Nnterhaltungsblalt des Horwärts Nr. 210. Donnerstag, den 27. Oktober. 1898 (Nachdruck verboten.) 18] Meu" Roman von Georges Eekhoud. Bei den halboffiziellen Diners, die im Hause Dobouziez jetzt häufig stattfanden, hatte der junge Paridael auch die Be- kanntschaft Door Bergmans g-macht. Das freimüthige Wesen und die ungekünstelte Art seines Auftretens hatten den sonst schwer zugänglichen Laurent von vornherein für Berg- maus eingenommen. Die Vertrauten des Hauses nahmen nach wie vor keine Notiz von der Anwesenheit des armen Verwandten.„Sie erinnern sich doch noch, was ich Ihnen am Tage des Stapcllaufs des Schiffes prophezeit habe?" bemerkte Giua in scherzhaftem Ton zu Bergmanns.„Gewiß I" erwiderte Door.„Und ich muß sagen, daß mich der Bursche hier, auf den sich doch wohl Ihre Voraussage bezog, ungemein inter- essirt hat. Die paar Worte, die ich ihm entlockt habe, lassen auf eine Natur schließen, die das landläufige Durchschnittsmaß weit Überragt." Wenn Giua dieses Lob auch nicht ernst nahm, so ließ sie sich doch von Stunde an öfter dazu herbei, den Vetter in die Unterhaltung zu ziehen. So leicht sich Herr Dobouziez das vorgestellt hatte, ließen sich die Heirathspläne mit Gina übrigens nicht verwirklichen. Es gab genug Hindernisse, die sich der Sache in den Weg stellten, so reich und schön die Erbin auch war. Die Heiraths- kaudidaten gaben sich über ihren herrschsüchtigen Charakter, ihr aufbrausendes Temperament und nicht minder auch über ihre ausgesprochene Vorliebe für Tand und Prunk nicht un- berechtigten Befürchtungen hin. An Kourmachern fehlte es ihr freilich nicht, beständig scharwenzelte ein ganzes Heer von Süßholzrasplern um sie herum, die in Galanterien und Liebes- getändel einander überboten, aber sich wohlweislich hüteten, ernstere Schritte zu thun. Cora und Angela Vandcrling, Gina's jüngere Frcun- binnen, hatten sich inzwischen mit Athanasc. und Gaston Saint-Fardicr verheirathct. Sie belästigten ihre Freundin durch Mittheilungen über die intimsten Angelegenheiten des ehelichen Lebens und rühmten die Freiheiten, deren sich die verheirathcte Frau erfreut. Alle beide führten ihre fisch- blütigen Gatten nach Gefallen an der Nase herum und legten sich weniger als früher Schranken in dem zwanglosen Veilehr mit ihren Anbetern auf. Der alte Saint-Fardicr hatte in der Freude, die Söhne loszuwerden, dem einen ein Bankgeschäft eingerichtet und dem anderen eine Stellung als vereideter Taxator für Seebeschädigungen verschafft. Vanderling hatte seinerseits seinen Töchtern eine anständige Mitgift gegeben. Die beiden Ehepaare führten ein Leben im größten Stil, und die koketten jungen Frauen, deren Schönheit sich erst jetzt zu voller Blüthe entfaltete, überließen sich rückhaltlos allen Einfällen ihrer kapriziösen Neigungen und wetterwendischen Laune. Mit Bergmans zusammen zählte auch Bejard zu den ständigen Besuchern der Fanülie Dobouziez. Laurent war inzwischen über das Vorleben des Rheders unterrichtet worden und machte ihni gegenüber aus seiner Abneigung kein Hehl. In seinem unklaren Spiritismus fand er jetzt auch eine Er- klärung für die Erscheinung, die er seinerzeit gelegentlich des Ausflugs nach Hemixem auf der Scheide gehabt hatte. Nach Laurent's phantastischer Vorstellung ging von Freddy Bejard der todtbringende Hauch der Akreoliudämpfe aus und ver- körperte sich in seiner Person der böse Geist der männer- mordenden Maschinen, die Leben und Gesundheit der Ar- beiter bedrohen. Man kann daher ermessen, welche Qual es Laurent bereitete, mit ansehen zu müssen, wie dieses unheil- verkündende und verderbenbringende Wesen immer näher und näher an die strahlende Gina heranschlich. Bejard hatte eine leise Ahnung von den Gefühlen, die er dem menschenscheuen Schüler einflößte und machtesich einen Spaß daraus, ihn bei jeder Gelegenheit zu reizen, ohne indessen die gehörige Vorsicht außer acht zu lassen, wie es sich geziemt, wenn man sich mit einem Kettenhund herumneckt, der sich am Ende doch losreißen könnte. „Unser junger Brummbär sieht heute wieder einmal ver- teufelt ungemüthlich drein," sagte er oft zu Gina.„Sehen Sie nur, nüt welch blutgierigen Blicken er uns mustert! Der Köter beißt doch nicht etwa V An Ihrer Stelle würde ich ihm einen Maulkorb anlegen." Dafür näherte sich Laurent um so mehr Bergmans, von dem er wußte, daß er Bejard's Nebenbuhler war. Er hatte Door öffentlich reden hören und war, durch seine bilderreiche Sprache und durch seine hinreißende Beredsamkeit verführt, nicht nur sein Freund, sondern auch sein Parteigänger ge- worden. Und dennoch geschah es zuweilen, daß er so etwas wie Eifersucht empfand, aber diese Gefühls- rcgung hielt sich in so unbestimniten Grenzen, daß er selbst nicht anzugeben vermocht hätte, ob er im Grunde auf Gina oder Bergmaus eifersüchtig war. Eine harmlose scherz- hafte Bemerkung, die letzterer in Gina's Gegenwart machte, konnte ihn empfindlich verletzen. Er wandte dem Freunde dann den Rücken, schmollte ganze Tage lang und benahm sich ihm gegenüber noch störrischer als gegen andere, Ganz im Gegensatz zu Bejard, den solche kindischen Aus- brüche übellaunigen Umnuths überaus belustigten, pflegte Bergmans bei derartigen Gelegenheiten Laurent an sich zu ziehen und ihn mit einer solchen von Herzen kommenden Güte abzukanzeln, daß das Kind schließlich wieder gut wurde und wegen seiner Grillenfängerei um Verzeihung bat. Seit Laurent zum Jüngling heranreifte, hatte sich die Unklarheit seiner Gefühle für das junge Mädchen zur Be- gehrlichkeit gesteigert. Die Flegeljahre ließen die Kanten und Ecken seines Charakters noch schärfer hervortreten, und die Forderungen des Temperaments wollten sich mit der Zurück- Haltung und der angeborenen Schüchternheit seines Wesens schlecht in Einklang bringen lassen. Gina zürnte er nach wie vor, oder glaubte es wenigstens zu thun. Er bcurtheilte sie heute mit größerer Strenge und unver-söhulichcrem Groll als früher. Nichtsdestoweniger aber erfüllte ihn die Wahrnehmung, daß sie für keinen ihrer An- bcter tiefere Neigung zu empfinden schien, mit unverhohlenem Vergnügen. Er freute sich nicht nur über die höhnische Geringschätzung, mit der sie Bejard behandelte, sondern sah es auch gar nicht ungern, lvenn sie Bergmans zuweilen ordentlich ablaufen ließ. Allem Augenschein nach er- muthigte sie den einen so wenig wie den andern. ..Es ist doch ein grundschlechtes Geschöpf," sagte sich Laurent niit gemachter Entrüstung. die er sich mit Fleiß als Ausdruck seines gerechten Unwillens einzureden suchte,„an Door's Stelle würde ich einmal ein kräftiges Wörtlein mit ihr reden I" Aber argwöhnisch wie er war, klang ihm eines Tages auch wieder der warme, fast leidenschaftliche Ton, in dem sie sich mit Bergmans unterhielt, gar unangenehm ins Ohr. Er war so bestürzt darüber, daß er nach Bergmans Weggang Gina ohne weiteres fragte:„Sagen Sie einmal, Kousine, weshalb wollen Sie eigentlich Herrn Bergmans nicht Heirathen?" Sie lachte hell auf und sah den Frager mit großen Augen an.„Ich soll einen Mann vom Schlage dieses Volkstribunen Heirathen und die Bürgerin Bergmans werden? Köstlich I" rief sie mit so gut gespielter Aufrichtigkeit, daß sich Laurent gern übertölpeln ließ. So lebhaft er auch gegen Gina's harte Worte protestirte, im Grunde seines Herzens war er über die Ablehnung, die sie ausdrückten überglücklich. Sie machten ihn so sicher, daher den Muth fand, Bergmans heuchlerische Vorwürfe über das Schwankende und Bedächtige seines Vorgehens zu machen. Es geschah das ganz unbewußt und ohne Uebcrlegung. Sein diplomatisches Doppelspiel war ihm wahrhaffig peinlich genug, und er ärgerte sich nicht wenig, mit ansehen zu müssen, wie sich die Regungen seines Gewissens in den Schlingen lüsterner Falschheit verfingen und verstrickten. „Ich soll mich verheirathen, soll um Fräulein Dobouziez Hand anhalten? Das ist doch nicht Dein Ernst, mein Junge?" rief Bergmans, verblüfft über die Aussichten, die ihm der junge Paridael nicht ohne Herzklopfen soeben eröffnet hatte.„Wer zum Teufel hat Dir denn solch un- gehcuerliche Gedanken in den Kopf gesetzt! Vor allen Dingen ist das eine viel zu reiche Frau für mich I Wenn ich offen sein soll, muß ich Dir allerdings bekenne», daß ich sie auf- richtig liebe und ihre Nähe immer als ein großes Glitt empfunden habe. Wäre sie mir nur ein klein wenig entgegen ÜBEuHk gekommen, vielleicht hätte ich nur dann doch ein Herz gcfajjt, Herrn Dobouziez um die Hand seiner Tochter zu bitten" Was Dn mir da eben aber eröffnet hast, will ich mir bestens dienen lassen I Meine häufigen Besuche bei Dobouziez' werden gewiß auch von anderer Seite in Deinem Sinne gedeutet werden. Es ist Zeit, daß ich aufhöre. Deine Kousiue weiterhin zu kompromittiren!" «Schade!" sagte Laurent,„sie schienen beide für einander geschaffen." Trotz dieser sehr berechtigten Ueberzeugung hatte der sonderbare Junge aber alle Mühe, seine Freude nieder- zukämpfen, am liebsten wäre er Bergmans nni den Hals gc- fallen. Gleichwohl that er sich Gewalt an, sich zur Ruhe zu zwingen und die Bedenken seines Freundes zu bekämpfen. Er dachte auch daran, daß, wenn Bergmans nicht mehr ins Hans känie, er keine Gelegenheit mehr hätte, ihn wieder zu sehen, und die Furcht, den lieben Freund zu verlieren, gab auch seiner Zuspräche mehr Herzlichkeit. Was Vöjard betrifft, so war Laureut überzeugt, daß Gina ihn nie als Gatten wählen wurde. Einmal hätte der Rheder den Jahren nach des Mädchens Vater sein können und zum andern beschränkte sich Herrn Dobouziez' Wcrthschätzung des Mannes auch nur ans rein geschäftliche Hochachtung, über das er die kleinen Sünden nicht vergaß, die sich Bejard nnfs Ge- wissen geladen hatte. Er hätte ihn gewiß eher zum Geschäfts- theilhabcr als zum Schwiegersohne genommen. Scincnr Entschluß getreu ging Bergmans nicht nichr so häufig als bisher zu Dobouziez' und stellte nach vier Wochen seine Besuche überhaupt ein. Der koketten, launenhaften Gina, die angeblich Bcrgrnans Huldigungen gar keinen Werth beilegte, schien gleichivohl sein Fernbleiben sehr nahe zn gehen. Die bangende Sorge um den Abwesenden machte sich selbst so auffällig bemerkbar, daß Laurent endlich ein Licht über den wahren Stand der Dinge aufzudärnmern begann. «Sie hat mich belogen, sie liebt ihn doch!" sagte er sich, und der Schmerz, den ihn« diese Entdeckung bereitete, entriß auch ihm das Gcständniß seiner hoffnungslosen Liebe. Er war zu Tode erschrocken, denn er konnte sich keinen Augenblick im Unklaren darüber sein, daß er aus Gegenliebe nie zu rechnen haben würde. Unter diesen Umständen>var freilich wohl seine Pflicht, die beiden Liebenden einander wieder näher zu bringen, er hätte längst schon das junge Mädchen über die Zuneigung, die ihr Bergmaus entgegenbrachte, aufklären müssen. Wenn er jetzt noch weiter schwieg, handelte er geradezu schurkisch. Mit einem einzigen Wort hätte er seine Kousinc trösten und seinen Freund Bergmans zum glücklichsten Menschen machen können, aber ungeachtet aller Gewisscnsbedenken blieb dieses Wort wohl- weislich ungesprochen. Dieser Kampf zwischen Pflicht und seiger Schwäche bereitete ihm qualvolle Stunden genug. „Thu' endlich den Mund ans," mahnte sein Gewissen.„Nein, nein, nur das nicht!" bettelte sein Herz.«Rufe Bergnians auf de? Stelle zurück!"„Ich kann nicht, lieber sterben als das!"—„So laß Dir's doch gesagt sein, Un- glücklicher, sie wird Dich nie lieben."—„Mag sein, dann soll sie auch keinem anderen gehören!"—„Bergmans ist Dein Freund."—„Ich hasse ihn."—„Siehst Du nicht, daß Gina zu gründe geht?"—„Meinetwegen, che ich sie zusammenführe, will ich lieber beide umbringen!" Gina siechte in der That langsam dahin. Sie magerte sichtlich ab, schlich traurig, schwach und beängstigend saifftmüthig herum. lachte nickt mehr und stand allen«, was sie früher interessirt hatte, völlig theilnahmslos gegenüber. Beim Anblick dieses Jammers stand Laurent hundertmal in« Begriff, ihr anzuvcr- trauen, was er über Bergnians Gefühle wußte. Die Zunge brannte ihn« wie einen« Stummen, den ein Wort erleichtern könnte ui«d den die crbannungslose Natur hindert, dieses erlösende Wort auszusprechen. Hundertmal hatte er auch schon die Feder zur Hand genommen, um an Door zu schreiben, aber in« letzten Zlugcnblick hatte er immer wieder die Hand sinken lassen. Er hätte eher sein eigenes Todes- urtheil unterschreiben m.ögeir. Bergmans war nach Odessa abgereist und hatte von der Küste des Schwarzen Meeres zwei oder drei Geschäftsbriefe geschrieben, uin allen Mißdeutungen über ein plötzliches Ver- schwinden die Spitze abzubrechen. Die Dobouziez' hatten mit ihrem eigenen Kllmmcr zu diel zu thun, als daß ihnen das veränderte Wesen und Ge- bahren ihres Mündels aufgefallen«väre. Da Laurent es durchaus nicht über sich vermochte, mit Eina zu spreche««, beschloß er eines Abends,«norgcn alles drin Vater zu erzählen.„Ihre Liebe werde ich doch nicht ge- Winnen," dachte er,„und ich selbst bin ja nicht einmal von der Tiefe und Aufrichtigkeit meiner Liebe überzeugt. Vielleicht ist es nur der Neid, der mich blind macht und der mich, den arnien Enterbten, das Glück der andern mit niißgünstigen Augen ansehen läßt." Trotz aller Mühe, sich über die Natur seiner Gefühle zu täuschen,«vollte es ihm indessen nicht ge- lingen, Herrn Dobouziez die beabsichtigte Mittheilung zu ««lachen. (Forffetzung folgt.) (Nachdmck virkvtcn.) Ofenkückcn. Er. der alte Hausgenosse, der so lange»««beachtet und ver- nachlässigt ii« der Ecke gestanden hat, er muß mm doch wieder dämm angegangen werden, daß er seine stalte ablegt und eine»« «Vahren Feuereifer eirtfaltct, damit Behaglichkeit und Traulichkeit in unser Hein« einzieht, und es uns«vieder Ivohl und«varn« u«ns Herz wird. Aber oft genug zeigt er sich recht>vei«ig geneigt, sich plötzlich für uns von ncnem voi« sriih bis spät so angestrengt abzuuiühen, daß er bor iiuicrcr Erregung glüht und sprüht. Er kau«« es nicht vergessen, daß er so lange in Sack und Asche'tranern mußte und voir jedermann kühl behandelt wurde. Jetzt, da sich alles«bieder an ihn herandrängt, hält er die Zeit der Vergeltung für gekonunci« und giebt bullernd seinen« ll»nl«lth d««rch allerlei Unarten so rücksichtslos Ans- druck, daß die Hansftau die Hände ringend klagt:„Nein, ist das ein Leiden mit«inserein Ofen!" Der hartgesottene Geselle hat ein gaitzcs Register von Tücken zur Verfügung, durch die er uns Unaimehinlichkeiten bereiten kam«. Eine der unschuldigsten Unarten ist noch, daß er sich in eine«« schlechten Geruch setzt. Das erste Fcncrchcii ist angezündet, und alles fteut sich auf die belebende Wärmelvclle, als plötzlich sännntliche Nasen eiiunüthig zu schnüffeln beginne». Kein Zlveifcl, der Ofen riecht. ll«id dieser«viderlichc, brcnzlichc Geruch steigert sich von Minrite zu Minrite, so daß schließlich die Fmster ge- öffnet«verde» niüsscn, und der hineinströmende Luftstron« das Zimmer kälter macht, als es vorher lvar. Rathlos frägt sich die Hausfra«« nach der Ursache dieser««nerlvünschten Zimmerparfümirung. Und doch ist niemand anderes daran schuld, als sie selbst. Es giebt zahl- reiche Hausstanen, die in der Woche so und so oft ihr Heim von der Decke bis zum Fußboden reinigen oder reinigen laffei« und auf jedes Stäilbchen, das auf Möbeln liegt, Jagd machen,«vie die Katze auf die Maus, die aber nicnials den Ofen dieser Säuberung thcilhaftig «Verden lasse«». Der Ofen«virdjaindcrivarmen Jahreszeit nicht gebraucht; man denkt nicht an ihn. So lagert sich denn von Woche zu Woche eine dickere Staubschicht auf ihm ab. Wird er nun gezlvungen, etlvas Wärmendes zu sich zu nehmen, so beginnt die Stanbschminke, «venu er sich mollig fühlt, oder gar vor innerer Hitze fencrroth«vird, zu versengen und verkohlen und erfüllt«nit ihren gasige«« Vcr- vreiniungsproduktci« das Zimmer. Also,«venn nicht früher, so crlvcise man dem Ofen«venigstens vor den« ersten Heize««, die Wohl- that einer Reinianng. Aber der Ofen kam« auch ga«iz versteckt zu Werke gehen. Ob- gleich er anscheinend die Liebe und Freundlichkeit selbst ist und es daher an warmen Gefühlen für uns nicht fehlen läßt, ist er doch ein Jirtrigant. Sobald«vir uns längere Zeit seiner Gunst erstellt habe««, beginnt es uns übel zu«verde««, und der Kopf«vird benommen, schiver«md schincrzhaft. Gehen«vir ins Freie oder vertauschen«vir das eine Zimmer mit einen« anderen, das von einen« anderen Ose«« versorgt «vird, so schlvinden die Bcschlvcrdcn. Umsonst forscht«nai« nach der llrsache dieser Erscheinung«md zieht alle Btöglicksteiten in bestacht. Nur der Ofen bleibt außer alle», Verdacht. Würde n«a>« sich den Heuchler etwas genauer ansehen,' so«vnrde man an ihm Risse und Spriinge entdecken, die vcrhältnißmäßig weit auseinander klaffe». Durch diese Risse und Sprünge tritt der sogenainrte Kohlendiurst und namentlich das gefährliche Kohlenoxlid. Für gclvöhnlich«vird ja der Ucberdruck der Ziinmerluft die Ofengase zum Rauchrohr hinausdrängen, aber es finden auch kleine Explosionci« in« Ofen statt, die eine erhebliche Spannung der Gase im Innern des OfeiiS bewirken, oder der Lnft- zug ist sehr«nangelhaft, und unter diesen llmständcn ciitlvcicht da«»« das Kohlenorhd in das Zinrnier. Der letztere Fall wirkt besonders bei solchen Oefcn mit, die eine sehr starke Abmindcrung des Verbrennungsprozesses gestatte««, oder>vo i>i einem Raum ein ver- hältnißiiräßig großer Ofen angeivendet«viid, und sich die Roth- «vendigkcit, den Verbrennungsprozeß zu inäßigcn, vorübergehend oder dauernd crgicbt. Das trifft oftmals bei dein Füllrcgtllirofen zn. Sind dann ai« diesen« Risse oder Sprünge vorhanden, so tritt durch diese «vegcn des geringen Zuges Kohlenortsd in das Zimmer. Der Ofen ist also in, stände,«ins thatsächlich Kopfschinerzen zu bereiten. Dort. Ivo sie sich«nit einer gewissen Regelmäßigkeit in einem Zimmer ohne er- kennbaren Gnuid einstellen, sollte' man daher den Ofen auf seine Undichtigkeit untersuchen und für ihre Beseitigung Sorge tragen. We«««« auch nicht gerade gesundheitsschädlich, so doch recht lästig ist es, wenn der Ofen raucht. Ein Ofen kann aus sehr verschiedene«» Gründen rauchen, beispielsweise dann,«venu mehrere Oese«« an eii» und dasselbe Rauchrohr angeschlossen sind und sich die Einmündungen der von den Oefen ausgehenden Ableitungsrohre gegenüberliege». Werden beide Oefcn zu gleicherZeit geheizt, so prallen die in den Schorn- .stein hinausströmenden Rauchmassen auseinander, und der stärkere Strom des einen Ofens drängt den schwächeren des anderen zurück. Der Ofen raucht. Aber auch wenn die angeschlossenen Oefen in ver- schiedenen Etagen liegen, kanit es zum Rauchen komnien. Ist in dem oberen Stockwerk die Feuerung bereits im Gange, während in dem unteren Stockwerk das Feuer erst später angezündet wird, so wird es in dem unteren Ofen rauchen, weil der Schornstein die beiderseitigen Rauchmassen nicht Plötzlich zu fassen vennag. Bei derartigen fehlerhafte» Anlagen ist kaum etwas zu ändern. Da- gegen' ist eine Abhilfe möglich, wenn der Ofen raucht, weil der Schonistein nicht hoch genug ist. Ragen über ihn benach- barte Gebäude hinaus, so werden die Luftströmungen von diesen zurückgeworfen und lassen den Rauch nicht ans den« Schornstein austreten. Dafür strömt er dann in das Zimmer. Hier wird eine Erhöhung des Schornsteins das Uebel be- seitigcn. Jedoch, auch wenn die ganze Anlage kunstgerecht ist, kann der Ofen rauchen. Mit Vorliebe thut er es dann in den Morgen- stunden. Hier trägt die liebe Sonne die Schuld daran. Auch an den Wintcrvonnitt'agcn scheint sie ja oftmals recht hell und heiter. Ihrer Stellung gemäß erwärmt sie nur die eine Seite des Schorn- steins, während die andere im Schatten liegt. Auf der Sonnen- feite wird die Luft im Schornstein erwärmt und steigt auf. Dagegen bleibt sie auf der Schattenseite kühl und sinkt als Ersatz für die nach oben abfließende Luft nach unten. Wird nun im Ofen Feuer angezündet oder nur eine schwache Feuerung unterhalten, so läßt der absteigende kühle Luststrom den Ranch nicht in den Schornstein austreten, so daß sich die Rauchs schwadcn einen Ausweg in das Zimmer suchen»nissen. Es koiuSj� also hier darauf an, den absteigenden kühlen Lnftstrom so zn et? wärmen, daß er ebenfalls nach oben abfließt. Das erreicht man am leichtesten, Ivenn man ein kräftig aufflackerndes Feuer, etwa durch Anzündung eines größeren Papierknäucls anfacht. Sobald die Luft iin Schornstein gleichmäßig erwärmt ist, strömt sie auch gleich- mäßig nach oben, und der Rauch kann ungehindert nachrücken. Eine andere Klage ist endlich die, daß der Ofen trotz reichlicher Beschickung mit Heizstofsen, kühl und frostig bleibt. Zunächst ist zu seiner Entschuldigung zu bemerken, daß nicht allen Heizanlagen ein und dasselbe Heizmaterial gleich gut zusagt, ebenso ivciiig wie allen Menschen dieselbe Speise gleich vortrefflich bckomnlt. Für Kaniine eignet sich beispielsweise am meisten Koaks, für Regulirsüllvfcn Änthracit. Man muß also für die einzelnen Ofen- konstruktionen das beste Heizmaterial herauszufinden suchen. Aber auch da, Ivo ein Ofen nicht besonders empfindlich ist, kann er doch leisttuigsunfähig sein, wenn ihm nämlich die Luft ausgeht. Soll ein Ofen die verlaugte Heizwirkung cntfalten, so muß er mit einer genügenden Menge von Luft, d. h. Sauerstoff, versorgt werden. Andernfalls glimmt das Heizmaterial nur, aber entflammt sich nicht und entwickelt zwar stattliche Ranch- wölken, aber keine Hitze. Also der Ofen lebt nicht von Kohlen allein, sondern auch von Luft. Da diese bis jetzt noch nichts kostet, so sollte man sie dein Ofen auch nicht ungebührlich vorenthalten, vielnrehr die entsprechenden Einrichtungen so einstellen, daß der Lust- Hunger des Ofens befriedigt wird. Leidet der Ofen nicht an Athem- noth, so wird auch der Verbrennungsprozeß in seinem Innern sich nach Wunsch abspielen. Ein jedes Ding will zweckmäßig behandelt sein, selbst ein Ofen. Kommt man ihm verständnißvoll entgegen, dann legt er auch bald seine Tücken ab und wird uns in Wahrheit ein warmer Freund.— L. F i n k. fUcinci» Isruillelott. — Bücher, die in der Gefangenschaft geschrieben wurde». Nicht wenige berühmte Bücher der Weltliteratur sind in einem Ge- fängniß zur Entstehung gekonuneu. Miguel de Cervantes begann seinen„Don Quixote", als er, auf einer Reise begriffen, in dem kleinen Orte Argamasilla in La Mancha in das Gefängniß geworfen ivnrde, weil er in den Verdacht gerathen war, an einer nächtlichen Schlägerei theilqcnommen zu habe». Hier in diesem Gefäiiginß—„wo jede llnbcgucmllchkcit zu Hause ist und alles traurige Geräusch seine Wohnung hat", wie Cervantes in der Vorrede zu seinem Roman sagt— kam ihn, der erste Gedanke zu seinem scharfsinnigen Edlen von La Mancha, dessen Leben lind Thatcn, wie die seines Stallmeisters und Knappen Sancho Pausa seit fast drei Jahrhunderten zum Gemein- gut der meisten Nationen geworden. sind. In Spanien selbst sind, wie die„Romanwelt" feststellt, nicht iveniger als 400 Ausgaben von diesem Buch veranstaltet, von Ucbersetzungen erschienen im Eng- lischcn 200. im Französischen 168. im Italienischen 96, im Portu- giesischen 80, im Deutschen 70, im Schwedischen 13, im Polnischen 8, im Dänischen 6 und im Russischen 2. Auch eine lateinische Ausgabe des Buches cpisrirt. Ei» anderes berühmtes Werk/ das gleichfalls im Gefängniß entstanden ist und besonders viel im Mittelalter gelesen wurde, sind die„Tröstungen der Philosophie" des Boethius. Severinus Boethius, ein römischer Staatsmann und, Philosoph, war mehrere Jahre hindurch ein Vertrauter des Ostgothenlönigs Thcodcrich, gerieth aber in den Verdacht des Hochverraths und wurde auf Befehl Thcoderich's zu Pavia eingekerkert. Hier verfaßte er sei» Buch:„De consolatioiie philosophiae", jeden Tag seine Hin- richtung erwartend, die auch nach langer und harter Gefangenschaft im Jahre 525 an ihm vollzogen wurde.— Besonders die englische Literatur weist viele Werke auf, die hinter Schloß und Riegel gc- schrieben wurden; das hängt mit der früheren Institution der Schuldhaft zusammen, die ja in Großbritannien besonders oft zur Anwendung gebracht wurde, und der natürlich die armen, stets mit Schulden geplagten Autoren am ehesten zum Opfer fielen.— Smollett, der bekannte Romandichter, hat sein Buch„Sir Laircelot Grcaves" im Kings Bench-Gefängniß verfaßt, als man ihn dort einer von ihm verfaßten Schmähschrift wegen für drei Monate eingesperrt hatte. Sogar eine Zeitung ist einst in einem Gc- fängnisse gegründet worden, und zwar von keinem Geringeren als Daniel Defoe, dem Autor des„Robinson Crusoe", der im Jahre 1704 eine Zeitschrift, die„Review", gründete und von dein bekannten Londoner Gefängniß„Newgate" aus redigirte, während er gleichzeitig an diesem unangenehmen Aufenthaltsorte ein Buch verfaßte, die„Collection ok Casualities and Disasters". Auch Torquato Tasso ist während der Zeit seiner Gefangenschaft nicht müßig gewesen; einige der besten seiner„DialoAlü" entstanden, als er sich zwei Jahre lang in strengem Gewahrsam im St. Annen- Hospital zu Ferrara befand. Von deutschen Autoren ist es Schubart. der auch als Gefangener zu dichterischer Produktion gekommen ist; ein Theil seiner Lyrik, sowie seine Autobiographie„Schubart'S Leben und Gesinnungen" sind während seiner Juhastirung auf dem Hohen- asperg entstanden.<„Allg. Ztg.")— k. Alkohol in eßbarer Form. Der Mißbrauch des Alkohols hat die geschnftslnndigen Amerikaner zu einer neuen Erfindung ver- anlaßt. Seit kurzer Zeit kann man in den Vereinigten Staaten den Mkohol nämlich auch essen. Zum Schrecken aller Aerzte und Wygienicker werden dort thatsächlich trockene Pasteten und Biskuits verkauft, die eine sehr bedeutende Menge Whisky enthalten. Der Gc- sundheitsrath der Vereinigten Staaten hat bereits einen wahren Kreuz- zug gegen die Fabrikanten und Verkäufer dieses Fabrikates unternommen, das sich trotzdem eines leider allzugroßcn Konsums rühme» darf. In England hat diese gcsnndheitsichndliche Industrie bereits Nachahmung gefunden. In Manchester wird nämlich Zucker- kaut in den Handel gebracht, welcher ebenso wie die amerikanischen Gebäckc Alkohol in einer schädlich wirkenden Menge enhält.— Etwas Aehnliches giebt es übrigens schon seit längerer Zeit auch in Deutsch- land. Eine Fabrik stellt Chokoladenplätzchcn her, die mit Kognak, Rum, Kirsch und anderen Schnäpsen gefüllt sind.— Physiologisches. — D i e richtige Deutung des Todes bei einigen niedrigen Organismen ist Gegenstand einer llntersuchung des italienischen Physiologen Angela Andres gewesen. Schon der be- rühmte deutsche Forscher Johannes Müller hat die Ansicht aus- gesprochen, die lebende organische Materie besitze in sich selbst keinen Grund zum Sterben, sie dauere als solche ewig und nur ihre Modalität als Individuum sterbe. Die Thatsache, daß die Lebe- Wesen, nachdem sie einmal ans der Erdoberfläche aufgetreten waren, alle UmwälzuiigeU derselben überdauerten, ohne zu gründe zu gehen, ja, daß sie sich noch kräftigten, ausbreiteten und höher enipor- arbeiteten, beweist, daß die lebende Materie in sich selbst nicht die Ursache des Todes trägt, und ebenso wird dieses bewiese» durch den Umstand, daß alle Generationen in direktem, ununterbrochenem plas- matischemZusammcnhaiige stehen. Die Gesammtheit aller vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Lebewesen ist nichts anderes als eine eiiizige Plasmamasse, die sich in zahlreichen Individuen darstellt, aber stets eine einzige und kontinrurliche ist. Wie die Mineral- siibstanz ist sie unvergänglich, natürlich so lange die entsprechenden irdischen Verhältnisse dauern: aber sie untericheidct sich von jener durch die charakteristische Erscheinung, daß in ihr die Molekeln und Atome sich beständig ändern, indem neue in den Organismus ein- treten und die alten ausscheiden. Diese beständige Umsetzung, der Wechsel der Atome und Molekeln im Organismus ist der Angel- punkt des Lebens, ist das Leben selbst. So lange dieser Wechsel dauert, lebt die organische Materie, das Aufhören desselben bezeichnet den Tod; im Leichnam findet keine Nahrnngs- aufnähme und Umbildung derselben mehr statt. Die Unsterblichkeit der organischen Substanz ist also an den Wechsel der Atome und Molekeln gebunden und erlischt, wenn sie die Fähigkeit hierzu ein- büßt. Eine Ursache hierzu ist die organische Differeiizirung, die im allgenicinen allerdings eine größere Vollkommenheit erzeugt und die gegenseitige Lage der Molekeln im Plasma verändert, sodaß der Wechsel der Atome und Molekeln sich verlangsamt und zuletzt aus- hört. Die Richtigkeit dieser Auffassung hat Angela Andres an dem Verhalten einer Reihe niedriger Organismen naher geprüft und be- stätigt gesunden, beionders bei Algen, die sich für diese Unter- suchungen vorzugsweise eignen. Es ergab sich, daß bei diesen die Ursache des Todes die organische Differenzirung sein kann, die zu komplizirterem Baue und zu einer Spezialisirung der Funktionen, also physiologisch betrachtet zu höherer Vervollkommnung führt, aber eben dadurch den Tod zur Folge hat. Aber auch bei einzelligen Algen bildet die Differenzirung die Ursache des Todes, denn sie ver- langt eine Veränderung der Struktur oder der Funktion des PlaSmas, die ihrerseits Verlangsamung und schließlich Stillstand jenes Wechsels der Atome und Molekeln herbeiführt, ohne den das Leben nicht mehr bestehen kann. Dasselbe gilt natürlich auch von anderen Organismen und kann folgerichng auf alle Lebewesen Anwendung finden. Sonach erscheint die lebende Materie als eine an und für sich unvergängliche — 840— Daseinsform, die nur durch äußere Umstände dem Tode anheimfällt. Das Leben hat hiernach eine allgemeine kosmische Bedeutung gleich der Materie selbst, und in der That müßte mau sich vergebens nach dem Zwecke der Welt fragen, wenn nicht das Leben unvergänglich wäre>vie sie.—(.Köln. Z.") Ans de»» Thierreiche. — Ein neu entdeckter Weinschädling. Aus Nizza wird der„N. Fr. Pr." berichtet: Ein Herr Agnely, Schulmeister in Tonet de Beuil, vierte Station nördlich von Nizza, will einen neuen Weinschädling entdeckt haben, auf den auch andere Weinländer fahnden sollen. Es sei dies ein kleines braunes, dem Pelzkäfer ähnliches Insekt, Ivelches seine Eier in die Erde der Wurzelstöcke legt, an denen die Nymphen sich dann gütlich thun. Das Elternungcziefer nährt sich von den Blättern, an denen es die fettigen Flecke hinter- läßt, welche bis jetzt der?KvIIc>xsra zugeschrieben wurden. Der „Gribouri",„Oumolphe" und„Ecrivain* genannte Käfer hinterläßt seine Spuren in der Rinde und den untersten Blättern der Wein- stöcke, indem er sie fortschreitend zernagt. Herr Agnely hat seit Jahren die schon von den Römern geliebten Halden der Bar-Gegeud eingehend studirt und durch Erdewechsel um die Stöcke und Schivefcllösuug schwindsüchtige Reben wieder lebens« und tragfähig gemacht.— Geologisches. !ö. Der älteste bekannte Fels der Erde. Der Gco- löge Prof. Wiuchell hielt auf der letzten Versammlung der amerika- nischen Vereinigung zur Förderung der Wissenschaft einen bemerkens- werthen Vortrag über seine geologischen Untersuchungen über die ältesten Gestcinschichten im Staate Minnesota Ivestlich vom Oberen 3e In diesem Gebiete der Vereinigten Staaten finden sich sogen. Grün- steine, die Winchcll als die Grundlage der ältesten Gesteinsschichten der sogenaimtcn archäischen Periode m der Erdgeschichte hält, dem- zufolge müßten dieselben als die Vertreter der ursprünglichen Erd- kruste betrachtet werden, wie sie sich durch die erste Verfestigung aus der geschmolzenen gluthflüssigen Erdmasse bildete. Es lassen sich unter diesen Grünsteinen zwer Theile unterscheiden, von denen der eine noch heute eine vulkanische Gestaltung zeigt, während der andere erhebliche Umwandlungen erfahren haben muß. Der erstere ist der ältere und wird von dem letzteren scheinbar nicht immer gleichförmig überlagert. Diese oberen Grünsteine gehen all mälig in mehr kieselige Felsen von großer Mächtigkeit über, die sich als Grauwacken, Thonschiefer und Konglomerate i tr- stellen. Nachdem sich diese älteste Erstarrungskruste gebildet hatte, muß sie bald und häufig von unten her Durchbrüche des gluthflüssigen Erdinnern erlitten haben, denn granitische Massen sindcn sich mitten in den Grünsteinen und haben diese weit und breit in Glimmerschiefer und Gneitz verwandelt. Bisher wurde dieser Granit selbst und die von ihm veränderten Felsschichten als die ältesten be- kamtten Gesteine angesehen. Erst durch die Untersuchungen, über die wir hier berichtet haben, ist das noch größere Alter der Grünsteine bewiesen worden, die vielleicht die ältesten bekannten Steine auf der ganzen Erde sind.— Technisches. — Zur älteren Geschichte der Porzellanfabri- ! a t i o n veröffentlicht Dr. Heintze(Meißens in der.Zeitschr. f. Arch. u. Ingen." einen Beitrag, demzufolge die Entdeckung des Porzellans durch Böttger nicht ein Spiel des Zufalls, sondern das Ergebniß langjähriger mühsamer Vorarbeiten gewesen sein soll. Schon 1701 kam der sächsische Freiherr v. Tschirn'hausen nach Paris und theilte angeblich dem damals dort als Lehrer thätigen Chemiker Wilhelm Homberg(t 1715) mit. daß er Porzellan herstellen könne. So viel ist sicher, daß Tschirnhausen selbst werthvolle Untersuchungen über die Fabrikation des Porzellans in seinen Glas- Hütten im Plauenschen Grunde vornahm, wo Brennspiegel oder Glas- spiegel mit früher unerreichtem Liusendurchmesser hergestellt wurden. Er benutzte diese zum Schmelzen von vielerlei Metallen, um deren innere Eigenschaften zu erforschen. Es liegt nun ein amllicher Hand- schriftlicher Bericht über die Porzellanfabrikation vor, der auf Befehl des Königs 1723 angefertigt ist. In diesem Schriftstück ist angegeben, daß Tschinchausen und Böttger an die Arbeit mit den Brennspiegeln große Hoffnungen knüpften, zuerst mit Metallen, dann mit den Mineralien und zuletzt mit den verschiedensten Erdarten experimenttrten. Nachdem der einfache Lehm sich als gutes Flußmittel erwiesen, nnschte man rothe Nürnberger Erde mit Lehm aus dem Plaueu'schen Grunde und erhielt eine Masse von solchen Eigenschaften, daß man sie nicht nur zu Fliesen gebrauchen, sondern zu weiteren Zwecken als brauchbar bezeichnen konnte. Böttger ließ durch den Hoftöpfer Fischer Proben drehen, bald darauf aber den Meister Grüttier aus Pirna für sich arbeiten, den nachher Dr. Bartolomäi und Goldschmied Jrminger an- lernten. Dr. Heintze setzt die Beendigung der Versuche in das Jahr 1707, weil 1708 große Mengen von Rohstoff für die Fabrikation erworben Ivurden. 1708 starb Freiherr v. Tschirnhausen, und Böttger baute dann nach eigenen Angaben auf der Venusbastci in Dresden einen Brennofen, für dessen Anlage und Betrieb wahrscheinlich das Werk des auch in Berlin thättgen Alchimisten Johann Kunckel über Glas- fabrikatton«nd verwandte Gewerbe(von 1682) benutzt ward. Nach einer Angabe im sächsischen Staatsarchiv nahm man zu dem ältesten weißen Porzellan 44,5 pEt. Schneeberger Erde, �■. 22,3 PEt. Colditzer Thon, 16,6 pEt. Quarz, 16,6 pEt. Kreide; die rothe Masse bestand aus 33 PEt. rothem Bot nnt 12 PEt. ge- schlemmten Thon. 1710 erschien ein königlicher Erlaß, worin dem Lande mitgetheilt wurde, daß man künftighin in Sachsen rothes Porzellan und bei„rechter Erfahrung" auch weißes Porzellan machen werde. 1710 wurde die Porzellanfabrik in der Albrcchtsburg unter der Oberleitung Böttgeps eingerichtet, der 1719 starb. Die Erzeugung der ersten rothen Probestücke Böttger's wird übrigens ziemlich allgemein schon in das Jahr 1704 gesetzt.— („Voss. Ztg.".) Humoristisches. — Das neue Gebot. Köchin(zu ihrem Schatz):„Nanu, Fritze, was is denn mit Dir heute, bist so ruhig, fragst noch nicht mal, ob ich mit ausgehen will?" „Globste vielleicht, ick will mir wejen Aufforderung zur Arbeitsein st ellung ins Zuchthaus stecken lassen?"— — Der fixe Kellner. Stotterer:„Kc-- Kellner I Bringen Sie mir d— doch'ne P— p— Portion Ei— ei--* Kellner:«Rühr- oder Setzei, oder vielleicht---" Stotterer:„Be— wahre! Ne Po— p— Portion Eis---" Kellner:„So schnell wie möglich!"(rennt fort und bringt in wenigen Minuten eine Portion Speiseseeis). Stotterer: Zum Teufel, lassen Sie mich d— doch ausreden I Ne Portion Eisb— b— bei» will ich I— — Der Verräther. Herr Mielke, der sich abends nie vom Stammtisch losreißen kann, hat es endlich satt, desivegen daheim �ets mit einer Gardinenpredigt empfangen zu werden. Natürlich er sich nicht mit Gewalt, sondern nüt List. Er schließt seine hür unhörbar auf, entkleidet sich im Korridor unhörbar, geht auf seinen nackien Sohlen unhörbar ins Schlafzimmer und will soeben beim schwachen Schimmer des Mondes unhörbar ins Bett steigen. Da ertönt die Stimme seiner Frau:„Nanu? seit wann gehst Du denn mit dem Hut zu B e t tt"—(„Lust. Bl.") Vermischtes vom Tage. — Nicht weniger als d r e i ß i g S t ä d t e' gicbt eS, die den Namen„B e r l i n" führen, 29 davon in den Vereinigten Staaten. Fast jeder Staat weist dort einen oder mehrere Plätze dieses Namens auf.— — Bei Retzow(Mecklenburg) ist ein Luftballon nieder- gegangen, der von zwei Franzosen geführt wurde. Die Luft- reise sollte nach Rußland gehen, der Ballon hatte aber unter- wegs Schaden gelitten.— — Auf dem Eisemoster Wege in der Nähe von Lüben wurde ein Mann ermordet aufgefunden. Zwei schon längst steckbrieflich verfolgte Personen wurden als des Mordes verdächtig festgenommen.— — In Quedlinburg wurden ein im Erdgeschoß einer Villa wohnender Gärtner, seine kranke Frau und sein löjähriger Sohn in ihren Betten t o d t aufgeftmdcn. Der Mann hatte die Dampfheizung im Hause zu bedienen: infolge eines Versehens scheinen dabei Gase entwichen zu sein, durch welche die drei Personen erstickt sind.— — In Bibialle(Kr. Tarnowitz) wurde ein preußischer Unteroffizier von einem russischen Grenzsoldaten erschossen. — In H e n n e f a. d. Sieg wurde ein junger Mann auf dem Tanzboden erschlagen.— — In Hohenmölsen erkrankte die 7 jährige Tochter eines Dachdeckers an Brechdurchfall und starb. Ihre 8 jährige Schwester regte sich darüber so sehr auf. daß auch sie erkrankte und gerade, als die jüngere Schwester zu Grabe getragen werden sollte, starb. Der Vater verfiel in Krämpfe und wurde tiefsinnig.— — Nach einem Streit schlug ein Feldarbciter in Rath bei Bedburg seinen jüngeren Bruder mit einem Wegstcin zu Boden und versetzte ihm mit einem scharfen Rübenmesser niehrere Stiche in den Kopf. Als er dann noch Lebenszeichen bemerkte, durchbohrte er ihm mit einer Heugabel Lunge und Herz.— — In Liessem(bei Bonn) richtete ein Dienstmädchen im Scherz ein geladenes Gewehr auf ein anderes Dienstmädchen. Der Schuß ging los und das Mädchen sank mit zerschmettertem Kopf zu Boden.— — In einem S t e i n b r u ch in der Nähe von M ü l h e i m a. d. Rh. wurde ein in festem Felsgestein eingeschlossener E i ch e n st a m m gefunden, dessen Alter auf mehr als 2000 Jahre geschätzt wird. Bis jetzt wurden etwa 8 Meter des Stammes, der im Durchschnitt 50 Zentimeter mißt, bloßgelegt.— — Ein Gendarm erschoß in der Nähe des Bahnhofs von .Marxheim(Elsaß) einen wegen Brandstiftung verfolgten Ackerer. Dieser hatte sich der Verhaftung widersetzt.— — Zwei 6— 7jährige Knaben stiegen in Clermond- Ferra nd in ein Weinfaß, um darin zu stielen. Dabei rührten sie die gährendcn Trüber um und erstickten an deren Ausdünstungen.— Verantwortlicher Redakteur: August Jacobey in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. �■ iW■ a6.fr,"iyflMSjl,'