Unterhaltungsblatt des Uorwärts Nr. 244. Doimerstng. den 15. Dezember. 1898 (Nachdruck verboten) Die Vstneveife verFÄinilie Hcllvik. 8) Von Alfred af Heden st fern a. Rur einer schlich mit ganz umwölktcr Miene umher, das war der junge Axel Hellvik. Ganz geknickt kam er zu seiner Lieblingöschwester und flüsterte reuevoll: .Ach. Gerda, ich kann mich nicht freuen, daß der König kommt, ich habe einen fo schauderhaften Theerfleck in meiner besten Hose..." Aber im Thurmzimmer der Villa Nr. 9 saß der Assessor Halldelin bei herabgelassenen Jalousien und 27 Grad Wärme, glühend vor unterthanlicher Liebe und hoher Inspiration. Der junge Mann schrieb. Es war ein Gedicht: Gleich der Rajod ans den Wogen, Herrlich und stolz und jung Schwiim»end konimt angeflogen Dort um die Waldeszung' Ans der imffen Fluth, o seht! DaS Königsschiff, die„Majestät*. Freude die Herzen entfacht Aller in unserm Ort. Selbst die Natur hier lacht Sonnenfroh Dir. unserm Hort l Da hierher in Eile geht Die Fahrt von Schwedens Majestät. Nimm denn. Du stolzer, hoher Edelster Mann im Land Gnädigst entgegen aus froher Seele und treuer Hand All' die Lieb', die in uns fleht, Um Dciue Gnade, Majestät I Jubelnd und festlich gestimmt Dich uns lobpreisen laß! Wen» ini Brudcrland glimmt Glühender Feindeshaß, Dir bei uns entgegenweht Rur heiße Liebe, Majestät! Herrscher voll Huld und Güte! König im Reich des Geist'S! Auf allen Wegen Dir blühte In Deinen» Land, Du weißt's: Da vernahm er unten auf dem Kieswege starke Tritte. Die spröde, feine Kette von taufenden Gedaukenbilderu zerriß, und der Dichter steckte den Kopf durch das offene Fenster hinaus. „Gilten Tag, Vimann? Ach, fei fo freundlich, einen Augenblick heraufzukommen!* Vimann war Oberlehrer an der Realschule in Jxstadt, besonders in der Muttersprache, und der Assessor Halldelin hatte ein gewisses Zutrauen zu seiner Urtheilsfähigkeit. Man vernahm rasche Schritte auf der Treppe, und der Oberlehrer trat herein. „Höre,* sagte der Assessor,„ich weiß ganz genau, wie es geht. Einige Stttndcn vor der Ankunft Seiner Majestät kommen die Mädchen, die nattirlich unten an der Brücke stehen und singen und Blumen streuen sollen, daher und bitten um ciueu Text. Ich dachte darum, es lväre besser, ihnen zuvor zu kommen und habe schon ein wenig begonnen... Ach, bitte, sieh es Dir ein bischen an.. Der Lehrer setzte sich ans den Rohrstuhl und las das, was fertig war. durch. Und dann begann er noch einmal zu lesen. „Na...?" fragte Halldelin. „Die Sprache ist ja ganz schwungvoll, ja, ja ein bischen ... hm... üppig; aber es sind ein paar kleine..." „Sprich nur stei heraus l Du weißt ja, daß ein ehrliches llrtheil mich niemals verletzt." „Ja, ja, es ist ganz nett, gefühlvoll, fast zu schmeichlerisch; doch sag' eininal, ,nan Pflegt wohl von Land zungen zu reden, aber eine Waldeszung.. „Ja, ich wollte doch gern hier auf den schönen Wald am Meere anspielen; es scheint mir auch ziemlich gleich, ob man Landzilng oder Waldznng sagt. Es versteht ja jeder, was ge- meint ist. Aber bitte, sprich nur frei heraus! Dein Urtheil ist mir sehr werthvoll!" „Höre, Halldelin, hälft Du es für nöthig, noch besonders zu betonen, daß die Flnth„naß" ist und daß ein Fahrzeug „geschwommen" kommt. Ich würde blaue sagen und schimmernd oder etwas dergleichen!" „Aber, liebster Vimann. hast Du denn gar keinen Poeti- scheu Sinn? Wie der Dichter schreibt„strahlende Sonne" und„duftende Blumen", Eigenschaften, die gerade so selbst- verständlich sind, kann ich wohl auch nasse Fluth schreiben. Und das„schwimmend" soll das Durchschneiden der Fluth malen!" „Entschuldige. werde nicht erregt! Ja. gewiß, es ist sehr schön!" sagte der Oberlehrer und wollte das Papier fortlegen. „Nein, fahre nur fort, lieber Freund!" „Ja, man kann wohl sagen, die Fahrt„geht" da und da�hin. aber„die Fahrt geht in Eile" ist ein etwas origineller Ausdruck." „Mein Gott, ich will doch nur ausdrücken, daß es ein flüchttges Glück ist, das uns zu theil wird." „So, na ja. Aber sag einmal, glaubst Du, daß ihm die polittsche Strophe gegen die Norweger augenehm sein wird? Darüber solltest Du der Sicherheit halder unsere großen Politiker befragen." „Meinst Du...? Aber diese Strophe, wenn ich es selbst sagen darf, hat so etwas Mäirnliches. Tu faßt die Dinge wirklich zu kleinlich auf. Die Miene des Assessors begann unheilverkündend zu werden, aber der Realschullehrer beachtete es nicht; er inter- essirte sich nun einmal für Literatur und fuhr dann fort: „Sag' einmal, und wenn es nun regnet, was machst Du dann mit Deiner sonnenftoh lachenden Natur? A»>ch*möchte ich wissen, was Du in dem unvollendeten Verse noch Neues versichern willst, als die schon oben mehrfach geschworene „heiße Liebe" und„Treue". Und wenn er es„weiß", wieso es ihn dann noch einmal versichern. Sieh'mal, das sind so Worte, die nur des Reimes wegen dastehn, und das ist leider auch.. Nun war aber die Geduld des Assessors zu Ende. Mit flammenden Augen und glühenden Wangen fuhr er auf, riß Vimann das Papier aus der Hand und rief: «Na, nun dank ich Dir aber! Ich glaube kaum, daß wir einander verstehen. Mein Gedicht ist denn doch auch kein Schulaufsatz, in dem Du nach Herzenslust roth anstreichen kannst. Ich muß in Zukunft suchen, ohne die gütigen Ve- lehrungen des Herrn Doktors auszukommen. Ich.. „Aber lieber Halldelin..." „Der Herr Doktor hat vielleicht die Güte, die Thüre von außen zuzumachen."--- Der große Politiker wurde durch die Oberstin Bär- feldt betreffs der norwegischen Strophe befragt und drückte die Vermuthung aus, daß es Seine Majestät mindestens ebenso gnädig ansehen würde, wenn sie gegen eine Hindeutung auf die große Last der Ncgierungsgcschäfte im allgemeinen eingetauscht würde.... In der Villa Nr. 7 hielt Mama Hellvik tägliche General- Musterungen über ihre kleine Schaar und warnte und er- mahnte sie: „Du hast einen guten Kopf. Gustav, aber Dl» kennst ja Dein Gebreche»: spricht er mit Dir, so antworte so einsilbig, wie möglich. Und Du, Zllbert, mußt Deinen Vasaorden an- legen und ein weißes Taschentuch nehmen: bei der Gelegen- heit kannst Du keines Deiner blaukarrirten großen Schnupftücher brauchen, hörst Du, wenn Du etwa damit wehen sollst. Und Ihr, Kinder, braucht nicht so hinten im Hauten zu stehen, der Blumen "trcut, sondern so nah Ihr könnt. Er liebt hübsche Mädchen und Ihr seid die schönsten, so daß er Euch vielleicht anspricht. Verneigt Euch dann, Kinder, verneigt Euch ganz tief. Aber verliert nicht den Kopf und denkt daran, wenn es sich machen läßt, zu erwähnen, daß Euer Papa vr, phil. ist, denn das ist' der König auch, und er liebt die Gelehrsamkeit. Bisweilen! liebt er es, sehr ftcundlich und familiär zu sein. Ich sage' Euch, Mädchen, steht ganz still, im Falle es ihm belieben' ollte, eine von Euch in die Wailge zu kneifen oder ihr in anderer Weise seine Gnade zu bezeugen. Ihr wißt, ich dulde keine Freiheiten. �. aber Herr Gott, der LcmdeStmter...! Ja, ich sage, würde es mir vergönnt, einen solchen Tag zu erleben...!" Wenn man an dem Musikzimmcr vorbeiging, vernahm man durch die offenen Fenster jeden Bormittag zwischen ein und drei Uhr Musikdirektor Pingvall's gereizte Stimme: „O, o, o? Die Soprane müssen besser durchklingen... da, bei„Sonnenfroh"... und rascheres Tempo!... Paffen Sic auf, Fräulein Dornblatt, das muff wie ein alles ver- schlingender Jubel klingen. Also, nun nehmen wir es noch einmal. Die Altstimmen müssen sich ein wenig moderiren, es sind ja viel mehr davon. Denken Sie daran, daß die Soprane nicht auf den Bäumen wachsen, obgleich es... hm... bis- weilen so scheint. Na, also: „Freude die Herzen entfacht Alles in unserm Ort! Selbst die Natur hier lacht Sounenfroh Dir, unserm Hort!" „Bravo, meine Damen. Nun ging es, wie es sollte!..." „Herr Gott, wie schön das werden wird! Aber, das sage sch Euch, Mädchen, werft ihm nicht die Blumen gegen die Brust oder gar ins Gesicht in Eurem Eifer, sondern zielt nach den Beinen, nach den Beinen, sage ich Euch I" rief Frau Hcllvik, die niemals bei den Gesangsproben fehlte.--- Oben im RathhauZsaal der Stadt Gesundbrunn, eine Biertelmeilc vom Kurort, war es weit schwerer, Einigkeit zu erzielen. Dort hatten sich die Honoratioren des Kurorts und der Stadt versammelt, um,[unter anderen nothwendigen Anordnungen, auch die höchst wichtige Frage zu entscheiden, wer in aller Namen den Landesvater in Gesundbrunn willkommen heißen sollte. Fahnen waren angeschafft, das Festprogramm nahezu fertig, und alle Danien, deren Kehlen nicht bei Halldelms' Hymne mitwirkten, hatten alle Hände voll zu thun mit den Vorbereitungen. Aber wer sollte in aller Namen all diese Huldigungen sozusagen der Majestät zu Füßen legen? Bürgermeister Burken rief Gott zum Zeugen an, daß er sich durchaus nicht dazu dränge, die Frage aber für einfach thöricht hielt, in einer Stadt, in der es keinen Gouverneur gab. Er hätte sich auch niemals den Pflichten entzogen, die ihm oblagen. Aber... wenn hier niemand einsah, daß es seine Pflicht sei, dann... seinetwegen..." Großhändler Struten sprach ungern öffentlich, tvollte sich niemals vordrängen und hoffte, daß ihn niemand für einen Streber hielte(den Basa-Orden hatte er bereits); aber es setzte ihn doch in Erstaunen, daß nicht jeder einsah, daß er als Vorsitzender des Gemeinderathes..." Da erhob sich Oberpsarrer Walldelin, that den Mund auf und sprach: „Werthe Herren? Liebe Versammlung? Gott weiß, daß niemand die geliebte Gemeinde Gesundbrunn höher schätzt, als ich, der nun schon 32 Jahre hier wohnt. Aber in meinem Innern regen sich, wenn ich ganz aufrichtig sein soll, stille Zweifel, inwiefern sich die Stadt Gesundbrunn die Ehre des gnädigen Besuches Seiner Majestät zuzuschreiben hat. Ob es nicht vielmehr der K u r o r t ist mit seinen vielen berühmten Gästen, der Seine Majestät hierher lockt? Ob es daher nicht an: besten und richtigsten wäre, höchstdenselben von einer der hervorragendsten Persönlichkeiten aus der Kurgescllschaft be- grüßen zu lassen? Zum Beispiel.. „Ten früheren Minister!" rief der Bürgermeister. (Fortsetzung folgt.) (Nachdruck vcrvoteli.) Sittv vigensvkigo MHvKitng fArbigev Glcrsplnkketr. Eine ebenso merkwürdige ivie wichtige Entdeckung, die wie so manche andere eigentlich einem Zufall zu verdanken ist, hat Henry Eros, ein französischer Bildhauer und Keramiker von Ruf, unlängst den Mitgliedern der Pariser Akademie der Wissenschaften vorgelegt. EroS beschäftigte sich seit fast tä Jahren mit einer Reihe von Ver- suchen, die auf eine neue Herstellung von Kunstgläsern abzielte: zu diesen: Zwecke waren ihm vom Staate ein Atelier und besondere Schmelzöfen in der berühmten Porzellanfabrik von Sövres zur Ver- fügung gestellt worden. Im Verlaufe seiner Untersuchungen geschah es, daß er ver- schiedene Stücke von farbigen Gläsern prüfte, dabei nahm er unter anderen ein blaues und ein gelbes GlaS und legte sie übereinander, um eine grüne Farbe zu erhalten. Zu seiner Uebcrraschung nahm er jedoch wahr, daß die Gegenstände, die er durch dieses Doppclglas bc- trachtete, durchaus nicht sämmtlich in einer grünen Farbe erschienen, wie es bei der Betrachtung durch ein einzelnes grünes Glas der Fall gewesen wäre, sondern' verschiedene Färbungen annahmen. So verloren die Bäume, Sträucher und Rasenplätze ihre natürliche Farbe und ihr Grün verwandelte sich in die gelben, orange und rothen Töne des Herbstes. Der Himmel dagegen behielt, durch das Doppel- glas gesehen, seine schöne Azurfarbe, und ebenso bewahrten sich die Blumen fast sämmtlich ihre eigenen Farben. Man hätte mindestens erwarten sollen, daß sich die einzelnen Farben bei allen Gegenständen beim Blick durch den künstlichen Glas- schirm gleich verhalten hätten, das war aber keineswegs der Fall, denn der grüne Anstrich der Bänke, Lauben und Zäune des Gartens, in den: Eros seine Versuche anstellte, erschien auch durch die farbigen Gläser hindurch grün. Daraus zog Eros den weiterhin bestätigten Schluß, daß die Farbcncrschcmung, die ein durch die doppelte Glas- platte beobachteter Gegenstand darbot, nicht von der Färbung des Gegenstandes selbst abhangig war, sondern von dein Stoffe, aus dem diese Färbung zusammengesetzt war. Numnehr untersuchte er eine ganze Reihe von Körpern theils von natürlicher, theils von künstlicher Farbe, und er wurde immer mehr gewahr, ei» wie werthvollcs Instrument er in seinem einfach aus zwei Glasplatten zusammengelegten Schirm in der Hand hielt. Bald sah er sich in den Stand gesetzt, zahlreiche verschiedene chemische Stoffe und Verbindungen ohne weiteres mit dem Auge zu unter- scheiden, auch wenn sie für das bloße Auge genau dieselbe Farbe darboten. Das grüne Chromoxyd z. B., dessen Färbungen genau mit dem des Blattgrüns übereinstimmt, erschien durch den Schirn: hindurch in einem tiefen Braunroth, seine grüne Lösung in Salpeter- säure nahm eine carminrothe Farbe an, und die übrigen mannig- faltigen Mischungen, in denen das Chrom in Glasflüssen zur Ver- Wendung kommt, ivechscltci: je nach ihrer Zusammensetzung. in braunen, gelben und rothen Tönen. Die bauen Farben von Kobalt erschienen sowohl in der Verbindung mit Kieselsäure(Snwlte) als in derjenigen mit Thonerde(Thenard's Blau) durch den Schirm rosenroth. Cros lernte nun bald das Vorhandensein von Kobalt in allen Glasflüssen durch scinei: Schirn: ohne weiteres erkennen. Aus Kobalt und Antimon oder Uran lvird zum Beispiel ein grünes Email hergestellt, durch den farbigen Schinn aber erschien sofort eine r 0 t h e Tönung, die die Gegenwart des Kobalt anzeigte. Andere chemische Farbstoffe behalten bei dieser neuen Art der Betrachtung wiederum ihre Farben bei, so die grünen und blauen Färbungen deS Kupfers, z. B. die Kupferverbindungen mit Kohlensäure und Kieselsäure(Malachit, Kupfergrün, Bergblau). das blaue Töpfcremail(Knpferoxyd in einem blcihalrigcn Schmelz- fluß), die blauen Aschen(Chlor-Kupfcrniederschlag in Kalkwasser), die blaue Alexandrinischc Glasmasse ec. EinZbesondercs Beispiel wird den Werth dieser Entdeckung noch mehr veranschaulichen. Cros untersuchte durch eine doppelte Glas- platte eine alte egyptische Schale, die für das bloße Auge äußerlich eine gleichmäßig azurblaue Färbung aufwies. Auch durch den Glas- schirn: erschien sie blau bis auf einen Thcil in der Nähe des Randes, der eine sehr schöne rothe Färbung annahm. Dadurch wurde cS sofort klar, daß die Schale später restaurirt worden war und zwar durch einen Anstrich von Cobalt, der sich aber bis auf diese eine Stelle, die dem bloßen Auge gänzlich entgangen wäre, wieder ab- genutzt hatte; die ursprüngliche Glasur bestand ans einer lupfer- Halligen Farbe. Auch das ans Eisenverbindungen bereitete Blau und Grün be- hält seine ursprüngliche Farbe beim Blick durch das neue Instrument, so das Flaschengrün, das Seladon, das Preußisch-Blau n. s. w. Weiter nahm Cros nun verschiedene E d e l st e i n e vor und fand auch in deren Untersuchung den Nutzen seines neuen Verfahrens bc- stätigt, er konnte in vielen' Fällen ohne weiteres die echten Edel- steine von den gefälschten unterscheiden. Der echte Smaragd nimmt nämlich unter der farbigen Doppclplatte einen rosa-violcttci: Ton an mit einem lcichtgrünlichcn Glänze, der über gewisse Flächen seiner Querfläche hinweg zu huschen scheint. ein falscher Smaragd, der seine grüne Farbe gelvöhnlick: durch Kupfer erhält. blieb auch durch den Schirn: hindurch grün. Der echte Saphir bewahrt seine tiefblaue Farbe, der falsche wird wegen seines Gehaltes an Kobalt rosenroth. ES läßt sich nach diesen Beispielen ermessen, daß der Cros'sche Glasschirm einer außerordentlich vielseitigen Anwendung fähig ist, und sein Werth wird durch die Einfachheit seiner Herstellung nur erhöht; dem: man braucht dazu nichts lvcitcr als eine blaue Glas- platte und eine gelbe, von denen die erstere ihre Farbe durch Kobaltoxyd, die letztere durch eine Mischung von Manganoxyd und Eisenoxyd erhalten hat. Tic physikalische Grundlage dieser Er- scheinungen, die uns die Aufklärung darüber geben wird, warum dieser einfache Glasschirm in solcher Weise wirkt, bleibt noch zu er- forschen.— Dr. E. T. Kleines Iseuillekon. —0— Eine sparsame Hansfrair. Sie saß auf ihrem Platz am Fenster. Vor ihr der mit Perlmutt ausgelegte Nähtisch, daneben der zierliche Schreibtisch und im Fenster selbst' mehrere Stcihcn auf- gehender Tulpen und Hyacinthen zwischen üppigen Blattpflanzen. Nachdenklich starrte sie auf die Stickerei. In der einen Hand hielt sie den frisch eingefädelten Faden. Doch nicht die Stickerei machte fte nachdenklich. Nein, so etwas war für sie eine Kleinigkeit! Hatte sie doch eigentlich weiter keine Arbeit, als alle diese Geburtstags- präsente und Weihnachtsgeschenke. Endlich stichelte sie weiter, mit größerer Hast und größerer Sicherheit als vorher. Ja, so wollte sie es machen.. � In diesem Augenblick klingelte es. Eine Freund», kam. Da es gerade Kaffeezeit war. ließ sie Kaffee loche». Die vom Mittag übriggebliebenen Käsekeulchen mußte die Köchin auf- wärmen. „Ja, bei mir darf nichts umkommen!" erklärte sie. „Aber die schmecken ja auch noch wunderschön!" meinte die Freundin.„Ueberhaupt, Ellt. Ausgewärmtes hat oft einen feineren Geschmack, als das ganz Frische!" „Siehst Du, so denke ich auch! Ganz wie Du!" „Und dann jetzt zu Weihnachten muß man jeden Pfennig zu- sammcnhalten. Wen soll man nicht alles beschenken! Die Eltern, die Geschivister, dcit Mann, die Kinder, die Dienstboten, Gott, wen nicht noch?!" „Ja, ja, auch die Dienstboten... Und was die für ein Gesicht ziehen, wenn man ihnen nur'ne Schürze hinlegt I Das muß jetzt immer ein Kleid sein... Allzu große Roth habe ich in diesem Jahre nicht. Mein Männi hat mir heute früh zwei blaue Lappen auf den Toilettentisch gelegt." „Blaue Lappen?" „Nun ja, Hundertmarkscheine I... Doch es reicht immer noch nicht ganz. Mama braucht einen Salonteppich, Gustav soll eine goldene Uhrkettc bekommen. Und wenn icki das Andere alles Zusammenrechne, fehlt mir immer noch das Geld zu den, Ning für meine kleine Nina." „Nun, wenn auch das kleine achtjährige Ding noch keinen Gold- reif auf dem Finger hat." „Nein, Trudchcn, ich habe ihn ihr versprochen. Nun muß sie ihn auch haben. Ich halte mein Wort!" DaS Dienstmädchen steckte den Kopf zur Thür herein:„Soll ich Licht niachcn?" „Ach nein, es geht auch so. In, Schummerigen sitzt es sich auch gcmüthlich: lvozu das Geld für das Petroleum Ivcgivcrfcn? Nicht wahr, Trudchen?" „Geiviß doch!" Da kam das Mädchen mit dem Kaffee. DaS ganze Service stand auf einen, Tablett. Plötzlich stolperte das Mädchen. Sic verlor auf de», Tcppich den Halt und schlug hin. Die Frauen kreischten auf bei dem Gepolter und Geklirre. „Licht, Licht! Bringen Sic Licht!" schrie Frau Elli den, vcr- lvirrten Mädchen zu.„Ich will die ganze Bescheeruug sehen!" Als die Lanipe kam, stellte es sich heraus, daß kein Stück des Porzellans unversehrt geblieben. Zu Scherben war es an den Tisch- süße» zerschmettert. „Ha, aber auch alles entzwei! Klara! Wie konnten Sie nur?!"... „Ja, ich sah in, Dunkeln nicht den kleinen Sessel;" stammelte das Mädchen. „Klara!" schrie Frau Elli, heiser vor Wuth.„Sie wollen doch nicht sagen, daß ich Schuld habe, ivcil ich die Lanipe nicht an- zünden' ließ? Frech werde» Sie auch noch!... Solche Person kann ich bei mir nicht länger dulden. Heute noch ziehen Sie.... Den Lohn zahle ich Ihnen ganz aus. Es soll mir Keiner was nach- reden können." Als das Mädchen hinaus war, sagte sie:„Vor Weihnachten kommt ja doch Tante Martha zu uns—' da geht's auch mit einem Mädchen." lind dann rechnete sie aus, daß das Service nur zwei Mark kostete. Also sparte sie am Wcihnachrsgeschenk für das Mädchen zehn Mark. Dafür konnte Nina schon einen ganz netten Ning bekommen.-- — Cine neue Religionssekte. Wie der„Pester Lloyd" meldet, ist in Ungarn, namentlich unter den siebcnbiirgischcn Sachsen, eine neue Religionssekte im Entstehen begriffen. Sic zählt bereits zahl- reiche Anhänger und ist auch in Hermannstadt stark verbreitet.„Die deutsche Vereinigung der siebenten Tag- Adventisten" ist der volle Titel der neuen Sekte, ihr Ursprung wäre in Amerika zu suchen, siir Europa besteht die„Hauptagentur" in Hamburg. Der Reiseprcdiger, der in Siebenbürgen mit großer Geschicklichkeit Getreue wirbt, ist ein kaum dreißigjähriger Mann von robustem Aussehen, aber ge- lvinnendeu Manieren. Er hat sich— wie ferner berichtet wird— vor ungefähr drei Monaten in Fogaras niedergelassen und verstand gar bald eine dort i», Entstehen begriffene Sekte der Razareuer für seine Ideen zu gewinnen. Der cingcstandcnc Zweck seiner Vorträge ist: das tiefere Verständniß der Prophezeiungen des Alten und Neuen Testa- inents fördern zu helfen. In Wirklichkeit schließen sich die religiösen Dogmen und die kirchliche Liturgie der„Adventisten" in mancher Bezichnng an diejenigen der Israeliten an. Ihre Psalmcngesänge im Bcthause, die rituelle Zubereitung ihrer Speisen und die überaus strenge Beobachtung des Sabbath zeigen zur Genüge, wie sehr die „Adventisten" an den Satzungen des Alten Testaments festhalten. Es giebt schon eine beträchtliche Anzahl von sächsischen Familien, die nich, mehr den Sonntag, sondern den Sonnabend heiligen, und zwar mit solch auffälliger Strenge, daß schon— nach echt israelitischem Ritus— am Freitag Nachmittag angefangen, in, Hause keinerlei Arbeit verrichtet, kein Einkauf besorgt und mit Geld überhaupt nicht umgegangen wird.— Theater. DaS Thalia-Theater irrt, lvie kann, ein zweites Berliner Theater, von Experiment zu Experiment. Man hat es in der jüngsten Zeit mit der Berliner Gesangspoffe versucht, und nunmehr will man das Glück mit der grotesken Pariser Komödie versuchen. Hat man kein Original zur Hand, so schafft man sich eine Imitation. Wozu wäre der fingerfertige Benno Jacobsohn nicht bereit? Seine Nackiahmnngcn werden allerdings immer unerfreulicher. Der jüngsten Novität, dem Eva- Apfel snach La Culotte von Sylvanc bearbeitet) ist überdies»och Londoner Klolvnkomik bei- gemengt. Auf einen ersten Akt von peinlicher Langeweile folgten die Posseuüberraschnngeu. In ihnen ist so ziemlich aller Kehricht und Ungeschmack zusammengehänst, der in den letzten Jahren den Thcaterpöbcl zum Lachen brachte. Schauspieler werden unter die Donche gestellt und triefen lvie die begossenen Pudel. Leichte Dämchen entkleiden sich, und das lüsterne Spiel wird so plump, daß dagegen die erfindnngS- armen Pariser Schwankfabrikantcn noch als Künstler erscheinen. Mir dem künstlerisch berechneten Zynismus hat die kalte Spekulation auf lüsterne Instinkte nichts mehr gemein. Die Franzosen halten auch mehr auf Reinlichkeit des Stils, selbst lvcnn sie den Pariser Jargon verwenden. Bein, viclgeschäftigcn Jacobsohn wird die Sprache so schloddrig, die Witze und Wortivcndnngen sind einem so engen Jargon entnommen, daß cS scheint, als ivolle der Autor einem kleineren Freundeskreis seine Spnßchen vortragen. Es kann doch nicht jeder den Börsenjargon„lvürdigen". Der Eva-Apfcl symbolisirt die Verführung, die von Fritzi Elair- mondc, einer„Tingeltaugel-Rickc", ausgeht. Sic beißen alle in den Evn-Apfel, die Herren der Schöpfung. Selbst eine vertrocknete Wuchererscele ist von Schwächen nicht frei. Das Publikum wollte sich halbtodt lachen über den alten Filz, als er fammt seinen, sauberen Schwiegersohn unter der Donche stand, und die fette Schlvicgcrniama, ein Elefautcnlveib, die beiden Kujone überraschte. Ja, ja, wir leben in Spree-Athen! Die Schauspieler gelten in solchen Komödien nichts mehr. Sie haben zu dulden und ihre kläglichen Rollen zu Ende zu spielen.— —ff. Erziehnng und Unterricht. br. U n t e r r i ch t s- A b c n d e für Arbeiter hat der „ K o p e n h a g c n c r S t n d e n t e n v e r e i n" seit dem Jahre 1884 eingerichtet; über ihre Ergebnisse veröffentlichte er jüngst einen inter- essanten Bericht. Anfangs wurde der Unterricht an Arbeiter über 1ö Jahre crtheilt; seitdem aber die Gemeinde 1897„Fortbildnngs- schulen" einrichtete, wurde das Anfangsaltcr auf 20 Jahre herauf- gesetzt. An den Kursen nehmen Männer und Frauen aller Gewerbe und Handwerke theil von 15 bis zu 50 Jahren und darüber. Von 995 männlichen und 549 weiblichen Personen, die sich z. B. 1896 gemeldet haben, sind im Alter von 15—19: 304 männliche und 227 weibliche, von 20—24: 263 und 254; nach oben nimmt die Zahl natürlich mehr ab, aber noch mit 40—59 Jahren sind es 57 Männer und 10 Frauen. 18 Vs pCt. der Männer waren nicht„fachgebildete" Arbeiter, 63 pCt. dagegen fachlich ausgebildete. Unter den Frauen herrschen die Näherinnen vor mit 35l/2 pCt., aber im Vcrhältniß zur Zahl der vorhandenen fachgcbildctcn und nicht- fachgcbildctcn Arbeiter sind sie gleich repräsent, rt. Die Buchdrucker und Setzer suchen am meisten Belehrung, nach ihnen folgen die Schneider und Schiihmachcr, die Buchbinder. Die ältesten Leute in größerer Zahl sind nntcr den ungelernten Arbeitern zu finden. Die von den Arbeitern bevorzugtesten Unterrichtsfächer sind zunächst Deutsch(in Dänemark) mit 343 Schülern(1896), namentlich bei den Handwerkern, während die ungelernten Arbeits- männer häufiger Englisch lernen. Die Schmiede bevorzugen Mathematik 25 Zuhörer(von 54 überhaupt), die Tischler und Maurer Deutsch und Rechnen, die Schneider Schönschreiben, Deutsch und Rechnen, die Buchdrucker Sprachen, die Zigarrenarbeiter und Buch- binder Deutsch und Schönschreiben. Die Näherinnen besonders Schön- schreiben.— Lluö dem Thierreirhe.• — Der Jardin des Plantcs in Paris ist, wie die illnstrirte Zeitschrift „Für alle Welt" mittheilt, im Besitz eines weißen Leoparden. Der gewöhnliche Leopard ist über einen Meter lang und besitzt einen Schweif, der fast die Länge des Körpers hat. Auf den, ledcr- gelben Grunde des Felles befinden sich in etwa zehn Reihen zahl- reiche braune Flecken, die ohne eigentliche Augenpunkte zu haben. durch Ringe eingeschlossen sind, die ans mehreren zusammenfließenden schivarzen Punkten bestehen. Der Leopard des Jardin des Plantes ist fast vollständig weiß mit tiefen schwarzen Flecken. Der Schweif ist ungeheuer lang und eben so gefärbt lvie der Körper. Das Thier wurde iik Tnrkestan nach langen Mühen gefangen und, nachdem seine leichte Schußwunde, die es er- halten, geheilt war, nach Paris geschickt, Ivo es in, Jardin des Plantes den Anziehungspunkt für jung und alt bildet. Auch in seiner Heimath, in Turkestan. war der weiße Leopard wegen seiner Wild- heit und deshalb bekannt, weil eS lange Zeit nicht gelungen war, seiner habhaft zu werden. Den Transport überstand das Thier ohne Schwierigkeit und in seinem ii»ncn Heim in Paris scheint es sich vollständig wohl zu fühlen.— Astpcmoniisrhes. ie. D i e Umdrehungsgeschwindigkeit d e S Planeten Jupiter um seine Achse ist bisher nur mit geringer Genauigkeit zu ermitteln gewesen, da die Oberfläche des Planeten in zu großem und zii andauerndem Aufruhr sich befindet, als das; man einen festen Punkt zur scharfen Beobachtung der Ilmdrchungsdaucr finden könnte. Eines der konservativsten Gebilde auf dem Jupiter, so wie er in den großen Fern- röhren erscheint, ist der oft genannte Rothe Fleck. Der englische Astronom Denning hat sich der großen Mühe unterzogen, alle ihm zugänglichen aströnomischcn Aufzeichnungen über de» rolhcn Fleck ans der Zeit vom S. September 1331 bis zum 30. Juli 1898 zu sammeln und zu vergleiche!;. Er hat daraus feststellen können, daß der rothe Fleck während dieser 67 Jahre fast zu alle» Zeiten von«wissen astronomischen Beobachtern gesehen worden ist, und durch die Anmerkungen über die jedesmalige Zeit der Beobachtung und die Stellung dcS Flecks auf der Planeten- fcheibe ist es möglich gewesen, die Umdrehungsdauer dieses Merk- Zeichens und somit auch die Umdrchungsdauer des Planeten selbst mit einer bisher noch nicht gebotenen Genauigkeit zu berechnen. Der Jupiter dreht sich danach iir 9 Stunden 55 Minuten 36,2 Sekunden einmal um seine Achse. Um sich eine Vorstellung von dieser ungeheueren Geschwindigkeit zu machen. ist ein Vergleich mit der Erde angezeigt. Auf der Erde bewegt sich infolge der Achsendrchung jeder Punkt am Acguator in einer Sekunde mit einer Geschwindigkeit von 464 Metern, ein Punkt am Jnpitcr-Aequator dagegen würde nach obiger Berechnung in jeder Sekunde rund 24 000 Meter zurück- legen. Bei den Untersuchungen von Denning ist freilich noch zu beachten, daß auch der Rothe Fleck nicht so ganz unveränderlich in Form und Lage ist, als daß er mit voller Sicherheit als Fixpunkt genommen werden könnte; der englische Astronom hofft aber, den Werth seiner Bestimmung durch Sammlung eines noch umfassenderen Materials an Beobachtungen erhöhen zu können. Bcmerkensiverth bleibt eS, daß sein Ergebnis; fast genau übereinstimmt mit denjenigen der Astronomelt Airy, Mädler inid Schmidt, während der russische Astronom Belopolsky eine um etwa S'/t Minuten geringere Umdrehungsdauer herausgerechnet hat.— Bergbau. — ss.— Eine Petroleumquelle unter dem Meere. Die Ausbeutung des Petroleums im südlichen Kalifornien hat äugen- scbeinlich auf dem Festlande ein noch zu kleines Feld und bcgiebt sich daher jetzt sogar auf die See hinaus. An dem Küstenorte c-ranta Barbara hat man ein ganz ungewöhnliches Verfahren zur Gewinnung dieses Naturerzcugnisses angenommen, inden; man es aus dem Meeresboden auspumpt, Ivo die Petrolenmschichten in einer Tiefe von 250 Fuß zu finden sind. Die Gewinimng wäre freilich kaum möglich, wenn nicht an der betreffenden Stelle durch Sand- und Muschelschalen eine längliche Düne gebildet worden ivüre, die niit der Küste parallel läuft. Die Arbeiten selbst werden von großen Holzflößen aus bewerkstelligt, die neben der Düne ver- ankert werden.— Technisches. — Die erste Da nipfn; aschine in Amerika wurde vor gerade 150 Jahren bestellt und galt damals nicht allein am Orte ihrer Aufstellung, sonder» im ganzen In- und Auslände für eines der größten Wuudcrivcrke, die man sehen konnte. Es war der Oberst I. Schuyler, der 1743 für seine Kupftrgruben bei Newark, die bei ihrer zunehmenden Tiefe vor der Gefahr deS ErsanfeirS standen, eine der neuen Rewkomenfchcn Feuermaschinen bestellte. In citglischcn Bergwerken waren diese von Savery, Papin und Rcwkomen erfundenen Maschinen zu WasserhaltungSzwecken schon mehrfach in All- lvendung gebracht, doch fehlten noch alle jene glänzenden Ver- bestermigen daran, die ihnen gegen Ende des Jahrhunderts das Genie Watt's zu thcil werden ließ. Schuylcr's Pump- Maschine, von Franklin in cincin Briefe aus den; Jahre 1750 erwähnt, bedurste fünf Jahre zu ihrer Herstellung. Sie wurde in der berühmten englischen Fabrik von Jone Homblower erbaut und kostete bei der Abscndung von England 1000 Pfd. Stcrl., wähtend sie ihrem Besitzer bis zur vollendeten Aufstellung in seinem Erzloerke auf das Dreifache zn stehei; kam. Der Sohn des Erbauers brachte sie selbst nach einer dreinwnatlichen Seereise nach Nelvark und leitete ihre Ailfstellung und den Bau des dazu gehörigen Maschinen- Hauses, was wiederum anderthalb Jahre in Anspruch nahm. Dann aber arbeitete die vielbeivunderte Feuermaschine auch länger als zwei Menschenalter zur Zufriedenheit ihres Besitzers; sie besaß einen auf- rcchtstchende» topfartigen Kessel von ungefähr drei Meten; Weite und Höhe und einen gegossenen Dampfzylindcr, der gleich beim Gnß so sauber gcrieth, daß seine Wandung keine Nacharbeit bedurfte. In der Newarker Maschinenfabrik von Watts-Campbell lvird dieser Zylinder noch heute als historische Merkwürdigkeit aufbewahrt. Die Schuylcrfche Feuernlaschine ist fast ein Vierteljahrhundert die einzige ihrer Art in Amerika geblieben. Erst 1774 wurde in der neuen Welt, und zwar siir die Wasserleitung von New-Uork eine giveite Dampfmaschine aufgestellt, die wiederum aus England bezogen iverden mußte. Auch sie blieb etlva 25 Jahre ohne Konkurrenz, bis etwa um 1300 eine dritte große Danst'fmaschine, diesmal aber von amerikanischen; Ursprung, in den Wasserwerken von Philadelphia Anf- stcllmig fand. Sic stammte ans der Maschinenfabrik von Evcns in Philadelphia, die eben den Bau von Dampfmaschinen aufgenommen hatte und n. a. in; Jahre 1802 die BctriebSmaschine für einen projcktirtcn Persouendampfer zwischen New-Aork und New-Orleans baute. Die Dampfmaschine wurde glücklich vollendet, das Dampf- schiff selbst aber ist nicht zur Ausführuitg gekommen, und die Maschine fand später in einer amerikanisch«» Sägemühle Aufstellung. Noch um diese Zeit gab es in Amerika wahrscheinlich nicht mehr als die vier eben angeführten Dampfmaschinen, und mit ihrer Baukunst sah es auch damals noch so schlecht aus, daß Fulton sich noch 1807, als er seinen Dampfer Clermont baute, wegen einer Betriebs- Maschine nach England wandte. Noch in den zwanziger und dreißiger Jahren gehörten Dampfmaschinen in Amerika zu den Seltenheiten. (.Köln. Volksztg.") Humoristisches. — Hartes Urtheil. Zigarre»Händler: Wie gefällt Ihne;; meine neue Sorte.Afrika"? Kunde: Der Name paßt vorzüglich: das Innere ist un- erforschlich.— — G e m ü t h l i ch..Herr Stationsvorsteher, ich bttie um daS Beschwerdebuch!" „Entschuldigen Sie gietigst, aber mein Jüngster ist gerade in der Schule!" „Zum Kuckuck, was geht mich Ihr Jüngster an!" „Ja, der braucht Sie nämlich das Buch als Diarium!"— — Auf der Messe.„Sagen Sie, in welcher Stadt wohnen Sie jetzt eigentlich?"—„Ich bin nach Jaroslaw übergesiedelt."— „Nach Jaroslaw? Wie kann man in Jaroslaw wohnen? Dort� lebt doch überhaupt kein anständiger Mensch!"—„Wie köimen Sie so etwas behaupten! Ich will Ihnen ans der Stelle hundert anständige Menschen aufzählen, die alle in Jaroslalv ivohnen."—„Sie sagen hundert: Neimen Sie mir zehn!"—„Gut, die will ich Ihnen neimel;: also da ist erstens der Herr Selteukorn,— der ist allerdings vor'm Jahre schoi; wieder aus JaroSlaw fort- gezogen, also den wollen wir garnicht rechnen. Aber da ist der alte Herr Langfeder von der Finna Langfcdcr und Kompagnie, das ist doch gewiß ein anständiger Mensch."—„Der alte Herr Langfeder?" Der;st doch schon lange todt!"—«Ja richtig, der ist ja todt; also der nicht. Aber da ist noch der Herr,— wie heißt er doch gleich?— ein ungeheuer anständiger Mensch,— ich komme nicht gleich auf den Namen,— der Herr, der Herr— wie gesagt, ich könnte Ihnen hundert Namen aufzählen..."—„Rennen Sie mir wenigstens einen!"„Einen? Na ja,— ich muß mich blos besinnen,— sagen Sie mal, mutz es durchaus einer aus Jaroslalv sein?"— („Lust. Bl.'j Vermischtes vom Tage. — D i e neue Rhcinbrücke bei Bonn wird an; 16. De- zcmber dem Verkehr übergeben. Sie weist den zur Zeit größten Bogen von 187.2 Meter Spann lv eite auf und hat daneben zwei Scitenöffnungen von je 93.6 Meter. Das Gesammt- Metallgewicht der Brücke beträgt 3 217 000 Kilogramm, während 3 270 000 Kilogramm dement verbraucht wurden. 7000 Kubikmeter Beton und 21 ilOO Kubikmeter Mauerwerk, größtentheils Bruchsteine, wurden ausgeführt.— — In Mülheim a. Rh. schlug ein Kahn mit mehreren Personen um. Zwei Familienväter ertranken.— — Der Heidelberger Mathematiker Cantor hat berechnet, daß es 2 379 544 036 309 440 von einander ve r schiede neSkat- spiele giebt.— — In Wien ist der Novellist und Kritiker H a n s Gras- b e r g e r gestorben. Er verstand vieles, nur Eines nicht: Sich in Szene zu setzen.— — In A g r a m wurde der Oberlientenant Nattassicz-Kegle- v i ch vom Garnisonsgericht zu 6 Jahren Festung vernrthcilt. Er war beschuldigt, Wechsel im Betrage von ei>; er halben Million auf den Namen der österreichischen Krön» Prinzessin gefälscht zu haben.— — Auf dein St. Bernhard ist ein Steinmetz auf der Rückkehr von Sembrancher in Wallis, Ivo er in Arbeit stand, nach seinem Hennathsdorf ii; Pienwnt in einem Schneesturm erfroren. — Als kneipenreichster Ort Belgiens galt bisher der Ort G h i s l e n g h i e n. in dem auf 13 Einwohner ein„Cabarct" kommt. Dieser„Rccord" wird jetzt angefochten: In dem Dorfe V n n c e l l e s im Gebiet von Philippcville sind bei einer Ein- wohnerzahl von 64 Männern, 55 Frauen und 72 Kindern mcker 16 Jahren 17 Eabarets vorhanden, wobei also auf je v i e r er- wachsene Männer eine Kneipe käme.— t. Der jüngst verstorbene amerikanische Millionär Edward A u st ö n aus Boston hat 4'/s Millionen zur Unterstützung öffentlicher gelehrter Anstalten hinterlassen.— — In der Nacht zun; Mittlvoch platzte iir R e w- D o r k ein großer, stählerner Gasbehälter, der zur Prüfung auf seine Widerstandsfähigkeit gegen Druck mit Wasser gestillt war. Der Behälter einhielt 3 Millionen Gallonen Wasser, welche beim Aus- tröinen großen Schade» anrichteten. Viele Personen sind verletzt worden, zwei sind, soweit bisher bekannt, getödtet.— Pe.aiitwortlicher Redakteur: August Jacobey in Berlin. Druck und Verlag von Max Badiu» in Berlin.