Nnlerhaltungsblatt des Horwärts Nr. 52. Dienstag, den 14. Mlirz. 1899 10] Das Vlut. (Nachdruck verdaten.) Roman von I. I. David. Umsonst führte sie die Susanne zum Bänkelsänger; Gabriele hörte nicht zu. lachte nicht über die entsetzliche Morithat. die er fistulirend absang, so gerne sie sonst lachte, dachte kaum daran, den üblichen„Kram", die Kleinigkeiten zu erstehen, die jeder heimbringen muß. Die Susanne mußte es für sie be- sorgen und that's. innerlich empört über solche Theilnahms- losigkeit. Aber sie hatte doch wieder ein gewisses Mit- leiden mit dem Mädchen; vielleicht war's krank? Denn allerdings hielt Gabriele die Augen weit offen; aber sie sah nicht, wer sie grüßte, erwiderte nichts, sprach man sie an. Vor ihren Blicken stand immer noch die bunte Scheinwelt, in die sie kaum geguckt und nach der sie wieder alles hinzog. Dazu zog mit dem Abend ein schweres Wetter näher, sie ahnte es, denn eine dumpfe Schlaffheit der Glieder, eine zuckende Ermattung der Sinne überkam sie dann immer vorher und lähmte sie mit süßem Schauder. So gingen sie heim; die Straße war annoch öde; nur wenige Wagen verließen die Stadt, fast nicmand von denen, die zu Fuß gekommen; denn für sie beginnt erst mit sinkender Nacht die beste Lustbarkeit. Sie nahmen den Richtsteig, an den Fabriken vorüber, daim dem Werkkanal entlang, über grüne Wiesen, durch fahle Stoppelfelder. DerLärm der Stadt verbrauste hinter ihnen, aber die Susanne merkte bekümmert, wie ungleich ihre Begleiterin die Füße setzte, wie fieberhaft sie athmete. Manchmal mußte sie gar stehen bleiben und spähte dann heiß und sehnsüchtig nach rückwärts. Die Magd verschwendete ver- geblich ihre Beredffamkeit, ihre Künste; keine verfing. Nur einmal gedachte sie des Zirkus: da faltete Gabi die Hände unter der jungen Brust und stöhnte so tief und leidvoll, daß die Susanne erschrocken ablenkte. Sie kamen nach Hause. Jin Hofe stand die Tante und spähte nach den verödeten Bänken unter den Nußbäumen aus. Mit ihrem reichen, grauen, glatt gescheitelten Haar, das ein rothes, frisches und dennoch strenges Gesicht umschloß, der hohen Latzschürze, dem feierlichen Schlüsselbunde an der Hüfte sah sie ehrfurchtgebietend genug und dennoch wieder entsetzlich nüchtern aus. Sie trat ihnen einen bemessenen Schritt entgegen:„Hast Dich gut unterhalten?" Gabriele faßte nach ihrer Hand, wollte sie küssen:„Ach Mutter l", und der süße Name sprang ihr zmu ersten Male von freien Stücken und� herzlich über die Lippen. Frau Salome wehrte ab: „Lasf das. Ich mag das nicht. Erzähle gelassen. Was war?"—„Ach Tant'!"— Da wurde die Frau zornig: „Erzählen sollst Du, verstehst? Hast wahrscheinlich alles Geld vcrthan, das man Dir mitgegeben hat?" Gabriele erbleichte; mit rascher und heftiger Bewegung griff sie in die Tasche und warf die Münzen, die ihr geblieben, der Tante vor die Füße. Die zuckte mit keiner Wimper, nur den Zeigefinger erhob sie bedeutsam:„Nicderknieen und aufheben." Das Mädchen zauderte, und die Susanne wollte sich behende für sie bücken.„Nicht Du. Ich befchl's kern andermal," und in alter Widerstandslosigkcit gehorchte Gabriele, die vor Scham vergehen zu müssen glaubte. Denn Rupert war dazugekommen und verfolgte höhnisch das Ganze mit Blicken. Salome aber ließ sich nicht stören:„Bist fertig? Zähl's. So— und wieviel Groschen hast schon in Deine»: Leben verdient, daß Du so mit dem Gelde herumschmeißt? Jetzt geh', aber denken sollst Du mir an den Tag, so lang daß Du lebst." Und gedacht hat die Gabriele Wagner erst in jenem Winter, dann ihr ganzes kurzes Leben durch viel an jenen Tag. Sie hatte Zeit genug dazu; denn der Herr Glogar kam nur noch einmal in der Woche und bewunderte viel zu sehr und trug ihrLob viel zu laut im Dorfe herum, als daß er ein Wort des Tadels gegen sie gewagt hätte. Kam etwas davon dem Franz zu Ohren, dem gegenüber Herr Glogar sehr schweigsam war, dann klagte der wohl:„Und da kann man nicht zu; da sitzt der Drache vor den: lieben Schatz I" Die Spinnstubengespräche freuten sie nicht mehr; aber was jemals darinnen vorgekonunen, das hatte ihr nun Körperhaftigkeit gewonnen, und sie träumte wachend wie im Schlafe davon. Aber der Zirkus war ihr doch das Wichtigste. Erstand, er. ihr, dann wurde sie roth. Dann äh sie sich nämlich, angethan wie die Reiterinnen, in die Manege sprengten. Brausender Jubel begrüßte sie, die sich chöner wußte als Alle, die sie dort gesehen; Blumen vurden auch ihr geworfen. Fanfaren erklangen, und ihre tarke Stimme übertönte den schwachen Ruf Eduard ööhm's, des Verschollenen, der ihr noch nicht gänzlich ver- llummt war. Sic war viel krank in jenem Winter. Um ihre Augen lagen Ringe, ihre Stimmung wechselte unberechenbar, und ihr Gesichtchen war fast bleich wie Wachs. Man rief den Physikus; der wußte keinen bestimmten Rath; er war überhaupt kein Mensch, der sich gerne auf Erörterungen einließ, und meinte, fiir das eigentliche Heilmittel sei Gabriele noch zu jung und schwächlich. Frau Salome verstand ihn nicht; nur ehrliche Angst litt sie um das Mädchen. Sie entband es aller einer Pflichten, und so konnte Gabriele ungestört brüten, ungestört— sie hatte die erste Scham rasch genug ver- wunden— Kußhändchen und Kopfneigen für sich probiren, wie sie's gesehen und wie es ihr so gefallen. Man hatte, damit sie eine Pflegerin bei der Hand habe, ein blutjunges, bildhübsches Mädchen, das kauni erst auf den Hof gekommen, in die Küche gebettet. Der Marie nun schloß ie sich mit unbedingter Neigung an; mit ihr betete ie heimlich den Rosenkranz, vertiefte sich in die Mystik des Hciligen-Kultus und versuchte auf ape Weise, sich über die Zeit hinwegzuhelfen, die ihr nun eine Warte- zeit schien, die sie von etwas Großem trenne. Wovon aber? Das wußte sie nicht. Jedoch, gerade diese Ungewiß- heit war ihr recht und: Es kam— sie wüßt' es. Aber was ihr diese Erregung, diese Pein und diese Seligkeit be- reitet, das war ihr dunkel. Und dennoch hätte sie's selbst er- kennen mögen, selbst daran, daß ihr das kleine Leben um sie, wie früher verhaßt, so nun ein Ekel geworden, selbst daraus, wohin sie ihre Neigung so allgeivaltig zog: das Blut Therese Wagncr's regte sich in ihr, ein Wildbach, den man nicht ab- geleitet noch gebändigt, nur gestaut und erzürnt hatte. Nun hob er sich in seinen Dämmen und grollte übermächtig nach einem Ausweg— und iväre es selbst ein Sprung in den Abgrund gewesen, darin er die Mutter begraben, dahin die Tochter zu verstürzen er sich eben anschickte..., VIII. Noch kein Winter war Gabrielen so rasch vergangen, wie dieser mildeste aller, die sie in Unter-Heinzenwald verbracht. Endlos war jede einzelne Stunde; in fast sathcmloser Hast drängten die Wochen und die Monde einander. Und immer fester und gespenstig lebhaft war das Empfinden in ihr: ES kam. Sie glaubte, leibhaftig das Nahen des Geahnten zu verspüren; in ihren schlummerlosen Nächten stand's vor ihr und starrte sie an, mit unergründlichen Räthsel-Augcn: formlos und dennoch gestaltet und lockend. Es wurde Frühling; die schwarzen Schollen starrten nackt zum überhangenen Himmel, und der Westwind trug den feuchten Erdgeruch durch die Lande. Hinter dem Hause, auf der Sonnenseiten, standen die Veilchen, dicht, duftend und blau, tvie noch nie. Gabriele pflückte, wie in jedem Jahre. die ersten, wenn sie gleich dabei nicht mehr über den Bach sprang, wie noch vor Kurzem, und that ein zierlich gebundenes Sträußchen in ihre Bibel, wie sie's gewohnt war. Sieben Ge- fährten fand es zwischen den Blättern des Buches; es war das achte, und sürder kam keines mehr dazu. Das Brombeergenist vor dem wüsten Garten stand in weißem Blust; sie freute sich damit. Aber noch lieber denn je zuvor vernahm sie das Rufen der Wasser, die an ihrem Kammerfeilster vorüber iu die grünende Weite rannen. Man hatte sie zum Milchverkaufe gethan, der eine Nutzung Frau Salonie's bildete und dem neben einer ansehnlichen Erb« schaft diese ihr beträchtliches eigenes Vermögen dankte; denn das Mädchen sollte verdienen lernen. Es erwies sich geschickt und nicht unklug dabei; ein Theilchen des Gewinnes verblieb ihm:„Sie muß sparen können." Das legte Gabriele sorg- lich zusammen und freute sich mit seinem Wachsthum. Das mißfiel Frau Salomen keineswegs; sie hatte„das Kind" freilich niemals mit der Marie, die ganz befremdlich wirr und ängstlich geworden war, auf den Knien liegen und inbrünstig die Brust schlage»� gesehen» Beide beteten unbewüß� um ein Gleiches: um Kraft gegen sich selbst. Niemals hatie die Bauersfrau auch Gabrielen beobachtet, wenn die ihr Erspartes vor sich liegen hatte, es überzählte und heimlich dabei erwog, ob es auch für alle Fälle— und sie hätte nicht einen bestimmten nennen können l— reichen möge. Das wurde ihr immer sauer, wie alles, was Rechnen hieß; aber die kummervoll sorgende Falte der Stirn und das trübselige Hangen der Mundwinkel bei solcher Arbeit hätte Frau Salome kaum verstanden, und so wäre ihr auch wohl das recht und «ine neue Beruhigung gewesen... (Fortsetzung folgt.) (Nachdruck verboten.) Vev Hund als Nrdcnsnrk. Wenn man heutzutage von jemandem sagt, er sei.auf den Hund gekommen", so bedeutet das den wirthschastlichen Bersall. Der Betroffene wird iiber die Entstehung der Redensart nicht viel nach- denken, er fühlt ihre Schwere und bricht unter dem Druck der schlechten Verhältnisse vielleicht zusammen. Aber auch jene, die sich solcher Redensart bedienen, begnügen sich mit dem bezeichnende» Ausdruck und kümmern sich nicht weiter um dessen Ursprung. Um den Chiemsee herum hieß vor Zeiten erspartes Geld be- sitzen.Hunde haben". Sagte man von einem gutsituirten Bauer, er habe„viel Hunde hinten", so bedeutete das, daß er Kapitalist sei: das Gegentheil lautete:.es sei einer auf den Hund gekommen". d. h. er mußte den„Hund" angehen, das Kapital oder die Er- sparnisse angreifen. Die Bedeutung zwischen einst und jetzt ist also eine verschiedene, eine schlimmere geworden. Der„Hund" zur alten Zeit wurde stets verborgen gehalten, daraus entstand das Sprichwort:„Da liegt ein Hund begraben", d.h. in dem Hause ruht vergrabenes Geld. Lautete die Redensart:„In dem Hause steckt ein alter Hund", so bedeutete das, daß Geld noch von den Voreltern vorhanden sei. Jnteressirten sich Diebe oder das Steueramt für verborgene Sparthaler, so nannte der Volksmund dies den»Hund schmecken". Die Bedeutung den„Hund finden" hat sich in unseren Tagen ver- ändert, es heißt das in der Gegenwart so viel als eine Ursache, einen Anstand herausfinden. Ueber die Besitzverhältnisse oberbaherischer Bauern hätten seiner Zeit die Kupferschmiede von Rosenheim, Traunstein und Trostberg bessere Auskunft als die Rentamtleute geben können, wenn absolutes Schweigen über derartige Angelegen- heiten nicht Ehrensache und Vertraucnsangelegenhcit gewesen wäre. Die Kupferschmiede fabrizirten vor Jahrzehnten für die Bevölkerung des Chiemgaues spezielle kupferne Urnen, die im Bolksmunde„Tausendguldenflaschen" genannt wurden und genau tausend Silberguldcn faßten. Die Füllung und Verlöthung solcher Eparflaschen war wieder Verttauenssache, denn man überließ dieses Geschäft dem Kupfenchmicdemeister ausschließlich, und dieser füllte die Urne mit dem Geld ohne Zeugen, obne Gehilfen, Nachts bei Licht in verschlossener Werkstatt, und lieferte die vcrlöthetc Geldflasche gleichfalls heimlich an den Besteller ab. Niemals ist ein Zweifel aufgetaucht oder ausgesprochen worden. Dem Spezial- forscher nach solchen Verhältnissen, dem verstorbenen Rentbeamten Hartwig Peetz in Traunstein, ist kein Fall bekannt geworden, daß je «ine unlautere Handlungsweise eines Kupferschmiedes vorgekommen sei. Die Besitzer der Hundeflaschcn begnügten sich mit dem rc- spettablen Gewicht der Urnen und fragten nie nach dem selbst- verständlichen silbernen Inhalt. Gewöhnlich wurden solche Schatz- urncn in die Stollen des Herdes eingeniauert, entweder vom Bauer selbst oder von einem vertrauenswürdigen Maurer. Wenn ein Bauer seine Sparbüchse unter den Dielen des Viehstalles vergrub, war meist große Gefahr im Verzug, Kriegsgefahr, Plünderung und Feuersbrunst. Die feindlichen Schaaren pflegten doch immer im Schutt eines Wohnhauses nach silberner Beute zu stochern und ignorirten die Ställe, deren Vieh mit fortgetriebe» wurde. Peetz erzählt in seinem Werke„Cbicnigauer Volk" von einem Schmied, der seinem Nachivuchs bezüglich des„ersparten Hundes" nicht mehr traute und das Spargeld unter den Dachziegeln seiner Werkstatt heimlich die Balken mit Doppelgulden belegte. Der Schmied kallulirte, daß man sie da auf dem Dächlein seiner Hufbeschlagsstätte an der offenen Gasse und im Freien gewiß nicht vermuthen oder suchen werde. Als er einmal selbst eine größere Summe benöthigtc und wechseln lassen mußte, da hatte das Geld von dem Essenraüch einen plattnarttgen Glanz angenomnicn. und der verdutzte Schmied gerieth in den Verdacht der Münzfälschung. Dümmer war jenes Chiemgauer Bäucrlcin, das sich die Neuerung der Hypothekenbank- uote» zu eigen niachte, solche für sein Hartgeld kaufte und ohne jede Umhüllung in eine Wand seines Hauses einmauerte. Die Ueber- raschuirg war nach Jahren groß, als der Schlauberger die Noten beim Aufbrechen der Geheimstelle vom Mörtel und der Feuchttgkeit bis zur Unkenntlichkeit zerftessen und wcrthlos geworden vorfand. Den modernen Sinn vom„begrabenen Hund" hätte man in diesem Kalle gut anwenden können. Auch mit dem Tanzplatz hat der„Hund" Beziehungen. Den »Hund hüten oder feilhaben" heißt bei Mädchen auf dem Tanzplatz • zugegen sein und nicht zum Tanz gezogen werden. Also das Mauer- blümchen der Jetztzeit. Ein Mädchen„führt den Hund heim", wenn cS vom Tanzplatz geht, ohne ein einziges Mal getanzt zu haben. Wird das Mauerblümchen erlöst, so kann es den„Hund verkaufen". Die Tanzaufforderung hieß früher den„Hund ablösen". Die Redensart:„Der Hund geht mir vor dem Licht um" kennt schon Hans Sachs; diese will besagen, daß man nicht klar sehe in der Sache. Heißt es:„Dem hat der Hund Most genommen", so ist gesagt, es wurde unrichtig geinessen. Der Hund ist im Dialekt merkwürdigerweise zum Superlativ avancirt. Bei einer Hundekälte steht das Thermometer sehr ttef unter Null, die Kälte ist also sehr groß. Ein Hundewetter ist be- kanntlich so schlecht, daß man keinen Hund ins Freie jagen möchte. Das Hundeelend ist groß und kennt verschiedene Variationen im Superlattv. Ist einer hundsmüd, so wir der sicher seine Knochen und eine heillose Müdigkeit spüren. „Carüs est miseriae typus." Das Adjektiv hundsig bedeutet karg, ärmlich, dürftig. Grüßte jemand„mit Hundsschanden", so will man damit sagen: Der Betreffende würdigte einem kaum des Grußes. „Hundsjung" ist gleichfalls ein dialektischer Superlativ für sehr jung. Der„Hund" in Bergwerken ist bekannt. Einen„Wasser- Hund" kennt der Wasserbautechniker, es ist die Buhne zur Ueber- werfung des Stromanfalles gemeint. Unter„Feuerhund" versteht der Gebirgler eine Vorrichtung zum Auflegen des Brennholzes. Einen speziellen„Hund" kennen die Flößer auf der Isar: die ver- bundencn Bretter oder Stämme, welche sie unter einem gegen den Strom mehr oder minder offenen Winkel an einen auf dem Sand festsitzenden Floß bringen und mittels Seilen festhalten, um durch diesen Auffang den Andrang des Wassers wirksamer und sich wieder flott zn machen. Selten wird der Ausdruck Maushund für Katze gebraucht. WaS sich sonst noch an Redensarten nnd Sprüchen in Verbindung mit „Hund" namentlich im Bergvolk vorfindet, ist ein Superlativ von Derbheit und daher nicht diskutirbar.— Arthur A ch I e i t n e r. Kleines Fenillekon. ss. Marconi über die bisherigen Erfolge der Telegraphie ohne Draht. In der Versammlung der englischen„Jnstitutton of Elcctrical Engineers" am 3. März hielt Marconi einen Vortrag über seine drahtlose Telegraphie. Nachdem er zunächst den Apparat be- schrieben, ging er auf die gegenwärtigen und zukünftigen Erfolge des neuen Verfahrens ein. Dem von ihm konstrmrten Cohärer solvie dem senkrechten Leitungsmaste legte er eine große Bedeutung bei. Er hat festgestellt, daß die Entfernung, auf welche die drahtlose Telegraphie benutzt werden kann, direkt von der Höhe des Mastes abhängt, und zwar steigt die mögliche Entfernung im quadratischen Verhältniß zn der Verlängerung des Leitungsnetzes. Würde letzterer 80 Fuß hoch genommen, so konnten auf eine Entfernung von 13 eng- lischen Meilen telegraphische Zeichen übermittelt werden. Marconi ist seiner Sache gewiß, daß man mit einem Mast von 114 Fuß Höhe über den Kanal hinweg 32 englische Meilen weit zwischen Folkcstone und Boulogne eine regelmäßige tclcgrapische Verbindung ivird erhalten können. Bei entsprechender Höhe des senkrechten Leiters haben niedere Hügel und künstliche Hindernisse oder auch die Rundung der Erde keinen störenden Einfluß nichr auf die Fortpflanzung der elektrischen Wellen. Eine wichtige Aufgabe bleibt noch in der Hinsicht zu lösen, daß die ohne Draht versandte» Depeschen nur von eineur bestimmten Orte aus vernommen werde», für andere in der Um- gebung befindliche Empfangsapparate aber unlvahrnehmbar sein müssen. Marconi hält die Befriedigung dieses Bedürfnisses durchaus nicht für unmöglich. Man könnt'e es so einrichten, daß die beide» Apparate, zwischen denen ein Dcpeschenwcchsel erfolgen solle, vorher in einer gewissen übereinstimmenden Weise eingestellt sein müssen, so daß dann ein telcgraphischer Verkehr nur zwischen diesen beiden Stellen eröffnet werden kann, während andere nicht in � der gleichen Weise eingestellte Apparate außer Thätigkcit bleiben. Noch ein anderer Weg für die Sicherung des Verkehrs zwischen zwei einzelnen Apparaten kann vielleicht mit Erfolg be- schritten werden. Marconi hat festgestellt, daß man durch geeignete Reflektoren ein fast geradlinig verlaufendes Bündel von elektrischen Strahlen in einer gewünschten Richtung aussenden kann und daß auf eine Entfernung von drei Kilometer kein Empfangsapparat aus diese Wellen anspricht, der nur 50 Fuß zur Rechten oder zur Linken von der Mittellinie dieses Strahlenbllndels abseits liegt. Der italienische Erfinder äußerte die Vermuthung, daß diese Thatsache besonders zur Führung von Schiffen bei starkem Nebel zu verwenden sein werde, indem die elektrischen Strahlen in gleicher Weise zur Richtschnur für Hafeneinfahrten gemacht werden können wie die Leuchtfeuer, und indem ferner zwischen zwei auf einander zu- fahrenden Schiffen festgestellt werden kann, ob die beider- seitige Fahrtrichtung die Gefahr eines Zusammenstoßes ein- schließt. Bisher hat � man solche gerade Strahlenbündel freilich nur auf etwa drei bis vier Kilometer zu senden vermocht, aber Marconi ist der Meinung, daß weitere Verbesserungen eine Vermittelung auf noch größere Entfernungen ernwglichen iverden. Gegenwärtig steht jedenfalls die Anwendung des senkrechten Leitungs- mastes noch im Vordergrund der Experimente. Letztere scheinen jetzt mit dem Erfinder der drahtlosen Telegraphie selbst ihren Sitz Haupt- sächlich w England gefunden zu haben.1 Zwischen der Insel Wight und dem Festlande, und zwar zwischen Mum Bay und Bournemonth sowie zwischen Poole und Bournemouth ist ein regelmäßiger Depeschenverkehr ohne Draht eingerichtet und hat in einem 14 Mo- nate währenden Betriebe den Beweis geliefert, daß keine Wittcrnngs- »erhälwisse einen störenden Einfluß auf die Thätigkeit der Apparate ausüben, die Entfernung zwischen den beiderseitigen Stationen be- trägt hier 14 bezw. 18 englische Meilen. Der Leitungsmast für den Berkehr zwischen Poole und Bournemouth hat sogar bis auf 70 Fuß erniedrigt werden können infolge von Verbesserungen_ an den Aparaten und wahrscheinlich wird man sich künstig mit einer noch geringeren Höhe begnügen können. Im vorigen Herbst war zwischen der Dacht Osborne und dem Schloß Osborne auf der Insel Wight eine ständige telegraphische Verbindung auf dem gleichen Wege unterhalten worden. Dabei war die Gelegenheit vorhanden, den Einfluß von Hügeln zwischen der Sende- und der Empfangsstation zu unter- suchen, da die Dacht fich um die Insel herum bewegte, so daß ver- schieden ausgedehnte Landstrecken zwischen die beiden Stationen ge- legt wurden. Es ergab sich, daß der Anwendung der Telcgraphie ohne Draht über längere Landstreckcn nichts im Wege steht. Eine große Bedeutung wird die neue Telegraphie für die Verbindung von Leuchtschiffen mit der Küste gewinnen, und es wurde bereits be- richtet, daß seit dem September vorigen Jahres eine solche zwischen dem Goodwin-Leuchtschiffe und dem Leuchtthurm auf dem Vorgebirge South Foreland in Betrieb ist, die Entfcnmng beträgt hier zwölf englische Meilen. Auch die Stürme der letzten Zeit haben keine Unterbrechungen in dem telegraphischen Verkehr veranlaßt und haben viclinehr bewiesen, daß die Telegraphie ohne Draht in dieser Hin- ficht zuverlässiger ist, als es oberirdische Drahtleitungen fein können. Eine größere Aufgabe steht der neuen Telcgraphie nunmehr in Kurzem bevor, da die offizielle Genehmigung der französischen Regierung zur Einrichtung einer Verbindung zivischen der französischen und der englischen Küste über den Kanal hinweg eingetroffen ist.— Theater. lck. In der„ N e n e n F r e i e n V o l k s b ü h n e' ist am Sonntag Nachmittag die Tragikomödie„Fräulein Pfannen st iel' von Max Gebhardt durchgefallen. DaS ganz unreife Werk ist eine nicht gelungene Verschmelzung der alten Posse und literarischer Satire. Eine mannstolle alte Jungfer hat sich einen ältlichen Wittwer gekapert. Er führt sie in seine Familie ein. Dort findet sie seinen Stiefsohn Anton, einen verkrachten Studenten, jetzigen Volksschnllehrcr und heimlichen Dichter. Er gesteht ihr sein Thun, und sie enthüllt ihm, daß auch sie Künstlerin ist, und zlvar eine von jenen, die Bücher schreiben, die jedes junge Mädchen ohne Erröthen lesen kann. Die beiden Kollegen schwärmen einander an. Sie wirft sich ihm an den Hals. Der Vater ist froh, die schrullige Person los zu sein. Anton sieht ein, daß auch er dem Fräulein nur als Experimentier- objckt für Liebe und Kolportage-Dichtung gedient hat. Er empfiehlt fich ebenfalls. Sie schwört, nie wieder einem der Männer, die alle nichts tauge», entgegenkommen zu wollen und bemüht sich im nächsten Augenblick um einen auftauchenden Jugendfreund.— Die billige Verhöhnung der alten Jungfer kam mehr heraus, als die lohnende Satire auf die schriststellcrude Masse der Kollegen„Fräulein Pfnuucusticl's." Zwei Darsteller, Herr Dill und Herr Schindler, brachten in das verzerrte Ding sogar Charakteristik.— Das ist von den Herren, die im voraufgegangenen Lustspiel„Ohne Liebe" von Marie von Ebner-Eschenbach spielten, nicht zu fagen. Nur Frau H a ch m a n n- Z i p s e r traf den vornehmen Ton des schon im»Deutschen Theater" aufgeführten Stückes.— Musik. Aus der Woche. Es ist immer von hohem Werth, wenn wir einerseits neben den ganz Großen und andererseits neben den Stürmern und Drängern tüchtige Talente haben, die der Ilcber- lieferung Ehre machen! umsomehr dann, wann die Mittelmäßigkeiten die Ueberliefenmg diskreditireu. Das Dankesgefühl, das man jenen Talenten gegenüber hat, empfanden wir wieder, als am letzten Sonntag m der zweiten Kammermusik-Matlnöe„Halir" eine neue Violinsonate von Friedrich Gernsheim aufgeführt wurde— seine dritte, I'-dur, op. 64. Längst kennt man Professor Gernsheim, den Dirigenten des Stcniffchcn Gesang- Vereins, als einen gewandten und beliebten Komponisten, zu- mal für Kannnemrusik. Der ziemlich kühle Beifall sollte wohl sagen, daß dieser Mann Verdienste genug hat, um einer lauten Kundgebung nicht zu bedürfe»: um so mehr aber darf die Kritik das viele Wcrthvolle anerkennen, das in diesem Werk, namentlich in seinen Mittelsätzen enthalten ist— allerdings sorgsam auf Stroh gebettet. Namentlich erfreute ein Zug dcS Frischen und Kräftigen, der abstach von dem etwas sentimentalen Zug des vorhergehenden Streichquartetts v-moU von E. E. Taubert, das schon bekannt war und jedenfalls, z. B. gegen Ende durch seinen schönen Ueber- gang in Dar, wohlgefällig wirken konnte. Die Herren spielten— mit Gernsheim am Klavier— im Allgemeinen gut und verstanden, be- sonders in Beethoven's G-dur-Cluartett als Schlußstück, auch Sart zu werden; die Einheit und Präzision anderer Qnartettgesell- haften, z. B. der„Böhme n", besitzen fie allerdings nicht. Die Letztgenannten haben in ihrem Abschiedsabend am 8. d. M. wohl wieder Entzückendes geleistet. Wenigstens berichtet mein Vertreter in diesem Sinne folgendermaßen: Das Konzert begann leider eine halbe Stunde früher als die Ankündigungen besagten. Obwohl nun diese Gäste für das musikalische Berlin keine vorüber» gehende Erscheinung mehr sind, scheint doch einstweilen die Ver» blüffimg größer zu sein als das Verständniß. Hat doch selbst die berufene und besonnene Krifik wesentlich nichts anderes bemerkt als „temperamentvolles" Spiel, nicht ohne den Vorbehalt der künstle- rischen Ueberlegenheit unserer üblichen Maßhaltigkeit. Damit aber, daß die Spieler an gewissen Stellen in eine bei uns ungewohnte äußerlich erkennbare Bewegung gerathen, sind Eindrücke,' wie die hier erzielten, kaum im Virtnosenspiel, sicher aber nicht bei Kammer« musik erreichbar. Was hinreißt, das ist im höchsten Kreise musi- kalischer Gestaltungskraft die gleiche Unmittelbarkeit wie bei Zigeuner- kapellen; eine Urwüchsigkeit, wie sie technisch auch in der unkorrekten und unschönen Bogenführnng des ersten Geigers zu Tage tritt, mit der er gleichwohl alle seine Absichten tadellos verwirklicht. Das Gehcimniß liegt darin, daß sozusagen jeder Spieler nicht feine Stimme, sondern das Stück spielt— anders als„bei uns". Jedes Instrument arbeitet deutlich am Vortrag der Hauptstimme mit, im anschmiegenden Mitwirken an dem, wovon jede, auch die jeweilig so zu nennende Hauptstinime doch nur ein Theil ist. Man denke an das Tremolo der Bratsche zu der Cello- Cantilene am Ende des Lento in D v o r ö k' s I'-äur-Quartett und an die ganze Führung der Pizzicato-Bässe im Andante des Beethoven'scheu G-äur-Ouar» tettes. Erst bei solcher selbstbewußter Selbständigkeit aller Stimmen wird den meisten Laien der volle Reiz der Polyphonie und das Verständniß für den Aufbau und Fortfchritt eines Satzes auf- gehen. Da ich fast die ganze Woche hindurch von Berlin abwesend war. mußte ich auch die meisten übrigen wichtigeren Konzerte einem Vertreter überlassen. So das Schlutzkonzert der Philharmoniker unter N i k i s ch. Das Orchester— heißt eS— war glänzend wie immer, Richard Strauß'„Don Juan" wirkte mächtig, und derberühnite Violinist Eugöne Dsahe ans Brüssel erzielte sehr viel Beifall— auffallend war besonders sein voller Ton. David Popper fand in seinem Abschiedskonzert wieder einen geradezu stüniiischen Beifall. Mein Vertreter hatte von ihm bei aller Anerkennung der Meisterschaft doch einigermaßen den Eindruck des Salonkünstlers. Der mitwirkende Sänger George Fergusson aus London soll eine sehr gute und gut gefchulte Stimme, aber keine Wärme besitzen nnd im Uebrigen eine sehr sympathische intelligente Erscheinung sein. Konservator iums-Konzerte sind für gewöhnlich kein Gegenstand des Musikreferats. Einer Ausnahme würdig find die drei Festaufführungen, mit denen am 11.. 12, und 13. März das älteste Konfervatorium Berlins, das Stern'sche, seine neuen Räume in der Philharmonie einweihte. Erst kamen die Lehrer daran, dann die Musikschüler, dann die Schauspiel- nnd Opcrnschüler. Ich konnte den zweiten Abend besuchen und mich besonders einiger bereits in der Oeffentlichkeit stehender Solisten freuen; Frl. Melanie Holländer ging den musikalischen Solisten durch einen sehr gut gesprochenen und von der auf dem Programm genannten Dichterin gut gemeinten Prolog voran— einen von dem Typus, den man doch endlich einmal sterben lasten sollte. Am besten gefielen mir verhältniß« mäßig die„Gedenkblätter", die bei diesen Konzerten ausgegeben wurde», verfaßt von dem Schriftführer der Anstalt, Herrn Nodnagel. Sie enthalten nämlich außer den(freilich lückenhaften) Personalliften und dergleichen eine Zusammenstellung„Zur Geschichte des Stern's chen Konservatoriunis". Die Gefchichtschreibung der künstlerischen Hochschulen liegt noch so sehr im Argen, daß jeder Beitrag zu ihr geradezu mit Gier aufgegriffen werden kann. Aller- Vings leidet auch dieser an dem gleichen Mangel wie fast alle solchen Beiträge: er bietet nur eine Geschichte des betreffenden Schul« IvesenS, nicht des betreffenden Unterrichts Wesens. Ueber Lehr» verfahren u. dergl. giebt es auch hier nicht einmal eine Andeutung.— Herr Direktor G u st a v Holländer kann mit Befriedigung auf das Erreichte blicken. Von seinem neulichen eigenen Quartettabend, dem zweiten, dem noch ein dritter folgen wird, höre ich, daß er leider weniger besucht war, als diesen werthvollen Darbietungen gebührt hätte.— sz. Psychologisches. c. Ueber die Schrift Gesunder und Geistes« kranker hat Adolf Groß umfassende Untersuchungen angestellt. deren Ergebnisse er in den„Psychologischen Arbeiten" veröffentlicht hat. Danach giebt die Beobachtung der Schreibthätigkeit Geistes- kranker genaue Merkmale für die Bestimnnmg bestimmter Formen der Erkrankung. Die Grundlage der Untersuchung bildeten Versuche an 17 Gesunden, L Wärterinnen und 8 Wärtern der Jrrenklinik, und zwar waren die Aufgaben, die gestellt wurden, sehr einfach: zwei 10 Zentimeter von einander entfernte Punkte durch eine gerade Linie zu verbinden; fünf Punkte nacheinander zu machen; den kleinen deutschen Buchstaben„m" zu schreiben; die Zahlen 1—10 zu schreiben; von 20 rückwärts mit 3 zu subtrahiren. Die Schreibbewegungen, die hierzu nöthig sind, wurden durch einen sinnreichen Apparat genau registrirt. Jeder Gesunde hat, das war das Ergebniß dieser Untersuchungen, eine charakteristische Art des Ablaufs der Schreibbewegunacn, die sich in deutlich erkennbaren Eigenthllmlichkeiten seiner Druckkurven äußert: Dabei entspricht der Mehrzahl der gesunden Personen ein mittlerer Schreibtypus. Dagegen läßt sich als allgemeine Wirkung jeder geistigen Erkrankung die Zerstörung der Individualität in der Schrift und der Ersatz der individuellen Merkmale durch patholvKische Eigen-. thumlichkeiten fcftffctten, D!e gleiche seelische Stönmg verleiht ver- schiedenen Personen geincinsame Mgenschnften ihrer Schreib- bewegungen, ähnliche Drucklinien. Folgen bei der gleichen Person verschiedene seelische Störungen aufeinander, so haben sie zur Folge, daß die Schreibthätigkeit zu verschiedenen Zeiten in verschiedener Weise, je nach dem Ort der Störung, ausgeübt>vird. Bei drei untersuchten Blödsinnigen war die Dauer aller Schriftzcichcn durch- weg vergrößert gegenüber dem normalen Typus: die Schrift- zeichen sind meist klein, Haar- und Grundstriche sind nicht ausgeprägt. Die Rechenfähigkeit ist beeinträchtigt, in schweren Fällen bis zu völligem Versagen. Bei der Schrift Tobsüchtiger fällt neben ihrer Größe die unkorrekte Ausführung auf. Der Ablauf der Schreib- bewegnng entspricht dem unsteten Wesen der Patienten. Während sich in der Ausführung der Schriftzeichen zunehmende Erregung aus- prägte, wirkte beim Rechnen der Zwang, sich geistig zu beschäftigen, hemmend. Es giebt auch Kranke, bei denen sick die Symptome des Blödsinns und der Tobsucht mischen, und auch dies prägt sich in den Schriftzeichen aus, die die Merkmale beider Zustände in mannig- facher Weise verbinden. Die Untersuchung an katatonischen Kranken wurde sehr erschwert durch den für diesen Zustand charakteristischen Widerstand gegen alle äußeren Einflüsse. Die Ungleichartigkeit der aufgefundenen Werthe für dieselben BcwegungSformen bei derselben Verfuchsperfon ist kennzeichnend für den katatonischen Zustand.— Anthropologisches. !s. Ueber die ältesten Menschenrassen hielt Schwalbe vor dem naturwissenschaftlichen medizinischen Verein in Straßburg einen Vortrag, in dem er sich ganz besonders mit dein berühmten Affenmenschen von Java(KtbecantJhropus) beschäftigte. Man lvird sich noch des Aufsehens erinnern, daß der im Jahre 1894 geschehene Fund merkwürdiger Skcletttheile in jungtertiären Schichten auf der Insel Java durch Dubois in der gesanunten wisscuschaft- lichen Welt erregte. Der Entdecker selbst vertrat den Standpunkt, daß die von ihm gefundenen Knochen die Ueberreste eines Wesens wären, das ein Bindeglied zwischen Mensch und Affe darstcllre. Eine Reihe anderer Forscher hielten dagegen dij Humoristisches. — Besänftigt. A.:„Sie sind ein Ochse!' B. sanfbransend):„Mein Herr!" A.:„Das heißt, ich meinte objektiv!' B.:„Ach so 1*— — Eine Pfändung in Sachsen. Gerichtsvoll« z i e h e r(bei einem Chambregaruifteu):„Liebes Herrche, haben Se ooch'n eechenen(eigene») Kleedcrschrank?' „Nee, mei Kutestcr, ich Hab' Sie blos'nen stefernenl'— — Frühlingsanfang an der Börse. A.:„WaS meinen Sie, soll man kaufen V B.:„Kaufen Sie Quecksilber, das steigt bestimmt."— („Lust. Bl.'j Notizen. — Die Goethe- Gesellschaft wird ihre diesmalige G e n e r a l- V e r s a mm lu n g in Rücksicht auf den 160. Gcburts« tag des Dichters in festlicher Weise ausgestalten.— — Im Metro pol-Theater geht am 16. März ein Berliner Vaudeville in drei Akten„Der wilde Meyer' von Leon Leipziger, Musik von Franz Wagner, in Szene.— — Die Slatvina-Truppe vom Alexander- Theater in Petersburg wird ihr B e r l i n e r G a st s p i e l im Schau- s p i e I h a u s mit einem historischen Drama aus der Zeit Jivan'S des Schrecklichen beginnen und die übrigen sechs Vorstellungen dann im L e s s i n g- T h e a t e r geben.— — Ein Stück von Felix D ö r m a n n:„Die Zimmer« h e r r e n", das am Wiener Carl-Theater zur Aufführung gelangen sollte, wurde von der Zensur nicht zugelassen.— c. e. Eine Theater-Aufführung von Taub« st u m m e n wurde in N e w a r k. New-Jerscy, veranstaltet. Schau« spieler und Publikum, Billetberkäufer und Thürsteher, alle ivaren Taubstumme. Gegeben wurde eine Pantomime„Tlrs Lover'a Stratagem".— — Das Tcatro Real in Madrid kündigt für den April und Mai dieses Jahres die Aufführung der Wagner' scheu Tetralogie „Der Ring der Nibelungen' an.— — In E. S ch u l t e' s Kunstsalon„Unter den Linden" sind sechs größere Bilder von Fritz v. U h d e ausgestellt.— — An der H a r b a r d- kl n i v c r s i t ä t in Cambridge (Massachusetts) soll ein Germanisches Museum errichtet werden.— b. Ein neues botanisches Prxlsaus schreiben Ivird von der Gesellschaft für Physik und Naturgeschichte in Genf erlassen. Der Preis beträgt 600 Franks und soll stets für die beste Einzelbeschreibuug einer Pflanzengattung oder Pflanzenfamilie ver« liehen werden.— — Die russische geographische Gesellschaft rüstet eine neue Expedition zur Erforschung Zentralasiens aus. Diese wird ihren Weg durch die We st- Mongolei und die Wüste Gobi nehmen, das Naaschan-Gebirge überschreiten und durch das Kukunor-Gebiet zum Oberlauf.des Gelben Flusses vordringen.— — Auf der Sternwarte K v n i g S st n h k bei Heidelberg hat Professor Wolf im Stcrnbilde der Andromeda einen neuen Kometen(18v9b) aufgefunden. Nach seiner gegenwärtigen Stellung zu schließen, ist der neuaufgeftmdene, vorläufig noch sehr lichtschwache Komet vcrmnthlich identisch mit dem periodischen Kometen„Tuttle", dessen Wiederkehr in diesem Jahre zu erwarten steht. Dieser Komet ist bereits im Jahre 1790 von Mechain be« obachtct worden; er hat eine Umlaufszeit von 138/4 Jahren.�- — Den län asten Telephon draht in den Vereinigten Staaten besitzt, nach einer Mittheilung des„Prakt. Wegw.", Würzburg, seit kurzem die Pennsylvania-Telphon-Companie. Derselbe ist 1600 Fuß lang und reicht von Cambertville, N.D.. über den Delaware-Fluß nach New-Hope, Pa.—_ [in.' Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.�-