß Hedderich dann ja ein bodenlos schlechter Mensch sein müßte, rief Levin ivütend zu seinem Mitangeklagten gewendet:„Ja, er ist ein Schweinehund!"— Der Zeuge Goldbarth, den drei Transporteure von der Festung Graudenz begleiteten, hielt wie in der früheren Verhandlung mit der Wahr- heit zurück und suchte den Angeklagten Levin zu entlasten. Die Zeugenvernehmung ließ keinen Zweifel daran, daß das Ge- ständnis Hedderichs der Wahrheit entsprach. Der versuchten Beaniten- Bestechung hatte der Angeklagte Levin sich dadurch schuldig gemacht, daß er den Gefangenen- Aufseher Büttner durch Anerbieten von Geld hatte bewegen wollen, einen Kassiber in die Außenwelt zu befördern. Der pflichttreue Be- amte hatte die Sache zur Anzeige gebracht. Der StaatLanwalt hielt die Angeklagten wiederum in allen Punkten für überführt nnd beantragte, eS in betreff beider bei den früheren Urteilen zu belassen. Das Urteil lautete gegen Levin auf vier Jahre Gefängnis und fünfjährigen Ehrverlust, gegen Hedderich auf anderthalb Jahre Gefängnis. Bei Levin wurden vier, bei Hedderich sechs Monate durch die erlittene Untersuchungshaft für verbüßt erachtet. Schwere fortgesetzte Mißhandlungen seiner lZjährigcn Stieftochter führten gestern den Schuhmachermeister Gustav M e h l i n g vor die 135. Abteilung deS Schöffengerichts. � Der Angeklagte. der so verwachsen ist, daß er kaum über die Einfriedigung des ÄnklageraumS hervorragt, wurde durch die Beweisaufnahme überführt, seine Stieftochter fortgesetzt in der unmenschlichsten Weise gezüchtigt zu haben. Am 23. März dieses Jahres hatte er sie mit dem Gesicht nach unten zu Boden geworfen und sie mit einem Schemelbein so lange geprügelt, bis ihm der Arm erlahmte. Dann warf cr das blutüberströmte Mädchen, welches fortwährend rief:„Ach Vater, schlag mich doch nicht ganz tot!" vor die Thür. Die Nachbarn nahmen sich der Mißhandelten an. Der Angeklagte machte im Termin geltend, daß er nur seine Pflicht als Erzieher ausgeübt habe: das Mädchen habe allerlei schlechte Eigenschaften. Die Zeugen, ivelcke hierüber nichts zu bc- künden vermochten, gaben unverhohlen ihrer Empörung über die Roheit des Angeklagten Ausdruck. Dasselbe that der Staatsanivalt, der gegen den Angeklagten ein Jahr Gefängnis beantragte. Der Gerichtshof erkannte auf sechs Monate Gefängnis und ordnete die sofortige Verhaftung des Verurteilten an. Uetzke Nttrijeülzken und Depeschen. Frankfurt a. M., 28.- August.(C. H.) Die.Frankfurter Zeitung" meldet aus Konstantinopel: Nach dem vorgestrigen clamlik wurden der französische Botschafter Canataus und der deutsche Geschäftsträger v. Schläger nacheinander vom Sultan in Audienz empfangen. Von wohlinsormicrter Seite verlautet, das; der Sultan in beiden Audienzen eingehend die Angelegenheit der Ver- längerung der Zluatolischen Bahn nach Bagdad besprach. 'Wien, 28. August. sB H.) Behufs Berichterstattung soll Oberst Schneider auch vom Kaiser empfangen werden. Kopenhagen, 28. August. sW. T. B.) Die Direktion des Arbeitgebcrvcreins erklärte heute, sie sei bereit, mit der Direktion der Fachvcrbände über den Ausgleich der Aussperrung auf einer gewissen Grundlage in Verhandlung zu treten. Die Direktion der Fachvcrbände erwiderte heute Abend, die Arbeiter seien bereit, die Arbeit wieder aufzunehmen auf der Basis des schon angcnonimcnen Heidcschcn Vergleichs- Entwurfs mit einigen Acndernngcn. Die Fachverbünde seien gerne bereit, mit der Direktion des Arbeitgcbervereins über alle Angelegenheiten der Aussperrung in Verhandlungen einzutreten. Belgrad,' 28. August. sW. T. B.) Wie versichert wird, soll der Prozeß wegen des Attentats auf König Milan im Laufe der nächsten Woche beginnen. Die Meldung, der Untersuchnngsrichtcr in der Angelegenheit werde als Staatsanwalt fungieren, wird als falsch bezeichnet. In serbischen offiziellen Kreisen wird darauf hin- gewiesen, daß der anläßlich der Proklamiernng des Belagcrungs- zustandes ack hoc eingesetzte Gerichtshof nach den in Serbien geltenden Strafgesetzen, jedoch unter Anwendung eines summarischen Verfahrens, zu urteilen haben wird. Washington, 28. August.(B. H.) Sämtliche diplomatischen Vertreter wurden angewiesen, gegen die etwaige Anerkennung der Philippinos alS kriegführende Macht kategorisch zu protestieren. Kap Haiti c«, 28. August. fMeldung der„Agence Havas".) In Santiago(Haiti) ist die Revolution proklamiert worden. General Pepita wurde von den Aufständischen geschlagen. Der Erfolg Jimenes' scheint sicher. Capstadt, 28. August.(Meldung deS„Neuterfchen BurcauS".) Iii Beantwortung der letzten Depesche Chanibcrlains notifizierte die Regierung von Transvaal dem britischen Agenten, daß sie sich an ihr letztes Anerbieten, halte und keine weiteren Zugeständnisse machen wolle. Vemntivortlicher Redactenr: Robert Schmidt in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. -löierzu 1 Beilage und IlnterhalttiiigSblatt. Nr. 201 16. Illhigang. {ifilnjt Ks„iiiiniiitls" Krim KcksdlM Dirilstig, SS. August WS. Uoksles. Die Unzulänglichkeit der Verkehrseinrichtungen auf der GörliUcr Bahn ist schon inehrfoch von uns gekennzeichnet worden. Besonders arg traten die gefährlichen Mißstände am verflossenen Sonntag hervor.� Der herrliche Tag hatte die Berliner ins Freie gelockt, und selbstverständlich waren alle vom Görlitzer Bahnhof ab> gelassenen Züge überfüllt. Wir nehmen an, daß auch die Eisenbahn Verwaltung Kenntnis von der Thatsache hat, daß die arbeitende Bevölkerung Berlins einer Erholung im Freien bedarf, nach- dem sie sechs Tage lang Fabrikstaub eingeatmet hat. Aber wie� arg wird der Wert einer solchen Erholung bei der Llkangclhaftigkeit unserer Verkehrseinrichlungen hcrabgedrückt I Ist es doch ani Sonntag auf den Vorortsstationen vorgekommen, daß Ausfliigler stundenlang auf dem Bahnhofsperron harren mußten, bis sie nach hartem Stoßen und Drängen endlich in ein Coupe hincingepfropft wurden. Und nun die Heimfahrt! Für 10 Personen ist das„Abteil" eingerichtet; durchschnittlich 20 Fahrgäste sind aber darin verpackt ja zum Teil waren 24 Männer. Frauen und Kinder im Conps zu saniinengepreßt. Kein Atom frische Luft kommt in den Wagen und die Ausdünstungen wirken fürchterlich. Bei der Ankunft des Zuges am Abend trug man eine Dame aus dem Coupe, die bei der be ängstigenden Atmosphäre in Krämpfe gefallen war. Lassen sich wirklich solche menschenunwürdigen Zuständen nicht abhelfen? .Gegen die mistbränchlichc Verweudung kindlicher Arbeits- kraft ist in B c r l i n immer noch nichts geschehe», während— wie l'choii mitgeteilt wurde— nun mich in Ripdorf eine bezügliche Ver- ordnnng erlassen worden ist. Die„Preußische Lchrcrzcilung" ver- sichert, aus sehr. guter Quelle zu wissen, daß den Arbeiten der Berliner Lehrer in Sachen der Kinderarbeit an zuständiger Stelle kein besonderes Wohlwollen entgegengebracht worden ist. Das Blatt betrachtet übrigens die Polizciverordnungc», die in einer Reihe von Städten erlassen worden sind, nur„als Notbehelf, als Ilcbergang zur gesetzlichen Regelung, als Gcivöhnungs- mittel für unverständige Menschen, die, weil sie die Kinder nicht lieben, wenigstens die Polizei fürchten müssen". Die Notwendigkeit einer endlichen gesetzlichen Regelung werde durch die allgenieine Erhebung vom Februar 1898, deren mit Spannung erwartetes Ergebnis„ein teilweise brutales Bild" geben ivcrde, allen denen vor Augen geführt tvcrdcn. Die „unter dem Deckmantel„.Schonung der Elternrechte"" bisher nichts davon wissen wollten". Der Verein Säugerlust in Luckenwaldo richtet an die Mit- gliederndes Arbciter-Sängerbundcs von Berlin und dessen Umgebung die Auffordenliig, sich an dem Sängersest, das für Sonntag. 'S. September geplant ist, zahlreich zu beteiligen. Das Fest ist hübsch arrangiert und die Kosten der Bctcilignng halte» sich in mäßigen Grenzen. Meldungen der Vereine über die Zahl der teilnehnlendcn Mitglieder und über das Lied, das der betreffende Verein singt, werden an H. Frenz el, B u s s e st r a ß e 13 in L u ck e n w a l d e erwartet. Als Chorliedcr werden gcsungeit„Festgesang" und„Frei- heil". Zu dem Raubmord iu Alt-Buchhorst. Die Mörderin Bertha Schröter war, wie bereits kurz mitgeteilt, am Frcitagnachmittag zur Abhaltung eines Lokaltermins nach Alt-Buchhorst gebracht worden. Wie ivir nachträglich erfahren, hat die Sch. bei dieser Gelegenheit eine genaue Schildernng darüber gegeben, in welcher Weise sie das Verbrechen verübt hat. Nachdem sie in das Schlasziiiiincr der -''itwe Fielitz gedrungen war, habe sie der Witwe, die noch i»i Veite lag und nach ihrem Begehr fragte, mit dem bereit gehaltenen Holzscheit einen Hieb ans de» Kopf gegeben. Die alte Frau habe nicht geschrieen, auch habe sie sich nicht mehr zu erheben vcnnocht, sondern nur mit den Händen um sich geschlagen. Bei dem zweiten Schlage, den die F. erhielt, blieb sie leblos liegen. Nachdem die Schröter ihre Hände vom Blut gereinigt— die Kleidung war unbefleckt geblieben—, legte sie sich in ihr Bett, konnte jedoch nicht mehr einschlafen.� Bezüglich des geraubten Geldes behauptete die Sch., daß sie dasselbe einer dritten Person in Bcrwahrniig gegeben. > erwcigcrte jedoch die Angabc des Namens. Den letzten Teil des Gestäiidnisses widerrief die Schröter später und behauptete auch am Sonnabend bei der Vernchniung vor dcni Untersuchungs- richter, das fehlende Geld nicht genommen zu haben. Ob Bertha Schröter einen Mitschuldigen hat oder nicht, ivar bisber immer noch nicht festzustellen. Gegenwärtig wird nach dem Gelde in der Um- gegcud von Kalkberge-Rüdersdorf gesucht. Wegen Kantionöschwiudelcicn ist der bei der Krankenkasse Hilfe(E. H. 133) angestellte Subdirektor Urban verhaftet worden. Urban, der wegen gleichen Vergebens bereits vorbestraft ist, hatte sich einen Bnrealivorstchcr mit 5009 M., sowie mehrere Kassenbotcn mit je 1009 M. Kantion engagiert. Sowohl diese Summen als auch Geld/ xträgc von 400 und 100 M., die er einer Kellnerin und eine» Dienstmädchen abzulocken wußte, sind von Urban ver- jubelt W0l0cn. Die letzten 240 M., die er einkassierte, hat er in einer Damenkneipc in der Skalitzcrstraße ausgegeben. Wie es heißt, ist die Krankenkasse„Hilfe" außerdem um 7090 M. geschädigt, dcs- glcicheii soll Urban die Volksversicherrmq„Fides" um 14 000 M. betrogen haben. Vom Tode des Ertrinkens gerettet hat gestern, Montag, nachmittags um 2 Uhr, die 17jährige Tochter Emilie des Bagger- meisters Havciistein ihre drei Jahre alte Schwester Marie. Diese fiel, während sie unbeachtet war, von dem Dampfbagger„Baby", der gestern morgen an der Lessingbrückc angelegt hatte, in die Spree. Ein Junge, der von der Brücke der Bade-Anstalt das Unglück sah. schrie laut auf und machte so auf den Vorfall aufmerksam. Als Emilie Hnvenstcin erfuhr, um Ivas es sich handelte, machte sie sich rasch entschlossen mit einem Kahn an das Rettungsivcrk. Dieses gelang ihr auch, nachdem ihre kleine Schwester schon zweimal unter- gegangen war. Ein Todschlag ist unter noch nicht aufgeklärten Umständen am Sonnabendabend gegen 11 Uhr im Norden Berlins begangen worden. Sein Opfer wurde der 18 Jahre alte Schreiber Ernst Wi ttman», der in der Chansseestraße 28 in Schlafstelle lvohnte. Der Arbeiter Schlicpatt besuchte am Sonnabendabend mit zwei Arbeitsgenossen K. und M. eine Versammlung in einem Lokal an der Ecke der Tegeler- straße und des Nordufcrs und fuhr dann auf seinem Zweirad das Rordnfcr entlang, während seine beiden Begleiter noch im Garten des Lokals blieben. Unterdessen war Frau Schlicpatt gekommen, um ihren Mann abzuholen. Sie blieb am Eingange des Lokals stehen, und nun kamen ein paar junge Burschen an sie heran und machten ihr unsittliche Anträge. Da sie nun K. und M. sah. so bat sie diese, doch ihren Man» zurufen, damit er sie gegen die Frechheiten schütze. K. wollte ihr jedoch selbst zu Hilfe kommen, entriß einem der Männer, die die Frau umstanden, den Stock und versetzte damit einem anderen einen wuchrigen Schlag über den Schädel. Der Getroffene war Wittmann. Dieser schleppte sich noch ein Stück weiter und brach dann zusammen. Der Tischler Grun aus der Tcgclerstraße fand den Schwerverletzten hilflos daliegen und brachte ihn nach der Unfallstation in der Lindowcrstraße, wo Wittmann alsbald verstarb. Eine Untersuchung ergab, daß der Schädel durch den einzigen Stock- hieb zertrümmert war. Zur vollständigen Klarstellung des Vor- ganges wurden im Laufe des gestrigen Tages mehrere Personen polizeilich sisticrt. Frau Schlicpatt behauptet, daß der Mann, dem K. den Stock entriß, sich an den Belästigungen beteiligt habe. Grun dagegen erklärt, daß dieser Mann sowohl wie auch Wittmann mir den Frechheiten gegen Frau Schlicpatt nichts zu thnn gehabt hätten; sie seien vielnichr mit einem Dritten ganz zufällig das Nordufcr entlaua an die schon dastehende Gruppe herangekommen. Es scheint, daß Wittman ganz unschuldig zu dem Hiebe gekommen ist. der ihn das Leben kosten sollte. Zu dem Vorfall wird weiter berichtet: Der Thäter, ein Arbeiter August Konatzki, der mit Schlicpatt und M. in einer Fabrik ain Süd- Ufer beschäftigt ist, konnte noch Sonntagabend festgenommen werden. Er war nachmittags bei Schlicpatt und wollte sich abends mit M. im Feldschlößchen treffen. Auf dem Wege dorthin aber sahen ihn Polizeibenmtc, nahmen ihn fest und brachten ihn gefesselt auf die Wache des 63. Reviers in der Lynarstr. 1. Hier bestritt er zunächst, der Mann zu sein, der Wittmann erschlagen hat. Als ihn u. a. aber auch ein Kellner der Wirtschaft, in der er am Sonnabend gewesen war, als den Thäter bestimmt erkannte, räumte er ein, den Schlag ge- führt zu haben. Die Absicht, de» Man» zu töten, weist er von sich; er habe garnicht daran gedacht, daß er ihn tot schlagen könnte. Konatzki war bei der That angetrunken. Ungliiek im Eisenbahnbetriebe. Ein schwerer Unglücksfall hat sich gestern vormittag auf Bahnhof Rnmmclsbnrg ereignet. In einem abfahrenden Zuge hatten es die Insassen eines Wagenabteils unter- lassen, die Thür des Abteils selbst zu schließen. Die beiden bei jedem Zuge thätigen Thürschließer waren weit entfernt; einer von ihnen, Borsdorf, lief dem Zuge»ach, um die Thür zu schließen, da- bei stürzte er, auf einer Früchtschale ausgleitend, so unglücklich, daß ihm der Zug den linken Arm am Schultergelenk und die rechte Hand glatt abschnitt. Der Verletzte, der drei kleine Kinder hat und nicht einmal pcnsionsbercchtigt ist. wurde nach dem Krankenhaus Bethanien gebracht. Hoffentlich sorgt der Staat dafür, daß der Verunglückte trotzdem mit seiner Familie satt zu essen behält. Mit alle» Zeichen einer schweren Alkoholvergiftung tvnrdc in der Nackit zum Sonntag der elfjährige Sohn des Postschaffners Walter ans der Zionskirchstraßc in ein Krankenhaus eingeliefert. Ter Knabe spielte mit einem neunjährigen Bruder und drei anderen Schülern am Sonnabendabend auf dem Arkonaplatzc, ivobei die Spiclgcnosicn sich gegenseitig die Arme tätowierten. Um 73/4 Uhr kam Fritz Malter nach Hanse und trank eine Flasche Bier zum Abendbrot. Eine Viertelstunde später wurde er blau im Gesicht, nachdem er schon vorher aufgeregt gewesen, und gegen 11 Uhr begann er zu toben. Im Krankenhans liegt er noch vcrnehmungs- nnsäbig darnieder. Ob der Knabe heimlich Schnaps getrunken hat, ließ sich noch nicht feststellen. Seine Gespielen bestreiten es und wollen die Erkrankung daraus erklären, daß er an den frischen Wunden der Tätowierung gesogen habe. Was für eine Flüssigkeit sie zum Tätowieren gebraucht habe», ist aus den Jungen nicht herauszubringen. DaS Aufspringe« ans die Straßenbahn. Ein schlvcrer Unfall hat sich Sountagnüllag uni ISbe Uhr auf der elektrischen Straßen- bahn in C h a r I o t t e» b ri r g zugetragen. Der 30jährige frühere Wirtschaftsinspcktor Julius Wals aus der Krummcnstraße 17, der jetzt eine Psörlncrsielle im Restaurant Boulevard an der Ecke der Elsasscr- und Novalisstraße bekleidete, hatte de» Ihm be- freundeten Gastwirt Bollmann in der Berlinerstraße besucht und wollte vor dessen Hanse ans einen in voller Fahrt be- sindlichen Wagen der Linie Mausoleum— Kupfergraben hinten auf- springen. Umsonst rief ihn der Schaffner warnend an, indem er zugleich das Zeichen zum Halten gab. Wolf wagte den Sprung und im nächsten Augenblick war das Unglück geschehen. Der Mann stürzte und fiel mit beiden Beinen unter den Anhängewagen. Der Zug hielt zwar fast auf der Stelle, aber es ivar dennoch schon zu spät. Das Vorderrad war bereits über das linke Bein hinweg- gegangen und blieb gerade auf dem rechten stehen. Beide Beine waren dicht unter dem Knie zermalmt. Mit vieler Mühe mußte man den Wagen hochheben, um den Verunglückten zu befreien. Mau brachre den Vcrnuglückte» in ein Krankenhaus, Ivo ihm beide Beine abgenommen wurden. Wolf war seit kurzem verlobt. Ein Taschendieb ist zur Haft gebracht, der besonders in der Friedrichstadt und im Tiergarten sich Damen aufdrängte, sich als tndrnt oder Kaufmann vorstellte, und sie während der Begleitung bestnhl. Bei seiner Festnahme sind eine Anzahl Portemonnaies, teil- weise mit Jnhalr, vorgefunden, die offenbar ans solchen Diebstählen herrühren. Die Eigcnthümerinncn wollen sich im Zimmer 97 des Polizei-Dienstgcbändes Alexanbcrstr. 3—6, Eingang Stadtbahnseite. vormittags melden. Radrennbahn am Knrsiirstcndamm. Den Sport als Welt crobcrcr konnte man am Sonntag kennen lerne». In glühender Sonnenhitze reckten sich viele Tansende die Hälse, um die Größen des Rennrades in ihren Kämpfen zu beurteilen und mit Sympathien wie mit Antipathien souverän um sich zu werfen. Denn ans der Rennbahn fällt die öffentliche Meinung, die sonst so verachtete, noch schwer ins Gewicht. Erlag ihr doch am Sonntag einer der Hoch- Würdenträger des Niederrades, Tomaselli. der Sieger des Pariser Kranck piix, weil er vor kurzem in Köln seinem Konkurrenten, Bruno Büchner, einen nicht ganz einwandsfreien Schabernack gespielt haben sollte. Das Publikum pfiff den Italiener so ruppig aus,' daß er demissionierte und die Bahn verließ, bevor er sich mit seinen Gegnern gemessen hatte. Im übrigen ging das Renne» um den großen Preis von Deutschland, das am nächsten Sonntag zur Entscheidung kommt, friedlich, und was die Hauptsache, auch ohne wesentlichen Unfall vor sich. Nachstehend die Resultate der gestrigen Rennen: Niedcrrad-Hauptfahren für Hcrrenfahrcr. 2090 Meter. 8 Ehren- preise 160, 79, 39 M. Jros, Trieft, 1. Stratta, Turin, 2'. Jähnchcn. Berlin. 3. Zeit: 3 Min. 38,2 Sek. Boggio, Mailand, welcher als Zweiter einkam, wurde auf Protest distanziert, da er schon als Be- rufsfahrer gestartet ist. Großer Preis von Deutschland. 4000, 1290, 609, 290 Mark. 1. Vorlauf: Minozzi 1. F. VerHeyen 2. 2. Vorlauf: Mündncr 1. W. Arend 2. 3. Vorlauf: Huber 1. Bonrotte 2. 4. Vorlauf: Pontccchi 1. Muldcr 2. 6. Vorlauf: Banker 1. Grogna 2. 6. Vorlauf: Jacquclin 1. Masfi 2. 7. Vorlauf: Büchner 1. Käfer 2. 8. Vorlauf: Louvct 1. H. Mayer 2. 9. Vorlauf: Scidl 1. v. d. Tuyn 2. 10. Vorlauf: Meyers 1. Wecck 2. Hoffnungsläufe offen für die Zweiten der Vorläufe. 1. Hoffnungs- lauf: Franz VerHeyen, 2. Hoffnungslauf: Arend— Bourotte totes Renne». Ein hierauf stattfindendes Matsch entscheidet zu Gunsten Arends. Die Ersten der Vorläufe und Hoffnungsläufe kommen am nächsten Sonntag in drei Zwischenläufe. Niederrod-Trostfahren. 2900 Meter. Für die Nichtplaciertcn der Vor- und Hoffnungsläufe: 129, 80, 30 M. Gongoltz 1. Mayer 2. Käser 3. Zeit: 3 Min. 42/8 Sek. Niederrad- Vorgabefahre». 804,6 Meter. 160, 76, 49 M. Albrccht(69 Meter) 1. Mulder(36 Meter) 2. Scidl(19 Meter) 3. Zeit: 66,3 Sek. Der Malmann Jacqueliu placierte sich nicht. Tandem-Hauptfahren. 10 900 Meter. 490, 200, 190 M. Zwei Führungspreise a 76 M. Büchner- Seidl 1. Jacquelin- Delen 2. Mündncr-Wccck 3. Zeit: 13 Min. 13 Sek. Die Führungspreise er- rangen Hcrty-Breitling. Käser-Peter. Nicht placiert: Huber-Ober- berger. Hcring-Mayer und Koch-Becker gaben auf wegen eines Defekts an der Maschine. Straßensperrung. Die Falckenstcinstraße von der Schlestschen bis zur Oberbaumstraße wird behufs Umpflasterung vom 29. d. Mts. ab, bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt; desgl. die Elisabcthkirchstraße von der Ackerstraße bis zur Jnvalidenstraße vom 4. k. Mts. ab. Orgelkonzert. Herr Musikdirektor Otto Dienel hält Mittwoch, den 30. August, mittags 12 Uhr, in der Marienkirche einen Orgelvortrag bei freiem Eintritt, in welchem Fräul. Else Äerlach, Fräul. Seliua Weyher, Fräul. Eva Lehnig, das Biolinquartett Fräul. Else Wille, Herr Baumgardt, Herr Kobierski und Herr Ewald Niegisch, und Herr Max Bartelt mitwirken. Es werden Konipositionen von Bach, Händel, Schubert, Mendelssohn, Spohr, Guilmant und Dienel aufgefühtt. Theater. Heute, Dienstag, wird als vorletzte Vorstellung der Marwitz- Oper int Schiller-Theater und bei halben Preisen Lortzings komische Oper„Der Waffenschmied" gegeben, am Mittwoch gehen bei klelucu Preisen, als Abschledsvorsicllung der Oper die„Lustigen Weiber" mit Henny Borchers als Frau Fluth und Frieda Hawliczecl als Frau Reich, Herrn Adolph Karlhof als Falstaff, Ernst George zc. 3C. in Scene.— Die Schauspielvorstellungen des Schiller-Thcaters beginnen übermorgen, Donnerstag, die Eröffnnngs-Borstellung bringt zur Gocthe-Feier die erste Aufführung von „Iphigenie aus Tauris", Schauspiel in 5 Aufzügen von Wolfgang Goethe. Eingeleitet wird der Abend mit der Ouvertüre zu„Iphigenie" von Gluck mit dem Schluß von Richard Wagner.— Die Direktion des Metropol-Theaters teilt mit, daß sie das Spezialitätengeure im Winter pflegen und vorab die Ausstattungsrevue„Berlin lacht" aus dem Spielplan behalten werde. Feuerbcricht. Zwei größere Brände hatte die Feuerwehr Montagnachmittag abzulöschen. Kurz nach zwei Uhr stand in der Nähe der B ö d i ck e rst r a ß e auf freiem Felde eine größere Gras- fläche in Flammen, die sich rapide ausdehnten und nur unter Zuhilfc- nähme von drei Schlauchleitungen abgelöscht werden konnten. Gegen 3 Uhr kam R o s e n t h a l e r st r a ß e 49 aus nicht ermittelter Ursache ein Dachstuhlbrand aus, der an dem Inhalte der Bodenkammer» reichliche Nahrung fand und bei Ankunft der Wehr den Dach- stuhl bereits in einer Ausdehnung von fünf Fenstern Front erfaßt hatte. Mehrere Schlauchleitungen wurden über eine mechanische Leiter und über Treppen hinweg geführt, wodurch der Weitervcrbrcitung des Feuers gesteuert wurde. Der verursachte Schaden ist erheblich, da ein Teil des Dachstnhls samt den darunter befindlichen Bodenkammern eingeäschert sind. W o l l i n e r- straße 60 61 mußte gegen 1 Uhr ein Schornsteinbrand beobachtet werden, während Step Hanstraße 22 Bodcnverschlnge brannten. Kurz darauf explodierte L i c g n i tz e r st r a ß e 9 ein Petroleumkocher. Gegen 2 llhr wurde die Fcuerivckr nach W r a n g e l st r a f e 63 gerufen, wo ein Ziinme. brand zu beseitigen war. Bette», Kleidungsstücke wurden be- schädigt. Aus demselben Grunde erfolgte vornnttags 11 Uhr ein Alarm nach W a l l n e r t h e a t e r st r a ß c 11. Mau er straße 1 brannte eine Marquise über einem Schaufenster. Ein Kcllerbrand rief die Wehr nach R v s e n t h a l e r st r a ß e 20/21. Packmatcrial und altes Gcrümpel wurden eingeäschert. Prenzlauer- st r a ß c 36 mußte ein Gardinenbrand abgelöscht werden. Anö dem- selben Grunde mußte dann nach Garten straße 164 ausgerückt werden._ Ans den Rachbarorteu. Britz. Heute abend 8 Uhr findet hier bei Dorn, Bürger- slraße 4, eine Partei-Versammlnng statt. Pflicht eines jeden Parteigenossen ist es, zu dieser Versammlung zu erscheinen. Der Vertrauensmann. Ripdorf. Den Parteigenossen die Nachricht, daß am Mittwoch, abends S'i» llhr, im Apollo-Theater, Hcrmannstr. 48/69. eine social- demokratische Parteiversammlung stattfindet. Tagesordnung: I.Vor- trag des Genossen Adolf H o f f m a n n über: Auf was wir stolz sind. 2. Diskussion. 3. Parteitag in Hannover, die Brandenburger Konferenz und die Krciskonferenz. 4. Anträge zu denselben. 6. Wahl der Delegierten zur Kreiskonferenz.(Siehe Annonce und Säulen- anschlag.) Um zahlreichen Besuch ersucht Der Vertrauensmann. In Grünau hat der Amtsvorsteher v. O p p e n abermals eines seiner bekannten Mittel in der Socialistcnvcrfolgung in An- Wendung gebracht, indem er die bei Lindenhayn angesetzte Versammlung„verbot", wie er es zu nennen beliebt. Wie von allen derartigen Maßnahmen, so verspricht die Partei am Orte sich auch von dieser eine bedeutende agitatorische Wirkung. Am Mittwochabend 8�/Z llhr wird eine neue Ver- s a m m l u n g bei L i» d e n h a y n tagen, in der Genosse Gustav Seiler referieren wird. Außerdem erfolgt die Wahl der Dcle- gierten zur KreiSkonfcrenz. ES ist wohl als selbstverständlich an- znnchme», daß die Parteigenossen zahlreich am Mittwochabend zur Stelle sind. Ten Antrag, das Anöklingclu und Ausrufen vo» Ware» auf der Straße zu verbieten, hat der P o l i z e i d i r e k t o r von Schöncberg abgelehnt. Auf Beschluß der Stadtverordneten- Vcrsaminluug hatte der dortige M a g i st r a t au die Polizeidirektion de» Antrag gerichtet, gegen das Ausklingeln zc. ein polizeiliches Verbot zu erlassen. Darauf ist dem Magistrat jetzt folgendes er- widert worden: Dem H a n d e l a u f d e r S t r a ß c, der an sich ebenso gesetzlich zulässig und erlaubt ist, wie jeder andere gesetzmäßige Erwerb, kann polizeiticherseits nur soweit entgegengetreten werden, als dies im öffentlichen Interesse mr Aufrechterhaltung des Verkehrs, sowie der Ruhe a»f den Straßen' erforderlich ist. Wie aber die angestellten Ermittelungen ergeben haben, sind Beschwerden bei den Polizeirevieren über Belästigungen des Publikums durch das Ausklingeln bisher nicht laut geworden. Ebensowenig sind durch den Stratzenhandel mit Milch oder sonstigen Waren bis jetzt verkehrspolizeiliche Interessen geschädigt worden. Die durch den Straßenhandel den festen Lokalen entstandene Konkurrenz kann aber nicht maß- gebend sein für den Erlaß des beregtcn Verbots, ganz abgesehen davon, daß es überhaupt sehr zweifelhaft erscheint, ob das Aus- klingeln, so lange dadurch nicht die öffentliche Ruhe gestört wird. polizeilich verboten werden kann. Hierzu kommt, daß in ver- schiedencn Straßen Schönebergs, die an der G r e n z e Berlins liegen, die eine Seite zu Schöneberg, die andere zu Berlin gehört und ein Verbot wegen der Grenzverhältnisse nicht möglich sein, oder keinen Wert haben würde. Durch eiue» Stich inS Auge wurde Montagnachmittag bei der Verfolgung von Unfugstiftern in Charlottenburg der Schuhmachergeielle Josef Schmidt schwer verletzt. Zwei junge Bursche» schlugen an einem Schaukasten des Strumpfwaren-Fabrikanten Goebel in der Wilmersdorferstr. 24 eine Scheibe ein und liefen dann davon. Goebel verfolgte sie durch die Wilmersdorfer- und Grüustraße. Durch sein Rufen aufmerksam gemacht, schlössen sich ihm andere Leute an. Schmidt, der zufällig die Grünstraße entlang kam, stellte sich hier den Fliehenden entgegen, um sie aufzuhalten. Einer der Burschen aber. der Stuccateur Kropke aus der Wilmersdorferstraße, zog sein Taschen- messer und stieß es ihm in das linke Auge. Dann rannten die beiden Verfolgten weiter über das Gelände des Krankenhauses nach der Magazinstraße. Dort wnrde der eine Bursche in einem Kohlen- kcller, in dem er sich versteckt hatte, entdeckt und festgenommen. Der Messerstecher aber entkam leider und wurde bis gestern abend noch vergeblich gesucht. Kropke führt den Spitznamen„Pieke". Der Verwundete erhielt auf der Sanitätswache und Rettungsstation in der Wilmersdorferstraße die erste Hilfe. Die Rixdorfer Polizeibehörde steht augenblicklidh vor einem Rätsel. Am Sonnabendabend gegen 10 Uhr langte bei dem Amte die Nachricht ein. daß eine Frauensperson aus dem Fenster der dritten Etage in dem Hause. Hermannstr. 108 ge- warfen sei. Ein Gendarm begab sich sofort nach der Unglücks- stelle und seine Recherchen ergaben folgenden Sachverhalt. In dem genannten Hause wohnt auf dem Hofe in der dritten Etage der Müllkutscher Ernst Mancke mit einem 20jährigen Sohn und einer Wirtschafterin, der am 20. Juni 1866 zu Eberswalde geborenen Anna Besse. Die Besse, die von gutem Herkommen, aber von ihren Eltern verstoßen sein soll, ist eine dem Trünke ergebene Person. In- olge dessen hat schon häufig Streit zwischen ihr und Mancke statt- gefunden. Am Sonnabendabend gegen 9 Uhr kam Mancke nach Hause und fand die V. wieder betrunken. Auf dem Tisch lag ein Spiel Karten, aus denen sich die V. wahrgesagt hatte und daneben eine halb mit Schnaps gefüllte Flasche. Nachbarn aus gegenüber liegenden Häusern wollen nun gesehen haben, wie M. die V. auf das Bett warf und sie dabei immer ins Gesicht und auf den Kopf schllicp Plötzlich hörte nion ciiicn dumpfen Knall und als man nach dem Hof des Ncbrngruichstticks ginp, nach dem daS Fenster fiihrt, fand man die SS. rkgnngNoS am Boden liegcm Der hinzu- geholte Arzt konnte nur den sofort eingetretenen, durch Genickbrnch erfolgten Tod konstaticrem Während von einigen Personen de- hanptet tvird, habe die B. aus dem Fenster geworfen, sagt dieser ans, dast ein Selbstmord vorliege. M., der als ein ordentlicher Mensch gilt, wurde verhaftet. Tic Verhaftung cincs altcn Ciiibrcchcrs, der zahlreiche EmbrnchSdicbstähic in der Umgebung Berlins verübt hat, ist der Behörde von Rüdersdorf gelungen. Der Festgenommene ist der Arbeiter Schulze, in Vcrbrccherkreisen als„roter Franz" bekannt, der erst vor vier Monaten Plötzcnsee verlassen hat. Schulze benutzte seine Freiheit, tun sofort iein altes Gewerbe wieder aufzunehmen, und auf seine Rechnung werden eine ganze Reihe von Diebstählen gesetzt, welche in den letzten Wochen in den östlichen Vororten Berlins verübt worden sind. Sch., der eine eigene Wohnung nicht besitzt, batte sich auf cincin Heuboden in Rüdersdorf hänslich eingerichtet und dort wurde der Verbrecher überrascht. In seinem Schlupfwinkel wurde ein Posten Wäsche sowie verschiedene andere Gegenstände, die zum-teil aus Antomatendiebstählen herrühren, vorgefunden. Der Verhaftete wurde nach dem Untersuchungsgefängnis in Moabit gebracht.—-- Vevfannnlnnüvtt. Die Lohnkoillinission der Posamentierer legte einer am Sonnabend stattgehabten vstcntlichen Versannnlnng der Berufs- gcnosten die in der Lohnbcivegnng zu stellenden Forderungen vor, dic nach eingehender Debatte foigcndermaste» festgesetzt ivnrden: Die Arbeitszeit beträgt neun Stunden täglich, der Minimalloh» 27 M. wöchentlich. Arbeiten bis zu 7 Meter werden ok1' J" angefertigt. Die Accordpreise werden um 2o Proz. erhöht, der niedrigste Preis für einfache wollene Arbeiten beträgt 12 Pf. pro Meter, seidene Arbeiten sind mit ö Pf Aufschlag per Meter zu bezahlen. In der Dreherei ist die o r�r gänzlich abzuschaffen. Ueberstnnden werden mit einem Zuschlag von IS Pf. für Lohnarbeiter und 10 Pf. für Accordarbeiter bezahlt. Junggesellen erhalten im ersten halben Jahre nach voll- cndetcr Lehrzeit einen Wochenlohn von 21 M, dann 27 M.. oder ober Accord zu den obigen Preisen.— Der Vertreter der Lohn- lommisston hob hervor, die Accordpreise und der Zuschlag für Ueberstnnden seien möglichst hoch angesetzt worden, weil man at.f völlige Beseitigung der Accord- und Uebcrstundenarbeit hinwirken ivvlle. Ferner wurde beschlossen, die vorstehenden Forderungen den Unternehmern zu übersenden, und. wenn dieselben bis zum i>. Scp- tember nicht bewilligt worden sind, an diesem Tage die Arbeit nieder- zulegen. Der 9. September ist deshalb als Tag der Arbeitsnieder- legung bestinmit, damit diejenigen Arbeiter, welche Kündigung haben die Kundig, liigsfrist innehalten können. Die Streiknnterstiitznna -il!Ji> �it'ro Tag festgesetzt, die Verheirateten erhalten für ledcs Kind pro Tag LS Pf. extra. Di- Lohnkommissto» der Bauarbeiter von Berlinund l!?ilegeiid hatte am Sonntag eine öffentliche Versammlung nach Gohns Saal berufen. Zunächst erstattete der Kassierer der Kom- Mission den Rechnungsbericht über den Streikfonds für die Zeit vom 1; Januar big 81. Juli dieses Jahres. Der Bericht schlfcfct mit E'nuahme von 29 724,40 Mark, eine, Ausgabe von 1» 8J4,12 Marl und einem Bestand von 10 880.26 Mark. Dem Kassierer wurde Dccharge erteilt. Hierauf teilte Noack mit: Der llnternehnierbund habe sich in voriger Woche wieder mit den Fordeningen der Bauarbeiter beschäftigt, und die Fordernnaen der Lohnarbeiter anerkannt, die Forderungen der Accordarbeiter aber ab- gclchnt. Die Lohntommission sei der Meinung, dag sich die Bau- arbciter mit diesem Resultat der langen Verhandlungen nicht zufrieden geben tonnen, sie schlage deshalb vor, daß auf den Bauten, Ivo dic bekannten Forderungen nicht bewilligt werden, dic Arbeil niedergelegt wird. Aachdcni sich mehrere Redner im allgemeinen mit dem Vorschlage der Kommission einverstanden erklärt hatten, führte Rennthaler ans: 7�?," J1}.an ÜOt: SBvchcii, als die Lohnbewegung begann, ge- Ilrcikt hatte, dann wäre der Kampf leichter gewesen. Man habe av Bert tauen in die Humanität der llntcrnchmcr gesetzt. Diese hätten jetzt die Vcrhandliingcn so lange hingezogen, daß man sage» könne, dic Unternehmer halten die Partie gewonnen. Trotz- dem könne auch jetzt' noch der Streik gewonnen werden, wenn er mit aller Energie geführt werde.— Die Versammlnng beschloß: Auf alle» Bauten, wo die am 23. Angnst zu stellenden Fordernngeu nicht beivilligt werden, am 29. A u g u st d i e A r b e i l niederzulegen.— Hierauf teilte R o a ck niit. daß bei der Firma Held und Franke ein Kolonenführcr Köllig die Arbeit übernehme und aus der Arbeit seiner Kollegen einen nicht unerheblichen Unternehmergewinn beziehe. Der Redner ersuchte die Kollegen, keine Arbeit bei König anzunehmen. �- ie Versainmlmig überwies der Nennerkomniission folgenden Antrag. Der Kolonneuführer König ist so lange zu meiden, bis die Firma Held und Franke Rcmednr geschaffen hat. Die Bauarbeiter lokaler Richtung waren durch ihren Ver- trancnsmann am Sonntag zu einer öffentlichen Versammlung ein- geladen worden, aber in so geringer Zahl erschienen, daß man dic Hauptpunkte von der Tagesordnung absetzte und nur dic Wahl eines KommissionSmitgliedeS und zweier Mitglieder der Neunerkommission vornahm. Die Arbeiter auf Kohlenplätzen hatten sich, einer Einladung des Centralverbandcs der Handels- und Transportarbeiter folgend, am Sonntagabend sehr zahlreich im Englischen Garten eingefunden. Der Referent Hoffmann schilderte die Lohn- und Arbeits- Verhältnisse der Äohlcnarbcitcr und führte niitcr anderem aus: Die Arbeitszeit derselben sei eine 11— ILstündige, der Stundenlohn bc- trage 25 Pf., so daß der Kohlcnarbeiter also einen Wochcnlohn von 18 M. verdiene, was für die schwere Arbeit keine angemessene Ein- lohnnng sei. Die Accordarbeit sei auf den Kvhlcnplätzen sehr ver- breitet, jedoch bestehen keine festen Accordpreise, dieselben würden vielmehr in einzelnen Fällen ganz willkürlich bestimmt. Wo für bestimmte Arbeiten gewisse Preise bestanden, da seien dieselben seit einiger Zeit erheblich znrnckgcgangcn. So werde beispielsweise das Abtragen vom Kahne, was früher mit 8 Pf. pro Centner entlohnt wurde, jetzt nur noch mit V/t bis 2 Pf. bezahlt. Angesichts dieser Verhältnisse seien die Kohlcnarbeiter zu der Einsicht gekommen, daß sie für die Verbesserung ibrer Lage etwas thun müssen. ES werde eine Lohnbewegung ge- plant, nin folgende Forderungen durchzuführen: Eine Arbeitszeit von 6 bis 6 Uhr mit 2 Stunden Panieir, ein Stimdenkohn von 3S Pf., Vereinbarung fester Accordtarife. Ferner wird verlangt, daß für dic Arbeiter auf den Kohlenplätzen Buden zur Einnahme der ivkahlzciten errichtet werden, daß Waschgelegenheit und Aborte vorhanden sein müssen, woran eS zur Zeit auf den meisten Kohlen- Plätzen mangle. Die Versammlung wählte eine Lohnkommission, welche die Forderungen formnlicrcn und am nächsten Sonntag einer Versammlung vorlegen soll.— Von den Anwesenden ließen sich mehr als 60 in den Verband aufnehmen. Die Rollkutscher und Speditionsarbeiter hielten am Sonntag- abend wieder eine Versammlnng ab, die von mehr als 1000 Männern und Frauen besucht war, ein Beiveis für die Thatsache, daß es dieser Bernfsklasse dringender Ernst ist. bessere Zustände herbeizuführen. Ge- mäß den Beschlüssen derletzten Versammlnng, hatte dieLohnkoimnission in einer Zuschrift an die Nnternehmer diesen sämtliche Forderungen der Arbeiter unterbreitet. Die von Herrn Montag in der letzren Ver- sanunlinig abgegebenen Erklärungen und die bündigen Zusagen anderer llntcrnehmer hatten die Sl'rbciter zu der Hoffnung berechtigt, daß ihre Forderinige» bewilligt werden und alles„in Frieden und Einigkeit" verlaufeil würde. Dariii hatte sich die Lohutommission arg getäuscht. Wie Schumann als Berichterstatter der Lohntommission mitteilte, war von der llntcrnehmer« Kommission nachstehendes Schreiben eingegangen: „Berlin L!, den 23. August 1899. An die Lohnkommission des Central-Berbande» der Handels-, Transport- und Berkehrsarbeiter Deutschland», Berlin C. Bischofstr. 13, I. Ans das gefällige Schreiben vom 21. er. bin ich beauftragt, zu erwidern, daß dic von den Vereiiiigten Acrlincr Spediteuren gewählte Sicbciicr-Kommisston bereit ist, mit cincr gleichen Anzahl von Roll- kntschern und Bodcnarbciterii sich über die in dem vorbczeichncten Schreiben aufgeführten Wünsilie ausznsprcchcn, und sich niit denselben gleichzeitig über die zur Beseitigung etlvaiger bestehender Mängel z» ergreifenden Schritte zu verständige». Mit Rücksicht darauf, daß ein Theil der beklagten Uebelstände ans eincin hier bestehenden Orts- gebrauche beruht, unter dein— wie die Rollkutscher und Bodcnarbeiter sehr wohl wissen—, auch die Spe- ditenre selbst sehr schwer leiden, und dessen Bescitigniig auch ihnen sehr willkominen sein würde, sowie im Hinblick darauf, daß in vielen hiesigen Speditionsgeschäften besondere, durch dic Eigenart des Geschäfts bedingte Verhältnisse bestehen, die nur von den in diesen Betrieben thätigen Personen genügend gewürdigt und zutreffend beurteilt werden köiinen, ersuchen die Spediteure, zu den bezüglichen Verhaiidlnugen mir solche Rollkutschcr n»d Vodenarbeitcr' abzuordnen, welche in dieser Stcllnnci zur Zeit bei einem der hiesigen vereinigten Spediteure beschäftigt sind. Ihrem Wunsche, die Verhandlnngen Sonntag den 27. August stattfinden zu lassen, vermag die Kommission wegen Behinderung mehrererihrer Mitglieder nicht zu entsprechen— sie proponiert Ihnen dagegen Freitag den 2ö. er., als Verhandlungstermin, indem Sie es übernimnit, dafür zu sorgen, daß die Vereinigten Spediteure dic- jenigcn ihrer Rollkutscher und Bodenarbciter, welche zu Vertrauens- inännern gewählt Ivordcn sind, nicht mir beurlauben, sondern denselben auch für die vcrsämnte Zeit den vollen Lohn zahlen. In der Erwartung Ihres Einveriiehniens gestatte ich mir, diese Ver- trauenSuiänner hierdurch einzuladen, sich zur gemeinsamen Beratung Freitag, den 2S. er., vormittags 9 Uhr, im Bureau der Vereinigte» Berliner Spediteure, Burgstr. 29 III., gefälligst einfinden zu wollen. Mit Hochachtung gez. F. W. H i n tz e, Generalsekretär. Entgegen der in dem Schreiben erwähnten Zumutung erschienen aber die beiden von den Unternehmern abgelehnten Milglicdcr der Lohnkoinmission, Redacteur Schumann und der„selbständige" Hansdiener Martini, um als vollberechtigte Mitglieder an den Verhandlungen teilzunehmen. Die Unternehmer verweigerten aber ihre Zustimmung. Es wurde höchstens zugestanden, daß S ch n in a n n und Martini als Zuhörer mit event. beratender Stimme der Sitzung beiwohnen könnten. Da aber kein Einvernehmen zu erzielen war, wurden die Verhandlungen als r e s u l t a t l o s für beendet erklärt und über das Ergebnis seitens der Unternehmer ein besonderes Cirkular verbreitet. Auch der vom Vorsitzenden des Berliner Gcwcrbegcrichts, Assessor v. Schulz, gemachte Vorschlag: unter obigen Bedingungen vor dem E i n i g u n g s a m t des Gewerbe- gerichts zu verhandeln, wurde seitens der Unternehmer abgelehnt, Schuniann betrachtet das ganze Gebahren der Unternehmer nur als einen Schachzng, um Zeit zu gewinnen und eventuell die ganze Lohnbewegung' zu vereiteln. Da bereits einzelne Unter- nchmer teilweise Lohnaufbesserungen bewilligt haben, sei eS wohl angebracht, daß die besonderen Vertranensmänner mit den Unteriichmcrn verhandeln. um Fühlung zu ge- Winnen; auch mit dem Spediteur- Verein sollen Verhandlungen gepflogen werden: da es noch fraglich sei, ob eine allgemeine Arbeits- cinslcllung durchführbar, empfehle es sich noch, zunächst, die Be- willigmigen eiiizelner Unternehmer anzunehmen, wo aber nicht be- willigt, die Arbeit sofort einzuslellcn. Um aber die aufs neue an- gcbahnicii Verhandlungen nicht zu vereiteln, sei er sRedner) bereit, von der 5loi»missioi! zurückzutreten, um dafür Hedke zu delegieren. Herr Schulz als Mitglied des Speditcnrvereins ist zwar weder be- rcchtigt nach beauftragt, bündige Zusage zu machen, glaubt aber das bereitwillige Entgegenkonmien seiner Freunde versickiern zu können, wenn die Kutscher ec. nur„keine Gewalt" anwenden. Im übrigen sei er ebenfalls dafür, Mißstände zn beseitigen, wobei es jedenfalls wünschenswert wäre. wenn die Hausdiener und Packer?c. mit den Rollkutschcn k. gemeinsam vorgingen! Denn wenn der Packer sowie der Hausdiener nicht mehr abcnds länger arbeite, habe auch der Kutscher nichts zu laden und zu fahren. Nach längerer Besprechung wurde eine Resolution angenommen, worin sich die Versanimellen bereit erklären, vor dem Einignngs- amte zu verhandeln und um des lieben Friedens willen Schumann und Martini ans der Kommission zurückziehen. Die Resolution wird den Unternehmern niilcrbreitet und Millwoch, den 30. Angnst, abcnds 10 Uhr, sollen in einer Versammlung bei Keller, Koppen- 'traße, die weitern Maßregeln besprochen werden. Adlcrähof. Der socialdemokratische Arbciter-Bildungsverein iir Adlcrshos und Umgegend hielt am 24. Angnst seine regelmäßige Versammlung im Lokal von Schmauscr, Bismarckstraße, ab. Ans der Tagesordnmig stand ein Borirag des Genossen G. Günther über das Unfallgesetz. Referent schilderte in Il/sstiiudigein Vortrag die Entstehung des Unfallgesetzes und gab eine Anleitung zur Er- langung der Unfallrente. In der Diskussion sprach F a b e r im Sinne des Referenten und wies ans verschiedene Fälle hin, wo der Verletzte durch zu späte Meldung der Rente verlustig ging. Hildebrandt, Tempel und Kusinski richten verschiedene Anfragen an den Referenten, die dieser zur Zufriedenheit beant- wartete. Ter deutsche Verein„Vorwärts" in Kopenhagen bfilt seine Ver- samuiUMgen jeden Sonnabend im Ncuiiiswlal gorbgede 49, abend« Vz9 Uhr, ab. Ditic« Lokal dient den deutschen Genossen gleichzeitig als Verkehrs- lokal. MitteiNingeii von GeVästskeutell, die in Annoncen bekannt geben, daß ihr Lokal den dem..:.....nassen als Veriehrslvkal dient, wolle man unbeachtet lassen._ Vermrflsztes. Goethes Geburtstag ist am Sonntag und Montag vor allein an den Orte», die in historischer Beziehnng zu dem Tiaitcr stcheii, mehr oder minder würdig begangen worden. Am prächtigsten selbst- verständlich in Frankfurt a. M., der Geburtsstadt des Olympiers, van der Heine vor 70 Jahren sagte:„In Windel» war er einst euch nah, doch jetzt trennt euch von Goethe eine ganze Welt.".Man hatte dort über dem Gocthedcnkmal einen Kuppelbau errichtet, der abend« mit tanseudcn Glühlichtern erleuchtet war; aus dem Platze wurde in Gegenwart der Honoratioren, unter denen sich auch der konimandiereudc General des XVIII. Armeekorps befand, der Festakt prunkvoll begangen. Weiter folgten Konzerte, Festreden und ein Fackelzug. Minder geriinsclivoll ist anscheinend der Gedenktag in Weimar gefeiert worden. Eine Meldung vom Montag besagt: Nachdem hier bereits gelegentlich der Jahresversammlung der Gocthe-Gesellschaft das Hoftheater eine Feier zu Ehren des 150. Ge- bnrtStags Goethes veranstaltet hatte, findet heute Abend eine üffent- liche Feier mit Rede und Konzerl, deren Koste» aus städtischen Mitteln getragen, ftatl. Das Goethe-Haus prangt in gleichem Schmuck wie 1825 gelegentlich des Karl-August-Jnbiläums. Auch RarhanS. Goethe-Schi ller-Denkmal und Goethe-Museum sind festlich geschmückt i zahlreiche Häuser trage» Fahncnschmlick._ Im Marie Seebach-Stift sindel ein Festakws statt. In den Schulen wird ebenfalls der Bedeutung des Tages in geeigneter Weise gedacht. In Leipzig hat der Rat bare 10 000 M. für ei» Goethe- Denkmal beivilligt. Ans Rom wird gemeldet, daß die Stadt- Verwaltung an der Gedenktafel des Goethehauses einen prächtige» Kranz aufgehängt hat. Das Goethe-Denkmal im Berliner Tiergarten trug gestern ebenfalls reichen Schmuck. Am Sockel lehnte ein großer inil Palmen, Rosen und anderen Blumen geschmückter Kranz, den die Hauptstadt des Deutschen Reiches„dem deutschen Dichterfürsten" geividmct hat. Danmter lag der Kranz der Schlaraffia-Berolina mit der Widmung an der rot-bkauen Schleife:„Es kann die Spur von meinen Erdetagen nicht in Aeonen nntergeh'n." Die Gesell- schaft für deutsche Litteratur zu Berlin und die Berliner Mitglieder der Goethe- Gesellschaft hatten große Lorbeerkränze mit weihen Schleifen niederlegen lassen. Auf der roten Schleife des Kranzes, den die Ardeiter-Vildunasschule Berlin gespendet, la» man dic Worte aus dem 2. Theil des„Faust":„Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, der täglich sie erobern muß." Ciseiibahnnnfall. Aus Essen a.R. wird gemeldet: Am 26. Aiigiift. abcnds kurz nach 8 Uhr, stieß der Güterzug 8149 auf dem Ucbergang Bnhnhofstraße-Gelsenkirchen mit dem elektrischen Straßenbahnivägen 46 zusammen, welcher die geschlossene Schranke durchfuhr. Von den Insassen des Straßenbahnwagens wurde eine Person getötet und mehrere anscheinend leicht verletzt. Untersuchung ist eingeleitet. Bei Schwieringhausen schlug auf dem Dortmund-EmS- k a» a l Sonntagabend ein Boot mit sechs Insassen um, unter denen zwei Kinder sich befanden. Zwei Personen wurden gerettet. Die übrigen ertränke>:. Sechzehn Arbeiter getötet. Ans St. Etienne meldet der Telegraph: Als ein Förder stuhl, worauf sich sechzehn Arbeiter befanden, in das Bergwerk hinabgelassen wurde, riß das Seil; sämtliche Arbeiter wurden getötet. Moderne Baukünste. Aus Halle a. S. schreibt man uns vom 26. August: Wie ein Lauffeuer ging heute abend die Nachricht durch uiisere Stadt, daß der seiner Vollendung entgegengehende drei Etagen hohe Neubau des Maurermeisters Pfeiffer in der Großen Ulrichstraße ins Wanken geraten sei und einzustürzen drohe. Dic Polizei hatte die ganze Stratzengegend, in der ein lebhafter Verkehr herrscht, abgesperrt, worüber die dort wohnenden Geschäftsleute, die sich dadurch geschädigt fühlten, sehr ungehalten waren. Nachdem für genügende Absteifung des gefährdeten Gebäudes gesorgt war, konnte der Verkehr gegen 8 Uhr ivieder freigegeben werden. Der wankende Bau interessiert besonders die Maurer, da er während des Streiks von den Händen der Arbeitswilligen ans- geführt worden ist. Im übrigen baut man in Halle nicht allzu vorsichtig, denn vor etwa anderthalb Jahren stürzte in der Ludwig- straßc der ganze linke Flügel eines gleichfalls dreistöckigen bewohnten neuen Gebäudes ein. Aus Kassel wird berichtet: Montagmittag entlud sich über die Stadt ein Gewitter, verbunden mit Hagelschlag, der über Stunde anhielt und unermeßlichen Schaden anrichtete. Hagel- körner fielen in Größe von Taubeneiern. verwüsteten die Anlagen und entlaubten Bäume. Hunderte von Fensterscheiben sind zerstört. Viele Händler, welche die jetzt hier stattfindende Messe besuchten, sind schwer heimgesucht worden. Auf den Feldern sind Gerste und Weizen, die noch draußen stehen, vernichtet worden. Tie Putzmacherin im Ticilste de? Vogelschutzes. Die englische Gesellschaft zum Schutze der Singvögel hat jetzt in einer vornehme» Straße Londons einen Putzladen eröffnet, der von einer der tüchtigsten Putzmacherinnen geleitet wird. In diesem Laden iverden die besten und neuesten Hüte verkauft, doch tvird in ihrem Aufputz nichts von einem Singvogel zu finden sein,— kein ganzer ausgestopfter Vogel, kein Flügel und keine Feder. Dagegen will die Leiterin das Gefieder von Vögeln, die den Menschen al» Nahrung dienen, von Hühnern, Tauben usw.. gern verwenden. Ter Fürst von Monaco tu Nöte». Von Kapitän Bade er« hält die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" eine von Spitzbergen an Bord des Dampfers„Kong Harald", 20, August datierte Karte. welche näheres über den gemeldeten Unfall der Expedition des Fürsten von Monaco berichtet. Die Karte besagt:„Bei An- knnst in Adventbai ans Spitzbergen fanden wir eine beschriebene Tasel. daß der Fürst von Monaco am 5. August im Norden von Spitzbergen mit seiner Dacht„Princeß Alice" gestrandet sei und dringend um Hilfe bitte. Zwei Frauen, welche vermittelst Damps- pinaffe i» dreißigstnndiger Fahrt nach Adventhai gebracht waren. nahmen wir an Bord und gingen nach der Unglücksstelle ab. Bei Ankunft dort fanden wir das Schiff durch eigene Kraft wieder flott gemacht und in fahrbarem Zustand. Nach Angabe der Frauen dampften beide Schiffe südwärts,„Princeß Alice" nach Adventbai, wir nach Norwegen. Unsere nördlichste Breite im Polareise war 80° 40' N. Hatten durchiveg schönes Wetter." Abstürze in den Alpen werden dies Jahr häufiger als früher gemeldet. Wenn man von dein folgenden Wagestück liest, kann man sich über das Unglück der Kraxler eigentlich kaum noch wundern: Aus der Schweiz/ 25. August, schreibt man der„Franks. Ztg.": Em unerhörtes Wagestück in der Bergkletterei wurde gestern am Matterhorn' ausgeführt, die Ersteigung diese« Berge« über die Südostkanle hinauf vom Furgjoch aus, ein Wagestück, das an Kühn- heit seinesgleichen sucht. Schon seit einer Woche bemerkte man von Zcmiatt ans in jener Richtimg beständig einige verwegene Kletterer, die endlich am Millwoch eine fast unzugängliche Höhe er- reichten. Sie waren bis unter den letzten überhängenden Ten des Riesenobelisks. den der Matterhorngipsel darstellt, vorgedrungen. Am Doiinerstagfrüh erstiegen sodann drei Mann, mit starken Seilen wohlausgerüstet, den Berg von der gewohnten Seite und stiegen über den Südosikamm hinunter, so tief eS anging. Von da warfen sie mm das Seil über den Abhang hinunter ihren Kameraden zu. die sodann den Aufstieg über den gähnenden Abgrund hinauf ausführten. Man konnte das Kmiftftück von: Schwarzsee aus mit dem Fernrohr beobackten. Alte beherzte Bergführer schüttelten den Kopf über solche Tolllühnheit. Diese erste Matterhorubesteigung vom Furgpaß aus über den Südoftgrat vollführten Guido Ney von Turm, einer der ersten Alpinisten' Italiens, und die Führer Anton und Daniel Macugnaga von Valtournanche. lieber die Zustände auf der sibirischen Bahn entwirst ein Reisender in einem sibirischen Blatte folgendes Bild. Das Bestechuiigswcsen und die Kunst, von Fahrgästen durch ihnen in den Weg gelegte Schwierigkeiten Geld zu erpressen, stehen in Blüte. Wartet mä» vor dem Schalter auf Herausgabe der Fahrkarte, so ge- schieht es häufig, daß sich dein Fahrgast ein Schaffner naht und ihm hiurcrrücks zurannt:„Wozu nehmen Sie ein Billet? Sie können natürlich bei entsprcckiendem Trinkgeld— auch ohne Billet fahren." Gicbt man sein Gepäck auf. so ivird der Reisende vom Kassierer ersucht, selbst das Gelvirbt zn verzeichnen. Der Reisende thnt's, er gicbt das Gewicht seines Gepäcks mit 70Pfd. an. DerKaisicrer zeigtsich zuvor- kommend, er berechnet das Gewicht nur auf 40 Pfd.. läßt sich aber„aus Dankbarkeit" 50 Kopeken(i Mark) Trinkgeld zahlen. Neben jedem Wagen stehen sogenannte Führer, die den Fahrgästen beim Einsteigen allerlei unnötige Schwierigkeiten in den Weg legen, indem sie bald dies, bald jenes nicht in den Wagen mitzunehmen gestatten, bis man ihnen ein Douceur zukommen läßt. Für ein Trinkgeld von 10 Kopeken<20 Pfennigen) kann der Fahrgast hingegen mitnehmen was mid wie viel er will. Diese Zustände haben übrigen? ihre wesentliche Ursache in dem guten Beispiel, das in Rußland die Beamten der höheren Stufen de» Subalternen geben, sowie in der menschenunwürdig geringen Besoldnng der letzteren.— Briefkasten der Redaktion. Tie jurisilichc Sprectisiiiudc wird TicustagS, TonnerStag» und Freitags»i»»ts von k bis 8 Illir abgcl, allen. <5. G. Wenden Sie sich an den Vollsheilstätten-Verein vom Roten Kreuz, Willielmslrab- 74, oder an den Bcrlin-Brandenburger Heilstätten- Verein für Lungentranke, Bendlerstr. 36. Vielleicht meinen Sie die Dr Sieg- mmid Martin Ephraimsche Nachlabstistung, Vorsitzender Martin Simon, Neustädtische Kirchs». 11.„ P. G.«. C. R. Die letzte(dritte) Teilung Polens fand im Jahre 1785 statt, durcki Traktat vom 24. Ottvber. Ruhland erhielt III 786 Quadrat- kilometcr, Preubeu 54 888 Quadratkilometer, Oes»eich 45 8S6 Quadrat- kilometer. <5. G., Strelitzcrftraste. Wir wollen dem Fall unsere Aufmerksamkeit wtdu»en. ®. 52. DaS Eisenbahnunglllck in Steglitz war am 2. September 1883. 14M 13�90 12,80 15,— 14,40 13,80 3,50 3,80 25,— 26,- t)l!ili|eu, 70,— 30,— Kartoffel», neue„ 8,— 4,— 1,20 1,- vo» der Ceiitralfleffe der Preuff, Landwirt- schaftskannnern— Nolicriuigsstclle— und umgerechnet vvur Polizeipräsidium für de» Toppel-Centiier, ch) illciiidaiidklspreise, s)Soeisedoh»en, NLiineu, kartoffcl», neue Nindffeisch, Keule 1 lex do, Bauch *) Eriuittelt pro 15,901 14,90 13,30 15,60 14,90 14,30 4,32 6,00 40,— 50,— 70,— 8,- 1,60 1,20 Tonne chivcincffeisch Kalbfleisch Hammelfleisch Butter- Eier Karpfen Aale Fände» Hechte Barsche Schleie Bleie Krebse Idf? 60 Stuck 1kg per Schock 1 1,60 1,60 2,60 4,- 2,40 2,80 2,60 2,40 1,80 2,50 1,40 12- 1,- I,- 1,- 2,- 2,20 1,40 1,20 1,20 1,20 0,80 1,20 0,80 2- Produlten markt vom 28, August, Wetzen wie Sonnabend, da- gegen zeigte sich an» Roggenniarkt bedeutend« Unternehmungslust, Umfang- reiche Neukäuse ließen den Oktoberpreis um 1,50 M, anziehen. Andere Sichten, namentlich Septeinberlteferungen waren auf Deckungen 0,50 bis 0,75M. gebeffert. Auch Haser verkehrte in fester Haltung, Am Spiritus- markte war die Stimmung schwach. Die Preise fiir Loco und Termin- wäre gaben 0,20 M, nach. Am Markte waren 20 000 Liter 70er loco, die mit 43,50 gehandelt wurden, Kartosselsabrikate. Feuchte Kartoffelstärke per 100 Kg, Brutto inkl. Sack—, Prima trockene Kartoffelstärke per 100 Kg, Brutto inkl, Sack und Mehl 18,90—19,00 M, Supra trockene Kartoffelstärke— M, Kartoffelmehl per 100 Kg, Brutto—. Prima Kartoffelmehl 19,00 bis 19,10 M, per 100 Kg, Eierbericht vom 23, August, Normale Eier je nach Qualität von 3,05—3,30 M, per Schock, Aussortierte klciue Ware je nach Qualität 2,70 bis— M, per Schock, Kalkeier je nach Qualität von— M. bis — M. per Schock. Tendenz: sehr fest. lkvitternngStibersicht vom 88. August 18SS, morgen» 8 Uhr. Stationen Swineinde, Hamburg Berlin Wiesbade» München Wlen 762 760 761 SSW OSO SO 759 W 763 jSW 76ll@tUl Wetter 64?, wolkenl hlb.bed, 2 heiter 2hlb, bed, 5 heiter -Regen 11 13 11 20 19 11 Stationen Haparanda Petersburg Cork Aberdeen Paris 765 Wetter öS e-e d" S e» Still 756 NW 756 SO 760 W wolkenl heiter 1 bedeckt 2, bedeckt 16 13 13 Wetter-Prognose fiir Dienstag. Ein wenig kühler, vielfach wolkig lichen Winden ohne erhebliche Niederschläge, Berliner den 8 it. Augnst 18SS. e heiter bei mäßigen südwest- letterbureau, Niir den Inhalt der Inserate iiberuininit die Nrdattio» de», Pndliknin gegenüber keinerlei Aeraniworinng. IL szcotev. Dienstag, 29. August, Schauspielhaus. Faust, Anfang 7 Uhr, Renes Opern- Theater tKroll), Die Fledermaus, Ansang 7l/z Uhr Lessing. Großmama, Anfang 7> z Ubr, Nene». Kiwito, Ankang ll/2 Uhr, Montag: Dieselbe Vorstellung, Residenz. Der Schlafwagen- Eon- troleur. Vorher: Zum Einstedler, Ansang 7V» Uhr, W iteu. Der Mikado, Ans. 7-/, Ubr, Schiller. Der Waffenschmied, An- fang 7i/, Ubr, Central Der Hetratsmarkt, Anfang 6 Uhr, Friedrich- Wilhelnistäbtischcs. Germinal oder: Der Streit der Bergarbeiter, Anfang 8 Uhr, Ostrnd. Die Kubanerin, Anfang 8 Uhr, Lnise». Glykerion, Hierauf: Der Kamuierkater, Ansang 8 Uhr, Metropol. Berlin lacht! Anfang 8 Uhr Bellc-AIlianee. Speclalltäten-Vor- stellung. Ansang 6 llhr, Apollo. Frau Luna. Specialttäten- Vorffellung, Anfang 8 Uhr, Ne>chshalle». Stettiner Sänger, Anfang 8 Uhr, Passage- Panopilknin. Special!- lälen-VorfteUung, Urania. Fiivalidenstr. k»7/a8. Täglich abends von 5-10 Uhr: Stcriiivarte, Taubenftr. Im Theater: Das Land der Fjorde, Ansang 8 Uhr, WlttWiter tWalluer. Theater». AI<»rr»lt«»Vpe»>. Dienstag, abends 7-/, Uhr: Vorletzte Opern-Vorstellung bei halben Preisen: Mittwoch, abend»?>/, Uhr: Letzte Opern-Vorstellung,(KI. Preise), (Abonnement» gültig): vis lustigen Velber von Vindsor. Donnerstag S Uhr: Eröffnung der Schausptel-saifon, Zur Goethe-Feier, zum ersten Male: Iplilxenlv»aK Dsvi-ln. Lsttiid-Kiirl Weiß- Thtüter. oh.lVllhsIm»t, lioneortparlc: tzZooi-zpettc mit ihren drei Lirbhabern. Pariser Burleske-Pantomimc, Das Rätsel des 19. Jahrhunderts: «ubortv Vlncento.— Miß Darnett, Salon-Athlctin, hebt«. a, ein Piano mit dem Pianisten,- Eugen Milards, der amüsante Karikateur,— Patto Franl-Truppe, Akrobaten, 5 Pers, u. A»ßerdei» 20 Specialttäten Entree 30 Pf. Thalia- Theater. Trcsdeucrstr. 78-73. Wieder-EröiFiiung am 9. Sept. 1899. Emil T ho inas. Guido Thirlfchcr, Frist Heliucr- ding, HansFunter«, an», Gerda WatdciindMargaretheArasep. VoIlLtsiuIigiieueAu88!stthng Vor der Vorstellung: Konzert der Theater-Kaoelle (im Tuiiurl). kerllner pllesaer und»ei-llnee»otdrSo (Brauerei Gregory), dasselbe Bier, welches tn den königl, Theatern per- schnnkt wirb, Vorverkauf vorn 2, September cr, ab an der Tageskasse. Kniet- baitellungan von heute an Im Theaterbureau, Tel. Amt IVn 6440. Urania Tnubcnstraase 48/40. Um 8 Uhr: Im Theater: Das Land der Fjorde. InvalMcnstr. 57/08: . Sternwarte. Nachmittags 5—10 Uhr. »»««lWWWWMSSSS! Passage•ranopiicam Geöffnet von 9 Uflt früh biS 10 Uhr abends. Sieu! Neu! Dae urkomische Buckeburger Bauern- Ensemble. Ansang der Vorstellung 6 Uhr abends. CASTANS■«« PANOPTICÜM Die sonaatlonellen SG" lebenden�Vd Photographien! In lebensBrOase. Die russische UirfMAn" Damenkapelle s,iniyilUU in moskowitlschsn Kostümen. Viele neue pluHttacbe Gruppen ninl Viicureu. Metropol- Theater. Behrenstr. 55,57. Bon Montag, 27. bIS Inkl, Donnerstag, den 31, August geschloffen, Freitag, den 1, September 1899: Eröfsnuug der Winter- Saison. .luue l'Ierny vorn Thäätre folies dramatiques tn Parts in ihrer Originalseene: Gin Dag aus dem Leben einer Pariser Küustlrri». NJlce Boitlieur, Operettensvubr, von der Uouifes parisienne. Alle. Dletcrlc, Chanteuse gom- meuse v, Theätre Variät» in Paris, The 6 DuinelT», ikarische Spiele von Damen, skllu» IZttu, Trapeziünftlertn, I'leurz- I»e>huu«l-T>',,ppe, französisches Tanzterzett, mr Um 8Vi Uhr:-«reg D e v l i n l n iht! Revue von Julius Freund, Musik von I, Einödshofer, mit dem l'ueasie-»»Nett. NehnieU Ihi-ehlni-Teuppe, Turner und Springer, The tzthiuhler, Jongleur-Scene im Pariser Restaurant, Hectov iiiiiI l.niirainc, rnusitaltsche Excentriaues. Ml«» L-allu Jonilera, DraHtscilkünstlerin. Anfang 7Vj Uhr. 0�" Da» Rauchen ist in samt- lichen Räumen gestattet, Apollo-Theatei'. FrauLuiaa mit dem Luftballett„Qrlgolatle". Ausstattun�s-Operette v. Bolten- Baeckers, Musik von Paul Lincke. «Otto Rentiere usw. usw. usw. Gavten-Konzert 7 Uhr. Anfang der Vorstellung 8 Uhr. Vorverkauf täglich im Theater und beim„Kllnatlerdank", Unter den Lindeu 69. Freitag, den 1. September Eröffnung der W inter-Salson 18 sensationelle Debüts. Victoria-Brauerei Lühou-stralie 111/118. Im Natnrgartcn oder Saal: Tätlich HninoVlstischc Soiree der kioi'dllentseben Langer (FUlirmann,. Horst, Waldo). /?] Auf. Souiuags t pröc. 7, wochentags 8 Übe. Eulre« 50 Pf. Vorverl. 4v Pf. Famtlieubillets 3— 1 M, Sonntag und sdonnerStag nach der Borsteümig! Tau�Ünhunoheu. Erntvol T lirntvv Direktion: soaö Ferenczy, L»stsPiel-E»semble(FrlbI»Ix Krause vorn tgl. SchauipietHaus, Herr Otto Pahlau vom Schiller-Theater, Herr kleb, Ewald vorn Thalia-Theater als Gäste.) Der Heiratsmarkt. Schwanl in:-j Akten v, G, Olonkowsli, Anfang 8 Uhr. Morgen und folgende Tage: Die- selbe Vorstellung._ Palast-Theater _ früher__ Feen-"l'alni«!, Viirgsirasie 88 DireMon: Winkler und Eröbel. Sennabend, 8. Septernben: Eröffniiiig � der durchweg wunderbar renovierten -j..--.._ Neu! Zum 1. Male: Neu! Sprre-Zlottchrn! Große Original- Ausstatlungs-Poffe, ei'»ti>. 4 a. IV' Täglich außer Sonnabends: Hofiiimmis Norddeutsche Sänger Anfang wochentags 8 Uhr, Entree (Vorverkauf) 30 u. 50 Pf,«soimmgö 7 Uhr. Entree 50 u. 75 Ps. Donnerstag und Sonntag nach der Soiree: Tanx-Ui-ttuiscben. Haehrs Theater Oranlcnati«. 84. Freitag, den». September 18gi>: tlireaae Eröllnnngs- Vorstellung: Der Herzverführer. Operelte v, Leopold Ely. AnfanghUhr. Preise gewöhnlich. ! Neichshalleu. Täglich: Stettiner Sänger (NicNsei. Picrr». Vrittou, Sicidl. tlkro»«, K i r ch m a st e r, Lrlineider und Schräder). Ansang 8 llhr. Entree 50 Pf,, Vorverlauf 40 Pf, Rum. Balkon 75 Pf, Balion-Loge 1 M. Orchester- Loge 1,50 M. Fremdenloge 2 M, •Jeden Freitag: Neues Programm. Tageskasse 11—1. Oürtbalin-Park Hermann Imba 71 RüderSdorfer Strafte 71, am K ü st r i n e r Platz, Täglich: Konzert, Theater- und Special itätcil-Vorstestuiig. Nur erstklassige Nummern. Anfang; Sonntags 4 Uhr, Entree 20Ps, Kinder 10 Ps. Sperrsitz Nachzahl, 20 Pf, Ansang: Wochent. 5 Uhr, Entree 10 Pf, Kinder 10 Pf. Sperrsitz Nachzahl, 10 Pf, Jeden Dienstag: IKorddeiitsehe Shigger. Hermann Jmb». Direktor, Max Kliems Sommer-Theater Haacnheide 14—15. Artistische Leitung; Paul Milbitz. Wich: Croßts Garten-Ksilzert.« Auftreten des gesamten Schauspiel- u. Specialiiätcu. Personal». Siur erstklassige Kräfte. � Georg Flacher(Liedersänger), Ernst Kllhne(Charakter-Komiker), Frltzl Verra (Kostüm- Soubrette), Gharlea Gilten(Equilibrist), The Original Becars ( Musitalischer Alt), Mll«. Marguerite mit ihren Rassetaubeu, Lea Flganos (Jnstrmnentalisten). SÄT" Sfenes gediesene« Familien- Programm. Fntree: Wochentags 20 Pf.| Fntree: Sonntags 25 Pf. Numerierter Ptatz 40 Pf| Numerierter Platz 50 Pf. Anfang des Konzerts tUgllch 4 Uhr. Anfang der Vorstellung 6 Uhr. Iii de» Festsäle»: Grosser Ball.-W» ax K Die Kaffeeküche ist geöffnet. Max Klient. Sanssouci, Kottbnser Strasse 4a. WZk- Glänzend renoviert,-WU Täglich: klokkmanns Norddeutsche Säuger. Anfang der Borstellung: Sonntag» 7 Uhr, Wochentags 8 Uhr, Sonntags: Numeriert, Sperrsitz 75 Pf, Entree 50 Pf, Wochentags: Sperrsitz 60 Pf,(im Borverlaus 50 Pf,), Entree 40 Pf,(im Vorverkauf 30 Pf.) Sonntag u, Donnerstag nach der Soiree: Tanzkriinzchen. Schmeizer-Garten Am Königsthor(iltingbahn) Am Friedrichshain. Täglich: Theater- und Specialltättn-VorsteUung. Joden Mittwoch: CöroJIvs und Vindevfest. dcnktreten de» nenen K»»«tler-Fnieemhle». Jeden Abend von 10—11 Uhr: Novität. Der Novität! Qher-Pou«e vou Klautscliou. Ausstattungs-Burlesle mit Gesang in 3 Bildern von I, EiSncr,— Mustl von Max Schmidt, Volksbelustigllttgen aller Art. Im Saale: fBsÜli» Cohns Festsäle, Beul,�t1,rSse 20 Emp fehle meine Festiqle mit Bühne, von 100—1000 Personen sassend, zu Vers ammlnnge» und Festlichkeiten, 2286L» Sonnabeudc und Sonntage im September und Oktober noch zu haben h. skeit« Weberftr. 17* [23068' 1000 Perl,' saff. Sonnabende und Sonntage frei. Verniiszirnmer 20—150 Perionen,— äjennniiiilunaeu:c. ic, Technikum Eutin. MaNcliinenbaii-, Hängewerk-, Tiefbau-, Wcge- nnd Buhnnieiater-Schiile mit Peaktikiiin. 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Angnat, abends H'/n l'lir: auch Branchen- Bersammlung der Mnsikinstrttmenten-Arbeiter im Lokal des Herrn IBiila(fsürstenhof), Köpiiicterstrasze 137—138 (an der Köpnicker Brücke). T a g e S- O r d n u» g: l. Harmonie zwischen Kapital und Arbeit, und die Humanität einiger Fairikanten. 2. Branclicnangelcgeuheit. Verschiedenes. Die Kollegen der Fabriken von edie, Schleifer& Menzel, Gast& Co. und besonders hierzu eingeladen. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. 113/13 Tic l�rtsverwaltung. Mtiiw! ItllinCMIlfWCr. AM«»«! Tirustag, den 89. Slngnst, abends 8 Uhr, int Lokale des Herrn XnbeU. Lindenstraffe 106: kroße öffeiltliche 5Beijai«iii(iiitg ki Platteilailsstelltr Berlins und llin'gegcud. Tagesordnung: 1. Die Mißstände in unserem Beruf und wie laffen sich dieselben beseitigen. 2. Wie stellen wir uns zu dem Streik der Nabivpuyer? 3. Verschiedenes. 2'>2/17______ Der k! lnb senke e. Gemerk schastshans W. in. b. H. Nachdem der Bau des«Gewerkschaftöhanses(Berlin 80., Engelufer 15) so weit vorgeschritten, daß die Eröffnung am I. April 18(X) gesichert ist, fordern wir diejenigen Gewerkschafts- und Srankcnkassen-BbrstSnde, welche Bureaus in diesem Hause zu mieten wünschen, auf, sich möglichst umgehend an unsere Geschäftsstelle 20746 Berlin X., Jnvalidenstraffc 118(Luiergebäiidc 8 Treppen) vormiltagS 9— 18 Uhr zu wenden. Die Räumlichkeiten können im Rohbau besichtigt und eventuest gewünschte kleine bauliche Acnderungen noch berücksichtigt werden. Tie Gekchnftsfiihrcr: 11. Ulllni-K. R. Rnzxen. J. Sassenbach. Ammrveiter! Mittwoch, den 30. Attgust, abends 8 Uhr» bei vokn, Äeuthltr. 30: vellölltliede Verssmmlullg cker ösusrlieiier. Tagesordnung: 1. Bericht über unsere Lohnbewegung. 2. Der Antrag Deredder zu unserem Sammelwesen. 3. Diskussion. 4. Verschiedenes. 43/3» Um rege Beteiligung ersucht_ Die liolinkoininisslon. I. A.: W. Hoack. Rixdorf. Mittwoch, den 30. August, abends 812 Uhr, im Apollo- Theater, Hermaunstraste 48—30: Solillldkmskr.Viirtki-VkrsMMlMlg für NliinneV und Frauen. Tages- Orb n u n g: 1. Bortrag des Genoffen.Adol? Holfinann über:„Auf was wir stolz sind." 3. Der Parteitag in Hannover, die Brandenburger Konserenz und die Kreiskonferenz. 4. Anträge zu denselben. 5. Wahl der Delegierten zur Kreiskonferenz. Zahlreichen Besuch erwartet_ Der Vertranensinann. Lichtenberg-Friedrichsberg. Dienstag, den 29. August, abends 8V2 Uhr, im Lokale des Herrn L. Panten, Frankfurter Allee 174: Socialdemokvakische Partei-Uersammlnug Tages-Ordnung: l. Tie bevorstehende Provinzial-Konferenz für Brandenburg und der Parteitag in Hannover. Referent: Geuoffe F. Kotzke. 2. Diskussion. 3. Wahl der Delegierten zur Nieder- Barnimer Kreis- Konferenz. 223/74 Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vertrauensmann._ Zähne 2 M. 10 Jahre Garantie. Vollkommen schmerzlose« Zahnziehen I M. Plomben 1,50 M. Teilzahl, wflchentl. I M Zahnarzt Wolf. Lelpzlgerstr. 22. 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Sage hiermit allen Freunden und Bekannten, sowie allen Kollegen und Genossen für die reiche Blumenspende und die zahlreiche Beteiligung bei der Beerdigung unseres lieben Vaters und Großvaters, des Tischlers Rarl Richter unfern herzlichsten Dank. 2245b Die Hinterbliebenen Kinder Zlarle und Engen Richter. Danksagung. Für die zahlreichen Beweise inniger Teilnahnte bei dem Begräbnis meines lieben Mannes, unseres guten Bater. des Droschkenkutschers Wilhelm Anders sagen allen Verwandten Freunden und Kollegen des Ver- storbenen ihren ausrichligste» Dank die traiieriiden Hiuterbliebeiien. 2251bj Wwe. Anders nebst Kindern. Von der Reise zurück.(22396 IZi*. Seil oll, Stranssbergcr-Steasse 10. Ich bin von der Reise zurückgekehrt. IM». II. Weyl, Specialarzt f. Wasserheilverfahren etc. N., Elsasserstr. 97. Tel III. 1300. Hranzbinderel n. Itlnnien- handlnng von 1608Ü* Robert Meyer, Xo.2. Darianncnstr. Xo. X. 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