Anlerhallungsblalt des Worwäris Nr. SS. Mittwoch, den 22. März. 1899 (Nachdruck BtiSotenj t»! Das Vlttk. Roma» von I. I. Dadti� „Das geht nur aufs ewige Leben", entgegnete die Frau. „Itnb auch da kann die Gnade helfen." Nur das Wort griff er heraus, das zu feiner Stnumung paßte.„Gnade? Was ist das?" „Das wißt Ihr nicht? Uuglucksekiger Mann l" rief sie er- fchüttert. „Ich kenu's nicht", sprach er gleich müde und klagend. ..Hab's nie gewußt, was das fein kann. Mit mir hat's keiner gehabt. Aber doch— wenn einer soll gehenkt werden und man schenkt ihm's Leben, dann ist das Gnade. Das kenn' ich. Aber kann er noch Freude haben davon, wenn er sich so hat fürchten müssen? lind ich Hab' mich vor der Stunde da gegraut, wer weiß wie lang. Jetzt ist sie da und mir fast leicht. Aber die Angst Hab' ich gehabt imd Hab' ge- lernt, was das ist: Gnade." Er ließ den Kopf auf die Arme fallen und schwieg; aber es zuckte in ihm und er hielt Salome gebannt. Er richtete sich wieder auf und seine Augen sahen fo starr inS Leere, daß Salome erkennen mußte, wie er Alles um sich vergessen habe. Sein plumpes Taschenmesser mit dem Stahl zun» Feuerschlagen unten zog er; damit schnitzelte er aus der Tischplatte einen Namen, der da stand.„Soll niemand, der an dem Tisch sitzt, lesen, daß der Johann Rüttemann da ge- seflen hat. Das war mein Platz von der Zeit, Ivo ich noch Kind war, und daneben der vom Franz. Und jetzt hat niemand von uns mehr da was zu suchen, und ich bin schuld und bin's doch nicht, und meine Eltern siud's und fmd's doch nicht." „Wie meint ihr das?" rief Salome verwundert. Er schnitzelte weiter. Endlich war er fertig, und die blanke Fläche lag vor ihin.„Man red't nicht gern. Ich hab's auch früher nicht gethan, well ich niemanden schimpfen will, der sein Kreuz hat und trägt's nicht mehr. Aber ich weiß eines, fo dumm ich fein will? wenn eine Mutter ihr Kind nicht getu hat, dann soll man's ertränken lieber. Und wenn sie's dumni heißt und einen Simpel, dmm erst recht. Mir hat meine beides gethan, und man hat mich leider Gottes nicht in die Oder geworfen. Aber täglich hat mau mir's vor- gesungen: Du bist dumm uud hast ströherne Haare, und der Franz ist klug und hat seidenes Haar. Und habe ich was ge- redet, dann haben fie gar gestaunt, und meine Mutter:„Je. der Johann traut's sich!" Und was ich«»»gefangen habe, war schlecht und keinnutz. und ist es gcrathen:„Der Narr, der ein Starrenglück hat." Und so verliert man das Vertrauen, und wie erst das Dorf gesehen hat, da haben sie es Alle nachgemacht, und ich war der Buz und das Geschrecke für jeden. Und ich habe oft denke»» müssen, wie ich einmal dem Herrn Lehrer zugesehen habe, Klavier spielen. Da hat er auf eine Taste geschlagen und wieder aus eine»md hat keine Ruhe ge- habt auch nur eine Weile. Da hat mich das Ding erbarmt. Aber auf mir haben sie herumgetrommekt »md nicht einer, wem eS eingefallen ist. gar mit Fäusten, und nicht Stunde»», mein Leben lang. Und nun schreie ich. wie das Klavier geschrien hat.»md es mag keine gar gute Musik sei»», was die Frau hört." Er athmete schwer und röchelnd, und fie verstand Alles. selbst fein:„Man red't ntt gern"; denn es war wirklich, als erpresse ihm eine fremde und feindselige Gewalt jedes einzelne Wort. Dazu that ihr der schwere Fall der kurzen, gehackten Sätze im Ohr. fein Anblick im Auge weh. und dennoch konille sie nicht los vo» ihm. Uk»d ails inneren Dedürfniß heraus tröstete sie ihn:„Es ist schon mancher wieder in die Höhe gekommen, der unten war. Ihr seid stark und noch jung.. „Das glaubt Ihr selber nicht. Was kam» ich werden jetzt? Taglöhner. Und so j»»ng bin ich nicht mehr, daß ich es auch nur erwarten könute, bis ich wieder eine Hütten habe. Und Großbauer ist noch keiner worden, der einmal um Lohn gearbeitet hat. Oder soll ich mcht mehr am Bai,er»ttifch fitzen, wenn es nur nu» einen Trunk ist? Da pürb' ich lieber; da gehe ich lieber über's Wasser nach Amerika. Dort kaill» mir's noch gcrathen.". I„Und der Franz? Geht der mit? fragte fie hastig. Ein wirkliches Lächeln flog über sein Gesicht.„Das nicht. Was wollte der auch noch bei mir? Was er an mir hat thun können»md sollen, hat er rechtschassen gethan. Nicht well er bös war; er hat nur auch fo müssen, wie ich ihm habe müssen zusehen,»md wäre doch besser gavefen für uns beide. ich hätte es nicht. Oder noch besser: ich wäre fein Großknecht worden und er der Bauer. War' einer fleißig und brav ge- wesen für zwei. Dafür sind wir jetzt fertig mit einander. Und ich weiß auch, was ich will draußen? da geht der Weber von Wigstadtl mit. der hat vierzehn Buben und eine Tochter. Und die Marie nümill mich draußen. Hier hat sich's nicht schicken wollen,»veil sie nichts hat. Jetzt sind wir gleich. Da werde ich mich für mich selber plagen." Sie statid auf. Auch er that es. und die beiden ragenden Gestalten standen einander gegenüber im Ungewissen Lichte. Run streckte sie ihm die Hand entgegen, und er schlirg ein: „Ich hoffe, es ist Euch so verhängt." sprach sie mit ihrer metallenen Stimn»e.„Und Ihr werdet mir keinen Groll trage»», nun Ihr es in der Trübsal begriffen habt: es th»ll keiner, was er will. i»ur was er nmß. Und keiner weiß, wie das ausgeht, was er gethan hat. Mir ist bitter weh geschehen von da ans; aber wir sind jetzt auf gleich. Und braucht Ihr Geld, so will ich es E»»ch leihe»». Kommt morge»» ins Brauhaus." Sie fiirchtet sich und will mir meine Rache abkaufe»», schoß»hm durch den Kopf.„Ich brauche keines." Sie hatte den mißtrauischen Zug gewahrt»md zu derrten gewußt, der sich jählings zwischen seine Brauen eingrub. „Ich»veiß. was Ihr denkt, Johann Nüttemann. Ich habe vor niemandem Angst,»md ich will es Euch leichter mache»»» sonst nichts." „So komme ich. U»ld noch eines: was geschieht mit dem Hofe?" „Ich will ihn zerschlagen und in kleinen Thellen verkaufen." „Ist recht i Heißt er nach keinem anderen. Ein Pächter müßte auch viel haben, wollte er ihn»vieder dahin bringen, »vo er einmal war." Das klang wie ein Schluchze»».„Der Herr Rupert ist zu alt dafür und doch kein rechter Bauer. Und Iver soll ihn kaufen? Hat keiner das Geld daz»» im Landl." „Und nun leb wohl. Johaim." Erfaßte wieder ihre Hand und nickte autoinatenhast mit dem Kopfe.„So geht's. Das geht zu! Da geht's zu Ende mit einem, da fängt einer an. Da hilft einem, der einen ms Elend hat gebracht. Hat man wen Reichen genannt, so war es der Rüttemann Joseph. Hat nichts dafür könne»». Wird man von Lumpen rede»,, wird man seine Buben berufen. �Haben auch mchts gekonnt dafür. Das habe ich endlich begriffen. Kostet mich gerade genug, lieber »nich und Euch hat man am meisten geschimpft im Dorfe— das hat mir just Vertrauen immer gernacht zu Euch. Ich hätte auch oft wollen, ich könnte so sei»» wie Ihr. Ging mcht— hab's nicht könne»». Aber ich habe mich ausreden dürfen bei Euch— ich glaube freilich, focht hätte ich die Geschichte dem Ofen da noch einmal erzählt. Der hat sie gerade oft genug gehört— warum soll's sonst niemand? Ich danke Erich für Euer Helfen. und ich danke Euch für Euer Hören. Ihr habt mich»»»ächtig getröstet, Frau Lohwag." Sie schieden. Er begleitete sie bis zum Thor und wollte sie durchaus bis ins Brauhaus zilrücksühren. Das litt sie nicht, denn sie hatte zu denken: an eine Unstätc, der endlich ihre Vergeltung geworden toar. Aber sie mußte sich auch sorgenvoll dessen erirmern. was ihr die gekostet hatte. Nnd Rupert? Sie hatte ihn beherrscht— konnte sie das noch, nachdem ihr eigen- mächtiges Wollen einen solchen Theil ihrer Habe vcrschlimgen, ohne daß sie mich»»nr wußte, wie diel davon gerettet werden ko»mte? Der Hof war thcuer, sehr theuer. Johann Mttemani» war fort, übers Meer,»md hatte dniben die Weber Marie geheirathet, wie er gehofft. In den Schnapsschänken der Kreisstadt trieb sich der Franz hemm— ein verlotterter Geselle, der inuner noch aus die Konzession zur Führullg eines Gasthauses oder einer Branntweinbude hoffte, den niemand mehr mochte, wenn man nach alter Ge- wohnheit immer noch ans den Johann schalt, der im Lande häite bleiben und für ihn weiter sorgen nuissen. Begegnete Herr Glogar denr Schulkameraden, ohne ihm ausweichen zn können, dann schämte er sich nachher durch Tage. Er allein kam noch ins Brauhaus, das sonst von den Bauern gänzlich gemieden war. Sie wollten mit den Wucherern, wie ihnen die Lohwag's jetzt hießen, nichts mehr zu thun haben, welche die Rüttemann's ausgesogen hatten. Der Grund stand immer noch zu Kauf; erst einige Lose waren an den Mann gebracht, und zwar zumeist an Slaven, die sich kinderreich und lärmend darin häuslich einrichteten. Das gab eine neue Anklage gegen die, welche sie ins Dorf gezogen hatten. Aber zwischen den Ehelcnten fielen unablässig spitze Worte. Mit aller Entschiedenheit mußte Salome um die Behauptung ihrer Macht und ihres Ansehens ringen; sie blieb die Siegerin, aber sie fühlte sich oft sehr müde und ruhebang dabei. (Fortsetzung folgt.ZZ (NackidruS verdolen.) „Vev PUecholttikvv des Himmels/' Zur Erinnerung an Pierre Sin, ouLaplace. Es ist eigentlich nicht wahr, dag die Erde sich in einer Ellipse um die Sonne bewegt; so einfach ist die Sache nicht. Nehmen wir einmal an, wir hätten es nur mit Sonne und Erde zu thun, so würde doch nicht nur die Sonne auf die Erde ihre Anziehung ausüben, sondern auch die Erde auf die Sonne, allerdings nach dem Ver- hältnitz der Massen eine bedeutend kleinere. Beide Körper würden sich also um einen gemeinsamen Schwerpunkt bewegen, der freilich nicht weit von dem Mittelpunkt der Sonne entfernt ist, da die Sonne bekanntlich etwa 300 000 Mal so schwer ist, wie die Erde. Der Mittelpunkt der Sonne müßte um diesen Schwerpunkt. der gleichfalls im Innern des Sonnenballs liegt, eine kleine Ellipse machen, die der Erdbahn genau entspräche. Nun schwingen aber un, die Sonne noch die übrigen Planeten Merkur, Venns, Mars, Jupiter, Sawrn, Uranus, Neptun, dazu etwa vierhundert kleinere Asteroiden, möglicherweise der„intramerkuriclle" Vulkan, der neuentdeckte Eros, hin und wieder Kometen u. s. w. Alle diese Gestirne treten in dieselben Wechselbeziehungen zur Sonne, aber auch zur Erde und zu einander. Sie üben auf einander Anziehungskrüste aus und stören sich in ihren Bahnen. Je nach der Stellung wird die Erde nach innen oder nach außen gezogen,»ach oben und nach unten, wenn diese Bezeichnungen gestattet sind, die Bremipunkte rücken einander näher und entfernen sich von einander, sie wird in ihrem Laufe beschleunigt und verlangsamt und dergleichen mehr. So kommt es, daß die Erdbahn eine nicht regelmäßige Ellipse ist, sondern eine recht verwickelte Linie, und gerade so ist es mit den Bahnen der übrigen Planeten. Weitere Störungen kommen hinzu durch das Verhältniß der Planeten zu ihren Monden und z» den sie umgebenden Ringen, wenn sie deren haben. Diese Störungen schwinden nicht, wem, der störende Körper sich entfernt hat, sondern sie wirken fort und kompliziren sich noch mit neuen Störungen. Es entsteht so ein scheinbarer Wirrwarr, daß man daran verzweifeln möchte, daß ein menschlicher Geist ihn je durchschauen könnte. Newton, der uns die Lehre von der Anziehungskraft geschenkt hat, meinte in der That, der Weltschöpfer müsse von Zeit zu Zeit wieder eingreifen, damit nicht das Sonnensystem in eine heillose Verwirrung gerathe und die einzelnen Planeten aneinander führen. Es sind jetzt gerade hundert Jahre her, daß diese Ansicht einer besseren Erkcnntniß gewichen ist. Im Jahre 1799 erschienen die beiden ersten Bände des klassischen Werkes, das der große fran- zösische Mathematiker Laplace über die„Mechanik des Himmels" geschrieben hat. Schon einige Jahre vorher hatte er seine Ideen in einem mehr populären Werke„Das Weltsystem" vorgetragen; aber erst das größere Werk brachte die strenge rechnerische Begründung. Laplace wies nach. daß das System auch ohne ein weiteres Ein- greifen eines Schöpfers ein geordnetes Ganzes darstellte, das sich nach den einmal in die Materie gelegten Kräften von selbst regulire. Er zeigte, daß diese sogenannten Störungen, die die Welt- körper aufeinander ausüben, nothwendige Folgen der Schwerkraft find, und daß sie, weit entfernt, das System zu ruiniren, nur zu säkularen Schwankungen Anlaß geben, die, manchmal in sehr langen Zwischenräumen, periodisch wiederkehren. An Stelle der Un- ordnung setzte er die Ordnung. So weisen z. B. die beiden großen Planeten Jupiter und Saturn eine gemeinsame Ungleichheit von etwa 990 Jahren auf, nach denen wieder eine neue Periode beginnt. die die ältere wiederholt. Solche» periodischen Schtvankungen ist auch die Erde unterworfen, und hierher gehört z. B., was man astronomisch als Vorrücken der Nachtgleichen bezeichnet u. dergl. m. Die ungemein schwierigen Berechnungen Laplace's wurden bedeutend dadurch er- leichtert, daß man die Störungen durcki sehr weit entfernte Objekte, sowie durch sehr kleine vernachlässigen durfte; so waren ja die zahl- reichen Asteroiden, die zwischen Mars und Jupiter kreisen, den, «roßcn Forscher damals noch unbekannt. Zu tvelcher Vollkommen- eit er aber die Theorie der Himmelsmechanik ausgebildet hat, sehen wir am besten aus der Thatsache. daß es in diesem Jahrhundert Leverrier gelang, den Planeten Neptun, noch ehe ihn jemand gesehen hatte, lediglich aus den Stönmgen zu berechnen, die er aiif den UranuS ausübte I Noch ein Beispiel. Man hatte alte Ueberliefenmge» von einer Mondfinsternitz, die in, Jahre 729 v. Chr. in Babylon beobachtet worden war. Als man aber nach unserer Kenntniß des Mond- laufcs zurückrechncte, zeigte sich, daß die Rechnung nicht stimmen wollte. es ergab sich im», er ein Unterschied von drei Stunden. Auch die Finsternisse, die arabische Astronomen des Mittelalters in Kairo aufgezeichnet hatten, ergaben verhältniß- mäßige Unterschiede. Der Lauf des Mondes nmßte sich seit je', er Zeit beschleunigt haben. Man schloß daraus, daß der Mond der Erde etwas näher gerückt sein müsse, d. h., daß der Mond nicht in einenr Kreise oder einer Ellipse un» die Erde laufe, sondern in einer großen Spirallinie, deren Bogen allmälig, ivenn auch sehr langsam. enger und enger wurden. Die natürliche Folge davon mußte dann sein, daß der Mond eines schönen Tages, in weiter ferner Zuknnft natürlich, auf die Erde stürzen würde, und man findet gelegentlich die Hoffmmg ausgesprochen, daß er sich den Indischen Ozean als Ruhesitz aussuchen sollte, wo er einen neuen Erdtheil bilden könnte. Euler, Lagrange u. A., Laplace selber hatten sich fruchtlos an der Aufklärung dieser Erscheinung versucht; endlich gelang Laplace der Nachweis, daß es sich um eine Einwirkung der Sonne gemeinsam mit der wechselnden Exzentrizität der Erdbahn handle,(was eine periodische Erscheinung ist. Laplace hat in seiner„Mechanik des Himmels", deren fünfter und letzter Band 1825 erschien, den Almagest der niodcrnen Astro- nomie geliefert; es war ihm beschieden. Alles zu vervollkommnen. Alles zu vertiefen, das Verworrene zu lichten und ungeahnte Be- Ziehungen aufzudecken. Die Abschnitte dieses Werkes und eine große Anzahl gesondert erschienener Abhandlungen zeigen die ungeheure Arbeitskraft und die Vielseitigkeit dieses Mannes, wir finden da Ab- Handlungen über Kometenbabnen, über die Gestalt der Erde, über das Vorrücken der Nachtgleichcn. über Ebbe und Fluth, über Jupiter und Saturn, über die Saturnringe, aber auch mathematische und physikalische Arbeiten über Differenzialrechnung, Wahrscheinlichkcits- rechnung, Elektrizität, Wärme. In' weiteren Kreisen ist Laplace bekannt geworden durch seine berühmte Theorie über die Entstehung unseres'Sonnensystems, eine Theorie, die schon 1775 von de», großen deutschen Philosophen Kant in einer kleinen Schrift entwickelt worden war. Obwohl Kant die Priorität nicht genommen Iverden kann, ist der Werth der Theorie geiviß durch die Zustimmung eines so exakten Astronomen wie Laplace sehr gestiegen. Uebrigens war auch Kant nicht ohne Vor- gänger. Die Kant-Laplace'sche oder Ncbular-Theorie dürfte allgemein bekannt sein. Sie leitet unser Sonnensystem von einer ge- waltigen rotirendcn Nebel- oder Gasmasse ab, die sich stark ab- platten ninßte und von der sich am Aeqnator nach und»ach Ringe abspalteten, die sich dann allmälig zu Kugeln zn- samnienzogen. In derselben Weise sind dann die Monde wieder von den Planeten abgesondert worden, und die Ringe des Saturn und möglichertveisc der Erde, wenn das Zodiakallicht wirklich von einem solchen herrührt, wären einfach Zwischenglieder. So könnte auch der große Gasball, der ursprünglich unser ganzes Sonnensystem in sich faßte, als ein Glied einer höheren Kette seinen Ursprung genommen haben. Es ist der Phantasie gestattet, sich hier in iveitc Fernen zn verlieren. Laplace empfing die Anregung zur Anfstellung dieser Theorie von den Nebelflecken, ans die däinals Herschel die AÜsmerksamkeit der Astronomen lenkte. Eine spätere Bestätigung oder mindestens Unter- stütznng hat die Theorie durch die Spekttalanalyse gefunden, die auf der Sonne und weiter auch auf anderen Fixsternen dieselben Stoffe nachwies, die wir auf der Erde vorfinden.— Pierre Simon Laplace war am 22. oder 23. März, nach anderen am 28. März 1749 zu Beaumont in der Normandie geboren. Er entstammte sehr kleinen Verhältnissen, es gelang ihm aber doch, an einer militärischen Schule und als Vorbereittmg zu einer, wie es scheint, pricsterlichen Laufbahn, sich eine gute Bildung anzueignen. Er kan, dann ftüh, mit guten Empfehlungen ausgerüstet, nach Paris. Der große Gelehrte d'Alembert, auf den er besonders gerechnet hatte, wollte ihn aber trotz seines Empfehlungsbriefes nicht empfangen. Das war sein Glück. Denn kurz entschlossen schrieb er jetzt an dÄlembert einen Brief mit einer kleinen Abhandlung über Probleme der Mechanik. Das imponirte dem stolzen Akademiker, er ließ den jungen Mann rufen und versicherte ihm, daß ein Mann wie er keiner Empfehlungen bedürfe. Er verschaffte ihm dann eine Professur an der königlichen Artillericschule und mit vierundzwanzig Jahren trat Laplace bereits in die Akademie der Wissenschaften ein. Bald machte er durch Berechnungen, die dem„Georgsstern", dem von Herschel eben erst entdeckten Uranus, galten, von sich reden. Welcher Art seine weiteren wissenschaftlichen Thaten gewesen, haben wir bereits gesehen. Pierre Simon Laplace starb am 5. März 1827 zu Paris.— _ Karl Mischke. Kleines Feuillekon- kg. Alte Beleuchtungs mittel. Auf die manigfachsie Weise wurde auch in alter Zeit für die Beleuchtung des Hauses ge- sorgt. Holz, Pech, Talg und anderes Fett, Wachs und Oel standen zur Verfügung und wurden in verschiedener Art verwendet. Beiträge zu der Geschichte dieser alten Beleuchtungsmittel veröffentlicht O. v. Zingerle im letzten Heft der„Zeitschrist des Vereins für Volkskunde". Eine große Rolle spielten vor allem die Späne von harzreichem Nadelholz, die man auch heute noch in manchen Gegenden antrifft. In Tirol findet man hier und dort in der Stube neben dem Ofen auch einen kleinen Kamin für Kienspanfeuer! freilich schwindet auch dort die primitive Beleuchtungsart. Um derartiges Licht zu verstärken, wurden mehrere Späne zu einer Kienfackel zusammen- gebunden. In Lanbwaldgegcnden vertrat das Holz der Buche den Kienspan, und in holzarmen Gegenden nahm man zu Stroh- und Reisigbündeln Zuflucht; um den letzteren eine größere Brenndauer und Leuchtkraft zu geben, bestrich man sie in Ermangelung von Pech mit irgend einem Fettstoff. Mehr auf den kirchlichen Gebrauch be- schränkt blieben die Wachskerzen; nur die Reichen bedienten sich seit dem 12. und 13. Jahrhundert auch dieses Leuchtmittels. In der ersten Zeit wurden meist zwei oder mehrere dünne Wachslichter zu einer dickeren Kerze gewunden, die in den Kirchen verivendeten gleichen dagegen in derRegel schon den heute üblichen. Frühzeitig wurde» für bestimmte Zwecke Wachslichter in erstaunlicher Größe hergestellt. Im Jahre ISlll winde z. B. in Regensbnrg eine so kolossale Wachskerze geopfert, daß man, um fie anzuzünden, eine Leiter von 12 Stufen anschaffen mußte. Schon 1282 berichten die Jahrbücher von Prag, der Bischof Tobias habe bei seiner Priesterweihe und am Jahres- tage seiner Bischofsweihe nach dem Brauche seiner Vorgänger eine 220 Pfund schwere Wachskerze in der Domkirche ausstellen lassen. Zu den Hanskerzen verwendete man gewöhnlich Talg, zuerst machte man dünn gezogene, dann auch dickere gegossene. Mit Talg speiste man auch Lichttiegel und Lampen, wie es noch heute auf dem Lande hier und da geschieht. Sehr geeignet hierfür ist die in Siidtirol einst stark verbreitete Lutschear(luoerna) mit ihrer sehr verschiedenartig ausgestalteten, aber stets flachen Schale. In den Bauernstuben des Oetzthales hängt oft ein eiserner Lichttiegel an einer drehbaren Stange, die in der Mitte des Durch- zugsbalkenS der Decke angebracht ist. Der aus geschabten Lumpen gefertigte Docht wird dort auch mit Schmalz genährt, sonst wurden vorzüglich Baum- und Leinöl, aber auch Mohn- und anderes Oel zur Füllung der Lampen gebraucht. Solche Lampen waren bis zum 13. Jahrhundert zum gewöhnlichen Hausgebrauch üblicher als die Kerzen, wie aus der altdeutschen Dichtung, aus bildlichen Darstellungen und den Geschichtsquellen hervorgeht. Es kamen aber auch noch andere Belenchtungsmittel als die oben genannten zur Verwendung. So die Königskerze. aus deren Blättern auch Docht und Feuer- schwamm erzeugt wurden. In seinem Destillierbnch führt Hieronymus Braunschweig aus, das Verbascum heiße Königskerze,„ darum b das sein Stengel von vielen gedoert wird vnd überzogen mit Hartz, Wachs odder Bcch, darnach machen sie Stcngkertzen oder Tertschen daruon vnd brennen sie stier Schanbfacklcn". Eine sehr interessante Schilderung einer Nachtlampe und anderer Lampen, für die Binsen das Leuchtmaterial gaben, findet sich in der(�eeanomia rurali» des ersten deutschen landwirthschastlichcn Schriftstellers Joh. Colcrns (um 1600):„Mancher gute Hanswirth hat alle Nächte durch eine Lampe, die da brennet, bey seinem Betthe stehen, welche oben zu gemacht ist, daß es niemand in der Kammer sehen oder mercken kann, daß eine Lampe vorhanden ist, daß man balde Liecht hat, wann sich deß Nachts etwas erhebet. An etlichen Oettern machen auch die Toepffer Lampen und Leuchter vor die Armen anff diese Weise schier wie eine Kanne, oben hats ein Thürlein, daß man ein Liecht drein stecken kann, darneben machen sie auch eine Lampen in einer Schnaucken und unter derselbigen machen sie noch eine Lampen, wann von der oberen etwas abtreufft, daß es in die untere falle, legen das weisse von den Piusen(so in den Baechen mid Seen gemeiniglich wachsen) darein, das brennet fein räthlich. Man schabet aber nur ein wenig das grüne von den Piusen ab, darnach streicht man das ander vollcnd mit einem Messer herauß, das ist darnach wie die langen Spulwuenne, das binden darnach anne Leute in Buendlein znsanimcn und Hoengens darnach anff, daß es fein duerr wird, so brenncts desto lieber, darnach legt man eins oder drey ins Fette oder Oel, oder wie viel man will." Wahrscheinlich haben auch noch andere Pflanzen in derselben Weise Berlvendung ge- funden.— Theater. D i e Tragödie„Don Juan nnd Faust* von Chr. D. Grabve wurde am Montag im Schiller-Theater zum ersten Male aufgeführt. Das Bellealliance Theater war in diesem Jahre mit einem Drama � von Grabbe, dem„Napoleon", vorausgegangen. Aber aus dem massigen Napoleon war ein erfolgreiches Theater- stuck zurechtgeschneidert worden. Im Schiller-Theater ging man weit schonender vor, das sei von vornherein anerkannt. Eins der merkwürdigsten literarischen Wagnisse bleibt die Ver- koppclnng der echt romanischen Don Juan- und der germanischen Zaust-Mythe. Don Juan, der Unbedenkliche und Faust, der Be- dachte, Don Juan, der Genießende, und Faust, der Spekulirende, find beide Abbilder des großen menschlichen Daseins. Wenn Leporello dem Don Juan bei Grabbe vom Ziel spricht, so fährt Don Juan auf:„Weg mit dem Ziel, nenn' es mir nicht! Verwünscht ist der Gedanke! Jedes Ziel ist T o d I Wohl dem, der ewig strebt." Ziel ist ihm also nichts, Be- wegung alles! Und umgekehrt strebt Faust bewußt dem Ziel, dem Endziel zu. Und beide ziehen doch an einem Karren. Den Don Juan peitscht die ruhelose Phantasie unstet von Genuß zu Genuß, bis er dem Höllenzwang erliegt: und Faust wird vom Er- k e n n t n i ß t r i e b gefoltert; er strebt nach Uebermenschlichem und fein Giganten ivahn>vird zertrümmert. An Grabbe's Tragödie ist die Kühnheit des Unternehmens be- merkenswerther, als die Ausführung. Im Wesen mußten Don Juan und Faust, wiewohl das Gedicht ausgebaut ist, ein genialischer Torso bleiben. Wie bei Grabbe begreiflich ist, drängt sich bald ein trivialer. bald ein hyperbolischer Ausdruck vor und unvermittelt stehen tief- sinnige Einfälle daneben. Das Maß in den Dingen fand der im- selige Dichter nicht. Wenn man seinen Faust jammern hört:„Wo ist der Pfad der Kunst und Wissenschaft, den ich nicht schritt", und man denkt an die finnliche Fülle in Goethe's Faustmonolog, so möchte man meinen, irgend ein Versammlungsredner spreche, uiid daneben wieder ein genialisches Aufflammen. Die Charaktere Don Juans und Fanstens sind bei Grabbe ein wenig verschoben. Die Don Juan-Gestalt, wie sie naiv aus roma- uischer Empfindung erwuchs, hat nicht immer das unbedacht Rück- sichtslose an sich, das diesen Typus zu tragischer Höhe leitet. Nicht innner ist Don Juan bei Grabbe der eherne Gesell. Zu witzig bewußt tritt er des Oefteren auf. Faust wird zum Mitbürger Luther's. zum Wittenberger. Das gestattet manchen intimeren Zug. aber es verengt die faustische Bedeutung. Durch die spanische Donna Anna und dadurch, daß die Handlung nach der Weltstadt Rom gerückt ist, stellt Grabbe die Ver- bindung zwischen„Faust" und„Don Juan" her. Beide streben be« gierig nach der Tochter des Gouverneurs! Don Juan tödtet Bräutigam und Vater von Donna Anna, aber Anna wird durch Faust auf die Höhe des Montblanc entführt, wo der satanische Ritter ihn, ein Zauberschloß erbauen mußte. Aber der gewaltige Faust kann nicht einmal das Herz„der Mänuin" erwärmen und winselt wie ein verliebter Knabe. Auf dem Montblanc höhnt Don Juan, der seiner Anna nachjagt, den thörichten Faust: Wer stürmt mit übermenschlicher Gewalt das Herz der Anna und vermag das Fleckchen nicht zu erobern? Wozu übermenschlich. wenn D n ein Mensch b l e i b st? Und Faust erwidert, Wozu Mensch, wenn Du nach Uebermenschlichem nicht st r e b st? In diesen Worten ist die tragische Idee des Gedichtes zusammen- gefaßt. Eitelkeiten aller Meuschenschicksalel In der Erbitterung, weil er sie nicht besitzen soll, tödtet Faust die Donna Anna. Don Juau's Phantasie ergötzt sich nur am wechselnden Farbenglanz der Dinge, Faustens Trieb muß die Dinge erst zerbrechen, ehe er sie begreift: wie ein nngeberdiges Kind, das sein Spielzeug zerstückt. Es wäre geschmacklos, bei solchem Drama darauf hinzuhorchen, wie sich ein Werktags-Publikum dazu verhält, wann es herablassend nnd gnädig applandirt, wann nicht. Der Natur der Sache nach muß der enge Bühnenrahmen, die Schauspielerei, die mehr oder weniger mir Deklamation bleiben kann, und die Theiluahme des Publikums unzulänglich sein. Man denke sich eine Reihe von Statisten, die das Grauen veranschanlichen sollen, als Junker Satan nnd der ver- jungte Faust in den Ballsaal des Don Guzmon treten, und der Faust selber, ein semmelblonder Biederniaun. von einem ebenso biederniännischen Schauspieler dargestellt!(Herrn Gcorgi.) Bon seinem Angesicht aber heißt es, dafi es ihm brenne und zucke, als wären hölleuschöne Flammen seine Mienen! Eine festtägliche Auf- fiihnmg nnd ein genialisches Spiel, das ließe sich hören. Mit wohlgemeinter Absicht ist nicht viel gewonnen. Daun veranschaulicht die eigene Phantasie während der Lektüre lebendiger. Wenn die Gnomen im Innern des Alpen- stocks ihren Sang anheben:„Oh selig, wer im enge» Kreis umringt von seines Feldraums Hecken zu leben, zu genießen weiß! Er spielt mit aller Welt Verstecken, er blickt nicht sehnend nach den Fernen; der ganze Himmel engt sich für ihn ein i der Horizont mit seinen Sternen ist im Bezirke seiner Becker sein!"; und wenn Faust die Weisheit der Gnomen verkennt nnd meint: „Sie denken mich zu ärgern und zu rühren, nnd fie satyrisiren", dann geht vom Wesen des Gedichts Innigeres auf den Leser über, als von den üblichen Schaustücken des Theaters und von noch so lauten Deklamationen auf den Hörer.— ff. Musik. AluS der Woche. Gegenüber einer solchen Fülle von Kon- zerten, wie sie tagtäglich und auch jetzt trotz Frühliugsnähe noch wenig verringert bei uns waltet, kann sich der Musikrefercnt, der an einem Abend höchstens drei, aber nicht fünf Konzerte und schließlich auch nicht an jedem Abend überhaupt ein 5konzert zu besuchen ver- mag und die Aushilfe durch Vertretung auf Nothfälle aufsparen soll, nur immer wieder durch eine rücksichtslos enge Auswahl helfen. Aber nun auch stets die bange Frage nach dem Maßstab für diese Auswahl! Am nächsten liegt und am leichtesten ist wohl der Vor- satz, nur das„Beste" zu wählen. Allein gerade dies führt den Berichterstatter am ehesten von seinen Aufgaben ab. Eine An- iündigung freilich, wie die des„populären Lieder- und Balladen-Abends" von G u r a und S ch lv a r tz am 17. d. MtS. (des 2. von dreien) lockt allzusehr. Es ist auch kein Ueberfluß,� zum so und so vielten Mal auf die Leistungen dieser beiden Künstler hinzuweisen, dabei etwa den ungünstigen Einfluß des übergroßen PhilharmoniesaaleS auf den Vortrag Gura's zu bedauern und schließlich wieder einmal eine Lanze für die Kompositionen von Loewe, von Hans Sommer und anderen zu brechen. Wenn inoessen die Herren Gura und Schwartz heute als aller« erste Anfänger aufträten und der wählerische Musikreferent sich sagte:„Verschon deine Leser mit dem Anfängerthum und weis« fie' auf unstreitig große Leistungen, beispielslveise ans die eines Joachim hin 1°— Ware es nicht die barste Ungerechtigkeit, erst dann auf eiueu Künstler hinzuweisen, wann er schon' anerlaimt ist, und dem. der viel hat. noch mehr zu geben, dem aber, der nichts hat, nichts zu geben? Ist es nicht vielmehr gerade die Aufgabe des Kritikers, sich an der EntWickelung der Anfänger zu reisen und berühmten Künstlern zu- stimmend oder abmahnend zu beteiligen? Gerade er nnist dorthin gehen, wo ihm am wenigsten sicher etwas Vollendetes wintt; und just der Umstand, dast von all' dem Erstlingszeug nur ein kleiner Theil etwas taugt, hcistt ihn. zu möglichst vielen dieser Versuche hingehen, um dann erst das Beste herausheben zu können. Schwierig ist diese seine Aufgabe schon durch die Mühe, die es kostet, alle der- artigen Konzerte auch nur zu erfahren und das Besuchsprogramm, mit Streichung des durchaus nicht mehr Erreichbaren, so klug als möglich zusammenzustellen. Beispielsweise gelang es mir erst daim, über die Komponisten- Abende von Julius Zarneckow im Schöneberger Klubhaus, deren Ankündigungen eiuen guten Eindruck machen, eine nähere Uebersicht zu bekommen, als ihr Zyklus anscheinend berests zu Ende>var. Run also ein ander Mal! Zu all dem noch der Umstand, daß zivar manche, wohl die aller- meisten der einer kritischen Beachtung bedürfenden Konzerte schon in der ersten Viertelstunde erkennen lassen, was daran zu erkennen ist, das» jedoch andere von diesen Konzerten auch in ihrem ganzen Laus noch kein geliügendes Bild geben. Abgesehen von stchaltreicheren Kompositionen, zu deren Beurtheilen ein Vorstudium und etwa ein wiederholtes Hören erforderlich ist. läßt sich beispielsweise die Kunst eines Dirigenten nicht so schnell durchschauen. Am lS. d. M. gab Josef Frischen, Dirigent der Mnfil-Akadeniie in Hannover, ein Konzert mit dem Philharmoinschen Orchester. Wie wäre es ihm möglich gewesen. dieses fast jede» Abend unter eigenen Führern spielende Orchester ganz mit seinem speziellen Geiste zu erfüllen l Dazu kam, daß der Konzertgeber beinahe mir moderne Kompositionen, besonders Berlioz, dingirte, unseres Erachtens jedoch für ältere Werke mindestens ebenso geeignet wäre. Er dirigirt mit großer Ruhe und mit rein- licher Entschiedenheit, liebt mästige Tempi, tiftelt nicht, beschränkt sich beim Phrafiren auf de» Wechsel der Stärke, vermeidet wuchtige Accente, weist aber namentlich durch reichliches und zartes Piano zu lvirke». Zwei eigene Kompofitionen von ihm, die ihm geringeren Beifall als seine Dirigirkunst eint rügen, sind gute Konzertwaare ohne besondere motivische Gestaltungskraft: die.Herbstnacht" ist ein sehr voll instrumentirtes echtes Stimmwigsbild, das.rheinische Scherzo" originell und reich an Rythrnik. Zu den Anfängerkonzerten, über die sich kaum etwas Anderes sagen lästt, als dast sie um einen Grad über oder unter dem Durch- schnitt stehen, gehörten derLiederabend vou Margarete Münter (von dem wir hätten mehr hören kömien, wenn er nicht fälschlich auf 8 statt auf 7V, Uhr angesagt gewesen wäre) imd das Klavier- kouzert von Hedwig Holtz. Die erstgenannte Sängerin ist eine von denen, die gemig Gntes zeigen, um der Mahnung zu einer »veitcren Ausbildung würdig zu sein. Die zweitgenannte Klavier- spielen» theilt den Fehler so vieler Kollegiunen. verschwommen zu spielen— ihr sonstiges Können in allen Ehre— und brachte gleich ihrem Partner vom Bioloncell, Herrn Otto Lüdemann, der seine Sache recht geschickt n lachte, grostentheils ein recht niattes Programm: einem Adolf Jensen lvünichen wir besseres, als dast er uns durch Klavierspielereicn in Erinnerung gebracht wird. Dieses allenthalben übliche Uncherwandeln bei Miseren Klassikern engeren Sinns und bei der Folgezeit ist ein Symptom der uüveranttvortlichen Beruachlässigmig der Musikgeschichte in unserem Musikleben. Schade, dast eine gutgemeinte Ausnahme durch Aeuster- lichkritcn und abermals durch Mangel au geschichtlichem Sinn ge- schädigt wurde! Bor einer Rokokowand, in Rokokokostüm und mit Hilfe vou Exemplare» alter Arten des Klaviers gaben Anna Norrie aus Stockholm und Ina Lange eine.historische Musiksoiree", bereit Wiederholung am IS. d. Mts. wir hörten. Bis ins Jahr 1295 reichte das Programm zurück: aber wer sagt uns, was eigentlich dieses.Intermezzo" von Machault war. das wir ans einem Spinett, also um den Abstand von Jahrhunderten verändert, hörten? Und ivie konnnen die, allerdings interessanten.schwedischen Balladen und Lieder" zum Spinett und Clavecin? Anna Norrie erwies sich als eine sehr packend und mit ziemlich guter Stimme vortragende Soubrette, das Pnblilmn.unterhielt" sich so gut, dast man die schwachen Instrumente oft kaum hörte, und die zwei Zugaben waren allen Betbeiligten zu gönnen. Aber eine wirklich historisch« Leistung müßte rmn doch viel ernster angelegt sein.—" sz. Astronomisches. — Einen neuen Satnrnmond hat William Pickern, g, Astronom an btt Harvard College- Sternwarte in Eambridge lÄmenka), auf photographischem Wege entdeckt. Dw Helligkeit desselben wird als die eines Stentes der 15. Gröstenllasse und seine Umlaufszeit um den Planeten zu beiläufig 17 Monaten angegeben. Mit dieser Entdeckung steigt die Zahl der nirs bekannten Saklirnsatellitcn auf neun. Der hellste, Titan,»velcher in der nach den Abständen vom Planeten geordneten Reihe der sechste ist und in nahezu 16 Tagen einen Umlauf volleichet, wurde von HuyghenS. der auch den Ring zuerst als solchen erkannte, im Jahre 1685 aufgefunden. Es folgte im Jahre 16U durch I. D. Cassini die Entdeckung des JapetnS. der VemnNoortlicher Redakteur: Angnft Jacobetz in Bei bis auf den heutigen Tag als der entfernteste der Trabanten gegolten hat wch zu einem Umlauf 79 Tage braucht. Demselben Astronomen gelang im darauffolgenden Jahre die Aufsindung eines dritten Mondes Rhea. des fünften in der Reihe mit einer Unilaufzeit von 4»/- Tagen, und weitere zwölf Jahre später(1634), als die Erde in der Ringebene stand und der scheinbar rinalose Planet eine günstige Gelegenheit zur Durchmusterung seiner nächsten Umgebung darbot, die Ausfindung eines vierten und fünften Trabanten, Techys(3) imd Diane(4). welche den Hauptkörper in nur einem Tag 21 Stunden und 2 Tagen 13 Stunden umkreisen. Räch mehr als hundertjähriger Pause erwetterte sich unsere Kennt- »ist des Saturnshstems abermals durch die Entdeckung der beiden inneren Monde, Mimas und Enceladus, welche' 1739 Wilhelm Herschel an seinem berühmten vierzigfüstigen Spiegelteleflop gelang: sie haben einen mittleren Abstand von nur drei bezw. vier Halbmessern des Planeten von seinem Zentrum und laufen in 23 Stunden bezw. einem Tag und neun Stunden einmal um ihn henim. Ein achter Trabant endlich, der siebente in der Reihe und zugleich der schwächste(von nahe der 14. Größenklasse), Hyperion. wurde in diesem Jahrhundert(1348) von G. Bond an der Cam- bridger Steniwarte(und einige Tage später unabhängig von Lassell in Liverpool) aufgefunden, und von eben dort wird uns jetzt ein neunter Mond gemeldet, mit dem die Ausdehnung dieses inter- essanten Körpersystcms auf mehr als das Dreifache steigt. Die Himmelsphotographie hat damtt abermals einen glänzenden Erfolg errungen.— Humoristisches. — Ans irgend einem Parlament. Abgeord- neter T.:„... und dann, meine Herren, das Schweineeinfuhr« Verbot(Präsident:„Ich mache de» Abgeordneten darauf auf- merksam: Schwein ist kein parlamentarischer'Ausdruck k"). die hohen Viehprcise(Präs.:.Ich habe den Ausdruck.Viechpreiste" gehört. ich nehme an. daß damit kein Mitglied des Hanfes gemeint ist, foitft muß ich den Abgeordneten zm Ordnung rufen!') haben cS bereits dahin gebracht, dast in Deutschland Fleisch ein seltenes und unerhörtes Gericht geworden ist.(Präs.:„Ich ersuche den Abgeordneten, deutsche Gerichte nicht in die Diskussion zu ziehen.")'Wurst... (Präs.:.Der Al'geordnete hat jede Kritik meiner Befehle zu unter- lassen.") Wurst zu essen, ist bereits mir mehr ein Vorrecht der Könige (Präs.:„Vorrechte der Krone dürfen hier nicht erörtert werden I") und der Kapitalisten(Präs.:„Angriffe auf Religionsgemeinschaften sind nicht gestattet!")..." (. Simplieisfiimis — Boshaft..Jetzt radelt meine ganze Familie: meine Frau. meine beiden Töchter und mein Sohn l Da bleibt intt nichts anderes übrig, als auch zu radeln!" „Nicht nothwendig l D u bist ja schon längst das fünfte Rad im Hause l"— Notizen. — Eine künstlerische Monatsschrift im Stile des.Pan",.doch mit größerer Betonung des literarischen Theils und zu einem Preste, der das Abonnement nicht ansscbliestlich auf Kapitalistenkreise beschränkt", wird vom 1. Oktober d. I. ab im Verlage von Schuster u. Löffler(Berlin) erscheinen. Die Re- daktion werden Otto Julius Bierbanm, A. W. Heyrnel und R. A. Schröder führen.— — Am 16. Mai siitt» cS 25 Jahre, dast Arthur Vollmer dem Schauspielhause augehört. Wie der.B. B. C." erfährt. wird der Jubiläunistag durch eine Wiederholnng des Stückes ge- feiert werde», in dem Vollmer vor 25 Jahren sein Engagement antrat, durch eine Anfsührmig des„Verwunschen e n Prinzen."— — Im Lessing- Theater wird am 23. d. M. schon wieder ein neues Stück,.Die Lumpe n" von Leo Hirschfeld, das in Wien bereits aufgeführt wurde, in Szene gehen.— — Ein neues Bolks-Schau spielhaus will Julius Rudolph, früher Thcaierdiretior in Halle und in Riga, in Dresden- Altstadt errichten.— — Mit dem Bau des für die Tell-Anfführung in Alt- darf bestimmten Spielhauses wurde vor Kurzem begonnen. Der Zuschauerraum soll 1200 Personen Raum gewähren. Die Szenerien sollen_ nach allen Anforderungen bnhncnkünstlerischer Grundsätze, landwirthschafllich möglichst naturgetreu, historisch richtig und in der Bollendmig ausgeführt werden, die dem Zweck, Schiller's.Tell" als BolkSschanspiel darzustellen, entspricht.— — In Christiania wird dem Komiker Johannes Bnrn(gest. 1891) eine Statue errichtet werden.-» — Die Geschäftsführung der BerlinerSezeffiou haben Bruno und Paul Caffirer, die Inhaber des bekannten Kunstsalons in der Viktoriastrastc. übernoinmen.— — Ein Spinoza-Museum ist in einem Hause in RhnS« bürg eingerichtet worden, das der Philosoph längere Zeit be- wohnt hat. lin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin>