Interhaltimgsblalt des JorwSrts Nr. 74. Freitag, den 14. April. 1899 (Nachdruck verboten.) 9] Der Schuld ine? Roman von Hector Malot. Gleichwie Courteheuse sie bloß wegen ihrer Mitgift ge- heiratet hatte, so hatte auch sie ihn nur genommen, um das Kloster verlassen und eine fteie und angescheue Stellung in der Gesellschaft einnehmen zu können; denn trotz ihrer romanhaften Geschichten, die sie zum besten gab, war sie der- uünftig genug, einzusehen, daß sie nach ihrer Mündigkeit entweder in den niedrigen, plumpeil Lebenskreis ihres Onkels Beuoit zurückkehren müsse, wo sie niemals einen annehmbaren Mann fände, oder daß irgend ein toller Streich sie nach Paris führen und in das leichtfertige Leben stürzen würde. Also konnte sie sich nur durch eine Heirat einen Platz im Leben sichem. Da Courteheuse der Bewerber war, so .uahin sie ihn, ohne sich um die Eigenschaften des Mannes zu kümmern. Zweifellos hätte sie vorgezogen, daß er hübsch, fein und distingnirt gewesen wäre, aber ihn wegen des Mangels dieser Eigenschaften abiocisen wollte sie doch nicht; wie viele ihrer Mitschülerinnen, die wählerischer sein konnten, hätten noch weniger hübschere augenonunen: vor allen, nur heiraten! Sie brauchte aber nicht lange Zeit, um einzusehen, daß der Manu, den sie geuommeu, ebenso wertlos Ivar, als die Heirat, die sie gemacht hatte. Bezüglich des Mannes ivar ihre Enttäuschung sehr leb- Haft gewesen. Sie hatte zwar beim ersten Blick in ihm den groben, ungeschlachten Bauernsohn erraten, allein trotzdem hatte sie sich eingebildet, ihn umformen zu können, iildem sie ihn in sich verliebt machte. Da ihr dies aber nicht gelungen war, so hatte sie ihn folglich auch nicht geändert: seine Frau ivar- sie-ja. aber auch nichts als das.„Meine Frau ist ein Gegenstand zu meinem Gebranch,"- wiederholte er ihr jeden Augenblick, ohne daß je eine zärtliche Liebesbezcugung dieses rohe Wort geiuilder-t hätte. Eüie Zärtlichkeit hatte er ihr nie zu teil werden lassen; ebenso ivenig verlangte er eine solche von ihr. Zwischen ihnen gab es niemals herzliche, lebhafte Regungen. Nie hatte er sie zur Vertrauten einer Hoffnung oder einer Enttäuschung gemacht, niemals sie über irgend etwas befragt. Die einzigen Anspielungen aus die Zukunft drehten sich um den Tod des Onkels Beuoit, dessen Erbschaft es ihnen dann möglich machen würde, das Bureau in Oissel zu verkaufen und nach Ronen überzusiedeln. Hinsichtlich der Ehe war ihre Enttäuschung noch viel peinlicher geivesen. Als junges Mädchen hatte sie in der Heirat die Freiheit der Frau mit Besuchen, Empfängen, Diners, Bällen und schönen Toiletten im Gefolge erbtickt. Aber gerade Courteheuse faßte das eheliche Leben von ganz entgegengesetzter Seite auf: Verkehr hielt er nur ni'it seinen Klienten aufrecht; nach seiner Ansicht kosteten die Diners wie übrigens auch die Toiletten nur viel Geld und brachten nichts dafür ein. Sie hatte also eine Art Gefangenschaft, eine ebenso traurige und einförmige, tvie die des Klosters, zu ertragen, ohne daß ihr jemand mehr Aufmerksamkeit ge- schenkt hätte, als»venu sie ein Eichhörnchen oder ein Aeffchen gelvescn wäre. Damals hatte sie ganze Tage im Pavillon auf dem Divan liegend zugebracht, wo sie nur durch das Gehen und Kommen der Eiscubahnziige, das Vorbeifahren der Schleppdanchfer und Kähne auf dein Flusse aus ihren Träumereien herausgerissen wurde. Wie oft hatte sie sich wütend auf dem Divan herum- gewälzt, das Taschentuch in den Mund gepreßt, um die Schreie zu ersticken, die sie nicht mehr zurückzuhalten ver- mochte l Würde dieses erbärmliche Dasein denn niemals enden? Wie oft, wenn sie dem Pariser Zng nachblickte, be- - reute sie, sich dummerweise verheiratet, anstatt in ein Abenteuer gestürzt zu haben. Was aus ihr auch geivorden wäre, wenigstens hätte sie gelebt, während sie hier abstarb. Und wenn sie nun ihren Liebhaber nicht mehr sehen konnte, sing dieser Todeskampf wieder von neuem an. X. Es geschah selten, daß Courteheuse des Freitags zeitig nach Oissel zurückkehrte. Er liebte zwar nicht die großen cercmoniellen Diners, wohl aber die sogenannten„Picknicks", bei denen er, mit seinen 5iameraden nach Herzeuslust singend, schreiend, streitend, in Hemdärmeln die Ellenbogen auf den Tisch gestützt, aß und trank. Seine Jugendfreunde hatte er nämlich auch nach seiner Verheiratung nicht ganz im Stich gelassen: alle Freitage trafen sie, wenn die Arbeit beendet war, zum Rendezvous ein, wo dann tüchtig, lange und geräuschvoll getafelt wurde. Nach Tisch begab man sich, um einige Gläser starken Likör zu trinken, zu Alphonse in der Rue des Charettcs. Und wenn er dann des Nachts um ein Uhr nach Oifse! zurückkehrte, sagten die ordinären und beißenden Gerüche, die von ihm ausgingen, seiner Frau, wo er den Abend ver- bracht hatte. Aber an diesem Freitag, als er uni 6 Uhr Abends nach Hause kanl, roch er nur nach Tabak. Er rief sofort seiner Frau zu: „Da bin ich, um sie zu empfangen!" Und dabei zog er aus seiner Ledermappe ein mit grüner Serge unuvickeltes Päckchen. „Wen zu empfangen?" „Meine Diebe, wenn sie diese Nacht wiederkommen." Und er packte einen Revolver ans. „Du hattest ja schon einen!" „Da habe ich rnui zwei; dieser trägt weiter." „Du erivartest sie lvohl heute Nacht, da Du so früh heim« gekehrt bist?" „Warum nicht? Wenn sie aber ckommen, so will ich schon mit ihnen fertig werden. Jedenfalls soll in Deinem Schlafzimmer und iil dem meiuigen ein Nachtlicht brennen bleiben." „Um ihnen den Weg zu zeigen?" frug sie harmlos. „Wie dumm Du bist! Um sie fernzuhalten. Nichts stört die Diebe mehr, als ein Licht in einer Behausung; sobald sie es scheu, lausen sie davon.". „Also hätte ein Licht den Revolver unnötig gemacht." Achselzuckend blickte er sie an. Die in Klöstern erzogenen Mädchen, dachte er bei sich, sind doch wahrlich gar zu dumm; aber schließlich ist das gut für die Männer, denn darin liegt die beste Bürgschaft für ihre Ruhe. Celanie hatte geglaubt, der Herr werde in Ronen bleiben, und deshalb ein Abendessen zubereitet, wie eS nach dem Geschmacke der Herrin war. Als nun Courteheuse sich zu Tische setzte und erfuhr, was man ihm vorsetzen werde, konnte er seine schlechte Laune nicht unterdrücken. Nichts als Aal, anstatt eines schönen Truthahns—, der Abstand war zu groß! Um seinen Verdruß zu bemeistcrn, trank er im Laufe des Abends im Pavillon einen Grog nach dem andern, rauchte dazu beständig seine Pfeife und fluchte tlnaufhörlich auf die Regierung, ivelche die ehrlichen Bürger nicht gegen das Diebesgcsiudel beschütze. Sie sollten aber heute Nacht nur kommen I Er würde auf sie schießen, wie auf wilde Tiere. Mit seinen beiden Revolver» und seiner Jagdflinte würde er sie schon gehörig zurichten. Als am andern Morgen die Arbeiter der elektrischen Werkstätte kamen, dachte er nicht mehr an seine gestrige Ent- täuschung, und zwanzigmal im Tage verließ er seine Arbeit, um ihnen zuzusehen, wie sie ihre Drähte legten. Er ließ sich von ihnen die Geheimnisse der Elektricität erläutern. Sie belustigten sich über seine Unwissenheit und suchten ihn zu bestimmen, sich außer der elekrischen Klingel auch noch elektrische Beleuchtung zuzulegen; diese, sagten sie, vervoll- ständige erst das Läutwerk: sobald die Klingel ihren Länn beginne, könnten Lampen das ganze Haus, den Garten und Hof erhellen, und dann könne man die Diebe wie die Spatzen zusammenschießen. Das war für Courteheuse freilich sehr ver- lockend, allein als Mann, der zu rechnen weiß, begnügte er sich vorerst doch mit dem Läutiverk. Horteuse richtete kein Wort an die Arbeiter und schenkte ihrem Thun nicht die geringste Beachtung, als ob es für sie ganz gleichgültig wäre. Im stillen suchte sie aber ungeduldig nach einem Mittel, um ihre Stelldichcinc mit La Vaupalisre auch ferner zu sichern; vergeblich! Wie laugsam verstrichen ihr die Tage! Hier war er, nur einige Schritte von ihr, und kaum vermochte sie, wenn sie durch den Garten ging, einen flüchtigen Blick mit ihnr zu wechseln, in welchem sie ihm ihre bekleminende Unruhe und Ungeduld zu ernennen gab. Und selbst dies durfte sie nicht allzu oft wagen, denn sie merkte Wohl, daß die anderen Schreiber beständig den Blick aus sie gerichtet hielten. Endlich kanr der Mittwoch heran, wo daS Inventar in Sottebitte aufzunehmen war. Courtehcuse und Fauchon der- ließen das Bureau des Morgens wie gewöhnlich, und um II Uhr entfernte sich auch BoulnoiS, um fein Dejeuner ein- zunehmen. Er hatte noch nicht die Gitterthüre des Gartens hinter sich geschlossen, als sie auf den Sttlfen des Arbeitszimmers ihres Mannes erschien. lFortsctzniig folgt.) De HostköMelu tut de Mrefpletfchv. (Eeue kom'sche Jeschichte vowt Land.) (Schluß.) Aufgeregt ging �err v. Schnmdicke in seinem Gntsburean. die eine Hand geballt ans dem Rücken, in der andern die Reitpeitsche, bei jedem Schritt die Schäsle seiner Reitstiefel bearbeitend, auf und ab. „Rein/ zischte er Ivnteud vor sich bin..daß daS auch gerade mir passieren mußte! mir, dem Amtsvorsteher; auf meinem eignen Gut I Es ist zum Tenfelholen! Da bat mmr daS ganze Amt bisher rein gehalten von allem socialdemotra tischen Ungeziefer, und mm wählen sogar meine eignen Leute diesen Umstürzler! Und dann der famose Brief des Landrats!" Heftig fuchtelte er mit der Reitpeitsche umher.„Komme er mir nur herauf, ick, werde ihm schon die gehörige Lektion geben", und mit großen Schritten setzte er seine'Wanderung Um de» Aktentisch fort, der den ganzen Mittelrauni des Bureaus füllte. Polternde Tritte auf der Treppe und dann ein kräftiges Klopfen an der Thür bekundeten, daß Willem sich zum Empfang der Lektion einfand. .Herrein I* rief Herr von Schmädicke schnarrend. Willem trat, die Mütze in der Hand, mit einem„jnten Awend, jnäher Harr 1* in das Zimmer und machte die Thür hinter sich zu. „Warum läßt er seine Holzschuhe nicht unten", polterte der »jnähe Harr", der beim Eintritt Willems die Reitpeitsche aus der Hand gelegt hatte,„weiß er nicht, daß er nicht damit die Treppen heraufpolkem toll?" .Ick bruke mine Holttösfeln noch upp de Beene," erwiderte Willem ruhig und gleicpgiltig. .Ra, wart er»ur, den Widerspruchsgeist»nd die Frechheit treibe ich ihm heute noch gründlich ans! Schließ er mal die Thür ab und geb er mir einmal den Schlüssel!" sagte der„Harr", wütend über die Unbotmäßigkeit Willems. „Wenn Sei de Dühr tau Hebben wollen, denn schloten Sei se man alleene tau I" war die wieder in ruhigem Tone gegebene Antwort. Mit den Zähnen knirschend eilte mm Herr v. Schmädicke zur Thür, schloß diese ab und steckte den Schlüssel in seine Tasche. .Sage mal, Willem, von wem hast Du die soeialdemolratischen Stimmzettel bekommen, die Du den Tagelöhnern und Knechten bei der Reichstagswahl gegeben hast?" »Seggen Sei mal, Herr Amtmann, von wen Hebben Sei denn de konservativsche Stimmzcddcl jelrejjet, de Sei an uns verdehlt Hebben?" srug Willem nnt der ruhigsten Miene von der Welt den überraschten Amtsvorsteher. .Ra, diese Frechheit geht mir denn doch z» weit!" rief Herr v. Schmädicke, indem er nach der Reitpeitsche griff und dieselbe durch die Luft pfeifen ließ. »Ja, dnt's bi nii ool so I Ick denke, dat dst leen Minschen wat angeihn dicht, wen im wählt I, ebben uu von wo die Sümmzeddel hör sin," sagte Willem schmunzelnd. .Du niederträchtiger frecher Patron, Du verläßt heute noch den Hof I" brüllte der.jnä'je Harr",„aber vorher werde ich Dich lehren. mit mir Spaß zu treiben!" Ehe Willem noch wußte, wie ihm geschah. schlug der»jnä'je Harr" mit der Reitpeitsche auf ihn los. Willem stand bei den ersten Hieben, die seine Schultern trafen, fast sprachlos da: doch plötzlich fiel ihm ein, daß er den„jnä'jen Harrn" ja„bidden" wollte, daß er ihn nicht ablohncn möge, und Willem beschloß, das in aller Eile zu thrm. Er bückle sich j damit «ineStheils die Streiche nicht seinen Kopf treffen sollten, und zugleich damit er seine.Holttösselu" ausheben konnte, die er' sehr schnell ausgezogen hatte. Als nun der »jnä'je Harr" in nnvernrinderter Wut die Reitpeitsche immer weiter handhabte, flog ihm einer der Holzschuhe von Willem mit solcher Gewalt gegen das Gesicht, daß er niit dem Schlagen imie- hielt und sich schnell hinter den großen Aktentisch zurückziehen wollte, aber schon flog ihm der zweite Holzschuh Willems in den Rücken, und n.m ging eS wie die wilde Jagd unter Hilferufen des»jnä'jen Harrn" immer um den Aktentisch herum. Mit großer Gewandtheit griff sich Willem seine„Holttöffeln" immer wieder, und innner von neuem flogen sie dem„Harrn" in den Rücken. Die Hilferufe des„Harrn" hatten mm freilich alle Knechte«nd Vlägde boni Hofe unter de» Fenstern deS Bureaus versammelt, und auch Herr„Enispekter" Cchläwing befand sich unter diesen. Er war denn auch der erste, der seinem Herrn zu Hilfe eilte, die Treppe hinansstürmte und dort an der verschlossenen Thür vergeblich rüttelte. Immer dringender wurden die Hilferufe des„jnä'jen Harrn", der schon fast atemlos immer noch von Willem um den Attenttsch herumgejagt, die„Holttöffeln" Willems im Rücken fühlte. Endlich hatte Willem ihn erreicht, die Reitpeitsche aus der mir wenig widerstreben- den Hand gerissen, und nun ließ Willem dieselbe auf des»jnä'jen Harrn" Hinterteil mit einer solchen Energie tanzen, daß dieser ihn bettelnd um Erbarmen flehte. Bon außen rüttelte der»Enispekter" an der Thür, und vom Hofe aus hatte man eine Leiter an das Fenster gestellt, als Willem mit dem„Empfang seiner Lektion" innehielt und dem„jnä'jen Harrn", der halb ohnmächtig aus seinen Sessel gesunken war, die Reitpeitsche zurückgab, seine Hoizschuhe wieder anzog und sich in die Nähe der Thür hinstellte. In freundlichem Tone, als wenn nichts geschehen wäre, sagte Willem nun zu dem apathisch daliegenden„jnä'jen Harrn", als er be- merkte, daß auf der Leiter ein paar Knechte zum Fenster hineinsahen und der„Entspetter" die Thür zu sprengen drohte: „Ick bidde den jnä'jen Harrn recht scheen, dat je mi nich afflöhnt, ick wilt't ook nich tveddcr duhn!" Aechzend und stöhnend erwiderte der„jnä'je Harr":»Ja, jal— Wenn Du schweigst!" „Nee! kccn Wort fall vlver mine Lippen koamcn l" beteuerte Willem. Herr von Schmädicke erhob sich mit schmerzverzogenem Munde und gab dem Willem noch ein blankes Zwanzigniarkstück, als Schmerzensgeld, wie er sagte, dann schloß er die Äiiir ans und mit einem„Jande Nacht, jnä'jer Harr" cmpsnhl sich Willem, der unten aus dem Hose von den kichernden Mägden und schmnnzclnden Knechten in Empfang gen online» wurde. Seit dieser Zeit soll die Reitpeitsche des Herrn v. Schnmdicke gänzlich verschwunden sei», auch seine Pläne ans de»*L>i>idrats- Posten, flüstern sich seine Nachbarn zu, soll er ausgegeben haben. Willems.Holttöffeln" befinden sich aber im GlaSschrank der guten Stube auf einein kleinen Anwesen i» der Nähe von Knacks- darf, und dein soeialdemolratischen Flugblattvertheiler, der fich über die Holzschuhe im Glasschrank wundert, erzählen Willem und seine freundliche Fron Hanne, die schon mehrere Jahre lang das kleine Anwesen bewirtschaften, deffen Ertrag sie vor Mangel und Not schützt, gerne den Hergang und freuen sich dabei, daß seit der Episode zwischen den Holttöffeln und der Nietpietsche die Zahl der soeial- demokratischen Stimmen so«düchtig gewachsen is!"— H. F. Kleines �enillekon. — Beutkicfcrn. Bei der andmiernden Dnrchforschiiiig urwüchsiger Bestände in Westprenßen haben sich, wie der„Promethens" einem amtlichen Bericht entninimt, nicht nur seltene, halb vergessene und im Schwinden begriffene Holzarten, sondern auch einzelne Baum- individuen vorgesnnden, die mehr in kulturgeschichtlicher Hinsicht bemerkenswert sind. Dazu gehören die Beiitliefern, das sind lebende Kiefern, Pinns silvestrls L., in deren Stnnim oben ehedem eine tief in das Innere gehende Höhlung mit hochrechteckiger Oeffmuig eingestemmt ist(Beule); dieselbe wurde mit einem passenden Brett verschlossen, und davor befand sich noch ein an Holznägeln hängender und durch Stricke befestigter, größerer Klotz. Dieser künstlich angelegte Hohlraum' diente damals zur Aufnahme von Bienen, Ivelche durch ein kleines Flugloch an der Seite ausschwärmen konnten. In früherer Zeit, vornehmlich als die Provinz Westprenßen zu Pole» gehörte, wurden fast all- gemein in den dortigen Wäldern die Kiefern zur Honiggewinnniig benutzt, und bei der Ilebernahme der Provinz auf den preußischen Staat waren in den fiskalischen Forsten gewiß an 20 000 solcher Beutstämme vorhanden. Seitdem sind sie daraus nahezu völlig ge- ichlmmdcit, zumal längst durch Gesetz die Anlage neuer Bauten' in Bäumen niltersagt ist. Soweit bekannt, giebt e» im ganzen Gebiet der Tnchxler Haide ans alter Zeit»nr noch zivei Bäume der Art, die übrigens jetzt nicht mehr bewohnt sind. Hingegen kommen sie in größeren Privatwaldnngen auf der rechten Seite der Weichsel, besonders an der Grenze nach Ostpreußen, mehrfach vor. Dort giebt es auch eine Mnjoratsherrschaft, wo in lebenden Kiefern noch heute die Vienenlvirlschaft im Gange ist. Da im allgeineinen die Deute 4— 5 Meter über Terrain liegt und im Laufe der Zeit mehr oder weniger überwallt ist, kann sie bisweilen leicht übersehen werden. So wurde Professor Conwentz erst in diesem Sommer auf einen Bienenbamn anfmerlsam, welcher am Rande des Karbowoer Waldes unweit Strasburg(Westprenßen) steht. Vornnösichtlich ist dieses Exemplar das einzige im Kreise und im Nachbargebiet. Um den Baum zu erhalten, wurde der Grund und Boden, auf dem er steht, dem Kreise Strasburg übergeben.— — Dentschlandö gröfltc Quelle ist nach einer Mitteilung des »Universum" die Ruhmegnelle beim Dorfe Rnhinspringe an der Grenze des EichsfcldeS. Man kvimte, eine Biertelstunde vor dem nach ihr bcnaiutten Dorfe Riihmspriiige, sehr wohl an der Quelle vorübergehen, ohne sie nur zu bemerke», wenn nicht ein starker Bach die Ansmertsamkeit erregte, der ganz � unverinittelt, gleichsam ans dem Boden gcstainpst, den Rädern einer bedcntendcn Papiersabrik entquillt und lustig neben der Landstraße dahinschied Ein Teich von vielleicht zweihundert Schritt Umfang, mit seltsam graugrünein. bei näherer Besichtigung im Glase aber krustallklarem und wohl- schmeckendem Wasser gefüllt, entsendet zur Fabrik einen starken Bach von reißender Strömung, und mit Staunen sieht man anfangs diesen gewaltigen Abfluß eines so kleinen Beckens, dem keinerlei Zufluß die Woge zu halten scheint. Nun fallen endlich zwei Stellen des Wasserspiegels ins Auge, wo die sonst ruhige Fläche im Umkreis von 10— iö Metern die zitternde, kreisende Bewegung eines Baches über verborgene Steinblöcke besitzt. Hier schießen die Quellen, die eine einen: 4, die andere einein 8 Meter tiefen Kessel entspringend, zu Tage. Eine dritte, kleinere ist von dem langen, ani Teich sich hinziehenden Schuppen zum Zweck der Forellenzucht mit überdacht und für sich abgefangen worden, alle drei aber geben in der Sekunde die erstmmliche Wassermcnge von 3500 Litern, d. h. an jedem Tage 300 000 Kubikmeter oder 30 Millionen Eimer I Kein Wunder, daß die Quelle trotz mangelnden Gefälles 50 Schritt hinter ihrem Ursprung die erwähnte Papierfabrik, 300 Schritt weiter aber eine Wassermühle mit vier Mahlgängen zu treiben vermag. Wenig mehr als 10 Meilen lang ist ihr rascher und sicherer Lauf, dann stürzt sie sich, ohne ihr Wasser einem der größeren Flüsse der Umgebung anzuvertrauen, direkt in die Leine.— Litterarisches. — Unter dem Titel„Maiendämmerung nnd andere Frühlingslieder" hat Andreas Scheu bei I. H. W. Dietz Nach» folger in Stuttgart eine Sammlung von Gelegenheitsgedichten erscheinen lasse». die als Festgabe zur bevorstehenden Maifeier Verwendung finden soll. Das mit dem Bild des Verfassers geschmückte in farbigem Umschlag gebundene Büchlein kostet i Mark.— Theater. Das Schauspielhaus, das in den letzten Monaten so gut wie nichts von sich hören ließ— Lnblincrs dürftige Komödie s,Das fünfte Rad" ist die ganze Ausbeute— kam vor Schluß der Saison noch mit einein schtver wiegenden litterarischen Versuch heraus. Man brachte am Mittwoch Hebbels„Hcrodes und M a r i a m n e". So wird nach und nach Hebbels gesamte Produktion auf das Hoftheater verpflanzt. Die Tragödie von Hcrodes und Mariannie ist schon vor seinem Vierteljahrhundcrt im Schauspielhaus aufgeführt worden. Aber mit dem unbequemen grüblerischen Dichter wußte das Publikum damals nichts anzufangen. Das Trauerspiel wurde nur zweimal gegeben. Heute giebt es mn Hebbels litterar-knnsllerische Stellung keinen Streit inchr. Für das große Pnblikin» bleibt der Dichter freilich noch unbequem; und so sehr das Schauspielhaus sich um glänzende äußere Mittel bemühte, so sauber Hebbels Tragödie in Sccue gesetzt>var, die Dichtung von HcrodcS und Mariannie regt ehcrJzum nachdcnk- lichcn Sinnen an, als daß sie ein werktäglich gcstimnitcS Publikum im Sturm eroberte. Aehnlich wie in dem Drama„Gygcs und sein illing" ist es ein tief wurzelndes psychologisches Probten:, das den Dichter in: Hcrodcs-Stoff gefesselt hat. Die Gestalren von Hcrodes und Mariannie sind so wenig historisch zu fassen, als die Gestalten von Judith etwa und Holofcrnes bei Hebbel. Sie sind für dci: Dichter das Gefäß, das er mit seinen Spekulationen crfiillt. Der neuzeitliche Wert der Dichtung liegt in der psychologischen Zergliederung und in der scharf- finnigen trefsendei: Dialektik. Ii: Hcrodes und Mariannie stößt nicht bloß Mannycit nnd Weiblichkeit gegeneinander, es ist als hätten sich zwei Kiilturwcltci: grundverschiedener Art. Orient und Occidcnt be- rührt. Mann nnd Weib, Herodcs und Mariannie, ringen un: die höchsten LiebcSgütcr. Aber das Licbcsbcdürfnis des Hcrodes ist mit selbstsüchtiger Despotie vcrnicngt. Es erinnert an die morgenländischc Satzung, wonach eine Witwe ihren: Mann in das Grab'folgen müsse. Hcrodes könnte es nicht ertragen, daß seine Marinmne,„sein Besitz", je etwa in die Hände dcö Antonius oder eines anderen Mannes fiele. Dar:»» stellt er Marianiiicn unter daS Schwert, als er gezwungen ist, in gefährlicher Sache»ach Aegypten zu ziehen. Ein psychologisches Meisterstück sind die Sccnen, in denen Mariamne erfährt, daß ihr Schwager die Aufgabe habe, sie zu töten, falls HcrodeS nicht wieder- kehrte. Die Seele Mariamncs ist in: Aufrnhr. Ihr vermenschlichter LiebcSbcgriff empört sich gegen den Gatten, der glücklich hciinkonnnt. Wie kann n:a» zerstören, ivaS man liebt," fragt sie echt menschlich, und echt weiblich will sie Hcrodes doch noch nicht preisgeben. Noch bosft sie, eine schreckliche Verirrnng habe ihn geblendet, ein zweites Mal werde er die Prüfung menschlicher bestehen. DaS ist ein feiner poetischer Zug, aber zugleich eine Schlväche des Bühnenwerks. Dem: Herodes, der selbstsüchtig Begehrliche, kann nicht aus seiner Scelenbersassnng sich zur Freiheit Mariamnens er- heben; seine Leidenschaft, sein Mißtrauen, seine Despotie zwingen ihn, zun: zweiten Mal, als er mit Antonius gegen Octavian sich verbindet, ebenso zu handeln wie vorhin? und so klug Hebbel motiviert, cS bleibt doch etwas von mißlicher Wiederholung im dramatischen Gedicht. Wieder erfährt Mariannie die tödliche Wahrheit; nunmehr ist ihr Glaube vernichtet; ihre Tragödie er- füllt sich. Herr MatkowSky und Frl. Poppe spielten die Haupt- rollen; sie spielten mit pathetischer Kraft; vielleicht aber ließen sich die Gestakten, namenilich des HerodeS, individuell noch reicher be-- leben.—— ff. — r. Schiller-Theater. Bühne und Publikinn waren am Mittwoch wieder in ihrem Elemente. Man gab„Der Mann im Mond e", jene ehrwürdige Gesangsposse von Eduard Jakobson, in der die Leiden eines töchterbeschwerten Familien- Vaters sich durch fünf Akte hindurch ziehen, um dann Knall und Fall„ mit fünffacher Verlobung zu enden. Wortwitze, Situationskomik und Couplets sind alle fabrikmäßig nach den: Rezept„Du sollst und mußt lachen" hergestellt, und so war denn die Grund- bedingung des Erfolges ,' sich möglichst wenig mit Denkarbeit abzu- quälen, wieder in vollem Maße erfüllt. Den Helden des Stückes, den Kanzleirat Liebetreu, gab natürlich Herr S ch m a s o w mit aller Behendigkeit, die ihm eigen. Auch sonst waren die mehr oder minder konnschen Hcrrenrollen passabel durch Kräfte wie P a h l a u. E y b e n und Laurence besetzt. Leider fehlte es für die Vera an einer Soubrette. Frau Le v erma nn ist eine gewandte Künstlerin, die sich sogar in Backfischrollen immer noch sehen lassen kann, aber da man in Gesangsposscn auch mitunter zu singen hat. so versagte sie in der Darstellung dieser Rolle so sehr, daß es selbst dem Stämnwubliknm auffiel. Vielleicht thäte die Direktion, in der Erwägung, daß sich in: Schiller-Theater die Posse doch nun einmal am ivohlsten fühlt, ein übriges und legte sich zum Herbst eine flotte Soubrette zu.— Erziehung und Unterricht. e. Ein Hin du-Gymnasium. Die bekannte Theokophin, Annic Besant, ist zur Zeit in Indien, wo sie sich lebhaft mit der Gründung eines Gymnasiums für die jungen Hindus beschäftigt, das nach dem Muster der Gymnasien von Oxford und Eton ein- gerichtet werden soll. Das neue Gymnasium soll nach Luxa, einem Stadtviertel von Bcnares, verlegt werden. Der Vorsitzende wird ein Engländer, alle Professoren aber werden Inder sein, und die Ober- anssicht soll ein Brahmane führen. Mrs. Besant hat unter den gut- situiertcn Rajahs und Maharajahs, die den Verwaltungsrat bilden werden, beträchtliche Kapitalien für die Gründung des Gymnasiums zusannnengebracht. Das Programm der Lehrgegcnstände wird so ziemlich dem der englischen Gymnasien entsprechen; jedoch sollen be- sondere.Kurse zun: Studium der indischen heiligen Schriften für die jungen Hindus eingerichtet werden.— Archäologisches. 1c». D i e Kl t e rtü m er auf Ceylon sind von dem fran» zösischcn Forscher Emile Bruyas auf einer längeren Reise des genaueren untersucht worden. Ein znsannncnfassender Bericht über seine Schilderungen, die er in einem mufaugreichcn und schwer zugänglichen Werke kürzlich veröffentlicht hat, findet sich in den: neuen Heft des„Centralblattcs für Anthropologie". Das Hauptinteresse beanspruchen die Kapitel, die von den Ruinen von Ramschcran und Annradhapura handeln. In Ramschcran, daS schon reich an be« deutenden Bauwerke» ist, verdient ein groß angelegter, 6 Stock hoher. pyramidcnartiger Tempel Beachtung. Noch bedeutender aber sind die Denkmäler von Annradhapura. Unter Vijeyo fand im Jahre 543 v. Chr. die erste historisch beglaubigte Einwanderung arischer Stämme statt; diese fanden eine negroide Urbevölkerung, die Fakkas-Däinonen, vor, deren Ucbcrreste die heutigen WeddaS vorstellen. Die Eingeborenen hatten, wie es scheint, zur Zeit der Einwanderung schon eine sehr hohe Kulturstufe erreicht, sie hatten zahl- reiche künstliche Seen, beziehungsweise Reservoirs erbaut, die die Ein- Wanderer antrafen und ausbesserten; heute sind sie indessen völlig entartet. Ein Teil der Denkmäler voi: Amiradhapura entstand schon unter der Regierung des Kölligs Tissa(306), der sich zun: Buddhis- muS bekehrte und diesen zur Staatsreligion machte, es sind dies die Dhuparana Dagoba und der Jsurumuliya-Teinpel. Der Ausbau der Stadt vollzog sich in verhältnismäßig kurzer Zeit; in kaum 200 Jahren entstanden jene prächtigen Kolossalbauten. von denen der chinesische Reisende Fa-Hien in: Jahre 410 n. Chr. eine ein- gehende Beschreibuiig aus eigener Anschauung gegeben hat, die mit den heutigen Verhältnissen noch übereinstimmt. Dhuparana Dagoba ist das älteste buddhistische Bauwerk. Gegenwärtig mißt der außer« ordentlich elegante Bau 21 Meter in der Höhe; er ist konzentrisch von drei Kreisen von Dionolithen umgeben, ursprünglich gab es deren 170; die höchsten(20 Fuß) stehen ii: dem innersten, die kleinsten<14 Fuß) in dem äußeren Kreise. In der Nähe befinden sich außerdeu: noch zahlreiche Pfeiler, Erdhügel, TokunaS(Bassins), Statuen zc. Besonders hebt Bruyas die Dar« stellung einer Venus»:it sechs Armen hervor. En: grandioses Monu» mcnt ist vor allen: die Rmvanwcli Dagoba. Der konische Vau, der ursprünglich gegen 100 Meter Höhe besessen haben soll, erhebt sich auf einem zylindrischen Unterbau, der von einem 20 Meter hohen Mauerwerk mit drei Terrassen bekleidet wird. An: bemerkcnslvertesten sind die zahlreichen Basreliefs, die Menschen von: HindutypuS. Elcphantcnköpfe, die siebenköpsige Cobra, Lotusblumen und Zwerge mit kurzen Beinen und dicken: Bauch, mit Ringen in den Ohren und Armbändern, vermutlich die unterjochten Aakkas, darstellen. Der be» rcits erwähnte Jsnrunnmya-Teinpcl ist ein unterirdisches Heiligtum, das in einem Felsen von etwa 30 Metern Höhe angelegt ist und Terrassen besitzt. Auch hier find interessante Skulpturen, realistisch aufgefaßte menschliche Gestalten usw. vorhanden, mit denen Felsen und Terrassen geschmückt sind. Bon den zahlreichen übrigen architektonischen' Merlwürdigkeiten sind noch besonders hervorzuhebm: die halbkreisförmigen Steine(»Aoonstonss"), die reich verziert, die unterste Stufe der Treppen zu den Heiligtümern zu bilden pflegen; die„IloKistones", quadratische Steinblöcke, die mit S— LS kleinen rechteckigen Nischen versehen sind; das Heiligtum ..Botru", ein Ableger des berühmten Baumes, unter dem Siddärtha Gautama zu dem letzten Grade der Vervollkonimnnng durchdrang und zum Buddha wurde; die Ruinen des.Bronzepalastes", der ursprünglich ein Kloster von SOV Zellen war und wegen seiner reichen Metallverzierung diesen Nanicn führte u. a. Einem Stein- zeitalter ist man, das führt Bruyas an anderer Stelle aus, auf Ceylon noch nicht auf die Spur gekommen. Die älteste Kulturperiode stellt vielmehr das Bronzealter vor. Merkwürdigerweise ist aber aus der Epoche der grasten buddhistischen Bauten nicht ein einziger anderer Zenge dieser Kultur, wie Scherben, Bronze, Kupfer oder Tisen, erhalten.— Kulturgeschichtliches. — Wie und was die alten Griechen asten und tranken. Die alten Griechen, schreibt man der.Köln. Ztg.", machten zwar ihren Bauch nicht zum Gott und das Egen nicht zu einer Beschäftigung, wie die reichen Römer zur Kaiserzcit, sie asten aber doch gern etwas Gutes. Die Speisen ivnrdcn bei ihnen von Köchen bereitet, die sehr in Ansehen standen und gut bezahlt wurden. Sie besahen auch einen gewissen Grad von Bildung und viele von ihnen waren Künstler in ihren, Fach. In de» Deipnosophisien des Atheuäns ist. uns ein- Bortrag erhalten, den ein Oberkoch seinen- Schülern hält: „Der Koch nmst schon im Kindesnlter in die Gehcinmisse der Kochkunst eingeführt werden. Der Meister in der Kochkunst, Sikion, lehrte uns Astronomie, Architektonik und Stratcgik. Die erste must der Koch kenneu wegen der Bewegung der Gestirne,'wegen des Aufgangs und Unter- gangs von Somr'e und Mond, um zu ivissen, in welchen, Sternbilde die Somre steht. Dem, verschiedene Speisen und Pflanzen werden davon bceiufluht. Die Architektonik dient dem Koch beim Erbauen der Koch- und Backöfen, damit sie nicht zu viel Licht bekommen, dast sie gut ziehen und der Ranch nicht auf die Speisen schlägt. Auch strategische Kenntnisse must ein Koch haben, denn Ordnung ist immer mrd überall eine weise Einrichtung." So war die Kochkuust den alten Griechen fast eine Wissenschaft. Sie asten viermal am Tage, des Morgens, des Mittags, in der Däninierstunde und zur Nacht. Nach beendigter Toilette ivnrde das Frühstück eingenommen, Brot mit Milch oder Wein. Das Mittagsmahl folgte dem allgemeinen Bade, dessen die Ringer und Läufer, kurz alle, die sich an den Hebungen beteiligten, bedurften, um sich von den, Oel, mit dem sie sich ein- gerieben, und dem Staub, der sich darauf festgesetzt, zu reinigen. Nach den» Essen hielt man auch sein Mittagsschläfchen, ging dann seinen Geschäften nach und hatte zur Dänunerstunde lviedcr Hunger, das war das Bcsperbrot. Die Abendmahlzeit folgte dann beim Einbruch der Nacht. Bon Fleischartcn waren am beliebtesten und wurden als sehr nahrhaft betrachtet: Lannnfleisch, Ziegenfleisch und Rindfleisch, das mit allen möglichen Tunken bereitet ivurde, wenn eS nicht am Spiest gebraten wurde. Die Fleischbrühe war bei den grösteren Mahlen immer der erste Gang. Fische Ivaren sehr beliebt, und auch die Mayonnaise ivusttrn sie zu bereiten. Bon den Fischen galt der Aal als besonders wohlschmeckend; wie er aber bereitet wurde, ist nicht überliefert. Zu den Fleischspeisen und den Fischen wurde Brot gegessen, gesäuertes und ungesäuertes, aus Roggen-, Weizen- und Gerstenmehl. Selbst Zwieback und die ungesäuerten Fladen, die die Rengriechen zum Fastenmontag hente essen, kannte man schon im Altertum. Als Nachspeise ast man Käse und Kuchen, mit Sesa», bestreut, und ein Gebäck, das einem in katholischen Gegenden heute zur Fastenzeit in den Znckerbäckcreieu bereitete!, ähnelt und ohne Butter und Eier aus Mandeln, Pistazienkcrncn, Korinthen, Zucker und Weizenmehl hergestellt wird. Zum Schlnst gab es Feigen, und zwar attische Feigen als die besten. War es doch in Attila ver- boten. Feigen anszufiihren, die die Athener eben lieber selbst asten. Der Name Sykophant, Verleumder, hat seinen Ursprung von diesem Verbot; so wurden diejenigen genannt, welche die den, Berbote Zu- widrrhaiidelndcn anzeigten. Sehr beliebt war auch der Honig; von ihm wurde nnuicr genascht, denn er galt als sehr nahrhaft und sollte die Eigenschaft haben, ein langes Leben zu verleihen. Bon, Demokrit ans Abdcra wird erzählt, er habe durch Honigesseu sein Leben verlängert, als die Jungfrauen dieser wunderbaren Stadt darnn, baten. Zu Tische erschien man immer gcschinückt und wusch sich vor und nach der Mahlzeit, zu der man nicht fast, soliden, lag. Messer und Gabeln gab es nicht, man ast niit allen zehn Fingern, und da war ein Waschen natürlich notivcndig. Zu allen Mahlzeiten gab es aber Wein, den die alten Griechen ebenso liebten wie die Reugriechen; Bacchus regierte überall, nur wanken die alten den Wein fast immer mit Wasser verdünnt. Im Mischknig wurde der Wein gemischt und aus diesem in die schalcnsörnngcu Trink- gefäste und Becher geschöpft, dann ivacker gezecht und das Gefäst immer bis zum Boden geleert, besonders bei den Symposien. Benninftige Leute inustten drei Kratrren winken, den «sten für die Gesundheit, den zweiten zum Lieben und zur Lust, de» dritten aber, um schlafen zu können. Sie haben aber oft noch mehr geleet, denn es wird von ganzen Nächten gesprochen, die durchgezccht wurde», dann gehörte der vierte der üngezwimgenen Unterhaltung, bei der nun, es mit dem Stoff nicht genau nahm und die Witze oft nicht für ein weibliches Ohr bestimmt Ivaren. Der fünfte hatte dann, wie alle folgenden, Geschrei und wüste» Skandal zur Folge. Man trank verschiedene Sorten, herben und süsten Wein. schweren, leichten, aromatischen und edeln. Auch den nach Erde schmeckenden kannte man, und der beste hiest Nektarwopfen. Veson- dere Eigenschaft schrieb man einem in Arkadien ivachsenden Weine zu, von ihm nuihten die Frauen winken, denen Mntterfteuden versagt waren, und der Wein soll Wunder verrichtet Hadem— Humoristisches. — Verdächtig. Lehrer:.Nu sagt mir einmal, waS könnt Ihr dem, zu Hanse schon alles lesen? Was sieht denn zum Beispiel auf Euren Kaffeetassen?" t. Schüler:«Dem lieben Papa!" Lehrer:„Sehr gut, und auf Deiner?* 2. Schüler:.Bahnhof Halle."— s.Jiigend.") k. Sein Geschäft. In Michigan ist kürzlich ein Gesetz erlassen tvorden, Ivonach eine Liceuz zum Heiraten erforderlich ist. Run hat ein uuteruehmender Friedensrichter die Gelegenheit benutzt, um dadurch Geld zu verdienen. Er liest folgendes durch Cirlulare bekannt machen:„Wenn ein Mann sich verliebt, ist das sein Ge« schäft. Wenn ein Mädel sich verliebt, ist das ihr Geschäft. Wollen sie heiraten, so ist das mein G e s ch ä f t. Thomas Tall.—?. L. Ich behalte mir stets das Reckt vor, die Braut zu küssen. Bedingnngcn nach Belieben. Aus Wunsch längere Zeit Frist. Holz wird als Teil- zahlmig augeuonuncil." Die Folge war. dast Claylou in Michigan, wo der Richter Tall wohnt, zum Wallfahrtsort für fortgelaufene Paare geworden ist, und dast hier durch den Richter täglich mehr Ehen geschlossen werden, als im ganzen übrigen Staat.— Notizen. —„Kain", ein modernes Schauspiel von Ernst Prange, ist von, Berliner Theater angeiiommen worden; es gelangt noch im Laufe dieses Monats zur Aufführimg.— — Ein Ga st spiel französischer Bühnenkünstler Ivir im N e n e n O p e r n h a n s e(früher Kroll) am 2. Mai be- ginnen niid vier bis sechs Tage dauern.— — In H a n, bürg wird ein neues Theater für Schau» spiel und Lustspiel errichtet werden.— — Im O p e r n h a n s e geht— wenn nicht wieder etwas da- zwischen kommt— am Dienstag zum ersten Male.M u d a r r a", große Oper in ciiicin Prolog und 4 Akten von L. Tierrelin und L. Bon neu, äre, deutsche Uebersetzung von A. Brüimemann, Musik von Ferdinand Le Borne, Ballet von Emil Gracb, unter Kapellmeister Stranst' Leitung in Sccne. Die HaiidlniigZspiclt im Prolog in Afrika, in den übrigen Akten in der Bretagne. Zeit: 14. Jahrhundert.— — Für die diesjährige akademische Kimstau sstellimg, erzählt das „B. T.", war eine Plakatkonkurrcuz ausgeschrieben, zu der eine ganze Anzahl Entwürfe ciugesaiidt wurde;• als sich die Kom- Mission mit ihrer Prüfung befastte, ivnrde allgemein der Eni- Wurf eines linbekannte» Künstlers für p r c i S w n r d i g erachtet. Man fragte nach dem Urheber, und als es sich herausstellte, dast er noch Schüler der akademischen Hochschule war, lehnte man die Prämiimmg ivegen— II u s c l b st ä n d i g k e i t des Verfassers ab.— — Die ägyptische Regierung wird mit lkut«flntz>iiig des Britischen MiijciuuS eine N n t e r s n lb u n g der Rilwässer vonichmcil lassen, namentlich der den Swom bevölkernden Fische. Die gesammelten Fische werden dem Britischen Muscnm eingesandt, von Sein fischknndigcn Gelehrten Boülcgcr untersucht und bestimmt werden und dem Binse um verbleiben. Die Uiitcrsiichimg wird drei Jahre in Anspruch nehmen.— — Vom B o d e n s e e wird den,.Schwäbischen Merkur" be- richtet: Gegenwärtig blüht an vielen Siellen des Sceiiscrs eine wunderschöne Art von Vergist mein nicht(ityasotis ßech- steineri). Das in den verschiedensten Farbenabstusiingen von Blau und Rot Ivette Strecken des Ufers schmückende, ans nur einen Centi- meter langem Stiele sitzende Vlünickeu war früher am Bodensee nicht gekannt und wurde erst vor wenigen Jahren aufgefimden. All- jährlich blüht cS regelmästig in den ersten Wochen des April und wird alsdann von den» steigenden See überdeckt.— — Der Schweizer Botaniker A n g u st G r e n, I y ist in Eggelshofen(Kanton Thnrgan) g e st o r b e n.— — In Rußland soll endlich der j u l i a n i s ch e Kalender abgeschafft werden. Die ersten Schritte sind hierzu kürzlich von der astronomischen Gesellschaft in Petersburg nnteriiomnien worden. Das Verkehrsniinisteriun, hat der Regierung den Vorschlag unter- breitet, einen allmählichen Ausgleich durch Ans- schalt nn g der Schalttage im Zeitraum von 1900—1943 zu erzielen. Ter Antrag wird mit der Wichtigkeit, die der Termin im internationalen Handel spielt, begründet.— c. Ein Männer-Muff. In London erregte kürzlich ein Gigerl großes Russrhen, weil seine Hände in einem Muff steckten.— Die nächste Nummer des UnterhaltungSblattes erschemt am Sonntag, den 10. April. Bernftwottlicher Redacrenr: Zlugust Jacobey in Berlin. Druck und Verlag von Max Badiug in Berlin.