AnterhallungMatt des Horwärts Str. 242. Dienstaq, den 13. Dezember. 1898 (Nachdruck verboten.) DieVndrvvife dev�nnrilie Mellvik. «] Von Alfred a f Heden st jerna. Papa Hellvik drückte Onkel Gustav's Hand und flüsterte: „Wie schön sie heute ist! Meine liebe, liebe Emma I" Er erhielt keine Antwort. Erstaunt guckte Albert Hellöik zum Bruder empor. Zwei klare Thräncn standen in Onkel Gustav's Augen, seine Lippen bebten, und er bist sich in die- selben mit seinen langen, grüngelben Zähnen, um seine Rührung zu unterdrücken. Die Herzen beider schlugen so, daß sie die uralten, lautgchcnden, großen Spindeluhren in ihren Westentaschen übertönten. Die alte Frau Christine, die Badefrau der Frau Hellvik, hatte auf der hintersten Bank einen Platz bekommen, da sie zur Generalprobe sich nicht hatte freimachen können. Die Alte weinte ganz laut über die traurigen Folgen der„Misse- thaten der Eitern". „Ach, Sie brauchen sich nicht zu grämen. Mama der- stellt sich ja nur!" tröstete sie der junge Arxl, der auf der Bank vor ihr saß. Tann kam. unter ständig steigender Erwartung nach jedem Aktschluß. endlich die große Schlußscene. in der die Freiherrin Laura Spadercreutz von ihren Kindern Abschied nimmt und sich und sie zu lebenslanger Verzweiflung ver- dämmt, und Hugo und Julie, das Herz voller Bitterkeit gegen die Mutter, einzeln hinaus in die Welt gehen, ohne jede Hoffnung, je sich wiederzusehen, ohne Möglichkeit, etwas gegen das Leid auszurichten, daS Schwester und Bruder miteinander verbunden... Die Schlußworte, die der Assessor schon im voraus mit einem noch nie enrpsundenen Schaudergesühl genoß, lauteten also: „Freiherrin Laura(das Haupt ans die Platte eines Marmortischcs gedrückt, mit tonloser, versagender Stimnie): Geht, nieine Kinder! Kein Fluch von Euren Lippen könnte mich so schwer treffen, wie mein eigenes Gefühl, daß Ihr beiden Annen als schuldlose Opfer der Misse- thaten der Eltern gefallen seid...(Vorhang.) Bis dahin war alles, wie gesagt, vortrefflich gegangen. Aber als nun Frau Hellvik, herzensfroh, daß alles so glück- lich abgelaufen, den überfüllten Saal sah und an den großen Ueberschuß für den wohlthätigen Zweck dachte und dabei fühlte, daß doch sie es eigentlich war, die den Tag gerettet hatte, und sich mystische Geftihlsfäden von ihrem eigenen Herzen zu dem Albert's, der Kinder und Onkel Gustav's draußen im Saal hinspannen, und als sie dann die thränenerfüllten Augen der armen, schönen Oberstin und des so reizend liebenswürdigen Barons hier oben sah— da schanderte sie plötzlich zurück vor der gemeinsamen Grausam- keit der Vorsehung und des Assessors, ihr gutes Herz schwoll über, sie konnte sich nicht länger beherrschen, öffnete ihre Arme. und rief: „Nein, Ihr seid genug geprüft, geliebte Kinder! Schon gestern Abend ward es mir klar, daß unser Leid auf einem wunderbaren Jrrthum beruht und daß Hugo garnicht mein Sohn ist, sondern der einer lieben, geliebten Jugendfreundin, die auch in dem Hause in der Schmiedegasse Unterkunft ge- funden hatte I... Umarint Euch, Kinder! Seht, so ver- zeiht ein barmherziger Gott die Misset haten der Eltern!" Eine furchtbare Bewegung entstand. Die Oberstin und der Baron hatten freilich die Geistesgegenwart, sogleich ihre Kindergesichter an dem üppigen Busen der„Mutter" zu ver- bergen und ihr Lachen zu ersticken, aber draußen im Saal kämpften die Wogen der Begeisterung einen harten Strauß mit denen des Erstaunens und der Empörung, bis alles in einen donnernden Applaus erstarb,„der gar kein Ende nehmen wollte, obgleich es an vielen Orten üblich ist, dergleichen bei Dilettantenvorstellungen ganz zu unterlassen",->- stand in dem Seestadter Tageblatt. Aber als der Vorhang zum letzten Mal zusammengezogen war, stand der Assessor Halldelin bleich, ganz verstört, mit sprühenden Augen und sich sträubenden Haaren mitten auf der Bühne, wie ein Mensch, der mit Lebensgefahr einem Erd- beben entronnen ist. Nur mühsam vermochte er seine blutlosen Lippen zu öffnen und zu stöhnen: „Frau Hellvik— Sie haben mein ganze? D r a ni a r u i n i r t I" Frau Hellvik winkte ihrer Tochter: „Schnell. Gerda, ein Glas Kognak für den Herrn Assessor. Der Baron hat welchen ans dem Fenster... Stein, auf dem andern... So, t ch habe das Stück ruinirt, sagen Sie? Ich glaube das nicht, Herr Assessor, und Sie dürfen mir deshalb nicht böse sein. Sie hörten ja selbst, Herr Assesior, wie sie klatschten. Es ist mir unmöglich, nicht zu helfen, wo ich kann. Und sie klatschten ja ganz gewaltig. Ich glaube, gute Menschen sehen es am liebsten, wenn es zum Schluß gut abläuft. Herr Assessor. Ich glaube, sie meinen, wir haben genug Elend im wirklichen Leben; aber dennoch bin ich, die schon ein wenig länger auf der Welt ist, als Sie, überzeugt, daß das Leben und die Welt und die Mensche» weit besser sind, als man denkt l So und nun trinken Sie einen Kognak, dann sind Sie lieb! Ich bin ganz sicher, daß ich.ihr Stück nicht ruinirt babe!" IV. Eine wanne, mild« Hochsommernacht lag über den Herr- lichen Fluren von Gesundbrunn. Alle Blüthen dufteten noch frischer in dem Nachtschlummer. Alles war still und ruhig. In der Villa der Frau Berg vernahm man keinen Laut, nur ruhige, stille Athemzüge. Da erhebt sich lautlos, katzen- leise eine feine Fraucngcstalt in ihrem weißen Nachtgewande vom Divan in der Fensterecke und lauscht nach dem Bett in der anderen Ecke, in dem ein rosiges Antlitz, von blonden Locken umrahmt, mit geschlossenen Augen in ficherer Ruhe liegt, während die Brust sich sacht in gleichmäßigen Athem- zügen hebt und senkt. Das Mädchen auf dem Divan scheint mit diesem Bilde» wie schön es auch ist, nicht zufrieden zu sein; sie schüttelt ungeduldig den hübschen Kopf und legt sich mit einem Seufzer wieder hin. Dann erhebt sie sich wieder, läßt ihre weißen Füßchen auf den Boden herabgleiten, schleicht leise zum Bett, umschlingt den Hals, der zu dem schönen Kopf gehört, mit ihren Armen und drückt einen Kuß auf die halboffenen Lippen. Das schlafende Mädchen fährt zusammen und inunnelt erschreckt: „O, wie können Sie's wagen, Herr Pastor... Mein Gott» Gerda. D u bist es...?" Die schlanke, weiße Gestalt schlüpft ins Bett, schlingt die Arme um die Liegende, verbirgt das Geficht an ihrer Brust und flüstert: „So, Deine Seele und Gedanken weilen auch daheim» Aennchen?" Anna reibt etwas verdrießlich den Schlaf aus der: Augen und sagt: „Nein, ganz und gar nicht! Ich finde es ganz be- zaubernd hier, aber ich träumte jetzt gerade, ich wäre zu Hause und einer gräßlichen Unannehmlichkeit ausgesetzt..." „Daß Pastor Fndolin Dich küßte?" „Ja, Aber wie in aller Welt kannst Du das wissen? Hu!" Sie führte den weißen, runden Arm an die Lippen und rieb sie mit zornigem Eifer. „Machst Du Dir denn gar nichts mehr aus dem Pastor?" Anna Hellvik richtete sich auf und strich das Haar mit den Händen zurück. „Es ist so sonderbar, Gerda! Wir haben niemals ein- ander etwas verborgen, und Du weißt, zu Hause glaubte ich, ihn leiden zu können. Aber hier ist es so herrlich, es gefällt mir so gut, seit sie über Mama nicht mehr so lachen und niemand Onkel Gustav etwas übel nimmt. Ich habe an Pastor Fridolin schon lange nicht mehr gedacht, weißt Du!" „Aber Anna l Du hast Dich doch wohl nicht in de« Baron verliebt?" Anna unterdrückte ein Kichern und flüsterte: „Nein Liebste, den kannst Du ruhig für Dich behalten» wenn Du willst." „Da ist es also Herr Nilsson?" „Hu, wie warin es hier ist! Warum spukst Du eigentlich hier so in der Stacht herum, Gerdachen?" Gerda schwieg lange und beharrlich. Schließlich murmelte sie: � ...- ,■.r* „Weil. ach, was gäbe ich nicht darum, morgen zu Hause in Hultuna zu sein, wenn er loiumt und nach den Kühen sieht.. Und dann verbarg sie wieder zwei erglühende Wangen an der Brust der Schwester. Anna strich sacht über ihr blondes Haar hin und sagte: „Armes Gerdachen I So, das mit dem Doktor Langberg geht also nicht vorüber, obgleich Du nun so viele andere Männer zu sehen bekommst?" „N i e 1" flüsterte Gerda sehr bestimmt. „Aber. Liebste, er ist doch nur Thierarzt, und hier könntest Du.. „Ja. das glaubt Ihr alle; aber ich selbst fühle so deutlich, daß ich ihn niemals vergessen kann. Uebrigens muß ein Thier- arzt das Studentcnexainen gemacht haben, und das hatte der Provisor bei Stenberg's nicht, in den Du vor zwei Jahren so verschossen warst." lFortsehung folgt.) Einiges nbee Vnnilzninneen. Während im klnsfischen Altcrthum die Verwendung von Pelz- werk als Kleidung und Zierde völlig unbekannt war— weder die schönhcitSdurstigen Griechen noch die prunkliebendcn Römer wußten etwas von diesem kleidsamen Luxusgegenstand— ist gerade in den letzten Jahrzehnten dem Verbrauch von Pelzivaaren starler Vorschub geleistet und den Thierfellen aller Art eine Wcrthschätzung erwiesen, wie man sie seit dem Mittelalter, wenigstens in unseren deutschen Gauen, nicht gekannt hat. Diese so allgemein gewordene Verwendung von Ranchwaaren hat naturgemäß die Menge der Felle liefernden Thiere ganz er» heblich verniindert. Mit diesem langsamen Schwinden der Thiere wie Zobel, Biber u. s. w., steigt ihr Werth, und die Preise gestalten sich immer unerschwinglicher. Nur so war es möglich, daß der Handel mit nachgeahmten Rauchivaaren zu einer Blüthe gedieh, die der mit echtem Pelziverl fast gleichkommt. Vor allem der Zobel wird so vielfach nachgeahmt, daß die Mehrzahl der sich so stolz darbietenden Zobelpelze sich bei genauer Prüfung als gefärbte Marderfelle entpuppen. Ebenso ergeht es dem Fell des buchowischen Lammes, dem sogenannten Persianer, dessen Nachahmung kaum vom Original zu unterscheiden ist. Weniger geglückt ist die Nachahmung des Skunkspelzes, der vom nordamerikanischcn Stinkthiere stammt; dessen Preis wird immer ein relativ hoher bleiben wegen der verschiedenen Prozesse, die erforderlich sind, den Geruch zu vertreiben. Ein sehr kleidsames Pelzwerk liefern nnS auch einige Wasservögel, so der am Vodensee und in Holland lebende Haubentaucher, ferner der Schwan und der graue Geier. Wenn nun aber auch, wie erwähnt, Hellas und Rom keine Kenntniß von dem Nutzen der Rauchivaaren hatten, so war in Deutschland das Pelzwerk von frühesten Zeiten an als natürliches Material für Kleidungsstücke jeglicher Art in Gebrauch. Als der im Mittelalter sich ausbreitende Luxus sich auch auf die Rauchwaaren erstreckte, wurde es den unten, Ständen verboten, Luxuspelze zu tragen. Trotzdem ivar der Verbrauch von Fellen aller Art, vor allem in der weiblichen Toilette, sehr stark. Hermelin und Zobel, Marder, schwarze Füchse und Eichhörnchen mußten ihre Felle zu Märkte tragen, um„den holden Leib" der deutschen Frauen zu schmücken, die auch in, Sommer eine An- wcnduiigsart für diesen so gut kleidenden Luxusartikel heraus- fänden. Ulm und Regensburg tauschten die Rauchwaaren ein vom Süden, die Hansestädte vom Norden Mit Grau- und Bunt-Werk und Hermelin, fütterte und umbordete man Kleider, Mäntel, Decken und Behänge. Das vornehmste unter den Thierfellen war der Zobel- pelz. Er diente dem Hermelin sozusagen als Folie, indem er äls Vorstoß und Besatz mittels seiner dunkleren Färbung dessen schneeiger Weiße mehr Geltung verschaffte. «Der beste Zobel von der Welt— heißt es in einer Dichtung Hartmann von Aue's— konimt von Conneland, dessen Herrscher der Sultan ist und das rings umschlossen ist vom Lande der Griechen und der Heiden." Der Dichter meint Jconium in Kleinasten. Die weiten Wälder und Steppen des russischen Reiches waren schon da« mals die Lieferanten des Zobelfelles. Schon zu Anfang des vierzehnten Jahrhunderts erlitt der Luxus, der mit dem Verbrauch von Thierfcllcn getrieben worden war, eine ganz bedeutende Stockung. Der Grund war eben so einfach,. wie natürlich. Die europäischen Wälder lvaren ausgeraubt. Sie wiesen keine Pelzthierc mehr auf, und Rußland verbrauchte seine Felle im eigenen Lande. Den Russen gilt der Pelz nicht als Luxusgegenstand, sondern als unentbehrliches Bekleidungsstück. Der Kirgise begnügt sich mit einer Pfcrdehaut, der Tatare bevorzugt das graue Schaffell, der Rüthens das schwarze und der Kalnittcke das laffee- farbene. Die Entdeckung Nordamerika's solvie die Eroberung Sibiriens brachten dem Handel und.der �Vexweydung von Rauchwaaren eine neue Blüthezeit. Luxus und Mode einten sich, sie noch immer mehr zu heben imd die Reihe der Pelze spendenden Thiere von Jahr zu Jahr zu vergrößern. Zobel, Edelmarder, Nerz', Iltis, Herinelin. Skunk, Feh, Hamster, Kaninchen, Opossum, Angora,'Schaf, Reh. See» Hund, Robbe, Seeotter— alle diese Thiere liefern rhre Felle dem Bedürfniß und dem Luxus. Jedes Fell hat seine eigene Bestimmung. Lang- und feinhaarige Pelze werden für Kleidungsstücke verwandt. Reh- und Robben-Felle ergeben Jagd- und Reisc-Taschen, Tornister und Schulranzen. Tiger- und Angora- Felle liefern Zimmerdecken und Wandschmuck. Das grobe Bärenfell wird für Futzwärmer, Wagen- und Schlitten-Decken verarbeitet; Reh- und Iltis- Schweife zu Pinseln. Je kälter eine Gegend, um so werthboller, also um so feiner und dichter sind die Felle. Der kostbarste Zobel lebt im östlichen Sibirien, in den Wäldern der Giljakeu, an der Küste deS Stillen Ozeans. Dieser sibirische Zobel ist ein marderähnliches Raubthier, ungefähr 58 Zentimeter lang mit einem etwa 17 Zentimeter langen Schivcif. Sein seidiges, glanzreiches Fell ist um so theurer, je einfarbiger es ist. Die schönsten Zobelpelze sind auf dem Rücken schwärzlich, ain Halse und an den Seiten kastanienbraun, an den Wangen grau, an der Schnauze schwarz und grau gemischt, an den Ohren weißlich grau oder lichtbraun gerändert,' an» Unterhals dotter- gelb bis roth-orange. Am reichsten an pelzliefernden Thieren ist die Seckiistenprovinz Sibiriens an» Stillen Ozean. Hier findet sich alles vertreten, was nur ein Fell zu Markte zu trage»» hat: Reh, Hirsch, Eber, Tiger »ind Pailthcr, Bären, Zobel und das große Wiesel(Hermelin). Einen Hmlptgegeiistand des sibirischen Pelzhandels bilden die Eichhornfelle. Außer diesen werden geliefert: Wolf- und Bärenfelle, Elenthier- und Renilthierfelle, Zobel, Fuchs und Hermelin. Der weiße Winterpelz des Wiesels ist noch heute sehr gesucht. Freilich treten an seine Stelle sehr oft Katzenfelle. In» Mittelalter durste das Hermelin nur von Fürsten getragen werden. Die Sage, daß das Wiesel eher durchs Feuer als durch den Schmutz gehe, machte es zum Sin>»bild der Reinheit und Unschuld. Das Jageil der Rauchivaaren liefernden Thiere wird anf verschiedene Art versucht. Am gefahrbringendsten und nlühevollsten ist die Zobeljagd. Die fast unzugänglichen Berge, die meilenbreiten sibinschen Ströine mit ihrem Elsreichthum bieten den, Thiere vor« treffliche Schlupfivinkel»»nd den» tollkühnen Jäger auf Schritt und Tritt Gefahre»». Dessen ungeachtet wird der Zobelfang sehr oft von einem einzelnen gewagt, der mit seinen» Hundeschlitten tagelang in den» dichten Urwald den Spuren des kostbaren Thicrcs nachschleicht. Im großen und ganzen wird aber die Zobeljagd von größeren Gesellschaften abgehalten; dreißig bis vierzig Personen vereinigen sich zu diesem Ziveck. Die Jagd dauert von Oktober bis Dezember. Der Preis des Zobelfelles in den sibirischen Handelsstädten schwankt zwischen 50 und 600 M. Am einträglichsten für die Jäger ist der Fang deS ungeinein raren schwarzen Fuchses. Ein solches Fell erlaugt bisweilen eine» Werth von 1000 Rubeln und mehr. In den Vereinigten Staaten und in Kanada jagen Indianer, Amerikaner und Europäer die Pclzthiere. Die von den Indianern gelieferten Felle sind: Biber, Bisain, Silber- und Kreuzfüchse, Luchse, Nerze(Wasseriviesel), Otter», Büffel, Bären, Wölfe»md Zobel. Die amerikanischen Zobel sind grobhaariger als die sibiri- scheu, auch mehr röthlichbrmin als goldfarben. Die schöilsten amerikanischen Felle kommen von der Hudsonbai, aus Labrador»md Ostmaine. Die russisch-amerikanische Kompagnie, die anf Kodiak, Sitka und Alaska ihren Handel treibt, tauscht von den Eskimo und den Indianern Ottern-, Biber-, Fuchs- und Seehllndpelze ein und bringt sie nach St. Petersburg und China. Den Mittelpunkt des Handels mit Rauchivaaren in Rußland bildet Nishnij Nowgorod, wo alljährlich die russischen Pelzvorräthe sich zusammenfinde»». Der Haupthandelsplntz für Rauchwaaren in Deutschland ist Leipzig, dessen jährliche Zufuhr von Fellen an. 30 Millionen Mark Werth haben soll. Der Handel hängt von der herrschenden Mode und der Nationaltracht ab. Wien, Berlin und Breslau zeichnen sich hierin besonders aus. Die Felle kommen roh, halb oder mich ganz zubereitet in den Handel. Den» Jäger obliegt natürlich die Anfangs- arbeit, indem er dem Thiere das Fell abzieht, es ausspannt und trocknet. Nun konimt der Kürschner in Thätigkeit, vielfach auch noch erst der Gerber. Das Trocknen»nacht die Felle sehr oft brüchig und hart, so daß eine leichte Gerbung erforderlich ist. Man befeuchtet zu diesem Behuf die Haut mit Wasser, schabt sie mit einer eisernen Stange, bestreicht sie mit einer fettigen Masse und streut Mehl oder Kreide darauf. Nitnmehr wälzt man die Pelze in einer warmen Sand und Hobelspäne enthaltcilcn Tonne tüchtig hin und her, klopft sie hernach ordentlich aus und bearbeitet sie mit eine»»» scharfen Messer.- Lammfelle müssen vollständig»»it Wasser durchzogen, mit Gerstcnschrot bestreut iverden und darauf noch mehrere Tags in Salzwasser liegen bleibe»». Kaninchenfelle beizt man mit Alaun; Eichhörnchcnfelle bestreicht»na» mit Butter und reinigt sie mit Gips und Sand. Die geschicktesten Gerber sollen die Nomaden Rußlands sein. Aber auch die berühmten Gerber in Moskau, Llftrachau, Kasan und Kaluga weisen Meister in dieser Arbeit anf. Die besten Kürschner soll China besitzen. Berühmt sind auch, die gefärbten Londoner Felle und die Leipziger zubereiteten Eichhon»pelze. Neben der Fellumbordung, die heute sogar auf die TNMeiber fich erstreckt, begünstigt die Mode autzcrordentlich das Federpelzwerk. Da ist es vor allem der Schwan, der uns sein zartes, flaumiges Pelzwerk liefert. Den ebenfalls augenblicklich so sehr beliebten Marabut-Federnbesatz spenden verschiedene Storcharte» Indiens und Brasiliens. Die so äußerst werthvollen Federn sind kurz, fein zer- schlissen, blendend weiß oder silvergrau.— (.Kölnische VolkSzeitung.") Meines Fenilttekon. — Das Tavernenrecht der Fran. Unter diesem Spitztitel schreibt man der„Franks. Ztg." aus Zürich: Im sauktgallischen Rheinthale wächst ein ganz ordentlicher Tropfen Wein, den man sich gerne munden läßt, nanientlich in froher Gesellschaft. In einem Städtchen dieses Rhein- und Weinthales mm haben eine Anzahl Mädchen begonnen, jetveilen an Sonntagabenden zu heiterem Vereine im Wirthshaus sich zusammenzufinden nnd vorn edlen Rcbeunaß in Zucht und Ehren zu nippen. Aber die Philister kamen über sie und in den beiden Stadtblättlcin ward über die Mägdelein, die sich Mannesrecht anmaßten, die Schale des bekannten„sittlichen" Zornes ausgegossen. Die wackeren Evastöchter blieben indessen die Antwort nicht schuldig, sondern erwiderte» in eben denselben Gazette» des Städtleins ihren Richtern.„Als Angegriffene", so beginnt die Abwehr der Rheinthalerinnen,„erwidern wir kurz und bündig, daß »vir uns von solchen Zeitungsschreibern keine Vorschriften machen lassen, und daß unsere Sittsamkeit in ihrer Gcgenlvart mehr ge- fährdet ist, als ohne sie. Wenn im Wirthshaus so große Ge- fahren sind, warum werden diese von den Männern so fleißig besucht, und warum sitzen diese so lange darin, bis sie auf ihrem oft recht krummen Heimwege auf Abwege stolpern oder von Nachttuben(gleich Nachtschwärmern) heimtransportirt werden müssen? Wir betrachten es deshalb als unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, daß immer mehr Personen unfcre? Geschlechtes ins Wirthshaus gehen, ja sogar alle Wirthshäuser mit Mitgliedern unseres Geschlechtes vollzupfropfen, daß keine sogenannten Herren der Schöpfung mehr Raum darin finden, und das so lange, bis die Männer sich an irgendwelche Sparsamkeit gewöhnen. Dann aber werden auch wir»vieder zu der uns angebornen Sparsamkeit frei- willig zurückkehren. Kehrt also zuerst vor Eurer Thüre und versuchet nicht, Mädchen nach Hause zu begleiten, während Eure angetrauten Frauen mit Sehnsucht und Kummer Eure Heimkunft erlvarten, denn bei derartigen Versuchen weisen wir Euch hin, wo Ihr hingehört: Zu Euern Frauen I"— Theater. — ck. In der„N eucn Freien Volksbühne" wurde am Sonntag im O st e n d- T h e a t e r ein Werk H e b b e l' S aufgeführt, das vordem noch nicht auf einer Bühne erschienen war: „Juli a": Das Stück war im Jahre 184S von den Hofthcatern in Wien und Berlin bereits zur Ausführung angenommen, wurde dann aber wieder abgesetzt, weil„der Geist der Zeit sich inzwischen wieder verändert hätte". Das mit romantischen Elementen durchsetzte Drama fand bei den Mitgliedern der„Neuen Freien Volksbühne" lauten Beifall. Um das Spiel machten sich besonders verdient: James K u n e r t(ans Ziirich) als Graf Bertrain, Fräulein L e n o(vom Neuen Theater) als Julia und Cäsar Beck(aus Wiesbaden) in der Nolle des Antonio.— Musik. Konzerte. Theater des Westens.„Großer inter- nationaler Kongreß der Klinipermarien." So ungefähr hätte sich die dicsnialige Musikwoche betiteln können. Ans Nordwest wie aus Südost kainen sie als rüstige Reisende und bewährten diese Rüstig- keit auch im Hin- und Herfahren zlvischen den beiden Polen des klavicrniarielichcn Daseins: der. steifen taktmäßigen Korrettheit und dem als Willkür mißverstaudenen Rubato— daß in der Unruhe des Rubato Ruhe am ällenneisten nottbut, davon hat z. B. ein Mister- exemplnr aus jenem Kongreß, Marie Geselschap, die am 7. d. M. im Bechstein-Saal ihre Noten spielte(die vielen langsam, die weiiigen schnell), anscheinend keine Ahnung. Auch die zwei Budapcsterinnen, KornelieHollosy undJdaKelen, die am 6. im Architcktenbans auf zwei Klavieren spielten, zeigten wieder, wie schwer weibliche Musiker(schließlich wohl ans Gründen der geringeren Muskelherrschaft beim Weib) mit der Kunst des gebundenen und des freien Taktes zurechtkomme». Eine Bourree von D. Scarlatti spielten sie modern schumannffch, die Humoreske von Schumann spielten sie eher skarlatisch und verfehlten just den Humor dieses herrlichen Werkes. Gerade hier sollte sich zeigen, wie weit das Spielerpaar auf dem Jnstrumentenpaar eine einheitliche, freie Doppelindividualität, statt zweier aneinander gefesselter Einzelindividualitäten, werden kann. Daran aber dürfte sie auch die diesmalige Sonderart des zwei- klavierigen Spiels gehindert haben. Es galt Ueberttagungen ein- klavieriger Stücke. Das Problem dabei ist, die in einem Stück ver- borgen liegende größere Fülle der Stimmen herauszuarbeiten. also einen reichgefüllten Tonsatz zu bekommen, wie es z. B. Julius Zellner in seiner Transskription von Beethovens Kreutzersonate(die aber ursprünglich fiir Klavier uiid Violine kompomrt ist), in einer wohl musterhaften Weise gethan hat. Heinrich G o b b i in Budapest, der Lehrer jener beiden, ging bei seinen Bearbeitungen nur von dem Gedanken der Erleichterung und Verdeutlichung des BorirageS aus und verzichtete ganz oder theilweise auf„Füllung". So war dieses Konzert— das trotz vorgängiger Reklame ziemlich leer blieb— keine Ivesentliche Bereicherung unserer Musik, obscho» die beiden sich als tüchtige, einigermaßen auch als plastische Spieler bewährten. E m ui a Koch, die an» selbe» Abend in der Sing« akademie als eine dem Publikum bereits freundlich bekannte Klavier- spielerin auftrat, hatte mit ihrem Gefühl für den Charakter schumannischer und späterer Musik, trotz niancher Unfeinheiten, mehr Glück. Andere Pianistinnen inußteir wir übergehen, ohne sie deshalb als nünderwerthig betrachte» zu wollen. Da« gegen hat sich der bereits gut eingeführte Pianist Waldemar L ü t s ch y am 9. d. M. in der Singakademie als ein Mann von manchem tüchtigen Können bewährt. Er bringt für Beethovens Es-ckur-Konzert eine mächtige, besonders rythmische und Iveniger melodiöse Gestaltungskraft mit, wie sie die Frauen und selbst die damalige etwas nachlässige Direktion des philharmonischen Orchesters nicht ebenso besitzen. Immerhin handelt es sich auch bei ihm mehr um gewandtes Spiel als um den Drang, Innerliches auszudrücken. und'mehr um schönen Anschlag und Beherrschung des Figurativen als um anderes. Jin gesanglichen Theik dieser Woche ist zunächst M. Th.de Sauset(am 8. in der Singakademie) zu nennen. Durch die „starke Jndispositio»" hindurch, wegen deren das Publikum um Nachsicht gebeten war, konnte inan eine durch längere Schulung geleitete Stimme, eine sehr deutliche Aussprache ivenigstenS der Konsonanten und ein nach Ausdrucks ringendes Verstäudniß, aber auch eine Unfertigkeit der Ausbildung erkennen, an der das Um- zwingen dieses Mezzosoprans zu einem Sopran Hauptschuld sein dürfte. Minna Rode erwies sich, zunr theil in Gesangsbegleitung, als eine sympathische Geigerin.— Am 9. verabschiedete sich Li II» Lehmann vor einer Amerika-Reise von dem Konzertpublikilin, das seinen Liebling in Beifallsraserei zu ungezählten Zugaben nöthigte und niit unzählbaren Handkiissen belagerte. Die Sangeskünstleriir bewährte, wie uns eiir Vertreter berichtet, wiederum die so überaus vornehme schlichte Art ihres Vottrags, solvohl beim tiefen Ernst wie bei neckischer Heiterkeit, und die ergreifende Herrlichkeit ihrer Töne.— Auch über zwei unserer großen Abonnen»ents-Konzerte be« richtet unser Vertreter und zwar aus den Hauptproben. DaS vierte Symphonie-Konzert der königl. Kapelle dirigirte Weinaartner in bekannter Weise. Neues gab es nicht, etwa Mottlls Zusammenstellung einer„Balletsuite" aus Gluck ab- gerechnet, und der Beifall war mäßig. Das fünfte Phil- harmonische Konzert unter N i k i s ch(am 11. und 12. Dez.) gehörte dem Gedächtnitz Beethovens(geboren 16. Dezember 1770) und brachte die 6. und 9. Syniphonie. An der packenden Wirkung und an der Gewinnung des entsprechenden Beifalls waren alle Mitwirkenden betheiligt, am meisten wohl der Philharmonische Chor.— Im Jahre 1882 feierte zu Hamburg ein Theater- Veteran seil» 60jährigeL Künstlerjubiläum, aus dessen dramatischer Laufbahn, auch wenn er keiner der„Größten" war, noch immer reiche Früchte übrig sind. Es ist K a r I A u g u st G ö r n e r. geboren 1806 zu Berlin, gestorben 1884 in Hamburg— ein vielgewanderter Schauspieler, Regisseur und Bühnendichter. Als seine hauptsächlichen Schöpfungen gelten die sechs Bändchen seines„Kindertheaters"(Berlin 18SS) und die achtzehn Bändchen seiner.Weihnachtsniärchen-Komödien"(Hamburg 1879— 1884); als eigentlicher Schöpfer der Gattung der Weihnachtsfeeerie gilt e r. Es ist heute nicht leicht möglich, über den Werth solcher Dichtungen und Aufführungen für Kinder ein all- gememeres Urtheil abzugeben; besitzt doch gerade die heutige Literatur nur versprengte»md nicht erfolgreiche neue Anläufe zu Kinder- dichtungen, wie namentlich das Dahinschleppen eines längst an- gekündigten Sammelwerkes solcher Poesien zeigt, u»t das sich Herr E. Brauscwctter redliche Mühe gegeben hat. Gelegenheit zu einem vereinzelten Urtheile gab uns am 10. d.M. nachmittags im Theater des W e st e n s die erste Aufführung der Wiederaufnahme und Nea- ausstatttmg von Görncr's Weihuachtsmärchen„Schneewittchen und die sieben Zwerge" nnd zivar als Kindervorstellung, nachdem es(unserer Kennttiiß nach) zuerst 1874 zu Hamburg auf- geführt worden war. Daß das an originellen Situationen so reiche alte Märchen in Form eines ebenso reichen Ausstattungsstückes der gedrängt lauschenden Kinderwelt viel Spaß und Rührung gemacht hat, läßt sich denken. Allein fragen läßt sich doch auch, ob damit für die Jugend das künstlerisch Richtigste getroffen ist, für die bekanntlich nur das Beste gut genug sein soll. Die Kinder verstehen wahrscheinlich weniger von einer solchen inhaltsreichen Darbietung und haben andererseits wohl mehr Ge- fühl für einen dramatischen Zusammenhang, als wir zunächst meinen möchten. Da ist es nun nicht gleichgiltig. ob ihnen ei» straff gebautes. wem» auch noch so naiv einfaches Drama, oder aber eine „verbühnte" Epik dargeboten wird; ob es eine wirkliche Kiinstleistuna gilt oder ein Thealerstück mit hereingeschneiten Balleten; ob ans Illusion abgezielt wird, oder ob auch Schneeivittchen vor dem Vor- hang sich bedankt: ob deutlich gesprochen wird, oder ob auch auf der Bühne jenes gestaltlose Knödeln und Maulfließen herrscht: das im gewöhnlichen Leben, einschließlich mancher Uuterrichtsstätte», als angebliches Sprechen hervorgebracht wird. Die neuliche Vorstellung ließ diese Frage nicht recht zu gunsten der Dichtung und ihrer Reproduktton beantworten. Auch abgesehen von den Besttalitäten, die nun einnial zur Exposition dieser uiid anderer alter Volksschöpftmgen gehören, und die hier j nicht eben tu dem künstlerischen„ÜBie* aufgelöst sind, ist cS doch jedenfalls eine Schwäche der einschlägigen Literatur, beim Un- dramatischen Ansehen machen und den Erfolg hauptsächlich auf packende Einzelbilder begründen zu müssen. Und' nun die Darstellung, die anscheinend wieder recht wenig.fertig' war! Gespielt wurde von Anfängern oder wahrscheinlicher Liebhabern, die alles ihrige dazu beitrugen, die Jugend von der Gewöhnung an gute Leistungen fernzuhalten. Wohl nur Fräulein Nelly Roland brachte in der Titelrolle den herzgewinnenden naiven Zug zur Geltung, der den routinitten Schauspielerinnen so oft fehlt. An der spärlich ein. greifenden Musil siel uns nicht eben NennenSwerthes auf, und die .Ballete' waren ganz dazu geeignet, die Zuhörer beizeiten auf Be- wunderung des Nichtssagenden zu drcssireu.— ez. Kunst. —. Im Frühjahr ist, wie damals berichtet wurde, eine Art Berliner Sezessionsbewegung eingeleitet worden, da die Jury der Großen Berliner Kunstausstellung dieses Jahres noch willkürlicher als sonst gegen jüngere.Mnftler vorgegangen war. Die Bewegung ist jetzt zu ihrem Ziele gelangt: sie erhält in der nächsten Ausstellung eigene Säle imd eigene Jury.— Volkerkunde. c. Ein eigenartiges Volk im nordöstlichen Transvaal sind die B a w e n d a. Erst kürzlich sind genauere Berichte über sie be« kannt geworden, die sich jetzt in dein neuen Buch von A. Seidel, .Transvaal' zusammengestellt finden. Sie gehören zwar zu der großen Bölkerfamilie der Banttineger; aber sie sind durch ihre Sitten und Gebräuche, durch ihren ausgebildeten Götzendienst, durch das ursprüngliche Fehlen der Beschneidung von allen anderen benachbarten Stämmen sehr erheblich verschieden. In ihr jetziges Gebiet sind sie um das Jahr 1700 eingewandert. Ihr Staimnsitz ist wahrscheinlich am unteren Kongo zu suchen, noch heute deuten einzelne Sprichwörter und Rede« Wendungen darauf hin, daß ihnen die Erscheinungen des Meeres früher bekannt gewesen sind, während ihnen in ihrem jetzigen Lande jegliche Art der Schifffahrt völlig fremd ist. Gegenwärtig wird die Zahl der Bawenda auf 100000 Köpfe geschätzt. Sie stehen unter der Herrschast der Buren, freilich mehr dem Namen nach als in der Tbat. Ihr kleines Gebiet, das kaum halb so groß ist wie die Provinz Brandenburg, ist in drei bleiche getheilt, an deren Spitze„Könige' stehen. Jedes Reich besteht wieder aus Provinzen unter der Leitung von Häuptlingen, die wieder Krcishäuptlingc unter sich haben, und so geht die Reihe fort bis zum Dorffchulzen. Die Macht des Königs gilt als un- umschränkt. Er ist Herr über Leben und Tod: er setzt Häuptlinge ein und ab. besetzt auch wohl die wichtigsten Posten mit Frauen ans der Zahl seiner Weiber, um sich gejieu Aufstände zu sichern. Er spricht in allen wichtige» Fällen Röcht, und die Strafabgaben, deren Art und Höhe genau bemessen ist, bilden die Hauptquelle seiner Einnahmen. Die Bawenda zeichnen sich durch eine große Kunstfertigkeit auS. Vor allem sind sie Meister in der Schmiedekunst. Eisenerz gewinnen sie in den Eisenbergen am Levuvu. Aus dem Holz ihrer Wälder brennen sie Holzkohlen. Aus Lehm haben sie Schmelzöfen gebaut, die einen Meter hoch sind und inwendig eine Grube haben. Kohle und Eisenerz werden da hineingeschüttet, dann wird die Kohle entzündet und mit Blasebälgen, die aus Fellen gefertigt sind, durch Löcher in der Ofenivand eine Weißgluthhitze erzeugt und erhalten, bis der Eisenklumpen herauögeschniölzen ist. Ein Stein dient als Ambos, ein anderer als Hammer, und trotz der einfachen Werkzeuge wissen sie sehr geschickt Picken, Acxte, Messer, Pfeile u. dgl. zu schmieden. Die Bawenda stellen auch Körbe in den verschiedensten Formen und Größen, und Matten aus Binsen in allen Breiten und Längen her. Spazieistöcke und Assagaien werden zierlich mst Draht in abwechselnden Farben geflochten. Töpfe aus Thonerde werden meist von Frauen gearbeitet. Merkwürdige Züge weist die Borstellungswelt der Bawenda auf. Wie der Tod' in die Welt gekommen, erklären sie sich so: Der Schöpfer der Welt, Kosane, hat viel Gutes und Schönes für die Menschen auf der Erde geschaffen, aber dann hat er sich zurückgezogen, um sich trägen, Nichtsthun zu überlassen, und lebte nun mit einem anderen, stärkeren Gotte zu- sammen. Eines Tages starb der Hund von Kosane, und er bat nun den andern, ihn wieder aufzuwecken. Der aber meinte: .Was nützt ein Hund? Wird er etwa auch gegessen?* Bald darauf starb jenem ein Mensch, und er bat nun Kosane, ihn wieder zu er- »wecken. Dieser aber wollte sich Ivegen des Hundes rächen, und Isaate:„Ein Mensch wird auch nicht gegeffen, warum soll er wieder aufgeweckt werden? Er ist zu nichts nütze, mag er nur todt bleiben.' So ist der Tod in die Welt gekommen. Um den Menschen zu helfen, tritt nun ein anderer Gott ein, Thovele. Der sandte zuerst den Tausendfuß mit der Botschaft zu den Menschen: i.Gehe und sprich: die Menschen sollen sterben und wieder auferstehen.' Danach sandte er das Chamäleon ab mit anderer Botschaft:„Gehe und sprich: die Menschen sollen sterben und vergehen.' Der Tausend- sfuß ließ sich aber unterwegs Zeit, ging langsani und aß Früchte, so daß das Chamäleon ihm zuvorkam und seine Botschaft zuerst zu den Menschen brachte. Als dann der Tausendfuß mit feiner Botschaft «am, da erwiderten die Menschen:„Wir haben den Vorgänger ge- jhört, der Nachfolger ist eine Kalabasse; wie die Kürbisschale im Sturm nur einen heulenden Ton von sich giebt, so ist es mit Deiner Rede. Wir verstehen sie nicht.' So blieb es beim Tode.— Verantwortlicher Redakteur: Augnst Jacobcy in Ber Meteorologisches. is. lieber den grünen S o n n e n st r a h l hat die Pariser Akademie der Wisienschasten eine neue und sehr bemerkensiverthe Mittheilung von Piot-Bey erhalten. Danach ist es wahrscheinlich, daß der grüne Strahl, der sich sowohl bei Sonnenaufgang wie bei Sonnenuntergang zeigt, nirgends so häufig zu beobachten ist wie in Unter- Egypten. Trotz der kurzen Dauer der Erscheinung ist der Strahl sehr deutlich wahrnehmbar und zwar immer von der Farbe eines schönen Smaragdgrün; die Färbung ist im allgemeinen bei Sonnenaufgang auffallender. Bei Sonnenuntergang scheint, wenn der Beobachter mit größter Aufmerksamkeit das Naturschauspiel verfolgt, die Dauer des farbigen Strahls etwas länger zu sein, nicht selten aber sieht man dann de» letzten Strahl eine deutlich blaue Färbung annehmen. Es wird jetzt als feststehend betrachtet, daß diese Naturerscheinung durchaus eine objektive ist, daß der Meereshorizont nichts mit ihrer Färbung zu thun hat. und daß auch keine Suggestion bei der Beobachtung durch den Menschen eine Rolle spielt. Fmi'ch kann gegen den ersten Punkt eingewandt werden, daß die Entstehung der Farben noch zu wenig bekannt ist, als daß man die Objektivität oder Snbjektivilät eines Farbenspiels mit Sicherheit entscheiden könnte. Uebrigens ist die erste Beobachtung des grünen Sonnenstrahls wahrscheinlich sehr alt. Wie Groff in dem Bulletin des egyptischen Institutes von 1893 ausführte, hat er nicht nur selbst bei den Ruinen von Mcm- phis bei Sonnenaufgang oft zunächst den blauen und dann den grünen Strahl gefehen, sondern er ist auch der Ueb erzeug, mg. daß schon die alten Eghptcr diese merkwürdige Erscheinung beobachtet haben. Als Beweis dafür gilt ihm die Thatsnche. daß auf vielen Denkmälern und besonders auf einer Stele der fünften Dynastie ein Bildzeichen, das die aufgehende Sonne darstellt, am änßersten Rande blau und auf den zwei mehr nach innen liegenden Streifen grün gefärbt ist. Da die Egypter in der Sonne einen ihrer obersten Götter, Ra, verehrten und bereits gute Beobachter waren, so dürfte ihnen die Laune des grünen oder blauen Strahls an ihren, Gotte nicht entgangen sein. Auch in egyptischen Schriften ist gelegentlich auf die grüne Farbe der Sonne bei ihrem Aufgange hingedeutet, indem sie mit einem kostbaren Steine verglichen wird, der dem Smaragd entsprechen dürfte.— Humoristisches. — Klare Auskunft. Känferin:«Was trägt man jetzt eigentlich I Hohen oder niedrigen Absatz?' Schuhmacher:„Ja, da« ist so, gnädige Frau! Die Stiefel mit hohem Absatz haben jetzt einen niedrigeren Absatz als die mit niedrigem Absatz, aber selbst bei diesen ist der Absatz nicht so hoch, daß er den niedrigen Abfatz der Stiefel mit hohem Absatz ausgleichen könnte.'— — Vom Herrn Professor. In dem schlcsischen Städtchen W. fand kürzlich die Entlassung der Abiturienten statt. Wie üblich, machten auch diesmal die jungen Leute, bevor sie W. auf immer verließen, den Lehrern des Gymnasiums ihre Abschiedsbesuche. Der eine der Herren Professoren gab ihnen bei dieser Gelegenheit in bewegtem Tone das ermahnende Wort mit auf den Weg:„Gähi, Schie mit Gott und machen Schie die Entreethiere zu I"— — Zum Weinen. Er:„Weshalb weinst Du denn nur?' „Sie:„Ich habe eben unseres Hochzeitstages gedacht." Er:„Da kann ich Dir'S nicht verdenken. Mir selbst ist das Weinen nahe, wenn ich daran denke.'—(„Jugend'.) Vermischtes vom Tage. — Auf der Insel I u i st ist, wie ans Anrich gemeldet wird, ein großer Schleppkahn gestrandet. Zwei Bkann wurden gerettet. Ein Schlepper mit gebrochener Schraube und zwei Schleppkähne treiben auf der See.— — Ein orkanartiger Sturm richtete in Lübeck großen Schaden an.— — Ein 16 Pfund schwerer Karpfen von 76 Zentimeter Länge und einem größten Umfang von 6ö Zentimeter wurde in, P r e g e l gefangen und den, Zoologischen Museum in Königsberg i. Pr. über» wiefen. Das Alter des Thieres wird auf LS bis 30 Jahre ge» schätzt.— — Im Wäldchen von S r e b n a g o r a bei Exin wurden ein junger Maim und ein junges Mädchen erschossen auf» gefunden.— — Bei der Station Z a m o st(Böhmen) stießen ein L a st z u g und ein Personenzug zusammen. S Mann des Zugpersonals wurden schwer, 2 Passagiere leicht verletzt. 4 Wage» wurden zertrümmert.— — In der Nähe von Taganrog(Rußland) fuhr ein K u r i er« zug bei starkem Nebel in eine Kolonne von sechzig Bahnarbeitern, die, um eine» Güterzug vorbeizulassen, auf das Nebengcleise getreten waren. Sechs Mann waren f o f o r t todt, viele würden stark verstümmelt.— — Um den Kindern der Fainilie einen bequemen Spielplatz in der Nähe des Hauses einzurichten, kauften die Vanderbilt'S in New- Kork einen Bauplatz für zwölf Millionen Mark.—* in. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.