Mterhaltungsblatt des Horwürts Nr. 57. Dienstag, den 21. März. 1899 (Nachdruck verboten.) 15] Das Vlttk. Roma» von I. David. Es war ein böser Winter— Johann Nüttemann konnte davon erzählen. Und dazu tauchten allenthalben Gläubiger auf, von deren Dasein er keine Ahnung gehabt. Da sollte er für den Franz gutgestanden haben, dort war er selber zu Buch. Er rechnete auch gar zu ungern seit langem. Und das Alles stürmte nun ans ihn ein und wollte mit gutem Gelde gelöst sein. Er that's; was nicht niet- und nagelfest »vor, wurde verkauft. Den Hof selbst aber aus freier Hand feilzubieten, dazu konnte er sich doch nicht entschließen. Er hing an dem Boden, von dem auch uicht eine Scholle mehr ihm gehörte. Ein Wunder konnte geschehen: und konnte er auch nicht kämpfen für das Ererbte seiner Väter, er wollte es doch nicht freiwillig aufgeben, ob es gleich mehr und mehr der Wüstniß mid der Entivcrthung anheimfiel. Er sah's, aber er schwieg. Ihm war oft, als greife eine unbarmherzige Hand nach seinem Halse und würge ihn daran. In Frau Lohwag's Schrein aber lagen Wechsel an Ver- schreibung; sie wollte gründlich sein,>vie immer, und gewiß, daß keine Mcnschenkraft den Schlag abwenden konnte, den sie zu fähren gedachte, und sie kannte den Werth des Grundes und ivnßte, daß er noch immer beträchtlich höher war, als seine Verschuldung betrug. Die Schuldklagen kamen; er nahm sich nicht einmal einen Anwalt. Der zweite Satz wurde gekündigt, ihn lähmte ein stumpfer Sinn und die Hoffnungslosigkeit seiner Lage. Woher Geld nehnien— und endlich, was nähte es, bekam er's gar geliehen? Der Franz mit seinen Sachen ver- schwand aus dem Hause, er ging ihm nicht ab, und dachte er, was ihm der Jüngere Alles zubereitet, dann konnte er doch nicht grollen. Es war nun so einmal. Er wäre viel- leicht doch erzürnt worden, Hütt' er den Bruder gehört, wie der in der Schulmeistcrstube Abschied nahm.„Ich geh' fort, Glogar."—„So, und wohin denn?"—„In die Stadt werd' ich." —„Und was gedenkst Du dort zu machen?" fragte der Lehrer.— „Ich will schauen, ob ich ein Geschäft anfangen kaun. Ein Wivthshaus oder so was."—„Und hast Du denn das Geld dazu?"—„No, etwas schon!"—„Und woher denn?" — Da lachte der Franz verschmitzt:„Glaubst denn, ich>var wirklich so viel schuldig, wie der Johann hat zahlen müssen? Oder die Wirthe, die Gauner ivaren uicht froh, wenn sie die Halbscheid bekoinmen haben, wo sie's Ganze wollten? So kommt schon was zusammen, und dem Johann kann's gleich sein— dem war nicht zu helfen. Und jetzt— behnt' Dich Gott!" und hielt dem alten Schul- genossen die Hand hin. Den aber überincisterte ein starker Ekel; er kehrte sich, als sähe er nichts. Franz Nüttemann aber war am Ende so gar viel an der Achtung des Lehrers nicht gelegen. Nur der Gedanke kitzelte ihn, dem Anderen den Grund davon zu sagen, lvarnm Salome Lohwag den Großbauern so verfolge. Gabriclens Verschwinden, der Marie gewandeltes Benchnien, die UnVersöhnlichkeit, mit der die Bauersfrau gegen seinen Bruder vorging— sie hatte Alle, die irgend von ihr abhängig waren, zu gerichtlichem Ein- schreiten gegen die Geschwister getrieben— hatten ihm die Augen geöffnet, der auch die Hoffnungen ahnte, die Glogar einst an die Ferne geknüpft. Aber er schwieg. So kam der Tag, an dem der Rüttemann-Hof zu Unter- Heinzenwald mit allem Zubehör und allen Fahrnissen, auch unter dem Schätzungswcrthe verkäuflich, zum dritten Male zur Feilbiewng gelangen sollte. Wenige Neugierige waren vorher ihn besichtigen gekommen; Geld war rar und Grund- besitz wohlfeil geworden im Lande. Die ließ der Johann von seinem Knechte herumführen; er selber rührte keine Hand, und wußte man nicht, womit er die Zeit hinbringe. Aber Langeweile empfand er nicht. Und als endlich der ver- hängnißvolle Morgen angebrochen, da lohnte er den Michel ab; in vieler Kupfermünze, etivas Silber und Papier legte er vor ihn hin, was ihm zukam. Dann sprach er schämig: „Möchtest mir noch eins thun, Michele?"—„Ge- wiß, Bauer, wenn ich's kann."—„Dann gehe in die Stadt und horch zw wer den Hof kauft. Ich möcht's noch Isi heut' wissen und werd' warten auf Dich."—„Wo denn, im Hause?" Da schüttelle der Johann den Kopf und ging hinter dem Knechte drein. Auf dem Prellstein vor der Einfahrt ließ er sich nieder und starrte mit seüien unklugen Augen ins Graue. Und als devjüote am Nachmittage wieder kam und ihm zu» rief:„Die Salome Lohwag hat's kaufen müssen!", da saß sein Iveiland Gebieter auf demselben Flecke und sah nicht aus, als hätte er sich in der ganzen Zeit gerührt. Nun stand er auf:„Ist recht. Ist eine gerechte Frau und schaut zum Ihrigen," sprach er vor sich hin und trollte ins Haus. Es giebt nicht gar viele Dinge auf der Welt, die so anS Herz greifen, wie ein schweigender und verödender Bauern- Hof im Frühjahr zur Abendzeit. Da sollen die Melkerinnen von Haus zu Stall eilen, die Pflüger sollen heimkehren, und helle Menschenlante und starke Stimmen der Natur sollen ein lebendig Lied der Arbeit erheben, auf der zuletzt doch die Welt und all ihr Heil ruht. Der Rüttemann-Hof ivar stumm, als Frau Salome im Dämmern jenes Tages über ihn hinschritt. Unter einem Vorbau lagen rostend die Pflüge und die Eggen; keine Thierstimme erklang. Nur ein Nieseln, deß sie uicht achtete, nur ein Acchzen, wenn der Wind durch die Ritzen des hinteren Thores zog. Sie trat ins Haus, das nun ihr Eigen; die Stille ringsum that ihr wohl, tvcil sie ihr Werk war, und doch wieder weh, die selber rastloser Thätigkeit gewohnt und das Leid gezwungenen Feierns zu begreifen fähig war. Die Stuben durchschritt sie; dann sah sie in enistem Sinnen zum Ofen. Sie mußte Gabriclens gedenken, und daß sie nun quitt sei mit denen, die ihr das Kind in Elend und Ver- schuldung gestoßen: mit dem Andenken der Verlorenen selbst glaubte sie in diesem Augenblicke fertig zu sein. Oder hatte sie nicht genug darum geopfert? Stak nicht alles, was sie in der harten Plage vieler Jahre erübrigt, in dieser Hufe? War's nicht hingegeben worden in einem Rausche, wie er nicht gar selten Leute befällt, die Kreuzer zu Kreuzer thaten und dann Plötz- lich erkennen, wie reich sie eigentlich sind. Sie aber fühlte sich schon entnüchtert und rechnete schon wieder. In solchen Gedanken hörte sie plötzlich schwere Männer- tritte trappeln. Die Thür ging auf, und der Johann Rütte- mann trat hart und schnaufend ein. Ein Licht in schlechtem, zinnernem Leuchter hielt er in der Hand. Er sah sie nicht gleich, denn seine Augen suchten den Boden. Endlich sah er auf und erschrak ein wenig, als er Salome erkannte. Und dann, mit einem sehr traurigen Lächeln, das ihr in die Seele schnitt, sagte er:„Ihr werdet schon nicht bös sein; aber ich bin's noch nicht gewöhnt, da anzuklopfen, in der Stuben da." Sie erwiderte nichts. Er schien eine Antwort nicht zu er- warten. Das Licht stellte er nieder; eine schlanke, gezwieselte Gerte, die er in der Linken trug, lehnte er in eine Ecke. Eine« Stuhl zog er zum Tische und ließ sich gebrochen darauf nieder. Daun starrte er, die Häirde aufgestützt und mit müde nickendem Kopfe in die Flamme und schwieg, bis ihr sein Anblick peinlich wurde und sie gehen wollte. Nun hob er das Haupt:„Ich Hütt' Euch noch etivas zu sagen. Ich Hab' Euch was genommen, Frau Lohwag."— „Was denn? Es ist Euch von Herzen vergönnt," ant- wortete sie rasch. Er wies nach der Gerte: vom Hasclstrauch vor'm Thor. sein. Und", er langte in die M hervor,„das Hab' ich im Stalle gefunden. Möcht' doch wissen. seit wann's dort liegt", fügte er verwundert hinzu. Sie wurde neugierig. „Und wozu Beides?" Er nickte mit dem Kopfe:„Ich weiß, Ihr seid fremd. Und so will ich's Euch sagen: Ich geh' über's Wasser, nach Amerika. Und da will ich die Hasel pflanzen, damit ich doch Etwas von dem Grunde habe, wo meine Eltern gearbeitet haben. Gedeiht sie, gedeih' ich auch. Und vom Hufeifen glauben wir, wer es findet, der hat Glück. Da möcht' ich Euch doch nicht das Glück wegtragen. Das, was ich auf dem Hof gehabt Hab', das gönn' ich freilich einem jeden. Auch meinem Feind— aber ich Hab' keinen. Keinen gehabt." „Und der Franz i" rief sie unwillkürlich und ergriffen vi« o viel dumpfer Ergebung. „Das Hab' ich abgeschnitten Das soll mein Wanderstccken Tasche und zog ein Hufeisen „Man red't nit gern." antwortete er.„Aber mein Feind War der Franz auch nicht— er war nur mein Unglück." Er schwieg ein Weilchen. Dann kopfnickte er wieder: „Da fitzen zwei in der einen Stuben. Und dem Einen hat sie gehört, und die Andere hat ihn fortgetricben daraus und ist jetzt dort Frau, wie's seine Mutter vorher gewesen ist, und ich weiß nicht wer noch Alles von seinem Blut. Und der Eine war ein reicher Mann und ist ein Bettler und hat doch keinen Haß auf die, welche vor ihm steht, und spricht mit ihr wie noch mit keinem. Denn ich kenn' Euch, Frau Lohwag; Ihr seid eine gerechte Frau und habt an mir kein Unrecht angefangen. Ihr werdet Eure Gründe gehabt haben. Ihr allein habt gesehen, wie alles gekommen ist, und habt Mitleid gehabt mit mir und mich sogar einmal gewamt wegen des Franz. Und Ihr seid klug, denn Ihr seid kalvinisch, und ich bin dumm, aber jetzt begreis' ich doch: Ihr habt recht. wenn Ihr sagt: Alles ist Schickung. Ich seh's und mich ge- tröstet's."_(Fortsetzung folgt.) Die Uevthe. Da, die erste Lerche I Mit Hellem Jnbelsang steigt sie von der braunen Scholle zum Himmel empor, und der pflügende Landmann läßt das Gespann raste», um seiner treuen Gefährtin nachzuschauen. Die Lerche ist so recht der Vogel der Felder; ihre Heimath sind die fruchtbaren Ebenen Europas und Asiens; selbst die Wüste hat eine Art als Belvohnerin, die Muka des Arabers. Ans den Grassteppen JnnerasienS, die ja auch das Vaterland unserer Getreidegräser{ftnb, ist unser Vogel nnt dem Getreidebau wcstlvärts vorgedningen, wenigstens ist er da häufig, wo Bodenlvirthschaft betrieben ivird, fehlt aber dort, wo das Land unbebaut geblieben. Im Gebirge folgt die Lerche ebenfalls der Landwirthschaft. Hilm Aufsuchen der Nahrung, die aus allerhand Insekten, den verschiedensten Sämereien sowie auS zarten Spitzen des jungen Getreides und aus jungen Sprossen besteht, ist die Lerche vorzüglich ausgestattet. Sie hat unter allen Singvögeln den zierlichsten Gang. Sie trippelt in kleinen Schritten dahin, trägt das Gefieder aufgelockert und scheint viel größer und dicker zu sein, als sie in Wirklichkeit ist. Bei jedem Anlaß sträubt sie das Kopfgeficder, legt sich sacht auf den Boden und hält sich mäuschenstill, bis sie sich ungefährdet glaubt. Das kunstlose Lerchennest in der Bodenvertiefung steht mit der Umgebung so im Einklang, daß es nur schlver zu finden ist. Auch das Gelege hat eine Schntzfarbc: die Eier, meist fünf an der Zahl, find auf schmutzigiveißem Grunde grau und braun punktirt. Höchst unsicher und gefahrvoll ist das Leben der Lerche während der Brutzeit. Wie viel Sorge muß das Weibchen ausstehen, da kaum ein Stückchen Rasen ihre Brut der Weihe, den Blicken des Falken verbirgt. In dieser Zeit der Gefahr steigt das Männchen hoch m die Luft, dem Weibchen herzerhebende Jubcllieder zu singen. Das Lerchenlied ist freilich arui an Strophen, aber reich an Ab- wechslung; wenige Töne werden hundertfältig verschmolzen und so zu einem immer neuen Ganzen gestaltet. Singend steigt der Vogel mit schnellen, gleichmäßigen Flügelschlägen allmälig schräg empor; singend schwingt er sich laugsam zu schwindelnder Höhe, so daß unser Auge ihm kaum zu folgen vermag; singend senkt er sich ruckweise in Absätzen, bis er schließlich jach wie ein Pfeil zur Erde niederschießt. Dabei hütet er sich wohl, gleich in die Neftstellc einzufallen; er läßt sich lieber in der Gegend nieder, wo eine Wachtel oder Grasmücke baut, denn er ist ein großer Verehrer des heiligen Florian. Die Lerche ist die Tochter des Tages. Sobald er beginnt, sobald der Horizont sich röthet, um das Erscheinen der Sonne zu verkünden, steigt sie aus der Furche pfeilschnell empor und trägt ihre Lust zum Himmel. Keine Kehle, sagt Toussencl, ist im Stande, mit der der Lerche zu wetteifern, sowohl was Fülle und Abwechselung des Gesanges an- betrifft, als in Bezug auf Aushalten und Weithinschallcn des Tones, Geschmeidigkeit und'Unerniüdlichkeit der Stimme. Die Lerche singt eine volle Stunde hintereinander, ohne sich eine halbe Sekunde zu unterbrechen; hebt sich Taufende von Fuß in die Höhe, steigt vom Boden bis zu den Wolken und darüber hinaus, ohne daß einer ihrer Töne während dieser Fahrt verloren ginge. Bisweilen beginnt das Weibchen schon Ende März mit dem Bmtgeschäft, und das sind für das arme Ding die schlimmsten Tage. Ein schwerer Baucrnstiefel, der über das Feld schleppt, kann die ganze Herrlichkeit im Nu vernichten, ein ungerathener Hund das bodenständige Nest zerzausen oder eine verwilderte Hans- katze die sorgenvolle Mutter heimtückisch überfallen. Wie mag das gcängstetc Herz beim Herannahe» einer Gefahr klopfen I Aber nie verlätzt der Vogel auffliegend seinen kostbaren Schatz, nur vorsichtig trippelnd, sich'flügellahm stellend, um den Feind irre zu leiten und so den nackten' Jungen das nackte Leben zu retten. Und auch das etwa anwesende Mannchen torkelt auf dem Boden umher, als «b es krank wäre, um die Aufmerksamkeit des nahenden Ruhestörers auf sich zu lenken. Die ziemlich scheue und vielfach verfolgte Lerche hat in ihrem Benehmen manche Aehnlichkeit mit dem Rebhuhn, sie ist immer unstet und flüchtig, läuft viel auf der Erde, ist gesellig und friedlich und nur zur Paarungszeit eifersüchtta, streitbar und hartnäckig. Wie das Feldhuhn seine Küchlein, so führt auch die Lerchenmutter ihre Bnit in den Aehrenwald. Das Liebt neue Sorgen, aber jetzt geht's schon besser, denn auf ein warnendes sauft gedehntes„Drier" duckt sich das junge Volk zu Boden und sein buntscheckiges Kleid läßt es für unser Ange ver» schwinden. Solcher Farbenaiipassung erfreuen sich viele Vögel, nainentlich Erdvögel, und es scheint, als ob ihnen ein„Farben- bewußtsem" innewohne, ans dem ihre Zutraulichkeit oder Scheu be« ruhe; auch die übrigen Lerchenarten haben eine Schutzfarbe; so harmonirt das Kleid der Wüstenläuferlerche mit der Farbe des Wüstensandes, und Eversmann sah in den russischen Steppen die dunkle-AtaucU alpestris nnr in solchen Strichen, die mit schwarzer Dammerde bedeckt waren, während er eine andere blonde, Alauda leucoptera, nur auf gelblichem oder röthlichem Boden antraf. Es ist eine recht poettsche Vorstellung, welche die jungen Lerchen Sjleich vom Neste, dem väterlichen Beispiele folgend, himmelan teigen läßt, aber auch eine sehr unrichttge Vorstellung, wie das zu- Ivetten mit poetischen Vorstellungen der Fall sein soll. Allmälig erst versuchen die Jungen einen Ausflug; der ist anfänglich recht kurz und unbeholfen, wird aber von Tag zu Tag kühner, bis sich schließlich das lustige Lerchcuspiel in den Lüften entwickelt und ein unternehmender Lerchenjüngling im stolzen Sonnenfluge dem Vater nachstrebt, dieweil die Mutter besorgt„Jkare I Jkare!"' schreit. Man erkennt die jungen Lerchen leicht an ihrem abgehackten Fluge und an ihrem zusammenhanglosen, aber unermüdlichen Geschrei. Es ist nicht einmal ein Gezwitscher, und man fürchtet schier, daß die wilde Bande niemals etwas lernen werde. Sie machen indeß bei ihrem talentvollen Vater eine gute Schule durch, und übers Jahr be- wundern wir sie, wie heute den Lehrmeister. Aber auch das Lerchen- Weibchen ist eine Sängerin, welche Thatsache wohl auf den Nach- ahnmngStrieb zurückznsühren ist. Nach Hudson nehmen überhaupt alle diejenigen Vogelweibchen am Gesänge theil, die im Gefieder dem Männchen gleich oder ähnlich sind, wie dies ja auch bei den Kanarienvögeln, Nothkehlchen und Donipfaffen der Fall ist. Die Sorgen der Lerchencltern wiederholen sich ini Somnier noch zweimal, wenn auch die späteren Gelege kleiner als das erste sind und nur vier Eier enthalten. Interessant ist eS, wenn sich in der Nähe der flugübeuden Schaar ein Raubvogel zeigt— wie gewichtige Steine lasten fich die Flugkünstler alsdann aus der Höhe ans die Erde fallen, um dem Räuber zu entgehen. Das wußte schon der alte Aristoteles; er berichtet nämlich, daß die Lerche den sie überraschenden Habicht so fürchtet, daß sie den Menschen in den Schoß fliegt und sich oft mit der Hand sangen läßt. Ist der Herbst gekommen, dann liegen die Lerchen meist in Kartoffel- und Gemüse- Aeckern, sowie auch in Haferstoppeln oder halten hinter dem Pfluge ihre Jnsektencntte. Bis zum Spätherbst verweilen sie bei uns, um dann ihre Reise anzutreten. Die ist nicht weit und dehnt sich nur bis nach Südeuropa ans, von wo die Vögel oft schon nach Wochen in ihre deutschen Gefilde zurückkehren und nicht selten bereits den Sonnenschein des Januars begrüßen. Der Winter giebt sein Szepter nicht so leicht auS der Hand; immer wieder legt er seine eisige Rechte auf die Flur und immer wieder versucht er seinen Hennelin darüber zu breiten. Dann ergeht's den arnien Lerchen schlimm. Mit wenig Rapsblättern und den ver« einzelten Saatspitzcn, die ans der Schneedecke hervorragen, suchen sie ihr Dasein zu fristen. Traurig und abgemagert, mit weit abstehenden Federn kaueni die armen Thierchcn auf der Schneedecke oder sitzen auf schneefreien Stellen, die vom Wasser durchdrungen sind. Dann konimt es oft vor. daß das erweichte Erdreich oder vom Wasser durchsetzte Schneeklümpchen an den Zehen hängen bleiben. Sei es nun, daß die Vögel dieses anfangs nicht beachten oder auch nicht niehr die Kraft haben, mit dem Schnabel die Anhängsel zu entfernen— kurz, auf dem nächtlichen Ruheplätze setzt sich an diese Klümpchen noch mehr Schnee, der, wenn die Witterung dazu verhilft, auch noch anfriert und nun als Last, die nicht selten die Größe eines mittelgroßen Hühnereies erreicht, nicht mehr zu entfernen ist. Jetzt ist dem Vögelchcn jede Möglichkeit ge- nommen, sich Nahrung zu verschaffen, und bald erlöst es der Tod von seinen Leiden. Leider hat die Lerche viele Feinde, unter denen der Mensch obcnansteht. Namentlich haben die armen Thiere in Italien zu leiden. Mit den verschiedensten Fangeinrichtungen stellt man den Vögeln nach. Und dieser Massenmord wird von keiner Volksschicht als ein schmähliches Treiben angesehen. Jenseits der Alpen ist der Vogelmord derart nnt dem Volke verwachsen, daß die internattonale Vogelschutzfrage noch lange daran scheitern dürfte. Die Franzosen stehen zweifellos in Bezug auf den Vogelschutz aus einem höheren Standpunkte als ihre Rasseverwandten, weil sie gerechtere Jäger sind. Aber wenn sie auch nicht mit Netzen den Massenmord von Singvögeln betteiben, so sind sie doch bezüglich der Jagdausübung mit der Flinte nicht heikel. Wie ganz anders früher I Bei den alten Galliern genoß die Lerche eine göttliche Verehrung, ähnlich der des Ibis bei den alten Egypten«. Die Gallier hatten mit dem Scharfblicke des Nattirvolkes erkannt, daß die Lerche von alle» nützlichen Vögeln der einzige ist, der das Getreide wirksam gegen seine Feinde zu schützen vennäg, indem er auch den Wurzel- Schädlingen nachgeht und neben diesen Elaterenlarven auch eine kleine Käferart, �xnpantltta graciüs, die ihre zerstörende Thätigkeit im Innern des Halmes betteibt, aufzuspüren versteht. Die Vernichtung der Lerchen in Frankreich hat bald die erschreckendsten Ergebnisse ge- zeittgt. Und wie sieht es in Deutschland aus? Es heißt ja, daß Zas Lerchcnstrcichen, der Lerchenspiegel und der Tiraß in die Rümpel- kammcr geworfen seien. Aber woher kommen die«Leipziger Lerchen." die in die Küchen der Leckennauler wandern? Nun sage doch einer. was hat et an einer solchen kleinen Vogelleiche oder an einem Halden Dutzend? Und wieviel kleiner Lerchenleichen müssen die Putzsucht der Damen befriedigen I—(Kölnische Zeitung) Kleines Feuillelon« —o— Zerbrochenes Eisen. Der junge Techniker erzählte: Ich liebte sie sehr. Jede Minute, die ich meinen Studien abstehlen konnte, widmete ich ihr. Sie schien alle weiblichen Tugenden zu be- sitzen. Nie, so schien es mir, wiirde ich ihrem Wesen auf den Grund kommen. An einem Spätnachmittag hatte ich mich auch für eine Stunde frei gemacht und sie zu einem Spaziergang abgeholt. Es war um jene Zeit, da der verschwindende Tag in den Straßen nur noch ein lichtes Dämmern zurückläßt, und die Geschäftsfuhrwerke und Hausdiener mit größter Eile vorwärts hasten, um noch S'tig ihre Austräge zu erledigen. Wir kamen eine der malen, alten Straßen herab, die stark abfallende Bürgersteige haben. Sie erzählte, wie sie auf einem Balle einen jungen Mann, der sie verehrte, verletzt habe, damit er nicht glaube, sie' mache sich etwas aus ihm. Natürlich habe er sich erst recht um sie bemüht. »Nein, war das komisch I" lachte sie. Wir mußten plötzlich Halt niachen. Vor uns zog ein alter Mann an einem Wagen, den er in einem Hauseingang haben wollte. Der Wage», ein kleiner, vierrädriger Karren, war bis oben mit zerbrochenem Eisen gefüllt. Alte Heerdplatten, Hufeisenstücke, Maschincntheile und Fensterrahmen sahen aus dem wirren Haufen. Der Alte zerrte mit gebogenem Rücken, über den er eine Leine hielt, während er mit der linken Hand die Wagendeichsel steuerte, den Karren die Ein» fahrt hinauf. Doch so stark er auch seine Beine gegen das Pflaster stemmte, er konnte doch nur die Vorderräder des Wagens auf den Bürgerfteig bringen. Sofort hatten sich mehrere Fuhrwerke in der Straße gestaut.' Die Kutscher, weiter rückwärts, die nicht sehen konnten, IvaS vorn den Verkehr verhinderte, schimpften und fluchten. Der Alte schwitzte und lenkte seinen Karren hin und her, um vielleicht schräg hinauf zu kommen. Aber in seiner Unruhe quälte er sich ohne Erfolg. Da sprang ich hinzu und schob von hinten den Karren vor- wärtS. Meine neuen, hellen Handschuhe waren dabei rostfleckig ge- worden. Während sich der Wagenknäuel löste, klopfte ich meme Hände gegen einander. Doch die Flecke gingen nicht aus meinen Handschuhen. Meine Begleiterin lächelte belustigt und meinte spöttisch:„Was haben Sic auch anderen Leuten zu helfen? Lasten Sie doch jeden seine Arbeit selbst machen. Wir kommen Sie dazu, sich fiir Andere Ihr Zeug zu verderben?".. Ich war einmal auf der Haide an einen Tümpel gekommen, der mir unendlich tief zu sein schien, so unheimlich kam er mir vor mit seiner glatten Oberfläche. Als ich aber meinen Stock hineinsteckte. mußte ich bemerken, daß der Tümpel nur wenige Zentimeter tief war. Ich mußte damals lachen. So erging es mir auch jetzt. Ich lachte und verabschiedete mich an der nächsten Ecke von dem Fräulein, das, erschrocken und verwirrt, fast weinte... Zu einem Spaziergang habe ich sie nie wieder abgeholt.—— vn. Die chemische Zusammensetznng dcö biblischen Mauna ist von dem Franzosen Henry Castrey untersucht worden. ES giebt eine ganze Anzahl von Mannasortcn, hier soll aber nur von der Manuaflechtc(Illeben esculentus) die Rede sein, die wahrscheinlich auch das in der Bibel vorkonimende Manna lieferte und noch heute in den arabischen und afrikanischen Wüsten zuweilen eine nicht zu verachtende Speise für die Menschen und Kameele der Karawanen wird. Sie wächst nach dem Regen im Wüstcnsande als erbsengroße Knöllchen von grauer Farbe, die dem Boden so locker anhaften, daß sie oft durch den Wind in großen Mengen von» Boden fortgeführt werden und an»»»derer Stelle als Mannaregen niederfallen. Die Flechte hat einen mehligen Inhalt und ist voi» angenehmem leicht süßlichen» Geschmacke. Die.chemische Zusnnimensetzung ist folgende: 16 Thcile Wasser, 14 Theile Stickstoffsubstanzen, 2g Theile stickstofffreie Sub- stanzen, 6 pCt. Mineralstoffe, 32 pCt. Eilveißstoffe und 4 pCt. Fett. Es»st daraus ersichtlich, daß das Manna ziei»llich reich an Nährstoff ist. Ohne eine vollständig genügende Ernährung zu ernrvglichen, kann es einen Menschen doch lange Zeit erhalten, auch wenn es seine einzige Nahrung bildet.— Theater. Deutsches Theater. Es giebt in Deutschland eine junge Dichterschule, die naiven GlaubeirS eine neue geistige Kunst aus sich heraus schaffen möchte. Alles Staatliche und Gesellschaftliche soll aus dieser großen geistigen Kunst verbairnt bleiben. Diese jungen Herren bebrüten nun schon seit Jahren ihre heim- lichc Schöpflina, init Gedichten lyrischen und drainatischen Wesens treten sie erst seit einiger Zeit in die»veitere banausische Oeffeutlich- keit. Die meisten von ihnen»nochten sich dies Sinnen und Brüten wohl gestatten! denn sie hatten es dank einer gütigen Vorsehuiig nicht nöthig, sich im Kampf ums tägliche Brot den Wind um die Ohren sausen zu lassen; und so konuten sie bei verhängten Fenstern sitzen und sinnen und lauschen, was die Träumereien ihnen zuranne»». Die ganze Richtung, die eine Probe ihres sanften Wollens und»och sanfteren Könnens schon zu Anfang dieses Jahres im Buchhandel veröffentlichte, ist als Reaktion gegen den vereitgenden Naturalismus.>vie er sich bei»ms entlvickelt' Haie, zu begreifen. Die Sehnsucht nach der großen, befteienden Kunst nach den tiefen und umfassenden Sinnbildern des Lebens war durch die natura- listische Methode nicht befriedigt worden. Oft yatte der Einzelfall, und war er noch so exakt gesehen und geschildert, keine weitere ideelle Bedeutung»nehr; nicht selten war. was sffeinbar schärfste Natur- treue hätte sein sollen, doch Uebertreibui»g u»d krasse Manier. So kam's, daß im Norden wie im Süden die romantische Reaktion nicht ausblieb. In dem Norddeutschen Stefan George und in dem Wiener Hugo v. Hofmannsthal fand sie typische Verkündiger. Zwei dramatische Dichtungen von Hofmannsthal, das Märchen„Die Hochzeit dej-Soberde" und die Komödie „Der Abenteurer", wurZen am Sonnabend zum ersten Male im Deutschen Theater in Berlin und im Burgthcater in Wien ge- Sden. Also sollte die neueste Kunst in den beiden größten deutsche» eaterstädten zugleich ihrex feierlichen Einzug halten. Man müßte ein Buch Utzd nicht eine flüchtige Tageskritik abfasse»», um die Träumereien von ffner selbstherrlichen, zeit- und Heimath- losen Kunst zu beleuchten._ Gewiß, die Herren, die an der Wieder- geburt einer geistigen Kunst arbeiten oder zu arbeiten glauben, sind Talente. Sie haben versonnene Phantasien von lyrisch-beiveglichem Reiz geschrieben, hier und dort vibrirt ein Stückchen feiner Enrpfindimg. Aber ihre Schöpferseligkeit l Sie meinen, wenn sie ein künstliches Halbdunkel um sich schaffen, sich scheu und weh gestaunt vor dem Lärin der Außen- weit flüchten, aufjauchze', zu können:«Selig, wer sich vor der Welt Ohne Haß verschließt!" Das ist der Kardinalirrthum derer, die mit geschlossenen Auger. sich in ferne Wundergärten träumerisch ver- setzen: Sie»vollen nicht begreifen, daß der Küifftler und seine Kunst nicht in der Lust schlvehen, daß sie an Zeitideen ui»d in» höchsten Sinne auch an die ökonomische Kultur der Zeiten gebunde»» sind. Man kann mit größter Gewichtigkeit auf jede leise persön- liche Stimmiliig achten, man kann durch Autosuggestion sich in geflissentliche Extass. versetzen und jede vorbeihuschende Träumerei für eine Weltoffenban'ng halten: und doch bleibt das alles schlaff, ohne festen Gestalt, niaskern. Treibhaus-Kunst. An eine getriebene Beere, ohne Dust und Würze, wie sie auf bestimmten» Grund und Boden gedeihen, erinnert denn auch das Märchen von der jungvn Sobeide, die ihrer armen Elten» wegen eine»» alteniden Geinahr genommen hat, wietvohl sie den Knaben Assad liebt. In der Hochzeitsnacht offenbart sie sich in jamnienlder Sehnsucht, und, mit philosophischer Güte läßt der reiche Kaufmann sie frei. Der Weg zu ihrem Jüngling steht ihr offe>r. Sie wandelt ihn. und bei£lssad harrt ihrer die grausamste Ent- täuschung. Ein frevles Spie i hatte Assad, der Nichtsivürdige, mit ihr getrieben, und die Lebenskraft Sobeldens schwmdet dahin. Die Allegorie weist ans ein ideelles Sinnbild hin und manches Wort hört man, das lyrisch-bewrglich nachklingt: und doch erscheint das Gedicht in seiner Gesammt.heit wie eine Künstelei, ihm fehlt energische Beseelung und besondere Kraft. Im„Abente»lrer" baut fich wi ederum der Gegensatz zwischen Mann und Weib auf. Aber hier wird er eher wie ein phantastisch Witzspiel, und nicht»vie eine tiefe Tragödie ausgebaut; und so deckt fich hier Wollen und Köi»nen hesser. Das romantische Spiel,>vo Empfindung sich in Ironie auflöst, läßr nicht so vielerlei ver- missen,»vie der Versuch, ein tragisches Märchen zu ge- stalten. J,n„Abenteurer" resignirt da� Weib»nit einem nassen ui,d einein heitere»» Auge. Ihr»war die Jugendliebe eine heilige Andacht, ihin, der fünfzehn Jahre hindurch das Leben Ivaghalsig als Abenteurer faßte, war das Liebesspii-l eine angenehine Episode mehr. Das giebt eine dramatische Kontra»stitimmung von prickelnden» Reiz, und so erscheint das kleine Kluistjtücf. die Szene des Abenteurers ungleich reicher gestaltet, als die gr-otzgemeinte Tragödie. MM Auch das schauspielerische Vermögen von Josef Kainz»v.'nchs»m Abenteurer. Am Kräftigeren belebte sich sein Sin»». Als reicher».Kauf- mann entwarf auch er kein farbiges Bild, und eine begabte Anfänge. nn Frl. Heims als Sobeide wußte auch nicht viel anderes, als z»» zitteri» und tremolirend zu schluchzen, bis das.Publik»»» fast nervös wurde. So»var der Eindruck, den der Abenteurer hinterließ, auch bei dem Publistlm weit stärker, als der des Märchens, das»»an mit mattein Respekt an sich vorüber gleiten ließ.——ff. Im Lessing- Theater gab es am Sonntag eine Prenrivre, die keine völlige Neuheit mehr vorstellt. Vor mehreren Jahren schon war Hartleben'S Satire«Die Erziehung zur Ehe" entstanden; und vor Kurzem erst wurde sie vor den Mit- gliedert» der Freien Volksbühne aufgefiihrt. In Berlin erscheint sie aber zun» ersten Male auf öffentlicher Bühne. Man hielt sich im Lessing-Theater an die heiteren, charakteristi- schen Einfalle der Komödie;' manches ironisch geprägte Wort gefiel besonders; und von der ironischen Betrachtung, die durch die ganze Komödie geht, ließ man sich nicht erbittern. So kam nach de»» beiden ersten Akten gleichsam ein Erfolg des BeHägens zu stände, wie er »vohl dem Sinn des Verfassers»ind seiner Satire nicht völlig ent- sprach; im Schlußakt mit der scharf betonten Ironie erlahmte die Behaglichkeit, aber auch das Interesse an der Komödie selber. Es sind halb lachende, halb bittere Humore, die Hartlebe>»'S Stück durchziehen. Krittsch gefaßt gewisse soziale Erscheinungen. Wie man in guter, wohlanständiger Bourgeoisie die Kinder zur Ehe erzieht. will der Titel spöttisch besagen. Die Wittwe des Bank« � direktors Günthn: versteht sich daranf. Ihr Sohn Hernionn darf jede Luucherei m seine», Verhältnitz. der innerlich noch braven Buchhalterin Hüben, wagen, ja der Schwäcbling wird von der sützcn Mama förmlich dczu getrieben:.Jugend will eben austoben'. Das giedt dann die rclafsenen, das heitzt die ausgehöhlten Ehegatten. Im Schlutzakt tritt nochdcr Helfer in der Roth dazu, der fächfelndc Onkel, der nach Berlin berufe» wird, um das Erziehungstvcrl zu vollenden. Arl. Hübcke ist gewifseitvs niedergetreten, der lüsterne Onkel geht sammr den, grünen Jumen auf Amüsement und Abenteuer aus. Nach den, Vergnügen das Geschäft. Auf den wohlerzogenen Hennann Günther lauert in, Hintergrmde die Braut.aus der Gesellschaft', ein gutes, fades Gänschen; cfzer sie hat Moneten, und das ist die Hauptsache. Sie wird genommen, wenn das Jiingelchen erst seine Lugendfrische sich weg-amüsirt hat. Mit einem neuen, tragisch gestimmten Drama wird Hartlcbcn nächstens wiederum auf der Bühne des Lessing-TheaterS erscheinen. Vielleicht wird der Autor uns dann Gelegenheit geben, sein ver- tiesteres Lebensproblem eingehender zu behandeln, als die launige, schon lange bekannte Satire'..Die Erziehung Z»r Ehe'. Die Schauspielerei hielt sich in mitte. guter Bescheidenheit. Voran ging eine Plauderei ans dem Anatol-ZyNus von SchnitzIer:.DieFrageandasSchilksal.' Eine kleine, ganz nette psychologische Beobachtung liegt dem Stückchen zu Grunde. Die Angst Anatol's, von seinem Liebchen, das in der Hypnose liegt, die Wahrheit zu erfahren, ist stärker, als hie Aweifclsqualcn, die er hegt. Er hat die Frage an das Schicksal frei, ob Eora ihn, treu sei. aber er wagt sie nicht. Das Stückchen.ft vielleicht zu weit ausgesponnen. vielleicht wurde es auch zu vi-'tt gespielt. Es hinter- ließ jedenfalls kau», einen Eindruck.— -ff. Erziehung und Unterricht. o. Wander-Bibliotheken in � eu»Süd«WaIes. Ein interessantes System von Wander» Biblwthcke», das in Ren- Süd-Wales von der öffentlichen Bibliothek in Sidney eingerichtet ist. wird in„The Library Journal' beschrieben Die Einrichtung ist schon seit Längerem in Australien iu Gebrauch, in Neu-Süd- Wales aber hat sie einen besonders grotzen Aufschanuig genommen. Die Bibliothek in Sidueh hat jetzt 100 Wander- Bibliotheken, bon denen jede 40— 9S Bände umfatzt. Die Bücher find für ihren Zweck be- sonders dauerhast gebunden und gelang«» in mefsingbeschlagenen Eichenkisten zur Venendung an laC kleine Landbibliothelcn. Transportkosten ,c. lverden von der Zenbral-Bibliothek bezahlt: die Regierung hat 300 Pfund Sterling{O000 Mark) für diese» Ziveck bewilligt, von denen zlvei Drittel für!o>t Transportkoste« nach entfernten Orten aufgebraucht werden. Das Arbeitsfeld soll ständig erweitert werden. Weitere ISO Bücherkisten sollen mit leichterer Literatur und guten Romanen ausge stattet«'erden, während bis jetzt nur wissenschaftliche Bücher, Geschi chte. Reifebeschreibunge»-c. cnt- hatteick», zur Versendung gelang« en. Einige der neuen Wander- Bibliotheken sollen auch nur Juo endschriften enthalte»: ferner sollen die grotzen englische» Zeitschrift-«» beigelegt werde».— Geographisches. ..j-— Ueber die Ergebnüsse der Expedition, welche die nord- amerikanische Regie run-g im vergangenen Jahre nach dem zentralen und sü.dli che» Alaska entsandt hat, ivird jetzt im Bulletin der amcrt.kaniscken geographischen Gesellschaft ein ein- gehender Bericht erstattet. Es waren im Ganzen sieben Expeditionen entsandt worden,'oie bis auf zwei, die ain Dukon überwintern, wieder zurückgekehrt sind. Die Hauptaufgabe dieser Expeditionen bestand zunwickst darin, die Grenzen des Goldvorkominens zu bestimmen, ferner die übrigen natürlichen Hilfsquellen des Landes,'namentlich i« Bezug auf die Kohle, zu untersuchen, sowie'die geeignetsten Tracen fiir Wege- und Eisenbahn» anlao�n zu stüdircn. Die wichtigsten Ergebnisse dieser Untersuchungen worden, wie der..Münchener Allgemeinen Zeitung" geschrieben wird, dmtz die verwickelten Gebirgs» und Flutzsysteme des südlichen Alaska klargelegt, die geographische Lage des Moni Bulshaia lnördlich von Cooks Jnlet) bestimmt und seine Höhe gemessen ivurde— ivobei sich eine solche von über 19 500 Futz ergab—, ferner datz ein für Seeschiffe genügend tiefer südlicher Mündungsarm des Dukon auf- gefunden wurde, durch den der Weg vom offenen Ozean zu de» Niederlassungen an, Mittel» und Oberlauf des Stroms um einige hundert Kilometer abgekürzt werden würde, sowie datz ein Areal von etwa 5200 Quadrat-Kilometern an derOstgrenze von Alaska abgemessen wurde, das die bedeutendsten Goldfelder auf dem Boden der Bereinigten Staaten in sich schlietzt. Diese Ergebniffe, welche über das bisher so wenig bekannte Gebiet zwischen de», Dukon und dem Stillen Ozean Licht zu verbreite», geeignet sind, werden gegeiUvärtig in Washingto», verarbeitet.— Meteorologisches. — Zum Alter der Monsune bringt Kobelt im„Globus' einen Beitrag. Südindien bildet bekanntlich mit Ceylon zusanunen ein besonderes faunistisches Gebiet, das sich scharf gegen Delhan absetzt. Die geologische Grenze der beiden Provinzen liegt in der Senke von Paljath, die in einer Breite von 32 Kilometer von Kalikut zum Mtttellaufe der Kaveri zieht und in ihrem höchsten Punkte nur eine MeereShöhe von 300 Metern hat. Sie Ivird im Wesentlichen von Lerantwottlicher Redatteur: Angust Jacobry»n Bei Kreideschichten erfüllt: Tertiärschichten fehlen völlig; seit dem Ende der Krcideperiode besteht also hier ein« Landverbindmig zwischen dem uralten Gneisgebiet iin Süden und dem mittclindischcn Trapp-Plateau, das seine definitive Form auch schon am Ende der Kreideperiode erhalten hat. Die südindische Fauna hat sich also die ganze Tertiärperiode hindurch inigehindert nach Norden verbreiten können. Trotzdem besteht eine scharfe Grenze, die allerdings nicht mit der geologischen zusammenfällt. Sie verläuft vielmehr nördlich davon und fällt genau zusammen mit der Linie, die den Einfluß des regeiibringeiiden Südostmvusuns begrenzt. Sie beginnt etwa bei Goa an der Westküste, zieht dann der Kammliuie der Westghats entlang nach Süden bis etwa nach Mangalnru, schliefet die Sil» giris- und die Wynoadhills ein und zieht dann nördlich der Senke zum Kaveri, sie umschlietzt nuck»och einen Theil der Ost- kiiste, soweit er unter dem Einfliiffe des durch die Senke eindringenden Südwestmonsuns steht. Dies« Linie begrenzt das südindische Wuldland und mit ihm die südüidische Säugethier- Fauna: sie begrenzt aber noch schärfer die Berbreitung der für Südindien charakteristischen kleinen Tcckclschnecken. Hätte die Grenze der Monsunwirkuug seit der Ausjüllnng der Lücke zwischen Südindien und Dekhan jemals weiter nördlich gelegen, so würden diese kleine», auf dem Boden lebenden und an keine Nährpflanze ge- bundene» Thicre sich auch nördlich der heutigen Grenze an geschützten Stellen erhalten haben. Das ist aber nirgends in Dekhan iclbst und nur in ganz geringem Diatze an den beiden Küsten der Fall, wo einzelne Arten einerseits bis in die Gegend von Bombay, anderseits bis nach Vizagapatam gehen. Damit ist erwiesen, datz die Monsune seit dem Beginn der Tertiärpcriode in der heutigen Weise lochen, und das beweist wieder, datz seit derselben Zeit eine wesentliche Ver- änderang der Bcrthciluiig von Land und Wasser in den Regionen südlich der Alten Welt nicht eingetreten ist.— .Humoristisches. — Eine hilfsbereite Seele. Zauberkünstler: «Hat enier von den Herrschaften vielleicht ein Taschentuch bei sich?' Bauer:»Na, dös»et, aber Schimpfenpnlver, dös hilft a sehr gut.'— — Theorie und Praxis. Vater:„Fritz, wo warst Du denn die ganze Nacht? D» bist ja erst gegen Morgen in sehr an» geheiterter Stinmning nach Hans gekommen.' Fritz:»Wir haben Ball in unserem Pessimistenklub gehabt.'— — An? Klein-Tschirne.„Was macht denn Dein Vater I' „Er drischt und drischt und drischt.'/ „Was denn?" „Skat drischt er I'- k.Lnst. Bl.'j Notizen. — Am Wiener Bnrg-Theater hat Hofmnnnsthal'S „Die Hochzeit der Eobelde' einen ziemlich starken Erfolg gebabt;„Der Abenteurer" hat weniger gefallen.— — Im Wiener Burgtheater ist eine Reform der Schau spieler-Kontrakte beabsichtigt. Gegenwärtig be» ziehen die Mitglieder des Burgtheaters kleine Grundgagen, daneben aber auch bedeutende Gardcrobegclder. Remunerationen und Spiel» Honorare. Sagt ein Schauspieler ab, so verliert er wohl sein Spiel- Honorar, er bezieht jedoch die Remuneration. Man beabsichtigt»im, beim Abschlutz neuer Kontrakte die Remunerationen zu streichen, dagegen höhere Spielhonorore festzustellen,«m hierdurch die Bühnen- Mitglieder zu eifrigerer Thätigkeit anzuspornen. Es ist ein Projekt, den» bereits Dr. Bnrckhard nahetrat.— — Die Ausschmückungskommission des Reichstags hat W a I l o t ersucht, mit Stuck wegen einiger Aenderiingen des Bildes„Die Jagd nach dem Glück' in Verbindung zu treten.— — Mit der deutschen Kunstausstellung Dresden 1899 ivird außer der Lucas Cranach-Ausstellung auch eine Aus- stellung von Alt-Meitzener Porzellan verbunden sein.— — Bei einer D u r ch l c u ch t>l n g des Bildes„Segnender Heiland' von Albrecht Dürer, dessen Echtheit bezweifelt wurde, mit Röntgenstrahlen ist nach einer Mittheilung der „Deuffchen Kunst' das kleine Monogramm Dnrer's beut- lich zu Tage getreten. Die Jahreszahl 1524 wurde gleichfalls erkannt.— — Die bekanntestei» Lehrer der Chirurgie an den Hochschulen von Berlin. Tübingen und Breslau, die Professoren Dr. v. Bergmann. Dr. b. Bruns und Dr. Mikulicz haben sich ver- einigt, nni unter Heranziehung fast aller namhaften Chirurgen Deutschlands ein grotz angelegtes Handbuch der praktischen Chirurgie herauszugeben.— — An der Küste von Süd-Engkand bemerkte das Feuerschiff auf den Ostgoodwins die Raketen der gestrandeten deutschen Bark „Elbe" und sandte mittels drahtloser Telegraphie eine Botschaft nach dem Borland-Leuchtthurm: von diesem tvurde auf dieselbe Weise Ranisgate benachrichttgt und die Rettungsboote nach dem gestrandeten Schiffe abgesandt, das vom Sande abgebracht wurde.— iin. Druck und Verlag von Mar Babing in Berlin.