NnttthaMngsblatt des Vorwärts Nr. 27. Dienstag, den 7. FeGruar. 1899 MeviM JirkendvAkh�s Venfioniive. 27] Roman von O. Eugen Thossan. (Schluh.) Das ganze Zimmer saß voll junger Mädchen. Wo die mit einem Male alle herkamen, sollte der Kuckuck wissen. So lange Fritze Manni kannte, hatte sie so gut wie keinen Um- gang mit Altersgenossinnen gehabt. 'Aber das ist allemal so. Bei einer Verlobung feiern die seit ewigen Zeiten begrabenen Mädchenfreundschaften eine jähe Auferstehung. Fröhlich kann man nicht gut sagen. Auch für Fritze war es keine fröhliche Ueberraschnng. Er hatte sich die Situation erheblich anders gedacht. Aber nun mußte es auch so gehen. Er ging stramm und steif auf den Mädchenknäucl los, fand wie durch ein Wunder gleich Manni heraus und ließ seinen Glückwunsch vom Stapel. Kaum war ihm dies einigermaßen fließend gelungen, als er auch schon nichts Anderes mehr im Sinne hatte, denn seinen Rückzug. Nur wieder raus, so bald als möglich! Er wußte blos nicht, wie er das in der Eile bewerkstelligen sollte, ohne allzusehr wie ein Stockfisch zu erscheinen. Auch Manni war durch sein unvenuuthetes Auftauchen so erschüttert, daß sie kaum etwas zu erwidern wußte. Und Fritze wäre eine Beute der gräßlichsten Pein gewesen, wenn sich nicht Herr Zickendrath seiner alsbald angenommen hätte. Fritze empfand das in diesem Augenblick wie eine Erlösung und war drauf und dran, feinem alten Widersacher in der Tiefe seines Herzens Alles abzubitten, was er je an Groll und Feindschaft gegen ihn gehegt hatte. Wenn ihm nicht noch zur rechten Zeit eingefalleu wäre, daß Herr Zickendrath mit seinem scheinbaren Erbarmen doch wohl noch andere, selbstsüchtigere Zwecke verbände. Und dem war auch so. Es gelüstete den wackeren Erzieher, dem mißrathencn Objekt seiner Bemühungen vor Augen zu führen, welche Er- folge seine erziehliche Thätigkcit au würdigeren Pfleglingen aufzuweisen hatte. Er führte also Fritzen durch die Schülerzimmer. Es gab deren jetzt vier. Alle sehr einfach ausgestattet; aber es lag so etwas in der Luft, wie gelehrte Würde, und die An- ordnung der Möbel athmcte die ganze zauberhafte Aesthetik niodern'er Klassenzimmer. Als sie durch die Stube der beiden Schmidt's schritten, bemerkte Fritze mit Verwuuderung, daß das Klavier fehlte. Er erkundigte sich danach. „Ja," sagte Herr Zickendrath ernst,„das hat er aufgeben müssen. Wo sieben junge Leute arbeiten wollen, da darf nicht einer dnrch seine Liebhabereien die anderen stören. Jo- Hannes hat sich auch ohne Widerrede darein gefügt." „Das war von ihm nicht anders zu erwarten," dachte Fritze. Aber er gönnte Herrn Zickcndrath den Triumph nicht, dieses Zugcständuiß aus seinem Munde zu hören. Er würde sich>ver lveiß>vas darauf zu gute gethau haben. Da Fritze mit stummer Andacht auf die neuen Eindrücke rcagirte, wurde Herr Zickendrath immer redseliger. „Wir gehen mit dem Gedanken um. vom nächsten Jahre an die Sache ganz im Großen zu betreiben. Mein zukünftiger Schwiegersohn wird die zweite Etage über uns micthcn, und wir werden dann zusammen arbeiten. Er bereitet das Alles schon jetzt vor. Der Direktor ist ihm sehr gewogen... er ist ja auch ein Schulmeister, wie er im Buche steht, ein Pädagoge ersten Ranges. Es kann ja nicht anders sein. Unsereiner... na. man ist ein bischen zu spät hineingekommen: aber man thut, was nian kann. Und man hat doch seine Freude, wenn man ficht, daß es anerkannt wird. Ich kann wohl sagen, auch von mir hält der Direktor viel. Wirklich. Wissen Sie, waL er noch neulich zu mir ge- sagt hat? Er sprach näinlich von Ihnen. Ja, ohne Spaß, von Ihnen. Wissen Sie, sagt er. was Sie in der kurzen Zeit aus dem Fritze Weinold gemacht haben, das ist aller Ehren Werth. Sein Examen war ja nicht berühmt,»vir hätten eigentlich mehr von ihm erwartet. Aber man weiß ja, wie das geht. Pech kann jeder mal haben. Aber... was in moralischer Beziehung oder sagen wir in menschlicher Beziehung unter Jhrgr Wege ans dem Jungen geworden war, das war ja geradezu eminent. Das haben mir alle Lehrer bestätigt. Vorher... ein guter Schüler, ja; aber ein bockbeiniger, eigenwilliger Geselle. Und in der letzten Zeit vor dem Examen... um den Finger zu wickeln, sag' ich Ihnen. Einfach gezähmt, daß er anL der Hand fraß. Das war eine Leistung. So sagte der Direktor. Naiürlich. Ich gebe nur seine Worte wieder. Ich will mich selbst nicht rühmen..." „Nein," unterbrach ihn Fritze,„Sie haben ganz recht. Das war Ihr Verdienst. Das haben Sie aus mir gemacht." Herr Zickendrath wurde fast weich. „Gott, Sie werden ja auch mit jedem Tag älter, nicht wahr? In der Jugend ficht man's oft nicht ein, was einem fehlt. Später gehen einem die Augen auf. Ich bin über- zeugt, Sie werden noch manchmal an mich denken und an Ihren Aufenthalt in meinem Hause." „Darüber können Sie sicher sein," entgegnete Fritze mit ernster Miene.„Das werd' ich ganz gewiß thun." „Na, sehen Sie. Man verständigt sich schließlich immer einmal. Es freut mich wirklich deshalb, daß Sie noch ein- mal gekommen sind. Das giebt mir die Gewißheit, daß Sie im Grunde Ihres Herzens trotz alledem kein übler Mensch sind. Ja, da lächeln Sie nun. Es ist aber wirklich meine Uebcrzeugung. Sie können sich drauf verlassen. Gott, Sie haben meine Pension kennen gelernt, als sie noch so ganz in den Anfängen stand. Das hat ja natürlich allerlei Unzuträglichkcitcn an sich gehabt. Aber passen Sie mal auf, was ich noch daraus mache. Sie werden's erleben. Meinen zukünftigen Schwiegersohn nicht zu vergessen, selbst- verständlich. Sie glauben gar nicht, was für ein gerissener Mensch das ist, in Erziehungsfragen meine ich. Im Vertrauen gesagt, er hat vor, sich mit der Zeit ganz auf die Aus- länder zu werfen. Verstehen Sie? Es bringt mehr ein. Gar kein Vergleich mit den hiesigen. Sie wissen ja selbst; hier wollen sie nichts zahlen... Na ja, weshalb denn nicht? Unsere Schulen sind gut. In jedem Jahr kommen tausende von Ausländern nach Deutschland, um sich ihre Bildung zu holen. Wenn wir hier bis jetzt noch keine haben, dann muß man sie eben herbeiziehen. Und ich sage Ihnen, mein Schwiegersohn— mein zukünftiger, wollt' ich sagen, der ist der Mann dazu." So waren sie wieder bis zur Hansthüre hinunter ge- kommen. „Also nun geht's aufs Polytechnikum? Na, in Ihrem Fach da werden Sie schon Ihren Mann stehen,. darum ist nur nicht bange. War's mir schon früher nicht. Denken Sie noch an Ihre Anlage drüben im Haus? An den Universal- klingelapparat? Unter uns... das Glühlicht, das Sie für Mannt angebracht hatten, das haben wir ausrangirt. Nichts für ungut! Ich meine nur, wenn sich so ein Mädel verlobt... nicht wahr? Es war ja schon damals ein bischen komisch. Aber das schadet ja nichts... Wann soll's nun fortgehen? Morgen schon?" „Ja. Vorläufig auf einige Zeit zu meinem Onkel, Sie wissen ja. Vis am Polytechnikum das Semester ansängt." „Zu Ihrem Onkel? Na, dann grüßen Sie mir den alten Knaben schön und sagen Sie ihm, fünfunddrcißig Mark monatlich wäre ein bischen wenig für eine Pension, die nicht blos eine Abfütterungsanstalt sein soll, sondern etwas mehr. Für die wirkliche Erziehung will kein Mensch was bezahlen. Merkwürdig! lind sie bleibt doch die Hauptsache im menschlichen Leben.. Als Fritze im Freien war, fiel ihm erst ein, daß er Mutter Zickendrath gar nicht zu Gesicht bekommen hatte. Er sah schnell noch einmal hinauf und richtig— da stand sie hinter einer Gardine und nickte ihm zu. Er hatte gar keine Zeit, den Gruß zu erwidern, denn schon war sie wieder verschwunden. Ein recht betrübtes Gesicht hatte sie eigentlich gemacht, fast als ob sie ein paar Thränen vergossen hätte.. i.Hm!... Ja... Die Frau war, wenn er sich's recht überlegte... wenigstens die Liebe hatte sie gehabt; zwar auch nicht ganz rein, aber etwas Mütterliches war ohne Zweifel dagewesen---- Und die hatte man am wenigsten zu dem Erzichungswerk herangezogen. Verrückt I Er merkte aber doch, wie der letzte Gruß von ihr bereit? anfing,„zerthejlend". in ihm zu wirken. XX, Von MdKMttenden Gefühlen bewegt, ging Fritze, achtlos 'gegen seine Umgebung, die Straße hinab, bis plötzlich der- traute Emdrücke. deren Herkunft ihm nicht gleich erkenntlich war, stachelnd auf seine Sinne wirkten. Er ritz sich aus seinen Träumereien und sah, daß es die iltRe Ztckendrath'fche Wohnung war, die ihn mit den Aus- ftrahlungen ihrer Eigenthümlichkeit geweckt hatte. Einen etwas scheuen Blick warf er an der Front des Gebäudes hinauf. Da sah er oben den Thurm. Herrgott ja, der Kantor! Von dem mußte er sich auch verabschieden. Er würde jawohl noch da wohnen. Flink sprang er die Sttegen herauf und klopfte. Ja... dieses„Herein!" das ablehnend und neugierig zu- gleich klang, das brachte nur der Kantor fettig. Als er Ftttzen gewahtte, durchdrang ein Aufleuchten seiner kleinen Augen den dicken Tabaksqualm, der brenzlich den Raum erfüllte. .Das ist erfteulich. Zigarre? Platz nehmen?.. Bitte?" „Ich hatte schon Angst, ich würde Sie hier nicht mehr anttefsen." „Oh, ich bin anhänglich. In diesem schnelllebigen Hause überdauere ich nun schon die sechste Einwohnerschicht. Wenn ich da rückwätts in meinen Ettnnerungen grabe, dünke ich mich Schliemann mindestens ebenbüttig. Augenblicklich lebe ich in der Tonzeit." „Wieso?" „Ton ohne h, meine ich. Oder schreibt man den andern, den zum Kneten, jetzt auch noch blos mit'nem t? Ich finde mich nicht mehr zurecht... Also ein Klavierlehrer wohnt jetzt unter mir. Drei Klaviere stehen im Stall. Ein Flügel und zwei Pianos. Den ganzen Tag Musikstunden. Aus dem Pädagogischen komm ich gar nicht mehr heraus. Ich habe schon gedacht, das ist ein Fingerzeig für mich, daß es nun bald zu Ende geht. Wenn man so die Jugend- Ettnnerungen nicht mehr los wird, dann soll es bedenklich stehen." „Sagen Sie doch so was nicht! So gut wie jetzt haben Sie noch nie ausgesehen, so lange ich Sie kenne." Der Kantor fand sein gewohntes boshaftes Lächeln wieder. „Ich will annehmen, daß das eine höfliche Unwahrheit von Ihnen ist. Denn wenn es das nicht ist, dann ist es eine Bestätigung meiner Ahnungen. Leute wie ich werden erst schön im Angesicht des Todes... Aber wahr ist, Lust zum Sterben vettpüre ich nicht. Es giebt noch zu viel zum Lachen. Aber sagen Sie mal, um auf Sie zu kommen, was hat Sie hierher verschlagen?" „Ich habe bei Zickendrath's einen Besuch gemacht." „Alle Wetter I Das nenn' ich Jugendmuth. Was war denn los?" Ftttze erzählte ausfiihrlich. Der Kantor konnte nicht sitzen bleiben vor dem unsagbaren Kitzel, der seine Nerven erregte. „Das ist ja monumental!" ttef er aus, als Ftttze bettchtet hatte.„Hätten Sie dem alten Egoisten solch' eine That sür's Vaterland zugettaut? Also auf die Ausländer will er sich wetten? Dadurch verbessert er ja aber die Aussichten der deutschen Natton ganz beträchtlich. Wenn ich Herzog wäre. dafür gäb' ich ihm einen Orden. Und wenn ich extta einen zu diesem Zwecke sttftcn müßte.„Für einsichtsvolle Ver- schlechterung feindlicher Rassen" oder etwas Aehnliches." Und so ulkte er weiter und arbeitete sich immer mehr in das höllische Feuer hinein. Fritze konnte diesmal nicht so recht mit. Es war von seinem Besuche etwas in ihm zurückgeblieben, was den Bos- heilen des Kantors widersprach. Als der deshalb eine kleine Pause machte, um Athem zu schöpfen, sagte Ftttze zögernd: „Ja, aber... ein wirklich schlechter Mensch ist er eigent- lich doch nicht." Der Kantor sah feinen Gast, der ihm gegenüber saß, eine Sekunde verblüfft an. Tann legte er sich weit über den Tisch und schrie: «Nein. Das ist ja das, worüber man sich am meisten ärgern kann. Wenn man glücklich einen Menschen gefunden hat. über den man die ganze Schale seines Zornes ausschütten möchte, dann entdeckt man, daß der Kerl auch seine guten Seiten hat. Und so geht es einem überall. Es ist die alte Klage: es giebt keine ganzen Charaktere, nicht einmal ganz schlechte. Es ist eine unvollkommene Welt."— LlÄkttrwipsenMÄMichv AsbevstM. Von Curt Grottewitz. Nichts wirkt zunächst unheimlicher als die Thatsache, daß die Erde seit dem Anfang ihrer Entstehung ungeheure, für den mensch- lichen Vetttand unfaßbar große Zeiträume durchgemacht hat. Aber gerade diese Thatsache konnte auch am leichtesten alle mythische Welt- auffassung, mit der sie in Widerspruch steht, beseitigen, und sie konnte ein fester Eckstein der modernen Naturforschung werden. Hat man zur Erklärung einer Ettcheinung Zeit im Ueberfluß zur Verfügung, so fällt der Begriff des Wunderbaren und Uebenratürlichen von selbst in nichts zusammen. Der Lauf des Coloradoflusses, der m einer Schlucht zwischen hundette von Metern hohen Felswänden dahinbraust, ist emes der gewaltigsten und überraschendsten Naüittchauspiele, das mancher in religiöser Andacht als den Beweis übernatürlicher Kräfte hingenommen haben mag. Setzt man aber Hunderttausende von Jahren zur Entstehung dieses Fluß- bettes voraus, und vergegenwärtigt man sich, was für eine auS- höhlende, wegspülende Macht das Waffcr selbst auf harten Stein ausübt, dann bleibt an dem Schauspiel nichts Räthselhaftes mehr. So ist es aber mit allem, was auf der Erde lebt und was auf ihr vorgeht. Nehmen wir nur entsprechend große Zeiträume zu Hilfe, so losen sich auch die größten Masscnwirkungen der Erdoberfläche und die komplizittesten Erscheinungen des Lebens in eine Summe von alltäglichen und auch heute noch zu beobachtenden Vor- gängen aus. Andererseits ist es aber ebenso erklärlich, daß ein- fache Prozesse durch tagtägliche Wiederholung während langer Zeit- pettoden zu gewaltigen Ereigmffen anwachsen können und daß sie dann das Aussehen der Erde gewaltig verändern. In der That ist die Oberfläche unseres Planeten derartig umgewandelt worden, daß da, wo heute Festland ,st, ftüher Meer war, und da wo heute der Ozean herstcht, in Vorzeften der Boden trocken war. So war zum Beispiel in der Jurapettode ganz Europa Meeres- grund. Die Jurazeit, die nach den geologischen Verhältnissen der Juragebirge ihren Namen bekommen hat. ist zwar nach Jahren ge- rechnet unermeßlich weit, dagegen erdgcschichtlich genommen, von der jetzigen Epoche nicht gar so weit entfernt. Aber die Funde von organischen Üeberresten, die im ftanzöfischen, schweizenschen und deutschen Jura, in den Karpathen, in Zentralrußland und ebenso in Südeuropa gemacht worden find, weisen alle auf Meeresthiere hin. Verbindet man alle diese Punkte Europa's, wo manne Organismen aus der Jurapettode gefunden worden find, so ergeben die Ber- bindungslinien ein Terrain, das ganz Europa umfaßt und daS also früher vom Meereswaffer bedeckt war. Ablagerungen der Jurazeit find aber ferner auch in Sibirien, Indien, in Grön- land und in Nord- und Südamerika gefunden worden. Eine eigenartige Entdeckung hat I. E. S. Moore (Rature 1898. Bd. 58) im Tangansika- See im südöstlichen Afrika gemacht. Er fand in demselben eine große Anzahl von Thieren, vor allem Mollusken, welche eine ganz unverkennbare Aehnlichkeit mit Formen der Jurazeit aufiveiscü. Dieser Fund ist in mehrfacher Beziehung interessant. Zunächst beweist er die Aus» dehming des Jura-Meeres bis zu diesem Theile Afttka's. Sodann macht er es wahrscheinlich, daß der Tanganjika-Sce früher ein lang- gestreckter Meerbusen war, der sich bis zum Rothen Meere, ja viel- leicht noch weiter bis zum Tobten Meere und Jordanthale hinzog. Vom Tanganzika-See etttreckt sich nämlich bis dahin eine Reihe langer, zum Thcil mit Seen ausgefüllter Thäler, die alle dieselbe geologische Struktur zeigen. Dadurch wird es sehr wahrscheinlich, daß der Tanaanjika-See früher mit dem Rothen Meere zusainmcn- gehangen und wie dieses einen schmalen Meerbusen gebildet hat. Das Merkwürdigste aber an Moore'S Entdeckung ist der Umstand, daß eine MeereSsauna sich in dem Süßwasser des Tanganjika-Secs erhalten koimte, zumal in diesem außerdem eine neuzeitliche der dortigen Gegend entsprechende Süßwasser- Thierwelt aus- f gebildet ist. Die'Meeresthiere hatten sich demnach nicht nur dem einen Salzreichthum verlierenden Wasser anzupassen, sondern sie mußten sich auch. Vettretcr einer längst entschwundenen Erdepoche. gegen die eindringenden neuzeitlichen Süßlvasserthiere zu behaupten wissen. Es müssen ohne Zweifel sehr zähe, anpassungsfähige Lebe- Wesen sein. Die Erscheinung, daß Vettretcr älterer Erdepochen bis in die Gegenwatt hineinragen, ist zwar auch anderwätts zu beobachten. Sie ttttt aber in der Regel nur in abgeschlossenen Gegenden, vor allem auf weit abgelegenen Meeresinseln auf. Das Schnabelthier zum Beispiel, daß die Merkmale von Vogel, Reptil und Säugethier an sich trägt und daher an eine Zeit ettnnert, in der diese drei Klassen sich noch nicht von einander abgezweigt hatten, ist auf Australien beschränkt, einen isolirten Kontingent, der es nicht zur Entwickelung höher begabter Säugethiere, vor allem nicht zur Erzeugung der gefährltchen Raubthiere gebracht hat. Einem andern Vettretcr einer vergangenen Erdepoche ist man neuerdings auf die Spur gekommen. Es handelt sich um ein Thier, das der Gruppe der Megathericn nahe steht. Wie in der Jurazeit und auch noch in der auf sie folgenden Kreidezeit die Reptilien den Höhepunkt ihrer Entwickelung erreichten und in ungeheuerlichen Riesenformen auftraten, so entfalteten sich in der noch.spätcreir Tertiär- pettode die Säugethiere zu gigantischen unförmlichen Wesen, gegen- über denen unser Elephant klein und schlank genannt Iverden kann. Auch die Megathetten waren solche plumpe, massive Säugethiere. Einen lebenden Vertreter der Megathericn, von denen übrigens jetziges Faulthier fich abgezweigt hat, will man nun in Südamerika gefunden haben. Leider ist jener bisher noch kein recht greifbares Forschungsobjekt geworden, da das Thier nur einmal von einem Forscher in der Nacht gesehen, von einem anderen aber nur nach einigen allerdings recht charakteristischen Skeletttheilchen beurtheilt worden jist. Eine genauere Kenntniß dieses Thieres wäre aber geWitz recht interessant. Da die alten merkwürdigen Thierformcn vergangener Erdepochen meist nur in ihrem Skelett oder in undeut- lichen Abdrücken vorhanden find, so ist es natürlich sehr erwünscht, lebende Nachkommen von ihnen zu finden, die uns über den inneren feineren Körperbau und die Gewohnheiten der betreffenden Thier- gruppe Aufschlutz geben können. Das Skelett eines Thieres entspricht allerdings als Träger der fleischigen Partien immerhin so deutlich der Form und der phyfio- logischen Bedeutung des Gesammtorganismus, dah es recht gut als Grundlage zur Beurtheilung einer bestimmten Thierart dienen kann, Ja der Schädel allein genügt schon, um von ihm aus eine Anzahl recht werthvollerjSchlüsse ziehen zu können. Von den« Menschenaffen, den E. Dubois fand und den man bereits als Ahnherrn des Menschengeschlechts glaubt auffassen zu können, exisfirt nichts als ein paar Schndelknochen, denen sich allerdings noch ein Beinknochen an- schlietzt. Die Kcmiwitz des thierischcn Körpers ist heutzutage aber eine so eingehende, datz eventuell ein einzelner Knochen genügt, um daraus die betreffende Thierart, der er eigen ist, festzustellen. Wie keine Thierspezies der anderen gleicht, so weichen eben auch die- ent- sprechenden einzelnen Körpertheile zweier verschiedener Arten von Lebe- Wesen von einander ab. Neuerdings ist ein Thierschädel aus der Tertiär- rpoche gefunden worden, der wiederum zu interessantenSchlutzfolgerungeu Anlatz giebt. Der Schädel stammt, wie in den„Comptes rendus" P. 127 mitgetheilt wird, aus Argcnfiuien. Er ist sehr eigenartig gebaut, und es ist sicher, datz er keiner der bekannten lebenden oder vorzeitlichen Säugethier-Ordnungcn augehört. Er erinnert einiger- motzen an die zu den Halbaffen' gehörenden Lemuren, doch weist er auch auf die Fledermäuse hin, die heute eine selbständige Ordnung neben den Halbaffen bilden. Jndetz verbindet der Schädel nicht nur diese beiden Ordnungen, sondern er scheint auch Charaktere zu be- fitzen, die nur den Reptilien eigen find. Autzerdem aber zeigte er die ungewöhnliche Eigenthümlichkcit, datz die Nasenknochen derart vorn vertvachsen sind, datz sich keine Nasenlöcher darin befinden. Vielleicht ging dem Thiere infolgedessen die Fähigkeit ab, die Wohl- gerüche, beziehentlich den Gestank der Welt wahrzunehmen. Das Thier, das den Namen �.rciunvlsmur Scalabrinii erhalten hat, besatz demnach einen Schädel, der ihm eine sehr eigenartige Stellung in der Klasse der Säugethiere sichert. Der Archinolemur war, seinem Schädel nach zu schlietzen, der ziemlich kurz ist, nur ein kleines Thier, nicht grötzer als irgend einer der heutigen Halbaffen. Denn natürlich besatzen nicht alle Säuge- thiere der Tertiärzeit Riesenfornwn. Ihr allgemeines Kennzeichen war aber entschieden in jener Erdperiode eine gigantische plumpe Größe der Statur. Dagegen scheinen die Vögel ihre größte Ent- Wickelung erst in der jetzigen, der quartären Erdepoche genommen zu haben. In den letzten Jahrhunderten freilich haben die Riesen- vögel dein gefährlichen Expansioustriebe des Menschen weichen müssen. Aber jedenfalls lebten die gewaltigen Laufvögel Mada- gaskars und Neuseelands, der Dmornis giga'nteus, der drei Meter hoch war, der Lalapterix ingens, der Aepyornia maximus, dessen Eier sechsmal so grotz Ivaren wie ein Straußenei, noch in historischer Zeit. Größer wie der Strauß war Ivahrscheinlich auch der Ltrutbio- lithus, der jedoch bereits in tertiärer Zeit lebte. Man mutz„lvahr- scheinlich" sagen, denn auch von diesem Vogel ist nur ein sehr un» bedeutender Uebcrrest entdeckt worden, und zwar nicht etwa der Schädel oder ein Bein oder sonst ein Skclettrest, sondern nur zwei Eier. Es mag manchem ctivas kühn erscheinen, von eincnr Ei auf die Gestalt eines vorlveltlichen Vogels zu schließen, den niemand je gesehen hat. Und doch zeigt gerade das Ei einer jeden Vogelart seine ganz eigen- artige Struktur, infolge deren es mit Zuverlässigkeit rckognoszirt werden kann. Die Oologic oder Kunde von den Eiern der Vögel ist ja fast ein besonderer Wissenszweig geworden, und es giebt Eier- sammlungcn, die tausende von verschiedenen Vogeleiern umfassen. Von dem Struthiolithus ist nun neuerdings, wie' C. R. Eastmann im„Geologieal Magazine" mittheilt, ein Ei gefunden worden, nach- dem schon in den fünfziger Jahren ein solches in Südnitzland ent- deckt worden war. Schon von diesem Ei war festgestellt worden, datz es von einem Vogel herstammen müsse, der dem Strauß nahe verivandt sei. Das neu cutdeckte Ei ist in Nordchina in tertiären Schichten gefunden worden. Es stimmt mit dem südrussischen voll- ständig übcrcin, beide übertreffen das Straußenei an Länge, Breite und Rauminhalt. So beträgt der letztere beim Ei des Struthiolithus etwa 2000 Kubikzentimeter, während das Straußenei nur einen Inhalt von nicht ganz 1500 Kubikzentimeter umfaßt. Die Auffindung des Eies in Nordchina hat noch einen be- sonderen thiergeographischen Werth. Der Strautz ist nämlich mit der südamerikanischen Strautzenart, dem Nandu, so nahe verwandt, datz man auf eine gemeinsame Abstammung der beiden schlietzen mutz. Nun ist aber das Vorkommen des Straußen auf Afrika und Arabien beschränkt, und es war schwer verständlich, wieso der Vorfahr dieses Thieres von da nach Südamerika gelangen konnte. Denn die anderen zur Ordnung der Straußen gehörigen Vögel, wie der Casuar und der Enm, die' in Australien leben, stehen dem ge- meinen Strauß ferner. Dagegen stellen nun derj Struthiolithus Und einige bereits frffher aufgefundene Uebcrreste von strautzen- ähnlichen Vögeln genau die Verbindungslinie zwischen der Heimath des afrikanischen Straußen und des Nandu in Südamerika her. Solche Ueberreste sind auf der Insel Samos und in Indien ge- fundcn worden. Nun kommt jetzt der Struthiolithus in Nordchma dazu, ferner ein Ueberrest in Neu-Mcxiko in den Vereinigten Staaten. Das nordöstliche Asien aber hing früher mit Nord- amerika zusammen, von dem es ja beute auch nur durch eine schmale Meerenge getrennt ist. Es geht also aus allen diesen Funden hervor, datz die Gattung Strauß einst über die wärmeren Gegenden der ganzen Erde verbreitet war. Aber nur an den beiden entgegengesetztesten Punkten des großen Vcrbreitungsbezirks blieben die Strauße am Leben, in den mittleren Partien starben sie aus. So wunderbar demnach die Thatsache erscheinen mochte, daß zwei nahe mit einander verwandte Laufvögel in zwei durch so große Wasserflächen von einander getrennten Ge- bieten wohnen, so einfach löst fich die Schwierigkeit, ivenn man die frühere Geschichte dieser Vögel berücksichtigt. Die Thierwelt Süd- Amerika's ist sonst von derjenigen Afrika's autzerordeutlich verschieden. Denn um auf dem Landwege über Nordasien und Nordamerika nach Südamerika zu gelangen, dazu gehört eine Durchlvanderung kälterer Gegenden, die einem afrikamschen Thiere nicht so leicht möglich ist. Nun mutz man freilich bedenken, daß zur Tertiärzeit, in der der Struthiolithus lebte, unter unseren nördlichen Breitengraden ein so warmes Klima herrschte, datz selbst Palmen in Deutschland gediehen. Zu dieser Zeit konnte also der Strautz seinen Uebergang durch die nördlichen Gebiete nach Südamerika sehr leicht bewerkstelligen. Wenn andere Thiere dem Beispiele des Straußen nicht gefolgt sind, so mag das daran liegen, datz sie sich nicht so weit zu verbreiten vermochten. Was aber war der Grund, warum sich der Löwe zum Beispiel nicht ebenso weit verbreitete wie der Strautz? Diese und ähnliche Fragen kann die Wissenschaft noch nicht be- autivorten. Denn noch sind die Existenzbedingungen der Thiere nicht bis ins Einzelnste bekannt. Man sieht ja bereits an dem Bei- spiele des Straußen, was für eine Menge von Faktoren, Klima- ivechsel, Zusammenhang von jetzt getrennten Kontinenten, Wände- rungen, unermeßliche Zeiträume u. s. w. zusammenwirken müssen, um einem Thier seine jetzige Form, seinen jetzigen Wohnort, seine jetzigen Gewohnheiten zu geben!— * t a* A Kleines Feuilleton. kg. Politische Karikaturen auS der Zeit dcS dreistig- jährigen Krieges finden eine sehr interessante Behandlung durch Dr. R. Wolkan in dem soeben erschienenen Heft der„Zeitschrift für Bücherfreunde". Es ist ein autzerordeutlich reichhaltiges Material auf diesem Gebiete vorhanden, das bis jetzt aber nur tveniae Be« arbeiter gefunden hat. Während im 16. Jahrhundert fast ausschlieh« lich die religiöse Frage die Karikatur beherrscht, tritt ihr im 17. Jahr- hundert die polittsche gleichwerthig an die Seite. Dieser Entwicklung entspricht auch eine Aenderung im Format und in der Ausstattung der Blätter. Im 16. Jahrhundert waren sie fast durchgehcnds im Kleinoktavformat gehalten, nur historische Lieder gab es auch schon häufiger im Quartfonnat,>vie es ganz allgemein für die„Zeitungen" üblich war. In den erregten Zeiten des 17. Jahrhunderts genügten diese kleinen Blätter nicht mehr. Da sie mehr auf die große Masse des Volkes wirken sollten, gewinnt die Zeichnung gegenüber dem Text immer mehr an Bedeutung: der Zeichner mußte sich also frei entfalten können. Zudem wurde sein Werk oft genug über Nacht an de» Ecken der Straßen, an Burg- und Stndtthor an- geschlagen und sollte da am Morgen von jedermann gelesen werden, der des Weges daherkam, und das größte Folioformat konnte allein diesen Zwecken genügen. Bild und Lied sind in diesen Fällen auf besondere Qnartblätter gedruckt, die erst später zusammengeklebt wurden. Ost sollte auch unter dasselbe Bild der Text in verschiedenen Sprachen gedruckt werden, wie ja oft genug auch holländische und französische Blätter nach Deutschland eingeführt wurden, um einen deutschen Text als Unterlage zu erhalten. Nicht immer können diese Spottbilder nur von der Privatspekulatton unternehmender Verleger auf den Markt geworfen sein. Oft werden einzelne Themata in solchen Maffeuproduktioiieii behandelt, datz sie nur durch Unterstützung geldkrästiger Privatleute möglich geworden sein können, da die Kosten im Verhältnitz zu dem möglichen Absatz zu groß waren. Auch gingen von demselben Verleger bisweilen viele Bilder, die den gleichen Zweck hatten, fast gleichzcittg aus. In vielen Fälle» waren die Spottbildcr jedenfalls durch eine Partei veranlaßt, die das nöthige Geld zur Ausführung des Sttchs hergab. Der Holzschnitt kam übrigens in solchen Spottbildern selten zur An- Wendung; er zeigt auch ein recht bescheidenes künstlerisches Können, während die Urheber der Stiche in der Mehrzahl künstlerisch tüchttg durchgebildet Ivaren und besonders die gute Zeichnung nackter Frauen- gestalten in allegorischen Darstellungen auffallt. Wie das 16. Jahr- hundert, so schwankt auch noch das 17. Jahrhundert im Spottbilde zwischen wirklicher Karikatur und allegorischen Darstellungen. In Thiergcstalten, und zwar in den schildhaltenden Wappeuthieren, wurde die satirische Darstellung regierender oder politisch bedeutender Persönlichkeiten gegeben. Der pfälzische, niederländische, böhmische Löwe mutzte die Fürsten dieser Länder, der Adler Oesterreich,«der (Sreif Baden, da? Einhorn England verkörpern. Gewisse allegorische DarstelluiigSfonnelu, das Ausspeien, der Stammbaum, um als Wurzeln der Tugenden die Freunde, der Laster die Feinde darzu- stellen, das Spinnen, um das Anspinnen von Trug und Berrath zu versinnbildlichen, kehren immer wieder. Die derbsten Spottbildcr haben auch noch im 17. Jahrhundert die religiösen Kämpfe im Gefolge. Der Kampf gegen Lucher zeitigt srei�-h wenig Karikaturen mehr, um so heftiger werden das Papstthum und die Jesuiten angegriffen: aber auch gegen die Cnlvinisten richtet sich die Karikatur, heftiger freilich als gegen sie gegen ihren Beschützer, den böhmischen Wmterkvnig. Ich Wort mid Bild ist nicht so bald ein Herrscher so viel gefeiert,»och viel mehr aber verhöhnt werden als er, dessen Herrschaft in Böhmen doch mir so kurze Zeit währte. Wie reichhaltig die Produktion über- Haupt ist, leimzeichuet die Thatsache. das; Woikan nicht weniger als 200 Blätter gesammelt hat, die sich auf ihn beziehen und sich fast auSschliestlich auf den kurzen Zeitraum dreier Jahre(1019—21) zu- sommendrängen. Von seiner Veruiähluiig mit Elizabeth von England begleiten die Lieder und Bilder sein Leben bis zu seine,» Tode. Ein charakteristisches Bild zeigt den.Pfälzischen Patienten". Er ist krank rmd siech, er hat den Kopf verbunden und stützt sich auf eine Krücke. Am Halse hängt ihm das Elend; die spanische Btücke umschwärmt ihn, die Spinne setzt sich ihm ans den Rücken, Affen suchen ihn vergeblich davon zu befreien. Der FnchS kommt zu ihm als Arzt und findet in seinem Hari,„den bösen Wurm von Krieg und Sturm" und empfiehlt ihm die Äpo'heke in Bayer» und Sachsem— Völkerkunde. — Gom Aberglonben der W am bngwe schreibt Wevther in seinem Werte:.Die mittlcreir Hochländer des nördlichen Deutsch-Ostafnka":„Ich habe den mittelalterlichen Abcrglnnben an den Werwolf dort vertreten gefunden, und zwar gelegentlich der Begebenheit, daß ein Mann von einem Leoparden angefallen wurde. Dir Leute behaupteten mit einer felsenfeste» Ilebcrzehgung. daß dieser Leopard kein Thier, sondern ein böser Zauberer gewesen sei. der sich in einen Leoparden verwandelt habe; denn das käme öfters vor, meinte» sie, brachten mir das Fell und verlangten von mir die Erklärung, ob sie in ihrer Anficht Recht hätten oder nicht; ich müßte das' wissen, da wir, die Europäer, ja so klug wären. Ich erklärte, erst einige Zeit mit mir selbst ein Schauri machen zu müssen und verkündete dann nach einigen Stunden, daß fie sich diesmal geirrt hätten: dieser Leopard sei ein Leopard gewesen und kein Zauberer, womit die Mehrzahl der Besucher zufriedengestellt schien. Einige Nörgler waren allerdings darunter, wie ich an den zweifelnden Mienen zu erkennen glaubte.— Die Todtcn werden nicht in. sondern neben der Tembe beerdigt: sodann gehen am nächsten Morgen die ganzen Anvcrivandten nach dem Kwvu-Fluß mehrere Stunden weit nach der Mündung zu, um dort unter Zeremonien die Kleider der Verstorbenen zu waschen. Zufällig starb am Tage miserer Ankuust der Bruder meines Führers Rjai. den ich schon lange bei mir hatte, so daß ich diese Gebräuche konstatiren kvunte. Beim Einmarsch in das Land drehte sich Rjai, der stets vor mir ging, plötzlich um mit den Worten:.Da fliegt ein schlechter Vogel'vorbei I" Bald nachdem wir bei KötberShei», Lager aufgeschlagen, kam er und sagte:.Mein Bruder ist heute Morgen gestorben; habe ich Dir nicht den schlechten Bogel unterwegs gezeigt?"— Aus dem Thicrlebeu. — lleber Schwalben im Schnee belichtet das fünaste Heft der.Ornithologsschcn Monatsberichte". Daß unsere beliebtesten Frühlingsboten bei uns aushalten, bis Schnee fällt, kommt ivohl außerordentlich selten vor. A. v. Homepcr beobachtete auf einer Resse von Greifswald«ach Wrangclsburg bei Wolgast am 14. Oktober vorigen Jahres, bei-�2" R. und eiskaltem Südost- Winde, bei und im Dorfe Diedrichshagen. 1 Meile südlich von Greifswald, noch mindestens 40—00 Rauchschwalben. I» GreisSwald selbst waren die letzten am 4. Oktober fortgeflogen. In Wrnugels- bürg flogen noch am überfolgenden Tage bei-t- 1 � R. und Schneegestöber die Schlvakben bis 3 Uhr Nachmittags. Als um Mittag die Sonne auf einige Zeit zum Durchbrach lam. setzten sich Schwalben auf eine von der Somie beschienene Tachböschnng, verschwanden aber sofort wieder, als die Somie vcsschwand. Am 17. Oktober ?ogen die Schwalbe» ab. Einen noch späteren Abzug einer Schwalben- amilie infolger später Brut beobachtete v. H. 1897, wo diese bei dem milden' Herbste erst am 7. November fortflog. In Städten treten die Schwalben ihre Wandmmg immer früher an als auf Landgehösten, wo fie in de» wannen Viehställen noch einige Wochen lang Fliegennahrnng finde». So berichtet v. Tschusie einen Fall aus Oesterreich, wo Rauchschwalben überhaupt ihre Wanderung aufgaben und in einem Stall bis Februar blieben. Dann starben sie aber aus stahrungÄnangel.— Bergbau. a«. Pflanzen als Verräther von Erzlagern. Es ist keine neue Beobachtung, daß bestimmte Bodenarten, auch das Bprhandensein von einzelnen Erzen durch gewisse Pflanzen ge- kennzeichnet werden. Für diese Thatsache hat Eracst Lidgey in den TwuiLaaticmL �.uLtralasüu» Institute der Minen-Ingenieure einige besonders bemerkenswerthc Beispiele zusammengestellt. Bei Siegen im deutschen Rhcinlande ist ein Eiseuerz-Lager auf eine Strecke von 2 Meilen dadurch kenntlich, daß der Boden mit Birke« bestanden ist, während er in der ganzen Umgebung nur Eiche» und Buchen trägt. Ein Strauch.Amorplm canescens, der etwas seltener als die der» schwisterte strauchige Aniorpha auch bei uns als Ziesstrauch in Gärten angepflanzt wird, dient in Amerika, besonders in den Staaten Michigan, Wisconsin und Illinois als Leitpflanze für Blei- glanzlagcr, während in Missouri Gummibäume uud Pflanzen aus der Vcrlvaiidsschaft des giftigen Sumach als Bleipflanzen bekannt sind. Daß Buchen Liebhaber von Kalksteinboden sind, ist bekannt, und schon oft haben vereinzelte Bäume dieser Gattung zur Ent- deckung von Kalksteinlagern Anlaß gegeben. Nach spanischen Er- fahiuugen ist eine Wiiidcnart ein Vcrrnther von PhoSphorit-Lagern und als solcher besonders in den Kallsteingebieten von Estremadura geschätzt. Im anierikanischen Staate Montana sind sogar Silber- lag« durch Vermittelung einer Pflanze Eiigonurn ovalifoliurn auf» gesimde» worden. Auch in Deutschland recht bekannt ist das sogenannte Galmei-Veilchen oder Kelmes-Vlume von der Art Viola tute» und der Abart calsmiriaris, die in Oberschlesien, in Westfalen. aber auch in Bclgicu und in dem amerikanische» Staate Utah auf solchen! Boden wächst, der Lager von Galmei, den» Ivichtigsten Zinkerz, führt.— Technisches. — Stoffe wasserdicht zu machen, versnchte seit Langem Dr. Berthier. Nun wäre ja dabei eigentlich nichts Neues, denn Methoden, Stoffe wasserdicht zu machen, giebt es gar mannig» fache. Was seither noch fehlte, war ein Material, welches das Wasser auch»ach längerem Gebrauch nicht durchläßt, der Luft aber freien Durchgang gestattet. Dr. Berthier bemerlte, daß die Stoffe der Araber diese anscheinend kontradiktorischen Eigenschaften besitzen, und schrieb dies der Verlveiidimg von Wolle zu, welche noch das thie- nsche Fett enthält. Versuche wurden angestellt mit Lanolin und einem gcreungten ncnttalru Thierfett ohne Seife und Fettsäure. Die Resultate waren sehr günstig, und durch eine Mischung von 10-24 Gramm Lanolin auf 1000 Gramm Petroleum-Spiritus(Petroleum- esseiiz) wurde die wasserdichte Eigenschaft erzielt. Das Gewebe wurde entweder durch kurzes Cintauchen in die Mischimg uud daraufsolgeudes AnSwiuden oder durch Ausstreichen der Flüsfig- kcit auf die Oberfläche mit einem Echwamu» wasserdicht gemacht.— Hmnoiistisches. — Die gute Frau Müller. A,:„Denken Sie mir, w'e gut die Frau Müller für ihren Mann sorgt; sie zieht ihm sogar die Stiefel auö!" B.:„Wohl wem« er ans dem Wirthsha»? kommt?" A.:„Nein, schon wenn er ins WirthShauS gehen will."---- — Trost..Willy, wie gings heute in der Schule?" „Sehr gut Mama r „Lüg' nicht I Ich Hab' gehört, daß Du Schläge bekommen hast." „Ja l Aber es hat uit so weh gcthan wie sonst."— („Jugend.") — Aufrichtig: Auf dem Grabe einer Frau am Brenner steht zu lesen:„Thränen können Dich nicht mehr zum Leben zurück- rufen, darum weiue ich."— Notizen. — Der klerikale„Pfälzer Volksbote", der in Kaisers- la u t e r n erscheint, kommt nach einer Aufzählung von G o e t h e' S Frauengestalten in einer moralischen Würdigung zu folgendem Schlüsse:„Das sind die hervorragenden Etappen des moralischen Lebens dieses angebeteten Litteraturhelden, der ein vollendeter Wüstling und ein sittenloser Schurke, der das Lebensglück vieler anständiger Frauen zertreten und ihre Tugend und Ehre' den niederen In stinktcn seiner bestialischen Leiden« s ch a f t e n herzlos opferte."— — Von Fe d o r von Zobeltitz wurde ein dreiaktiger safiri- scher Schwank. T a m- T a m" für das Berliner Theater erworben. Er soll dort in der ziveitcn Hälfte des Februar zur Aus- führung kommen.— — Georg D r o e s che r, der bisherige Leiter de? Belle« Alliance-Theaters. ist für das Schauspielhaus als Regisseur engagirt uud vorläufig auch mit den Funktionen deS Dramaturgen betraut worden.— — Max H a I b e' s umgearbeitete Komödie„Lebens« w e n d e" ist bei der erste» Aufführung im M ii»che,» er Schauspielhause unter Zischen und Gelächter abgelehnt worden.— — Theodor H e r z l' S Schauspiel„Unser Käthchcn" fand bei der erste» Aiiffiihrnng im Wiener Volkslheoter eine getbcilte Aufnahme: Im Stehparterre raufte» sich Zionisten und Äntifemiten.— — Seit fünfzig Jahren leitet derNedakteurDr. Alexander R a m s a y das„Banssshire Journal"(Schottland).— Die Nerven und das Sitzfleisch!— Verantwortlichtr Redakteurt Ungnst Jocobcy in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin.