Ur. 202. Abonnements-Krdingungen: ÄbonnementZ- Preis pränumerando: Vierteljahre 3,30 Mr., Mona«, 1,10 Ml,, wöchentlich 28 Pfg, frei ins Hau», Einzelne Nummer 3 Pfg. Sonntags, Nummer mit illustrierter Sonntags- Beilag«„Die Neue Welt" 10 Pfg, Post- Abonnement: 3.30 Mark pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung»- Preisliste für ISSS unter Hr. 7020. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Mark, für da» übrig« Auiland 3 Mark pro Monat. «rscheinl täglich allster Zvonkag«. � cKj Devliner Volksblatt. 16. Jahrg. Die Inftrttons- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel« zetle oder deren Raum 40 Pfg,, für poltttsche und gewerkschaftliche Verein»- und Versammlung»-Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Anfeigen" jede» Wort 5 Pfg. (nur da» erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bi» 4 Uhr nachmittag» in derExpedttton abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bi» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bi» L Uhr vormittag» geöffnet. Fernsprecher: Amt l, Air. 1508, Telegramm-Adresse: „Sorialdemostrak Berlin»' Centvatorgan der soeialdemokratisthen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beutlz-Strahe 2. Mittwoch, den 66. August 1866. Expedition: SW. 19, Brnth-Steasze 3. „Terrorismns" und Jutereffenverbände der besitze,»den Klassen. H. , Dr. Nothnagel beginnt seine Betrachtungen über den „psychischen Zwang", den Interessengruppen nicht nur that sachlich ausüben, sondern zur Förderung des„Gemeinwohles' ausüben sollen, mit den Kreditorenvereinen, wie sie in den Großstädten Oestreichs und Deutschlands, aber auch in der Schweiz, in Dänemark und anderwärts bestehen. Geschäftsleute, welche durch unsolide Abnehmer ihrer Waren oder doch sonstige schlechte Schuldner zu leiden haben, suchen womöglich ohne umständliches gerichtliches Verfahren ihre Außenstände hereinzubringen und bei Konkursen die Interessen ihrer Biitglieder zu wahren. Aber sie gehen weit über die Erzwingung der vertragsmäßig ihnen zustehenden Einzelleistungen des Schuldners hinaus, Sie spielen, um Gefahren von vornherein vorzubeugen, den Eensor gegen die Außenstehenden, und zwar nicht mit freundwilligen Erniahnungen allein: Ihr Bestreben geht darauf hin, schließlich unredliche und leichtsinnige Schuldner unschädlich zu niachen und aus dem Kreise der Kreditwürdigen auszuschließen.... Das Hauptbestreben dieser Vereinigungen liegt darin, durch den Druck der Organisation den Schuldner zu bewegen, lieber eine Schuld zu bezahlen oder auszugleichen, als sich de» moralischen und wirtschaftlichen Schädigungen auszusetzen, welche ein Konflikt mit der mächtigen Organisation unabweislich nach sich zieht, Der Schuldner wird dem Krcditorenkrcise als kredit- unwürdig bekannt gegeben und dadurch in weiterer Folge von der Erlangung weiteren Pcrsonnlkreditcs von feiten der organisationsangehörigen Individuen ausgeschlossen. Er wird also.... da jeder Geschäftsmann auf Kredituchnien und Kridit- gcwährung angewiesen ist, der Möglichkeit beraubt, dieser unuin- g ä n g lichen Voraus s ctzung dcsGeschäftsbctriebes Genüge zu thun und dadurch unter Umständen gezwungen, die bisher innegehabte wirtschaftliche P o s i t i o u in seinem E r w e r b s k r e i s e a u f z u g e b e n. In letzter Linie kann also der Konflikt mit d e r O r g a n i s a t i o n eine Schädigung, vielleicht sogar V e r n ich t u n g d er w i r t s ch a f t l ich eu Existenz des Schuldners nach sich ziehen und eben die Berechnung dieser Möglichkeit bestimmt den Schuldner zur Leistung,... Aus dem Wesen des Zwanges, den die Organisation aus- übt, ergeben sich ihre Mittel. Das ist der psychologische Druck, der auf den Willen des Schuldners ausgeübt wird.. indem sie dem sich widersetzenden, leichtsinnigen oder böswilligen Individuum mit Ausschluß aus dem Erwerbskreise, dem bisherigen Ltanäurä ok liks, also mit der Deilas sierung drohen. Soviel bei den Kreditorenvereinen über„psychischen Zwang", den die Verfasser der Zuchthausdenkschrist niit Grauen an Arbeiterassociationcn bemerkt haben! Wenn sie ferner weiteres Material zum Kapitel„Planmäßige Organisation des Ueberwachungs dienstes" brauchen, so können sie es ebenfalls bei den Kreditorenverbänden in Hülle und Fülle vorfinden. Sogar die Pflicht zur Denunziation aller wirklich oder vermeintlich schädlichen Elemente ist hier zuweilen in ein System gebracht.„Die Unterlassung dieser Anzeige wird bei Wiederholung niit Ausschluß aus dem Vereine bestraft." Die Ueberwachung der Außenstehenden vollends schreckt nicht einmal vor dem, natürlich„erzwungenen" Eindringen in das Allerheiligste des Geschäftsmannes, in seine Bücher, zurück,„Durch seine Stellung, welche der Verein als Organisation der Gläubiger inne hat, übt er eine starke Pression auf den Schuldner aus.... Die an den Schuldner erlassenen Weisungen werden fast durchgängig befolgt.... Der Vertreter oder in wichtigen Fällen ein besonderer Delegierter verlangen von dem Geschäftsmanne Ausklärung und sogar Vorlage der Bücher, welche nach den mir ge- wordenen Mitteilungen fast nie verweigert wird. Der Schuldner sieht sich gezwungen, das starke materielle und moralische Uebergewicht der Organisation anzuerkennen." In ähnlicher oder gleicher Weise verfahren die ver- schiedenen Schutzgemeinschaften für Handel und Gewerbe, die Hausbesitzervereinigungen, die Börsen, bestimmte Standes- Vertretungen oder berufliche Organisationen der besitzenden und herrschenden Kreise.„Exekution" und kein Ende, und zwar Exekution bis zur vollständigen Vernichtung und De- klassierung des„Rauhbeines" oder„Scabs", oder wie man das Vergleichslvort wählen will I Wir greifen hier nur noch das Beispiel des sächsisch. thüringischen Schutz- Verbandes heraus, indem besonders der kaufmännische Mittelstand seine geschäftlichen Interessen gegen faule Zahler, gegen unlauteren Wettbewerb und ähnliches zu wahren sucht, und zwar zum Teil unter fürsorglicher Förderung seitens der Regierung— so der königlich sächsischen, welche die behörd- lichen Register über Gewerbebetrieb, Meldewesen, Offen- barungseide und Konkurse den verbandsangehörigen Vereinen zur leichteren Einsichtnahme mit besonderer Zuvorkonimen- heit zur Verfügung stellt, obwohl die Vereine nach Nothnagel mit schwarzen Listen und sonstigen Pressionsmitteln zur Erreichung ihrer Vereinszwecke einen mindestens ebenso scharfen psychischen Zwang gegen unlautere Geschäftsmanipulationen ausüben wie nur je Arbeiter- koalitionen durch ihre Warnungen gegen Streikbrecher. Plauen gehört z. B. zu den sächsischen Städten, aus denen die Jere- miaden der Fabrikanten und Kleinbürger über den verruchten Boykott durch Arbeiter mit am lautesten ertönen. Aber in demselben Plauen verbreitete die Schutzgemeinschaft ein bilder- reiches Flugblatt, in dem die Wunderwirkungen des kauf männischen Boykotts gegen Geschäftsschädlinge in den veo führerischten Farben geschildert werden:„In der Aufforderung, die der Säumige zugestellt erhält, wird angedeutet, daß wenn er keine Anstalt zur Befriedigung des Gläubigers treffen würde, sein Name mit in die Liste der faulen Zahler zu kommen hätte. Vor dieser Liste haben auch die Hartgesottensten und Leichtsinnigsten einen ganz gewaltigen Respekt. Steht sein Name einmal in der schwarzen Liste, so weiß der Bo treffende, daß er bei allen Mitgliedern der Schutzgemeinschaft am Orte und der Umgegend nichts mehr bekommt." Die Schutzgemeinschaftcn, resumirt Dr. Nothnagel, verfolgen also den Zweck, durch das Mahnverfahren und nötigenfalls durch die Drohung der Aufnahme in die schwarze Liste den Schuldner zur Zahlung zu zwingen.„Das ist eine gewisse Aehn lichkeit mit den Mitteilungen der Auskunftsbureaus an ihre Kommittenten. Der Unterschied ist jedoch ein principieller. Die Auskunfteien machen ihre Angaben über wirtschaftliche Lage und Kreditwürdigkeit des Ungefragten nur dem Anfragenden gegenüber unter principieller strengster Diskretion gegen jeden Dritten; diese Associationen jedoch teilen ihre auf Thatsachen gegründeten Anschauungen über die persönliche Kreditwürdigkeit eines Individuums sx offo dem Interessentenkreise mit. Diejenigen Geschäftsleute, welche offensichtlich unlautere Konkurrenz treiben, werden so allmählich aus dem Erwerbskreise aus g e s ch i e d e n." Auch die höchste gesetzlich zulässige Strafe gegen Schleuderer und illoyale Konkurrenten könne, bemerkt der Verfasser, bei weitem nicht die Wirkung üben, welche die Weigerung ferneren geschäftlichen Verkehrs mit dem als schädlich beurteilten Geschäftsmanne von feiten der orgam sierten Mitglieder des Erwerbskreises für dieses Individuum mit sich führe. Die stärksten Pressionsmittel, um den„Lohn für die Untcrnehmcrthätigkeit". den Profit hochzuhalten, leisten sich natürlich die Kartelle, sowohl gegen abfallslüsterne Mit glieder wie gegen preisdrückende, unbeschränkt„Produktions willige" Outsiders: Wenn ein Kartell genösse durch die wirtschaftliche Nebcr- macht des Verbandes gezwungen wird, sich w i d e r st a n d s l o s dessen Interessen und Verfügungen unterzuordnen, bezw. wenn der renitente Kartellgenosse durch jedes Mittel erbitterten wirtschaftlichen Konkurrenzkampfes vom Verbände boykottiert wird, so liegt darin eine psychologische Exekution. Die Kartell- organisation beeinflußt jedoch auch den außerhalb des Ver- bändcs stehenden Produzenten und sucht ihn als Mitglied in die Organisation h i n e i n z u z w i n g e n oder im' Wcigernngs falle durch seine Konkurrenz zu vernichten. Aller- dings ist das Bild nicht ein solches, daß dieser zum Anschlüsse gezwungene Produzent als ein Opfer dasteht; das hebt aber die Thatsache nicht auf, daß er durch den psychologischen Druck der wirtschaftlichen Organisation gezwungen wird. Psychologische Exekution also gegen Mitglieder und gegen Außenstehende— fast ein klassisches Bild wegen der Intensität der Ncaktion, welcher der Widerstand gegen den Verband zur Folge hat.... Es besteht also von feiten des Kartells ein starker Wirtschaft- sicher Druck auf die Gesellschafter, indem die Kautionen, welche zur Vertragssicherung hinterlegt werden müssen, in der Regel einen hohen Betrag erreichen und ihr Verlust eine be- deutende wirtschaftliche Einbuße für den Vertragsbrüchigen be- deutet... Das Mittel, welches die Kartelle anwenden, um die Zwecke der Organisation zu verteidigen, ist der schärfste und un- erbittlichste Kampf gegen das Vertragsbrüchige Mitglied. Das Mitglied steht dann im Konkurrenzkampfe der Organisation gegen- über, in welchen: es um so mehr unterliegt, eine je größere Bedeutung der Organisation im wirtschaftlichen Verkehre zu- kommt... Jedoch nicht genug, daß die Organisation das Vertragsbrüchige Mitglied straft, sucht sie auch die wirtschaftenden Individuen, welche aus irgend einem Grunde den Anschluß an das Kartell verweigern, in dasselbe hineinzuzwingcn. Es ist eine nicht ungewöhnliche Erscheinung, daß dieses'Mittel des rücksichtslosen Konkurrenz- kampfes auch gegen Berufsgenossen, welche dem Kartell für ihren Geschäftszweig nicht gütwillig beitreten wollen, zur Anwendung kommt und daß die betreffenden Betriebe so lange durch systematisches Preisunterbieten bekämpft werden, bis sie sich bedingungslos unterwerfen. Nothnagel ist— wie wir schon erwähnten: trotz einiger reaktionärer Anwandlungen— ehrlich genug, selber oft genug die Gleichartigkeit aller von ihm erwähnten Associations- Zwangsmittel zuzugestehen, mag nun der psychische Zwang, die Exekution, von Interessengruppen des Besitzers oder der Arbeit ausgehen. Aber obwohl hier höchstens„graduelle, nicht principielle Unterschiede" vorliegen, sieht er doch ein, daß sie für die übliche Rechffprechung und Gesetzgebung zu Vorwänden werden, Unternehmer- und Arbeiterkoalitionen ganz verschieden zu behandeln: Es braucht nicht bewiesen zu werden, daß die Klassenjustiz hier(bei den Arbeiter koalitionen) in repressiven Maßregeln ihre größte Wirksamkeit entfaltet.... Daß eine der obengenannten(Unternehmer-) Organisationen, weil sie einen ungerechtfertigten Einfluß auf die Handlungen dritter Personen genommen hätte, thatsächlich aufgelöst worden lväre oder Aknßregeluiigen von feiten des Staates ausgesetzt ge- Wesen wäre, ist mir nicht bekannt geworden. Vielmehr bemerkt man ein wohlwollendes passives Verhalten des Staates... Und in den seltenen Fällen der gerichtlichen Beurteilung zeigt sich das Bestreben, diese Organisationen trotz ihres augenscheinlichen wirkungsvollen Eingreifens in eine fremde Wirtschafts- und Rechtssphäre in der Entwicklung möglichst wenig zu hindern und die wirtschaftlichen Uebergriffe, so lange es geht, zu ignorieren. Und das aus dem Grunde, weil die Organisation ei« Glied der wirtschaftlich starke» Unter- nehmcrklasse ist. Mit dieser kurzen Besprechung des Buches wollen wir nur angedeutet haben, welche Bereicherung ihrer Kenntnisse den Verfassern der Zuchthaus-Denkschrift noch winken, wenn sie nur an der rechten Stelle die verborgenen Schätze suchen wollen. Besonders den Kapiteln„Zwang zum Anschluß" „Zwang zur(Produktions- und Geschäfts-) Einstellung", „Ueberwachung",„Planmäßige Organisation des Ueber- wachungsdienstes" können sie noch eine endlose Verlängerung geben, ohne ferner an Latrinenthüren von Arbeitern herum- suchen zu müssen. Und auch das Nothnagelsche Buch veranlaßt uns, auf den Vorschlag zurückzukommen,— der schon in unserer Partei-Agitationsbroschüre über„die Gewerkschaften und das Koalitionsrecht" gemacht worden ist: der Reichstag möge die Rundfrage und Denkschrift des Reichsamtes des Innern über die Praxis der GeWerk- schaften beantworten mit der Forderung einer Enquete über diePraxis der Unternehmerverbände. Wenn Centrum und Nationalliberale in ihrer Mehrheit nach dem Wiederzusammentritt des Reichstages nicht mehr den Mut zu einer sang- und klanglosen Ablehnung finden sollten, so werden sie hoffentlich noch immer Mannes genug sein, vorerst in das Treiben der Scharfmachcrverbände hinein- zuleuchten. Für wen das Ergebnis einer solchen Enquete, wenn unparteiisch vorgenommen, sprechen würde, darum ist uns.von vornherein in keiner Weise bange. Dolikifchv Mebevtfchk» Berlin, den 29. August. Keine Illusionen! Geben Sie sich keinen Illusionen hin, rief bei der dritten Lesung der Kanalvorlage Fürst Hohenlohe den Konservativen zu. Die Mahnung wurde von zwei Parteien befolgt: Von den Konservativen und den Socialdemokraten. Die Junker- schaft war keinen Augenblick in Unruhe, es möchten sich die liberalen und freisinnigen Illusionen von einer epoche- machenden Krisis und einem fürchterlichen über die Konservativen hereinbrechenden Strafgericht erfüllen. Und die Socialdemo- kratie ihrerseits zweifelte nicht im mindesten daran, daß eine Regierung, die nach urältesten Maxinren diplomatischer Staatsweisheit handelt, alles beim alten und ältesten lassen müsse. Fürst Hohenlohe hat nun den preußischen Landtag mit einer Erklärung geschlossen, von der die Illusionisten der Bourgeoisie wieder entscheidende Wendungen erwarteten. In Wirklichkeit hat der Ministerpräsident genau dasselbe gesagt, was wir ihm vor ein paar Tagen für diese Gelegenheit in scherzhafter Vorahnung reden ließen. Seine Erklärung lautete: „Meine Herren! Am Schlüsse dieser ungewöhnlich langen und arbeitsreichen Session ist es mir Bedürfnis, Ihnen namens. der königlichen Staatsregiernng für die M ü h e und H i n g e b u n g zu danken, mit der' Sie sich der Durchbcratung der Ihnen unterbreiteten gesetzgeberischen Vorlagen unterzogen haben. ES ist dadurch, wie mit besonderer Befriedigung anerkannt wird, die Möglichkeit geschaffen worden, diejenigen Gesetze recht- zeitig zu verabschieden, welche die Einführung des am 1. Januar lÜtX) Gellnng erlangenden neuen Reichsrechts für unser engeres Vater- land zur Voraussetzung hat. Auch auf verschiedenen anderen Gebieten der Staatsverwaltung hat sich Ihre Mitarbeit als fruchtbringend erwiesen. Aufs t i e f st e muß die Regierung S r. M a j e st ä t des Königs andererseits bedauern, daß das große Kanal- unternehmen zur Verbindung von Rhein, Weser und Elbe, welches einem dringenden Verkehrsbedürfnis entsprechen und den Osten und den Westen der Monarchie wirtschaftlich noch inniger vereinigen soll, die Zustimmung des Hauses der Abgeordneten nicht gefunden hat. Sie hält im allgemeinen Interesse der Landeswöhlfahrt au diesem großen Werke unverbrüchlich fest und giebt sich der sicheren Erwartung hin, daß die Ueberzeugung von dessen Not- wendigkeit und Bedeufting im Volke immer mehr Boden fassen und daß es bereits in der nächste» Session gelingen ivird, eine Verständigung darüber niit dem Landtage der Monarchie herbei- zuführen." Diese Erklärung ist sogar noch sanfter als selbst die Jllusionslosen erwarteten. Nichts mehr von Drohungen, Anklagen, Strafankündigungen, von Revision des Ver- hältnisses zwischen den Konservattven und der Regierung des inigs. Es wird in aller Gemütlichkeit angedeutet, daß man in der nächsten Session aufs neue versuchen wolle, die Kanalvorlage durchzusetzen. Na, vielleicht überlegt sich das inzwischen die Regierung noch, sofern sie überhaupt die nächste Session erlebt. Wozu will sie noch einnial die Junker reizen? Man warte, bis die Junker selbst den Mittclland-Kanal ver- langen, dann kann die Regierung allenfalls darauf rechnen, ihren unverbrüchlichen Willen durchzusetzen. Herr Schweinburg übrigens, der als Führer der Mittel- land-„Kanaillen" eben am. wildesten die Konservativen be- drohte, findet in dem Gesäusel Hohenlohes den„Charakter besonnener, fester Ruhe und Entschlossenheit". Wahrhaftig, der Schweinburg spricht von Charakter und E n t- schloff enheit, von-besonnener Festigkeit! W i r vermögen in der Kundgebung von den Schweinburgschen Lobworten nur eines zu erkennen: Ruhe, nichts als Ruhe! Ruhe ist die erste Ministerpflicht.— Nnwidcrruflichchletzte Vorstellung. Dickmal— cmi Ticttstcig— ist der preußische Landtag wirklich und wahrhaftig gefchlvsseu. Das Herrenhaus hat es des gransanicn Spiels genug sein lassen und der Miiudel sicherheit der jlouimnualobligatiouen der prenszischenHypotheken Aktienbanken zugestimnit. Es hätte auch keinen Ziveck gehabt, noch einmal spröde zu thun, denn die Regierung hatte diesmal alle zum Herrenhaus abkommandierten Ntimstcr antreten lassen so daß die paar fehlenden Stimmen auf jeden Fall zusammen gekommen wären. Ter Präsident Jurist zu Wied leitete sehr harmlos die heutige unwiderruflich allerletzte Sitzung, als ob er- voriges Mal nicht schon feierlich die Session geschlossen hätte i auch die Mitglieder des Hauses thaten alle sehr un besangen, und der alte Freiherr v. Solemachcr, dessen Hauptbeschäftigung darin besteht, daß er einen großen Bogen sehp sorgfältig in kleine Onadrate zerreißt und mit diesen dann den roten Teppich des Hauses bedeckt, fuhr auch heute in dieser Thätigkeit fort, ganz als ob nichts geschehen wäre Rur als der Präsident die Sitzung beendete, stand er einen Moment lang unschlüssig da; er wußte nicht: sollte er das Kaiserhoch vom Sonnabend wiederholen? Schließlich verließ er lautlos seinen Platz; er hatte sich überlegt, daß er es zivei Stunden später doch erneuen««niissc. Um 3 Uhr fand endlich die vereinigte Schluß f i tz u n g beider Häuser des Landtag?, statt. Auf ein gegebenes Glockenzeichen betrat das preußische Staatöniinisterinin. streng� nach der Rangordnung und feierlich im Gänsemarsch den Saal. Fürst zu Hohenlohe verlas zunächst mit müder Wurde die Schließnngs-Ordre. Der Herrenhanspräsident, der dieser vereinigten Sitzung Vorstand, glaubte, nun iväre alles äff Ende,«md begann mit rollender Komniandostimmc:„Se. Majestät, der deutsche Kaiser..." Der Reichskanzler hob aber beschwörend sein Aernicheu in die Höhe und schnappte nach Worten; ein Schriftführer stieß den Präsidenten an, der bremste plötzlich und ließ es bei den Worten zunächst sein Bewenden haben; die Landtagsmitglicder aber blieben in mühsam geivahrter Fassung höflich stehen und harrten der Dinge, die ihnen da vom Reichskanzler kommen sollten. Und der Reichskanzler dankte mit vibrierender Stiinme den Herren für das Wohllvollen und den enormen Fleiß, den sie dadurch belviesen, daß sie das Einführnngsgesctz zum Bürge lichen Gesetzbuch ganze vier Monate vor Jnkraftrcten des letzteren verabschiedet hatten. Tann aber wurde seine Stimme niählich düsterer; er begann von dem großen Kanalwcrk und ließ die Wolke des Unmuts ans hohen Regionen in das Hans ziehen. Es gab noch Optiniistci«, die da einander zuraunten: �etzt konlint's! Brachte der Kanzler in seinem Fi'ack Krieg oder frieden? Er sprach:„Die Regierung hält im allgemeinen �nteresse der Landeslvohlfahrt an diesem großen Werke u n V e r b r ü chlich fest.. und daher—: Auf Wiedersehen «n der nächsten Session k Der Kanzler hatte geendet; die Herren im Saale sahen einander diskret lächelnd an. Und Wilhelm, Fürst zu Wied brauchte seiiw Begeisterung nicht länger zurückzndämmen. -ricsnial siel ihm kein Schriftführer in die Arme.— Eö giebt Nichter, cS g t e b t Polizei, eS g t e b t Staatsaiuvälte! Im preußischen Hcrrciihause hielt am 23. März d. I. Graf K li n ck o>v st r ö m eine gcivaltige Kopuzinerpredigt gegen die Socialdemokratic in Ostpreußen und besonders gegen den social- demokratischen NgitationSkalender„Der Landbotc", dessen„«naß- losen Hetzereien" er die Erfolge der Socinldcinokratie Ostpreußens zuschrieb. Nnchdein er einige der„Hetzereien" verlesen, stigtc er: »Da muß man doch fragen, weint derartige Dinge inibcanstandet verbreitet werden dürfen: Gab cö Richter, gab rs Polizei, gab es Staatsanwälte ztt jener Zeit, da dies verbreitet worden ist?" Die Entrüstung dcö edlen Grafen«var mir zn berechtigt. !stoar— gegen den Kalender war durch Instcrbnrgcr Richter eine Beschlagnahme- Verfügung erlassen worden; Gendarmen und Ortsdiencr holten infolgedeflen die einzelnen Exemplare selbst auS den Häusern weg, Ivo sie gar nicht zum Zwecke der Lerbreitung vorhanden waren; der Verleger, Genosse Rnkutt. Ivar schon wegen Beleidigung sämtlicher ostpreußischer Pfarrer vom Jnsterburger Gericht zu 6 Wochen Gefängnis der- urteilt worden; aber die beschädigte Ehre der Junker ruhte»och ungeflickt in den Akten dcS Äviiigöbergcr Landgerichts, obtvohl schon am S. Jaituar Strafantrag gestellt worden ivar. Erst»ach abermals zivei Monaten wurde die erste richterliche Handlung in dieser Klage vorgeitonnucn und am 20. August endlich vor der stericnslrafkammcr verhandelt. Beleidigt sollen sein sämtliche Grofsgrnndbefllzer Deutsch» landS mit Ausnahme der sorialdemokratischen; Strcifamrag gestellt haben die Grafen Klinckowstrvm und Dohna, der Freiherr v. Tettan-Tolkö und ein Echcimbdcrat. Die ganze Kompliziertheit der Sache begreift man erst, wenn man folgendes erwägt: Die Beleidigung der deutschen Großgrundbesitzer wird in dem- selbe» Satze gefunden, in dem die Beleidigung der ostprenßischcn Pfarrer gesunden ivird; wegen Pfarrerbeleidignng ist Genosse Rakntl, der in Königsberg wohnt, mit Hilfe des famosen fliegenden Gerichts- standes schon in Jnsterburg verurteilt«vorden. Die beleidigten Junker hatten aber ihren Strafantrag in Königsberg gestellt, und wegen der- selben Handlung soll man, wie es in unseren Gesetzbücher» steht, nicht zweimal bestraft werden können. Jedoch die That heischt Sühne. Da? Verfahren gegen den Angeklagten wird zwar eingestellt, weil er wegen dieser Sache Ichou einmal bestraft ist. Die Kosten werden der Staatskaste auferlegt. Dagegen wird der Kalender sowie die zu seiner Herstellung ver- wendeten Platten und Formen vernichtet. Schließlich möchte ja wohl der Leser noch erfahren,«vodnrch die Herren beleidigt worden sein sollen. O, sehr einfach! Oder auch nicht einfach! In dem Kalender war gesagt«vorden, den Arbeits- brüdem ans dem Lande redeten ihre Herren und manchmal auch ein Pfarrer vor, die Socialdemokratic«volle die Religion zerstören und den lieben Gott abschaffen; eine solche Rede sei aber Schivindel. Eins ist so richtig wie das andere. Das Gericht sah jedoch in diesen beiden thatsächlichcn und«vahrel« Feststellungen eine ehrenrührige Behauptung, die nach dem Jnsterburger Gericht alle ostpreußischen Pfarrer beleidigt und nach dem Königsberger Gericht' auch alle deutschen Großgrundbesitzer, als welche die„Herren der Arbeits- brüder auf dem Lande" zn gelten haben.— Der ostpreußischc AgitationSkalender„Land böte für 18V9" ist damit gerichtet.— Es lebe der Lnndbote für 1000! UebrigcnS wenn sich die gesamten Großgrundbesitzer durch die Socialdemokratie beleidigt fühlen, so hegen die Socinldemokraten solches Gefühl nicht gegenüber den tausendfältigen Beschimpfungen und Vcrlcilindnngcn, die sie von agrarischer Seite fortwährend er- fahren. Darum unterlassen sie auch daS, an sich interessante, Experiment, einmal«m Namen der beleidigten Socialdcmokraten eine Klage gegen einzelne Jrniker anzustrengen.— Deutsches Meich. Deutsche Nechtszustäudc! so ruft die„Frankfurter Zettung" auS. nachdem sie wieder- gegeben, warum der„Vorwärts" wegen Majestätsbeleidigung verfolgt«vird. Selbst ein so„gntgesiimtcS" Blatt, wie die„Tägliche Rundschau" sieht sich zu folgende» Bemerkungen über uiisere „Assaire" veranlaßt: „In der That dient hier nur die Voraussetzung einer bösen Gesinnung dazu, um einem vollkommen verständlichen und in keiner Weise strafbaren Ausdruck gewaltsam einen Sinn unter zulegen, den ihm bei einiger lleberlegung kein vernünftiger Mensch unterlegen-kann. Eine solche Verdrehung eines einfachen That- bcstmidcs mir ans der Grundlage, daß dem Beschuldigten das i» Rede stehende Verbrechen zuzutrauen ist, zeigt unsere Staats- milvaltschast ans einem bedenklichen Abwege, die ihr Ansehen um so mehr nntergrabeu muß, als von einer Verurteilung doch uu möglich die Rede sein kann." Unsere Beschwerde hat immer noch keine Antwort erfahren, und die konfiszierten Nniiuncm verstauben im Polizeiperließ.— Die Sieger dcS Kanalkricgs, die Jnnker fühlen sich! Sie erlassen sehr energische Erklärungen gegen die behauptete Absicht der Rcaiermig, die Beamten, die gegen den Kanal gestimmt haben zu maßregeln. Die„Konservative Korrespondenz" erklärt in einer parteiamtlichen Notiz, es sei sehr zweckmäßig, daß Beamte in den Parlamenten säßen. „DaS Land und die Negierinig haben ein entschiedenes Interesse daran, daß Beamte«n den Parlamenten thälig sind; denn einerseits ist es«vünschenSwert. daß das Können und Wissen der Beamten den Beratungen zu gute kommt; andererseits ist die Arbeit in den Parlamenten für die höhere Ausbildung erprobter Beamten sehr nützlich und läßt sich mit der K o m ni a n dicrung von Offizieren zum große» Generalstabe vergleichen." „fiomtnandientng"— das ist ein im Gebiet der Drciklasien „Wahl" sehr treffender Vergleich. Diese parlamentarischen Beamten aber müssen Charakter haben: „Das Land und die Negierinig nuisicu wünschen, daß charaktervolle Männer Beamte sind, welche nicht ans Furcht, sondern ans voller Ueberzengung ihre Pflicht thun.'— Nur solche Männer werden in kritischen Zeiten«vcrtvolle Stützen sein mid in der Bevölkerung Autorität haben. Und dieses Ansehen wird dadurch entschieden gefördert, wenn mau in« Lande«veiß, daß Beamte als Abgeordnete in achtniigSvollcr Weise, aber ohne Furcht der Regierung gegenüber ihre pflichtmäßigc Ansicht zur Geltung gebracht haben.— Daher sollte eine ivcitcrblickende Regierung es Beamten nicht verdenken,«venu sie in Fragen, lvie das Knnalprojckt, gegen die Vorlage stinimten und Maßregelungen, wie des Dr. Inner, von dem die Regiennig «veiß, daß seine Änschmmngen ihm verbieten, in scharfer Weise zu reagieren, machen nicht den Eindruck der selbstbclvnßten Kraft. Int Gegenteil! Eine kgl. Regierung, welche mit der konservativen Partei die ivahrcn Interessen der Krone fördern will, ivird diesen Aiischamuigcn ihre Anerkeiinuiig nicht versagen können." Die Junker haben sich also durch ihren Widerstand gegen die Kanalvvrlage um das Ansehen der Regicriliig und der Krone sehr verdient gemacht. Wir werden dasselbe Argument— und zwar mir größerem Recht!— anwenden,«venu wir im Reichstag in der Znchthnnsgcsctz-Frngc die Regierung eine Niederlage erleiden lassen. Die„Krenz-Zeiinng" emfichlt die Auslastung der„Kons. Korr." zur ernstesten Bcachnnig und fügt hinzu: „Wir glauben, über die Stinnnung im Lande gut unterrichtet zu sein; dieselbe steht,«md zivar weit über den Kreis unserer cigcnllichcn Parteigenossen hinaus, sachlich im wesentlichen völlig auf dem oben skizzierte» Standpunkte. Will die königliche StantSregicrnng diesen Weg wählen, «in« ihre seiner Zeit kinidgegebene Absicht, ihr„Verhältnis zu den Konservativen zn ändern", zn verwirklichen, so wird maii nicht bchanplcn können, daß sie einen besonders g l ü ck l i ch e n A n f a n g zu niachcn im Begriff ist. Jedenfalls würde sie auf diese Weise— darüber darf sie sich nicht täuschen— die Anbahnung eines Vertrauens- vollen sachlichen Zilsammcntvirkens niir der konservativen Partei, «vorauf wir, im Interesse des ganzen Stuatswesens, soivohl jetzt, lvie für die Znknnst den größten Wert legen, nicht erleichtern." Die Junker beginnen«um also ihrerseits zn drohen, und wir glauben, daß sie damit aus die Regierung mehr Eindruck machen «Verden, als die Regierung mit ihren Drohmigen bei den Junkern erreicht haben. Wir vermuten, daß die knnnlfcindlichen Beamten nicht gcmaßregclt werden und daß Herrn Jrmers Entlassung eher hren« Urheber, dem übereifrigen Minister der GeisleSfreiheit, das Portefeuille koste» wird, sofern die Junkerschafl eS verlangt.— Die Kationcil-Joiirnalistcn der„Berliner Neuesten Nachrichten" «ver in Diensten Krupps steht, läßt sich ans Revolver nicht mehr ein, sondern geht gleich inS Großartige— beschwöre» die Nationalliberalcn, den Abgeordneten Basiermann abzuschütteln; sie chreiben über die Zucht hauSvorlage: „Jedenfalls ist dringend zu wünschen, daß der von dem Basiermannschcn Standpunkt abweichende Flügel der Fraktion aus dem Land« heraus au seine Pflicht erinnert und zu ent« schlossenem Vorgehen gestärkt wird. Wen» bie und da angedeutet wird, daß Herr Basierninnn«md seine näheren Freunde bei der Wicdernnfnahnie d«r Beratung der Strcikvorlage von selbst das nötige Wasser in ihren Wein gießen iviirdcn. und es deshalb klüger sei, von dem Ziviespalt in der nationallibernlen Fraktion überhaupt nicht zu sprechen, so beruht daS ans einer starken Unter- schätznng dcS S e l b st b e iv u ß t s e i n s und der Willens- k r a f t' d e r fraglichen Herren. Dieselben sind in der That der festen Ilebcrzcuguiig. niit ihrer Bchniidlung der socialen Frage und namentlich mir ihrer Stellungnahme gegenüber den socialrcvolutionären Bestrebungen der nationalliberalcn Partei eine neue und verheißungsvolle Bahn eröffnet zu habe», und sie sind enlschlvsien, die Partei aller Abmachungen ungeachtet in dieselbe hineinzuzivingeii. Nur wen» unividerlcglich klargestellt wird, daß die große Mehrheit des nationalliberalen Bürger- tutns dieser Führung zn folgen nicht gcivillt ist, läßt sich hoffen, daß die bedauerliche Rolle, welch« die natioiiallibercile Vertretung im Reichstage bei der ersten Lesung der Strcikvorlage gespielt hat,«ine gründliche Aendcrung erfährt. In den nationallibcralen Kreisen sollte man sich also bei Zeiten regen. Man wird dadurch nicht nur der eigenen Partei, sondern vor allem der allgemeinen Sache der Staats- erbaltnng einen«vertvollen Dienst erweisen." An dieser türmenden Soldschreibcrci ist mir eines interessant: Was für„Abmachungen" hat denn die narionalliberale Partei hin- sichtlich der Zuchthansvorlage getroffen,«velche„Abmachungen" hat Herr Bastcrmann verletzt?— Eine amtliche Perruföerklännig. Eine Ministerial« e r f ü g n n g„warnt" die Beamten vor folgenden Vereinen: Verband der Militär-, Kriegs- und Friedens- Invaliden, Veteranen und Militäran Wärter D e u t s ch l a n d S, Verband der K a» z l e i b e a m t e n der Monarchie, Verband der Grenz« und Steuerausseher des Königreichs Preußen mit dem Vcrbandsorgan„Reveille" für die drei vorgenannten Vereine svcrantlvortlilhcr Redactenr R.Bredow in Berlin), Verband deutscher Militäranwärter und Invaliden mit einem besonderen Verbandsorgan sverantwort- lichcr Redactenr A. Timm in Berlin) und Verband deutscher t e ch n i s ch e r Z v l l- und S t e n e r b e a m t e n mit dem Ver- bandSorgan„Die Umschau ans dem Gebiete des Zoll- und Steuer- Ivescns"' sverantivortlicher Rcdacteur Steuerrat a.D. Schneider in Rixdorf-Berlin.) Änf dieser schwarzen Liste stehen also anSschlicßlich Vereinigungen von Untcrbcamtcn. die um die Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage kämpfen. Die„Warming" bedeutet, um mit der Zuchthaus- vorläge zu sprechen, einen terroristischen Zwang, einen schweren Eingriff in die persönliche Freiheit, eine Drohung schlimmster Art. eine Verrnfserklärung. Wird die Zuchthansvorlage Gesetz, so werden zweifellos die Urheber dieser Warnung zur Verantwortung gezogen iverden müssen. Aber die Liste ist auch nicht vollständig. Warum werden die Beamten nicht vor dein Bunde der Landwirte und den konservativen Vereinen gewarnt, die doch gegen die Regierung hetzen und den Wünschen der Krone widerstreben. Sind Lnndräte nnd Regierungspräsidenten etwa Beamte, ans deren absolute Regierirngstrene es nicht so genau ankommt, lvie ans die sklavische Fügsamkeit der Unter- bcamten?— Warum geprügelt werden muff. In der„Deutschen Tageszeitung" philosophiert ein Musteragrarier: „Im Frühjahr d. I. verübte ans geringe«» Anlaß und mehr onS Ranflnst ein hiesiger Pferdeknecht an einein Arbeitsgenosien eine gefährliche Körperverletzung. Er wurde«nit drei Monaten Gefängnis bestraft, die vorgestern verbüßt waren. Nun wurde ich gestern abend«mfreiwilliger und ungesehener Zuhörer folgender Erzählimg des Venirteilten: Ich war die drei Monate nicht in St., sondern 11 Wochen auf dem Gute Lt. zu landlvirt- schaftliche» Arbeiten. Dort war es sehr schön; ivir wurden gut verpstegt, nnd gearbeitet Haben>v!r nicht viel, dafür habe ich aber noch 17, öO M.»iiibckoinmen. Hier hätte ich ja viel mehr ar- beiten müssen! Soweit seine Erzählung. Wäre es mm nicht viel erzieherischer nnd abschreckender gewesen, ivenii der rohe Bursche gleich an Gerichtsstelle seine 25 Stockhiebe bekommen hätte und wäre mit diesen beladen zurückgesandt? Mir hat der Mensch in not- wendigster Arbeitszeit' gefehlt,' dagegen läuft sein Depiitailohn mehr oder weniger lveiter, und statt gebessert zurückzukehren, preist er die Strafzeit als eine im Paradiese verlebte nnd regt dadurch zu«veiteren Roheiten an. Für Roheits- und Sittlichkeilsvergchen muß e s P r ü g e l st r a f e g e b e n I" Die„Deutsche TagcSzcitimg'wtzt sich»!itd!escr prächtigen Erzähliiiig zunächst inWiderspnich mit der eignen agrarischenFordcrinrg, datz Straf- gefangene zu laudwirtschaftlicheii Arbeiten hergegeben werden sollen. Der prügelbegeisterte Agrarier»mß aber außerdem über ein un- gewöhnliches Maß von Lcschränklhcit verfügen— vielleicht hat er bei seiner Erziehung zu viol Stockhiebe aus den Kopf bekommen— daß er so ganz harmlos der Welt verrät, daß sich seine Arbeiter als Slrafgcfaugcnc ans anderen Gütern wie im Paradiese vorkommen verglichen mit ihrer„Freiheit" in seinen Ticiistcn. Ein vernichtenderes Urteil über die Zustände in Agrarier« ist niemals gefällt worden als in dieser naiven Sclbstentbkößnng. Man begreift daher ganz gut, daß dieser Mann, zur Verhütung von Roheitsdelikten, dem Staate selbst ein Monopol auf Roheiten ausinnt. Damit dieser Mensch seine Arbeiter ohne Störnng srohnden lassen kann, soll sich der Staat zum Prngelmcister prostituieren. Wir glauben schon, daß die Arbeiter, die die Folgen solcher rohen Gesinnung täglich am eigenen Leibe fühlen«»iisic», nicht nur selbst an dein schlechten Beispiel verderben, sondern auch sogar im Zucht- Hans sich wohler fühlen, als bei diesem„Herrn".— Goethe nnd Wilhelm II. LucamiS hat im Auftrage dcS a i s e r s anläßlich des 150. Ecbnrtstages Goethes an den Ober- bürgermeister von Fraulfnrt a. M. ein Telegramm geschickt, in dem er des„bcdeutnngsvollen Jiibcltnges" gedenkt,„der einst ihr den größten Bürger nnd dem deutschen Vaterlande den unerreichten Dichterfürsten geschenkt hat." Der Kaiser ist besonders erfreut, daß die Frankfurter„Festlich- leiten durch die persönliche Beteiligung erlauchter Fürstlichkeiten noch eine besondere Ehrung erfahren haben." Solch ck» Spasi? Herr v. Kl inckow ström hat, wie er« innerlich, im Herrenhaus als neuestes Rezept gegen die Social- demolraten das Banlrottprozessieren anempfohlen. Was der Herr Graf gelegentlich des herrenhänSlerischen Straf- a n t r a a S gegen den„Vorwärts" über dieses probate Um- stnrz-Abführmittel gesagt hat, ist so hübsch, daß eS wörtliche Wieder- gäbe nach dem Stenogramm verdient: „ES ist ja bekannt, daß, wenn auch die Strafe bei solchen Prozessen nicht eine sehr hohe ist, die Sache doch immer eine Menge Geld kostet. ES nmß bezahlt werden der Sitzredacteur, die Gerichtskosten usw. Solch' ein Spast kostet immer gegen 1000 M., selbst wenn die Strafe gering ist... Man kann die Socialdcmokraten durch Geld sehr hart treffen. Wenn es überhaupt gelingen würde, die Socialdemokratie zu zwingen, die ZwaiigSstciier, die sie auf die Arbeiter gelegt hat und sie mit deni größten TerroriSmns eintreibt, aufzuheben, würde die ganze socialdcm akratische Frage init einem Male ge- l ö st sein; man würde die Geschäfts socialistcn ver- lieren, und deren ist eine ungeheure Zahl. Durch die Uneinigkeit der bürgerlichen Parteien find ivir leider von diesem Ziele noch weit entfernt. Wenn ich aber eine große Schlacht nicht schlagen kann, so nehme ich auch ein Vorposten- gescchr mit. Auch durch solche Verurteilniig wird die Parteikasse geschädigt, nnd je mehr sie geschädigt ivird, um so lieber ist es mir; eine Waffe entlvinde ich ihr damit unter allen Uinständen. Weil ich der Ansicht, der begründeten Ansicht bin, daß die cmpstndlichste Strafe, die die Socialdemokraten treffen kann, eine Entziehung von Geld ist» werde ich in jedem Falle, je öficr, je lieber, für die Persolgung foctaldcmokratischer Zeitungen stimmen." Od die Gerichte die ihnen vom Grafen Klinckowström zugemutete Rolle der Auswuchernng unserer Parleikasse annehmen werden?— Der„RcichSbote" nnd ProinethcuS. Der arme„Reich«. böte" scheint sich nach der Lektüre des ruchlosen Prometheus Goethes vor Aufregung einen Gehinischlag zugezogen zu haben und muß nun das mertivürdigste Zeug lallen. Es ivird unS als Verbrechen angerechnet, daß ivir im Prometheus unsere eigene Weltanschauung feiern. cS wird Lnssnlle— wir bitten um nähere Quellenangabe l— citiert und dann gefaselt: „Das Socialistcnblntt begreift unter der freien Menschlichkeit das von jedem göttlichen und sittlichen(!) Gesetz bcfteite „Ausleben" des natürlichen Menschen." Der„RcichSbote" ist so unwissend, daß er nicht einmal gemerkt hat, daß wir gegenüber der von irgend einer Macht ans- genötigten Sittlichkeit— die im höheren Sinne, weil sie der Freilvilligkeit cnlbchrt, unsittlich ist— gerade die von dem größten und strengsten dentichen Philosophen gelehrte Ethik, in der der Mensch sich dem eigenen Sittengcsctz frei «rnterwirft, als promctheische Sittlichkeit gekennzeichnet haben. Vielleicht holt der„Reichsbote" es gelegentlich nack, die klaffenden Lücken seiner Bildung auszufüllen, ehe er der Socialdemokratie die Weltans chaunng des vom sittlichen Gesetz befreiten Anslebens andichtet. Das drolligste Mißgeschick begegnet dem„Reichsboten" aber am Schluß,>vo er zum Bcivrise, daß Goethe nicht immer in der PrvinethcuS-Stimmung geblieben, eine Acußerung aus dem Jahre 1832 citiert, die lautet: „Den Geist dämpfet nicht, sagt der Apostel. ES giebt gar viel Dummes in den Satzungen der Kirche. Aber sie«vill herrschen, und da mutz sie«iiie bornierte Masse haben, die sich duckt und die geneigt ist, sich beherrschen zulassen. Di« hohe,'reich dotierte Geistlichleit fürchtet nicht« mehr, als die Aufklärung der unteren Massen. Sie , hat ihnen auch die Bibel lange genug vorenthalten, so lange als irgend möglich. Was sollte auch ein aroicö, christliches Gemcindeglico von der fürstlichen Pracht cincS reich dotierten Bischofs denken, wenn es dagegen in de» Evangelien die Armut «md Dürftigkeit Christi sieht,' der mit seinen Jüngern in Demut zu Fuß ging, während der fürstliche Bischof in einer von sechs Pferden gezogenen Karosie einherbraust? Wir wissen gar nicht, was wir Luther und der Ncforination im allgemeinen alles zn verdanken haben. Wir sind frei geworden von den Fesseln geistiger Borniertheit; wir sind infolge«uisercr fort- «vachscnden Kultur fähig gcivordcn, zur Quelle zurück zu kehren und daS Christentum in seiner Reinheit zu fassen. Wir haben wieder den Mut, mit festen Fiihen auf GotteS Erde zu stehen und unS in unserer gottbegabten Menschen» uatur zu fühle».* Wir acccpticren auch diese Meinung Goethes, in der er so an- schaulich die Herrschaftsgeknste jeder Orthodoxie, auch der pro- testan tischen � für die die Ncvolntiondcs jungen Luther u m s o n st gewirkt hat— zeichnet. Ssedcs Wort trifft den„Reichs- boten*, und es ist noch genau die gleiche prometheische Anschauung, die in der Wendung wiederkehrt oon dem Mut. n»it festen Füstcn auf Gottes Erde zu stehen und nur in unserer gottbegabten Menscheunatur zu fühlen. Nur ein orthodox berkriippeltcr Verstand siebt die böllige Identität der Prometheus-Moral und der sin Jahre 1832 gethanen Aeusterung nicht ein.— Eil««»gefühnteS Verbrechen. Die„ P o st* hat die Stirn, zugenommen, während sich die Ordnungsparteien mit ungefähr derselben Stimmenzahl wie damals begnügen mußten. In der Klaffe der Unternehmer erzielte der Wahlvorschlag der Ordnungsparteien ohne ernstlichen Gegenbewerb die Mehrheit. Von den etwa 2000 Wahlberechtigten nahmen sich ganze 250 die Mühe des Wühlens. RnSland. Der Streik in Kladno(Böhmen) endete mit einer Niederlage der Arbeiter. Der Streik war ohne Organisation und ohne jede Vor- bereitung begonnen worden; er war ein spontaner Vcrzweiflungs- ausbruch. Die Arbeiter mußten ohne irgendwelche Zugeständnisse wieder zur Arbeit zurückkehren. U-etzke Mschvichke« und Depeschen. Frankfurt a. M., 29. August.(B. H.) Die„Franks. Ztg." meldet aus Darmstadt: Das Verfahren vor dem Disciplinar- Gericktshof gegen den Oberschulrat Dr. Dettwetler wird, wie die „Neuen Hessischen Volksblärter" hören, am Dienstag, den 12. Sept., seinen Anfang nehmen. Für die Verhandlunge» ist eine Dauer von drei Tagen vorgesehen. Trautenau. 29. August.(W. T. B.) Die für gestern an- beraumte Versammlung des politische» Vereins„Freiheit" wurde wegen Formfehlers verboten. Die zahlreich erschienenen Teilnehmer, verstärkt durch Neugierige, insgesamt etwa 3000 Per- sonen, zogen singend mehrmals um den Ringplatz und sodann vor das Versammlungslokal, wo sie sich ohne das Eingreifen der Gen- darmerie zerstreuten. Nach 10 Uhr abends wollten etwa 200 halb- wüchsige Burschen demonstrieren, wurden jedoch auseinander- getrieben. Prag, 29. August.(B. H.) Die Ernennung des Brünner Bischofs Dr. Bauer zum Erzbischof von Prag steht bevor. Kopenhagen, 29. August..«« zlattelgeiloflen des Wahlkreises Teltow-Nteskow-Storkow-Eharlottenburg. Sonntag, den 3. September, nachmittags 1 Uhr, tagt im Lokale des Genossen Z n b e i l, Berlin, Lindenstr, 106, die Kreiskonfercnz. Tages-Ordnnng: 1. Die Zuchchausvorlage lReferent Genosse Zub eil). 2. Anträge zur Brandenburger Provinzialkonferenz. Wahl der Delegierten zu derselbe«. 3. Anträge zum Parteitag in Hannover. Wahl der Delegirten zu demselben. 4. Kreisangelegenheiten. Anträge, ivclche aus der Kreiskonfercnz ihre Erledigung finden sollen, müssen bis Freitag, den 1. September, in Händen des Unter zeichneten sein. Gleichzeitig wird auf den§ 3 des OrganisationS- Statuts des Kreises aufmerksam gemacht, wonach jeder Ort bis drei Delegierte entsenden kann, jedoch müssen dieselben politisch organisiert, in öffentlichen Parteiversammlnngen gelvählt und mit Mandaten ver- sehen sein. Die Konferenz wird pünktlich eröffnet. Der Kreis-Vertrauensmann: Wilhelm Eberhardt, Charlotteuburg, Wilmersdorferstr. 38a. Uokales. Ein braver Parteigenosse, der Stcindruckcr Emil K übe aus der Swinemünderstraße 109, ist am Montag gestorben. Die Genossen des sechsten Ncichstags-Wahlkreises, wo er mit Eifer thätig war. werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Beerdigung erfolgt am Donnerstagnachinittag 6 Uhr von der Leichenhalle der Zionsgemeinde in Weitzensee aus. Wir erwarten eine zahlreiche Be- teiligung. Der Vorstand des Wahlvereins für den sechsten Reichs- tags-Wahlkreis. Neber den Ncnban deS Pergamcnischc» Mnseums beruhtet das„Centralblatt der Bauverwaltmig": Als ein Teil der anf� der Berliner„Museumsinsel" herzustellenden Neubauten für MnseumSzwerke geht der südlich der die Insel durchschneidenden Stadt- bahn gelegene Bau des Pergan, enischen Museunis seiner Bollendung entgegen. Das Gebäude ist dazu bestinimt, die Bildwerke des großen Altars von der Burg zu Pergamon aufzunehmen. Ilm diese kostbaren Bildwerke zu voller Geltung zu bringen, soll der Altar möglichst so. wie er gestaltet gewesen ist. wieder anfgebant werden. Er bildete eine fast geviertförmige Plattform voii 31,34 Meter Länge und 28,63 Meter Breite, dessen eine Seite beinahe völlig von einer großen Treppe oder Rampe, um die Opscrticre hinauf zu schaffen, cingenoinmcn war. Die anderen drei Seiten und die Wangen dieser großen Treppe waren durch hocherhaben gearbeitete Bildwerke, die den Kanrpf der Götter niit den Giganten darstellen, geschmückt. Bekrönt sind diese Bildplatten von einem weit ausladenden Haupt- gesinis, in dessen großer Kehle die Namen der Götter eingerissen sind. Diese Platten selbst stehen auf einem mächtigen Unterbau, den Ivahrscheinlich noch drei Stufen von der Erde loshoben. Die obere große Plattform war vielleicht durch eine Sänlenstellung ein- gefaßt. Bis ans diese Sänlenstellung wird alles, lvie beschrieben, in dem neuen Museum wieder hergestellt; nur wird die große Frei- treppe nicht_ völlig ausgeführt, da sie fraglich ist und trotz ihrer riesigen Große wenig Sehenswertes bietet. Um die Bildwerke gut betrachten zu können, sind ringsum acht bis nenn Meter breite Gänge angeordnet, welche mit doppeltem Oberlicht eingedeckt sind und außerdem noch hohes Seitcnlicht in reichlichem Maße erhalten. Auch das Innere des Altars ist als großer Ausstellungsraum ausgenutzt. Ein Untergeschoß und teilweise Unter- kcllcrung bieten Magazinräume und das sonstige für den Museums- bau uneiitbchrliche Zubehör.— Der Baugrund ist wenig verläßlich. Die Westseite deS Museums konnte noch ans Kästen gegründet werden. welche bei etwa 6 Meter unter Erdoberfläche den guten Sandboden erreichten. Die Ostseite erfordert dagegen ivegen des schiviminenden Sandes noch die Eiurammnng von Pfählen zwischen den dort gc- schlagenen Spundwänden. Die Gesnmtbausummc beträgt 830 000 M, Angefangen wurde der Bau im November 1397; die Frist für die AilSfühuiug reicht bis zum 1, Oktober 1900, doch wird sich der Bau wohl bis zun, 1. Oktober d. I. fertigstellen lassen. Noch mehr T chntzlcnte sollen, wie eine Korrespondenz meldet, in größerer Zahl zum Herbst bei der Berliner Polizei eingestellt werden. Ein Teil der Unteroffiziere, die ihre Kapitulation nicht ivieder erneuert haben, wird nun im Sicherheitsdienst der Reichs- bnnptstadt Berivcndung finden. Seit Jahren»inckit sich, lvenil auch selten beim Publikum, so doch bei der Behörde ein Mangel an Per- soual für die Schutzmaniischaft bemerkbar. Ans diesem Grunde ivurde M'r einigen Jahren von dem Grundsätze, daß zur Einstellung in der Schutzinaunschast der Besitz des CivildersorgungSscheincs Bedingung sei und nur eine neunjährige Mililärdienstzeit die Qualifikation zum Polizei-Uuterbcamten gewähre, abgegangen. Der Grund des Fehlens van Anwärtern liegt darin, daß die Beamten bei ziemlich hohen Anforderungen bezüglich der GehaltSvcrhältnisse ungünstiger gestellt sind, als das Personal anderer Behörden. Daß sie nicht immer genügend guasifisicrt sind, ist bekanntlich durch mancherlei Borlommnisse dargcihan worden. Der zur Ableistung des Probediensthalbjahrcs neu eingestellte Schutzmann erhält ein monatliches Gehalt von 100 M. Dieses Gehalt steigt nach seiner festen Anstellung in mehrere Jahre auseinander liegenden Zeiträumen um einen geringen Betrag, bis der Beamte mit ungefähr 120 llll und einem kleinen WohnungS» geldzuschuß das Höchstgehalt erreicht hat. Bringt er es zum Wacht- »icister, so erhält er alle drei Jahre eine Gehaltszulage von 30 M,. 240 Di, Wohnungsgcld-Zuschnß und bezieht als Höchstgehalt etwas über 2000 M.; dafür ivird von ihm verlangt: etwas Kenntnis des Englischen und Französischen, vollständige und genaue Kenntnis der vaterländischen Geschichte, der Geographie, des Rechnens fcinschließ- lieh Prozent- und Bruchrechnung), der grammatikalischen und ortho- graphischen Rechtschreibung, des Strafgesetzbuchs, der Gewerbe- Ordnung und der hunderterlei Berfügnn'gen und Verordnungen, die vom Präsidium erlassen worden sind.' In allen diesen Fächern muß sich der angehende Wachtnicister, bevor er eingestellt Ivird, einem Eraiuen unterziehen. Das ist allerdings von' einein Wachsincister ein bischen viel verlangt. In der Erfindung neuer Ehicanen gegen ihre Fahrgäste ist ksie„Große Berliner" wieder um ein gutes Stück vor- geschritten. Ein Rirdorfer Arbeiter schreibt irnS: Ich bin genötigt, täglich früh und abends die Straßenbahn, und zwar die Linie Haseuheide— Müll«stäche, zu benutzen und gebrauche eine A r b e i t e r- W o ch e n I a r t e. Diese wird jedoch nur gegen Legitimation verabfolgt, jedenfalls, damit nicht Angehörige der besitzenden Klaffe von dieser etwas billigeren Einrichtung Gebrauch machen. Die Karten bekommt man aber nur im Bureau Kleine Frantfnrterstr, 1. Ich habe nun ziemlich die ganze Strecke zu sahren. muß also, wenn ich mir Somiabeiids die Karte hole zur nächsten Woche, wieder von dort fahren; die Strecke bis zu Ende, also zur Haseuheide kostet 15 Pf,, trotzdem ich 1.20 M. für die Karte bezahle. Doch das beste passierte mir am letzten Sonnabend, Ich batte etwas früher Feierabend gemacht als sonst, und fuhr nach Hanse, Niui dachte ich alles ans einmal abzumache» und begab mich nach dem Butzean der Neuen Berliner Pserdeiseubahn- Gesellschaft, Ivo ich vorbeifahre,—' es war vielleicht 3 Ilhr. Dort erfuhr ich aber, baß ich zu früh gekommen wäre, die Karten kämen erst gegen 6 Uhr. Ich begab mich dann noch einmal hin und nahm ein einjähriges Kind init. Nunmehr bekam ich die verlangte Karte, welche mittlerweile angekommen war. fuhr dann wieder zurück und ließ dem Schaffner die alte Wochenkarte, auf welche ich noch fahren konnte, kupieren. Nach einer Weile kommt der Beamte an mich Hera» und bedeutet mir. daß ich auf einer Wochenkarte kein Kind frei habe. Wohl oder übel mußte ich für das Kind berappen. Ich wußte nun wenigstens, daß ich von einer sehr noblen Gesellschaft befördert wurde. Goethes ISO. Geburtstag ist auch von der Freien Volksbühne gefeiert worden. In einer leider nur schwach be- suchten Versammlung des Vereins hielt Herr Dr. N. Steiner, der früher am Goethe-Archiv in Weimar war, einen auf volle Sach- kenntniß gegründeten Vortrag über„Goethe und seine Bedeutung für die Gegenwart". Der Vortragende feierte namentlich deii jungen Goethe, der sich von allem Uebersinnlichen befreit hatte und sich � zu einer rein natürlichen Weltanschauung be- kannte. Daß Goethe an den Hof von Weimar gekommen, sei seiner Entwicklung mehr schädlich wie nützlich' gewesen und in späteren Jahren habe er sich wieder ver Weltauffassung des achtzehnten Jahrhunderts genähert. Der junge Goethe aber habe schon die fortschrittlichen Ideen des neunzehnten Jahrhunderts ver- treten, und die bleibende Bedeutung Goethes für Gegenwart und Ziikiliift liege desivegen in den Werken der Jngendepoche des Dichters, Mit lebhaftem Beifall dankte die Versammlung dem Vortragenden für seinen anregenden, mit reichen Kenntnissen ausgestatteten Vortrag. Die Kanzlisten im Dienste der Stadt Berlin, welche länger als zehn Jahre ummterbrochen bei der GeiiieindeverwaUung beschäftigt sind, sollen eine Vergütigung von 13 M. monatlich und diejenigen, Ivclche länger als fünfzehn Jahre ununterbrochen beschäftigt sind) eine Vergütigung von 20 M. monatlich neben ihren Beziigen für gefertigte Kanzleiarbeiten vom 1. April 1900 ab erhalten. Der Magistrat wird hierzu die Znstimmung der Stadtverordneten- Ver- sammlung nachsuchen. Die Wärmchallc» waren ini Winter 1896/97 vom 1. Dezember bis 28. Februar geöffnet. Eine an verschiedenen Tagen und zu ver- schiedencn Stunden vorgenommene Zählung ergab eine Anwesenheit von 163 bis 1330 Personen. Es wurden iii den Hallen gegen Marken verabreicht 22 831 Tassen Kaffee zu 4 Pf., 8729 Tasse» Milch zu 4 Pf,, 48 643 Portionen Suppe zu 5 Pf,, 31 369 Schrippen zu 2 Pf, ec,; außerdem wurden für 568 M. Suppen niicntgeltlich verteilt. An die in den Hallen beschäftigten arbeitslosen Handwerker wurden 1036 M„ an die Angestellten 2334 M,, für laufende Un- kosten 902 M., für Miete 7934 M, verausgabt. An Zuwendungen gingen ein vom- Magistrat 3000 M,, von Privaten 11 356 M, Der im März in Betrieb gesetzte Mttllschmelzofen in der Gitschinerstraße ist vor einiger Zeit wieder außer Thätigkeit gestellt worden. Wie verlautet, sind die Kosten dieses Schnielzverfahrens wesentlich höher, als man anfänglich angenommen hatte. Im Norden von Berlin ist nunmehr eine andere Anlage ans einem vom Magistrat zur Verfügung gestellten Grundstück ini Bau begriffen, in deren Oese» auch Müll vcrschniolzen werden soll und welcher die Negeiierativ-Gasfenerung zu Grunde liegt. Der Erfinder und Konstrukteur dieses neiien Müllschmelzofens ist ein FeneriingS- tcchnikcr und Fachmann auf dem Gebiete der Gasfcncrmigsknnde. Die Konstruktion ist der„National-Zcitung" zufolge derart, daß das Miill nicht nur ans möglichst billige Weise geschmolzen wird, sondern sie gestattet auch die Ilniivandlniig der geschmolzenen Massen in verwertbare Formen. Die ans der Schmc'lznng hervor- gehende lauaähnliche Masse kann entweder in einen scharf- kantigen, für Bauzwecke vorzüglichen Kies verwandelt werden, oder sie wird in Formen gegossen. Die dabei entstehenden Steine werden, lvie man hofft, wegen ihrer Festigkeit und Widerstands- sähigkeit gegen Wetter und Säuren ein gern gekauftes Material abgeben und voraussichtlich eine gute Rentabilität des llntcrnehmenS begründen. Zur Erweiterung der Nicsclfeldcr beabsichtigt der Magistrat, Ländereien in Zepernick, Schönow und B i r k b u s ch in einer Größe von 387 Hektar zn erwerben, wofür der Kaufpreis sich auf etwa 1 108 000 M, belaufen wird. Im Besitz der Stadtgemeinde Berlin befinden sich zur Zeit schon folgende Grundflächen sin Norden der Stadt: Malchow 1383 Hektar, Blankenfelde 1943 Hektar, Falkenberg 1626 Hektar, Buch 1239 Hektar, zusammen 6411 Hektar, Davon scheiden aus 303 Hektar, mithin verbleiben zur Berieselung 6103 Hektar, Erforderlich sind aber 8673 Hektar, so daß �ivch zu erwerben bleiben 2567 Hektar. Der Magistrat wird bei der Stadt- verordneten-Versatnniluna die Bewilligung der angegebenen Sumnic zum Ankauf der 387 Hektar ans Anleihemktteln beantragen, Ter für de» Neubau der Roffstraffeubrücke notwendige Abbruch deS Hauses Neue Noßstr. 13, war. wie mitgeteilt wurde, vom Polizeipräsidium ans Grund einer alten Verordnung vom 31. August 1787 untersagt worden, weil dieses Haus zu denjenigen gehört, die im vorigen Jahrhundert auf königliche Kosten erbaut ivordcu sind. Auf Grund der vom Magistrat angerufenen Entscheidnug des Ministers der öffentlichen Arbeiten, der von einer Erwirkung der Genehmigung des Königs zum Abbruch des Hauses Abstand genommen hat. ist das Abbruchsverbot unninehr vom Polizeipräsidium zurück- genommen worden. Von der städtischen Armendi rcktion erhalten wir folgende „amtliche Berichtigung":„Bor etwa 14 Tagen wurde unter der Ucberschrift„Ein' pflichtvergessener Armenvorsteher" mitgeteilt, daß der in der Müllerstraße wohnhafte Armenvorsteher 23. sich mit einer Frau in einen unerlaubten Verkehr eingelassen habe, die er ans Anlaß ihres NnterstiitzungSgesiichs kennen gelernt hatte. Diese Notiz hat den Glauben erweckt) daß der in der Müllerstraße wohnhafte Vorsteher Wolter gemeint sei und als dieser Irrtum berichtigt war. daß' es sich um ein anderes Mitglied der Annen- Kominisfion W e n n e r handle, dessen Name gleichfalls mit einem W anfängt. Beide Männer sind durch den Verdacht ans das empfindlichste gekränkt und in der öffentlichen Meinung herabgesetzt worden. Wir sind daher genötigt, öffentlich zu erklären, daß die Mitteilung sich auf keinen von beiden beziehen koiinie, sondern nur ein anderes Mitglied W. in Frage kam, das ofort, nachdem uns von der Angelegenheit etwas bekannt geworden ivar. zur Nicderlcgnng seines Amtes veranlaßt wurde," Silberne Zwanzigpfe«u>ig-Stiickc. Das Rcichs-Schatzamt er- läßt im„Reichs-Anzeiger" eine Bckanntmachmig, wonach den öffent- liehen Kassen bei Einziehung der zum Umtausch abgelieferten ilberuen Zwaiizigpfennig-Stücke eine liberale Handhabung insoweit zur Pflicht gemacht wird) als beschädigte Münzen nicht ohne weiteres imbranchbar gemacht und dann dem Empfänger zurückgegeben werden, sollen. Solches dürfe nur geschehen, wenn die Münzen g e- w a l t s a m beschädigt seien. Eine gewaltsame Beschädigung wird nach der Verfügung nur dann anzunehmen sein, wenn sie als solche aus ihrer Beschaffenheit auf zweiselsfreie Weise erkennbar ist, z, B, wenn die Münze durchlöchert, durchschnitten ist oder wenn erhebliche Münzteile fehlen. Warnung vor galizischeu Schwindlern. 160 Gegenstände ur 3 M. bietet ein angebliches Versandgeschäst, das sich Ebers u, Sohn nennt und in K r a k a u in Galizien zu Hause ist, öffent- lich zum Kaufe an. Das verlockende Anerbieten beruht auf Schwindel, Unter den mit Nachnahme ans Kosten des Käufers ein- gesandten Gegenständen befindet sich eine kleine Schachtel, die nicht weniger als 120 von den verheißenen Sachen enthält. Es finden sich darunter: 40 Stecknadeln, 23 Nähnadeln, 20 Haarnadeln, Stricknadeln, 3 Tuchnadeln, 2 Sicherheitsnadeln, 9 Paar Haken und Oesen, 12 Hemdenknöpfe, 7 Einziehnadeln und ein Fingerhut, zusammen 120 Gegenstände. Mit den übrigen 40 Dingen sieht es ähnlich aus. Der wirkliche Wert des ganzen Krams beträgt höchstens 30 Pf„ während die hereingefallenen Besteller mit Einrechnmig des Portos dafür 3,40 M. zu entrichten haben. Einer der Getäuschten hat gegen das„Vcrjandhans" mit der sauberen Geschäftspraxis bei der Staatsanwaltschaft Anzeige wegen Betruges erstattet, so daß wohl nicht viele Leute mehr mit den 160 Gegenständen für 3 M. werden beglückt werden. Das Publikum thnt gut, allen aus Galizien, Ungarn ec, stammenden Anpreisungen das größte Miß- trauen entgegen zu bringen. Eine unvermutete Aufklärung hat das Verschwinden des Gastwirts Karl Möhrin g ans der Bergmannstraße gefunden, das vor kurzem gemeldet wurde. Der 53 Jahre alte Mann lebte seit 15 Jahren in kinderloser Ehe und betrieb mit seiner Frau seit 9 Jahren an der Ecke der Bergmann- und Heimstraße eine Gast- Wirtschaft. Vor ungefähr 3 Wochen ivar er plötzlich verschwunden und ließ nichts mehr von sich hören. Da das Geschäft gut ging, so wußte sich niemand zu erklären, was mit Möhring vorgegangen sein könnte. Man nahm an, daß er verunglückt sei, bis ermittelt wurde, daß er über 1000 Mark von der Sparkasse mitgenomnien hatte. Dadurch rückte das Verschwinden in ein anderes Licht. Die weiteren Ermittclnngen ergaben, daß der Dreinndfüiffzigjähricze auf Liebesabenteuer ausgegangen ist. Nicht weit von Mohring wohnt ein Schlosser G. mit' seiner 43jährigen Frau, ebenfalls in kinderloser Ehe. Wie sich jetzt ergiebt, ist Möhring mit ihr durch« gegangen. Eine große Verkehrsstockung entstand iDienstagnachmittag um 41/4 Uhr an der Ecke der Invaliden- und Borsigstraße durch mehrere Znsaiiimenstöhe. Zunächst rannten eine Droschke und ein Bicrwagen anfeiiiander. Kaum waren diese wieder flott gemacht, da bog von der Gartcnstraße her ein großer Kohlenwagen vor- schriftsmäßig in die Borsigstraße ein, während von der Ehanssee- straße her in scharfem Trab ein beladener GipSwage» gefahren kam. Der Znsammenstoß war so heftig, daß der Gipswagen mit der Deichsel dem Kohlenwagen die Vordcrschütze und eine Seitenwand durchbohrten. Ein Pfero des GipswagcnS sprang auf den Kohlen- , wagen und fiel dann auf eines von dessen Pferden herab. Es war sehr schwer, das Durcheinander zu entwirren, und erst nach einer halben Stunde war das Hindernis, das den Straßenbahnverkehr sperrte, wieder ganz beseitigt. Seinen Verlctznngc» erlegen ist der Wirtschaftsinspektor und Pförtner Julius Wolf, dem. lvie wir berichteten, am Sonntagmittag in der Bcrlincrstraße zu Charlottenburg auf der elektrischen Straßen- bahn beide Beine abgefahren wurden. Zwei Berhaftungeu hat die Berliner Kriminalpolizei borgenommen. In dem cincn Falle handelt es sich um den von der Staatsanwaltschaft zu Landsberg a, W, steckbrieflich verfolgten Schneidergesellen Slnton Heda aus Wepritz, der beschuldigt wird, den 63jährigen Bäckergesellen Gottlieb Mertke ans Rüßdorf in der Nähe von Landsberg ermordet und beraubt zu haben. H. ist bereits nach Landsberg'transportiert worden.— Ergriffen wurde ferner von der hiesigen Polizei der Zlrbeiter R i f f e r t, der kürzlich aus dem Gerichtsgefängnisse zu Heiligcnstadt entsprungen war. Auch er ist bereits in sicherer Begleitung nach Greifswald zurückgebracht worden. Ein Raubanfall wurde auf eine ältere Dame ans Berlin verübt, die sich seit einigen Togen in F r e i b n r g in Baden zur Sommerfrische aufhält. Gelegentlich eines Spazierganges auf dem Schloßberge daselbst lernte sie ein älteres Fräulein kennen, ivelchcs sich ihr als Begleiterin bei ihren Ausflügen in die Umgegend Frei- burgs anbot. Bei einem dieser Ausflüge führte nun das Fräulein die Berliner Dame über den Lorettoberg auf die hinter demselben befindlichen Waldweffe im sogenannten Bodlesau. Als beide dort eine Strecke proineniert hatten, sprang plötzlich ein Mann aus dem Gebüsch ans die alte Dame los und verlangte von ihr unter Drohungen Geld. Die Begleiterin, welche einige Schritte vorausgegangen war, übergab hierauf dem Räuber sofort ihre Uhr und die Geldtasche mit der' Bitte, doch die alte Dame zu schonen. Der Strolch nahm die Wertgegenstände an sich, stürzte sich aber alsdann ans die Berlinerin, entriß ihr das etwa 23 M, enthaltende Porte- nionnaie und flüchtete dann schleunigst in den Wald, Nach erfolgter Anzeige wurde die Begleiterin sofort an Ort und Stelle einem Verhör unterzogen, wobei sie angab, ans Augsburg zu stammen und dort in Stellung zn sein. Nach Bcendigmig ihrer Vernehmung begab sie sich in die Stadt, um, wie sie den Polizeibeamten ver- sprochen halte, die Überfallene Dame in ihrem Hotel aufzusuchen. Dort ist sie jedoch nicht eingetroffen und konnte auch nicht er- mittelt werden; die von ihr bezüglich ihrer Persönlichkeit gemachten Llngaben haben sich als falsch herausgestellt. Es wird daher an- genommen, daß sie mit dem Straßeuräuber gemeinsame Sache ge» macht hatte. Ter Fernsprechverkehr mit Bramsche bei Osnabrück, Krensitz, Eislcbcn iBez. Magdeburg). Freienwalde(Pomm.), Jerxheim, Mnnchenbernsdorf, Pencnn, Preiißisch-Holland, Rothsürben, Stadt- Ilm, Strehla sEIbe) und Ziegcnhals ist eröffnet worden. Die Gebühr für ein gewöhnliches Gespräch bis zur Dauer von 3 Minuten be- trägt 1 M. Feuerbericht. In den letzten 24 Stunden waren eine Reihe kleinerer Brände abzulöschen. Ein Gardinenbrand rief die Wehr nach P r i tz>v a l k e r st r a ß e 12. Kurz darauf mußte K o m m a n- d ei n t e n fr r a ß e 12 ein Zsimnerbrand beseitigt werden, während Z e u g h o f st r a ß e 9 Hobelspähne brannten. Durch Explosion einer Petroleilmlampe wurde Lübeckerstraße 31 ein kleiner Zimmer- brand hervorgerufen, der aber bald abgelöscht werden konnte. H a g e l s b e r'g e r st r n ß e 20 brannte ein Boden, während Hoch- st r ci ß e am H u m b o l d t h a i n trockenes Gras an der Eisenbahn- böschung in Flammen aufging. Kurz vorher war durch Ueberkocheu von Fett Friedrichsfeld' er st raße 13 ein kleiner Brand ent- standen. Endlich mußte noch nach Memelerstraße26 aus« gerückt werden, wo Preßkohlen in Brand geraten waren. Da sie imigeschichtet werden mußten, machten sie der Feuerwehr viel Arbeit. TaS bekannte Lokal Sanssouci in der Kottbuserstraße 4g, ist jetzt von Herrn Lldolf Hoffmann völlig erneuert worden. An einen geschmackvoll ausgestatteten Saal schließt sich ein zwar nicht großer, aber freundlicher Garten an. Im Saale selber walten all- abendlich die bekannten Sänger, die vor einigen Monaten von dein nunmehr verschwundenen Konzertsaal in der Leipziger- straße Llbschied nahmen, flott und frisch ihres Amtes. Ernste und heitere Vorträge wechseln mit einander ab und den Beschluß de§ Abends bildet gewöhnlich ein kleines Singspiel, In poetischer und musikalischer Hinsicht sind die Vorträge von sehr verschiedenem Wert, Als Perlen gelten Lieder wie das von der Krone sin tiefen Rhein, das von Herrn Steinhardt mit voller, sympathischer Stimme vorgetragen wird. Dann kommen Couplets, Quartettgesänge und kleine Humoresken, deren Text in jeder Beziehung harmlos ist und an Bedenklichkeiten wirk- lich nichts anderes aufweist als eine zuweilen etwas holperige Fassung. Desto rühmlicher fällt die Vortragsknnst ins Gewicht, die mit den Unebenheiten so elegant als möglich fertig zu werden weiß. Im Quartettvortrag leisten vor allem die Herren Leonhard, Müllcr-Lipart, Mensel und Steinhart vortreffliches; die Eigenschaften eines guten Sängers und Schauspielers sind in Herrn Hoffmann vereinigt. Das überfüllte Lokal am Eröffnungsabend bewies, daß die Norddeutschen Sänger sich ihre alten Freunde er- halten und neue hinzugeworben haben. Theater. Für die Schauspiel- Borstellungen des Schiller- Theaters werden jetzt täglich die Abonnements für das erste Quaitak 6cS neuen Spieljahres ausgegeben, die Abonnementsdedingnngen sind die- selbe» wie i» der vorhergehenden Saison, Die Ausgäbe der Abonnements erfolgt in der Billet-Abteilung des Schiller-Theaters und in der Traut- weinschen Buchhandlung, Leipzigerstrahe, Für dies erste, fünf Vorstellungen umfassende Quartal sind folgende Stücke in Aussicht genommen:„Iphigenie auf Tauris", Schauspiel in 5 Aufzügen von Wolfgang Goethe,„Die Ehre", Schauspiel in 4 Alten von Hermann Sudermann,„Viel Lärm um Nichts", Lustspiel in 5 Aufzügen von William Shakespeare,„Der Probepseil", Lust- spiel in 4 Akten von Oskar Blumenthal,„Der Richter von Zalamea", Schauspiel in 4 Akten von Calderon de la Barca. N»s den Nachbarorte». Wcißensee Die Lassallefeier Ivird am 3l. Ausiust durch eine Festversammlung mit nachfolgendem Kommers begangen. Genosse Kotzke hält den Festvortrag, mehrere Gesangvereine haben ihre Mit- Wirkung zugesagt, Schöneberg. Infolge des Ausscheidens aus dem Verbände des Kreises Teltow wird Schöneberg einen eigenen Aushebungs- bezirk bilden und eine besondere E rs a tz k o mm i s s i o n erhallen. Die Wahl von vier Mitgliedern und vier Stellvertretern auf drei Jahre soll in der nächsten Stadtverordneten-Versammlung er- folgen.— Eine Anzahl Stadtverordneter hat an den Magistrat den Antrag gerichtet, wegen einer verschärften Konttolle der auf den Wochenmärkten zum Verkauf kommenden Nahrungs- mittel baldigst geeignete Schritte zu thun.— Nachdem'ge- mäh dem§ 12 der Provinzialordnung die Zahl der von dem Stadtkreise Schöneberg vor Ablauf dieses Jahres zu wählenden Abgeordneten zum Provinzial-Landtage auf drei festgestellt ist, soll nunmehr in einer gemeinschaftlichen Sitzung des Magistrats und der Stadtverordneten am 4. September, nachmittags 6 Uhr, die Wahl vollzogen werden,— Der Magistrat ersucht die Stadtverordneten, folgendes zu beschliehen: Es wird zum 1. April IglX) die Stelle eines zweiten besoldeten Stadt- rats mit der Qualifikation zum höheren Justiz- oder Verwaltungs- dienst unter den fiir die schon vorhandene Stelle geltenden Be- dingungen geschaffen; Gehalt und Wohnungsgeld sind in den nächst- föhrigen Etat einzustellen. Ans Rixdorf. Eine Kindesleiche wurde am Dienstag- mittag auf einem Holzplatz am Ltottbuser Damm auf- gestinden und nach der hiesigen Leichenhalle gebracht. Ob ein Ler- brechen vorliegt, ist noch nicht festgestellt,—'Auf Grund eines Steck- briefes Ivegen Betrugs verhaftet wurde hier der Steinschläger Wilhelm B, und dessen Ehefrau,— Auch unsere Stadt soll dem- nächst Bezirksvorsteher erhalten. Der unter dem Verdacht des MordcS verhaftete Müllkntscher Mancke aus Rixdorf dürfte voraussichtlich bald wieder in Freiheit gesetzt werden, da ihm eine Schuld an dem Tod der Wirtschafterin Besse nicht nachznlveiseu ist. Zwar wollen Angenzengen beobachtet haben, dah Mancke die Wirtschafterin mihhandelt hat, doch erscheint es nicht unmöglich, dah sich die Zeugen geirrt haben, umso weniger. als es zu der Stunde, in welcher sich der Vorgang abspielte, bereits fast dunkel war. An der Leiche konnten Verletzungen, die auf Mord oder schwere Mißhandlung der Frau schliehen lassen, nicht entdeckt werden. Auch die Lage der Todten lieh kaum die Deutung zu, dah die V, zum Fenster hinausgestohen sei. Die Wirtschafterin dürfte vielmehr im Zustande sinnloser Trunkenheit zum.Fenster hinaus- gesprungen sein. Wie es dem Kirchcnban-Vcrein in Zehlendorf ergangen ist. Ein Berichterstatter meldet: Einen abweisenden Bescheid Hai das Hofmarschallamt des Prinzen Friedrich Leopold dem K i r ch e n b a n- V e r e i n isn Z e h I e n d o r f erteilt. In dem Orte wird die Erbauung einer nefuen Kirche angestrebt. Den Bauplatz dazu hat eine wohlhabende ältere Dame,' die zu den alt- ansässigen Familien Zehlendorfs gehört, unentgeltlich bereits her- gegeben. Zur Aufbringung der Baukosten aber hat sich ein „Kirchenban-Verein" gebildet. Dieser richtete nun an den Prinzen Friedrich Leopold, welcher auf Zehlendorfer Gemeindegebiet weite Ländereien besitzt, von denen er bei Schlachtensee umfangreiche Teile au die H e i m st ä t t e n- G e s e l l s ch a f l verkauft hat, die Bitte, den Bestrebungen des Kirchenbau-Bereins mit förderlich sein zu wollen. Ans dieses Gesuch erhielt nun der Verein von dem Hosmarschallamte des Prinzen den Bescheid, der letztere sei in jüngster Zeit so vielfach mit— Unter st ü tz u n g s g e s u ch e n angegangen worden, dah er es ablehnen müsse, den Wünschen des Zehlen- dorfer Kirchbau-Vereins nachzukommen. Eine Spitzenschwindlerin wird von der Charlotten- b u r g e r Kriminalpolizei gesucht. Es ist eine Frauensperson, die dem Dienstpersonal vorschwindelt, dah sie im Auftrage der Herrschaft Spitzen bringe, den Kaufpreis aber gleich mitnehmen müsse, da sie verreisen wolle. Die Dienstmädcben legen dann das Verlangte aus, NM später zu erfahren, dah sie für nicht bestellte Sachen, die fast gar nichts wert sind, hohe Preise bezahlt haben. Die Schwindlerin ist etwa 1,60 Meter groh, stark und kräftig, hat dunkles Haar, einen eingedrückten linken Nasenflügel und eine tiefe Narbe von diesem bis zu der hochgezogenen Oberlippe und trägt ein schwarzes Jackett, eine» dunklen Nock, einen weihen Umlegekragen, weihe Stulpen und einen kleinen dunklen Hut. Ein Grubennnfall hat sich am Sonnabend auf der bei der Station Tenplitz gelegenen, dem Rittergutsbesitzer Martin gehörigen Kohlengrube„Johanna" ereignet. Der Arbeiter Gebhardt aus Grabow war bei dem Kreissägeschnppen mit Holzabtragen beschäftigt, als plötzlich die Erde unter seinen Fähen wich und er in einen tiefen Schacht stürzte, den die nnchsallenden Erdmnssen alsbald verschütteten, Da keine Hilfsgeräte zur Stelle waren, und überdies das Erdreich fortwährend nachfiel, konnte dem Verunglückten keine Hilfe gebracht werden, Gebhardt ist verheiratet und Familienvater. Der Zu- sammenbruch ist hervorgerufen durch Unterspülung des Erdreiches, da die Grube durch unterirdische Gewässer vollständig ersoffen ist. Pankow. Gestern früh um 4 Uhr brach ein groher Brand in der Wollankstrahe 57 in der Lederfabrik von L. Guiard aus noch unermittelter Ursache aus. Dort brannte der ausgedehnte Dachstuhl der Lohgerberei unweit der Pauke und der Prinzen-Allee, Trotz der anhaltenden Dürre hält die Pauke noch soviel Wasser, dah es aus derselben entnommen werden konnte. Von der Berliner Feuer- wehr waren der 3. und 16, Löschzug ausgerückt, die in Gemeinschaft mit der Pankower und Reinickendorfer Feuerwehr die Flammen löschten. Der Dachstuhl konnte nicht mehr gerettet werden, er ist niedergebrannt. Eine gewaltige Feueröbrnnst sahen viele Berliner Ausflügler am Sonntagabend in A l t- R ü d n i tz bei Freienwalde. Dort gingen 50 Strohmi'ete» und eine Windmühle in Flammen auf. Das Feuer, das um 83/i Uhr auskam, ist wahrscheinlich böswillig angelegt worden. Das wohlhabende Bauerndorf hat schon mehr als einmal unter Brandstiftungen gelitten. Alle Scheunen, die früher mit Stroh gedeckt waren, sind ein Raub der Flammen geworden. Mit dem letzten Feuer, zu dessen Löschung verschiedene Wehren zusammenkamen, bringt man Zigeuner in Zusammenhang, die sich am Sonntag in dem Dorfe aufhielten. Von einem Schadenfener wurde, wie uns nachträglich ge- meldet wird, in der gestrigen Nacht Köpenick heimgesucht. Ver« nmtlich infolge Brandstiftung gingen gegen 11 abends zwei in der Bahnhofstrahe belegene grohe massive Scheunen in Flammen auf. Da die Scheunen vollständig gefüllt waren, so verbreitete sich das Feuer mit unheimlicher Geschwindigkeit und innerhalb weniger Minuten loderten die Flammen haushoch aus den Gebäuden empor. Brennendes Getreide und Stroh flog auf weite Entfernungen umher, und nur dem Umstände, dah die Gebäude völlig isoliert standen, ist es zuzuschreiben, dah der Brand keine gröhere Ausdehnung annahm. Die Feuerwehren von Köpenick, Friedrichshagen, Adlershof und Rieder-Schöneweide arbeiteten die ganze Nacht hindurch, trotzdem gelang es nicht, von dem Inhalt der Scheunen etwas zu retten. Die gänzliche Ablöschung der Getreidemassen ist bis heute noch nicht ge- lungen. Unter dem Verdacht, die Brandstiftung verübt zu haben, wurde ein Arbeiter Karl, der kurz vor Ausbruch des Feuers in der Scheune gesehen wurde, in Haft genommen. Friedenan. Der Streit zwischen der Gemeinde Friedenau und der Westlichen Vorortbahn ist jetzt beigelegt worden. Die Ge- meindevertretung beschloh einstimmig, der'Pos'tverwaltung die Ge- nehmigung zur Legung eines Fernsprechkabels vom Friedenauer Postamte bis zur Steglitzer Grenze zu erteilen, nachdem ein Schreiben der Westlichen Vorortbahn verlesen war, worin diese sich verpflichtet, den Durchgangsverkehr auf der neu zu erbauenden Linie durch die Bahnstrahe in Schöneberg, Manstein-, Bülow-, Dennelvitz- und Flottwellstrahe nach der Linkstrahe(Potsdamer Bahnhof) spätestens am 1. April 1S(X) zu eröffnen. Nutznießer modernen Entbehrungslohncs. Der Hauptsitz der„dörflichen" Dkillionäre war bisher Schöneberg. Nachdem dieses zur Stadt avanciert ist, scheint T e m p e l h o f sich zur Residenz der Millionenbauern aufzuschwingen. Die Zahl der Einwohner Tempel- Hofs, welche ein Einkommen von 40—100 Tausend Mark jährlich zu verzehren haben, beläuft sich nach kundiger Schätzung jetzt schon auf vierzig. Es sind dies fast allesamt ehemalige Bauern, die ihre Ländereien zu hohen Preisen zu Spekulationszwecken ver- äuhert haben und nun in Ruhe und Wohlhabenheit ihre Tage ver- leben können. Tegel. In den hiesigen Borsig werken sind jetzt nahezu 3000 Arbeiter beschäftigt, die zum größten Teile noch in Berlin wohnen. Hier sind die Mietspreise fast teurer als in der Reichs- Hauptstadt, Die Arbeiter werden erst dann in größerer Zahl ihren Wohnsitz hierher verlegen, wenn die unweit der Fabrik in der Eni- stehung begriffene Kolonie Borsigwalde in größerem Umfange Wohn- gelegenheit bietet. Die günstige Eisenbahn-Verbindung erleichtert den Arbeitern das Wohnen in Berlin. In dem neuen Werk hat sich alsbald nach der Fertigstellung eine erhebliche Erweiterung ver- schiedener Werkstätten als notwendig erwiesen, so dah allmählich auch die Zahl der Arbeiter eine bedeutende Vermehrung er- fahren wird. Gevilszks-Leitung. Ein angeblicher Verstoß gegen das VcreinSgesctz. Am 13. Mai d, Js, fand in Charlottenburg eine Zusammenkunft der dortigen Mitglieder des Centralverbandes der Schmiede statt, Die Versammlung war nicht bei der Polizei angemeldet worden, deshalb hatten sich am Dienstag der Schmied Donner als Unter- nehmer der Versammlung, der Schmied L i e s e g a n g als Redner und der Gastwirt B e i e r Ivegen Hergäbe des Lokals vor dem Scbösfengericht zu Charlottenburg zu verantworten. Die Angeklagten beriefen sich darauf, dah in jener Versammlung öffentliche Angelegenheiten weder erörtert werden sollten, noch erörtert worden seien, und deshalb eine Pflicht zur Amneldnng nicht vorgelegen habe. Es babe sich um Einrichtung einer Zahlstelle für die Charlottenburger Mitglieder des Verbandes gehandelt, und in der Versammlung seien nur innere Verbandsangelegenheiten rein geschäftlicher Natur behandelt worden. Man habe darüber ge- sprochen, wie der Verband eingerichtet sei und welche Geschäfte den Leitern der neu zu gründenden Zahlstelle obliegen würden. Die Angaben der Angeklagten wurden durch zwei als Zeugen vernommene Teilnehmer jener Versammlung bestätigt. Recht sonderbar mutete uns die Rede an. welche der Vertreter der Staatsanwalt- s ch a f t zur Begründung der Anklage hielt. Er sagte, in den Aus- führungsbestimmuugen zum Vereinsgesetz heiße es, dah die Be- sprechung von Jnnungsangeleg e n Heiken eine Erörterung öffentlicherAngelegenheitensei. Derartige Jnnungsangelegenheiten seien aber in jeuer Versammlung besprochen worden. lGemeint sind jedenfalls Verbandsangelegenbeiten, denn nur von solchen war in der Verhandlung die Rede.) Weiter wollte der Vertreter derAnklngebehörde bemerkt haben, dah ein Zeuge, der im besten Zuge gewesen sei, über die Vorgänge in der Versammlung seinem Herzen Luft zu machen, auf eine Handbewegung des Angeklagten Liesegang hiermit innegehalten habe,— Liesegang verwahrte sich entschieden gegen diese Behauptung und auch der Vorsitzende des Gerichts be- merkte, er habe nichts Derartiges gesehen. Der Gerichtshof ver- urteilte die Angeklagten zu drei Tagen Haft, unter der Begründung, dah die Besprechung innerer Verbandsangelegenheiten die sociale Frage streife, also auch das öffentliche Ge- biet berühre und die Versammlung deshalb hätte angemeldet werden müssen. Man darf wohl annehmen, dah die Verurteilten gegen diese unhaltbare Entscheidung Berufung einlegen. Der Spruch erinnert sehr an das Urteil, daS von derselben Kammer über einen ehrenhaften Arbeiter wegen Streik po st en st ehens verhängt wurde und das dann, wie wir in Nr. 198 mitteilten, von der Straf- kammer notgedrungen in einen Freispruch des Angeklagten um- gewandelt werden mutzte. Versehen der Polizei. Am Dienstag erschien vor dem Schöffengericht in Charlottenburg ein Schlosser, welcher angeklagt war, einen Webermeister auf der Strohe mihhandelt zu haben. Durch Zeugen wurde jedoch festgestellt, daß nicht der Weber- meister durch den Schlosser, sondern der Schlosser durch den Weber- meister und einige Kumpane des letzteren mihhandelt worden ist, Dah nun der Mihhandelte als Angeklagter vor Gericht eitiert wurde, ist lediglich auf ein Versehen, welches auf dem Polizeibureau begangen wurde, zurück- zuführen. Der Schlosser hat nämlich bei der Polizei die Angelegen- heit angezeigt. Der betreffende Beamte hatte aber irrtümlich die Personen verwechselt, und deshalb erschien der Mihhandelte als Angeklagter, der Schläger aber als Zeuge vor Gericht. Der Angeklagte muhte unter diesen Umständen natürlich freigesprochen werden. In derselben Gerichtssitzung kam noch ein anderes Ver- sehen der Polizei zur Sprache. Ein Radler hatte ein Straf- mandat erhalten, weil er auf einein Fußwege im Grunewald gefahren haben sollte. Vor Gericht wurde aber festgestellt, dvh der Rodler den Fußweg nicht benutzt hat, sondern von dem in Betracht kommenden Gendarm deshalb angezeigt worden ist, weil an seinem Rade die vorschriftsmäßige He mm Vorrichtung fehlte. Der Beamte, welcher die Strafverfügung ausfertigte. hat dazu ein gedrucktes, anscheinend eigens für auf Fußwegen er- tappte Radler abgefaßtes Formular benutzt. Da der Angeklagte die ihm zur Last gelegte Uebertretung nicht begangen hat, wegen des von ihm begangenen Verstoßes(Fehlen der Hemmvorrichtung) aber keine Anzeige vorlag, so muhte Frei- iprechung erfolgen.— Wenn auch in diesem Falle der Irrtum eines Polizeibeamten dem Angeklagten zum Vorteil gereichte, so sind doch andererseits durch dieses Versehen sowohl wie durch das im vorerwähnten Falle begangene der Staatskasse unnötige Kosten er- wachsen. Ein geistlicher Prngelheld stand dieser Tage vor den Schranken der Strafkammer des Landgerichts Zobern i, E, in der Gestalt des katholischen Pfarrers Goutze aus FloiSheim. Kanton Finstingen. Dieser Geistliche hatte bei Erteilung des Religions- Unterrichts im Schulsaale zu wiederholtenmalen einige Kinder vor- sätzlich körperlich mihhandelt, und zwar hatte er sich dabei nicht bloß eines Stockes, sondern auch eines dicken Latten st ückes bedient, das auf dem Gerichtstische lag und von dem Ge« richte als gefährliches Werkzeug im Sinne des Gesetzes be- zeichnet wurde. Der neunjährige Sohn Ludwig der Eheleute Pariset ist am Freitag vor Pfingsten, einige Tage nach einer solchen Züchti- gung mit der Latte, gestorben; die Krusten über den Wunden auf dem Rücken nahm er mit ins Grab. So viel in der Verhandlung erörtert wurde, soll jedoch der Tod infolge von Schwindsucht eingetreten sein. Nach den Aussagen der Eltern dagegen war der Knabe vor seinem Tode nur einige Tage unwohl und hat nie an Husten gelitten. Einem andern Sohn derselben Familie hatte der Pfarrer ebenfalls mit dem Lattenstiicke drei Löcher in den Kopf geschlagen, sodah der Junge blutüberströmt zur Mutter nach Hause gelaufen kam. Nicht weniger als 18 Zeugen waren zur Verhandlung geladen. Das Verhör derselben ergab, daß der Pfarrer in fünf Fällen das Züchtigungsrecht überschritten hatte. Der Staatsanwalt hatte für drei Fälle, bei denen das erwähnte Lattenstück als Züchtigungsinittel gebraucht morden war, eine Geldstrafe von je 150 M,, für die anderen eine solche von je 10 M, angesetzt. Der Verteidigung gelang es jedoch, dieses Strafmaß bedeutend herab- zudrücken. Das Urteil des Gerichtshofes lautete für drei Fälle auf eine Geldstrafe von je 25 M. und für die übrigen zwei Fälle, in denen mit dem Stock dreingehauen worden war, auf eine solche von je 15 M,, also auf eine Gesamtstrafe von 105 Mark bezw. sieben Tage Gefängnis, Außerdem wurden dem Verurteilten die gesamten Kosten des Verfahrens zur Last gelegt. Vom grobe» Unfug. Nachdem das Landgericht in Halberstadt kürzlich unsere Genossen Berg und Meyer trotz des oberlandesgericht- tichen Urteils abermals freigesprochen hat, ist es nun auch in der dritten Strafsache, die sich um die Aufforderung„Zuzug fernzuhalten" dreht, nämlich gegen Genossen Berka» amDonnerstag wiederum zu einer Freisprechung gekommen, wobei noch zu bemerken. ist, dah der Gerichtshof diesmal wieder aus anderen Richtern zusammen- gesetzt war, als bei den obigen Fällen. Der Verteidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Pulvermann führte in scharfer, treffender Weise ans, dah das Naumburger Oberlandesgericht seine Befugnisse überschritten habe. Es habe thatsächliche Feststellungen getroffen, die garnicht seine Sache seien und für deren Richtigkeit es nicht einmal die geringsten Anhaltspunkte gegeben habe. Es sei verwunderlich, dah trotzdem das Oberlandes- geeicht in der Lage sei. ganz genau im einzelnen die Vergehen auf- zuzähle», zu denen der Angeklagte durch jene Notiz aufgefordert hcchen sollte, als Bedrohung, Nötigung, Verrufserklärung, Ehrverletzung, Anwendung körperlichen Zwanges, Man habe den Eindruck, als habe das Oberlandesgericht hierbei wörtlich aus dem Z 153 der Ge- werbe-Ordnung abgeschrieben. Der Gerichtshof schloß sich den Aus- führungen der Verteidigung an und kam, wie schon bemerkt, zu einer abermaligen Freisprechung unter der gleichen Begründung wie in den früheren Fällen. VermilÄzkes. Ein rätselhafter Diebstahl, bei dem nicht weniger als 300 000 Franks dem Thäter in die Hände fielen, ist in Nizza in der Villa Eremita, in der die Wittme eines Notars wohnt, begangen worden. Die Dame hatte sich nur für einige Stunden aus ihrer Wohnung entfernt. Als sie zurückkehrte, fand sie alles, wie sie es verlassen, die Thür verschlossen und die Möbel unberührt vor. Aber beim Oeffnen des Schrankes, in dem sie ihre Wertpapiere und Schmucksachen ausbewahrt, machte sie die sie niederschmetternde Entdeckung, dah die Papiere entwendet worden waren. Die sofort eingeleitete Untersuchung hat noch keinerlei Anhaltspunkte zur Entdeckung des Urhebers' dieses geheimnihvollen Diebstahls geliefert. Wie GocthcS Andenken in Frankfurt geehrt tvurde. Aus der Geburtssladt Goethes bringt der Telegraph noch folgende vxm Montag datierte Nachricht: Das heute nachmittag im Palmengarten stattgehabte Festessen mit Damen, an dem etwa 400 Personen teilnahmen, wurde von Oberbürgermeister Adickes mit einem Hoch auf S e, Majestät den Kaiser eröffnet, Rechtsanwalt Dr. Benkard sprach im Namen des Freien deutschen Hochstifts, und verlas die eingelaufenen Telegramme. Unter den vielen Reden, welche folgten, ist besonders diejenige des Rektors der StrahUnrger Universitär, Professor Theobald Ziegler, hervorzuheben, der in zün- dender Weise die Beziehungen Goethes zu Strahburg schilderte und mit einem Hoch auf Frankfurt schloß. Der Garten war glänzend illuminiert.— Im Saalbau fand unter groher Beteiligung der F e st k o m m e r s statt, bei welchem unter anderen auch Professor Oncken-Giehen eine Ansprache hielt. Auch der Kommers verlief aufs g I ä n z e n d st e. Aegirs Gewalt. Ans Kiel wird berichtet: Das Panzerschiff „Aegir" ist Dienstagnacht mit einem englischen Dampfer zusammen- gestoßen, dessen Bug beschädigt wurde. Der Dampfer ist nach Rostock zurückgegangen. Die Pocken sind, wie der„V.-Z." aus M y s I o w i tz ge« schrieben wird, dort bei einem vor einigen Tagen unter verdächtigen Erscheinungen erkrankten Maurerpolier konstatiert worden. Der Er- krankte wurde sofort mit seiner ganzen Familie in die im freien Felde stehende Isolierbaracke geschafft. Bis zum Tage seiner Er- lrankung ivar der Mann in einem kleinen Orte bei Sosnowiee (Russisch-Polen) in Arbeit, wo die Pocken, nachdem die im Frühjahr aus- gebrochene Epidemie vor einigen Wochen scheinbar erloschen war, seit einiger Zeit wieder häufiger auftreten. In der infizierten Gegend arbeilen Hunderte deutscher Staatsangehöriger, die mit ihren in und um Mhslowitz wohnhaften Familien im beständigen Verkehr stehen. Unter diesen Umständen ist die Gefahr der Uebertragung der Seuche auf deutsches Gebiet im hohen Grade vorhanden. Schweizer Vlättcr melden neue Unfälle in den Alpen. Aus Bern, 27. August, wird berichtet: Zwei junge Leute von Aosta sind bei einer Bergtour spurlos verschwunden. Der Vater eines der Vermißten. Direktor der Handelsbank in Aosta, ist mit zwei Führern von Bourg-St.-Pierre(Kanton Wallis) aufgebrochen, um Nachforschungen auf den Gletschern von Trendel und Balsorey vorzunehmen.— Eine Meldung aus Jnterlaken, 28. August, lautet: Sonntagmorgen fanden Knaben auf der Straße nach Därlige» einen bewußtlosen, am Kopfe schwer verletzten Mann» der offenbar beim Abstieg vom Abendberg den Weg verfehlt hat und etwas westlich vom Heimwehfelse» abgestürzt sein muh. Nach den bei ihm gefundenen Papieren ist es ein französischer Priester Namens Bouisson.— Die über die Planiea abgestürzte Lehrerin Johanna Steiner aus Wien wurde im Abgrund tot aufgefunden. Die Dame entfernte sich Sonnabend früh, ohne genügende Nahrimgsmittel mit- zunehmen, war schlecht ausgerüstet und machte die Besteigung ohne Führer, überdies ivar sie wenig geübt. Fräulein Steiner stand in 50. Lebensjahre. Einer der größten schottischen Wälder, der Bergwald von RothiennirchuS, ist in der Nacht von Donnerstag auf Freilag völlig niedergebrannt. Die EntstehnngSursache des Brandes ist nicht bekannt. Das Feuer breitete sich mit reihender Schnelligkeit' über den ganzen Wald aus. und obwohl 200 Leute damit beschäftigt waren, es' einzuschränken, gelang es ihnen doch nicht, den Wald zu retten. Die rotglühenden Berge gaben, tvie Augenzengen erzählen, einen wundervollen Anblick. Ein Berg, der als„heilige Ida" be« kaunt ist, glich einem Vulkan. Ungeheure Rauchwolken stiegen von seinem Gipfel ans. Mörder Lncchcni bekehrt. Ein englischer Geistlicher, Mr. Cook. erhielt in Genf die Erlaubnis, Luecheni, den Mörder der Kaiserin Elisabeth, aufzusuchen, Luecheni war mit der Verfertigung von Papierschachteln beschäftigt. Er gestand dem Geistlichen, dah er nun seine früheren Irrtümer einsehe, und nahm ein Exemplar des neuen Testaments, das ihm von Mr. Cook angeboten wurde, dankbar an. Die Zelle, in der sich der Gefangene befindet, ist nach den Angaben des Geistlichen geräumig und gut ventiliert. In Chikago stürzte am Montag ein aus Stahl hergestelltes, nahezu vollendetes Gebäude ein, welches für die Abhaltung großer Versammlungen bestimmt war. Im Innern befanden sich zahlreiche Personen, 12 entsetzlich verstümmelte Leichen wurden aus den Trümmern herausgezogen, oine Anzahl Menschen sollen ver- letzt sein. Ans New Dork wird berichtet, daß bei einem Feuer im katho- lischen Waisenhause zu Sparkill viele Kinder verbrannt sind. Eingegangene Drntkschriften. Von der„Neue» Zeit"(Stuttgart, Dietz' Verlag) ist soeben das 43. Heft des 17. Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalt heben wir her- vor• Ein Wendepunkt.— Die litauische Arbeiterbewegung. Von A. Lietuvis. — Alkoholgenuh und Alkoholinihbrauch. Von Dr. A. Grotjahn.— Der Aufschwung der Landwirtschaft und die Bodenerschöpfung. Von Dr. Alfred Nofsig(Paris).(Schlug.)— Ein neues Buch von Ellen Keu. Von Therese Schlesinger-Eckstein.— Litterarische Rundschan: Prof. Walther Tröltsch Ucber die neuesten Veränderungen im deutschen Wirtschaftsleben.— Notizen: Ein„wahrer" Marxist. Von F. Mehring.— Feuilleton: Der Kämpfer. Von I. H. Rosny. Autorisierte Uebersetzung aus dem Französi- scheu von Ina Bach. Von der„Gleichheit", Zeitschrist für die Interessen der Arbeiterinneu (Stuttgart, Dietz' Verlag) ist uns soeben die Nr. 18 des 9. Jahrgangs zu- gegangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Die uewcrlschaftlichc Organisation der deutschen Arbeiterinnen im Jahre 1898.— lus der Bewegung.— Feuilleton: Auch eine Goethe-Feier. Zu Goethes Ojährigem GcburtStage am 28, August 1899. Von Lily Braun.— iotizeiiteil von Lilu Braun und Klara Zetkin: Frauenarbeit auf dem iebiete der Industrie, des Handels und Verkehrswesens.— Fraucnstimm- recht.— Socialistischc Frauenbewegung im Auslande.— Dienstboteufragc. — Frauenbewegung._ Marktpreise Don Berlin am 28. Nngnst 1899 nacli Ermittelungen des D.-Ctr. rcr 15,80 15,— 13,30 15,60 14,90 14,30 4,32 6,00 40- 50,-| 70- 8,-1 1,60! 1,201 14,80 13,90 12,80 15.— 14,40 13,80 3,50 3,80 25,— 25,— 30,- 4,- 1,20 1, lgl. Polizeipräsidiums. Schweinefleisch 1 Iix Kälbfleisch„ Hammelfleisch Butter Eier Kärpfe» Aale Zander Hechte Barsche Schleie Bleie Krebse 60 Stück 14--; per Schock -Weizen >> u„ r-Gerfle„ gut„ mittel„. .. genug Niclitstroh Seil i) Erbsen. b/Speisebohueu -JLiiisen Kartossein, neue -lindfleisch, Keule I stx dv. Bauch„ *) Ermittelt pro Tonne von der Ccntralslefle der Preuh. Landwirt- schaslskainmern— Nolierungsflefle— und umgerechnet voui Polizeipräsidium für de» Doppel-Ccutucr. ch) Kleinhandelspreise. 1,60 1,60 1,60 2,60 4. 2,40 2,80 2,60 2,40 1,80 2,50' 1,40 12,- 1,- 1- 1 ,- 2,- 2,20 1,20 1,20 1,20 1,20 0,80 1,20 0,80 2,- Produktenmarlt vom 29. August. In Weizen, für welchen das JnlandSangebot wieder besonders scharf hervortrat, wurden bedeutende Realisationen, namentlich per September vorgenommen, welche den Preis des Artikels um 1 M. drückten. Roggen, für welchen das am gestrigen Markte vorhandene Interesse verschwunden war, wurde dadurch in Mit- lcidenfchaft gezogen und war ebenfalls 1 M. billiger zu haben. Hafer be- hauptcte sein gestriges Niveau. Brotgetreide erfuhr zu Beginn des Mittags- Verkehrs eine leichte Erholung, schlost jedoch wieder matter.— Am Spiritus markte machte sich ein allgemeiner Preisrückgang geltend, da offenbar die Händler ihre Ware ausverkauft und mithin kein Interesse mehr daran haben, die Preise zu halten. Loco 70er ging um 0,40 M. zurück. Gehandelt wurden 10 000 Liter mit 43,10 M. Termine gaben am Frllhmarkte'0,30 M.»ach. Mittags intervenierte die Berkaufsstelle, und die Preise stellten sich nur 0,50 bis 0,70 M. unter gestern. Briefkasten der Redaktion. Tic surislischc Sprcchslnude wird Dienstags, Donnerstags»nd Freitags abends von k bis 8 Uhr abgehalten. Behrendt. Bei der Nikolaikirche stammt der Unterbau aus Granit- quadern aus dem Beginn des 13. Jahrhunderts, der Chor aus dem 14. Jahrhundert; der nördliche Turm, der in dem ursprünglichen Plan vor- gesehen war, ist bei der Restauration 1877—80 aufgebaut worden. Die Marienkirche ist im 13. Jahrhundert erbaut und im 14. Jahrhundert er- ncuert worden. Der Turm wurde 1730 aufgesetzt. Da es im 14. Jahr- hundert noch nicht zur Kirchenspaltung gekommen war, sind beide Kirchen ursprünglich katholisch gewesen. Evangelisch wurden sie mit der 1539 i» Berlin eingeführten Reformation. Paseivalk und andere Genoffen. Handbuch für Vereinsleiter ist im Neudruck. F. D. 46. Würden Sie, was aus Ihrer Skizze nicht hervorgeht, in der That durch die Anlegung des Zauns an Betretuug Ihres GKiudstücks gehindert, so können Sie mit Erfolg gegen die Stadt auf Gewährung eines Zugangs klagen.— Drei Freunde. Auf den etwaigen Gewinn der verfallenen Lose hat keiner von Ihnen einen Anspruch, ebenso wenig kann einer von Ihnen gegen den andern auf Schadensersatz klagen. — E. G. 1. Sie würden sich am zweckmäfjigsten an die Polizeibehörden wenden. 2. Sie würden alimentationspslichtig sein.— T. 26. Darüber ist weder eine Statistik aufgenommen, noch möglich.— A. M. i»60. 1. und 2. Nein. 3. Sic soll wegen Beleidigung und Misthandlung klagen. — Sch. K. 1606. Nein. Die dreimonatliche Frist ist längst abgelaufen. — Schleifer. Das Draufgeld kann er behalten.— C?. H. 92. 1. Der Anspruch besteht auf den ganzen Nachlaß. 2. Ja.— M. W. 166. Nein. — C. S. Wiederholen Sie die Anfrage.— R. H. 166. 1. Bis zur höchsten Stelle, 2. Nein. 3. Nein. 4. Ja.- Sch. 1. Sie müßten, uw alleiniger Erbe zu werden, mit Ihrer Frau ein Testament machen. 2. ßist neues Testament, oder weitere Schritte sind nicht erforderlich, lvenu die We kinderlos bleibt.— O. Kerste». 1. Ja. Sie könnten aber nunmehr ven Autrag der Jnterventionsklage dahin erweitern: dem Betreffenden zu unter- sagen, die gepfändeten Sachen in der Zukunft zu pfänden.. 2. Nein.— Karl Bechler. Schriftliche Antwort erteilen wir nicht. 1. Nein. 2. u. 3. durch 1 erledigt. 4. In Civilsachen und Bcleidignngssachcn hat die unter- liegeude Partei auch die Auwaltskostcn des Gegners zu tragen. In Straf- fachen werden die Verteidigungskosten nur unter besonderen Umständen dem Staat oder dem Denunzianten auferlegt.— M. S. 999. Ja. - 99. B. 1. Wenn Sie den Erlaß eines Zahlungsbcsehls beantragen, fo wird dieser in 14 Tagen nach der Zustellung an die Beklagte vollstreckbar, falls diese nicht Widerspruch erhebt. Sie können dann den Zahlungsbefehl dem Gericht mit dem Autrage einreichen, den Zahlungsbefehl mit der Vollstreckbarkeitsklausel zu versehen. Sodann beaustragen Sie einen Gc. richtsvollzieher mit Vornahme der Pfändung. 2. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. 3. Das hängt von der Höhe der Forderung ab. 4. Nein.— F. S. 266. 1. Nein. 2. Gefängnis.— L. St., Oderbergcrstraste. Der Vater hat das Recht, auf die Erbschaft zu verzichten. Dann gehört der Nachlaß der Mutter den Kindern allein, das während der Ehe Erworbene gehört dem Manne. Verzichtet der Bater nicht, sondern will Erbe sein, so wird aus dem am Todestage vorhandenen väterlichen und mütterlichen Vermögen eine Masse gebildet. Van dieser erhält der Vater eine, die Mutter die andere Hälfte.— Jauche. Mit einer Klage würden Sie leider nicht durchdringen. WittcrungSiiberslcht vom 29. Angnst 1899, morgens 8 Uhr. Stationen Swinemdc. Hamburg Berlin Wiesbaden München Wien SS 22 s se LZ 759 758 WSW Wetter tss c � 759 W 763!SW 767 SW 762>W 3 bedeckt 3hlb.bed äisib.bcd 2-wolkig 4bedeckt 2!wollig Stationen Hnparanda Petersburg Cork Äberdec» Paris 750 N 756WSW 757OSO 764S Wetter lvolkenl hlb.bed. 2 bedeckt 2-heiter äs; oJ ia 12 18 11 16 Wetter-Pragnose für Mittwoch, de» 36. August 1899. Teils heiter, teils wolkig, mit etwas Regen, mäßigen südwestlichen Winden und wenig veränderter Temperatur.'Berliner W e t t e r b u r e a u. Für de» Inhalt der Inserate bcruimint die Nedaklio» den, st nbliknin gegenüber keinerlei 2tcra»t»>ortii»a. Tljentev. Mittwoch, 30. August. Schauspielhaus. Auf Strafurlaub. Anfang 7r/z Uhr. Neues Opern- Theater(«roll). Die Fledcrniaus. Anfang st'/z Uhr. Lessing. Im weißen Röß'l. Anfang 7-/2 Uhr. Neues. Kiwito. Anfang st'/z Uhr. Residenz. Der Schlafwagen- Co»- troleur. Vorher: Zum Einsiedler. Anfang 7l/z Uhr. Westen. Der Mikado. Ans. 7>/z Uhr. Schiller. Die lustigen Weiber von Windsor. Anfang 7l/2 Uhr. Central. Der Hciratsmarkt. Anfang 8 Uhr. Friedrich- WllhelmstädtischcS. Germinal oder: Der Streik der Bergarbeiter. Anfang 8 Uhr. Ostend. Die Kubanerin. Anfang 8 Uhr. Luise». Gliilcrio». Hierauf: Der Kammerkater. Anfang 8 Uhr. Metropol. Geschlossen. Bcllc-AIliancc. Specialitäten-Dor- stellmig. Anfang 6 Uhr. Apollo. Frau Luna. Specialitäten- Vorstellung. Anfang 8 Uhr. Re:chshnlle». Stettincr Sänger. Ansang 8 Uhr. Passage- Panoptikum. Speciali- lätcn-Vorstelluilg. Urania. Juvalidrustr. 37/62. Täglich abends von 5-10 Uhr: Sternwarte. Xaubenstr. 48/49. Im Theater: Das Land der Fjorde. Ansang 8 Uhr._ CWer-Thtllttr tWnlliicr- Theater). M o r w 1 1 z- O p e r. Mittwoch, abends 7Vz Uhr: Letzte Opcru-Vorstellung.(Kl. Preise). (Abonnements gültig): vis lostigeu Veidsr von Vinüsor. Donnerstag 8 Uhr: Eröffnung der Schanspiel-Saison. Zur Goethe-Feier, zum ersten Male: Iphiii'Ciiie auf'I'uni-ig. Vorher: Ouvertüre zu Iphigenie in Aulls von Gluck, niit dem Schluß von Richard Wagner. Freitag, abends 8Ubr: Iphixeniv auf Tanrls. FrieW�NlNiH. THMer Chaitsseestr. 25 26. Abends 8 Uhr: Zum 25. Male: Germinal oder: Ter Streik der Bergarbeiter. Sensationsstück i» 6 Aufzügen nach dem gleichnamigen Roman v Emile Zola. Regie: Leonh. Ottomeyer. l. Bild: In Nor und Elend. 2. Bild: Der Schwur. 3. Bild: Beim Berg- iverlsdtrektor. 4. Bild: Brot! Brot! Brot! 5. Bild: Am Rande des Ab- gtundcs. 6. Bild: Der Zusammeusturz. Im flrieärlck.Wlllmlmst. Konrertparlt! fZcOI'Kvtt« mit ihren drei Liebhabern. Pariser B u r l e s l e- P a n t o m i m e. Das Rätsel des 19. Jahrhunderts: ttubsrto Vinconto.— Miß Darnett, Salou-Athletin, hebt u. a. ein Piano mit dem Piauiste».— Eugen Milardo, der amüsante Karilatenr.— Patty Frank-Truppe, Akrobaten, 5 Peri. zc. Außerdem 20 Tpceialitäien. Eutrec 30 Pf. D Urania Taubcnstrassc 48/19. Um 8 Uhr: Im Theater: Das Land der Fjorde. InvalMcntttr. 57/68: Tägl. Sternwarte. ittags 5—16 Uhr. Passage-Panopdcum Geöffnet von 9 Uhr früh bis 10 Uhr abends. Aiva! Ken! Das urkomische Böckeburgep Bauern- Ensemble. Anfang der Vorstellung 6 Uhr abends. Cvntvnl Threltep Direktion: lose rerenerx. Lustspiel-EnsemblesFrl.dllllv Krause von: kgl. Schauspielhaus, Herr Otto Pahlau vom Schiller-Theater, Herr Bich. Ewald vom Thalia-Theater als Gäste.) Der Heiratsmarkt. Schwank in 3 Akten v. G. Okonkowski. Anfang 8 Uhr. Morgen und folgende Tage: Die- selbe Vorstellung. � CASTANS PANOPTICÜM Die sensationellen Ä»- lebenden'»«* Photographien! In Lebensgrösse. Die russische IXinnnn" Damenkapelle onllyilUil In moskowltlschen Kostümen. Viele neue plastische Grnppen und Figuren. Metropol- Theater. Behrenstr. 55/57. Von Montag, 27. bis inkl. Tonnerstag, den 3t. Angnst geschlossen. Freilag, den 1. September 1899: Eröfsiliiiig der Winter- Saison. Jane I'Ierny vom Theätre folios dramatiques i» Paris in ihrer Originalscene: Ein Tag ans dem Leben einer Pariser Küiistlcri». ■iUIee Bonhenr, Opcrcttensonbr. von der Bemifes parisienne. Mlle. Dieteele, Chanteuse gom- meuse v. Thäatre Variete in Paris The 6 DainefTs, ikarische Spiele von Damen. ■Miss Uta. Trapeztünstleri». Flenry Ko.v band-Truppe, französisches Tanzterzett. LV Um 8V, Uhr: Ö e r l i n l a rij; f! Revue von Julius Freund, Musik von I. Eiuödshofcr, mit dem rres>.e- Ballett. Achnied(braliim- Trnppe, Turner und Springer. The Kämbler. Jongleur-Scene im Pariser Restaurant. llector und lanraine. musikalische Exceutriqucs. ZIlss Lalla Janiiera, DraHtseilkuustlerin. Anfang TV: Uhr. SftciiD 4(111 Weiß-Theater. sGr. Fraiiksurterstraste>32. Nur noch einige Ausführungen. Die Kubanerin. Anfang 8 Uhr. Borzugsbiliets haben Gültigkeit. Im Garten: Speclalitäten-Vorstellung. Ansang 5V: Uhr. Heute: Letztes Volks- und Kinderfest. Tdalia-Idestei*. Dresdenerftr. 72—73. Wieder-Eröffnung ain 9. Sept. 1899. Einil Thomus. Guido Thiclscher, Fritz Hclmer- ding, HansJunkcrmann, Gerda Walde und Margarethe Arasep. Vollständig neue /t(i88Mtung Bor der Vorstellung: Konzert der Theater-Kapelle (im Tunnel). Berliner Pilsener und Berliner Hofbräu (Brauerei Gregory), dasselbe Bier, welches in den königl. Theatern ver- schänkt wird. Vorverkauf vom 2. September er. ab an der Tageskasse. BiMet- bestellungen von heute an im Theater- burcau. Tel. Amt IVa 6440. I Neichshallen. Täglich: Stettiner Sänger __ Das Rauchen ist in samt- lichen Räumen gestattet._ Victoria-Brauerei Lüüowstraste 111/112. Im Vatiirgurtcn oder Saal Täglich Httinoristifchc Soircc der tiorlllleulselien 8ünger (Pillirmann,, Horst, Walde). , Hasen Ii eide V o. 31— J a Ii n s t r a s s e X o. 8. Jnh.: Max Schindler. Telephon i Amt IV 1132. Empfehle den geehrten Gewerkschaften, Vereinen, Fabriken zc. meine Säle, 300». 1200 Personen fassend(mit Bühne), zn Versammlungen und Festlichkeiten jeder Art. Mittwoch u. Sonntag: Grosser Dali mit Schlangen- und Bonbonregen und diverse» Uebcrraschungen. Täglich: 8peeiaiirilteii-H'orsteliniijr. Entrce frei. Die als Reiscmnster benutzten Tniilen-Kostiimröckc von 4,50—8 M., Jacke u-Ksjtiime von 6—18 M., Golfcapes, Stattb(».!>icgcllinäiitct von 4,50—15 M. stelle am 30. und 31. August zum Einzelverkauf. Horitz Skntscli, Taubcnst. 23,11 Jedermann mnff bcsilzcn die in fünfter 5luflagc erschienene Broschüre: Die ZZechtr nnd Wichte»» des Mieters nach dem nelien Bürgerlichen Gesetzbuch. Komineiitar zuni Mietrccht don Rirfj. Lipiuskr , beziehen durch alle Bnchhandllingeii und Kolportenre, solvie durch die Verlaas- ouchhouidluttg von Rich. Lipinski, Leipzig, Nendniherftr. 11. -. �"chtigc Kolporteure werden noch vom Verlag allerorts bei hohem Verdienst AtfNthr. LmkIIine Lemelline LömsIIine Lemelline ZöMölline briogch oineri?ortsoliritb von �-sit» bragonüster Lscleutuns kür?aini1ien> und Behörden-Haushalt. bewirkt vierfache Haltbarkeit dar Sohlen, unbedingten Schutz gegen nasse und kalte Füsso. Terlitiidert Bruch des Sohlleders, Hosten und daher Ausfallen der SchuhnägeL hat sich laut vorliegenden Zeugnissen von ülillt&rbehörden, ferner von Post- und Kiscn- balinbeaniten etc. in längerer Beobachtung vorzüglich be-a-ährt. DMschet Wliarbetter-Uerbaud. Berwaltungsstelte Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Tischler Rff8mu8 Bonnichseu, am Sonnabend, den 26. ds., plötzlich verstorben ist. Die Beerdigung findet am Donners- tag, d. 31. ds., nachm. 6 Uhr, von der Leichenhalle d. Gethsemanc-Kirchhofes, Nieder-Schönhansen, aus statt. Der Kollege war stets ein Pflicht- treuer, für die Jntereffen aller Ein- tretender. Ehre seinem Andenken! Um rege Beteiligung ersucht 109/12 Die Ortsverwaltmig. Verein l LitlWWhen, Neiildrlllket it. Bernfsgeiiosseu Deutschlands. Filiale Berlin I. Todes � Nnzeige. Am Montag, den 28. August, per- starb unser langjähriges Mitglied, der Stcindrnlker 96/16 E»tt»l Knbe. Die Beerdigung' findet am Donners- tag, den 31. August, nachmittags 6 Uhr, von der Leichenhalle des Kirchhofes der Zionsgemeinde in Weißensee aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 8!! Die Verwaltung. ist in Düben a 60 Pfg., genügend für 2—3 Paar Stiefel oder 4 Paar kleine Schuhe. Ueberall erhältlich! 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Pölsterör, tüchtige, auf Magazin- Arbeit, dauernd. Prinzcssiiinciislraßc21. chlic- 1-37 Tischler ans Lohn. maniistraße 16. Pctry, Geübte Glasschleifer auf Facetten verlangt Hcckert, Prilizcnslraßc 32. Arbeiter, der schon als Rohrleger gearbeitet hat, sucht Bohne, Lichten- berg, Herzhergstraßc 31. 1-29 Tüchtiger Graveiirgchilfe, selbst« ständiger Arbeiter, der einer Werkstatt voll und ganz vorstehen kann, im Stcmpelkchueibc» und Schablonen« fache tüchtig, findet dauernde Stellung. Einsendung von Abdrücken erwünscht an A. Sedlatzek, Breslau, Ring- bilde 96. 2264b Bcrgolder-Gchilfcn auf seine Po- liturleifte» bei gut lohnender Arbeit verlangt Müller, Frnchtstraße 63, 2. Hos I._ 1/44 Fardiginacher und Versilberer verlangt C. Rnthcnbcrg, Ncn-Meißc»- sce, Lebderstraße. 2282b Zusruueideriune». prricktc, sür Krawattcn bei hohen Salär gesucht. Pellcns 11. Laick, Wailstraße 30. Manisells auf bcfferr Jacketts verlangt Lück, DrcSdenerftraße 14. Jiiiigcs tviädchcil findet an- genehmen Dienst bei Thomas, Blücher- straße 21. 2252b Zllleiustehcnde Fran gesucht zur Verwallnng ciiics Hauses auf dem Lande. Schmidt, ZioiiSkirchstraßc 18. Maschinen- Näherinnen verlangt Scholtz, Gitschinerstraße 75, III. Geübte Kartanarbeiterinnen finden sofort dauernde, lohnende Beschästi- giiiig. Karionfabrik MarkiiSstraße 50. Gazeborteu-Veriiäherimieii, Lehr- Mädchen verlangt Thiem, Tjlfiter- straße 34, vorn 2 Treppe»._ 1/44 ÄiumseltS, Kriuiincrtragcii, gute Preise, möglichst im Hanse, verlangt Snländer, Graunstraße lli. 1-47* Filzschuh- Arbeiterinnen, Zwicke- rinnen, und solche, die es lerne» wollen, sucht Graes, Markusstraße 50. Bergolderin verlangt Schltema»»- straße 39. 22460 Cnrton-Arbeiterinnen in und außer dem Hause gesucht Kommandanten- straße 15. 2235b Plätterinnen auf geschweifte Um- legekrageii und Stchlragen im und äußern Hanse verlangt Max Trepve, Schönhauser Allee 167». 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Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Mar Bading in Berlin. km» 2. ßtilnjt des.Fmörts" Derlim WsblM««»>»-«»>« 1899. 4K. Ctllerillttrsllmiillung lier Kathliken DeiitschlllM. N e i s s e, dc>i 28. August. � Gestern abend fand unter sehr zahlreicher Beteiligung die Ve- ariiszung der Teilnehmer statt. Die geplante polnische Verjammlung fiel aus, da zu wenig Polen erschienen waren. Gegen IOV4 Uhr mittags wurde die erste geschlossene Generalversammlung von dem Vorsitzenden des Lokalkomitees, Oberbürgermeister Warm- brunn-Neisse eröffnet. Abg. Porsch befürwortete hierauf eine längere Erklärung, in welcher die volle Freiheit des Papstes gefordert wird. Die Erklärung lautet: Die 46. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands erhebt wie alljährlich so auch in diesem Jahre eindringlichsten Einspruch gegen die Lage des heiligen Stuhles in Rom seit dem Jahre 1870, welche den durch den Ablauf so vieler Jahrhunderte geheiligten Rechtsansprüchen der katholischen Kirche in der schroffsten Weise widerspricht und für die Person des heiligen Vaters wahr- Haft unerträglich ist. Sie erklärt ihre volle und rückhaltlose Zustimmung zu den von unserem glorreich regierenden Papste Leo XIII. in seinem Rnndschreiben vom 8. August 1893 an die Bischöfe, die Geistlichkeit und das Volk Italiens gerichteten, aber auch für die Katholiken des ganzen Erdkreises geltenden Worte:„Die italienischen Katholiken, eben weil sie Katholiken sind, können nicht das Verlangen aufgeben, daß ihrem höchsten Oberhaupte die notwendige Unabhängigkeit und die wahre und wirkliche Freiheit ganz und voll wiedergegeben werde, welche die unerläßliche Bedingung der Freiheit und Unabhängige keit der katholischen Kirche ist." Sie erkennt in der Stellung und der Aufgabe des Papst- tum? in der Welt den wichtigsten Faktor zur Sicherung des Friedens und hält darum den heiligen Stuhl in erster Linie für berufen, den Schiedsrichter bei jedem Jnteressenstreite der Völker und Staaten zu sein, wie es derselbe von den Zeiten Attilas an oft erfolgreich gewesen ist." Die Erklärung gelangte sogleich einstimmig zur Annahme. Im weiteren beantragte Porsch noch eine Erklärung anzunehmen, in welcher vor dem leichtsinnigen Auswandern gewarnt wird. Nach längerer Befürwortung seitens des Vertreters des St. Raphaels- Vereins, Kaufmann Mehnberg(Hamburg) wurde auch dieser Erklärung einstimmig zugestimmt, welche folgenden Wortlaut hat: „Die 46. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands wariit dringend vor leichtsinniger Auswanderung nach überseeischen Ländern und empfiehlt allen deutschen Katholiken, welche durchaus ihr Vaterland verlassen wollen, den Rat und die unentgeltlich zu leistende Hilfe der Vertraucnsmänncr des St. Raphael-Vereins in Anspruch zu nehmen. Der St. Raphael-Verein wird auch von der 46. Generalversammlung den deutschen Katholiken zur Unterstützung aufs angelegentlichste empfohlen." Bereits gegen 4 Uhr nachmittags ergoß sich ein so gewaltiger Mcnjchenstrom nach der Jesthalle, daß dieselbe schon lange vor Be- ginn der ersten öffentlichen Generalversammlung gefüllt war. Der Präsident, Reichsgerichtsrat Dr. Spahl,(Leipzig) eröffnete&ie_ Versammlung. Der Präsident hob rühmend hervor, daß der Kaiser offen sein Christentuni bekenne und den Beweis gc- liefert habe, daß er' seinen' katholischen Untcrthanen das größte Wohlwollen entgegenbringe.„Die katholische Kirche hat es sich stets zur Aufgabe gestellt, dahin zu wirken, daß das deutsche Volk Treue und Gehorsam seinem Herrscher erweist. Wenn aber die katholische Kirche dieser ihrer Aufgaben gerecht werden soll bann ist es dringend notwendig, der Kirche volle Freiheit zr wahren. Es mülsen ihr alle Kräfte freigegeben werden, auch � Jesuiten.(Stürmischer Beifall.) Obwohl wir noch lange nicht am Ziele sind, wollen wir den Mut nicht einen Augenblick verlieren. Die Friedenskonferenz im Haag hat weder für den Frieden, noch für die Abrüstung irgend einen greifbaren Erfolg gr gcitigt. Der heilige Vater sitzt als Gefangener im Vatikan, dieser Friedensfür st war von der Haager Kon- ferenz ausgeschlossen. Trotzdem ist unser glorreicher heiliger Vater ein lumen de coelo(Himmelslicht), und trotz- dem fühlen wir Katholiken u»S so stark, daß wir die Katholiken von ganz Europa für das nächste Jahr zu einem internationalen Kongreß nach München eingeladen haben.(Stürmischer Beifall.) Wenn auch der Weg, den tvir noch zurückzulegen haben, noch ein sehr weiter ist, so geben wir doch die Hoffnung, daß wir unser Ziel erreichen werden, nicht einen Augen- blick auf._ Es fällt uns nicht ein, die Flinte ins Korn zu werfen. (Rufe: Niemals.) Wir haben noch große Aufgaben auf politischem und socialem Gebiet zu lösen. Auf der im Jahre 1886 zu Breslau stattgefundenen Generalversammlung sagte unser Windthorst:„Wir haben in der letztpn Landtagssession, dank des Entgegenkommens Sr. Majestät des Königs Wilhelm und des Fürsten Bismarck, viel erreicht, es bleibt ober noch viel zu thun übrig. Ich werde nicht eher ruhen bis alles erreicht ist." Es ist unserem Windthorst nicht gelungen, dies Ziel zu erreichen. Unsere Aufgabe ist es, diesen Ausspruch unseres Windthorst als Vermächtnis zu betrachten.(Stiir- mischer Beifall.) Wir wollen nicht eher ruhen, bis unsere katholische Kirche die vollen Rechte und Freiheiten wieder erlangt hat, die sie vor dem Kulturkampf hatte.(Stürmischer Beifall.) Kardinal-Fürstbischof Dr. Kopp begrüßte alsdann die General Versammlung. Der Herr Präsident, so etwa führte der Kardinal- Fürstbischof aus, hat bereits darauf hingewiesen, daß man bemüht «st, den Weltfrieden herzustellen auf einer anderen Grundlage als auf der der Religion. Der Apostel sagt aber: Einen anderen Grund kann man aber nicht legen, als der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus." Anders als auf der Grundlage der Religion und der Kirche kann der Weltfrieden niemals hergestellt werden. Deshalb dürfen die katholischen Christen nicht aufhören zu kämpfen, bis der Thron Petri wieder die volle weltliche Macht und die Kirch.e die volle Freiheit erlangt hat. Die Einigkeit ist die Stärke der Katholiken. Ich habe das volle Vertrauen, daß das katholische Volk, trotzdem man bemüht ist, Mißtrauen und Zwietracht zu säen, stets treu und fest hinter seinen Führern stehen lvird.(Stürmischer Beifall.) Die Versammelten knieten dann nieder, während der Kardinal- Fürstbischof der Versammlung den Segen erleilte.— Professor Dr. D i t t r i ch- Braunsbcrg sprach hierauf über die Aufgaben der katholischen Kirche im Orient, besonders in Palästina.— Jesuitenpater Pesch-Exeden(Holland) sprach über„das Christentum als Grundlage des wirtschaftlichen Lebens". Der Redner suchte' in längerer Ansprache den Nachweis zu führen, daß das Christentum mit der Wissenschaft vollständig vereinbar sei. Das Christentum sei aber auch in keiner Weise' ein Hindernis für den Fortschritt des wirtschaftlichen Lebens. Im Gegenteil,, das Wirtschaftsleben könne sich lediglich auf der Grundlage des Christen- tums voll entwickeln. Die christliche Religion sei die Religion der Armen. Jesus Christus sei zur Menschheit herabgestiegen, um den Armen und Elenden zu helfen. Das Christentum bilde' die Grund- läge für die sociale Versöhnung. Die erste öffentliche Generalversammlung wurde gegen 8 Uhr abends geschlossen. Ans der Fvnuottbemeguttg. Zur Dieiistboten-Bcwcgnng. Die bürgerliche Presse fährt fort, sich in erregtester Weise mir der Dicnstboten-Bewcgung, und vor allem mit unseren in der Berliner Volksversammlung am 17. August aufgestellte» Forderungen zu beschästigen. Die �Post" ruft nach wie vor nach strengen Maßregeln gegeu das Eindringen des socialdemokratischen„Gifts" in die' Familien. Sie fürchtet vor allem, daß socialdemokratische Dienstboten„Unterredungen bc- lauschen und Schriftstücke entwenden" würden, die„für � socialdemokratische Zwecke förderlich" scheinen, oder gar die Kinderstube mit Socialismus infizieren könnten. Die „Staatsbürger- Zeitung" munkelt schon von einem„über das ganze Reich sich erstreckenden Verband" der Dienstboten, den lvir zu gründen im Begriffe stehen und' eine ganze Anzahl anderer Blätter rufen Wehe darüber. Aus alledem geht hervor, wie gerade die Dienstboten-Bewcgung der Bourgeoisie Schrecken einflößt. Mit ihr dringt der„Aufruhr" gewissermaßen über die Schwelle jeder Familienwohnung, durch sie gerät eine Säule der kapitalisti scheu Gesellschaftsordnung bedenklich ins Wanken; denn au' den Dienstboten beruhen ja die Ordnung des Hauses, die Genüsse der Tafel, die Erziehung und Wartung der Kinder. Aber es fehlt auch nicht an praktischen Ratschlägen zur Lösung der Dienstbotenfrage, ehe die Socialdemokratie sie„ganz in die Hand bekommt". Die„Soc. Korrespondenz", die gegen das Eindringen der kontrollierenden Polizeigewalt in die Intimität der Familie pro testiert, obwohl sie viele Klagen der Dienstboten über Wohnung Beköstigung und dergleichen als berechtigt anerkennt, schlägt die planmäßige Entwicklung von Haüshaltungsschulcn und den� kostenfreien Besuch solcher Schulen vor.' Diei Herr schaften, die dort erzogene Dienstboten annehmen, sollten ver- pflichtet werden, einen Zuschlag zu dem Lohne als Zuschuß zu den Kosten der Schule zu leisten und sich einer von den Schulen zu übenden Kontrolle zu unterwerfen. So berechtigt und ausführbar der Wunsch nach Haushaltungsschulen und ihr unentgeltlicher Besuch ist, die Forderung eines Lohnzuschlags und einer Kontrolle, die doch auch in die„Intimität der Familie" eindringen müßte, wird wohl stets unerfüllt bleiben, so lange kein gesetzlicher Zwang hinter ihr steht.— Auch die Gesindevermicter und Vermieterinnen haben kürzlich in einer Versammlung zur Dienstboten-Bewcgung Stellung genommen. Sie protestierten gegen die Vorwürfe, das Gesinde auszubeuten, und erklärten, daß der Unterstiitzungsverein der Dienerschaft Deutschlands es seinerseits thue, was ja auch in früheren Versammlungen vielfach von ehemaligen Mitgliedern des Vereins behauptet wurde. Ihr Zorn gegen den Verein ging so weit, daß sie den Anschluß der Dienstboten an die Socialdemokratie, die doch klare und bestimmte Forderungen aufstelle, für wünschenswerter halten, als ihre Be teilignng an jenem Verein. So sorgen schon die Gegner dafür, daß die Dienstboten-Bewegung nicht mit der Rückkehr der„Herrschaften" von den Sommerrcisen wieder einschläft. Sie kräftig gegen alle Angriffe zu unterstützen und ihr die Wege zu weisen, die sie vorivärts zu gehen hat, wird nach wie vor unsere Aufgabe sein. Zunächst sollte sich die Volksvertretung der Sache annehmen und sich erkundigen. wie es um die Ausführung der am 11. März 1897 im Reichstag angenommenen Resolntion Lenzmann steht, durch die die verbündeten Regierungen ersucht ivurden, dem Reichstag b a l d i g st einen Gesetz cntwurf vorzulege», wodurch die Rechtsverhältnisse der land- und forstwirtschaftlichen Arbeiter und des Gesindes reichsgesetzlich geregelt werden sollten. Ist sie in denselben großen Papierkorb gefallen, in dem Hohenlohes Versprechen begraben liegt?— Ter Berliner bürgerliche Francuvcrcin„Franenwohl hat für die Tage vom 4. bis 7. Oktober eine Delegiertenverjanimlung aller auswärtigen gleichnamigen Vereine einberufen, von denen es eins ganze stattliche Anzahl giebt. Es liegt die Absicht vor, einen gemeinsamen Verband zu gründen, der die öffentliche Vertretung der Forderung politischer, wirtschaftlicher und rechtlicher Gleichstellung des weiblichen Geschlechts zur Aufgabe haben soll. Gewiß ein nütz lichcs Beginnen. Wir wundern uns nur, daß die Damen in einen« Lande den Mut dazu habe««, wo die Teilnahine von Frauen an politischen Vereinen und das Jnverbindungtrcten s olchcr Vereine verboten ist, wo Ar beiterinnenvercine als politische bezeichnet und aufgelöst wurden, weil sie Vorträge über rein wirtschaftliche Fragen halten ließen, wo Frauen� Agitati'onskoinmissionen, die weder Satzungen noch Vorstand besaßen, für politische Vereine erklärt ivurden und ebenfalls aus einandergehen«nußten I Oder sollten die Damen schon so genau wie wir«vissei«, daß es zweierlei Recht giebt?! Der Umstand, daß die Delegiertenversammlung in« Reichstagsgcbäude tagen darf, liefert allerdings einen Beivcis dafür. Auf der Tagesordnung steht übrigens auch die Arbeiterinncnfrage, über die eine bisher noch gai«z un- bekannte Frau Zcrbst referieren lvird. Veesnunnluttgen. Ucber die Lohubewcguug der Stcinarbcitcr erstattete S ch a u e rh a m in e r am Montag in einer öffentlichen Versammlung Bericht namens der Kommission. Er führte unter anderem aus, die Situation habe sich«vcnig geändert. Die Haltn'ug der Streikenden sei eine tadellose. Die lveiiigen Streikbrecher, welche ihren Kollegen in den Rücken gefallen sind, könnten an dem Endresultat des Streiks nichts ändern. In den Betrieben der Unter- nehnicr mache sich infolge des Bunzlaner Ausstandes schon ein fühlbarer Mangel an Rohmaterial bemerkbar, so daß die Unternchincr auf verschiedenen Bauteil statt schlesischcn Materials sächsisches und haniiövcrsches zu Vcrlvendcn suchen. Weiterseien die Berliner Firmen bemüht, ihre Steinnictzarbcitcn auslvärts an- fertigen zu lassen, besonders in Pirna und Riesa. Die dortigen teinmetzen hätten sich aber mit den Berliner Kollegen in vollem Umfange solidarisch erklärt und sie verlveigern jede für Berlin be- stimmte Arbeit. In Pirna haben aus diesem Grunde 25 Kollegen die Arbeit niedergelegt. Einer Arbeitsniederlegung von 80 Kollegen in Riesa konnte nur dadurch vorgebeugt«verde««, daß der betreffende Unteniehiner erklärte, er«verde die ihm übertragenen Berliner Arbeiten nicht ausführen lassen. Die von den Streikenden heraus� gegebene Denkschrift— so führte der Redner«veiter aus— liege den Unternehnicrn schwer im Magen uud sie versuchen deshalb die Angaben der Denkschrift zu«vidcricgen, indem sie in der bürgen lichen Presse Behauptungen aufstellen, welche den Thatsachen direkt widersprechen. So«verde seitens der Unternehmer behauptet, daß zwischen Meister«« und Gesellen ein Tarif vereinbart«vorden sei, der bis zum 1. März 1900 Gültigkeit habe und der Streik daher gegen die Abmachungen verstoße. In Wirklichkeit verhalte es sich hiermit folgendermaßen: Es sei zwar ain 1. März 1896 ein bis Ende Februar 1898 gültiger Tarif zivischcn der Innung und den Gesellen vereinbart, er sei aber, nachdem die Geltungsdancr abge- laufen war. nicht«vieder eriiencrt«vorden. Die entgegengesetzten Behauptuiigen der Unternehmer seien nicht zutreffend, und von einem stivolen, unberechtigten Streik könne keine Rede sein. Der beste Beiveis dafür, daß die Unternehmer selber nickst von dem,«vas 'ie jetzt in der Presse behaupten, überzeugt sind, se««vohl die That- «che, daß sie sich weigerten, vor dem Einigungsamt zu erscheinen, «vo doch ihr vermeintliches Recht hätte festgestellt«verde» können. Ebenso unrichtig«vie die Angaben bezüglich des Tarifs sei die Be- haupturrg der linternehmev, die Steinmetzen verdienen bei durch- 'chnittlich achtstündiger Arbeitszeit einen Tagclohn von 6 M. Wenn das der Fall«väre, dann hätten die Arbeiter doch nicht nötig, u»n einen Stundenlohn von 70 Pf., also> bei achtstündiger Arbeitszeit 8,60.M.. pro Tgg. zu streiken.(Sehr richtig!) In den von den Unternehmern herrührenden Zeitungsartikeln«verde gesagt: Wenn «lach' den unkontrollierbaren Angaben- der Streikenden die Lebens- dnuer der Steimnetzen sich trotz der verkürzten Arbeitszeit gegen rüher nicht gehoben habe, so gehe daraus hervor, daß daran nicht die Länge der Arbeitszeit, sondern der unsolide Lebensivandel der Steinmetzen schuld sei. Dieser Verdächtigung der Arbeiter eines ganzen Bernfes— sagt der Redner—', nüsse man entschieden entgegentreten. Eine seit Jahren von der Steinarbeitcr- Organisation aufgenoinmene Statistik, an der sich 70 Proz. aller Berliner Kollegen' beteiligten, habe für die Betreffenden ein Durch- 'chnittsalter von 29 Jahr 1 Monat ergeben. Davon stehen 80 Proz. iin Alter bis zu 38 Jahren und nur 20 Proz. erreichten ein Alter über 35 Jahre. Von den Kranken, die 33 Proz. der Befragten aus- inachen, litten 72 Proz. an den Atmungsorganen und davon starben 26 Proz. an der Schivindsucht. Ferner' habe die Statistik ergeben, daß nur 17 Proz. aller Steinarbeiter länger als 20 Jahre und nur sehr«venige über das 40. Lebensjahr hinaus dauernd iin Beruf thätig sind. Die eminente GesundhcitSschädlichkcit des Stein- mctz-Bernse's sei auch durch den Berliner Gelvcrbera't Dr. Sprenger soivie durch den Licgnitzer Gewcrberat aintlich konstatiert«vorden. Angesichts dieser Thatsachen«vagen es nun die Unternchincr, öffent- lich zu behaupten, daß der„unsolide Lebensivandel" der Steinmetzen an der Vcrlürzung ihrer Lebenszeit schuld sei. Wenn die Unter- nehmcr«veiter angeben, daß in Berlin bereits 150 Steinmetzen zu den alten Bedingimgen«veitcr arbeiten, so sei auch das univahr. Höchstens 70„Arb'citstvillige" hätten sich in Berlin gefunden, dieübcrgroße Mehrheit der Streikenden stehe fest und geschloffen zusammen, und da ihnen durch Beschluß der Gciverkschaftskoiinnijsion die Unterstützung der gesamten Berliner Arbeiter zugesichert ist, so sei auf einen Sieg mit Bestimmtheit zu rechnen.'(Brifall.) Thomas ergänzte die Darlegungen des Referenten noch durch weiteres Material, und auch andere Redner stimmten den vorstrheNdenÄusführungen zu.— Folgende Resolution wurde einstimmig angenomineniDieheut imEnglischenGarten versammelten Steinmetzen«veisen die von den Meistern in der bürger- lichen Presse verbreiteten Anschuldigungen und Verlämndniigen der Arbeiter ganz entschieden zilrück und beschließen, den Streik so lange «veiter zu führen, bis ihre Forderungen bewilligt sind.— Unter „Verschiedenes" wurde Jen» er in den Central-Ausschuß an Stelle des bisherigen Mitgliedes Ulbrich geivählt. In einer Berfa»«, mlnng der Anilinarbciter am Sonnabend hielt Wagner einen Vortrag. über den Einfluß der Farbe auf den Menschen und besprach im Verlaufe des Vortrages auch die Berufs« krankhciten der Anilinarbeiter.. Jir der Diskussion ivurden die Miß- stände in der Anilinfabrik besprochen und schliefflich eine Resolution angenommen, durch die das Bureau aufgefordert wird, bei der Direktion um Abstellimg der bestehenden Mißstände vorstellig zu werden.< Sonntag, den 27. August 1899, hielt die Filiale I des Deiltschen Textilarbeiter- Verbandes im Lokale Königsbank, Gr. Frankfurterstr. 117, eine Versammlung ab. Auf der Tages-! ordnung stand der Streik in der«ncchanischen Weberei von Feibisch. Kollege Karl Hübsch führte aus, daß der Fabrikant seit langer Zeit bemüht ist, seinen Arbeitern das Koalitionsrecht streitig zu machen; in letzter Zeit jedoch hätten sich die meisten Kollegen dieser Fabrik der Organisation zugeivendet, der sie bis dahin ferngestanden hatten. Redner sagt, die Ursache des Streiks sei darin zu suchen, daß der Fabrikant den Hilfskassierer des Verbandes, Kollegen Reinartz, l gemnßregclt hat, und bezeichnet es als anerkennenslvert, daß� sich die anderen Kollegen(105 Personen)«nit dein Gemaßregelte«� solidarisch erklärten. Der Kommission der Streikenden erklärte der Fabrikant, daß er in den Fabrikräninen, auch auf Treppe.und Hof keine Zeitungen verteilen lasse und auch keinen Markenverkauf duldest Nach längerer Debatte, in der noch verschiedene Mißstände in dieser Fabrik kritisiert«vurden,«verde«« folgende Anträge angenommen: Die Versammlung erklärt sich mit den Streikenden solidarisch und beauftragt die Fächkommission des Verbandes, mit dein Fabrikanten in Unterhandlung zu treten. Zum Schluß ivurden die Namen der- jenigen bekannt gemacht, welche weiter arbeiten und dafür aus dem Verbände ausgeschlossen ivurden. Die Tapezierer hielten am 27. August eine öffentliche Ver- sammlung ab für die in der Klebebranche Beschäftigten. Biester geißelte in seinem Referat die univürdigen Zustände der Kleber auf den Bauten, schlechte Behandlung durch die Meister, niedrige Löhne im Accord. die Anforderungen an die Leistungsfähigkeit werden immer größer, lvohingegen der Lohn auf das niedrigste Niveau ge- funken«st. Die Schuld trifft einerseits die Kollegen in der Klebe- brauche selber; andererseits hat auch die bestehende Organisation der Tapezierer gerade diese Kollegen vernachlässigt. Es herrschte eine sehr gute Stimmung in der Vcrsammlilng. Die vorgeschlagene Resolution wurde gegen eine Stimme angenommen. L e 0 S ch m i d t als Vertrauensmann der Berliner Kollegen gab die Erklärung ab, er hätte nichts dalvieder, wenn die Kleber sich organisierten, sie möchten jedoch»«icht eine eigene Branche bilden. Die Resolution lautete:„Die Versammelten erkennen an, daß nur eine starke Organisation im stände ist, die Lohn- und Arbeits- Verhältnisse der Kollegen zu regeln und verpflichten sich dieselben, dem Centralverbande der Tapezierer beizutreten in einer eigenen Branchenorganisation, mit selbständigein Verwaltungskörper, im Ein- Verständnis' mit der bestehende«« Organisatio««." Es'lvurdcn folgende Kollegen in die Agitationskommission geivählt: Strasser, Löschke, Klatt, Schröder, Neumann, Bruno, Hänel. Der Vorsitzende machte bekannt, daß Sonntag, den 3. September, die erste Mitgliederversa»«inlung stattfindet; Zeit lind Ort lvird bekannt gegeben. Die Korbmacher hielten am Montag bei Wilkc, Andreasstraße, eine Branchenversammlung ab, uin die gegcnivärtige Siwntion in der Korbmacherbranche zu besprechen. Nach den Ausführungen der verschiedenen Redner haben sich die Lohn- und Arbeitsverhältnisse in der letzten Zeit außerordentlich verschlechtert. Es wurden ver- schiedene Werkstätten gekennzeichnet, in«velchcn geradezu schinachvolle Zustände herrschen. Neben dein Mangel an genügender Arbeits- gclegenhcit ist besonders die Jntercssenlosigkeit eines Teils der Korb- machcr, die sich in keiner Weise an den Organisationsbestrebungcn beteiligen, schuld an dieser Verschlechteri«ng der Arbeitsverhältnisse. In nächster Zeit soll deshalb eine recht rege Agitation in den ein- zelnei« Werkstätten stattfinden und soll der Holzarbeiter-Verband die- elbe durch agitatorische Kräfte möglichst unterstützen.— In der nächsten Branchenversainmlung lvird ein Referat über Konsum- und Prodnktiv-Gcnosseiischaften gehalten werden. In Grosj-Lichtcrfcldc fand an« Montag eine öffentliche Partei- Versammlung statt, die in Anbetracht der Ivichtigen Tagesordnung eine größere Beteiligung erwarten ließ Genosse Paul Fahl« hielt einen«nit Beifall aufgenommenen Vortrag über die Klassengegensätze der bürgerlichen Gesellschaft. Von einer Diskussion«vurde abgesehen. Als Delegierte zur Kreiskonfercnz wurden die Genossen G e i s e n- Kersting, Stein berg und Wenzel geivählt. Genosse Box- h e i m e r nahm Veranlassung darauf hinzulveisen, daß der„Vor- Ivärts" zu allen, die Partei berührenden Angelegenheiten, keine Stellung nehme, sondern nur die Meinung der Parteigenossen referierend«viedcrgcbe. Es sei notlvcndig, und der Wunsch der Parteigenossen. daß der„Vorwärts",' als Ccntralorgnn der ocialdemokratischen Partei, zu allen wichtigen politischen Tagcsfragen und vor allein, zu den die eigene Partei be- treffenden Angelegenheiten Stellung nehine. Redner stellt den An- trag, die Delegierten zu bcaustragen. diesem Wunsche der Partei- gciiossen auf der Krelskonfcrenz Ausdruck zu verleihen. Genosse u m.m e r möchte die Militär-Kontrollversammliiiigen im„Vor- «värts" veröffentlicht sehen. In Berlin«vürden dieselben allerdings öffentlich angeschlagen, in der Umgebung aber nur in den Kreis- und einigen anderen Blättern, die der Arbeiter nicht lese, bekannt gegeben. Unter„Verschiedene«»" bringt Ahlcrs eine Beschtverde über den Vertrauensmann in Steglitz vor; die Angelegenheit lvird dein Vertrauensmann für Groß-Lichtcrfclde zur Erledigung übertviesen. Vevmifchkes. Eil« kurioser Wahlscherz wird aus cinein Dorfe der Ober- lausitz berichtet. Der Genieiudevorstand hatte die Listen für die bc- vorstehende Landtagsivahl aufzustellen. Alles«var in Ordnung, kein Wähler«var ausgeschlossen; nur der Amtsrichter stichtc vergeblich nach seinem Namen. Auf seine Anfrage beim Genieiudevorstand wurde ihm der salomonische Bescheid zu teil, daß„juristische Per- oncn" laut gesetzlicher Bestinimung nicht wählen dürsten. Der Gc- mcindcvorstand hatte noch nichts davon gehört, daß es auch Stiftungen, Gesellschaften, Bereine usiv.»nit dem Rechte der juristischen Person giebt. Spittelmarht IG/IT*. 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Einsegnungscostüme�Äl�Mk. Kragen zur Einsegnung, Ä 4L?. Kragen zur Einsegnung, Ä ö&i Schwarze Damenstrümpfe, pL Schwarze Damenstrumpfe, j-_ deutsch lang 4-> Pf Einsegnungs-Stickerei-Röcko 105 9 ü.» Q 00 Mk. Einsegnungshemden 95 pf Einsegnungsbeinkleider 75 Pf Gesangbücher Ij' Einsegnungstaschentücher. 23 pf 38 pf 48 pf Rlädchen-Schnür- u, Knöpfschuhe S50 Mk. □ädchen-Schnür- u. Knopfschuhe mit Lackblatt 4L?. SSO •Mk. öMk. Mk. 50 Mk. 8«» f�ädchen-SchiUlrstiefel Mädchen-Knopfstiefel Knabenschnürschuhe Knaben-Schnürstiefel Knaben-Zugstiefel■. Schwarz gemusterte Wollstoffe 8 50 'Mk- R7a w.Mk. x rr. VMfc. O 50 öjlk. 5l" ■öl®. t 2.» �Mk. 120 Mk. 9 35 "•Mk. 1 75 J-Mk. 1 05 JMk. 9 75 �Mk. Mtr. 75 Pf Schwarz Cachemire, doppelt breit M.r. 75 Pf Schwarz reinseid. Merveilleux, Mtr. Schwarz reinseid. Damassöe, Mtr. Silberne Knaben-Uhren. Silberne Mädchen-Uhren. Stahl-Uhren..... Knaben-Kragen, 1 10 AMk. 1 50 •iMk. 0 50 •<11 k 973 Mk. 5-75 •«Mk. 25 pf Knaben-Serviteurs, weiss, stück 35 pf Knaben-Cravatten, farbig nnd schwarz, 25 und 38 Pf Knaben-Hllte, schwarz, mit Futter 1 05 1 45 1 05 JMk. 4-Mk.-»Mk. Knaben-Spazierstöcke, hüb�cUont 45 Pf 65 Pf 95 Pf Knaben-Hosenträger, p�'.t. 48 Pf Leinen- und Baumwollwaaren. 28, 85 Pf 38, 45 Pf 45, 55 Pf 70, 90 Pf 85, 95 pf 75, 90 pf 95 Pf Im®, Hemdentuch Meter 20, 23, Louisianatuch Meter. 33, BeltSatin Kissenbreite Meter. Bettsatin Deckbettbreite Meter. Lakendowlas Meter... Inlett Kissenhreit« Meter 48, 60, Inlett Deckbettbreite Meter. 7e), Züchen Meter 25, 30, 38, 45 Pf Tischzeuge. Gersienkcrn-Handtücher Dutzend 3.�.4®®. Stubenhanritücher Dutzend 3m® 5U. 61:1 Staubtücher Dutzend. 90 Pf Im®. Im® Wischtücher Dutzend. Im®. 2Z S.Mk. Blcmen-Weisswaarea. Decorations-BIumen. Rosen, stiel.4,1.4. 8 pt Flieder, stiel. 4 4 4 4.. 18pt Nelken, stiel.; 4 4 4 i. 12 Pf Aster, stiel 4 4 4; 4; 4 10 Pf Akazien, stioi 4;: 4;; 28pf Chrysanthemum, stiel. 4:; 25 Pt Sammet-Zacken-Kragen,»iie Farben 95 Pf Abgepasste Spitzen-Rüsche Stack 25 pt Spitzen-Cravatten stück 55 pf. Ifl, Diverse Artikel. für 100 200 Ivartcn Postkarten-Album 45 � 75 pt. Crepe-Papier ��cfirmd 8 Pf Seiden-Papier In allen Farben Rolle 3 Pf Lampenteller.... stück 5 Pf Q Briefpapier-Carton© 25 Bogen, 25 Couverts..... 23 Pf 60 Bogen, 50 Couverts... 4. 45 Pf Drachen...... Stack 20 Pf kt» lAauizägei* ITiibrlkat. sau Goidwasser.... Flasche 1ZZ Kurfürstl. Magenbitter Fiasch# 1�® Tapisserie, vorgezeichnet resp. fertig gestickt. Besenhandtücher reichlich lang mit roth, blauer Einfassung Küchentischdecken r.... 48 pft. Wäschekorbdecken.... 48 ff«. Klamrnerscbürzen.... 32 pf?-. Brodbeutel.. 4: 125 1»5 Mk.-»Mk. mit bunter Einfassung. 7 S Pf mit bunter Einfassung. 78 Pf mit bunter Einfassung. 68 Pf ..... 20 PL 25 Pf Frühstücksbeutel.........;...... 8 Pf. 10 pf Tablettdecken grau Leinen mit Saum, neue Strickmuster 4,..«... 28 Pf Leinene Eisdeckchen mit Saum und bunten picot» ,44....... 3 Pf Küchen-Handtücher mit Fransen. 45 Pfg. mit Saum.... 68 Pf Schiummerkissen mit Rückseite, mit neuen Sprüchen 1-9 Pf, 38 Pf Weisse Tischläufer besonders Preiswerth............. 78 Ff Wäschebeutel fortig........................... 60 Pf JapanbrodkÖrbe mit vorgezelebneter nnd Spitzen gernlrter Ginlage, 4 4 4», Stück 25 Pf Staubtuobtasohen mit Ring,....................;; 4.. 20pf Jandorf-Kaffee,<«1° gwwiet, v, phimi st, 40, 50,«0, 70, so« Seifen etc. Gelbe Transparent-Seife, wem, stack 6 Pf Gel beTransp.-8eife,8Toss,10 Pf. Stück 25 pt Eschweger Seife, wem.; stack 0 pt Eschweger Seife, gross, 9 pf,»stück 25 Pf Oberschaal-Seife, Prima Quai, s-aek 1 5 Pf. Riegel 70 Pf Dbersohaal-Ssife II, stüeklOpf.mcg-i 55 Pf Waschblau..... 2 p«"* 5 pt Karol Weil's Seifen-Extract 10 15 Pf Gluhlichtstrümpfe, Prim«ou«L 28 pf ........ 5 10 Stück Gluhlichtstrümpfe, w Cartona Brenner für Gasglühlicht 55 Pf Photographie. Visitbilder 1 peraon l Dutzend IF�. Cabinetbilder 1 Ptraoa 1 Dutzend 4M®. Photographien auf Postkarten 1 Person 6 Stück 75 pfe.» p-raon 12 Stück Im®, Die Anfhahmen finden von 8 Uhr Margen« ble 4 Uhr Maohmlttags in wirklich künatleriaohcr Woiae in unaerem photopraphiachen Atelier- Beile-AMlancectrasse 1—2 statt Den geehrten Inhabern unserer gSSir Rabattsparbiicher"WD zeigen wir hierdurch ergebenst an, dass die Auszahlung des Rabatts Freitag, den i. September, Sonnabend, den 2. September, Montag, den 4. September, und die folgenden Tage stattfindet und bitten wir, die Beträge gefl. in Empfang nehmen zu wollen. SScruiihnortlicbcr Slicbacleut; Robert Schmidt In Berlin, ftüt ben ftnferotenteil verantwortlich: Tb. Glocke In Berlin. Druck und Verla» von Max Babing in Berlin.