Anterhaltungsblatt des vorwärts Nr. 42. Dienftaq, den 28. Februar. 1899 (Nachdruck verboten) Dev kelzke Tcrg vines Vevttrt5)eilkcn' 1ö) Von Victor Hugo. Aus dem Französischen von Paul Linsemann. (Schluß.) XLVIL Meine Geschichte. Anmerkun g des Herausgebers.— Man hat die Blätter, die sich an das Vorliegende anschließen, noch nicht aufgefunden. Vielleicht hat der Verurrhciltc, wie die folgenden Blätter anzudenteu scheinen, keine Zeit mehr gehabt, sie zu schreiben. Es war schon zu spät, als er den Plan dazu faßte. XLvm. Aus einem Zimmer des Stadthauses. Aus dem Stadthause!...— So bin ich also hier. Die abscheuliche Ueberfahrt ist geschehen. Da liegt der Platz vor mir. Uirter dem Fenster heult die widerliche Menge. Unter Gelächter erwartet sie mich. Vergeblich hatte ich mich aufgerafft und zusammengenommen. Mir wurde schwach. Als ich über die Köpfe hinweg die beiden großen rothcn Arme mit dem dunklen dreieckigen Beil zwischen den beiden Laternen des Quais sich erheben sah, da war es niit meiner Kraft aus. Ich der- laugte, eine letzte Erklärung machen zu dürfen. Man brachte mich hierher und schickte nach einem Staatsauwalt. Ich warte auf ihn. Wenigstens diese Frist gewonnen l Es verlies so: Drei Uhr schlug es. Man kiindete mir an, daß eS Zeit sei. Ich zitterte, als ob ich seit sechs Stunden, seit sechs Wochen, seit sechs Monaten an etwas anderes gedacht hätte. Es wirkte auf inich wie etwas Unerwartetes. Wir durchschritten lange Korridore und stiegen Treppen hinunter. Durch zwei kleine Thüren des Erdgeschosses wurde ich in einen fmftercn engen und gewölbten Raum gestoßen, in den nur schwach ein regnerischer und nebliger Tag fiel. In der Mitte stand ein Stuhl. Man hieß mich niedersitzen, >vas ich auch that. In der Stahe der Thür und rings an den Wänden standen mehrere Personell, darunter der Priester und der Geudarm. Drei Menschen fielen mir außerdem besonders ins Auge. Der erste, der größte und älteste voll ihnen, sah feist aus und hatte ein rothcs Gesicht. Er trug einen Ueberrock und einen unförlnigen dreieckigen Hut. Das war Er, der Henker, der Knecht der Guillotine. Die beiden Anderen waren wiederum seine Knechte. Kaum hatte ich mich hingesetzt, als die beiden Anderen von hinten, wie Katzen, auf mich zuschlichcm Dann spürte ich plötzlich tn meinen Haareil ein kaltes Eisen und die Scheere knirschte an meinen Ohren. Meine Haare wurden kreuz und quer abgeschnitten und fielen in Büscheln auf meine Schultern. Der Mann mit dem dreieckigen Hut fegte sie bedächtig mit feiner großen Hand fort. Um mich herum sprach man mit leiser Stimme. Draußen war ein großer Lärm, der brausend durch die Llift zitterte. Zuerst glaubte ich, daß es der Fluß sei; aber an dem Gelächter merkte ich, daß es die. Menge war. Ein junger Mann, der in der Nähe des Fensters stand und mit einem Bleistift in eine Brieftasche schrieb, fragte einen der Schließer, wie man das nenne, was man hier mache. „Die Toilette des Vcrurtheiltcn", war die Antwort des andern. Ich dachte mir dabei, daß dies morgen in der Zeitung stehen würde. Plötzlich zog einer der Knechte mir die Jacke aus, der andere ergriff meine beiden herabhängenden Hände und legte sie auf meinen Rücken zusammen. Ich fühlte, wie meine Handgelenke mit einem Strick gefesselt wurden. Gleichzeitig knüpfte der andere mein Halstuch ab. Mein Battisthemd. der einzige Fetzen, der mir von früher übrig geblieben war, macht« ihn einen Augenblick stutzig; dann fing er an, den Krage» abzuschneiden. Bei diesem schrecklichen Vorgang, als das Eisen meinen Hals berührte, zitterten meine Kmee, und ich stieß einen dumpfen Schrei aus. Die Hand des Knechtes zitterte. „Entschuldigen Sie," sagte er.„Habe ich Ihnen wehe gethan?" Die Henker sind sehr zartfühlende Menschen! Die Menge heulte draußen noch lauter. Der dicke Mann mit dem finnigen Gesicht bot mir ein mit Weinessig getränktes Taschentuch an. „Tanke." sagte ich zu ihm so laut ich konnte,«ich habe es nicht uöthig. ich befinde mich ganz wohl." Dann bückte sich einer von beiden Knechten und fesselte mir beide Füße mittels eines dünnen Strickes, so daß ich nur kleine Schritte machen konnte. Der Strick um meine Füße wurde dann mit dem um meine Hände zusammengeknüpft. Der dicke Mann warf mir dann die Jacke über den Rücken und schlang die Aermel unter meinem Kinn zusammen. Sie hatten jetzt ihre Arbeit verrichtet. Nim kam der Priester mit seinem Kruzifix und sprach: „Wohlan, mein Sohn." Die Henkersknechte faßten mich unter die Anne. Ich er- hob mich, ich ging vorwärts. Mein Gang war schlaff und ich knickte ein, wie wenn ich zwei Kniee an jedem Bein hätte. In diesem Augenblick öffnete sich die äußere Thür auf zwei Schläge. Wildes Geschrei, kalte Lust und helles Licht drangen in die Dunkelheit bis zu mir. Aus der Tiefe des finsteren Gemaches sah ich plötzlich auf einmal durch den Regen die tausendköpfige heulende Menge, die enggedrängt an dem Geländer der großenTreppe des Justizpalastes stand; zurRechten. ingleicherHöhe mit der Thürschwelle, eine Reihe vonGendarmerie- Pferden, von denen ich durch die niedrige Thür nur die Vorder- süße und die Brustriemen sehen konnte. Mir gegenüber eine Abtheilung Soldaten in Reih und Glied; zur Linken, der härtere Thcil eines Karrens, an den sich steil eine Leiter lehnte. Ein gräßliches Bild, das da in den Rahmen einer Gesäugmß- thür gesaßt war. Für diesen gefürchteten Augenblick hatte ich meinen Muth ausgespart. Ich ging drei Schritte vorwärts und erschien auf der Schwelle der Zelle. „Da ist er. da ist er," brüllte die Menge.„Er kommt! Endlich!" Und die mir am nächsten standen, klatschten in die Hände. Als wenn der König erschienen wäre! Aber das würde ihnen kaum soviel Freude gemacht haben. Es war ein gewöhnlicher Karren, mit einem schwindsüch- tigcn Gaul davor. Der Kutscher hatte einen blau und roth gestreiften Kittel an. wie ihn die Gcmüsegürtner in der Um- gegend von Bk!tre tragen. Der dicke Mann mit dem dreieckigen Hut stieg zuerst auf. „Guten Tag, Herr Sanson," schrieen die Kinder, die sich an Fensterpfostcn angeklammert hatten. Ein Knecht folgte ihm. „Bravo, Mardi," schrien die Kinder von Neuem. Beide nahmen auf den Bänkchen im Vordertheil deS Wagens Platz. Shm kam ich. Ziemlich gefaßt stieg ich auf. „Er geht ganz sicher!" sagte eine Frau, die in der Nähe der Gendarmen stand. Dieses grausame Lob flößte mit etwas Muth ein. Der Priester setzte sich neben mich. Mein Platz war aus dem Bünkchen im Hintertheil des Wagens. Den Rücken nach dem Pferde zul Mir schauderte ob dieser letzten Zuvor- kommenhett. Darin beweisen sie Menschlichkeit! Ich wollte um mich blicken. Gendarmen vorn, Gendarme» hinten; dann eine unabsehbare Menge; ein Meer von Köpfen aus dem Platze. Eine Abtheilung von Gendarmerie zu Pferde erwartete mich an dem Gitterthor des Justizpalastes. Der Offizier gab ein Kommando. Der Karren und seine Bedeckung setzte sich in Bewegung, als ob das Geheul deS Pöbels ihn vorwärts stieß. � Wir passirten das Gitterthor. Im Augenblick, als da — 1G0 Karren auf den Port au Change zufuhr, brach ei» Gcbriill auf dem Platze vom Pflaster bis zu den Dächern aus. Von den Brücken und den Quais schallte es zurück, daß beinahe die Erde bebte. Das Piquet, das dort wartete, schloß sich der Bedeckung des Karrens an. «Hut ab, Hut ab," schncen tausend Kehlen zugleich.— Da mußte auch ich verzweifelt lachen. Ich sagte zum Priester: „Sie die Hüte ab, ich den Kopf ab. Im Schritt ging es weiter. Auf dem Blumen-Quai duftete es stark; es ist Markttag hent l Die Blumenverküuferiunen haben ihren Stand ver lassen, um mich zu sehen. Gerade gegenüber, kurz vor dem viereckigen Thnrme, der die Ecke des"Justizpalastes bildet, sind einige Kneipen, deren Entresols voll von Zuschauern sind, die über ihre schönen Plätze glücklich sind; besonders die Frauen. Die Kneipwirthe haben heute einen guten Tag. Man vermiethet Tische, Stühle. Gerüste und Karren. Alles kracht unter der Last der Zuschauer. Die Verkäufer von Menschenblut schreien aus vollen» Halse: „Wer will noch einen Platz?" Wuth ergriff mich gegen diesen Pöbel. Ich hatte ihm zuschreien mögen: �„Wer will meinen Platz haben?" Der Karren fuhr indcß iveiter. Bei jedem Schritt nahm die Menge hinter ihm ab, und ich sah, daß sie sich weiter oben an anderen Punkten meines Weges wieder aufstellte. Als wir am Pont au Changc ankamen, sah ich zufällig hinter mich nach rechts. Mein Blick fiel auf einen düsteren und alleinstehenden, mit Skulpturen bedeckten Thurm auf der anderen Seite des Quais, der die Häuser überragte. An seiner Spitze erblickte ich zwei Ungeheuer aus Stein. Ich weiß gar nicht recht, warum ich den Priester fragte, was das für ein Thurm sei. „Saint-JaqucS-la-Boucherie"') gab mir an seiner Statt der Henker zur Antwort. Ich weiß nicht, wie das kam: trotz des Nebels und trotz des feinen und hellschimmcrnden Regens, der die Luft wie ein Spinnnetz durchwebte, entging mir nichts von alledem, was um mich herum vorging. Jede Einzelheit davon ver- ursachte mir neue Qual. Die Worte fehlen mir für diese Stimmungen. Mitten auf dem Pont au Change. der trotz seiner Breite die Menschenmenge kaum fasten konnte, so daß wir nur mit vieler Mühe hinüberkamen, packte mich ein gewaltiges Grauen. Ich fürchtete, ohnmächtig zu werden. Die letzte Schwäche I Darauf versuchte ich mich selbst zu betäuben, und blind und taub für Alles zu sein. Nur den Priester wollte ich hören, dessen Worte, von» Getöse unterbrochen, ich aber kaum vernäh»»». Ich ergriff das Kruzifix und küßte es. „Erbarme dich meiner, o mein Gott," betete ich.— Ich versuchte, mich in diesen Gedai»ken zu vertiefen. Aber jeder Stoß des Karrens erschütterte mich. Dann empfand ich plötzlich eine große Kälte. Der Regen hatte meine Kleider durchweicht und meine Kopfhaut durch mein kurz- geschorenes Haar genäßt. „Du zitterst vor Kälte, mein Sohn?" fmgte mich der Priester. „Ja", antwortete ich. Ach l Nicht allein vor Kälte. Am Ende der Brücke beklagten mich Frauen, daß ich so jung sei. Wir fuhren über den verhäi»gnisvollen Quai. Ich sah und hörte nichts nie Hr. All' diese Stimmen, all' diese Köpfe an den Fenstern, an den Thüren, in den Läden. an den Laternenpfählen; diese blutlechzenden, grausamen Zuschauer; diese Menge, in der alle mich konnten und von der ich Niemand kannte; der Weg, der mit incnschlichcn Gesichtern gepflastert und eingeschlossen ist... Ich war wie trunken, und betäubt. ES ist etwas Unerträgliches, wenn das Gewicht so vieler Blicke auf einen» ruht. Ich schwankte auf der Bank hin und her und schenkte ntcht emmal mehr den» Priester und dem Kruzifix Aufmerk- sanrkeit. In dem Tumult, der mich umwogte, konnte ich nicht •) DaS Schlachthaus zuin heiligen Jakob. mehr die Auslitfe des Bedauerns von deuei» der Freude, das Gelächter von» Weinen, die einzelne»» Stimme»» von dem Gebrüll unterscheiden; alles war für niich ein verworrenes Getöse, das in meineu» Kopfe wie an einer Metallscheibe wiedertönte. Meine Augen lasen mechanisch die Schilder an den Ver- kaufslädcn. Einmal packte mich noch die seltsaine Neugier, den Kopf uiilzuwenden und zu sehen, wohin ich fuhr. Es »var die letzte Prahlerei des Verstandes. Aber der Körper versagte de»» Dienst; nlein Nacken blieb gelähmt und wie todt. Ich sah nur zu nieiner l»i»kcn Seite jenseits des Flusses den einen Thun»» von Notrc-Dame, der, von dieser Stelle aus gesehen, den andern verdeckt. Er ist der, von den» die Fahne weht. Es waren viel Lc»tte auf dem Thurm. Von dort mußte man alles sehr gut sehen können. Der Wagen fuhr»veiter und weiter. Die Läden gingen vorüber, die A»»shängeschilder, die geschriebenen, gemalten und vergoldete»», folgten aufeinander. Der Pöbel lachte und stampfte mit den Füße»» durch den Schmlltz. Mir war alles »vie in einem Traum. Plötzlich hörte die Reihe der Läden, die meine Blicke be- schäftigtei», an der Ecke eines Platzes ailf; das Gebrüll der Menge wurde noch lauter, kreischender, freudiger. Der Karren hielt plötzlich an, und ich»väre beinahe mit dem Gesicht auf den Boden des Karrens gefallen: Der Priester hielt mich. „Muth," flüsterte er.— Dann wurde eine Leiter hinten an den Karren gelehnt; er gab mir den Arm. ich stieg herunter. ich that einen Schritt, drehte mich dai»n um, um noch einen zu machen und konnte nicht. Zwischen den beiden Laternen des Quais hatte ich etwas Unheiniliches gesehen. Das»var es ja! Ich blieb stehen und sch»vai»ktc, als ob ich den Streich schon erhalten hätte. „Ich habe eine letzte Erklärung zu machen," rief ich mit schwacher Stimme. Man brachte mich hierher. Ich bat, daß man mich meine letzten Wünsche niederschreiben ließe. Sie banden mir die Hände los, aber der Strick liegt bereit vor ii»ir. Da uuten ist das Endet XLIX. Ein Richter, ein Kommissar, oder irgend so ein Beamter ist soeben gekonimen. Ich bat ihn mit gefalteten Händen und auf den Knien um meine Begnadigung. Seine Anttvort unter unheilvollem Lächeln war darauf, ob das Alles sei,»vas ich ihn» zu sagen hätte. „Begnadigung, DBegnadignug," wiederholte ich,„oder— ans Bannherzigkeit, wenigstens fünf Minuten Frist." Wer weiß V Sie wird vielleicht noch konimcn, meine Be- gnadigung. Es ist so schrecklich, in meinem Alter sterben zu müssen I Begnadigungen, die im letzten Auge>»blick kommen, hat man so oft erlebt. Und wen sollte man begnadigen, »venu nicht mich? Dieser vernichte Henker! Er trat auf den Richter zu. um ihm zu sagen, daß die Hinrichtung zu einer bestimmten Stunde vor sich gehen müsse, daß diese Swnde gekoinmen, daß er verantwortlich sei, daß es außerde»»» regne und möglicher- weise die Maschiire rostig werden könne. „Aus-Barmherzigkeit, nur noch eine Minute, um»iieine Begnadigung zu envarten! Oder ich»vehre mich, ich beiße!" Der Richter und der Henker sind hinausgegangen. Ich bin allein.— Allein mit zwei Gendanncn. O das schreckliche Volk niit seinen» Hyänengehenl!— Wer weiß, ob ich ihm nicht doch noch entrinnen werde? Ob ich nicht gerettet werde? Wenn ich begnadigt»verde?... Es ist unn»öglich, daß nian mich nicht begnadigt! O, die Elenden! Mir scheint, sie ko»»inen schon die Treppe herauf... V i e r U h r. tNachdnick verböte»».) Olivenöl. DaS Olivenöl wird in vorzüglicher Qualität im südliche» Frank- reich— daher der Name Provenceröl— in der Nivicra, m Mittel- und Süditalien, Jstrien, Dalmatien, Griechenland und der Levante, Kalifornien, Pcrsien und Australien erzeugt. Ein besonders frucht- bares Produktionsgebiet ist die den Golf von Neapel im Südosten abschließende Halbinsel Sorrent. Die Ernte ist hier bislveilen noch einträglicher als die der Orangen und Citronen. Die ganze Kiistenlinie von Castellamare bis Masialubrcnse ist mit herrlichen Olivenbäumen dicht bepflanzt. Sie wachsen zumeist an den Bergabhängen, denn sie gedeihen am besten auf felsigen,. trockenem Boden. Ihre dicht in einander verflochtenen, knorrige» Zweige sind von phantastischer Gestalt, und die duiilelgrünen, silberweiß umrahmten Blätter gewähren dem Auge einen Ruhepunkt in der helllenchtcnden Landschaft. Die Oliven ergeben ein oder zweimal im Jahr eine reiche Ernte. Im Monat September beginnt die Frucht eine blan- schwarze Farbe anzunehmen, ist aber bis Oktober noch nicht völlig gereift. Zahlreiche Frnchte werden von kleinen Maden angefressen und fallen dann von den Bäumen; aber auch diese Oliven werden vom Boden aufgelesen und zur Bereitung einer geringeren Sorte Oel verwcrthet. Völlig ausgereifte Früchte liefen, Öel von besonders vorzüglicher Qualität. In einigen Thcilen Italiens werde» sie selten vor dem Monat Dezember gesammelt, aber an der Küste von Sorrcnt ist es gewöhnlich erforderlich, sie schon früher abzunehmen. Die Bauern haben die üble Gewohnheit, die Oliven durch heftiges Schütteln der Bäume herunterzuholen, um sich die Mühe des Hinausklettenis zu ersparen. Natürlich ist das Aufschlagen der Früchte auf den Boden diesen nicht gerade zuträglich, und die Bauern schädigen sich selbst. Sind die Körbe gefüllt, so befördern sie die Frauen auf den Köpfe» nach der Mühle. Die Frucht muß sofort umgeschüttet und möglichst bald ver- arbeitet werden, sonst beginnt sie zu gnhrcn, und das aus ihr bc- reitete Oel erhält eincn herben, unangenehmen Geschmack. Größere Fabrikanten gewinnen das Oel unter Anwendung von Maschinen; aber in Sorrcnt und Umgebung bedient man sich meist»och der älteren Methoden. Die Oliven werden in ein ungeheures Stein- Bassin i'�r Reservoir geschüttet, in dessen Mitte ein Schleisstein rotirt. Die drehbar am Dachgespärre befestigte Welle ist mit einem Quer- ballen versehen, vor welchen, ein Maulesel gespannt wird. Diesem sind die Augen verbunden, damit er nicht schwindelig werde. Der Mühlstein Ivird in Rotation verseht und die Oliven zerquetscht. Mitunter werden Menschen anstatt der Maulesel verwandt, doch ist das eine thörichtc Verschwendung der Arbeitskraft, da zum mindeste» vier Leute, zwei an jedem Ende des Querbalkens, erforderlich sind, um die Arbeit des einen Maulthicrcs ansznsühre». Ein Mann muß mit einem hölzernen Spate» die Oliven beständig unter den Schleif- stein schaufeln, da sie stets gegen die Sciteuwände des Bassins ge- schleudert werden. Wenn die zerquetschte Masse ans dem Bassin entfernt wird, um den Extrakt daraus zu gewinnen, ist sie dunkel- braun und dem Torf ähnlich. Sie wird nun unter die gleichfalls mit der Hand betriebene Presse gethan, welche solvohl durch Frauen wie durch Männer in Bewegung gesetzt wird. Der Extrakt strömt in einen großen Behälter, und in diesem scheidet sich eine wässerige schwarze Flüssigkeit von den, Oel. Erstcrc sinkt zu Boden, während das leichtere Oel an der Oberfläche schwimmt. Ist der Behälter gefüllt, so wird das Oel in große irdene oder gläserne Krüge gefüllt, daS Wasser aber abgeleitet. Nach wenigen Tagen»inß das Oel in andere Krüge geschüttet werden, da sich ein Bodensatz gebildet hak. DicS geschieht nun in gewissen gwischenräumc» stets aufs Neue, bis das Prodult vollkommen klar und rein ist. Der Durchschnittspreis für feines Salat- und Speiseöl be- trägt pro Liter 0,80 bis 1,20 Mark. Das während der Saison be- reitete Oel ist stets wohlfeiler, als das der vorhergehenden Jahre, denn so sorgfältig daS Oel gereinigt wird, bildet sich immer doch noch ein leichter Bodensatz; das ist bei älteren, Oel nicht der Fall. DaS Produkt wird in große» Mengen nach Neapel auf de» Markt gesandt, aber nur in geringen' Mengen exportirt... FcineS Olivenöl sieht hellgelb ans, ist geruchlos und schineckt mild und süßlich. Minder gutes Oel ist ticfgelb oder grünlich, riecht ranzig und hat eine» unangenehmen Geschmack. Das Oel wird in der Medizin, sowohl innerlich als äußerlich, angewandt und dient namentlich zur Bereitung von Pflastern und Salben. Sehr beträchtlich ist auch die Verwcndimg des Oels zur Seifenfabrikation, zun, Schinieren von Maschincntheilen und zum Einfetten der Wolle.— Arnold Roh de. Kleines Feuillekon. gl,, lieber gefärbte Skelette, die in den alten Kurgangräbern (Hügelgräber») gefunden werden, hielt N. E. Brandenburg nach einem Bericht des„Archivs für Anthropologie" in der Petersburger Authro- pokogischcn Gesellschaft einen intcrcstante» Vortrag. In den Dnjcpr- Gegenden Rußlands ist die Thatsache, daß sich in Kurgangräbern gefärbte Skelette finden, zuerst bekannt getvorden; aber seitdem hat sich das Fimdgcbiet weit ausgedehnt, bis zum Asow'sche» Meer und der Halbinsel Taman, über die Gouvernements Kiew und Pultawa hinaus; man muß annehmen, daß es sich um eine Begleiterscheinung eine, besonderen Bewegung handelt, die sich nach Westeuropa hinein bis»ach Frankreich und Italien verfolgen läßt. Das erste farbige Skelett wurde bei der Aufdeckung eines Kurgan bei Alexandropol, des sogenannten Langen Grabes(Dolxaja Mogila) gefunden; es lag in, Erdboden selbst, das Grab war mit Steinplatte» bedeckt, wesentliche Beigaben wurden nicht gesundem In einen, anderen Grabe desselben Kurgan lag neben dem Skelett ein bronzenes Messer, ein grob gearbeiteter Topf und zu Füßen ein Pfcrdeskelett. Im Gouvenrement Kiew waren in einem Kurgan sechs Gräber, von denen zwei gefärbte Skelettknochen ent- hielten; bei einem gefärbten und einem ungefärbten Skelett lag ein eigroßes Stück rother Farbe. Die Schädel waren dolichokephal. In einen, anderen Grabe derselben Gegend lagen neben den Knochen steiucnie und hölzerne Werkzeuge, seltener bronzene und grob- gearbeitete thönerne Töpfe. Achnlich waren die Besimde in den Gouvenicmeuts Pultawa und Jekaterinoslaw. Brandenburg selbst hat eine Anzahl solcher Gräber aufgedeckt. So fand er in eine», Kurgan etwa eine Meile nördlich von Marian, pol am Asowsschen Meer im Erdboden ein großes, fast 2�/2 Meter tiefes Grab, in dem das Skelett eines Krüppels mit stark verkrümmter Wirbelsäule lag. ur Rechten lag ein bronzener Pfeil, zur Linken der Schädel eines naben nebst einigen Knoche», zu Häupten stand ein irdener Topf. An allen Knochen wie auch am Boden des Grabes waren Spure» von rother Farbe bemerkbar. In einen, Kurgnn, der einige Meilen weiter westlich lag und auf dem ein Steinbild stand, fanden sich in» Erdboden vier Grober. Das eine war in Forin eines Ge- wölbes erbaut, mit einer später eingestürzten hölzernen Decke; darin lagen die rothgefärbtcn Knochen eines Skeletts. In einem anderen Grabe lagen neben de», Skelett steinerne und bronzene Werkzeuge und sehr eigeuthümliche irdene Geschirre, die einen leichtrothen An- flng hatten; nachdem diese restaurirt waren, ließ sich feststellen, daß die Farbe unten am Boden derselbe» ihren Platz gehabt hatte. Das Resultat aller dieser Entdeckungen ist, daß gefärbte Skelettknochcn beziv. Skelette sich stets in Gräber», die unmittelbar im Erdboden liegen, finde». Der Änlturznstand der Bestatteten ist sehr niedrig. Die Bei- gaben sind aus Stein, Knochqn und Bronze; eiserne Gegenstände wurden nicht gesunde». Wie man die Färbung der Skelette zu erklären hat, ist immer noch eine Streitfrage, zu der die verschiedensten An- sichten geäußert sind. Daran, daß die Skelette etwa später direkt bemalt wären, ist nicht im Entferntesten zu denken; die Skelett- knochen lagen stets in ungestörter Ordnung im Grabe. Man hat die Farbe ableiten wollen von der Farbe des Grabgewölbes oder Grabdcckels. Demgegenüber ist vor allem darauf hinzuweisen, daß die Knochen auch an ihrer unteren Fläche gefärbt sind und daß auch die Boden der Gefäße Farbenspnrcn auftveisen, während die Decken- sarbe dort doch nicht hiudringcn konnte. Andere meinte», die Färbung der Knochen sei das Resultat einer»och bei Lebzeiten vor- genommenen Tätowirnng. Am wahrscheinlichsten ist die Annahme, daß das Anstreichen und Bcnialen an dem tobten Körper vor- genommen wurde; vielleicht gehörte dieser Gebrauch zum Begräbniß- ritnal. So läßt sich nicht»ur die Färbung der Knochen, sondern auch das Finden ganzer Farbstücke erklären.— Theater. — Otto Erich Hartleben's Satire„D i e Erziehung zur Ehe" tvurde am Sonntag im Lessiug-Theater mit guten, Gelingen den Mitgliedern der ersten Abtheilung der„F r e i e n V o I k s b ü h n e" vorgeführt. Es war ein verdienstliches Unter- nehmen, an dieser Stelle das Stück, eine kräftige Satire gegen die bürgerliche Anffassnng der Ehe, zur Aufführnng zu bringen. Das Publikum folgte mit regen, Interesse und gab besonders nach de», zweiten Akt, in dem sich ein tragisches Schicksal vollzieht, lebhaften Beifall. Das Stück Ivird rn nächster Zeit im Lessing-Theater, zum ersten Mal in B e r l i n an einer öffentlichen Bühne— in anderen Städte» ist eS schon öfter anfgcsührt, und gerade jetzt wird von Hamburg gemeldet, daß es dort»ül großem Erfolg gegeben ivnrde— zur Aufführung gelange». Auf ausdrücklichen Wunsch des Autors und des Vorsitzenden der„Freien Volksbühne" behalten Ivir uns eine ein- gehende Würdigung des Stückes bis zu dieser öffentlichen Auf- führung vor. Auf die größere Satire folgte der frische Einakter„Liebes- träume" von Max Dreher, der seit Kurze», erst zu», Reper- toire des Lcssing-TheaterS gehört. Auch diesem Stücke wurde reich- sicher Beifall.— Mufik. A n s d e r W o ch e. ES ist immer wieder eine Freude, zu beobachten, wie neben den großen und erfolgreichen Unternehmungen in unserem Musikleben die Äbscitsstehcnden sich Mühe geben, daS iveniger Beachtete zu Ehren zu bringen. Verbrannt werden diese Ketzer heute nicht: man begnügt sich mit der Kleinheit ihrer Erfolge und vielleicht auch mit einem Kopfschütteln über den Referenten, der sie den„Rechtgläubigen" voranstellt. Anton Bruckner ist zwar längst nicht mehr der große Verkannte; allein seine Verehrer bleiben bei dem nicht stehen, was ihm die tonangebenden Kreise widmen. Herr Paul Müller hat nun eine Reihe von Bruckner- Abenden eingerichtet, um in einem kleineren Rahmen mehr bringen zu können, als ii, einem größeren Rahmen zunächst zu erhoffen ist. Haupt- sächlich handelt es sich um den Vortrag von Symphonien des Meisters im vierhändigen Klavierauszug. Das ist nun gleichsan, nur Kupfer- stich: die„Farben", d. h. die Klangfarben, und dann die Tongcwalt des Orchesters, die gerade bei Bruckner so viel bedeutet, fehlen. Allein die„Zeichnung" bleibt, und der Reichthum des meist sehr engen Gewebes der Ssimmen, der freilich auch nicht vollständig wiedergegeben werden kann, tritt vielleicht erst recht auffällig hervor. Wir hätten in einem kleinen Saal des .Architektcnhauscs" den fünften dieser Abende. An der Reihe wa» die vierte Symphonie, in IZs-dur, die sogenannte„Romantische". Sie scheint unter den Bnickner'schen Symphonien die meistgespielte zu sei». Ihr wirklich„romantischer" Charakter, ihre weicheren melodischen Formen im Gegensatz zu den herberen, abgerisseneren anderen Werken von Bruckner(ungeachtet der auch hier siihlbaren Breite) machen das begreiflich. Frau Marie Hoffmann und der schon genannte Herr brachten daS Stück gut heraus, wenngleich manchmal ein noch präziseres Zusammenklingen nicht schaden könnte. Es folgten Ge- sangsvorträge; wir hörten Lieder eines wohl noch wenig bekannten Komponisten Siegmund von Hausegger(nicht zu ver- wechseln mit dem eben verstorbenen Musikgelchrten Friedrich von Hausegger), die den Eindnick einer zwar nicht besonderen Eigenart, aber eines verständigen Eindringens in die dichterische Borlage er- gaben.— Möchten diese Konzerte doch auch dem weiteren Publikum besser bekannt gemacht werden! Nun gleich zu einem Gegensatz, da? ist zu den P h i l h a r- manischen Konzerten, den grasten wie den kleinen. Sie leisten nach wie vor das, was ihre eigentliche Bedeutung ausmacht: sie vermitteln grasten Massen dcS Publikums eine Menge musikalischer Werke und Personen; sie thnn es auch im Ganzen mit einem sehr tüchtigen Können der ausführenden Kräfte; und dast man dann im Einzelne» dies und jenes unvollkommen findet, thut nichts zur Hauptsache. Allein den Gesammtcharakter all dieser Konzerte, insonderheit ihre bunten, nach Effekt strebenden Programme und— grostcntheils die Folge davon — den mehr gesellschaftlichen als musikversiändigcn Geist ihres durchschnittlichen Publikums können wir nur abermals bedanern. Im 9. Philharmonischen Konzert unter Arthur N i k i s ch war die hauptsächliche Anziehung, die vor Kurzem in Deutschland er- folgreich eingeführte Sängerin Lillian Blau Veit, anscheinend ans Amerika. Sie sang— natürlich— zuerst eine französische Opcruarie, dann ein deutsches und ein französisches Lied; also wieder das typische Effektbouquet; eine Zugabe fehlte ebenfalls nicht. Die Sängerin gehört zu den hervorragenden und dcS Erfolgs beim Publikum sicheren Künstlerinnen; eine besondere Boll- kommenheit der Stimmbildung liegt aber nicht eben vor, die Höhe leidet etlvaS an der nun ciinnal immer wieder zu findenden Härte, und die Athmung ist auch nicht so, wie die ideale Gcsangstechnik sie verlangt und wie wir sie an den ivenigcn in solchen Dingen muster- giltigen Sängerinnen kennen. Von zwei neuen Kompositionen, die damals aufgeführt wurden, einem Klavierkonzert des hier schon de- kannten Josef H o fm a n»(von ihm selbst vorgetragen) und einer Orchestersnite des Musikdirektors in Bremen, Georg Schumann, betitelt„Zur Ltarnevalszeit" Hörle» wir diese. Sie ist das Muster eine? sehr branchbaren Konzertstückes, ohne gerade besondere» Reich- thum des Erfindens zu entfallen. Auch in den„Populären" Philharmonischen hörten wir wieder einmal eine Nummer an: es war gerade die(unvollendete) lck-moll- Simphonie von Schubert. In diesem Werk, namentlich in dem durch die verschiedenen Kombinationen von Bläserklängen so zauberisch schönen langsamen Satz ist die rhythmische Bestimmtheit, an der es dem Dirigenten Herrn Josef Rebicek leider fehlt, nicht eben Hauptsache; so traten die Vorzüge des Orchesters selbst ivicdcr einmal ins beste Licht. Unter den wieder überaus zahlreichen Einzelkonzerten dieser Woche war eine etwas eigenthümliche Erscheinung das von der Firma L. L ö w e n t h a I veranstaltete, das die Streichinslnimcute dieses HanscS vorführen sollte. Programm und ausführende Künstler waren dabei Nebensache; es galt namentlich die Frage, wie weit neue oder ganz neue Geigen den unbestrittenen alten italienischen nachkommen. Man baut sie gern, wie auch iu diesem Fall, nach dem möglichst genauen Muster der alten, weist aber auch, dast junge Geigen doch nie die Vorzüge der durch ein langes Älter hindurch immer bester gewordenen erreichen: insbesondere die Gröste und Tragfähigkeit des Tones sowie seine ideale, über alles Rauhe, Näselnde u. f. w. hinausliegende Klarheit. Mit diesem Vorbehalt konnte jenen Instrumenten, zumal einer Violine von 1398, Siraduarins-Modcll, alle Anerkennung gezollt werden. Unter den solistischen Konzcrtgcbeni dieser Woche hörten wir die lang bewahrte Pianistin Clotilde Kleeberg und freuten uns des' Gegensatzes von ihrer so durchaus feinen, wenngleich wohl nicht ergreifend grasten Kunst zu dem Gewaltsamen, das anderen bc- rühmten Virtuosen eigen ist. Unter den Konzerten, die wir selber zu hören keine Gelegenheit fanden, sind erlvähncnSwerth der Schlnst von W ü l l n e r' S Schubert- Zyklus, der die Beliebtheit dieses ganz eigenartigen Ausdruckskünstlers bereits auf einer gewaltigen Höhe der Begeistcning zeigte, und der Liederabend des hier noch unbekannten HanS Gies'sen, lyrischer Tenor an der Dresdener Oper: er sang ausschliestlich Lieder von R i ch a r d S t r a u st und wurde von diesem auf dem Klavier begleitet. Unserer Verehrung der Stranst'schen Lieder als durchaus vornehmer erfindungsreicher Werke entsprach denn auch der sehr günstige Bericht, de» wir über den Verlauf dieses Konzertes erhielten.; uz. Meteorologisches. ie. Vom heurigen au st raiischen Sommer Iverdcn austerordentliche Dinge berichtet. Die Meteorologen sind bereits daran gewöhnt, dast die Temperatur in Australien während des Sommers und Herbstes gelegentlich sehr schnell ivechselt. Aber in Verantwortlicher Redakteur: Angust Jacobcy in Bei diesem Sommer haben sich Temperatiirverhältniffe eingestellt, die auf Mensch und Thier geradezu gefährlich wirken mustteii.«m letzten 5. Dezember hatte Melbourne eine Temperatur von 75 Grad in der Sonne und 43 Grad im Schatten, das hcisteste Dezemberwetter, da« seit über zwei Jahrzehnten zu verzeichnen gewesen ist. In Melbourne war es aber noch nicht am schlimmsten. In dem Orte Motzgiel in Ncu-Süd-Wales erreichte die Temperatur an demselben Tag 44 Grad. an mehreren andern Orten 46 Grad, in Brewarrina 46 Grad und in Lvngreach in Quensland gar 48 Grad im Schatten; an letzterem Orte sollen buchstäblich die Vögel von den Bäumen gefallen sein. von der Gluthlust gelödtet.— Technisches. --'Motoren für Flugtechnik. Im Wiener fing« t e ch n i s ch c n V e r e i n hielt dieser Tage Professor Czischek einen Vortrag über sämmtliche Systeme der bisher bekannten Motoren in Bezug auf ihre Bettveiidung für die Luftschiffahrt. Die meisten Motoren haben ein zu großes Eigengelvicht, um sich selbst heben und ein Fahrzeug durch die Lüste wagen zn könne». Man»vor des- halb von jeher bemüht, einen Motor von solcher Leichtigkeit zn kou- strniren, dast ein entsprechendes Verhältnis; zwischen Kraft und Last hergestellt werden könnte. Motoren mittels Dampf-, Gas- oder Wasser- betrieb sind demnach nicht verwendbar. Aber auch die ExplosionS- Motoren, beispielsweise siiissigeS Acethlen, können nicht in Be- tracht kommen, denn obgleich ihr Eigengewicht gering ist, nehmen die mitzuführeilden Reservoirs ein zu großes Gewicht in Anspruch, ferner ist die große ExplosionS- Gefahr zu bedenken. Am gecignctsteu feie» aber jetzt die Benzinmotoren, und zwar seitdem durch die Erfindung von de Dion und Bouton in Paris diese ohne Wafferkühlung hergestellt lvcrdcn könneu, wodurch diese Motoren bei ganz geringem Gewichte eine kolossale Energie zu entwickeln vermögen, nämlich l3/4 Pfcrdckrast bei 26 Kilogramm Eigengelvicht. Bei einem solchen Berhältniffe fei es möglich, meinte der Bortragende, eine Liistfahrt durchzuführen. Hieraus er- klärte Ingenieur Krest, das; für daS von ihm konstrnirte Luftschiff ein Motor gleichfalls für Benzin hergestellt ivcrdc, der sogar für 20 Pfcrdekräfte nur 200 Kilogramm wiegt. Hervorgehoben wurde auch der große Bvrtheil eines so gcringgewichtigen Motors für die Entwickcluug dcS Antoniobilismns überhaupt. Zum Schluß crllnrte der Vortragende, daß die Zukunft in der Luftfahrt dem elektri- scheu Motor gehöre, da es zweifellos möglich sein werde, die in der Atmosphäre vorhandene Elektrizität sich dienstbar zn machen und die Akkumulatoren ganz zu entbehren. Die Tclcgraphie ohne Draht und die neuesten Erfiiidungcu von TcSla zeigen den Weg dazu.— Hurnt) ristisches. — Familien-Szene. Gattin:„Männchen, im nächsten Monate feiern wir unsere goldene Hochzeit!" Professor(unwirsch):„Räch der grünen Hochzeit die silberne und nun schoil wieder die goldene.— Man kommt ja aus den; Hochzeit s feiern gar nicht mehr heraus!"— — Regie-Kniff. Schauspieler:„Meine Stiefel sind nicht fettig, ich kauu den Tcll heule nicht spielen." Direktor:„Daun spielen Sie den P a r r i c i d a— der tritt barfust auf!"— — Beruhigung. Miether:„Die Hauptsache ist, dast daS Zimmer hübsch ruhig ist." W i r t h i n:„Ra ob! Nebenan wohnt ein Sänger, wenn eS nicht rnhig wäre, könnte der ja schon nicht den ganzen Tag üben."— („Luft Bl.') Notizen. — Die Freie Volksbühne plant für E n d e A v r i l im Theater des Westens eine Opern- Ausführung.— — Im Schau spielhanse wird Shakespeare's.An« touius und Cleopatra" neu ein st u dir t.— — Bernhard Baumeister ist an seinem F n st l e i d e n abermals schwer erkrankt und dürfte wohl kaum mehr ans die Bühne zurückkehren.— — Die Akademie der Künste schreibt einen Weit- b e w e r b nm den Preis der Meyer beer-Stistnug(diesmal 4500 M.) für T o n k ü u st l e r aus. Die Arbeiten müssen bis zum 1. Februar 1900 eingereicht sein.— d. 22894099 Pfund Drahtnägel(haben die Ver- einigten Staaten im Jahre 1898 ausgeführt, etwa 15 Mal mehr als vor 10 Jahren. 1897 ging fast die Hälfte der gesaminten Ausfuhr nach Japan, in; vorigen Jahr nahm dieses Land aber(den Ver- einigten Staaten nur noch der Ausfuhr ab.—_ in. Druck und Verlag von Max Babing m Berlm.