Nnterhaltungsblatt des Vorwärts Nr. 30. Freitag, den 10. Februar. 1399 i, als sie es an den» vorhergehenden Tage vergessen hatte. Von eincin kleinen Amerikaner erzählt Hall, er habe eine so aufopfernde Liebe zu seiner„Puppe" gezeigt, datz er halb verhungerte, »m heimlich einen alten Rntzlnacker zu füttern, den er als ein„Mit- glied der Familie" betrachtete. Die Pnppe zn Bett bringen, ist nach der Anschanung der Kleinen natürlich auch ein Geschäft von grötztcr Wichtigkeit. Einsingen und Wiegen„bis die Arme schmerzen" spielen dabei eine grotze Rolle. Schläft die Puppe, so ist man sehr rücksichtsvoll, geht auf Futzspitzen und spricht im Flüsterton, um sie nicht zu wecken. In der Art der Behandlung giebt sich indetz die verschiedenste Anffafsnng von dem Alter des„Kindchens" knnd. Ein Kind wollte seine Puppe nicht einsingen, weil es sie als„junge Dame" betrachtete. Andere hielte» sie wenigstens für alt genug, datz sie wachend ins Bett gelegt werden konnten. Ihre realistische Auffassung zwingt die Kinder aber in der Regel, der Puppe die Augcu zu verdecken, wenn sie leine von selbst chlietzenden Augen hat. Eine eigenartige Lieblingsbeschäftigung ist die„Krankenpflege". Die Puppen scheinen alle möglichen Krankheiten durchzumachen. So stellte ein kleines Mädchen bei ihrer Puppe„Lepra" fest, weil„die Farben fleckig geworden wären". In einem anderen Falle wurden mit Hilfe eines rothen Bleistiftes„Masern" hergestellt. Eine besonders aufmerksame Beobachterin ritz ihrer Puppe, nachdem sie„hohes Fieber" gehabt, die Haare ans. Puppen müssen auch erzogen werden. Die Methoden, nach denen dies geschieht, spiegeln getreu die Behandlung wieder, die die Kinder selbst erfahren haben. So sagte z. B. ein Kind:„Ich spreche oft vernünftig auf meine Puppen ein; denn das ist ihnen sehr nütz- lich," ein anderes dagegen:«Ich prügele meine P>ippen oft, weil» »e nicht gehorsam sind,' das macht so viel Spatz." Ein gut Stück Charakteristik der Elten» beider steckt in diesen naiven Aentzerungen. Das Gespräch des Kindes mit seiner Puppe ist aber keincrwegS immer belehrend und unterhaltend;»ncist handelt es sich um einen evflilfe fcc§ Kinderherzens zu der Ver-trnuten. Ans der Pnppe wird dann die Gesellschafterin, der alle Freuden und nach vielmehr alle Schmerzen mitgetheilt werden. Eigenthiinilich ist auch die Bedeutung, die das Begrädnih im Spielen mit Puppen hat. Manchmal scheint ein solches nur derZercmonie wegen vorgenommen zu iverden, da die Puppe bald ausgegraben und wieder in Liebe aufgenommen wird. Echt ist das Begräbnis; nur, wenn die Puppe wirklich todt, d. h. zerbrochen ist. Sicher ist es aber oft auch nur ein Vorwaud, das Ende der Puppenliebe zu beschönigen. Auch ist nicht jedes kleine Mädchen eine„Autigone", sehr viele werfen ihre kranken oder tobten früheren Lieblinge einfach in einen Winkel. Wenn der Erwachsene sich vorzustellen sucht, was das Kind über seine wächsernen und hölzernen Lieblinge denkt, so ist er immer in Gefahr, dem was er sieht, den äußeren Handlungen, seine eigene Vorstellungsweise unterzulegen— ein Umstand, der jede Kinderpsychologie erschivert. Das aber zeigt doch das Benehmen der kleinen Mütter, daß sie die Puppen als vollkonmien ihres- gleichen betrachen. Sie werden behandelt, als ob sie lebendig wären, als ob sie wachsen, essen und schlafen, und wenn sie krank sind, auch Medizin nehmen niüßten. Es wird mit ihnen umgegangen, als ob sie Sinne hätten,— mindestens den Gesichtssinn,— als ob sie Freude und Schmerz fühlen könnten und als ob sie verstünden, was man zu ihnen spricht. Diese Voraussetzungen werden auch durch das Aussehen der konventionellen Puppe unterstützt, die, wenn sie auch steif und unbeweglich ist, dem Acußeren eines Kindes nach- gebildet ist. Wie aber ist es, wenn die Kinder eine„Ersatzpuppc" dem schönsten Wachskopf vorziehen? Sind eS Kinder von hoher Einbildungskraft, die einen möglichst großen Spielraum für die Ge- staltungcn ihrer Phantasie brauchen? Sind es Kinder mit ver- hältnißmäßig gering entwickelter Empfindung für siimlichc Reize? Oder sind es Kinder, die durch die Uubclveglichkcit der Puppe beim Anhören der leidenschaftlichen Erzählungen, durch den Zerfall des Puppenkörpers oder gar durch die Entdeckung, daß der Kopf hohl ist, skeptisch gclvorden sind? Dabei müßte auch die Wirkung der skeptischen Bemerkungen Anderer, besonders der Brüder, in Betracht gezogen Iverden. Man nimmt allgemein an, daß sich„mütterliche Empfindungen" in der Liebe der Mädchen zu ihren Puppen regten. Professor Hall sucht den Nachweis zu erbringen, daß dies i» viel geringerem Maße der Fall ist, als gewöhnlich behauptet wird. Er hat gefunden, daß auch Knaben in ziemlich beträchtlicher Zahl Vorliebe für Puppe» gezeigt haben, wenn auch ihr Gefühl nicht soviel wanne Zärtlichkeit zu haben scheine als das der Mädchen. Wie wäre dann ferner die Neigung der Kinder zu erklären, die so oft auftritt, die Puppe zu zerbrechen, zu zerstören? ES scheint aber doch, daß dunkle ittüttcr- liche Impulse wenigstens die Basis dieser Empfindungswelt bilden, wenn sie sicherlich auch mit vielen anderen vennischt sind. Daß solche vorhanden sind, dafür spricht auch das Entzücken der Kleinen, dnS sie äußern, wenn ihnen ein- mal erlaubt wird, ein wirkliches Baby auch mir eine» Moment im Ann zu halten. Bedenkt man, wie schwer zugänglich ein solches dem Kinde ist, so begreift man, welchen Werth die Puppe in dem Leben eines kleinen Mädchens erlangen kann. Freilich werden diese Instinkte stark von anderen Gefühlen überwuchert. Nach- ahmung der Erwachsenen wird wie in allen Spielen so auch in dem Spielen mit Puppen osfeiikundig. Das Kind th»t mit der Puppe, was mit ihm selber geschieht und geschah. Man kann dabei bc- obachten, daß Kinder, die selbst nngcrn gehorchen, selbst zu ihren Puppen sehr streng sind und„Ungehorsam streng bestrafen. Möglich auch, daß das Kind den Wllnsch hat, sich für die Unterthänigkeit, in der es sich ständig befindet, schadlos zu halten und das angenehme Gefühl haben will, selbst„Autorität" ausüben zu können.— 0. Li, Kleines Fenillelon. c. Begrabene Städte in der Wüste. Eine überraschende Entdeckung lohnte den ForschungSreisendeu Dr. Sven Hedin, als er den großen westliche» Theil der Wüste Gobi durchzog. Wie er in seinem in London erschienenen Buch„Through Asia" erzählt, hat er das Gebiet auf seinen gleise» zweimal berührt. Es ist mit Sand- düncu bedeckt, die ein schnelles Fortschreiten unmöglich machen. Das Land ist völlig erstorben, kein Anzeichen der Pflanzen- oder Thierivelt unterbricht die Monotonie der gelben Saudbcrge. die bisLOOFnß hoch sind. Der Forscher war selbst in Lebensgefahr, und zwei seiner Begleiter büßten ihr Leben ein, da die Kameele ihren Dienst versagten. Von Khotan aus besuchte er dann noch mehrmals die Wüste, und hierbei stieß er auf die„begrabenen Städte." Er fand Ruinen von Hunderten von Häusern aus Pappel- holz, die ohne irgend eine Spur von einem erkennbaren Plan oder von einer Linie umherstandcn. Die nicisten waren nach einem und demselben Schema gebaut! eS war gewöhnlich ein kleines Viereck in einem größeren, das in mehrere Zimmer cingetheilt war. Pfosten von 6—10 Fuß Länge, die aus dein Sande hervorragten, und trocken wie Zündhölzchen waren, bezeichneten die Lage dieser Häuser. So ist der größte Theil der ehemaligen Stadt unter den Sanddünen begraben, und sie wird nur in einzelnen Zwischenräumen sichtbar. Auch einzelne Ncberreste von Wänden in der Hohe von etwa 3 Fuß wurde» gesunden. Sie bestände».aus Pflöcken, die durch zusammengebundene Grnsbündel gebildet waren, und waren mit einer Lehmwand be« kleidet. Die Lehmwände sind mit Wanddekorationen geschmückt, die kniende weibliche Figuren mit gefalteten Händen, an denen auch die über dem Kopfe zu einem Knoten verschlungene Haartracht auffällt. und bärtige Männer von arischem Typus, wie Perser gekleidet, dar- stellen. Auch Buddhafiguren, i sowie Friese und Kränze wurden ge- funden. Ferner ließen' sich Spuren von Gartenanlagen erkennen; ehemals müssen Pflaume» und Aprikosen da gcmachsen sein, wo jetzt die trostlose Oede ist. Die Lösung des Räthsels, daS diese Ruinen aufgeben, liegt darin, daß an dieser Stelle einst ein Fluß vorbcigeflossen ist, dessen Bersiechen den Ruin der ehemals blühenden Stadt herbeigeführt hat. Ein Nebenfluß des Kcriya-Daria hat hier die Obstgärten bewässert und die Mühlen getrieben, der später wie alle Flüsse jener Gegend sein Bett imnier weiter nach Osten gesucht hat. Auch ein„tvdter Wald", durch den der Reisende hindurch mußte, ehe er zu jener Stätte kam, erzählt noch von ihnen; seine Ueberrcste sind»ur noch„kurze Baumstämme, grau und zerbrechlich wie Glas, Zweige von der Dürre wie Korkenzieher in einander ver» schlungcn,„und vertrocknete Wurzeln." Hedin hält die Stadt für 1500 Jahre alt. Da ihre Einwohner Buddhisten waren, muß sie vor der arabischen Invasion bestanden haben, die im 8. Jahrhundert stattfand.— — Lebende Zeitungen. Bekanntlich sind die Analphabeten in Rußland in so großer llcbcrzahl vertreten, daß dieser Umstand vollauf erklärt, wie vcrhältnißmäßig gering die Anzahl der Zeitungen in Rußland ist. Der soziale Kampf der Gegenwart zwingt aber auch die Analphabeten, zu erfahren, was in der Welt eigentlich vorgeht, und so suchen sie sich irgendwie über alles Wissenswerthe zu orientiren. So hat sich denn der cigeuthümliche Beruf der„lebenden Zeitungen" entwickelt. Einzelne Personen stellen sich irgendwo aus eine höl- zerne Kiste und lesen laut und deutlich, umringt von vielen auf- mcrksam lauschenden Hörern, die Zeitung Wort für Wort vor. Das dankbare Publikum belohnt dann' den„össcntlichcn Vor- leser", der eine Stunde später vor einem anderen Publikum die Wcltcreignisse zu Gehör bringt. Besondere Aufmerksamkeit widmen die Zuhörer allen lokalen Vorgängen, die oft mit Ausdrücken leb- hafter Billigung oder Verurtheilung begleitet werden. Auch kürzere Feuilletons belletristischen Inhalts erfreuen sich manchmal eines große» Hörerkrcises. Die Belohnung des öffentlichen Vorlesers ist gewöhnlich zweierlei Art, entweder in Geld oder in Naturalien. Neben dem Vorleser steht eine kleine Schüssel für kleine Gcldmünzen und bei der Kiste, die ihm als Rednertribüne dient, ein Korb, in welchen meist dankbare Hörerinneu Proviantmittel hinein- werfen.— — Woher stammt der Name Amerika? Will Seton schreibt an die„New-Uork Sun": Ich habe neuerdings in„The Sun" Ver» mnthungen verschiedener Leute über de» Ursprung des Naniens Amerika gefunden. Ei» kluger Mann schreibt ihn Amerigo Vespucci zu und wiederholt damit einen augenscheinlichen Druckfehler aus, wenn ich nicht irre, dem Jahre 1508(ich habe meine Geschichtsbücher nicht zur Hand). Amerika bedeutet in der Sprache der eingeborenen Mayas„Continent". Die ersten Entdecker erfuhren den Namen von den Eingeborenen und schrieben ihn auf ihre Karten. Auf einer Karte von Kolumbus(1498) ist der Continent mit„Merica- pan" bezeichnet. Auf anderen Karten ans den Jahren 1501, 1503 und 1506 wird Amarica, Amarca und Marc« geschrieben. Man buchstabirte damals noch nicht genau, wie die Leser des Chnucer wissen. und man versuchte, sich den Deklinationen des mayaischen Wortes anzupassen. Das korrekte mayaische Wort ist Amarca, wenn es am Ende steht. Es ist über den ganzen südamerikanischen Kontinent verbreitet»nd i» den Namen von Provinzen, Städten, Dörfern, Bergen und Flüssen angewendet: Cnndin-Amarca— Berg- Amerika, Cax- Amarca— Amerika des Durchschnittes oder PasseS. Ich fand 50 Städte des Rainen» an einem Nachmittage auf der Karte. Wenn es am Anfange eines Satzes steht, heißt es gewöhnlich Merica oder Marica, manchmal Amerika, wie in Maraca- ibo— Amerika im Golf, America- ixim— America der Brunnen.— („Prometheus.") Erziehung und Unterricht. — Eine Bibliothek für Blinde. An? Philadelphia meldet das„Library Journal" die Eröffnung einer Abthcilung für Blinde in der Freien Bibliothek. Am 1. Januar wurde die Tamm- lung, die schon über 2000 für Blinde in Relief gedruckte Bände umfaßt, dem Publikum zur unentgeltliche» Benutzung übergeben. Weitere 500 Bände sollen in nächster Zeit eingereiht werden. Neben BibelauSgaben und Andachtsbüchern enthält die Bibliothek Lebens- beschreibungen berühniter Männer, Geschichtswerke, Gedichte u. a. Im Biblivtheksrannie sollen regelmäßig Vorlesungen für Blinde stattfinden, wie solche in mehreren großen Bibliotheken Amcrika's, namentlich in Washington, schon seit längerer Zeit eingerichtet sind. � Ans dem Thierleben. — Von dem Vogelleben ans der Bäreninsel gab Dr. S ch a n d i n u eine fesselnde Schilderung in einem Vortrage in der„Deutschen Ornithologischen Gesellschaft", in dem er über die ornithologischen Ergebnisse seiner Reise nach Spitzbergen berichtete. Einem ausführlichen Referat der„Voss. Ztg." entnehmen wir dar- über das Folgende: Am 12. Juni v. I. erreichte das Schiff die im Sudeil von Spitzbergen gelegene Bäteninsel, an deren meist in dichte Nebel gehüllten Felsenstückcn das Landen schwierig ist. Schon unterwegs erregten Eissturmvögel, dreizehige Möwen und Eis- möwcn die Aufmerksamkeit der Reisenden. Je näher man der Insel kam. desto mehr häuften sich diese Vögel; Krabbentaucher und ungeschickt fliegende Lummen zeigten sich in Schaaren und er- füllten die Lust mit ihrem Geschrei. Das Glück war den Zoologen günstig; bald kam die Bäreniusel mit ihren beiden Kcgelbergen in Sicht, und in der klaren Luft hoben sich ihre steil ins Meer herab- fallenden Basaltfelsen scharf vom Horizonte ab. Die Insel bildet ein Hochplateau, welches nach Norden sanst abflacht und mit außerordentlich zahlreichen Tümpeln von Süßwasser bedeckt ist. Die Nordhälste dieses Eilandes ist den Stürmen ausgesetzt, und hier findet sich kein Brutvogel. An der fast senkrecht aus dem Meer sich erhebenden Südkante entwickelt sich dagegen ein Vogel- leben, wie es kein anderer Vogclberg gewaltiger aufzuweisen vermag. Zwei Arten von Möwen, Sturn, vögel, Tord- Alken, zivei Lummenarten, Larventaucher und Krabbentaucher Hausen hier neben und über einander. Auf den untersten Platten des Gebirges saßen die Alken und Lummen, Vogel an Vogel, dicht neben einander, die Weiße Brust dem Meere zugekehrt, sich streichelnd und schnäbelnd. Bon den Felskanten herab ließen fie sich in das Wasier fallen. Hier und da sah man die lebhaftere rothfüßige Trottellunime; Krabben- taucher tummelten sich in schwirrenden! Fluge über der Wasserfläche. Nachdem ein Schuß gelöst war, veränderte sich das Bild. Selbst die kühnste Phantasie vermag nicht, eine Vorstellung von dem zu geben. Einer Lawine gleich stürzen ungezählte Schaaren von Summen im spitzen Winkel von den Felsen zum Wasser herunter, die Luft ist an- gefüllt mit Möwen und Sturmvögeln, ivelche unter entsetzlichem Geschrei einen dichten Regen von Abfallstoffen über die menschlichen Störenstiede ergießen. Es gelang den Reisenden, bei der Ebbe an einer Stelle zu landen, wo der Felsen domartig losgebrochen ivar. Hier hatten auf dem Sande die Bürgermeister oder Eismöwen gebrütet, und die flüggen Dunenjuugen suchten sich vor den Menschen zwischen dem Geröll zu verstecken und schwammen lebhaft davon,'Nachdem sie sich im Wasser in Sicherheit gebracht hatten. Etwas höher hinauf am Felsen war da? Reich der Eissturmvögel. Während die Möwen gutwillig daS Feld räumten, behaupteten diese Vögel kampfbereit ihre Plätze und schleuderten ihren übel- riechenden Kropfinhalt mit Geschicklichkeit den sammelnden Forschern ins Gesicht. Sogar die kleinen Dunenjnngcu bewiesen schon eine erstaunliche Fertigkeit im Zielen. Ueber den Sturmvögeln befanden sich die Brutplätze der Dreizehenmöive, und hier lvurden viele Dunenjungen und Eier zu wissenschaftlichen Zwecken gesammelt. Noch höher saßen die Summen und Krabbentauchcr. Wie diese Unmengen von Vögeln ihre Nahrung sich beschaffen, ist noch räthselhaft. Durch zahlreiche Sektionen und durch Untersuchung d«S Möwengewölle konnte festgestellt werden, daß die Möioen unter anderen auch Dunenjunge und Eier von Alken und Lummen verzehren und namentlich Ta'schenkrebse gern ftcssen. Die kleinen Lunlnien hatten gewöhnlich kleine Krebse und Meereswürmer im Magen. Als den Klown des Vogelberges muß man den Papagei- taucher bezeichnen; sein Wesen wirkt sehr erheiternd; beständig ver- dreht er den Kopf und nickt, als ob er lebhast mit einer Sache be- fchäftigt wäre. Er brütet in den Höhlungen, welche das Wasser aus dem Felsen ausgewaschen hat, gräbt aber nicht in der Humusschicht der Felsoberfläche Höhlen, wahrscheinlich weil die auf der Bärcninsel lebenden Füchse ihm sonst gefährlich werden könnten. Im Innern der Insel bietet die Vogelwelt ein ganz anderes Bild dar. Die Süßwaffertümpel sind dicht bedeckt von Eismöwcn und Stummel- Möwen, obwohl keinerlei Fische oder größere Krebse in diesen Gc- wässern sich finden. In den Flußthälern betreibt der Sccstrandläufcr sein Brutgeschäft, seine Nahrung besteht wahrscheinlich aus grünen Algen; Insekten fehlen hier vollständig. Die Raubmöive findet sich paarweise, und je ein Paar scheint an jedem Tümpel sich aufzuhalten. DaS Männchen führt zur Fortpflanznngszeit merkwürdige Balztänze auf, indem eS schreiend mit herabhängenden Flügeln auf dem Boden umherschurrt und sich im Kreise dreht. Die Raubmöwen sind höchst gefährliche Räuber, weil sie die kleineren Möwen so lange gnälen, bis diese ihre Beute wieder von sich geben, die nunmehr den Wege- lagerern zufällt. Nur die Seeschtvalbc ist vor ihnen sicher, ivcil'si« mit ihrem spitzen Schnabel sofort zum Angriff übergeht, sobald eine Raubmöwe sich nähert. Der Nordsectaucher wurde mehrmals beobachtet, und der Schneeaminer erregte mehrmals die Aufmerksamkeit; er { chien mit dem Restbau beschäftigt zu sein.— Technisches. — Verwendung von Asphaltmörtel. In den Mit' theilungen des.Zentralblatt der Bauverwaltung" über bauwissen- schaftliche Versuche der preußischen Staats-Bauverwaltung während deS Jahres 18S7 wird erwähnt, daß beim Bau einer Gymnasial- Turnhalle in Plön und der neuen Univcrsitäts-Frauenklinik in Kiel das Mauerwerk zur Herstellung von Fcnstersohlbänken bersuchöiveise in Asphaltmörtel ausgeführt wurde, um frostbeständige Fugen für Ziegel-Rohbau zu erzielen. Dazu hat man die Ziegelsteine mit einem bituminösen Anstrich versehen, der an Steinen, Mörtel, Holz, Glas und Metall sehr fest haftet und sich mit Asphaltmörtcl innig verbindet. DaS Bindemittel, welches in Schwefelkohlenstoff, Benzin und dergleichen gelöst ist, wird nach dem Aufftr eichen rasch fest. D«e Herstellung der drei bis vier Schichten hoch ge- mauerten Sohlbänke kostet nach diesem Verfahren etwa 1 Mark für 1 Meter. Nach den bisherigen Beobachtungen darf man sich einen sehr guten Erfolg versprechen. Die dunklen Fugen sollen selbst in sonst weiß gefilztem Mauerlverk leinen störende» Eindruck verursachen.— — Fenerwerkskörpcr als Eisenbahn-Signale. Im Wiener Westbahnhofe wurden am Abend des 3. Februar Ver- suche mit aus Amerika bezogenen FcuerwcrkSkörpern gemacht, die in den Vereinigten Staaten schon seit längerer Zeil zur Verhinderung einer gefahrbringenden Annähenmg zlveier in gleicher Richtung fahrenden Züge nebst den auf dem Kontinent üblichen Signalinitteln verwendet werden. Das Zugpersonal führt diese Fcuerivcrkskörpcr mit sich, zündet sie im Bedarfsfälle während der Fahrt an und wirst sie ab. Diese Feuerwerkskörper brennen wie bengalisches Feuer in rother oder grüner Farbe, haben, je nach den Bctriebsverhältniffcn der betreffenden Bahn, eine Brenndauer von fünf oder zehn Minuten und funktioniren auch bei Sturm und Regen anstandslos. Das Entzünden erfolgt rasch und unbeeinflußt von den Wittennigs- Verhältnissen durch Abnehmen einer kleinen Kappe vom Feuerlverks- körper und kurzes Reiben des so bloßgelegten Füllstoffes. Das rothe Licht bedeutet«Halt" und das grüne Licht„Vorsicht". Dem- nach muß ein Zug, welcher roth brennende FeneNverkskörper an- trifft, so lange anhalten, bis dieselben abgebrannt sind, grün brennende Fenerwerkskörpcr gestatten nur die besonders vorsichtige Weiterfahrt. Die Chikago-Nock-Jsland and Pacific Raillvay. welche auf ihren 57 Kilometer langen Linien jährlich ctlva sechzigtauscnd Stück solcher Fcnerwcrkskörper verbraucht, gicbt an, daß seit Ver- Wendung dieser Signalmittel die Zusammenstöße von rückwärts sich um 9ä pCt. verringert haben.— Humoristisches. — In eine m R e st a u r a n t.(Ein Gast prüft mit berechtigtem Mißtrauen das Essen.)„Kellner l" „Mein Herr!" „Soll dieser Fisch frisch sein?" „Ich könnt' es nicht mit Bestiimnthcit sagen— ich bin erst fest acht Tagen hier."— — Tr o st.„Unser erstes Baby"— sagte ein Professor der Mathematik—„war ein Junge. Dann kamen Zivillingc, darauf jedoch Drillinge, was mir ein großer Trost war." „Wirklich?" „Ja. Denn ich befürchtete schon einen Fall von geometrischer Progression."— — Laß fahren die Sorgen! HcrrBlaggS(besorgt): „Du weißt, meine Liebe, mein Gehalt ist bescheiden, und»vir können nichts zurücklegen. Da werde ich den Gedanken nicht los: Wenn ich plötzlich sterben..." Frau Blaggs:„Ach, quäle Dich doch damit nicht, Henry; Du iveißt, ich Hab' mein Schwarzseidcnes, das ist noch so gut wie neu."—(„Jugend".) Notizen. — In der F a s ch i n g n u m m e r der„Jugend" verulkt Otto Erich Hartleben auf köstliche Weise das„Siebengestirn moderner Lyriker".— Man muß die sieben Dinger gelesen haben l— — Für die Bearbeitung des Wörterbuches der egyptischen Sprache, das vor Kurzem in Angriff genommen worden ist, hat Dr. Wilhelm Hcintze vollständige Abklatsche und Photographien der sogenannten Pyramidcntexte herstellen lassen. Das Werk wird somit die ältesten Denkmäler der egyptischen Sprache, die seine wichtigste Grundlage bilden, in völlig gesicherter Gestalt benutzen können.— — Am nächsten Sonntag veranstaltet der Akademisch- Literarische Verein eine Mittags- Vorstellung, in der. P e l l c a s und Melisande" von Maurice Maeterlinck zur Aufführung gelangt.— — Der Berliner Hofschanspieler Otto Purschian ist Direktor des nencrbauten Stadtthcaters und zugleich deS alten Landestheaters in Graz geworden.— — Die Führer der Karlsruher Sezession, Graf Kalckreuth. Carlos Grethe und Robert Pötzelberger, sind an die Malerschule nach Stuttgart berufen ivorden. Sie waren es, deren Bilder auf den Ausstellungen den Ruhm der „Karlsruher" begründeten.— — Eine deutsche Ausstellung modernen Bau- Wesens soll im Jahre tSOO in Dresden abgehalten werden.— — Für die geplante Südpol-Expedition, deren Führer Prostsior Dr. Erich von Drygalski sein wird, ist als Ab- gangstennin der 1. August 1901 bestimmt.— '— Der französische Sahara« Forscher Fernand F o u r e a u hat,„Petennann's Mitthcilnngcn' zufolge, Ende 1898 seine zehnte Expedition angetreten, welche die Durch- querung der großen Wüste bis nach dem zentralen Sudan in Aussicht nimmt.—__ Die nächste Nummer des Unterhalwng-kblatles erscheint am Sonntag, den 12. Februar. Verantwortlich er Redakteur: August Jacobey in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Bcrltr.