Ur. 206. Kbomument«• Sedinzungen: «bonnsmenl»-PreU pränumerando: «ierteliährl. 3,30 Ml., monatl. 1,10 Ml.. wöchentlich LS Pfg. frei in« Hau». Einzelne Nummer ö Pfg. Sonntag»- Nummer mit illuitrterler Sonntag«- Beilage„Sie Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung»- Preisliste für IL»» unter Sc. 7880. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Srschelnl liigllriz«uster Monlag«. Vevliner Volksvl�kt. 16. Jahrg. Die Inftrtions- Gebühr deträgt für die sechsgespalten« Kolonel» «eile oder deren Raum»0 Pfg., für politische und gewerlschaftliche Berein»- und Versammlung»-Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Ktifeigen" jede» Wort 0 Pfg. (nur da» erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bi» 4 Uhr nachmittag» inderSxpedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bi» 7 Uhr abend«, an Sonn- und Festtagen bi» 8 Uhr vormittag» geöffnet. Fernsprecher-»ml l, Nr. 1208. Telegramm-Adresse: „Socialdeniokcal veclln" Centrawrgan der sooialdemokratischen Partei Deutschlands. Kedakkion: L�. 19. Venlll-Strastr 2. Sonntag, den 6. September Expedition: LW. 19. Veukh-SkraKe 3. Erinnerungen für die konservativen Revolutionäre. Zu Beginn des Jahres 1851 erklärte der preußische Ministerpräsident v. Manteuffel im Herren- hause:„Es soll mit der Revolution gebrochen werden." Die „Äreuz-Zeltungs"-Partei erläuterte diesen Ausspruch, der den völligen Sieg der Junkerkamarilla bekräftigte, in einem Leit artikel vom 10. Januar. In diesem finden sich folgende Sätze: „Preußen will mit der Revollition brechen. So breche man denn auch mit ihr. da wo sie sich am tiefsten in das Fleisch des noch gesunden Volkes einzufresscii droht, mit dem radikalen Staatsschulnieistertum! So breche man auch mit den, alle? gesunde Volksleben dcsorgani- fierciidcii, sogenannten„agrarischen Gesetzen", der Gemeinde-, Kreis- und Provinzial-Ordnnng! Die Regieriiug beharre im festen Mut! Sie fasse Glauben zu ihrer Mission, zii der hohen heiligen Mission, die Wahrheit der Worte zu veuvirk- liehen: Prenhen will mit der Revolution brechen l Und die Ausführung wird leicht— ü der Erwarten leicht s e i n." Die„Kreuz-Zeitung" verrät nun ihr überaus leichtes Rezept, wie inan mit der Revolution brechen könne, durch folgende Aufforderung, die Verfassung umzuwerfen und vor allem die Beamten zu disciplinieren: „Preußen will mit der Revolution brechen! So breche man denn auch mit der ganzen Revolution, nicht bloß mit der höchsten Blüte der zahmen Revolution— dem sonveränitätslüsterncii Kammer-Oppositionswescn—, sondern anch mit dem revolntio- näre» Beamtentum. Auch hier muß die Politik des Ministeriums durchsichtig iverden! Zerstreuen muß es die dicken Wolken, die bisher aufstiegen aus der von jenem Helden in Pantoffeln und Schlafrock dargebrachten Friedenspfeife." Der Ausdruck„Helden in Pantoffeln und Schlafrock" bezog sich auf die Beamten. Am 8. Januar war im Herren- hause auf die„Gefahr" ungehorsamer, also revolutionärer Beamten hingewiesen, die, wie Gerichts- und Verwaltungs- beamte im Kurfürstentum Hessen, gesetzwidrige Anordnungen der Regierung nicht gebilligt hatten. Darauf war von Man- teuffel erwidert:„Ja, meine Herren, ich erkenne eine solche Revolution für sehr gefährlich, gerade weil man sich dabei in Schlafrock und Pantoffeln beteiligen kann, während der Barrikadenkämpfer wenigstens den Mut haben muß, seine Person zu exponieren." Die„Kreuz-Zeitungs"- Partei hetzte dann immer stärker gegen die beschworene Verfassung. Der Eid sei für den König unver- kindlich. Ein Eid bei Gott könne nicht gegen Gott binden. Jede Fesselung des königlichen Willens sei gegen den Willen Gottes. Stehe doch deutlich genug geschrieben:„Das Herz der Könige ist in der Hand Gottes". Die Junkerpartei erreichte zwar nicht die ausdrückliche Aufhebung der Verfassung, aber wirksame Handhaben, um im Wege des Disciplinarverfahrens in erster Reihe Richter zu entsetzen. Am 7. Mai 1851 wurde das Disciplinargesetz gegen Richter erlassen, das im Widerspruch mit dem Geist der Ver- fassung die disciplinare Verfolgung und Absetzung von Richtern wegen eines Verhaltens in oder außerhalb ihres Amtes voraussah, das sie„der Achtung, die ihr Beruf er- fordert, unwürdig" mache. Von dieser Kautschukbestimmung ist bis in die jüngsten Zeiten hinein Gebrauch gemacht. Die„Kreuz-Zeitungs"- Partei klatschte Beifall, wenn charakterfeste liberale Richter wie z. B. Lemme und von Kirchmann discipliniert wurden. Am 21. Juli 1852 erging das Disciplinargesetz gegen nicht- richterliche Beamte. Dies Gesetz gestattet, bestimmte Ver- waltungsbeamte ohne jeden Grund und ohne Disciplinar- verfahren auf„Wartegeld" zu setzen, das hinlänglich groß ist, nm nach ohne Arbeit vollbrachtem Warten höhere Stellen einzunehmen. Von eben dieser Befugnis ist jetzt gegen einige kanal- feindliche Landrüte, die neben ihrem Gehalt Diäten als Ab- geordnete bezogen haben, Gebrauch gemacht. Wir haben darauf hingewiesen, daß diese Maßregelung trotz alledem mit der verfassungsmäßig gewährleisteten Unvcrfolgbarkeit von Abgeordneten wegen ihrer in Ausübung ihrer Abgeordneten- eigenschaft vorgenommenen Handlungen unvereinbar ist. Eine unberechtigte Maßregelung der„revolutionären Helden in Schlafrock und Pantoffeln" der konservativen Partei wird da- durch noch nicht zu einer berechtigten, daß die konservative Partei stets auf Verletzung der eidlich beschworenen Ver- anlwortungsfreiheit der Abgeordneten gedrungen hat. Wir erinnern da an den berühniten Fall Twesten. Das erzrcaktionüre Ministerium hatte, durch die Ideen der„Kreuz- Zeitungs"°Partei geleitet, ini Jahre 1853 versucht, entgegen der Verfassung die gerichtliche Verfolgung von Abgeordneten wegen in der Kammer gethaner Aeußerungen durchzusetzen. Dieses vorschlielle Vorgehen fand damals noch nicht die Billigung der„Kreuz-Zeitnng"— ihr dämmerte die Möglich- keit, daß auch gegen die Junker einmal verfassungswidrig vor- gegangen werden könne. Das Obertribunal wies am 12. De- zcmber 1853 das Ansinnen des Ministeriums zurück, durch un- richtige Auslegung der Verfassung das Recht zu beugen und den von ihren Mitgliedern auf Beobachtung der Verfassung geleisteten Eid zu brechen. Zwölf Jahre später verlangte der Justizminister Graf zur Lippe, ein mit Kreuz-Zeitungs-Jdecn vollgesogener Mann, die strafrechtliche Verfolgung der Ab- geordneten F r e n tz e l und Twesten wegen Verleumdung und Beleidigung der Minister durch ihre im Abgeordneten- Hause gehaltenen Reden. Die Junkerpresse und Junkerpartei sekundierten diesem verfassungsbrechenden Verlangen. Das Obertribunal blieb noch am 11. Januar 1865 seinem früheren Beschluß treu. Am 29. Januar 1866 fiel es um und beschloß in klarem Verstoß gegen Gesetz und Verfassung: „Der Artikel 84 schließt nicht aus, daß Mitglieder aus den beiden Häusern des Landtags ivegen der in Ausübung dieser Eigenschaft bei Ausübung ihrer Funktionen in der Kammer aus- gesprochenen Verleumdungen strafrechtlich verfolgt iverden, wogegen dies bei bloßen Beleidigungen ohne verleumderischen Charakter nicht stattfindet." Ueber diesen verfassungswidrigen Beschluß jubilierte die „Kreuz-Zeitungs"-Partei. Der Grund, weshalb diese Partei solchem verfassungs- widrigen Vorgehen und Maßregelungen, sobald diese sich gegen Nicht-Kvnservative richteten, zustimmte, und heute sitt- lich darüber entrüstet ist, wenn ihre Rcvolutionshelden in Schlafrock und Pantoffeln auf Wartegeld gesetzt werden, ist unschwer zu finden. Der oberste, erst jüngst von der kon- servativcn Presse aus Aulaß der Verurteilung der Recht- sprechung des Dresdener Obcr-Landesgerichts wiederholte Rcchtsgrundsatz der Umsturzpartci der Junker ist: wenn zwei dasselbe thun, ist es nicht dasselbe. In Anwendung auf das monarchische Gefühl der Herren nimmt dieser Grundsatz die Form an:„Und der König absolut— wenn er unfern Willen thut", oder in der Sprechart des Rundschauers der„Kreuz-Zeitung", des seligen Herrn v. Gerlach: auch der pommersche Adel ist„von Gottes Gnaden" und „älter im Lande als die Hohenzollern". Kein Zweifel— so kraß drückt die konservative Partei einschließlich des Bundes der Landwirte sich nicht mehr aus. Sie denkt aber noch genau so. Und so wie sie seiner Zeit auf den kranken preußischen König Friedrich Wilhelm IV. durch Erregung von Furcht vor Verschwörungen, die sie durch Spitzel vom Genre des Ohm, Gödsche, HAntze usw. usw. inscenieren und fabulieren ließ, volle Gewalt erlangte, so sucht sie heute das Bürgertum durch Erregung von Furcht vor dem„roten Ge- spcnst" zu hypnotisieren und für ihre Zwecke dienstbar zu machen. Erbaulich wäre es, wenn die auf Wartcgeld gesetzten „Märtyrer" ihre nunmehr dienstfreie Zeit der Unterstützung dieses edlen Zweckes widmeten. Der nicht„gemaßregelte" Zeitungsmann der freikonservativen und verwandten Presse, Freiherr v. Zedlitz und Neukirch, würde in seinem schweren Bestreben, den„Umsturz" zu bekämpfen und die Getreidezölle zu erhöhen, fingerreiche Unterstützung haben. Ob das wohl der stark zurückweichende Miguel beabsichtigt haben mag? Dolikische Mebevfichk. Berlin, den 2. September. Der Wartegeldkurs. Durch die für die Betroffenen materiell nicht allzu un- angenehme Maßregelung der kanalfcindlichen Beamten und Abgeordueten hat die ganze Kanalangelegenheit den letzten Rest des Ernsthaften abgestreift und die Welt reiner Komik thut sich auf. Die Regierung, die statt wirklicher politischer Maßregeln eine zweckwidrige Chikanierung etlicher Beamten ausführt, die Konservativen, die stets für Unterdrückung der Meinungsfreiheit eintreten und sich nun radikal kon- stitutioncll gcberdcn, weil sich einmal ihre Lehre gegen sie selbst kehrt, die Gemaßregclten selbst, die für ihr schönes Gehalt nichts mehr zu thun brauchen und ebenfalls nur selbst" erleiden, was sie sonst anderen gegen- über gefordert haben— alles dies sind Komödienfiguren, wert auf die Bühne gebracht zu werden. Komisch wären schließlich auch die Liberalen, die allein der Regierung Beifall zujubeln, wenn diese mit unheilbarer politischer Blindheit gepaarter Charakterlosigkeit nicht ekelhaft wäre. Von den heute zur Angelegenheit vorliegenden Meldungen ist am interessantesten die, welche nicht vorhanden ist: Der „Reichs-Anzeiger" bestätigt immer noch nicht amtlich die Maß- regelung, obwohl kein Zweifel ist, daß sie erfolgt ist. Die Regierung scheint sich denn doch nicht ganz einig über den Wert ihrer Aktion zu sein. Die Behauptung der Regierungsverteidiger, daß die Ver- fassung nicht verletzt worden sei, weil die Landräte und Rc- gierungspräsidenten nicht wegen ihrer Abstinenz gegen den Kanal discipliuarisch bestraft worden seien, erinnert genau an die Beteuerung, daß die Zuchthausvorlage nicht die Koalitions- freiheit antasten solle. Es ist genau die gleiche Art, mit ab- sonderlichen Behauptungen über höhere Thatsachen irreführen zu wollen, und es scheint, als ob man in dieser Kunst leerer Wortspiele jetzt das Wesen einer wahrhaft staatsmännischen Politik erkennt. Von der konservativen Presse geht am schärfsten die „Deutsche Tageszeitung" vor, welche das deutsche Volk und die Geschichte zur Ehrung der Männer und zur Entrüstung über die Regierung aufruft: „Der Tag. an dem die Verfügungen beschlossen wurden, ist ein(kies ater(ein schwarzer Tag) in Preußens Ge- schichte. Aber ein Gutes hat er: er ivirkt klärend und befreiend. Die konservativen Parteien hat er von den letzten Schlacke» des Gouvcrnemcntalismus befreit und ihnen dadurch die Herzen des Volkes wieder geloounen.. Er hat Hunderttausende, die schwankten, gefestet— Hunderttausende, die kühl beiseite standen, heran- gezogen. Und er hat klärend gewirkt; wir wissen, was wir von einer Regierung, die zu solchen Maßregeln sich entschließt oder drängen läßt, zu erwarten haben. Wir haben bisher nie von einer Niederlage der Regierung gesprochen: jetzt hat sie sich selbst die schwerste beigebracht. Ehre aber den Männer», die mamihnst und mutvoll den Weg der Pflicht gegangen sind, obwohl er recht steinig war!" Die Konservativen wollen also nicht mehr RcgierungS- Partei sein. Ein Blatt redet sogar schon von der„Ehren- tafel" der Gemaßregelten und die„Berliner Neue st en Nachrichten" Krupps vermerken diesen „socialdemokratischen" Sprachgebrauch sehr übel. Sehr ruhig nimmt dagegen die„Kreuz-Zeitung" Stellung gegen den Erlaß und versucht dabei eine feige Ab- lenkung in der Richtung auf das rote Gespenst. Beamte sollen auch fürderhin im Landtag sitzen können. Die Frage, wie weit sie sich mit den Wünschen der Regierung in Wider- spruch setzen dürfen, könne nicht allgemein, sondern nur von Fall zu Fall entschieden werden, unter alleiniger B e- rückst chtigung des öffentlichen Wohls. „Die Rücksicht ans das Staats wohl kann für einen so außerordentlichen Schritt, ivie die Maßregelung von Beamten ivegen ihrer Abstimmung im Abgeordnetenhanse gewiß nicht geltend gemacht werden. Dieser außerordentliche Schritt muß aber nicht mir als nicht notivcndig, sondern auch als höchst bedenklich be- zeichnet iverden. Von dem Vorhandensein des Mittel« l a n d- K a n a l s hängt die Existenz des preußischen Staates, sowie die damit eng verknüpfte Macht und Wohlfahrt des Deutschen Reiches geiviß nicht ab. wohl aber von der A u f r e ch t e r h a l t u u g der verfassungsmäßigen Krön rechte, ivie der vollen Entwickeln ng der Wehrkraft des Volkes, von der Führung'des Kampfes gegen die auf die Auflösung unserer Staa'f« und Gesellschaftsordnung hinarbeitenden Umsturzparteien, von der damit vcrbundeucn Verteidigung der Polizei- und Verwaltungsorgane gegen demagogische Singriffe, die gegen sie wegen des Gebrauches ihrer gesetzlichen Befugnisse er- hoben iverden, und nicht zum geringsten von dem Schlitze des De n t s ch t u m s im Norden und Osten unseres Vaterlandes. Da macht es denn einen eigenartigen Ein- druck, daß gerade ein Beamter, der, wie der bisherige Negierungs- Präsident v. Jagow, auf allen diesen Gebieten, namentlich aber auf dem an letzter Stelle erwähnten, eine höchst segensreiche Wirksamkeit cutfaltet hat, unter den„Geniaßregelten" in erster Linie erscheint. Mit diesen jämmerlichen Ausführungen sinkt die ritterliche „Kreuz-Zeitung" ganz zu der elenden Gesinnungslosigkeit der liberalen Presse herunter. Demi die Darlegungen der„Kreuz- Zeitung" besagen einfach: Der Beamte darf der Regierung opponieren, ivenn die Interessen der Juukerschaft ihr wider- streben; der Beamte„muß" aber einig mit der Regierung sein, wenn diese selbst konservative Politik treibt. Dagegen darf ein Beamter sich nicht etwa einfallen lassen, anderer Meinung als die Regierung und die Junker zu sein. Ganz genau, wie die Liberalen, die, je nach ihren persön- lichen Interessen, dem Beamten ein Recht auf freie Meinungs- äußerUng und Bethätiguug gewähren wollen, die aber, wenn die Beamten gegen liberale Wünsche gerichtet sind, mit der „Kölnischen Zeitung" meinen: „Auch die, die wegen konstitutioneller Bedenken zu klagen geneigt find, könnten sich sagen, daß sie mit allen Klagen doch nicht das geringste an dem Geschehenen ünderu können und daß sie höchstens denjenigen Schivicrigkeitcn bereiten, die soeben einen Schlag gegen die Feinde des Bürgertums geführt haben. Zu einer solchen Takrik können nur Politiker raten, die noch nicht aus den s e n t i m e n t a l e n Kinderschuhen hinausgewachsen sind." Diese„sentimentalen 5linderschuhe"— ein wüstes Reporterbild übriges— wird die„Kreuz-Zeitung" gewiß mit Wonne citieren, wenn es einnial gilt, einen gegen die Re- gieruug etwa in fortschrittlicher Richtung thätigen Beamten zu entfernen. Man sieht, daß es den P r i n c i p i e l l e n Verfechtern konstitutioneller Freiheiten einigermaßen schwer gemacht wird, die Rechte der Wartegeld-„Märtyrer" zu verteidigen, deren Sippe die Freiheit immer nur für sich selbst fordert. Aber freilich, die Aktion der Regierung wird darum weder ent- schuldbar noch klüger.— I» der Vera des„Arbeitswilligen"-Sch»tzes. Dresden, 1. September. Heute wurde hier abermals vor dem Landgericht ein M a u r e r» streik-Prozeß unter Vorsitz des durch das Löbtaner Zuchthaus- urteil in weiten Kreisen bekannt geivordenen Landgerichtsdirektors Frominhold verhandelt. Angeklagt ist der Maurer H e r t e r. einer der zwei seit einem Monat in Haft sitzenden Streikleiter. Die Anklage lautete auf versuchte Nötigung und Beleidigung. angeblich begangen einem böhmischen Maurer Stenek gegenüber. Der der Anklage zu Grunde liegende Vorgang wirft ein grelles Licht auf die moralische Qualifikation„Arbeitswilliger". Am 3. Juli war Stenek nebst einigen anderen seines Schlages von Streikenden aufgefordert worden. die Arbeit unter den alten Bedingungen niederzulegen und sich ans Streikkomittee zu wenden. wo ihnen so bald als möglich Arbeit zu öv Pfennig die Stunde nachgewiesen werden würde. Da es an dem Tage gerade regnete, und so nicht viel gearbeitet werden konnte, legten die Betreffenden auch wirklich die Arbeit nieder. Sie gingen ins Streikbnreau. und hier kam es nun infolge des Auftretens Steneks zu einer Scene. Das Lokal war dicht von Streikenden gefüllt; da dem St. nicht im Augenblick die besser lohnende Arbeit nachgewiesen werden konnte, verlangte er ganz unmotiviert SS M. Reisegeld, um angeblich nach Böhmen reisen zu können. Diese Forderung mußte, da sie ganz und gar unbegründet und unberechtigt war, abgelehnt tuftbctt. Nun imivfcc St. uiicingcnchm, et machte die Forderung loiedcrholt geltend«»d erklärte, im anderen Falle die Arbeit-unter allen Umständen sofort wieder aufnehmen zu wollen. Der Mensch mußte schließlich hinausgeschickt werden, und da soll ihn mm Hcrter einen Lump genaniit und»ine Ohrfeige gegeben haben. Der Angeklagte bestritt das ganz entschieden. Er gab nur die Möglich keit zu, daß er den St. bei dem HinanZdrängcn mit der Hand nnwillklirlich an der Backe berührt haben könne. Es waren biet Entlastungs- und vier BclastnngSzeugeN geladen. Letztere waren außer dem Beleidigten selbst noch andere drei böhmische Maurer. Nur einer von diesen konnte leidlich deutsch sprechen, einer verstand kein Wort dcntsch und mußte mittels Dolmetscher vernommen werden. Stenek bestätigte natürlich die Angaben der Anklage; die anderen drei bestätigten seine Angaben in Bezug auf ritizelne Teil». Der eine wußte dies, der andere jenes. In vielen Einzelheiten wichen diese Zeugen aber— so in Bezug auf Zeitangaben sc.— nicht unwesentlich von einander ab. Zwei der Entlastungszeugen konnten ganze bestimmte Angaben nicht machen, erklärten aber, daß sie den Borgang mit erlebt, aber weder von der angeblichen Gchimpferei, noch weniger von der Ohrfeige etivas wahrgenommen haben, dagegen erklärten die anderen zwei Zeugen auf das b e st i m m t e st e, daß Hertel weder geschimpft noch geohrfeigt habe. Sie sdie Zeugen) hätten den Vorgang genau beobachtet, seien auch währenddem keinen Schritt weggegangen. Der eine war der Kassierer, hatte also direkt wegen der Forderung mit Stenek zu thnn, wovon dieser aber gar nichts wissen will si). Es entspann sich ein hochdranintischer Auftritt zwischen Zeugen. Vorsitzenden und Verteidiger wegen der sich entgegenstehenden Aus- sagen und bezüglich der unvermeidlichen Vereidigung sämtlilber Zeugen. Die wesentlichen Angaben der Entlastungszeugen wurden genau protokolliert, und der Vorsitzende äußerte wiederholt zu de» Beisitzern!„Meine Herren, notieren Sie genau." Nach dem Austreten des ersten HauptentlastinigSzengen wandte sich Herr Fronunhold zin» Angeklagten:„Nun, Herter, d a haben sie einen Zeugen, der Ihre Unschuld beweist! ich will Ihn en aber was sagen: raten Sie Ihrem Kren»de. die Wahrheit zu sagen und gestchen Sie, daß Sic geschlagen und geschimpft haben. Das Urteil des Gcrichtsvorsttzenden war- also fertig. Der Angeklagte und auch die EntlastniigSzengen beteuerten wiederholt, nichts anderes aussagen z» können. Merkwürdig, daß sich diese gerade geirrt oder die Unwahrheit gesagt haben sollten, was doch bei den der deutschen Sprache weniger mächtigen Böhme» viel eher anzunehmen war. Die Zeugen wurden sämtlich vereidigt. Der Staatsanwalt er- klärte dann in seinem Plaidoyer, daß er gegen d i e beiden Entlastungszeugen„ach vorgehen»verde! Das Urteil lautet- ans— fünf Monate Gefängnis l Und zwar ist die verurteil»,, g nur wegen Beleidigung erfolgt. Das Gericht Nahm zwar die Anklage für voll«wiesen an. erblickte aber darin keinen Nötiguiigsversuch. Strafschärfend wurde in Betracht gezogen, daß H. zweimal mit insgesamt ll Wochen 4 Tagen Äe- fängnis wegen ähnlicher Delikte vorbestraft ist. Einen herben persönlichen Ausfall leistete sich der Vorsitzende in der Urteilsbegrüildmig»och gegen den Verteidiger, Recht-5an>valt Koppel. Dieser hatte die Handlnngslviise Steneks den Streikenden gegenüber als unverschämt bezeichnet, Bezug hierauf meinte Herr Frommhold:„Es blieb dem Verteidiger vor- behalten, den Zeugen unverschämt zu nennen, die Verantwortung dieser Aeußernng fällt ans den, der sie gcthan." Es ist rührend. lote die Arbeitswilligen geschützt werden. Auch sonst mußte sich der Bcr- teidlger noch absprechende Bemerkungen in Bezug ans die Art seiner Berteidigung gefallen lassen. Und das Strafmaß l ES verträgt wirklich eine Parallele mit den Frommholdschen Znchthansurteilen. Bemerkt sei noch, daß dem An- geklagten 1 Monat als verbüßt angerechnet, die H a s t e n t l a s s u n g aber selbst gegen die erneut angebotene Kantton von tL00 ff. abgelehnt wurde, lind zwar deshalb, weil H. die Kaution nicht aus eigenen Mitteln stellen kann. Noch ist das ZuchthauSgesetz nicht„Recht" geworden, hier ln Dresden spürt man etivas von seiner Wirkung im voraus. Hier gilt der Arbeitswillige als beste Stütze des Staates, wie ihn die berühmte Denkschrift de» Grafen Pofadowskh feiert I Eine Kaiserrede. Bei der Paradetafe, hielt am Freitag der Kaiser ein Ansprache an die Garde, in der er ausführte: „Es drängt ihn, an der Neige des Jahrhunderts seinem Garde korps seinen Dank auszusprechen, dem, am heutigen Tage sei.es da« letzte Mal, daß die Fahnen der Garde auf deni Tempel hofcr Felde gcmeiiischvftlich in diesem Jahrhundert ge weht hätten. Der Rückblick auf das Jahrhundert führ« an llönigSgräbern und an Königsstandbilderii vorbei. Es sei dem GardekorpS beschUden gewesen, seinen Vorfahren in Treue zil dienen: er wünsche, daß dasselbe auch im neue» Jahrhundert sich auszeichne in uncnnüdlichcr FriedenSarbcit und, wenn notwendig, mich auf de», Schlachtseldr. Offiziere und Mannschaften aller Grade mögen dabei Hinblicken auf die Nu» stillen Hänser seiner beiden Vorfahren; zumal auf das historische Eckfenster des großen alten Kaisers. Alle Empfindungen dcS Dankes und der Freude über sein GardekorpS fasse er zusammen in den Ruf: Das Gardekorps Hurrai HnrrnI Hurra I"— Inneres Scdatt. Ein Berliner Vorortblatt sagt in feinem Hymnus zum Scöantage: „Der Hinweis auf die nationalen Großthaten der Helden von 1870/71 ehrt unser Volk, aber noch mehr Ehre und Segen würde e» uns el, wringen, Sedan schlachten im Inner« z schlag e n." DaS nationale Blättlcin meint offenbar eine» Sedansieg über den Landrats-Umfturz, der die Fundamente der preußischen Monarchie zu zerstören bereit ist.— Fn der heutigen Zeit der SandratS-Qpposttton wankt alle« in Preuhei, nnd selbst die festesten Stützen des Staates kriegen rabiate Einfälle. Die„Ostsec-Zeitmig" meldet: Dem nach 33jährigcr Dienstzeit a»S dem Amte geschiedenen Gerichtsvollzieher Groth in Kösltn wollte der stellvertretende Landgcrichtsprästdent. Land gcrichtSdirektor Hänisch, das verliehene Allgemeine Ehren zeichen überreichen. Herr Groih lehnte die Annahme dieser Auszeichnung ab.— Schon einmal haben staatstreue Leute das Afr gemeine Ehrenzeichen dankend abgelehnt. Das war damals, als Puttkamer dem Jhring- Mahlow durch dies« Dekoration eine cklatniitr Genugthuung verschaffei, wollte.— Schutz vor Schntzlentc,,! Aus Essen wird„Iis geschrieben Dom Schöffengericht z,t R„ h r o r t wnrdeu am 28. Juli er. der Fischer W. Q U i n d a u zu 60 M.. dessen Sohn zu 6 M. Geldstrafe verurteilt wegen angeblicher Beleidigung der Beamte» des Ruhrortcr PolizeigcfänanisseS. I» dem Urteil aber, das jetzt borliegt, wird folgende liebliche Schilderung von den Zuständen im Nuhrorter Polizclgefänguis entworfen.-" „Die Beweisaufnahme hat allerdings ergebe», daß im P o li z e i g e fä n g ni s s e zu Rnhrort sich die Beamten schwerer AintSüberschrritniig schuldig gemacht habe», daß Arrestanten von den P o l i z x i d e a NI t e II mit Säbeln nnd Guiiiinischlänchc» mißhandelt und mit der Fau st iud Gesicht geschlagen und unter Fußtritten i„ die Zelle hineingestoßen sind. I» viele» Fällen mögen(!) die Arrestanten durch den den Beamten entgegen gesetzten Widerstand oder sonst durch ihr Verhalten' die Beamten zu einem energischen Einschreiten veranlaßt und gereizt haben; es sind aber auch Fälle von Miß Handlungen vorgekommen, in denen erst zur Mißhandlung geschritten ist, als der Widerstand gebrochen war und ferner solche Fälle, in denen die Gefangenen unverschuldet rohen Auöschrcitniigcn seitens der Polizeibeamten ausgesetzt gewesen nnd ohne jeden Grund, oder doch ohne gcnügeudeu Grund, schwere Kränknugen nnd Mißhandlungen haben er- leiden miisseii." Wem, uian diese Begründung liest, muß man sich verwundert frage»: Warum wurden da nicht die AmtsgewaU-Uebertreter bestrast, solidem die angeblichen Beleidigest? Aeutslhes Weich. Abschledöbriefe. Seine Amisniederlegimg hat der bisherige �.a i, brat des Kreises Zeitz, Landlagsabgcordiieter Winck- ler im amtlichen Verordnungsblatt für den Kreis Zeitz lvie folat angezeigt: ,522. Belanntmachung. Durch allerhöchsten Erlaß vom 26. August dieses JahreS bin ich in den einstweiligen Ruhestand versetzt worden. Ich habe somit aufgehört, Laudrat des Kreises Zeitz zu sein, und lege, nachdem der allerhöchste Erlaß heute zu meiner Kenntnis gelangt ist. hiermit mein Amt nieder. Zeit, den 1. September 1890. Winkler. Landratz. D." Der zur Disposition gestellte Landrat Baarth im Kreise Posen-Ost verabschiedet sich mit folgender Bekanntmachung vom 1. September im Kreisblatt: „Siachdcm des Königs Majestät mittels allerhöchsten Erlasses vom 26. August d. I. zu genehmigen geruht haben, daß ich in den einstweiligen Ruhestand versetzt werde, Hab« ich heute meine Dienstgeschäfte niedergelegt. Ich bringe die« zur Kenntnis der Ei»sa,sen de» von mir 12 Jahre lang verwalteten Kreises Posew Oft, indem ich für die bewährte Hilfe meiner getreuen Mitarbeiter, für da» mir in ehrender Weise allseitig bisher entgegengebrachte Vertrauen und für die in allen Lagen bewiesene Nachsicht meinen tiefgefühlten Dank ausspreche. Ich scheide mit den iiinigsten Wünschen für das fernere Wohlergehen und Gedeihen des bliihen- den Kreise« Posen-Ost und für das Glück aller seiner mir so teuren Bewohner." E« ist bemerkenswert, daß die Verabschiedungen vom SS. August datiert sind, also vom Tag» des ursprünglich beabstchtigteii Landtags- schlnsfcs, während die Hoheulohesch« Verniahnung erst am 31. August erlassen ist. Goethe nnd die vourg«oifle. Die„Boss. Ztg." hat für das Straßburger Goethe-Denkmal eine Sammlung eröffnet, die bisher die gewaltige Summe von etwa« über— 2000 M. eingebracht hat. Wir finden diese Anstrengungen außerordentlich bedentend, beinahe so großartig, wie die Berliner theatralische Ehrung Goethes durch Vlumeiithals„Weiße« Röhl". Wir schlagen vor, eine Minister- Goethe- Gedächtnis-Kirche statt des Denkmals zu errichten. Kein Zweifel, daß dann die Jiiserenten und Abonnenten der„Vossin" einige Hniiderttaiisende beistenern iverden, statt der Bettelpfennige, welche die Herren Millionäre für ihren größten Dichter jetzt übrig haben. Die Goethe- Papiere notieren recht niedrig an der Börse.— Nach dem Kops« d«S Ministers Reck« zielt die„Deutsche TageSzeitniia" anläßlich des Gerüchts von seiner Demission folgende ungnädige Bosheit:, „Wir würden sein Scheiden aus dem Amte bedauern, da er in eine Regierung, die den bekannten Erlaß durchführen will, außerordenmch gut hineinzupassen scheint." Und war doch einst ihr«ogott l Von neuen Unruhen im Hinterland von'Ki autsch ou hatte ein Telegramm der„Central Neuis" gestern gemeldet, das wir mid teilten. Doch soll an hiesigen Amtsstellen nichts davon bekannt sein, es dürfte wohl eine Verwrchseliiiig mir den schon früher bekannt ge- Worden«» Völgäiigen bei Kaiimi vorliegen.— Ausland. Die südafrikanische ftnsiS. Ans Lando» wird gemeldet: Die letzten zwischen den Rc gieriiiigeii Englands und der Südafrikanischen Republik gewechselten Depeschen sind veröffentlicht worden. Die vom 21. v. M. datierte Depesche der Südafrikanischen Repnblik macht die von den Boeren vorgeschlagenen Zngestttiidiiisie ausdrücklich davon abhängig datz England in Ziikunst sich nicht in die Angelegenheiten Transvaals mischt und nicht auf der Suzcränetät besteht. In seiner AnNvort vom 28. v. Mts. erwidert Cham- beriai», die englische Regienmg t ö n n e sich nicht selbst die ihr gemäß den Konveiitionen zustehenden Rechte entziehen»och sich von der Vcrpslichtiing einer eivilisierten Macht, die eigenen Staatsangehörigen im Aiislaiide gegen Ungerechtlakeit zu schützen, losmachen. Schließlich erinnert Chamberlaiii daran, daß noch andere stritlige Punkte bestehen, die nicht durch die Bewilligung der politiichen Vertretung für die Uitlaiider« beigelegt, und die nicht ge- eignet sind, einem Schiedsspruch»iiterworfen zu Iverden. ES sei notwendig, daß diese Fragen zusammen geregelt und mit dem Schiedsgerichts-Vorschlag auf der vorgeschlagenen Konferenz in Kapstadt erörtert werden. «« .« Unser Londoner Korrespondent schreibt vom 90. August über die Stimmung de« Volkes in Englanv gegenüber dem drohenden Krieg: Hier bcntühen sich die Friedensfreunde oder Kriegsgegner nach Möglichkeit, Demonftrationrii gegen eine Vergewaltigung des Trans vaals herbeizuführen. Man kann aber nicht sagen, daß sie bis jetzt besonderen Erfolg erzielt haben, und es muß hinzugefügt werden, nicht ganz ohne Verschulden in den eigenen Reihen. Ein Teil der Betreffenden hat geglaubt, den übertriebenen Angriffen der„gelben" Presse auf die Boeren ebenso übertriebene Angriffe auf die Geschäftsträger Englands entgegen« setzen zu sollen, hat die ganze Reformbeivegung in Transvaal als von Finanzgrößen ins Werl gesetzten Schwindel hingestellt, was sie nicht Ist, und dem Kolonialininilter Chamberlaiii Morivc für sein Handeln untergeschoben, die außer aller Wahrscheinlichkeit liegen. Dkan kann deffen Politik Verivcrfen, ohne zu den Argumenten der Revolverpresse zu greifen. Diese Uebertreibimgen der boerenfremid- lichen Presse haben der Sache der Boeren nicht genützt, sondern geschabt. Das„Daily Chroniele" veröffentlicht heute einen offenen Brief des PositivistenfübrerS Frederie Harrison an Lord Salisbury. worin dieser aufgenisen wird, die Regelung der Differenzen mit dem Transvaal in die Hand zu nehmen. Bei ihm und nicht bei einem bloßen Ressort- minister liege die Verantwortung für einen etwa ausbrechenden Krieg mit seinen unabsehbare» Folgen, und er, Salisbury, der in ganz Europa wegen seiner Mäßigung, Geduld und Kompromißbereitschaft in inter- nationalen Berwickelungen so hohen Ruf genieße, würde allen Freunden des Friedens in Aftika und daheini Vertrauen einflößen. Das Transvaal sei ein fremder Staat und die Unterhandlung mit ihm Sache de« Auswärtigen Amts. An den Kompromissen gemessen, die SaliSbury zu schließen pflege, seien die von den Boeren ge- machten Zugeständnisse durchaus hinreichend. Aber Sir Alfted Milner werde bei jedem Zugestäiidni» von Ehomberlain instruiert, neue Forderungen zu stellen. Da« sie kein Verhandeln, oiiderti Angreifen—„ein Krieg, von dem viele aufrichtige und latriotische Engländer inniglich hoffen, daß er nicht mitZermolmung der Boeren ende". Alle» Gerede von Oberhoheit und vorherrschender Macht England« sei rein« Verdunkelung de» Sachverhalt» und so nichtssagend,_ wie bcr Klatsch und das Geträtsch, die vor dem Gerichtshof in Reimes aufgetischt würden. Was auch„Ober- Hoheit"»«ine, es könne Großbritannien kein Recht geben, der Boeren- Rrptiblik seine Bürger aufzuzwingen. Und die Berufung auf Englands Stelle als Vormacht könne mangels bestimmter Ver- träge und Abmachungen nur den Anspruch bedeuten, die stärkste, ge- bieterischsle, die Gewalt am schnellsten vor das Recht stellende Macht zu sein. Einen fremden Staat mit Kritgsandrohungen zwingen wallen, britische Staatsangehörige zum Treueid zuzulassen, loyale Unterthancn der Königin von England in ansiändisch« Republikaner zu verwandeln, sei«ine wahrhaft grotesk« Ver« drehinig de« Völkerrechts. Der einzige Zweck, weshalb man einem sremden Staate neue Bürger aiifherrschrn wolle, sei, diese zu befähigen, ihr neue« Staatsbürg'ertuiN zu verraten und da« in da« Boeren Troja eingelassene hölzerne Roß zu spielen. Diese An« maßung stehe Im Widerspruch mit den besten Ueberliefernngen der Salisbiirygchen Politik, die in Südamerika, am Niger und auf dem Balkan darauf bestehe, daß die Vormacht in Fragen zwischen den Starken und den Schwachen sich den internationalen Verträgen, dem Völkerrecht und den An- forderungen der Gerechtigkeit unterwerfe. Wenn das Kolonialamt — Ehomberlain— diesen ehrenvollen Ueberliefernngen trotze, so falle eS dem leitenden Swat«ministcr zu, die Liste von Englands Verdiensten um Freiheit und Gerechtigkeit unbeschädigt zu erhalten, devot es in einen Krieg gezerrt werde, dessen Verwerflichkeit sicher sei. dessen Ende aber niemand abschen könne. Das sind kräftige Worte, aber wenn sie den Ziveck haben sollten. den Strom der öffentlichen Meinung zu ändern, so sind sie nicht gerade geschickt formuliert. Unter diesem Gesichtspunkt wäre weniger inchr gewesen. Schon das Ausspielen von Salisburh gegen Chaiiiberkcnn ist nach des erstSren Erklärung im HauS der Lords ziemlich verfehlt Dann aber stimmten auch die angeführten Beispiele schlecht zur Sachlage, wie sie in Transvaal liegt. Harrison plädiert iueniger für die Boeren als für deren extremsten Flügel, in- dem er sich dessen Argumente zu einen macht. Eine Unterstützung dieser kann aber beini heutigen Stand der Sache kaum dem Frieden lilltzcn. Ich habe mir Mühe gegeben, durch Umfrage die Stimmung der kleinen Leute, de« sogenaiinteii Manne« auf der Straße, zu er- mittel». Da trifft man verhältnismäßig oft auch Leute, die Verwandte oder Bekannte im Transvaal haben oder hatten, und hört allerhand Beschwerden über verletzende Behandlung der Engländer von feiten der holländischen Beamten. Daher die relative Kälte, der die FriedenSbewegniig bei der breiten Masse deS Publikums be- gegnct. Viel mehr als Harrison trifft der radikale Baptistcnprediger Dr. Clifford, der engste Fühlung mit den kleinen Leuten hat—; das Baptistentum ist in England vor allem Volksreligion— die Stimmung dieser, wenn er in einem, ebenfalls im„Daily Ehronicle" veröffentlichten Protest gegen den Krieg anSrnft:„Warum sollen nur denn zu„den Waffen greifen?" Allerdings ist die Dummheit der Boeren-„OIigarchie" Thatsache, und sie ist zweifelsohne schlimm genug nnd, wie alle Oligarchien, Quelle aller möglichen Mß« Wirtschaft. Aber ist es an uns, in diesem Lande herrschender Oltg- archien die Soldaten aufzurufen,»ins von ihrer anftetzenden Gegen» wart zu befreien?" Er verweist auf die Oligarchie de« Hause« der LordS, der Wasserkompagnirn Londons, der Grundeigentümer, und ruft dann aus:„Wahrhaftig, wir können� UNS nicht der gleiszenden Heuchelei schuldig machen, dir KriegSfurie im Transvaal zu entfesseln und gleichzeitig daheim Geduld, Bermmst und Friedfertigkeit zu predigen." Das ist eine Sprache, die packender wirkt, nnd neben de» Soeialistm und Geiverkschaftlern. die jede Gelegenheit benutzen, geaeit den Krieg zu protestieren, wird die antikriegerische Bewegung ihre stärkste S-tütze in den Kreisen der demokratischen Sekten finden. Aber wie viel Resolutionen und die nächsten Tag» auch dringen werden, darüber darf man sich nicht täuschen, daß fi« bei»«item nicht die Kraft jener Volksbewegungen repräsentieren, wie st» Glndstone in ähnlichen Situationen gegen die Konservativen»« Feld zu führen pflegte.— Oestrcich- Ungarn. Rerchenberg, 2. September. In den letzten Fällen fanden Ttrasicntuiidgebuiigeil statt, wobei eS zu leichteren Zusammen« 'tößen zwischen jungen Burschen deutscher und czechischer Nationalnät äm. In einer ezechischen Schule und einem Privathause wurden einige Fensterscheiben eingeschlagen. Die StcherhettSwache ist der- tärtt. Der gestrige Abend und die Rächt verliefen ruhig. Vier ver- Haftungen sind vorgenommen worden.— Belgien. Brüssel, 1. September.(Eig. Ber.) Di« verfaffungerevifion j.u Gunsten de« allgemeinen Stimmrechts ist, wie der Telegraph schon gemeldet hat, von der Kammer abgelehnt worden. Die Kammer gab nochmals das sonderbare Schauspiel eine« Kampfes zwischen den Vertretern der Linken unter einander und ebenso der» enigen der Rechten unter einander; b liberal« Progressisten wendeten ich gegen die Radikalen und Soeialisten, und Herr de Smet, der Chef des Kabinett«, lag m heftiger Fehde mit Woeste, dem Führer der katholischen Recht«!. ES war eine überaus heiße Debatte.. Unser Freund Branquart. der neue Deputierte von Soigme», erklärtem Wenn man das Volk in den Straßen niederkartatschen wolle, so werden die Urheber dieses Blutbades vielleicht in diesem Parlament sckbst niedergeschossen werden I Lorand, der Führer derPro- gresststen, glaubt Empörung über diese Sprach« de« Soeialisten zur Schau tragen zu sollen und spielte sich auf als Spitzel und Gendarm der Boiirgevisie. Er forderte die Regierung auf, der Straße Widerstand zu leisten, er bescheinigte von vornherein all« UiitcrdriickinigSversuch« der Stegieriuig— er, der einst mit uns Seite an Seite gekämpft und 1886 selbst aufgefordert hat, in die Straße zu steigen. Lorand und seine Parteifreunde. die da« Manifest unterzeichneten. das jeften Wahlgesetzentwurf ohne Befragung der Wähler verwarf, erklären sich jetzt für den Entwurf der Regierung, ohne daß da« Volk befragt werden soll. Andererseits macht die Debatte die groß« Uneinigkeit innerhalb der Rechten offenbar; Herr Woeste erklärt sich scharf gegen jede« Proportional-Wahlsyjtem. Die Parteien sind also sämtlich stark erspallrn. In der nächsten Woche wird die Debatte Über den ÜegiernngSentwnrf beginnen.— Spanien. Oporto, 2. September. Gestern sind hier wiederum drei üersonen an der Pest erkrankt.— Rnhland. Die Zertcllung Finnlands. Durch die kürzlich erfolgte Er« nennuiig des russischen Reichsrats von Plehma zum finnischen Staatssekretär ist das letzte Hindernis der Russifiziernng Finnlands gesalleu. Die„Rowoje Wremja" begrüßt diesen neue» Vcrfassungs- bruch der russischen Negiermig mit unverhüllter Genugthuung und weist, darauf hm, daß, während bisher die Maßregelungen de» Generalgouverneurs mit dem finnländlschen Staatssckretariat und den Behörden stets in Konflikt gerieten, jetzt beide Teile Hand in Hand gehen werden. Den Posten des sinn- ländischen Staatssekretärs. das oberste Berwaltungsamt deS Landes, war seit 1811 aueschließlich von ginnländeri« bekleidet worden, während nur im Zeiträume von 1808—1811 ihn ein nvsischer Beamter verivaltete. Es war Scheranski. s. g. ein bekannter Diplomat und die rechte Hand des Zaren Alexander I. 1811 suchte aber Scheranski seine Entlassung selbst nach, indem er die Bcjctzung des Postens nur mit einem Finnländer, der mit den Sonderheiten feines Landes vertraut sei. für zweckmäßiger erklärte. n demselben Jahre wurde sogar auf Antrieb deS schivedischen Ge« andte» in Petersburg, Grafen Armstrong, daS Princip, auSschießlich innlämdern den obersten Verwaltungsposten de« Lande» anzuver- trauen, zum Besetz erhoben.— Die Freuden eines socialdcmokratischen Nedaeteurs. Als am 1. Januar 1396 unser Kollege Jac ob e y daS schwierige Amt eines Verantwortlichen an nnscrm Blatte Übernahm, hatten wir eine politisch bewegte Zeit hinter nnS. Die gleaktion hatte sich kurz vorher im' E e p t e m b er- Ku rS an uns aut» getobt; B r a u s e w c t t e r, der bald völlig im Wahnstnl« zu Grunde gegangene Mnsterrichter jener Periode, war stolz darauf. drei sociaidemokratische Rcdacteure auf einmal hinter Schloh und Riegel gebracht zu haben, und so mochte denn im Kampfe gegen die Rotte, vie nicht wert ist, den Namen Deutscher zu tragen, eine kurze Erschlaffung eingetreten sein. Zwar war Ende November 1895 der bekannte Kollercoup unternommen worden aber diese so kläglich mißgliickle Aktion richtete sich weniger gegen das sociaidemokratische Organ als gegen die socialdemokratiiche Organisation in Berlin. Jacobey tibeniahm sein Amt mit dem allgemein gebilligten und konsequent durchgeführten Vorsatz, eS bei strengster Wahrung des PrincipS so zu führen, datz die bestehenden Gesetze keinerlei Handhabe gegen uns bieten konnten. DaS war bei der bekannten Anwendung der Gesetze gerade gegen sociaidemokratische Blätter un- endlich schwierig. Dah Jacobey dennoch seine Aufgabe mit grogcm Geschick gelost hat, beweist der Umstand, daß er, von geringen Unterbrechungen abgesehen, sein Amt fast di«r Jahre hindurch ausüben konnte. Trotz alledem kam auch bei unserm verstorbenen Kollegen eine Leporello- Liste von Strafprozessen zu stände. Wir wollen daraus einiges zur Charakteristik der heutigen Zustände anführen; alles zu bringen, würde in seiner Länge ermüdend wirken. Gleich einer der ersten Prozesse kennzeichnete mit beißender Schärfe die Art, wie man in Preußen von Ämtswegen die social demokratische Presse verfolgt. Verschiedene Blatter uitd darunter auch oer„VonvLrts* hatten aus der„Allg. FIcischer-Ztg." einen Artikel abgedruckt, der sich auf Fleischliesernngen für die Kaserne des Kaiser Franz Garde-Grenadier-Regiments bezog. Nach- dem längere Zeit bcrstofscn war, fühlte sich sowohl das Regiments� konunando als auch ein Major b. Waldow, dessen Bruder als der Lieferant von angeblich über dem Marktpreis angekauftem und un« untersuchtem Fleisch bezeichnet war, durch die erwähnte Lokalnotiz beleidigt. Nun wurde aber, und das ist das bezeichnende an dem Vor gehen, die eigentliche Urheberin der unrichtigen Nachricht, die„Allgemeine Flcischer-Zeitung' vom Staatsanwalt völlig ungeschoren gelassen und unter den vielen Blättern, die die Mitteilung nach dieser Quelle gebracht hatte», einzig der„Vorwärts" auf die Anklage- dank gebracht. Ter Staatsamvalt beantragte gegen Jacobey die Kleinigkeit von drei Monaten Gefängnis, das Gericht erkannte au 100 M. Geldstrafe. Bei Betrachtung dieses bis dahin neuen Falles von Anwendung der Justiz schrieben wir damals am 13. August 1396: „Wir gönnen unseren bürgerlichen Kollegen ebensowenig eine gerichtliche Verurteilung wie uns selber und sind auf sie keines falls böse darüber, daß sie wegen der Fleischlieferungsgeschichte unbehelligt geblieben sind. Unsere verdammte Pflicht und Schuldigkeit ist es»ur. das Volk zum Nachdenken über eine Gcrcchtigkeitspflege zu bringen, durch die ernzig ein socialdcmo kratischcs Blatt zur Strecke gebracht wird, während ringsherum felcnSvergnügt Dutzende anderer„Beleidiger" einschließlich des Nunmehr, da unser pflichttreuer Freund so jäh aus dem Leben Muß die Redaktion sich die Genugthuung versagen, vollstreckt zu sehen. Jngleichen kommen Graf K l i II ck o>v- des H e rrenh aus« s um gegen Jacobey etligelcttetrn „Urbcleidigcrs" stehen, denen vielleicht in Reverenz vor dein be rühmten Rechtslchrer Terenz auch nicht daS geringste dafür geschieht, daß sie ganz das gleiche begangen haben, wieder zur Strecke gebrachte focialdemolratische Redacteur. Wir sind nicht so harmlos, als daß wir die Pflicht, auf solche Zustände hinzuweisen, nicht mit einigem Behagen erfüllten." Weiter wurde Jacobey am L5. April 1396 wegen Militär b e l e i d i g u n g zu 160 M. Geldstrafe verurteilt; am 20. Juli desselben Jahres wurde in einem von der„Deutschen Watte" angestrengten PrivatbelcidiguiigSprozeß auf 30 M. Geldstrafe erkannt. Dies Blatt hatte den schweren Vorivurs des lltterartschen Diebstahls ruhig eingesteckt, war aber wegen einer lange nicht so schwer wiegenden Beleidigung zum Kadi gelanfeii. Am 26. September hatte sich Jacobey zu verantworten, weil er bei Gelegenheit des Vcreinsprozcsscs gegen die Berliner Social- dcmokratie dem Kriminalkommissar Schöne den Vorwurf der fahrlässigen EidcSIoistung gcniacht haben sollte. Aus formalen Gründen erfolgte Freisprechung. Am 21. November erhielt Jacobey wegen Beleidigung der BreSlaner Staatsanwaltschaft sechs Wochen Gefäiigiiis zudiktiert, eine Strafe, die später in vier Wochen Haft umgewandelt wurde. Es handelte sich um eine Beschwerde üder die KonfiSkätlon der M ä r z z e i t ii n g". Das Jahr 1807 war verhältnismäßig gelinde. Außer einigen nebensächlichen Gcrichtssacheu hatte unser Verantwortlicher am 6. Dezember einen Militärbeleidigungs-Prozeß übersi-b ergehen zu lassen, in welchem er zu 100 Mark Geldstrafe verurteilt wurde. Der Staatsanwalt hatte auch hier eine Gefängnisstrafe von drei Monaten bcantraat. Vorher war Jacobey am 31. März wegen vorzeitiger Veröffentlichung eines aus der„Köln. VolkSztg." abgedruckten Gerichtsbeschlusses zu 50 M. Geldstrafe ver» urteilt worden. Das Jahr 1898 brachte am 10. August 100 M. Geldstrafe wegen Beleidigung des Bundes der L a n d w i r t e, am 17. November 150 M. Geldstrafe wegen Beleidigung des Leutnants v. B. in Dessau, der vor einem berüchtigten Hause bei einer Prügelei Übel weg» gekommen ivar. Weiter wurde Jacobey am 18. November in der ThomaSmehlsache wegen Beleidigung verschiedener Führer des Bundes der Landwirte zu 150 M. verurteilt. Das laufende Jahr 1800 setzte mit einet Anklage wegen B c» leidig u n g Magdeburger Behörden und Gerichte ein. Im Hinblick auf die Verfolgungen, denen die Socialdemokratic besonders in Magdeburg ausgesetzt ist und weiter im Hinblick auf die häufigen Korrekturen, die sich die Urteile niederer Instanz von den böhcren Gerichten gefallen lassen mußten, hatte der„Vorivärts" eine kurze Bemerkung gebracht, die seinem verantwortlichen Redacteur anl 31. März 300 M. Gelditrafe cinlrug. Weiter wurde Jacobey wegen Beleidigung eines Nachtwächters in Weißens« am 4. April zu 50 M. Geldstrafe verurteilt. In einem am 31. Mai verhandelten Prozeß wegen Beleidigung de« N i ch t e r k o l l e g i u m« der ztvriten Strafkammer ani Landgericht II, der mit Freisprechung endete, waren vom Staatsanwalt vier Monate Gefängnis beantragt worden, und zwar unter der Be- gründiing. daß eß endlich Zeit fei, den vielfach vor- bestraften Angeklagten mit einer Freiheitsstrafe zu belegen. Schon bei einem früheren Prozeß hatte der- selbe Staatsanwalt, Herr Plaschke, hervorgehoben, daß er bei Anklagen gegen den„Vorwärts" in der Regel Frei» heits st rasen beantragen werde. Der Wunsch des Staats- anwalt? sollte bald in Erfüllung gehen, und zwar durch das bekaunle juristische Kunststück des fltegenden Gerichts- st a n d e S. Zivar erkannte die zuständige Strafkammer in Berlin in dem aufseheucrregcnden Prozeß wegen Beleidigung des sächsischen OberlandeSgericht» am 17. Jmn auf Freisprechung, indem eS konstatierte, daß die ans Anlaß de» Löbtau er Zuchthaus urteile von uns aufgestellte Be- Häuptling, der höchste sächsische Gerichtshof erkläre die Angehörigen der Arbeiterpartei als mindere n Rechts, durch die erbrachten Beweise für zutreffend erachtet werden müsse, doch wurde unser Kollege Jacobey am 29. Juni mit Hilfe deS fliegenden Gcriihtsstaiides vor das Schösse naericht zu Dresden ge- bracht, weil er das amtliche„Dresdener Journal" beleidigt haben sollte. Und in diesem die sächsischen Zustünde grell beleuchtenden Prozeß, über den selbstverständlich im Reichstage als dem ziistüiidigcii Forum noch nicht das letzte Wort gesprochen worden ist, wurde Jacobey endlich zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. die anderen Beleidigten den„Spaß" des vor einigen Tagen BeleidigungsprozesseS. Die aufgestellte Liste qiebt ein Bild von dem Dorucupfade, auf dem sociaidemokratische Rcdacteure wandeln. Ob nicht doch den einen oder anderen staatserhaltenden Grohlhuber so etwas wir Scham anwandelt, wenn er in einer Zeit, wo nian durch Feigheit »nb Charakterlosigkeit am ehesten zu äußeren Ehren komnit, sich da? Beispiel der selbstlose» Hingabe unseres toten Freundes vor Augen halt?_ Bedeutung kommt dem Gesetz» hauptsächlich w den Städten zu, die Landfraucn halten sich bisher der Emaitzipationsbestrebuiig fern. Das Gesetz schreibt bor, Ehemann und Ehefrau bjjrfen nicht' gleich- zeitig in einer Schulkommission sitzen.— Jtt Rennes. fort. den setzt Vavkrt Der Jahresbericht der Partei für das Jahr 1898 ist schwedischen soctaldcmokratischen erst jetzt erschienen. Er gicbt inter esiante Zahlen Über die Entwicklung der Partei. Sie zählte Mit' glieder 1894: 7625; 1896: 15 464; 1897: 27136 und 1898: 39 476. Vereine bestanden in Stockholm 39, in Göteborg 30, in Malmö 28 im Nord- und Mitteldistrikt waren Vereine in 27 Orten, im Süd distrikt 23. im Westdistrikt 3. Eine Landeskonferenz der steirischen Genossen wurde Mitte diese» Monats in Graz abgebalten. Aus dem Geschäftsbericht geht hervor, daß in 66 Orten Organisationen bestehen, in weiteren 67 Orten find Vertrauensmänner. Bestraft wurden im vergangenen Jahre 65 Genossen mit zusammen 671 Tagen und 112,70 Fl. Die Parteistener soll obligatorisch eingeführt werden. Die beiden Partei Organe„Arbeiterwille" und„Neue Botschaft" warfen zusammen einen Ueberschuß von 685 Fl. ab. Zur Maifeier wurde beschlossen, daß die Landeskonferenz an der Maifeier durch völlige BrbeitSruhe festhält und alle organisierten Arbeiter auffordert, ohne Rücksicht au Einschüchterungen in allen Industrie- Orten für die völlige Arbeits ruhe am 1. Mai einzutreten. In die Landesvertrctung wurden die Genossen Dr. Schacherl, Pongratz, Muchltsch, Drößler,' Müller, Mßmann gewählt. Polizeiliche«. Gerichkliches usiv. —- Haussuchung. In dem Bureau und der Vrivatwohnung deS Geschäftsführers des Metallarbeiter- Verbandes in Magdeburg wurde Freitagvormittag gehauSsucht. Die Polizeibehörde suchte nach Material, um Anklage wegen unerlaubter Kollekte erheben zu können. Die Metallarbeiter-Berbandsmitglieder zahle» Beiträge für die Dänen und sind hierzu von voß. dem Geschäftsführer, auf- gefordert worden. Zu finden war nichts. Bei der Lassallefeier in München mußten in beiden Ver- sammlungslokalen die Frauen und Mädchen auf polizeiliche Anord- nung den Saal verlassen. Ucber 70 Wiener Parteigenossen wurden nach einer Zusannneiistellnng der„W. A. Z." seit Juni 3 Jahre 8 Monate �ind 4 Tage Freiheitsstrafen und 35 Gulden Geldstrafen verhängt. ganze Anzahl Prozesse schwebe» noch. dem 4. Eine Aus deu �ruuvubeturguug. Wir werden um Aufnahm« des nachstehenden Aufruf» ersucht Der Parteitag und die Frauen. Am Dienstag finden sechs Volksversammlungen statt, in denen die Delegierten zum Parteitag gewählt werden sollen. Keine Partei Deutschland» hat die Frauen al» Gleichberechtigte anerkannt, außer der Socialdemokratie, keine hat ihnen da» Recht verliehen, in allen Fragen de» öffentlichen Lebens mitzusprechen und mitzustimmen. außer ihr. An den Frauen ist es, von diesem Rechte Gebrauch zu machen. ES giebt leider noch viele, die gleichgültig über das Programm der Parteitage hinweglesen und, wenn das Wort Frau" nicht dann vorkommt, meinen: Das geht mich nichts an. So erklärlich es nun auch ist. daß das seit Jahrhunderten in eistiger und materieller Unterdrückung und Abhängigkeit erhaltene Leib sich zunächst nur, soweit es ihr eigenes Geschlecht betrifft, zum Solidaritätsgcfühl erheben kann, so energisch muß doch dieser Stand- Punkt bekämpft und so entschlossen muß er aufgegeben werden. Die Befreiung des Geschlechts ist zwar eines der Ziele, um deren Er- reichung wir kämpfen sollen, aber es ist nicht das Ziel. Die gemeinsanie Arbeit der Frauen ist zwar eines der Mittel, durch das wir zu ihm aclongen, aber es fit nicht d a S Mittel. Di« kapitalistische Gesellschaftsordnung hat Männer und Frauen zusammen' geschweißt; die Unterdrückten auf der einen, die Unterdrücker auf? der anderen Seite. An Stelle der Jntercsscnsolidarität det Geschlechts tritt die der Klasse. Darum haben die Frauen de? "roletariats ebenso wie die Männer keine Gemeinschaft Mit der ourgcoisie. Wohl gicbt es bürgerliche Reformer, die kürzere Ar- bcitSzeit, höhere Löhne, erweiterten gesetzlichen Schutz für die Ar- bciter anstreben, ivic wir; aber während sie in der Erfüllung dieser Wunsche die Befreiung der Arbeiterklasse selbst sehen, gelten sie uns nur so viel, alS sie uns kräftiger, kampffähiger machen, und uns die Mittel zu geistiger und körperlicher Ausbildung gewähren, damit wir unicrcm Ziele rascher, energischer entgegen arbeiten löimcn. Der Staat hat den deutschen Frauen die Bürgerrechte, jene wichtigsten Waffen im Kampfe um die Befreiung, vorenthalten, die Socialdemokratic fordert sie und giebt sie ihnen in den eigenen Reihen, weil sie erkannt hat. daß die Frau, dir ebenso wie der Mann schwer arbeitet im Dienftc deS Kapitalismus, sie dadurch er- warben und verdient hat. Seitdem sie den Platz am heimischen Herd mit dem Platz an der Maschine vertauschte, sind die Interessen deS Arbeiters Ihre Interessen geworden und eS giebt keine Frage, die ihn bewegt und sie«nichts angeht". Gerade an diesem Parteitag sollten die Frauen den lebhaftesten Anteil nehmen und bei Ver Entscheidung der aufgcivorfencn Fragen ihre Stimme in die Wagschale legen. Die Frage des' Militarismus ist für sie von höchster Bedeutung; sie wissen besser, wie die Herren am grünen Tisch, welche Kiilturaufgaben leider, wie z. B. die Erziehung und Bildung ihrer Kinder, vernachlSssigt werden, weil nur für Schiffe und Kanonen Geld da ist. Und die ZuchthauSvorlage bedroht sie ebenso wie den Mann, fe will ihnen das letzte Restlhcn BewegungSfteiheit nehmen, das sie besitzen. Aber auch die Fragen der inneren Partei-Entwicklung dürfen sie nicht gleichgültig lassen. Wer von den Frauen in der Agitation steht, hat mit zu entscheiden, wie sie geführt werden soll; w'er an dem Kampf der Arbriterllaffe von nun an teilnehme» will, hat die Waffen mit zn wählen. Darum. Ihr Frauen und Mädchen, strömt in Scharen zu den Versammlungen der Partei, beweist Euch als Gleichberechtigte nicht nur, sondern auch als Entschlossene und Mutige, die, in Reih und Glied mit dem männlichen Genossen, seine Kämpfe als die ihren mitkämpfen, um«inst seine Siege als die ihren zu feiern I _ Lily Braun. Krauen als Mitglieder der Schulkommissionen. Die bernische Regierung hat dem Kantonsrat einen Gesetzentwurf unter« breitet, welcticr bestimmt, die Franc» seien unter den nämlichen Be« dingimgen wie die Männer zu Mitgliedern der Schulkommissionen der Primär- und der Mittelstuf« tvählbar. Erziehungsdirektor Gobat bemerkt in dem an den KantonSrat gerichteten Berichte wörtlich: Für die Einführung der Frau in die Schulkommissionen spricht illeS. Die Frau, als geborene Erzieherin, gehört in die Schul« und in die Schulleitung; das ist ein uiibeftreitbarer Satz. Wir ent- halten uns daher, alle Gründe, die dafür sprechen, hier anzu« ühren. Daß die Frau gegenwärtig bei uns von den Schul- ommissionen ausgeschlossen ist, läßt sich bloß dadurch erklären, daß der Mann, der das Privileg der Gesetzgebung in Anspruch ge- nommen. nur an sich gedacht und die bessere Halste der Menschheit einfach ignoriert hat." Der Direktor des Erziehunaswefens hat schon früher versucht, die Wählbarkeit der Krauen in die Schul- kommisstönen gesetzlich zu ermöglichen, allein die bernisch« Regierung lehnt« die Neuerung—«s war im Jahr« 18M— ab. Praktische Die Sonitabend-Tinung wird um S'/a Uhr eröffnet. Major Hartmann setzt seine Aussagen zum dritten Punkt des Borbereaus welcher sich auf die eingeführten Abänderungen in Formationen der Artillerie bezieht. Hartmann nuScillmider, welche verschiedene Bedeutung das Wort Formation für einen Artilleristen haben kann und sagt, wenn es sich um die Formationen für den Kriegsfall handelte, so konnten nur die ffiztere deS ersten Bureau« und die der dritten Direktion vor Juki 1894 Auskünfte über dieselben erteilen, nach dem ei die Organisation den Bureaus deS GeneralstabeS, vielen Offizieren und selbst subalternen Beamten bekannt geivesen und jeder Frontoffizier hätte sie erfahren können, wenn er wollte. Wenn es sich dagegen um die Manöverformationen handelte, so könne kein Genoralstabsoffizier in Frage kommen, sondern höchstens die Offiziere, welche bezüglich der Versuche mit neuen Formationen der Artillerie auf dem laufenden waren, einschließlich der Offiziere des 3. Armee- korpS, welche den Manövern von EhfclonS beiwohnten. Hartman» geht dann zu dem Punkte des Bordereaus über, welcher über die Gchiehvorschriften handelt und sagt, der verfaffer des Bordekeaus hätte sich dieselben nur mit Schwierigkeit verschaffen und dieselben auch nur wenige Tage behalten können. Major Hartmann legt dar, baß die höheren Offiziere des 3. Armee- korps die Sckiießvorschriften besitzen konnten, da sie den Schieß- Übungen im Jahre 1894 beigewohnt hatten. Dieselben hätten also die Üebersendung derselben in den im Bordereau vorkommende» Ausdrücken ankündigen können, aus denen man überhaupt schließen könne, daß die Lieferung nicht von einem Artilleristen erfolgt sei. Hartmann sagt weiter, der Shrapnel 0- 1891 weist nicht' die geringste ernstliche Aehulichkeit mit dem Robin-Ge- schösse auf.' General Deloye erhebt Widerspruch dagegen, daß von dem ShrapNel in öffentlicher Sitzung gesprochen werde. Nach einem Meinungsaustausch mit einem Mitglied des Kriegs- gerichts erklärt Hartman» ans«ine Frage Laboris, es wäre für Efterhazy leicht gewesen, sich im Lager von CHKlons Informationen zu verschaffen, um die Note über Madagascar und diejenige über die Bedeckungstruppen zu verfassen. Auf eine weitere Frage Laboris er- widert Hartmann, ein Artillerie- Ofsizier würde bei dem Geschütz ,120 kurz" nicht von einer hydraulischen Bremse ge- sprochen haben. Hartmann setzt dann auseinander, daß man in Deutschland nur ganz allgemein über die Bremse unterrichtet sein dürste und fügt hinzu, man könne nur, wenn man daS Geschütz abschießen sehe, derartige loertvolle Kenntnisse von demselben gewinnen, daß es für eine auswärtige Macht wünschenswert sei, sie sich zu verschaffen. General Deloye, der umS Wort bittet, bemerkt, ein Offizier hätte sich die betreffenden Informationen in Gesprächen mit anderen Offizieren verschaffen tonnen. Major Hartmann entgegnet, er glaube nicht, daß dies bei Dreyfns der Fall gewesen sei; detin diejenigen, mit denen DreyfuS sich unterhalten haben würde, wären sicherlich vor dem Kriegsgerichte erschienen, um Über die Schritte, die DrehfttS bei ihnen gethan hätte, auszusagen. Deloye sagt, er habe in Bouraes Nachforschungen angestellt über den Verrat, den DrehfttS bczügltch des Robin-GeschosseS be- gehen konnte. R o b i n erklärte damals, DreyfuS habe ihn nur über Verbesserungen am Webstuhl befragt. Deloye fügt hinzu, er habe sich nicht über die Schuld oder Unschuld deS DreyfuS aus- zusprechen, er könne nur sagen, daß eS nicht zutreffend sei, wenn DreyfuS behaupte, er habe sich gewisse Mitteilungen nicht verschaffen können. Labori ersucht Deloye, sich darüber außzulaffen, welche Wichtig- keit die Dokuniciitc hätten, die im allgemeinen Verräter einer fremden Macht rnisliefern köiinen, und welche Bedeutung insbesondere die von dem Urheber des BordereauS ausgelieferten Schriftstücke gehabt hätten. Deloye lehnt das zuerst mit sehr bewegter Stimme ab, erklärt aber dann, eS lasse sich aus dem Bordereau feststellen, daß der Verräter ei» Meister sei, der die große Wichtigkeit der von ihm aus- aclieferten Schriftstücke keime.„Als ich das Bordereau las," fügte Delohe hinzu,„war ich sehr erschrocken." �Sensation.) Auf eine Frage Laboris erklärt Deloye ausdrücklich, daß die von dem Urheber des BordereauS gemachten Mitteilungen vom größten Interesse gewesen seien. Hartmann, der hier eingreift, erklärt, daß, wenn der Urheber des Bordereaus auch ein Meister sei, er doch jedenfalls von artilleristischen Dingen nichts verstehe, denn wenn er von dem Geschütz 120 mit hydraulischer Bremie spreche, so habe er Sachen ausgeliefert, die bereits bekannt waren, und wenn er von dem Ge- 'chiiy„130 kurz" spreche, so bedient er sich eine» unzutreffenden Ausdrucks. Drryfus weist aus den Jvrtim, des Generals Deloye hin, der gesagt hat. daß die dritte Artillerie-Direktion die Schießvörschristen dem' zweite» Bureau zur Bcrfügimg gestellt hatte. ücratif ergreift Mercier das Wort und erklärt, man konnte die Schießreglette verwende» ohne die Schicßvorschrist. Mercitr pricht sodami über den Ausdruck„hydraulische Bremse" und sagt, da die Deutschen diesen Ausdruck gebrauche», war es natürlich, daß ein Korrespondent der Deutschen ihn ebenfalls anwandte. Da« Mitglied des Institut« Hauet sagt aus, eine g r a m m a t i- kaiische Prüfung des Bordereau bringe zu dem Schluß. daß das Bordereau nicht von DreyfuS herrühre. Havel hebt hervor, daß im Bordereau sprachliche Elemente verschiedener Ratio- nalitäten, so namentlich der Deutschen, vorhanden seien, und zieht die Schlußfolgerung, daß daS Bordereau von Efterhazy her- rühre. Um 9 Uhr 30 Min. wird die Sitzung unterbrochen, Picquart und General Gousc. Um 8/ilO Uhr Ivird die Sitzung wieder anfgenommeil. Der Ge- richtsichreiber verlieft die Briefe, welche Picquart und Gouse zu einer "cit wechselten, wo sie sich mit dem Treiben Esterhazys beschäftigten. n diesen Briefen teilt Picquärt seinem Vorgesetzten seinen Verdacht gegen Estcrhazy, seine Zweifel an DreyfuS' Schuld mit und sagt alles voraus. Iva« entstehen würde, wenn DrevfuS' Unschuld von anderer Seite entdeckt werden sollte und wenn der Gcneralstab zu pät daS nötige thun würde, um seinen Irrtum von 1894 gut zu machen. In seinen Antworten mahnt Ganse nur zur Vorsicht, ermutigt aber Picquart, der neuen Spur Efterhazy zu folgen. Labori:„Sie sehe», hier sagt General Ganse kein Wort von einem Geständnis." Drryfus:„Das doch die Unruhe Picquart« so- ort zerstreuen mußte." Labori stellt fest. Gouse habe Picquart gegenüber niemals von den Geständnissen gesprochen. Gonse erwidert, er habe stets Picquart geraten, die beiden Affairen auseinanderzuhalten. Labort fragt, wie man die beiden Affairen, deren Untergrund derselbe sei, auseinanderhalten könne? Gonse antwortet, das könnte man thun, weil die Urheberschaft des Bordereaus Drehfus zugeschrieben worden und dieser deswegen verurteilt sei, und kein Beweis dafür vorgelegen habe, daß Esterhazy der Urheber. Labori drückt seine Verwunderung darüber auS, daß man von diesem Irrtum noch nicht zurückgekommen sei. Sodann wird Picquart an den Zeugentifch gerufen.(Bewegung im Saale.) Er erklärt: AIS ich Gonse EsterhazyS Schrift und ihre Gleichheit mit dem Begleitschreiben zeigte, rief Gonse:„Die Juden lassen seit einem Jahre jemand sich üben, diese Schrift nachzu- ahmen." Was dt« verioendung von Gonses Briefen betrifft, so teilte ich sie Lebloi» erst zwei Dag««ach erlangter Gewißheit mit. Freitag in Dresden folgende Beschlüsse gesagt: t..Vom Montage den 4. September werden Gesellen bis aus weiteres nicht eingestellt. 2. Es wird die Arbeit in Berlin. Bnuzlau. Breslau, Dresden und Pirna nicht eher aufgenonunc», bis eine Einigung in allen Revieren und Platzen erzielt worden ist." Von weiteren Verhandlniigen nahmen hierauf beide Parteien Abstand und erklärten die Unternehmer auf die Anfrage des Vor sitzenden, daß sie die Fällung eines Schiedsspruches wünschen. Nach ziemlich langer Beratung des Einigungsamtes verkündet der Vor sitzende folgenden Schiedsspruch: 1. Es wird empfohlen, daß die Unternehnier mit den Arbeiten: (GesellenauSschnK) möglichst sofort über den Lohntarif, welcher vom 1. März 1900 ab gelten soll, in Beratung treten. Die Arbeiten zur Festsetzung des Tarifs sind derartig zu beschleunigen, daß spätestens innerhalb vierzehn Tagen nach Beginn der Tarifverhandlungcn die sämtlichen Tarifsätze vereinbart sind. Es wird für richtig gehalten. etwaige Differenzen bei den Beratungen der Unternehmer mit ihren Gesellen über den Tarif derartig zu beseitigen, daß die Parteien innerhalb 24 Stunden das Gewerbcgericht anrufen und die Ent schcidung des Einigimg-Zamtes einholen. 2. Auf Gnmd der Vcr Handlungen und nach Anhörung der Anskunftspersonen wird vor- geschlagen, daß vom 1. März 1900 ab täglich in den Monaten von, 1. März bis 1. Noveniber acht Stunden, vom 1. November bis 1. März 7l/2 Stunden zu arbeiten ist. 3. Die Höhe der Bezahlung der notwendigen Uebcrstundcnarbeit, sowie der Sonntags- und der Nachtarbeit ist bei der Beratung des Tarifs von den JnnungS meistern mit dem Gesellenaussckiuß zu regeln. 4. Soweit gegen Stundenlohn gearbeitet wird, sind mindestens 70 Pf. pro Stunde zu zahlen. S. Endlich wird für wünschenswert gehalten, daß die Unter Mehmet sich um schleunige Beseitigung der Differenzen mit ihre» auswärtigen Arbeiter» bemühen und auf angebotene Vergleichs Verhandlungen eingehen. Leiden Parteien wurde aufgegeben, sich bis spätestens 1v. Sep tember zu erklären, ob sie sich diesem Schiedsspruch unterwerfen wollen. Achtung, Rabitzspauner! Unsere Unternehmer haben nach dem Beispiele anderer. um nns durch Einschüchtenmg zur Unter' werfung zu zwingen, dic Drohnng ausgesprochen, alle noch arbeiten den Kollegen auszusperren, falls die Streitenden nicht bis zun: 2. September die Arbeit wieder anfgcnvmmen haben. Folgende Firnren haben die Drohung wahr gemacht: I. Zöllner ». Co.; 2. Schund u. Weimar; 3. Günther u. Soltwcdel; 4. Schulz Charlottenburg: 6. Kraus: 6. Wagenknecht und 7. Elias. Wir erwarten nun von den Kollegen, daß sie die genannten Firmen meiden und den Zuzug fernhalten. Die Lohnkomniission der Bauarbeiter. I.«.: W. R o a ck. Tapezierer. Bei der Firnia Jäckcl. Koch- und Markgrafenslraße Eile sSchlafe patent) habe» die 13 dort beschäftigten Kollegen die Ar beit niedergelegt. Die Agitationslommission. TentschcS Reich. Tie Tortninnder Maurer haben bekanntlich beschlossen, erst im nächsten Frühjahr in eine Lohnbewegung zu treten. weil es dieses Zahr zu spät fei. Wie in Arbeiterkrcijcn bekannt wird, wollen nun die Bauunternehmer den Streik dadurch verhindern, daß sie alle Maurer am 1. November aussperren. Die Maurer in Bochum haben am 1. September in zahlreich besuchter Berjammlung einstimmig beschlossen, die gestellten For dcrnngen aufrecht zu erhalten und die Gesellen, welche noch nicht gekündigt haben, zur Kündigung zu veranlassen. Gekündigt haben bis icyt 221 von övti beschäftigten Gesellen. S i l b e r s ch m i d t vom Verbandsvorstand suchte vergeblich vom Streik abzurateu. Eine Webervcrsammlung, die am Mittivoch in Mülheim a. Rh. tagte, und von Vertretern der verschiedenen niederrheinischen Textil- arbcitcr-Organisationcn besucht war. beschäftigte sich mit der Frage der Vereinigung der bestehenden Organisationen. Der Geschäfts- führcr des niedcrrhcinischen Weberverbandcs, Bär, sprach über die Organisationsfrage im allgemeinen und wandte sich gegen den christlichen Verband, der dem niedcrrhcinischen Verbände den Vorwurf mache, daß er socialdeniokratisch sei. Das sei nicht der Fall:'>» Gegenteil sei politische und religiöse Agitation ausgeschlossen. Der christliche Verband aber treibe Politik, indem er die Anhänger einer bestimmten politischen Richtung ausschließe. Der M.-Gladbacher Arbeitersckretär GieSbertS(katholisch) erkennt den Gedanken der paritätischen Gewerkschaften als richtig an, agt aber, der Gedanke sei ctwaS verfrüht. Den deutschen Arbeitern ei es nur dann möglich, etwas zii erreichen, wenn die Gegensätze sich ibschleisen und wenn die gcgensciligc Achtung mehr als jetzt vorhanden 'ei..Wir organisieren uns christlich, ohne daß wir auf die Social- dcniokratcn loshacken, wie gewisse Leute, die die Socialdcmokratcn als zweibeinige Untiere betrachten. Wie gesagt: die Gegensätze sind noch nicht genug abgeschliffen. Und vorläufig haben wir nur ein Princip: Wer liuf christlichem Boden steht, soll sich der christlichen Organisation anschließen. ES ist nötig, daß die Zänkerei aufhört, daß man gegen- eilig sich nicht alle kleinlichen Diiiac vortvirst. Wir christlichen Arbeiter find noch nicht sehr geschult. Das geben wir gerne zu. Aber wir lernen, auch von den Socialdemokratcn. Unsere Arbeiter sind noch nicht gewerkschaftlich erzogen. Darum schicken wir sie nicht in die Gewerkschaften. weil wir sie nicht socialdcmokratisch erziehen lassen ivollcn. Vorläufig gilt es, das Christliche zu betonen. Das Wort sagt nicht, das wir etwas Besseres sein wollten. Geben Sie den Leuten die Wahl, ob sie sich so oder so organisieren wollen. Wenn die Zukunft es bringtund derBoden reif ist, dann werden wir an die Seite der ganzen Arbeiterbctvegung treten. Bekänipfcn wir nns nicht untereinander, ' andern sorgen wir. daß alle deutschen Arbeiter den gewerkschaftlichen Gedanken begreifen."— Pesch aus Krefeld, der Vorsitzende des christlichen Verbandes, erklärt sich für den Mann. der die Arbeiter zum Siege führen kann. Es sei nicht.nötig, daß sich die Arbeiter gemeinsam organisieren, wenn sie nur dann zusammenstehen, wenn das Untcrnehniertum sie ausbeuten wolle. Der deutsche Textilarbeiter- Verband sei die Vorschule der Socialdemokratic, und der nieder- rheinische Verband sei seine Filiale. Er ruft: Warum ivollcn Sie in unfern Verband? Um da festen Fuß zu fassen? Wir können uns elber führen! Er hofft, daß die Zeit kommt, wo man sich besser verstehen werde. Die Versammlung ging vorläufig resultatlos auseinander, soll aber nächstens fortgesetzt lverden. Kewcrkvereinöpolitik. Der„Deutschen Berg- und Hütten- arbeitcr-Zeitung" wird aus Homberg a. Rh. geschrieben: „Die Bergarbeiter-Bcwegung des Ruhrgebiets steht znr Zeit im Zeichen de? Zusammengehens der beiden Verbände in Knapplchafts- ragen..Bergknappe" ivic„Bergarbeiter-Zeitung" vertreten oppositionelle Grundsätze im Knappschaftswesen, zur Freude aller ehrlichen Arbeiter. Der„Bergknappe" hat schon lange oppositionell gc- schrieben im Sinne der bekannten GewcrkvereinSsorderungen. Eine einer Haugtargumcute ist nnt Recht: Aclteste dürfen keine Beamte fein, in den Vorstand dürfen keine Beamte, die Arbeiter ollen fclbst raten und thatcn. Um so nierkwürdiger ist das Ver- halten des Gewerkvereins, offiziell vertreten durch seinen zweiten Vorsitzenden Spieß, hier auf Zeche Rheinpreußen. Darüber schreibt der zuständige Bergrat in seinem Bericht: .... Daß bei der letzten Knappschafts- Vorstandswahl von feiten der ansnahniSloS dem Gewerkverein angehörigen Knapp- fchastsältesten einstimmig der Direktor und Obersteiger als Ver- treter der Arbeiter gewählt wurden."... Ausland. Antwerpen, 2. Septbr.(W. T. B.) Das Personal der Schlepp- dampfer- Gesellschaft Gerling».Comp, ist heute mit Ausnahme der Kapitäne in den Ausstand getreten: dasselbe fordert eine Lohn- erhöhung von 1 Franc täglich. Die von der Gefellschaft bewilligte Erhöhung von 50 Centimes wurde abgelehnt. Der Dienst, welcher Dampfer umfaßt, ist eingestellt und ruht vollständig auf dem Flusse sowie für rheinaufwärts gehende Schiffe. Der Schleppdienst ist nahezu unterbrochen. daß man sich gegen mich niederträchligcn Machenschaften hin geve, und ich mich verteidige» nüisse, namentlich nach dem frechen Briefe meines Untergebenen Henry, den dieser mit G o n s e n s Z u st i m m ung nach T u n i an mich schrieb. Was die Veröffentlichung der Briefe br trifft, so rührt sie nicht von mir her. Die Briefe wurden bei mir beschlagnahmt, sie figurierten in der Untersuchung des RickitcrS Fabre gegen mich. Ich war nicht mehr Herr ihrer Geheimhaltung. Gonfe behauptet, der Brief Henrhs fei ohne seine Zu stänim un g geschrieben worden, und die Antwort auf einen heraus fordernden Brief Picquarts gewesen. Gonse bemerkt weiter, Picquart habe überall Machenschaften gewittert. Picquart erwidert, er' habe Gonse das Geheimaktenbündcl gleichzeitig mit dem Bobereau gebracht, damit derselbe sehe, daß Drehfus wahrscheinlich unschuldig sei. Gouse giebt�auf eine Frage Laboris zu, daß die nach der Ab reise Picquarts eingelaufenen Briefe geöffnet wurden. Das sei geschehen. weil dieselben an den Chef des Nachrichtendienstes gerichtet waren Picquart betont, man habe alle an ihn gerichteten Briefe ge öffnet und dieselben ihm. ohne daß das vorgenommene Oeffnen be merkbar gewesen, zugesandt. Gonse behauptet, man habe notwendigerweise wissen mllffen was Picquart treibe. Picquart sei wegen seines Treibens entfernt worden. Zeuge sagt ferner, er würde die Fälschung Henrys ver hindert haben, wenn er davon gewußt hätte. Er glaube jedoch nicht. daß dies ein gegen Picquart gerichtetes Manöver gewesen sei. Henry hätte nur ein weiteres Beiveismittel Dreyfus gegenüber haben ivollen. Das diplomatischeAktenstück wäre jedoch schon genügend gewesen. Labori stellt die Frage an den Zeugen, welches Schriftstück auf Dreyfus hinweise. Der Präfideut weist die Frage als unzulässig zurück. Labori ruft aus:„Ich werde daraus meine Fol g e r u n g c n z i c h e n." Der Präsident erwidert ihm:„Ziehen Sie daraus die Fob gerungen, die sie wollen!" Tie Ränke gegen Picquart. Labori spricht sodann vom Bestechungsversuch des Kommissars Tomps und befragt General Gonse über die Radierungen ani „Petit bleu". Gouse erklärt, das„Petit bleu" fei zur Zeit der ersten photographischen Abnahme radiert worden. Labori fordert die Verlesung der Sachverständigcn-Gutachten. welche das Gegenteil wüstellten. General Gonse erwidert hierauf nichts. General Roget giebt einen historischen Ueberblick über das gegen Picquart eingeleitete Verfahren wegen Fälschungen und sagt, es sei Zurliuden gewesen, der das Verfahren einleitete: er(Roget) übernehme nur für seine eigenen Handlungen die Verantwortung. Labori erklärt, er habe nur die Unrichtigkeit feststellen wollen, auf welche das Verfahre» gegen Picquart basiert war, da die Radierung Picquart nicht zugeschrieben werden könne. Bezüglich des„Petit bleu" richtet weiter Tcmangc an Gonse die Frage, wie er es erkläre» könne, daß Picquart Eslcrhazh eine Schlinge habe legen wollen, indem er ihm ein Stelldichein in Paris gab, wenn letzterer nicht Empfänger desselben sein sollte. Demange stellt dreimal dieselbe Frage. Gonse beobachtet icdoch Stillschweigen. Das Datum dcS Bordereaus. Defouds-Laiiiottc, ehemaliger Artillerie-Osfizier und Kamerad von DreyfnS, sagt aus, daß Picquart ihm aus sein Ersuchen im Jahre 1694 die Schicßvorschrift aushändigte, die er. solange er wollte, bei sich behalten habe. Zeuge erklärt, daß kein zum General- stabe konimandicrter Offizier im Jahre 1394 glauben konnte, daß er zum Manöver kommen würde. DaS Cirkular voni 15. Mai hatte den Termin der Manöver bestinimt. Man habe daS Bordereau vordatiert, um eS zeitlich vor daS Cirkular zu stellen. Zeuge sagt, es sei für ihn ganz sicher, daß Dreyfus nicht der Urheber des Bordercaus ist. Ein Artillerie-Osfizier habe die Note über die Bedeck ungstr Uppen nicht schreiben können. General Poisdeffre sagt aus, das angegebene Datum deS Cirkulars sei richtig. Nichtsdestoweniger hätten die zum Generalstab kommandierten Offiziere hoffen töiiiien. den Manövern auf Grund besonderer Erlaubnis beiwohnen zu dürfen. Auf eine Frage deS Generals Roget erklärt DefondS-Lamottc, feine Ucberzeugung von Dreyfus' Unschuld datiere von der Ver« öffentlichnng der Untersuchung deS Kassationshofes. Er sei wie vom Blitz getroffen gewesen, als er sah, daß man das Datum deS Bordercaus geändert hatte. TreyfuS, der aufgefordert wird, sich zu äußern, erinnert daran. daß er'im Jahre 1894, als du Paty daS Bordereau vom August datieren wollte, betonte habe, daß die Redewendung„ich bin im Begriff, ins Manöver abzugehen", nicht habe von ihm geschrieben sein können, da er ja erst im Oktober, November oder Dezember u dem Truppenkörper kommen sollte. Dreyfus versichert dann, er jatie_ niemals verlangt, zu den Manövern z» kommen. Er habe eine Erklärung über diese Angelegenheit im Jahre 1394 überreicht: die- selbe sei den Akten des KaffationshofcS zur Zeit als er, Drcyfus, noch auf der TeufelSinsel war, einverleibt worden: sie sei also authentisch. Demange spricht sein Bedauern darüber aus, daß über die Frage, ob Dreyfus ins Manöver zu komnien verlangt habe, keine Uiitersuchimg angestellt worden sei. Der Gerichtshof beschließt. daß Major Hartmann am Montag nochnials unter Ausschluß der Ocffentlichkeit vernommen werden soll. Die Sitzung wird hierauf geschlossen. *• Daner des Prozesses. . Dem„Figaro" wird aus Renncs gcnicldet, Demange sei der Ansicht, daß der Prozeß, wenn nicht unvorhergesehene Zwischenfälle eintreten, am nächsten Mittwoch oder Donnerstag beendigt sein werde._ G e merk sthoif tliilzes. Berlin und Umgegend. Der Etcinarbcttcrstrcik vor dem Berliner Einignngsamte. Unter deni Vorsitz des Gcwerberichters, Assessor von Schulz, trat am Sounabcndvonnittag das Einigungsanit des hiesigen Ge- lverbegerichtS in Sachen des SteinarbeiterstreikS abermals zusammen. Bei Beginn der Verhandlungen erklärte der Steinmetz Schmidt im Auftrage seiner Kollegen, daß die am Freilag stattgcfuudene Vcrsaninilung der Steinarbeiter beschlossen hat, den gemachten Etnigungsvorschlag abzulehnen und daß eine Einigung nur unter der Voraussetzimg, daß die Einführung der allgeiiicinen Tage- lohnarbeit an Stelle der Accordarbeit bewilligt wird, möglich wäre. Nach kurzer Begründung dieser Bedingung teilt er noch mit, daß seine Kollegen der Ansicht sind, daß die Verhandlungen am Donners- tag nicht als osfiziellc, sondern als Vorbesprechung gelten und dementsprechend auch der Einigungsvorschlag zu betrachten sei. Nachdem der Vorsitzende diese Ansicht als irrtümlich bezeichnet hatte, gab der Obermeister Dittmar die Erklärung ab. daß die Vertreter der Unternehmer unter keinen Umständen lveitere Zu- geständnisse machen werden, daß sie den Arbeitern bereits mehr Konzessionen gemacht hätte», als wozu sie eigentlich berechtigt ge« Wesen wären. Der Obermeister Dittmar gab gleichzeitig bekannt, daß die Vereinigung der Steinmetz meist er von Dresden. Pirna und Umgebung beschlossen hat, die Arbeiter aus- zufordern, bis nächsten Montag in Pirna die Arbeit wieder aufzunehmen, widrigenfalls im ganzen Bezirk keine neue Arbeit ausgegeben wird. Ferner sei beschlossen, bis nächsten Mittwoch eine außerordentliche Hauptversammlung abzuhalten und den Mitgliedern mitzuteilen, daß die aus den Streik- gebieten eingestellten Arbeiter(also aus Berlin. Bnuzlau, Breslau JC.) sofort zu entlassen sind. Der Vorsitzende der Vereinigung hat dafür Sorge zu tragen, daß entsprechende Plakate gedruckt werden und auf allen Werkplätzen zum Aushang gelangen. Der Verband de utfcher Steinmetzgeschafte habe am Verantwortlicher Redacteur: Robert Schmidt in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Dh. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu 3 Beilagen und ttnterhaltnngsblatt. Sociales. Tie Auswanderung schl.'sischer Bergleute nach Westfalen nimmt immer größere Dimensionen an. Am 1. September ent- fühtte ein Extrazug 400 niederschlesische Bergleute mit ihren An- gehörigen von Waldenburg aus nach Westfalen. Auf manchen Ab- teilungen der Hermsdorfer Gruben ist die Belegschaft von 600 auf 200 Mann und weniger herabgegangen. Viele Bergleute haben außerdem wieder gekündigt. Rückgang des Kleinbetriebes im Braugewerbe. In, nord- deutschen Brausteucrgcbiet waren vom 1. April 1397 bis 31. März 1893 6818 gewerbliche Brauereien in Betrieb, davon waren 3361 obergährige und 2957 untergährige. Verbraut wurden 7 380 322 Doppclccnttier geschrotcncs Gerstennialz, 93 669 Doppelcentner Reis, 31 732 Doppelcentner Zucker und 1474 DoppelcenNier Syrup, woraus 7 775 036 Hektoliter obcrgähriges und 33 856 086 Hektoliter unter- gähriges Bier gewonnen wurden. Je mehr der Großbetrieb in Norddeutschland, der sich fast aus- schließlich mit der Herstellung untcrgähriger Bicre befaßt, an Aus- dchnung gewinnt, desto mehr geht auch hier der Kleinbetrieb zurück Auch im Berichtsjahre hat sich dieser Entwickelmigsprozeß sortgesetzt, indem wieder eine nicht geringe Zahl kleinerer Brauereien genötigt war, den Betrieb einzustellen. Wie groß die Zahl dieser eingegangenen Brauereien innerhalb eines Zeitraumes von ca. 20 Jahren war, ergeben folgende Daten: Im Rechnungsjahre 1879/80 waren 10 460 gewerbliche Brauereien in Betrieb, im Jahre 1397/98 nur noch 6813: es stellten demnach 3642 Brauereien den Betrieb ein. In dem gleichen Zeitraum stieg die Produktion des nntergährigen Bieres von 12165 961 Hektoliter auf 33 356 066 Hektoliter, während die Produktion des obergährige» Bieres sich nur unwesentlich— von 7 818 652 Hektoliter auf 7 775 086 Hektoliter— vermindeite. Ein VolkShans in Genf. Die organisierte Arbeiterschaft in Genf strebt schon seit längerer Zeit die Errichtung eines eigenen HeimS, eines Volkshaus es, an und es soll auch bald erreicht werden. Das Projekt erfordert 400 000 Frs., wovon eine Bank die Hälfte übernimmt, während die andere Hälfte durch Ausgabe von Hypotheken- Anteilscheinen aufgebracht werden soll, wobei ancki das weitere Publikum, die Arbeiterorganisationen, Architekten und Bau- Unternehmer gerechnet wird. Das Gebäude mit Garten wird eine Fläche von 1700 Quadratmeter umfassen» wovon 545 auf das Hauptgebäude entfallen. Dasselbe wird im Parterre 16 Ladenlokale, Bier-, Wein- und Speisewirtschaft. Tenipcrenz« Wirtschaft, Volksbuchdrnckerei, Konsum- und Friscurladcn sc. ent- ' cn. Im ersten Stock wird die Arbcitskammer installiert, den zweiten Stock will der deutsche Verein mit seiner Speise- Anstalt übernehmen. Im dritten Stock sind kleinere Säle, im vierten Stock 38 Wohnzimmer, die zum Ansätze von 110 Fr. jährlich an Arbeiter« fnmilien vermietet werden. Hinter deni Hanvtgebäude� wird ein großer Saal erbaut, der Raum für 1800 Sitzplätze enthält und für Volksversammlungen, Thcnteraiifführuiigcn ze. bestimmt ist. Unter diesem Saale befinden sich die Bäder und Douchc- Einrichtungen. Ein Garten umschließt das Ganze. Vevsainnrlunjgrn. Die Marmor-«nd Granitarbeiter Berlins und Umgegend hielten an» Donnerstag eine stark besuchte Versammlung ab, in der die Tarifkommission über die Verhandlungen mit den Unternehmern Bericht erstattete. Wie mitgeteilt werden konnte, sind die Unter« nchmcr nicht abgeneigt, mit den Arbeiten, einen festen Tarif zu vereinbaren, wohl auch deshalb, um durch die Festsetzung von einheitlichen Löhnen die Schmutzkonlurenz, die von emzelnen Firmen besonders arg betrieben wird, zu beseitigen. In den gemeinsamen Verhaiidlmiaen, die am Mittwoch stattfanoen, haben sich die Unter« iiehmcr zu dem von den Arbeitern aufgestellten Tarif im allgemeinen zustimmend geäußert, aber eine bestimmte Erklärung noch nicht ab« gegeben, sondern eine achttägige Bedenkzeit verlangt, die ihnen von )eii Arbeitcrvertrcteni auch zugestanden wurde. Die Kommission ersuchte die Versammelten, sich ebenfalls damit einverstanden zu er- klären, um zu beweisen, daß die Arbeiter zu einer friedlichen Regelung der Angelegenheit bereit sind. Nachdem sich mehrere Redner für die Äiierkcnmmg der gewünschten achttägigen Frist ausgesprochen hatten und darauf hingewiesen worden war, daß einem weiteren Aufschub unter keinen Uniständen zugestimmt werden wird, sondern dann die geeigneten Maßnahmen zur Durchführung deS Tarifs sofort zu treffen sind, wurde folgende Resolution an« genommen: Die heute versammelten Marmorarbeiter Berlins und Umgegend erklären sicki mit der den Unternehmern zugestandenen Frist zur Abgabe einer bestimmten Erklärung einverstanden. Die Ver- ammluna ist aber entschlossen, eine weitere HinauSschiebmig der An« gelcgenheituicht ziizugcftchen und wird demgemäßihrVerhalten einrichten. Der Tarif, der von den Arbeitern aufgestellt ist und der bis zum März 1901 Gültigkeit haben soll, enthält außer den genau detaillierten Accordprcisen für alle vorkommenden_ Arbeiten olgendc Bestimmungen: Die Arbeitszeit beträgt neun � tunden und zwar mit den üblichen Frühstücks-, Mittags- und Bespcrpauscn von morgens 7 Uhr bis abenS 6 Uhr. Sonnabend Schluß der Arbeitszeit 5 Uhr bei Fortfall der Vesperpause. An den Tagen vor den großen Festen Schluß der Arbeitszeit 3 Uhr. Ans den Bauten hat der Steinmetz die Arbeitszeit der Maurer einzuhalten. Tagelohn: Der niedrigste Lohnsatz für einen Steinmetz oder Hauer beträgt pro Stunde 65 Pf. Fahrgeld und sonstige Auslagen auf Bau werden vom Meister vergütet. Uebcrstmiden 15 Pf. pro Stunde mehr. Nachtarbeit 50 Proz. Zuschlag.— Der niedrigste Tagclohn für einen Schleifer beträgt in der Wcrkstclle pro Stunde 45 Pf., außer der Wcrkstclle und auf Bau pro Stmide 50 Pf. Ueberstuiiden pro Stunde 10 Proz. mehr. Nachtarbeit von 10 Uhr abends ab 50 Proz. Zuschlag. Sämtliches Schleif- und Polier- Material ist vom Unternehmer zn liefern. Bei Arbeiten außerhalb der Werkstatt ist daS Fahrgeld vom Unternehmer zu tragen. Britz. Hier wurden i» einer Parteivcrsammlnng. die am 29. August tagte, die Gcnosien S ch l i e b i tz und Händel zu Dele- gierten' für d,e Kreiskouferenz gewählt. Uehke Mschvichten und Depeschen. Frankfurt a. M.„ 2. September.(B. H.) Der„Franks. Ztg." wird aus New Dork gemeldet: Bevor das alte Miniftcrini abdankle, 'türmte ein Volkshause in San Domingo den RcgieruiigSpnlast, da bekannt geworden war, daß die Minister Schiffsladungen von Waffen wegschafften. Köln, 2. September./e Uhr im Beisein des Stadtbauratö Krause, des Stadtbaumeisters Behner, der sie erbaut hat, und eines Polizcihauptmaims dem Verkehr übergeben ivorde». Eichenlaubkränze schmückten sie auf beiden Seiten, Gewinde aus Eichenlaub und Fahnen zierten die hölzernen Träger, die einst- weilen die elektrischen Lampen halte». Das erste Fuhrwerk, das seinen Weg über die neue Brücke nahm, war eine Taxametcrdroschke. Der Verkehr ivar gleich in der ersten Stunde schon ziemlich stark.— Die Brücke überspannt im Gegensatz zu den bisher ausgeführten Straßenbrücken die Spree mit einen, einzigen Bogen aus Eisen von 50 Meter lichter Weite und enthält daneben noch eine kleinere massive steinerne Brücke für die tiefer gelegene Userstraße. Die Bau-AuSführung ist durch die V. Bau-Jnspektion erfolgt. Au der Kurfürstcub rücke lverden vor dem das Denkmal tragenden Vorbau mächtige Prellpsähle in den Grund des Flußbettes cinacramint. Das Mauerivcrk dieser erst vor 4 Jahren fertiggestellte» Brücke ist hier durch den Anprall der durchfahrenden Kähne bereits mehrfach beschädigt. Gegenwärtig ist der Schiffahrtsverkehr zwischen Kurfürstenbrücke und Mühleuschlense ziemlich eingeengt. Am Marstall- grundstück entlang liegen zahlreiche Kähne mit Baumaterial in mehreren Reihen neben einander. -k Millionen Deficit. Großes Aufsehen erregt in der Geschäfts- tvelt die eingetretene Insolvenz der Kleiderstoff-Engrosfirma Isidor Behrendt, Berlin C., Poststraßc 1— 6. Die vor etwa sieben Jahren unter kommanditistischcr Beteiligung eines bekannten hiesigen Tcxtil- industriellen„nd Handelsrichters begründete Firma befaßte sich in den ersten Jahren ausschließlich mit Errichtung der seiner Zeit viel- besprochenenI„Special-Restergcschäste", die auf denNamen Louis Grand. Schwager des Firmeniuhabers Behrendt, geführt wurden. Als das Gesetz gegen den unlauterei, Wettbewerb diese Art Geschäfte von der Bildsiäche verschwinden ließ, ging die Firma zum Engrosbetrieb über, für den aber die ihr zu Gebote stehenden Mittel Ivohl nicht ausgereicht haben, da sie starke Bank- und Warenkredite in Anspruch genommen hat. Ein letzter Versuch war die von Behrendt unternoniniene Hydra-Warenhausgriinduug, ivelche ei» klägliches Fiasko erlebt hat. Wie verlautet, beziffern sich die Verbindlichkeiten auf ca. 3 Millionen Mark, ivährend die Aktiven zur Hauptsache aus Guthaben bei hiesigen und auswärtigen Filialgeschästen bestehen. Man hofft, die Angelegen- heit im Wege einer außergerichtlichen Liquidation günstig regeln zu können. Auf der Flucht verunglückt ist vorgestern abend um V-Il Uhr die unverehelichte 24jährige Minna W. Die W. hatte mit einer Freundin zusammen eine Droschke engagiert und die beiden Mäd- che» benutzten den Wagen längere Zeit. Sie gaben schließlich deni Droschkenkutscher die Weisung, nach der Georgenkirchstraße zu fahren und dort vor dem Neumannschen Lokal zu warten. Die W. und ihre Begleiterin betraten das Lokal, verließen es aber sofort wieder durch eine Hintertür und entliefen nach der Gollnowstraße, um den Kutscher um das Fahrgeld zu prelle». Der Droschkenkutscher hatte jedoch die Flucht bemerkt; er verfolgte die Heiden und es gelang ihm auch, die W. einznholen. Um sich der ihr drohenden Festnahme zu entziehen, lief das Mädchen quer über den Fahrdamm und zwar so dicht an dem Pferde des betrogenen Kutschers vorbei, baß sie von dem Tiere niedergestoßen und dann überfahren wurde. Die W. erlitt hierbei so erhebliche Verletzungen an beiden Füßen, daß sie nach dem Krankenhause am Friedrichshain gebracht lverden mußte. Schwer verbrannt hat sich gestern morgen die 18 Jahre alte Bertha Höhnke aus der Bellermannstr. 83 zu Panioiv, die dort in der Kohleiizündcrfabrik von Olde u. Rüß in der Wollankstr. 41 be- schäftigt ist. Sie kam der Feuerung eines Kessels zu nahe, so daß ihre Kleider sich entziindcten und nn der linken Seite in Flamme» aufgingen. Brennend lief das Mädchen aus dem Räume heraus und rief ihre Mitarbeiter um Hilfe an. Bis diese das Feuer durch Ucberwcrfen von Decken ersticken konnte», war die Acrmste an der ganzen linken Körperscite vom Kopfe bis zur Hüfte herab schon schwer verbrannt. Man mußte sie mit einem Rettiliigswagen der Gemeinde»ach Berlin in die Eharils bringe». Befremdlichcrweise fehlte es in der Fabrik an dem erforderlichen Verbandzeiig, so daß das iingliicklichc Mädchen erst von Bauarbeitern, die auf dem Grund- stück beschäftigt waren, notdürftig mit Handtüchern verbünde» werden mußte. In, OmnibuS wurde gestern nachmittag gegen l'/e Uhr der Kaufmann Jakob Golde, der in der Großen Frankfurterstraße 20 ein Mamifaktilrivarengeschäft betrieb, vom Tode überrascht. Auf der Heimfahrt begriffen, brach er in der Rühe des Molkemnarltes im Omnibus plötzlich zusammen und vcn'ckied auf der Stelle. Man brachte ihn noch auf die Unfallstation V in der Brüderstraßc; aber die Acrzte konnten hier nur noch feststellen, daß der Tod bereits cingetreten war, verimitlich infolge eines Herzschlages. Die Leiche wurde in das Schauhaus gebracht. Daö Polizeipräsidium teilt mit: Am 31. August sind von München nach Unterschlagung von etwa 40 000 M.(darunter 23 000 in Tallsendmarkscheinen und 17 000 in verschiedenen deutsche» Bank- note») flüchsig gelvorden: 1. Franz Loibl, Bankgeschäftslehrling, gc- boren am 21. November 1822 in Ustcrlin(Bezirksamt Landau a. I.), 1,70 m groß, schlank, duukclbraun. kurz geschnittene, aufwärts gekämmte Haare, bartlos, rötliches Gesicht von gesunder Farbe, braune Augen, Plattfüße, steifer Gang mit vorwärts geneigtem Kops und 2. dessen Bruder Karl Loidl, Herrschaftsdiener und Schlächter, geboren am 4. November 1880 in Brunnbcrg(Bezirksamt Landau a. I.).(beide in Adldors(Bezirksamt Landau a. I.) behciniatetj, 1,08 Meter groß, untersetzt, kräftig, volles blasses Gesicht, blonde, kurze, auswärts ge- kämmte Haare, rasiert, vielleicht Schnurrbartanflug. steifer Gang. Beide sprechen Münchencr Dialekt und haben gute Manieren, beide sind des Radfahrens kundig. Die Münchencr Polizeidirektion setzt eine Belohnung von 4 Proz. des beigebrachten Geldes für Festnahme der Flüchtigen und Wiedererlangung des Geldes aus. Straßensperrung. Das Schöncberger Ufer vom Nampenfuß der Schönevcrger Brücke bis zum westlichen Einfahrtsthor des Potsdamer Güterbahnhofs ivird zum Zweck der Unipflasterung vom 4. d. M ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Das Märkische Provinzial-Museum ist wegen der Umzugs- arbeiten vom 4. September ab geschlossen. Die Wiedereröffnung im Hause.Zimmerstraß« 00" wird seiner Zeit bekannt gemacht werden. Tic Internationale Motorwagcu-Ansstelluna Berlin I8VS Ivird heule mittag 1 llhr eröffncl lverden. Der Entritlspreis be- trägt 2 M., von' 3 Ubr an 50 Pf Die Ausstellung ist nach dem fertig vorliegenden Katalog von 120 Ausstellern besucht. Hiervon entfallen auf' Deutschland 81, auf Belgien 4, ans Frankreich 14, auf die Schweiz 2. Die Zahl der angemeldeten Motorivagen beträgt etwa 150. Urania. Das Ausstattungsstück der Urania„Das Land der Fjorde", welches weit über 200 Ausftthrungcn erzielte, wird heute die letzte Sonntags- aiiffÄhrung erleben, dann aber nur noch a>n Montag und DienStag wiederholt werden.— Am Mittwoch spricht Herr Professor Müller über„Vor- iveltliche Tiere", am Donnerstag wird der Vortrag„Rciseskizzen ans dem Orient, eine Erinnerung an die offizielle Festfahrt auf der Mitternachtssonne nach Jerusalem" wiederholt, imd ain Freitag wird Herr Dr. P. Spies seinen Experimentalvortrag„Eine tausendstel Sekunde" noch einmal halten. Am Sonnabend findet die erste SfielitUche Ausführung des neuen dekorativen Uraniastückes„Der Sieg des Menschen über die Narnr" statt. Tus Mctropol« Theater lebt sich flott und frisch ins Spccialitäteiifach ein und es scheint, daß Herr Direktor Schultz wenig Ursache hat, wehmütig der Zeiten zu gedenken, wo er nach Ans- stattungs-Operetrcn. Soubretten und Komikern ersten Ranges Um- schau halten mußte. Die Revue„Berlin lacht" mit ihrem Presse- bnllctt zieht noch immer, trotzdem sich hier und da ein Schlager schon etwas antiquiert ausnimmt. Doch schrumpft ihre Bedeutiiiig im Programni allmählich zusammen und die Herrschafte» vom Brettl werden sich über kurz oder lang wahrscheinlich die ganze Bühne erobern. Schon heute treten im Metropol-Theater eine Anzahl namentlich weiblicher Kräfte ersten Ranges auf. Herborzuhcben ist das Tanz-Terzett Reyband, die Daincffs, ein gewandt arbeitendes Ensemble von sechs Damen, die Soubrette Alice Bonheur, die Drahtseilkünstlerin Jamina und vor allem die Französin Jane Picrich. die eine hübsche Scene„Ein Tag ans dem Leben einer Künstlerin" soivohl in der Mimik wie im Gesänge mit decenter Grazie darstellt._ Ans de» Nachbarorten. Von der Lokalkommission in Spandau erhalten wir folgende Zuschrift: Der Boykott gegen die Pichclsdorfer Brauerei ist durch Beschluß der Spandaner Parteiversamnilung am Freitag wieder auf- gehoben worden, nachdem die Leitung dieser Brnncrei der Spandauer Arbeiterschaft den Umständen nach zufriedenstellende Zilgeständnisse gemacht hat. Dieses bringen wir hiernnt zur öffentlichen Kenntnis I Die Lokalkommission in Spandau. I. A.: Werner. Schöncbcra. Der Arbeiter-Bildungsverein tagt Montagabend 8 Uhr bei Obst, Grunewaldstraße 110. Vortrag des Herrn Dr. Schütte über Graf Mirabeau. Schmargendorf. Dienstagabend 8V» Uhr findet die Ver- sammlimg des Arbeiter-Bildungsvcreins im„Wirtshaus Schmargen- darf" statt. Tagesordnung: Vortrag über Ferdinand Lassalle.- An die hiesigen Parteigenossen richten wir die Anffordming. zahlreich zu erscheine» und' sich Mann für Mann dem Verein anzuschließen. Der Vorstand. Wilmersdorf. In dem gesperrten Victoriagarte n (früher Herzsprung) feiert der hiesige Turnverein heute sein Ssiftungs- fest. Die organisierten Arbeiter lverden selbstverständlich diesem Ver- gnügen fern bleiben. Die Lokalkommisston. Pankow. Die nächste Vereinsversammlung des socialdemo- kratischen Arbeiterbereins findet am Dienstagabend VW Uhr in Störrs Gescllschaftshaus, Mühlenstraße 24. statt. Ans der Tages- ordnnng steht Vortrag über: Wie tritt man dem religiösen FnnatiS- mus entgegen? Der Arbeiter-Bilduugsverein fiir Mariendorf und Um- gegend hält diesmal ausnahmsweise am Mittwoch eine Mitglieder- Versainnilimg im Lokale des Herrn G e r t h in Tempelhof ab, in welcher Genosse Mark Wald über„Die Jndenfrage" sprechen wird. Das gemütvolle Märchen Pom Mästen bon Arbeiter- groschen, das die Schweinburgs, Buecks und andere„bezahlte Agitatoren" des Kapitalismus mit Vorliebe über die socialdemo- kratischen„Führer" kolportieren, scheint auch allmählich bei den Komniunalvcrwaltungen Eingang zu finden. Vor einigen Tagen er- hielt unser Parteigenosse F a b e r in Köpenick bon der dortigen Einschätzungskonmlission die Nachricht, daß das Jahreseiilkommeii, das er aus der socialdeinokratischeu Agitation beziehe, auf 600 M. bewertet worden sei. Selbstverständlich wird Faber gegen diese Eiii- schützung Einspruch erheben, doch soll er unserem Vernehmen nach bereit sein, auf gütlichem Wege die 600 Mark Arbeitergroschen für ebenso viele Pfennige den Herren von der Einschätzungskommission zu überlassen. Schöneberg. Der Gcflügeldieb, der vor einiger Zeit die ge- samten Hühner und Tauben des Restaurateurs Panzer in der Sponhokzstraße stahl, ist in der Person des Schlossers Paul M., Wiclaiidstraße 23 wohnhaft, von der Schöncberger Polizei verhaftet worden. Bei der vorgenommenen Haussilchung brachte man noch zwei lebende Hühner zu Tage. M. ist geständig und giebt an, die übrigen Tiere verkauft zu haben. Die Denunzianten an der Arbeit. Von„mehreren Bürgern" wird in der„AdlerShofer Zeitung" folgendes Eingesandt verösientlicht: „Das kgl. LandratSamt des Teltower Kreises fragen wir hierdurch crgcbeiist an, ob ein Genicindevorsteher sich strafbar(I) gemacht hat, nachdem er einem Socialdemokraten bei der Wahl von Kreistags-. Wahlmännerit seine Stimme gegeben hat. Mehrere Bürger, ivelche nicht den, Umsturz huldigen." Der Gemeiiidevorsteher soll, was wohl immerhin noch zu bezweifeln ist, für den socialdeinokratischeu Geinciiidevertretcr Laube seine Stimme abgegeben haben. � Und darum Rauher und Mörder in einer Zeit, wo selbst preußischen Landräten die uliglaubliche Ehre zu teil wird, auf einer Proskriptions- liste zu prangern Tie Verstaatlichung des Victoria- Gyninasiums und des Realgymnasiums zn Potsdam wurde am Freitag auf Antrag des Magistrats von der dottigcn Stadtverordneten-Versammlung in nicht öffentlicher Sitzung beschlossen. Die Stadt hat fernerhin für das Victona-Gymnastnm 34 000 M., für das Realgymnasium 30 000 M. jährlichen Zuschuß zn zahlen lind stellt für den Neubau des letzteren das bereits angekaufte alte Kascrnriigrlliidstiick an der Ecke der Brandciibnrger Kommunikation, unweit des Parks von Sanssouci, der Regicrn'ng. welche für den Neubau 250 000 M. bewilligt hat, kostenlos zur Verfiignng. Dafür verbleibt aber das bisherige Gc- bände des Realghinnasiuuis am Kanal in städtischein Besitz. GovMzts- ÄoikmrS. Durch bittere Not ans Abwege geraten ist der frühere Student der Theologie Joh. L., ivelcher gestern unter der Anklage der Urkundcnsälickiung und des Betruges vor der ersten Ferieustrafkaiilmcr des Landgerichts l stand. Ter Angeklagte hat seine Studien ani- geben müssen, weil seine Eltern vermögenslos wurden. Er war plötzlich darauf angewiesen, sich selbst zu ernähren. Daß dies für ciiicn Menschen, der bisher dem praltijche» Leben fern stand, keine leichte Aufgabe war, hat der Angeklagte erfahren müssen. Es blieb ihni schließlich nichts anderes übrig, als Bersicherungs- agcnt z» werden. Für jede abgeschlossene Versicherung sollte er einen bestimmten Prozentsatz von der Versicherungssumnie erhalten. Der Angeklagte verstand es nicht, auch mir einen einzigen Kündest zu er- iverbeil. Er ivolltc seine Unfähigkeit dem Generalageiiteii gegenüber nicht eingestehen, weil er befürchtete, entlnffcii zu werden, auch war er völlig' mittellos. Da erlag er dainl der Versuchung, er fälschte eine Anzahl Versichcruilgsaiiträge und erhielt darauf Vorschuß. Der Gerichtshof billigte dem Aiigcklagteu mildernde Umstände zu und verurteilte ihn zu einem Monat Gefängnis. Weil er daS Vermögen der Lftiappschaftö-Bernfsgenosseil- schaft zu schädigen versucht hat, ist von der Bochinner Ferien-Straf« lau, nier der Schmied Joh. Peotrowski aus Hochlar zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt worden. P. hatte bei Ausübung seines Be- rnfes auf einer Zeche eine Verletzung deS AngeS erlitten. Er bekam niifäiiglich daraufhin 15 Proz. Rente, die ihm später auf 10 Proz. herabgesetzt wurde. Die hiergegen eingelegte Berufung stützte er mit der Angabe, daß er an dem verletzten Auge daS Sehvermögen verloren habe. Da aber ein Dr. Werner in zwei Untersuchungen festgestellt hat, daß das Schvermögcii des verletzten Auges nur teil- iveise gefährdet gewesen sei, wurde die Herabsetzung für gerechtfertigt erklärt' lind deni P. obendrein der Prozeß wegen oben genannten Vergehens gemacht._ VevMtMlvSs Im Rordscebadc Amrum ist eine Typhnsepideulie auS« gebrochen, die ihre Opfer, ivie es scheint, hauptsächlich unter den Kindern sucht. Die„Berl. Klinische Wochenschr." schreibt darüber: „Eine Reihe von Kindern sind, wie wir hören, teils am Orte selbst. teils ans der Rückreise an einem„fieberhaften Magendarmkatarrh" erkrankt, der euphemistisch als„Nordseefieber" bezeichnet wurde. Von ärztlicher Seite ivnrde der typhöse Charakter dieser Fälle festgestellt nnd der Ortsbehörde Anzeige erstattet. Ob diese Veranlassung gefunden hat, daraufhin irgend welche sanitären Maßregeln und hygienische Anordiiunge» zu treffen, wissen wir nicht. Thatsache ist, daß zur Zeit hier in Berlin allein unseres Wissens fünf Kranke an aus- gesprochenem, zum Teil sehr schwerem Typhus liegen, die bereits krank von Amrum abgereist sind. Durch eine bei den während der Schulferien auf Amrum geweseneii Eltern angestellte Umfrage sind im ganzen 17 derartige Fälle ermittelt, obwohl naturgemäß nur ein kleiner Teil der in Frage kommenden Badegäste um Auskunft ge- beten lverden konnte. Auch einige der auswärtigen Fälle sollen recht schwer gewesen sein. Der eine der von u»S beobachteten stand einige Tage so, daß man stündlich den tötlichen Ausgang be- fürchten mußte. Es ist jetzt im Anfang der vierten Woche. Ob noch neue Erkrankungen vorgekommen sind, und Ivelches die Ursache dieser Epidemie ist, entzieht sich unserer Kenntnis. Es liegt ja am nächsten, an die Wasserverhältnisse zu denken, ivobei es aber auffallend bleibt, daß die Epidemie nur Kinder betroffen hat. Angeblich soll die Infektionsquelle auf ein dortiges Hotel zurück- zuführen sein, in de»» thatsächlich Senkgrube und Brunnen und Müllgrube fast unmittelbar neben einander liegen". Die Ver- tnschungsversilche find sehr zu tadeln. Mit Recht verlangt die„Berl. Klin. Wochenschr." eine strenge Untersuchung der Vorgänge. In Wien ist gestern morgen die Witwe des Rechtsanwalts Dr. Hrossinagg mit drei Schußwunden anfgefunden worden. Der bei ihr wohnende Bruder, Rechtsanwalt Dr. Schiestl, ist verschwunden. Gegen ihn richtet sich der schwere Verdacht der Ermordiing seiner Schwester. Es wird geglaubt, daß er Selbstmord begangen bade. Zrnviirfiiisse in VelnwgcnSaiigeltgciihcitcn»vcrdcn hinter dem Familiendrania vermutet. A»S Bern wird»emeldct: Als Freitagucichmittag die deutsche Fnniilic Rauh zwischen Engelbert und Grafeilrico eine Spazierfahrt zu� Wagen machte, scheute das Pferd vor einem herannahenden Eisenbahnzug. Der Wagen wurde einen Abhang hinunter» geschleudert. Bon den Insassen blieben Frau Rauh und ihre Tochter sofort tot. Der Ehemann Rauh sowie der Kutscher des Wagens blieben unverletzt. Mord ans Profitwut. Aus Brüssel wird der„Voss. Ztg." berichtet: Es ist lürzlich von einem Gerüchte Erwähnung gethan worden, wonach auf den» belgischen Dampfer.Albertstadt", der den Dienst zwischen Antwerpen und dem Kongo versieht, ein a b s ch e u» licheS Verbrcchen verübt worden sein soll. Aus Anweisung des Brüsseler Generalstaatsanwalts hat der Antwerpener llntcr- luchllngsrichter Veraes eine Untersuchung eingeleitet, die sehr be» la>tc»de Ergebnisse geliefert hat. DaS Schiff hatte zwei an an- steckender Krankheit schwer erkrankte Farbige an Bord: sie wurden in eine mit Segeltuch bedeckte Schaluppe gelegt, die der Dampfer bugsierte. Um der lästigen Quarantäne in Accra zu entgehen, wurden um die Mittagszeit, als alles bei Tische und die Brücke vcr- lassen war, die Farbigen auf Befehl der Offiziere in das Meer ge- worfen. Die Farbigen suchten sich an den Lustlöchern de« Dampfers anzuklammern, um dem Tode zu entgehen, aber sie wurden mit Gewalt gezwringen, loszulassen, und als sie sich an einem Seile an- klammerten, wurde es abgeschnitten. Fahrgäste und Leute der Bc- sntzung haben diese Vorgänge bemerkt. Der Kapitän deS Dampfers ist, nachdem� die Sache ruchbar geworden, vcrschivunden. Zivel frühere Offiziere dieses Danipfers werden gerichtlich belaugt. DaS Schiffsbuch enthält nichts über alle diese Vorgänge, die in Antwerpen und Belgien das peinlichste Aufsehen hervorrufen und setzt daS gerichtliche Nachspiel finden. Ueberschwemmung in Japan. Wie daS„Bur. R-ntcr" aus Uokohama meldet, sind bei einer lleberschwemmung deS Kupfer- bergwerkS in Beshi Thikokn(?) 600 Personen umS Leben gekommen. Räch Rachrichte«, die durch einen Postdampfer von Dokohama nach San Francisco gebracht wurden, brach in Dokohama am 12. August ein großes Feuer aus. Innerhalb eines Flächenraumes von einer Quadratmcile wurden sämtliche Gebäude zerstört, 16 Per- sonen sollen bei dem Brand« umgekommen sein. Die abgebrannten Häuser waren meist kleine, von Eingeborenen bewohnte Gebäude. Durch den Brand wurde Schaden in Höhe von b Millionen Dollar lgerichtet.- «vtl, er, inaSübersicht vom 2. September 1809, morgeus 8 Uhr. Wetter> Prognose für Sonntag, den 3. September 1899. Ziemlich tühl, zettioeisr ausklarcnd. vorwiegend noch trübe, mit leichten Regenfällen und mäfcigen westlichen Winden. B« rlioer Wetterburean. a»i Wetter Z bebeckt wollig �bedeckt 2 Regen b, voltig - jhlb.bed JK «•-. ü II Stallone» Hoparanda Petersburg Eork «berdeen Paris Ii h Z- 754 ONO 756 SB 762,28 760 SSW o«Belle v l'bederft wollig 1. bedeckt 2hlb beb 5 li fiA Marktpreise von Berlin am I. September 1899 »ach Ermittelungen deS tgl. Polizeipräsidiums. »)WeIze» D.-Ctr. ')Roggen Kuttcr-Gerfie„ Haser gilt . mittel, . gering Nichtstroh He» s)Er«fe» i'sSpcisebohiie». 1)Ll!.se» Kartofscln, nene Niudfleiich, Kenle 1 kg do. Bauch. *) Ermittelt pro »laiiunern— N 15,60 14,70 IZ.Zv 15,20 14,60 14,- 4,50 6,70 40,- 50,- 70,- 8,— 1,00 1,20 Tonne 14,70 13,00 12,70 14,70 14,10 13,50 4,16 4,- 25,- 25,— 30,- i- 1,20 1,- von der Schweinefleisch Kalbfleisch Hammelfleisch Butter m Eier Karpse» Aale Zaiider Hechte Barsche Schlei« Bleie Krebse IKj; 60 Stück 1 kg per Schock 1,60 1,60 1,60 2,80 4- 2,40 2," 2,00 2,40 1,80 2,50 1,40 12,- 1;: 1,- 2,- 2,20 1,20 1,20 1,20 1,20 0,80 1,20 0,80 2- Ccnlralflelle der Preuh. Landwirt- sür de» Doppcl-Centner. ' MWP I"■ I oUcruugSslelle— und umgerechnet vom Polizelpräfldliiui 's) KleinbaudelSpretse. P r o d u l t e» ni a r t t vom 2. September. Welzen war durch starkes JnIaudSangebot und Septembeuealllotimien der Kommissionäre gedrückt und setzte etwa 1 M. unter gestern ein. Nach Erledigung von Realisationen trat wieder einige iiauslust in den Vordergrund und der Artikel lvnnte seinen gestrigen Preisstand beinahe wieder erreichen. Roggen blieb durchschnittlich 0.25 M. unter seinem letzten Niveau. Auch Haser war etwa? schwächer.— Am Spiritusmarlt waren die Umsätze ans ein Minimum beschränkt. Am Markte waren mir 5000 Liter, welche mit 43.60 M.(unverändert) ge- hande.'It wurden. Termine gaben tu, Preise 0,10 M. nach. Städtischer S ch l a ch t v i e h m a r kt vom 2. September 1890. Zun, Verlaus standen i 4174 Rinder, 952 Kälber, 16 648 Schase, 7645 Schweine. Bezahlt sür 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen: a) voll- steijckige, ausgemästete, höchsten Schlachtwertes, höchstens? Jahre alt 62—67, b) junge fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 57—61. c) mähig—''----------■ 6) gering genährte Schkachtwertes 60- ältere 54—58, v) gering fleischige, ausgemästete fleischige, ausgemästete l genährte junge und gut genährte ältere 52-55, ' seden Allere 48- 50.— Bullen i») vollfleb'chige höchsten -65, b) mähig genährte lüngere und gut genährte »3 ältere ausae! Kühe und Färsen 51—52, ck) mähig' o) genährte 47-50.— Färsen und Kühe: a) voll- Färsen höchsten SchlachtwcrtS——, d) voll- Kühe höchsten Schlachtwerte« bis zu 7 Jahren ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere genährte Kühe und Färsen 48—50, s) gering genährte Kühe und Färsen 45—47.— Kälber:-0 feinste Mast- tälber(Vollmilchmast) und beste Saugkälter 70—72, d) mittlere Mastkälber und gute Saugkälber 66—68. c) geringe Saugkälber 62—65, d) ältere, gering genährte Kälber(Fresser) 40—48.— Schase:») Mastlämmer und jüngere Masthanimel 61—63, d) ältere Masthaminel 65—59, c) mähia genährte Hammel und Schale(Merzschase) 47-53. 6) Holsteiner NiedeningS- Ichnfr(Lebendgewtcht) 25-30.— Schweine:») vollfleischige, tker feineren Ralfen und deren Kreuzungen im Alter btS zu!>/. Jahren 50—51, b) Käser 48—49,«) fleischige 49—50, d) gering entwickelte 47—48;«) Baum 44—46. Verlauf und T enden? i J. Das Rindergeschäft wickelte sich langsam ab;«S bleibt Ueberstand. Der Kälberhandel gestaltete sich ruhig Bei de» Schefen char der Beschästsgong langsam; es bleibt grober Ueberstand. Der Schweiiiemarlt verlies ruhig und wird voraussichtlich geräumt. Schwere feste Ware war vernachlässigt. Opern Theater. Alle Abende: Di« FledermaiL Reue« Königliche«.■.■ Alle Abende: Der Mikado.(!cntralM. Ben and nach Auherh, ab Fabrik. Mustcrb, gratis, Theilzahlnng gestattet, Woche 1 Mk, f. Begann. �.7»' Telephon: Amt VTIa straft« 58, 1.«tage, Nr, 6705 «elttfte» Geschäft Berlin*. Die als Reiiemuster benutzten Damen-Kostsimröcke von 4,50-8 M,, JackeN'Kosiüme von 6—18 M,, Golscapes. Stand- uStegenmüutrl von 4,50—15 M. stelle am 4. und 5. September zum Einzelverkauf, Horita«hutaeb.Taubrnst, 23,11. M«M(ÄÄ m, Bier 80 Pf, KBpenlokerstr. 35a. Miihlenstr. Nr. 8 nah« Qderbanm. Schlesischem Bahnhof und«arschauerstraste. sind zum 1. Oktober noch 2 iteund- liche Hofwohuungen für 20 M. und 22 M, pro Monat zu venitieten. Näheres daselbst beim Verwalter. Achkung!'MU ffM' Artzkung! Arbeiter und Arbeiterinne» Moabits. Montag, den 4. September 1899, abends 8>/z Uhr, im Lokal von C. Fischer, Bcusselstr. 9 s Große össeiitlichk Nersammlung aller Fabrik- und gewerblichen Hilfsarbeiter«. Arbeiterinnen. Tages-Ordnung: Vortrag des Genossen Adolf HofTniann über:„Modernes Raubrittertum«. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 64/8 Arbeiter und Arbeiterinnen! Wollt Ihr nicht, dah Eure Lage eine immer schlechtere wird, so ist es Eure Pflicht, Mann für Mann in dieser Bersammlung zu erscheinen. Ganz besonders werden dt« Arbeiter und Ar- beiterinnen, welche in Mörtelwerken, Cichorien-, Chokoladcn-, Pappen-, Seifen- und Gummifabrikeir beschäftigt sind, zu dieser Versammlung ein- geladen._ Der Eiuberufer: E. Schumann, Frauen- und Mädchen-Bilduugsverein zu Rixdorf. Donnerstag, den 7. September 1899, abrnds SV, Uhr, ÜV** Versammlung im Apollo-Theater, Hermannstr. 49—69. Tages-Ordnung: Vortrag de» Frl. Ida AUmann über: ÄoetheS Glauben und Dichte». Gäste willkommen. 3/8 ___________ Der Vorstand. � chtnng!"WZ Eff" Ächtung! Kohl eil arbelter und Kutscher. Sonntag, de« 8. September, abends S Uhr: Große öffentliche Versammlung im Fasllschea Garten, Alexanderstrasse 27c. Tages-Ordnung: i. Bericht der Lohnkommission und die weiter zu unternehmenden Schritt«. 2. Diskussion. Kollegen! Es gilt durch zahlreichen Besuch dieser Bersammlung zu zeigen, dag die Kohlcnarbeiter gewillt sind, endlich mit der Aufbesserung ihrer Lage ernst zu machen. Deshalb ist es Pflicht jede? Kollegen, pünktlich da zu sein. Ausreden giebt e» für diesmal nicht. Wer Nicht kommt, der ist es nicht wert, den Namen Kollege noch länger zu tragen. Alle, alle Mann müssen erscheinen. Die Herren Arbeitgeber sind zu dieser Versammlung hiermit eingeladen. 67/10 Di« Lohnkommisston. Achtung! Bautischler. Tonntag, 8, September, mittags 1 Uhr. in WitteS Volksgarten, tu Wilmersdorf: Oeffeatliche Versammluug der Zahlstelle» Lljoneberg, CharlotteilbUg, Tttglij villi WilmtrSdors. TageS-Ordnung: 1. Unsere Errungenschaften durch die Lohnbewegung und wie erhalten wir dieselben? Reserent Kolleg« Bl.tok. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Pflicht eines jeden Kollegen ist es, zu erscheinen. IVS/IS. ____ Per Elnbcrnfer: Karl Meyer. Achtung! Putzer. Achtum! Montag, de« 4. September, vormittags 19 Uhr,»et Stechert, Andreas.Strasse 21: Geffentl. Uersammlnng der Puffer Verlins und der Vororte. Tages-Ordnung: 1. Wolle» die Putzer den ihnen vom Arbeitgeberbund zu- gesandten Arbeitsvertrag annehmen k 2. Der Veschluss der General-Bersammlung des Arbeitgeber dundes auf unsere Forderung und waS gedenken die Putzer zu thu»? Sollegen, jeder Putzer, der nicht gewillt Ist, unter diesen entehrenden Zumutungen de» Arbeitgeberbunde» zu arbeiten und Arbeit abzuschliebea, mub in dieser Versammlung erscheinen. Kollegen, Eure Menschenwürde verpflichtet Euch, nicht zu'fehl« "7» Die Lohnko 191 ilcn. le l.ohnkoinnilsslon der Pateer Berlins. Achtung, Kistenmacher! Montag, den 4.>. M., abends 8'/> Uhr: Grotze öffeiltl. Versammlung bei Steehert, Andreasstrasse 21. TageS-Ordnung: 1. Unsere Stellungnahme gegenüber der GewerkschastSkommission betreff» de» neuen Abstimmungsmodus. 2. Unsere zukünsttge Taktik bei Lohn« preittgkeiten. 3. Bericht der Lohnkommisston. 4. Verschiedenes. 93/13 Um zahlreiche» Erscheinen ersucht Der Vertrauensmann. ichtniig I Tapezierer. ichtang I Montag, den 4. September, abends 81/» Uhr: Versammlung beider Filialen Plllnle Kord, Brunnenstr. 188 bei KUmann, Filiale Süd, Lindenftr. 106 bei Znbell. Tagesordnung in beiden Versammlungen: 1. Der gegenwärtige Stand unserer Lohnbewegung. 2. Diskussion und Verschiedenes. 178/3 m 3iW Achtung! Umstände halber finden die Versammlungen schon am Montag statt. Deutsciiki' Holzarbeiter-Verband. (Zahlstelle Berlin.) Montag, de» 4. September, abends 8V« Uhr, bei Cohn, Bcnthstrasse Sv-SI, IV Ptck'MllSWlllltt der Kantifchler. Tagesordnung: 10S/1S Der Verlauf der Bautischler-Lohnbewegnng. Jede Werkstatt muh vertreten sein._ Die Ortsverwaltung Parteigenossen Berlins! Dienstag, de« 5. September, abends 8 in: 6 öffentl. Yersammlnngen der Parteigenossen nnd Genossinnen. 1. Kreis: Feuersteins oberer Saal, Alte Jakobstr. 75. 2* Kreis: Frledrlchstüdt. Kasino, Friedricbstr. 236. 3. Kreis: Arminhallen, Kommandantenstrasse 20. 4. Kreis: Stecherts Festsäle, Ändreasslrasse 21. 5. Kreis: Schwelzerg�arten, Am Friedriehshain. 6 Kreis: Kösliner Hof, ROsllnerstrasse 8. Tages-Ordnung: 1. Die bevorstehende Konferenz für die Provinz Brandenburg. Wahl von Delegierten. 2. Der Parteitag in Hannover. Wahl von Delegierten zu demselben. Um zahlreichen Besuch der Parteigenossen ersuchen 220/2 Dir Vrrtraurnsletstr. Verbnnd der Gravenre». Wlenre. Dtenstag. den 5. d. an., abendd 8'/, Uhr: Flilal- V er sa in ml ung: im.Dresdener«arten-. Dresdenerstrafte Nr. 4S. Tage»- Ordunng: . r Geschäftliches. 2. Vortrag über:.Das Juvalidttäteverstcherungs- Ae>etz.» Reserent: ReichstagS-Abgeordneter Prlts Znbell. 3. DlS- wssio». 4. Verschiedenes. 74/17 Um zahlreiches Erscheinen bittet Der Vorstand. FVI. Wahlkreis und Reinickendorf! Sonntag, den z. September er.: Lassalle-Feier arrangiert von den Cocilllbtmokrateil des K. Verliner Mhlkreists u) Rtimcktilbors in folgenden Lokalen: Mierkes Gesellschaftsbaus, Schönhauser Allee 101/102. Jägerhaus, Schönhauser Allee 103/104. Zimmermanns Klubhaus» Badstr. 58. Marienbad, Badstr. 35/36. Wirtshaus am Brocken(Reinickendorf-West), Tegeler Chaussee(am Chausseehaus). Moabiter Gesellschaftshaus(Peters), Alt-Moabit 80/81. Konzert- Gesangs•iollUhruDgen.- Vorträge.- Lebende Bilder. Tarnerische Aulfilhrungen.- Volks- n. Kinderbelustigungen aller Art. a. Alle» Nähere die Vrogrammtz Die Kasseeküche steht den geehrten Damen von nachmittags 2 Uhr zur Verfügung. Ansang de» Konzert» 4 Uhr.- BilletS 20 Pf.- In dm Sälen: T an■, Herren, welche daran teilnehmen, zahlen 60 Pf. nach. Um recht zahlreichen Besuch aller Genossen und Genossinnen bitten, da wir diese» Jahr das Fest besonders ausgestaltet haben DaS Komitee. Herllner Boek-Brauerel Sonntag:, den lO. September: Unter Mitwirkung der Gesangvereine „Senefeider",„Solidarität" „Typographia" Arbelter- Radfahrer-Vcreln lTorwttpts"-B. ©Yg) Gr Grosses Konzert. Olk-Trio. Speciaiitäten. Tanz. Eintritt M Pf., Kinder frei. Anfang 4 Uhr. Die Kaffeeküohe tot von 2 Uhr an geöffnet. 35/20 Arbeiter-Sängerbund Berlins und Fmgegend. Sonntag, den 10. September, vormittags prac. 10 Uhr, im Nebensaale der Brauerei Friedrichshaim iP Ausschuss-Sitzung."WU Tagesordnun! 3. Verschiedenes lung; 1. Aufnahme von Vereinen. 2. Der Beschlust der austerordentlichen Generalversammlung. — Die Wichtigkeit der Tagesordnung erfordert daS Erscheinen sämtlicher AuSschustmitglieder. Her Ver«t«»nd. ME. Die Vereine werden aufgefordert, vom Sängersest abzurechnen. .Ä.rlZSi.tSivSlsI�:rstar I Am 1. Januar wird in vre»la« ein Arbeiter-Sekretariat eröffnet. Bewerbnngm um dm Postm deS Sekretär? sind biS zum 30. September unter der Chiffre«. Ii.». an Emil Menklrok in Breslau. Ztzriedrichstr. 7S, ewzusendcn. Angaben über die bisherige Thätigleit der Bewerber erwünscht,«nfangsgehalt jährlich 2000 Mark. 23SSL' m o nei scimu;, Reichenbergerstr. 5. Auch Theilzahlung I(* Posamentiere. Dienstag, den 5. d. M.. abends 8>/- Uhr, im Lokale de» Herr» Eneelilng, Rossftr. 9, Grohe öffentliche Versammlung eUmtlleker Im der Peaenientlerkraneke beachttftlgten Arbeiter nnd Arbelterinnen. TageS-Ordnung: 1. Bericht der Lohnionmrtssion: Dt« Verhandlung«» mit dm Meistern. 2. Dtskusfion. DM" Es ist Pflicht eines jede» Lollcam zu«scheinen. i»ie Lohnkommisston. I.«.: Krttz Bngn. Kinderwagen, », S, Gummiräder I2M., vernickelt lb bis«VMk. Kinder- .wltstell. von 3 Mk., Kindertlapvstühle, Sport-«.Puppen- wagen, bin. 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Die Leipziger Zeitschrift für Instrumentenbon, offizielles Organ der Berufsgenossenschaft der Musikinstrumenten- Industrie, des Vereins deutscher Pianoforte-Fabrikanten, des Verbandes deutscher Klavierhändler, des Vereins deutscher Orgelbaumeister und des Vereins Deutscher Musikwerke- Fabrikanten nennt mich in verschiedenen Mahnrufen einen unerhörten Klavierschleuderer und fordert die Fabrikanten auf, sieh mit den Händlern zusammenzuscharen, um den Kampf bis aufs Messer aufzunehmen gegen den von boshafter Tücke geleiteten Jacques Eaphaäli, der sich unterfängt, den bis dahin blühenden Klavierhandel durch seine Klaviersenleuderei total zu ruinieren. Das Blatt wiederholt in einem wieder auf Abonnentenfang zu- gestutzten Artikel vom 21. Juli er. seine Rodomontaden und roht sogar mit dem Staatsanwalt, weil ich so billig verkaufe. Die Zeitschrift hat recht, ich will den Wucher, welcher vielseitig mit den Klavieren und Flügeln getrieben wird, abschaffen und verkaufe Instrumente in erstklassigen Fabrikaten 3. 4, 5 blw 70« Mk unter den jetzt üblichen Preisen. Darum muss diesem boshaften dos Handwerk gelegt werden. 2. Der Direktor einer der grössten Aktiengesellschaften für Fahrradfabrikation in Dresden und Chemnitz*) offerierte mir Anfang dieses Jahres 500— 1000 Räder und schickte mir ein Muster- rad. das äusserlich gefiel. Trotzdem musate ich diese Offerte zurückweisen, weil ich erfuhr, dass bei dem Ankauf von circa 200 dieser Räder seitens eines hiesigen Grossisten sich eine im Verhältnisse grosse Zahl Rahmenbrüche gezeigt und die Gesellschaft einen Ueberfluss von Mangel an Coulanz bekundet hatte. Der Herr Direktor liess mir beim Abholen des Rades durch seinen Vermittler erklären, er verkaufe an mich überhaupt zu'bek�nnt'sei 6 als�r�sser FülirradSClllCUtlerer. 3. Einen hiesigen dunklen Lampenfabrikanten*) ersuchte ich im Dezember vorigen Jahres, mir Anstellung in Laternen zu machen. Ich interessierte mich für eine ähnliche Laterne, die ich jetzt unter dem Namen„Kaiserwelt''-Lateme feiUjiate. Es wurde mir eine Offerte von dem dunklen Fabrikanten üoerbracht, aber unter der Bedingung, mich zu verpflichten, bei einer Konventionalstrafe von ca. 1000 Mark für jeden Uebertretungs- faU die Laterne nicht unter 12.5« Mk. zu verkaufen. Ich lohnte dieses Auerbieten ab, gab einer Aktiengesellschaft einen sehr bedeutenden Auftrag und verkaufe jetzt die erheblich verbesserte Laterne statt für 12.5« Mk. für nur 0,5« Mk., ich der unerhörte Lslei'nenselileuüel'e!'. 4. Bei der Begründung meines heutigen Geschäfts vor etwa 4 Wochen ersuchte ich einen Phonographenfabrikanten*) um Offerte bei einem jährlichen Umsatz ca. von 10 000 Stück. Es wurde mir von Seiten der Firma— nennen wir dieselbe etwa Chopin& Flug— mitgeteilt, dass die Herren sehr gern bereit wären, mit mir in Verbindung zu treten, nur möchte ich die ♦) Nähere Angaben stehen auf Wunsch zur Vorfügung. Oer gpoeee Scbleuderer ausserordentliche Güte haben, mich nach Ihrem Comptoir zu bemühen, weil ihre Apparate nicht—! transportfähig!— seien. Tags darauf belehrte mich ein Geschäftsfreund, der Agent und Exporteur ist. die Verbindung zu unterlassen, da er auch mit einigen dieser wunderbaren, nicht transportablen Apparate hineingefallen sei. Ich lehnte ab, und die Folge war, dass die Herren Chopin& Flug sich sofort an ihre Berliner Kollegen wandten, an mich keine Phonographen zu liefern. da ich wie auf allen Feldern der Industrie, so auch auf diesem als Phonoyraplieuschleuderer auftreten werde. Zu Dutzenden könnte ich ähnliche Angriffe auf unerhörieSchleuderel werten Lesern genügen wird.] kaufe reelle Waren billigst und bin nicht im stände, für Gegenstände, die ich verkaufe, das Doppelte und Dreifache zunehmen, aus einer bedeutend billiger wie ans KonkufNiiiaMsen. Fabrikate 1. Knneciu, 300— 4ÜO M. unter bisherigen Preisen.— in Nussbaum— kreuzsaitig auf Eisen— mit voller gespachtelter Panzerplatte— 7 Octaven— Elfenbein-Klaviatur— vollem gesangreichem Flügelton— Unterdämpfung(Syatcni Stein wuj-X ew York)— mit massiven Säulen und reizenden Phantasie-Kapitalen gekrönt. 120 nnd 128 cm liovfa. das Stück 325 Mk. bis 375 Mk. Allerneueste Konstruktion. Fabrikant in Konkurs. Ferner Konzert- IManinoN allerernten Kanten, 138 hoch, mit massiven Säulen, von korinthischen Kapitalen gekrönt, in altdeutsch und Renaissancestil(Handschnuzeroi), die Ecken der Füllungen älaGrecque verziert, ferner mit gestochenen Füllungen. Doppel- leuohtern etc., gekröpfter Decke, statt 850 Mk. für 435 Mk. Iflovior Caccol w'e dieselben meistenteils mit 25 Mk. nlailCl'«CaaCl, verkauft werden, bei mir das Stück nur 10,50 Mk. Ein Slulzliigel 676 erbaut, stand 3/t Jahr im Magazin, ist tadellos im Ton, Ausstattung und Material, und repräsentiert den doppelten Wert. —---||�- ,el� Patee-Räder, Ich offeriere Pianinos Liquidation Kleinste stattet. Teilzahlungen nach Fobereinkunft ge- zwei der besten deutschen Fabrikate der besten deutschen Komiker, Sänger und Sängerinnen, grösste Auswahl in Tänzen, Märschen etc., das Stück 1,75, 2,««, 2,26 Mk. Phonographen, Walzen, Original- Aufnahmen das Stück 15 Mk. neuer Posten, 98er Modell, in Berlin eine der besten und beliebtesten Maschinen, auf das eleganteste ausgestattet, kosten am Schluss der Saison, soweit der Vorrat reicht, mit Sattel, Werkzeug und Tasche 85 Mk., mit Conti- nental-Innonschlauch«5 Mk.. Patee-liUXUsmaHCliine, angeblich 99er Modell, mit Conitinental-Innenschlauch, Strassen- rentier, 11« Mk. 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Ich zog ihn damals, nachdem ich ihn bereits eingeschickt, auf Grund einer Verabredung mit der Redaktion wieder zurück, um ihn gegebenenfalls nach Abschluß der Antwort auf Kautskhs Kritik meiner Schrift„die Voraussetzungen zc." Zu veröffentlichen. Die Polemik hat sich indes länger hinaus- gezogen als wir annahmen, und so würde ich wahrscheinlich von seiner Veröffentlichung ganz abgesehen haben, wenn nicht die mittler- weile bekannt gegebene Tagesordnung des Hannoverischen Partei- tagcs die Fragen, die er zusammenfassend behandelt, in den Mittel- Punkt der Diskussion des Kongresses stellte. Unter diesen Umständen, und da der Artikel leinen direkten Bezug auf die iw der„Neuen Zeit" geführte Polemik nimmt, diese aber noch nicht ganz ab- geichlossen ist. erlaube ich mir. die Redaluon des Partei-Organs um seinen Abdruck zu ersuchen. Meine persönliche Anwesenheit m Hannover ist aus bekannten Gründen ausgeschlossen, und so wird die Redaktion des„Vorwärts" es sogar als kein unbilliges Verlangen betrachten, wenn ich ihre Gastfreundschaft für einen Artikel ui Anspruch nehme, der diejenigen Folgerungen hinsichtlich des Pro- gramnis und der Aktion der Socialdemokratie zieht, die sich meiner Ansicht nach aus den Entwicklungen meiner Schrift ergeben. Er ist die Antwort auf den Vorworf einiger Kritiker, daß ich es unter- lasten, jene Folgerungen zu ziehen. Es liegt mir aber daran fest- zustellen, und Kautsky wird dies bestätigen, daß er vor nahezu vier Monaten verfaßt wurde. London, den IS. August 18SS. Ed. B *• Meine Antwort auf die Artikel, die Kantsky der theoretischen Seite meinet Schrift„Die Voraussetznngen des Socialismus" gewidmet hat, hat sich dadurch etwas verzögert, daß zunächst noch Mehring in dieser Zeitschrift gegen mich zum Wort kommen soll. Dies veranlasst mich, de» Plan meiner Gegenkritik etwas zu ändern, und das, was ursprünglich deren Abschluß bilden sollte, niiinnehr als Einleitung vorauszuschicken: eine summarische Forinulierung meiner Auffassung vom Wesen des Socialismus. Damit glaube ich am besten auch denjenigen Auslegern meiner Schrift in Presse und Versammlungen antworten zu können, die aus ihr eine Preisgabe wesentlicher Grundsätze des Socialismus heraus- gelesen haben. � Was ist das Wesen deS modernen Socialismus? Ich habe ihn "Winer Schrift als die Bewegung zur genosseuschaftlichcn Ge- scllichaftsordnung bezeichnet. Diese Belvcgung ist, wie jeder weiß, eine doppelseitige: eine solche der Dinge und eine solche der Menschen. Auf der einen Seite treiben Einrichtungen und Kräfte der gegebenen Gesellschaft durch die in ihrem Wesen liegende objektive Triebkraft selbst zu neuen Formen der Wirtschaft und der socialen Ordnung, auf der� andern wirken und kämpfen Menschen unter dem Einfluß ihrer Klasscnlage oder aus ideologischen Gründen für eine Umwandlung der kapitalistischen Gescllschaftin eine socialistische. Auf die erstere, die absichtslose Bewegung der Dinge, brauche ich hier nicht besonders einzugehen. Wo ich in Abschätzung ihrer von ander» Socialisten abweiche, kann dies in Zusammenhang mit den Fragen der subjektiven Bewegung, der bewußten Aktion für die Er richtung der genossenschaftlichen Gesellschaft, erörtert werden, die ja nicht nur eine Sache der Absichten, sondern auch der Mittel und Wege ist und daher ohne Bezugnahme auf die jeweiligen wirtschaftlichen und pvlitisch-socialen Bedingungen aar nicht behandelt werden kann. Dagegen scheinen mir einige allgemeine Bemerkungen über das Thema der Absicht als Triebkraft der socialistischcn Bewegung am Platze, die, an sich gemeiuplätzlich, doch in der Phraseologie und Argumentation meist vergessen werden. Absichten werden bestimmt durch Ziel und Beweggrund, welch letztercb ein sgrob-j materieller, im persönlichen Interesse sSelbst- crhaltung) wurzelnder oder ein ideologischer, in ethischen Anschauungen ivurzelnder Antrieb sein oder aus einer Mischung von beiden bestehen kann. Letzteres ist sogar das häufigere, so daß es sich bei der Unterscheidung gewöhnlich nur um die Betonung desjenigen An- tricbs handelt, der in der Mischung am stärksten vertreten ist und ihr de» Charakter aufdrückt. Im allgemeinen kann man sagen, daß das Interesse der Wirt- schaftlichen Sclbsterhaltung oder Selbstbekräftignng, wo es mit dem ideologische» Interesse in Konflikt kommt, sich als das stärkere erweist. Die socialistische Gesellschaftsordnung als Ziel gegeben, würde es sich fragen, wessen Selbstintcresse ist mit der Erreichung oder Durchsetzung dieses Zieles gegeben, wessen Selbstinteresse ihr cnt- gegengesetzt? Wir beantworten dies, indem wir die kapitalbesitzende Klasse als die natürlichen Gegner, die arbeitende Klaffe als die natürlichen Anhänger des Socialismus betrachten. Dies wird durch die Thatsache bestätigt, daß die letztere überall die Masse der socialistischcn Gcfolg- schaft stellt. Der Socialismus stellt sich heute— es war allerdings nicht immer so— schon erfahrungsmäßig als eine Bewegung dar, die in erster Reihe Bewegung oder Sache der Arbeiter ist. Aber nur in erster Reihe. Es ist historisch und logisch oder be- grifflich unrichtig, zu sagen, daß die Durchführung der socialistischcn Umgestaltung der Gesellschaft nur Sache der Arbeiierllasse sein könne. Der Socialismus war zu keiner Zeit mir Sache der Ar- bester. Er ist als Ideologie nicht ans der Arbeiterklasse hervor- gegangen, wen» auch unzweifelhaft Bewegungen und Ideologien von Arbeitern zu seiner Ausbildung beigetragen haben. An der Wiege der socialistischen Bcivcgung der Neuzeit stehen Denker und Kämpfer aus der bürgerlichen Klasse, getrieben durch ideologische— meist ethische— Motive. Wer die Be- deutnng des ethischen Bewußtseins für den Socialismus leugnet, streicht die Owen und Fourier, die Saint Simon und Lerour, die Louis Blanc und Cabel— streicht ganze Legionen von opferfreudigen Vorkämpfer» der Arbeitercmanzipation aus der Ge- schichte des Socialismus aus. Ja. er streicht die socialistischen Ar- bcitcr selbst aus ihr aus. Denn das Interesse der persönlichen Sclbsterhaltung macht allein den Arbeiter noch nicht zum Socialisten. Wäre dies der Fall, so wären die großen Opfer, die für die socia- listische Propaganda unter den Arbeitern aufgewendet tvcrden, das überflüssigste Ding von der Welt, die zweckloseste Verschwendung. Rur der Arbeiter ist Socialist, bei dem zum Bewußtsein seines persönlichen Interesses das Betvußlscin oder die Erkenntnis eiireS all- gemeinen Interesses seiner Klasse und soviel Gemeinsinn und RechtSgcfühl tritt, diesem Allgemcin-Jntercsse ein gewisses persönliches Interesse zum Opfer zu bringen. Das cnt- wickelte Klassenveioußtsein des socialistischen Arbeiters cnt- hält nicht nur, wie dies aus dem Wort schon hervorgeht, ein intellektuelles, sondern auch ein ethisches Element. Ich sage absicht- lich entivickcltcs Klassenbewußtsein, iveil es auch ein rohes Klassen- bewußtscin giebt, das dem Kastengeist sehr nahe steht und insofern entsprechend reaktionär ist und auch gelegentlich so auftritt. Es giebt in allen Ländern einen sehr großen Prozentsatz von Arbeitern, der teils ans Unwissenheit oder' Elend, teils aber auch lediglich aus Mangel an Gemeinsinn der-socialistifchen Bewegung' fernbleibt. Das persönliche. Verlangen des einzelnen Arbeiters ist in seinem wirtschaftlichen Wesen principiell vom persönlichen Verlangen des einzelnen Bourgeois nicht unterschieden. Beide wollen eine möglichst gesicherte und' angenchine Existenz genießen, wobei ihre Ansprüche durch ihre gcwohnhcitömäßige Lebensweise, wenn nicht begrenzt, so doch bestimmt sind. Der Arbeiter empfindet den Mangel dek Luxusartikel des Reichen sehr viel weniger als den Mangel der Luxus artikel seiner eigenen Klasse. Daher wäre eine Gesellschaft mit fthr großen Vermögensunterschieden ohne nachhaltige Bewegung der ärmeren Klassen auf Beseitigung dieser Unterschiede, wie sie in der Vergangenheit bestanden hat. auch in der Zukunft nicht von vorn- herein unmöglich. Der Neid allein ist kein hinreichender Faktor gesellschaftlicher Massenbewegungen— schon deshalb nicht, weil er bei dem einzelnen Jndividuunl je nach Temperament sehr ver schieden auftritt und um so schwächer wirkt, je weiter die Ab stände sind. Ans diesen und anderen Gründen ist die Aussicht, ohne stärkeren äußeren Anstoß in absehbarer Zeit die ganze um Lohn arbeitende Klasse zu größerer Teilnahme an der socialistischen Aktion zu be wegen, ziemlich gering. Wie noch heute die große Mehrheit der Arbeiter dieser Aktion passiv gegenübersteht, so muß auch noch au' ziemlich lange mit dem aus Hilflosigkeit, Gleichgültigkeit und— be einem Teil— sogar Abneigung resultierenden Abseitsstehen großer Arbeitermassen gerechnet werden. Dieser Fehlbetrag im Arbeiterkontingent der socialistischen Armee wird znm Teil gedeckt durch Zuzug aus anderen Gesellschaftsschichten. Er hat ihr, wie schon bemerkt, nie gefehlt, ist aber heute stärker als je und wird in der Zukunft voraussichtlich noch wachsen. Es sind sehr verschiedene Motive, welche diesen Zuzug bewirken. Man kann sie in Gruppen einteilen, wobei aber daran erinnert werden muß, daß Motive fast immer komplex auftreten, d. h. daß das dominierende oder maßgebende Motiv in der Regel mit einen« Bestandteil anderer Motive versetzt ist. Viele Menschen sind.sich sogar des Charakters des sie bestimmenden Motivs garnicht bewußt. sondern glauben z. B. sehr selbstlos zu handeln, wo sie thatsnchlich bloß ihrem Interesse folge».*) Nicht-Lohnarbeiter schließen sich der socialistischen Bewegung an: 1. Aus persönlichem Egoismus. Hierher gehören alle diejenigen, die von ihrer Teilnahme an der. heute schön eine ökonomische und politische Macht darstellenden Bewegung pcrsön licbc Vorteile irgend welcher Art erwarten. Ebenso die individuell Mißvergnügten. 2. Aus K l a s s e n g e f ü h l. Hierher gehören alle diejenigen, die, ohne Lohnarbeiter zu sein, sich in der gegebenen Gesellschaft in ihrer Klassenlage benachteiligt fühlen und'mehr Solidarität mit der Arbeiterschaft als mit irgend einer anderen GesellschaftSschicht empfinden, ivie niedere Beamte, Handwerker, Bauern ec. Dieser Zufluß wächst in dein Maße, als das Vertrauen in den Zusammen halt der gegebenen Gesellschaftsordnung und der bisher herrschen- den Klassen erschüttert wird. 3. Aus ethischen Gründen. Diejenigen, die aus Mit leid oder Gerechtigkeitsgefühl gegen ihr persönliches oder Klasscir interesse ihre Kräfte und Mittel der Belvcgung für die Befreiung der Arbeiterklasse aus Elend und Abhängigkeit leihen. Ihre Zahl wächst in dem Maße, als die Uebcrzeugnng von der Möglich- keit wächst, eine Gesellschaftsordnung durchzufiihrcn, die mit größerer Gleichheit größeren physischen und moralischen Wohlstand verbindet. Je nachdem in Gruppe 1 oder 3 kann man auch diejenigen ein- fügen, die sich der socialistischen Bewegung aus Vorliebe sür bc stimmte voi« dieser aufgenommene Reformen anschließen oder um sie für eine von ihnen crsonncne Reform zu gewinnen respektive sie in eine ihnen als zweckmäßiger erscheinende Richtung zu lenken. Man kann von einem gcivissen Standpunkt ans in diesem Zu wachs eine Gefahr für dse socialistische Bcivegung erblicken, z. B den Verlust dessen, was ihr ihren bestimmendeil Charakter als Bc ivcgnng des Proletariats verleiht, aber bei genauerer llntcrfuchimg stellt sich diese Befürchtung als haltlos heraus. Zunächst ist es mit' dem proletarischen Charakter selbst ein eigenes Ding. Nehmen wir das Proletariat sür gleichbedeutend mit Lohnarbeiter, so ist rein proletarisch.nur die gewerkschaftliche Be lvcgung. Bei ihr mischt sich kein fremdartiges Element in das Lager der Arbeiter, wie cS bei den anderen Formen der Bcwcgnng: politischer Kampf, Gcnosscnschaftsbcwegnng, der Fall zu sein pflegt. Wollten dicjensgcn, die den Gedanken des reinen Prolctarisnnls her socialdcmokratischen Partei kultivieren, logisch sein, so müßten sie auf Entfernung oller Nicht-Prolctaricr aus derselben hin- wirken, wie dies seiner Zeit ein Teil der französischen Arbeiter in der Internationale versuchte und vielen englischen Arbeitern als unbedingtes Princip einer Arbeiterpartei heute noch vorschlvebt.**) Indes wird diese Konsequenz von ihnen nicht gezogen. Wenn aber die schwielige Hand nicht erforderlich ist, um der Socialdemokratie ihren proletarischen Charakter zn wahren, was ist denn die Bedingung? Ist es die Anerkennung eines bestimmten Zi els oder Endziels der Partei? Nun, soweit'dieses Ziel allgemein die Errichtung einer socialistischcn Gesellschaft bezeichnet, Ivird es wohl keinen Socialisten geben, der es nicht anerkennt. Man kann aber niemand vorschreiben, iv a n n und wie er sieb das Erreichen dieses Ziels vorzustellen hat. Versuche, in dieser Hinsicht einer bestimmten Idee als der specifisch proletarischen den Charakter der Prüsungsfrage zu verleihen, würden in der Praxis auf Errichtung einer Eiscnmauer gegen Leute von tlcbcrzeuglnig und eines Spinnewcbs gegen Abenteurer, Gedankenlose und dergleichen hinauslaufen. Es kann auch nicht die ausschließliche Anerkennung einer bc- stimmten Taktik sein. Denn die Taktik ist Sache der Umstände, und vom Standpunkt des ArbeiterintereffeS aus ist jede Taktik be- rechtigt. die eine politische oder ivirtschaftliche Verbesserung der Lage der Arbeiter mit größerer Wahrscheinlichkeit verspricht als irgend eine andere vorgeschlagene Taktik. Es können also nur bestimmte principielle Forde» r u n g c n hinsichtlich der Mittel und Wege der Erreichung deS erstrebten Ziels sein, welche der socialdcmokratischen Partei ihren Charakter verleiben, und von deren Anerkennung das Recht der Mitgliedschaft abhängig zn machen wäre. Was darüber hinaus geht, ist entweder überflüssig oder widersinnig. Eine Partei kann von ihre» Mitgliedern verlangen: l. Daß sie ihr ausschließlich, das heißt, keiner politischen Partei außer ihr angehören.(War übrigens im Anfang der Bewegung nicht Bedingung und ist auch in manchen Ländern noch heute nicht streng durchgeführt.) 2. Daß sie ihr allgemeines Ziel und ihre praktischen Forderungen anerkennen. 3. Daß sie bestimmte von ihr aufgestellte Grundsätze an- erkennen. 4. Daß sie sich verpflichten, ihre Beschlüsse anzuerkennen. und nach Mpßgqbe ihres Kögnens an allen von ihr beschlossenen Aktionen teilzunehmen. Punkt 4 gewährt denen, welche Punkt 2 für zu unbestimmt halten, die nötigen und überhaupt möglichen Bürgschaften gegen un- sichere Kantonisten. Natürlich kann die Partei auf Grund jener niemand zlviugen, an einer von ihr beschlossenen Aktion tciszu- nehmen, aber sie kann von dem sich Weigernden verlangen, daß er seine Verbindung mit ihr löst, beziehungsweise ihn ausschließen. Der Schwerpunkt des Paragraphen liegt darin, daß derjenige, der ihn unterschreibt, seine politische Stellungnahme unzweideutig kenn- zeichnet. Das sind meines Erachtens die Regeln, von denen eine Partei vernünftigerweise die Zugehörigkeit zu ihr abhängig machen kann, sofern sie ihre Anwendung für nötig hält. Für Punkt 2 und 3 ist dies außer Frage, dagegen ist die Not« wendigkeit, nach Punkt 1 und 4 zu verfahren. Sache der Umstände. Aber es werden auch nur unter besonderen Umständen Leute Neigung verspüren, gleichzeitig zwei Parteien anzugehören. Bei ausgebildetem Parteiwcsen verbietet es sich von selbst.' Im Punkt 2 wird der Leser jede Bezugnahme auf das ver- missen, was den lediglich den Priucipien und Absichten gewidmeten Teil des Erfurter Programms bildet, d. h. die theoretische Grund- läge der Partei. Es ist dies das Gebiet, wo eine Ketzerei hinein- spielt. Ich habe an anderer Stelle(im„Vorwärts") Kautsky auf die Frage, welchen der ersten sechs Sätze des Erfurter Programms ich noch unterschreibe, geantwortet: in ihrer heutigen Redaktion keinen mit Ausnahme des sechsten, und selbst bei dem würde ich die Worte „kann nur" in„muß in erster Reihe" abändern. Das heißt— um damit zu beginnen— ich würde im sechste» Absatz statt„diese(die socialistische) gesellschaftliche Umwandlung kann nur das Werk der Arbeiterklasse sein" naib meiner besseren lieber- zcuauug sagen müssen:„muß in erster Linie das Werk der Arbeiter- Üasse sein". Damit kommen wir wieder auf die allgemeine Seite der Frage nach den subjektiven Faktoren des Socialismus zurück. Beiläufig und vorausschickend sei bemerkt, daß das„muß" in der vorerwähnten Verbindung den Gedanken, daß die Arbeilerklasse zur Durchführung der socialistischen Umwandlung der Gesellschaft berufen ist, mindestens ebenso scharf ausdrückt, wie das„kann nur". Die Kennzeichnung der socialistischcn Bcwcgnng als eine solche, die wesentlich Bewegung der Arbeiterklasse ist. steht also nicht in Frage. Es handelt sich um die Qualifizierung durch das„in erster Reihe". Die Arbeiterklasse ist die vornehmste persönliche Kraft, die am Werk der socialistischcn Umgestaltung wirkt, aber sie ist nicht die einzige und wird nicht die einzige bleiben. Sic erhält in diesm Kampf heute Zuflucht aus den verschiedensten Gescllschaftsschichten: ans der Schicht der Kleinhandwcrkcr und Kleinbauern, aus der Sebicht der Beamten, der Angehörigen der freieren Berufe und schließlich auch der Besitzenden selbst. Man kann die wenige» Kapitalisten, die sich der socialistischen Bcwcgnng direkt anschließen, ganz beiseite lassen, weder ihre Zahl noch ihr Einfluß ist groß genug, um deren Charakter zu ändern. Andererseits gehören Kleinhandwcrkcr und Kleinbauern zwar nicht der Arbeiterklasse— dem Proletariat—, aber doch der arbeitenden Klasse an, da sie nicht nur wesentlich von ihrer persön- lichen Arbeit leben, sondern auch— was hier sehr ins Gewicht fällt— ähnlich leben wie der Arbeiter. Desgleichen die kleinen Beamten. Von all diesen wird niemand Abschwächung oder grrmd» sätzliche Aenderuug des Charakters der socialistischcn Arbeiter- bewcgung geivärtigcn. Die Bauern sind dazu zu isoli.crt, die Klein» dauern durch ihre Stellung meist zu stiller Partcigängcrschast gc- nötigt, und die Handwerker, die sich heute der socialistischen Bc- weguug anschließen, haben mit den reaktionären Tendenzen ihrer Klasse total gebrochen. Bleiben die Augehörigen der freien Berufe: Schriftsteller, Lehrer, Künstler, Acrztc, Techniker und dergleichen. Sie stehen zwischen Bourgeoisie und Arbeiterklasse, streben individuell meist dem Aufstieg in die erstere zu und können, kraft ihres Berufs und ihrer Erziehung, einen starken geistigen Einfluß ausüben. Der Zufluß aus diese» Schichten wäre also die kritischste Ergänzung des von der Arbeiter- klaffe gestellten Kontingents der socialistischen Bewegung. Aber— von welcher Seite oder Auffassung aus man die Sache auch betrachtet— im Guten wie im Schlimmen neutralisicreu sich diese Elemente auf die Dauer. Sie stellen die phantastischsten, sie stellen aber auch die kenntnisreichsten, sie stellen die vermittlungS» lustigst«», sie stellen aber auch die eutschicdeusten. kampfeslustiasten .Kräfte der Bewegimg. Sie sind keine einheitliche Klasse mit gleichen Interessen, sondern Ueberlänfer aus anderen Klassen mit sehr ver- schicdrnartigcn Interessen. In allen Ländern habeli sie gerade in der Jugend der socialistischen Bewegung einen großen Anteil an der Propaganda genommen, und wenn sie ihr damals nicht den Garaus gemacht haben, so werden sie ihr heute, wo die Arbeiter- bcwegung mündig geworden, erst recht keinen Schaden thun können. Das Facit ihrer Teilnahme an der socialistischcn Bewegung ist positiver Gewinn. Wir brauchen ja nur einen Blick die socialistischen Kongresse, auf die Vertretungen der Social- *) Ich sehe dabei, wie durchweg in diesem Zusammenhange, ganz von jener Anffassuug ab, wonach. der Mensch Überhaupt nur egoistisch handelt, d. h. selbst ivcnn er sich für andere aufopfert, nur dem Triebe folgt, dessen Befriedigung ihm jeweilig die höchste Lust gewährt. Hier iverdcu.die Motive und Haudlnngen nur mit Bezug auf das äußere und gröbere materielle Interesse, sowie ihre sociale Seite klassifiziert..„ .*») Der Arbeiterführer Ben Tillet ftagte.mich einmal.(1893) nach der Lebensstellung der socialistischen RcichStags-Abgcordnetcn Deutsch- lands.'Als ich ihm die gclvünschtc Auskunst gegeben, erklärte er: Aber da seid Ihr ja eine bürgerlich radikale Partei(a. radiesl party) und nicht eine Arbeiterpartei." Seitdem hat sich indes auch in England bei den vielen bisherigen„Iabount.es"(Nur-Arbeiter), soweit sie Socialisten sind, eine andere Auffassung Bahn gebrochen, dcmokratie in den gesetzgebenden und Vcrwaltuugkörpcrn zu werfen, um uns davon zu überzeugen. Der Zustrom aus den freien Bc- nife», der„Intelligenz", ist nicht nur in Hinblick auf die vor« bereitende Propaganda von großem Wert, sondern ivird gerade von immer größerem Wert, je stärker die socialistische Bewegung wird, iveil es sich alsdann um immer qualifiziertere Arbeit handelt, für die der Masse der Arbeiter die Zeit oder die Schulung fehlt. Es köuucn sich ihr nur Leute widmen, die nicht oder nicht mehr Lohn- arbeiter sind. Wer die Arbeiterbewegung unbefangen betrachtet, lvcr sieht, wie ein großer Prozentsatz gerade der besser gestellten Arbeiter sich selbst in Deutschland noch jeder nenncuswerten Mitarbeit an der Bcwegung enthält, der wird zugeben müssen, daß in dem Zuwachs aus den bezeichneten Gesellschaftsklassen eine Gewähr des Sieges der Socialdemokratie liegt. Es ist eine große Verkennung der Thai- fachen, zu sagen, daß die socialistische Umwandlung der Gesellschaft nur" das Werk der Arbeiterklasse sein kann. Sie kann nicht ohne thatkräftigcs Eingreifen und steigendes Mitwirken der organisierten Arbeiterklasse vollzogen werden, aber es wirken immer mehr Kräfte der Gesellschaft direkt und bewußt an diesem Werk»lit, die leine Proletarier im Sinne der Theorie sind. Soweit znm Absatz 6. Wende ich mich nun den andern Absätzen des Programms zu, so tritt mir gleich zu Anfang des ersten Para- graphen der Satz entgegen: „Die ökonomische Entwicklung der bürgerlichen Gesellschaft führt mit Naturnotwendigkeit znm Untergang des Klein- bctriebes. dessen Grundlage das Privateigentum des Arbeiters an seine» Produktionsmitteln bildet." Diese„Naturnotwendigkeit" selbst für die Industrie zugegeben, obwohl sie für die ganze Industrie jedenfalls noch nicht galt, ist sie für die L a n d iv i r t s ch a f t wisienschaftlich nicht festzustellen. Da ist von naturnotwcudigem Untergang des Kleinbetriebs keine Rede. Ich kann also den Satz, an dessen' Richtigkeit ich bei seiner Aufstellung ebenso glaubte, wie sein Verfasser, heute ebenso wenig nnterschreiben, wie— sein Verfasser. Das Land als Produktions- mittel macht ganz und gar keine Miene, das„Monopol einer ver- hältnitmäßig'kleinen Zahl von Großgrundbesitzern zu werden", wie es in dem Absqtz weiter heißt. Demgemäß kann ich auch nicht, was in, Absatz 2 geschieht. die Bauern als eine„versinkende" Mittelschicht der Gesellschaft bc- trachten und von Zunahme ihres Elends und ihrer Knechtung roden. Ziveifclhaft ist ineines Erachteus ferner, was im Absatz 3 ge- sagt wird, daß die Armee der überschüssigen Arbeiter„immer massenhafter" wird, und unrichtig, daß der Klassenkampf zwischen Bourgeoisie und Proletariat die moderne Gesellschaft in zwei fciud- lichc Heerlager trennt. Dieser Satz hat in übertragenem Si»m ein« gewisie Berechtigung, aber er drückt als Theorie das, was er sagen will, falsch aus.' Zwischen oder neben Bourgeoisie und Proletariat stehen noch andere Schichten, die dem Kampf jener bald neutral zu- schauen, bald sür die eine und bald für die andere Partei Stellung nehmen. Außerdem spielt sich der Klassenkampf, der eine unbestrittene Thatsache ist, in allen möglichen Formen ab und ist überhaupt ein viel komplexeres Phänomen als der Paragraph erkennen läßt. Der Klassenkampf der verschiedenen Klassen der Besitzenden tmter einander, der ein sehr wichtiger Faktor der Entwicklung und kür die kämpfende Arbeiterschaft von größter Bedeutung, das Geheimnis vieler ihrer Siege ist und bleiben wird, wird dabei ganz ignoriert, Daß die Krisen— Absatz 4—„immer umfangreicher und ver- hcercndcr werden", ist nicht unmöglich, ist aber aus verschiedenen Gründen fraglich geworden. Und schließlich sagt Absatz 5 wiederum, daß das Privateigentum an den Produktionsmitteln heute u, a. zum Mittel geworden ist, Bauern zu expropriieren, worauf das zur Kritik von Absatz 1 gesagte gilt. Ich führe all das nicht aus, um an dem Programm zu„mäkeln", sondern nur um darzulegen, warum und inwiefern ich diese Paragraphen in ihrer heutigen apodiktischen Fassung nicht unter- schreiben kann. Ich sage in ihrer heutigen Fassung, weil ich— die Landfrage ausgenommen— trotzdem ihre bedingte Nichtigkeit anerkenne. Und was die Landfrage anbetrisit, so ist da das letzte Wort noch nicht gesprochen. Der Bauer kann noch an anderen Dingen zu Grunde gehen als an der Konkurrenz der Großgrund- bcsitzer, oder— wie durch Wegzug oder wachsendes Selbstbewußtsein der Landarbeiter und andere wirtschaftliche Einflüsse— zu immer stärkerem Uebergang zur Gcnosscnschaftlichkcit genötigt werden. Das ist bekanntlich teilweise schon heute der Fall, und so ist die Landsrage kein Hindernis eines socialistischen Programms.*) Ich kann also, um es kurz zusammenzufasien, die Sätze gerade soweit nicht unterschreiben, als sie den Socialismus als das notwendige Resultat aus rein ökonomischen Bor- gängen, als den Ausweg aus einem ökonomischen Zusammen- b r u ch und die Alternative oder das Resultat eines gewaltigen Zusammenstoßes erscheinen lassen. Ich sehe in der modernen Gesellschaft sehr starke Tendenzen in dieser Richtung am Werke, ich sehe aber auch Gegenkräfte diesen Tendenzen in steigendem Maße entgegenwirken: die wirtschaftliche und politische Aktion der Arbeiterklasse, das Genossenschaftswesen, die Gesetzgebung der immer sorgsamer den Prozeß verfolgenden herrschenden Klassen, der Ivachsende Einfluß der bürgerlichen Ideologie mid der den modernen Schöpfungen angehörenden demokratischen Bnreankratie sKrankcn- fassen, Gewcrbegerichte-c.) So sieht das faktische Resultat jedesmal ganz anders aus, wie es nach der angegebenen„Tendenz" sein sollte. Uiid das Schlußresultat ist meines Erachtens. daß der SocialismuS kommt oder im Kommen ist,— nicht als Resultat einer großen politischen Entscheidungsschlacht, sondern als Ergebnis einer ganzen Reihe von wirtschaftlichen und politischen Siegen der Arbeiterbewegung auf den verschiedenen Gebieten ihres Wirkens, nicht als Folge immer größerer Steigerung des Druckes, des Elends, der Eruicdrignng der Arbeiter, sondern' als die Folge ihres wachseiiden socialen Einflusses und der von ihnen erkämpften relativen Verbesserungen wirtschaftlicher, politischer und allgemein socialer lethischer) Nawr. Nicht aus dem Chaos sehe ich die socialistische Gesellschaft hervorgehen, sondern aus der Verbindung der organisatorischen Schöpfungen der Arbeiter im Gebiet der freien Wirtschaft mit den Schöpfungen und Ernnigenschaften der kämpfenden Demokratie� in Staat und Gemeinde, Durch alle Zuckungen und das Umsichschlagen der reaktionären Mächte hindurch sehe' ich doch den Klassenkampf selbst immer civilisicrtere Formen an- nehmen, und gerade in dieser Civilisicrnng der poli- tischen und wirtschaftlichen Kämpfe erblicke'ich die beste Gewähr für die Verwirklichung des Socialisnms. Es ist keine absolute Gewähr gegeben, daß die Entwicklung unausgesetzt diesen Weg gehen wird. es können Verhältnisse ein- treten, die uns wieder zurückwerfen in eine Zeit barbarischer Kämpfe. Aber mit jedem Fortschritt in der Richtung der Demokratie wird diese Wahrscheinlichkeit geringer. Man stellt die Sache so dar, als halte ,ch in meiner Schrift die Demokratie als eine Wünschelrute geschildert, bei der sich alles schon von selbst ninck't und die den Himmel auf Erden hcrabzaiibcn. Das ist mir indes nicht ein- gefallen. Die Demokratie isl kein Zauberstaub. Auch in ihr muß gekämpft, auch in ihr müssen Erfahrungen gesammelt werden, auch sie hat ihre Gefahren, und obendrein recht große Gefahren. Deswegen bleibt sie aber doch die unerläßliche Form, und eine steigende Erkämpfuug und Ausbildung demokratischer Ein- richtungen. eine unerläßliche Vorbedingung der Verivirklichunq des SocialtSmuS. Wie die Demokratie oder sagen wir. das nötige Maß von Demokratie, in Deutschland erkämpft werden kann, ist eine Frage fiir sich. Daß die bürgerlich- demokratischen Parteien dazu heute nicht die straft haben, weiß jedes Kind. Ich habe nur gewisse llcbertreibungen hinsichtlich der Absichten der Socialdemokratic bekämpft, weil sie den unter Umständen immerhin ins Gewicht fallen- den Einfluß der demowatischen Elemente des Bürgertums nutzlos schwachen müssen. Dazu bewegen mich gerade die That- fachen. welche � meine jetzigen Widersacher für die Stärke der Reaktion in Deutschland anführen. Wäre das, was man mir entgegenhält, nchtig. dann trieben allerdings die Verhältnisse in Deutschland einer großen politischen Katastrophe zu. Ich halte es indeß nicht für ausgemacht. Wohl sind die äußeren Machtmittel in den Händen der reaktionären Ge- walten vereinigt, aber mit den moralischen Accidenzen, ohne die es nun einmal heute selbst mit der äußersten Gewalt nicht geht, ist dies keineswegs in gleichem Maße der Fall. � Die Ironie des Schicksals will es, daß dieselben socialistischen Blätter, die mir von Protestrede» gegen meinen„unheilbaren Optimismus" berichten, geivöhnlich auch allerhand Futter für diesen Optimismus enthalten. S o brachte der„Vorwärts" mit Liebknechts Rede über nieiii Buch den Triumphartikel desselben Liebknecht über des EcharftnacherS Stumm Isoliertheit in der Frage der Arbeitskammer», Achnlich mit de» Blättern, welche die Aussetzungen von Lang und Greulich an meinem Buch reproduzierten. *)(Nachträglich.) Aber die„Lentcnot" auf dem Lande zeigt, daß auch die Lehre von der„industriellen Reserbe-Armee" noch der Nachprüfung bedarf, bezw. auch nur eine Tcilwahrheit ausdrückt. Mes in der Welt ist relativ, und auch die Schweiz ist noch kein Jdcalstaat. Es ist also nur natürlich, wenn Schweizer Socialisten mit Vorliebe von den Unvollkommcnheiten ihrer Demokratie sprechen. Ich habe sclbsp in meiner Schrift betont(S. 1L4/12S). warum die Demokratie in der Schweiz die Socialisten heute nicht zufrieden stellen kann. Aber das ist kein Argument gegen meinen Satz, daß die moderne Demokratie die Bürgschaft der humaneren Formen der Austragung der Klasienkämpfe in sich trägt. Ich sage meinen Satz— aber es ist ein Gedanke, dem Marx wiederholt Ausdruck gegeben hat(Vorwort zum„Kapital", Ainsterdamer Rede 1872), den Lassalle in die Worte gefaßt hat:«Wer allgemeines Wahlrecht sagt, stößt einen Ruf der' Versöhnung a»S," der durch unsere ganze frühere Parteilitteratur geht. Erst unter dem Ausnahmegesetz ist die vorachtnndvierzigcr Phraseologie wiederaufgckonrmen, die Phraseologie einer Epoche, die daS allgemeine Wahlrecht noch nicht kannte. Ich halte es nun durchaus für Recht und Pflicht der socialistischen Presse, jederzeit in erster Linie und in schärsiter Weise die Mißstände wirtschaftlicher und politischer Natur ans Licht zu ziehen. Aber da- neben sollte man doch von Zeit zu Zeit auch ein Wort fiir den Fort- schritt haben, der sich im Laufe des letzten MenschenalterS durchgesetzt hat, und von dem ein gutes Stück auf das Konto der socialdcmo- kratischen Agitation fällt. Auch das gehört zur Anfeuerung und Aufmunterung. Und diese relativen Fortschritte konnten in erster Linie erzielt werden dank dem„bißchen allgemeinem Wahlrecht". Daß die Demokratie nicht alles kann, braucht mir um so weniger gesagt zu werden, als ich ja gerade darauf verwiesen habe, welchen Schivicrigkeiten die Vergesellschaftung der Produktionsmittel und der Produktion selbst in der Demokratie begegnet. Ich will auf diesen Punkt hier nicht des längeren eingehen, sondern berühre ihn nur wegen der Beziehung zu' den objektiven oder dinglichen Faktoren der socialistischen Bewegung. Wir stehen vor der Thatsache, daß die Technik der Wissenschaft auf dem Lande nicht nottvendig zum Großbetrieb führt. Und wir stehen ferner vor der Thatsache, daß auch in der Industrie noch ein großer Prozentsatz der Betriebe Klein- und Mittelbetriebe bleiben. Wenn also der Groß- oder Riesenbetrieb die Vorbedingung der Vergcsell- schaftung ist, dann stünden wir von der allgemeinen Vergesellschaftung noch ziemlich weit entfenit. Aber es ist noch gar nicht bewiese», daß der Riesenbetrieb an sich, d, h. rcin wirtschaftlich, die Vergesellschaftung notwendig macht. Es ist das so wenig der Fall, daß nian eher um- gekehrt sagen könnte, je größer der Betrieb, um so weniger ist seine Vergesellschaftung«ine ö k o n o m i s che Notwendigkeit. Denn rein iviruchoftlich erfüllt er gerade dann meist alles, was durch die Vergesellschaftung bewirkt werden könnte. Die betricbs- technische Entwickeluug der Produktion ist nicht in dem Sinne ein dinglicher Faktor der socialistischen Entlvickclung, daß er aus sich' heraus, unni ittelbar zur Vergesellschaftung triebe. Das geht vielmehr immer erst mittelbar vor sich, durch die Rücksicht auf weitere sociale oder gar politische Be- dürfnjsse: so bei der Post, bei den Eisenbahnen zc. Auch die Vereinigung vieler Arbeiter in einem Unternehmen ist kein direkt wirkender dinglicher Faktor von dessen Vergesellschaftung, Zunächst nimmt erfahrungsgemäß der Drang der Arbeiter nach Uebernahmc des Unternehmens in genossenschaftlichen Betrieb von einem gewissen Punkt im umgekehrten Verhältnis zu dessen Größe ab. d, h, je größer der Betrieb, um so geringer dieser Drang, was sich übrigens psychologisch sehr leicht erklärt. Andererseits aber können die Nach- teile der Abhängigkeit so vieler Arbeiter und Beamten von einen Kapitalisten oder Kapitalistenverbindung durch das Mittel der Koalition oder durch das Gesetz abgewendet bezw. auf einem sehr geringen Grad reduziert werden'. Es ist also auch unter diesem Gesichtspunkt die Vergesellschaftung der Produktion keine unabweisbare ökononnsche Nolwendigkeit. Mit anderen Worten, es giebt keinen von innen heraus treibenden Faktor, der zur Umwandlung von Großbetrieben in Staatsbetriebe nötigte. Dies Be- dürfnis ist stets ein der Produktion äußeres. Das gesell- s ch a f t l i ch e Bedürfnis, die gesellschaftlichen Beziehungen stellen die dinglichen Faktoren der Vergesellschaftung von Produktionszweigen dar. Es ist daher schon passiert, daß der Staat, der Produktronszweige unverstaatlichl läßt, die sehr centralisicrt sind, solche verstaatlichte, die ziemlich zersplittert waren.*) Heule handelt es sich dabei gewöbnlich nur»in die Rücksicht auf das Produkt oder seinen Ertrag. Es kann aber auch die Rücksicht auf die Produzenten— die Arbeiter — einen entscheidenden Grund abgeben. Die Arbeiter drängen auf die Verstaatlichung eines Produktionszweiges hin, weil sie hoffen dürfen, kraft ihres Einflusses als S t a a t s- b ü r g e r auf diese Weise ihre Arbeitsverhältnisse zu verbessern, Beispiel: die Schwärmerei der liberalen englischen Bergarveiter für die Verstaatlichung der Bergwerke, Kein aus dem Betrieb hervorgehender Grund, sondern dieAendcrung ihres staatsbürgcr« l i ch e n Verhältnisses, ihrer Stellung im Staate, hat die Bergarbeiter zu Freunden der Verstaatlichung und diese seihst bei den Ärbeitern populär gemacht. Wenn aber die Notwendigkeit der Vergesellschaftung der Pro- dnktion nicht aus der Betricbslechnik abgeleitet werden kann, so ist andererseits die Frage der Möglichkeit oder Zweckmäßig- keit der Vergesellschaftung der Produktion in hohem Grade eine v e r w a l t u n g S t e ch n i s ch e. Voii dieser Seite her ist die Kon- ccutricrung der Produkiion allerdings ein Faktor der Ver- gesellschafttnig, da natürlich eine schon konccntriene Industrie' verwaltmigStechiiisch geringere Schwierigkeiten macht, als eine zersplitterte. Aber man muß sich immer vor Augen halten, daß es sich dabei um eine Frage der socialen Nützlichkeit und der Organisation, und nicht um eine solche rein wirlschaftS- technischer Notwendigkeit handelt, Wer den großen Zusammenbruch schon vor Augen sieht, für den sind solche Betrachttmgcn überflüssige Spintisiercrcien. Wer aber mit allen Wahifchcinlicbkeitcii rechnet, oder vielmehr, wer nicht von einer einzelnen bcstimnilen Möglichkeit oder Wahrscheinlichkeit alles *) Z. Bi das Tabaksmonopol verschiedener Länder. abhängig macht, für den stellt sich die Frage durchaus anders. je nachdem er an eine„aus der bloßen Produktionstechnik heraus treibende Entwicklung zum Socialismus glaubt oder nicht. Für mich, und damit sei dieser Artikel geschlossen, war die Erwägung maßgebend, daß es in Deutschland, dessen innere politische Enl- Wicklung einer starken bürgerlich-radikalen Partei bedürfte, an einer solchen fehlt. Die Socialdemokratie steht an ihrer Stelle, bereit und gewillt, ihre Aufgaben mit zu übernehmen, thatkräftiger als sie— aber ohne ihre Möglichkeit der Anpassung. Daran krankt die politische Entwicklung vor allem des größten deutschen Staates: Preußen. Es ist nun die Frage, ob' es möglich sein wird, in Deutschland über die Phase eines bürgcrlich-konstitutionellen Re- gierungssystems ganz hinwegzukommen. Wer das glaubt, für den ist natürlich die Diskussion beendigt. Wer aber der Ansicht ist, daß solche Epoche für die gesunde Entwicklung der Dinge noch nötig ist, und daß es in den bürgerlichen Parteien nicht aii Zeichen für eine entsprechende Strömung fehlt, der wird wenigstens alles das thun, was innerhalb seiner Grundsätze erlaubt ist, um sie möglich zu machen, bezw. ihre Ausdehnung in den eignen Kreisen nicht zu hindern. Mehr aber, als ein Socialdcmokrat unter voller Hoch- Haltung seiner Grundsätze in dieser Hinsicht thnn kann, ist in meiner Schrift nicht empfohlen. Von einer Empfehlung, den Gegnern Reformen„abzuschmeicheln", wie sich einer meiner Kritiker— oder war's eine Krilikerin?— ausdrückte, ist gar keine Rede. Es mag allerdings Leute geben, die schon zu schmeicheln glauben, wenn sie auf vor'sündflutliche Disknsiionsformen verzichten. Soweit der Artikel. Ich füge* ihm zwei Bemerkungen hinzu: lieber meine Stellung zum theoretischen Teil des Partei- Programms kann nach dem Vorhergehenden kein Zweifel sein. Würde die Abänderung des Programms auf der Tagesordnung stehen, so würde ich auch keinen Augenblick zögern, ans Wunsch eine Fassung desselben auszuarbeiten, die meinen Lnschauimgeu entspricht. Aber von mir aus fühle ich mich nicht dazu veranlaßt. Nicht von mir ist die Programm-Frage in die Diskussion hineingezogen worden. Ich würde sie erst dann für spruchreif halten, wenn sich in der Partei selbst die Ueberzeugung verbreitet hat, daß das Programm in seiner heutigen Fassimg dem Stand der socialen Erkenntnis und ihren propagandistischen Bedürfnissen nicht mehr entspricht. Bis dahin kann die Aufgabe der sich mit theoretischen Fragen beschnfti- geiiden Schriftsteller nur darin bestehen, nach Maßgabe ihres Könnens für die Erweiterung der theoretischen Erkenntnis zu arbeiten. Ebenso wie meine Stellung zum Programm wird der Artikel meine Stellung zur Taktik der Socialdemokratie zur Genüge cliarak- terisieren. Seit er geschrieben wurde, haben die Ereignisse in Frank- reich und Belgien und der Wahlkampf in Bayern Diskufsionen in der Partcipresse über die Frage des Kompromisses zur Folge gehabt. die jedenfalls eins gezeigt haben, nämlich daß eine kämpfende Partei keine größere Thor'hcit begehen kann, als sich durck Abschwörungen sozusagen selbst dieThüren vor berNasezuznschlagen. JstderKompromiß an sich verwerflich, dann waren die Belgier, die mit JauröS gehenden Franzosen ebenso im Unrecht, wie die Bayern und die Reichstags- fraktion, als diese in der letzten Session in der Schlußabstimmung dem Gesetz über die Abänderung der Versicherungsgesetzgebung zu- stimmte. Nicht der Kompromiß an sich ist verwerflich, sondern nur bestimmte Arten oder Formen von Kompromissen können für eine Partei nach Maßgabe ihrer Entwicklung und Lage verwerflich und schädlich sein. Es giebt Situationen, wo für eine Partei, die Hüterin bestimmlcr Interessen und politischer Grundsätze ist. die Frage nicht so steht, ob ihr der Kompromiß erlaubt ist. sondern ob sie vor sich selbst und der Geschichte das Recht hat. diesen Kom- promiß nicht einzugehen. Es ist hier nicht der Ort, die Frage ein- gehend zu behandeln, diese wenigen Bemerkungen sollen nur die Notwendigkeit einer richtigen Fragestelliing betonen. Stellt man die Frage abstrakt, so wird man bei jeder Gelegenheit genötigt, sich auf die spitzfindigste Erörterung darüber zu perlegen, wann ein Kom- promiß kein'Kompromiß ist. Damit aber schafft man nie theoretische Klarheit.__ Vevmischkes- Englischer Spleen. Von dem merkwürdigen Sammeleifer eines Engländers berichtet die„Judependaiice Roumaine" folgendes:'Er reist seit zwei Jahren dem Prinzen von Wales iiach allen seinen Sommerfrischen nach, zu dem Zweck, sich die Strohhalme anzueignen, die dem Prinzen dazu dienen,„frappierten" Champagner und andere kalte Getränke zu schlürfen. Auf diese Weise gelang es ihm allmählich, das nötige Material zu sammeln. um sich einen stattlichen Strohhut machen lassen zu können, in dessen Schatten er nun stolz am Strande von Boulogne spazieren geht. Besser wäre es gewesen, wenn er daö Stroh in seinem Krpfe zu diesem Zweck verwendet hätte. Messungen und Wägungcn an Schulkindern, die in Washington vorgenommen worden sind, haben aufs neue be- stätigt, daß die Kinder der arbeitenden Klassen hinter den Kindern anderer Gesell schaftöschichten in körperlicher Beziehung zu rück st ehe n. Es ergab sich, daß Arbeiterkinder im Durchichnitt kleiner und leichter als andere Kinder waren und auch einen geringeren Kopfunifaiig hatten. In diesen Unterschieden treten die F o l g e n der ungünstigeren cdingungen, unter denen die Kinder der Ar- beiterbevölkerung aufwachsen, recht handgreiflich zu Tage. Soll man ein anderes Ergebnis crmarten, wenn die Ernährung unzureichend ist und die Pflege inangelüast bleiben muß. wenn enge, ungesunde Wohnungen die körperliche Entwicklung des Kindes bccm- trä'chtigcn? Man will in Washington weiter gefunden haben, daß die Kinder der Arbeiterbevölkerniig auch ge- ringere geistige Leistungsfähigkeit als andere Kinder hatten. Zu verwundern wäre auch das nicht, da ia die geistige Leistungsfähigkeit bis zu einem gewissen Grade von dem Stande der körperlichen Entwicklung abhängig ist. XsuiliM Max Mannheim, Frankfurter Allee 89. Saison-Neuheiten In Kleider-Stoffen vom einfachsten bis L im elegantesten Genre. Hauskleiderstoffe....................... 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Allfang 7'/, Uhr. Retchshalle». Stettiner Sänger. Anfang 7 Uhr. V"ssag«> Panoptikum. Specialis tntcn-Vorstellung. Urania. Jnvalideustr. 57/02. Täglich abends von 5—10 Uhr: Sternwart«. Tnubensir. 48/49. Im Theater: Das Land der Fjorde. Anfang 8 Uhr. SchiilerTheultt (Wallner-Theater). Sonntag, nachmittags 3 Uhr' Ipliix«,,!« anf Taurtn. Schanspiel in 5 Aufz. von W. Goethe. Sonntag, abends 8 Uhr: glftoiritai,« Tage. --chwank in 4 Akten von Franz von Schönthan und Gustav»adelburg. Montag, abends 8 Uhr: Ipbkgeale anf Tanrla Di enstag, abends 8 Uhr: T.net glUeUklobe Tage. Erntral Dhrntev Direktion: loti Ferenoiy. J — IsUMtsupiel-Enscinblo.— Wegen Leginn der Operetten-Saison lczte Sonntags-Aufführung: Der Heiratsiuarkt. Schwank in 3 Akten v. G. Okonkowski. Anfang 8 Uhr. Montag bis inkl. Sonnabend: Die- selbe Borstillung. Sonntag: Die Oelsha. Thalia- Theater. Drcsdenerstr. 72—73. Telephon: Amt IV a Mo. 6440. Eröffaiiiigg-ziorstrilung «in 8. Ttitwiikr. Novität! Der Novität! Platzmajor. Gefangspoffe in 3 Akten von Jean Kren und Alfred Schönfeld. Musik von Gustav W a n d a. Hauptrollen: llm» Thema», Guido Thielscher, Fritz Helmerding, Hans Junkermann, Gerda Walde, Kargarst« Arasep, Kelly Roland, Johanna Junker-Schatz. M Neue Ausstattung. Bor der Borstellung: Miizert kt Theater-Klipeke im Tunnel. Slllet-Sestellungen im Tbeaterbureau. Vorverkauf an der Tageskasse 10 bis 2 vormittags und b bis 7 nach- mittags. Urania Tnnbenstrasae 48/40. Um 8 Uhr; Im Theater: Das Land der Fjorde. Montag dasselbe. Invalldenatr. 57/02: Tägl. Sternwarte. Nachmittags 5—10 Uhr. Berliner Aquarium Unter den Ulnden 68a, Eingang Schadowstr. 14. Heute Sonntag Eintrittspreis 50 Pf. Eeichhaltigste Ausstellung der Welt an lebenden Seetieren, Eeptilien etc. 98/16 Passage-panopiicum Geöffnet von 9 Uhr früh bis 10 Uhr abends. Hippel Stettiner (juartett- u. Humoristen- Ensemble. CASTANS PANOPTICUM Die sensationellen :JG~ lebenden-�« Photographien! In Lebensgrüsse. 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Daher erblickte man bis um 8 Uhr nur wenig Leute an den Eingängen des Lyceums, in dem sich unter der Ueoerwachung des Gewissens der Menschheit das entsetzlichste menschliche Drama abspielt. Gegen neun Uhr entsteht eine Stockung in der Menge, die sich allmählich vergrößert hat, und die Journalisten erhalten die Er- laubms, die Absperrungslinien der Soldaten zu überschreiten und das Lyccnm zu betreten. Dann wird das Publikum gruppenweise ein- gelassen, wobei die Schutzleute sorgfältig daraus achten, daß die Neugierigen nicht irgend eine Waffe mitbringen. Nach Verlauf einer halben Stunde ist der Saal gefüllt. Man unterhält sich nur wenig über die vorausgegangene ge- Heime Sitzung. Man ist überzeugt, daß sie weder für, noch gegen Dreyfus etwas Interessantes bieten kann. Was kann in der That bei der Prüfung von Dokumenten über Fabrikationsgeheimnisse herauskommen, und welche Schlußfolgerungen könnte man ans dieser Prüfung im Sinne der Verteidigung oder der Anklage ziehen? Das Bordercau spricht von den Stücken, die es ankündigt, zu unbestimmt, als daß man sie genau bezeichnen und über sie diskutieren könnte. So heißt es z. B. im Bordereau:„Bei- geschlossen ein Schriftstück über die Madagnskar-Expcdition". Handelt es sich um die Verproviantiernng der Truppen? um die Taktik, die bei der Expedition eingeschlagen wird? oder um irgend etwas anderes? Bei der Bezeichnung des Bordercaus kann man un- möglich sagen, welches der Gegenstand des bezeichneten Stückes lein wird. Nun ist das Bordereau bei den anderen ausgezählten Stücken nicht klarer, und unmöglich kann man sie genau bestimmen. Warum läßt man also aus dem Ministerium geheime Dokumente kommen, die sich recht gut gar nicht aus die zu beziehen brauchen, die ini Bordcrau aiifgezählt sind, und warum tritt man in eine un- nütze und eitle Diskussion über sie ein? Geheimniß, Gerechtigkeit und Kriegsgericht T Um SVe llhr wird die öffentliche Sitzung eröffnet und der Hauptmann Lebruu-Renanlt von der republikanischen Garde, dem Elite-Korps der Gendarmerie, hereingeführt. Der Hauptntann Lebrun- Renatilt ist ein plumper Tölpel, von dummem, brutalem Aussehen. Er war iin Jahre 1894 vor und nach der Vornahme der Degradation mit der Bctvachnng Dreyfus' betraut. Bekanntlich hatte er ins amtliche Journal in die Rubrik Beobachtungen geschrieben:„Es ist nichts zu bemerken." Aber einige Tage später behauptete dieser Ehrenmann, man weiß noch nicht, aus welchem Grunde, er hätte Geständnisse von Dreyftts empfangen. Obwohl der Kassationshof diesen angeblichen Geständnissen an den Hauptmann Lebrun Renaud schon vollständig Gerechtigkeit hat widerfahren lassen, so hatte die Verteidigung diesen Zeugen doch geladen, damit er sich in Gegenwart Dreyfus'' erkläre. Und er hat uns die alte Geschichte erzählt, die er seit drei oder vier Jahren in allen Journalen herumgeschleppt hat. Nachdem er den Saal beschrieben hat, in welchen der Verurteilte geführt war, um die Vornahme der Degradation zu erwarten, fügt Hauptmann Lebrun-Renault hinzu:„Der Hauptmann Drehfus sprach zu mir. Er sagte, daß er im Heere eine große Zukunft gehabt hätte, und daß es ihm unbegreiflich sei, wie man ihn bei dieser Zukunft und seinem Vermögen des Verrats anklage. Aber in einem bestimmten Augenblick ließ er die Wendung fallen: Ich bin unschuldig. In drei Jahren wird meine Unschuld offenbar sein. Der Minister weiß es, er hat es mir vor einigen Tagen in meiner Zelle durch den Kommandanten du Paty de Clam sagen lassen, und er weiß, daß. wenn ich an Deutschland Dokumente' geliefert habe, diese keine Bedeutung hatten, und daß dies nur geschah, um wichtigere dafür zu bekommen. Ich bin unschuldig." Sicherlich ist die Wendung:„Wenn ich Dokumente ge- liefert habe", vom Hauptmann Lebrun- Renault entstellt. Niemand von gesunden Sinnen wird glauben, daß Dreyfus, der fünf Jahre lang nur eine einzige»nunterbrockiene llnschulds- betcuernng hat hören lassen, vor dem Hauptmann Lebrun-Renault die Geständnisse gemacht hat, die dieser berichtet. Warum hat der Hauptmann Lebrun-Renault diese Wendung entstellt? Geschah es bewußt, um sich ein Ansehen von Wichtigkeit zu geben, oder geschah es unbewußt, vielleicht durch Mercicr ge- trieben, der diesem Schwachkopf einVlies, die Auslassung Dreyfus' habe den Charakter eines Geständnisses? Jedenfalls sind auch die Geschichten, welche sich herumgruppieren, ebenso verdächtig, wie die Geschichte der Geständnisse selbst. Lebrun-Renault wurde voin Ministerpräsidenten zum Präsidenten der Republik geschickt, um über seine Unterhaltung mit Drehfus zu berichten. In der Unterhaltung, die er mit diesen beiden Person- lichkciten hatte, vergaß er gerade über den Gegenstand zu sprechen, über den zu sprechen er gekommen war. Dann ist da noch eine Geschichte von einem Notizbuch, in welchem der Hauptmann Lebrun-Renault tägliche Notizen machte. Auf einem Blatt hatte er die Geständnisse des Dreyfus erwähnt. Nun zerreißt er alljährlich das vollgeschriebene Notizbuch. Auch im Jahre 1894 zerriß er es, aber das Blatt mit den Geständnissen bc- wahrte er auf. Dieses Blatt bewahrte er vier Jahre lang, bis zu dem Augenblick, wo der Minister Cavaignac auf der Suche nach Be- weisen gegen Dreyfus ihn rufen ließ und ihm das Blatt abforderte. Nun sollte man meinen, daß dieser Teufel von Blatt von diesem Augenblick an in irgend einem Aktenbündel blieb. Aber keineswegs. Der Minister Cavaignac nahm mit eigener Hand eine Abschrift, und genau am folgenden Tage, nachdem der Minister die Abschrift ge- noinmcn, zcrnß Lebrtin-Renault das Blatt. Dies alles ist itlikkar und läßt die Lüge durchschimmern. Dreyfus hat es seit langem erklärt und wiederholt eS noch einmal:„Ich habe in der That mit dem Hauptmann Lebrun- Renault gesprochen. Ich habe zu ihm gesagt: Ich bin unschuldig, und der Minister'weiß es sehr wohl, er hat es mir durch du Paty de Clont sagen lassen. Man hat mich gefragt, ob ich Dokumente ausgeliefert' hätte, um andere dafür zu erhallen, und ich habe er- widert, daß ich niemals auch nur dre geringste Unklugheit dieser Art begangen hätte. Ich bin unschuldig ic." Daun schleudert der Hauptmann Drehfus Lebrun-Renault noch die treffenden Worte entgegen: „Ich muß mein Erstaunen ausdrücken, heute nach fünf Jahren jemanden zu sehen, der Worte gehört hat. die mit einer llnschulds- beteuerung beginnen, Motte, die er nicht verstanden hat, und der sich erlaubt hat, diese Worte vor seinem Vorgesetzten zu verändern, ohne von dem Beteiligten selbst eine freimütige und deutliche Er- klärnng zu fordern. Das ist ein Verfahren, über das alle anständigen Leute nur ihrer Entrüstung Ausdruck geben können." Und der Hauptmann Lebrun- Renault steigt von der Estrade herab, indem er sehr wohl die ganze Gemeinheit der niedrigen Handlung fühlt, die er soeben begangen. Er ist bleich und hat die At izen gesenkt, indem er nicht einmal wagt, sich im Saale umzusehen, wo er stch auf den ersten Stuhl setzt, den er trifft. Bevor er sich aber bei den Generalen, unzweifelhaft den wirk- lichen Urhebern der Lüge, die er soeben unter seinem Eide ausgesagt hat, niedersetzt, will oder wagt Lebrun- Renault nicht, auf die Frage Laboris zu antworten, ob er den Worten Dreyfus' von Anfang an den Charakter eines Geständnisses zuerteilte. „Das ist ganz persönlich, sagt er. Ich habe meinen Vorgesetzten die Worte berichtet, die ich gehört hatte. Die einen sagen, daß das Geständnisse sind, die andern bestreiten das. Was mich betrifft, ich habe keine Meinung." Armer Mann! Was bei dieser Sache besöilders bemerkenswert ist, ist das, was sich u m d i e A u s s a g e h e r u m s ch l i n g t. � Mehrere Offiziere, Gusrin, Anthoine', de Mittry sc. kommen ihrerseits nun auf die Geständnisse Dreyfus' zu sprechen: Die Regisseure aus dem Generalstab, würdige Nacheifcrer und Schüler der Jesuiten, wissen sehr wohl, was sie thun. Wenn ein einzelner Mensch von den Gestündnissen gesprochen hätte, so würden sie nicht dieselbe Tragiveite haben. Daher haben sie es so arrangiert, daß mehrere Offiziere darüber Zeugnis ablegen. Wohlgemerkt, es handelt sich immer nur um Worte, die von Dreyfus zu Lebrun-Renault gesprochen sind, und um nichts anderes. Und nun kommen diese Erbärmlichen aus den Zeugenstand, um zu berichten, X. habe zu U gesagt, daß Dreyfus Z gegenüber Ge- ständnisse gemacht habe. Auch wird man niorgen in den nationalistischen Blättern lesen können, daß fünf oder sechs Offiziere die Geständnisse Dreyfus' be- stätigt haben, und daß man sich davor beugen muß, obivohl es sich in Wahrheit immer nur um Worte handelt, die von eineni Schwach- kops vielleicht unbewußt falsch aufgefaßt und von den verbrecherischen Offizieren zu Gunsten ihres Avancements als Treppenklatsch weiter getragen sind. Traurig, traurig fürwahr! und je tveitcr wir kommen, desto deutlicher sehen wir die Fäulnis dieser Armee von geschnürten Jesuiten, die nur der Lüge und Fälschung fähig sind. Der Kommandant Forzinctti schloß heute die Reihe der Zeugen ab. Er war im Jahre 1894 Direktor des Gefängnisses Cherchc-Midi, und er erzählt die Ueberführung Dreyfus' in dieses Gcsänguis, eine lleberführimg, die ihm die unbedingte Ueberzeugung von der lln- schuld des Verurteilten beibrachte. Er gab uns auch einige empörende Einzelheiten über die Besuche, ivelche der Oberst du Paty de Clam bei Drehfus, machte. Der Erbärmliche fügte Treyfus eine unausgesetzte Folter zu. Er drang, versehen mit einer Blendlaterne, mitten in der Nacht in die Zelle ein, und warf plötzlich Lichtivogen auf das Gesicht des lln- glücklichen, iim das Geheimnis seiner Schlaflosigkeit zu erlauschen. Aber diese Einzelheiten sind dem Präsidenten Jonaust ersichtlich peinlich. Er ersucht den Zeugen, schneller zur Sache zu kommen, und versucht, dieses grade Gemüt, welches die Wahrheit sagt, eiuzu- schüchtern. Verlorene Mühe! Forzinetti läßt sich nicht aus der Fassung bringen, und macht seine Aussage niit ihren Einzelheiten unter einem fast religiösen Schweigen der Zuhörerschaft. Vevscmunhmsen. Eine öffentliche Versammlung der Ciselenre tagte am Donnerstag im„Dresdener Garten". Sie beschäftigte sich mit der endgiiltigcii Stellungnahme der Ciselenre Berlins zur Verkürzung der Arbeitszeit. Brückner als Referent zu diesem Punkte bedauert zunächst, daß gelegentlich der vorgenommenen Bcrufsstatistik so wenig Fragebogen eingegangen sind. Von etwa 400 Cisclcurcn haben nur 128 die gestellten Fragen beantwortet. In einer Anzahl von Fällen ist der neunstündige stcilweise auch ein kürzerer) Arbeitstag durchgeführt, doch zwei Drittel der Fragebeautwortcr arbeiten länger. Außerdem herrscht in hohem Maße die Ueber- stunden- und Sonntagsarbeit. 22 Fragebeant worter haben sogar s i e b e"n u n d z Iv a n z i g m a'l N a ch t s durch- gearbeitet! Dabei ergicbt die Statistik die merkwürdige That- fache, daß die Zahl der Ueberstuiiden und die in Stunden aus- gedrückte Arbeitslosigkeit fast gleich hoch sind, so daß schon die Bc- seitigung der Ueberstunden die Arbeitslosigkeit fast aufheben würde. Redner führt dann aus, wie aufreibend die Arbeit ist. Nach der Statistik leutfallcn auf das Lebensalter von 21— 2ä Jahren 123 Kollegen. Die Anzahl derselben schrumpft von 5 zu 6 Jahren immer mehr' zusammen, bis im Alter von 46—20 Jahren noch— 2 übrig bleiben. Es liegt auf der Hand, daß die fehlenden nicht alle selb- ständig geworden sind, sondern daß sie durch Krankheit. Tod und Ausscheiden aus dem Beruf deziniiert find. Redner fordert die Durchführung der neunstündigen Arbeitszeit in allen Werkstätten und Beseitigung der Ueberstunden und Nachtarbeit. Diese Forderung ist um so berechtigter, als bei etwa der Hälfte der Geschäfte die neunstündige Arbeitszeit bereits durchgeführt ist. Redner faßt zum Schlüsse seine Forderungen in einer Resolution zusammen. In der Diskussion wird u. a. ausgeführt, daß die Mitglieder deS Industriellen- Verbandes sich dahinter verschanzen, daß sie bei K o n v e n t i o n a l- st r a f e keine Arbeitszeit- Verkürzung bewilligen dürfen! Zu anderen Konzessionen sind die Herren eventuell bereit. sAlso Terrorismus in aller Form! Etwas'für die Zuchthaus- vorläge. Der Berichterstatter.) S i c b e r t führt dagegen ans, daß die Herren sich ebenso verpflichtet haben, Arbeiter nur dem Arbeits- Nachweis des Jndtistriellen Verbandes zu entnehmen. Die gegen- wärtige Konjunktur zwingt dieselben trotzdem dazu, Arbeitskräfte vom Arbeitsnachweis der Ciselenre zu entnehmen. Diese günstige Konjunktur muß ausgenutzt werden, mit der Konventionalstrafe mögen die Herren untcrcinandcr fertig werden. Redner ist jedoch dafür, daß nur in den Werkstätten die Arbeit niedergelegt wird, in denen zwei Drittel der Beteiligten sich dafür erklären. Köhler betont dem gegenüber, daß es für die Bewegung wertvoller sei, wenn' dem Kapital möglichst viel Arbeits- kräfte entzogen werden. Außerdem dürften durch das Vor- gehen einzelne Schwankende mitgettssen werden. In seinem Schluß- wort erinnert B r ü ck n e r die Anwesenden noch einmal nachdrücklich an die Pflicht der Organisation. Die Resolution des Referenten, welche die Forderungen formuliert, wird gegen zwei Stimmen angenommen. Die Forderungen sollen am Sonnabend in allen Werkstätten vorgelegt werden, in denen sich eine Majorität für den Eintritt in die Bewegung ergicbt. Mit einer kräftigen Ansprache schließt der Vorsitzende die Versammlung. Die Glaser hielten am Montag, de» 28. August, eine gut be- suchte öffentliche Versammlung in den„A r m i n h a l l e u" ab. Jahn gab den Bericht über die Lohnbewegung, an den sich eine rege Diskussion anschloß. Einzelne Redner beantragten. die For- dcruugcn sofort den Unternehmern zu unterbreiten. Die Mehrheit wünscht jedoch nichts zu übereilen, da die Unterhandlungen des Gesellenausschusses mit der Innung im Gange sind. Montag. den 4. September, wird eine große Agitattonsversamnilung ebendaselbst abgehalten, in tvelcher Bericht von der Kommission erstattet wird, wie weit die Verhandlungen mit der Innung gediehen sind. I» Charlottenburg tagte am Freitag eine Parteiversammltmg. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrte man das Andenken des Genossen I a c o b e y durch Erheben von den Plätzen. Nach einem beifällig aufgenommenen Vortrage des Genossen Z u b e i l. der über die So'cialdemotratie im Reichstage sprach, beschäftigte sich die Vcr- sammlung mit Anträgen zur Kreiskonferenz und zum Parteitage. Görke brachte einen Antrag für die Krciskonfercuz ein, welcher besagt:„Zum Zweck weiterer Verbreitung der„Märkischen Volks- stimme" ini Kreise Teltow-Beeskow-Charlottenburg möge der„Märk. Volksst." vom 1. Oktober ab die„Neue Welt" auf Kosten der Agitations- Konimission für die Provinz Brandenburg beigelegt werden. Bleck erklärte sich nicbt einverstanden mit' der Stellung, die dgr Parteitag seither zur Maifeier eingenommen hat. Der Redner meinte, viele Parteigenossen, die sich an der Maifeier nicht be- tciligen, könnten sich auf den Parteitagsbcschluß berufen, welcher die Arbeitsruhe am 1. Mai nur da empfiehlt, wo es möglich „Märkischen Verbreitung Vorsitzende» ihm ausist. Um eine einheitliche Maifeier herbeizuführen, müsse die Arbeitsruhe jedem Genossen zur Pflicht gemacht wer- den. Ivas der Stärke und den heutigen Verhältnissen der Partei durchaus angemessen sei. Weiter trat der Redner für Ver- billigung des„Vorwärts" ein. F l e m m i n q vertrat die Ansicht, die bisherige Stellung des Parteitages zur Maifeier sei die richtige, aber die Gewerkschaften hätten die Aufgabe, für möglichst allgenteme Arbcitsrnhe zu wirken, die ja auch von Jahr zu Jahr bedeutender geworden sei. Zubeil billigte gleichfalls die Parteitagsbeschlüffe bezüglich der Maifeier und meinte, wenn auch der Parteitag eine dem' Wunsche des Genossen Bleek entsprechende.Haltung zur Maifeier einnehnten würde, so werde das an den thatsächlichen Ver- hältnisirn nichts ändern, deun es gäbe leider noch große Massen don indifferenten Arbeitern, auf welche die Parteitagsbeschlüsse nicht wirken. Ilebrigens sei nicht zu verkennen, daß dte Teilnahme an der Maifeier mit jedem Jahre lebhafter geworden sei. Was die Verbilligung des„Vorwärts" betreffe, so sei es sehr tm- wahrscheinlich, daß eine Herabsetzung des Preises um 10 oder 20 Pfennig eine derartige Vermehrung der Abon- uenten zur Folge haben würde, daß dadurch die Einbuße an der Einnahme ausgeglichen werden würde. Der Leserkreis eines Blattes, welches einen s'o ausgeprägten Parteistandpunkt einnimmt wie der„Vorwärts", lasse sich nicht durch Herabsetzung des Preises beliebig vergrößern. Görke schloß sich hinsichtlich der Maifeier und der Verbilligung des„Vorwärts" den Ansfiihrungen Zubeils jm. dann empfahl er seinen Antrag bezüglich der Volksstimme", von dem er sich eine weitere des Blattes verspricht. Auf eine Aufrage des Sellin bemerkte Bleek, er wolle die von gesprochenen Wünsche nicht zum Antrage erheben, sondern nur eine Anregung dahin geben, daß sich die organisierten Arbeiter verpflichtet fühlen, den 1. Mai zu feiern, und daß mit der Freiwilligkeit der Maifeier gebrochen werde. S e b i k o w führte aus: Die Land- agitatlon lasse viel zu tvünschen übrig. Es müsse mcht nur während der Wahlagitation, sondern zu allen Zeiten eine ständige Fühlung zwischen den großstädtischen und den ländlichen Arbeitern aufrecht erhalten werden..Die Land- agitatlon leide unter dem Umstände, daß die städtischen Arbeiter die Verhältnisse der Landarbeiter nicht genügend kennen. Die Flugblätter, welche auf dein Lande, verbreitet werden, würden von den ländlichen Arbeitern nicht verstanden. Dagegen fehle es durchaus nicht au guten Schriften, die gerade für die Landagitation geeignet sind. Es handle sich mir darum, daß diese Schriften den Landätbcitcrn zugänglich gemacht werden. Zu diesem Zweck und im Interesse eiucrplanmäßigcn Agitation beantragte der Redner: Der Kreis» Vcrtrnllensmann möge dafür sorgen, daß in jedem Ort mindestens sine Person vorhanden ist, durch welche die Verbindung des Ortes Mit den Vertrauensleuten aufrecht erhalten wird. Zubeil be- merkte demgegenüber, die Ausführung des Antrages Sebikow werde au der Größe der Agitationsbezirke und an dem Mangel geeigneter Personen scheitern. Die Bauarbeiter, zu denen Sebikow gehöre, könnten viel für die Landagitation thun. Wenn sie. was ja meistens der Fall sei, des Sonnabends nach ihrem ländlichen Heimatsorte reisen, wäre es eine Kleinigkeit, sich vom Vertrauensmann Agitationsmntcrial zu holen und solches in ihrer Heimat zu ver- bieiteli. Leider habe Redner die Erfahrung gemacht, daß die in Berlin beschäftigten Bauarbeiter. Iveltn sie auch Parteigenossen sind. in ihrer Heimat nicht als Socialdemokratcn gelten mögen.. Die vorhandenen Kräfte könnten nicht ausschließlich in den Dienst der Landagitation gestellt werden, denn in den großen Vor» orten von Berlin sei noch viel zu thun und hier dürfe die Agitation nicht vernachlässigt werden. Görke vertrat die Ansicht, daß es mit den Fortschritten unserer Partei aus ddm Lande nicht so ungünstig sei wie Sebikow meine. Es gehe zwar langsam vorwärts, aber die Zahl unserer Anhänger in den ländlichen Kreisen iiehnte doch beständig zu. Nach einer knrzcn De» bnttc über zwei von F e n s ch e l eingebrachte Anträge erfolgte die Abstimmung über die vorliegenden Anträge. Der Antrag Görke, die„Märk.'Volksstimmc" betreffend, wurde angenommen, der Antraif Sebikow abgelehnt, einer der von Fcnschcl gestellten Anträge, welcher dt» Parteitag fragt, was er zu thnN gedenkt, um Fälle wie der des HeizerS L. im 1. Wahlkreise für die Znknitft zu verhindern, wurde zurückgezogen, der andere Antrag Fenschcl aber angenoinmen. Der- selbe lautet:„Das hohe Parteiparlament s?) fordert die socialdemo- kratische Fraktion des Deutschen Reichstages ans, mit allen ihr zit Gebote stehenden Mitteln gegen die Beschränkting und Einengung des fteien Wortes durch die jetzige» Präsidenten energisch zu pro» testieren, da der Reichstag die einzige Stiiite ist, in der das obdach- löse freie Wort eine Zufluchtsstätte finden kann und muß." Als Helegitrtc zur Kreiskonserenz wurden Siegrist. Kaden und Sellin gewählt. Arbeiter- BildimgSschiile. Aimenstr. 16, Hof 1 Tr. Montag i Nattönalökononiic lArbeiterschich-Geseheebiivg und Arbciter-V-r- sichmmz in den curovcü scheu Länderu): Vvrtrcigeudcr: Schriftsteller Pauk Sirs ch. Begiim 0 llhr. Die Bibliothek ist von 8-9 Uhr und in der Pause flcßmict. Zahlstellen: Gottfr. Schulz, Admirnlstr. 40a; N e u l, BaruIMr. 42; Schiller, Lioscnthalerstr. 57; G l e i n e r t, Miillcrstr. 7a. Worsi Heilder Her tu a u n 2 um nie, S. 59, Hmenhaide 72. Art'eitcr-Sitngcrbiiiid Berlins tnid der Umgegend. 1. Vorsitzender: Ad. Neiiuiatui, Vnmueustr. 150. Alle Aendcrüiiacn int Vereinskalendcr sind zu richten an Friedrich Kortum, Lausitzcrstrane 33. Montag, abends 9—11 Uhr. Nebiiugsstunde und Ausnahme neuer Mitglieder.—„Zukunft Ii Steglitz, Ahorustr. 10.-„Harmonie". Nestaur. Feind. Weinstraße Ii) -„Tvnblüte Grolmisch. OpheMerstraße 19.- ,. Liedcssreiheit IT/', Strausberg. Magnus. Wilbelmstrahe.-„Freva II" kgcmischtcr Chor). Riisch, Ficbteftr. 19.-„Solidarität". Leonhardt, Benthstr. 19.-„Berliner Damen- -„Rote Rose", Pnnzen-Allee 44.-„Liedeslnst III", Alt-Gliemcke, Sag. Änwdttcrstr. 19 a.-„Vorwärts IX" Charlottenburg, Bei«, Wallstr. 94.— „Scneselder I", Schiller, Rosenthalerstr. 57. Arbeilcr-Nnuchetbund Berlins»nd der Umgegend. Aenderimgen ich Bettinskalcndcr sind zu richten an Engen Raschle, Rixdorf. Mahlowev straste 1/ 4 Treppen.— Sonntag:„Wally". Schütte. Bieienthalerstr. 10 (vornt. 19 Uhr).- Montag, abds. von 9-11 UHC: Klub-Abend und Ans- nähme neuer Mitglieder:„Merilaner", H. Baatz. CotheniuSftr. 3.— „Abguß II", Schulz. Hvchstcstr. 33.-„Freundschaft Vorwärts", Kartze, Dunckttstr. 2.—„Fidcle Kolviusten", Klinge. Koloniestr. 137.—„Blaue Schleise". Boden. Oppelnerstr. 13.-„Grüne Linde", Kaseda, Drontheimerstr. 1a. Gesang-, Turn- und gesellige Bereinc. Sonntag. Theatervercitl , /Crescendo", Linieustr. 73.- Dramatisch« Klub„Licbesglück", Cremmenctt strafte l.- Vcrgnügungsv.„Jngwelde", Schulz. Dunckcrstr. 99.- Theater». „Vorwärts", Jonas, Gr. Frankfurterstt. 42.- Theateiv.„Schiller", Garbricl, Wildeiiowstr. 5.— Geselliger Klub„Neptun", Rotzstr. 3.— Theatcrverein „Amorclla", Britzerstr. 19.— Pr.-Tbcater- u. Sp.-V«.„Alpenrose", Weih, Jnvalidenstrafte 146.- Montag: Theater».„Weifte Rose", Reichcubcrgett strafte 19.- Vergnügnugsv.„Bavaria", Schulz, Dimclerstr. 99.- Rauchkl. „Portoriko", Bülowftr. 46.- Gesangv.„Männerklang", Pinzer, Schützen- strafte 18/19. Lese- und Diskiitierklnbö.„Polnisch. DiSkittterN.„Jaroslaw Dom- browsky in Rixdors", Preftler, Ziethenstr. 69 tagt jeden Sonntag nach dem 15., nachm. 5 Uhr.- Montag:„Leopold Jakoby",Zippke. MarluSstr 14 (Eingang Grüner Weg), icdcn Montag nach dem 1. u. 15. im Monat.— „Nordkantc", Franz Glcinert, Schulstr. 29. Arbeiter- Tnritcrbiind. Sonntag: Turnv.„Fichte", Lichtenberg, Asche, Weifteuseeer Weg; jeden Sonntag von 3 Uhr an volkSthümliches Turnen.— Montag: Turnv.„Fichte", B«1tn, abends von 8—19 Uhr, 7. Männer- Abt., Reichenbergerstr. 131; 2. Damen-Abt., Ackcrstr. 67.} 7. Lehrlings-Abt., Wasierthorstr. 31. Arbetter-Steiiographeuverein„Stolze".(EinigmigSsystem). Moit- tag: Bezirk„Norden", bei Krause, Müllerstr. 7a, abends 8t/z llhr. 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