Ur. 203. Adomuments-Dcdingungeu: Bbonnement«= Stets pränumerando: Sierleljährl. 3,30 Sit., monatl. l.ioMI., wöchenlltch 28 Pfg. frei ins HauS. Einzrln« Nummer S Psg. SounlagS- Nummer mU Muslrterler EounlagS- «eilaze.Die Neue Well" Iv Plg. Soft- Abonnement: z,zo Marl pro Quartal. Eingetragen in der Soft- Zeltungs- Sretsltfte für 1889 unter Nr. 7820. Unier Itreujbanb für Teutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für daß übrige Ausland g Marl pro Monat. SrscheUU täglich»uster Montag». Devlinev Volksblakk. 16» Jahrg. Sit Inftrtions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonet» zeile oder deren Raum äv Sfg., für politifcheund gewertfchaftliche Vereins- und Verfammlungs- Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Anielgen" jedes Wort s Pfg. (nur das erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bis i Uhr nachmittags in derExpedition abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 3 Uhr vormittags geöffnet. Fernsprecher: Amt I, Nr. IbOB. Telegramm-Adresse: „Sorialdemokrat Berlin" Gentrawrgan der soeialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth-Strafze 2. Donnerstag, den 61. August 1869. Expedition: LW. 19, Benth-Strafze 3. Abonnements-Einladung. Mit dem 1. September eröffnen wir ein neues Abonnement auf de» „Varwärks" mit seinem wöchentlich fünfmal erscheinenden Unterhaltuugsblatt und der Sonntags-Beilage „Dir Veno Tvrlk". Neu hinzutretende Abonnenten erhalten den laufenden Nomon tm UnterhaltungSblatt nachgeliefert. Für Berlin nehmen sämtliche Z e i tun g S s p e d i t e n r e, sowie unsere Expedition, Beuthstr. A, Bestellungen entgegen zum monatlichen Preise von 1 Mark 10 Pfennig frei ins Hans. Für außerhalb nehmen sämtliche P o st a n st a l t e n Abonne- mentS zum Preise von 1 Mark 10 Pfennig für den Monat September entgegen.(Eingetragen ist der„Borlvärts" in der Post-ZeitnngS- liste für 1393 unter Nummer 7820). Die Redaktion des„Vorwärts". Ein Kamerad. Eine erschütternde Kunde wurde uns heute bei Beginn unserer Redaktionsthätigkeit. Unser langjähriger Kollege und Freund A u g u st I a c o b c h ist vergangene Nacht, von einem Herzschlag getroffen, nach wenigen Minuten verstorben. Unser Kampfgenosse, der seit Jahren unermüdlich für die Sache deS Proletariat? thätig war, hat auch seine letzten Stunden im Dienste der Arbeitcrsache verbracht und er ist gewissennaßcn wie ein Soldat im Felde im offenen Kampfe gefallen. Von Haus aus Töpfer, haben ihm seine Kollegen ihr Vertrauen auch noch bewahrt, als er vor Jahren seinen Beruf aufgab und in die Redaktion des damals erscheinenden.Socialdemokrat" eintrat. Im Interesse der Töpferorganisation hatte Jacobey die freie Zeit der Ferien be- nutzt, um nach Frankfurt a. O. zu gehen, und dort für seine früheren Berufskollegen zu wirken. Auf der Rückreise, nachdem seine Ferien abgelaufen, wurde unser Genosse auf dem Schlefischen Bahnhof von einem schweren Unwohlsein ergriffen, so daß er in polizeiliche Obhut genommen werden mußte. Ein Herz- schlag hatte den Braven getroffen und nach kurzer Besinnungslosigkeit schloß er die Augen für immer. In August Jacobey hat die deutsche Socialdcmokratic einen treuen, unermiidlichen und allezeit opferbereiten Parteigenossen verloren. Er gehörte zu jenen Kämpfern, die zivar in der Oeffcnt- lichleit weniger hervortreten— obivohl es dein Verstorbenen auch nicht an der Fähigkeit fehlte, in freier Rede seine Ucberzcugnng darzulege»— die aber im engeren Kreise organisatorisch und agitatorisch um so wirksamer thätig sind. Schon vor dem Socialistcn- gesctz zur Partei gehörig, war Jacobey besonders unter der schweren Zeit der Herrschaft jenes Schandgesetzes einer der unermüdlichsten Organisatoren draußen im sechsten Wahlkreis. Bei den leidigen kämpfen mit den Unabhängigen stand Jacobey entschieden auf feiten der alten Partei, nnd so wurde er auch weiteren Kreisen bekannt und auf dem ersten Parteitag, den unsere Partei nach Aufhebung deS Socialistengesetzes auf deutschem Boden wieder abhalten konnte, in Halle 1890, auf Vorschlag der Berliner Genossen— obwohl er selbst nicht als Delegierter an« wcsend ivar als Parteikontrolcur gewählt. In Erfurt und Berlin wiederholt gewählt, hat er sein Amt stctS in gewissenhafter Treue ausgeübt. Als T ö p f e r war Jacobey unter der A e r a P u t t k a m e r in Gemeinschaft mit den übrigen damals organisatorisch thätigen Bau- Handwerkern in einen Prozeß verwickelt, der für seine Arrangeure, die durchaus die Organisation vernichten wollten, wenig die Angeklagten Belastendes zu Tage förderte und nur äußerst geringe Strafen zeitigte. Ii» Central« verband der Töpfer bekleidete Jacobey viele Jahre hindurch die Stelle als Vorsitzender und besonders Jacobeys Agitation ist das Aufblühen und Erstarken dieser Centralorganisation zu danken. Noch auf der letzten Generalversammlung der Töpfer Deutschlands in Velten 1833 ward ihm das' Amt deS Lerbandsvorsitzenden abermals angetragen, das er aber, weil verantwortlicher Ncdacteur am«Vorwärts", ausschlug. Unvergessen wird auch bleiben, wie die Genossen Hensel. Nauen und L a ch m a n n in jener Winternacht am Sonnabend, dem 22. Januar 1837 auf dem Spandauer Schiffahrtskaual. von einer Besprechung zur bevorstehenden Reichstagsivahl konimcnd, und von den Häschern verfolgt, im Eise des Kanals eingebrochen. Jacobey Ivar die Bergung der Leichen mit zugefallen, wie auch die traurige Aufgabe der Benachrichtigung der Angehörigen der Ertrunkenen. Seine ruhige Art befähigte ihn ganz besonders zu diesent trüben Werke. Um Weihnachten 1834 trat Jacobey in das auf Beschluß des Kölner Parteitags ins Leben gerufene Wochenblatt„Der Social- demokrat" ein, dessen Expedition er vom ersten Tage des Erscheinens an geleitet hatte. Seit der Uebernahme der Expedition dieses Blattes, das er bis zu dessen Eingehen, 1. Januar 139S, auch verantwortlich zeichnete, nachdem die vorherigen Redakteure, die Genossen Zachau und Schippel, zu mehrmonatlichen Gefängnißstrafen verurteilt waren, ist Jacobey im Parteidienst verblieben, überall und immer sich durch Pflichttreue und Gewissenhaftigkeit auszeichnend. In die Redaktion des„Vorwärts" trat Jacobey mit dem Beginn des Jahres 1836. Es war damals eine sehr kritische Zeit für das Centralorgan der socialdemokratischen Partei. Nicht weniger als vier Redacteure unseres Blattes befanden sich in der Villen- kolonie am Plötzcnsee ans mehr oder minder lange Zeit ein- quartiert und der damalige verantwortliche Redactcur, Genosse Kuhnert, hat nur wenige Wochen seines Amtes gewaltet, als auch er, einer ganz harmlosen Notiz willen, die sich auf eine der so überraschend oft vorkommenden Schutzmanns- Begnadigungen bezog, ebenfalls wegen Majcstätsbclcidigung belangt und später auch verurteilt wurde. Trotz dieser kritischen Periode erklärte sich Jacobey sofort beim Eintritt bereit, die Verantwortung für den redaktionellen Teil des Blattes zu überiiehineii; ein Amt, das er seitdem ausgeübt hat, bis er vor vier Wochen seine diesjährigen Ferien angetreten hat. Daß er es mit seiner Aufgabe ernst nahm und daß seine be- ivährte Umsicht von Erfolg begleitet war, dafür spricht wohl die Thatsache, daß während der drei Jahre nnd acht Monate, während deren Jacobey den„Vonvärts" verantwortlich gezeichnet hat, er außer mehr oder minder hohen Geldstrafen nur ein einziges Mal zu einer Haftftrafe von vier Wochen rechtskräftig verurteilt worden ist. Eine zweite Verurteilung zu zwei Monaten Gefängnis wegen Beleidigung der Bcamtcn-Reportcr am„Dresdener Journal" schwebt noch in letzter Instanz. Ein paar kleinere Sachen— darunter die Beleidigung des preußischen Herrenhauses— nimmt unser Genosse ungcrochcn mit ins Grab. Jacobey wurde seiner Zeit auch als Arbcitervertrcter in das Gewcrbegericht gewählt und ebenso bekleidete er seit dem Herbst 1835, wo er im 42. Komntnnal-Wahlbezirk(Gesundbrunnen) gewählt wurde, das Amt eines Stadtverordneten. Als solcher gehörte er in der letzten Zeit der Kommission für die Anstellung von Schulärzten an. Auch in diesen Aemtern hat sich der Verstorbene allgemeine Achtung erworben und hat das in ihn gesetzte Vertrauen seiner Wähler vollauf gerechtfertigt. Wer konnte voraussehen, als der kräftige, noch in den besten Mannesjahren stehende Kollege sich vor wenigen Wochen ans unserer Mitte verabschiedete, daß die Tage ocr Erholung für ihn so traurig abschließen würden! Möge der tapfere und allzeit bewährte Genosse und Kollege im Andenken der Genossen fortleben. Er hat es verdient, er war der Bravsten einer. Stimmungsmache für Brotverteuernng. Die Aufmerksamkeit auf die wirtschaftlichen Umtriebe der Agrarier ist zur Zeit angesichts der Preissteigerungen der Jndustrieprodukte und der Knrstreibereien an den deutschen Börsen stark beeinträchtigt. Abgelenkt wurde sie auch durch den sich nach der starken Getreidehausse im vorigen Jahre vollzieheiidcu Rückgang der Grtreidcpreise, der noch lange nicht ans dem Stand früherer Jahre angelangt ist. Die jetzigen Preise sind noch immer hoch und jede Steigerung der- selben muß auf die Lebenshaltung der Arbeiterbevölkernng nachteilig einwirken. Die Agrarier freilich künnnern sich um das Ergehen der andercnBevölkernngsschichten nicht, sondern verfolgen in einseitigster Weise immer nur den Eigenvorteil der Landwirte. Und so ist es weiter nicht verwunderlich, daß sie auch mit deni jetzigen hohen Stande der Getreidepreise schon nicht mehr zufrieden sind. Nach den Auslassungen ihrer Presse ist seit einem Jahre wieder ein scharfer Rückgang der Getreidepreise zu beklagen. Was Wunder, daß von ihrer Seite versucht wird, Stimniung für höhere Getrcidepreise zu machen! In geradezu klassischer Form macht sich die Central- stelle der preußischen Landwirtschafts- k a m m e r n zum Mundstück dieser agrarischen Wünsche nach höheren Kornpreiscn. Dieselbe hat vor einiger Zeit an die Presse eilte Darlegung über den Ertrag der diesjährigen Weltcrnte versandt, die in ihrer Tendenz preissteigernd wirken will und muß. Es heißt da zum Schluß: „Auf der einen Seite der Mangel an Beständen, sowie die wesentlich verringerte Möglichkeit der Einfuhr vom Anslaitde, die mittlere Jnlandscrute und ans der anderciiScite der sicherlich wenigstens gleich bleibende Verbrauch lassen mit vieler Sicherheit den Schluß zu. daß die diesjährige Brotgetreidc-Ernte einer günstigen Auf- nähme begegnen ivird. und daß nach Lage der statistischen Wer- Hältnisse der heutige Preisstand sicherlich als unangemessen hoch mindestens nicht bezeichnet werden darf." Der Schlußpassus sowohl, der ein gewisses Mißtrauen gegen die eigene Behauptung in sich schließt, sowie die wieder- holte Anwendung des Wortes„sicherlich" und„Sicherheit" zeigen schon, auf wie schwachen Füßen die Schlußfolgerungen der Centraistelle der preußischen Landwirtschaftskammern stehen. Wir würden nun der genannten Darlegung keine weitere Beachtung schenken, wenn sie nicht ziemlich kritiklos in einen großen Teil der Presse übergegangen wäre, um dort allmählich in der gewünschten Richtung zu wirken, nämlich die Auffassung zu verbreiten, als od die Ernte dem Verbrauch gegenüber sich Heuer als zu schwach erweisen könnte. Da meinen wir nun allerdings, die strikten Behauptungen, mit denen die agrarisch angehauchte Darlegung operiert, erschüttern zu müssen. Die Centralstelle prüft die diesjährigen Ernte-Ergebnisse. Anstatt nun mit Vorsicht und Reserve, wie es bei der Natur der Ernteschätzungen sich geziemt, die vorliegenden Berichte in Rechnung zu ziehen, stellt die Centralstelle mit päpstlicher Un- fehlbarkeit solche Meldungen und Informationen zusammen, die ein den Agrariern passendes Resultat ergeben. Kein Wort wird dabei über die starke Fraglichkeit all der angeführten Ziffern verloren. Da heißt es zunächst von der Jnlandsernte, daß sie genau und zahlenmäßig sich noch nicht angeben lasse; „sie wird nach von uns veranstalteten Rundfragen als eine „gut mittel" für Roggen in Aussicht zu nehmen sein, während für Weizen infolge der lang andauernden ungünstigen Witterung eine„schwach mittel" zu erwarten ist". Man kann nun seit Jahren die Beobachtung machen, wie die agrarische Presse mit allen Mitteln die jedesmalige In- landsernte kleiner darzustellen sucht, als sie in der That ist. Das geht sogar so weit, daß selbst die amtliche Statistik durch ihre Berichterstatter irregeführt wird. Wir wollen nur auf das Vorjahr exemplifizieren. Nach einer Uebersicht der Statistischen Korrespondenz steht nunmehr fest, daß seit zwanzig Jahren nie so hohe Durch- s ch n i t t s- E r t r ä g e e r z i e l t w o r d e n sind, wie bei der 1898 er Ernte. Dagegen verfolge man, wie schwach man diese 1898 er Ernte lange Zeit darzustellen versucht hat. Es hat im Sommer 1898 Perioden gegeben, wo man eine gänz- liche Mißernte in Aussicht stellte. Nach den: offiziellen Saaten- stands-Berichte vom April war Weizen und Roggen als etwas über„mittel" angegeben, nachher stellte sich die Ernte als sehr gut heraus! Dieses Jahr ffind Iber nach den offiziellen Saatenstands-Berichten bie Ernte-Aussichten schon gute ge- Wesen, die Erträge sind' hinter den Annahmen der Berichte sicherlich nicht zurückgeblieben: da kommt nun plötzlich die Centralstelle der preußischen Landwirtschaftskammern und posaunt in die Welt hinaus: Roggen ist„gut mittel", Weizen „schwach mittel". Diese so bestimmt hingestellte Behauptung kann kein Mensch glauben, vielniehr dürfte die diesjährige Jnlandsernte, wenn auch nicht so reichlich wie im Vorjahr, so doch durchaus gut ausgefallen fein. Aber diese Thatsache paßt den Wünschen der Agrarier nicht in den Kram und darum muß der Ernte-Ertrag sich nach den PreiSkalknlationen der Landwirte richten. Dasselbe passiert natürlich auch mit dem Ausland. Bezeichnend dafür ist, mit welch burschikoser Leichtigkeit hier der wahre Sachverhalt getrübt wird. Da heißt es: „Bei den notorischen Mißernten der Donau-Tiefländer werden sie in diesem Jabrc Roggen überhaupt nicht auszuführen vermögen. Südrußland kommt ebenfalls in Wegfall und nur be- treffs der noch heranreifenden Noggenernte in Nordrnßland könnte auf Einfuhr nach Deutschland gerechnet werden, Iveun nicht die Noistands-Gouveruemcnis, wie aiizuuchnicn ist, diesen Ueberschuß für sich selbst in Anspruch nehmen." Wenn irgend ein Gctreidehnndler, der verkaufen will, seinem Kontrahenten ein X für ein U vornlacht, so ist das schließlich begreiflich; wenn aber eine verantwortungsvolle Stelle wie die Centralstelle der preußischen Landwirtschafts- Kammern die Interessentenkreise so einseitig unterrichtet, wie es hier geschieht, so kann man nur bedauern, daß"die Land- Wirte für eine Organisation, die sie unzulänglich informiert, die Mittel aufbringen müssen. Von einer„notorischen Mißernte" in den Donau- Tief- ländcrn kann keinesfalls die Rede sein. Ziehen wir nur allein den Roggen in Betracht, so ergiebt sich, daß der Roggen- ertrag in Ungarn im Jahre 1837 8 323 000 Doppelccutner, , 1838 11790 000 betrug; nach dem jüngsten Bericht des ungarischen Ministeriums vom 10. August stellt sich aber der diesjährige Roggenertrag auf 11 993 182 Doppelcentncr, also sogar noch höher wie im vorigen Jahre. Dabei ist noch zu berücksichtigen, daß die Ernteschätzungen des ungarischen Ministeriunls fast durchgängig hinter der Wirklichkeit stark zurückbleiben. Auch in Ruß- l a n d sieht es wesentlich anders aus, als die Centralstelle behauptet. Nach den bei dem russischen Finanzminister ein- gegangenen Berichten, die der Negierungsbote vom 15. August wiedergiebt, ist die Ernte in Rußland im allgemeinen be- friedigend. Noch befremdlicher ist die Darstellung über Amerikas Ernteresultate. Die Centralstelle erweckt den Anschein, als ob die Weizenernte in den Vereinigten Staaten recht schwach aus- gefallen wäre. Sie rechnet der Welt vor, daß etwa 21 Proz. Weizen dieses Jahr weniger gcerntet wurde wie im Vorjahre. Sie verschweigt aber wohlweislich, daß die diesjährige Weizen- ernte der Vereinigten Staaten immer noch weit über die Durchschnittsernte der letzten Jahre hinausgeht, wie folgende Uebersicht der Weizencrntcn seit 1890 ersehen läßt. Die Ver- einigten Staaten ernteten: in Millionen BnshelS 1830 333,20 1831 011,78 1832 515.95 1833 330,13 1834 400,27 Die 1899er Ernte ist gängen noch immer die r.r Millionen BushelS 1835 407,10 1830 427.03 1837 530.15 1833 075.15 1833 500,70—525 in den aufgeführten zehn Jahr- fünftbeste. Es kommt aber hinzu, daß Amerika von der glänzenden Ernte des Vorjahres noch starke Bestände hat, die den Weizeuvorrat Amerikas wesentlich erhöhen und seine Exportsähigkeit durchaus garantieren. Alle diese Umstände v«.schweigt die agrarische Darlegung der Ccntralsiclle und erreicht damit den Eindruck, als ob die dies- jährige Ernte dem starken Verbrauch gegenüber zu schwach »väre, daß also Preissteigerungen für Getreide einzutreten haben. Wir halten eine derartige Berichterstattung im einseitigen Juteresse der Agrarier für durchaus verwerflich. Es fehlt zudem einer solch' tendenziösen Agitation für eine systematische Verteuerung des Brotkorus die sofortige und wirksame Kontrolle. An dem Vorgehen der Central- stelle der preußischen Landwirtschafts-Kammern zeigt sich aber, mit welcher Selbstverständlichkeit von feiten staatlich anerkannter Organisationen die einseitige Politik des Bundes der Land- Wirte auf wirtschaftlichem Gebiete betrieben wird. Es wird nicht an Versuchen fehlen, die angegriffene Darlegung der Eentralstclle zu verteidigen und ihren Informationsdienst als einwtmdsfrei zu verherrlichen. Vom Standpunkte der aara- rischen Interessen mag das sein, vom Standpunkte der Kon- sumenten, von dem der arbeitenden Bevölkerung aber müssen die Versuche, das tägliche Brot durch unrichtige Angaben der- teuern zu wollen, nachdrücklichst gcbrandniarkt werden. Nolikischo MebovfiM. Berlin, den M. August. Jenseits deö Möglichen. Unsere Beschwerde gegen die wegen der Citierung des Demut- zimitenverscS erfolgte Konfiskation des.Vorwärts" ist abgelehnt worden. Die„Gründe" für diese Ablehnung bilden ein Dokument von sittengeschichtlichem Wert, ein Zeugnis preußischer RcchtSauffassungen, daS selbst auf ein durch die unzähligen lieber- raschuugen der heutigen Ncchtspraxis abgehärtetes Gemüt mit der Kraft cineS Unerhörten, Beispiellosen wirken muß. Wir werden das Aktenstück abdrucken, wenn das Verfahren abgeschlossen ist. Einstweilen müssen wir nnS damit begnügen, mitzuteilen, daß die Gründe denen entsprechen, die der Untersuchungsrichter gegenüber unserem Redacteur entwickelt hat. Den Sinn und den Treffpunkt des DcmmziantcnverseS hätten, so wird gegen unsere Beschwerde eingewendet, doch nur die- jenigcn einschen können, die den Vers kannten. Die Leute aber, die den Vers nicht kannten, hätten ihn auf den Kaiser beziehen müsse», da keine andere Erläuterung in der Notiz aufzutreiben wäre. Das sei die o b j e k t i v e Majcstätsbcleidigung. Nun ist aber die handelnde Person der Notiz gar nicht der Kaiser, sondern auf der einen Seite die MajestätSbclcidiger, auf der anderen die Dcimnzianten. Wenn man also schon die Spitzmarke nicht kannte und sie nicht auf die Denunzianten beziehen wollte, so bliebe noch die Wahl, sie auf die MajestätSbclcidiger zu münzen.' Aber das nur beiläufig: Die Hauptsache ist, daß kein Leser des .Vorwärts" jenen tausendfach wiederholten Vers nicht kennt. Wenn es aber wirklich solche Ignoranten in unserem Leserkreis geben sollte, so ist der„Vorwärts" doch nicht verantwortlich für alle denkbaren Mißverständnisse möglicher Leser. Vielleicht fällt der„Vorivärts" auch Wahnsinnigen in die Hand, oder halben Analphabeten, die nur mühsam Gedrucktes lesen können, oder Ausländern, die die deutsche Sprache nicht beherrschen— und diese verstehe» vielleicht eine aus dem„Reichs-Anzeiger" wiedergegcbene Bemerkung falsch in majestäts- beleidigendem Sinne— was kann der„Vorwärts" dafür? Ein Blatt ist doch nicht haftpflichtig für die sträfliche Dummheit irgend eines Lesers. Der ckolus eventualis erscheint in dieser Begründung in einer Stcigening, für die es in der Sprache keinen Ausdruck mehr giebt. ES gehörte schon eine erregte majcstiilSbelcidigendc Phantasie dazu, in der harmlosen und unziveidcntigen Notiz eine Majestntsbclcidignng zu wittern— eine Phantasie ähnlich der, die bei jedem unschuldigen Worte eine geschlechtliche Zweideutigkeit aufspürt. Aber nicht nur objektiv, sondern auch subjektiv soll der Verdacht der Majestätsbeleidignitg begründet sein. Der Rcdnctcnr habe die Absicht gehabt, die Mißdeutung des Verses zu bewirken. Gegen solche Beleidigung unserer Intelligenz, gegen diese Beschuldigung eincS hirnlosen JdiotiömuS sind ivir wehrlos. Uns wird man zwar zubilligen, daß wir den VerS kennen. Thnt nichts: wir begehen Majestätsbcleidigungen in der verrückten Art, daß ivir den bösen Willen haben, daß allgemein bekannte Citate von Nichtwissern ins Gegenteil und in völlige Sinnlosigkeit verkehrt werden. Die Konstruktion dieser Majestätsbeleidignitg erinnert lebhaft an BertillonS„System". Wir aber halten eine Wciterführung dcS Prozesses für unmöglich, weil wir— trotz allem Pessimismus— noch nicht zu glauben vermögen, daß wir die Zustände französischer Militärgerichtsbarkeit erreicht haben.— Beim Tode Lassalles vor 33 Jahren. i. Am gl. August 1664, also heute vor 86 Jahren, schloß der große Wcckrufer für immer die Augen, der die deutschen Arbeiter zum Klassenbewußtsein aufgerüttelt und in seinem Allgemeinen deutschen Arbeiterverein den Grundbau errichtet hatte, auf' dem sich heute die mächtige socialdemokratische Partei erhebt. Für die junge deutsche Arbeiterbewegung, eben den Allgemeinen deutschen Arbeiterverein, war der jähe Tod Lassalles fast'ein Vcr- nichtungsschlag. Der Verein hatte zlvar nominell etiva 4600 Mit- gliedcr, aber die Beiträge gingen äußerst unregelmäßig ein und die Kasse war in trauriger Verfassung. Laffalle selbst hatte verschiedent- lich Zweifel ausgedrückt, ob der Verein sich lebensfähig erweisen werde. Und nun kam der Tod des Mannes, der allein fähig schien, durch die Macht seiner mächtigen Persönlichkeit und seiner glühenden Vcredsamkeit den Verein auszubreiten und der Arbeiterbewegung neue Auhäuger zu werben. Am 8. Mai hatte Laffalle Berlin verlassen, um sich durch eine Sammerreise von den beispiellosen Anstrcitgiingcu der wiiiterlicheii AgitationSarbcit zu erholen. Schon im Februar hatte er an die Bevollmächtigten des Vereins geschrieben: Ich bin todmüde, und so stark meine Organisation ist. so wankt sie doch bis in ihr Mark hinein. Meine Aufregung ist so groß, daß ich keine Nackit mehr schlafen knitit. Ich wälze mich bis fünf Uhr ans dem Lager tuid stehe mit Kopfschmerz und tief erschöpft ans. Ich bin überarbeitet, Überallgestrengt, übermüdet im fiirchtbarste» Grade. Dennoch benutzte er den größten Teil dcS Mai noch zu ciitcr Heerschau über die Gemeinden des Allgemeinen Deutschen Arbeiter- Vereins. Er begann seine letzte NgitationStour in Leipzig und endete in Ronsdorf, wo er auf dem StiftniigSfcst des Vereins seine letzte große Rede hielt und von den Arbeitern wie ein Triumphator ge- feiert und wie ein Messias verehrt wurde. Nach diese» Erfolgen ging er nach Ems und von Mitte Juli ab nach Nigi-Kallbad in der Schweiz, die er lebend nicht mehr verlassen sollte. Bis zum 27. Juli hatte er noch brieflich mit dem Vereins- vorstand in Berlin verkehrt. Dann aber verstunimte er. Der Vereinssekretär Willnts schrieb ihm noch am 8., 10., 13. August und drückte ihm noch eimnal am 22. August seine Verimntderuiig auS. gar kein Lebenszeichen von ihm zu erhalten. Vergebens. Laffalle lebte nur noch seiucnt LicbcSabenicucr mit Helene von D ö n ii i g e S tuid führte einen ihn vis in die Tiefen aufwühlenden Kampf tun ihren Besitz. Wir»vollen den Roimtn hier nicht ausführlich erzählen und beschränken nnS auf die Wiedergabe cineS weniger bekamiien Briefes der Frau Emma Die belgische Soeialdemokratie und die Wahlrechts- frage. Man schreibt uns aus Brüssel: Auf den Antrag der socialistischen Vereinigung von Charleroi hatte der Generalrat der Partei zum Montag einen„außer- ordentlichen und geheimen Parteitag" zusammenberufen, der über „die Mittel beraten soll, die anzuwenden sind, um die Regierung zu verhindern, das Wahlrecht ohne vorhergehende Befragung deS Landes zu ändern, wenn es sich nicht um Einführung des allgemeinen gleichen und einfachen Stimmrechts handelt". Der Parteitag tagte im großen Saale deS blsisou ckn Vetrple(Volkshauses). Die Beratungen dauerten bis �»6 Uhr äbends. Gegen 400 Gruppen waren vertreten. Journalisten waren nicht zugelassen, es wurde ihnen aber folgende ein- stimmig gefaßte Resolution mitgeteilt: „In Anbetrocht, daß die klerilale Majorität nicht berechtigt ist, eine Aenderung des Wahlreckits vorzuschlagen; in Anbetracht serner, daß der Gesetzentwurf der Regierung die Arbeiterklasse durch Auf- rcchterhaltniig des Pluralstimmrechts in dem entrechteten Zustände beläßt, erinnert der Parteitag an den Eid, der im Park von Saint- Gilles geleistet wurde, ohne Unterlaß und Ruhe für das allgemeine Stimmrecht zu kämpfen; er billigt die Haltung der socialistischen Deputierten in der Kammer, die einstimmig die Proportionalwahl mit Plural- stimmen bekämpften; er beschließt, daß die Agitation für das allgemeine Stimmrecht mit allen möglichen Mitteln zu betreiben ist; er beauftragt den Generalrat, alle Maßregeln, und seien sie noch so energisch, zur Ausführung zu bringen, um die Agitation zur organisieren und den Triumph des allgemeinen Stimmrechts zu beschleimigen." Der Parteitag hat eine Reihe praktischer Mittel an- genommen, um den gesetzten Zweck— Erhaltung des status quo(bestehender Zustand) oder Befragung des Landes— zu erreichen; Mittel, deren Tragweite die nächsten Ereignisse zeigen werden.—_ Der Absolutismus in Italic». Man schreibt uns aus Mailand: Der Mailänder AppellationL- bof hat dieser Tage in einem Preßprozessc ein wichtiges Urteil über die Frage, ob das famose„decreto-legge" vom 22. Juni d. I. vcr- fassmigSmäßig ist, abgegeben. Diese Entscheidung bietet nicht nur ein unmittelbares Interesse, so weit sie die Aitwendung der von dem Kabinett Pelloux erklügelten„SicherheitSmaßregeln" betrifft; sie bat außerdem noch eine viel allgenicincre politische Tragweite, da sie, vorausgesetzt, daß sie nicht von dem Kassationshof für ungültig er- klärt wird, die Regierung veranlassen könnte, von jenem Ausitahme- dckret cinen noch weiter gehenden Gebrauch zu machen als bisher. Als am 22. Juni das Dekret, welches vom 20. Juli ab neue scharfe Maßregeln gegen Preß- und Versammlungsfreiheit einführte, veröffentlicht nud einige Tage später der Schluß der Session verliiiidet wurde, ohne daß die Kammern in der Lage gewesen wären, dem Dekret Gesetzeskraft zu verleihen, fragte man sich, ob die Ltegicrimg nicht vor dem 20. Juli auf die An- Wendung der Ausitahmebestiittmintgen verzichten wurde. Selbst in volitisch zahmen und gemäßigten Kreisen herrschte nur eine Stimme über das Dekret, das allgemein als eine dreiste Verletzung der Ver- fassnng bezeichnet wurde. Aber diese Urteile machten auf den schnetdigen General Pelloux nicht den geringsten Eindruck, und bom 20. Juli ab wurden die im Dekret vorgesehenen Maßregeln für rechtsgültig erklärt. Die Opposition abex hielt sich noch nicht für geschlagen. Sie setzte ihre letzte Hoffnmig auf die Gerichte, die, wie man glaubte, das Dekret vom 22. Jimi unbeachtet lassen und es als verfassungswidrig betrachten würden. Diese Hoffnung schien um io begründeter zu sein, als die Ungesetzlichkeit deS Dekrets selbst von hervorragenden RcchtSgclehrlcn für nn- bestreitbar erklärt worden war. Man wartete mit lebhafter Un- gcdnld auf die nächste Gelegenheit, die sich der Justiz bieten wurde, zu dem„äeereto" Stellimg zu nehmen. Diese Gelegenheit ist mni erschienen, und die Sache der Regierung ist siegreich ans der „Avontiure" herborgegaiigen. Die naiven Gemüter, die glaubten, daß die Justiz in dem' heutigen italienischen Polizeistaate un- parteiisch sein könne, sind gründlich ad absurdum geführt worden. Vom Prozeß selbst, der' ohne Interesse ist, wollen wir nicht sprechen. Es handelte sich um ein in Lodi erscheinendes satirisches Blatt, die„Zanzara"(Mucke), das von dem Znchtpolizci- geeicht von Mailand verurteilt worden war und gegen diese Ver- urtcilmig Bernfung eingelegt hatte. Der Gerichtshof stellte zunächst als Grundregel fest, daß die Exclutivgeivalt nicht das Recht hat, ohne die Mitwirkung der beiden Kammern Gesetze zu schaffen i aber er fügt hinzu, daß die Exekutiv- gewalt das Recht und die Pflicht hat. für die Aiifrcchterhaltung der social«» Ordmmg zu sorgen und darüber zu wachen, daß den Ge- setzen Gehorsam geleistet wird. Die Exekutivgewalt hat demnach nicht das Recht, die Gesetze vorzuschlagen, die sie zur Vollstreckung ihres Mandats für durchaus notwendig hält, sondern— hier citicren wir wörtlich:„Wenn infolge besonderer Umstände, und nachdem sich außergewöhnliche Oppositionen Geltung H e r w e g h, der Gattin des Dichters und Freundin LafsalleS, in dem sie wenige Tage nach dem Tode LafsalleS die Vorgänge ziemlich richtig schildert. Sie schreibt: Frl. v. Dönniges habe den ihr von Berlin her bekannten Lassalle zuerst aufgesucht, habe ihm, nachdem� sie viele Stunden mit ihm allein gewesen, gciagt:„Ich bin Dein Weib, Deine Sache, mache mit mir was Du willst!" Laffalle sei in Libesraserci gewesen, habe aber gleichwohl zuerst den legalen Weg eiiischlageu wollen, um in den Besitz der Geliebten zu kommen. Herr von DLimiges sei aber durchaus nicht zu bewegen gewesen, die Hand seiner Tochter Lassalle zu geben. Letzterer wandte sich sogar an den bayrischen Minister von Schient und bat diesen, er möchte es nicht zugeben, daß dem Fräulein von Dömiiges von ihrem Vater Gewalt angethan werde. Der Minister versprach, alles ihm Mögliche zu thun. ES muß aber inzwischen ein Gesinnungswechsel in ihr ein- getreten sein; dcim als Lassalle durch Riistow bei der Dame um eine Unterredung bitten ließ, äußerte sie:„Herr Laffalle liebt zu sprechen. Zwei Stunden würden ihm nicht genügen. und das langweilt mich." Als ihr nunmehr ihre glühenden Briefe an Laffalle sowie ihre Worte„ich bin dein Weib" und so weiter vorgehalten wurden, so daß ihrem mit- anweseuden Vater bald heiß, bald kalt wurde, betrug sie sich so frivol, daß Herr Riistow. der als alter Soldat gegen vieles gepanzert ist, aufs tiefste empört war. Als Lassalle von diesem Ge- siunmigswechsel der Dame Mitteilung gemacht wurde, atmete er auf und sprach wie einer, dem die Schuppen von den Augen fallen: Gott sei Dank, min bin ich wieder frei. Darauf aber schrieb er dem Herrn v. Dönniges, daß er eine Dirne zur Tochter, Herrn v. Rackowitz. daß er eine Dirne zur Braut habe. Er müsse Blut sehen, äußerte Lassalle. Das Duell war nun unvermeidlich. Am Tage vorher übte sich der Walnchc im Pistolenschießen, er schoß 160 Kugeln ab. Laffalle ver- schmähte das. Mit einer Zuversicht, die fatalistisch ist, rechnete er darauf, daß er zuerst den Bräutigam und dann den Vater erschießen würde, selbst aber nicht getroffen werden könne. Riistow sagte ihm: Schieß zuerst. Denn triffst Du Deinen Gegner auch nicht, so ver- Ivirrst Du ihn doch. Lassalle erwiderte: Er wird, er kann mich nicht treffen. Das Duell ging vor sich und endete wie bekannt. So Emma Herwegh.' Laffalle erhielt von dem walachischen Junker Jauko von Rakowitz eine Kugel in den Unterleib und starb zwei Tage darauf nach den qualvollsten Schmerze». Die' erste Nachricht, die von dem Duell nach Deutschland drang. waren wohl die Telegramme, die Herr von Hofstetten, der mit auf dem Kampfplatz gewesen war, nach Berlin an F. B. von Schweitzer und an den Franksitrtcr Bevollmächtigten Bern- bard Becker, den Laffalle als seinen Nachfolger bezeichnet hatte, richtete. Jedenfalls gehe» von diesen beiden die ersten Nachrichten verschafft haben, eS nicht möglich gewesen ist, die Thätigkeit der ver» schiedenen verfassungsmäßigen Gewalten ordnungsmäßig zu gestalten, hat die Exekutivgewalt das Recht und die Pflicht, alle Maßregeln zu ergreife», die der Ernst der Lage erfordert, und die den Zweck haben. die Ordmmg aufrecht zu halten und die Herrschaft des Gesetzes zu sichern." Nachdem diese allgememe These aufgestellt war. beschäftigte sich der Gerichtshof mit der Frage, ob das Dekret vom 22. Juni durch den Ernst der Lage gerechtfertigt war. Er giebt eine bejahende Antwort. Er erinnert a» den Aufruhr im Mai 1868; an die Bemühungen der Regierung, das Parlament zur Abstimmimg über die für notwendig eralbtcten SicherheitSmaßregeln zu veranlassen; an die Obstruktion eines Teils der Kammer, die es dem General Pelloux unmöglich machte, die Debatten zu Ende zu führen. Aus diesen Thalsachcn schließt er, daß die Exekutivgewalt recht gehabt hat, als sie das Dekret vom 22. Juni erließ,„denn die Sicherheit des Staates ist das höchste Gesetz". Den Rechtsgelchrien, welche den Einwand erhoben, daß man bis jetzt nur in FinanzaUclegenheiten zu Dekretgesctzen seine Zu- flucht genommen hatte, erwidert der Gerichtshof, daß man daim um so mehr in politischen Angelegenheiten zu diesem Mittel greifen muß, wo es sich um Gesetze handelt,„die auf die Erhaltung der öfieiulichen Ordnung Bezug haben, Ivobei nicht bloß Finauzinteresseii geschädigt werden, sondern die Existenz de? ganzen Staates in Frage gestellt werden kann". » Aemsches Weich. Die Unsicherheit des allgemeine» Landfriedens. Erbittert über den mißlungenen Versuch, die H e r n e r II n- ruhen für die Z u ch th a u s vn r l a g e auszubeuten, macht die Uutcriiehmerprcsse ihrer Stimmung in ganz tollen Ausfällen auf die Arbeiter Luft. Die„Industrie", das Speciolbtgan der rheinisch-wcstfälischcn Bergwerke, bringt einen Artikel, der den Beweis liefert, bis zu ivclchcm Grade der IlnzurechiiungSfähigkeit der Haß gegen die Arbeiter das Unteriiehnterthum schon getrieben hat. Das Blatt hält es für nötig, eine gefährliche Legende, die durch ihre fanatische Verbreitung da? Verhälmis zwischen Arbeit- gcbern und Arbeitnehmern zu vergiften drohe, zu zerstören, die Legende nämlich, als ob die Arbeiter die Enirechieien, die Unter- nehmer aber gewissermaßen sportsmäßige Rechlsbeuger seien. Zum Beweis des Gegenteils vernft sich die„Industrie" auf die aus ReichSmitteln bestrittene Statistik über Streiks und Aussperrnngeii, um auf die Frage, ob der Arbeiter sein Koalitionörechr gesetzlich an- wende, eine authentische Antwort zu erhalten; siegessicher ruft das Blatt aus:„Wer nur einen Blick auf diese Statistik wirst, wird mit einein lauten Nein antworten müssen. Sehr bezeichnend ist es, daß die„gewisse" Presse noch keine Zeit zu diesem Blick in die Statistik gefini'dcit hat." Und nun wird aus der angeführten Statistik festgestellt, daß die Hälfte aller Streiter sich außerhalb des Gesetzes stelle. Am traurigsten liegen aber die Verhältnisse im Bcrgbau-Betricbe, namcnt- lich iiii Rheinland, Ivo unter 614 Ausständigen 676 Kontraktbrüchige gewesen seien. Indem den Arbeitern dann ans dieser Feststellung immäimliche und unpolitische Geringschätzung der eigenen Unter- schrift und eine Neigung zur' Gewissenlosigkeit gegen- über verbrieften Rechten und Pflichten vorgeworfen wird. glaubt die„Industrie" festgestellt zu haben, daß eine bedenk- liche Uiisicherbeit des allgemeineit Landfriedens in den Bergbau« Gegenden infolge des Verhalten-? der Arbeiter herrsche. Die Beweisführung der„Industrie" hat nun leider ein Loch. Und das ist iiicht anders möglich, wenn man eben nur einen Blick ans die Streikstatistik wirft und wenn man eS unter- läßt, eine„gewisse" Presse zu lesen. Hätte daS Special» organ für die rheinisch- westfälischen Bergwerke sich die amlliche Streikstatistik eingehender angesehen und die auSführ» liche Kritik der Presse, iiisbesonder« de«„Vorwärts", über diese Statistik verfolgt, so würde sie erkannt haben, daß die Angaben der Streikstatistik spccicll über die Zahl der Kontraktbrüchigen in ihrer GiUllgkdt so erschüttert sind, dag man in der öffent- liche n Diskussion sich auf diese Ziffern nicht mehr berufen kau Ii. Wenn die Bergbau-Unternehmer dies dennoch thun, so zeigen sie damit, daß ihnen für die Angriffe ans die Arbeiterbewegung wirkliche Gründe und Thatsachen fehlen. Nicht die Arbeiter, sondern die Fürsprecher des Zuchihaublurscs bedrohen den allgemeinen Land- frieden._ Auch eine„Verstantlichnng". Man schreibt tnis ans Jena: Ein interessanter Prozeß, der jedenfalls weit mehr als lokale Bcdentmig hat, wird öffentlicher Erklärung gemäß dem- nächst bei dem Landgericht in Weimar auf civilrechtlichem Wege anhängig gemacht werden. Kläger ist der in letzter Zeit wieder mehrfach genannte P r o f e s s o r A b b e in I e n a in seiner Eigen- schaft als derzeitiger gesetzlicher Vertreter der Karl Zeiß- Sttftimg, die er aus reinsten Motiven heraus geschaffen hat. Die Klage (Feftstelluiigsklage) richtet sich gegen den Gcmeiiidevorstand Ober- bürgermcistcr Singer in Jena. Der Streitsache liegen folgende Thatsachen zu Grunde. Auf dem anfangs Juli in Greiz abgehaltenen Thüringer Städtetag in die Ocffentlichkeit anS. In der„Volks-Zeitung" vom 2. Sep- tember 1864 lesen wir: Nach einer aus Genf eingetroffenen Privatdepesche ist daselbst am 31. August morgens Herr Ferdütand Laffalle infolge einer im Duell erhaltenen Wunde gestorben. Das Duell fand wahrscheinlich am 2S. August statt. Gegner im Duell war ein Herr I. v. R. Den Gemeinden des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins wurde der Tod des Meisters unterm 2. September durch das folgende Cirknlar des Viccpräsidenten Dammer in Leipzig mitgeteilt: „Freunde I Parteigenossen I Unerwartet, ungeahnt, hat ein schwerer, ein unersetzlicher Verlust uusern Verein betroffen I Ter Mann, der uns vorangegangen im Kampfe des Jahrhunderts— Ferdinand Lassallc— ist nicht mehr. Ich brauche dem Schmerze. den jedes Herz erfüllt, keine Worte zu leihen— was mir obliegt, ist die Sorge für unsere Sache. Als dermaliger Lenker deS Allgein. deutschen Arbeiter-Vereins bestimme ich: 1. Bis zur Entscheidung der Generalversammlung verbleibt die Leitung des Vereins, sowie sie bisher dem Präsidenten zustand, provisorisch dem Vieepräsidentcit. 2. Die Generalversammlung wird so schnell wie möglich, jedenfalls int Laufe dcS Novembers cinboriifen. 3. Bis dahin haben alle Bevollmächtigten und sonstigen Beamten des Vereins ihre Funktionen genau in der bisherigen Weise fort- zuführen, so daß durchaus keine Veränderung in der Thätigkeit dcS Vereins eintritt. Ich bemerke, daß über die letzten Lcbensschicksale Lassalles baldigst näheres bekannt gegeben wird. Vorerst genüge die Mitteilimg, dak er»ach zweitägigem Leiden infolge einer bei einem Pistolenducll erhaltenen Wunde am 31. August, morgens 7 Uhr, zu Genf vcr- starb.... Mit dem ganzen Feuer der Energie, mit der Hingabe für unsere große Sache, wie sich uns der Verblichene als leuchtendes Beispiel vorangestellt, weihe jeder sich dem Werke, für welches Lassalle bis zur letzten LebenSstnnde eingestaitden.". Aus den versprochenen nähere» Mitteilungen an die Mitglieder über die Todesursachen wurde jedoch nichts. Man hatte geglaubt, daß es sich um ein Duell mit einem politischen oder lttteftmschen Gegner gehandelt habe. Nun man aber die Wahrheit rfftchr. verzichtete man lieber auf die nähere Erörterung � der nner- quicklichcn Angelegenheit. Die breiteren Arbctterkrcqc glaubten zuerst gar nicht an das Duell. Man witterte allerlei Ränke und Jntrigucn der Gegner, und beispielsweise tn Köln wurde in einer Arbeiiervcrsaminlmig mitgeteilt, die Nachricht, daß Lassallcs Duell durch eine LiebcSgcschichte herbeigeführt worden, sei eine Verleimt- düng. Vielmehr sei Lassalle infolge eines poltti, che» NtnchelmordtS und als Märtyrer feiner Ucberzcngung gefallen. Die Gräsiu Hatzfeld hatte die Absicht, die Leiche ihres Freundes wurde auch über die Einrichtung von Volkslesehallen diS» lutiert. Nach einem sachlich zu nennenden Referate des Bürger- Meisters von Gotha über diesen Gegenstand ergriff auch das Stadt- obcrhaupt von Jena das Wort, um seine Ansichten nicht etwa für, sondern gegen die Lesehallen in die Wagschale zu legen. Auf seine Aeufferungen war man deshalb ain meisten gespannt, weil er an der Spitze eines Gemeinwesens steht, das eine in der That nach jeder Richtung hin vorbildliche Lesehalle besitzt, allerdings nicht aus Gcmeindekosten, sondern weil die Karl Zeitz- Stiftung jährlich Tausende zu diesem Zwecke opfert. Herr Singer hat sich aber als geschworener Feind dieser Lesehalle entpuppt; und zwar aus dem Grunde, weil in ihr auch der s o c i a I d e m o k r a t i s ch e n L i t t e r a t u r der ihr gebührende Vlatz eingeräumt ist. Als Maßstab seiner Beurteilung wählte der Oberbürgermeister das— Militärvcrbot, das über die Lesehalle vcr- hängt ist. Aber mit der Acußcrung dieser seiner subjektiven Meinung ließ sich Herr Singer nicht genügen, sondern er holte zu eineni Scitenhieb auf die K a r l Zeitz-Stiftung ans, indem er erklärte: „Leider ist in unserem Jena eine gröhere jährliche Zuwendung aus einer unter staatlicher Aufsicht stehenden Stiftung davon ab- bängig gemacht worden, datz auch s o c i a l d e m o k r a t i j ch e Zeitungen und Werke in der Lesehalle anfliegen." Daß dies der einfache Unparteilichkeitsstandpunkt erfordert, leuchtet dem Manne nicht ein. Aber darauf kommt es in diesem Falle nicht an, sondern auf die Charakterisierung der Karl Zeist-Stiftung. Indem er die Stiftung als eine„unter staatlicher Aufsicht stehende" Anstalt be- zcichnele, gab er seinen Worten— ivie Professor Abbe in seiner neuesten öffentlichen Erklärung ganz richtig feststellt— die Bedeutung: „es könnten Handlungen, die gesetzlich durchaus unanfechtbar sind, aber vom Standpunkt gewisser Parteianschauungen migfällig oder anstvtzig erscheinen, dieser Stiftung kraft„staatlicher Aufsicht" verwehrt werden, ivcnn die betreffende Staatsbehörde es nur wollte." llcbrigens bedeuteten ja auch die Singcrschen Aentzeningcn auch eine Anschuldigung der„Aufsichtsbehörde"(der weimarischen Staats- rcgierung im engeren Sinne) dahin, daß sie die Socialdcmokratie begünstigt habe, indem sie von ihrem sogenannten, in Wirklichkeit nach dieser Richtung hin aber gar nicht bestehenden„Aufsichtsrecht" zu Nnaunste» der Socialdemokratie nicht Gebranch gemacht habe. Herr Singer wollte also nach der allbewährlen Methode scharf- in a ch e n. Demgegenüber bemerkt nun Professor Abbe wieder in ganz unzlveidentiger Weise: „Es giebt keine besondere staatliche Aufsicht über die Karl Zeitz-Stiftung, d. h. keine, die irgend einem anderen Zwecke als dem dienstbar gemacht werden könnte, daß die Verwaltung der Karl Zeitz-Stiftung dauernd mit dem Inhalt der Stiftnngsurkundc übereinstimmt; und es giebt auch keine staatliche Behörde, die der Karl Zeiß-Stiftung und ihren Organen etwas gebieten oder ver- bieten könnte, was nicht dieselbe Behörde mit Grund der Gesetze auch jedem anderen gebieten oder verbieten kann." Professor Abbe will nun durch Richterspruch feststellen lasten, welches thatsächliche Rechtsverhältnis zwischen der Karl Zeiß-Stistung und dem Staat im Punkte der Aufsichtsführung besteht— und zwar unter dem Klage-Anipruch:- I-!> �„Herrn�liiger zu verurteilen, daß er bei gerichtsseitig fest- zusetzender Strafe bei jedem Zuwiderhandlungsfall, in Zukunft zu unterlassen habe, Acußernngcn zu verbreiten, welche inhaltlich be- sagen: es könnten der Karl Zeiß- Stiftung oder deren Organen kraft staatlicher Aufsicht Handlungen verboten oder geboten werden, die nach den Gesetzen anderen nicht zu verbieien öder zu gebieten sind, und die auch»ach dem Statut der Stiftung dieser und ihren Organen frei stehen; das Urteil, gegen Sicherheitsleistung seitens der Karl Zeiß-Stiffting für vorläufig vollstreckbar zu erklären." DaZ energische Vorgehen des Herrn Professor Abbe verdient diesen fortgesetzten Diskreditierungsversuchen des Jenaer Oberbürgermeisters gegenüber der Karl Zeiß-Stiftung Anerkennung. Zudem kann man Herrn Professor Abbe dazu Glück wünschen, daß ,hm als dem be- rufensten Interpreten der Karl Zeiß-Stiftung noch bei Lebzeiten Gelegenheit geboten ist, in der bezeichneten Richtung zweifelsfreie Feststellungen machen zu lassen. Denn, wenn das richtig wäre, was Oberbürgermeister Singer und mit ihm vielleicht noch andere, die seinen Standpunkt teilen, aus dem Stiftungsstatut herausgefunden haben wollen, dann hätte Abbe jahrzehntelaiig umsonst gearbeitet, dann wäre der Hauptertrag seines Wirkens auf socialem Gebiete, die Karl Zeiß-Stiftuilg, ein Spielzeug. Die städtischen Behörden in Jena hätten aber alle Ursache, dem Professor Abbe dankbar zu sein, daß er sich zu Gunsten einer großen Anzahl Gemeindebürger und zur Förderung kommunaler Aufgaben exproprnert bat. Statt dessen ergreift der jetzige Ober- bürgermeistcr gegen dieses Institut die Aggressive, um— gegen Wiudniühlenfiügel zu kämpfen. Wer den Kürzeren in diesem Kampfe zieht, läßt sich unschwer voraussagen. Will man aber nach den Bciveggründen des Herrn Singer zu diesem seiiiem an sich liiibe- grciflichen Vorgehen forschen, so können sie nur auf politischem Ge- biete zu suchen sein. Er will nach berühmten Mustern die Social- dcniokratie bekämpfen, aber es ergeht ihm wie vielen anderen vor ihm: er wird über feine eigenen Füße straucheln. Und noch eins: Die ganze Affaire ist ein symptomatisches Zeichen, das mit dem durch die Gemeinden des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins zu führen, um überall glanzvolle Totenfeiern zu veranstalten. Aber die in Breslau lebende Familie Lassalles verhinderte diesen Plan. Auf ihre Veranlassung wurde die Leiche, als sie in Köln eintraf, polizeilich beschlagnahmt und nach Breslau geführt, wo man für ein schleuniges, dcS großen Agitators wenig würdiges Begräbnis nach jüdischem RituS sorgte. Wie würdelos das Einscharren vor- geuonlmen wurde, um>denlArbeitepfllhrer nur ja schnell unter die Erde zu bringen, dafür zum Beiveise geben wir den folgenden, der „Breslauer Zeitung" von damals entnommenen Reporterbericht über das Begräbnis: „Lastall es Beerdigung erfolgte in Breslau am IS. September in aller Stille auf dem' jüdischen Friedhof. Reich und sinnig hatte liebevolle Pietät die Bahre geschmückt. Die Leiche ruhte in einem zinnernen Sarge, von schwarzer Holzbeklcidung umgeben. Das Innere des Doppclsarges war mit rotem Sammct ausgeschlagen, der einbalsamierte Leichnam selbst in ein Gewand von gleichem Stoff gehüllt und die gold- gestickten Troddeln mit echten Brabanter Spitzen garniert. Auf dem Friedhof hatte sich um 3 Uhr eine kleine Schaar der nächsten An- gehörigen und Freunde Lastalles versammelt, unter denen man «ommerzienrat Ullmann, Kaufmann Traube. Sanitätsrat Dr. Grätzer Dr. Asch, Dr. Gotlschall und andere hervorragende Persönlichkeiten icr Stadt bemerkte. Auch die Vorstände der Synagogcngemeinde, der lsraelltucheu Kranken- und Beerdigungsgesellschaft waren ver- treten..lachdcm in der Halle ein kurzes Gebet vcrrichtci worden, bclucßtc liaj i)cr bei* an der Östlichen Seile des 5?ned- Hofs belegenen Lastalleschen Familiengruft, welcher der Sarg dem- nächst unrer dem üblichen Ccremoniell übergeben wurde Abermaliges Gebet in der Halle schloß die ernste Feier." Ter Kommcrzicnrat Friedland. Schwager Lastalles, soll nach der Beerdigung schmunzelnd gemeint haben:„Nun ist der große Kampf begraben!" Und die„Kölnische Zeitung" hatte schon vorher ge- schrieben:„Er wird morgen begraben und seine Arbeiter- agitation wohl damit zn Ende sein. Denn seine wenigen Epigonen kommen ihm doch an Geist, Scharfsinn und Kenntnissen nicht an die Knöchel." Aber die Vertreter des Kapitals und der kapitalistischen Presse sollten sich irren. Die Arbeitcragitation war nicht zu Ende und der Kampf nicht erloschen. Immer stärker sind seitdem die Reihen der kämpfenden Arbeiter gewachsen. In den Tagen nach dem� 3L August 18G4 rief die Todesnachricht besonders in der Arbeiterschaft den größten Schmerz, teilweise Entsetzen hervor. Wir wollen in einem Ivcitercn Artikel noch einige Stimmungsbilder aus der damaligen Zeit vorführen und der neue» Generation der Genossen von den damaligen ersten.Lassalle- feiern" erzählen. Ministerwechsel in Weimar zusammenhängt. Herr Singer will bei zeitcn davon Beweise liefern, daß auch er im stände ist, dereinstens einen Ministersessel zu drücken._ Miguels Sehnsucht. Ein Berliner Mitarb eiter der„Münchener Allgem. Zeitung" schreibt: „Der Vicepräsident des Staatsministeriums, Dr. v. Miguel, leidet seit Wochen an einer Affektion der Atmungsorgane. Er freut sich darauf, noch einige Zeit der Ruhe bei seiner Tochter in Schlesien verbringen zu können. Nach seiner eigenen Bekundung sieht er dem Zeitpunkt, da er seines schwierigen und verantwortungsreichen Amtes endlich enthoben sein wird, mit Sehnsucht entgegen." Nun, wer die Sehnsucht kennt, weiß, was Miguel leidet, der als Minister noch zäher ist, als der Herr v. Bötticher.— Die Kanalmärtyrer? Die„Staatsbürger Zeitung" kündigt folgende Verlustliste aus dem Kanalkrieg an. Es würden folgende kanalseindliche Beamte geniaßregelt werden: Regierungs-Präfident v. Colmar zu Lüneburg, Regierungs- Präsident v.'Jagow zu Posen und folgende Landräte: Dr. Baarth-Posen, v. Berg-Gifhoni, Graf von Bernstorf-Ostpriegnitz, v. Blanckenburg-Virnbaum, v. Bockelberg-Ost-Sternberg, Dr. Frei- Herr von Bodenhausen-Bitterfcld, Freiherr von Bodenhausen- Lebusa-Wittenberg, v. Bonin-Neustetiin, v. Bornstedt-Arnswalde, v. Brockhausen-Dramberg, v. Dallwitz-Lüben, Dumrath-Strasburg, Westpr., Hanscn-Tondern, Dr. Kersten-Schlochau, v. Kotze-Klein- Oschersleben, Kreth-Göritten, Dr. Lewald-Rawitsch. Dr. Schilling- Licgnitz, Wolf-Gcrki-Mogilno und v. Wrochem-Wohlau. Wir glauben's nicht.— Die Schmutzprcsse, die nach Pariser Master Verleumdungen auf Verleumdungen häuft und jeder sachlichen Widerlegung mit einer neuen Verleumdung begegnet, hat sich eben erst mit den Korb- macher Fifcherscheiff Bordell- und Diebsphantasien Verdienste um die moralische Vernichtung der Bourgeoisie erworben und fühlt sich be- reits doch wieder stark genug, um mit neuen Schreibereien dieser Art zu hausieren. Diesmal heißt der Korbmacher Fischer Köster; er soll aus Hörde stammen und früher Mitglied des Berg- und Hütten- arbeitcr-Vcrbandes gewesen sein. Seine von der Schmutzpresse drin- geud empfohlene Flugschrift betitelt sich„Streik und Terrorismus" und ist in dem Korbmacher Fischerschen Verlag von Hermann Walther in Berlin erschienen. Wir werden uns den Verfasser und seine Schöpfung noch näher ansehen. Für heute genüge zur Charakterisicning dieses neuesten Anwalts des Zuchthauskurses die Er»>ähnung, daß Josef Köster in Hörde die hübsche Lüge— auf Seite 17— erfindet, auf dem Partei- tag in Hamburg habe die soeialdemokratischc Partei ihren Kassen- be'richt nicht abfassen können, weil über die Hälfte der Vertrauens- männer ihre Gelder nicht abgeliefert hätten. Josef Köster in Hörde scheint da von sich selbst auf andere geschlossen zu haben; denn an einer anderen Stelle erzählt er mit großartiger Ungenicrthcit, daß er selbst die Verwaltung einer Zahlstelle niedergelegt, ohne Rechnung zu legen, abgereist und sich um nichts mehr bekümmert habe. Kein Wunder, daßstich das Organ Finks-Kiautschoü dieses Mannes mit besonderer Wärme annimmt.— Ein neuer Klassiker. Die„Deutsch-Socialen Blätter" des Herrn Licbermann von Sonnenberg bringen an erster Stelle„Ge- denktage" berühmter Männer. Es heißt dort, am 18. August Adalbert von Chamisso geboren, 21. August 1848 Abgeordneter von Liebermann geboren, 23. August 1744 Joh. Gotlfr. Herder geboren. In welch schlechte Gesellschaft ist der— Herr Liebermanu von Sonnenberg geraten.— Unternehmer- TcrroriSmus. Man schreibt uns aus Jena: Bei Gelegenheit des kürzlich beendeten Zimmererausstandes in Jena hat der Bund der Arbeitgeber im Baugeiverbe Fiasko gemacht. hauptsächlich deshalb, weil eine größere Baufirma den Unternehmer- ring gebrochen hat, indem sie die Arbeiterfardernngen bewilligte. Gegen diese Firma kehrt sich nun der ganze Haß des Arbeitgeber- Bundes, uud er strengt alle Kräfte an, um diese aktionsunfühig zn machen. Das geht auch aus einem an die für Jena in Betracht kommenden Baulieferanten-Geschäfte gesandten Rundschreiben hervor, welches folgenden Wortlaut hat: „Für Jena und Wenigenjena, mit dem Sitz in erstercr Stadt, hat sich seit Jahresfrist eine Vereinigung von Firmen im Bau- gewerbe unter dem Namen:„Bund der Arbeitgeber für das Bange w e r b e z u I e n a und W e n i g c u j e n a" ge- bildet, welcher die unterzeichneten Firmen angehören. Im Interesse gegenseitigen festen Zusammenschluffes hat der genannte Bund in einer seiner letzten Sitzungen nachstehenden Beschluß gefaßt, den wir Ihnen zur gest. Kenntnisnahme ergebenst übermitteln: „Der Bund der Arbeitgeber für das Baugewerbe zu Jena und Wenigenjena w i r d künftig iiur Waren und Materialien von denjenigen Lieferanten beziehen, welche die Erklärung abgeben, wiederum Waren usw. nur an die Mitglieder de-s genannten ArbeitgrbcrbnudcS liefer» zu wollen, so daß seitens unserer Lieferanten den- jenigen Firmen, welche außerhalb des genannten Bundes stehen, keine Ware» nnd Materialien— auch nicht durch zweite oder dritte Hand— verabfolgt werden dürfen." Indem wir Ihnen diesen unseren Beschluß zur Kenntnis bringen, geben wir Ihnen ergebenst anheim, einen diesbezüglichen Entscheid nach der einen oder anderen Seite zu fassen. Hochachtungsvoll Der Bund der Arbeitgeber für das Baugewerbe zu Jena nnd Wenigenjena. (Folgen die Unterschriften der 23 Mitglieder.) Es ist kaum anzunehmen, daß die Verrufserklärer ihren Zweck erreichen werden. Keinesfalls aber treffen sie damit den ihr unlieb- sam gewordenen Konkurrenten, der für sein gutes Geld gewiß auch gutes Material erhalten wird. Wer aber getroffen wird, ist das ab- hängige Kleinhandwerk und der auf jede Mark Umsatz angewiesene Kleinhandel, lvclch beide mau bei jeder Gelegenheit retten will. Wenn aber die Arbeiter von dem gesetzlichen Koalitionsrccht Ge- brauch machen, dann rufen dieselben Musterunternehmer nach Zucht- hausvorlagen und Ausnahmegesetzen gegen die Socialdemokratie.— Manöverfrenden. Ans Kiel, 29. August, wird unS berichtet: Die deutsche Kriegsflotte hält zur Zeit in der Ostsee die dies- jährigen Flottenmanöver ab und bei der Schncidigkeit der deutschen Flottcnführer scheint es scharf bei diesen Kriegsüdungen im Frieden herzugehen. Heute sind nämlich nur drei Kriegsschiffe havariert in Kiel eingelaufen. Der Kreuzer„Hela" hat gestern mit einer seiner beiden Schrauben im Hafen von Neufahrwasser eine Mole bearbeitet, daß sofort die Maschine stoppte. Die Welle ist total ver- bogen mid mit halber Kraft ist die„Hela" Kiel angelaufen und zur Reparatur in die Werft gegangen. Der Küstenpanzer„Aegir" ist letzte Nacht von einem englischen Dampfer derart gerannt worden, daß mit großem Loch über der Wasserlinie der Panzer außer Dienst gesetzt werden mußte und er gleichfalls in Kiel eintraf. Das Geschwader hat mit ge- blendeten Lichtern gefahren, um der als Feind erwarteten Torpedoflottille nicht den Standort zu verraten. Von der letzteren hat Torpedoboot„S 40" die Welle gebrochen und ist ebenfalls nach Kiel geschleppt. Die Flottenmanöver haben erst eben begonnen.— Ausland. Die Pest in Europa. NuS äCporto wird tclcgraphisch gemeldet, daß dort gestern nur zwei Pestfälle vorgekommen'sind, allerdings, wie hinzugefügt wird, schwere Erkrankungen. Im ganzen ist der Gesundheiiszustand in der Stadt kein schlechter. Wäbrend im vorigen Jahr in der Zeit vom 1. bis 23. August 301 Todesfälle gezählt wurden, beläust sich im gleichen Zeitraum dieses Jahres die Sterbeziffer nur auf 278. Leider ist der Desinfektionsdienst noch immer recht lückenhaft. Die Pest in Paris? Nach einem Brief, den Georg Brandes an die dänische Zeitung„Politiken" aus Paris gerichtet hat. ist auch dort die Pe st ausgebrochen. Es sollen bereits sechs Fälle mit tätlichem Ausgang zu verzeichnen sein. Das merkwürdige Schweigen der Presse erklärt Brandes dadurch, daß die Pariser Blätter subventioniert sind, um Schweigen zu bewahren. Nur die Redaktion der„Fronde", von der Brandes diese Mitteilung er- halten hat. wies die Bestechung zurück. Von der„Agence Havas" wird diese Nachricht dementiert, aber in einer Weise, die weit mehr einer Bestätigung ähnlich sieht. Die „Agence Havas" erklärt nämlich nicht, daß keine Pestfälle in Paris vorgekommen sind, sondern nur, daß sie von einem Auftreten der Pest„keine Kenntnis" habe. Die deutsche Regierung hat zur Abwehr der Pest- gefahr weitere Vorsichtsmaßregeln angeordnet. Der Reichs- kanzlcr ersuchte die Bundesregierungen. die allgemeine Anzeigepflicht für Pest--und pestverdächtige Fälle. soweit sie in den Einzelstaaten noch nicht besteht, einzuführen und zu ver- anlassen, daß dem kaiserlichen Gesundheitsamt als Central- Meldestelle für das Reich von etwaigen Erkrankungs- und Todes- fällen, bei welchen Pest oder Pesiverdacht vorliegt, telegraphische Mitteilung gemacht wird. Auch soll darauf Bedacht genommen werden, daß UntersiichungSstationen zur bakteriologischen Feststellung der Seuche zur Verfügung stehen. Zwar liegt eine unmittelbare Gefahr für Deutschland nicht vor und sind Erkrankungen oder sonstige Erscheinungen, welche zu irgend welcher Besvrgniß Anlaß geben könnten, bis jetzt nicht eingetreten; bei dem sprnngweisen Vordringen, welches die Pest in der letzten Zeit gezeigt hat, ist es aber geraten, für alle Fälle gerüstet zu lein. Dazu ist vor allem nötig, daß von etwa vorkommenden Erkrankungen, besonders von den ersten Fällen, die Behörden sogleich benachrichtigt werden, damit ohne Verzug die zur Isolierung'der' Krankheit erforderlichen Maßnahmen ergriffen werden können. Diesem Zwecke dient die allgemeine Anzeigepflicht. Die Schaffung einer Centralmeldestelle für das Reich hat sich bereits bei den Cholera-Epidemien der Jahre 1892—1894 bewährt. Belgien. DaS belgische Ministerium scheint nuS Anlaß der Wahlrechts- kämpfe Unruhen in den Distrikieu von Möns und Charleroi zu be- fürchten, denn es hat plötzlich ein bisher in Brügge liegendes Linien- regiment nach Möns entsendet, während ein anderes Regiment von Antiverpen nach Charleroi abgegangen ist.— Der Kammcransschns, hat dem von der Regierung vorgelegten Wahlrechtsenlwurf einige neue Bestimmungen hinzugefügt. Es soll z. B. nicht gestattet sein, sich in mehreren Bezirken als Kandidat aufstellen zn lassen, und wo nur ein Volksvertreter zu wählen ist, entscheidet die relative Mehrheit. Stichwahlen sind unzulässig. Nach den Ausschutzberechnungen werden bei diesem Wahlsystem 80 Klerikale und 72 Liberale. Socia listen und Christliche Demokraten in die Kammer kommen. Also ist eine klerikale Mehrheit ziemlich gesichert. Man begreift, daß unsere Genossen gegen diesen Ausgang der Wahlrechtskämpfe opponieren.— Italien. Päpstliche Vssorgnisie. Wie„Daily Mail" auS Rom meldet, hatte der Papst gestern eine längere Unterredung mit dem Jesuiten- general Martin. Der Papst soll über die Preßkampagne der französi- schen katholischen Blätter gegen Treysas erregt sein, da er die Ge- wißheit erlangt habe, daß im Falle der Wiedcrvcrnrteilung Dreyfus, ein heftiger Feldzug gegen die religiösen Orden stattfinden werde. Der Papst hat den französischen Blättern empfohlen, ohne jede Heftigkeit die Dreyfus-Angelegenheit zu kommentieren.— Spanien. Erbitterung gegen die geistlichen Orden. Ans Vigo wird gemeldet, daß SOOO Personen eine feindliche Kundgebimg vor dem religiösen Pensionat junger Mädchen veranstalteten, da die Nonnen viele Schülerinnen mißhandelt haben sollen. Die Menge brachte dem Untersuchungsrichter, der mit der Untersuchung der Angelegen- heit beauftragt ist, Ovationen dar.—' Rnsiland. Maßregclnngc» der finnkändischen Presse. Der Redacteur eines similändischcn Blattes, des„Wiich. San." Dr. Lyly hatte türz- sich von der russischen Obcr-Preßvcrwaltung einen Verweis erhalten, Er wandte sich aber klugerweise an den finnischen Senat, als der ocrfassinigsmäßig zuständigen Behörde, mit einer Be- schwerde. Der Senat hatte'den Mut, dahin zu erkennen, daß Dr. Lyly des angegebenen Vergehens(der angeblich falschen und tendenziösen' Auslegung der Verfügungen des GencralgonverncurS) nicht schuldig sei und deshalb der Ober- Prcßvcrivallnng zur Erteilung des Verweises jeder Grund gefehlt habe. Die Ober-Preßvcrwaltung hat darauf ihre Maßregelung noch verschärft. Sie verbot kurzweg das Weitererscheincn des„Wiich. San.", sowie zweier anderer Tageblätter, die das Erkenntnis des Senates veröffentlichten, das erstere Blatt auf unbestimmte Zeit, die letzteren auf 3 resp. 6 Monate. Die russische Orthodoxie. Bekanntlich steht seit einiger Zeit in Rußland die Frage der Kalendcrreform zur Erörterung. Jetzt läßt sich dazu die„Rußki Westn", das Organ der Orthodoren, ver- nehmen. Nach ihrer Meiming hat der Kalender mit der Wissenschaft nichts zn thun; er ist eine rein kirchliche Einrichtung.„Der ganze Bestand unseres Kalenders", so verkündet sie.„ist von Anfailg bis zu Ende ein kirchlicher; die Reihe der Hauptfeiertage und Fasten ist vom heiligen ökumenischen Konzil festgesetzt worden. Alle übrigen Aufgaben, denen unser Kalender heute dicilt, sind späteren' Ursprungs; bis ans den heutigen Tag haben sie sich der kirchlichen Zeiteinteilung angepaßt und ihre Be- diirfniffe denjenigen der Kirche untergeordnet... ES ist wahr, daß sich auch die heiligen Väter der Reftiltate astronomischer Forschungen bedient haben, sie haben aber iiichr1 einen astronomischen Kalender geschaffen. Der astronomische Kalender, dem wir nicht folgen, und der kirchliche, nach welchem wir leben, sind zwei ganz verschiedene Dinge; bisher diente die Astronomie den kirchlichen Bedürfnissen, und es ist absolut nicht zulässig, daß heute das Umgekehrte der Fall sei. Dann könnte es einmal so weit kommen, daß auch andere Wissenschaften mit ihren Ansprüchen an die Kirche heran- treten und die Meteorologie beispielsweise gegen das Fest des Propheten Elias protestiert." Die Orthodoxie ist sich doch überall gleich. In Deutschland protestiert sie gegen den Abdruck des Goethcschen Gedichtes „Prometheus", und in Rußland verlangt sie, daß die Astronomie und Meteorologie sich ihren Satzungen anbequemen, damit das Fest des kuriosen Propheten Elias nicht gestört wird.— Serbien. Die serbischen Emigranten in der Schweiz bereiten, wie ihr Genfer Organ mitteilt, ein Memorandum an die Mächte vor, worin sie verlangen, daß Milan durch Beschluß der Mächte aus Serbien entfernt werde. Falls dies nicht geschehe, sollen in Serbien Un- ruhen hervorgerufen werden, damit eine diplomatische Intervention eintreten muffe.— Amerika. Ausstand auf Haiti. Dem Staatsdepartement in Washington ist von dem amerikanischen Konsul in Puerto Plata die telegraphische Meldung zugegangen, daß alle Städte in dem Distrikt um Puerto Plata. mit Ausnahme von Monte Christi, in den Händen der Ans- ständischen seien; Puerto Plata selbst habe sich ihnen gestern ergeben.— Gegen die Trusts. Die Bewegung gegen die Trusts nimmt in den Vereinigten Staaten immer größere Dimensionen an, be- sonders seit die Demokraten sie Uüftig schüren, um die Forderung der geseizlicheu Unterdrückung des TrustivcsenS zur Wahlparole zii machen. Tie Anti-Trust-Liga hat ihre Organisation vollendet i»id eine Konvention in St. Lonis abgehalten, auf der sich eine grojzc Zahl der bekanntesten Politiker. Gouverneure und Staats- männer einfanden. Die Herren spüren, daß die Trustfrage eine große Bedeutung zu spielen beginnt, und sie wollen die Gelegenheit benutzen, um sich für gut dotierte Staatsposten in empfehlende Erinnerung zu bringen. Nach den Schilderungen der Anti-Trust-Presse wird, wenn die Trustbildungen weiter derartig zunehmen. lvie in letzter Zeit, bald der ganze Mittelstand verschwunden sein. Sln seiner Stelle würde� in jeder Stadt nur noch ein Bäckerladen, ein Zeuggeschäft, ein Eisendepot usw., nämlich das von dem betreffenden Ringe in seder einzelnen Stadt errichtete große Depot, existieren, in dem die gesamte Bevölkerung ihre Bedürfnisse zu decken gezwungen sein wird. Damit schwinde für alle diejenigen, die heute sich als Bäcker, Fleischer, Kolonialwarenhändler, Schuster, Schneider usw. etablieren und eine selbständige Existenz zu schaffen hoffen dürfen, jede Aussicht, und sie sind' verurteilt, einfache Kommis der großen Trusts zu werden, während die ge- sanlte Organisation und ihre Milliarden unter der unbeschränkten Diktatur einer Handvoll Großkapitalisten und Spekulanten stehen würden, die schließlich zu unumschränkten Herren der Bereinigten Staaten werden würden. Die Schilderungen sind natürlich für Wahlzwecke tendenziös zu- gestutzt; immerhin ist unbestreitbar, daß die großen Ringe heute schon Hunderttausende kleiner und mittlerer Existenzen er- drücken und ebenso vielen anderen die Furcht vor einem ähnlichen Geschick einflößen. Alle, die sich in ihrem eigensten Lebensinteresse bedroht fühlen, wenden sich naturgemäß der- jenigen Partei zu, die bereit ist, den Kampf niit den Trusts aufzunehmen. Bielleicht wird die Trustfrage in der beginnenden Präsidentschafts- Wahlkainpagne dieselbe Rolle spielen, lvie in der letzten Kampagne die Silbcrfrage. Möglich, daß auch die Republikaner in einigen Staaten, um den Demokraten nicht den Borsprung zu lassen, sich den Ruf nach Unterdrückung der Trusts und Ringe als Wahlparole aneignen werden. Afrika. Transvaal-Angclcgcuhcit. Aus Kapstadt wird gemeldet, daß öort trotz der dauernd sich erhaltenden Kricgsgerüchte die' Meinung be- steht, der Friede werde erhalten bleiben. Man glaubt, daß' ver- schiedene ernstgehaltene Mitteilungen an den Präsidenten Krüger gc- richtet worden sind, in welchen ihm dringend angeraten wird, alle Anstrengungen für eine friedliche Lösung zu machen. Premierminister Schreiner sandte an den Präsidenten des Ausführenden Rats des Oranje-Frcistantes Stcijn ein Telegramm, in welchem es heißt, Schreiner hoffe ernstlich, daß der Friede erhalten bleiben werde, und er vertraue, daß Steijn nach Kräften für diesen Zweck bemüht sein werde. In Reimes. Die Mittwoch-Sitzung des Militärgerichts wird um 6 Uhr 40 Min. eröffnet. Weitere Schrift-Sachverständigc. Das Mitglied des Institut de France und Direktor der Ecole des Chartcs Paul Meyer wird vernommen. Er erinnert an die von ihm angestellten Untersuchungen, die ihn zu dem Schlüsse führten, daß das Bordereau die Schriftzüge Esterhazyö aufweise und auch von seiner Hand geschrieben sei. Professor Metzer widerlegt am Schlüsse seiner Aussage das System Bcrtillons. Dann wird Molimcr, Professor an der Ecole des ChartcS, vernommen, welcher sich für die Schlußfolgerungen Meyers ausspricht und besonders die Wichtigkeit des Briefes hervorhebt, den Esterhazy am 17. August 18£)4 bei seiner Rückkehr vom Lager von Chalons geschrieben hat. In diesem Briefe finde man dieselben graphischen Eigentümlichkeiten wie im Bordereau, auch liefere dieser Brief die Erklärung für den Satz im Bordereau:„Ich«verde zu den Manövern abreisen". Giry, Mitglied des Instituts und Professor an der Ecole deS Charles, stimmt den Urteilen Meyers und Moliniers bei und erklärt, es bestehe zwischen den Handschriften von Dreyfus und Esterhazy eine gewisse Aehnlichkcit, die cs erkläre, wie man dem Angeklagten die Urheberschaft des Bordereau zuschreiben konnte. Eine Analyse der beiden Handschriften zerstöre jedoch diesen ersten Eindruck und enthülle eine Menge Verschiedenheiten. Auf eine Frage Laboris erklärt der Zeuge Giry, daß eine Ver- ändernng der Handschrist Estcrhazys seit dem Jahre 18S4 nicht besonders deutlich hervortrete. Nach einem längeren Zwiegespräch zwischen Labori und General Mercier über diesen Gegenstand wird die Sitzung unter- brachen. Der Fall Schneider. Nach Wiederaufnahme der Sitzung sagt das Mitglied des In- stitut de France, Picot, über eine Unterredung aus, welche er im letzten Mai mit dem östreichisch-nngarischcn Militärnttachö lSchncider) hatte. Der Attachs war erstaunt über die inkorreke Haltung französischer Offiziere, welche das Wort fremd'- ländischer Offiziere in Zlveifcl zogen. Er zeigte das Bestreben, die Unschuld Dreyfus zu proklamieren und beschuldigte Esterhazy, der, lvie er sagte, von einem Agenten benutzt wurde, an welchen er das Bordereau richtete. Nur drei der in dem Bordereau aufgezählten Dokumente hätten der Wirklichkeit entsprochen; die Schriftstücke 2 und 4 seien nur zur Ausfüllung da. Als Antwort auf das Bordereau habe der Agent das seitdem unter dem Namen „Petit bleu" bekannte Telegramm geschrieben, welches er später, nachdem er sich die Sache überlegt, in das Feuer gclvorfen habe. General Roget protestiert lebhaft gegen die Worte Picots, welche von dem Erstaunen eines fremden Attaches über die Inkorrektheiten französischer Offiziere berichten. Was soll man, rief er, voll einem fremdländischen Offizier denken, der an den„Figaro" ein dröhnendes Dementi Mercier gegenüber richtete und sich dann gc- nötigt sieht, sich als Verfasser des Aktenstückes zu bekennen, das er zuerst ableugnete?— Roget macht darauf aufmerksam, daß die Unterredung stattgefunden habe in dem Augenblick, als die Untersuchungen des Ka'ssationshofes schon bekannt waren. Es folgt die Vernehmung des Generals Dcloyc, Ärtilleriedirektors im KricgSministcrinm. Deloye erinnert daran, daß er zu Anfang des JahreS 1839 von Freycinet mit einer Specialarbeit beauftragt wurde, um den Kaffationshos über Einzelheiten des ArtillcriematerialS aufzuklären. Zeuge iviedcrholt heute feine Erläuterungen, welche er damals dem' KassationShofe»lachte. Hinsichtlich der„Bremse von 120 kurz" erklärt Deloye, im Jahre 1894 iväre es für einen Truppenoffizier unmöglich gewesen, irgend etwas darauf Bezügliches mitzuteilen. Im Jahre 1894 wäre iin Handel keine Dienstvorschrift Über„120 kurz" zu habeil gewesen. Erst 1896 habe man Indiskretionen hin- sichtlich der„Granate Robin" bemerkt. Für einen Generalstabsoffizier sei es nicht unmöglich gewesen, sich das Schießhandbuch zu ver- schaffen. Seitens der Richter und der Verteidiger wird an den Zeugen eine große Anzahl Fragen über technische Einzelheiten gerichtet. Der Präsident fragt Dreyfus, was er zu der Aussage Deloyes zu bemerken habe. Dreyfus erwidert, es liege nicht in seiner Absicht, über die im Bordereau vorkommenden Ausdrücke zu diskutieren oder Hypothesen aufzustellen. Er werde jetzt zum zweitcnmale das zusammenfassend darlegen, was er in den Jahren 1889 bis 1390 in BonrgeS über das„120 kurz" wußte. Ich erfuhr das Prineip, auf welchem die hydropncnmätische Bremse beruht. in einer Besprechung, welche im Jahre 1890 in Gegenwart des Generals Mercier» und sänitlicher Artillerie-Offiziere der Garnison von Bonrges in dieser Stadt über die Bremse stattfand. Es wurde über dieselbe daS übliche Schema gegeben. Es ist dasselbe, wie es in den Kursen in St. Cyr mitgeteilt' wird. Das ist alles, was ich von der Bremse weiß. Die Kanone„120 kurz" sah ich zweimal. Schießen oder manövrieren habe ich dieselbe jedoch nicht gesehen. Ich habe während der zwei Jahre, die ich im Gcneralstab zugebracht habe, nicinals den Schießübungen beigewohnt. Dreyfus spricht sodann von seiner Kenntnis des„Shrapnels 31". Der Regierungskommissar Carriöre teilt mit, daß der Kriegs- minister durch die dritte Artillcriedircktion die von der Verteidigung verlangten Dokunlente habe zusammenstellen lassen und daß Deloye diese unter denselben Bedingungen wie beim Gcheimaktcnbündcl dem Kriegsgericht werde vorlegen können. Das Kriegsgericht beschließt, daß während dieser Vorlegung, die morgen stattfinden soll, die Ocffcntlichkcit auözuschlicste» ist'. Auf Ersuchen Demanges wird den Majoren Hartmann und Ducrocq die Ermächtigung erteilt, dabei zugegen zu sein. Die weitere Verhandlung wird hierauf auf Donnerstag vertagt. Ausland und Treyfushandel. Eine sehr scharfe deutsch-offiziöse Note bringt die„Kölnische Zeitung". Sie schreibt unter der Ueberschrift„Ausland und Dreyfus- Handel": Die Mehrzahl der militärischen Zeugen und darunter gerade die Höchstgestellten geben ein solch schlechtes Beispiel feiger Zweideutigkeit und zungengewandter Verschleierung bei Erfüllung ihrer beschworenen Pflicht, die Wahrheit zu bekennen und nichts zu verschweigen, daß es jenem Geist der Ehrenhaftigkeit, wenn er in der französischen Armee noch vorhanden ist, notlvendigerweise zerstören muß. Das Ausland, besonders die Nachbarn der Republik, würden sich nicht ab- schrecken lassen, den Dingen ins Gesicht zu schauen, denn sie seien vielleicht für die staatliche Zukunft Frankreichs entscheidend und für seine Einschätzung als Machtfaktor im politischen Weltgetriebe zu be- dentsam, um, der französischen Eigenliebe wegen, mit dem Mantel der internationalen Höflichkeit bedeckt zu werden. Frankfurt a. M., 30. August. Die„Franks. Ztg." meldet aus Renncs: Die günstigen Anzeichen mehren sich; cs wird sehr be- achtet, daß das Kriegsgericht heute einstimmig beschlossen hat, der morgigen geheimen Sitzung, in der die technische Diskussion des Bordereans stattfindet, die beiden von der Verteidigung geladenen Zeugen, Majore Hartmann und Dncros, zuzulassen, oblvohl daS Kriegsgericht sich nur hätte auf den Wortlaut des Gesetzes zu be- rufen brauchen, um den Antrag der Verteidigung abzulehnen. Die würdige und bedeutsame Aussage des JnstitnMntgliedcs Picot über die Mitteilungen des Obersten Schneider machten einen großen Ein- druck, und der Versuch des Generals Roget, dieselben zu entkräften, mißlang vollständig._ Z�Älvkei-Maihvirhken. Die zum Parteitag in Hannover geivählten Delegierten werden ersucht, alle Anfragen betreffs Wohnung an de» Unter- zeichneten zu richten. Zur Verfügung stehen Wohnungen im Preise von 1 M., 1,2S M., 1,50 M., 1,75 M., 2,00 M. und 2,50 M. Hannover, den 29. August 1339. Mit Parteigruß Der Wohnungs-Ausschutz. I. A.: L. D ö r n k e, Burgstr. 9. Auf der Parteikonferenz für das Fürstentum Lübeck wurde erörtert, lvie sich die Parteigenossen nach Beendigung der Wahlmänner- wählen für den Landtag zu verhalten haben. Bestimmte Ansichten und Vorschläge kamen jedoch nicht zum Ausdruck, dagegen wurde eine Kom- Mission von sechs Genossen gewählt, die nach Beendigung der Wahl- männcrlvahlen in Verbiiidmig mit den Genossen im Herzogtum über das Verhalten bei der Äbgcordnctenwahl zu entscheiden hat. Ter Krcis-Partcitag für den Wahlkreis Zeitz-Weißenfels hat für die Organisation des Kreises ein Statut beschlossen, ivonach der Kreis in die drei Agitationsbczirke Naumburg, Weitzcnfcls und Zeitz eingeteilt lvsrd. Jedem dieser Bezirke steht ein Bcrtrauensniann vor; der Gcsamt-Wahlkrcis wird vertreten durch den Kreis-Ver- trauensmami, der jährlich auf dem Kreistage zu wählen ist. Die Einnahmen des Kreises betrugen im abgelaufenen Geschäfts- jähre 2807 M. und die Ausgaben 1881 M. Es wurde beschlossen, 400 M. an den Hauptvorstand abzuführen. Eine Parteivcrsaunnlung in Darmstadt nahm nach längerer Diskussion folgende Resolution an:„Die Versammlung ist nicht in der Lage, die Ansichten, die Eduard Bernstein in feinem Buche nieder- gelegt hat, zu teilen, lvcist vielmehr die darin vorgeschlagene Taktik als kleinbürgerlich und die Partei in ihren Principien gefährdend zurück. Die Versammlung kann aber auch keine schematisierte Taktik anerkennen, vielmehr ist der Weg, den die Partei zu gehen hat, durch das Verhalten ihrer Gegner klar vorgczcichnct. Bei alledem ist jedoch niemals außer Acht zu' lassen, daß das ganze und letzte Ziel der Partei im Auge zu behalten ist." Beteiligung on den Stadtvcrordncten-Wahlen beschloß am Montag eine Parteiversammluiig in Kassel. Gerne vkschofklirlzes. Berlin und Umgegend. Die Forderungen der Bauarbeiter sind auf allen Bauten, Ivo sie am Montag gestellt ivnrden, belvilligt worden, ohne daß cs zu einer Arbeitseinstellung von nennenswerter Bedeutung gekommen ist. Nur auf einem Charlottenburger Bau der Firma Held u. Franke gab es eine Arbeitsniedcrlegnng. In der mechanischen Weberei von Fcibisch ist der Streik beendigt. Da Herr Feibisch erklärte, die Organisation anzuerkennen und niemand wegen der Thätigkeit oder der Zugehörigkeit zur Organisation zu maßregeln, so nahmen sämtliche Arbeiter am Dienstag die Arbeit wieder auf. Deutsches Reich. Die streikenden Holzbildhauer Breslaus haben da? Gewerbe- gcricht als Einigungsamt angerufen, aber die Unternehmer haben die angebotenen Lerhandlnngen abgelehnt. Der Streik der Ledcrfärbcr in Osterwick ist beendet. ES wurde nur ein teilweiser Erfolg erzielt. Französische Streiks im Juli und daS Haftpflichtgesetz. P a r i s. 28. August. In diesem Monat hat die Streikbewegung der Zahl der Konflikte nach einen ganz außergewöhnlichen Umfang angenommen. Das Arbeitsamt verzeichnet 1 29 S t r e i k s und 14 A u s sp e r rn n g e n, während die durchschnittliche Zahl der Juli-Streiks in den letzten fünf Jahren bloß 33 beträgt. Diese Erscheinung ist mir zu einem geringen Teil die Folge des andauernden Geschäftsaufschwungs, der sich in der Streikbewegung� schon seit mehreren Monate» geltend macht. In der Hauptsache ist das Anwachsen der Zahl der Konflikte durch das I n k r a f t t r e t e n des H a f t p f l i ch l g e s e tz e s ver- nrsacht worden. Man zählt nämlich 71 Konflikte dieser Art, worunter sämtliche 14 Aussperrungen, so daß auf die gewöhnlichen Streiks 72 Fälle kommen. Wir wollen jene socialpolitisch so lehrreichen Konflikte einer be- sonderen Betrachtung unterziehen. Nachdem die Agitation der Unter- nchmer für die„Vertagung" des nach 18 Jahren der Verschleppung mühsam zu stände gekommenen Haftpflichtgesctzes gescheitert war.— es gelang den Unternehmern nur, eine Vertagung nm einen Monat zu erzwingen— griffen sie zur„Selbsthilfe". Die Pläne der Hitz- köpfe, eine allgemeine Aussperrnng im ganzen Lande zu veranstalten. wurden zwar nicht durchgeführt. Der in Paris tagende� all- gemeine Untcrnchincrkongreß lehnte vorsichtig die umfassende Rebellion gegen das Gejetz ab. Jedoch fanden sich sehr zahlreiche Unternehmer, die auf eigene Faust dein Gesetz Widerstand leisteten, vorzngsiveise übrigens unter den kleinen Unter- nehmern. Die 71 Konflikte bilden gclviß einen geringen Teil der Fälle, wo die Unternehmer dem Gesetz zuwider liersiui:ni, die Lasten der Unfallversicherung auf die Arbeiter abzuwälzen. E- kam nämlich zn Konflikten nur dort, Ivo die Arbeiter Widerstand leisteten. Aber gerade in den kleinen Betrieben sind die Arbeiter meist nicht organisiert und daher nicht widerstandssähig, in vielen Fällen wohl auch ganz unwissend in Bezug auf den Inhalt des neuen Gesetzes. Des näheren zerfallen die 71 Konflikte in folgende Kategorien: I. In gelvisscn Betrieben wurde vor dem Inkrafttreten des Gesetzes die Unfallversicherung zum Teil durch Lohnabzüge gedeckt. Die be- treffenden Unternehmer erhöhten nun diese Lohnabzüge entsprechend der Erhöhung der Unfallentschädigung durch das neue Gesetz. Dies Vorgehen hatte 14 Streiks verursacht, worunter 12 mit einem Er- folg und 2 mit einem Ausgleich endeten. II. In sieben Fällen er- griffen die Arbeiter die Offensive, indem sie auf Grund des neuen Gesetzes, das die Versicherungslast ausschließlich dem Unternehmer überläßt, die Abschaffung des Lohnabzuges für die Versichcrungs- lasse forderten. Von diesen Streiks waren 5 erfolgreich, i endete mit einem Ausgleich, 1 dauert noch fort. III. 36 Streiks wurden dadurch verursacht, daß die Unternehmer Lohnabzüge zu Ver- sicherungszwecken einführen sollten. Von diesen Strcikch sind 24 beendet, und zwar 11 Erfolge. 9 Ausgleiche und 4 Mißerfolge. Im allgemeinen ist also der Ausgang der beendeten 44 Streiks den Arbeitern günstig: 28 Erfolge, 12 Ausgleiche und 4 Mißerfolge. Von den 14 Aussperrungen trugen 4 von voniherein einen provisorischen Charakter; die Uniernehmer stellten den Betrieb ein, um inzwischen vorteilhaftere Versicherungsverträge abzuschließen, wozu das neue Gesetz die Möglichkeit bietet. Die übrigen 10 Aus- sperruiigen sind eine offene Auflehnung gegen das Gesetz, indem die Unternehmer sich überhaupt weigerten, die Versicherungskosten zu tragen. Nur 6 Aussperrungen sind beendet: in 3 Fällen Über- nahmen die Unternehmer die gesamten Versicherungskosten und in 3 Fällen wälzten sie dem Gesetz zuwider einen Teil der Kosten ans die Arbeiter ab. Somit sind insgesamt, von den unbeendcten Konflikten ab- gesehen, 19 Fälle zu verzeichnen, in denen die Unternehnier ganz oder teilweise(15 Ausgleiche) die ausdrückliche Bestimmung de» Gc- setzes verletzten. Aber, lvie oben bemerkt, ist es sicher nur ein gc- ringcr Teil der vorgekommenen Gesetzesverletznngen. Es wird noch lange Kämpfe kosten, bis das Gesetz überall durchgeführt ist. Zu diesem Zweck hat der s o ci a l i st i s ch e H a n d e l s m i n i st e r, Millerand, der schon in mehreren trefflichen Rundschreiben und Verordnungen für die Anwendung des Haftpflichtgcsetzcs zu Gunsten der Arbeiter gesorgt, dieser Tage in einem energischen Rundschreiben die Präfcktcn u. a. auch darauf aufmerksam gemacht, daß das Gesetz jeden Lohnabzug für die Versicherung verbiete, daß sie daher in diesem Sinne' zu wirken hätten. Die beste Bürgschaft für die Durchführung des Gesetzes bleibt freilich der organisierte Wider- stand der Arbeiter— anch in der Form der gerichtlichen Schaden- crsatz-Klagen. Genosse Millerand spricht übrigens in seinem Rnnd- schreiben nachdrücklich davon, daß die Gerichte selbst einen durch „Vertrag" von den Arbeitern ziigeftandenen Lohnabzug für null und nichtig erklären müßten, da das Gesetz jeden derartigen„Vertrag" ausdrücklich verbietet.— Insgesamt sind an den 129 Streiks(für die 14 Aussperrungen liegen keine Angaben vor) 14 310 Arbeiter beteiligt. Die H a u p t u r s a ch e n der 72 gewöhnlichen Streiks sind: 55 Forderungen einer Lohnerhöhung, 5 mal wurde gegen eine Lohnherabsetziing gekämpft, 5 mal um die Verkürzung der Arbeits- zeit, in 13 Fällen wurde, teils in Verbindung mit den bereits an- geführten Forderungen, die Wiederanstellnng Gemaßregelter oder die Entlassung von' Wcrkführern und Arbeitern gefordert, u. a. m. Ausgang von 52 im Juli und 9 vorher begonnenen Streiks: 9 Erfolge,'20 Ausgleiche, 29 Mißerfolge; 1 Ergebnis ist inibekannt und in' 2 Fällen wurden die betreffenden Werkstätten inilten im Streik durch einen Blitzschlag in Asche gelegt— ein ganz ini» gewöhnlicher Eingriff des Himmels in den Kampf zwischen Kapital und Arbeit. Mnkevnrhmvv-VevbÄnde. Ein Wnchcrplan. In Amerika ist ein neuer Ring in der Bildung begriffen, und zwar einer der größten und mächtigsten, bei dem es sich um eine Vereinigung aller Kolonialwaren- Lager von Bedeutung handelt. Das Kapital ist vorläufig auf fünfzig Millionen Dollar normiert. Verkaufsstellen sollen in jeder Stadt des Staates Nelv Jork und in allen Städten der gesamten Vereinigten Staaten über 20 000 Einwohner errichtet lvcrdcn, und die Organisation und die Teilung der Kosten sind dahin berechnet, daß sämtliche Kolonialwaren während eines gegebenen Zeitraumes bedeutend unter den gcgenlvärtigcn Detail- preisen von den Lagerräumen des Ringes dem Publikum abgegeben werden. Sobald'dann alle übrigen Kolonialwarcnhändler zum Schließen ihrer Geschäfte gczlvnngen oder an den Bankrott gebracht sind, wird der Trust die Preise so in die Höhe schrauben, wie seine dann fast unbeschränkte Machtstellung es ihm gestatten wird. Socinles. Banarbciterschny. Die Polizeiverwaltung der Siadt Bielefeld hat eine Verordnung zum Schutze der Bauarbeiter erlassen. Darin lverden Anordnungen gcrroffen über die Errichtung und Beschaffenheit von Baubuden, Bedürfnisanstalten. Bauzäunen und Schutzdächern und über die Beschaffenheit der Baugerüste. Für Nichtbefolgung der Vorschriften ist neben der Geldstrafe eventuell Untersagung dc? Wcitcrbanens angedroht, lieber die Art der Kontrolle wird nichis vorgeschrieben._ Uetzke und Drpvschvn. Frankfurt a. M., 30. August.(B. H.) Der„Franks. Ztg." wird aus New Jork gemeldet: Bei der Ersatzwahl für das Kongreßmitglied Bland wurde der Demokrat Shackelford mit be« deutend erhöhter Mehrheit gewählt, was sehr bedeutsam ist, da beide Parteien den Imperialismus zur alleinigen Streitfrage erheben. Wien. 30. August.(B. H.) Eine Belgrader Meldung der „Politischen Korresp." dementiert die Nachricht, daß die Aushebung der Verfassung und die Einsetzung eines Militär-Gouvcrnemcnls beabsichtigt sei. Mährisch- Ostrau, 30. August.(B. H.) Auf dem Antoniplatz stürzte ein aufgelassener Schacht ein; trotze des zwanzig Meter tiefen Schlundes droht der Stadt aber keine Gefahr. Landeck. 30. Augnst.(B. H.) Vom Pnsseier- Gletscher stürzte ein deutscher Tourist ab und wurde schwer vcrlvundct. Zcrmatt, 30. Augnst.(W. T. B.) Eine Karaivane. welche aus den Engländern Hill und Jones und den Führern Znrbriggcn und Furres aus Saas und Binney ans Evolena ziisanimeiigeietzt war, unternahm am Montag die schwierige und gefährliche Bestcigmig des„Dent blanche". Beim Ueberschreiten einer sehr gesahrlichcu Stelle, 50 Meter unterhalb der Spitze, stürzte Fnrrcs ab und rig seine Begleiter mit in die Tiefe. Nur Hill ivurde dadurch gerettet, daß das Seil vor ihm riß. Hill konnte erst heute nach Zerinatt zurück- kehren und die Traucrkunde bringen. Zur Bergung der vier Leichen ist eine Führerkarawane abgegangen.„.„ Prag, 30. Augnst.»«>1 1899. Ulltteigtilossen des MahlKmles Tettow-Bttstlow-Storkow-Charlottenburg. Sonntag, den 3. September, nachmittags 1 Uhr, tagt im Lokale des Genossen Z u b e i I, Berlin, Lindenstr. 103, die Kreiskonferenz. TageS-Ordnung: 1. Die Zuchthausvorlage sRcferent Genosse Zubeil) 2. Anträge zur Brandenburger Provinzialkonferenz. Wahl der Delegierten zu derselben. 3. Anträge zum Parteitag in Hannover. Wahl der Drlegirten zu demselben. 4. KreiSangclegcnhciten. Anträge, welche ans der Krciskonferenz ihre Erledigung finden sollen, müssen bis Freitag, den 1. September, in Händen des Unter- zeichneten sein. Gleichzeitig wird auf den§ 3 des Organisati ans- Statuts des Kreises aufmerksam gemacht, wonach jeder Ort bis drei Delegierte entsenden kann, jedoch inüsscn dieselben politisch organisiert, in öffentlichen Parteiversammlungcn gewählt und mit Mandaten ver- sehen sein. Die Konferenz wird pünktlich eröffnet. Der Kreis-Bertranensmann: Wilhelm Eberhardt, Charlottcnburg, Wilmersdorferstr. 33a. Stimnlnngsbilder von der„Affaire". lieber die Montags-Sitznng, in der noch weitere Schrift- gelehrte als Sachverständige vernommen wurden, schreibt unser Berichterstatter ans RenneS unterm 28. August: Auch der heulige Tag gehört noch den Schrcib-Sachvcrständigen. Daher erscheint das Publikum nur spärlich. Man merkt, das; Bertillon, der Narr, das Publikum von seiner Neugier geheilt hat. Wie immer, sind die Generale und Offiziere des Gcneralstabes, Fälscher oder Fälschcrgenossen, ganz vollzählig zur Stelle. Un- zweifelhast hoffen sie, durch ihre Gegenwart auf die Nichter des Treyfus einzuwirken. Aber wie sehr haben sie ihre stolze Sicherheit der ersten Tage verloren! Wie sehr ist ihr Ucbcrmut und ihre Frechheit gesunken! Der General Raget, der im Prazcfi von Rcnnes eine grofie Rolle spielen ivollte und sich selbst zun, Offizial- Verteidiger des General- stabcs aufgeworfen hat, prunkt nicht mehr. Seine eitclen und be- trügerischen Pfauenfedern haben ihren Glanz verloren. Er läßt seinen herausfordernden Blick nicht mehr im Saale schweifen Sein ganzer Dünkel ist geschwunden. Was den General Mercier betrifft, so ist er nur noch ein Fetzen von Mensch. Gehüllt in eineil langen schwarzen Mantel. steht er da. die Züge von Fnrcht cnlstellt. Seit der aufregenden Gegen- überstellling vom Sonnabend ist er um zehn Jahre gealtert. Seine Augen sind scheu. sein Gang schivaukend, und tiefe Falten durch- surchen sein Antlitz. Doch lassen wir ihn auf dem Fauteuil, auf den er sich soeben niedergelassen hat, ztvischcn zwei leeren Stühlen, die unwillkürlich den Gedanken an zwei Plätze hervorrlifen, die man für zwei Gendarmen reserviert bat, und kehren wir zu den Zcngen zurück. Zunächst kommt Pa ruf- Ja val, um seine Aussage und Widerlegung des Lcrlillonjchen Stffleins fortzusetzen. Wie iiii ersten Teil seines Zeugnisses, zeigt er auch weiter, daß die Theorie Bcrtillons von Irrtümern wiimnelt. Die Messungen sind falsch, die Photographien irreführend, und das Ilcbrige nichts wert. So bc- ruht z. B. das System BertillonS ganz auf dein Wort»Interesse*, dem er den Wert eines bestimmenden MafceS erteilt. Paraf-Javal zeigt, daß der famose Anthropvmcter sich getäuscht hat, ob init oder ohne Absicht, und das; dvs Wort nicht 12, S Millimeter, sondern 12,01 Millimeter mißt. So stürzt jänimerlich die Theorie zusammen, auf die der Gencraljtab seine letzte RettnngShoffnung gebaut hat. So zeigt sich, daß Bertillon der Fälscher-Offizicre wert ivar, da auch er selbst hat fälschen müssen und sein scheiu-wissenschaftliches System auf eine Reihe von Fälschungen und falschen Maßen hat stützen müssen, um DreyfnS zu erdrücken. Aber noch ein Sachverständiger betritt den Zeugenstand, nämlich der Jngcnicr B e r n a r d vom Genie-Corps, wie die Richter ein früherer Schüler der Polytechnischen Schnle, die er mit der Note 1 verlassen hat. ES ist eine Schande, daß Männer vom Werte Beruards sich in ihrem Berufe stören lassen müssen, um nach der Bretagne zu kommen und die lächerlichen und falschen Theorien eines verwirrten Ver- brechcrs zu ividcrlcgcn. Aber die Zuhörer beklagen sich nicht darüber, daß sie Bcrnard hören, der die Verhandlung wieder auf die wissenschaftliche Höhe hebt. In einem klaren, bilderreichen Stil wendet er sich, häufig mit feiner Ironie, gegen die Theorie BertillonS und gegen Bertillon selbst, den er vor den Augen der Richter mit erstaunlicher Lcbhaftig- kcit vernichtet. „Bertillon", sagt er einmal,„hat nur aus reiner Unwissenheit seine der Wahrheit entgegengesetzten Folgerungen gezogen." Unter allgetncincin Gelächter scblägt der hervorragende Jngenienr vor, die Albernheit des Systems Bertillon zu beweisen, indem er sich gerade dieses Systems bedient. Er zeigt den jRichtern eine Seite von der Hand BertillonS, vom Gerichtsschreiber mit Hilfe der Kustchschen Methode sso neimt Bertillon sein System) abgeschrieben, und er bclvcist, daß dieses Schriftstück ein erdichtetes Dokument ist. Bertillon springt auf und verlangt das Wort. Der Präsident erteilt es ihm unter der Bedingung, daß er keine Sachvcrständigcii-Entgegnnng vorbringe, und Bertillon erklärt, er tvolle nur über eine persönliche Angelegenheit sprechen. Aber er steigt die Stufen der Estrade mit einem Teil seiner umfangreichen Akrenbündel hinauf und beginnt von neuem seine Vorführung. Publikum und Richter überläuft ein Schauder. Soll man iviedernm zwei Stunden lang neue Bcrtillonnaden über sich er- gehen lassen müssen V Glücklicherweise hat der Präsident Jouanst auch genug davon und entzieht Bertillon nach zwei Minuten das Wort. Nun kommt C h a r a v a y. Er ist einer der Sachverständigen aus dem Prozesse von 1891. Damals schrieb er das Bordcreau Drehfus zu. Die Un- ähnlichkciten, glaubte er, rührten von Verstellung her. Aber seitdem hat der Zeuge seine Meinung geändert, denn eine weitere Handschrift ist ihm seitdem gezeigt, die von ganz derselben Art ist, wie die des Bordercau... Angesichts der Hondichnst Esterhazhs kann Chavaray die Schluß- folgcrungcn sei'neS Berichtes von 1891 nicht aufrecht erhalten und er gesteht seinen Irrtum ein, indem er hinzufligt, es ist ihm ein Trost, das hier in Gegenwart dessen, der das Opfer seines Irrtums ge- worden, sagen zu können. Kaum hat sich die Bewegung, die bei dieser Aussage entstand, gelegt, als C o u a r d erscheint, den Chef des Kleeblatts famoser Sachverständiger: Couard, Belhomme und Varittard. Er tritt mit cnrschlosscncm Schritt auf den Zcuaenstand und erläutert mit wohl- klingender Stimme seine Eigenschaften und Titel. Das genügt für das Publikum, um einem eitlen Gecken von unvergleichlichem Schwachsiim in ihm zu erkennen, lind man lacht aus vollcin Herzen in diesem Saale, der plötzlich durch ein lustiges Zivischenspiel er- heitert wird. Conard begleitet seine Rede mit feierlichen Gcberden und raffelnden Phrafen, die er mit brüllender Stimme in den Saal wirst. Nein, nein! für ihn ist das Bordercau nicht von Esterhazy. Er hat es gesagt, noch einmal gesagt, und in allen Gutachten wieder- holt. Er besteht auf seinen Schlußfolgerungen, potz Teufel! Um nicht zu sehen, daß das Bordercau von Dreysus ist, sagt er, müßte mau geradezu an einer Krankheit der Augen und des Geistes leiden. Nun sind seine Augen aber nicht krank, denn er arbeitet ohne Brille bei Tag wie bei Nacht. Was seine Urteilskraft anlangst, so ist sie auch nicht gestört; wenigstens behauptet er es. Und während er mit der Faust wiederholt auf den Tisch schlägt, wälzt sich das Publikum vor Lachen. Dann erinnert Couard an den Brief Zolas, worin er mit seinen zwei Genossen so grausam mitgenommen wurde. Er ist durch die amtliche Pfändung, mit der er Zola beglückte, noch nicht versöhnt. Die drcißigtauscn'd Franks Schadenersatz, die dieser brave Mann, 'weil er sich von Zola beleidigt fühlte, erhielt, haben ihn nicht'be- sänftigt. Er rächt sich auf seine Art für die Zeichnung, welche der große Schriflsteller seiner Dummheit und Nichtigkeit widmen wollte: da er Zola nicht treffen kann, will er Dreysus vernichten. Und heute noch würde er seinen Kopf dafür zum Pfände setzen, daß das Bordcreau vom Angeklagten stammt, daß es von Esterhazy nicht her- rührt und herrühren kann. Aber nun geht Conard der Atem aus, und seine Stimme ist durch das Schreien heiser geworden. Er hört schließlich nnt einer Dummheit auf, indem er Schlußfolgerungen zieht, die seinen Vor- aussetznngcn widersprechen. Der"Tag der Sachverständigen schließt mit dem Unter- Couard Varinard, einem anderen Mitglied des komischen Kleeblatts. Doch will ich die Leser mit seiner Aussage nicht noch belästigen.— Aus dev Fvaluenbcn»egung. Zur Dieilstboteufrage. Unter diesem Titel hat eine Frau Else Lejeune eine Broschüre veröffentlicht, in der sie, eine„Dame", eine„Hausfrau", ihren„Schwestern", Ratschläge erteilt, wie sie die Dienstboten„erziehen" sollen. Die Verfasserin ist ganz bürgerliche Hausfrau, um so interessanter sind aber die folgenden, recht ver- nünftigen Ausführungen, die wir als beherzigenswerte Stimme aus den Kreisen der Damen wiedergeben, ohne daß wir uns selbstvcr- ständlich für die Vermutungen der Verfasserin irgendwie engagieren wollen. Frau L. schreibt:„Man kaim nicht umhin, sich zu fragen, ob nicht vielleicht cine Zeit kommen wird, in der Ivir Dienstboten im heutigen Sinne überhaupt nicht mehr bekommen werden, lind wie werden ivir dann unsere Häuslichkeit einrichten? Denn es wird doch wohl auch zu dieser Zeit gebildete Frauen geben, die das un- abweisbare Bedürfnis haben, ein nettes Haus zu führen, ebenso wie tvküttcr einer größeren Kinderzahl, die unumgänglich Hilfe zur Pflege der Kleinen haben müssen. Es will mir scheinen, daß es gar kein anderes Mittel zur Abwendung einer ernsten Krisis giekir, als daß wir Hausfrauen uns gewöhnen, unsere Dienstboten allmählich innncr besser zu stellen, ihnen immer mehr Rechte und Freiheiten einznräunien, damit wir getrost der Zeit entgegensehen können, wo ivir gleichberechtigte, gebildete Wesen als Gehilfinnen in unserer Häuslichkeit haben werden. Ich für meine Person muß gestehen, daß ich diese Zeit ohne Schrecken erwarte, daß ich sogar der Meinung bin, wir Hausfrauen werden es dann viel besser haben. Ich kann mir ganz gut eine Häuslichkeit in gutem bürgerlichem Zuschnitt vorstellen, in der HauS- und Äüchenarbeit sowie Kinder- pflege von Damen ausgeführt wird. Manche häuslichen Ein- richtungen müssen bis dahin freilich noch sehr verbessert werden; aber warum sollen wir von der Zukunft nicht erwarten, daß sie uns»ach dieser Richtung hin manchen Komfort bringen wird, der uns bisher unbekannt war, wo doch in den letzten Jahren schon so unendlich viel für uns geschehen ist? Kochen und ein in allen seinen Teilen zweckmäßig und verständig eingerichtetes Haus in Ordnung halten, das sind am Ende Arbeiten, die weder übermäßig anstrengend, noch entehrend sind; jede Hansfrau kommt zu Zeiten in die Lage, sie selbst zu verrichten, warum sollten sich nicht ge- bildete Mädchen dazu bereit finden, wenn die ganze Stellung im übrigen eines gebildeten Menschen würdig eingerichtet ist. Man sollte denken, daß sie der Stellung eines Ladenmädchens, einer Telephonbcamtin, ja mancher Lehrerin vorzuziehen wäre, denn sie würde den Schutz einer Häuslichkeit, sorgloses Auskommen und gesundheitlich gute Lebensbedingungen bieten. Freilich müßten wir uns entschließen, diese Hans-Offizinntinnen der Zukunft ganz anders zu halten, als man zur Zeit' Dienstboten zu halten pflegt; sie müßten entweder unsere Mahlzeiten teilen, oder Zeit und Raum haben, unter sich ungestört ein nettes Mahl an einem gedeckten Tisch einzunehmen: sie müßten nicht nur eine gesunde Schlafstelle haben, sondern ein freundliches Zimmcrchcn, in dem sie sich in ihren Muße- stunden behaglich zu Hanse fühlen könnten; sie müßten täglich einige Zeit haben, um sich ganz nach ihrem Belieben zu beschäftigen und mehrmals wöchentlich die Freiheit, auszugehen, um Besorgungen oder Besuche zu machen, vor allen Dingen aber müßten alle Familienmitglieder ihnen mit der Achtung und Höflichkeit begegnen, die mau einer Dame schuldig ist." UoKsles. Die nächste Lokalliste erscheint am 10. September. Die Lokalkommissions-Mitglieder Berlins, insbesondere aber die der Vor- orte werden ersucht, Aenderungen resp. Neuaufnahmen bis spätestens zum ö. September an Genossen Karl Scholz, Wrangelstraße 110, einzusenden. Spätere Znsendungen können nicht mehr berücksichtigt werden. Freie Volksbühne. Am Sonntag, den 3. September, findet im Lessing-Theater. nachmittags 2�/« Uhr, für die I. Abteilung die erste Vorstellung Gustav Freitags„Journalisten" statt. Das Lustspiel wurde vom Oberregisseur A. Stcinert neu insccniert und liegen die Hauptrollen in Händen der Herren Gnthcry, Jarno, Waldow, Schönfeld. Pagay, Grunwald zc. Die Mitglieder werden dringend gebeten, pünktlich zu erscheinen und n u r die V o r st c I l u n g ihrer Abteilung zu besuchen. Um jede Uebcrfllllung der Abteilungen zu vermeiden, müssen die neuen Mitgliedskarten bis spätestens Freitag, den 1. Seplember, aus den Zahlstellen abgeholt werden. Nächsten Sonntag(10. September) II. Abteilung. Die zweite Serie im Ostend-Thcaler. Goethes Faust bcgiuM für die I. Abteilung Sonntag, den 21. September, 21/2 Uhr.(Siehe heutiges Inserat.) Der Lorstand. I. A.: G. Winkler. In der gestern abgehaltenen Sitzung der stadtische» Schul- depntatiou berichtete der Stadtschulrat, Geh. Reg.-Rat Dr. Bertram, über die Resultate der Verhandlungen, welche hinsichtlich der Ordinariate der jüdischen Lehrerinnen zwischen Kommissaren der städtischen Schuldeputation und Kommissaren des Proviiizial-Schulkolleginms stattgefunden haben. Die Deputation hat daraufhin beschlossen, dem'Magistrat zu empfehlen, das Ab- kommen seiner Kommissare zu genehmigen unter dem Vorbehalte des abweichenden principiellen Standpunltes der städtischen Ver- waltung und der Betommg, daß Härten durch die Unterhandlungen nicht werden vermieden werden können. Das ist äußerst mutig gehandelt. Die Einführnng der neue» GcrichtSorganisation für Berlin und Umkreis, wie sie' jüngst von beiden Häusern des Landtages be- schlössen worden ist, wird, wie man meldet, eine bedeutende Ver- mehrung der richterlichen Beamten erfordern. Das Landgericht Berlin II war bisher mit Richtern und Staatsanwälten so spärlich besetzt, daß die Geschäfte meist nur nnt Ucberanstrenglmg erledigt werden konnten und im Verhältnis mit der Besetzung des Land- gerichts I ergab sich ein arges Mißverhältnis. Der Kompetenzbezirk des Landgerichts l umfaßt den Stadtkreis Berlin mit 1700 000 Ein- wohnern, der Kompetenzbezirk des Landgerichts II umfaßt schlecht gerechnet eine Million Einwohner. Dennoch ist der Bezirk des Landgerichts II mehr als halb so groß wie der Bezirk des Landgerichts I. Demnach müßte sich'-auch die Besetzung der Richter- nnd Beamtcnstellen regeln. Wie das Verhältnis in Wirklichkeit liegt, so hat das Landgericht 1 3ö Direktoren, das Land- gcricht II deren 11. Bei den Landgerichtsrätcn ist das Verhältnis 83 zu 20, bei den Landrichtern 26 zu 10, dafür hat das Landgericht II 7 Hilfsrichter. Die Staatsanwaltschaft am Landgericht I zählt 28 Staatsanwaltsräte und Staatsanwälte neben 1 ständigen Hilfs- arbcitern, die Staatsnnwaltschast II zählt nur 10 Räte nnd Anwälte nnd eine» ständigen Hilfsarbeiter. Das rechnerisch ungünstigste Verhältnis von 2 zu 1 zu Grunde gelegt, müßte das Landgericht II in seinem gegenwärtigen Umfange schon 13 Direktoren, ULmidgerichtsräte und 13 Landrichter, die Staatsanwaltschaft II müßte 11 Räte und Anwälte neben 2 släudigcn Hilfsarbeitern haben. Im gleichmäßig ungerechten Verhältnis stehen die Verwaltungsbcamten. Wenn nun aus den bisherigen zwei Landgerichten deren drei ge- bildet werden, so werden nicht allein die bisher fehlenden Stellen neu geschaffen werden müssen, um einen Ausgleich herbeizuführen, es wird sich auch die Notweudigleit ergeben, noch weitere Stellen neu zu besetzen, denn es wird sich wohl niemand der Illusion hin- geben, daß mit der Dreiteilung cine Ersparnis an richterlichen und Verwaltungsbeaniteir zu gewärtigen sein wird. Vor einem furchtbaren Ereignis ist das deutsche Kriegsheer eben noch glücklich bewahrt worden. Im Wirtshause„Am B r o ck e n" an der Tegeler L a n d st r a ß e soll am Sonntag eine Lassallefeier abgehalten werden. Nach guter deutscher Sitte wurde daher vor acht Tagen über dies Lokal der Militär« b o y k o t t verhängt. Nun will es das Verhängnis, daß sich am Dienstag die Mnsit'kapclle des Garde-Füsilierrcgiments am Eingang des Wirtshauses versammelte. Der Kapellmeister tritt, nichts Arges ahnend, an das Büffett und fordert sich von der dort ihres Amtes waltenden Dame einen Magenliqueur. Es trat cine Spannung ein, vor der der schönste Loka'lanzciger-Noman bedeutungslos zusammenschrumpft. Alles stand auf des Messers schneide. Schon hatte die Büffcttdame die Flasche mit dem das preußische Seelenheil tötenden Trank vom Bord genommen. Sie griff mit der linken Hand zum Glase und jetzt— fchandervoll, höchst schaudervoll— senkte sich in der rechten der Hals der Flascko. Da stürzt eikends ein Musiker auf den immer noch ahnungs« losen Kapellmeister zu: „Herr Musikdirektor, hier wird die Lassalle« Feier abgehalten!!!!" Der Angeredete ist einen Augenblick sprachlos. Dann begreift er das Furchtbare, das über ihm schwebte, und dumpf zwar, aber gefaßt rollt es von sciiicn Lippen: Ich danke, Fräulein, i ch trinke hier keinen Schnavs! Sprach's nnd entfernte sich mit dein Ernst, der der Situation angemessen war. Seine Jünger aber folgten ihm nach. Zur Angelegenheit des Nordparkes wird aus dem Rathaus berichtet, daß bis jetzt nach dieser Richtung weder Beratungen statt- gefunden haben, noch eine Beschlußfassung erfolgt ist. Wie mit- geteilt wird, kann von Aufstellung eines Projektes' in der städtischen Bauverwaltung keine Rede sein, vielinchr haben nach Bcsichtignng des Terrains durch eine Konnnission nur allgemeine Besprechungen stattgefunden. Doch ist man in der städtischen Plankammer damit beschäftigt, Besprechungen über die etwaigen Kosten anzustellen. Die neue Alscnbriickc wird am Sonntag früh wieder dem Verkehr übergeben werden. Der Bnilzaun ist bereits gefallen, nach- dem gestern die Pflasterung des Fahrdammes mit Holz vollständig ausgeführt worden ist. Die'Brücke wird zunächst durch mer elektrische Bogenlampen beleuchtet werden. Nachdem der Tunnel ztvischcn Stralau und Treptow fertiggestellt ist, hat die städtische VcrkehrSdepntation mit der Gesell- schast für Untergrundbahnen(Gesellschaft mit beschränkter Haftung) einen Vertrag über den Bau und den Betrieb einer elektrischen Straßenbahn vom Schlesischen Bahnhof nach Stralau-Treptow ab- geschlossen. Eine Wcitcrführung der Bahn von Treptow über Nieder- Schöneweide nach Johannisthal ist geplant. Der Magistrat hat sich mit diesem Vertrage einverstanden erklärt und wird ihn der Stadt- vcrordneten-Versammlnng zur Genehmigung unterbreiten. Die Verhaftung des„SubdirektorS'' Max Urban von der Krankenkasse„Hilfe" dürste weitere Maßnahmen der Staatsanwalt« schast zur Folge haben. Gcstcru wurde die Räumung des vielfach gepfändeten Mobiliars und der Bureau-Uteusilien aus der Behausung des Dcfraudantcn in der Skalitzerstraße durch den Gerichtsvollzieher bewerkstelligt. Zu dieser Zeit hatten sich viele Leute vor dem ge- nannten Hanse eingefunden, die dem Transport mit ironischen Rufen folgten. Frau ll. hatte die Wohnung, wie bereits gemeldet ist, verlassen. Da sie, wie behauptet wird, einige schon gepfändete Wertgegen- stände mitgenommen haben soll, ist gegen sie cine Anzeige wegen Pfandhinterzichung erfolgt. Die Staatsanwaltschaft hat bereits bei der Hauptgeschäftsstelle wie bei den Zahlstellen Hallesche- nnd Bnumenstraßc die Bücher beschlagnahmen und deren Revision ein» leiten lassen. Das Manko bei den beiden Zahlstellen betrug bei der letzten Abrechnung etwa 5000 M. Im Zeichen dcS Verkehr?. Der Polizeipräsident erläßt folgende Bckanntinachuilg: Ans Anlaß der am 1. Septemher d. I., vormittags 8tts Uhr, auf dem Tempelhofer Felde stattfindenden Parade wird die Tempelhofer Chaussee von 7tts Uhr an bis zur Beendigung der Parade für jeden Verkehr gesperrt. Die Belle- Alliancestraße und die Lichtcrfeldcrstraße dürfen von Lastwagen während der Zeit vom Ausrücken der Truppen bis nach dem Einmarsch derselben in die Stadt nicht befahren werden. Der Betrieb der Pferdebahn- und Omnibuslinien wird auf der Tempelhofer Chaussee und den aus Berlin nach dem Tempelhofer Felde führenden Sttaßen(insbesondere auch in der Friedrichstraßc» mit dem Beginn des Ausmarsches der Truppen (etwa von Vil Uhr ab) bis zur Aufhebung der Absperrung ein- gestellt, bezw. eingeschränkt oder abgelenkt. Auf das Paradefeld östlich der Tempelhofer Chaussee werden nur solche Equipagen (nicht Droschken nnd ähnliches öffentliches Personenfuhrwerk) zugelassen, deren Inhaber mit polizeilichen Passierscheinen ver- sehen sind. Alle anderen Gefährte sowie die zu Fuß befindlichen Zu- schauer können sich westlich der Tempelhofer Chaussee aufstellen. Den Anordnungen der Schutzmannschaft über Anfahrt und Abfahrt aller Wagen, solvie über das Verhalten auf dem Tempelhofer Felde, muß im Jntercsse der Aufrechterhaltnng der Ordnung unweigerlich Folge geleistet werden. Marketendern und Nestaurationsbetrieb wird auf den« Tempelhofer Felde nicht geduldet, desgleichen ist das Auf- stellen von Stühlen, Tribünen, Handwagen:c. auf dem Tempelhofer Felde nicht gestattet. Da? Cnvry-Ufer, die neue Uferstraße an der Schlesischen Brücke, ist jetzt nahezu fertig und wird nach Beendigung der zum größten Teil bereits ausgeführten Pflastcruiigsarbeiten sofort dem Verkehr übergeben werden. Früher standen auf dem Terrain die vor zwei Jahren niedergelegten Heckmannschen Fabrikgebäude, die sich vis zum Landwehrkanal erstreckten und infolge dessen eine direkte Fortsetzung des Görlitzer Ufers bis zur Schlesi- scheu Brücke verhinderten. Deshalb mußte dieser Straßen- «ug an dcr Südwest, cite des Hcckmannschen Gmudstücks itnct) links abichivciikcn und um die Fabrikanlage herum rn eliicin Bogeir bis zur Schlesischenstratze geführt ivcrden, in welche ne ungefähr 130 Meter vor der Schlesischcn Brücke einmündet. �urch das neue Cnvry-Ufcr ist nun in gerader Linie eine Bcr- langcrung deZ Gvrlitzcr Ufers bis zur Schlcsischcn Brücke hergestellt ivorden, so dag Wagen und Fußgänger sich in Zukunft den Umweg nm das Heckmannfche Grundstück sparen können. Auf dem noch übrig bleibenden größeren Teile des ausgedehnten Terrains hat sich ferner bereits eine lebhafte Banthätigkcit entfaltet, so daß hier ein kleiner neuer Stadtteil im Eiitstchen begriffen ist. � Die Ausgrabung einer Leiche ans dem Gemeindefriedhof in �r i e d r r ch s s e l d e ist gestern erfolgt und zwar auf Antrag des Telcgraphen-Assisteiitcn Mattcrn, der in der Begrabenen seine seit längerer Zeit vermißte Frau vermutete und diescrhalb am 16. August nbeii bezüglichen Antrag an � die Staatsanwaltschaft beim Land- gcricht I gestellt hatte. Diesem Antrage wurde gestern statt- gegeben; das Ergebnis der Ausgrabung war jedoch, wie voraus- zuschen war, ein negatives. Schon bei Auffindung der an der �cislngbrückc gelandeten Leiche zeigte sich, daß sie in einem so vor- geichrittcnen Zustande der Verwesung war, daß alle RekognoscierungS- versuche fruchtlos bleiben müssen, niemand vermochte Frau Mattcrn zu identificieren. Auch besondere Kennzeichen ließen stch nicht fest- stellen. Daß die Bestattete Frau M. nicht sein kann, ist früher schon erörtert worden. Als die Leiche gefunden wurde, hatte sie mindestens /m 3'?sc nC1� gerichtsärztlichem Gutachten im Wasser gelegen. Frau M. aber war damals erst 2 Tage vermißt. Die letzten Opfer bcs Charlottenburger Vlitznnglllcks sind dieser Tage ans dem Krankeuhause als geheilt entlassen worden. Auch die in häuslicher Pflege befindlichen Verletzten haben sich soweit er- holt, daß sie ihre Beschäftigung wieder aufnehmen konnten. Ein gefährlicher Kcllcrbrand brach gestern früh in der Frucht- straße 5 aus. Dieses fünf Höfe haltende Grundstück ist in seinen Seiten- und Quergebäuden durchweg mit Holzfabriken besetzt. Ii, ? Sj�tcveu Gebäuden befinden sich die Dumpf-Fraiserei von Pristaff u. Biegcr, soivie die Möbeltischlerei von Ulbrich. Von der benachbarten Polizeiwache aus ivurde nun bald nach 2 Uhr das Feuer bemerkt. Es brannte ein im Keller des 4. Oucrgebäudes be- fiudliches Bretter- und Fournicrlagcr der Dampf-Fraiserei von Pristaff und Biegcr. Wahrscheinlich war das Feuer in dem anstoßenden Kessel- hause entstandeir, hatte lange geschwelt und dann da§ Holz- lager ersaßt. Nach Durchschlagung der Kcllcrfciistcr sprangen die flammen ans einen im fiiufteii> Hofe aufgeschichteten großen Bretter- stapel über. Es gelang der Feuerwehr nach einstündiger Arbeit, die Flammen zu ersticken, bevor sie die in den verschiedenen Stockwerken untergebrachten Fabrikbetriebe erfaßten. . �eekehröfciudlichcö von der lluivcrsität. Die Berliner Universität, die mit der Stadt Berlin und dcr Großen Berliner Straßenbahngesellschaft wegen Durchlcguug der Straßenbahn durch das Kastanicnwäldcheii noch im», er im Streit liegt, ist jetzt gegen die örtliche Straßenbahnpolizei wegen Aufhebung eines wegcpolizei- lichcn Verbots sEinzäuiiung dcr Flachen durch die Universität) klagbar geworden. Zur Entscheidung der Sache hat der Bezirksausschuß Termin auf den 17. Oktober angesetzt. Bei», Abspringen von seinem Wagen verunglückte Mittwoch- nachmittag um 4l/g Uhr vor den, Hause Sprcestr. 15 der Kutscher Hosky von der Scheiblcrschen Waschanstalt zu Steglitz. Er zog sich einen komplizierten Bruch des rechten Beines zi, und mußte, nach- dem er auf der RetknngStvache einen Notverband erhalten hatte, mit einem Koppschcn Wagen in das Charlottenburger Krankenhaus qe- bracht worden. Arbeitslosigkeit hat den SS Jahre alten, aus Remscheid ge- vurtlgen Stahlschleifer Friedrich Pickard aus der Gräfestr. 82 in den 5£o& getrieben. Dcr Unglückliche hatte seit neun Wochen keine Be- schäftigimg mehr, so daß seine Frau für die Familie durch Schneidern allein den Lebensunterhalt verdienen mußte. Als die Frau Dienstag- abend um 8V? Uhr von dcr Arbeit kam, fand sie ihn als Leiche am Bettpfosten hängen. Straficusperruilg. Der nördliche Damm der Skalitzcrstraße von der Wraugcl- bis zur Köpnickcrstraße wird wegen Umpflastcrung vom 31. dö. MtS. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke lmd Reiter gesperrt. Sport. Von der Radreilllbahii K u r f ü r st c n d a m in wird uns be- richtet: Entgegen einiger ZcitimgSmcldiingcn, dag die italienischen Nenn- fahrer infolge des Zivischcnfallcs mit Toniinasclli auf der Nadreunbahn Kursürstcndainin bereits abgereist seien, können wir mitteilen, daß die für die Zwischenläufe des Großen Preises von Deutschland qualifizierten Fahrer am Stail erscheinen werden. Auch Grogna, dcr belgische Champion, ist nicht, wie mitgeteilt, abgereist, sondern wird seine Chancen kommenden Sonntag verteidigen. Es fehlt also nur Tominafelli am Start, dem un- verdienterweise eine so schlechte Aufnahme vom Publikum bereitet worden ist. Theater. DaS Schiller-Theater bringt heute zur Eröffnung der Saison und zur Gocthefcicr die erste Anffübrnng dcr„Iphigenie ans TauriS". Die Hauptrollen sind wie folgt besetzt: Iphigenie: Alwine Wicckc; Thoas: Ferdinand«rcgori; Orcst: Ewald Bach; Pplaocs: Georg Paeschke; Arlas: Leopold Thnrncr. Der Abend wird eingeleitet mit der Onverturc zur„Iphigenie in Aulis" von Christoph W. Gluck, mit dem Schluß von Richard Wagner. Die Ouvertüre wird von dem Orchester dcr Marwitz- Oper unter der Direktion des Kapellmeisters I. Prüwer gespielt.— Bezug- lich dcr Abonnements sei ans vielseitige Anfragen noch mitgeteilt, daß sowohl die festen wie die srcicn Abonnements unpersönlich, also demnach übertragbar sind.— Das Thalia-Thcater erüfsnct seine ncile Saison unter dcr neuen Direktion am Sonnabend, de» 9. September, wie schon erwähnt, mit einer Berliner Gcsanzöpo sse von Jean Kren und Alfred Schön- selb. Musik von Gustav Wanda. Die Novität trägt den Titel„Der Platzmajor".— Für das F r i e d r i ch- W il h c l m st ä d t i s ch e Theater ist dcr jugendliche Held und Liebhaber W. Brackmann engagiert worden. Dcr Künstler wird demnächst in Zolas„Gcrminal" in der Haupt- rolle des«Etieiine Lautier" vor das Publikum treten. Anö den Nachbnportc». In Pankow konnte wegen dcr VersanunlttngSauflösung von, Montag die Dclcgicrtcnwahl zur Krciskouscrcuz nicht vorgcnonimen werden. Dieser Gegeustand soivie die Diskussion über das Thema: „Der Kampf gegen das Unrecht" soll nun tu dcr zum Sonn- abend abend 8Vs Uhr bei Großkurt, Bcrliucrftraße 27, an- beraumten Versa m m l n u g erledigt werden. Zahlreiche Beteiii- gung wird erwartet. Der socialdcmokratische Verein für Köpnick hält am Sonnabendabend 8 Uhr im Hotel„Kaiscrhof", Grüustraßc, für seine Mitglieder ein geselliges Beisammensein ab. Gäste, welche durch Mitglieder eingeführt sind, haben Zutritt. Der Vorstand. Im Schviicbcrgcr Lchrerverci» sprach Lehrer Zobel über das Thema:„Dcr Unterricht s ch w a ch b e g a b r e r Kinder in g c s o>: d e r t c u S ch u I k l a s s c u". Der Vortragende vcr- langt die Ucbcrwcisuug derartiger Kinder in sogenannte HilfSllasscn. In dcr Regel verlangt man, daß die Schüler einer solchen Klasse in zwei Jahren so weit gefördert iverden, wie normal veranlagte Kinder in einem Jahr. Einen Zwang dcr Eltern, ihre Kinder einer Hilfsschnlc zu überweisen, bestehe nicht; jedoch habe mau sich schnell von den Segnungen überzeugt. Der Unterricht müsse vor allen Dingen anschaulich sein. Jedes Kind sei im Besitze einer Rechen- Maschine; auch erhalten sie Unterricht in der Formen- und Farben- lehre. Desgleichen spiele der HandfcrtigkeitSuuterricht eine bedeutende Rolle. Der Pflege des Körpers durch Spielen und Turnen müsse ganz besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden. Während früher die der Hilfsklasse überwiesenen Kinder, nachdem sie das Ziel der Klasse erreicht hatten, in die Volksschule zurückkehrten, hat man jetzt mehrere aufsteigende Hilfsklasscn, also Hilfsschulen errichtet, in welchen diese Kinder ihre gesamte geistige Ausbildung empfangen. Es ist nach- gewiesen, daß ans je 18—20 000 Einwohner eine Hilfsklassc erforderlich ist. Schöneberg könnte also bereits eine ganze Hilfsschule errichten. In der auf den Vortrag folgenden Diskussion wurde beschlossen. aus cincr amtlichen Konferenz die Frage einer nochmaligen Be- sprechung zu unterziehen, nm die vorgesetzte Behörde für die Sache zu erwärmen, Jim dann im Verein mit ihr die städtischen Körper- schaften für den Plan einer Einrichtung solcher Klassen in Schöneberg zu gewinnen. Zwei Taschcndicbinnc», die ihr Handwerk besonders auf den Schöneberger Wochen markten ausübten, sind von der Polizei auf dem Winterfeldplatz ertappt und verhaftet worden. Die eine, eine verheiratete Frau, gestand, einer unbekannt gebliebenen Frau ein Portemonnaie mit Geld aus der Rocktasche gezogen zu haben; auch die andere Diebin räumte gleichartige Diebstähle ein. Der Maugel an Krankenanstalten in Rixdorf tritt immer fühlbarer zu Tage. Mit dein Unterbringen seiner Kranken befindet sich Rixdorf thatsächlich in arger Verlegenheit. Das Rixdorser Krankenhaus vermag nur 50 Patienten zu fassen. Im Britzer Kreis-Krankenhans stehen allerdings dcr Gemeinde Rixdorf noch 50 Betten zur Verfügung, doch reicht auch dieses bei weitem nicht aus. Es wird nun beabsichtigt, die Rixdorser Kranienanstalt um das Doppelte zu vergrößern, wozu" in diesem Jahre noch ein Pavillon mit 50 Betten errichtet werden soll, dessen Baukosten sich auf 100 000 Mark belaufen werden. Auch mit der Elektricitätsfrage beschäftigt man sich gegen- wärtig in dcr jungen Stadt Rixdorf. Die zahlreichen Gewerbetreibende» nud Industriellen Rixdorfs empfinden schon lange den Mangel an Elektricität als sehr hemmend. Die Angelegenheit wurde schon vor Jahresfrist einer Gemcindekommission übertragen, in deren Schöße sie aber nocki immer zu ruhen scheint. Es beab- sichtigt nunmehr eine Anzahl Stadtverordneter die Sache energisch in die Hand zu nehmen. Man will nach liberalem Berliner Muster dafür eintreten, daß die Elektricität von dem Elektricitätswcrke an der Oberspree bezogen werden solle, nicht aber dafür, daß die Stadt selbst ein eigenes Werk errichte. Pankow. An die Betriebsleitung der elektrischen Straßenbahn von Siemens u. Halske richteten hiesige Arbeiter eine Eingabe auf Einstellung von Frühwagen. Dem Antrage wurde stattgegeben, allerdings mit der Einschraiikung, daß wenn sich kein Bedürfnis für Frühwagen herausstellen sollte, dcr Betrieb wieder eingehen werde. Der Wagen fährt 5 Uhr 25 Min. früh von Pankow(Damerowstraße) ab. Da die Einrichtung noch so gut wie nnbekannt ist, so glaube» wir die Interessenten daraus aufmerksam machen zu müssen. Gleichzeitig muß darauf hingewiesen werden, daß der Preis der Arbeiter-Wochen karten, welcher eine Mark beträgt, gegenüber den anderen Äbonnementsbedingungen als zu hoch er- scheint, kostet doch ein Monatsabonnemeilt nur 5 M. Die Polizei- und Geincindcbenmtcn bezahlen 8 M. und die Post gar nur 2 M. monatlich. Die unzulänglichen Verkchrsvcrhältnisse des Stettiner und Nordbahn-Vorortverkehrs haben dahin geführt, daß Vorzugs- weise die elektrische Bahn benutzt wird. Man nimmt an, daß die Betriebsleitung auch in Bezug auf die Wochenkarten ein Entgegen- kommen zeigen wird. Gegen die englische Gas- Gesellschaft beabsichtigt der M a- g i st r a l von Schöneberg wegen der Beläftignngen, die von ihrem Gaswerke durch die übermäßige Qualmentwicklmig in der Stadt verursacht werden, jetzt vorzugehen. Nach ihrem Vertrage mit der Gemeinde ist die englische GaS-Gesellschaft verpflichtet, alle durch das Fortschreiten der Technik sich bietenden Mittel anzuwenden, um bei dcr Herstellung des Gases die Rauchentwicklung ans das äußerste Maß einzuschränken, zumal das Ausströmen des Rauches bei der Schüuebergcr Gasanstalt nicht durch hohe Schorusteiue, sondern im- mittelbar aus den Retorten bezw. Berbrennnngsränmcn geschieht. Die vertragsmäßige Bestimmung soll aber seitens der Gas- Gesell- schaft bisher so gut wie gar nicht berücksichtigt worden sein. Gewünscht aber wird in Schöncbcrg allgemein, daß die Gasanstalt. bis ans die mächtigen Gasbehälter, sobald wie möglich ganz ans Schöncberg fortgelegt werden möchte, und man hofft dies um so mehr, als die Geicllsckiaft bei Südende ein weiteres Terrain zu einer Gasanstalt erworben hat. Fortgesetzte Diebstähle ivurdeu seit mehreren Tagen in dem Warcnhamc der Gebrüder Jacob in der Wilmersdorferftroße zu Charlotten bürg verübt, das kürzlich durch einen großen Brand heimgesucht wurde. Nach Austclluug ciiics besonderen Wächters faßte man mehrere junge Burschen, die gerade dabei waren, den Latten- verschlag zu beseitigen, ab und verabreichte ihnen einen kräftigen Denkzettel. Ein Dreirad, das sie nicht fortschaffen konnten, haben die Spitzbuben in einer Nacht zertrümmert. DaS Opfer eines Rache-AktcS ist gestern mittag ein 33 Jahre alter Kutscher Ferdinand Ragnn in F r i c d r i ch s b e r g geworden. Ragun hatte vor einiger Zeit einen Streit mit dem Sohne eines Fuhrhcrm. Sein Gegner jchwor ihm Rache und stellte ihm seitdem ivicdcrholt nach. Gestern gegen Mittag lauerte er ihm an der Ecke der Gürtelstraße ,i»d dcS Boxhagcncr Weges auf. sprang auf seinen Wagen und schlug ihn mit einem Schlagring über den Kops, Ragun stürzte vom Wagen, wurde überfahren und erlitt einen Bruch mehrerer Rippen, dcS rechten Ellenbogengelenks und des Schlüsselbeins. In hoffraingSlosem Zustande wurde er mit einem Liicksckicu Rettungswagen in das Krankenhaus am Fricdrichshai» gebracht. Im ueucn Votanische» Garten sind jetzt bereits sämtliche Fußwege hergestellt, welche die Anlage in großer Menge durch- kreuzen werden. Auch die sich daneben hinzichendeu Beete»ud Felder sind schon rajolt und für die Bepflanzung vorbereitet worden. Da? hohe Eisengitter, welches das Terrain nunmehr von allen Seiten umgicbt, wird durch cinzeluc aus rote» Backsteiueu auf- gemauerte Thorc unterbrochen, die den Zutritt zum Garten ver- mittel». Großes Interesse erregen vor allem die für die Kultur dcr alpinen Flora bcstiimnten künstlichen Gebirgszüge, die in ganz außerordentlich großer Anzahl und in einem solchen Umfange vor- Händen sind, daß die im alten Botanischen Garten angelegten„Ge- birge" vollständig verschwinden, Tic Abhänge und Gipfel sind mit den verschiedensten Gebirgssteinarten bedeckt, die zum Teil eine ganz erhebliche Größe haben, FricdrichShagen. In der Gemeindevertreter- Sitzung am Dienstag wurde bei der Vergebung der Steinmetzarbeiten zum vier- nndzwanzigllassigcn Mädchenschulhause der Firma Borginann und der Zimmer- und Stankcrarbeiten dem Zimmermciitcr Schranimer als Mindestfordernde gegen die Stimmen von Barth und Sonnenburg dcr Zuschlag erteilt. Ein Antrag deS Ortsschul- iuspeklors um Beivillignng von 30 M. zur Schulfeier am S e d a n- tage wurde gegen die Stimmen unserer beiden Genossen an- genommen. Die' Errichtung einer höheren Knaben- , ch ii l e rief eine lange und lebhafte Debatte hervor. Im Frühjahr dieses Jahres hatte die Vertretung einstimmig bcjchlosten, eine solche Anstalt ins Leben zu' rufen, wenn die dazu erforderlichen Mittel ohne Steuererhöhung vorhanden sind. Nach dem von dem Gemeindevorsteher erstatteten Bericht ist die Regiennig geneigt, die Genehmigung zur Errichtung einer höheren Schule zu erteilen, wenn die Gemeinde finanziell dazu im stände ist, einen Zuschuß dagegen lehnt die Regierung unbedingt ab. Wird die Schule mit drei Vorschulllassen bis Quarta ein- gerichtet, so würden die Kosten jährlich ungefähr 30 000 M. betragen. Um diese Summe aufzubringen, ist eine Steuererhöhung unbedingt erforderlich. In der Debatte waren alle Redner der Ansicht, daß die höhere Schule eine zwingende Notwendigkeit sei; gleichzeitig aber meinte man, daß von einer Erhöhung der Grund-, Gebäude- und Ge- werbesteuer im Interesse der Enrwickelung des Orte« abgesehen werden müsse. Die Genossen Barth und Sonnen bürg wendeten stch gegen eine Erhöhung der Einkommensteuer. Gerade die ärmeren Einwohner hätten keinen Vorteil von der Schule, da sie für ihre Kinder nicht das hohe Schulgeld erschwingen könnten. Die Ge- meindeschnle wird von nahezu 1500 Kindern besucht, dagegen würde die höhere Schule im günfligsten Falle eine Schülerzahl von 200 er- reichen. Das Bedürfnis für eine höhere Schule wurde von den beiden Rednern anerkannt, ausdrücklich aber wandten sie sich gegen eine Belastung der ärmeren Bevölkerung. Nach zweistündiger Debatte wurde gegen die Stimmen der Vertreter Maus, Thieme, Müller, Schütze und des Schöffen Lange beschlossen, am' 1. April nächsten Jahres ein humanistisches Gymnasium mit vorläufig drei Vorschulklassen. Sexta und Quinta zu er- richten. Zur Deckung der Kosten wird die Grundstncks-llmsatzstcucr von Vz auf 1 Proz. erhöht.— Der Antrag der hiesigen Gemeinde- schullehrer um Erhöhung des Grundgehalts von 1200 auf 1300 M. wurde von den' Vertretern Sonnen bürg, Barth und H a r ck e wiederholt befürwortet. Bei dcr Abstimmung wurde der Antrag aber gegen vier Stimmen abgelehnt.— Die Subvention an den Leiter der höheren Privat-Knabenschule pro Oktober— Dezember wurde gegen die Stimmen von Barth und Sonnenburg angenommen.— Die Oekonomie des Rats- k e l I e r s wurde zum 1. Oktober für die Summe von 2400 M. aus ein Jahr an den Restaurateur Haffner aus Klein-Glienicke verpachtet. In der Mordaffaire zu Alt-Bnchhorst fanden am Thatorte und in der Umgebung von Erkner umfassende Erhebungen wegen Ermittelung des Geldes statt. Die Nachforschungen haben jedoch zu keinem Ergebniß geführt. Was den Gang der Untersuchung betrifft. so beharrt die Verbrecherin neuerdings wiederum dabei, den Mord an der Fielitz allein ausgeführt zu haben. Ueber die Beweggründe, die sie zur That verleitet haben, behauptet sie. jetzt keinerlei An- gaben machen zu können. Es ist bisher auch nichts zu Tage gefördert worden, was über die Motive, aus denen diese junge. schwächliche Person eine Mörderin wurde, Aufschluß giebt. Es ist wahrscheinlich, daß man es mit einer geistig nicht ganz zurechmjngs- fähigen Person zu thun hat. Geviltzks-'Zeitung. Wegen Vergehens gegen 8 Ii»? der Gewerbe- Ordnung stang gestern der Maurer L i n d e n b e r g vor der ersten Ferienstraf- kammer am Landgericht II. Am 15. April ivurde über einen Bau des Maurermeisters Schirm er in Groß- Lichterfelde die Sperre verhängt, die jedoch schon am 18. durch Beschlutz einer Versammlung wieder' aufgehoben wurde. Der Maurer Laube hatte während des dreitägigen Streikes gearbeitet und als nun am 20. April eine Maurerversammlung in Steglitz unter dem Vorsitz Liudenbergs stattfaild. wurde der Autrag gestellt, den Laube nicht mehr als Kollegen zu betrachten. Liudenberg, der, wie er be- hauptete,' von dem stattgehabten Streik nichts wußte, wollte darüber abstimmen lassen, wurde aber darauf aufmerksam gemacht, daß dies unzulässig sei, da eine frühere Ver- sainml'nna beschlossen habe, daß jedem, der gegen die Interessen der Arbeiter handle, die Strcikkarte abzunehmen jei, L. ließ nun darüber abstimmen, ob dem Laube die Streikkarte abgenommen iverden solle, und die Versammlung stimmte einstimmig dafür, nachdem Laube sein Verhalten trotz ergangener Aufforderung nicht zu rechtfertigen ver- mocht hatte. Laube behielt zwar die Karte, erhielt aber in Steglitz keine Mareen mehr. Auf Grund dieses Thatbestaiides wurde gegen Lindenberg Anklage erhoben, das Schöffengericht am Amts« gericht II erkannte jedoch ans Freisprechung, da weder Ver- russerklärung noch Nötigung vorliege, denn da der Streik bereits vorüber war, so handelte es sich nicht mehr um Verabredungen zur Erreichung günstiger Lohn- und_ Arbeitsbedingungen. Am Schlüsse der Verhandlung vor dem Schöffengericht fragte der Staatsanwalt den Laube, ob er nicht Straf« an trag wegen Beleidigung stellen wolle, wozu es »och Zeit sei; Laube bejahte eifrig, und nun legte der Staats- anivalt Berufung ein, um lvenigstcus eine Bestrafung wegen Beleidigung durchzusetzen! In der gestrigen Verhandlung zog aber Laube versläudigenveise den Strafaurrag zurück und erklärte obendrein, daß er irgendivelchen Nachteil wegen Entziehung der Karte nicht gehabt habe, er habe immer Arbeil gehabt. Die Eni- ziehung der Karte habe überhaupt nichts zu bedeuten, höchstens gebe es manchmal einen kleinen Zwist. Nach dieser Bekundung hielt es endlich auch der Staatsanwalt für angebracht, die Berufung zurück- zuziehen. Wegen betrügerischer Ruöbeuttmg etticS Fremde» warder Droschkenkutscher Julius Werner vom Schöffengericht zu einer Woche Gefängnis verurteilt worden. In der Nacht zum 19. Dezember v. I. wurde der Angeklagte Unter den Linden von dem Agenten Czepinsti zu einer Fahrt nach der Elsasserstr. 44 an- genommen. Der Angeklagte fuhr nach der Elsholzsttaße, wo er nach längerem Suchen seinem Fahrgaste mitteilte, daß die Straße überhaupt nur 20 Nummern habe. Nun klärte sichj der Irrtum auf. Der Angeklagte wollte Elsholzstraße anstatt Elsasserstratze verstanden haben. Der Fahrgast war entrüstet, als der Kutscher zunächst Zahlung für die zurückgelegte Fahrt verlangte. Es kam zu einem lebhasten Wortivechjel, Czcpinski wollte sich entfernen, wurde aber vom An- geklagten, der ihm die Uhr ans der Tasche gerissen hatte und sie als Pfand behalten wollte, daran verhindert. Ein hinzukommender Lehrer übernahm die Rolle des Schiedsrichters. Der Fahrgast er« klärte, zahlen zu wollen und zeigte dem Angeklagten auch, daß er genügende Mittel besaß. Dann stieg der Fahrgast wieder ein und es wurde die To»r nach der Elsasserstraße angetreten. Beim Reichstags- Gebäude hielt dcr Angeklagte an, stieg vom Wagen und verlangte in energischem Tone das Fahrgeld in Höhe von' 5 M. Dcr Fremde, dem in der einsamen Gegend ängstlich wurde, zog cS vor, den geforderten Betrag zu zahlen. Dann ivurde die Fahrt zu Ende geführt. Der vorerwähnte Lehrer hatte ver- anlaßt, daß dcr Kutscher dem Czipiuski seine Marke abgab. Hier- durch gelang es dem Fremden, den Kutscher bei der Polizei zur Anzeige zu bpiiigeu. Es stellte sich dabei heraus, daß der Angeklagte eine Marke verabfolgt hatte, welche mit seiner Droschkeimummer nicht übereinstimmte,' Das Schöffengericht schloß hieraus auf das böse Gewissen des Angeklagten, der als Droschkenkutscher unbedingt gewußt hatte,' daß die Elsholzstraße nur zwanzig Nummern führte und der die Verwechslung absichtlich begangen habe, um einen höheren Fahrpreis herauszuschlagen. Iii, gestrigen Termine vor der Berufungsinstanz führte der Ver- leidiger Rechtsanwalt Leonhard F r i e d m a n n ans, daß die An- nahinen des Vorderrichters keineswegs stichhaltig seien. Die Ver- ivechselnng dcr beiden Straßen lasse sich durch den Dialekt des Wiener Fahrgastes leicht erklären. Ebenso sei es dem Aiigeklagteu zu glauben, daß er nicht gewußt habe, daß die entlegencsElsholzstraße nur 20 Nummern habe. Die Abgabe deruurichtigcnMarke sei darauf zurückzu- führen, daß der Angeklagte wenige Tage zuvor eine andere Droschke gefahren und die hierzu gehörigen Marken noch bei sich getragen habe. Es sei ihm wohl zu glauben, daß auch hierbei nur ein Irr- tum vorliege, zumal die Ermittelung des Angeklagten keinerlei Schwierigkeiten machen konnte,— Der Gerichtshof trat diesen Aus- führunge'n bei, hob das erste Urteil auf und sprach den Angeklagten frei. Vom RcichSgericht wurde das Urteil gegen den Gefangenen- aufseher Bertram aus Plötzeusee zum zweiten Male auf- gehoben. Wie erinnerlich, ivurde Bertram am 12, Dezember 1898 von dcr zweiten Strafkammer am Landgericht II wegen Durch- stechercien, die er in„Plötzeusee" getrieben und wegen Unsittlich» leiten, die et an der Frau eines Gefangenen versucht haben sollte, zu der außergewöhnlich hohen Strafe von drei Jahren Zucht- Haus verurteilt. Seinem Verteidiger Dr. Werthauer gelang es, unter der Begründung, daß ein vom Angeklaglen selbst verfaßtes Schriftstück,'„Em Tag aus dem-oben eines Gefangenenaufsehers", nicht verlesen wurde, durch welches das erkennende Gericht ein Urteil über den Gemütszustand des Angeklagten hätte gewinnen können, die vollständige Aufhebung des Urteils durch das Reichsgericht Sss erzielen. Die Sache wurde an dasselbe Gericht zur eruellten Verhandlung zurück- verwiesen, dieses verurteilte aber am 3. Ma« d. den Bettram zu derselben Strafe. Dr. Wctthauer legte nun von neuem die Nichtigkeitsbeschwerde ein, weil eine Reihe von Beweisanttäaen, welche den Angeklagten entlasten konnten, abgelehnt und der An- geklagte in seiner Verteidigung beschränkt worden sei. Das Reichs- Gericht erkannte dic Begründung als berechtigt an, hob daS Urteil von neuem auf und wies nunmehr die Sache zur erneuten Verhandlung an ein anderes Forum, nämlich das Landgericht I. Bertram, der seit dem 3. Juli w J. in Untersuchung liegt, beteuert stets seine Unschuld und hat zu der erneuten Verhandlung zahlreiche Zeugen laden lassen. _ Durch GcrichtSbcfchlus? ausgehoben wurde das Konkurs- verfahren gegen den Geh. Ober-Reg.-Rat Freiherrn v. Broich. Be- kanntlich halte der Kaufmann Christian Claussen in Hamburg, der mit Geh. Ober- Reg.- Rat v. Broich seit langem in Fehde liegt, es durchgesetzt, daß das Berliner Amtsgericht I am 18. August ein vorläufiges Zahlimgsverbot gegen v. Broich auf Grund eines Urteils erliest. Claussen erhob am 11. Juli d. I. eine Forderung von 30 000 M. gegen v. Broich. Da v. Broich, der zur Zeit im Bade weilt, die Ladung zu spät erhielt, so konnte die Bekannt- machung betr. Antrag auf Konkurseröffnung nicht verhindert werden. Gestern hat das Amtsgericht nun das Zahlungsverbot gegen Frei- Herrn v. Broich aufgehoben und den Antrag auf Konkurs- eröffnung zurückgewiesen. Die ganze Angelegenheit in betreff der 80 000 M. soll am 27. Oktober vor dem Oberlandesgericht zu Kiel in zweiter Instanz verhandelt werden. Uevrigens schivcbt, wie die „Allg. Fleischer-Ztg." mitteilt, noch ein zweiter Prozest gegen v. Broich. Dieser soll sich von einem hiesigen Kaufmann R. gegen die Zu- sicherung, ihm an der Berliner Börse die Stelle eines vereideten Maklers— Stellen, die ebenso einträglich wie begehrt sind— zu verschaffen, 10 000 M. haben zahlen lassen, die er zu beliebigen wohl- thäligcn Zwecken zu verivenden versprach. Da R. aber die Stelle nicht erhielt, klagt er auf Rückzahlung der 10 000 M. Der Prozeß schwebt bereits in zweiter Instanz. Vevssumnluugott. Die Musikiustrumcuteu-Arbcitcr centraler Richtung waren am Dienstag sehr zahlreich versammelt, um über die Loh»- und Arbeitsverhältnisse in den Werkstätten von Ecke, Schleifer u. Menzel, und G n st n. C i e. zu verhandeln. B o n s k e kenn- zeichnete in seinem einleitenden Referat über„Harmonie zwischen Kapital und Arbeit und die Hunianität einiger Fabrikanten* die Zustände in diesen Fabriken. Bei G a st u. C i e. werden zumeist aus- wärtige und billige Arbeiter bis zu 20 M. Wochcnvcrdicnst beschäf- tigt. Bei Schleifer u. Menzel besagt die Arbeitsordnung unter anderem, daß Ueberstunden zu jeder Zeit gemacht werden müssen; Krankheit gilt als Entlassungsgrund. Alle Arbeiter, welche sich dagegen auflehnten, wurden einfach entlassen. Bei der Firma Ecke, deren Inhaber gern als humaner Unternehmer gelten will, wurde u. a. ein Arbeiter, der bereits seit 17 Jahren ununterbrochen dort thätig ivar, infolge kurzer Krankheit einlassen, weil er auch sonst„zu schwach" geworden sei. Die meisten seiner Kollegen erblickten aber den Grund der Entlassung darin, daß dieser Kollege W. gewerkschaftlich und politisch thätig war und am Wahl- tage gefehlt hatte. Die Regelung der Angelegenheit, ob der Entlassene als Gc- maßregelter betrachtet werden soll, wurde einer Kommission, be- stehend ans den Mitgliedern: Poddany. Pfitzncr. Conrad P a b st. Kaiser. T o I k m i t und G l a tz e l überwiesen. Im Anschluß daran gelangte eine Resolution zur ein- stimmigen Annahme, des Inhalts, daß eine Harmonie zwischen Kapital und Arbeit nicht vorhanden ist, die Arbeiter im Gegenteil bestrebt sein müssen, nur auf dem Bode» des Klassenkampfes eine Aufbesserung der Arbcitervcrhältnisse und Beseitigung der Uebelstände zu'erlangen. Mithin sei es Pflicht aller Musik« instrumentenarbeiter, sich dem deutschen Holzarbeiter- Verbände an- zuschließen. Von den anwesenden Wcrkführcrn hatte sich keiner an der Be- sprechung beteiligt. Vor Schluß der Versammlung ersuchte der Vorsitzende die Kollegen, sich rege an der Sammlung für die d ä n i s ch e n A u s g e s p e r r t e n zu beteiligen. Eine öffentliche Vcrsaminlnng der Schneider und Schneiderinnen tagte am DicnSlag bei Cohn, Bcuthstraße, in der Ritter über die Innung und ihre Einrichtnngen referierte. Im Anschluß an den interessanten, mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Bortrag berichtete W i l k über die außerordentliche Generalversamm- lung der hiesigen Schneiderinnung vom 23. August. In der hierauf folgenden Deskussion wurde von mehreren Rednern lebhaft kritisiert, daß bei der Slatutenberatung und auch bei den anderen von der Innung getroffenen Maßnahmen der Gesellen-Ansschnß Vicht hinzugezogen bczw. nicht zugelassen wurde. Es wurde Allgemein der Meinung Ausdruck gegeben, daß die Innung bestrebt ist, dem Gesellen-Ausschuß, der aus organisierten Arbeitern und nicht nach deni Wunsche der verschiedenen Jnnungsmitglieder zusammen- gesetzt ist, seine Funktionen möglichst zu beschränlen. Um diesem Be- streben entgcgenznivirkcn, soll der Gesellen-Ausschuß energisch auf seinen durch die gesetzlichen Bestimnuingen gewährleisten Rechten beharren und ev. bei der Aufsichtsbehörde gegen die Innung Beschwerde erheben. — Die Aufstellniig der Delegierten zur JnnungS-Krankenkasie wurde einer demnächst stattsiudendeii Werkstattdelegicrten-Vcrsammlung überlassen. Hierauf lvurde auf die Aussperrung in Dänemark und die Lohnbewegung der Berliner Steinarbciter hingewiesen und ersucht, für rege Beteiligung an den Sammlungen auf den ausgegebenen Listen Sorge zu tragen. Außerdem wurde mitgeteilt, daß i» der „Volks-Zcitung" Arbeiter n a ch D ä n c m a r k gesucht werden, und die Versammelten aufgefordert, dahin zu wirken, daß der Zuzug von Dänemark unter allen Umständen ferngehalten wird. Zum Schluß ersuchte der Vertrauensmann, die ausgegebenen Billets zur Urauia-Vorstcllung, die am 24. September stattfindet, baldigst abzurechnen. Eine Partclt'crsaininlilng für Lichtenberg- Fricdrichsbcrg tagte am Dienstag in Pantens Lokal. Der Referent K o tz k e be- sprach die Aufgaben der Parteikonferenz für die Provinz Branden« b»rg und des Parteitages zu Hannover. Er gab der Erwartung Ausdruck, daß die Neigung, mit bürgerlichen Parteien Kompromisse abzuschließen, in der Socialdemokratie keinen Boden finden werde, daß vielmehr unsere Partei auch ferner ihren eigenen Weg gehen werde, denn„der Starke ist am mächtigsten allein". sBeifall.) Zu einer Debatte über das Referat kam es nicht. Für dic Provinzial- koufcrcnz lvurde ein Antrag angenommen, ivelcher Ivüufcht, daß der „Märkische Landbote" in der ersten Hälfte des November heraus- gegeben werden möge. Als Delegierte zur Kreiskonferenz für Nieder« varnim wurden Kreil, Grauer und Welk gewählt. In«stralan tagte am 26. d. M. eine Versammlung, in der die Gemeindcvcrtreter Buck und Mütze Bericht erstatteten. Seit 1807 stieg der Etat von 51 00ch2ö M. auf 66 192,97 M. Gleichzeitig hiermit stieg die von der Gemeinde an den Kreis ab« zuführcude Krcisstcuer von 15 327,16 M. im Jahre 1897/98 auf 20 558,96 M. für das Jahr 1899/1900. Dic Gesamtkosten für den Straßenbau betragen 400 000 M., wovon Stralau 250 000 M. z» tragen hat.— Sodann erfolgte die Wahl der Delegierten zur Kreiskonferenz. ES wurden die Genossen Buck, Zander und K r u ni ni geivählt. Fricdrichsfcldc. Am 24. August tagte im Lokal des Herrn Bube der socialdemokratische Wahlverein für Friedrichsfelde und Umgegend. Das Referat hatte Genope K o tz k e übernommen, der in interessanter Weife über das Thema:„Der Kampf gegen das Unrecht" sprach. Eine Diskussion fand nicht statt. Unter Verschiedenem äußerten sich mehrere Redner sehr mißliebig über das Verhalten der hiesigen Schulvcrwaltung, die es zulasse, daß den Kindern Billets für ein Wohlthätigkcitskonzert zum Bau einer Kirche aufgedrängt werden. Aufgelöst wurde die am Montag in Pankow abgehaltene Parteivcrsammlung während der Ausführungen des konservativen Redners Herrn M a n g c l s d o r f. Genosse K o tz k e hatte über das Thema„Der Kampf gegen das Unrecht" referiert, worauf dann in der Diskussion der oben genannte Herr das Wort nahm, um in längeren Ausführnugen darzulegen, daß die Socialdemokratie in ihrer Agitation das Unrecht fördere und indirekt begünstige. Nach- dem der Referent unter Beifall der Versammlung die Angriffe Mangelsdorfs zurückgewiesen, meldete sich letzterer nochmals zum Wort. Während seiner Ausführungen wurde die Versammlung wegen Eintritt der Polizeistunde aufgelöst. Herr Mangelsdorf hat nun wohl eine kleine Ahnung von dem Unrecht, welches uns in hundert- fachcr Gestalt in Bezug auf das Versammlungsrecht usw. angeihan wird. Um Gelegenheit zur weiteren Diskussion über das Thema zu geben, wird die Fortsetzung der Versammlung bereits am Sonnabend, den 2. September, stattfinden. Wahlkreis Friedcberg-Rrnswalde. Sonntag, den 27. August, fand in Vordam-Driesen eine gut besuchte Parteiversammlung statt, in welcher die Genossen Stellung nahmen zur Provinzialkonferenz in Berlin und zum Parteitag in Hannover. Als Delegierter zur Provinzialkonferenz wurde Genosse Li e b r a n d t- Friedeberg ge- wählt. Das Mandat zum Parteitag wurde dem Genossen M i l l a r g mit übertragen und, wenn Genosse Millarg verhindert ist, einem Delegierten vom 4. Berliner Wahlkreise. Bcrband deutscher Barbiere, Friseure und Perrückeumacher- Gehilfen(Zweigverein Berlin). Donnerstag, abends Kp/j Uhr, bei Schiller, Rosenthalerstr. 57, Versammlung. Gäste willkommen. Central- Kranken- und Sterbekasse der Tischler und anderer gewerblicher Arbeiter. Die Ortsverwaltungen Berlins versammeln sich Freitag, den 1. September, abends Punkt Uhr, im Englischen Garten. Marmor- und Granitarbciter. Heute abend findet in der Alten Jakobstrafie 83 eine öffentliche Versammlung statt. Die Tarifkommission erstattet in derselben Bericht über den Verlaus der Verhandlungen mit den Fabrikanten. Wir machen die dabei interessierten Arbeiter besonders darauf aufmerksam. Vermifitzkes- Abstürze und kein Ende. Die Zahl der Unfälle in den Bergen ist um zwei weitere Fälle vermehrt worden. An der Parseierspitze sLechthnler Alpen) ist am 27. d. M. der„Augsb. Abendztg." zufolge ein führerloser Tonrist ans München abgestürzt und hcit mehrere Beinbrüche davongetragen. Der Verunglückte ist gegenwärtig in Pians bei Landeck geborgen. Und aus Bern wird berichtet, daß der achtzehnjährige Italiener Rossi am Jaman(Kanton Wandt) abgestürzt ist; er fiel von einer 30 Meter hohen Felsivand hinunter und wurde als Leiche aufgefunden.— Der am Schnee- grubcngrat im Riesengebirge verunglückte Tonrist ist der Apotheker Heiser ans Hirschberg. Heiser ist, ivie man der„Voss. Ztg." schreibt, am Sonntag beim Aufstieg durch die Schnee- gruben von deni die große und kleine Schncegrube trennenden Grate abgestürzt und schwer verletzt. Das Unglück ereignete sich um 4 Uhr nachmittags und erst um 9 Uhr konnte der Verletzte unter großen Anstrengungen im Grnbenhotcl geborgen werden.— Von der am Mangart abgestürzten Wiener Lehrerin Jobanna Stein berichten Wiener Blätter noch, daß sie versuchte, den äußerst gefährlichen, nicht markierten Weg von Ponca zu den Weißcnfelser Seen allein zu gehen. Wenige Stunden vor dem Unglück hatte sie in das Gedenkbuch einer Alpenhütte auf der Planica die Worte eingeschrieben:„Du Schicksals- lenker alles Lebenden, Dir gehör' ich an. Führ' nüch unversehrt nach Röthschach, ohne Mann." Im westliche» Teile der Provinz Hannover herrscht große Dürre, die unberechenbare» Schaden anrichtet. Die Zahl der Brände ist sehr groß und große Mengen an Vorräten sind vernichtet worden. Futtermangel wird die Signatur des Herbstes bilden und mancher Landwirt wird seinen Viehstand verkleinern müssen. Aus Miihrisch-Ostrau lvird berichtet: An der Stelle des im Jahre 1873 verstürztcn und aufgelassenen 200 Meter tiefen Antoni- Kunst-Wetterschachtes ist eine ungefähr den Schnchtdimensionen cnt- sprechende 12 Meter tiefe Oesfnnng in der Erde entstanden. Die Leffnung wurde sofort umzäunt und das Verstürzen eingeleitet. Nach den behördlichen Erhebungen liegt für die Stadt keine Gefahr vor. Die Rattcuplage in Kopenhngc» ist so groß geivorden, daß man Preise für die Tötung von Ratten aussetzen mußte. Bereits drei Wochen ist der große Krieg gegen dic Ratten geführt worden. In der ersten Woche wurden nach offiziellen Berichten 6094 Ratten getötet, in der zweiten 6616 und in der dritten 6780. Man hofft, unter den Ratten allmählich eine Sterblichkeitsziffcr von 10 000 in der Woche zu erreiche», und schlägt vor, die Antirattenbewegung auf das ganze Land auszudehnen. Die Frage der Vertilgung der Ratten ist in Dänemark zu einer Nationalfrage geworden. A«S dem züchtigen Albion. Das Kafferndorf in der Carls Court- Ausstellung in London ist mm definitiv den Frauen wegen der in der Oeffeutlichkeit unangenehm bemerkten Vertraulichteit zwischen den Engländerinnen und den Kaffern verschlossen worden. Damit dürfte dic Kaffcrnfrage in London, die viel Staub aufwirbelte, endlich einmal erledigt sein. Ein vorsichtiger Man». Aus Chikago wird berichtet: Der Millionär Hatfi cld übte unmittelbar vor seinem Tode mit einem Quartett von Sängern, das schon früher engagiert worden war, die Lcichcngcsänge ein. die bei seinem Begräbnis gesungen lvcrdcn sollten. Dann mußte der Geisttiche, dem schon früher das Honorar für seine Funktion beim Begräbnis ausbezahlt worden tvar, in Gegenwart des Sterbenden seine Leichenrede halten. Nachdem die Trauerceremonie in vollkommen zufriedenstellender Weise beendet war, schloß der Millionär seine Augen und starb. iilus New Hork lvird vom 28. August berichtet: Der Brand des St. A u n e n- C o n v e n t s auf Spahill bei New Uork hätte fast Hunderten armer Kinder und 85 Nonnen das Leben gekostet. Angeblich aus Rache angelegt, brach das Feuer plötzlich an vcr- schiedenen Stellen des Riesengebäudcs aus, daß alle Zugänge und Treppen von vornherein durch die Flammen und Rauch gesperrt waren. Die vierhundert Kinder wurden von den Nonnen alle i» dic sechste Etage kommandiert, eine eiserne Disciplin aufrecht erhalten, und die reihenweise aufmarschierten Mädchen von den Knaben auf und über die Dächer geleitet und so auf Leitern und an Stricken gerettet. Zwei Kinder starben vor Schreck, ein Mädchen verbrannte, ändere rettend, sechs Nonnen sprangen schiver verletzt ans den'Fcilftern, drei andere sind lebensgefährlich verwundet. Briefkasten der Redaktion. DI« juriftiktste Sprechstunde wird Ticustaas. Donnerstags»nd Freitags abends von K bis 8 Uhr abgehalten. A. R. 100. Sociakdeiiiokratische Stimmen wurden abgegeben in ab- gerundeten Ziffern: 1871.... 124000 1874.... 352000 1877.. 493 000 1878.... 437000 1881.... 312000 1884... 550 000 1887.... 763000 1890..:. 1427 000 1833.... 1787 000 1898.... 2107000 Von je 190 abgegebenen gültigen Stimmen sielen aus socialdemokratische Kandidaten: 1871..... 2,91 1874..... 6,76 1877..... 9,13 1878..... 7,59 1881..... 6,12 1884..... 9,71 1887..... 10,12 1890.... 19,75 1893... 23,21 1898..... 27,23 M. L. Wollen Sie die Warzen, die übrigens bald von selber verschwinden, gewaltsam beseitigen, so ist die sicherste Kur das Messer. Sind sehr viele dieser Schönheitsfehler vorhanden, so wenden Sie sich an einen Arzt. A. F. Was vermittelst Unterschrift bestellt ist, muß auch genommen werden. F., Tnrmstr. Millingen ist ein Dors im Negierungs bezirk Düsseldors, Kreis- und Amtsgericht Rees. Z. L. 90. 1. Die auf Abzahlung von der Braut gekauften Sachen gehören bis zur völligen Abzahlung dem Berkäuser, von da an ihr. In. Wie stelle ich das Eigentum meiner Frau am besten sicher? Der einfachste Weg zur Sicherstelluug des Vermögens der Ehefrau ist der, daß vor der Heirat die Brautleute das Vermögen der Braut aufzeichnen und dann mit dem Vermögensverzeichuis sich zum Amts-' gericht begeben. Dort erklären dann beide zu gerickitlichem Protokoll, daß sie die Ehe mit einander eingehen wollen, ferner erklärt der Bräutigam: Ich anerkenne, daß das in deni überreichten Verzeichnis Aufnotierte Eigen- tum meiner Braut ist und verzichte auf mein ehemännlichcs Nießbrauchs- und Bcrwaltungsrecht. Dieser Vertrag erleichtert bei etwaige» Jnter- ventionen sehr dm Eigentumsbeweis. Ist der beschriebene Weg vor der Heirat verabsäumt oder will der Ehemann Vermögen auf seine Ehefrau übertragen, so können sich auch nach geschlossener Ehe die Eheleute auf das Amtsgericht begeben und dort einen Vertrag verlautbare». In diesem Bertrag erklärt der Ehemann etwa: ich anerkenue, daß die in dem überreichten Verzeichnis unter 1—10 aufgeführten Gegenstände zum eingebrachteu Vermöge» meiner Ehefrau gehören, schenke ihr die unter 11—15 aufgcsiihrtcii Gegenstände und verzichte auf mein ehcrechtliches Nießbrauchs- und VerwaltungSrecht. Die Ehefrau erklärt etwa: die von meinem Ehemann in diesem Vertrag erklärten Anerkenntnisse, Verzichte und Schenkungen nehme ich an. Solcher Vertrag wirkt nur gegenüber künftigen Gläubigem und tritt erst zwei Jahre nach seinem Abschluß voll in Wirksamkeit. 2. Die Kosten hängen von der Höhe des Objekts ab. 3. Nein, sie muß das richtige Sachverhältnis darlegen. Das gesamte Aktivum(Kleider, Möbel, Geld usw.) ist aufzuschreiben.— C. L. 70. Wiederholen Sie Ihre Anfrage oder sprechen Sie in der Sprechstunde vor.— N. B. 21. I.Ja. 2. Ja: Der Anspruch richtet sich nicht gegen den Verein, sondern gegen den Besteller. 3. Ja.— Bernau 100. 1. Solche Entscheidung besteht nicht. 2. Haag heißt Gehege. Es war ursprünglich das Gehege, de Haag, keine Stadt. — Preetz. Ja.— A. H., Schliemannstr. Der Mictsvcrtrag dauert weiter, auch wenn das Haus verkaust wird. Nur im Falle einer Sub- hastation(Zwangsversteigerung) steht dem neuen Erwerber ein vorzeitiges Kündigungsrecht zu.— H. K. Ja, es ist aber zu raten, erst aus Auf- Hebung des Vertrages zu klagen und erst nach Erlaß des Urteils zu ziehe». Marktpreise von Berlin aui 29. August 1899 nach Ermiiteluiigen des lgl. Polizeipräsidiums. D.-Ctr. ")Wcizcn »)Nvggc» FuUer-Gcrste„ Hai» gut „ mittel „ gering Nichlslroh ve» si)Erbscii. 1)Sveisebohue»„ ■HLiiiien„ Kartoffeln, nciic Rindfleisch, Keule 1 tzo; dv. Bauch„ ) EnnitkU pro 15,70 14,80 13,30 15,60 14,90 14,30 4,16 6,20 40- 50,— 70- 8,- 1,60 1,20 Tonne chweineslcisch Kalbfleisch Hammelfleisch Butter Eier Karpfen Aale Zander Hechte Barsche Schleie Bleie Krebse 1kg 60 Stück 1kg per Schock 1,60 1,60 1,60 2,60 4, 2,40 2,80 2,60 2,40 1,80 2,50 1,40 12,- 1- ],- 1,- 2,- 2,20 1,20 1,20 1,20 1,20 0,80 1,20 0,80 2,— 14,70 13,90 12,80 15,— 14,40 13,80 3,82 4,- 25,- 25,- 30,— 4,- 1,20 1,- uoii der Cenlralflelle der Prenß. Landlvirt- schaftskammem— Noliernngsstelle— und umgerechnet vom Polizeipräsidium siir den Doppel-Ccutner. f) Kleinhandelspreise. Produkten markt vom 30. August. Weizen schließt sinn V« M., Roggen gegen Vz M. niedriger. Hafer in Locoware gefragt. Mais be- hauplct. Riiböl miverändert. Festere Haltmig zeichnete den Spiritus- m a r k t nach der gestrigen Baisse aus und wurden die angebotenen 25 000 Liter 70cr Locoware mit 43,40 M.(+ 0,30 M I leicht begeben. Ter- Mine zogen um 70 Pf. an, September notierte 47,50 M. Kartosfelfabrikate. Berlin, 30. August., Prima trockene Kartoffelstärke per 100 Kg. 18,90-19,00 M., do. Supra 19,50 M., do. Sekunda 13—16 M. Prima Kartoffelmehl per 100 Kg. 19,00 bis 19,10 M., do. Supra 19,50— 19,75 M, do. Sekunda 13,50—16,50 M. Städtischer S ch l a ch t u i e h m a r l t vom 30. August 1899. Zum Verkauf standen: 374 stiinder, 1965 Kälber, 1102 Schafe, 8826 Schweine. Bezahlt sür 100 Pfund Schlochtgcwichi: Ochsen: a.) voll- fleischige, ausgemästete, höchsten Schlnchiwcitcs, höchstens 7 Jahre alt 00— 00, b) junge fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 00— 00, c) mäßig genährte junge und gut genährte ältere 00—00, 6) gering genährte jeden Alters 00—00.— Bullen: a) vollfleischige höchsten Schlachtwertcs 00—00, b) mäßig genährte jüngere nnd gut genährte ältere 00- 00, o) gering genährte 47—52.— Färsen und Kühe: a) vollfleischige, ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwerts--, b) voll- fleischige, ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwerles bis zu 7 Jahren 00—00, e) ältere ausgemästete Kühe und weniger gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen 00—00, ü) mäßig genährte Kühe und Färsen 00—00, e) gering genährte Kühe und Färsen 45—47.— Kälber: a) feinste Mastkälber(Vollmilchmast) nnd beste Saugkälber 68— 70, b) mittlere Mastkälber und gute Saugkälber 64—66, o) geringe Saugkälber 60—63, d) ältere, gering genährte Kälber(Fresser) 40—43.— Schafe: a) Mastlämmer und jüngere Mnsthammcl 64—66, b) ältere Masthammel 59—63, o) mäßig genährte Hammel und Schafe(Mcrzschase) 50—57, 6) Holstciner Niedenings- lchafe(Lebendgewicht) 26—32.— Schweine: a) voklfleischige, der feineren Rassen und deren Kreuzungen im Alter bis zu!>/« Jahren 50, b) Käser 49, c) fleischige 48—49, d) gering entwickelte 46—47; e) Sauen 43—45. Verlauf und Tendenz. Vom Rinderauftriebc blieben ungefähr 60 Stück uuverkalift. Der Kälberhandcl gestaltete sich ruhig, schwere Ware war ver- nachlälffgt. Bei den Schafen fand etwa die Hälfte des Austriebes Käufer. Der Schwciiicmarkt verlief ruhig und wird voraussichtlich geräumt. ZvttteriingSiibcrsicht Vorn 30. Zliignst 1890, morgens 8 Uhr. Wetter-Prognose für Donnerstag, de» Zt. Sliigust 1899. Zunächst etwas wäimcr, vorherrschend wollig, mit leichten Regen- fällen und mäßigen westlichen Winden; nachher etwas kühler. Berliner W e t t e r b u r e a u. S) Montagabend, den 28. August, starb nach langem, schwerem Krankenlager meine inniggeliebte Frau Auguste Krude geb. l'etoi-. Um stilles Beileid bittet Der trauernde Gatte nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Freitag, nachmittags 5 Uhr, von der Halle des Friedhofs der freireligiösen Ge- meinde aus statt. Wilhelm Grnbe, Schankwirt, 24958] IMarianncnstr. 31/32. lMtral-Kranken- uni> Begräbiliskasse der Sattler und Bernfsgenoffcn Deutschlands „Hoffnung", E. H. 64. Am 28. d. M. starb unser Mitglied F'enliinsiidl Jonas Im Alter von 50 Jahren an der Proletarierkrankheit. 2283b Die Beerdigung findet am Freitag, den 1. September, nachmittags 5 Uhr, von der Müllerstr. 1 nach dem Dankes- kirchhof(Blankestraße) statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. Verein socialdeiilokratislher Cast- nii!> Slhiliikmrte Berlins nnd der Umgegend. Am Montagabend, den 28. August, starb nach dreijährigem Krankenlager die Frau unseres Mitgliedes, Kollegen Wilhelm Grube. .4»g:u«,te Grube geb. Peter. Die Beerdigung findet am Freitag, den 1. September, nachmittags 5 Uhr, von der Halle des freireligiösen Fried- hoss aus statt. Uni zahlreiche Beteiligung ersucht 69/16__ Der Borstand. Bilbner's Fest-Säle, ChauHBecntr. 118, stehen Vereinen und Gewerkschaften jederzeit zur Verfügung. Auch sind noch einige Sonnabende frei. 228gb Hirtes Feftsäle. Enipfehle den Vereinen meine» renovierten Saal und Nebenräume sür Sonnabend und Sonntag zu Festlichkeiten. Auch sind Vereins- zimmer sowie 2 Kegelbahnen zu ver- geben. 2069b EllaahetUrlrohstr. 14. Fiir den Inhalt der Inserate iivcriiimmt die Redaktion dein Pnbliknm gegenüber keinerlei Ttcrantllioriniig. Dlzrnkeu. Donnerstag, 31. August. Tchanstiiclhans. JuliuS Caclar. Anfang 71/2 Mir. Nene» Opern- Theater kKrost). DieFlcdcnnana. Anfang 71/2 iihr� Lessing. GroKmaiua. Anfang 7>/, Uhr. Neues. Kiwito. Anfang 7l/z vhr. Residenz. Der Schlafwagen- Con- trolcnr. Vorher: Zum Einsiedler. Anfang 1ll, Uhr. Westen. Der Äiilado. Ans. 7-/2 Uhr. Schiller. Iphigenie auf Tanris. Anfang 7-/, Uhr. Zentral. Der HeiratSmartt. Anfang t> Uhr. Friedrich- WilhclmstndtischcS. Gcrminal oder: Der Streik der Bergarbeiter. Anfang 8 Uhr. Ostend. Die Kubanerin. Anfang 3 Uhr. Lnisc». Glhkcrlon. Sierauf: Der Kamnierlater. Anfang 8 Uhr. Mctropol. Geschlossen. Bellc-Alliniice. Spceialitätcn-Vor- stcllnng. Anfang V'« Uhr. Apollo. Frau Lima. Spccialitäten- Vorstellung. Anfang 8 Uhr. Reicheha.'lr». Stcltiiicr Sanger. Ansang 8 Uhr. Vassage> Paiiopliknin. Speciali- liilrn-Vorstclliing. Urania. Nnpaltdenslr..'»7/«». Säglich abends non ü-10 Uhr: Slcrnivarte. Ta»beiiftr.48/4S. Im Theater DaS Land der Fjorde. Anfang 8 Uhr. Tchilltl'-Thtlittt «Wallner- Thealer). Donnerstag, abends 8 Uhr. Wicder-Eröffnuug der Schauspiel-' Sanon. Zur Gocthe-Fpicr: Il'kisxcniv Schauspiel in ö Aufz. von W. Goethe. Borher: Ouvertüre zu Iphigenie in Aull» von Gluck, niit deni Schlnh von Richard Wagner. Orchester der Morwitz-Oper. Dirigent Herr Kapellmeister In!. Prliwer. Freitag, abciidS 8 Uhr: Iphigenie auf Tani ls. Sonnabend, ab e n dS 8 Uh r: Iphigenie auf Tanris Wlil-w'l ifiFSrnlcF. Gf. Fraiiksurlersliaste litt. Nur noch kurze Zeit. Die 5?ttba»tcr!tt. Anfang 8 Uhr. BorzugSdilletS haben Gültigkeit. : Lpec:!sNtätvn-Vor»io!!ung. __ Anfang 5Va Ufty. Thalia- Theater. TrcSdcncrftr. 78—73, Tolephon: Amt IVa Ko. 6440. Elöffllllllgg-WrAtlillllg flüt 9. Septmbtr. Novität! Der Novität! Platzmajor. Gesangsposse i» 3 Akten von Jean Kren und Alfred Schänfeld. Musik von Gustav W a n d a. Hauptrollen: llm» Thomas, Guido Thislscher, Fritz Helmcrdlnfl, Hans Junkermann, Gerda V/alde, Margarethe Arasep. Hefte Aiisstattimg.�6 Bor der Vorstellung: Konzert der Wier-Kopelle l ini Tunnel. k!I!Iet-k!astr.IIungon ini Thealerbuicau. Aeiropol-rdvAier. Lehrenstr. SZ S7. Von Montag, 27. bis jnki. Donnerstag, den 31. August geschlossen. Freitag, de� 1. September 189»: Eröffnung vcr Winter- Saison. »Inne I'lei'«)' vom sTlisAtre lolioz ckramatiguos �in Paris in ihrer Origiualscene: Ein Tag ans dem Leben einer Pariser«jinftlerin. �llee»onhenn, Opcrettcnsoubr. von der IjouKan �arisienns. k.llle. vleteele, Lliantonse osom- rnonse v. DHölllro Varroto tu PariS. stklie G DalnefT», ikarifchc Spiele von Damen. Ikll«», litt«, Trapczlünstlerin. l'Ieiri'z!k«'.vltu,iiI.D,-ni>pe, _ französische» Tanzterzett. SV"»m 8>,'j Uhr: � V V v l i n X a rft; f! Revue von InllnS Freund, A�ustk von I. Einödsbofer, mit dem Z'eex�e-jknliett. �ehineil Ivfnliim.'l'z'nppe, Turner und Springer. Vhe Rttmblci*. Jonglenr-Scene tm Pariser Restaurant. Hcctor unil lißaraiiie, musikalische ExccntrigncS. Miss Jaiulera, DraHtscilllinstlerin. An fang 71/2» Ii r. Daö Rauchen ist in samt-! lichen Räumen gestattet. Victoniis»'n,eatei' C. Alcxanderstr. 40. Ferniv. VII 1711. Direkt.: V. Bai'sennscinu.C.Emmerlch. Eröffnungsvorstellung am U. Scptcmb. Ansang t/28 Uhr. Zum 1. Mal mit vollständig neuer Ausstattung: Nsvilät! vle eveisss tlonne. Novität! Vandcville in 3 Alten von Hennequin und MatS. Deutsch v. Bolten-Bäckcr». Musik v. V. Roger. In Paris mit sensat. Erfolge tlbcr ovo Mal gegeben. CeilkraX TXzratev Direktion: Jose Ferenczy. Lustspiel-Ensemble(Frl.MIIIy Krause vom lgl. SchaufpiekhauL, Herr Gtto Falilau vom Schiller- �.heatcr, Herr »loh. Ervald vom Thalia-Theater als Gäste.) Der Hciratsmarkt. Schwank in 3?lkten v. G. Okonkowski. Anfang 8 Uhr. Morgen und folgende Tage: Die- selbe Vorstellung. zriedngz-Willitlinst.Thellter Ghausseestr. 25 26. Abends 8 Uhr: Zum 26. Male: Gcrininal oder: Der Streik der Bergarbeiter. cnsationSslück iii 6 Aufzügen nach dem gleichnamigen Roman v.Emilc Zola. Regie: Leonh.Ottomeher. 1. Bild: In Not nnd Elend. 2. Bild: er Schwur. 3. Biid: Beim Berg- N'crkSdirektor. 4. Biid: Brot! Brot! Brot! ä. Bild: Am Rande des Ab- grnndcs. K.Bild: Der Zusammensturz. Im FrledHch-IVilhelmst. Konzertpark: E-ros-e SchöuhcitS-Lionkiirrenz. Die schönste Dame wird prämiirt und erhält als Geschenk eine goldene Damennhr. Lloorgette mit ihren drei Liebhabern. Pariser B u r l c S k e- P a n t 0 m i m e. DaS Rätsel des III. Jahrhunderts: llnherto Vlncento.— Mist Darnctt, -aloii-AtHletin, hebt u. a. ein Piano mit dem Pianisten.— Engen Milardo, der auiüiaute Karikatenr. Außerdem 20 Svecialitäten. _ Criitrcc 30 Pf._ Palast-Theater £SF- früher-TfffJ Feen- J'nlnst. Biirgsiraste 22. Direktion: Winkler und Fröbel. Snnnabcnd. Ä. Septciithei": Eröffnung M der durchweg wunderbar renovierten Rititil-Pl'uUrliiiMt. Neu! Zum I. Male: Neu! Sprrs�Uoktchrn l Große Original- Nusstattuiigö-Poffe. <»e«sses s7278L� !>»l»eeialltAten- i'rogranitn. Vom Besten das Beste! Nach der Verstellung:'Fan/:. fg" Besucher der Vorstellung: Frei-Tanz. Billet-Vorverlauf vorm. v. 11—1 Uhr. Uraiiiii Tanbcnstrasse 4.8/4(1. Ilm S Uhr; Im Theater: Das Land der Fjorde. Invalidcnstr. 57/02: Sternwarte. Nachmittags 5—10 Uhr. Passage-Panopticum Geöffnet von 9 Uhr früh bis 10 Uhr abcndS. ?ten: Xen! Das urkomische Büßkeburger Bauern- Ensemble. Anfang der Vorstellung 6 Uhr abends. I'ai'teiggiilnzsn Ksklinz! Sikkstlig. dk» 5. Skptmder. abends 8 M: K UM. Verzammlunge» der Apollo-IliBatei'. FraulLtiiia mit dem Luftballett„Crigolatis". Ausstattunprs-Operctte v. Boitcn- Baeckers. Musik von Paul Lincke. «Otto Bentter« usw. usw. usw. Garten-Konzert 7 Uhr. Anfang der Vorstellung 8 Uhr. Vorverkauf täglich ira Theater nnd beim„Künstlordank", Unter den | Linden 69. Freitag', den 1. September Erölfnuny derWhiter-Saison 13 sensationelle Debüts. CASTANS PAN0PTICÜ1 öle scnsationcllcii iefesnden'�c Photographien 1 in Lebensgrösse. Die russische Damenkapelle ,,1 in moskowltischen Kostümen. Viele neue plastische Ornppcn unt ,Mignon" en Kosl plusti td Fign Pra ter-Tlieater Kastanien-Allee 7/9. Täglich: Iloi-ns l?esi. BollSstück mit Gesang it. Tanz v. Hugo Schulz, Musik von N. Kcrstcn. Kostümsoubrelte Frälil. lüde Karow. Ecbr. Mllarcko, Grot. Duett. Tauma-guartett, Gesaug und Tanz. Die 3 Schönbrunns, Humorist iichcs Bilderbuch. The4Flashes. ExccntricS. Ballcttgestllschaft Döring. Vendaro-Trlo, Excrcitien am Hand- Trapez. Daniel- Truppe, Pantomime. DM- Konzert lind Bali. Eintritt Sonntags nnd wochentags l!ll Pf., nn»i.>- Platz 51» Ps. Kalbo. Victoria-Brauerei Llipoivstraffc 111/112. Im A'atnrgartcn oder Snal: Tägiicli Humoristische Soiree der telteiilseZzsn Sänger (Fuhrmann, : Horst, Walde). Ans. Sonnlags präc. 7, wochen- togs 8 Uhr. Entrec»0 Pf. Vorverk. 10 Pf. FamilienbilleiS Ii- I M. Sviintag und Tvnucrstag nach der Borstellung: Tu nr.krftnzcheu. Sanssoii<*i Kottbnserstr. 4 a. 'Jtff- Täglich außer Sonnabends: ÜttKMBNllS Norddeutsche Sänger Anfang wochentags 8 Uhr. Entrec (Borverkaus) 30 n.»0 Ps. Sonntags 7 Uhr. Eulree cO u. 75 Pf. Donnerstag und Sonntag nach der Soiree: Danz-l�rllnicehen Fi. Bailschmleders „Kastauienwälflclien" SDiijcctprtcii it. PrMtsiile Badstr.ie. Gesundbrunnen. Badatr. 16. Täglich: Gr. Proineunde»- Konzert. Jeden Donnerstag: Elit e- S tr c i ch-Konzert. onntags: Groszcr Ball ini NlNterbclilteu Saal. Empfehle meine Säle zu allen Fest- lichkeiten. li. Ba!lscbniieder. Alcaza?;-Theater Variete I. Hanges Dresdenerstr. 52-53. Annenstr. 42-43. Die Eröffnung der Wiuter-Saison findet am Sonnabend, den 2. September er. mit einem auS erstklassige» Special: tüten und Kliiistkriiftcii bestehenden reichhaltigen und überraschenden Pro- gramm statt. Anfang 8 Uhr. 23682*1 Die Direktion! Richard Winkler. Osibalm-Park lf ermann Imbs 71 RüdcrSdorfcr Straste 71, a m K Ii st r i ii c r Pia tz. Täglich: ki«n-!ert, ll-eater nnd Specialitnteii-Borstcllinig. 8ur erstklassige Nummern. Anfang: Sonntags 4 Uhr. Crutrce-lOPf, Kinder 10 Pf. Sperrsitz Nachzahl. 20 Pf. Anfang: Wochent. 5 Uhr. Entree 10 Pf. Kinder 10 Pf. Sperrsitz Nachzahl. 10 Pf. Jeden Dienstag: h'nrddentsehe 8ii.»ger. Horm an» Imbs,'Direrlar. W. Hoacks Tlieater, Brnunenstraßo 16. Täglich: Theater- u. Specialitäteii Borstetlnng. Ein lnkiger Streich. Poffe mit Gesang in 1 All von Braune. Neu! � /en! Berliner Leben. Burleske mitGcsang und Tanz in 1 Akt von W. Gericke. Mtisti von Sdnmbt, Im Saale: Tanzkränzchen. rm Parteigenossen nnd Genossinnen. Feuersteins oberer Saal, Alle Mobslr. 75. Friedrichs tä fit. Kasino, Fl'ieilriellSlr. 2SS. Arnaiuhallen, Kommandaiilenslrasse 20. Stecherts Festsäle, Ändreasstrasse 21. s cli welzergar ten, Ära Friedrieiisliaia. Kösliiser Mof, Köslinerslrasse 8. Tages-Ordnung: bevorstehende Konferenz für die Provinz Brandenbnrg. Wahl von Delegierten. 2. Der Parteitag in Hannover. Wahl von Delegierten zu demselben. Um zahlreichen Besuch der Parteigenossen ersuchen Die DerkvAuenslvnte. mmmmmmmmmmmmmamt Wahlkreis und Reinickendorf! Sonntag, den z. September er.: Ldssaiis-Fei©!» arrangiert von den Cocilildtmoirnttil des 6. Berliner Wahlkreises imii ReiMiliittk in folgenden Lokalen: Mierkes Gesellschaftshaus, Schönhauser Allee 101/102. Jägerhaus, Schönhauser Allee 103/101. Zimmermanns Klubhaus, Badstr. 58. Maricnbad, Badstr. 35/36. Wirtshaus am Brocke«(Neinickendorf-West), Tegeler Chaussee(am Chausscehaus). Moabiter Gesellschaftshans(Peters), Alt-Moabit 80/81. Konzerl.- Gesangs-Auffülirungen.- Yorlräge.- Lcbentle Bilder. Turnerische Auffülirungen.- Volks- u. Kinderbelustiguugen aller Art. ESSSSaKS Alles Nähere die Programms. MtzlSSffBl 220/1 Die Kassecluchc steht den geehrten Damen von nachmittags 2 Uhr zur Verfügung. Ansang des Konzerts 4 Uhr.— Billets 20 Pf.— In den Sälen: Tanz. Herren, welche daran teilnehme», zahlen 50 Ps. nach. Um recht zahlreichen Besuch aller Genoffen und Genossinnen bitten, da wir dieses Das Komitee. H.fGrupes Tanz-Institut, Ann enstr. I«(früher Klubhaus). Soimtags-Kurius per Monat 3 M., Dicustagabend-Kursus p. Monat 4M. Säle und Vereinszimmer für Ber- sammlnngen u. Festlichkeiten. f2327L Jahr das Fest besonders ausgestaltet habe» Max Kliems Sommer-Theater Unscnhelde 14-15. Artistische Leitung: Paul Milbitz. � Wilh: Grones Earteil-Kgnzert. Auftreten des gesamte» Schauspiel-». Svecialitäten-PersvualS. MP- Nur erstklassige Kräfte. Georg Fischer(Liedersänger), Emst Kühne(Charatter-Komiker), FrNzI Verr» Soubrette), Gharles Gllton(Eqinlibrist), The original Becars »Ile. Marguerite mit ihren Rassetauben, Les Flganos (Jnstrumentalisten). DM- Xeno» grediegene« Familien- Prograinni.-YW KntreO: Wochentags 20 Pf.| Fntrcc: Sonntags 25 Pf. Numerierter Platz 40 Pf j Numerierter Platz 50 Pf. Ankang des Konzerts täglich 4 Uhr. Anfang der Vorstellung 6 Uhr. —~ Grosser Ball. (Kostüm ( Musikalischer Alt), J» den Festsälen: Die Kasseeltiche ist geöffnet llax ivllem. Schmeizer-Garten Zlm ÄöiiigötHor(istingbahii) Am FriedrichShai». Aglich: Theater- uakl Zpecialltäteu-Zlorstellultg. Jeden Mittwoch: Geoffes nnd Nindevfest •-«ins neuen K linRtlcr-EnHcmblc«. Novität. Auftreten des"fuen Jeden Abend von Idee 10-11 Uhr: ruouni. Novität thber-Bonze von Kiantsclion. Ansstattungs-BurleSle mit Gesang in 3 Bildern von I. Eiöner.— Musik von'Max Schmidt. Volksbclustigimgen aller Art. Im Saale: IBcSBß. Tanz-Institut Hübner, Chnnssee- Strasse 113, I. Im Dezember beginnen meine Winter- Tanzkurse. Frühzeittge Anmcldüngen erbeten. 22g0b W. üsacks Festsäle, Urnnncnstr. 10. Empfehle meine neu renovierten Säle Vereinen und Gewcrlfchasten unter coulantesten Bedingungen. Auch sind noch abende frei. einige Somi- 2073b Maehrs Theater Oi-anienstr. 24. Freitag, den 1. September 180!): Grosse Eröffnungs-¥orste!!ung: Der Herzv erfuhr er. Operette v. Leopold Elh. Gpcciaiitätc». Anfang st llhr. Preise gewöhnlich. lkinpfehle allen Freunden». Bekannten hinein IVelss-, Itn�i-Isehblei-» und ge. Kpelsegesebiitt. Reichhaltiges Frühstück von 30 Pf., Mittag mit Bier 50 Ps. sowie Abendtisch ä la cnrlo von 30 Pf. an. 2 BereiiiSzimmer mit Klavier für 20—50 Personen.* H. Stramm, Rest.Ritrerslr. 123 Mi Wmz T � KLSliner Hof Köslinerstrasse 8. Empfehle meine 2 Säle, 2 Kegelbahnen, 1 Vereins- zimmer an Vereine und Ge- iellschaften zum Abhalten von Konzerten und Tanzlranzchen. kriU stollmAi 2288L«! Restauratenr. 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Lehrbuch 4 lklark. Diese sind spätestens bis Ende des ersten Pionars zu entrichten. Die erste Slundc ist unentgeltlich.— Um gütigen Zuspruch bittet Der Vorstand. Großer Möbelverkonf In meinem großen Möbelipeicher, 9!ene Köuigftr.»ik, sollen viele Einrichtungen verliehen gewesener und neuer Möbel billig verkauft werden. Teilzahlung unter den coulantesten Bedingungen gestattet, Beamten ohne Anzahlung. Ganz besonders zu empfehlen ist der große Vorrat verliehen gewesener und gebrauchter Möbel, die wie neu sind und billig abgegeben werden. Braut- lcute, welche eine dauerhafte nnd billige Einrichtung kaufen wollen, bitte ich, ohne jeden Kaiiszwong mein kollossaleS Lager vor Einkauf zu bc- sichtigen. Verlangen Sie mein Muster- buch gratis und sranco. Durch größere Maffcn-Einkämc und Ersparung der teuren Ladenmiete bin ich im stände, hübsche und geschmackvolle Wohuungz, Einrichtungen für 100, 200, 300 bi? 400, hochelegante von->00— ov00 Mark zu liefern. 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Ktllage des„Dmärls" KMer Polksbllltt. 8l. A«s..? l8ss. 4K. kellerllslicrDlliilllllg hcr Katholiken DeiitschlaM. N e i s s e, den 2g. August. In der heute bormittng eröffneten zweiten geschlossenen Generalversammlung befürwortete der Jejuitenpater Nix-.Paris die Annahme folgender Erklärung: Die Generalversammlung dankt Er. Heiligkeit Papst Leo XIII. für die große Wohlthat, welche er allen erwiesen hat, indem er durch seine Enchllika vom 25. d. M. die Katholiken aufforderte, durch die gemeinsame Weihe des Menschengeschlechtes an das göttliche Herz Jesu die königliche Herrschast Jesu Christi über die Menschen von neuem allgemein anzuerkennen und zu fördern. In weiterer Durchführung dieser Aufforderung und Weihe und aus Liebe und Dankbarkeit bei jder Wende des Jahrhunderts zum göttlichen Herzen Jesu mpfiehlt die Generalversammlung den Katholiken: 1. Immer mehr mündlich oder schriftlich, mittelbar oder un- mittelbar die Ucberzeugung und das Bekenntnis zu befestigen und zu verbreiten, ») daß für das Wohl eineS jeden Einzelnen, so auch für das Glück der Familie, für das Wohlergehen des Staates, für den wahren Frieden unter den Völkern ein immer engerer Anschluß an Christus anzustreben ist; d) daß ohne diesen wahren Anschluß an Christus nichts daucr- Haft Gutes weder für das Wohl der Einzelnen, noch für das Glück und den Frieden der Völker und die Rettung der menschlichen Gesellschaft erwartet werden kann." Das Wort des hl. Geistes ist unfehlbar:»Christus ist der Eckstein und in keinem anderen ist Heil zu finden." Apostelg. IV. 11. 12. 2. AIS besonders heutzutage wirksames Mittel zur Förderung dieses Anschlusses die von der höchsten kirchlichen Autorität allen so sehr und so häufig empfohlene Verehrung und An- dacht zum Herzen Jesu je nach ihrer Stellung und ihren Kräften immer mehr bei sich, in ihren Familien und sonst wo möglich zu fördern. K. Mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln das heutige. Streben überall zu bekämpfen, Christus, seine Lehre, sein Gesetz aus der Familie, aus der Schule, aus dem Staate und der menschlichen Gesellschaft zu verdrängen, ein Streben, das zum Ziele hat, die Menschen immer schneller zum Abfall vom christlichen Glauben und von Gott selbst zu verführen." Dieser Antrag gelangte ohne Besprechung einstimmig zur An- nähme. Abg. Stiftsrat Horn(Nciffc) begründete folgenden Antrag: „Die Generalversammlung enipfiehlt anläßlich der Halb- hundertlahrfeier der Gründung der l a t h o l i f ch e n G e s e l l e n- vereine, denen!pccicll durch die Handiverkcr-Gesetzgebuna der letzten Zeit neuere Wirkungskreise erschlossen sind, a) diesen Vereinen eine erhöhte Aufmerksamkeit zu widmen und dieselben thatkräftigst zu unterstützen, und b) überall da, wo es irgend angängig erscheint, durch Grün- dung von Fachabteilungen innerhalb der Vereine dem berechtigten Streben nach fachlicher Vervollkommnung der einzelnen Mitglieder cutgcgeu zu kommen und wo dieses nicht vorhanden, dasselbe niöglichst zu wecken." Der Antrag gelangte einstimmig zur Annahme. LegasionSrat a. D. v. K e h I e r- Berlin befürwortete folgende Erklärung: „Die Generalversammlung bedauert, daß der Staat fast ausschließlich an Sonntagen billige Sonderzüge veranstaltet und Rückfahrtkarten zum einfachen Preise ausgicbr und dadurch die Entheiligung des Sonntags befördert und unterstützt. Sie beantragt, entweder den Eisenvahntarif überhaupt herabzusetzen oder wenigstens an einem bestimmten Wochentage dieselben Ler- günstigungcn zu geivährcn." Die Generalversammlung stimmte diesem Antrage einstimmig zu. Auf Befürwortung des Prälaten N a ck e- Paderborn gelangte folgender Antrag zur'Annahme: »Die Generalversammlung empfiehlt, im Hinblick auf die immer weiter greifenden Verheerungen des Alkohols in körper- sicher, geistiger und sittlicher Beziehung, die Mäßigkcitsbestrebuugcii des Charitasverbandcs des katholischen Deutschlands aufs ange- legentlichste, insbesondere Mäßigkeitsvereine, wie sie bereits in West- und Süddeutschland bestehen, auch in Mittel- und Ostdeutschland ins Leben zu rufen." Auf Antrag des Paters Nix(Paris) wurde folgender Antrag aitgcnoinnien: „Die bevorstehende Weltausstellung in Paris verlockt bereits viele junge und ältere Arbeiter aus Deutschland, jetzt in Paris Arbeit und Unterhalt zu suchen. Fast alle mußten, weil Arbeitskräfte für die Arbeiten der Ausstellung in übergroßer Zahl schon vorhanden sind, unter bedeutenden Opfern wieder heimkehren, wenn sie nicht in großes leibliches und geistiges Elend ge- raten wollten. Mit Rücksicht auf diese große Gefahr warnt die Generalversammlung die katholischen deutschen Arbeiter und mahnt zu großer Vorsicht.— Sie empfiehlt wiederum den Katholiken beiderlei Geschlechts, doch nicht in die ausländischen Großstädte zu ziehen, um Arbeit zu suchen, ohne vorher genügende Aussicht auf Anstellung zu haben." Auf Antrag des General-Sekretärs Dr. Psi e p e r(M.-GIadbach( wurde beschlossen: »Die Generalversammlung empfiehlt besonders in allen größeren Städten die Errichtung von öffentlichen Lesehalle n." Im weiteren gelangte ein Antrag zur Annahme, in dem die Sonntagsruhe, bezw. Sonntagsseier für Beamte der Verkehrs anstalteu sowohl im Reichsheere als auch in der Marine gefordert wird. Es gelangten noch folgende Erklärungen zur Annahme: „a) Die Generalversammlung hält ein eingehendes Studium and eine gründliche Behandlung der socialen Frage seitens der verschiedenen Kreise heule mehr als je für dringend notwendig; dieselbe empfiehlt daher auf das nachdrücklichste: t. baß die socialen Vereine, verzüglich die Arbeite»- und Hand- werker-Vereine, die sachgemäße Behandlung dieser Fragen zum Hauptgegenstand der Borträge in ihren Vereins-Ver- sammlungen machen. 2. daß einzelne Arbeiter und Handwerker in DiskutierllubS oder ähnlichen Einrichtungen iu dieser Frage gründlicher geschult werden. 3. daß die gebildeten Stände in lokalen, regelmäßig stattfinden- den Konserenzen sich mit diesen Fragen beschäftigen. 4. daß öffentliche, sociale Verträge,.womöglich nach bestimmtem Plane, von Zeit zu Zeit besonders in größeren Städten und lebhafteren Jndustriegcgendcn abgehalten werden. b. daß die katholische Jugend aller Stände zum Zwecke späterer Bethätigung im Leben sich ernstlich mit dem planmäßigen Studium dieser Frage beschäftige. d) Die Generalversammlung empfiehlt dringcndst unermüdliche Fürsorge für jugendliche Arbeiter und Handwerker, sowie die Gründung von Lehrlings- und jugendliche» Arbeitervereinen. Die Generalversammlung empfiehlt den Handwerkern— Meistern und Gesellen— eine energische Mitwirkung«m der Ausfiihrnng deö neuen Handwerkcr-Gefctzes, besonders leb- hafte Teilnahme bei den Wahlen zu den Handwerkerkammern und Gcsellenausschüssen und gicbt erneut der Ueberzeugung Aus- druck, daß die Einführung des Befähigungsnachweises unabwcis- bar ist." Dr. Pieper bemerkt bei Befürwortung dieses Antrages: Es müsse verhütet werden, daß die Socialdemokraten in allen Gesellenausschüssen die Mehrheit erhalten. Auf Befürwortung des Abg. Dr. Bachem gelangen noch folgende Anträge zur Annahme: 1.»Die' Generalversammlung spricht ihre Ueberzeugung von der dauernden Unterrichtsfreiheit aus. So lange die- selbe nicht in vollem Maße verwirklicht ist, hält sie die Wirksam- keit von P r i v a t s ch u l e n, nicht nur klösterlichen, sondern auch weltlichen Charakters für im höchsten Maße wichtig. Sie empfiehlt darum auf das angelegentlichste die Unterstützung der Privatschnlcn, damit dieselben, wo es noch nicht er- reicht ist, in Bezug auf Lehrkräfte und Leistungen auf die volle Höhe der staatliche» und gemeindlichen Schulen' gehoben werden können. 2. Die Katholiken Deutschlands müssen es sich angelegen sein lassen, auf die Gestaltung der Bühnen-Rcpertoirs Einflust zu gewinnen, um>die Aufführung von schlechten Theaterstücken zu verhindern. 3. Die Generalversammlung spricht ihre Ucberzeugung dahin aus, daß die Erteilung des Neligionsunterrichts auf allen Stufen der Volksschule im Juteresse der Religion und Sittlichkeit, wie der'Heranbildung treuer Glieder der Kirche und guter Bürger des Staates, in der Muttersprache zu geschehen habe." Endlich wurde auch einem Antrage zugestimmt, in dem allen Katholiken die Unterstützung der katholischen Littcratnr und Presse empfohlen wird. Abg. Dr. Bachem bemerkte: Es sei erforderlich, die ganze gebildete und gelehrte Welt für das Christentum zurück zu erobern. Wenn auch das Christentum in erster Reihe zum gewöhnlichen Mann spreche, so sei es doch auch in dem- selben Matze eine Religion der Gebildeten. Danach wurde die Versammlung geschlossen. Nachmittag fand die zweite öffentliche Gencralversaminlung statt. Abg. Pfarrer Langer(Bärwalde) sprach über die Agrarfrage. Der Redner führte in längerer Rede aus, daß die CentnunS- Partei stets in allen deutschen Parlamenten die Agrarfrage als eine der wichtigsten Fragen behandelt habe. Die Centrumspartei habe niemals die große Bedeutung der Landwirtschaft verkannt und werde es auch in aller Zukunft als eine Hauptaufgabe betrachten, für die Hebung der Landwirtschaft in den deutschen Parlamenten einzutreten. Als 1879 Fürst Bismarck die Schutzzollpolitik einführte, da sagte der freihändlerische Abgeordnete Dr. Bamberger:„Das Centrum'ist stets schutzzöllucrisch gewesen. Ja, es hat den Anschein, als sei Fürst Bismarck zum Centrum übergcgaugen." Dr. Bambergcr hatte Recht: Fürst Bismarck war in der That betreffs der Schutzzöllpolitik zum Centrum übergegangen.(Stürmischer Beifall.) Die Eentrunrspartci hat Schutzzölle gefordert, tvie sie auch stets für den Schutz der kleinen Handwerker und Gewerbetreibenden eingetreten ist. Als 1879 der Getreidezoll eingeführt wurde, da geschah dies durch den Fürsten Bisniarck mit Hilfe des Centrums, oder auch wenn Sie wollen: durch das C e n t r u m mit Hilfe des Fürsten Bismarck, lind die Zeit hatte die Einführung der Gctreidezöllo vollständig gerechtfertigt. Die Gctreideprcise fielen rapide, bis 1891 eine Steigerung der Getreide- preise wieder eintrat. Es ist aber ein großer Irrtum, wenn man glaubt, eine Steigerung der Getreidepreise wäre im stände, die laudwirtschnftliche KrisiS dauernd zu beseitigen. Selbst eine gesetz- liche Regelung der Getreidcprcise, wie durch den Antrag Könitz angestrebt wird, wäre nicht im stände, die landwirtschaftliche Krifis zu beseitigen. Im Gegenteil, eine künstliche Steigerung der Getreide- preise würde nach Jahrzehnten die Krisis nur noch vergrößern Allein die Notlage d�r Landwirtschaft w ä ch st immer mehr. Der Ertrag der Landwirtschaft wird immer gc ringcr, die Produktionskosten immer größer; dazu kommt Mangel an landwirtschaftlichen Arbeitern, der, wenn es so weiter geht, den landwirtschaftlichen Betrieb überhaupt in Frage stellen wird.(Rufe: Sehr richtig!) Es ist selbstverständlich, daß die Landwirtschaft mit einer blühenden Industrie nicht konkurrieren kann und deshalb hat die Centrnmspartei es stets als eine Hauptaufgabe be- trachtet, die Landwirtschaft zu schützen. Die Centrumspartei ist für Getreidezölle eingetreten, sie hat für die Börscnreform gestimmt, ja das Verbot des börsenmäßigen Gctreidc-Terminhandcls ist von Centrumsabgeordnete» beantragt worden. Das Centrum ist außer- dem für die Regelung der internationalen Währungssragc, sowie für den Schutz der Kartoffel» und der Rübe eingetreten. Ja das Centrum kann von sich sagen:„omnia bona adsum. Bei allem Guten bin ich dabei". Der Notstand der Landwirtschaft ist durch den Umstand verschuldet worden, daß man die Agrar-Gesctzgcbnng zur Zeit vernachlässigt hat. Man hat die landwirtschaftlichen Er- lrägc kapitalisiert, die landlvirtschaftlichen Güter mit hoch ver- zinslicheu Hypotheken belastet. Man hat den landlvirtschaftlichen Boden nicht nach dem Ertragswert, sondern nach dem Verkaufs wert geschätzt. Wenn heute jemand 10 000 M. hat, dann kauft er sich nicht ein Gut für 15 000, sondern für 100 000 M. Ein Bauer bekommt bereits sehr schiver eine Frau.(Stürmische Heiterkeit.) Ja, wenn ein Landpfarrer eine Frau haben ivollte, würde er sie auch nur mit Mühe bekommen.(Stürmische Heiterkeit.) Schmoller sagt: Wenn die Verschuldung des ländlichen Grundbesitzes so weiter geht, dann wird man in 50 Jahren einen Bauer nur noch im Raritäten- labinet sehen können. Baron Hirsch hat einmal gesagt: In absehbarer Zeit werden dieLandwirte entweder linsrcDiener oder unsre Schwicger- söhne sein. Dieser Herr soll das Hypothckenbuch ebenso hoch schätze» als den Talmud. Das Centrum ist keine ausschließliche Agrar- Partei, weil sie der Meinung ist, daß das deutsche Volk nicht bloß aus Landwirten besteht und weil es allen Berufsständen helfen will. Den Landwirten rufe ich aber zu: wenn Ihr nicht untergehen wollt, dann organisiert Euch in B a u e rn v e r e i n e. Ich betone aus- drücklich das Wort Bauer, weil man es jetzt liebt, nicht Bauern- vereine, sondern landwirtschaftliche Organisationen zu schaffen. Die Landwirte müssen sich organisieren als Bauernvereine, den Raiff- eisenschen Darlehnskassen beitreten, es muß dahin gewirkt werden, daß unkündbare Hypotheken mit möglich st niedrigen Zinsen und A m o r t i s a t i o n s z w a n g eingeführt und ein Erbrecht geschaffen iverde, das die Güterzerschlagung verhindere. Man macht auf der einen Seite dem Centrum den Vorwurf, daß es agrarisch, auf der anderen Seite, daß es socialdemokratisch sei. Ja man spekuliert durch die Kanalvorlage usw. auf einen Zwiespalt des Centrums. Wer darauf ein Actionsunternehmen bauen wollte, der dürfte eine schlimme Baisse erleben.(Heiterkeit.) Das Centrum ist weder agrarisch noch socialdemokratisch. Wenn das katholische Volk wie bisher treu hinter dem Centrum steht, dann giebt es keinen Zwiespalt, dann kann das deutsche Centrum ausrufen: „Wir fürchten Gott, sonst nichts auf dieser Welt."(Stürmischer Beifall.) Rektor Dr. Huppert- Bers�cim a. d. R. sprach über die moderne Littcratur. „Moderne Littcratur", das ist die Parole, die heute allgemein ausgegeben wird. Dem einen ist sie das Eldorado künstlerischen Strebens, dein anderen die Kloake sittlichen Schmutzes. Welches sind nun eigentlich die Wege. welche die so- genannten„Modernen" wandeln? Sie erklären vor allem dem ganzen Christentum den Krieg: Gott wollen Sie als einen ohnmächtigen Götzen vom Lrone stürzen, in ihren Augen ist er höchstens noch der Gott der alten Leute, dessen die Jugend entraten kann. Und so sind die„modernen" dichterischen Werke zum großen Teile wahre Pamphlete auf die katholische Kirche. Und wenn solche Werke selbst Spuren des dichterischen Genies an sich tragen— es geht einem bei der Lektüre dieser Werke doch wie jener gebildeten Dame, die da von Richard Wagner sagte:„Alles rechtschönund gut— aber es wird einem übel dabei." Und wie mit dem Glauben der„Modernen", so verhält es sich auch mit ihrer Sittlichkeit. Der„moderne" Geist erhebt sich aus den„niederen Thälern der alten Moral", steigt empor zu der„luftigen Höhe der individuellen Freiheit", mit einen» Worte, an die Stelle der alten christlichen Moral tritt das emanzipierte Dirnentum» tritt die moderne Ehe, tritt die freie Liebe und die „vorurteilslose Sittlichkeit". Ja, die„vorurteilslose" Sittlich- keit der Damen vom Variets und Ballett wird salonfähig gemacht und zieht als kategorischer Imperativ statt eines sehr un- bequemen Gebots durch die Welt dahin. Kann es da noch wunder- nehmen, wenn Sinnlichkeit, wenn Lüsternheit das Christentum der Modernen ist? Man hat sie einmal mit Schlächtergescllen verglichen, die Mulde auf den Schultern, um ihren Kunden das rohe Fleisch zubringen. Höchstens bedecken sie es mit einem Schleier, um die Roheit zu verbergen und die Sinnlichkeit noch mehr zu reizen. Das sind die autonomen Jch-Menschen nach Nietzsche. Die Dichter sind, wie ein Dichter sagte, die Kinder Gottes. und deshalb haben sie in ihren Werken die Schönheit Gottes wiederzuspiegeln. Wir geben keinen Pfifferling für den Modernen, der nicht bestehen kann vor der Wahrheit und der Sittlichkeit. Nichts ist moderner als das Christentum. Die Littcratur soll ein Abbild der Zeit sein. Und da müssen wir den Modernen das Zugeständnis machen, daß sie Großes geleistet haben. Zwar verfolgen sie die Tiefen der Gesellschaft, aber das Priucip, das sie verfolgen, ist recht. Es giebt fast kein modemes Problem, das nicht von Modernen behandelt wäre in lebenswahren Bildern. Allerdings sind sie häufig die reinsten Kiuemntographcn mit krassestem Realismus. Der katholische Schrift- stcller soll auch realistisch darstellen, aber ohne Schärfe und Bitterkeit und ohne das Bild auf die mechanische Photographie herabzudrücken. Aber begeben wir uns damit nicht in das Lager der Modernen? Ich antworte: Nein, nicht welches Problem, sondern wie es behandelt wird, das ist das Ausschlaggebende. Auch ein katholischer Schriftsteller kann herniedersteigen in den Sumpf des Lasters, und� trotzdem kann sein Kunstwerk sittlich außerordentlich hochstchen— ich erinnere in der Beziehung nur an das sittlich so außerordentlich hochstehende Werk „Lappalien" des Jesuiten Coloma. Moderne Probleme-- gesunder Realismus, das genügt noch nicht. um den Au- forderungen der Zeit zu genügen. Tüchtige Charatter- schilderung, psychologische Entwicklung. Schönheit der Schilderung und der Diktion sind ebenso notwendig und, wenn wir gerecht sein' wollen, auch in dieser Beziehung haben die„Modernen" Großes geleistet. Wir wollen in dieser Beziehung auch nicht ungerecht sein gegen unsere eigenen katholischen Schriftsteller: wir erkennen mit Dank an, was sie auf diesem Gebiete« geleistet. Aber auf der andere» Seite wollen wir uns nicht in billige Selbstzufriedenheit einlullen. Und darum: Moderne Probleme, gesunder Realismus und künstlerische Darstellung, das sei das Programm, an dem unsere Dichter und Schriftsteller ihre ganze Kraft einsetzen mögen. Das katholische Volk muß seinen Dichter ehren Wir setzen Denkmäler für Leute, zu denen wir recht zweifelhafte Beziehungen haben. Es müsser, alle und besonders die Damen auf diesem Gebiete thätig sein und wenn die Damen ihre Einkäufe machen, sollen sie daran denken. daß es Pflicht des katholischen Volkes ist, seine katholischen Schrift» stcller zu kaufen. Der Troß der Modernen respektiert gar nichts. Wer ivird in dieser Revolution unser Führer sein? Es bedarf einer starker. Hand, die das Ruder zwingt. Der Geist unserer hl. katholischen Kirche wird und muß der Führer sein in der Anarchie unserer Tage. wie er eS vor Jahrhunderten durch die Schriften des hl. Augustinus war. Wir haben den Augustinusverein, der den Namen des modern st en Schrift st ellers aller Zeiten trägt, des hl. A u g u st i n u s. Danach schloß die Versammlung gegen 8 Uhr abends. Sociale Veilzlspflege. Ist das Gcwcrbegcricht für Bnrcau-Arbeitcr zuständig? Diese Frage hat kürzlich die Abteilung 00 des Amtsgerichts l' in Berlin in bejahendem Sinne beantwortet. Die frühere An- gestellte eines Berliner Rechtsanwalts klagte gegen ihren ehemaligen Arbeitgeber auf Abänderung deZ ihr ausgestellten Arbeitszeugnisses. Die Klage wurde jedoch'mit der Begründung abgewiesen, daß das Gewerbegericht zuständig sei. Nach der jetzt vorliegenden schriftlichen Urteilsausfcrtigung stellt sich das Gericht auf den Standpunkt, daß die Thäligkeit des Rechtsanwalts„in Wirt- schaftlichcr Beziehung, namentlich soweit sein Verhältnis zu seinen Angestellteil, seinem„Bureau", in Frage kommt, als Gctverbebctticb anzusehen" ist und deshalb Streitigkeiten über die Aushändigung oder den Inhalt des Zeugnisses vor dem Gewerbe- gcricht zum Änstrag zu bringen seien. Aus den Kreisen der B u r e a u- A r b e i t e r wird uns hierzu geschrieben:„Wir müssen das Urteil leider als grundfalsch bezeichnen; es scheint uns auf Unkenntnis der einschlägigen gesetzlichen Be- stimmungen zu beruhen. Die Zuständigkeit deS GcwerbcgerichtS erstreckt' sich auf diejenigen Arbciterkategoricn, welche unter dem Titel VI! der Gewerbe- Ordnung fallen, dieser Titel findet aber ebenso wie der gesamte Inhalt der Gewerbe- Ordnung auf den Geschäftsbetrieb der Rechtsanwälte und Notare keine Anwendung. Im J 5 der Gewerbe- Ordnung ist die Aus- nabmcstellung der Anlvälte usw. ausdrücklich hervorgehoben, diese Bestimmung scheint von dem entscheidenden Richter ebenso wie den, juristischen Vertreter der Klägerin nicht genügend gewürdigt zu sein. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß in der höheren Instanz das Urteil des Amtsgerichts' aufgehoben wird. Die unrichtige Beurteilung der Sache hat für die Klägerin den Nachteil, daß die Entscheidung über ihren Anspruch sich monatelang hinzieht. Es ist ihr nur schwer möglich, auf Grund des von ihrem früheren Arbeitgeber ausgestellten wahrheitswidrigen Zeugnisses eine neue Stellung zu finden, und daher ist sie auf lange Zeit der Ar- beitSlosigkeit preisgegeben. Der Fall wirft' wiederum ein grelles Streiflicht auf die Un- sicherheit der rechtlichen Stellung der Bureau- Arbeiter. Die Klägerin hat keinen unmittelbaren gesetzlichen Anspruch auf Ausstellung eines wahrheitsgemäßen Zeugnisses, sie stützt sich nur darauf, daß es in den Kreisen der Berliner Anwälte Brauch sei, den Angestellten bei ihrem Abgange ein Zeugnis auszustellen und daß deshalb eins entsprechende stillschweigende Vereinbarung an- genommen werden müsse. Oö das Gcricht dieser Auffassung bei- tritt, muß abgewartet werden. Jedenfalls aber bleibt die Thatsache bestehen, daß die Verhältnisse der Bureau-Angestellten dringend einer gesetzlichen Regelung bedürfen. Das sachverständige Schiedsgericht. Der Brauerei-Arbeiter B ü s ch e r hatte sich in einem versicherten Betriebe Fingerquetschungen zugezogen. Nach beendetem Heilverfahren lehnte die Brauerei- und Mälzerei-Berufsgenossenschaft es ab, ihm eine Unfallrente zu geben, indcin sie ausführte, die Folgen des Unfalles seien nur noch so geringe, daß ein meßbarer wirtschaftlicher Schaden nicht zu erkennen wäre. B. legte Berusiing ein, worauf der Arzt Dr. Geistberger und der Kreisphhsikus Schulte zu Hörde im ausführlich begründeten Gutachten nachrviesen, daß der Kläger noch um 15 Proz. in seiner Erwerbsfühigkeit beschränkt sei. Das Schiedsgericht in Dortmund billigte ihm trotzdem„als angemessen" nur 10 Proz. zu. indem es ich selbst»für sachverständig genug" erklärte. Diesem befremdlichen Urteil hat jetzt das Reichs-Versiche'rungsamt unter dem Vorsitz des Geheimen Regicrungsrates Gräf zugestimmt. Gründe wurden nicht publiziert, so daß nicht zu erkennen ist, weshalb das Rcichs-Ver- sicherungsamt der»Sachverständigkeit" des Schiedsgerichts mehr traut. als der der Aerzte. Freie Vereinigung der Ci¥il' Berufsmusiker Berlins und Umeegend. Donnerstag, den 31. Angnst, abends S M Anßerordentl. Versammlung bei Schiller, Rosenthalerstr. 57. Tagesordnung wird in der Versammlung bclmmt gemacht. Um regeS und pünltlicheö Erscheinen bittet hOjll Der Torstand. 91 Allgemeine Orts- Krankenkasse gewerblicher Arbeiter und Arbeiterinnen. Die für die Wahlperiode 18g8 und 1899 gewählten Delegierten, Arbeitgeber und Arbeitnehmer, werden hierdurch zu einer 288/15 AllßemdenMchkll General'Dersammluug Am Donnerstag, den 7. September 1809, abends 8 Uhr. im „Louisenstädttschen Konzerthausc«, Alte Jakobstrage 37, ergeben» ein- geladen, TageS- Ordnung: 1. Statutenänderung. Artikel I. Den 8 21 in der Fassung des Ober-PrästdlalerlasseS vom 10, Oktober 1894(zweite Abänderung zum Statut) auszuheben und dem 8 21 folgende Fassung zu geben- 8 21, DaS Recht auf dl« Unterstützung beginnt für diejenigen, welche der Kasse ans Brund des§ 2 angehören, mit dem Tage des Beginns der Mitgliedschast. Diejenigen, welche auf Grund des§ 5 freiwillige Mitglieder der Kasse werden, haben keinen Unkerstützuugsanspruch, wenn der Unter- stützungSfall eintritt, bevor sechs Wochen feit ihrer Anmeldung vcr- strichen sind, oder für eine zur Zeit der Anmeldung bereits eingetretene Ertraninng, In UnterstützungSfälleU, welche innerhalb der ersten sech« Monate der Mitgliedschaft eintreten, wird die Krankcnunterstützung nur bis zur Dauer von 13 Wochen gewährt, Rur die in: Z 29 Ziffer 2 und 3 bezeichneten Personen, welche vor- übergehend aus der Kasse ausgeschieden stnd, erhalten beim Wiedereintritt in die letztere schon vom Tage des Wiedereintritts ab die vollen slatntenmägigen Unterstützuiigen ohne die vorstehenden Beschränkungen, Den an den Folgen eines Betriebsunfalles leidenden Mitgliedern, welchen nach Mahgabe des llusallvernchcrnngögesctzss vom Beginn der 14, Woche ab cln Anspruch auf Unfaltreut« zusteht, werden die im§ 13 bezeichneten Leistungen nur auf die Dauer von 13 Wochen gewährt. Artikel II. Vorstehende Aendening tritt Nach erfolgter Genehmigung mit dem Tage der LstcNtlichen Bekamitmachmig in Kraft. Berlin, den September 1899. Der Vorstand 2. Abänderuiig zur Anlage L des Statuts der Allgemeinen Orts- Kranken- lasse gewerblicher Arbeiter und Arbeiterinnen zu Berlin. Berhaltungsttaeln für erkrankt- Mitglieder, weich- Krankengeld beziehen. Als Nr. 3 a hinzUzUfügeu: Artikel I .."krankten Mitglieder find verpflichtet, wenn llngeWIHHeit über die klrt ibicr Krankheit oder Feststellung ihrer Arbeitsiinsälstgkeit entstehe» sollte, stch der Uiiierflichillig eines zweiten Arztes, welcher vom Vorstand dazu bestimmt wird, zu unterwerfen, Artikel RI. Abänderung tritt nach erfolgter Genehmigung der Auf- stchtsvehörde m Kraft, « September 1899. Der Vorstand, 8. Mitteilungen des Vorstandes, Schluß der allgemeinen Generalversamiillung, � niin bte Wahl eines Arbeitnehmers zum Vorstände für den aus geich,«denen Herrn Röhler statt. Die Wahlperiode geht bis Ende 1990, Berlin, den 39. Angnst 1899, Der Borstand. km-, ä. n P Löbe, Vorsttzender. o.*re. Legllimaiimiskartc ist der Einiritt nicht gestattet. Fehlende LegittMatlonsiarte» werden Ii» Hauptburea», Adalbertstr, 94, ersetzt Arbeiter-Berafsarlikel n. Wäsche aiisschliehltch eigenes Fabrikat,— Spccialitäti Arbeiter- Berufs- klciduiig: Blau Köper-Jacken M, 1,95, steigend je»ach Grösse uin l9 Pst, blau kittel Hosc», in alle» LäNgöN, M, 1,85, Zlrbeiieryeiiiden, Bluie». Maler- Küper-ii, Atoiiteiirhemdc». D. Wnrivel& Co., Wrangelstt, 17. Marmor- u. Granitarbeiter Berlins n. Nmg. VeKen'tZiiokv Mepsammlung am Donnerstag, 31. August, abends 8 Uhr, in Kintz' Ausschank, Alte Jakobstr. 83. T.-O.: Berichterstattimz der Tarifkommisflon über die Verhandlmigcn mit den Unternehmern. Stellung- nähme dazu. DW- Jeder einzelne in Marmor Bcschästtgte ist verpflichtet zu erscheinen. D-' 274/5 Freie Volksbühne. Sonntag, 8. Septbr., nachm. 23/1 Uhr, im I-essing-Theater: 1. Abteilung: l>ie Journalisten. Lnstapial in 4 Akten. Insceniert v. Ober-Begisseur A. Steinert. Unter Mitwirkung von Franz Guthery, Joseph Jarno, Karl Faul Schönfeld, Eosa Bertens etc. II. Abteilung: Sonntag, den 10. September."Ng Die Ditgllcdcr werden ersneht, sieh bis Freitag, den 1. September, ihre Sliticlicdskartcn ans den Kalilstollca abzuholen, da sonst eine Ueber- siebt über die Stärke der Abteilungen nicht möglich ist. Die 2. Serie im Ostend-Tdeater beginnt mit Goethes Faust am 24. September für die I. Abteilung. fjtsy»es erste diesjährige Herbstfest wird am Sonnabend, den 14. Oktober, in der Brauerei Friedrlchshaln(nur für Mitglieder) gefeiert. Festmarken ä 50 Pf. gelangen von Ende September ab in den Zahlstellen zur Ausgabe. 230/15 Keaß Mitglieder zu 6. Abteilung können Sieb in allen Zahlstellen zur Aufnahme melden. Der Vorstand. I. A.: 0. Winkler, Eixdorf, Kirobhofstr. 46. Ich bin von der Reise zurückgekehrt. i)i'. II. Weyl, Specialarzt f. Wasserhellverfahren etc. kl., Elsassorstr. 97. Tel. III. 1300. WMer, TeilBlW, Woche von 3-5 M. j2309L» Dranienstrasse S3. II. HllMitm, Wer Berliits wie Angestellte lies Warenlianses A. Jandorf& Co. Donnerstag, den 31. Angnst, abends 9 Uhr: Große öffentliche Versammlung in den„Ariiiinhallcn" fgr. Saal), Kominandaiitenstr. 20. Tages- Ordnung: 1. Die RuSiinstling«ad Bchandluiig der Angestellten im Hanfe Sandorl. Referent: Kollege Jlol». Dein. 2. Diskussion, Kollegen! Wir haben die Pflicht, energisch gegen die Firma Jandorf vorzugehen, zumal Herr Jandorf der Koinmission, welche über 2 Stunden mit ihm verhandelte, grosse Versprechungen machte, welche jedoch am nächsten Tage bereits diirchbrocheii wurden, Sämtliche Angestellte der grösseren Warenhäuser haben die Pflicht, w der Versammlung zu erscheinen, Jcderliiann hat in der Versammlung Zutritt. Herr Jandorf sowie dessen Gesdinstsführer sind brieflich eingeladen. Der Einberiiscr: Albert vtbes, Bertranensmann der Handels- u. Transportarbeiter Berlins. ITB. Für den Verband aller im Handels- und Transportgewerbe be- schäftigten Hilfsarbeiter Berlins werden auch in der Versamuilmig Mit- glicdcr anfgeiiommen. 75/17 Mchtttnig!"WU Achtung: Isolierer und Rohrumhüller. Donnerstag, den Li. Siiigust ISKS, abends«i/z Uhr,»ei Bnske, Grenadierftraste Nr. 33: Oefffentl. ¥&B«sammSu�g. Tagesordiiiiiig: 1. Kominissionswayl. 2. Sielliiiignabine zum Lohn- tarist_ 208/10_ Der Einlicrnfer: M. Höfer. Iv"' P�r�wss, Clora- Weberstr. 17. SonnnbeiKlc niib Sonntage frei."■"SBlü[230Ö8* BcrcinSziinmer 20—150 Personen.— Ncr>amu>!ungen:c. rc,_ Ziüe2M. 10 Jahre Garantie. Vollkommen schmerzloses Zahnziehen 1 M. PJomben 1,50 M. Tellzahl. wächentl. 1 M Ißalmarzt Wolf, Lelpzlgerstr. 22. Spreclist. 9-7. >ie Tarltkammission. Beim Monatswechsel empfehlen sich folgende Partei-Zpeditione«: Derlin vierter I�'aiiiirreis 9.: Robert WengelS, Frucht- ssrasse 30, Hof II,-««.: Fritz Tb i el. Skalitzerstr. 35 o, pari,- «echster Wahlkreis(Moabit): Karl Anders, Salzwedeler- strasse 8, vart, im Laben,- Gedding unb«ranienburger Vorstadt: Emil S t o l z- Ii b u r g. Wiesciistrahe 14,- Gesund- briiuncn: Wilhelm Gaßmaiin, Grünthalersir. 65,- Doseu- tk-.uier Vorstadt unb Schüuhanser Vorstadt: Karl Mars, Kastanie»- Allee 95/96,- Gharlottcnhnrg: Gustav S charnb erg, Echillerstr, 94, v, 1 Treppe,— Deutseh-'tVNniers- dorl: Frän Küb le r, Sigiiiaringcnstr, 5, und Frau H e i n e m a n n, GIgU»iri»grtislr,3o, J- Kisdorf: O ft e i in a n n, Erkstr, 6,-«ehbue- berg: Wilhelm B ä U in l« r, Apostel Panlusstr. 13, Quergeb, Hochp,— Aoliannisthai-Glieder- und Gber-k»ehönewe!de: Otto Joh», Qbcr-Schöuelveide, Siemeiisstrahe 7, Zigarrengeschäst, Aiiiiahme- stellen: Rieder-Schöneweidc: Karl Weber, Zigarrciiacschäst. Johannis- thal: Seiiftleben, Nestanratellr,— Adiershor: MaxWorbs, Mctzerstr, 4,— Friedenau-!>ftegiitz: H. Berusee, Kirchstrasse 15 in Friedenau, Bestellungen nehmen entgegen in Steglitz: H, Mohr, Diippclstrasse 8, und Fr, Schellhasc, Ahornstr. 15a,— Danni- sehulcnweg: Gockel, Baumschulstr, 32, v. III.— Aen- Weissensee: Spediteur Heinrich Bach mann, Lehderstrasse 1, pari, links. Ausserdem ist sämtliche Parteilitteratur sowie alle wissenschaftlichen Werk« bort zu haben. Auch werden Inserate für den„Vorwärts" entgegengenommen. Um g r n u u v Angabe der Adresse wird dvittgvnÄ gebeten. ZM- Bitte ansschnelden! Esstg selbst zu bereiten ist höchst einfach und bochpraktiscki mit Keieheis Extrastarker Essig-Essenz.(Siebt sofort mit ftifchem Wasser den gesündesten Speise- Essig und mi! abgekochtem Wasser vorzügltchen Emmache-Essig, von dem- selben Wohlgeschmack und Aroma wie guter Weinessig und ist viel besser, reinlicher nnd billiger wie anderer Eisig. Dieser selbstbereitete Essig ist absolut rein und-klar, verdirbt nie und bleibt frei von Essig-Aalen. 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