Mnterhaltungsblalt des Horwärts Nr. 2U. Donnerswg, den 1. Dezember. 1898 (Nachdruck verboten.) -2) N r u M c» vtk; n � o. Roman von Georges Eekhoud. „Verzeihen Sie, Kousine, daß ich mich nur einen Augenblick an Ihnen gezweifelt habe l Verzeihen Sie vor allem niein unverantwortliches Benehmen am Nachmittag..." „Ach, sprechen wir nicht weiter davon, ich hatte die dumme Geschichte schon vergessen... Nein, Laurent, wenn einer um Verzeihung zu bitten hat, dann bin ich's. Ich war grausam und herzlos gegen alle, ganz besonders aber gegen Dich, mein guter Laurent!... Tu wirst mir ein nülder Richter sein, ich bedarf heute der Schonung und der Nachsicht! Meine Koketterie habe ich wahrhaftig schwer genug gebüßt! Du verabscheust Bejard lange schon, nicht? Aber Du würdest ihn noch ganz anders hassen, wenn Du erst seine wahre Natur kennen würdest! Er ist unser aller Feind, ein Scheusal im schlimmsten Sinne des Wortes. Weißt Du, wie's mit dem Schiffbruch der„Gina" war? So gräßlich es auch zu denken ist, aber ich habe die unerschütterliche Ueberzeugung, daß der Elende das Unglück nicht nur voraussah, sondern daß er sogar darauf rechnete. Er wußte ja doch ganz genau, daß das Schiff nicht mehr seetüchtig genug war, um eine lange Fahrt ausznhalten!" „Nein, nein l Alles, nnr daS nicht! Es ist nicht möglich, daß er wissentlich all die Menschen geopfert hat I Mein Gott, das kann ja nicht sein I" schrie Laurent, den Kopf in die Hände bergend, auf. „Ja, ich schwör's auf mem Seelenheil, daß cr's wußte. Er traut mir nicht, er fühlt, daß ich ihn durchschaue, und fürchtet sich deshalb vor mir. Er hat Angst, daß ich am Ende doch einmal ans der Schule plaudern könnte. Ich weiß auch, daß er und der alte Saint-Fardier die Absicht hatten, Dich ins Irrenhaus sperren zu lassen, nur meinem Vater hast Du es zu danken, daß der schöne Plan nicht zur Ausführung kam. Wahttsinilig? Ja, Ivahrhastig, man könnte es werden, wenn man dazu verurtheilt ist, inmitten dieser Gesell- schaft zu leben, und ich wundere nnch nur, daß ich noch immer meine fünf Sinne bei einander habe! Ich möchte schwören, daß der häßliche Auftritt bei Castt heute Abend nur der effektvolle Abschluß einer lvohlvorbereiteten Komödie war, die er in Gemeinschaft nnt Vera Pinto, dem Chilenen, den Du heute Nachmittag auf der Straße gesehen hast, in Szene gesetzt hatte!" Gina erzählte Laurent des weiteren, wie dieser Vera Pinto sie seit seiner Ankunft in Anttverpen unablässig mit seinen Zudringlichkeiten verfolgt hatte. Sie hatte ihn oft genug abfallen lassen, aber der Mensch ließ sich dadurch nicht abschrecken, und so unglaublich es auch klingen mag, er fand bei seinem Beginnen die aufmunternde Unterstützung Vöjard's, dem er an stelle Dupoissy's Dienste leistete. Er war zweifellos ein gut Thell gemeiner und verworfener, als der Mann aus Sedan, und Gina versah sich nichts Gutes aus der genreinsamen geschäftlichen Thätigkeit der beiden Thcilhaber. Bejard's Plan ging darauf hinaus, seine Freiheit wieder zu erlangen, um sich einen zweiten Goldfisch angeln zu können. Seit er ihr Vermögen verputzt hatte, sah er in Gina nur ein Hinderniß für sein Fortkon, nren. Da er sich seiner zweiten Frau nicht so bequem entledigen konnte, wie der ersten dort unten, hatte er zunächst in Güte Gina zur Scheidung zu be- wegen versucht. Das Interesse für ihr>ttnd wie die Rucksicht auf ihre gesellschaftliche Stellung hatten Gina gehindert, seinem dringenden Ersuchen zu willfahren, sie wäre sonst gewiß die erste gewesen, die Trennung dieser unleidlichen Ehe zu wünschen. Angesichts ihrer Weigerung versuchte es Bejard mit Drohungen, und als auch dieses Mittel nicht verfing, machte ersich kein Gewissen daraus, der Drohung die That folgen zu lassen und seine Frau mitleidslos zu mißhandeln. Als er dann eines Tages wieder die Hand gegen sie erhoben hatte, war Gina, zum Aeußersten gereizt, mit dem Messer auf ihn los- gestürzt mit der Drohung, ihm den Stahl in den Leib zu rennen, wenn er Miene mache, sie zu schlagen. Der Feigling hatte sich das gesagt sein lassen: Gina hatte fortan Ruhe vor ihrem Peiniger, aber Bejard sann dafür auf nichtwenigerverwerf- liche Mittel, den Widerstand seiner Frau zu brechen. Zunächst hatte er es sich angelegen sein lassen, sie in die Arme deS Chilenen zu treiben; zu seinem Leidwesen wurden auch hier seine Hoffnungen betrogen, und der chilenische Bundesgenosse erlitt in dem galanten Ehebruchsfeldzug eine empfindliche Schlappe. In der Erkenntniß, daß es ihm nicht ge- lingen würde, Gina der ehelichen Untreue zu über- führen, war Bejard schließlich zu dem Entschluß gelangt, sie vor der Welt als schuldig hinzustellen und verurtheilen zu lassen. So war er im Einverständniß mit Vera-Pinto selbst nicht davor zurückgeschreckt, in Ausführung seines sauberen Planes die kleinen Saint-Fardier's mit ins Unglück zu stürzen. Die Dinge hatten sich nach Gina's An- nähme so entwickelt, daß der Chilene, nachdem er Bejard über die bevorstehende Zusammenkunft genau unterrichtet hatte, sich mit der einen oder der andern seiner Eroberungen zu Casti begab. „An solcher, fehlt's ihm nicht, selbst aus den Kreisen der sogenannten guten Gesellschaft," fuhr Frau Bejard fort,„denn die Damen aus n, einen Kreisen theilen meine Abneigung gegen diesen verdächtigen Mestizen durchaus nicht. Ich brauche erst keine Namen zu nennen. Glücklicher als Cora und Angele hat sich die dritte Theilnehnrerin des galanten Abenteuers rechtzeitig in Sicherheit bringen können. Die Dame hat keine Ahnung davon, daß sie ihre Rettung einzig dem Haß verdmikt, mit dem mich Bejard und sein schurkischer Helfer bedenken. Natürlich lag den Beiden alles daran, diese dritte Dame vor dem Eintreffen der Polizei verschwinden zu lassen, sie hätten ja sonst keine Möglichkeit gehabt, mich in die un- saubere Geschichte zu verwickeln. Hatte man mich nicht am Nachmittag in Gesellschaft meiner Kousinen gesehen? Und hatten van Frans, Dittnahr und Vera Pinto nicht die ganze Zeit unter unserem Balkon auf Posten gestanden? Die Szene bei Casti bildet also klarerweise den Epilog der Jntngue, die im„Hotel Saiitt-Antoine" eingefädelt wurde, und morgen giebt's in Antwerpen mit Ausnahme von meinem Vater und Dir keinen Menschen, der nicht der felsenfesten Ueberzeugung ist, daß ich mit dem Chilenen ein Verhältniß habe. Und zu denken, Laurent, daß auch Bergmans die Verleumdung glauben wird I Und doch ist es nur die Erinnerung an ihn, die mir die Kraft giebt, tugendhaft zu bleiben! Ihn allein liebte ich, und ihn hätte ich Heirathen sollen. Meine Eitelkeit und Hoffahrt schreckten ihn ab, und als er dann von mir ging, siegte die Eigenliebe über mein wahres Gefühl und ich ließ mich bereit finden, diese traurigste aller Ehen einzugehen. Un, dem, den ich liebte, einen Schabernack zu spielen, habe ich mich für die Zeit meines Lebens unglücklich gemacht!" Paridael hatte sich ganz vergeblich bemüht, seine Leiden- schaft zu unterdrücken und durch Häufung von Hindernissen, die er zwischen sich und seiner Kousine aufthürmte, unmöglich zu machen. Vergeblich war er so ttef herabgestiegen, daß sie nie niehr im stände sein konnte, ihn zu sich emporzuziehen. Er glaubte sich zwar geheilt, in Wahrheit aber wühlte und zehrte das alte Leiden in seinem Innern mit ungeschwächtcn Kräften fort; der maßlos heftige Ausfall, zu dem er sich wenige Stunden vorher hatte hinreißen lassen, ließ über die Natur seiner Gefühle für die junge Frau keinen Zweifel. Und die Er- eianisse seines Vagabundenlebens, der Verkehr mit allerlei lichtscheuem Gesindel hatten das Ihrige gethan,, die letzten moralischen Bedenken in ihm zu ersticken und ihn unter- nehmender zu machen. Der Bericht der brutalen Handlungsweise Bejard's weckte in Paridael's Brust eine seltsame Mischung widerspruchsvoller Empfindungen: ein Thell seines Ichs nahm aufrichtigen An- theil an dem Geschick der unglücklichen Frau und empörte sich gegen solch ein Uebermaß an Niedertracht und Gemeinheit, der andere dagegen brannte vor Begierde, das Beispiel Bejard's nachzuahmen, die Frau zu schlagen und sie noch barbarischer zu mißhandeln als vorhin auf dem„Korso". Nie ivaren die unvereinbaren Gegen- sätze dieser komplizirten Natur so schroff und unvermittelt zum Ausdruck gekommen wie eben jetzt. Nach einem langen Schweigen sagte er zu Gina, deren Hände er fest in den seinen hielt:„Du liebst Bergmans als« noch immer!" Aus dem Ton seiner Stimme klang ein solches Maß von Trauer und Liebe, daß Gina unwillkürlich den Blick auf ihn richtete. Sie war aber nicht wenig überrascht, in seinen Augen denselben starren Ausdruck zu bemerken, der ihr schon damals in der Orangerie solchen Schreck einjagte, und als er ihre Hände immer fester umklammerte, stieß sie ein ängstliches „Laurent" heraus und versuchte, ihn zurückzustoßen, ohne aus seine Frage Antwort zu geben. „Du brauchst vor mir keine Furcht zu haben, Gina I" flüsterte er mit leiser, erlöschender Stimme.„Denke von mir, was Du willst und verachte mich nach Deinem Belieben, aber laß Dir auch gesagt sein, daß es nichts gicbt, was ich nicht versuchen würde, um Dich glücklich zu machen!" Es war seine aufrichtige Meinung, der er Ausdruck gab, aber zu den respektvollen Worten, die sein Mund sprach, wollte der brutale Händedruck, der Gina's Armgelenke wie in einen Schraubstock einpreßte, und die begehrlichen Flammen, die in seinen Augen aufleuchteten, verteufelt schlecht passen. „Wenn dieser Bejard verschwände, würdest Du wohl Berg- mans hcirathcn?" Seine Stimme schien ans dem Jenseits zu kommen, wie die eines Menschen, der von langen Träumen geängstigt, aus dem Schlafe spricht. „Willst Du, daß ich Deinen Mann ermorde? Du brauchst nur ein Wort zu sagen... Sprich, Sprich, sag' ich!" Der blutgierige, haßerfüllte Blick Laurents bedrohte in- dessen nicht allein den Mann, dem er den Tod geschworen. Gina las in diesen Augen noch ganz etwas anderes als wilde Mordlust, sie las in ihnen eine stürmische Forderung. eine unmittelbar an sie gerichtete Drohung. „Ehe ich Dein und Bcrgmaiis' Glück für immer sichere, flehe ich Dich an, nur einen kurzen Augenblick gut zu mir zu sein, nur den kurze» Augenblick, den der Kuß einer Schivester währt.... Dann will ich gern von bannen gehen, um meine Mission zu erfüllen und ich will Dir gewiß nicht wieder vor Augen treten... J Schnell, gicb mir den Abschiedskuß, Regina I" Seine Stimme hatte einen dringenden Ton angenommen, sie klang rauh und drohend, und die flehende Bitte bekam dadurch einen häßlichen, verlogenen Mißklang. Er zog die junge Frau mit Gewalt an seine Brust, während seine brutalen Fäuste ihre Handgelenke mit eisernem Griff um- klammerten. „Laurent l Lassen Sie mich l Sie thun mir weh!" Statt zu gehorchen, zog er sie nur fester an sich. Er preßte seine lechzeilden Lippen fest ans den Mund der vor Scham und Angst vergehenden Frau, die, langsam zurück- sinkend, seinem stürmischen Angriff zu erliegen drohte. Aber im letzten Augenblick raffte sich Gina mit dem ganzen Aufgebot ihrer Willenskraft noch einmal auf; es gelang ihr, sich Laurent's Armen zu entwinden und hinter den: Tische Deckung zu suchen. „Alle meine Komplimente für die Meisterschaft, mit der Du Deine spitzbübische Nolle spielst!" kreischte sie.„Und ich war harmlos genug, Vera Pinto zu verdächtigen! Nach- dem er Dich dafür bezahlt, mich nachmittags zu malträtiren, rechnete er abends darauf, mich mit Dir, häßlichem Wicht, zu überraschen! Deine abstoßende Häßlichkeit und Unsauberkeit hätten allerdings meinen Fall im trübsten Lichte erscheinen lassen müssen I" Unter dem niederschmetternden Eindruck diese?, giftigen Wortschwalls, der ihn momentan der Besinnung beraubte, als hätte man ihm Vitriol ins Gesicht geschleudert, niachte Laurent nicht einmal den Versuch, sich zu rechtfertigen. Ter Schein war ja gegen ihn und er konnte so nichts Besseres thun, als sich schleunigst aus dem Staube zu machen. Bejard konnte jeden Augenblick nach Hause kommen, wenn er ihn hier traf, dann war für die verleumderische Verdächtigung der volle Wahrheitsbeweis erbracht. Taumelnd und stolpernd wankte Laurent aus dem Hause. Gina hielt ihn also wirklich einer derartigen Gemeinheit fähig? Er war in ihren Augen so tief gesunken, daß ihm jede Möglichkeit benommen war, sich wieder zu erheben. Er hatte fortan ein gutes Recht, sich im Schlamm des Lasters zu wälzen und es den verkommenen Kameraden gleich zu thun, denn alle Missethaten, die ihn sein verlorenes Leben noch bc- gehen lassen konnte, schienen neben der Erbärmlichkeit, deren er eben beschuldigt worden, eitel 5iinderspiel. Und Gina>var ganz außer stände, ihren Jrrthum zu be- richtigen und ihre Ungerechtigkeit wieder gut zu machen. Das Brandmal, das ihm diese infame Anschuldigung aufgedrückt, konnte keine nachträgliche Ehrenerklärung und keine Gnaden- bewilligung tilgen.(Fortsetzung folgt.) CDuelIenfindet.0 Dieser Tage kani ans Breslau die Nachricht vom Tode des „schlesischen Wassergrafen", des in Peuker in der Grafschaft Glatz ansässigen Grafen v. Wrschowetz-Sekera und Sedczicz, der sich als Quellcnfinder nicht nur in Deutschland, sonder» in der ganzen Welt einen Kamen gemacht hat. Da die Thätigkcit des Qucllcnsnchens im großen Puliliknm oft mit ungländigen Augen betrachtet wird, ist es vielleicht nicht unangebracht. auf das Qnellcnsinden näher einzugehen. Schon in der Bibel ist von der That eines Onellenfinders die Rede. Daß Moses, der durch einen Schlag mit seinem Stabe au? einem Felsen eine Quelle hervor- lockte,' viele naturwissenschaftliche Kenntnisse besaß, ist unleugbar, und ivahrscheinlich haben ivir es hier mit eincin Stück der Quellen- künde zu thun, in der Moses größere Fortschritte gemacht hatte, als die nicistcn seiner Zeitgenossen. Bei Erivähnnng von MosiS Stabe liegt es nahe, der Wünschelrnthe und ihres Zaubers zu ge- denken. Die Wünschelrnthe, deren Adepten sich über ganz Europa verbreiten, und deren Spuren sich in den meisten ebenso aber- glänbischen als regen- und qnellbednrftigcn afrikanischen Völkerschaften ivicderfinden, besteht aus einem grünen Zivcige von der Hasclstande, der Korneliuskirsche oder vom Qclbaume. Der Zlvcig muß cnt- weder gabelförmig oder einfach sein; den einfachen faßt man»üt beiden Händen so, daß er einen Bogen bildet, beim gabelförmigeir hält man mit jeder Hand einen Ast so, daß die Gabelvercinigung sim Bogen inmitten freisteht und, da man nicht fest, sondern locker hält, frei und leicht zwischen Händen und Brust dcS Haltenden chwingen kann. Die Kunst der Sthabdomantcn(von Rhabdos, Zweig, und Mnntis, Wahrsager) oder der„Nutengänger" war noch in unsenn Jahrhundert so verbreitet, daß eine ganze Literatur darüber entstand, indem Thonvenel, Amoretti und Ritter in München und andcre die Ergebnisse ihrer Versuche und ihre Erklärungsversuche veröffentlichte». Das Ergebniß, das der bedeutendste Qucllcnknndige unserer Zeit, der franzosische Abbe Paramclle, ans scincir Be- obachtunge» bei einigen Dutzend der berühintcstcn Rutenschläger zog, ist der Wünschelrnthe natürlich höchst ungünstig; er fand, daß. die Bewegung foivohl an wasserarmen wie an wasserreichen Qcrtlich- kciten vor sich geht und folglich durchaus nicht als Anzcicheit einer nahen Quelle gedeutet werden kann. Der Abbö Paramelle trat als Priester eines kleinen QrtcS in der Diözese Toulouse nach stillem, langjährigem llmgauge mit den Naturwisicuschaften. namentlich der Geologie, plötzlich mit seinen praktischen Kenntnissen hervor und erregte durch seine Angaben der in jenem Departement so wichtigen unterirdischen Wasscrlänfe ein nngemeincs Aufsehen- das Voll hielt seine Fähigkeit vielfältig für höhere Eingebung, selbst den Gebildeten erschien sie im Anfang uncrklärbar. Ein Werk von ihm, daS für die Quellenkunde von grundlegendem Werthc ist, wurde von Cotta im Jahre 1856 ins Deutsche übertragen. Als Paramelle ini Jahre 1813 in dem kleinen Kirchspiel St. Jean- I'Espinassc(Lot) zum stellvertretenden Pfarrer eniannt worden Ivar, überraschte ihn der Gegensatz, den in bczug auf die Quellen der östliche Theil des Departements de Lot gegen den westlichen bildet. Der östliche, ganz aus Ilrgcstcm bestehende Theil zeigt sehr lange und regelmäßige Hügelketten. Von allen Seiten fließen Quellen herbei; fast jedes Hans hat eine in der Nähe, und fast alle Wiesen werden von Flüsse», Bächen oder Quelle» bewässert. Den 24 Kantoiicn dagegen, die den ivesllichen und südlichen Theil des Departements bilden und auf Kalkstein- sorination liegen, fehlt es an Bächen und Brunnen mit Qlwllwasser. Die Wünschelrnthe bildete in dieser Gegend einen gewöhnlichen Gegenstand der llntcrhaltnng. Die Einwohner mußten häufig vier bis fünf Stunden weit gehen, um mühselig für sich und ihre Thicre das nöthige Flußwasser zu holen. Die allgemeinen Klagen rührten das Herz des Abbes. Paramelle wußte, daß auf der Kalksteiiisormation ebensoviel Regenwasser niederfällt, wie auf den anderen Formationen: er begann, die lveiten. trockenen Plateaus zu durchivandcrn, stets bc- müht, dem Verlauf der Regentvasser nachzuforschen und Quellen- spuren aufznfinden. Fast zwei Jahre vergingen. ohne daß es ihm gelang, das geringste Zeichen von Quellen z» entdecken. Da es ihm auf den PlatcanS nicht glücken wollte, wandte er sich mit seinen Ilntersnchungc» den Ufern der drei Hanptfliisse des Departements zu. Er sagte sich bald, daß deren Quellen nicht in dem Gestein cnlstnndcn. ans dem sie hervorträten, und auch nicht in der Umgebung, sie müßten vielmehr das Produkt der Ncgcmvasser sein, die auf de» Plateaus niederfallen und dort sogleich von der Bodenoberfläche aufgenommen werden. Er mußte annehmen, daß unter den Kalk- stciuplateans unterirdische Bäche auf dieselbe Weise entstehen, an- wachsen und weitcrfließen müssen, wie die sichtbaren Wasscrläufe anderer Gegenden; aber wo lagen ihre Betten? Nim drängte sich dem Unermüdlichen der Gedanke auf. er müsse das Studium der unterirdischen Hydrographie ani falschen Ende angegriffen haben: dem Studium jener mit Erdfälle» und Erdstürzen überfüllten Gegenden müßte das der an Quellen so reichen Urgesteine vorher- gehen. Die zlvci nächsten Jahre wurden darauf verwendet, die Ur- formation des Departements zu durchwandern und zu untersuchen. unter welchen Terrainverhältnisscn dort die Quellen hervortreten. Kaum hatte er so die Materialien zur Theorie der unterirdischen Wasserläuse gesammelt, so wendete er sie auf die KalkslciuplatcauS *) AnS der»Kölnischen Z e i t u n g an und ciöffuefe ylsbald die laugc Reihe seiner Qnellencnidecknngen mit NnssindimI der mächti