Ur. 207. Abonnements-Kedingungen: Abonnements-PretS pränumerando: vierteljährl. Z,Z0 Wk., monatb 1,10 Ml., möchentlich 23 Psg. frei WS Haus. Einzelne Nummer s Psg. Sonntag!- Nummer mit illustrierter Sonntag!- Beilage„Die Neue Welt" 10 Psg. Post- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung!» Preisliste sür 138» unter Nr. 7320. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, sür da! übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Lrfchelnk läglich nusjer Wonlag». Verliner Volksbl�kk. 1«. Jahrg. Die Inftrtians- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- »eile oder deren Raum so Psg., sür pollttsche und gewerlfchastltche Vereins- und BersammlungS- Anzeigen 20 Psg. „Kleine Anseigen" jede! Wort 5 Psg. (nur das erste Wort fett). Inserate sür die nächste Nummer müssen btS 4 Uhr nachmittag! in derExpedttton abgegeben werden. Die Erpcditton ist an Wochenlagen bi! 7 Uhr abend!, an Sonn- und Festtagen bt! s Uhr vormittag! geöstnet. Fernsprecher:«ml l, Nr. UiOS. Telegramm-Adresse: „Sorialdemokrat Berlin" Centraiorgan der sonatdemokratiMen Uartei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth-Strasze 2. Dienstag, den 5. September 1899. Expedition: SW. 19, Benth-Strahe 3. Opfer der„Märtyrer". „Wir glauben aber, die eigentlichen Märtyrer dieses Erlasses werden seine— Urheber werden. Wir fürchten, wir werden keine Gelegenheit erhalten, uns der Unterdrückten— des Junkertums annehmen zu brauchen. Das Ministerium Hohenlohe stirbt vor der Junkerschaft, und auch vor der erfüllten Wirkung der„erlützlichen" Drohungen." „Vorwärts", 1. September 1899. „Wir haben die Vermutung, daß das Ministerium Hohenlohe die Konsequenzen der Aussperrung nicht zu tragen vermögen wird. Die 22 Wartegeld-Märtyrer des Kanals werden sich als die Stärkeren erweisen. Es wird ein lustiger Krieg werden." „Vorwärts", 2. September 1899. Seine M a j e st ä t der König haben aller- gnädigst geruht: den Staatsminister und Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten D.'Dr. Bosse feinem Ansuchen gemäss von seinem Amte unter Belassung des Titels und Ranges eines Staats- Ministers sowie unter Verleihung der königlichen Krone zum Großkreuze des Rothen Adler-Ordens mit Eichen- laub zu entbinden und den Ober-Präsidenien der Provinz Westfalen, Wirk- lichen Geheimen Rar Ttndt, zum Staatsminister und Minister der geistlichen sc. Angelegenheiten zu ernennen! ferner: den Staatsminister und Minister des Innern, Frei- Herrn von der Recke von der Horst seinem Ansuchen gemäß von seinem Amte unter Belassung des Titels und Ranges eines Staatsministers solvie unter Ver- leihung des Großkreuzes des Roten Adler-Ordens mit Eichenlaub zu entbinden und den Regierungs-Präsidenten Frhrn. v. Rheinbaben in Düsseldorf zum Staatsminister und Minister des Innern zu ernennen. „ReichS-Anzeiger", 4. September 1899. Die Wartegeld-Märtyrer des Mittellandkanals haben bereits ihre Genugthuung erhalten. Zwei preußische Minister sind über Bord geworfen worden— als Sühneopfer für die durch die Maßregelung ihrer Landräte gekränkte Junkcrschaft. Als nach der verlorenen Kanalschlacht die liberalen Allusionisten von einer Demission des Gesamtniinisteriums fabelten, blieb die gesamte Negierung hübsch vollzählig bei- sammen. Unsere Minister sterben nicht an ihren Niederlagen, sondern an ihren„Siegen". Es war ihnen erlaubt und wurdcihueu nicht verübelt, daß sie in derKanalsrage von den Konservativen auf die Knie gezwungen wurden. Aber ihr„Sieg" über die beamteten Abgeordneten, die Aussperrung der Landräte, wirkte tätlich. Nicht Hohenlohe, nicht Miquel, nicht Thielen, nicht Brefeld --- keiner der au der Kanalangelegenheit beteiligten Minister ist gegangen. Dafür sind zwei Ressortminister entlassen, die mit jener Frage gar nichts zu thun gehabt haben. Der Kultus- minister Bosse ist nicht einmal in den Sitzungen des Abgeord- neteuhauses zugegen gewesen. die über das Schicksal des Mittellandkanals entschieden. Und Herr v. d. Recke war zwar körperlich teilweise anwesend, hat sich aber rednerisch nicht be- teiligt. Warum sind nun gerade diese beiden preisgegeben worden? Das Rätsel scheint unlöslich, ist aber sehr einfach. Bosse und Recke haben den Zorn der Junker dadurch erregt, daß sie die Vollstrecker der Maßregelungspolitik waren, die dienstwilligen Exekutoren der Regierungs-Drohungen. Bosse hatte den Hilfsarbeiter Jrmer, in unterwürfigem Uebereifer, entlassen, und Herr v. d. Recke hatte den famosen Tagesbefehl an die beamteten Abgeordneten verfügt, für den Kanal zu stinimen; auch die Ruhestands- Versetzungen der Landräte und Regierungspräsidenten dürften seine Unterschrift tragen. Das hatte beide Minister bei der herrschenden Sippe schon gesellschaftlich unmöglich gemacht. Sie wurden in aller Form boykottiert, sie hatten keine ministerielle Existenz- fähigkeit mehr i es ist ja erinnerlich, daß die konservative Fraktion beschlossen hatte, keinen Gesetzentwurf des Reckeschcn Ressorts zur Erledigung kommen zu lassen. Das Ziel der Angriffe der liberalen Presse war Herr Miquel— und Miquel erfreut sich noch imnier der Ministerherrlichkeit. Die agrarisch-konservative Presse hetzte gegen Bosse und Recke, und das genügte, um sie vom Schauplatz verschwinden zu lassen. Ter Ministerwechsel ist ein weiterer Triumph des Junkertums, eine neue Aufklärung über die Frage. wer bei uns herrscht. Damit ist die politische Bedeutung des Wechsels erschöpft. Daneben mag man in der Art dieser Personalveränderung die Spuren jener Miquelschen Sammelpolitik erkennen, die durch reichliche Anwendung von einerseits— andererseits alle Welt versöhnen zu können glaubt. Bosse und Recke sind bei den Junkern unheilbar kompromittiert— also fort mit ihnen, damit der Zorn Ostekbiens besänftigt werde. Dafür werden dann zwei Beamte aus dem kanalsreundlichcn westlichen Industrie- bezirk zu Ministern ernannt, was bei der rührenden Anspruchs- losigkcit der Liberalen gewiß in diesen den Traum eines Sieges i h r er Suche anregen wird. Ein kleines Opfer für die Junker, ein kleines Scheingeschenk für die Liberalen— und die Sammlung der Staatserhaltenden ist geglückt. Schade nur, daß die Konservativen nicht so bescheiden und so blind sind, wie die Liberalen. Diese beglückt man schon mit einem höflichen Hände- druck, jene verlangen Kniefall und bare Buße; und so wird der Ministerwechsel mit doppeltem Boden nicht ausreichen, um die Sammlung hervor- und die Spaltung hinwegzuzaubern. Aber sie wird das Selbstbewußtsein der Agrarier noch er- höhen und die Liberalen um einige Illusionen bereichern. Politisch werden die Nachfolger der Bosse und Recke das Werk ihrer Vorgänger ruhmreich fortsetzen. Vielleicht werden sie die eine oder die andere gar zu peinliche Hinterlassenschaft liquidieren— neue Wege werden sie nicht gehen, sie werden dafür redlich bestrebt sein, die große Sache der Reaktion blühen, wachsen und gedeihen zu lassen. »* * Die alten und die neuen.Herren. Mit den beiden Opfern des Wartegeld-Kurses erhöht sich die Zahl der noch lebenden inaktiven preußischen Minister auf 21— ungerechnet die verbrauchten Kriegsminister. Man sieht, unser Regime geht nicht sparsamer mit Ministern um wie etwa die französische Republik, nur daß diese den Ver- abschiedeten keine Pensionen zahlt. Den guten v. d. Recke sehen lvir mit Bedauern scheiden. Er wird uns fehlen. Als Köller schied, meinten wir, niemand werde sähig sein, seine und— unsere Sache gleich voll- kommen zu betreiben als er. v. d. Recke hat das Unmögliche möglich gemacht: er hat es noch besser verstanden, für seine Gegner zu säen. Für die Parlamente bedeutet er außerdem einen unersetzlichen ästhetischen Verlust. Wir werden niemals wieder einenso wohl gescheitelten Staatsmann erschauen, undselbst wenn sein Nachfolger ein Bartzögling Habys wäre, könnte er den Freiherrn v. d. Recke nicht ersetzen. Herr v. d. Recke war seit dem Jahre 1893 ministeriell thätig. Er folgte Köller und war, wie sein jetziger Erbe, Regierungspräsident in Düsseldorf. Recke bewies bald, daß er mit der Weltanschauung eines auffälligssmittelmäßig begabten Unteroffiziers eine dürre, steife Humorlosigkeit verband, die ihn von der jovialen Naturburschcnhaftigkeit seines Vorgängers, der sich selbst niemals ernst nahm, unterschied. Er hinterläßt uns eine Reihe totgeborner, monströser Gesetzentwürfe, eine Anzahl parlamentarischer Rcdeblütcn, ein paar ausgesperrte Landräte und einen nicht bestätigten Oberbürgermeister. Uebrigens hat er auch einen Erfolg gehabt: er hat Kurhcssen völlig verpreußt, indem er ihm das kommunale Dreiklassen-Wahlrecht aufhalste. An seinen Namen knüpft sich das gescheiterte Vereins- gesetz, das„umstürzlerische" Vereine und Versammlungen un- möglich machen wollte, und jener Schieß-Erlaß, den der „Vorwärts" zuerst veröffentlichte. Die Kulturgeschichte mensch licher Ideale verdankt ihm eine neue Begriffsbestimmung der Humanität, deren Wesen darin besteht, daß nach den Beinen gezielt wird. Besondere Verdienste hat er sich endlich um den Älexandriuischen Bombenschwindel erivorben: er war der einzige Mensch, der an die zur Palästinareise ersonnene Gaunerei glaubte. Eine unangenehmere Erscheinung, als der brave v. d. Recke, der ja nichts dafür konnte, daß er einmal so war, war der Kultusminister Bosse. Er saß seit 1892 im Ministerium der Geistesfreiheit. Als er den orthodoxen Vater des dunkel- männischen Volksschulgesetzes, Zedlitz- Trützschler, ablöste, setzte nian Hoffnungen auf ihn. Er hatte sich durch eine scharfe Kritik der landesüblichen Vorbereitung der in den Verwaltungsdienst tretenden Juristen bekannt gemacht— man erwartete von ihm liberale Leistungen. Er hat die Erwartungen nicht erfüllt. In jeder Hinsicht ein Halber, war er ein Ganzer nur in der Frömmigkeit. Ein gesalbter Schön- redner, sprach er von Freiheit, indem er allen reaktionären Gelüsten Freiheit ließ. Unter ihm blühte die Einrichtung der Strasprofcssuren; anstößige Dozenten wurden kalt gestellt, indem man ihnen zwangsweise rechtgläubige Professoren zur Seite setzte. Er hat sich den Stümnilingeu gefügt, indem er statt der„revolutionären" Kathedersocialisten „Männer der Praxis" berief, welche die Praxis Stumms auf dem Lehrstuhl der Wissenschaft fördern und verteidigen sollten. Er erfand das widersinnige Wort von der„thnn- lichsten" Freiheit der Wissenschaft, als ob es für sie eine andere Grenze gäbe als die der Wahrheit. Um die Volksschul- lehrer hat er sich einige Verdienste erworben, um die Volksschule nicht, die er weder von den Pfaffen noch von den Junkern zu befreien suchte, und auch die Stellung der Lehrer hat er nur materiell, nicht moralisch und geistig gebessert. Er drängte jüdische Lehrerinnen aus dem Ordinariat, zwang Dissidcntenkinder zum Religionsunterricht, und wenn er die Zulassung der Frauen zu den Universitäten ein wenig erleichterte, so blieb er auch auf diesem Gebiet in zaghafter Halbheit stecken: als in Breslau ein Mädchen- Gymnasium errichtet werden sollte, legte er entrüstet sein Veto ein. Das Kultusministerium wurde unter ihm immer mehr zur Zufluchtsstätte reaktionärer Köpfe. Sein Werk krönte er mit dem Disciplinarverfahren gegen Delbrück und der lex Arons, die der Selbständigkeit der Privatdocenten ein Ende bereitete. Ein witziges Geschick hat es gefügt, daß Herr Bosse nun doch früher seines Amtes verlustig gegangen ist, als Genosse Arons, dessen Entfernung aus der Universität der ehrgeizige Traum seiner letzten Jahre geworden ist. Sein Nachfolger hat das Glück, an diesem Meisteiitück seinen Be- sähigungsnachweis ablegen zu dürfen. Als kürzlich eine Zeit- schrist iiber Goethe die Meinungen bedeutender Zeitgenossen einforderte, wurde auch Bosse gefragt und er gab eine in seiner Frömmelei überaus lustige Antwort. Den jetzt Amts- losen würde niemand mehr über Goethe ausforschen. Die beiden neuen Männer sind aus der korrekten Beamtenlaufbahn hervorgegangen, konservative Leute, die politisch sich nicht bethätigt haben, also dem Miquelschen Ideal der Parteilosigkeit genügen.' Sie sollen Kanal- freunde sein. Der Freiherr v. R h e i n b a b e n ist noch Verhältnis- mäßig jung, 44 Jahre. Er hat also schnell Karriere gc- macht— ein Beweis seiner Fähigkeit, den Wünschen seiner Vorgesetzten gerecht zu werden. Man wird wohl von ihm eine gewisse Schneidigkeit verlangen— nach rechts, wie die Liberalen hoffen, nach links, wie es in Wahrheit der Fall sein wird. Bosses Nachfolger, der Oberpräsident von Westfalen Studt ist 61 Jahre alt.' Als Regierungspräsident in Königsberg hat er Puttkameruner Grundsätze befolgt. Im Somnier 1889 wurde er Oberpräsident von Westfalen, nach der wohl im Zu- sammenhang mit dem großen Vergarbeiter-Ausstand stehenden Entlassung des Herrn v. Hagcmeister. Daß er gerade für das Kultus Ministerium ausersehen worden ist, verdankt er wohl dem Umstand, daß er in den letzten Jahren auch Kurator der Akademie Münster gewesen ist, der s r ö m m st e n, übrigens katholischen preußischen Universität. »» Meinungen. Das Organ Schweinburg-Miqncls, die„Berliner Politischen Nachrichten", bringen eine sehr drollige Bemerkung zu dem Ministerwechsel: „Nach unseren Erkundigungen hatte der Kultusminister Dr. Bosse mit Nücksicbt auf sein Nervenleiden schon seit längerer Zeit den Riicktritt gewünscht. Wir hören ferner, daß Se. Mazestät der Kaiser über eine anderweite Verwendung des Freiherrn v. d. Recke im höheren Staatsdienste, welche dessen Wünschen wohl in besonderem Matze entsprechen dürfte, Verfügung treffen wird. Wir brauchen nicht zu sagen, dah diese Veränderungen in den beiden Ministerposten in keinerlei Zusammenhang mit dem schwebenden Kampfe um die Kanalsrage stehen." Gewiß, schon die Entlassung Jrmers war ein Erzeugnis dieses Bosseschen Nervenleidens. Und mit der Kanalvorlage hängt der Ministerwechsel ebenso wenig zusammen, wie nach der gleichen Versicherung Schweinburgs die Maßregelung der Landräte. Die Andeutung über die weitere Verwendung Reckes bezieht sich darauf, daß er Oberpräsident von Westfalen werden soll, wo er ja dann Gelegenheit haben wird, streikenden Berg- lentcn nach den Beinen zu zielen. Den neuen Männern rühmt dasselbe Organ eine wahrhast Miquelsche Schnnegsam- keit nach: „Beide neuen Minister sind konservativ, ohne jedoch extrem agrarischen oder klerikalen Neigungen zu sröhnen. Sie sind durchweg die Männer, die Autorität der Staaksregierung nach innen wie nach außen auf das kräftigste zu wahren und ersprießlich an der Aufgabe mitzuarbeiten, unter Abstotzung extremer und mehr demagogischer Richtungen die staatserhnllenden Elemente um die kaiserliche Standarte zu sammeln." Also zwei Miquel-Figuren der Politik der Sammlung I Von der konservativen Presse äußert sich die„Kreuz- Zeitung" ziepilich zurückhaltend. Gegenüber dem Herrn v. Rheinbaben verhält sie sich mißtrauisch; sie sichert ihm großmütig konservative Hilfsbereitschaft, sofern er nach alt- preußischen, will sagen junkerlichen Traditionen verfährt. Als Ursache der Demission nimmt sie die Maßregelungen an, die von Bosse und Recke insceniert wurden. Man sieht: die„Kreuz- Zeitung" unterdrückt vorsichtig ihre innere Genugthuung über die Bestrafung der Versetzten und begnügt sich im übrigen, den neuen Herren fast drohend ihr a g rarisch-jun kcrli ch es Programm ans Herz zu legen. ' Die„Deutsche Tageszeitung" beschränkt sich vorläufig darauf, dem scheidenden, einst so heiß geliebten Herrn v. d. Recke einen erfreuten Fußtritt zu versetzen. Die„ P o st" meint hinsichtlich Reckes, „daß die mit der Verfaffung nicht in Einklang zu bringende Ein- Wirkung, welche der Minister des Innern aus die Abgeordneten, welche zugleich Verivaltimgsbeamte sind, versuchte, den uuniittel- baren Anstoß zu seiner Demission gegeben hat." Bosses Sündenregister besteht nach der„Post" in drei Maßnahmen:„die in dem Gesetzentwurf betreffend die Dienststellung der Kreisärzte vorgesehene Bestimmung, daß die Kreisärzte den preußischen Doktortitel führen müssen, der bekannte, später abgeänderte Züchtigungserlaß, für welchen der Minister die Verantwortung trägt, wenn er ihn auch nicht persönlich abgefaßt hat, vor allem aber die Entlassung des konservativen Landtags-Abgeordnetcn Professor Jrnier aus seiner Stellung als Hilfsarbeiter im Kultusministenum." Die konservativen Organe sind also einig darin, daß die beiden Minister gefallen sind, weil sie sich gegen die Kon» servativen vergangen haben. Ilmgekehrt schwärmen die liberalen Tölpel wieder einmal von einem Triumph ihrer Sache;„Man wird mit der An- nähme nicht fehl gehen, dieser Ministcrwechsel sei der Auf- fassung entsprungen, daß die Regierung in dem fortgesetzten Kampfe nüt der kanalgegnerischen Mehrheit unbedingt einer Verstärkung bedürfe"— so erklärt die„National- Zeitung". Und das— mit Respekt zu vermelden— freisinnige„Berliner Tageblatt" sieht den liberalen Gimmel offen und feiert in der Entfernung der beiden Anister den Sieg des Lichtes über die Finsternis. Eine wahrhaft wunderbare Fähigkeit entwickeln diese Liberalen, tagtäglich neue Blamagen unter Hurra-Geschrei zu erleiden.— I)olikiflsze Mebev�kLzk» Berlin, den 4. September. Die Gemasiregeltc». Die„Kreuz-Zeitung" teilt mit, daß nach den schon früher genannten konservativen Abgeordneten, dem bisherigen Re- gierungspräsidenten v. Jagow und den Landräten Dr. Baarth, Dr. Lewald, Wolff- Gorki, Dr. Kerften, v. Kotze und Dr. Winckler nunmehr auch die Abgeordneten und Landräte Dr. Schilling in Li e g ni tz, V. Wro ch em in Wohlau, v. Dallwitz in Lüben, v. Bonin in Neustettin, v. Brockhausen in Dramburg und Dr. Freiherr v. Bodenhausenin Bitterfeld in den einstweiligen Ruhestand versetzt worden sind und ihr Amt niedergelegt haben. Die„Kreuz-Zeitung" veröffentlicht mehrere Einsendungen zur Kennzeichnung der Stimmung„im Lande", d. h. in den. Kreisen der konservativen Junkeraristokratie. Die Sprache der Einsender gleicht nicht einem sanften Säuseln des Unmutes, sondern zeigt zwar verhaltenen aber tiefen Grimm gegen die Regierung, die es gewagt hat, die Maßregeln, welche nur gegen Junkergegner gelten sollen, gegen Junker, leibhaftige, preußische Junker und Landräte anzuwenden. So schreibt ein Mitglied des Herrenhauses: „Vergegenwärtigt man sich den Nmstimimmgsvcrsnch vor der dritten Lesung der Knnalvorloge, die Masiregelnng der vtegiernngs- Präsidenten und Lcindräte und diesen Erlag, so steht einem nn« willkürlich daS Präfcktenregiment Napoleons III. vor Augen: wahrlich, diese Behandlung haben unsere Ncgierungsheanite» nicht verdient, und die Art ihres Abganges bezeugt cS, was sie waren: Königlich preußische Beamte, bekanntlich ein hoher Ehrentitel in der ganzen Welt. Daß die jetzige Phase cinc schwere Priifnug bedeutet für konservative Partei, Beamtentum und Land, suhlt jedermann; aber auch diese Krise wird und muß überwunden werden, wie schon frühere; die in den richtigen Grenzen sich haltende, freimütige, an die verantwortliche StaatSlcitung sich richtende bleibt dazu unentbehrlich." £b die Entlassung der beiden Minister, in deren Ressorts diese Maßregelungen vorgenommen wurden, den Groll der Konservativen nn Lande mildern wird? Schnell geneigt zu vergessen und zu verzeihen sind die Herrschgewohntcn nicht, um so weniger, wenn ihr eigen Fleisch und Blut, die von ihrer Duldung lebende Regierung es wagt zu rebellieren. Und zahllos sind die Mittel der Junker zur Zähmung einer widerspenstigen Regierung. Da ist vor allem das„rote Gespenst", das auch hier wieder aufgesteckt toird. Aus Seehausen meldet die„Kreuz-Zeitung", wie großer Jammer dort herrsche ob der Maßregelung des Landrats v. Kotze- Oschersleben; das dortige ordnungswahrende Blatt schreibe: „Auch wir können nicht umhin, diese Maßregel der könig- lichen Regierung als eine recht unglückliche zu bereichiicn und zu bc- dauern. Das ist Wasser auf die Mühlen der Social- demokratiel Wie es in anderen Wahlkreisen wirken wird, können wir im Augenblick nicht überichen; aber wenn unser Wahlkreis bei der nächsten ReichstagSwahl in die Hände der Socialdemokratie fallen sollte, so hat sich diesen Erfolg die königliche StaatSrcgicruug selbst zuzuschreiben. Gefährdet ist jetzt unser Wahlkreis: das zu leugnen wäre Verblendung." Also möge die übel beratene Regierung ablassen von ihrem verderblichen Beginnen. Möge sie reuevoll umkehren, wenn nicht Staat und Monarchie in grausigem Umsturz zusammenbrechen sollen! Ob nicht auch ohne solche Drohungen schon mehr als ein einziges Ministerpaar zur Strecke gebracht werden kann?— Das Ende der Arbcitcr-Anöspcrruug i» Dänemark. Wir erhalten auö Dänemark folgendes Telegramm aus den Reihen der Ausgesperrten: Der Vergleich ist heute beschlossen. Der Angriff der Unter- nebmer aus unsere Organisation ist siegreich zurückgeschlagen, unsere Organisation steht stärker da, als jemals vor der Aussperrung. Die Aussperrung wird in den letzten Tagen dieser Woche auf- gehoben. Wir begrüßen freudig diesen Ausgang des Kampfes unserer Freunde in Dänemark.' Sie haben die Opfer nicht umsonst gebracht, und die Entbehrungen, die sie in diesem lange» Kampf erduldeten, sind wett gemacht durch den Erfolg, den sie errungen haben. Dauernd wird in der Arbeiterbewegung auf diesen heroischen Kampf, der mit seltener Ausdauer gegen die Niedertracht hochmütiger Kapitalisten geführt wurde, als ein ehrendes Beispiel der Thntkraft nud der Opferfrcndigkcit der dänischen Arbeiter hingewiesen werden können. »* Deutsches gleich. »,Kreuz-Zeituilgö"-Tchwi»del. Wir haben wiederholt in den setzten Tagen daraus hinweisen müsse», daß die„Krcuz-Zeituug" auS sehr durchsichtigen Gründen einerseits die Kaualfrage auf die Umsturzbekämpfung abzulenken versucht, audereffeits geflissentlich wider befferes Wilsen die Stellung der Socialdemokratie zu den preußischen Vorgängen falsch darstellt. Beides geschieht aus jämmerlicher Feigheit, die zeigt, daß das Organ der trotzigen Junker die eigene Sache weder für gut noch für stark genug hält, um ohne derartige Ausflüchte, Lügen und Ableitungen sie durchsetzen zu können. So schreibt am Sonntag der Wochenschaucr der„Kreuz- Zeitung": „ES ist nicht ohne Interesse, die Stimmen der ganz besonders enttäuschten Socialdemok raten zn vernehme», die— nachdem ihr Traum von einem frischen fröhlichen Wahlkampf gegen die„Junker" zerronnen— jetzt den„Brüdern" der„bürgerlichen" Linken Vorwürfe machen." Das schreibt die„Kreuz-Ztg." und weiß doch dabei genau so gut wie wir selbst, daß wir so wenig über den Ausgang der Dinge enttäuscht gewesen sind, daß Ivir ihn von Anfang an richtig voraus- gesagt haben. Wir haben nach den Dortmunder Reden erklärt, daß die Junker sich nicht unterwerfen würden, und wir haben, als die liberale Presse von Krisis-Prophezeiungen überlief, erklärt, daß nichts bei der Sache herauskommen werde. Aber auch aus einem anderen Grunde haben wir gar keinen Anlaß enttäuscht zu sein. Die Dinge können sich nämlich für unsere Interessen gar nicht besser entwickeln als es geschieht. Nichts ist uns so willkommen, wie diese Bloßstellung der politischen Mnchtverhält- nisse in Preußen, nichts für uns förderlicher als diese Ereignisse, die alle, aber auch alle Beteiligten rettungslos vor dem Lande kom- promittieren, nichts dient niehr unseren Zwecken, als diese gegen- seitige Zerstörung der herrschenden Autoritäten. lind iveil dies die„Kreuz-Zeitung" fühlt, muß sie schwindeln, muß sie ihren Kreise» Märchen vorlügen und wider besseres Wissen die wirkliche sociakdemolratischc Anschauung in ihr Gegenteil nmsälschen. Durch diese notgedrnngene Taktik der Fälschung bestätigt das konser- vative Organ, daß auch ihm die Richtigkeit dessen ciiilenchtet, waS wir im Anfang der Kanalknsis— am 13. Augnst schriebe», in der ganzen Angelegenheit gebe es nur Besiegte und die wahren Sieger stünden einstweilen draußen jenseits der streitenden Per- wandten. Glaubt die„Krenz-Zeitling" uns die Früchte dcS KanalhandelS dadurch rauben zu können, daß sie nns, die wir in dieser Sache keinerlei Illusionen jemals gehabt haben, Jlllisionen andichtet, glaubt sie unsere M Triumph eine Niederlage zu mache», indem sie von unserer Ciittänschnng f a's e l t. Wir können uns in dtr That keine Entwicklung der Dinge denken? die uns erwünschter wäre, als diese allgemeine' Kompromi'tticrmig der gesamten offiziellen Politik, der Regierung und sämtlicher bürgerlicher Parteien. Wir sind die lachenden Sieger im Instigen Kriege, wir die.Enttäuschten" der „Kreuz-Zeitung".—_ Vom Koalitionszwang. Zu dem Kapitel: Terrorismus der in Gewerkschaften organisierten Arbeiter, bemüht sich die„Märkische Volkszeitnug" neues Material herbeizutragen. Sie ist diesmal so glücklich, zwei Fälle vorführen zu können, die im allgemeinen ans Wahrheit beruhen. Das heißt, eö ist ans zwei Bauteil vorgekommen, daß sich die Maurer iveigcrieii, mit den dein Verein„Arbeiterschutz" aiigehörigen Mitgliedern znsammeiiznarbeiten. Also glücklich zwei Fälle, die vor einer gewissenhaften Prüfung standhalten, während eine Reihe vorauf- gegaiigener Grnsclerzählnngen des katholischen Blattes aus llnwahrheit beruhten. Auch warten»vir noch heute vergeblich ans die i» der „Mark. Bolksztg." von einem Mitgliede des Vereins„Arbeiterschutz" angedrohte Klage. Mit der Festsiellung der Wahrheit muß es also der betreffende Herr nicht so eilig haben, und er befindet sich da mit der Redaktion der„Mark. Bolksztg." in guter Gesellschaft, die sich niemals bcraulaßt sieht, ihre unwahren Angaben zn berichten; nimmt sie doch mit Freude wahr, wie ihre Lügcnbmichte in die gesamte Ilniernehmerpresse übergehen. Da ziehe» wir den offenen Feind der Arbeiterbewegung dem Heuchler� vor, der unter der Maske der Arbeiterfrcnndlichkeit heimtückisch die Arbeiter- beivegnng schädigt. Also zwei Fälle sind ans dem Wust der vielen Anklagen gegen die Orgamsation der Maurer als ivahr befunden. Was beiveise» sie. nichts anderes, als daß es vorkommt, daß Forderungen gestellt ivcrdcn, die man bei einer näheren Prüfung für unbillig erklären muß. Zunächst ist aber dabei fcstznstellen, daß die Organisation nie solche Forderungen zu einem Druck gegen die Unter- nebmer beniitzt hat. Der Organisatioii ist in all diesen Fällen gamichts von der Sache böfemut geworden, sie hat dem Unternetznier weder Sperre noch Streik angedroht; im Gegenteil hat sie bei solchen Differenzen, sofern sie davon Keuntiiiß erhielt, jede Uiitersiützuilg ihrer Kollegen abgelehnt. Schließlich kann aber die Organisation dagegen nichts ausrichten, wenn die Arbeiter eines Baues sagen, ivir fordern unsere Entlassung, iveil wir mit diese» oder jenen Kollegen nicht zusammen arbeiten wollen. Dann suchen sich eben die Nnfhörendcn eine andere Arbeitsstätte und der Meister andere Arbeiter. Man kann es nur nicht gut heißen, ivenn wegen solcher Differenzen Sperren oder Streiks entstehen, das ist aber auch nicht geschehen. Findet man diesen Znslmid so migehenerlich, dann muß man verlangen, daß die Gesinde-Ordniing für die Industrie- Arbeiter eingeführt wird, damit die freie Wahl einer Arbeitsstätte für den Arbeiter bedeutend eingeschränkt wird. Daß dies Be- g ehren in Unternchmerkreisc» stark vorhanden ist, wer wollte es bestreiten? Ob das Centrumöblatt aus sdiicn Anschnldiginigcn wegen angeblichen Koalitionszwangcs diese Folgerung ziehen will, Wilsen wir nicht. Es wäre das aber eine Konsequenz, die weit über alles hiiiäuSreicht, was die Znchthansvorlage forden. DaS Centrumsblatt sollte sich bemühen, den ihrer Stimme folgenden Arbeiten die Schmach des SolidaritäisbrucheS ins Gewissen zn reden. Hätten die„Arbeiterschutz"- Leute nicht so oft zu Unter- nchmergnnstcn ihre Kameraden geschädigt, so würde es auch nicht vorkommen, daß sie von den der Socialdemokratie zuneigenden Organisationen von vornherein mit Mißtrauen betrachtet werden.— Das Eindringen der Stnatöonwaltschaft in die Nichtcr- stellen ergicbt sich wieder auS den Neu- Ernennungen, die infolge des Inkrafttretens des Bürgerlichen Gesetzbuchs und der damit i» Verbindung stehenden Pcnsioiiterniig erfolgt sind. Der neueste„Reichs- Anzeiger" bringt nickt weniger als vier derartige Fälle. Zn Land- gcrichts-Peäsidenten wurden ernannt der Erste SraatSanivalt Chncknl in Frankfurt a. O. bei dem Landgericht in Meferitz; der Erste Staatsanwalt Niicholsky in Magdeburg bei dem Landgericht in Stendal, der Erste Stnatsanwall Bernhards in Göltingcii bei dem Landgericht in Marburg; der Erste Staats- a u w a l t K r o b i tz s ch in Hannover bei dem Landgericht in FleiiS- bürg. Wenn daS so weiter geht, werden wir bald mir Strafkammer» haben, bei denen sämtliche Richter ehemalige Staatsanwälte find, so daß der Angeklagte dann statt einem sechs Staatsanivältcn gegen- über steht.— Streikend!: Landriitc? Der„Hannoversche Anzeiger" vom 3. September bringt unter der Ucbcrschrift der vorstehenden Spitz- marke folgendes Telegramm ans Berlin: ktf. Berlin. 2. September. sPrivnt-Tclegramm.l Der„Vor- w ä r t s" veröffentlicht ein streng vertrauliches Aktenstück, das einen interessanten Einblick in die nächsten Absiebten der geniaßregelten Verivnltnngsbcamlcn gewähren soll. Das Rundschreiben, das nachdem der Redaktion vorliegenden Exeniplar bereits vor zwei Tagen versandt sein soll, macht den Eindruck einer Fälschung. Es heißt darin: Wie aber sollen wir diesem Schlag sdcr Maßregelung der Landräte) begegnen, der nns in uiisern heiligste» Empfindungen und höchsten Rechten bedroht? Es giebt nur ein Mittel: Wir müssen uns solidarisch mit den edlen Märtyrern des Mittelland- Kanals erklären. Kein in den Traditionen des preußischen Adels erzogener Mann darf sürderhin dieser Regierung dienen. So erwarten»vir denn auch von Ihnen, hochverehrter Herr Landrat, daß Sie sofort die Arbeit niederlegen. Das Zirkular ist augenscheinlich gefälscht, wie schon die mit- geteilten Proben erkennen lassen. Der„Vorwärts" nimmt übrigens die Sache völlig ernst, wie seine Schlußbenicrknngcn er- kennen lassen. In der Tbat, der„Vorwärts" hat die Sache völlig ernst genommen. Er ist nun einmal so dunun, seine— eigenen Erfiudniigen völlig ernst zu nehmen. UcbrigciiS lag dem scherzhaften Rundschreiben wirklich eine Tbat- fache zn Grunde:' die gesellschaftliche Botzkottierung der jetzt selbst geniaßregelten MaßregelungSminisrer.— Ausland. Frankreich. PariS, 4. September. Gutem Vernehmen nach Werden die Personen, welche vor den auf den 14. d. M. einberufenen Obersten Gerichtshof gestellt werden, nicht mir wegen Komplotlierens, sondern auch wegen Attentats ans die innere Sicherheit des Staates angeklagt werden, da es sich nicht nur um den Plan zu einer Aktion, sondern um den Beginn der Ausführung desselben gehandelt habe.— Spanien. Oporto, 3. September. Drei neue Pestfälle sind gestern zu verzeichnen gclvcsen, zwei zu Montevcllo und einer zu San Dionisie. Afrika. Südafrikanische KrisiS. Die Nachrichten über die Situation lauten widersprechend. Sehr pessimistisch lautet ein Telegramm der „TimeS" ans New Castle(Natal) vom 3. d. MtS.: Es wird gemeldet, daß die Regierung der Südafrikanischen Republik beschlossen habe, den Vorschlag betreffend Gewährung des Wahlrechts nach fünf Jahren zurückzuziehen. Dies wird hier als klares Anzeichen dafür aufgefaßt, daß man unmittelbar vor dem Ausbruch der Feindseligkeiten und der Verkündigung des Kriegsrechts stehe. Dagegen läßt umgekehrt eine Rentermeldung aus Johannes- bürg vom Montag die Lage günstiger erscheinen. Das Tele- granim sagt: Nach den neuesten Berichten hat die Regierung von Transvaal in der Riitteilung, in der sie daS Angebot der WahlrechtSerteilung nach fünfjährigem Aufenthalt zurückzieht, dem Vorschlage betreffend eine in Kapstadt abzuhaltende Konferenz im Prkucip zn- gestimmt. Der Herausgeber des„Leader", Pakeman, ist gegen eine Bürg- schaff vo» 500 Pfund Sterling freigelassen worden. Die Anklage lautet nur noch auf Preßvergehen. NÄttfei-Nerchvichken. Der diesjährige Parteitag der pfälzischen Tocialdemo- kralle beanspruchte NM deswillen ein größeres allgemeines Interesse als sonstige Provinzial-Parteitage, weil auf ihm über die vergangenen bayrischen Landtagswahlen verhandelt werden sollte und gerade auS der Pfalz verschiedene Stimmen gegen das Kompromiß mit dem Centrnm laut geworden waren. Der Parteitag wurde am Sonntag abgehallen. In dem Bericht des Ganvolstandes wurde die günstige Wirkung der Umgestaltnng der Organisation hervorgehoben, die infolge der Aufhebung des Verbindinigsverbotes vorgenonnnen tmirde. Es sind eine Anzahl neuer Vereine entstanden nnd die Mitgliederzahl hat sich bedentend vermehrt. Ebenso sind die Einnahiiie» sehr befriedigend. Auch die Entivicklnng der Presse ist zufriedenstellend. lieber die Laiidtagstvahlen referierte Wenzel-Lndwigshafen. Der Redner verteidigte die eingeschlagene Wahltaktik. Es traten iir der Diskussion neben Befürwortern auch Gegner auf, schließlich wurde aber gegen 7 Stimmen eine Resolution aiigenoinmen, in der der Ganleitimg für die bei der Landtagslvahl eingehaltene Taktik volle Anerkenuung gezollt und den bisherigen Abgeordneten unserer Partei im bayrischen Landtage Dank gesagt wird. Dam» wurde eine von der Konferenz der socialdemokratffchcn Gcmeiiideräte der Pfalz vorgeschlagene Resolution angenommeu. die in verschiedoue» Sätzen alle diejenigen Pnukte festlegt, unter dciicii in die Eeiileiilderatswahleii eingetreten werden soll. Als wcseullichste Pnnlte seien folgende angeführt: Es können nur nn- abhängige, zn dem Amte eines Gemeiuderates befähigte Genossen ansgesiellt werden. Ter Wahlvorschlag nnd die Agitation hat sich nur auf die von den Parteigenossen aufgestellten Kandi- baten zu erstrecken. Kompromisse mit anderen Bürger- respektive Wählergrnppcn können sich nur daraus erstrecken, daß der sozialdcmokratischeii Partei dadurch eine Vertretnilg ein- geräumt wird. Der Parteitag hält eS zur Zeit nicht für gegeben, Wahllisten für den gesamten VertretnngSkörpcr aüfznstelleii, sondern begnügt sich mit einer den Verhältnissen entsprechenden Vertrctinig. Ten loka lcn Organisationen, die sich an den Gemcinderats- Wahlen beteiligen, bleibt vorbehalten, örtliche Wahlprogramme aufzustellen; diese müssen jedoch in 13 Alineas besonders aufgestellte Grundsätze zur Richtschnur habe», die in Anlehnung an unser Programm die in den Gcmeindcvenvnltungcn zu beachtenden und zu erstrebenden Maßnahmen aufzählen. Ein Enthiillcr. lieber die Person des Herrn Köster, dessen neuestc Enthüllung über die Socialdemokratie selbst der„Dentschen Tageszeitung" z» komproniittierend für den Enthüller und seine Nutznießer erschienen, erhallen wir einige interessante Angaben. Köster war früher Schutzmann in Schwerte bei Dortnnmd. Dann winde er Expedient nnd Berichterstaticr beim„Generalanzeiger" in Dortmund und schließlich Bergmann. Als solcher wußte er sich daS Vertrauen einiger Dortmunder Parteigenossen zu erschleichen und schrieb auch Notizen für die„Rh. Wests. Arbeiterztg." Zn gleicher Zeit lieferte er aber auch, wie er seiner Zeit vor Gericht zugeben mußte, dem Polizei-Fnspcktor Richards polemische Artikel über Dort- munder Parteigenossen, die dann in der national liberalen„Dortm. Zeitung" veröffentlicht ivurden. Die Niederlcgiuig seines Amtes als Vertrauensmann einer Zahlstelle des Bergarbeiter-Verbandes hängt mit dem Ilmstnnde zusammen, daß ihm dieser von ihm wegen leichtsinniger Geschnftshandhabuiig so geschmähte Verein ein Darlehen von 300 M. verweigerte. Bon einer früheren Enlhüllnngsbroschüre des vielseitigen und so vcrtrancnsivürdigcn Herrn hatte der Härder Verein einige Tausend angekauft. Wünschen wir jetzt das gleiche, dann ist offenbar der beabsichiigte Ziveck der Sudelei erfüllt. Pvliieiliche», Gerichtliches usw. — Eine Parteivcrsammlung in Weimar, die zum Parteitage Stellung nehmen sollte, wurde aus Gründen des öffentlichen Wohles nnd wegen Befürchtung der Aufrci-nng verboten. Ebenso war bie Lassalle-Feier ans Gründen des öffentlichen Wohles verboten worden. Bekanntlich haben die»iitcrn Behörden Weimars von dem neuen Minister mit dem ominösen Namen v. Wnrmb die Anweisung erhallen.„sorgfältiger" in der Erlaubnis von Versammlungen zn vet- fahren. Tie„Sorgfalt" äußert sich im Verbieten von sozialdemo- kratischeii Versammlungen. — Kein Schandgesetz! In Brötzingen bei P s o r z h e i m ist abermals eine Versammlinig ausgelöst worden, weil der Referent die ZuchtshanSvorlage als ein Schandgesetz bezeichnete. — In Lüdenscheid verbot die Polizei den dortigen Partei- genossen, ans der geplanten Lastalle- Feier eine Festrede halten zu lassen nud auch das Tanzen. Da daS Verbot erst am Tage vor der Feier einlief. war es unmöglich. dagegen Beschwerde einzulegen. indes dürfte die Maßnahme ja doch nur dazu beigetragen haben, den indifferenten Arbeitern klar zn machen, daß diese Maßregel sich vor allem gegen sie als Klaffe richtet. Tie Tranerfeier für Jacobey. Wer in der nennten und zehnten Morgenstunde die vom ton- angebenden Berlin kaum dem Namen»ach gekannte Fraiiksnrtcr Chaussee hinuntcrpilgerte oder ans dem Verdeck eines Pferdebahn- wagenS glücklich einen Platz ergattert hatte, sah in langen Zügen sonntäglich gekleidete Gruppen von Arbeitern nnd Arbeiterinnen still dem städtischen Ceutral-Fricdhofe entgegenschreiten. Die Wüstenei der hohen, einförnligen Mietskasernen, wurde allmählich von der märkischen Sandwüstc abgelöst, die der Bewohner des Westens gleichfalls mir vom Hörensagen kennt. Nun zweigt zur Linken ein Weg ab nnd bor uns liegt eine fteundli che, dem Auge loohlthucnde Oase— der städtische Eeiilral-Friedhof— im Gegensatz zu den kirchlichen Friedhöfen sehr mit Unrecht zuweilen Armeufriedhof genannt. Welches Wunder ist da auf märkischem Sande vollbracht worden I Ucppiges, mit Macht in die Höh? strebendes Buschwerk überall, dessen sattes, lebensfrohes Grün noch an den Sommer mahnt, der von den braunvcrvrannteii Blättern der dürren Linden- bäume im Innern der Stadt schon seit Wochen verschivunden ist. Nach allen Richtungen zweigen sich sauber gepflegte Parkwege ab nnd lassen kaum erkeiinen, daß dieser liebliche Fleck Erde die große Rnbcstatt der Toten ist. An der Nruenhalle vorbei, die kirchliche Jnlolcranz hier dulden mußte, geht es zu der großen, aber außen nnd innen etwas nüchtern gehaltenen Leichenhalle. Hier lagen die sterbliche» II e b e r r e st e unseres August Jacobey auf- gebohrt. In stattlicher Zahl hatten sich schon die Freunde und Parteigenossen des Toten um den Tempel des Friedens versammelt nnd immer noch kamen Hunderte und Aberhnnderte schweigend heran. Unter der bald nach Tausenden zählenden Trauerversammlinig, die sich mittlerweile in den Wegen und auf dem Platz vor der Leichenhalle aufgestellt hatte, bemerkte man außer zahlreichen Vertretern der Ärbeitervereinigungen auch verschiedene Magi st rats Mitglieder und Stadtverordnete in Amtstracht, die als offizielle Delegationen der städtischen Behörden erschienen waren. Kurz nach ffelO Uhr wurde die Halle geöffnet und die näheren Freunde des Verstorbene», sowie die Vertreter der Korporationen ordneten sich um den einfachen, mit schwarzem Flor umhangenen Sarg. Eine Musikkapelle spielte das Proletarierlicd:„Ein Sohn des Volkes". Als hierauf die Gesangvereine„M aiglöckchen" und. Nord>v acht" einen stimmungsvollen Tranergcsang an- stimmten, betraten die Familienangehörigen, sichtlich von tiefstem Schmerz bewegt, die Halle. Der Deckel des Sarges wurde ab- gehoben. Einen letzten, stummen Schcidegniß sandten die Um- stehenden dem Entschlafenen, dann schloß sich der Sarg und der lote Freund war den Blicken der um ihn Trauernden für immer entrückt. � Nun nahm Genosse Vogtherr das Wort. Wir gedenken an dieser Bahre— so sagte er— eines Mannes, eines Freundes, eines thateurcichcu Arbeiters auf vicleir Gebieten des vsientlichcn Lebens, aber in erster Reihe eines liebevollen Gatten und Vaters, der in schweren Zeiten der Not und Verfolgung weder von denen ließ, die im Hause um ihn waren, noch von denen die draußen standen und wußten, daß sie sich auf seine Kraft und Hilfe verlassen konnten. Wenn wir der Familie des Verstorbenen keinen anderen Trost geben könne» ,. so ist es der, daß außer den Tausenden, die an dieser Tranerfeicr teilnehmen, noch Abertausende, die nicht hier sein können, mit uns den treuen Freund, den braven Genossen betrauern. Der Dahingeschiedene ist nicht zusammenge- brachen unter der Last der Jahre. Wie ein Gewitterstrahl ans klarem Himmel traf ihn der Tod im besten Mannes- alter. Ein Tod des Kämpfers, der, auf der Höhe der Schanze stehend, in allererster Reihe die tödliche Kugel erwarten mußte. Unvorbereitet und deshalb um so härter traf der schwere Verlust die Angehörigen. Wir, die wir dem Verstorbenen nicht durch Familicnbande nahe stehen, sondern durch das Band der Freundschaft und politischen Gesinnung init ihm verknüpft waren, haben in ihm einen Kanipfgcnossen verloren. der das Leben eines ringenden nnd kämpfenden Proletariers hinter sich hat, der das hohe Ziel im Auge hatte: zu kämpfen für das Wohl der Menschheit. Er stand zu unS in jener Zeit, wo nicht nur der Mann, sondern auch Weib nnd Kinder täglich und stündlich Gefahr gingen, dem Hunger überantwortet zu werden zur Strafe für die politische Gcsimmng des Mannes. In jener Zeit, wo die größte Partei Deutsch- lands unter einem Ausnahmegesetz stand, da Ivar es, wo sich August Jacobcy als furchtloser Kämpfer für die Sache des Proletariats bewährte. Aber auch in ruhigeren Tagen hat der Verstorbene seine Thatkraft uneigennützig in den Dienst der großen Sache gestellt. Er hat als Stadtverordneter von Berlin treu und gewissenhaft seines Amtes gewaltet. Als Redactenr stand er auf einem Kampfplatz, wo nicht des Kämpfenden Thatcn verfolgt, sondern Thoren konstruiert werden, um Gegner unschädlich zu machen. Auch in dieser Stellung hat sich der Verstorbene durch seine Gewissenhaftigkeit, seine» schlichten und geraden Sinn neue Freunde envorbc». Was der Dahingeschiedene für die Mitwelt gelhau dat. das überdauert seinen Tod. Eswirdsi'irimmer bleiben als cinBau- stein zu der großen Freiheitsballe, die sich einst über der Menschheit der ganzen Erde wölbt. Wir danken Dir, Freund nnd Genosse, für das, was Tu denl Volk, was Du der Menschheit geleistet hast. Der Same, den auch Du, gleich vielen anderen, ausgestreut hast, er wird aufgehen und Früchte tragen. Wir aber wollen uns nicht ergehen in Klagen und Thränen über den schweren Verlust, wir wollen vorwärts schauen und die Arbeit austiehmen, die Du nicht vollenden konntest. Nichts als der Tod kann uns hindern. die großen Aufgaben, die wir uns gestellt haben, zu erfüllen: Im Kampfe für die Freiheit nicht eher zu ruhen, als bis unsere Ideale Wirklichkeit geworden sind. Auch Dir widmen wir beim Scheiden die Worte, die Georg Hcrwegh einem Größeren, unserem unvergeßlichen Ferdinand Lasjalle, ins Grab nach- gesandt hat: So eint euch denn, ihr Treuen, um die Bahre, Das Banner hoch, das seiner Hand entfiel, Läßt'S mutig weh'n, daß rings sich zu uns schare, Wer mit uns kämpfen will für gleiches Ziel. Die Rechte hoch, die starke, eisenfeste, Geschickt zur Kunst, gestählt zum Tagewerke. Laßt frei ertönen uusern Schwur zur Beste, Daß jeder ncn zum wettern Kampf sich stärke. Ein Gesangsvortrag schloß die ergreifende Trauerfcier. Unter den Klängen des vom Musikchor angestimniten Liedes:„Ein Sohn des Volkes" wurde der Sarg zur Gnrft getragen, vorüber an den Tausenden, die sich zu beiden Seiten des Weges aufgestellt hatten, mn entblößten Hauptes dem toten Kampfgenossen die letzten Schcidegrüße nachzusenden. Nachdem die zahlreichen Vertreter von Vereinen und Korporationen die von diesen gespendeten Kränze unter wenigen Worten der Wid- m»»g niedergelegt hatten, schloß sich die Gruft über dem unvergeßlichen Mitstreiter und Genossen. Durch Kranzspenden mit entsprechenden Widmungen waren vcr- treten: Die Parteigenossen Berlins; die Pavicigcnosscii des sechsten Wahlkreises, deren Kranzschleife die Inschrift trug: „So schlaf in Ruh', Du tapfrer Streiter. Du hast gekämpft, wir kämpfen weiter."— Die Genossen des SSV. Wahlbezirks hatten als Widmung die Dichterworte gewählt:„Der Dienst der Freiheit ist ein strenger Dienst. Er trägt nicht Gold, er trägt nicht Fürstenguust.' Er bringt Verfolgung, Hunger, Schmach nnd Not— Und doch ist dieser Dienst der höchste Dienst." Der G e s a m t v o r st a n d der s o c i a l d e in o- lratischen Partei Deutschlands widmete einen Kranz„Dem treuen Mitkämpfer und stilheren Kollegen". Die Redaktion des „Vorwärts" spendete einen Kranz mit der Inschrift:„Deni furchtlosen Kämpfer für Recht und Freiheit, dem treuen Kameraden auf gefährdetem Vorposten". Ferner ivnrdeu Kränze gewidmet von der Fraktion der socialdemokratischen Stadtverordneten Berlins, den socialdemokratischen S t a d t v e r o r d n e t c n von Siixd o rf, den Rixdorfer Parteigenossen, den Genossen in S ch ö n e b e r g, in Reinickendorf und im Wahlkreise Teltow- Beestow- Charlotte» bürg, von Genossen im Sanatorium G ü t e r g o tz sowie in der Lungenheilstätte am Grabow see, von de» Genossen der Firma Siemens u. H a l s k e, von den Arbeitern der All- gemeinen E l e k t r i c l t ä t s- G e s e I l s ch a s t, Ackerstraße, vom Wahlvcrcin des zweiten Berliner Reichstags- Wahlkreises, vom Wahlvercin Friedrichsfelde, von der Redaktion der „Brandend. Ztg." Ferner ivaren durch Kranzspenden vertreten: Die Ccntral-Krankenkasse der Töpfer, der Vorstand des Central- Verbandes der Töpfer Teutschlands, sowie folgende Filialen des Töpfer-Vcrbaiidcs: Berlin, Meißen, Dresden. Hildesheim, Leipzig, Fürstenwalde, Frankfurt a. O., Forst, Velten. Jngleichen: Der Central-Verband der Lederarbeiter Deutschlands, die Zahl- stelle Berlin des Cenlral-Verbandcs der Z i m m c r e r, das Personal der B a d i n g s ch e n Druckerei, die Firma Robert K u n st nebst Personal, die Berichterstatter des„Vorwärts" die Sangesbrüder„Reue Zeit", die Diskutierklubs„Südost" nnd „Reimer", der„Arbeiter- Raucherbmid", die„roten Ruderer von Berlin und Unigcgend". Weiter seien genannt die Kränze von Max Babing, August Bebel und Dr,'Adolf Braun. Mit dem stillen Gelöbnis, weiter im Sinne unseres toten Mit- kninpfers zu wirken, ginge» die Parteigenossen langsam auseinander. Bemerkt sei noch, daß die Tranerversammlmig aiii Grabe den Anblick einiger behelmter Gendarmen in den Kauf nehmen mußte. Einer von ihnen verbot, am Grabe Reden zu halten. Zum Glück genießt die Stadt Berlin, wenn auch nicht auf ihrem Friedhofe, so doch wenigstens in ihrer Leichenhalle Hausrechte. Stimmnugsbilder von der„Nffaire". Ueber die Freitag- Sitzung schreibt unser Berichterstatter aus Reimes unterm 1. September: Ganz offensichtlich ist die Anklage nur noch eine Ruine. Von allen Seiten bricht sie zusammen! Selbst die Belastniigszengeii dienen der Sache Drcyfus', wenn sie von der Verteidigung bedrängt werden. Auch trotz der empörenden Parteilichkeit des Vorsitzenden Jonaust, trotz des brennenden Wunsches der Richter. Drehfns zu verurteilen, wird das Kriegsgericht täglich von den offensichtlichen Thatsachen, von der Gcivall der Wahrheit verblüfft. Man merkt, daß die sieben � Offiziere, die dort als Richter verkleidet sind, bei den Bedenkeii, sie könnten gezwungen sein, einen Frcispruch zu fällen, zittern. Der General Mercier hat zu ihnen gesagt:.Drepfus oder ich." Ferner ist da eine ganze Reihe von Generalen, früheren Ministern, Generalstabs-Offizicrcn, die herrisch die Verurteilung fordern und sich täglich ans ihr unglückliches Opfer stürzen, wie die Hunde auf die Jagdbeute. Mio sollten die Richter bei der blinden Disciplin, die sie seit ihrer Jugend beugt, bei dem Kastengeist, der ihnen eingeimpft ist, nicht verwirrt sein, wenn sie daran denken, gegen ihre Vorgesetzten, gegen ihre Generale zu erkennen, was für diese eine schreckliche Vcr- urtcilung wäre. Diese Leute haben keine Idee von Recht und Gerechtigkeit, und wenn sie kein Gewiffen haben, so haben sie Furcht, hervor- zutreten. Aber der Beweis, auf den sie warten, kommt nicht. Die Zeugen folgen einander und bringen nichts, nicht eine Thatsache, die einer Verurteilung als Entschuldigung dienen könnte. Da ist der Zeuge Germain, auch ein Werkzeug dcS un- zurechnungsfähigen Quesnah de Bcaurepaire. Wenn man der Untersuchung Glauben schenken wollte, die von dem früheren Generalstaarsamvalt im„Echo de Paris" veröffentlicht ist, so müßte Herr Gcrmain die belastcndsten Dinge über Dreyfus wissen, so hätte er in seiner Eigenschaft als Zureiter bei Ullmrnm in Mülhausen gesehen, wie Dreyfus den deutschen Manövern folgte und Aufzeichnungen über die Stücke der Artillerie machte. Aber die Erzählung des Zureiters Germain ist weit weniger bestimmt. Er erinnert sich, daß er mit zwei Pferden einen Fremden vom Bahnhof abgeholt habe, und daß er diesen Fremden mit einem General gesehen habe: aber es ist keine Rede von den Manövern und von einer Anfzcichnung über die Stücke der Artillerie. Der Zeuge Gennain erklärt, daß er über diesen Punkt an Q. de Bcaurepaire, den er niemals gesehen hat, geschrieben habe, um ihn zu bitten, die Er- zählung,' die er darüber im„Echo de Paris" veröffentlicht hatte, richtig' zu stellen. Q. de Bcaurepaire antwortete nicht und ließ bcwnßterweise die Irrtümer bestehen, die sein Zeuge ihm angab. Germain verbirgt sein Mißvergnügen hierüber durchaus nicht und benutzt diese öffentlichen Verhandlungen, um Q. de Bcaurepaire eine Vor- lesung über Anstand zu halten. Ein Zeuge des Generalstabes ist Germain, natürlich wiederum ein falscher Zeuge. Er bezeichnet den Kommandanten d'Jnfreville als denjenigen, der ihm etwa im Jahre 1887, als er eines Tages im Boulognewäldchen spazieren ging und den Fremden, den er am Bahnhof in Mühlhanseu erwartet hatte und ans den sich seine Er- zählung bezog, in einem vorübcrreitcnden Offizier zu erkennen glaubte, denselben als den Hauptmann Dreyfus bezeichnet habe. Aber der Konimandant d'Jnfreville, der nach ihm als Zeuge vcr- nommen wird, erklärt auf eine Frage des Verteidigers, daß er die Bekanntschaft Germains erst im Jahre 1883 gemacht habe. Ab- gesehen von solchen nebensächlichen Einzelheiten sagen die Zeugen Quesnays und des Generalstabs die Wahrheit. Die Verteidiger Dreyfus' wollten sich auch von der Moralität des Herrn Gerinai« überzeugen. Er wurde im Jahre 1393 wegen Betruges zu 290 Fr. Geldstrafe verurteilt und im Jahre 1893 wegen Unterschlagung zu 6 Monaten Gefängnis. Das ist der Mann des Genraistabes, der zugleich dem früheren Gcneral-Staatsanwalt Quesnay de Bcaurepaire Lehren über Anstand nnd Moral erteilt. Nach ihm betritt der Hauptmann Lemonnier den Jenyenstand, um Dreyfus zu erdrücken. Er war zur selben Zeit wie dieser, ini Jahre 1894, zum KnegSmiiiisterinm kommandiert, nnd natürlich kommt er ans Befehl auf die Estrade, um einigen Klatsch oder vielmehr das Resultat einiger Geberdenspäherci vorzubringen. Was dieser Offizier im Verlauf seiner Aussage berichtet, ist nnivesentlich. Aber bevor er den Zeugenstand verläßt, will es der Znsall, daß er der Sache des unschuldigen Dreyfus eiiicn Dienst erweist. D e m a n g e fragte den Hauptmann Lemonnier, ob er im Mai 1894 von einem Ministmalerlaß Kenntnis gehabt hat, durch welchen den zum Generalstab konimandierten Offizieren angekündigt wurde, daß sie dieses Jahr den Manöver» nicht bei- wohnen würden. Der Hauptmann antwortete, daß der Erlaß in der That erschienen wäre, nnd daß keiner der ab- kommandierten Offiziere irgend einen Zweifel in Bezug auf die Manöver haben konnie. Somit fällt also die letzte Wendung des Bordereaus:„Ich reise zu den Manöver» ab", die inaii Drcyftis zuschreiben wollte. Das Borderea» ist nach der Theorie des Gciieralstabcs selbst im August verfaßt morden. Wie sollte Drcyfus damals eine Wendung über die Manöver geschrieben haben, da er doch sicher wußte, daß er ihnen nicht beiwohnen würde. Soll ich Ihnen etwas von dem komischen Kaufmann Boyane aus Lyon erzählen, der dann als Abgesandter Quesnays auftrat? Er ist im Jahre 1894 nach Berlin gereist. Als er dort im Hotel Kontinental srnhstückrc. hörte er die Unterbaltung zweier deutscher Offiziere, die. um vom Kellner nicht verstanden zu werden, französisch sprachen. Einmal sagte der eine von ihnen zum andern: „Was willst Du; für uns ist es von Vorteil. Du weißt, daß wir den MobilisationSplan erwarten." Bei dieser unsinnigen Bemerkung brach der ganze Saal in Lachen aus nnd blickte ncngicrig auf den komischen Mann, der sie soeben laut ausgesprochen; der Vorsitzende Jonmist ließ ihn übrigens so- fort abtreten, unzweifelhaft, iveil er ihn für gefährlich für die An- klage erachtete. Brnyerre beweist leicht, daß die Schicßvorschrift im Jahre 1894 den vertraulichen Charakter nicht besaß, den ihr der General- stab heute bennißt. Und nach ihm erklärt der Artillerie-Lieutenant Bern heim, daß diese Schießvorschrift so wenig vertraulich war. daß er mit Erlaubnis seiner Vorgesetzten im Jahre 1894 ein Exemplar Esterhazy geliehen habe, der eS ihm trotz mehrmaliger Mahmingen niemals wiedergegeben habe. Mit Bernheim hat die Reihe der mutigen Offiziere begonnen, die es endlich gewagt haben, in Gegenwart der lügnerischen Generale und Minister die Wahrheit zu sagen. Man mußte den Blitz von Äerger und Haß sehen, der in de» Augen des Generals Roget nnd seiner betreßten und bcfcderten Genossen auszuckle, als der Lieutenant B e r n h e i in, der Hauplniaim Carvalho, die Kommandanten D u c r o s und H a r t m a n n auf dem Zcngenstande waren, um die Sprache der Vernunft, des Gewissens und der Wahrheit zu reden. Diese Offiziere haben uns gezeigt, daß es in der Armee, wie ver- fault sie auch ist, doch noch einige' niutige Männer von gesundem Sinne giebt. Ich kann die Aussagen dieser Artilleric-Offiziere, die als Entlastungszeugen dienen, nicht im einzelnen durchgehen. Aber man smnß die Klarheit, die Methode, die Ueberzeugnngskraft be- tonen, die in jedem von ihnen sich offenbarte. Der Hauptmann Carvalho wies der Aussage des Haupt- manns Le Rond, gleichfalls Zeugen des Gcneralstavs, mit seiner Ironie die von ihm begangenen Irrtümer nach. Es lvar köstlich, zu sehen, wie er ihm zeigte, daß seine Aussage eine vollständige Unkenntnis der Dinge verriet, mit denen er sich berufsmäßig zu beschäftigen hat. Und Le Rond, den wir früher ans der Estrade mit dem Betragen eines Bramarbas gesehen hatten, bleibt ruhig ans seiner Bank, durch den Ton der Wahrheit des Hauptmanns Carvalho angenagelt. Den Kommandanten Ducros sucht der General Mercier mit älter gewohnten Frevelhaftigkeit zu verdächtigen, daß er nur deshalb zu Gunsten Drcyfus und folglich gegen ihn. Mercier, aussage, weil er als Minister im Jahre 1892 es ablehnte, eine von Ducros erfundene Kanone anzunehmen und ihr eine vom Oberst Deport erfimdcne vorzog.. Beim Auftreten des Kommandanten H a r t m a n n ist eS, wie wenn alle Thüren und Fenster eines lange verschlossenen Hauses geöffnet werden: eS verbreitet sich Licht und Luft. Der Kommandant Hartmann, eine große braune Gestalt, setzt alle Einzelheiten seiner Aussage mit unbedingter Meisterschaft ans- einander. Als Oberst Jonaust ihn bestimmen will, über gewisse Einzelheiten hinwegzugehen, setzt er taktvoll nnd fest ihre Wichtigkeit «uiscinauder und setzt seine Aussage fort, indem er lichtvoll nachweist, daß das Bordereau von DreyfuS nicht herrühren kann. Dieselbe Klarheit findet sich auch in der Aussage des Generals a.D. Sebert. einem Mitglied des Instituts, der die albernen und un- sinnigen Theorien des Narren Bcrtillon beleuchtet, und sein schönes Plaidoyer zu Gunsten DreyfuS' mit den Worten schließt:„Ich schätze mich glücklich, daß ich noch die Kraft hatte, hier meinen Stein zu dem Gebäude der Wiederherstellung herbeizutrageu, das Sie hier mit soviel Sorgfalt und Gewissen aufführen, indem Sie sich von den Leidenschaften der Straße fern halten. Ich hoffe, daß dieses Gebäude das Werk der Eintracht nnd des Friedens sein wird." � Bebor ich diesen Brief schließe, muß ich Ihnen noch von einem Zwischenfall berichten, der, wie ich sagen könnte, den Generalstab auf den Weg der Geständnisse geführt hat. L a b o r i erhob sich während der Aussage Earvalhos, um einen Brief verlesen zu lassen, den er am Morgen von einem früheren Agenten des Generalstabes, einem gewissen Toninge, empfangen hatte. Coninge erklärt,„im Dezember 1896 im Speisezimmer Panizzardis, dem er scheinbar als Unterhändler mit den Spionen eiente, die famose Schießvorschrift, die einen Teil des sogenannten Bordereaus bildet, das man im Jahre 1894 Dreyfus zur Last legte. abgeschrieben zu haben. Der Oberst Schwartzkoppen war zu- gegen". Der Oberst P i c q u a r t. auf den Zeugenstand gerufen, erklärt, im Sommer 1896 gewußt zu haben, daß bei Panizzardi eine Schieß- Vorschrift in Gegenwart Schwartzkoppen nnd eines anderen Agenten von Coninge abgeschrieben wurde. Der General Deloye bestätigt diese Thatsache. Aber nun erklimmt der Kommandant Lauth, der famose Fälscher, die Stufen der Estrade, um die Wirkung der wichtigen Aussage abzuschwächen. Denn wenn die Schicßvorschrift dem Attachs Schwartzkoppen von Dreyfns oder einem anderen im Jahre 1894 gesandt worden wäre, so hätte dieser sie doch sicher nicht im Jahre 1896 abschreiben lasse». Aber Lauth. so gewöhnt er auch an Lügen ist, ist nicht mehr Herr seiner selbst, und um den Wert des Zeugnisses des Agenten Coninge zu vermindern, sagt er, daß er diesen Brief geschrieben habe, um sich an den Bureaus des Generalstabes zu rächen. Als Freund von Lajoux hatte er Kenntnis von dem Betrag, der diesem monatlich gezahlt wurde. Und wenn er Briefe ans Ministerium geschrieben hätte, wenn er diesen an Labori geschrieben hätte, so wäre dies nur aus Habsucht geschehen, um an der Beute Teil zu haben. Das ist eine erstaunliche Leistung vom Kommandanten Lauth, eine Leistung. die ihm die �Generale nicht verzeihen werden. Er hat also offiziell zugestanden, daß an Lajoux ein monatlicher Betrag gezahlt wurde, und daß von diesem eine Art Erpressung ausgeübt worden war. Er hat zugestanden, daß mau Lajoux zweihundert Frank monatlich gab, um sein Stillschweigen über Esterhazy, dessen Schuld ihm wohl bekamit war, zu erkaufen. Er hat zugestanden, daß der Generalstab einigen Er- pressern zu Diensten war, welche seine Verbrechen kannten nnd, wie Coninge, sie enthüllen konnten, wenn man sie nicht erkaufte und ihr Stillschiveigen bezahlte. In welche Abgründe werden wir noch hinabsteigen? In Rennes. In der MontagS-Titznng des Kriegsgerichts, die um 6Vz Uhr eröffnet wurde, beendigte zunächst Major Hartman« und zwar unter Ausschluß der Oefsentlichkeit seine Zeugen- Aussage. Die öffentliche Sitzung begann sodann um 7>/» Uhr. Eingreifen der Regierung. RegiernngSkommissar Carriöre: Ich habe gestern vom Kriegsminister folgende dienstliche Drahtung empfangen: Ich befehle Ihnen, bei Beginn der nächsten Sitzung das Wort zu verlangen und gegenüber einer Aeußerung des Majors Lauth in der Sitzung vom 1. September zu erllären, daß das Monatsgeld, das der ehemalige Geheimagent Lajoux empfängt, ihm mittels Ministcrialbeschlusses vom IS. März 1898 bewilligt wurde und daß Hauptmann Franyois am 17. März zu ihm nach Genua reiste, um ihm diese Entschließung mitzuteilen.— Der Gerichtsschreiber verliest hierauf den Brief, womit Bruyöres seine Stelle eines Reservelieutenants niederlegt. Er begründet in diesem Schriftstück seinen Austritt mit der sein sittliches Gefühl empörenden Haltung gewisser Generale und Stabsoffiziere in der DreyfuS- und Zola-Srrafsache. Ein ausländischer Zeuge. Sodann wird ein gewisser Cernnfchi vernommen. Dieser bittet den Präsidenten, den Brief zu verlesen, welchen er an den Obersten Jonaust richtete und in welchem er mitteilt, daß er wegen Teilnahme an politischen Umtrieben seiner Zeit O e st r e i ch vcrlaffen mußte und nach Frankreich flüchtete, wo er vom September 1894 bis 1897 verblieb. Ccrnnschi erzählt weiter in diesem Briefe, daß ihm während seines Aufenthalts in-Frankreich ei» Diplomat, Rttachö im Ministerium dos Auswärtige» einer Macht Mitteleuropas, in genauester Weise die Namen der Korrespondenten auswärtiger Mächte in Frankreich angegeben und daß sich unter diesen auch Drcyfus befunden habe. Der Zeuge fügt hinzu, daß ihm, während er Offizier im Auslande war, ein Ordonnanzoffizier eines Souveräns dieselbe Thatsache mitgeteilt habe. Diesen Offizier habe er sCernuschi) auch in Paris im Jahre 1894 besucht, und bei dieser Gelegenheit habe ihm der betreffende Offizier französische militärische Schriftstücke bezüglich des Transportwesens im Falle einer Mobilmachung gezeigt und hinzu- gefügt, in Frankreich könne man sich alles verschaffen, wenn man gut zahle und sich der Juden bediene. Cernuschi habe nicht weiter grftagt, wer den betreffenden ausländischen Offizier mit Nachrichten versorge, da dieser ihm schon früher mitgeteilt habe, dast es Dreyfus sei. Jener ausländische Offizier habe dann zwei Tage später Frank- reich verlassen und lurze Zeit darauf sei Dreyfus verhaftet worden. Ccrnnschi fügt noch hinzu, daß er einem Offizier des Kriegs- Ministeriums diese Vorgänge mitgeteilt habe, daß ein Protokoll hierüber aufgenommen worden sei, welches er zu verlesen bittet. sAnhalteude Bewegung.) Regierungs-Kominissar Earriörc: Zeuge hat nicht alles sagen wollen,' was'' er weiß. Aus diplomatischen Rücksichten verlangt er Ausschluß der Oefsentlichkeit, um seine Aussage zu ver- vollständigen. Demange: Aus welchem Grunde meldet ein so wichtiger Zeuge sich so sp ä l? Carriöre weiß eS nicht. Demange: Hat der Regierungslommisiar über den Zeugen Erkimdiguiigen eingezogen? Earridre: Ich? Nein! Ich bekomme unzählige Briefe und prüfe ihre Angaben, wenn ich dazu Zeit habe. Was diesen Zeugen betrifft, hm,' ein Ausländer, ein politischer Flüchtling I DaS ist vielleicht kein sehr solider Zeuge, aber allzu weil konnte ich meine Nachforschungen über ihn nicht treiben. Labori: Ich werde den Antrag stellen, das Auswärtige Amt einzuladen, ans diplomatischem Wge alle Angabe» des Zeugen nachprüfe» zu lasse». Cernnschi, ein ganz junger Mann mit vollendeter Ver- brecherphysiognomie, verläßt mit einem tiefen Gruß vor General Mercier den Saal. Nene Fälschimgcn des General? Ganse. Dr. Weil, der nächste Zeuge, stellt in Abrede, sich ungünstig über Dreyfus ausgesprochen zu haben. Hadamard, Vetter der Frau DreyfuS, erklärt eine ihm zu- geschriebene Aeußerung für erlogen, daß DreyfuS 'chuldig sei und die Familie für ihn große Schulden bezahlt habe. Er sei von D r e y f u s' U n s ch u l d fest überzeugt, nnd die Familie habe nie einen Centime Schulden für ihn zu bezahlen gehabt. Nächster Zeuge ist Professor Paitileve. Er hatte— wir folgen dem Bericht der„Vvst. Ztg."— eines TageS ein Gespräch über den DrcyfuLfall mit seinem Kollegen Professor D o c a g n e, dem er erzählte, er kenne Hadamard,'der ihm gesagt habe, er habe für DreyfuS keine Parteilichkeit. Er habe ihn trotz der Vcr- wandtschaft im ganze» Leben vielleicht nur einnial gesehen, aber die ganze Familie sei von seiner Unschuld fest überzeugt und auch er finde die vorgebrachten SSuldbeweise höchst dürftig. Von diesem Gespräch erhielten andere Kenntnis und sie verdrehten es. Er wurde 1837 eines Tcigcs anfs Kriegsininisterinin beschiedcn und General Gonsc befragte ihn in Gegenwart Docagnes, ob es Ivahr sei, daß Zeuge mit Hadamard gesprochen und von ihm erfahren habe, die Familie Dreyfus ziveifle an Dreyfns' Unschuld. Zeuge sagte sofort, das genaue Gegenteil sei wahr. Mit Hadamard habe er nie gesprochen, aber die von Docagne wiederholte Acußcrnng Hadaniards� laute entgegengesetzt. Zu seiner namenlosen Ueberraschung habe er trotzdem später in der Untersuchung des Höchsten Gerichts einen Bericht des Generals Gonse gefunden, der ihm die von ihm ausdrücklich für unwahr erklärte Aentzerunq in den Mund legt. Mit Chanoins Zustimmung verliest der Gerichtsschreiber den Bericht, worin General Gonse sagt, Painleve habe ihni mitgeteilt, daß Hadamard wörtlich stsxtusUsmellt) gesagt habe, wir haben in der Familie von gewissen Thatsachen Kenntnis erhalten, die uns an Dreyfus' Unschuld zweifeln lassen. Gonse, der aufgerufen wird, stammelt: Man legt diesem Papier viel mehr Bedeutung bei, als es verdient! Es'>var nur eine Erkundigung, keine gerichtliche Untersuchung. Ich hatte den Auftrag, alle möglichen Erkundigungen über Dreyfus einzuziehen! Painlcve: Diese Bekundung des Generals Gonsc ist unbedingt unwahr. Er befragte mich; ich sagte ihm die Wahrheit, und er schrieb das genaue Gegenteil als meine angeblich wörtliche Aeußerung nieder. Gonse: Ich glaube nicht, daß ich gesagt habe„wörtlich". Painleve: Ich bitte, das Papier nochmals vorzulesen. Der Gcrichtsschrciber stellt fest, daß das Wort„wörtlich" im Bericht steht. Gonsc: Das ist kein Gerichtsschriftstück. Painleve war kein Zeuge, er gab mir nur Auskunft über den Leumund Dreyfus'! Painlcve: Niemals habe ich das gesagt, was Gonse mir zu- schreibt. Niemals I Niemals! General Rogct(dem vollkommen fassungslosen Gonse bei- springend): Es handelt sich nur um eine Verwechselung. Ich habe sie mitbcgnngen, ich habe vor dem höchsten Gericht 47 Stunden lang ausgesagt, da kann eine kleine Verwechselung in Kleinigkeiten vorkommen. Wir haben dieser Aeußerung keinerlei Be- deutung beigemessen, wir haben aus ihr niemals einen Schuldbewcis gegen Dreyfus gemacht. Painleve: Man hat daraus einen Schuldbewcis gemacht. Cavaignac hat geradezu seine Ueberzengung darauf gegründet; er hat� das Schriftstück als Ergänzung und Bestätigung des angeblichen Geständnisses Dreyfus' bezeichnet. Der Vorsitzende springt Gonse bei. Labori: Selbst wenn es nach Ganses Unterscheidung bloß um eine einfache Auskunft handelte, warum schrieb Gonse sie ungenau nieder? Vorsitzender: Ich stelle die Frage nicht! Labori(verblüfft): Wie? Warum? Vorsitzender: Nicht in dieser Fassung. Sie müssen sich mäßigen. Labori: Ich befleißige mich der größten Mäßigung; cS ist aber auch genügend, daß Sie diese Frage nicht stellen wollen! Gonse: Wenn ich gewußt hätte, man werde diesem Schrift- stück solche Wichtigkeit beimessen, hätte ich es anders ab- gefaßt. Labori: Ich erfülle hier meine Vertcidigeraufgabe achtungs- voll, doch uncingeschüchtcrt und bis ans Ende,>vas immer aus den Verhandlungen hervorgehen mag. Vorsitzender: Sie müssen Maß halten. Labori: Das habe ich immer gethan. Führen Sie ein einziges maßloses Wort von mir an! Ich gebrauche nur die Ausdrücke, die die Thatsachen und die Wahrheil nur ausnötigen. Borfitzeuder: Ich bleibe bei meinem Urteil. Labori: Also iveiter. War Painleves Aussage unter den Ge- Heimschristen, die den Kriegsministcr» und dem höchsten Gericht vor- gelegt wurden? Gonse: Ja! Aber unter dem Vorbehalt der Bestätigung und Ergänzung durch die Zeugen. Labori: Wie konnten die Zeugen ihre Aussage bestätigen und ergänzen, da sie vor ihnen verheimlicht, ihnen nie gezeigt wurde?" Gouse schweigt. Labori: Und mit diesen Aussagen haben die Kriegsminister sich ihre Ueberzeugung gebildet? Gonse: Nicht mit diesen Aussagen, sondern mit anderen Schriftstücken. Man begeht Verwechselungen. Ich finde dieses Verhör sonderbar. Labori: Ich weise diese Bemerkung unbedingt zurück. Also Gonse hat die Geheimschriftenbündel angelegt? Gonse: Ich habe viele Gehcimbündel augelegt, verbessert, ver- vollständigt. Neue Geheimbiindel. Cuiguet(ihm beispriugend): Auch ich habe Gehcimbündel an- gelegt. Labori: Aber für die im Juli 1898 angelegten übernimmt Gonse die Verantwortung? Gouse: Ja I Labori: Weshalb hat er die Drahtnng des französischen Bot- schafters in Rom!vo»i 12. April 1898 nicht beigelegt, der meldete, ein italienischer hoher Staatsmann, den er nennt, habe ihm ver- sichert, der Verräter sei Esterhazy? Gouse: Weil das eine Meldung des Auswärtigen Aintcs ivar und den Generalstab nichts anging. Uebrigens ist die Drahtung seitdem den Generalstabspapieren beigefügt worden— s i e hatte keinerlei Bedeutung. Labori: Eine Drahtung des französischen Botschafters in Rom hat keine Bedeutung? Vorsitzender:' Ich stelle die Frage nicht. Labori: Also: alle Papiere, die Dreyfus anklagen, sind gut; alle, die Esterhazy beschuldigen, sind schlecht? Vorsitzender: Ich stelle die Frage nicht. Cuiguet: Die Drahtnng ist mit andern Meldungen eingegangen, die das Gegenteil besagten. Der Botschafter berichtete über eine Unterhaltung, deren Wahrhaftigkeit nicht bewiesen ist. Diese Ausländer h a b e n e i» I n t e r e s s e, uns zu betrügen. Da lvar eine andere Drahtnng vom 16. November 1897 unseres Militärattachss in einer Nachbarstadt, der uns auch ein Gespräch mit einem fremden Staatsmann meldete, der gesagt hat: � Die Dreyfus-Treiberei in Frankreich ist ein Beweis der Macht der Juden und der Schuld Dreyfus'. Dcmangc verlangt diese Drahtung zu sehen; hierüber entspinnt sich ein erregtes Zwiegespräch zwischen Cuiguet und dem Vertreter des Auswärtigen Amtes Palaelogue, der im Gegensatz zu Cuignet versichert, das Papier sei im Generalstab, wenn auch die Urschrift der Drahtung im Auswärtigen Amte sei. Labori:„Hier tauchen fortgesetzt neue Beschuldigungen auf, die mit neuen Gcheimpapieren begründet werden. Ich fordere in aller Form, daß nun endlich alles, was vor« liegt, hier beigebracht werde." General Chamoiu: Es giebt keine anderen Geheimpapiere als die, die ich vorgelegt habe. Cuignet: Es giebt noch Botschastsberichte, die nie vorgelegt worden sind. Labori: Ich fordere bestimmt eine neue Geheim- s i tz u n g. in der endlich alle Geheimpapiere vorgelegt werden, wir müssen doch einmal der Sache ganz auf den Grund gehen. Gonsc geht mit den übrigen Zeugen ab. Nichts kann einen Begriff von dem qualvollen Eindruck geben, den es macht, einen alten Mann in Generalsuniform und mit Ehrenzeichen bedeckt als Lügner gewöhnlichster Art überführt zu sehen. Nach einigen weiteren minder wichtigen Aussagen beschließt der Gerichtshof, Dienstag um 6 Uhr 30 Minuten eine Geheim- sitzung zu halten, um endlich alle Geheimpapicre kennen zu lernen. Zu dieser Geheimsitzung wird auf Antrag Carriöres Cuignet zu- gezogen. Schluß der Sitzung um 11 Uhr. _*_* Verantwortlicher Redacteur: Robert Schmidt in Berlin. Für den Jnlei Vorsichtsmaßregeln für den Tag des Urteils. Wie das„B. T." berichtet, soll, sobald die Nichter sich in das Beratnugsziimner zurückgezogen haben, der Sitzungssaal völlig ge- räumt iverden. Zur Verlesung des Urteils, wobei der An- geklagte nicht zugegen sein wird, werden nur die Zeugen, ein Teil der Journalisten und wenig Publikum aus der Straße heraufgcleitet. Sämtliche Personen werden beim Ein- tritt durchsucht, es werden ihnen die Stöcke, Schirme, Revolver und Messer abgenommen. Zwischen dem Auditoriinn und dem Gerichts- Hof nehnien hundert Gendarnicn Aufstellung, im Hinter- gründe des Saales werden Truppen placiert sowie eine An- zahl Geheimpolizisten, sowohl um Thätlichkeiten als ein Attentat auf irgend welchen Richter, Zeugen oder Verteidiger zu verhüten. Dreyfus vernimmt das Urteil im Hofe vor versammelter Truppe. Auch im Falle der Freisprechung werden Abfahrt und Reiseziel geheim gehalten und strengstens überwacht. Die Pariser Polizcichcfs und Mamischaften kehren erst zurück, nach- dem Dreyfus Reimes verlassen hat. Auch in Paris werden am Urteilstage gewaltige Vorkehrungen getroffen. Die Garnison bleibt konsigniert'; große Massen Munizipal- gardisten und Schutzleute werden in Bereitschaft stehen. * Wien, 4. September. Hier vermutet man, der heute im Dreyfus-Prozeß vernommene Zeuge Cernucchi sei identisch mit dem beurlaubten östreichischen Drägonerlieutenant Hudececk Edler von Cerucky. GemevkfchsSlf tliilzes. Berlin und Umgegend. Die Isolierer und Rohrumhüller Berlins und Umgegend stehen seit Montag, den 4. d. M. im Streik. Die Streikenden fordern den zehnstündigen Arbeitstag, einen Minimal-Stundenlohu für selbständige Isolierer von 49 Pf., stir Hilfsarbeiter 35 Pf. Bei Ausführung von Arbeiten in der Provinz pro Tag 2,59 M. Land- znlage, Fahrgeld dritter Wagenklasse. Für Ueberstunden und Somitagsarbeit pro Stunde 15 Pf. Lohnanfschlag. Accordarbeit ist gänzlich ausgeschlossen. Fahr- und Laufzeit gelten als Arbeitszeit. Der Arbeitstag beginnt früh 7 Uhr und ist beendet abends 6 lshr. mit einer halbstündigen Frühstücks- und einer einstündigen Mittags- pause. Der Arbeitstag ist Sonnabends um 5 Uhr beendet. Am Tage vor Ostern. Pfingsten und Weihnachten ist nachmittags um 2 Uhr Feierabend. Bei notwendig vorkommender Somitagsarbeit gilt der Arbeitstag von morgens 7 bis nachmittags 2 Uhr. In allen Fällen wird der Lohn für den vollen Arbeitstag bezahlt. Diese bescheidene Forderung ist uns für unsere verantwortliche und gesundheitsschädliche Arbeit seitens des Unternehmerriuges abgelehnt worden. Wir werden uns auf gesetzlichem Wege unser Recht erzwingen. Zuzug bitten wir fernzuhalten. Arbciterblättcr werden um Abdruck ersucht. Die L o h n k o m m i s s i o n. I. A.; W. P r a e k e I. Dragonerstr. 15. Amt III Nr. 5923. Alle Anfragen und Znschrifte» sind an obige Adresse zu richten Die Verhandlungen der Isolierer mit den Unternehmern dürften schwerlich zu einer Einigung führen, da sich die Unternehmer gestern, soweit Ivir von den noch nicht abgeschlossenen Verhandlungen Kenntnis erlangen konnteu, strikte ablehnend verhielten. In einer Versammlung der Arbeiter heute nachmittag werden die weitereu Schritte beraten werden. Textilarbeiter! Die Arbeiter der Teppichweberei Feibisch haben die Arbeit niedergelegt. Der Giamd der Arbeitseinstellung ist folgender: Sonnabend, den 2. September, wurden 7 Personen, darunter der Fabrikausschuß, entlassen. Die Arbeiter fordern die Wicdcreinstcllniig sämtlicher entlassenen Arbeiter und eine Lohn- erhöhung von 29—39 Proz., Abschaffung sämtlicher Strafgelder. sowie Beseitigung verschiedener Uebelstände und neunstündige Ar- bcitszeit, für Ueberstunden einen Lohnzuschlag von 25 bis 59 Proz. extra. Da die Geschäftslage eine besonders günstige ist und die Löhne bei Feibisch durchschnittlich 29—39 Proz. niedriger sind als in den anderen Teppichwebereien Berlins, so ist die Aussicht vorhanden, daß der Ausstand zu Gunsten der Arbeiter beendet werden kann. Zuzug ist zu vermeiden. Der Vorstand des Textilarbeiter-Verbandes. Filiale I. Achtung, Ciselcnre Deutschlands! Kollegen! Die Ciselcnre Berlins befinden sich zur Zeit in einer Bewegung zur Erringung des Ncnnstnudentagcs. Gegen nur 2 Stimmen wurde in der, am 31. August abgehaltenen öffentlichen Versammlung der Ciselcnre Berlins beschlossen, in allen Werkstätten. Ivo noch länger als nenn Stunden gearbeitet wird, Sonnabend, den 2. September, den Prinzipalen folgende Forderungen zu unterbreiten: Verkürzung der Arbeitszeit auf höchstens 9 Stunden, sowie einen Lohn- rcsp. Accordnufschlag von 19 Prozent. Ferner zu fordern, daß Ueberstunden, sowie Sonntags und Nacharbeit zu ver- meiden ist. Wo dies jedoch unbedingt notwendig ist, einen Lohnzuschlag für Ueberstunden von 25 Proz., für Sonntags- und Nachtarbeit von 59 Proz. zu verlangen. Die Berliner Ciscleure machten es deshalb als eine Ehrenpflicht eines jeden auswärtigen Kollegen, Berlin so lauge aufs strengste zu meiden, bis die Berliner Ciscleure die neunstündige Arbeitszeit überall durchgesetzt haben. Alle Aufragen und Zuschriften, die Bewegung der Berliner Ciscleure betreffend, sind zu richten an E. G r i l l, Graveur, Nixdorf bei Berlin. Hobrechtjtr. 4 III.— Alle Arbeiterblätter werden um Nachdruck gebeten. Die Glaser haben in der gestrigen Versnmmlnng. die in den„Arminhnllcn" tagte, beschlossen, die vor einiger Zeit schon aufgestellten Forderungen allen Unternehmern von Berlin und Umgegend bis spätestens am Sonnabend zu unterbreiten. Am Sonn- tag soll dann eine Versammlung stattfinden, zu der auch die Unter- nehmcr eingeladen werden und die über die weiter zu treffenden Maßnahmen endgültig Beschluß fassen wird. Von dem Vorstande der Innung sind die Forderungen vorläufig abgelehnt worden. Deutsches Reich. Wegen Ttreikvergcheu sind in Lüneburg wieder eine Anzahl Arbeiter verurteilt worden. Fünf streikende Tischler sollten durch Postenstchen am Bahnhof die Passage beengt und damit groben Unfug verübt haben. Sie wurden zu je 19 M. Geldstrafe oder 2 Tagen Haft verurteilt.— Zwei Zimmerleute wurden zu je 3 Tagen Hast verurteilt, weil sie sich gegen den Z 369 vergangen haben sollen. Sic gaben an, einem Dritten nur Mitteilung von einem VersammlungSbeichlutz gemacht zu haben. Der angeblich Be- lästigte bekundete, Anzeige nicht erstattet zu haben. In Magdeburg haben die S p e i ch e r e i- A r b e i t e r der Firma A n d r e a e die Arbeit eingestellt. Sie verlangen eine Lohn- aufbesseruug von 18 auf 21 M. Leider ist nur ein einziger der Aus- ständigen organisiert. Znr Beilegung der Differenzen im Tischlergewcrbe zn Burg traten am vergangenen Donnerstag die beiderseitigen Kommissionen zu Verhandlungen zusammen. Eine Einigung wurde in- dessen nichr erzielt, da die Meister die Hauptforderung v 54stündigc Arbeitszeit pro Woche, nicht belvilligen wollten. Der Streik, der nun bereits 22 Wochen dauert, wird nun weitergeführt. Die Ar- beitcr sind der Meinung, daß ein großer Teil der Meister es nicht mehr lange ohne Gesellen aushalten wird. Ausland. Gewerkschaftliches aus England. Diese Woche wird in der Hafenstadt P l y m o u t h an der Südwcstküste Englands der diesjährige Allgemeine Trabes- U n i o n s k o n g r e tz zusammentreten. Wie der„Vorwärts" schon be- richtet hat, wird der große Maschinenbancrvcrcin von dem Kongreß ans- geschlossen bleiben. Grund dieses, vom parlamentarischen Gewcrk- tcutell verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Mai schaftskomitee beschlossenen Ausschlusses, dem sich der Maschinen- baucroercin sofort gefügt hat, ist der Umstand, daß der letztere nicht einschritt, als einige seiner Mitglieder Ar- beitsstellcn besetzten, die von einem kleineren Gewcrkvereine der Metallbranche, dem Verein der asioeiierten Schmiede, gesperrt waren und sich weigerte, einem Schiedsspruch des parlamentarischen Komitees, der zu Gunsten des letztgenannten Vereins lautete, Folge zn geben. Für diese, auf den ersten Blick unverständliche Handlungsweise giebt der Vorstand des Maschmeiibaiiervereins zwei Gründe au. Erstens daß der betreffende Verein, der dem nordischen Verband der Schiffsbau- und Metallarbeiter angehört, zur Zeit der großen Ans- sperrung des MaschinenbauervereinS sehr unsolidarisch gegenüber diesem gehandelt habe, und zweitens daß) die obenerwähnte Sperre aus dem sehr inhumanen und reaktionären Grunde verfügt ivordeu sei, um einen fast erblindeten jungen Arbeiter, den einzigen Er- nährer seiner Familie, bloß darum von seiner Stelle wegzubringen, weil er keine regelmäßige Lehrzeit absolviert habe. Er, der Maschineubauerverein, macht dem parlamentarischen Gewerkschafts- koniitee den Vorwurf, daß es sich rein an die formale Rechtsstage gehalten habe, statt auf den Kern der Sache einzugehen, acccptierle jedoch ohne Groll im Bewußtsein seines sachlichen Rechts dessen Be- schluß. Das in Kürze der Streithandel, der'zu dem Ausschluß Aulatz gab, der wahre Grund liegt jedoch etwas tiefer. Er wurzelt in dem alten Gegensatz zwischen dem großen Maschinenbauerverein einerseits und einer Anzahl kleinerer Vereine der Maschinen- und Metnll-Jn- dustrie und dem großen nordischen Schiffsbauarbeiter-Verband andererseits, der den letzteren einen Rückhalt bietet. Und dieser Gegen- satz wiederum ist nicht der bloßer Rivalität, sondern spitzt sich auch immer mehr als ein solcher der Gewerkschaftspolitik zn. Eine Seite dieses Gegensatzes ist der auch in Deutschland nicht unbekannte Streit: Jndustrievcrband oder Fachvcreiu, in der Ge- Werbepolitik entwickelt der Maschiueilbaiiervereiii sich laugsam zu einer modernen Gewerkschaft, während die nordischen Vereine teils sehr zünftlerische Anschauungen verfechten, teils mehr Hilfskassen als Gewerkschaften sind. Der Ausschluß des Maschinenbauervereins vom Gewcrkschafts- kongreß hat einen Wechsel in der Person des Präsidenten des Kongresses zur Folge. Der Ueberlieferung gemäß fällt dieser Posten dem Vorsitzenden des lokalen Gewerkschaftsrates der Stadt zu. in der der Kongreß abgehalten wird. Das ist in Plymonth ein Mir- glied des Maschiucnbaucrvcreins, Tom Praeter. Auf seine An- spräche durfte man gespannt sein, da er ein bekanntes Mitglied der Unabhängigen Arbeirerpartei ist. Der vorerwähnte Entscheid schließt auch ihn von dem Kongreß aus. Der Kongreß findet in der großen Halle der alten Korporationen — Guildhall— von Plymouth statt. Voraussichtlich wird die An- gelegenheit der Maschinenbauer zu lebhaften Debatten führen.— England wird möglicherweise denmächst einen größeren Kampf im Recdergcwcrbe haben. Der flotte Geschästsgäng hat schon an verschiedenen Orten zu Lohnbewegungen der Hafen- a r b e i t e r geführt, und in den Hartlepools an der Nordost- küste findet zur Zeit ein Ausstand von solchen statt behufs einer Lohnerhöhung von 1 Shilling pro Tag. Jetzt regt es sich nun auch unter den Matrosen. Von allen sog. neuen Gewcrkjchasren der Jahre 1889/99 hat keine einen so großen Zusammenbruch erlitten als der Matrosenverband. Fehler in der Leitung und der stramme Zusammenhalt der organisierten Scbiffsherren hat ihn in wenigen Jahren auf eine rein nominale Mitglicderzahl reduziert, so daß er jahrelang nur ein Scheinleben führte. Jetzt hat aber der gute Geschäfts- gang zu seiner Wiederbelebung geführt. In den meisten Hafenstädten ist ieit Wochen eifrig agitiert worden, und vor vierzehn Tagen hat der Mntroseuverdand, der nun 23 Sektionen zählt, an die Schiffs- Herren ein Cirkular gerichtet, worin er ihnen eine gemeinsame Konferenz zur Vereinbarung verschiedener Streitpunkte und eines neuen Tarifs vorschlug. Diese Aufforderung ist mit ganz wenigen Ausnahmen von den Schiffsherren, die sich noch völlig als Meister der Situation fühlen, ignoriert worden. Der Matroscuverband hat darauf beschlossen, daß vom 4. September ab in allen Häsen folgende Lohnforderimg gestellt werden soll. Auf Mouatsdnnipfern: Matrosen und Heizer monatlich 6 Pfd. Sterl.(129 M.) Auf Segelschiffen: Matrosen 4 Pfd.� Sterl. monatlich; auf wöchentlich fahrenden Dampfboolen: Matrosen und Heizer 1 Pfd. 15 Shillinge die Woche. Niedere Offiziere pro- portionelle Solderhöhnngen. Der Verband fordert alle Matrosen, Schiffsheizcr Zc. auf, unter keinen Umständen sich zu andern Bedingungen als diesen anwerben zu lassen, bis die Schiffsherrcn sich zu einer Konferenz mit dem Ver- bände verstehen. Eine größere Anzahl von Matrosenversammlungen hat sich damit entschieden einverstanden erklärt. Es muß nnn ab- gewartet werden, ob die Bewegung stark genug ist, es auf einen längeren Ausstand ankommen zn lassen. Geleitet wird sie von dem unermüdlichen Matrosenagitator John Havelock Wilson.— Sociales. Eine Stunde früher Feierabend an Sonnabenden und an den Abenden vor den Festtagen verlangten die organisierten Arbeiter der Eiscnbahnwerkstätte der Centralbahn in Ölten. Es besieht daselbst der Zchnstundentag. man wollte für die genannten Tage den Neunstmideiitag. Die Centralbahn, welche für 1898 eine Dividende von 9 Proz. an ihre Aktionäre verteilte, lehnte das Gesuch ab und zwar hauptsächlich mit dem Hinweis auf den vermehrten Wirtshaus- besuch bei vermehrter freier Zeit. Der alte abgenutzte Ladenhüter wird also noch immer nicht verschmäht. Uetzke Mstriivtifsten und DepesÄzen. Frankfurt a. M., 4. September.(B. H.) Die„Franks. Ztg." meldet; aus Paris: Zum Ministerräte, der auf 5 Uhr angesetzt ist, wollte Präsident Loubet eigens nach Paris kommen. Man er- wartet die definitive Einberufung deS Senats. Wien, 4. September.(B. H.) Graf Thun wurde heute nach mittag vom Kaiser in langer Audienz empfangen. Budapest, 4. September. iW. T. B.) Der deutsch-östreichisch- ungarische BiuncnschiffahrtS- Kongreß wurde heute eröffnet. Hnndclsministcr Hegednes begrüßte die Versannulung im Namen der Regierung. Im Laufe der Verhandlungen erwiderte Ministerialrat Biro auf ein zum Ausdruck gebrachtes Bedenken wegen der Höhe der Tarife am Eisernen Thor, die Regierung verfolge aufmerksam die Wirkimg des Tarifcs und werde gegenüber der migeregten Frage je nach den festzustellenden thntsächlichen Ergebnissen Stellung nehmen und nach Maßgabe der Notwendigkeit vorgehen. PariS, 4. September. In einer Note der„Agence Havas" wird die Meldung einer Schweizer Zeitung, nach welcher in einem Pariser Modewarengeschäft sechs Pestfälle vorgekommen sein sollen, formell dementiert.' Der Gesundheitsznstand in Paris und in ganz Frankreich ist völlig zufriedenstellend. Pariö, 4. Sept.(W. T. B.) Der Ministerrat trat heute nach- mittag 5 llhr im Elysee znsammcn. Nach einem Bericht des Justiz- Ministers unterzeichnete Präsident Loubet das Dekret, durch -welches der Senat als StaatSgerichtöhof eingesetzt und auf den 18. d. M. einberufen wird. Dasselbe Dekret überträgt die Funktionen der öffentlichen Anklage dem Genera lprokirrator bei dem Appellhof in Paris Bcrnand und den Substituten des Gcneralprokurators Fournier und Herbeauc. London, 4. September.(W. T. B.) Der von der Vereinigimg der Seeleute für das Königreich beschlossene Ausstand zur Herbei- führung einer Lohnerhöhung hat heute begonnen. Belgrad, 4. September.(W. T. B.) Ristic, der ehemalige Ministerpräsident in Serbien, ist heute abend gestorben. Belgrad, 4. September. lB. H.) Ter bisherige Redactcnr der„Wiener Pol. Korrejp.". Dr. Rosen, wurde zum Chef des PressedcpartcmcntS im Ministerinni des Aeußerii ernannt. Cettinje, 4. September. Parteigenossen! Heute abend 8 Uhr finden in folgenden Lokalen öffentliche Partei-Versammlnngen statt: Feuersteins oberer Saal, Alte Jakobstr. 75. Friedrichstädtisches Kasino, Fricdrichstr. 236. Arnnnhallen, Kommandantcnstr. 23. Stechcrts Festsäle. Andreasstr. 21. Schweizergarten, Am Friedrichshain. Äösliner Hof, Köslinerstr. 8. für alle Versanimlungen lautet: 1. Die für die Provinz Brandenburg. Wahl von 1. Kreis: 2. Kreis: 3. Kreis: 4. Kreis: 5. Kreis: 6. Kreis: Die Tagesordnung bevorsteheudr Konferenz er- Delegierten. 2. Der Parteitag in Hannover. Wahl von Delegierten zu demselben. Parteigenossen, Genossinnen! Die wichtige Tagesordnung fordert daS lebhafteste Interesse aller, denen die Entwicklung der Partei am Herzen liegt. Sorgt daher durch eine intensive Agitation für zahlreichen Besuch dieser Versammlungen. Die Vertrauenspersonen Fcldzug gcgc» Arbeitervereine. Für alle Vereine, die sich nach der Meinung der Polizeibehörden mit»öffentlichen Angelegen- hciten" beschäftigen, ist eine Verfügung von Bedeutung, die soeben der Negicrungs-Präsident zu Potsdam an die nachgeordneten Be Hörden erlassen hat. Danach hat das Kammergericht seine frühere Ansicht/ daß die Verpflichtung der Vorsteher von Vereinen. welche eine Einwirkung auf öffentliche Angelegen heiten bezwecken, zur Einreichung der Statuten und deS Mitgliederverzeichnisses nach dem Wortlaute des Vereinsgesctzcs vom März 1853 auf die drei e r st e u T a g e nach der Stiftung des Vereins beschränkt sei und mithin die durch die Nichterfüllung dieser Verpflichtung begangene strafbare Handlung mit dem Ablauf der dreitägigen Frist vollendet ist, neuerdings nicht mehr aufrecht erhalten. Es nimmt vielmehr an', daß die Verpflichtung, die Statuten und das Mit- gliederverzeichniß der Polizeibehörde einzureichen, denjenigen Per- fönen, welche zur Zeit der Stiftung des Vereins und innerhalb der ersten drei Tage nach der Stiftung Vor- sicher waren, solange fortdauert, bis die Vcr- pflichtung erfüllt oder ihre Erfüllung unmöglich geworden ist. Dagegen vertritt es ebenso wie andere Gerichte nach wie vor die Auffassung, daß die erwähnte Verpflichtung lediglich denjenigen Vor- stehen! auferlegt sei, welche dieses Amt zur Zeit der Stiftung des Vereins bekleiden, nicht aber ihren Nachfolgern, und es hat in fortdauernder Rechtsprechung ferner dahin entschieden, daß die allen Vereinsvorstehern obliegende Pflicht zur Aus- k u n f t e r t e i l u n g die Pflicht, auf Erfordenr ein Mitglieder- Verzeichnis einzureichen, nicht mit umfasse. Noch nicht ent- chicdcn worden ist aber bisher die Frage, ob die Polizeibehörde von dem jeweiligen Vorsteher darüber eine Auskunft fordern kann, wie der gegenwärtige Stand der Mitglieder des Vereins sich zusammensetzt, und es erscheint nach der Ansicht des Regierungspräsidenten nicht ausgeschlossen, daß diese Frage, wenn sie der gerichtlichen Ent- chcidung unterbreitetet wird, bejaht und auf diese Weise eine der von den Verwaltungsbehörden bisher vertretenen Auslegung des Z 2 des Vereinsgesetzcs entsprechende Entscheidung erreicht werden würde. Deshalb eriucht der Regierungspräsident die Aufsichtsbehörden, erforderlichenfalls dafür Sorge zu tragen, daß in Fällen, in denen die vorgeschriebene Einreichimg des Mitgliederverzeichmsses unterblieben ist und die zur Zeit der Stiftung fungierenden Vorsteher ihr Amt nicht mehr bekleiden, von ihren Nachfolgern eine Auskunft über die Zusammensetzung der Vereine in der oben angegebenen Form von den Vorstehern v e r- langt und dadurch Geslegenheit gegeben wird, die erörterte Frage zur gerichtlichen Entscheidung zn bringen. Etwa in der Frage ergehende gerichtliche Erkenntnisse sollen dem Regierungspräsidenten eingereicht werden. Wie dies in Preußen ja selbstverständlich ist, richtet sich die Verfügung in der Praxis fast ausschließlich gegen Arbeiter- vereine, bei denen die Behörde alles mögliche als öffentliche Angelegenheit betrachtet. Oeffentliche Angelegenheit ist es, wenn in einem Bildungsvercin ein wissenschaftlicher Vortrag gehalten wird, in den sich nach Meinung des lieber- wachenden socialdemokratische Tendenzen mischen: öffentliche An- gelegenheit ist es, wenn eine Liedertafel ein Musikstück mit einein von der Polizei für socialdemokratisch gehaltenen Texte einübt, ingleichen wenn eine solche Liedertafel sich getraut, auf socialdemo- krätischen Festen völlig harmlose Lieder zu singen. In Hanau gab es einen Staatsanwalt, der das Gewerkschafts- a r t e 1 1 für politisch erklärte, weil dieses für Durchführung der Arbeiterschutzgesetze sorge und somit auf dieOrgane der Polizei ein- wirken könne. In Magdeburg haben Polizei und Gericht die -iliale des Verbandes der Schuhmacher für einen sich mit öffent- chen Angelegenheiten beschäftigenden Verein erklärt, weil die Filiale ur ihre Mitglieder günstige Arbeitsbedingungen erzielen wollte. Der Verein der Kupferschmiede wurde am Januar d. I. mit gerichtlicher Strafe beglückt, weil er in§ 1 26. seiner Statuten»die Erzielung eines solchen Arbeitslohnes erstrebt, der jedem Arbeiter eine menschliche Existenz sichert". An- fangs April d. I. hat das Kammergericht eine Filiale des Maurerverbandes für einen unter 8 2 des Vereinsgesetzes fallenden Verein erklärt, weil in einer Versammlung über den Streikfonds verhandelt worden war. Und so geht es bis ins Unendliche weiter. Teilweise konnten sich die Arbeitervereine durch die vom Kammergcricht im Prozeß gegen den Tabakarbeiter-Verein beliebte Auslegung schützen, die die Meldepflicht auf die drei ersten Tage nach Gründung des Vereins beschränkte. Jetzt wird dies nicht mehr möglich sein und der Regierungspräsident eröffnet nunmehr den Kamps auf der ganzen Linie. Begierig sind wir, wann der erste Kriegerverein herankommt. Die Einwirkung auf öffentliche Angelegenheiten, die bei Arbeitervereinen oft erst durch eine kunstvolle Interpretation konstruiert werden muß, liegt be.i diesen, namentlich zu Wahlzeiten mit Pauken und Trompeten hervor- tretenden Vereinen offen zu Tage. Das Märkische Provinzial-Muscitm hat im Köllnischen Rat- hause, aus dem es jetzt nach dem Markthallen-Grundstück in der Zimmerstraße übersiedelt, beinahe zwei Jahrzehnte zugebracht. Erst 1873 hatte die städtische Verwaltung angefangen, Gegenstände, die für die Erforschung der Geschichte Berlins und der Mark wichtig schienen, planmäßig zu sammeln. Für die Ausstellung reichten zunächst zwei kleine Räume im Berlinischen Rathause aus. Aber die rasch wachsende Sammlung mußte schon Ende 1675, wegen bald eingetretenen Raummangels, nach dem städtischen! Grundstück Klosterstr. 63 verlegt werden. Von da kam sie 1883 nach dem Köllnischcn Rathause. Hier machte sich, bei dem andauernden Wachstuni der Sammlung, noch vor Ablauf des ersten Jahrzehnts von neuem Raummangel fühlbar. Bereits 1383 klagte die Verwaltung, daß die Geizenstände nur noch schwer unterzubringen seien. Die Hinzunahme einiger anderer Räume des Köllnischen Rat- Hauses half nur für kurze Zeit. In den letzten Jahren mußten ver- Ichicdene neu eingehende Gegenstände größeren llmfanges auf den Boden wandern. Steinerne Denkmäler und alte Architekturstücke wurden auf dem Hofe oder auf einem umzäunten Platz am Köllnischen Park untergebracht. Sie waren hier der Ver« Witterung und zum Teil durch den Betrieb eines im Köllnischen Rathause untergebrachten Geschäftes der Beschädigung ausgesetzt.— lieber die Frage, ob und wie ein eigenes Museumsgebäude zu errichten sei, ist nahezu ein Jahrzehnt lang ver« handelt worden. Im Oktober 1883 stellte die Museumsleitung beim Magistrat einen dahingehenden Autrag. Infolge des Zusammen- treffens verschiedener ungünstiger Umstände kam es erst im März 1838 zu einer endgültigen Beschlußfassung. Mit den Erdarbeiten zum Bau tonnte dann, wegen der Verzögerung durch eine notwendig ge- wordene Aeuderung der Wallstraßen- Bauflucht, erst im Juni 1833 begonnen werden. Eine Polizeithat wird zur Zeit in bürgerlichen Blättern lebhaft kommentiert. In einem Bericht, den wir über die BeHand- lung des Stadtkochs Thronicker finden, der bekanntlich in der Buch Horst er Mordaffaire unschuldig verhaftet wurde, heißt es: „Die Berliner Kriminalpolizei vertrat von Anfang an den Standpunkt, daß ein Verwandter oder ein Geliebter der Ge- töteten— diese war bekanntlich eine 73jährige Greisin— der Mörder sei. Da ein Geliebter nicht vorhanden war, so mußte s!) ein Verwandter die That verübt haben. Schon vor der Ver« Haftung des Herrn Thronicker sagte der Kriminalkommissar Braun einem Neffen der Ermordeten, einem 2öjährigcn jungen Mann, die Thäterschaft resp. Mitwisserschaft auf den Kopf zu und drohte ihm mit der Verhaftung der gesamten Ver« w a u d t s ch a f t. Als die Festnahme des Herrn Th. erfolgte, legte seine Gattin der Polizei die Geschäftsbücher vor, aus denen zu ersehen war, daß Herr Th. ein vorzüglich gehendes Geichäft besitzt. Auch das vorhandene Geld wurde einer Untersuchung unterworfen, doch auch hierbei nichts Auf- fälliges gesunden. Ein Hauptverdachtsmoment bildeten später die an Th.'s Kleidung aNfgefundenen Blutspritzen. Zwar vermochte der Verhaftete anzugeben und zu beweisen, daß er sich wenige Tage vorher in den Finger geschnitten und daß er sich bei dieser Gelegenheit mit Blut bespritzt haben muß. Er wies auch auf die Möglichkeit hin, daß er sich vielleicht beim Anheben des noch warmen Körpers der Ermordeten mit Blut befleckt haben könne, jedoch vergeblich. Die Blutstrcifen und die bereits erwähnte That- fache, daß Herr Thronicker wie gewöhnlich so auch an dem Mord« tage nach dem Möllensee gegangen war. um dort zu angeln, bildeten die Hauptbelastungsmom'cnte. Herr Kriminalkommissar Braun war so fest davon überzeugt, daß er den richtigen Mörder ge« faßt habe, daß er gelegentlich einer Fahrt von Alt-Buchhorst nach Berlin dem ihm bekannten Bahnhofswirt in Fangschleuse— so teilt uns dieser mit— zurief:„Jetzt habe«wir ihn". Der Wirt, der von der Verhaftung des Th. wußte, antwortete: „Sie haben ihn nicht. Thronicker ist unbedingt unschuldig". „Er ist der Thäter, Sie werden sehen", antwortete der Kommissar. So war also Herr Thronicker zum Raubmörder gcstcmpalt. Drei Tage und vier Nächte lang hat er die Qual der llu'tersuchung über sich ergchen lasten müssen und man sorgte dafür, daß er den Leidcnskelch bis zur Neige leeren mußte. Zur Vernehmung vor dem Assessor wurde, wie das»Berk. Tagebl." berichtet, der un- bescholtene Mann gefesselt über die belebten Korridore deS Moabiter Untersuchungsgefängnisses geführt I Den begleitenden Nuntius jammerte die Schmach, die sich auf dem Gesicht des also Geschändeten malte. Er fragte den Assessor, ob er den Mann auf- schließen dürfe.„Nein," wehrte der Assessor ab.„lassen Sie sein I" Erst zur Vollziehung seiner Unterschrift unter daS Protokoll wurde die rechte Hand befreit. Der ehrliche Mann, der das hat erdulden müssen, weinte wie ein Kind, als er seine Leidens« geschichte erzählte." Wir bedauern das Mißgeschick, daS Herrn Thronicker betroffen hat, gleichfalls von ganzem Herzen. Aber, so fragen wir. würden Beileid und Entrüstung in bürgerlichen Blättern ebenso lebhaft prechen, wenn es sich diesmal nicht um einen„sehr wohl situierten" Herrn, sondern um einen armen, aber nicht minder ehrenhaften Arbeiter gehandelt hätte? In der Buchhorster Angelegenheit ist seiner Zeit auch ein Knecht unschuldig verhaftet worden. Ob dieser während der Haft ähnliches zu erdulden hatte, lvie Herr Thronicker, wissen wir nicht, aber man darf wohl annehmen, daß der Mann gleichfalls nicht mit Glacshandschuhen angefaßt wurde. Um diese Verhaftung hat sich aber keine Seele gerührt. Daß das Sprichwort„Was mich nicht breimt, das blas' ich nicht", auch sonst gewiffenhaft respektiert wird, wenn es sich in der bürgerlichen Klasse nicht um Fleisch von ihrem Fleisch handelt, beweist die Teilnahms- losigkeit, die sich in den meisten Fällen zeigt, wenn in der Arbeiter- presse jene skandalösen Fälle der Behandlung gefangener social- demokratischer Redacteure zur Sprache gebracht werden. Prenffische Verwaltungsznstände. Es wird berichtet: Aus einer Vorlage des Magistrats an die Stadtverordneten-Verfammlung ist zu ersehen, daß der Magistrat das durch die Verordnungen des Provinzial-Schulkolleginms vom 6. April 1837 und 3. Februar 1889 festgesetzte Verfahren, wonach die Strafverfolgung für Schulversäumnisse durch das Polizeipräsidium zu erfolgen hat, nur als vorübergehend betrachtet. Bereits am 14. Juni 1837 hat der Magistrat an den Minister des Innern unter eingehender Begründung ein Gesuch dahin gerichtet,»der Stadtgemeinde Berlin oder dem Herrn Oberbürgenneister die Schulpolizei in dem Umfange zu übertragen, daß er ermächtigt wird, die polizeilichen Straf- Mandate wegen unentschuldigter'Schulversäumnisse nach Maßgabe des vorerwähnten Gesetzes und der Verordnung zu erlassen und zur Vollstreckung zu bringen." Daraus würde dann folgen, daß auch dann wieder die Schulversäunmißstrafen, wie dies früher der Fall gewesen, der Stcidthauptkasse zufließen. Bis jetzt aber, also nach inehr als zwei Jahren, steht noch die Antwort des Ministers ans. Aus dem Jahresabschluß der städtischen Sparkasse Ende März 1899 ist hervorzuheben, daß sich das Guthaben der Interessenten im Verwalrnngsjahre 1898/99 um 15 567 352 M. ver- inehrt hat, indem es eine Höhe voll 225 830 902 M. erreichte. Die Zahl der Sparkassenbücher, die 612 552 Stück betrug, hat sich um 33 664 Stiick vermehrt. Wo stehe» die meisten Wohnungen leer? Am letzten Jahres- schlug betrug die Zahl der leer stehenden Wohnungen in Berlin 12 253, etwa 2,53 Proz. aller vorhandenen Wohnungen. Nach einer Zusammenstellung, welche das statistische Amt der Stadt Dresden veranlaßt hat, ist dies ein inimerhi» mäßiger Satz. Zu Anfang dieses Jahres waren nämlich nach jener Statistik von den vor- Handeneil Wohnungen unbenutzt: in Stuttgart 0,68 Proz., in "cipzig 1,03 Proz., in Magdeburg 1,16 Proz., in Karlsruhe 1,19 Proz., in Mannheim 1,50 Proz., in Lübeck 1,52 Proz., in Dresden 2,81 Proz. talso mehr als in Berlin), dann steigt das Wohuungsangcbot bis auf 4,2 Proz., welche Zahl für Köln gilt. DaS Unglück in der Bcllcrniannstraße in Pankow, bei dem ein achtzehnjähriges Mädchen schwer verbrannt wurde, weil eZ beim Bühren in einem Kessel mit seinen Kleiderw der Feuerung unter dem Kessel zu nahe kam, hätte, wie man uns schreibt, sehr wohl verhütet werden können, wenn die hiesige Gewerbeaufsicht die An- bringung eines Schutzbleches verlangt hätte, und namentlich, wie anderwärts, verlangt hätte, daß die Arbeiterinnen bei solchen Arbeiten rings schließende feste Leder schürzen tragen müssen, die von aufspringenden Funken nicht so leicht wie Kleider- stoffe entzündet werden. In Fabrikräumen, wie Kohlenzünder- fabriken, wo die Luft mit feinem Kohlenstaub angefüllt ist. ist das doppelt nötig. Hoffentlich wird jetzt der betreffende Gewerbe- oufsichtsbeanite veranlassen, daß diese Schntzmatzregeln angebracht und benutzt werden, um einer Wiederholung des llnfalis vor- zubeugcu, sowie daß von nun an genügende Verbandstoffe zur Hand sind. Inhibierte Scdanbcgeistcrung, Die Herren Nauck u. Hart- manu haben vor einigen Tagen ein charakteristisches Stück feuriger Sedanbegeisternng zunichte gemacht. Am Scdantäge pflegten in den letzten Jahren stets eine große Zahl öffentlicher Anschlagssäulen in allen Stadtgegenden aus Mutwillen angezündet zu werden zum Ver- gnügen der lieben Jugend, der das Erscheinen der Feucrivehr viel Spaß verursachte. In diesem Jahre hat nicht eine Säule gebrannt. Die Firma Skauck u. Hartmann hatte vorher alle alten Anzeigen von den Säulen abnehmen lassen, und die wenigen neuen Plakate wollten zum Leidwesen der fcuerwerkernden Jugend infolge des Ncgens nicht brennen. Der erste elektrische Omnibus, der am Sonntag von der Neuen Berliner Omnibus-Gesellschaft auf der Linie Stctliner Bahn— Kreuzberg in Betrieb gesetzt worden ist, ivar den ganzen Tag über der Gegenstand allgemeiner Aufmerksamkeit und von früh bis spät auf allen Touren vollständig besetzt. Der mit 12 Dccksitzcn versehene Omnibus hat im Innern ebenso viele Sitzplätze und außerdem noch auf dem Hinterperron zwei Stehplätze, bietet also im ganzen Rauni für 26 Personen. Borläusig kann der Wagen indessen die ganze Tour hin und her nur je sechsmal ausführen, lveil die den Motor treibende Batterie nur zwei Stunden lang ausreicht und dann eine Nculadung vorgenommen ivcrden muß, welche auf dem Grundstück Borsigstr. 2 stattfindet und 30 Minuten dauert. Später, wenn erst mehrere elek- trische Omnibusse eingestellt sein werden, wird natürlich dieser Zeit- Verlust aufhören, da sowohl am Stettiner Bahnhof wie ani Kreuzberg je eine Ladestelle errichtet werden soll. Das königl. Amtsgericht zu Oranienburg macht bekannt: „Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das im Grundbnche von Borgdorfs, Band III Blatt Nr. 74, ans den Namen des Frcihernr Theodor v. Broich zn Berlin, Friedrich Wilhebnstr. 3. eingetragene, zu Borgsdorf belegene Grundstück ani 23. Oktober 1899, vormittags ■10 Uhr, an Gcrichtsstelle versteigert werden." Das Polizeipräsidini» teilt mit: Mit Rücksicht auf den bevor- stehenden Umzug s t e r m i n wird die Warnung in Erinnerung gebracht, Mietsverträge über Räume in neu erbauten oder um- gebauten Häusern für eine Zeit abzuschließen, zu welcher die von der Ausfertigung des Rohbau- Abuahmcscheins ablanfcndc Frist von sechs Monaten für die GebranchSabnahme- Prüfung noch nicht verstrichen ist, da die Polizei- Organe vor Ablauf dieicr Frist das Geziehen der fraglichen Räume nicht dulden und nach den gcsctz- lichen Bestimmungen auch nicht dulden können. Die Polizeireviere werden nach ivie vor auf Anfragen aus dem Publikum über den voraussichlichen Termin der Beziehbarkeit von Wohnungen in der- artigen Häusern Auskunft erteilen. Der unverwundbare Fakir, der sich auch in Berlin längere Zeit im Passage-Panoptiknm produzierte, liegt augenblicklich schwer krank im Krankenhauje in Dortmund danieder. Seine Unvcrwund- lbarkcit hatte ihren Grund in einer fistclartigen Verhärtung der Gc- tvebe, die dadurch entstanden war, daß er sich mit spitzen Jnstru- meinen Wunden beibrachte und dann täglich wieder an derselben Stelle nachbohrte. Bei einer seiner letzten Produktionen muh wohl Schmutz in eine dieser Oeffnungen gelangt sein, es entstand eine Eiterung, die sich sofort auf alle verhärteten Gewcbetcile erstreckte und den ganzen Leib des Artisten, der in hoffnungslosem Zustande daniederliegt, anschwellen ließ. In der letzten Mitgliederversammlung der Lebens- bcrsicherimgs-Gesellichaft„P rometheu s" in Berlin wurde be- schlössen, keine weiteren Prämienzahlungen an die Gesellschaft zn leisten, da ein Fortbestehen der Gesellschaft doch unmöglich sei. Die Mitglieder verlören dadurch allerdings ihr ganzes bisher eingezahlte Geld, vermieden aber spätere Verluste, die noch recht erheblich werden könnten. ;„Ehrenschulden" haben einen 19 jährigen Kaufmannslehrling aus der Memclcrstraße in den Tod getrieben.' Henning, der in einem Geschäft in der Brückcnstraße thätig war, zog vor vier Monaten von seinen Eltern Iveg und wohnte seitdem niit feinem Bruder zusammen in der Mcmelcrsträße. Am Sonnabendabend um Ö'/e Uhr hörten die Nachbarn der jungen Leute in deren Zimmer einen Schuß fallen und fanden Wilhelm Henning, während icin Bruder nicht zu Hanse war, in seinem Blut schwimmend auf dem Fußboden liegen. Er hatte sich in die Brust geschossen und starb nach einigen Minuten unter den Händen eines Arztes. Auf dem Tisch fand man einen Zettel, auf dem der junge Mann seiner Mutter nuttcilt, daß„Ehren- schulden" ihn gezwungen härten, seinem Leben ein Ende zu machen. Welcher Art diese Schulden sind, weiß man nicht. Der Schiffer Erpel, der wegen Ermordung des Wächters Ziegler aus Tegel im Zuchthausc sitzt und seiner Zeit nach einem Ans- bruch lange Zeit vergeblich gesucht wurde, ist jetzt, da er wiederholt Aufseher bedrohte und Mitgefangene aufzureizen suchte, auf die Jrreustation der Anstalt gebracht worden. Ei» gefährlicher Fabrikbrand, bei dem zwei Personen Brand- wunden erlitten, kam Montagnachmittag kurz nach 4 Uhr Köpnicker- straße 48/49 zum Ausbruch. Das umfangreiche Grundstück reicht bis an die Spree heran. In dem nach der Spree belegenen Teile hat die Dachpappenfabrik von Kleinann u. Comp, ihre Niederlage von fertigen und Rohprodukten. Eine große Zahl von mit Kolo- phonium, Lack, Tcer� Benzin und Oelen gefüllte Fässer waren in einem einstöckigen Schuppen untergebracht, während vor demselben ebenfalls noch ganze Reihen gefüllter Fässer lagerten. Wenige Schritte westwärts von diesem Schuppen befinden sich Lagerschuppen der Vereinigten Berliner Mvrtelwerkc und anstoßend daran Pferde- ställe, die bei Ausbruch des Feuers von ca. 20 Pferden belegt waren. Der Brand entstand auf merkwürdige Weise. Zwei Arbeiter waren mit Teerkochen beschäftigt und hatten den Teerosen etwa 10 Schritt östlich von dem nunmehr eingeäscherten Lagerschuppen aufgestellt. Beim Abheben des Tecrkessels Ichlug die Flamme aus dem Ofen heraus, sprang nach dein Schuppen über und ent- « zündete hier einen Klumpen Kolophoniuin. Die Arbeiter be- mühten sich vergeblich, das Feuer mit einer Decke zu dämpfen und mußten nach wenigen Sekunden die Flucht ergreifen, weil fast mit einem Schlage der gesanite Schuppcuinhalt in Flammen stand. Dichte Rauchwolken hüllten die ganze Umgebung ein, so daß sich die Kunde von dem Brande schnell in jenem Stadtteile verbreitete. Die benachbarte Feuerwehr aus der Köpnickerstraße war in wenigen Minuten in Aktion und forderte sofort noch weitere Löschhilfe, worauf Branddirektor Gicrsberg mit dem Dampfspritzenzugc aus der Lindcnstraße herbeieilte. Eine Dampfspritze fuhr nun an der Spree auf und speiste zwei Rohre. während von der Straße aus zwei weitere Leitungen von einer Länge, wie sie selten zur Anwendung kommen, vorgingen. Der Wind erwies sich diesmal als bester Bundesgenosse der Feuerwehr. Er wehte spreewärts, so daß� die vor dem Lagerschuppen liegenden gefüllten Fässer, indem sie fort- während unter Wasser gehalten wurden, der Vernichtung entgingen. Auch die Pferde konnten unter diesem Umstände unbehelligt befreit werden. Die einzelnen Fässer des Schuppens explodierten unter starken Detonationen, so daß die Feuerwehr mit größter Vorsicht vorgehen mußte. Zwei mit Benzin gefüllte Fässer flogen unter gewaltigem Knall in die Luft und ihre Trümmer wurden 40 Schritte weit bis in die Spree geschlendert. Von dem Schuppen und seinem Inhalte sind nur noch die Eiscnteile vorhanden. Die eingangs er- wähnten Arbeiter wurden im Gesicht und an den Händen verbrannt. Wäre der Wind aus entgegengesetzter Richtung gekommen, wäre der Umfang des Feuers nicht abzusehen gewesen. Strastensperrnng. Die Kaiser Wilhelmstraße ist von der Klostcrstraße bis zur Neuen Friedrichstraße ausschließlich der Kreuz- dämme behufs Asphnltierung bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Ein großer, beim Baggern in der Spree benutzter Kahn hatte sich gestern früh unter der Jnngfembrücke zwischen den Pfeilern der Brücke festgefahren, so daß der Verkehr nach der Schleuse gesperrt war. Erst nach längerem Bemühen gelaug es, das fest eingeklemmte Fahrzeug wieder flottzumachen. Schwer verletzt wurde auf dem Hofe des Grundstücks Alte Jakobstr. 20 der Schleifer Wende durch eine Revolverkugel. Der Wcrkführer Butter hatte den Revolver in einem Pulte seines Arbeit- gebers vorgefunden und spielte damit, in der Meinung, daß die Waffe ungeladen sei. Plötzlich entlud sich jedoch ein Schuß und traf den über den Hof gehenden Wende in den Kopf. Auf dem Ba» verunglückt ist gestern morgen ein Maurer Hoff, der bei den Neubauten der Charits beschäftigt ist. Am Direktiousgebäude fiel ans einer Höhe von 10 Meter ein Ziegelstein herab, traf den untenstehenden Hoff und schlug ihm durch die Mütze hindurch ein Loch in den Kopf; der Verunglückte mußte in der Charits ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Orgelkonzert. Mittwoch, den S. September, mittags 12 Uhr, hält Herr Musikdirektor Otto Dienel in der Marienkirche einen Orgelvortrag bei sreicm Eintritt unter Mitwirkung der Sängerinnen Fräulein Selma Weyher, Fräulein Eva Lelpiig und Fräulein Else Gcrlach, der Violionistcn Fräulein Elsa Wille, Herrn Baumgart, Herrn Kovicröli und Herrn Niegisch und des .fierrn Max Bartclt. Orgel und Gesangslomposltionen von Bach, Händel und Mendelssohn, ein Liolinauariett von Spohr, eine Sonate von Gull- niant, Variationen von Dienel u. a. werden ansgesührt. Druckfchlcv-Bcrichtigung. Ein simicntstcllcndcr Druckfehler ist in unscrm Artikel vom Sonntag„Die Freuden eines socialdcmo- kratischcn Rcdactcnrs" durchgeschlüpft. Ans der zweiten Spalte, Zeile 2 von oben heißt es, daß die Redaktion sich' die Genug- thuimg versagen müsse, die über Jacobch verhängte Strafe vollstreckt zu sehen. Selbstverständlich muß es R c a k t i o n heißen. Radrennen am Knrsllrsteitbamm. Das Hauptereignis vom Sonntag, die Entscheidring um den Großen Preis von Deutsch- land, fiel schon zn früherjStnnde in den ersten Teil des Programms. In den Zwischenläufen schlug Büchner zunächst den Holländer Meyers, worauf Arcnd und Scidl und im Bcfähignngslauf Huber sich die Anlvartschaft auf den Großen Preis erkämpften. Leute mit feinem Geruch wollen gefunden haben, daß das Publikum ob dcS Sieges der Dcnlfchcn über die Ausländer begeistert war. obgleich doch bei internationalen Wcttkänipfcn schon die Pflicht der fonnalen Höflichkeit derartige Frcndcnansbrüche zurück- dämmen sollte. Immerhin zeigte der Patriotismus sich von an- erkcnnenSwcrt großdcutschcm Bewußtsein, da der Ocstrcichcr Scidl, der nachdem die 4000 Marl als Erster davontrug, in Bausch und Bogen mit unter die Mchrer des preußisch- deutschen Ansehens gc- rechnet wurde. Der größere Teil des eigentlichen EntschcidnngS- kampfs glich einer gemütlichen Spazierfahrt; erst kurz vor der letzten Runde maßen die vier Konkurrenten ihre Kräfte. Seidl kam als Erster ans Ziel, dann folgten nacheinander Arcnd. Büchner und Hnber; eine beim Fahren ausgeübte Chikanc brachte aber durch Schiedsrichterspruch Huber an die dritte und Büchner an die vierte Stelle. Mehrsach hatte das Publikum den zweifelhaften Genuß von Scheltwortcn und Handgreiflichkeiten, mit denen die Fahrer einander beehrten. Die Nennen verliefen ivie folgt: Großer Radfahrpreis von Deutschland. 4000, 1200, 500, 200 M. Zwischenläufe über 1000 Meter: 1. 1. Büchner. 1: 30: 2. 2. Meyers, 3. Pontecchi.— II. 1. Arend, 1; 35, 2. Banker, 3. F. Vcrhcycn.— III. 1. Scidl, 1; 29; 4, 2. Huber, 3. Jacquclin. Den Befähigungslauf gewann Huber in 1: 31 gegen Jacquclin.— Entschcidungslanf 2000 Meter. 1. Seidl. 3:39:2, 2. Willy Arcnd, 3. Bruno Büchner, 4. Anton Huber. Leicht mit 2 Längen gewonnen. Huber erhält nach Protest gegen Büchner den dritte» Preis. Kleines Niederrad-Hanpffahren: 200, 100, 50 M. 2000 Meter. 1. Banker, 2:52:4, 2. Gongoltz, 3. Meyers. Nach schönem Neimen sicher gewonnen. Großes Berliner Niederrad-Vorgabefahren. 500. 200, 100, 50 M. 1. Banker st) Meter), 2:8:2. 2. Suchetzki(60 Meter). 3. Kudcla (70 Meter). 4. Mayer(50 Meter). Siegle überlegen. Tandem-Prämienfahren. 1. Bonrottc-Käscr, 6: 12: 1. 2. Hcrty- Breitling. 3. Heering-Mayer. Mit großem Vorfprung gewonnen. Tandcin- Vorgabefahren. 150, 75, 40 M. 1609 Meter. 1. Gougoltz-Parlbh(40 Meter), 1; 50; 3. 2. Scndsburg-Oberberger (120 Meter). 3. Bourotte-Käscr(60 Meter). Sicher gewonnen. Im„Berein von Krcunde» der Treptow Sternwarte" wird Direktor F. S. Archcnhold Mittwochabend 8»/, Uhr einen ProieltionSvortraq über„Kometen" halten. Dcrietbc wird unter Benntzung des Wehncltschen Unterbrechers zahlreiche Experimente auf dem Gebiete der elektrischen Ent- ladungS-Erschcinnng in verdünnten Lufträume» vorsühren, um die Eni- stehmig der rätselhasten Lichtfiguren in den Köpfen der Kometen zu erklären. Npollo-Theatcr. Während draußen der Herbst seine Visiten- karte abgegeben hat, hält in unseren Specialitäten- Theatern das Sommerprogramm noch allen Stürmen stand. Auch im Apollo- Theater ist das Unerhörte eingetreten, daß die übliche Quartals- operctte sich in den ersten Monat der„Wintersaison" hineindrängclt; ja, eS scheint, daß sie sich sogar noch darüber hinaus am Leben halten ivill. Trotz einiger Verändernnge» in der Besetzung zeigte sich daS Ausstattungsstück„Frau Luna" so flott und frisch wie in den ersten Tagen des Wonnemonds. Jngleichcn ist der Komiker Herr Reutter dem Apollo- Theater für diesen Monat verblieben. Allerdings ist dieser Herr der Operette um daS eine voraus, daß er in Wort und Lied Neues bringen kann, was in dem Vollmondsiück, von einigen Kalauern abge- sehen, nicht gut möglich ist. Ei» abwechslungsreiches Special!- tätenprogramm gesellt sich zu den genannten„Hauptattraktionen". Eine Sängerin, wie sie wenigstens in früheren Zeiten für das Brettl zu schade gehalten wurde, ist die„indische Nachtigall" Aumata Tiero; glockenrein Hingen die Tremolos dieser exotischen Dame in den Saal hinein. Weiter sind auf dem Gebiete mehr oder minder holden Ge- sanges zu nennen die Liedersäugerin Prentano und die Französin Dorty. Ein vorzüglicher mustkatischer Klown ist Herr Hibbol, wäh- rend der Jongleur Kaiser auf seinem schwierigen Gebiete Vorzug- lichcs verrichtet. Am Schlüsse traten zwei geübte ExceutricS„The BlossomS" mit Erfolg auf. Feucrbcrlcht. Nicht weniger als 20 mal wurde die Feuerwehr feit Sonnabendabend in Anspruch genommen, obgleich m diesem Jahre der Sedanabend ohne die sonst von der Jugend beliebte Illumination durch brennende Litfaß-Sänlcn verlief. Drei Dachstnhl- brande waren am Sonntag abzulöschen und zwar R e i ch e n b e r g e r- st r a ß e 101, W i e f e n st r. 40 und S ch ö n l e i n st r. 10. Letzterer Ivar der bedeutendste und rief, weil von einem halben Dutzend Stellen gemeldet, die gesamte 2. und 3. Löschkompagnic, sowie Zug 17 von her Hmiptwache in der Lindenstraße herbei, da„Großfcner" be- fürchtet wurde. Obgleich das vom Feuer betroffene Eckhaus an einer sehr freqnenten Straßenkreuzung liegt, wurde der Brand doch erst bemerkt, als die Flammen hoch zum Dach herausschössen. Große Vorräte von Brennmaterialien lieferten dem Elemente reiche Nahrung, doch konnte demselben seitens der Wehr von den platten Dächern der Nach- barhäuser ans wirksam entgegengetreten werden. Immerhin aber ist der größte Teil des Dachstnhls samt den Bodenkammern eingeäschert. Im Publikum war anfangs das Gerücht verbreitet, daß die Be« wohncr des vierten Stockwerkes in Gefahr seien, weshalb Sappeure über eine mechanische Leiter hinweg in jene Wohnungen vordrangen. Die Befürchtung erwies sich aber als unbegründet.— Kellerbrände mußten Prinzen-Allee 70, Grüner Weg 71, Stall- schrciber straße 18 und Veteranen straße 25 abgelöscht werden. Wegen Explosion einer Lampe erfolgte Alarm nach W i e s e n st r.4l. Neue Konigstr. 17 war ausgelaufener Spiritus in Brand geraten, wobei ein Lehrling Brandwunden erlitt. Wohnnngsbrände waren Kra u t str. 6, Gartenstr. 32a. W u st erh a u s e n e r- st r a ß e 21 und Z i o n s k i r ch st r. 8 zu beseitigen. Außerdem wurde die Wehr noch nach Usedomstr. 18, Dorotheen- st r a ß e 1 1. B a d st r. 1 5 und Königsbergerstr. 15 gerufen, wobei es sich aber um geringfügige Anlässe handelte. Slns den Nnchbarorten. Weisteusee. Heute abend 8 Uhr ist im Bachschen Lokale Prenzlauer Chaussee 6—7 eine Versammlung des Socialdemokratischen Arbeitervereins mit einem Vortrag des Genossen Dr. Frendenberg über„Alkoholismus". Aus Rixdorf. In das hiesige AmtSgerichts-Gefängniß swurde gestern der Arbeiter R a d a st eingeliefert. Er hatte am Sonntag- nachmittag in Britz allerlei Allotria verübt, so daß sich ein Menschen- auflauf bildete. Plötzlich nahte ein Gendarm, worauf man R. auf- merksam machte, damit dieser nicht in Ungclegenheit komme. R. blieb aber stehen und soll sich dabei einer Majestäts- beleidig ung schuldig gemacht haben. Dies wurde dem Gendarm von mehreren Personen mitgeteilt und R. wurde daher verhaftet. Da R. obdachlos war, scheint es ihm nur um ein Unterkommen zn thim gewesen zu sein. Der am Bahnhof Rixdorf zwischen zwei Straßenbahnwagen go- ratcne Straßcnbahnschaffner R e i ch e l t ist im Britzcr Kreiskranken- Haus seinen schweren Verletzungen erlegen. Die Leiche ist von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt worden. Wegen eines Sittlichkcitsvcrgchens gegen zwei Kinder wurde der Vildhaner F. in Britz verhaftet und in das hiesige Amtsgerichts- gcfängnis ciilgclicfert. Die Charlottenburger Untergrnndbah», die Fortsetzung der Berliner elektrischen Hochbahn, wird ans eine kurze Strecke unter Häusern gebaut werden. Die Bahn wird bei der Einbiegung von der Bismarck- in die Sescnheimer Straße eine Kurve beschreiben. Das Gelände, daS die Bahn dort durchlaufen soll, ist bis jetzt noch nicht bebaut. Da sich aber ergeben hat, daß über dem Tunnel der Untergrundbahn eine vollständig geschlossene Bebauung möglich ist, hat die Finna Siemens und Halste das Grundstück er- worben, um es mit mehrstöckigen Wohn- und Geschäftshäusern zu bauen. Ter Arbeitsnachweis der Ttadt Schöucberg, der am 1. August d. Js. ins Leben getreten ist, hat wie folgt sunktiouicrt: Es haben sich an erwachsenen A r b e i i n c h m e r n 149(142 männ- liche, davon 64 verheiratet, und 7 weibliche) mit Stellungsgesuchen gemeldet, zu denen noch 8 jugendliche Arbeitskräfte kamen. Davon waren 23 gelernte Arbeiter, 95 ungelernte, 13 Kutscher und 9 Hansdiener. Diesen Stcllungsgcsiichcn haben 162 Angebote von Arbeit- gcbern gegenübergestanden, von denen 126<107 für männliche iind 19 für weibliche) ans erwachsene und 36 auf männliche jugendliche Arbeiter entfallen. Bon diesen Angeboten wurden im ganzen 61 erledigt, davon 33 durch Zuweisung bezw. Einstellung von Arbeitskräften, während von den Stellungs- gcsuchcn 84 erledigt wurden, davon 37 durch Beschaffung von Stellungen, so daß noch 73 Gesuche und 70 Angebote von Stellungen'als unerledigt in den September hinübergenommen worden' sind. Während für Fabrikarbeiterinnen, Näherinnen. Auf- Wärterinnen ec. 22 Stellen angeboten wurden, bclief sich die Nach- frage auf nur 12. Für Dienstmädchen wurden sogar 36 Stellen angemeldet, ans welche 3 Gesuche kamen. Sollte dies Resultat nicht auch angcthan sein, verständige Leute von der Notwendigkeit der Aufhebung der Gefiudc-Ordiiung zn überzeugen? Um die von der Gemeinde Grunewald ausgeschriebene, hoch dotierte Lehrerstelle sind nicht weniger als 400 Bewerbungen ein- gegangen, während sich 90 Damen um die Stelle der Lehrerin be- warben haben. ES war keine leichte Aufgabe, aus dieser großen Zahl die geeigneten Persönlichkeiten auszuwählen, schließlich wurden ein Lehrer und fünf Lehrerinnen zu Probelektionen ausgewählt. Aus Grund dieser Lektionen hat die Gemeinde beschlossen, den Lehrer Adolf Schröder aus Berlin imd� die Lehrerin Julie Sicmons aus Aschcrslcbcn anzustellen. Die Schule wird in der Villa des ver- storbeuen Bildhauers Steincmann in der Hnbcrtnsstrnße eingerichtet. Die Gemeinde Grunewald erfreut sich somit nicht bloß der besten Lehrrrgehältcr, sondern auch einer Villa als Gemeindeschnle. Hoffentlich steht in dieser Schule auch der Unterricht mehr auf der Höhe als cS sonst in Preußen der Fall ist. Gevilszks Die Polizei von Nauru und der fliegende Gerichtsstand. Eine etwas mysteriöse Geschichte beschäftigte gestern die zweite Fcrienstrafkammcr am Landgericht II. Wegen Beleidigung der Nauener Polizeibehörde waren der Nednctenr der„Brandenburger Zeitung", Genosse Theodor Huth, der Maurergeselle Hermann Krull und der Arbeiter Paul Fechner, beide aus Nauen, an- gellagt. Der Anklage lag folgender Thatbcstand zu Grunde: Im Januar dieses Jahres war bei einem Ackerbürger in Nauen ein Quantum Weizen gestohlen worden. Der Verdacht der Thätcrschaft lenkte sich auf den 16jährigcn Dicnslknecht Adolf Schmidt. Schmidt wurde verhaftet und der Polizei gelang es, von ihm ein Geständnis zu erzielen. Der gestohlene Weizen sollte sich in der Wohnung seines Baters befinden. Dort fand eine Haussuchung statt, die er- gebmSlos blieb, denn die Selbftbczichtigung des Jungen war falsch. er war gar nicht der Dieb, denn der wirkliche Thüter wurde bald darauf entdeckt und damit ergab sich die Unschuld des Jungen. Gleich darcuif erzählte sein Vater allen Leuten, die es hören wollten, daß sein Junge durch die Mißhandlungen der Polizei- b e a m t e n zu dem falschen Geständnis gezwungen worden sei. lieber diese Angelegenheit brachte die„Brandenbnrgische Zeitung" in Nr. 36 vom 11. Februar einen Artikel, in welchem ausgeführt wurde, daß der junge Bursche, vom Maskenbälle kommend, verhaftet und aus dem Polizei-Amte gezüchtigt worden sei.„Um weiteren Mißhandlungen zn entgehen, räumte er die That ein und gab an, daß sich die gestohlene Frucht beim Vater befinde." An diese sachliche Darstellung wurden allerlei Reflexionen geknüpft. Es hieß in dem Artikel:„Beide haben nun ihr Teil iveg. Der Vater hat die Vlaniage, der Sohn eine Tracht Prügel, die'so gründlich war, daß er ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte." Es wurde dann weiter gesagt:„Die Polizei in Nauen hat zu dem mittelalterlichen Milte! gegriffen, durch die Anwendung von Gewalt Geständnisse zu erpressen!" Dieser Artikel wurde in einer Versanmilung, die am 11. Februar d, I, in Nauen stattfand, vorgelesen. Krull, der den Vorsitz führte, bemerkte u. a.:«Solche Schandthoten nnscrer Polizei brin�l liuser Kreisblatt nicht!" und Fechner erklärte iin Laufe der Diskussion:„So ein junger Mensch kann sich nicht wehren. Ich sollte es nur gewesen sein, ich würde ihnen etwas anderes gezeigt haben!" In diesen Ausführungen wurden die Beleidigungen gefunden. Rechtsanwalt I o s c p h s o h n erhob Protest dagegen, daß sein Klienr, der Angeklagte Hnth, vom Berliner Gericht ab- gcnrtcilt werde. Sein Gerichtsstand sei in Brandenburg und seine That stehe autzer jeder Verbindung mit der That, die den Angeklagten zu II und III zur Last gelegt werde. Der Gerichtshof erklärte sich für zuständig, weil die„Br, Ztg." in Nauen eine F i l i a I- Expedition habe, mit deren Hrlfe sie das Blatt in Nauen ver- breite. Der Zeuge Adolf Schmidt gab an, er sei von zwei Gendarmen verhaftet worden. Einer derselben habe ihn an den Ohren gezogen und an d i e W a n d g e st o tz e n. Auf dem Polizciamte habe ihn der Wachtmeister H a g e m a n n vernommen. Dieser Beamte habe ihm gedroht, datz er in Haft bleiben müsse, wenn er nicht gestehe,' andernfalls würde er auf freien Fug gelassen werden. Dabei habe ihm der Wachtmeister mit den Worte»:„Da sitzt es drinn, da mutz es heraus!" mit dem Finger an die Stirn geklopft, so datz er Schmerzen gehabt habe. Der jugendliche Zeuge hat im Laufe der Zeit seine Darstellung so vielfach geändert, datz ihm wenig Glaube» beigemessen werden konnte und da die übrige Beivcisanstrahme die Angeklagten im Stich lietz, so mutzte Verurteilung erfolgen. Zu Gute gehalten wurde allerdings, datz man in Nauen allgemein von den erfolgten Mitzhandlungeu überzeugt war. und datz auch der Angeklagte Hnth alles gethan hat, was er thun konnte, um den Thatbestand zu ermittelll. Während der Staatsanwalt drei Monate Gefängms, 50 M. bezlv. 30 M. Geldstrafe in Antrag brachte, erkannte der Ge- richtshof auf 200 M. für Huth, 30 M. für Krull und auf Frei- sprechnng für Fechner, der nur renoniiniert aber nicht beleidigt habe. Von der Wirksamkeit eines militärische» EhrenratS. Zwischen dem Arzt vr, meA K u n d t und dem der Militärgerichts- barkeit unterstehenden Oberförster und Badckommissar Krause aus Bad Rchburg hatte am 10. November im Schaumbnrger Walde eine ziemlich gelinde verlaufene Schietzprügelei stattgefunden, wegen der vor einigen Tagen gegen den Arzt vor der Strafkammer zu Bücke- bürg verhandelt wurde. Der Angeklagte erhielt ivegen DucllvcrgchenS 4 Monate Festung. In der Verhandlung kam zur Sprache, datz der militärische E h r e n r a t, der in der Sache zu befinden hatte, zu einem Spruche gekommen war, wonach Dr. Kundt den Ober- förster Krause fornrell um Verzeihung zu bitten habe, andern- falls der Ehrenhandel ausgetragen iv erden m ü s s e. Die Verteidigung machte vor dem Gerichtshöfe geltend, datz Dr. Kundt nach Lage der Verhältnisse mit einer schon vor Tagung des Ehrenrats abgegebenen Erklärung genügende Sühne angeboten habe, sowie datz nach Aussage der Zeugen der beleidigte Oberförster Krause wahrscheinlich für sich mit der Erklärung zufrieden gewesen sein würde, und nur das Votum des Ehrengerichts ihn veranlaht habe, die Forderung aufrecht zu erhalten. LtttettAvifthes. Bon dem im Verlag der„Sächs. Arbciter-Zcitung" in Dresden ins Deutsche übertragenen Stenogramm der Verhandlungen im Prozeß Dreyf'us vor dem Kriegsgericht zu Renncs ist die 2. Lieferung— 64 Seiten 8°— erschienen. In Hamburg ist in der Nacht zum Sonntag eine gewaltige F e n e r s b r u n st in dem Speicher Nr. 10 an der Neuenbürg zum Ausbruch gekommen, und zwar in einem derselben mächtigen Lager- Häuser, die fast genau vor Jahressrist, am 7. September 1898, von einem großen Brande heimgesucht wurden. Der Schaden, an dem mehrere Versicherungsgesellschaften beteiligt sind, belauft sich, ab- gesehen von den Gebäuden, auf etlva 7— 800 000 M. Wie ans Borken in Westfalen gemeldet wird, wurden dort durch einen Wirbelwind am Sonnabendabend auf 20 Meter Breite Häuser teils abgedeckt, teils zerstört und Bäume entwurzelt. Auf dem Gute Döring wurde durch Einsturz eines Stallgebäudes eine Person getötet; auch 25 Kühe gingen dabei zu Grunde. V' SchiffSnnfall. Aus Bremen wird berichtet: Der Dampfer „Prinz-Regent Luitpold", auf der Fahrt von New Dork nach Bremen unterwegs, hat Sonnabend Scilly passiert. Derselbe hatte auf der Fahrt eine Schraube verloren. Der Dampfer, welcher ein Doppcl- schrauben-Dampfer ist, arbeitet mit einer Schraube weiter und wird bereits Mittwoch früh in Bremen erlvartet. Zu Befürchtungen liegt kein Anlaß vor. An Bord alles wohl. Gegen die Prämiicrung der Münchener Sportausstellung haben 47 prännierte und 33 nichtprämiierte Finnen öffentlich Protest erhoben. Ein am Sonnabend über dem Mittel-Niederrheingebiet nieder- gegangenes Gewitter hat zahlreiche Unglücksfälle herbeigeführt. Hinter Brühl wurde ein von der Jagd heimkehrender Jäger durch einen Blitzstrahl gelähmt und sein Hund getötet. In Gladbach wurde eine Tcleph'ondame vom Blitze getroffen und derart schwer gelähmt, daß nach Ansicht der Aerzte eine längere Zeit zu ihrer Wiederherstellung erforderlich sein wird.j Schiffbrüchig. Aus New Dork wird vom Sonnabend ge- meldet: Nach einer Depesche aus Charlcston sind die einzigen beiden Ueberlebcnden von der Mannschaft der norlvegischen Bark„Drot", welche sich auf der Reise von PascalongS nach Buenos Aires befand und am 11. August scheiterte, namens Andersen und Thomasscn, von dem Dampfer„Woodruff" nach Charlcston gebracht worden. Der Kapitän der Bark und 12 Mann der Besatzung sind umgekommen. Die Ucberlcbcnden berichten von entsetzlichen Leiden und Ent- bchrungen. Ter gregorianische Kalender in Rußland. Von den Pro- jekten, die z. Z. zur Einführung der Zeitrechnung neuen Stils in Rußland der Regierung vorliegen, dürfte das folgende die meiste Aussicht auf Verwirklichung haben, da es die Differenz von zwölf Tagen, die zwischen dem gregorianischen und julianischcn Kalender sich' gebildet hat, einfach und schnell auflöst. Zunächst soll 1900 der Schalttag wegfallen, sodann müßte der erste Tag des kommenden Jahres von 12 Uhr Mitternacht bis 12 Uhr mittags gezählt werden; der zweite Januar von 12 Uhr mittags bis 12 Uhr Mitternacht. Im Februar und in den darauf folgenden Monaten des ganzen Jahres müßte dasselbe geschehen, d. h. der erste und zweite eines jeden Monats sollen für einen Tag gelten und der 1. Januar 1901 neuen Stils fällt niit dein alten Stils zusammen. Die Peters- burger astronomische Gesellschaft hat sich bereits für dieses Projekt ausgesprochen. Briefkasten der Redaktion. Tie tiiHstischc Tpreckistiindc wird TiciiStogS, D-unerstogS irnv Freiings abends von k bis 8 Uhr nvgehnlten. F. K. 41. Bromberg(Stadt), Regierungsbezirl Bromberg, Provinz Posen; Brombcrg(Landkreis), Provinz und Regierungsbezirk Posen. Klein, Wittenberg. Der Betreffende war nach Ableistung des Elm jährig-Frcnvilsigcn-Dienstcs als Unteroffizier und Offiziersaspirant entlassen worden. Letztere Qualifikation wurde aberkannt, weil derselbe die bei Verzug ans einem Bundesstaat in einen anderen erforderliche besondere acht- wöchentliche Hebung nicht ableistete. 1. L. M. I. Kronrat wird eine Sitzung deS preußischen Gesamtministeriums unter Vorsitz des Königs genannt. Marktpreise bon Berlin am 8. September 189» nach Ermittelunge» des kgl. Polizeipräsidiums. 1kg 60 Stiick Ikpr 1,60 1,60 1,60 2,60 4,- 2,40 2,80 2,60 2,40 1," 2,50 1,40 12- 1,- 1- 1,- 2,- 2,40 1,20 1,20 1,20 1,20 0,80 1,20 0,80 2,- )Weizctt D.-Ctr. 15,50 14,60 Schweinefleisch »Moggen„ 14,80 13,90 Kalbfleisch Futter-Gerste„ 13,30 12,70 Hammelfleisch Hafer gut„ 15,20 14.60 Butter „ mittel. 14,50 13,90 Eier „ gering„ 13,80 13,30 Karpfen Richtstroh„ 4,32 4,16 Aal- Heu. 6,80 4,— Zander f) Erb seil, 40,— 25,— Hechte, -s-lSxcjscbohnen„ 60,— 25,— Barsche„ IssLinsen„ 70,— 30,— Schleie„ Kartoffeln, neue„ 7,— 5,— Bleie„ Rindfleisch, Keule 1kg 1,60 1,20 Krebse per Schock do. Bnttch„ 1,20 1,— ») Ermittelt pro Tonne von der Ceittralflelle der Preuß. Landwirt- fchaftökammcrn- Noticrnilgsstclle-»nd uingerechnet vom Polizeipräsidium für den Doppel-Ccutiicr. f) Kleinhandelspreise. Produkten vi arkt vom 4. September. Die Kauflust war im all- gemeineil schwach und gab Roggen Ififi bis 1»/< M., Weizen I M. nach. Hafer still und nachgebend. Mais wenig verändert. Mdöl in Deckungen gesucht und fester. Für Loco- Ware herrichte schwache Kanflust am S p i r i t u s iil a r k t. Angeboten waren 25 000 Liter 70er Ware, die mit 43,40 M.(— 0,20 M.) langsam Käufer fanden. Termine ans Realisationen 10 Pf. nachgebend. September natierte 47,30 M. Kartosselsabritate. Berlin, 4. Scptbr. Prima trockene Kar- tofieislärke per 100 Kg. 19,90—20 M., do. Snpra 20,50 M., do. Secunda 14,50—17 M. Prima Kartoffelmehl per 100 Kg. 19,90—20 M, do. Snpra 20,50 M., do. Secunda 14,50—18,00 M. Wttlci»»gSüberficht vom 4. September 1891», morgcnS« Uhr. Stationen v e «2 Swincinde. Hamburg Berlin Wiesbaden München Wien !£1 .. S Z- g->--! §~ 765 W 766 iSW 767 W 768 ,$28 770 SO 768 NW Wetter 2 wolkig 3bedeckt 3- bedeckt 2wo!kenl tzwolkenl Ävolkenl Stationen Haparanda Petersburg Eork Aberdec» Paris s2 754 SO 7540210 76ESSW 7601© 766O Wetter a« oi" ga w?, 2Rcgcn Ibcdcckt 4'wvlkig 4 wolkig l'wolkenl Wetter- Progiiose für Ticusiag, de» 5. September 1899. Etwas wärmer, trocken und vielfach heiter, zeitweise wolkig schwachen südlichen Winden. ZZ e r l i n c r W c t t c r b n r e a n. 0 11 17 18 15 bei Parteigenossen Berlins! Wnisw. dm 5. Smlemdkr. nlimds 8 Uhr: 6 öfTentl. Versammlungen der Parteigenossen und Genossinnen. 1» Kreis: Feuersteins oberer 8»al, Alte Jakobstr. 75. 3. Kreis: Frledrlelistädt. Kasino, FriedricllStr. 288. 3. Kreis: Anniulialleii, Kommanilanlenslrasse 20. 4. Kreis: Steelierts Festsäle, Ändreasstrasse 21. 5. Kreis: Scliweizergarten, Ära Frietlrielisliam. ö. Kreis: Köslluer Kol, Köslinerslrasse 8. Tages-Ordnung: 1. Die bevorstehende Konferenz für die Provinz Brandenburg. Wahl von Delegierten. 2. Der Parteitag in Hannover. Wahl von Delegierten zu demfelben. Um zahlreichen Besuch der Parteigenossen ersuchen 2202 Die Dertenuensleltke. Gesanoverein Vineta M. d. A.-S.-B. 2382b UebungSstnndc Tonnersiag 9—11 Swiucmündersir. 65, Schmidt. Llnsnahme neuer Mitglieder. Zweite Bässe erwünscht. W. Hsacks Festsäle. Bmnnciistr. IG. Empfehle meine neu renovierten Säle Vereinen und Gewerkschaften unter conlautesten Bedingungen. Auch sind noch einige ASNN» nbende frei. 2073b H. Griipes Tanz-Institut, Annenstr. 16(früher KlubhanS). SonntagS-KlMilS per Monat 3 M., Dienstagabend-Kurlns p. Monat 4M. Säle iliid BcreinSziuimer für Ver- sammlnngen n. Fesilichkeiten. s2Z27L Chrmscht Knnikk aller Art, Rckonvalesccnten, Er- hulnitgsbedürstige, Nervenlcidcnde zc. belieben sich eine» Prospekt des Sanatoriums Mtm'htilitiißillt Driühtilkops Ebcrülvaldc senden zu lassen. Derselbe wird gratis und sranco zugestellt. Vorziig- •>■>*• liche Heilerfolge. IJIltljtHC Preise, herrliche Lage. Acrztliche Leitung. Das ganze Jahr geöffnet. Die Direktion. 2357L* 0. Hemels. MMmtrettt-Mli!. DonnerStafl, den 7. September, abends S'/s ttür. im Lokale des Herrn Bitökc, Grciiadicrstrastc.'43: Mitglicdcr-Vtrsammlung. Tages-Ordnung: 1. Beratung und Besch lnhsassung des iieileil Statuts. 2. Bericht der Neuiier-Koinmiisio». 3. Verschiedenes. .Xk. Gäste, durch Mitglieder eingeführt, haben Zutritt. Unsere Vereil�-Vcrsamiulungen finden von jetzt ab jede» Donnerstag iincki dein 1. jeden Monats statt. Die Protokolle der Konferenz in Halle gelangen zur SlnSgabe. 53/11__ per VoratanJ._ Oeffentl.MnhinlllIjer-VerWmllins am Mittwoch, de»<». September, abends 8> a Uhr, im Englischen Gm-icn, Alcxander-Strnsse Xo-Üfc. Tageo-Ordnnug: 1. Wie stellen wir uns zu dem neuen Abstimnnnigsmodns der Berliner Gewcrkschafts-Kvmmissivn. Referent: Kollege linrghagen. 2. Verschiedenes. 171/7 Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwartet vor Einberufer. Perband der Möbelpolierer. Die Mitglieder werden ersucht, morgen, Mittwochabend 8 Uhr in der Oeffenkl. DovTcnnnNung bei Iteller, Koppenstrafle 29, zu erscheinen. Ebendaselbst findet am Sonntag, den 10. d. M. 10 Uhr, eine vormittags statt. AußerordeuMche General- Versammlung j 117/81 Der Vorstand. LiUl.. ii ii II'IIt I1 Ifiril iili sljisdßjjtlk Den Mitgliedetu zllr Nachricht, daß in diesem Spiel- jähr im Theilici-Theotev gespielt wird. Der Umtausch der Mitgliedskarten erfolgt vom 13. September ab. Bewerber zu Neuaufnahmen können sich schon jetzt an allen Zahlstellen melden._ 150/13 Deutsch. Metailarheiter-Verband Vem-altnngsstelle Berlin. Mittwoch, den 6. September, abends S'/r Uhr, im Lokale deS Herrn Fischer, Bcnssclstr. S: IW" Oevsorinnlung."ÄW Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Panlovltseh über:»Warum wir uns organisieren." 2. Wahl eines Bezirksleiters. Mittwoch, den S. September, abends 81/» Uhr, im Lokale des Herrn Cohn, Benthstraste SO— SI: Vevkvau ensutä nn vv" Nonfevenz vev Mleuipnev. In dieser Konferenz gelangen die Fragebogen zur Ausgabe. ES muß daher jede Wertstatt einen Delegierten entsenden. >13/15 Ble Ortsverwaltnns. Deutscher Holzarbeiter-Verband1 Mittwoch, den 6. September, abends 8l|; Uhr: Bezirks- Vertrauensmaiiner- Versauiralungen Osten n. Nordosten bei Herrn Mann, Stransbergcrstrafte 3. TageS-Ordnung: 1. Bericht der Ccnlral-Kommission. 2. Wcrlstattangclegenheiten. 3. Ver- chiedencs.— Jede Werkstatt des Bezirks muß vertreten fei». Rosentdaler und Schönhauser Vorstndt: Schwcdtersteassc L3 bei>Vernnii. T a g c S- O r d u u n g: 1. Bericht der Werkstatt-KontroNkominission. 2. Verbands- und Werk- stattangelegeiiy-iten. 3. Verschiedenes. 189/7 Hierzu sind besonders die Kollegen der Bnuwerlstelle» von Schneider, Grievnowstr. 3, Finke, Schwedterstr. 5 und Lot h, Pappclallee 5, ein- geladen. Meddlug und Gesundbrunnen: im Lokale des Herr» traake(Kolberger Salon), Kolbergerftr. LZ. T a g c S- O r d» n» g: 1. Bericht der Kommission. 2. Diskussion. 3. Werkstatt- und Verbands- angelkgenbeiten. Jede Werkstatt mnfj vertreten sein.— Die Kollegen der Werkstätten von Hlrschmann, Kalischennensir. 4 und ßoon, Ackerstrasse, sind insgesammt ein- geladen. iPtltabts» vn Lokale des Herrn S«ole«vl», Durmstr. 84. zjn dieser Versammlung müssen sämtliche Werkstcllen vertrete» sein. Westen und Südwesten: bei xuheu, si.».-..�. we. Tages-Ordnung: X. Werkstattangekegenheiieli. 2, Verschiedenes. Partettb odeilteger bei Zu keil. Lindcnstrafte 106. Sitznng der Werkstatt-Kontrollkommission mit VcrtrancnSlentcn. Tie Vertrauensleute werde» ersucht, abzurechnen. Modell- itnd Fabrik- Tischler bei Herrn I>!ep.e, Zlckcrstraftc 1L3. T a g c s- O r d n u n g: 1. Bericht der Werkstätten- und der Ävntroklkoinmissio». 2. Fortsetzung der Dislussioii vom 29. Anzust. 3. Verschiedenes. Mnsikinstrtttttetttctt-Arbeiter im Lokale des Herrn Zndell, Linden< Strasse 166. T a g e S- O r d n n n g: 1. Unsere gegenwärtige Konjunktur und wie nutzen wir dieselbe aus. 2. Verbaiidöaiigelcgenhciteii. 3. Verschiedenes. Jede Werlstätic ist verpflichte: vertreten zu sein. Es wird pünktlich eröffnet. Drechsler. O.: bei HUhie, Koppenstrastc 41. bei Hoppe, Nckerstrafte 145. SO,, W. und SW.: bei Hetzner, Orauicustrassc 184. Tages-Ordnung in allen Versammlungen: 1. Bericht der Obmänner. 2. Die im Monat August drohenden Werk- stattstrcikS und wie find selbige geregelt? 3. Verschiedenes. Werte Kollegen! Jede Drcchsicr-Werkstatt muß vertreten sein, auch müssen die in Tischlereien beschästigten Drechsler einen Vertrauensmann entsenden. jPST' Wir machen im weiteren die Kollegen auf die am Dienstag, den 12. September im„Englischen Garten" stattfindende öfscntliche Drechsler- Dersamnilung aufmerksam. Siehe Annonce am Sonntag im„Vorwärts". Am Sonnabend, den 23. September, abends 8 Uhr, in Kellers Gesamträumen: 7. Stiftungsfest Konzert.- Cesailg.- Recitatm.- Tanz. Billets für Herren 50, Damen 30 Pf. sind auf allen Zahlstellen des Verbandes zu haben. Die OrtSberwaltnng. Kür dcu Jiihnlt der Jnscrote iiberniuiiiit die Sitdukliv» dem Publikum grqcuiiber keinerlei Pernuiwortiius. Gszeakcv. Dien st ag, h. September. OperuhauS. Carmen. Auf. 7>/,Uhr. Schauspielhaus. Auf der Sonnen- feite. Ansang 7>/2 Uhr. Neues Opern- Theater/2Nhr. Deutsches. Kollege Crampton.' An- fang 7»/. Uhr. Lessing. Die Genossin. Anfang 7>/, Uhr. Berliner. Die Badcfaison. Anfang 7-/, Uhr. Schiller. Zwei glückliche Tage. An- fang S Uhr. NcueS. fliunto. Anfang 7>/z Uhr Residenz. Der Schlafwagen- Con- trolcur. Vorher: Zum Einsiedler. Ansang l1,1! Uhr. Westen. Der Mikado. Ans. 7-/, Uhr. Luisen. Bunte Kreise. Vorher: All Heil! Alifailg 8 Uhr. Central. Der Heirnt-omarkt. Anfang 8 Uhr. Friedrich- Wilhcluistädtischcs. Germinal oder: Der Streik der Bergarbeiter. Ansang 8 Uhr. Ostend. Die Kubanerin. Anfang Berlin lacht. Anfang V.8 Uhr. Ol. Urania Tanbcnstrassc 48/10. Um 8 Uhr: Im Theater; Das Land der Fjorde. Invnlidcnstr. 57/CÄ: Tägl. Sternwarte. Massage-Panoldicünr Geöffnet von 9 Uhr fchh bis 10 Uhr abends. Wpels Stettiner Quartett- u. Hunioristen- Ensemble. Mctrupo 7V, Uhr. Bellc-ZIlliauce. Specinlitäten-Vor- slellimg. Anfang V-8 Uhr. Slpollo. Frau Luna. Specialitäten- Vorstellung. Anfang 7»/, Uhr. Relchshalleu. Stettiner Sänger. Anfang 7 Uhr. Passage< Panapilkuin. Specials täleii-Vorslclluiig. llrania. Aupalidenstr. i»?/«» Täglich abends von ö— 10 Uhr Stcnuvarte. Danbcustr. 48/49. Im Theater DaS Land der Fjorde. Anfang 8 Uhr. SWfl'-Aftdtt lWallner- Theater). Dienstag, abends 8 Uhr: Xivcl glückliche Tage. Schwank in i Akten von Franz von Schönthan und Gustav Kadclbnrg. Mittwoch, a b c n d s 8 U h r: Iphigenie a»r Taiii-1». Donnerstag, ab ends8NHr: Xwel gltlckllche Tage. Central Direktion: los» psrencrr. — LiiistMplel-lüiiMemhle.— Wegen Beginn der Operetten-Saifon letzte Woche! Der Heiratsmarkt. Schwank in S Akten v. G. OkonlowSki. Anfang 8 Uhr. Morgen bis inkl. Sonnabend: Die- selbe Vorstellung. Sonntag: Eröffnung der Winter- Saison, lilc GcIkIui. oder: Eine japanische Thcchauögcschichte. _ Anfang 7'/, Uhr. Friedrich-Mhtliilsl.Thctltcr Chauaseeslr. 25/26. Abends 8 Uhr: Zu»! 31. Male: Germinnl oder: Ter Streik der Bergarbeiter. Seusationsstück in v Aufzügen nach dem gleichnamigen Noman v. Eniile Zola. VKsUa-TIlealör. Tresdenerstr. 7Ä-73. Telephon; Amt IVa No. 6440. EröMllgs-NolsteiiMtg mit 9. Septtinlicr. Novität! Der Novität! Plntzmajor. Gefaugspoffe in 3 Alten van Jean Kren und Alfred Schönfeld. Musik von G n st a v W a n d a. Hauptrollen: 8mll Thomae, Guido Thielscher, Fritz Helmerdlng, Hans Junkermann, Gerda Walde, Kargarete Arascp, Kelly Roland, Johanna Junker-Schatz. Üf Neue Ausstattung.�! Bor der B erstell nng: Koiizcrt dtr Thtttttc-Kiiptlst im Tunnel. Dlllet-gestelhingen im Tbeaterbnreau. Vorverkauf an der Tageskasse 10 vis L vormittags und 5 bis 7 nach- mittags. Kktropol-IkLAter. Rehrensir. 55 57. Direktion: lUchard Schul«. ÜBT" Jane Pieenj-. Alice Ronhcnr."96 FTenry Raybhud-Trio. TheIc Bcnsationellcn lebendeBi'9tc jPhotograpEiien!| In Lebensgrösss. Die russische Damenkapolle s,l In moskowltlschen Kostümen. Viele nene plaKtischc Cfrnppen und Figuren. Palast-Theater „ IM" früher-Tpß Feen- Pnlas-t, Burgstraste 23. Direktion; Winkler und Fröbel. Wiederbolinig der phänomenalen Eröjj'iimllls-�orstklltiN in den durchweg wunderbar renovierten Riejeil-Prilchtriillülen. Neu! Novilät! Neu! Sp ree�okkitzen! Berliner Original- Posse in 2 Akte». Hauptrollen: Erdmann, Rentier Nich. Winklcr. Herzchen, Gerichtsvollzieher Wilb. Fröbel. Sprce-Lottchen Helene Vost. <»ros«e» s7278L� Speciaiithtcn-Frngrnrnni. Sensationsnuiniiicr: vss lebenlie Xsru88e!I. Anfang 7>/z Uhr. Sonntags 8 Uhr. Entrce 50 Pf. Nassenössnmig 1 Stunde vor Anfang. Billet-Vorverkauf vorm. v. 11—1 Uhr. Vieiom-Lrsiiki'öi Lüüoiostraste 111/112. (in A'atiirgartcn oder Saal TiaglicJi Hmnoristische Soiree der MdenlZdien Säntjer /»(Führmcnn, PS Ä Horst, Walde).>? Ans. Sonntags präc. 7, wochen- tWyi lagü S Uhr. Eiilrce 50 Pf. Voroerk. 40 Pf. C';1 Familienbillcts :!= 1 M. Iis» Sonntag und__ Donnerstag nach der Vorstctlnug TaniBhrhnjiehen. R. Ballsclimieders „Kastanienwäldchen" jlmjcrtpttcii ii. Prachtsiilc Baristr. 16. Cesundbninnen. Badstr. 16. Täglich: Gr. Promenadcu- Konzert. Jeden Donnerstag: Elitc-Streich-Konzert. Sonntags: Groftcr Ball im neuerbanten Saal. Empschlc mcine Sälc zu allen Fest- lichkeiten. R. Ballscbmleder. Apollo-Iheater. — StUrmiacher Erfolg!— Abends 9 Uhr: FranLuna Ferner; 91to Reutter, Yumala Tiero, Paulelte Darly etc. etc. etc. Kassoneröflnung 7 Uhr. Anfang der Vorstellung 8 Uhr. Vorverkauf täglich im Theater und beim„Künstlerdank", Unter den Linden 69. Soeben erschien im Verlag der„Sächsischen Arbeiter-Zeitung": Z>j 5>enoglam>ii aer Lerbluicklüitgen tM Prozeß Mus 64 Seiten 8®. vor dem MrieQsgeridjt In Ecnnes. Lieferung I. Preis: 20 Pfg. 233/12 Zu beziehen durch alle Kolporteure und die Vnchhnttdlung Vornmvks. ViEtor'iN» TliSZZseF C. Alezandcrsti. 40. Fernsh. VII 1711. Direkt.: V. Bausenwein u C.Emmerich. Erössinuigsvorstellung am 9. Geptemb. Anfang>/-8 Uhr. Zum 1. Mal mit vollständig neuer Ausstattung: Novität! Die weisse Henne. Novität! (La poule blanche). Vandcville in 3 Akten von Hcnneqilln und Mars. Deutsch v. Boltcii-Bäders. Musik v. V. Roger. Mi Paris mit sensat. Erfolge über 500 Mal gegeben. Wiii-lZlirl Wtlsj-Tsitlittt. r. Frauksiirterstrastc 1,'IÄ. �Zum lckteuiiinlc: Tie Kubaueriu. Anfang 8 Uhr. DorzugSbiilets haben Gültigkeit. Mittwoch zum erstenmale: tt in IOO Marli, VolkSstück mit Gesang in 6 Bildern v. H. Buchholz». E. Felsch. A.Ic�ar-'nlöaiep Varietö I. Ilango« Dresdonerstr. 52-53, Annonstr. 42-43. Anstrete« tum shsoliit erftflöfiijCH Spcciitltfölcji Ansang: Wochentags 8 Uhr. SonntagS 6 Uhr. Entree: Wochentags 20 Pf. Sonniags 30 Pf. 23ö8L"j Die Direktion: kilobard Winkler. i. �'sacks Ikeater, Brnimenslraße 16. Täglich: Theater- u. Specialitäte»- Aorstellnng. Das Nachtlager in der Juttgsertlheide. Poffe mit Gesang in 1 Alt von Robert Linderer. Musik von Michaelis. Berliner Leben. Burleske mit Gesang und Tanz in 1 Akt von W. Gcricle. Musik von Schmidt. Im Saale: Taiizkränzchen. Kottbnscrstr. 4 a. Täglich ander Sonnabends Mmanns Rorii- deuiseiie Sänpr. Anfang wochentags 8 Uhr. Entree(Vorverkauf) 30 n. 50 Pf. Sonntags 7 Uhr. Entrce 50 u. 75 Pf. Donnerstag und Sonntag nach der Soiree: Tanzi-KriinFichcn. Ostlmlm-Park Kcrinann Iinhs 71 Riidersdorfcr Strafte 71, am Ä ü st r i n c r P l a tz. Täglich: I<<»n?.ort. Thentor» und Speciaiitäten-Borstclliing. Hur erstklassige Hummern. Anfang: Somtkogs 4 Uhr. Entree 20Bf. .iiinder 10 Pf. Sperrsitz Nachzahl. 20 Pf. Anfang: Wochent. 5 Uhr. Entree 10 Pf. Äinder 10 Pf. Sperrsitz Nachzahl. 10 Pf. Jeden Dienstag: Korddontscho Sllngcr. _ Hrrmann JinbS, Direktor. Pr atcr-Tli ea ter Kastanien-Allee 7/9. Täglich: In Freud undEcid. VolkSstück mit Gesang und Tanz von Hugo Schulz. Münk von A. Kersten. Kostüm soll breite Fräul. luele Sarow. Gebr. Hilardo, Grot. Dneit. Tauma- Quartett, Gesang Illld Tanz. Die 3 Scböndrunns, hiniloristifches Bilder- buch, blttle Farkins und Ihlss Llzzle, Musifrtt Exceukrics Vendaro-Trlo, irre reinen am Hand-Trapez. M?- Konzert und Ball. Eintritt Sonntags uiid wochentags 30 Pf.,»NM. Platz 50 Pf. Uaibo. 9!eichshalten. Stettincr Sänger (Meli sei. Pictro. Pritton. Ticidl. Krone, K i r ch m aper, Sn,»eider und Schräder). Zum Schluß, neu: Stuckes Pfingstfahrt. Ensemble von Meysel. Tenor Bochmann (Wachtel redivivus). Anfang 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Tageskasse 11-1 Uhr. Die Plätze zu den numerierten Sitzen sind stets 8 Tage vorher zu haben! ¥#eridi3!g..Park Müller- Strasse 178. Norddeutsciie Sänger. Blegler, Wölk, Hohenberg etc.[♦ Entrce 20 Pf., VorzugSbilletS 15 Pf. Ifüiim« ii. Lckrmttchk'ik Oskar Gundau, Crniitcnflc. 30, Ecke Adalbertstrahe, cinvnchlt fein grobes Lager aller Arten 1, e<1 e R'>s n r e»'VSjü und Schnincksachcn. Gesangbücher von 1,T5 Mk. an. 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Septeinber, verstarb noch schwerem Leiden unser Parteigenosfe Franz Treu. Ehre seinem Andenken! Die Beerdignilg findet heute DienS� tag, den 5. September, nachliiittags ? Uhr, von der Leichenhalle des allen Sopbicii-Kirchhoses in der Bergstrabc ans statt. 245/11 Der Vorstand. Am 2. September verschied nach schwerem Leiden mein guter Mann niid mein guter Vater f2ZS6b Franz Treu im 56. Lebensjahre. Wir bitten um stilles Beileid. Louise Treu geb. Bunske. Paul Treu. Die Beerdigiliig findet heute, Diens- tag, den 5. er., liochmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Mten Sophien- Kirchhofes, Bergstrabe, aus statt. Den Genossen des V. Berliner Rcichstngs- Wahlkreises zur Nachricht, dab die Bcerdigimg des Genossen Franz Treue heute nachmittag 3 Uhr von der Halle deS Alten Sophien-Kirchhofes, Berg- strabe, stattfindet. Um allgemciiie Teilnahme wird gebeten. f23g7b Bor■Vertrauensmann. Todcs-Zliizeigc. Allen Verwandlcn und Bekannten die traurige Nachricht, daß am 3. Scp- tember»iei»e liebe Frau, unsere gute Milttcr und Schwiegertochter Ann» Schacht, geb. Becker, nach langem und sehr schlverem Leiden verstorben ist. 2Z83H Dies zeigen hierdurch an Tie tranernden Hiuterblichenen. Die Beerdigung findet am Mittwoch- nachmittag 3 Uhr aus dem Städtischen Eentralsriedhos in FriedrichSseld� siorr. D odvs�Nnzrige. Allen Freunden und Bekanliien die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau ttnna ScSiacherfty geb. Klcssling, im Alter von 25 Jahren nach langem, schwerem Leiden gestorben ist. Die Beerdigiliig findet am Mitt- wach, den 6. Scvtcuiber, nachmittag 4 Uhr, von derLeichenballc.im Neuen Fürsteilbrunner Weg, Westend, anS statt. Deutscher ZZolzarbetter-verband. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Bodenleger üemsiiii Oliöeck am 3. September verstorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 6. September, nachmittags l'/zUhr, von der Leichenhalle des Louisen- Kirchhofes in Wesiend anS statt. Um rege B-tciliguiig ersucht 109/18 Tie LrtSverwattnng. Leulsedei' �elaliardsiter-Verbaud (Verwaltungsstelle Berlin). Nachruf! Gestern, Montag, wurde unser Mit- glied. der Dreher 113/16 Hermasin Linsner beerdigt. Ehre seinem Aildenken I Die Ortöverwaltung. llrnnzlblndcrol n. Blumen- hnndlnng von[2174C* Robert Meyer, \o. 3. Marlnuncnstr. Xo. X, Widuinngs-Kränze, Gnirlande», Ball- strälibchen, Bonanets ze. werden seh» geschmackvoll und preiswert gelielert- Blttttletthattdlttttg und itranzbiiiderei von(23313 Otto Knabe 19 a Adiiniral- Strasse 19 a empfiehlt Widmungslränze, Sträuße, Kotillons, Topfgewächse aller Art. �.TlZSitSl'-ZSK.TStAl' I Am 1. Januar wird in Breslau ein Arbeiter-Sekretariat eröffnet. Bewerbungen uin den Posten des Sekretärs sind big zum 30. Sevteniber llliter der Chiffre<>!. Ii. B. an Emil Kenkirch in«rcSlau. Friedrichstr. 75. einzuiendeli. Angaben über die bisherige Thätigleit der Bewerber erwünscht. 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Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Badjng in Berlin. st. 207. i6. laiw««, 2. WM des„WWW" Kerlum MMR VevfKnnnlunsen. Tie Kreiökouferciiz für den Wahlkreis Bccskow-Ttorkow- Charlottcuüurg tagte, aiu Sonntag in Zubeils ttokal. Äor Eintritt in die Tagesordnung gedachte der Vorsitzende Schubert- Schöneberg des verstorbenen Genossen Ängnst Jacobey, dessen Andenken die An- wesenden in üblicher Weise ehrten. Als erster Punkt stand auf der Tagesordnung ein Vortrag des Genossen Z u b e i l über die Znchthansvorlage. Der Redner wandte sich am Schlug seiner beifällig aufgenommenen Ansführnngen an die anivesenden Delegierten und crsuchre dieselben, in ihren Orten dafür zu sorgen, dag unausgesetzt gegen die Zuchthansborlage agitiert wird, bis zu dem Tage, Ivo sie endgültig gefallen ist. Hierauf berichtete Hoppe- Rixdorf namens der Mandats PrüfttiigSkommissions: ES sind 19 Orte durch 48 Delegierte vertreten, ferner sind Vertreter der Lokal- und der Prefjkommission anwesend sowie der Rcichstags-Abgeordncte des Kreises, Genosse Z u b e i I, und der Kreisvertrauensmann. Nunmehr wurden die Anträge, welche für die Provinzial konferenz eingegangen sind, zur Beratung gestellt. Ein von Char lottenburg eingereichter Antrag: Der„Märkischen Volksstimme" die Sonntagsbeilage„Neue Welt" auf Kosten der Agitationskommission vom 1. Oktober an beizulegen, fand nach kurzer Debatte einstimmige Annahme. Danach � wurde folgender Antrag debattiert:„Die Agitation� kommission ist nicht berechtigt, selbständig Zeitungen herauszugeben." Z u b e i l und K ö st e r- Schvncberg empfahlen den Antrag. Sie wiesen darauf hin, daß die Agitationskominission für die Provinz Brandenburg eine Zeitung als agitatorisches Organ für die Provinz herauszugeben beschlossen habe. Die Kommission habe dazu kein Recht. um so weniger, als die Provinzialkonferenz die Gründung eines der- arrigen Prcjzorgans schon mehrfach als unzweckmäßig abgelehnt habe, und es wahrscheinlich auch jctzi wieder lhun würde, falls ihr ein dahingehender Antrag vorliege. Der Antrag wurde hierauf angenomnicn und dann folgender Antrag zur Diskussion gestellt:„Die Agitationskommission ist zu be- auftragen, eine systematische Fraucnagitation in der Probinz zu be- treiben;_ sie hat zu diesem Zweck dafür zu sorgen, daß in jedem Kreise mindestens zwei Frauenversammlungen abgehalten werden." Z u b e i l empfahl den Antrag im Hinblick auf die Notwendigkeit der Agitation unter den Frauen. Er gab der Erwartung Ausdruck, daß auch die Provinzialkonferenz denselben annehmen werde. Ob der Antrag ausgeführt wird, daS werde Sache der Parteigenossen in den einzelnen Orten sein. E b e r h a r d t- Charlottenburg bemerkte, der Antrag sei schon der vorjährigen Provinzialkonferenz zur Berück- sichtigung empfohlen,� aber die Frauen hätten sich darnbcr beklagt, daß trotzdem nichts für die Frauenaqitation in der Provinz geschehen sei. Es sei zu wünschen, daß die' Provinzialkonferenz den Antrag jetzt in solcher Forni annehme, die seine Durchführung garan- tiert. F a b e r- Köpenick wies darauf hin, daß das, was der Antrag will, in Köpenick schon gelhan werde, ohne daß es der Mitwirkung der Agitationskommission bedürfe. � Der Antrag wurde angenoinmen. Ein Antrag, der die Ucbcr Weisung einer Rcfcrentenliste an die örtlichen Vcrtrancnslente fordert, wurde nach kurzer Debatte zurückgezogen. Als Delegierte zur Provinzial-Konferenz wurden Köster- Schöneberg, Hoppe- Rixdorf und O st e r m a n n- Rixdorf gcivahlt. Hierauf erfolgte die Beratung der zum Parteitag in Hannover eingebrachten Anträge. Zunächst wurde folgender Antrag zur Debatte gestellt: .Im§ 17a des Organisationsstatuts sind die Worte von„Ein- wände" bis„einzuholen" zu streichen und dafür zu setzen:„Diese (die Preßkommission) erledigt mir dem Parteivorstand gemeinsam zu gleichen Rechten alle Angelegenheiten des Partei-OrganS, insbesondere Anstellung und Entlassung im Personal." Klein- Rixdorf führte zur Begründung deS Antrages anS: Nach den jetzigen Bestimninngen müsse die Preßkommission in den Angelegenheiten, die der Antrag im Auge habe, zwar angehört werden, ohne daß der Partcivorstand' verpflichtet sei, auf die Ansicht der Preßkommission Rücksicht zu nehmen. Die Preßkommission wolle nicht nur gehört werden, sie wolle auch das Recht dcx Mit- bestimmung haben. Jetzt werde die Preßkommission wohl angehört, man thue aber doch was man wolle. Dcni müsse ein Ende gemacht werden. K ö st e r- Schöneberg meinte, es sei zwar nicht so schlimm, wie Klein es hinsichtlich des Verhältnisses zwischen Preßkommision und Partcivorstand geschildert habe, er empfehle aber gleichfalls den Aittrag. Der Antrag wurde angenommen und dann beschlossen, daß zu Punkt 6 und 7 der Tagesordnung des Parteitages je cm Korreferent bestellt werden soll. , Ein in der Charlottenburger Parteiversammlung angenommener, in der Sonutagsnnmmer des„Bonvärts" mitgeteilter Antrag, ivclcher beginnt:„Das hohe Parteiparlamenr" wurde', nachdem Si'egrifl- Charlottcnburg erklärt hatte, er könne den von einem einzelne» Gc- nassen gestellten Antrag nicht vertreten, durch Uebergang zur Tages- ordimng erledigt. Von den Lichterfclder Parteigenossen lag folgender Antrag vor: „Der„Vorlvärts" als Centralorgan der socialdemokratischen Partei hat zu allen aktuellen politischen Tagcsfragen, sowie zu allen die eigene Partei betreffenden Angelegenheiten Stellung zu nehmen." Wenzel- Lichtcrfelde führte zur Begründung dieses Antrages aus: Der„Vorwärts" unterlasse es bekanntlich, unter Berufung auf seine Eigenschaft als Centralorgan, zu aktuellen Fragen, die innerhalb der Partei auftauchen, Stellung zn nehmen und beschränke sich auf eine referierende Wiedergabe dessen, was unsere Parteipresse schreibt, oder ivas die Mitarbeiter des„Vorwärts" einsenden. So sei es, um nur einzelne Beispiele aus der letzten Zeit zn erwähnen, hinsichtlich der Vorgänge unter den französischen Partei- genossen, sowie des Wahlkompromisses in Bayern gewesen. Erst vor kurzer Zeit sei eine Kontroverse zwischen Auer und Liebknecht in der Provinzpresse zunr Austrag gekommen, bei welcher Gelegenheit nach dein Gefühl des Redners Liebknecht im Kampfe unter- legen sei. Davon hätten die Leser des„Vorwärts" kein Wort er- fahren. Auch zur Dreyfns-Angelegenheit habe der„Vorwärts" nicht Stellung genommen. Es sei nicht einzusehen, warum der „Vorwärts" das Recht für sich in Anspruch nehme zu schweigen, wo jedes Provinzblatt sich verpflichtet fühlt, seine Meinung zu sagen. Der„Vorwärts" als größtes Partciblatt und zugleich eines der größten publizistischen Organe Deutschlands, müsse sagen, wie er über die aktuellen Fragen denkt.— Nachdem noch O st e r m a n n- Rixdorf den Antrag empfohlen hatte, wurde derselbe angenommen. Hierauf gelangte folgender Antrag zur Diskussion:„Im§ 9, Absatz 1, des Organisat'ionsstätutes ist der Passus:„Insoweit nicht unter den gewühlten Vertretern des Wahlkreises Frauen sich befinden, können weibliche Vertreter in besonderen Frauenversammlungen gewählt werden", zu streichen." Da der Antrag von weiblicher Seite ausgeht, so erhielt Frau M e s ch, obwohl sie nicht Delegierte ist. das Wort zur Begründung desselben. Sie sagte, der betreffende Passus sei mit Rücksicht auf das bayrische VereinSgesetz im Organisalionsstatut aufgenommen worden. Da aber jetzt das bayrische Vereinsrecht geändert sei, daß in den Parteivcrsammlungcn auch Frauen als Delegierte gewählt werden können, so sei der Passus überflüssig. Da in unserer Partei die Frauen die gleichen Rechte und Pflichten haben wie dieMänner. so wollen sich die Frauen nicht auf besondere Versammlungen zur Wahl von weiblichen Delegierten verweisen lassen.— Der Antrag ivnrde, nach- dem auch Zubei'l denselben empfohlen hatte, angenommen. Ein Antrag: Den Abonnementspreis des„Vorwärts" auf 1 M. herabzusetzen, wurde nach kurzer Debatte abgelehnt. Ohne Debatte gelangte folgender Antrag zur Annahme: Die Unterhaltungsschrift„Freie Stunden" ist in Text und Illustration zu verbessern. Ein Antrag, welcher besagt, auf dem Parteitage solle die Heraus- gäbe einer Broschüre mit dem Titel:„Wer ist der Staat?" angeregt iverden, ivnrde gleichfalls angenommen, nachdem Krebs- Banin- schnlenweg denselben folgendermaßen erläutert hatte: Die Broschüre solle dem Gerede unserer Gegner entgegentreten, welche die Social- demokraten als Zerstörer des Staates bezeichnen und dieselben der staatsbürgerlichen Rechte berauben möchten, und die Unwissenden und Indifferenten über das Wesen des Staates aufklären. Ein Antrag:„Den Parteivorstand zu beauftragen, eine Broschüre über die Tuberkulose mit Anhang des Alters- und Jnvaliditäts- gesetzes herauszugeben", wurde von Ost ermann-Rixdorf be- gründet. S chub ert-Schöneberg bemerkte dagegen, der Antrag erstrecke sich ans ein Gebiet, welches von der Ccntralkommission der Krankenkassen in anerkennenswerter Weise bearbeitet werde. Man möge diese Angelegenheit der Centralkomrnission, die dafür geeigneter sei als' der Parteivorstand, ruhig überlassen. Der Antrag wurde darauf abgelehnt. Hierauf wählte man Hoppe- Rixdorf, Sellin- Charlotten- bürg und S ch n b e rt- Schöncberg als Delegierte zum Parteitag und bestimmte K ö st e r- Schöncberg als Ersatzmann. Das Organisationsstatut des Kreises wurde dahin geändert, daß der Krcis-Vertranensmann nicht mehr vor, sondern nach dem Partei- tage zu wählen ist. Damit war die Tagesordnung erledigt. Der Vorsitzende Schubert schloß die Konferenz mit einem Hoch auf die inter- nationale Socialdemokratie. Die K'cmpner haben in einer stark besuchten Versammlung, die am Sonntag bei Cohn, Beuthstraße, tagte, nachstehende For- dernngcn aufgestellt: 1. Durchführung der 9 stündigen Arbeitszeit in allen Betrieben; 2. 50 Pfg. Minimallohn pro Stunde; 3. Ucbcrstnnden dürfen nur in Ansnahniefnllcn gemacht werden und sind mit 25 Proz. Zuschlag zn bezahlen; 4. Sonnabends muß die Arbeit um 5 Uhr beendet sei»; 5. Am Tage vor den Festen muß die Arbeit um 4 Uhr beendet sein; 6. Bei größeren Entfernungen ist das Fahrgeld von der Werlstatt nach dem Bau zu zahlen. 7. Der Accordtarif ist anszu- hängen; den Accordarbeitcrn ist der Minimallohn zu garantieren. 3. Genügende Ventilation und Waschvorrichtnngen in den Werk- stätten. 9. Durchführung der gesetzlich vorgeschriebenen Schutz- Vorrichtungen für Bauarbeiten. Diese Forderungen sind gestern, Montag, den drei hier in Be- tracht kommenden Unternehmer- Organisationen zur Rückäußcrnng unterbreitet worden und wird deren Antwort bis spätestens am Sonnabend erwartet. Am Mittwochabend 8 Uhr wird bei Cohn, Bcuthstr. 20, eine Vertranensmänucrversammlung stattfinden, in der auch die Fragebogen zur Ausgabe gelangen. Am Sonntagvormittag 10 Uhr findet sodann die allgemeine Versammlung bei Cohn statt, in der über die Antwort der Unternehmer und über das Resultat der Fragebogen, die deshalb bis Sonnabend zurückgegeben iverden müssen, berichtet und über die weiter zu treffenden Maßnahmen Beschluß gefaßt wird.» Tic Lohnbewegung der Rabitzpntzcr wurde in einer am Sonnabend abgehaltene» Versammlung dieser Branche besprochen. Wie der Referent N i e k e berichtete, haben die Nabitzpntzcr, nachdem die Maurer und andere Arbeiter im Baufach eine Lohnerhöhung durchgesetzt haben, vor kurzen» an die Unternehmer die Forderung gestellt, ihren bisherigen Stundenlohn von 70 Pf. ans 75 Pf. zu er- höhen. 10 Finnen haben diese Forderung ohne ivcitercs be- »villigt, dagegen sind andere Finnen, die nichts bewilligen »vollten, von den Arbeitern gesperrt worden. Diese Sperre bot den Anlaß zur Gründung einer Vereinigung der Rabitzputz- Unternehmer, und diese hat der Organisation der Rabitzpntzer in einem Schreiben mitgeteilt: Falls die streikenden Nabitzpntzcr bis Freitag, den 1. September, nicht erklärt haben, daß sie die Arbeit zu den alten Löhnen wieder aufnehmen, so würden sämtliche der Vereinigung angehörende Firmen ihre Arbeiter so lange allssperrcn, bis die Arbeit bei den gesperrten Firmen wieder aufgenommen lvird. Nach Wiederaufnahnie der Arbeit seien die Unternehmer bereit, wegen der Lohnforderung mit den Rabitzputzern zu mrter- handeln. Wie der Redner»veiler mitteilte, ist das Schreiben der Unternehmervcreinigung nicht beantwortet worden. Die Arbeiter sehen der Aussperrung, die schon teillveise erfolgt ist, ruhig entgegen. Sie sind der Meinung, daß dieselbe nach Lage der Vcrhältnifse im Beruf keine große Ausdehnung annehmen»nid auch nicht von langer Dauer sein kann. Dieser Ansicht stinimten ai'.ch sämtliche Diskussionsredner zn. Die Versammlung beschloß, den Unternehmern durch die Streikleitung mitteilen zu lassen, daß die Rabitzpntzer zwar zu Verhandlungen bereit sind, daß sie aber die Sperre über die Firmen, Ivclchc nicht beivilligt haben, nicht aufheben. Wie in der Versammlung festgestellt »vurde, haben bisher 5 Finnen ihre Arbeiter ausgesperrt.— Den Beitrag zum Streikfonds setzte die Versammlung auf 50 Pf. pro Tag fest. Von ciircr Versammlung der Kohlcnarbciter und Kutscher, die an» Sonntagabend im„Englischen Garten" stattfand und von cliva 700 Männern und Frauen besucht war. berichtete H o f f n» a n n über den Verlauf der Lohubelvcgnng. Lange Jahre habe es ge- dauert, bis es endlich gelang, ähnlich wie im Spcditionsgewerbe, die Kutscher und Arbeiter auf Kohlenhöfen aufzurütteln, zur Erringung einer besseren Lebenshaltung. Ter überaus starke, bisher»ioch niemals erreichte Besuch der Versammlung lasse vermuten, daß es auch diesen schlcchtcst gestellten Arbeitern heiliger Ernst sei. ihre Forderungen durchzuführen. Die in der Versaminlniig a>n 27. August gewählte Lohnkommission habe nach reiflickicc Erivägung aller Verhältnisse im Einverständnis der Arbeiter auf den verschiedensten Kohlenplätzcn und in Berücksichtigung der in letzter Zeit fortdauernd gesteigerten Kohlenpreise, folgende» Lohntarif ausgearbeitet: A. Arbeiten im T a g e I o h n. 1. Die Kutscher erhalten einen Wochenlohn von 25 M. 2. Für Arbeiten im Tagelohn wird eine Arbeitszeit von morgens 7 bis 7 Uhr abends festgesetzt. Die Mittagspause beträgt 1 Stunde, die Frühstücks- und VeSpcrpause je Ve Stunde. Der Lohn beträgt pro Stunde 35 Pf., für Ucberstundcn 40 Pf. pro Stunde. 4. Sonn- tagsarbeit darf nur in der Zeit von morgens 7 bis 10 Uhr geleistet werden, wofür pro Sllindc 50 Pf. zu zahlen sind. 5. Am Tage vor den drei großen Festen soll um ö Uhr abends Feierabend sein. Jedoch soll' diese Stunde voll bezahlt werden. L. A c c o r d a r b e i t(P r e ß k o h l e n). 6. Für das Uebcrladen derselben pro Lowry(200 Ctr.) 4 M. 7. Für Absetzen auf den Plätzen soll der Accordlohn gemäß den» Ucberladen nach Vereinbarung geregelt werden. 8. Für das Abladen bei den Kunden erhält jeder Arbeiter pro Lowry 3 M. C. A c c o r d bei Steinkohlen. 9. DaS Ucberladen der Steinkohlen voin Kahn auf den Wagen wird mit 2Vs Pf. pro Centner bezahlt. 10. Die Kohlenschiffer im Kahn sind vom Untmichmer zu bezahlen und zwar n»it 50 Pf. pro Stunde. 11. Für das Abkarren der Kohlen nach dem Platz bis zu 50 Meter weit und 2 Meter hoch, pro Centner 2 Pf., darüber hinaus für je 25 Meter weiter pro Centncr V2 Pf. mehr; für je 2 Meter höher ebenfalls pro Centner Pf. mehr. 12. Wartezeit »vird mit 50 Pf. pro Stunde vergütet. 13. Das Abfahren bei den Kunden soll im Tagelohn erfolgen. Falls das Ausladen aus den Kähnen im Tagelohn erfolgt, wird dafür pro Stunde 50 Pf. bezahlt. 14. Der Lohn soll wöchentlich, und zwar am Freitag ausgezahlt iverden. 15. Die Unternehmer sind verpflichtet, auf den Kohlen- Plätzen zur Einnahme der Mahlzeiten genügende und heizbare Räume für die Arbeiter zu beschaffen; ferner ist für genügende Wasch- einrichtungen zu sorgen. Die Forderungen werden einstimmig gebilligt. Die Lohnkommission lvird beauftragt, am Montag, den 4. September, den Unternehmern diese Forderungen zu unterbreiten, um etwaige Verhandlungen einzuleiten. Das Ergebnis dieser Verhandlungen soll in einer im Verlaufe der Woche stattfindenden Wer- s a m m l u n g berichtet werden. Bis dahin sind alle Handlungen einzelner Arbeiter, Kutscher oder auf Höfen ernannten Vertrauens- Personen mit. einzelnen Arbeitgcbcn» über Lohnforderungen:c. unbedingt zu unterlassen. Sodann wurde von SÄumann und Hoffmann noch darauf aufmerksam gemacht, daß man auf allen Kohlenplätzen, wo es bisher noch nicht geschehe», sofort einen Vertrauensmann ernennen und die Adressen aller Vertrauensleute, sowie etwaige Vorkonnnnisse im Verlauf der Lohnbewegung sofort an das Bureau der Verkehrsarbeiter, Bischofstr. 13, 1 Tr., mit- teilen solle. Die Isolierer»nd Nohrumhiiller hatten für Sonntag- nachmittag wieder eäie Versammlung einberufen, um den Bericht über den' Verlauf der Lohnbewegung entgegen zu nehmen. Vor Beginn der Tagesordnung widmete der Vorsitzende W e st p h a l dem verstorbenen Genossen Jacobey einige Worte ehrender An- erkcnnnng. Die Versammlung ehrte sein Andenken durch Erheben von den Sitzen. Töpfer T h i e m e erstattete nunmehr den Bericht der Lohn- kominission, woraus zu entnehmen war, daß nur eine Firma: Grün zweig u. H a r t m a n n, in einem � entgegenkommenden Schreiben an die Lohnkoinmissioi» erklärte, daß die For- dcrnngeil der Arbeiter in ihrem Betriebe größtenteils bereits er- füllt'feien. Im übrigen habe diese Finna keine Veranlassung� auf die Erörterung des Lohntarifs näher einzugehen. Die übrigen vereinigten Unternehmer hatten, in Uebereinstimmnng mit den bereits in der letzten Versaminlniig abgegebenen Erklärungen des Herrn Schmidt, die Anfrage der Lohnkommission durch nachstehendes Schreiben beantwortet: „Auf die»ins übersandten Lohn- und Arbcitsbestinmumgcn und Ihre gestrige Zuschrift erwidern wir, gleichzeitig im Auftrage der Finnen(folgen die Namen), daß wir uns init denselben nickt ein-. verstanden erklären können und machen Ihnen daher zwecks einer Verständigung folgende Gegenvorschläge: I. Der Arbeitstag beträgt 10 Stunden. Die Arbeit beginnt deS morgens um 7 Uhr und wird abends um 6 Uhr beendet. In dieser Zeit findet eine halbstündige FrühstückSpaiise und eine einstündige Mittagspause statt. 2. U e b e r st n n d e n im Anschluß an die üblichen Arbeitssinndcn werden nicht höher»vic diese be- zahlt, Rachlstnnden werden»nrt 50 Pf. bezahlt; falls Sonntags gearbeitet werden muß, wird die Arbeitszeit für die Zeit von 7 bis 1/22 Uhr mit einer halbstündigen Frühstückspause festgesetzt und hierfür der übliche volle Tagelohn bezahlt. 3. Selbständige Isolierer werden je nach ihren Leistungen und der Dauer ihrer Thätigkeit mit 35, 37>/z und 40 Pf. pro Arbeitsstunde bezahlt. Die Einstellung und Bezahlung der Hilfsarbeiter ist Sache der Arbeitgeber. Für Arbeiten in den Vor- orten wird für die Arbeitsstunde ein Aufschlag von 2� Pf. vergütet. Außerdem wird das Fahrgeld vergütet. 4. Auswärtige Arbeiten werden mit 15 Pf. pro Stunde höher bezahlt, doch darf nicht länger wie 11 Stunden gearbeitet werden. Für Sonn- und Festtage wird, sobald keine(? Red.) Arbeiten ausgeführt werden, eine Vergütung von 2,50 M. gewährt. 5. Accordarbeir ist im Princip ansgeschlosfeii, doch soll es dem Arbeitgeber und Arbeitnehmer nicht benommen sein, Accordsätze zu vereinbaren. Wir sind bereit, mit Ihnen miindlich zn verhandeln und ersuchen Sie, für Montagabend eine Versammlung der Lohnlomniission einzuberufen, zu deren Besuch wir die Finnen P. Krause und Reinhold u. Co. als unsere Vertreter beauftragt haben. Dieses Schreiben wurde von der Versammlung� mit Unwillen entgegengenommen. Desgleichen die Mitteilung, daß man seitens einzelner Firmen bei der Lohnzahlung am Sonnabend den Arbestern für den Fall der Arbeitseinstellung bereits mit Verrufserklärung durch schwarze Liften gedroht hat. Von eincin Redner wurde erwähnt, daß eine Firma den Arbeitern am Sonnabend in Voraussicht der Arbeitseinstellung die Aus- zahl i» n g der Löhne verweigerte, weshalb die betreffen- den Arbeiter von Thicme an das Gewcrbegericht verwiesen wiirden. Nachdem»»och festgestellt, daß Hilssarbeiter als Ausständige mit der Unterstützllng allen anderen gleich gerechnet werden, gelangte ein- st i m m i g der Antrag: daß wegen Ablehnung der Forderungen am Montag früh, 4. S e p l e n» b e r, die allgemeine A r b e i t s c i n st e l l n n g erfolgt, ziir Annahm e. Die aus- würtigeu thätigcn Kollegen werden sofort von diesem Beschluß benachrichtigt, die hiesigen Ausständigen haben sich im Arbeits- Nachweis der Isolierer, D r a g o n e r st r. 15, im Lokal von Lange von M o n t a g in i t t a g 12 Uhr ab zur Kontrolle zu melden. Die Unterstützungsfrage wird in einer im Verlauf der Woche stattfindenden Versammlung geregelt und auch über das Ergebnis der nochmaligen, am Montagabend mit den Unternehmern stattfindenden Verhandlung berichtet werden. Die Putzer von Berlin und Umgegend hielten an» Montag- vorniittag eine öffentliche Bersaniinlung bei Stechert ab, die so stark besucht war, daß nicht alle der Erschienenen im Saale Platz fanden. Auf der Tagesordnung stand die Beratung der in der Lohn- b e w e g u n g zu nntcrnehmendcn Schritte. Franz Schulz gab eine Darstellnng des seitherigen Verlaufes der mit den Unter» nehmern gepflogenen Verhandlungen. Er bemerkte, daß die Ver- Handlungen jetzt als gescheitert anzusehen seien, da die Unternehmer es endgültig abgelehnt haben, die Forderungen der Putzer anzu- erkennen. Sie wollen, daß sowohl der bisher gezahlte Lohn, als auch die bisherige Arbeitszeit beibehalten werde. Da die Putzer nicht gewillt sein könnten, von ihren Forde- riliigen abzulassen, so bleibe ihnen nichts weiter übrig, als dieselben nunmehr durch einen Streik zu erzwingen. Die Lohn» kommission schlage daher vor, daß am Dienstag allen Unternehmern die Forderungen der Putzer unterbreitet werden, und daß, wenn die, selben bis nächsten Sonnabend nicht anerkannt worden sind, am Montag die Arbeit zu ruhen hat.— Die Diskussionsredner sprachen fick sämtlich für den Streik aus, die meisten waren sogar für die sofortige Arbeitsniederlegung. Silbcrschmidt bemerkte, die Leitung des Central- Verbandes der Maurer billige den Vorschlag, den die Lohnkommission der Putzer gemacht hat. Redner meint, die Unternehmer weisen die Forderungen der Putzer nicht deshalb zurück, weil sie unerfüllbar sind, sondern weil sie(die Unter» nchmer) nicht an einen ernsthaften Kampf der Putzer glauben. Eine Gewerkschaft, die Vereinbarungen iliit den Unternehmern schließen wolle, müsse zeigen, daß sie eine acktuiiggebietende Macht ist. Andernfalls sei auf Entgegenkommen seitens der Unternehmer nicht zn rechnen. Im Maurergewerbe sei die Konjunktur zur Zeit so günstig, wie sie seit 20 Jahren nicht war, und in einigen Wochen werde die Lage für die Putzer eine ebenso günstige sein, so daß die Lohnbewegung die denkbar besten Aussichten habe.— Schließlich wurde folgende von D ä h n e eingebrachte Resolution und damit der Vorschlag der Kommission mit allen gegen zwei Stimmen angenommen: I» Anbetracht der Thatsache, daß infolge deS jetzt üblichen Accordsystems die Preise für die Putzarbeiten in den letzten Jahren so weit herabgedrückt worden sind, daß nicht nur die Löhne der Putzer uin ein bedeutendes reduziert wurden, sondern auch die Qualität der ausgeführten Arbeiten in vielen Fällen darunter ge- litten hat, erklärt die Versammlung: Die Einführung der Lohn» arbeit im Putzergewerbe ist dringend notwendig und der von ein- seittgen Geschäftsinteressen eingegebene Widerstand des Unter» nehmertums gegen diele Forderung ist entschieden zu bekäinpfcn. Da jedoch die Putznrbeit seit Jahrzehnten fast nur in Accord ausgeführt wird, so hält die heutige Versamnilung an ihrem Vermittelungs- vorschlage vom 27. Juni fest, wonach bei Accordarbeit die Arbeits- zeit eine 8'/, ständige sein und dertäglicheAbschlag». lohn unter a l l c n II in st ä n d e n S M a r l betrnnen mutz.— Die Fowmntg der Bcznhluiia der HilsSarbeiter durch die Unter- nehmer ist nur recht und billig, da der. der den Profit aus der Arbeits zieht, auch die Bezahlung übernchiucn mutz und nicht seine Verpflichtungen auf die Arbeiter abwälzen darf.— Da diese Forderungen vom Arbeitgeberbund rundweg abgelehnt wurden, so beschlietzt die Versammlung, Dienstag den 5. September tue genannten Forderungen an alle Unten, ehmer zu stellen mit dem Antrage, sich bis S o n n a b e n d d e n 9. d. M t s. zu erklären, o b sie beivilligen wollen oder nicht.— Werden die Forderungen abgelehnt, dann ist Montag den 11. d. Mts. dre Arbeit nicht wieder aufzunehmen.— Alle neuen Verträge dürfen nur unter obigen Bedingungen abgeschlossen werden. Die Bewilligung ist durch Unterschrift anzuerkennen. In Grosi-Lichtcrscldc tagte am Donnerstag eine öffentliche Gewerlichaftsvcrsammiung, in welcher Math es einen Vortrag über die Arbeiterschutz-Gesetzgebung unter besonderer Berncksichtigunq des Baunrbciterschnpcs sprach. Referent beleuchtete die Aera des Mllliardensegens, die Entwickclung der Industrie und spcciell der Bau- thatigkeit. JnjeneZeitfnlleauchdaSBestrebendcrdcutschenArbeitcr, durch Schonung kräftiger Organisationen eine Besserung' der Lohn- und Arbeitsverhältnisse herbeizuführen. Nach einem Rückblick auf das Socialistengcsctz und seiner für die Gegner unerwünschten Wirkung auf socialpolitischem Gebiete besprach Redner die Fabruar-Erlasss und unterzog die deutsche Arbeiterschutz-Gesetzgebung einer kritischen Betrachtung. Maurer Ball berichtete über' den Bauarbeitcrschntz- Kongretz in Berlin. In der Diskussion sprachen sich einige Redner über die äußerst niangelhafien Schntzvorrichlungen ans den Bauten aus. In die örtliche Arbciterschutz-Kommission wurden Schmidt Ruit und Rad ecke gewählt. In einem kräftigen Schlußwort niahnte der Referent die Versammelten an ihre Pflicht sich zu organisieren und den JudifferentisinuS mit allen Kräfte, i zu be- kämpfen. Slrbeiter-SSngerbund Berlins und der Uingegenb. Dorsitzsnder: Adolf Neuuiann, Brunnensir. ISO. Alle Aendemngen im Ncrcinskaleiidsr sind ,n richten an Fricdr. Kortum, Lausitzerstr. S3. DieiiSiag. abends 9-11- Uebungsstnude und Ausnahme neuer Mitglieder.-..Gercchtiqteit" iWcstclii' Werner, Bülowstr. 59.-„Olympia", Zimmcnnmm, Griiner Weg 29.- „Hand in Hand I", Richter, Mariaiinenstr. 41.—„Krcuchcra" Eckhardt MnrieiidorferNr. 5.-„Edeliveih", Stehmann. Melchior! strahc 15.—„Echo I", Mündncr, Liiiienstr. 19.— Wiederhall" Schiiieber, Adiinralstr. 21.-„Freiheit II", Schmauler. Adlcrsbof, Bismarck! strahe 19.—„Mrirthciibl-itter", Spät, Georgenkirchftr.«iö.—„Unverzagt II", Moabiter Klubhaus, Beuffelstr. S.-.Freies Lied". Frtedrtchsberg, Schuh« mann, Fianifurter Allee 181.-„Rothe Nelke I", Obst, Schöneberg, Grüne- waldstr. 110.-„Rothe Nelke II", Rostn, Ruppinerstr. 42.-„Vorwärts IV", Schulze, Rathenow. Jägerstr. 25.—„Alvenglocke", Gold, Große Frank- furterstr. 1Z3.—„Eichenkranz I", Jean Poillon, Prenzlau, Schnelleftr. 67. —„Weddinger Harmonie", Milbrodt, Müllcrstr. 7.—„Vorwärts VIII", Schurbaum, Marwitz in der Mark.——„Frohsinn", Brewes, Rummels- bürg, Goethe- und Kantstraßen- Ecke.—„Akazie"(gemischter Chor), Scholz, Naunvlistr. 6.—„SangcSlust U", Kalähnc. Triststraße 41. —„Weiße Rose", Malchin, Reinickendorf, Residcnzstraße 191»..— „Arheiter-Maibund", Hiemke, NowaweS, Wallstraße.—„Glasarbeiter", Zeidler, Köpenick, Müggelhehuerstr. 29.—„Eomcralda", Baatz, Cotheniusstr. 3.— „Kreuzberger Harmaiüc", Möhring, Admiralstr. 18 o.—„Nord-Ost", Göbel, Landsberger Allee 156.—„Alpenglühen", Krause, Wicnerstr. 37.—„Freie Feldblume", Batterroth, Skalitzerstr. 51/52.—„Freiheitskläuge", Sommer, Giünstr. 29.—„Einig", Scheere, Blnmenstr. 38.—„Morgenroth"(gem. Chor), Rummelshurg, Thiele, Türrschmidt- und Mozartstraßen- Ecke.—„Cäcilia"(gem. Chor), Brandenburg a./S., Vettermann, Wilhelnis- dorserstr. III.—„Ruf", Kiebnrg, Dresdenerstr. 58.—„Schneeglöckchen II", Potsdam, Hahn, Spandauerstr. 33.—„Tcxtilia", Restaurant Waldemar- straße 27.—„Froh-Hoffumig", Faller, PallaSstr. 16.—„Lpra II", Char- lottenburg, Bartsch,«ccieiihduierstr. Ii.—„Einigkeit II", Rielecke, Müller- straße 66.—„Verband Deutscher Gnstwirthsgehilfcn", Mörschel, Jlidenstr. 35. —„Vereinigte Sänger", Deutsch- Wilmelsdors, Witte. Bcrlincrstr. 40.— „SangcSlust II", Bergcmann, Pasewalkerstr. 3.—„Zündholz", Abcndrvth, Badstr. 42/43.—„Rosenrot", Quade, Schwedenftr. IIa. iilrbritcr-Naiictierbuud Verli»» nlid der liiiigegcud. Aelldeningeii im VereiiiStalendcr sind zu richten an Eugen Raschle, Ripdorf, Mahlower- sträße I, IV. Ticilvtag: RauchN.„Eldorado", Grüner Weg 120, Ebelüig.—„Grüne Eiche", Urbanstr. 87, Griezcr.—„Ambalniia", Forstcr- straß« 19, Uckel.— Neuer Berliner RauchklnS", gteichenbcrgersir. 146, Drvgge.—„Phönix". Schöneöerg, Hauptstraße 97, Donath.— „Domingo", Waldemarstr. 16, Tauchcrt.—„Rote Rose", Boeckhsrr. 21, Krebs.—„Kollegia", Reichcnbergerstr. 157, Bergner.—„Einigfeit I", Rixdorf, Münclicnerstr. 49.—„Nauchan", Simconstr. 13, Nitsche. „Kauicrun", Wcidenweg 22, Fialkowsky.—„Palmer io", Lauiprecht, Kastanien- Allee 95.—„Korea" Weideniveg 90, Junge.—„Waldmeister", Marien burgcr- straße 16, Gütz.—„Steuer Hain", Langenbeckstr. 4, Techtmeier.—„Bnibcr- bund", Grünauerstr. 5, Gallowsty.—„Blütendust", Cocheniusstr. 1, Fcdtkc. —„Ruhiga", Britzerstraße 4V, Herzog.— ,. Lange Pfeife", FriedrichSbcrg, Rummelsburgerstr. 23, Neitzel.—„Pfcisenkopf", Caprivistr. 4, Wolf.— ..Stambyl", Ncii-Wcißcilsce. Strenstr. 3, Stcgcmaun.—„Geiiiütlichkeit I", Wienerstr. 7, Glibsr.—„Diana", Schötz, Biemersir. 71.—„Immergrün", Mancgold, Liegnitzerstr. 18.—„Kairo", Buttmannstr. 9, Engler.—„Blaue Wolle IV", Putbuserstr. 30, Reimann.—„Blaue Wolke II", Lrigaerftr. 126, Vogt.—„Morgenrot", Landsberger Allee 44, Rolland.—„Gemütlich- kcit II", Wrangeistr. 86, Ludwig.—„Nordpol", Hennigsdorferstr. 25, Flicke.—„Veilchenblau", Winsstr. 56, Dimle. Gesang-, Turn- und gesellige Bcreinc. Dienstag: Gesangverein „Fester Wille", Alexandriiieustr. 32, Dietrich.— Arbeiter-Zithcrv.„Einigkeit", Naunynstraße 86.— Mustwcrein„Osiris". Wrnngelstraße 11, Blum.— Flugtaubenverein„VorwärtS-Nord", Ackerstr. 17, Reuter.- BergnügungSv. „Korwna", Blumenstr. 36, Weiß.- Musiko.„Norddeutsche Klänge", Swine. münderstraße 51, Renter.- Musikv.„Tusch", Nebelin, Langestr. 108.- Mustlv. „Einigkeit", Grünthalerstr. 3, Hemuierling.— Quarteltv.„Wedding", Ehaufsee- straße 72, Meißner.- Theaterv.„Concordia", Elisabethstr. 30, Scholz.- „Wünsch'fcher gem. Chor", Rosenthalerstr. 67, Schiller.— Geselliger Klub„Don Juan", Lindenstr. 106, Zubeil.— Vergnügungsv.„Feldblume", Manteuffelstr.9, Nowack.— Gesangv.„Schildhom", Uscdomstr. 33, Olböter.- Tumv.„Osten", Lehrl.-Abt. abdö. SVz Uhr, Blumenstr. 63».- Theaterv.„Aschenbrödel II, Ackerstr. 144, Vorst. Kasino.— Musikv.„Thalia", Skalitzerstr. 95, Jcchoiv.— Musilo.„Preziosa", Schädler, Putbuserstr. 32.- Skatklub„Schlechte Karte", Kattner, Oberbaumstr. 5.- Gesangv.„Endlich Vereint"(gem. Chor), Schwarz, Elsasscrstr. 16.- Gesangv.„Maiglöckchen Nord", Kranz, Dunkerstr. 3.- Arbeiier-Tbcaterverein„Charlottenburger Bühuenklud". Bayer. Charlolten- bura, Wallstr. 96.— Jhw scher Gesaugverein„Humor", Schulz, Lichtenberger- straße 21.- Zitherklub„Frohsinn". Zimmermann, Grüner Weg 29.— „Arbciter-Turriv. Weißensce", Uebungsstunde abends 8—10 Uhr Äldrechts- hos, Parkstraße.— Orchesterverein„Sinfonie", Rautenberg, Oranienstr. 180. — Gesangverein„Hoffiiinig". Sander, Köpenickerstr. 158. Arbeitcr-Schwiinnierbiind. Anfragen an E. Bratke, Schulstr. 24. Dienstag: Schlvimli-.klnb„Vorwärts". Nebungsstunde abends 7»/, Uhr, Ratiborstr. 14d(Altes Studentenbad).— Schwimmklub„Neptun"(Weißen- see, abends 7 r/z Uhr, im Seebad Weißensee. Arbeiter Turucrbund. Dienstag: Tumv.„Fichte", Berlin, abds 8—10 Uhr: 2. Müimcrabt.: Skalitzerstr. 55/56; 4. Männerabt.: Stephan- straße 3; 5. Mäinierabt.: Ackerstr. 67; 6. Männerabt.: Stallschrciber- sttaße 5t; I. Lehrlingsabt.: Fricdenstr. 37; 3. Lebrlingsabt.: Boecih- straße 17,20; 6. Lehrlingsabt.: Reichenbergerstr. 67/70; 1. Damen- abteilung: Mariannenilser 1».— Tumv.„Eiche", Köpenick, Männer- u. Jugend- abtcilung: Klein's Hotel(Wilhclmsplatz), abds. 7i/z— g'/z Uhr: Uebungsst. —„Freie Trirnerschast Rixdorf-Britz", Wirsing, Knesebeckstr. 113, 6 r/z bis 8Vz Uhr: 1. Schülerabteilung, 8>/z-10>/z Uhr: 1. Männer- und Lchriings- abteilung.—„Tumerschast d. V. Nereus"(gegründet 1882), Männerabt., Reichcnbergerstr. 131/132, abds. 8-10 Uhr., Damenabt. Manteufselstr. 7, abds. 8-10 Uhr.- Tumv.„Froh und Frei", Groß- Lichterfelde. Pagel, Chaussccstr. 104, abends 8'/- bis 10-/- Uhr.-„Freie Tumerschast" in Friedrichsfelde, abends S'/j-lO1/, Uhr, bei Bube. Pruizen-Allee 30. Lese- und Diskutierklubs. Dtcustag:„Süden", Ewald, Schönlein- straße 6.„. -»rbeiter.SteuograPhenvoreiue.„Stolze"(EinigungSsystem), Louisen- städtisches Klubhauö, Aiuienstr. 16, abends 8Vz Uhr. „Centralvcreiu der Bildhauer Deutschlands"(Verwaltungsstelle Berlin). DieiiSragabend L Uhr: Versammlung Köpnickerstr. 62. Holzbildhauer- Angelegenheiten(Stellungnahme zum eoent. Streik). Verein der selbstäudigen Fensterputier. Versammlung DienStag- abend 8 Uhr, bei Mehrwald, Alle Jakobstr. 54/55. Ggidv-Vereiiligunz. Dienstag, den 5. d. M.: Geselliges Zusammen- sein Königgrätzerstr. III. Fraueuverein Daheim. VereinSsitzung DienStag, Prenzlauerstr. 41. Gäste willkommen. Großer Mbeioerlmf In meinem großen Mübelfpeicher, Köutgstr. SN, sollen viele Einrichtungen verliehen gewesener und neuer Möbel billig verkauft werden. Teilzahlung unter den coulantestcn Bedingungen ge- stattet, Beamten ohne Anzahlung. Ganz besonders zu empfehlen ist der große Vorrat verliehen gewesener iind gebrauchter Möbel, die wie neu sind und billig abgegeben werden. Braut- lcute, welche eine dauerhafte und billige Einrichtung kaufen wollen, bitte ich, ohne jeden Kaufzwang mein kollossales Lager vor Einkauf zu besichtigen. Verlangen Sie mein Muster- buch gratis und ftanco. 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Gustav-Adolf- straße 16. Verantwortlicher Redacteur: Robert Schmidt in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th.«locke in Berlin. Druck und Verla» von Max Babing in Berlin.