Hlnterhaltungsblatt des Horwürts Nr. 5. Freitag, den 6. Januar. 1899 (Nachdruck verboten.) Hevvtt ÄickenÄvsth's Zl>VnflolNÄve. Roman von O. Eugen Thosfan. Die Woche vor dem Schulanfang war sehr bewegt. Mitte der Woche siedelte die Familie Zickendrath über, am Sonnabend rückten die Pensionäre ein. Die Schmidt's kamen bereits in aller Herrgottsfrühe. Der alte Schmidt hatte sich selbst mit einem Knecht und einem Leiterwagen in die Stadt bemüht, um den Umzug zu bcwerk stelligen. Früh um sieben hielt der Wagen vor der Thüre. Während die Jungen sich mit dem Knecht an's Abladen machten, trat der Alte in das Haus. Herr und Frau Zickendrath empfingen ihn und luden ihn zu einer Tasse Kaffee ein, was er ohne Umstände annahm. Herr Zickendrath führte ihn ins Zimmer, indeß seine Frau sich in die Küche begab. Der alte Schmidt sah sich erst gründlich in der Stube um, ehe er den Hut abnahm und sich auf einen Stuhl neben das Sopha setzte. „Ach gehn Sie mir mit so'nem Ding l" sagte er ver- ächtlich, als Herr Zickendrath ihn auf das Kanapee selbst nöthigen wollte.„Haben zu Haus selber so ein Möbel. Nie sitz ich drauf, nie. Das ist nichts für einen Bauersmann." Dabei lachte er Hern: Zickendrath selbstbewußt an. Auf den„Bauersmann" that er sich was zu gute. „Also, was ich sagen wollte," fing er dann an, nachdem noch einige ähnliche Höflichkeiten gewechselt waren,„was ich für meine Jungens besonders haben will, das will ich Ihnen kurz auseinandersetzen: Familienleben sollen sie haben I Darin liegt alles. Wir sind eine Familie, darüber giebts keinen Streit; seit 1430 ist der Hof draußen unser Eigenthum. Seit 1430. Aber wir haben kein Familienleben. Wenigstens jetzt nicht mehr." Er mäßigte seine Stimme soweit, daß sie fast einen vertraulichen Klang annahm, als er fortfuhr: „Ich habe nämlich die zweite Frau. Es ist ein braves Weib. Sie schafft und macht, alles, was recht ist. Aber sie hat's ein bischen im Kopfe. Nicht so, daß sie fort müßte; aber sie hat ein bischen was. Und nun— meine Jungens sind alle von der ersten. Nicht wahr, Sie können sich schon denken. Die Kerle sind nämlich schlau. Die merken so was. Und das Familienleben ist zum Deiwel.... Aber das sollen sie nun hier haben. Verstehen Sie mich?..." Herr Zickendrath schnitt ein wichtiges Gesicht.„Wollen wir schon machen. Allerdings... wenn die Verhältnisse zu Hause so traurig liegen, dann wird's nicht so ganz leicht sein. So was setzt sich fest. Aber wenn man die richtige Methode..." Hier unterbrach ihn der alte Schmidt.„Ach was, Methode! Reden Sie nicht so gelehrt! Methode, was ist denn das? Dummheit! Familienleben, das will ich haben I Nicht wahr, wir verstehen uns?" In diesem Augenblick trat Manni mit dem Kaffee herein. Der Bauersmann wurde sehr vergnügt.„Na ja, ich sag' es ja! Ihre Tochter, was? Freut mich. Fräuleinchen. Da haben wir ja das Familienleben, Alter!" Er schlug Herrn Zickendrath kräftig aufs Bein und lachte, daß die Stube erdröhnte. Manni schaute etwas verwundert drein, aber sie ließ sich nicht irre machen, sondern richtete den Tisch mit aller ihr zu Gebote stehenden Anmuth zu. Der Bauersmann betrachtete sie entzückt. „Fermos, Fräuleinchen l Das laß ich mir gefallen. Immer adrett und munter I... Was, Alter? Das könnte so'ne Verwandffchaft werden, zwischen uns beiden! Ich glaube, wir kämen schon mit einander aus... Nu nee, Kindchen, laufen Sie doch nicht gleich weg... Sie haben zu thun in der Ltüche?... Ach, machen Sie doch keine Flausen!... Sehen Sie wohl, Sie sind jaschonganzroth geworden... Nee, im Ernste, Kind- chen", schrie er dann, als Manni schon zur Hälfte wieder draußen war,„noch etwas I Der Mann draußen, der Knecht, der muß was zu frühstücken kriegen. Eine ordentliche Bemme, nicht zu dünn, und ein bischen»vas drauf!... Ja?... Na, dann ist es gut." Dann wandte er sich wieder zu Herrn Zickendrath, der etwas verstimmt dabei saß. „Nu, weshalb denn nicht? Mein Großer— das heißt, Johannes ist der Zweite— der Aelteste kriegt selbstredend den Hof. Dahin würde sie natürlich nicht passen." Die Vor- stellung, Manni auf dem Hofe wirthschaften zu sehen, entlockte ihm wieder ein herzliches Lachen.„Nee, das wäre nichts. Aber mein Johannes, der wird doch einmal so irgend was in der Stadt, ein hübscher Junge ist es auch, schlägt nach dem Vater. Was? Immer noch ein tüchtiger Beamter, der Alte, immer adrett und munter!" Ueber dem Scherz vergaß er ganz, was er hatte sagen wollen, und nachdem er sich wieder einnial ausgelacht, machte er sich über den Kaffee her. Manni hatte unterdessen seine Bestellung in der Küche angebracht. Frau Zickendrath war empört. Das laute Reden und das dröhnende Lachen des vergnügten Bauersmannes, das bis in die 5küche schallte, hatte ihr schon lange nicht ge- Paßt. Der Mann trat ihr viel zu familiär auf, so gleich von vornherein, ehe man sich näher kennen gelernt hatte. Und nun noch diese Vestellimg l „Was denkt sich denn der Kerl eigentlich?" wetterte sie los.„Er bezahlt doch blos für seine Jungen, und nicht auch für den Knecht. Was geht mich der Knecht an? Wenigstens hätte er hübsch höflich bitten sollen. So kann er lange warten. Fällt mir im Traume nicht ein, auch noch sein Personal zu füttern." Und während sie so schimpfte, schnitt sie eine große Scheibe ab— für den Knecht natürlich. Eine Flasche Bier schickte sie auch noch mit hinaus. „Der arme Mann kann doch nicht für die Kafferigkeit seines Herrn büßen," sagte sie," gewissermaßen sich ent- schuldigcnd, zu Manni, die lächelnd neben ihr stand. Aber darin blieb sie fest: als der alte Schmidt wieder abzog, ließ sie sich nicht sehen. Sie wurde auch nicht weich, als er aus dem Flur sich mehrfach nach der„Familienmutter" erkundigte, von der er durchaus Abschied nehmen wollte. „Dich wollen wir schon ziehen," knurrte sie, während sie hinter der Küchenthüre stand und mit vorgeschobenem Fuß darauf wartete, daß jemand zu öffnen versuchen sollte:„Du sollst uns noch kennen lernen." Als er weg war, gab sie die Thüre wieder frei in der Voraussicht, daß nun ihr Mann kommen würde, ihr seine Eindrücke niitzutheilen und die ihrigcn entgegenzunehmen. Herr Zickendrath war auch bereits auf dem Wege, als er von Johannes gestellt wurde. Der schleppt« ihn mit sich hinauf, um seinen Rath bezüglich der Zimmereinrichtung einzuholen. Und geschmeichelt von diesem Vertrauen stieg er eilig die Treppe hinauf. Am Nachmittag langte Nummer drei an, ebenfalls in Begleitung des entsprechenden Vaters. Größere Gegensätze zwischen Gymnasiastenvätern ließen sich nicht gut denken. Herr Schönfeld aus Damberg an der Saale war die Höflich- keit und Verbindlichkeit selbst. Er verlangte gar nichts, sondern war überzeugt, daß Herr und Frau Zickendrath alles aufs beste einrichten und besorgen würden. Das that sehr wohl nach den Erfahrungen des Vormittags. Nachdem er zehn Minuten gesessen hatte, zog er seine Brieftasche, zahlte in Reichsscheincn die Pension für das erste' Vierteljahr, ließ sich eine Quittung darüber geben, regelte alsdann mit größter Kulanz die Angelegenheit des Taschengeldes, das seinem Sohne gegeben werden sollte, und empfahl sich, da er noch allerlei Geschäftswege in der Stadt abzumachen hätte. Am Sonntag endlich war alles in Ordnung. Um acht Uhr schliefen die Jungen noch, Herr Zickendrath aber stand unten in der Thür nach dem Hose und wichste ihre Sttefel. Er hatte dabei keineswegs die Empfindlmg, daß er sich etwas vergäbe. Er arbeitete eben in seinem neuen Ge- schüft. Und daß er überhaupt jetzt ein Geschäft hatte und daß es darum etwas für ihn zu arbeiten gab, das machte ihn geradezu glücklich. Er pfiff immerzu vor sich hin. Das würde nun jeden Morgen seine erste Beschäftigung sein, die Stiefel wichsen. Eine ganz ausgezeichnete Bewegung I Wenn er nur recht viel zu wichsen bekam! Das sollte ihm gerade passen. Seine ausschweifende Phantasie zauberte ihm eine schier un- absehbare Reihe von Fußbekleidungen vor, die an der Wand des Hausflurs aufgestellt sein würden, eine langem glänzende Fpont, die er nach gethaner Arbeit abschreiten würde, am rechten Flügel die Langschäftigen, in der Mitte die Schnür- stiefel und am unteren Ende die Halbschuhe, alle von ihm selbst geputzt.... Er hatte sich für diese Morgenstunden eine besondere Uniform komponirt, die zwar nicht ganz den Beifall seiner Frau gefunden hatte, ihm selbst aber nichtsdestoweniger aus- nehmend gefiel. Mutter meinte, er sähe zu sehr nach Haus- knecht aus. Aber das wollte er ja gerade. Arbeit adelt. Au dem Kopf trug er eine halbkugelsönnige Mütze, deren Leder- schild keck in die Höhe geklappt war, während der leichte seidene Mützenkörper sich bei jedem Windhauch leise hin und her wiegte, wie ein Ballon an der Fessel. Seine ganze Vorderseite aber deckte eine mächtige grüne Schürze, die bis auf die Knöchel hinabreichte und nur noch den Pantoffeln von rothem Plüsch sich zu präsentiren gestattete. In Pantoffeln umherzulaufen, war überhaupt seine Spezialität, war es schon früher während seiner Hausbesitzer- Laufbahn gewesen. Er besaß zwei Paar, die rothplüschenen für den Vormittag und ein Paar grüne gestickte für den Nachmittag. die letzten ein Weihnachtsgeschenk von Manni, als sie noch zur Schule ging. So trefflich verstand er es, die geliebten Babuschcn zu konserviren, obgleich er Stiefel nur bei wirklich großen Gelegenheiten anzog. Aber er besaß eine fabelhafte Gewandtheit, sich unter den schwierigsten Umständen in seinen Pantoffeln vorsichtig und schonend zu bewegen. Quer über die Straße ging er durch den dicksten Dreck, ohne den bunt- schillernden Oberbau auch nur mit einem Spritzchen zu be- flecken. Talente I.. Als das Stiefelputzen beendigt war, stellte er sich seiner Frau zur Verfügung. Zur feierlichen Eröffnung der Pension gab's Gänsebraten mit Klößen, und es war viel zu thun, auch für ihn. Er sprang mit solchem Eifer umher, daß seine Frau ihn mehrfach wegen seiner Fixigkeit und Anstelligkeit zu be- loben Veranlassung hatte. Aber je näher die Stunde des Mittagcssens heranrückte, desto ernster wurde er. Nicht weil ihn die gute Laune verließ, sondern weil er nachzudenken hatte. Das Mittagessen, damit hatte er seine besonderen Pläne. Diese Hauptmahlzeit erschien ihm sozusagen als der Mittel- und Brennpunkt des ganzen Pcnsionslebens und sein Ler- halten dabei als der Höhepunkt seiner pensionsväterlichen Thätigkeit. Es schwebte ihm dabei eine Table d'hüte in einem guten Hotel vor, die er vor Jahren einmal mitgemacht hatte. Wie der Wirth da an der Spitze der Tafel saß, die Suppe ausgab, die Kellner dirigirte, alles überwachte und außerdem noch die Unterhaltung leitete, das hatte ihm gewaltig imponirt. Diese pikante Mischung von modernem Raffinement und alttestamentlichem Erzväterthum hatte es ihm angethan. (Fortsetzung folgt.) Attcvler vom Theo. Unter dem allgemeinen Namen Thee ist nur der ans China kommende zu verstehen, wo er von mehreren Hundert Millionen Menschen seit undenklicher Zeit tagtäglich als Hauptgetränk genossen wird. Lutzer in China hat man noch Thceaizpflanzungen in Hinter- Indien, in der Provinz Assam und an mehreren Orten des Himalaya- Gebirges, in Japan, ferner auch in Brasilien, sodann auf der hollän- dischen Insel Java angelegt, aber für Deutschland kommt doch im Allgemeinen nur der chinesische Thee in Betracht, denn der in andem Länder« erzielte wurde, wenigstens noch bis vor Kurzem, meist auch an Ort und Stelle verbraucht. Frei- lich ist in den letzten Jahren das Monopol China's für die Thee-Ausfuhr doch stark ins Wanken gekommen, weil dort durch die wenig sachgcmätze Behandlung der kleineren Plantagen die Thee-Enite aii Masse und Werth voii Jahr zu Jahr abnimmt, während sie in Ostindien sich in ebenso großer Steigerung befindet. Während zwar noch Rußland ausschließlich seinen Bedarf aus China deckt, hat dies letztere in England doch schon starken Wettbewerb durch Hinterindicn bekommen, und dies ist um so bemcrkcnswcrther, als Grotzbritannicn im Thcevcrbrauch an der Spitze der europäischen Staaten steht. Immerhin ist und bleibt China daZ klassische Land des Thee's und die Heimath des Theestrauches, der dort in gartenmäßigen Anlagen und regelmäßigen Reihen, gleich, unfern Weinreben, ge- zogen, anfangs fleißig' gedüngt und begössen und überhaupt mit vieler Sorgfalt behandelt wird. Der beste Thee ist der an sonnigen und guellcnreichcn Abhängen und Hügeln oder in der Nähe von Flüssen wachsende. Wie beim Wein, so wirkt auch hier der Boden, die Lage und ein gutes, sonnenreiches Jahr sehr auf die Güte des Thees. Die Blätter des Theestrauches, der alle sieben bis acht Jahre beschnitten und dann durch Samen erneuert und drei bis vier Fuß hoch gehalten wird, sind schmal und von dunkelgrüner Farbe, «ngefähr wie die Blätter der Sauerkirsche, mit weißlichen(im Innern gelblichen) Blnthen, die unfern wilden Rosen gleichen, und werde» erst im dritten Jahre der Anpflanzung zu verschiedenen Zeiten eingesammelt und in flachen eisernen(keinen kupfenien) Pfannen bei gelindem Feuer und unter beständigem Um- wenden getrocknet. Das erste Abpflücken der Blätter geschieht Anfangs April nach den warmen Regengüssen, die bis in den Juni dauern, die zweite Abpfliickung im Mai und die dritte im Juni. Die frischen Theeblätter haben einen scharfen, bitteren und zusammen- ziehenden Geschmack, verlieren aber solchen in geröstetem Zustande gänzlich. Besonders ist dies beim schwarzen Thee der Fall, der stärker geröstet und dadurch, daß er von dem herausgeschwitzten grünlichen Safte mehr befteit ist, weit gesünder ist, als der weniger geröstete grüne Thee. Nachdem der Thee geröstet und getrocknet ist, wird er sorgfältig sortirt und in Körbe oder Kisten verpackt und vor dem Zutritt der Luft bewahrt. Die Theckistcn, die nach Europa und Amerika verschifft werden, sind alle im Innen: mit verzinntem Blei ausgefüttert und auf das sorgfälttgste verlöthct, außerdem auch noch von außen und von allen Seiten mit geöltem Papier überklebt, so daß der Duft des Thees auf das vollständigste erhalten wird und die Seeluft keinerlei Einwirkung darauf äußern kann. Es ist einmal in London vorgekomnien, daß Theekisten 30 Jahre stehen blieben und beim Oeffneii fast ebenso gut im Geruch und Geschmack waren als die später angekommenen. Die schwarzen Sorten sind in China und England weitaus am beliebtesten. Der Pekoe(Pck-Ho heißt im Chinesischen weißer Flaum, Milchhaar) ist der feinste und thenerste, weil er die ersten zarten Blätter, als erste Einsammlung im Frühling enthält, darunter sind viele junge Sprossen mit iveihen seidenartigen Härchen überzogen, die man gewöhnlich als Blüthen betrachtet und danach benennt. Der Karalvanenthee ist eine ausgewählte Sorte Pekoe. Der Pekoe-Congo, auch schivarzblättriger Pekoe genannt, kommt von den zuletzt gepflückten Blättern der ersten Einsammlung, die keine weißen Sprossen mehr enthalten. Vier Wochen nach der ersten Einsammlung findet ein zweites Abpflücken der Blätter statt, die nun kräftiger und ebenfalls ohne'weißen Flaum erscheinen und Sonchong sSiantschong) genannt Iverden; und nach weiteren vier bis flinf Wochen geschieht die dritte und bedeutendste aller Einsammlungen unter dem Namen Congo(Kong-ku, auch Kong-f») oder letztes Pflücken, welche die eigentlich größte Masse deS schwarzen Thees bildet. Dieses letztcPflücken lvird au manchen Orten bis in den Spätsommer fortgesetzt, der Thee ist aber dann von sehr geringer Güte. Der Souchong wird hänfig dem Pekoe vorgezogen, nicht allein wegen seines billigen Preises, sondern auch wegen seines milden und angenehmen Ge- schniackcs und veilchenartigen Geruches und, weil er das kochende Wasser schneller färbt, auch in ihm das in dem Pekoe in flüchtiger Forin vorherrschende balsamische Prinzip am unverkennbarsten zu einer gewissen Haltbarkeit gelangt ist, was auch thcilweisc von dem Kongo gilt, der jedoch im Ganzen geringer ausfällt. Der Souchong ist jedoch nicht mit dem Pouchong zu verwechseln, der zwar ebenfalls angenehm riecht, aber weniger gut schmeckt, und ein gleiches gilt von dem Oolong, Campoy u. s.' w. Von den grünen Thcesorten geschehen in der Regel nur zwei Einsammlungen. Die erste, Hayson, bedeutet im Chinesischen „blühender Frühling', die zweite Tonkay bildet die letzte spätere Sorte und Hayson-skin ist der Ausschuß vom Hayson. Die Namen anderer grünen Sorten, wie Singlo, Soulong u. s. w. rühren von den Distrikten her, in denen sie gewonnen werden. Eine Erivähnnng verdienen noch die schwarzen Theespitzen, die von dem Pekoe und Souchong abgesiebt werden und die feinsten Bestandtheile dieser beiden Sorten enthalten, auch von Kennern vorzugsweise begehrt find. während man sie»och häufig in Deutschland, aus Unkcnntniß, als bloßen Staub betrachtet, daher sich auch der ungemein billige Preis derselben erklärt. Man hat blos darauf zu sehen, daß man sie nach dem Anbrühen langsam abgießt. Einen geringwcrthigen Thee bilden die Thceknchen, in F-ar.'.i von Ziegelsteinen, aus zusammengepreßten- Blättern bestehend, wovon man, je nach dem Bedarf, Stücke abschneidet, und die be- sonders in Tibet, der Tartarci und Rußland verbraucht werden. Die Nomadcnvölkcr Rußlands, die Kalmücken, Kirgisen und Baschkiren kochen diesen Ziegclthee mit Milch und Hammelsett, und so gilt er ihnen als beliebtestes Nahrungsmittel. In Nordasien wird übrigens dieser Ziegelthee aus als Zahlungsmittel wie Handelsmünzen vcr- wendet. Endlich ist noch zu crtvnhnen, daß von den bereits ausgezogenen Thecblättcrn sich die ärmere Klasse in China noch häufig eine Art Salat mit Zucker, Oel und Essig bereitet. Im Allgemeinen können folgende gute Eigenschaften des schwarzen Thees als feststehend gelten. Erstens wirlt er in heißen Ländern erfrischend und erguickend, während er in kalten Ländern crtvärmt, ohne, wie die Spirituosen�, zu erhitzen. Sodann wirkt er höchst wohlthuend auf das Rumpf-Ncrvensystem, dämpft leichte Störungen des organischen Sinnes, ohne je eine Wallung oder Unruhe, auch «elbst bei den reizbarsten Personen hervorzurufen, bekonnnt viel- mehr diesen letzteren vorzngsivcise am besten. Außerdem ist Thee ein gntcS BIntrcinigungs- und Verdünnungsmittel, das leicht und schnell durch den Körper rinnt. Nach Liebig zeichnet sich der Thee besonders durch seinen Eisen- und Mangan- Gehalt aus. Dampft man einen klaren Thee- aufguß von Pekoe- oder Souchong-Thcc zum Trocknen ab und äschert den Rückstand völlig ein, so bleibt eine Asche, welche oft durch mangansanres Kali grün gefärbt ist und mit Salzsäure Chlor cnt- Wickelt. Der Gehalt des Thce's an diesen Metallen ist um so merkwürdiger, weil die empfindlichsten Reagentien das Eisen im Thee nicht anzeigen: setzt man ein Eisensalz zu, so wird der Thee wegen seines Gerbstoffgehaltes schwarz wie Tinte. Der Thceaufgufi ent- hält eine Eisenverbindnng, auf welche der Gerbstoff offenbar ohne alle Wirkung ist. Wir genießen demnach in dem schwarzen Thee ein Getränk, welches den wirkenden Besiandtheil der wirk- samsten Mineralquellen enthält, und so gering auch die Menge Eisen sein mag, die man täglich darin zu sich nimmt, so kann dieselbe auf die vitalen Vorgänge nicht ohne Einfluß sein. Der Gebrauch' des Thees in China ist uralt. In Asien der- breitete sich die Sitte des Theetrinkens im 1ö. Jahrhundert, nach Europa drang die Lftmde von dieser Sitte aber erst um die Mitte des 16. Jahrhunderts durch Portugiesen und Holländer, und erst im Jahre 1635 soll der Thee zuerst nach Paris gekommen sein, während er im Jahre 1638 nach Rußland kam. Im Jahre 1650 wurde der Thee in England bekannt, von Ivo er dann auch nach Deutschland kam. Wirkliches Nationalgetränk ist der Thee in Europa nur in Eng- land und Rußland geworden, besonders aber in England, wo er auch, wie in China selbst, auf den Straßen und in zahlreichen Thee- Häusern ansgeschänkt wird. Die Zubereitung des TheeS ist sehr verschieden; in China selbst trinkt man ihn ohne Milch und ohne Zucker, natürlich erst recht ohne Rum oder Zitrone, was man bei uns vielfach nach russischem Vorbild hinznthut. Vor allem muß man aber darauf sehen, daß Thee mit weichem Wasser zubereitet wird, da der beste Thee, mit hartem Wasser zubereitet, schlecht schmeckt. Dann ist darauf zu achten, daß bei der Zubereitung des Thees das Wasser siedend heiß Übergossen wird, und nachdem der Thee einige Minuten gezogen, gießt man noch so viel heißes Wasser hinzu, als man Tassen Thee wünscht, so daß der erste Aufguß gleichsam nur ein Extrakt aus dem Thee ist. Dabei ist besonders zu beachten, daß der Thee beim Anbriihcn und Ueberschütten auf keinen warmen Ofen oder Herd gestellt wird, da sonst die Kraft zu schnell und stark herausgezogen wird, wodurch ein bitterer, medizinartiger Geschmack entsteht.—(„Kölnische V o lks z e i tun g."j Kleines Fenilleletn —st.— Glanz. Der Aufschrei einer alten Frau ließ ihn auf- blicken— er konnte gerade, noch zur Seite springen, um den Pferde- Hufen zu entgehen. Fluchend fuhr der Kutscher vorbei. Die Schutzleute, die den Weg vor dem Opernhausportal freihielten, kamen amtseifrig herbeigelaufen.- Als sie ihn sahen, ohne Mantel, das Zeug schwer vom thauenden Schnee, brummten sie und gingen ihni einige Schritte nach. Unter dem Vordach erhob er den Kopf. Hier schlug ihm kein Schnee in die Augen. Er drückte sich vorsichtig hinter ein paar Gruppen, die plaudernd und lachend warteten. Doch die Schutzleute hatten ihn genau beobachtet. „Was soll denn das? Immer vorwärts! Vorwärts!..." Er mußte wieder in den weichen, nassen Sck�nee. Zitternd bohrte er die Hände in die Taschen und sah sich noch einmal um. Betreßte Diener öffneten Kutscherthüren. Zierliche Damenschuhe, bunte Rock- säume, dicke Pelze, zarte Spitzentücher schoben sich heraus. Und Alle eilten in den erleuchteten Vorraum. Drüben, in der Universität, war ein Hörsaal hell erleuchtet. Die andere» Gebäude, die Akademie, die Palais, tbie Bankgcbäude— dunkel. Die Arbeit war gcthnn. Alles drängte zum Vergnügen, zur Zerstreuung. Vor dem Scharffenster eines Jiiwelenhändlers blieb er stehen. Das blitzte und funkelte hinter den Scheiben, spiegelte und strahlte ineinander. Australische Diamanten reihten sich um glühende indische Rubine und russische Saphire. Milde, persische Türkise, siamesische, blühende Smaragde, arabische Perlen und mexikanische Opale schillerten im RegeubogcNglanz. Hier als Diadem, bestimmt, aus dem duftigen Haar einer Fürstin zu leuchten: dort als Halsband, für die glatte, volle Büste einer Sängerin: als Armband, um die schmale' Hand abzuschließen; als Gürtel, der die schlanke Hüfte eines Mädchens umspannt; als Ohrring, in der blühenden Ohrmuschel wie ein Thautropfcn zu glitzern: oder als Ring, die Zartheit der Hände hervorzuheben. Neben den Schmuckstücken standen Frnchtschalen. Auf den getriebenen Leuchtern, glattpolirten Bowlen, Sektbechern, Kannen und Toilettenkram aus Silber gleißte das elektrische Lickit. Er stand und saugte das blendende Leuchten und Flimmern mit den Augen. Da zuckte er zusammen. Ein neben ihm stehender Mann hatte ihn beim Ilmdrehen mit dem Ellenbogen in die Magengegcnd gestoßen. Er glaubte erst, � ohnmächtig umzusinken und hielt sich an den Messingstäben vor dem Schaufenster. Der. Glanz zuckte zu einem stechenden Grau- schivarz zusammen, das vor seinen Augen flirrte. Er bekam keinen Athene und schnappte mit offenem Munde nach Luft. Im Magen knurrte und schnurrte es— der starke Stoß hatte ihn daran erinnert, daß er seit gestern Mittag nur ein Brötchen gegessen.-- — EtwaS vom Meerrettich. Der„Frankfurter Zeitung" wird geschrieben: liebet die Heimath des Meerrettichs sind die Natur- forscher jetzt im Reinen: er stammt aus dem Osten Europas und hat sich von da we�?r mmH Westen verbreitet; im'16. Jahrhundert tvnr er in England noch unbekannt. Um so größer sind die Streitig- ketten über den Ursprung des Namens. Man leitete ihn schon im vorigen Jahrhtindert von Mähre— Pferd und Rettich ab und stellte ihn zusammen mit dem englischen borse-rackisb. Das Pferd respektive borss in solchen Zusammensetzungen soll dann soviel wie etwas Grobes, Unechtes im Gegensatz zum Feinen, Kultivirten bezeichnen, ähnlich wie die Verbindungen mit Hund, z. B. Hunds- kamille, Hundsveilchen. Eine zweite Erklärung geht von dem Worte Meer ans und erklärt dann Meerrettich als über das Meer gekommenen, überseeischen Retttch. Formell wäre das möglich, aber an einer sachlichen Erklärung mangelt es. Ueber welches Meer soll die Pflanze gekommen sein, die schon im nennten Jahrhundert in Deutschland gepflanzt ivurde und von der schon Plinins erzählt, daß man dort Meerrettich von der Größe eines Kindes ziehe? Eine dritte Deutung erklärt den ersten Bestandtheil des Wortes durch Möhre, das Wort wäre also ähnlich gebildet, wie Mohrrübe, während Adelung, der bekannte Sprachforscher des vorigen Jahr- Hunderts, eine Ableitung vom lateinischen am-rrus— bitter in Vorschlag bringt. Soeben giebt nun I. Hoops in Siebers' Beiträgen zur Geschichte der deutschen Sprache 23 S. 65g f. eine neue Er- klärung: er geht von der althochdeutschen Form meri-rätich ans und erklärt das Wort aus raticb= Rettich(vom lateinischen rackix Wurzel) und meri(in unserem Meer erhalten)---- stehendes Gewässer, Teich, Sumpf. Meerrettich wäre also so viel wie Sumpf Wurzel, und diese Erklärimg würde trefflich zu der Eigenschaft der Pflanze, an feuchten Stellen, Gräben und Sümpfen fortzukommen, passen. Hoops übersieht dabei, daß diese Erklärung schon vor einer Reihe von Jahren von Schmeller gegeben ist, der in seinem bayerischen Wörterbuch ebenfalls meri in der nrsprüng- lichen Bedeutung von Sttntpf, stehendes Gewässer, als ersten Bestandtheil betrachtet. Auch ist ihm die zum Beispiel von Canis Sterne in seinen„Herbst- und Winterblumen" vor- gebrachte Etymologie des Wortes unbekannt geblieben. Sterne geht, wie Viktor Hehn, von der lateinischen Bezeichnung der Pflanze armoracia ans; dieses wie die armeria, die Grasnelke, und die keltische Völkerschaft der Armoraker gehen auf das keltische ar= bei, und mori— Meer zurück; in der That ist der Meer- rettich wie die Grasnelke ursprünglich eine Strandpflanze, ebenso wie das jenem verivandte Löffelkraut, das als Salat angemacht als ein vorzügliches Schutzmittel gegen den Skorbut gilt. Der andere in Bayern und Oesterreich verbreitete Name des Meerretttchs, Kren oder Kreen, ist slavischen Ursprungs und � weist ebenfalls auf die Herkunft desselben aus dem Osten hin; in den Niederungen am Schwarzen Meer, in Nußlands Salzsümpfen ist seine Heimath. Von dort ist er gen Westen gewandert, und während er auf seinem Wege durch Böhmen nach dem Südwesten seinen vermuthlich nr- spriinglichen Namen Kren beibehielt, nannten ihn die keltischen Völkerschaften, die einst einen großen Theil der deutschen Lande innegehabt hatten, nach seiner Herkunft von den Sümpfen, und die Lateiner bildeten diesen Namen in arnoracia um. Ans dieser keltisch- lateinischen Bezeichnung entwickelte sich dann unter Annäherung air deutsche Worte die Form Meerrettich. An jene alte Form erinnert noch das angelsächsische merici, das niederländische mierik und daS westfälische mirrek. Es ist diese alte Herkunft ans dem Lateinischen umso ivahrscheinlicher, als die« meisten unserer Kulturpflanzen in Bezug auf ihre Namen direkt oder indirekt auf diese Sprache zurück- geheii, so Fenchel, Majoran, Gurke, Ziviebel, Kohlrabi, Petersilie. Schalotte u. A., und so wird auch der Name des Meerrettichs auf jene lateinisch-keltische Vezeichmnig zurückzuführen sein.— Kunst. — ES hat den Anschein, als ob es in der Berliner Künstler» schaft zu einein ernsten Konflikt kommen sollte. Anton von Werner soll, nachdem er einige Jahre hindurch in der Leitntig des Vereins Berliner Künstler Professor Körner hatte Platz machen müssen, in den nächsten Tagen wieder zum Vor- sitzenden gewählt iverden. Der Verein hatte sich in der Zeit, in der er entfernt ivar, künstlerisch etwas gehoben. Wie es unter seinem Vorsitz aussehen würde, zeigt ein in Berliner Zeitungen wieder- gegebener Bericht über Aeußerungen, die er im Verein gethan haben soll: Er werde seinen ganzen Ein- flnß beim Kaiser dahin aufwenden, daß Mitglieder der Berliner„Sezession" wie Lieber mann und Skarbina ans der Akademie entfernt würden, Iveil ihre Stellungnahme gegen die Jury der vorjährigen Ausstellung sich nicht mit ihrer Eigenschaft als„preußische Beamte" vcr- trüge. Herr von Werner soll sogar den Antrag gestellt haben, diese Künstler ans dem Verein auszuschließen; als ihm bedeutet wurde, nach den Statuten wäre dies nicht möglich, erwiderte er. er lasse sich von Juristen in künstlerische Angelegenheiten nicht hmeinreden. Es ist nicht nöthig, dieses Vorgehen näher zu kennzeichnen; es ist nur ein neues Blatt zu der Charakteristik des Herrn von Werner. Zu befürchten ist aber, daß er wirklich mit seinen Ansichten durchdringt. Resolut ist er, und ans der anderen Seite war von Thatlraft und Entschlossenheit bisher noch nichts zu spüren; es scheint nicht leicht zu sein, für die Einen, ans einen Sitz in der Akademie zu verzichten, und für Andere, jede Aussicht auf eine Verbindung mit der offiziellen Welt zu verlieren. Es wäre schlimm, wenn von Werner's Geist wieder die Oberhand int Verein Berliner Künstler behielte und sich so z. B. auch in der Auslvahl äSk* r' I i ttiiili ildlNsM>' der deutschen Kunstwerke ans der Pariser Weltausstellung ungestört offenbaren könnte. Die Welt würde da einen schönen Begriff von der heutigen deutschen Kunst bekommen.— Völkerkunde. gk. Der Aberglaube in der Heilkunde der Chinesen. Kein anderes Volk der Welt ist so in phantastischen, abergläubischen Vorstellungen befangen wie die Chinesen. Der Aber- glaube erstreckt sich bei ihnen auf alle Verhältnisse des Lebens; er spielt ganz besonders in Krankheitsfällen eine große Rolle. Viele Krankheiten werden dem Einfluß böser Geister zugeschrieben. Gegen diese glaubt man vortheilhaft ankämpfen zu können, indeni man kleine Stücke von gelbem Papier oder von einem rothen Stoff im Futter der Kleidung befestigt, oder besser noch verbrennt und dann die Asche im Thee verschluckt. Man kann aber die bösen Geister auch erschrecken und aus dem Körper des Kranken vertreiben, wenn mau mit einem Pfirsichast, mit dem Zweig einer Trauer- weide, oder mit einer Peitsche, deren Strick die Fornr einer Schlange annimmt, auf die Matratze des Bettes schlägt. Die Kinder werden von Geburt an gegen die Dämonen geschützt. Ketten, an denen alte Münzen aufgehängt sind, mit kabbalistischen Inschriften, kleine silberne Messer, Nägel, die einmal an einer Wiege befestigt waren, werden ihnen als Fetische mitgegeben. Gegen Leibschmerzen verwendet man bei Kindern ein Stück rothen Stoff, auf dem Flicken von schwarzer Seide aufgeheftet find, die einen Tiger, eine Eidechse, eine Schlange, einen Hundcrtfüßler und 5 Fabelthiere mit nur drei Tatzen dar- stellen. Diesen Talisman trägt das Kind während der fünf ersten Tage des fünften Mondes. Auch gegen die Pocken, die in China so große Verwüstungen angerichtet haben, sucht man die Kinder durch aber- gläubische Gebräuche zu schützen. Zu diesen haben die Cbinesen zweifellos mehr Vertrauen als zum Impfen. Nach einem Bericht von Dr. Matignon in der Pariser anthropologischen Gesellschaft, wird folgendes Verfahren dabei angewendet: In der letzten Nacht des Jahres wird ein kleiner Kürbis, der getrocknet und ausgehöhlt ist, an dem Ort aufgehängt, wo das noch nicht pockenkranke Kind schläft. Der Gott der Epidemie läßt dann die Krankheit in den Kürbis schlüpfen und nicht in den Körper des Kindes. Der Gott der Pocken findet aber ein boshaftes Vergnügen darin, hübsche Kinder durch Narben zu entstellen, lvährend er die häß- kichen verschont, weil es ja keinen Zweck hat, sie noch häßlicher zu machen. Deshalb suchen die Chinesen ihn zu täuschen und binden den Kindern in der letzten Nacht des Jahres schenß- liche Masken vor's Gesicht. Sie glauben, daß dann der Gott vorübergeht, ohne ihnen zu schaden. Ist ein pockenkrankes Kind im Hause, so sieht man oft über der Thür einen Zettel angeschlagen: «Hütet Euch vor den Pocken!" Das thut man, weil man fürchtet, der Blick der Eintretenden könnte auf die EntWickelung der Pusteln ungünstig einwirken. Es giebt auch Bäume und Quellen, denen heilkräftige Wirkungen zugeschrieben werden. So befindet sich vor einem der Gräber der Kaiser Mings ein buddhistischer steinerner Mar. In einer Ecke sieht man aus einer Oeffraing eine kleine Quelle sprudeln, die gegen Augenkrankheiten Wunder thun soll. Ein Lappen wird an eine Gerte gebunden, in die Quelle ge- taucht uitd auf die kranken Augen gelegt. Die Chinesen glauben nicht nur an die Heilkraft solcher Mittel, sondern auch daran, daß sie ihren Feinden damit schaden können, wenn sie sie ihnen ohne ihr Wissen beibringen. Dieses Verfahren ist aber sehr kost- fpielig. Nur für viel Geld kann man sich in gewissen Tempeln Stücke von gelbem Papier verschaffen, auf denen der Kopf eines Büffels oder Hundes aufgedruckt ist. Das Papier wird verbrannt und man versucht, den Thee mit der Asche dem Feinde beizubringen. Dadurch kann man ihm Krankheiten zuziehen und seinen Tod herbei- führen. Dieser Aberglaube hat anch zur Folge, daß viele Kranke glauben, sie wären einem solchen Mittel zum Opser gefallen. Priester werden berufen, um dem vcrhängnitzvollen Einfluß durch mysteriöse Zeremonien und Gebete entgegenzuwirken und die Seele des Patienten im Körper zurückzuhalten. Zu gleicher Zeit wird ein Spiegel, der auf einem Bambusrohr befestigt ist, über dem Kranken bin und her bewegt; die Gong-Gongs und Tronimeln machen einen ftirchterlichen Lärm, während dessen Papiere mit Büffel- und Hunde- köpfen verbrannt werden.— -v Aus dem Thierleben. — Vögel und Giftbeeren. Es ist eine allbekannte Thatsache, schreibt E. Krause im«Prometheus", daß Raupen, Vierfüßler und namentlich Vögel giftige Kräuter, Früchte und Samen fressen, ohne davon den geringsten Schaden zu leiden. Ein neues Beispiel beob- achtete der bekannte englische Naturforscher Alfted W. Bennett, wie er in„Nature" mittheilt, als er kürzlich den Botanischen Garten im Regents Park lLondonj besuchte. Die äußerst giftigen Tollkirschen (Atropa Bellsdorm»), welche durch ihr lockendes Atlssehen nicht selten Kinder zum Genüsse verführen und sie tödten, waren sämmtlich sauber aus ihren Kelchen gefressen. Der dieserhalb befragte Gärtner der Abtheilung behauptete, eS sei dies durch Amseln geschehen, die er häufig an diesen Büschen gesehen habe. Derselbe Gärtner sagte Bennet auch, daß die Meisen�mit Vorliebe die ebenso giftigen Saincn aus den Kapseln des Stechapfels zu fressen pflegten. Aehnliche Thatsachen waren schon iin Alterthnm bekannt, und wenn die christlichen Kirchenväter von den Ungläubigen mit dem Argument der gifttgen Thiere und Pflanzen bedrängt "v"• Peranttvortlicher Redakteur: August Jacobey in Ber wurden, deren Erschaffung man einer gütigen Gottheit nicht zu- schreiben könnte— wie denn in einem biblischen Gleichnisse that- sächlich der Teufel herbeigezogen wird, der TaumeNolch(Lofis Hafer im Norden) unter das Getteide gejäet habe—, so verwiesen die vernünftigeren Kirchenväter darauf, daß auch die Giftpflanzen ihren Nutzen sowohl als Arznei wie als Futter hätten, denn die Staare zum Beispiel fräßen mit Begierde Schierlingssamen. Ich weiß nicht, ob diese Behauptung in neuerer Zeit durch Beobachtungen er- härtet worden ist.— Technisches. — Metallglänzendes Holz. Ein eigenartiges Per- fahren, um gewöhnlichem Holz ohne Schädigung seiner natürlichen Eigenschaften den Glanz von Metall zu verleihen, wird in den Pariser„Annales Forestieres" beschrieben. Das Holz wird je nach seinem Gewicht drei oder vier Tag lange in eine ätzende alkalische Lösung, z. B. von kalzinirter Soda, bei einer Temperattir von 75 bis 90 Grad gelegt. Dann kommt es sofort in ein Bad von Kalzium» Hydrosulfit flvässerhaltigem schwefligsaurem Kalk),dem nach 24— 36 Stunden eine gesättigteLösnng vonSchwcfel in Aetzkali hinzugefügt wird. In dieser Mischung wird das Holz 48 Stunden bis 35—50 Grad Celsius belassen. Wenn das so zubereitete Holz, nachdem es bei mäßiger Temperatur geftocknet worden ist, mittels eines Glätteisens polirt wird, so nimmt es an der Oberfläche einen sehr schön metallischen Glanz an. Dieser Metallglanz Ivirkt noch mehr täuschend, wenn das Holz mit einem Stück Blei, Zinn oder Zink gerieben wird. Poliert man es darnach mit einem Polierstein aus Glas oder Porzellan, so gewinnt das Holz geradezu das Aussehen eines metallischen Spiegels, wodurch sich natürlich schöne Wirkungen in Holzarbeitcn erzielen lassen. Dabei bleibt das Holz sehr fest und widerstandsfähig.— („Mutter Erde.") Humoristisches. — In der Fremde. Bayer:„Seit drei Tagen Hab' ich nichts mehr gegessen; heute werde ich noch Knödel Probiren, weim die auch nicht schmecken, dann Hab' ich halt— Heiinweh I"— — Der kluge Papagei. Gast:«Der Papagei scheint sehr schlau zu sein?" Wirth(der gerade gegenüber dem Standesamt wohnt):„Na. ich sage Ihnen, jedesmal wenn drüben ein Paar hineingeht, dann schreit er S ch a f s t o p f!"— Schnadahüpfel. A Jager Ohne Schneid' Auf der Weil)' Thut mir leid. Und a Madl Auf'm Radl Ohne Wadl Js ka Freud'!— („Meggend. Huin. Bl.') Notizen. — P. K. Rosegger's sämmtliche bei A. Hartleben- Wien erschienenen S ch r i f t e n sind in den Verlag vonL. Staack- ma nn- Leipzig übergegangen.— — Wie aus einem Inserat im«Börsenblatt für den deutschen Buchhandel" hervorgeht, läßt das„Nietzsche-Archiv" den XII. Band der? Gcsammt- Ausgabe der Werke Friedrich N i c tz s ch e' s„auS wissenschaftlichen Gründen" aus dem Buch- Handel zurückziehen.— — Die„Blätter für literarische Unterhaltung" in Leipzig haben mit Neujahr zu erscheinen aufgehört. Sie bestanden achtzig Jahre und starben an dem zu hohen Preise (30 M. jährlich) und ledernem Inhalt.— t. Ein neues Manuskript von Galilei ist in der Vatikanischen Bibliothek entdeckt worden. Cozza Luzzi, ein Assistent der Bibliothek, untersuchte die Staatsurkunden aus dem 16. Jahrhundert und fand dabei die Urschrift der Abhandlung von Galileo Galilei über die Gezeiten. Sie ist vollständig in der eigenen Handschrift des großen Gelehrten geschrieben und am Ende mit dem Zusatz versehen:„Geschrieben in Rom. im Medici-Garten, 8. Januar 1616." DaS Manuskript wird auf Kosten des Vattkans herausgegeben werden.— — Die erste Matinee der„Historisch-Modernen Festspiele" wird die„Vögel" und„Den W e i b e r st a a t" des A r i st o p h a n e s bringen und am 22. Januar im Neuen Theater stattfinden.— — Die neue Nummer der„ I u g e n d"(2) bringt zwei Re- Produktionen aus dem Zyklus von Nadir nngen„Der Weber- aufstand" von Käthe Kollwitz(Berlin):„Der Aufruhr" und„Das Ende".— — Das erste Stipendium für weibliche St udi« r e n d e ist jetzt am schlvarzen Brett der Wiener Universität ausgeschrieben.— '—ss. Eine n e u e S t e r n w a rt e wird gcgenwärfig an dem Orte Kodaikanal in Süd-Jndien erbaut.—_ Die nächste Nummer) dcS Unterhaltungsblattes erscheint am Sonntag, den 8. Jamiar. in. Druck und Verlag von Wax Babing in Berlin.