Nnterhaltungsblatt des Horwürts Nr. 1 89. Dienstag, den 27, September. 1898 (Nachdruck verboten.) 85] Mm div FvvLlzeik. Geschichtlicher Roman aus dem deutschen Bauernkriege 1323 Von Robert Sch weiche!. So geschah es denn auch. Markgraf Kasimir empfing sie und ihre Begleiter noch huldvoller als in Bamberg. Denn Frau Margarethe hatte ihm unter der Hand durch seinen Geheimschreiber 2000 Gulden Lösegeld anbieten lassen, und Else's Schönheit, deren Adel durch die schwarze Tracht in einer rührenden Weise hervorgehoben wurde, verfehlte auf den Frauenkenncr ihre Wirkung nicht. Er entließ Frau von Monzingen mit der tröstlichen Versicherung, daß die Feinde ihres Gatten vor seiner Gerechtigkeit zu Schanden werden sollten. „Und Ihr, werthe Herren", wandte er sich an die Bürger, die sie begleiteten,„saget der Bürgerschaft, daß ich zwar im- nachsichtig streng gegen die Rotte der Bösewichter bin, und nicht ruhen werde, bis ich sie nnt Stumpf und Stiel aus- genichtet habe; daß aber die Gutgesinnten auf mich bauen können, als wie auf einen Felsen." Sein Trost war keine eitle Vertröstung. Er hatte sich von seinem Geheimschreiber über die Urgichten Stephans von Menzingen und der beiden Geistlichen eingehenden Vor- trag halten lassen und war überzeugt, die Angelegenheit zu seiner Zufriedenheit leicht erledigen zu können. Zu diesem Zwecke hatte er den Inneren Rath nach Beendigung des Gottesdienstes— denn es war Sonntag— zu sich beschieden. „Ich bin des Wesens erstaunt, ehrbare Herren," so sprach er, die Akten zur Hand, die pünktlich Erschienenen an.„Was stehet denn Großes in den Urgichten? Daß der Menzingen den Karlstadt gespeist und wider Verbot in die Stadt gelassen, daß er den Bürgern gerathen, einen Ausschuß zu machen und als Steuerer feine eigene Steuer in der Rolle ausgelöscht hat. Das ist sicher straffällig, aber doch keines ein todes- würdiges Verbrechen. Und was Dcutschlin und der blinde Mönch auf der Folter bekannt haben, das ist vollends der Schärfe nit Werth. Fast übereinstimmend räumen sie ein, daß sie mit Karlstadt verkehrt, seine Lehre vom Sakrament gc- billigt, gegen die Messe gepredigt und die Obrigkeit gescholten haben, weil sie die Verkündung des lauteren Evangeliums verhinderten. Das ist alles. Gotts Marter, wer behielte seinen Kopf noch auf den Schultern, wenn ich nach Eurem Maße messen wollte? Leget ihnen eine Geldbuße aus, aber gebet sie frei, und ich will Eurer Stadt in Gnaden gewogen bleiben." Der Haß aber niachte die Rathsherren blind, so daß ihnen mehr daran gelegen war, ihre Feinde zu vernichten, als die Gunst des Markgrafen sich zu sichern. Sic weigerten sich hartnäckig, dessen Verlangen zu erfüllen, drohten ihni selbst mit einer Klage beim Bunde und Konrad Eberhard erklärte ihm in ihreni Namen:„Der Rath kann in Ew. fürstlich Gnaden Begehr nicht willigen. Denn wenn Ihr den Menzingen und die beiden Geistlichen ungestraft lasset, so ist den Zehn, die gestern gerichtet worden, von fürstlicher Hoheit ein höchstes Unrecht geschehen. Denn just die drei, das sind die rechten Ursächer und Häupter der ganzen Empörung." Hieronymus Hassel fügte hinzu:„Auch haben der Deutschlin und der blinde Mönch öffentlich gepredigt, daß hinfüro keine Zehnten, nicht Tranksteuer noch Klauengeld mehr entrichtet werden sollen. Wenn das nit Aufruhr ist, was ist's?" Dem Markgrafen schwoll die Zornader auf der Stirn und er verabschiedete den Rath mit den Worten:„Uebcrleget's noch einmal! Denn eher soll mir die Zunge verdorren, ehe daß ich in Euer Begehren willige." Der Graf von Pappen- heim äußerte, als beide allein waren:„Wozu mit den Holz- köpfen noch länger sich placken? Auf diese Weise kommt Ew. Liebden mit ihnen nit zu Rand. Schicket eine Rotte Fußknechte, um die Gefangenen aus dem Thurm zu holen, und basta." Markgraf Kasimir machte in das Kerbholz der Stadt einen neuen und sehr tiefen Einschnitt. Erklärlich, daß seine Laune dem mit kleinen goldenen Sternen besäten silbergrauen Damast glich, in den er von Kops bis Fuß gekleidet war, als er sich einige Stunden später zu dem Bankett begab, das ihm der Rath aus der Stadt gemeinem Säckel in dem großen Saal des Rathhauses gab. Er hielt es auch nicht der Mühe Werth, das Grau seiner Mißstimmung zu verbergen, und die Ehrbaren, die er einiger Worte würdigte, konnten sie be- zeugen. Erasmus von Muslor begleitete ihn und nannte ihm die Namen der so wenig schmeichelhaft Ausgezeichneten. Die goldenen Sterne gewannen jedoch an Kraft, als sein Feldherrnauge die Schaar der Frauen und Jungfrauen musterte und unter ihr die schöne Gabriele entdeckte. Sie trug ein blaues Gewand von knisterndem Atlas mit gelbunt erlegten Schlitzen über einem gelbseidenen Unterkleide. Ein kurzes Krügelchen von dem Stoffe und der Farbe des Oberkleides und ebenfalls gelb gefüttert, schwebte auf ihren nackten Schultern, ohne den reizend gewölbten Busen neidisch zu verhüllen. Das schwarze Haar war in zwei dicken Flechten, die von Perlen durchschlungen waren, über die Stirn gelegt, so daß sie einem Diadem glichen, und Gabriele trug den feinen Kopf so stolz, als ob ihn wirklich ein Krönlein zierte. Es war aber ein anderer Dänion als der des Hochmuthcs, der- aus ihren großen schwarzen Augen schaute. Sobald der Markgraf ihrer gewahr wurde, schritt er gerade auf sie zu und sagte zu Herrn Erasmus, während sie vollendet höfisch in die Erde sank, wie sie es von der Schwester Lamperta gelernt hatte:„Ihr seid ein neidenswerther Mann, Bürgermeister, daß Ihr ein solches Kleinod in Eurem Hause heget." Gabriele senkte die lang- bewimperten Augen, um sie desto strahlender wieder aufzu- schlagen, und er fuhr fort, ihr kernige Schmeicheleien über ihre Reize zu sagen. Erasmus von Muslor mußte den Spiel- leuten auf den Bänken, die sonst Richter und Schöffen ein- nahmen, verstohlen ein Zeichen geben, damit ihre Musik end- lich die Gäste zu Tisch brachte. Sie waren längst hungrig und die Speisen drohten zu verderben. Frau von Muslor war die Dame des Markgrafen und er begnadigte sie mit dem bleichen Abglanz des Wohlgefallens, das Gabriele ihm einflößte. Sabine hatte ein Unwohlsein vorgeschützt, um an dem Bankett nicht erscheinen zu dürfen. Die Freundschaft zwischen ihr und Gabriele hatte völlig Schiffbruch gelitten. Ihre von Florian Geyer zurückgewiesene Leidenschaft hatte Gabriele grenzenlos erbittert und sie ver- barg es kaum nothdürftig, wie verhaßt ihr die alten Verhältnisse waren. Lieber den Tod, als in ihnen weiter leben! Ihre Vergangenheit fortwährend durchwühlend und durchgrübclnd, machte sie Max dafür verantwortlich, daß sie geworden war, wie sie war, erschien ihr dessen Liebe zu Else als der Urquell aller ihrer Leiden. Und sie erinnerte sich, was sie dem Paare geschworen hatte. Der Augenblick war gekommen, den Schlvur zu erfüllen. Das Blut, welches nun auch in Rothenburg geflossen war, be- rauschte sie. belebte sie. Und es war. als ob dieser Rausch sich in ihrem ganzen Wesen verricth, so daß sie die Blicke des Markgrafen immer wieder zu sich zwang. Nach dem ersten Gange schickte er ihr seinen Pagen mit dem Er- suchen, ihr einen Zutrunk widmen zu dürfen. Verbindlich neigte er seinen Becher gegen sie und sie dankte ihm mit einem Lächeln, das ihn veranlaßte, seinen gekräuselten Schnurrbart zu liebkosen. Nach dem zweiten Gange kam er, um mit ihr zu plaudern. Ihr alter, stets schnöde von ihr behandelter Verehrer, der Junker von Hornburg. der sie zu Tisch geführt hatte, wollte dem Markgrafen seinen Platz einräumen. Er zog es aber vor, hinter ihrem Stuhle stehen zu bleiben, den Duft ihres Haares cinzuathmcn und die Blicke in ihren Busen zu tauchen, wenn sie denselben nicht mit ihrem Fächer schützte. Später sandte er ihr einen Teller mit Konsekt und dann nahm er ohne Umstände den Platz an ihrer Seite ein und verließ ihn erst gegen Ende der Tafel. Von dem, was beide bald scherzend, bald lachend, bald ernst und angelegentlich mit einander sprachen, vermochte ihre Nachbarschaft kaum ein Wort aufzufangen, und dann war es eine Betheuerung von seiner Seite, die bestätigte, was alle sahen, daß es ihm nämlich Gabriele's Reize angethan hatten. Konrad Eberhard beobachtete seine Mündel unausgesetzt, begegneten sich aber ihre Blicke, so verniochte er in den ihrigen nichts von dem zu lesen, wonach er so begierig spähte. Sie spielte ein hohes Spiel, aber sie spielte es für sich allein nnd unbekümmert um ihn, der üe unter seinem Einflüsse glaubte. Endlich erhob sich der Markgraf.„Es bleibt also bei unserer Verabredung, schöne Gabriele, und ich hole Euch zu dem Spazierritt ab." sprach er laut zum Abschiede. Sie neigte stumm den Kopf und schlug ihren Fächer auseinander, um ihre erhitzten Wangen zu kühlen. Bevor der Markgraf bald darauf den Saat verlies;, zog er noch Erasmus von Muslor bei Seite und sprach vertraulich eine kurze Zeit mit ihm. Am nächsten Morgen erschien der Markgraf zu Pferde vor dem Hauic des ersten Bürgermeisters, und dann sah man die schöne Gabriele am ihrem Rappen an seiner Seite durch die Stadt nach dem Röder Thor reiten, wo sechs Reisige zu ihrem Geleit harrten._(Fortsetzung folgt.) Lleue Z)lanrkcn. Im Altcrtbum baue man nur eine sehr unvollkommene Vor- sicllung von der ungeheueren Ausdehnung des Welteuraumes. Man halle �war die Entfernung des Mondes von der Erde ziemlich richtig zu 50000 Meilen gerne fien; für die der Sonne dagegen sand man pati des sOOfachcn nur den LOsochen Betrag dieser Größe. Die Entfernungen der anderen Planelen oder gar der Fixsterne war man üverhanpl nicht im stände, zu messen, und man nabm nur an, allerdings mit Reckt. daß die langsamer schreitenden Planeten auck die ferneren'den. Bekannt waren außer Sonne und Mond nur die fünf Planeten: Merkur. Venus. Mars. Jupiter, Saturn. Jenseits des Saturn wurde die Firsternfphäre angenommen. die das Wellall vegrenzle; an die Ungeheuerlichteir der thatüichlichcn Entfernungen schon der legten Planeten und gar erst der Fixsterne dachte man auch nicht im Traum. Eine erste Ahnung hiervon dämmerte auf, als durch die von Copeniieus aufgestellte Lehre die Möglichkeit gegeben war, die Ent- fermingen der Sterne zu messen. Die Sckieifei: in den Planetenbahnen erschienen hier als Abbilder der Erdaabn. und aus ihrer Größe war daher die Entfernung des berrefsciiden Gestirns zu entnehmen. Die Fixsterne zeigten solcke Abbilder der Erd- bahn nicht, und deshalb sagte schon Copeniieus, diese Sterne müßten so unmeßbar weit cnlscrnl sein, daß von ihnen aus die ungeheure Bahn der Erde, deren Durchmesser ja 40 Millionen Meilen beträgt, als ein Punkt ohne jede Ausdehnung erscheint. Die Richtigkeit dieser Anschauung ist in unserem Jahrhundert erwiesen worden, da mit unseren veneinerten Instrumenten kleine jährliche Bahnen einiger Fixsterne gemessen sind, ivoraus sich Entfernungen ergeben, die in die Billionen von Meilen gehen. Während so die Vorstellungen von der Ausdehnung des Raumes sich allmälig erweiterten, wurde auch unser Sonnenjystcm genauer durchforscht. Das llllO erfundene Fernrohr zeigte sofort, daß im Gefolge der Herrscherin Sonne sich weil mehr Körper befinden, als sich dem unbewaffneten Auge verrathen hatten; es wurden zunächst vier Monde entdeckt, die sick um den Planeten Jupiter be>vegen, der so ein kleines Abbild des Sonnenshstems dar- stellt. Indem man dann die Abstände der einzelnen Planeten von der Sonne miteinander verglich, schloß man auf das Vorhandensein eines noch unbekannten Planeten. Der Reihe nach sind ja die Eni- fernungen vom Merkur bis zum Saturn beinahe 3, 14. 20, 3l, 104, Ivl Millionen Meilen. Wenn man nun der Reihe nach die Zahlen: 0,6, 12,24,43 u.s.f. immer die doppelten bildet und jedesmal 8 hinzufügt, so erhält man der Reihe nach: 8. 14, 20, 32, 56, 104, 200. Vergleicht man diese Reihe mit den obigen Entsennmgen der Planeten, so zeigt sick eine auffallende Ilcbercinstimmung; nur für die 56 fehlt bei den Planeten die entsprechende Zahl, und die dem Saturn entsprechende, 191, zeigt eine Abweichung um 9 von 200, also eine Abweichung von 4>/s pCl. Schon der berühmte Kepler, der zuerst die ivahren Gesetze der Planetenbcivcgungen erkannt hatte, stellte zufolge dieser Beziehung die Behauptung auf. daß auch der Entfernung 56 Millionen Meilen von der Sonne ein Planet entsprechen müßte, und sagt daher, daß er zwischen MarS und Jupiter noch einen Planeten annehme. Die verbesiertcn und vergrößerten Fernrohre führten nun zu Ende des vorigen Jahrhunderts auf die Entdeckung eines neuen Planeten, der aber nicht zwischen Mars und Jupiter steht, sondern noch über den Saturn hinausreicht. Die nächste Zahl der obigen Reihe würde 2x192-4-8— 392 sein, und wirklich beträgt die Ent- fernung des Uranus, der 1781 mit dem Hcrschcl'schcn Riesentclcskop aufgefünden wurde, 384 Millionen Meilen, so daß die Abtveichung nur 8 auf beinahe 400, also nur 2 pCt. beträgt. Um so fester setzte sich die Ueberzeugung fest. daß auch zwischen Jupiter und Mars in der Entfernung von 56 Millionen Meilen von der Sonne ein Planet umlaufe, der endlich gcfnnden werden müsse. Unser Jahrhundert hat uns nun nickst einen, sondern mehrere hundert neuer Planeten gebracht. Es begann schon vielverhcißend. Gleich am 1. Januar 1801 wurde auf der Sternwarte in Palermo von dem Direktor Piazzi ein kleiner Planet entdeckt, der den Namen Ceres erhielt; seine Berechnung ergab eine mittlere Entfernung von 55 Millionen Meilen von der Sonne, also eine sehr gute Ueberein- stimmung mit der in der obigen Reihe fehlenden Zahl. Aber nun wurde des Guten zu viel; der praktische Arzt Dr. Qlbers in Bremen, der sich viel mit Astronomie beschäftigte, fand im März des Jahres W02 einen weiteren kleinen Planeten, die Pallas, der sich ebenfalls in einer mittleren Entfernung von 55 Millionen Meilen um die Sonne bewegte, und zwei Jahre später wurde durch Halbing in Lilicnthal bei Bremen ein dritter kleiner Planet, die Juno, auf- gefunden, dessen mittlerer Abstand von der Sonne 53 Millionen Meilen beträgt. Nach ferneren drei Jahren glückte JDlbciä abermals die Entdeckung eines Planetoiden, wie man diese kleinen Planeten nannte; derselbe wurde Vesta getauft. Dieser aber schloß sich gar nicht der obigen Zahl 56 an; sein mittlerer Abstand von der Sonne beträgt 46 Millionen Meilen, weicht also fast um 20 pCt. von jener Zahl ab. So hatte man denn zwischen Jupiter und Mars Planeten gc- funden, aber nicht einen, sondern vier, und besonders der letzte bc- stätigte die früher aufgestellte Zahlenreihe über die Entfernungen der Planeten durchaus nicht. Da jedoch die ersten drei ungefähr stimmten, so wollte man die Reihe nickst ohne weiteres aufgeben, und suchte nach abenteuerlichen Erklärungen für die Anzahl der gc- fundenen Sterne; z. B. wollte man behaupten, daß sie im Grunde nur einen Planeten darstellten, der durch irgend eine Katastrophe, etwa durch einen Zusammenstoß mit einem Kometen, in mehrere Thcile zerrrümmert sei. Endgiltig beseitigt wurde obige Reihe durch die Entdeckung des nächsten großen Planeten, des Neptun, eine Entdeckung, die gewisser- maßen eine Astronomie des Unsichtbaren einleitete und für alle Zeiten eine der wunderbarsten Errungenschaften des menschlichen Geistes darstellt. Aus kleinen Abiveichungen, die der Uranus von seiner berechneten Bahn zeigte, wurde auf einen noch jenseits seiner Bahn stehenden Planeten als Ursache dieser Abweichungen geschlossen und dieser P.mict 1846 von Lcverrer errechnet, ehe er gesehen war. Das Fernrohr sand ihn dann au dem bezeichneten Orte. Der Absland des Neptuns von der Sonne beträgt 602 Millionen Meilen, während das folgende Glied der Zahlenreihe 2 X 384 4- 3— 776 sein würde. Sckon ein Jahr vor der Berechnung und Entdeckung des Neptun, des äußersten unS bis jetzt bekannten Planeten, hatte man be- gönnen, den Raum zwischen Jupiter und Mars planmäßiger, als früher abzusuchen, und man entdeckte auch außer den schon bekannten vier Planetoiden eine Reihe weiterer kleiner Weltlörpcr von derselben Art, sämmttichc winzig klein im Vergleich mit den anderen Planeten, sämnttlich zwischen Mars und Jupiter, wenn auch in verschieden Lestrecklen Bahnen, die Sonne umkreisend. Einen ganz besonderen Aufschwung nahm die Entdeckung dieser kleinen Gestirne, als seit Ansang der siebziger Jahre die Photographie in die Erforschung des Himmels eingeführt wurde. Tic photographische Platte ist allerdings nicht so empfindlich, wie unser Auge; in ztvei Sekunden z. B. erkennt man im Fernrohr deutlich weit mehr Sterne, als auf der Platte in diesen ztvei Stunden erscheinen. Beobachtet man aber zwei Stunden statt zwei Sekunden, so ist daS Auge nicht tüchtiger ge- worden, Sterne, deren Lichtstärke zu schwach ist, um im Äuge in zwei Sekunden einen Eindruck hervorzurufen, können auch nach zwei Stunden nicht erblickt werden. Das ist bei der photographiichcn Platte anders; hier addiren sich die beständig auffallenden Licht- mengen in ihrer Wirkung, so daß in zwei Stunden viele Sterne ein Bild hervorrufen, die für das Auge immer unsichtbar bleiben. Allerdings muß die Platte der Bctvcgung der Sterne, die sich ja mit dem gesammlen Himmelsgewölbe in 24 Stunden einmal um die Wcltaxe drehen, genau folgen, damit das Licht auf denselben Punkt der Platte fällt. Hat die Himmelspholographie so die gesamntte Sternkunde be- trächllich erweitert, so ist sie ganz besonders auck der Entdeckung der kleinen Planeten günstig gewesen. Da diese sich am Himmel als Wandelsterne zwischen den übrigen betvegen, so erscheinen sie auf einer Platte, die mehrere Stunden lang nach dem Himmel gerichtet war. nickt als Punkt, sondern zeichnen ihre Bahnen als Linien zwischen den Sternen ein. Früher brauchte man mehrere hinter einander fortgesetzte Beobachtungen, um die Plaiiclennatur eines solchen kleinen Sternes zu erkennen; jetzt verräth er diese selbst auf der Platte, die ihn nur wenige Stunden verfolgt, und giebt seine Bahn mit der größten Genauigkeit selbst an. Daher ver- geht jetzt kein Jahr, ohne daß neue Körper in dieser Planetoiden- gruppe entdeckt werden. 1890 war ihre Zahl schon auf 302 an- gewachsen, und gegenwärtig ist die 450 bereits überschritte», ohne daß wir etwa am Ende angelangt wären. Die Urania in Berlin ist an diesen Enldeckungcn mit zwei Nummern vertreten. Am 8. Oktober 1896 entdeckte Herr Witt, der Astronom der Urania, einen kleinen Planeten, den er nach seiner Vaterstadt Bcrolina nannte, und am 13. August 1898 glückte ihm abermals die Entdeckung eines solchen Wcltkorpers. Dieser letztere aber ist ganz besonders bemerkenswerth und interessant. Die anpern 452 Planetoiden laufen sämnttlich in dem ringförmigen Räume, der sich zwischen den Bahnen von Mars und Jupiter hinzieht; dieser dagegen verläßt diesen Ring und kommt der Erde beträchtlich näher, als der Mars. Wöhrend der Mars sich uns nur bis auf 8 Millionen Meilen nähert, kommt uns dieser neue Planet sogar bis auf drei Millionen Meilen nahe; bei seiner Entfernung schneidet er dann die Marsbahn, und geht noch 7h's Millionen Meilen über sie hinaus. Somit stellt seine Bahn eine langgestreckte Ellipse dar, die eine überraschende Aehnlichkcit mit den Bahnen mancher Kometen hat, die ja auch die Bahnen mehrerer Planeten durchschneiden. Der neue Körper bildet somit gewisser- maßen ein Mittelglied zwischen Planeten und Kometen, und vielleicht ist er nur der erste in einer ganzen Reihe von Geschwistern, die sich der forschenden Platte noch offenbaren werden. Wegen dieser merkwürdigen Bahn sowohl, als auch wegen der grohen Erdnähe, die er erreicht, und die ihn zu einein sehr geeignelen Ausgangspunkt für gewisse auf die Sonnenfeme bezüglichen Messungen macht, ist seine Entdeckung nicht mit denen der übrigen kleinen Planeten auf eine Stufe zu stellen, sondern bildet einen besonderen Abschnitt in der Entwickclung der Astronomie.— Dr. B. B. TUei«es Feuilletnn gk. Von den niohamlncdairischcn Briidergemeinden in Marokko erzählt Edouard Cat in der letzten„Revue des Deux Mondes": Marokko ist das Land, in dem die mohammedanische Religion ihre fanatischsten Anhänger findet. Das beweist am besten die Rolle, die diese religiösen Brüdergemeinden hier spielen. Es giebt jetzt deren 90. von denen einige bis auf das 12. Jahrhundert zurückgehen. Sie stehen unter der Leitung von cbeik� und sind in Ordenshäusern vereinigt. Manche Orden nehmen auch Frauen auf, die dann ihre eigene Verwalwng haben. Ihr Zweck ist die Zurück- führung des Glaubens auf die reine Lehre des Koran. Religiöse Vorschriften sind Beten, Fasten, Alinoscngcben und Pilgerfahrten. Auch müssen sich die Brüder gegenseitig wie Familienmitglieder unterstützen. Vor allem suchen die cbeiks aus ihren Orden gefügige Werkzeuge ährer Herrschaft zu machen. Der Katechismus verlangt unbedingten Gehorsam:.Du sollst sein in den Händen des cbeiks wie der Leichnam unter den Händen dessen, der die Tobten wäscht!" Um diese Vemeinung des eigenen Willens und der eigenen Gedanken möglich zu machen, bestimmen die Ordens- regeln obligatorische Ucbungcn, vor allem den äilrr, ein Gebet, das in seiner verschiedenen Gestaltung den besonderen Charakter des Ordens anzeigt. Es besteht in der Rezitation von Versen des Koran und von längeren Gebeten, sodann in der Wiederholung einer kurzen Formel, wie z. B.:.La illaha illa Allah. Mohammed rassoul Allah". Die Quadrha müssen eine, solche Formel bei jedem der fünf Tagesgebetc 165 mal wiederholen, die Aissooua 600 mal in der Morgendänimerung, 3000 mal am Morgen, Mittag und Abend, 4000 mal in der Dämmerung. In vielen Orden genügt es. die Formel einmal zu viel oder zu wenig zu sprechen, um ihre Wirksamkeit aufzuheben. Dazu wird oft noch die Stellung vorgeschrieben, die der Betende einnehmen mutz, die Betvegungen, mit denen er das Gebet begleiten, der Ton- fall, in dem er es sprechen soll. Weiter werden Musik, Weihrauch und Parfüms zur Umnebelung des Geistes angeivandl. So nimmt das Gebet beinahe den Charakter der religiösen Tänze der Wilden an. Die Aissaoua sagen ihre Gebete in schnellem Rhythmus, den die Musik der Trommeln und Tambourins angiebt. Zugleich berühren sie einander und bewegen sich takt- massig hin und her. Die Musik wird schneller und schneffer— die Betenden können schliesslich nur noch heulen. Die Ordensstiftcr wissen es sehr gut, ein wie geeigneter Boden für Halluzinationen und religiöse Delirien durch derartige Gebete geschaffen wird, sie nennen sie den„Degen, mit dem die Brüder ihre Feinde schlagen und sich gegen alles Ungemach schützen, das ihnen droht". Diese Orden siiid vor allem der Herd des Fanatismus und des Hasses gegen die Christen. Sie rufen zum heiligen Krieg gegen die Ungläubigen, wie es die reine Lehre des Koran befiehlt. Eine ernstere Gefahr für die Christen wurde bisher indessen durch die Feindschaft verhütet, die zwischen den ver- schiedenen Orden bestand. Seit einer Reihe von Jahren macht sich in der muselmännischen Welt eine Tendenz zur Einigung, zu einer Art von PanislamitiSmus geltend. So ist besonders eiii Orden, die Senoussya, gefährlich, weil er eine Vereinigung sämmtlicher Orden anstrebt. Keine weltliche Autorität ausser der des Mahdi ist nach ihrer Lehre gesetzlich: mit Waffcugewalt müssen soivohl der Sultan der Türkei als auch die ungläubigen Mächte bekriegt werden, und falls dies unmöglich ist, soll man sich aus den Ländern, wo Christen herrschen, entfernen.— Theater. Im Schauspielhause wurde am Sonnabend„Jörg Trn genhoffen", ein deutsches Schauspiel von Rudolf S t r a tz, zum ersten Male gegeben. Es ist eine Mode geworden, die Bezeichnung deutsch dem Märchen, dem Schwank, dein Schauspiel vorzusetzen! und eine höchst überflüssige Mode dazu. Ein Franzose fände es abgeschmackt, besonders zu betonen, sein Werk sei französisch. Denn das ist für ihn selbstverständlich. Bei uns in- dessen scheint es auf eine gewisse Dcutschthümelei hinauszulaufen. Rudolf Stratz hat sich im„Jörg Trugenhoffen" ans ein Gebiet gewagt, auf dem sein schmächtiges Gestaltungsvernrögen scheitern musste. Es ist erstaunlich, wie man in die gewaltig gährende Zeit der deutschen Bauernkriege untertauchen, und wie wenig Phantasie und Schaffen davon angeregt werden kann. Oder es ist erstaunlich, wie man das Erschaute selber unterdrücken kann, wenn man für ein preuhisches Hofthcater dichtet. In der Zeit der Bauernkriege in und um Heidelberg spielt nämlich das Drama. Aber von der Volks- empörung selber ist jm Stücke nur wenig die Rede. Ein armer» ewig winselnder Bauerntölpel, der im Kopf nicht richtig ist, sonst ein beliebter Romantvpus. symbolisirt eigentlich den armen Konrad. Es kommt auch sonst fast alles im Drama auf einen Roman heraus, auf einen Roman des Ebers, wenn man will, aber ohne Eberssschen Gelehrtenfleiss. Was m dem romantischen Ritterschauspiel an ideellem Inhalt steckt, das ist mir nicht recht klar geworden; dem gesammten Publikum ebenfalls nicht. Darum war die Aufnahme im ganzen lau. Viel- leicht sollte bewiesen werden: Wer Pech hat, kann auch als braver Kerl Verräther werden. Vielleicht auch: Nimm nicht übereifrig Liache, sonst geht es mit Dir schlimm aus. Jedenfalls stehen die Personen im Stücke nicht auf festen Beinen; so kann man sich von ihnen denken, was man gerade will. Dem Jörg ist ein Mädchen zugeflogen, ein blondes Käthchen, das von ihrem„hohen Herrn", dem Rittersmann, nicht mehr lassen kann. Dies Mädchen ist zugleich Jörg Trugenhoffcn's Rachecngel. Denn Jörg ist als Bundesbruder des Sickingen und Empörer wider die Fürstcngewalt vom Pfalzgrafen bei Rheine geächtet worden, man hatte seinen Burgsitz verwüstet und sein Weib getödtet. Ein Wütherich hat das Zcrstörungswerk vollendet, des Pfalzgrafen Marschall, der alte Landschad von Habern. Dieser Grau- bart nun ist in des Jörg's Käthchen verschossen, und das arme Kind wäre auch sein Weib geworden, wenn nicht der mannliche Jörg den Weg der sck>ön>ui Engele Western gekreuzt hätte. Tief verwundet sieht der Alte, wie Jörg ihm sein Theuerstes geraubt hat; und Engele hat keinen anderen Willen, als den ihres Ritters. Jörg hat Rackie genommen, zugleich aber, da er als Geächteter in der Psalz des Grafen erschienen war, sein Leben verwirkt. Noch wird er nnt Engele getraut, am nächsten Morgen soll er geköpft werden. Richtig kommt der Henker mit dem Beil, Engele fleht kniefällig vor dem Pfalzgrafen, Jörg bleibt todes- muthig. Da tritt von aussen die entscheidende Wendung ein. Zu- fällig war um dieselbige Zeit der grosse Bauernaufstand aus- gebrochen. Die Bauern hatten den Helfenstein und die Ritterschaft bei Wcinsberg erschlagen, und gegen Heidelberg ging's unter Führung des Pfaffen Eisenhut. Ein Zufall wollte es ferner, dah dieser Bauernführer der beste Jugendfreund des Ritters Jörg war. Also wurde Jörg voni Tode losgesprochen und als Abgesandter des Pfalzgrafen» zu Eisenhut ins Lager gesandt. Das war aber nur eine tückische Falle vom Pfalzgrafen. Während Jörg unterhandelte, und die Vauern im guten Glauben hiichielt, sammelten sich die überraschten Ritter und schlugen das Baucruhecr. Als Judas musste Jörg seinem Freunde vorkommen; und Jörg wollte es nicht überleben, dass er so übertölpelt worden, nahm sein Käthchen, und beide zogen nach einer Burgruine, wo sie im sehnenden Jammer umkamen. Den Jörg und sein Käthchen spielten Matkowsky und Fräulein L i n d n c r. Er wetterte und donnerte, dass das Haus zitterte, und doch wurde niemand warm davon; und sie that naiv und weinte inniglich. Aber es blieb bei gemachter Naivetät.— Das Berliner Theater hat, da andere Bühnen es mit dem Lobpreisen ehrsamer Häuslichkeit sehr eifrig haben, zu seinem Glück einmal über die Stränge geschlagen. Die jetzige Novität des Berliner Theaters ist französischen Ursprungs und hcisst„Zaza"(von Verton und S i ni o ii). Wie schon der Name Zaza andeutet, han- delt es sich uni ein Persönchcn ausserhalb der„guten, das Zheiht soliden Gesellschaft". Aus den Stimmungsreizen will das Stück, dessen Verfasser der neufranzösischen Schule angehören, sein Bestes holen. Eiiiigcrniassen erinnert es an die„Liebelei" des Wieners Arthur Schnitzlcr. Ein bischen überschäumende Lebenslust, ein bischen Traurigkeit und Schwcrinuth fliesscn und wogen durch- einander. Dazu schließen die Autoren ein Kompromitz mit den Lieblingsgcwohnhciten des alten Dramas, und durch diese Politik zu beiden Händen gewinnen sie das Publikum, das etwas Handgreifliches haben, derb auflachen oder gehörig flennen will, io wie die feiner empfänglichen Hörer, die in den verschlungenen Irrungen und Wirrungen eines Lebensschicksals nicht die handfeste Posse und nicht das rührselige Trauerspiel allein erkennen, sondern bald lächeln, bald sich leiser Melancholie ergeben. Jedenfalls ist „Zaza" eine der besseren neufranzöfischen Komödien, frei von der elenden Monotonie der französischen Schwänke, und wenn man voni Scherz die Uebertteibung. vom Ernst eine Ueberfracht in sentnnentalischer Theatralik abzieht, bleiben einige wirkliche Lebens- bilder übrig. Ihr erstes führt hinter die Koulissen eines Varistö- Theaters, dessen„Diva" eben die pikante Zaza ist. Ein Konnker hat sie aufgerichtet und ihr Lebcnshalt geboten. Bei ihrer völlig ver- kommenen Mutter, einer Säuferin, wäre sie ebenfalls nieder- gebrochen. Zaza ist in ihrer Art gut und dankbar; aber nach ihrer verfehlten Jugenderziehung auch leichtfertig, jedem Impuls unterworfen und so erliegt sie einem Herrn DufreSne, an dessen scheinbarer Kälte sie sich entflammte. Aber DufreSne hat mit ihr. die felsenfest auf ihn vertraute, einen ungleichen Liebeshandel getrieben. Er ist längst vermählt und Vater eines Kindes. Er- schrocken dringt Zaza unter fremdem Namen inS Hans der Frau DufreSne ein, sieht, wie hier der Hausfrieden und eine„echte" Dame ivaltet und zu Tode betrübt geht sie von bannen. Eine rauhe Aus- cinandersetzmig folgt. Aber am Ende sterben die Zaza's nicht an ihrer Liebe und die Dlifresne's verfallen nicht in Selbstquälerei wegen eines Betruges. Das Stück ist, rein theatralisch, mit grosser Routine gearbeitet, also für die Schauspieler durchaus dankbar. Eine Glanzrolle ist vor allen Dingen Zaza, die von der sehr geschickten Frau P r a s ch- Grevenberg wirksam gegeben wurde. Betonte sie leicht?*, • weniger absichtlich, als unterstriche sie die Pointen, sie käme dem Geist des plaudernden Schauspiels noch näher.— K»nst. kg. Nachahn, ung in der K u n st. Die große Bedeutung, welche die Nachahmung im sozialen Leben hat, haben Taine und neuerdings Tardc nachgewiesen. Dafür, daß sie auch in der Kunst eine sehr große Rolle spielt, führt Felix Regnaud in der„Hsvuc! scientifique' eine Reihe von interessanten Beispielen an. Es handelt sich um die Thatsache, daß einmal gefundene oder ent- worfene Bilder in der Folge einfach kopirt werden. Nachdem der Wilde einmal die ersten Ornamente für seine Waffen, seine Kleider, für die Tätowirung seines Körpers entworfen hatte, beschränkte er sich darauf, sie in einer bestimmten Ordnung zu wieder- holen. Ebenso wiederholte er Pflanzen, Thiers und Menschen, nach- dem er sie zum ersten Male gezeichnet hatte. Die Elfcnbeinplattcn der Loango-Negcr zeigen immer dieselben Männer und Frauen in derselben Stellung. Auf dieselbe Weise entstanden die Thierfriese der amerikanischen Töpfe und der altgriechischen Basen. Ebenso finden sich an egyptischen, assyrischen und persischen Kunst- gegenständen ganze Reihen von Personen, von denen die eine die Kopie der anderen ist. Sie haben alle dieselben kaltblütigen Gesichter, gleichviel in welch' tragischer Situation sie dar- gestellt sind. Dabei ist nicht etiva eine Beeinflussung eines Volkes durch ein anderes anzunehmen; auch bei einem so isolirten Volke wie den Chinesen finden wir geradlinig angeordnete Reihen von Pferden. Der gleiche Nachahmungstrieb offenbart sich auch, wenn ein primitiver Mnstlcr einen Wald oder ein Wasser zeichnet. Die Bäume des Waldes sind alle gleich hoch und gleich weit von einander entfernt. Die Wellen des Wassers gleichen einander genau, die Fische sind alle von derselben Art und an der Oberfläche aufgereiht. Aber auch in der entwickelten Kunst zeigen sich solche Wiederholungen. In Cimabue's berühmtem Bilde der „Jungfrau mit den Engeln" haben Jungfrau, Kind und Engel dasselbe mürrische Gesicht, die sechs Engel sind geradezu mit einander identisch; ja selbst von Lionardo's und Raffael's Bildern lassen sich Beispiele weitgehender Achnlichkeitcn in den Figuren aufzählen. Noch viel stärker als in den einzelnen Werken tritt die Nachahmung natürlich in der Kunstgeschichte im allgemeinen auf. Nicht nur die Kunst der Wilden, auch die ganze antike Kunst beruht auf einer beschränkten Anzahl von Typen. Die Statuetten der Wilden haben gewöhnlich die Anne an den Körper angelegt, steif herabhängend oder unter der Brust gekreuzt. In Mexiko, bei den Egyptern, in der griechischen archaischen Kunst fand sich dieselbe Stellung. Die spätere griechische Kunst, besonders die Terracottcn von Tanagra und Mvrina, zeigt schon mannigfaltigere Typen, aber noch in der Medicäischcn und Kapitolinischen Venus findet sich ein Anklang an die archaische Stellung. Endlich ist hier nur daran zu erinnern, wie in der Tra- dition der Schulen die Werke des Meisters ohne Ende kopirt wurden, wie in der Architektur einmal festgestellte Typen zu unzähligen Malen wiederholt wurden, wie— auch die Meister ihre eigenen Werke kopiren.— Meteorologisches.� t. Mie die„Meteorologische Zeitschrift" in ihrem neuesten Hefte mittheilt, ist die Errichtung einer Wetterwarte auf der Zug- spitze, dem höchsten Gipfel des Deutschen Reiches, gesichert. Die bayerische Regierung hat in dem Etat des nächsten Jahres einen Zuschuß von 12 ovo M. für den Bau dieser Warte erster Ordnung ausgeworfen, ferner WKX) M. für die erste Einrichtung und noch 6000 M. jährlich für den Betrieb. Dadurch ist auch die Anstellung eines wissenschaftlichen Beobachters möglich geworden, was für den Werth der Beobachtungsergebnisse von größtem Vortheil sein wird. Die übrigen Kosten find von dem Dcütsch-Oestcrreichischen Alpen- verein auf der letzten Jahresversammlung bewilligt worden. Der Gipfel der Zugspitze ist bekanntlich 2965 Meter hoch, und rcgel- mäßige Beobachtungen in solcher Höhe werden für die Witterungs- künde höchst werthvoll sein.— Technisches. — Neue? verfahren zur Herstellung feuer- sicherer Häuser aus Beton und Eisen. Seit der Zement infolge seiner maffenhaften und billigen Erzeugung im Baulvesen ausgedehnte und allgemeine Verwendung gefunden und Monier gezeigt hat, daß Beton in Verbindung mit eingelegten Eisen- stäben eine große Tragfähigkeit erhält. werden neuerer Zeit Gewölbe und Wände mit Vorliebe nach diesem System hergestellt. Freilich war das bisherige Verfahren des Einlegens von einzelnen Stäben in den Beton noch unvollkommen und schwierig auszu- führen, und es befaßten sich deshalb nur wenige Spezialisten mit dieser Arbeit Nun ist es aber dem Amerikaner I. F. Golding gelungen, eine Maschine zu konstruircn, welche aus Stahlblech ein vollständig zusammenhängendes Netzwerk in beliebigen Dimensionen und Maschenweiten erzeugt, das von jedem Maurer ohne weiteres verwendet werden kann, indem es einfach in den Beton eingebettet wird. In Amerika und England und in neuerer Zeit auch in Belgien und Frankreich werden bereits die Decken und inneren Wände ggkeit derarfig hergestellter Decken und die Festigkeit solcher Wände � �" Verantwortlicher Redakteur: Hugo Poei'sch in Berl ist gegenüber dem gewöhnlichen Monier-Shstem etwa doppelt so groß, während die Herstellungskosten wesentlich geringer sind. Die 'Vortheile dieses neuen Systems sind sehr bedeutende. Die Decken werden nur halb so dick als gewölbte und naturgemäß viel leichter, so daß die Tragbalken schwächer sein beziehungsweise weiter aus- einander liegen können. Die Wände sind nur 10 Centimeter stark und inwendig hohl, so daß sie nahezu schalldicht sind und gegen Hitze und Kälte den besten Schutz gewähren, besonders aber viel Platz ersparen. Das neue Netzwerk wird außerdem in Amerika und England in ausgedehntem Maße zu Gartenzäunen und allen mög- lichen Bedarfsartikeln, die bisher aus Drahtgeflecht hergestellt worden sind, verwendet.— Humoristisches. — Verschiedene Wirkung. Brown:„So hat denn Meeks sich um eine Scheidung beworben, obwohl er die Wittwe erst vor einer Woche heirathctc,— so, so?— was hat ihn denn eigent- lich in diese Hcirath hineingetrieben?"— Jones:„Ich glaube, ihre glänzende Fertigkeit in der Konversation."— Brown:„So? — Und was bewegt' ihn denn, sich nun von ihr wieder scheiden zu lassen?"— Jones:„Wohl dasselbe."— — Der Rächer seiner Ehre. Wachtmeister(der einen Unteroffizier erwischt, wie er seine Frau kllßtj:„Jessas, Jessas, Unteroffizier, lvas soll ich denn jetzt mit Jhna thun?— Jetzt zahlen S' gleich 10 Maß Bier!"— — Aus einem Kolportage-Roman....„Als der Graf ihm die Banknoten in die Hand drückte, rief er:(Weitere Exemplare zur Vcrtheilung an Bekannte sind gratis zu haben!)— Vermischtes vom Tage. —„Herren, die in Bankgeschäften gut eingeführt sind, werden zur Uebernahme einer Vertretung für Einbruchsdiebstahl zu hohen Bezügen sofort gesucht. Gefl. Meldungen ec." Also stand in Nr. 483 der„Magd. Z." zu lesen. Natürlich sollte es etwas anders lauten:„Versicherung gegen Einbnichsdiebstahl".— — In Ilversgehofen wurde unlängst in einer Gemeinde- Vertreter- Sitzung einer Vorladung Erwähnung gethan, die von der Ortsbehörde an ein neunjähriges Kind gerichtet war. Das Mädchen, das immer bei ihren Eltern gewohnt hat, sollte behufs Angabe ihrer persönlichen Steuerverhält nisse auf dem Melde-Amt erscheinen und ein von der Polizeibehörde des früheren Aufenthaltsortes ausgestelltes Abzugsattcst, die letzte Steuerquittung und die Militärpapiere mitbringen.— — Zu den wissenschaftlichen Vorlesungen für V o l k S s ch u I l e h r e r. die Professoren der Universität Jena im Winter veranstalten, haben sich 250 Theilnehmcr gemeldet.— — Fünfzehn Schoppen