Ilnterhaltungsblatt des Jorwärts Nr. 78. Donnerstag, den 20. April. 1899 (Nachdruck verboten.) 13) Vev Sthuldige? Roman von Hector Malot. „Es stört«nd ärgert mich, ich mnß mir Gewalt cmthun, aber ich muß es mir wohl gefallen lassen, da die Bequemlich- keit der gnädigen Frau es erheischt." „Warum verdirbst Du das Opfer, das Du mir bringst, durch solche böse Worte," sagte sie gerührt;„willst Du denn nicht, daß ich Dir dafür dankbar bin?" „Was hätte ich davon? Ich habe immer bemerkt, daß die Dankbarkeit wohl für diejenigen, die sich deren riihmcn, angenehm ist, aber ich suche noch vergeblich das Vergnügen, welches sie denen machen soll, die darauf Anspruch haben." Druch die Veränderiuig der Eßstunde hatte Madame Courteheuse erreicht, was sie wollte; jetzt galt es noch dahin zu nianövericreu, daß man nicht komme, ihren Mann zu stören. nachdem er den Sulfonal-Grog zu sich gcnonnne» hätte und inr Einschlafen begriffen sein würde. Was sollten die Leute denken,»venu sie ihn so schlaftrunken dasitzen sähen? Sie winden sich vernmndeni, ihn ansfragen und dadurch seine Aufmcrksanrkcit auf diese Schlafsucht lenken l Das mußte mit um so größerer Sorgfalt vernneden werden, als er sich schon niehrmals darüber beklagt hatte, daß er am Morgen garnicht auswachcn wolle, und sich bei seiner Arbeit so schwerfällig, wie stumpssinnig, wie paralysirt vorkomme. Der Herbst mit seiner naßkalten Witterung war ihr günstig. Sic hatte ihn verhindern können, nach dein Essen auszugehen, und da er nur selten jemand bei sich empfing, so war während ziemlich langer Zeit eine Gefahr nicht vor- handen gewesen. Aber eines Donnerstag Abends— der Grog war bereits getrunken— ertönte ein starker Lliugelzug und Celanie kündigte Herrn Turlirre an. „Dieser Apotheker langweilt uns!" schrie Madame Courteheuse. „Warum?* Ohne eine weitere Antwort abzuwarten, verließ er feinen Fautcuil und ging deni Bürgermeister entgegen. Dieser trat em und entschuldigte sich mit großer Höflich- keit und vielen Worten bei Madame Courteheuse, daß er noch zu der späten Stunde gekommen sei. Sie war über diese höflichen Phrasen, die gar kein Ende nehmen wollten, verzweifelt; wenn er so fortfuhr, um welche Stunde würde er sich wieder drücken? Doch er trug seine Angelegenheit sehr kurz vor und kaum hatte ihm Herr Courteheuse den gewünschten Rat erteilt, als er sich erhob. „Ich hoffe, daß Sie sich wenigstens nicht leidend fühlen, liebe Madame Courteheuse?" „Ganz und gar nicht." „Und Sie, lieber Herr Notar?" „Herr Courteheuse hat sich niemals tvohlcr gefühlt." be eilte sie sich zu antworten. „Man sieht Sie gar nicht mehr in Ihrem Pavillon, ich bin mehrere Male vorüber gegangen und habe die Fenster stets geschlossen gefunden. Sie sangen den Winter zeitig an." „Das schlechte Wetter hat zeitig begonnen," ant- Wortetete sie. „Diese Klage ist Wohl berechtigt, aber doch nicht in Bezug auf den heutigen Abend; niemals ist eine Herbstnacht milder und glänzender geivesen; das Quai entlang gehend, kam ich mir wie in einem Feenlande vor. Macht Ihnen das keine Lust, etwas auszugehen? Wir haben schon lange kein Plauder- stündchen mit einander gehabt." „Setzen Sie sich doch und halten Sie es hier mit uns ab," sagte sie lebhaft. „Wanim nicht ausgehen, da es schönes Wetter ist?" sagte Herr Courteheuse,„Du kannst ja dableiben." Da sie ihn nicht zurückhalten konnte, hielt sie es doch für befier, ihn zu begleiten, sollte ihm dann etwas unter- wegs zustoßen, so würde sie wenigstens einen Grund dafür erfinden. Das ivar inimer noch besser, als die Dinge dem Zufall überlassen. Turlure war in der That eigentlich gekommen, um zu plaudern. Er Ivollte über einen Giftmordprozeß sprechen, der gerade jetzt vor dem Pariser Schwurgericht verhandelt wurde und die öffentliche Meinung in leidenschaftliche Spannung ver- setzte, weil sich drei angesehene Sachverständige für die Schuld, drei nicht minder bedeutende Aerzte aber für die Unschuld aussprachen. Der Redekampf zwischen den beiden Parteien hatte nun schon mehrere Tage gewährt, und der Apotheker, der sich für einen großen Rechtskenner hielt, wünschte den Fall auch nach seiner kriminalistischen Seite zu erörtern, natürlich noch mehr aber, so weit er in sein eigenes Fach einschlug. 5iaum waren sie auf dem Quai angelangt, als er seine Lektion begann. Er kritisierte das System der Untersuchung. ivarf das Gebäude der Anklage über den Haufen und tadelte den wirren Verlauf der Gerichtsdebatte. Dies war bei ihm uni so seltsamer, als er gewöhnlich auf feiten der Anklage zu stehen pflegte. Der Notar, der es sonst immer mit der Verteidigung hielt, nahm diesmal den entgegengesetzten Standpunkt ein, so daß sich sofort eine lebhafte Diskussion entspann, zu großer Benihigung von Madame Courteheuse, welche wünschte, der Redekampf möge so lange dauern, als dieser mißliche Spaziergang, damit der Schlaf nicht einträte. Sie sorgte deshalb dafür, daß die Debatte nicht ins Stocken gerieth, und that das Ihrige, um die beiden Streiter anzuspornen. „Wie ist es nur möglich, daß die beiden Aerzte der An klage den Tod so bestimmt auf während die der Verteidigung ihn zeichnen l" Vergiftung zurückführen, als einen natürlichen be Jawohl", rief Courteheuse, der sonst nie mit feiner wahrer Skandal, daß ein Frau übereinstimmte,„es ist ein Professor der Medizinschule vor Gericht erklären konnte, die von seinem Kollegen vorgenommene Autopsie sei stümperhaft gewesen?" „Wenn dos nun aber seine Ueberzeugung ist?" „Wie soll man Vertrauen zu solchen Hanswürsten haben, die nur daran denken, sich aus Kosten eines armen Angeklagten Reklame zu machen!" „Und erst die vier Aerzte, welche das Opfer auf alle möglichen Krankheiten behandelt haben!" fügte Hortense hinzu. „Die einen ivie die anderen haben sich blamiert!" rief Courteheuse, der mit Vergnügen aus die Aerzte losschlug, well damtt nebenbei auch der Apotheker getroffen wurde. „Das finde ich durchaus nicht," erwiderte Turlure lebhaft; „wenn Sie nur wüßten, wie schwierig eine Vergiftung zu entdecken und nachzmveisen ist l Ein Ehrenmann besinnt sich lauge, bevor er einen Verdacht gegen geachtete Personen aus- spricht. Darum gelingen so viele Gisttnorde, welche ein Arzt verhindern könnte, wenn er es nur wagte, feinen Ver- mutungen Folge zu geben, und darum bleiben so viele der- artige Verbrechen ungestraft." An diese Bemerkung knüpfte der Apotheker einen ganzen Vortrag über Vergiftungen au, und war so redselig, daß Courteheuse nicht einmal eine Unterbrechung anzubringen ver- mochte. Seine Frau wurde über sein erzwungenes Schweigen unruhig; sie bezweifelte, ob das Gehen allein hinreichen würde, um ihn wach zu erhalten. Sie beschloß daher, die Debatte zu unterbrechen, und erklärte, sie fühle sich ermüdet. „Gehen wir schräg ab nach der Zlpotheke," sagte Turlure. „dort werden Sie einen Augenblick ausnchen, bevor Sie nach Hause gehen." „Es fröstelt mich." „Da wird Ihnen gerade ein Gläschen Magenelexir gut thun." Sie wollte Einwendungen erheben, allein ihr Mann hatte die Einladung bereits angenommen, ohne sich um sie zu kümmern, sie war also gezwungen uiitzugehen, besorgt darüb«. was eintreten werde, wenn er sitze, und Turlure ihn bei Licht untersuchen könne. XV. Frau Courteheuse bemühte sich vergeblich, nachdem man zur Apotheke abgebogen war, ihren Mann zur Teilnahme an der Konversation zu nötigen; er blieb schweigsam und ließ höchstens von Zett zu Zeit ein Wort fallen. Turlure wunderte sich darüber, da er beim Weggehen so gesprächig gewesen War, glaubte aber, er habe den Notar vtelleicht tn der Hitze der Debatte mit irgend einem Wort verletzt, und zeigte sich nun noch sanfter und freundlicher als gewöhnlich, um sein vermeintliches Vergehen wieder gut zu machen. Auf einmal unterbrach ihn Courteheuse mit der Frage: „Wirkt Ihr Liqucur auch gegen den Schlaf?" „Ausgezeichnet, wenn derselbe die Folge einer langsamen Verdauung ist." „Also werden wir an der Wirkung des Mittels die Ur- fache meiner Schlafsucht erkennen." Sie versuchte ihn von diesem Thenia abzulenken, aber er hörte nicht auf sie, sondern fuhr fort, zum Apotheker gewandt: „Denken Sie sich nur, ein- oder zweimal wöchentlich werde ich von einem unüberivindlichcn Schlaf ergriffen." „Unüberwindlich ist etivas übertrieben," stihr sie da- zwischen. „Oh, durchaus nicht; es ist mir kaum möglich, ins Bett zu kommen, und sobald ich liege, versinke ich in einen wahren Todesschlummer." Diese Behauptung schien ihr gefährlich; sie glaubte ihr daher widersprechen zu müssen. „Du bildest Dir das ein," sagte sie,„aber in Wirklichkeit atmest Du vollkommen ruhig wie ein Kind." „Das ist ein günsttges Zeichen", antwortete Tnrlnre,„und giebt den Beweis sowohl einer gnteil Gesundheit als eines guten Gewissens." tFortsctznng folgt.) Nlttdnvrcr. Musildrama in vier Akten und sieben Bildern von Louis Tiercelin und Lionel B o n» e m ö r e. Deutsch von A. Brunneman u. Musik von Fernand Le Borne. (Zum erstenmal aufgeführt iin Berliner Opcrnhause am 18. April 1898.) Abermals eine geheimnisvolle Musikkommandicrung in unserer Opcr l Wenigstens will ein Pariser Blatt darüber Näheres wissen und erzählt auch Gewichtiges über teure Ausstattung. Noch mehr: eine französische Komposition erlebt ihre überhaupt erste Aufführung in Berlin, die Franzosen scheinen bannt zufrieden zu sei», und dw Berliner Kunstgescllschaft hat seit einiger Zeit den Koinponistcn bei sich. Von Aims Ambroise Simon Leborue, 1797—1866, berichtet die Mufikchronik, datz er in Paris ein reuonuuierter Thcoriclehrcr war und komische Opern komponierte. Ob Fernand L e Borne von ihm abstammt, wissen wir nicht; seine künstlerische Abstammung geht anscheinend besonders auf Cösar Franck(1322— 1880) zurück, den lange zurückgesetzten, jetzt in Frankreich als Schöpfer einer neuen musikalischen Epoche gerühmten Komponisten eigenartiger finfouischer Werke, die nun auch bei uns allmählich häufiger zu flören find. F. Le Borne scheint in Frankreich, auch abgesehen von einer Thätigkeit als Kritiker, viel gespielt zu werden, in Deutsch- land jedoch nur erst durch eine Smfonie eingeführt zu sein, die vor 15 Jahren in einem der Bilse-Konzerte kam. Bor fast hundert Jahren wurde in Berlin eine große Oper „Mudarra" von dem Kapellmeister des damaligen„Natioimltheaters*, Bernhard Anselm Weber(1766—1821), aufgeführt; eine andere ßleichbetitelte Oper von Vincenzo Battista war vor fünfzig Jahren c Neapel zu hören. Wahrscheinlich handelt es sich um ein älteres Sujet, das nun wohl auch dem neuen„Mudarra", einer gro tzen Oper in vier Aufzügen, zu Gninde liegen dürfte. Der Titelheld ist ein maurischer Ritter. Ein„sinfonischer Prolog" pantomimischen Inhalts zeigt ihn uns in seinem Harem. Die ver- stlhrerisdhen Frauen erwecken in ihm das Gefühl, daß hier keine wahre Liebe sei.„Die Liebe wohnt in einem anderen Lande, wo das Herz erwacht, wenn die Sinne noch schweigen, wo die Frau, frei in ihrer Wahl, geworben werden will." So fährt denn der Ritter nach diesem erträumten Land. DaS Ganze ist demnach eigenartig und verheißungsvoll au- gelegt. Lerfe von Alfred de Muffet, mit der Endzeile:„Es sahn ihr alle gleich, doch nie war es die Eine I" sind als Motto vorgesetzt. Der von zlvei Franzosen gedichtete und von A. B r u n n e m a n n (wahrscheinlich Frl. Anna Elisabeth Br. in Meißen) verdeutschte Text macht zunächst den Eindruck einer selbständigen Erhebung über Librettodramatik und Librettojargon und behält durchaus eine vor- nehme Sprache bei, die einigernraßen an R. Wagner erinnert. Bald aber merken wir, daß der Gang der Handlung und die Belvegung der Charaktere über den Alltag der Oper nicht hinauskommt. Wir find im 14. Jahrhundert in der Bretagne und begleiten den Mauren zu einem so typischen Geflecht von Kampf und Friede, von Söldnern und Zigeunern, von Grafcnkind und Zigeunerin, von vrautnacht mit bekannten Verspätungen, mit Entführung und Ver- rat, mit Gift und Dolch und mit endlosen seelischen Offenbarungen von Personen, die ganz anderes erwarten lassen, daß es wahrlich Nicht lohnt, daS alles getreulich nachzuerzählen. v2fli Begriff, der Musik Le Bornes zu diesem Text gerecht zu werden, stehen wir wieder vor der alten Zwangslage, über eine mit aller modernen Verwickelung aufgebaute Leistung auf einnial Hören hin urteilen zu müssen. Keine Vorlage der Partitur oder wenigsteirS des Klnvierausznges, die ein erstes Bild geben und die Aufmerksam- kcit des HörcrS auf besonders Wichtiges lenken kann; keine General- probe, die den Kritiker erst mit dem Ganzen vertraut macht, auf daß sein zweites Hören nun auch den Einzelheiten näher komme— eine an anderen Orten längst übliche Einrichttuig I Soiveitiwir nun über das völlig neu Gehörte urteilen können, handelt es sich um eine ausgezeichnete, höchst reichhaltige Musik, die bedanern läßt, daß man ihr nicht gleich in alle Feinheiten nachspüren kann, und daß sie schließlich doch einer Oper vom ältesten Opcrnelende dient. Sie ist ausgesprochen instrumental angelegt; der Gesang spielt in der Regel mehr nur die Rolle einer so und so vieltcn Örchcstcrstimme. erhebt sich aber in dem glutvollen Schluß auch darüber hinaus. Er bewegt sich mit Vorliebe auf und nahe an der Dominante der jeweiligen Tonleiter, und der Sprung in die Quinte ist ein charak- terisiisches Requisit in der vorliegenden Musik. Andererseits fährt der Gesang gern ans seiner eintönig engen Bewegung plötzlich aus- schreiartig hinauf in hohe und höchste Lagen; dann giebt es ein leidenschaftliches Aufbäumen der Singstimmen gleichsam unter der Wucht der Orchesterpcitsche, und wehe dein Sänger, der da nicht ein llcbcrmcnsch oder ein Ucbcrinstrument ist. uns sich noch zu halten oder verständlich zu machen I Ucberhanpt lebt eine Leidenschaftlichkeit nnd eine Effelthitze in dem ganzen Werk, lvie nicht bald in einem. Allerdings ist es nicht die Erregtheit der Werke Wagners mit dem sorgsamen Beschränken auf das Motivierte, sondern vielmehr die italienische und sranzösische Anspannung der sinnlichen Eindrücke. WaS da an Fanfaren und dumpfen Jnstnuncntalgewühl, an Mondlicht nnd an Dekorationen. an Aufzügen, an Chören vorn und riickivärts, an Kirchlichkeit nnd Orgclspicl geleistet wird, das könnte nberwälttgend wirke», wenn verständlich würde, wcslvege», namentlich um welcher Charakter- größcn lvillcn das alles da ist. Le Borne schreibt natürlich keine Nummern; nnd doch tritt der hohe Wert seiner Musik gerade in einzelnen Stellen besonders glänzend hervor. Außer jenem letzten Finale kommt hier vor allem— bezeichnenderweise— der wortlose„sinfonische Prolog" in Betracht. Dann ein sinniges Vorspiel zum ztveiten Aufzug, eine köstliche Bettlersccue, ein Zigeunertanz, ein symbolistisches Lied der kleinen. natürlich aus Eifersucht und selbstlosester Liebe zusammengesetzten Zigeunerin, der zur Seite ein noch selbstloserer Zigeuner seines Amtes waltet als einer, der sich alles gefallen laffen'muß, und an allem höchst unschuldig ist. Die Aufführung, die trotz störender Striche beträchtlich lang dauerte, stand zunächst unter dem Druck des Umstandcs, daß an diesen schwierigen und gesanglich,, wenngleich nicht mimisch un- dankbaren Rollen auch allergrößte Sänger sich erschöpfen können. Bei dem, was unserer Oper an Personal zu Gebote stand, durfte man froh sein, daß das viele Zittern und Kreischen der Stimmen nnd die Ungewißheit, ob man nichl schon vor einem Reißen des Zilsnniincullnngcs stand, nicht ärger war. Aber unsere Sänger thaten ihr Bestes. Vielleicht die anerkennenswerteste Leistung oder wenigstens die hervorstechendste bot Frl. Rötha user als Zigeunerin; doch auch Frl. D e st i n n als die hin und her gc- zerrte Braut Alienor nnd Herr Kraus als Mndarra, letzterer freilich niit etivas unschöner Vokalisicrnng, arbeiteten mit aller verfügbare» Kraft. Von der tramnhaften Phantastik, die das ganze Stück durchzieht, war sowohl in der puppenhaften Eingängs-Pantomiine als auch in den Pfadlveiscr-Bcwegcnigcic der Solisten und Choristen kaum ecwas zu spüre». R. Strauß dirigierte die seinem eigenen Geist verwandte Kompositton. Dem verhältnismäßig geringen, beim Erscheinen der Sänger demonstrativ gesteigerten Beifall gab der Komponist, dem man den bescheidenen Fachmann ansehen lomite, mehrmals Folge. Den Regie- und Dekorationskünsten der Herren T e tz l a f f und Brandt wäre eine ausdrückliche Ehrung recht sehr zu gönnen ge- Wesen.—_ sz. Kleines �euillekon. — Ueber Beethovens letzte Augenblicke erzählte Anselm Hüttenbrenner, der selbst bei dem Tode des Meisters zugegen war. dem jüngst verstorbenen Beethoven- Biographen A. W. Thayer folgendes: Im Winter 1826—27 schrieben Hüttenbrenner seine Freunde von Wien, daß, wenn er wünsche, Beethoven noch lebend zu sehen, er schnell von Graz hierher kommen müsse. Er eilte nach Wien und kam einige Tage vor Beethovens Tode an. Am frühen Nachmittag des 26. März ging Hüttenbrenner in das Zimmer des Sterbenden. Er erwähnt von Personen, die er dort traf, Stephan v. Breuning und Gerhard, Schindler, Tclscher und Karls Mutter. Beethoven war schon lange bewußtlos. Telscher begann das sterbende Gesicht Beethovens zu zeichnen. Das verletzte Breunings Gefühl, und er stritt mit ihm, bis er seine Papiere nahm und ging. Dann gingen Breuning und Schindler fort, um inWähring ein Grab auszusuchen; als es finster wurde, und ein plötzlicherStunn sich erhob, stürzte Gerhard, der bisher am Fenster gestanden hatte, fort und nach Hanse zu seinemLehrer. So blieben im Zimmer nur Hüttenbrenner und Frau v. Beethoven. Draußen raste der Sturm, das Glacis mit Schnee und Hagel be- deckend. Als er sicb legte, machte ein Blitzstrahl alles hell. Ein furchtbarer Donnerschlag folgte. Hüttenbrenner saß an der Kante b«S Bettes, Beethovens Kopf stützend— ihn mit seinem rechten Anne aufrecht haltend. Sein Atem war schon sehr gehindert, er lag schon feit Stunden im Sterben. Bei diesem erschreckenden, heftigen Äe- töse dcS Donners erhob der Sterbende plötzlich sein Haupt von Hüttenbrcnncrs Arm, streckte seinen rechten Arm majestätisch aus. »wie ein General, der seinem Heere Befehle giebt". Das war nur ein Augenblick; der Arni sank zurück; er fiel zurück. Beethoven war tot. Ein andermal erzählte Hüttenbrenner darüber: ES schien, dafi Beethoven in den letzten Zügen lag. ein Auge schon geschlossen. Beim Zucken des Blitzes und dem Donnerschlag erhob er seinen Arm mit geballter Faust; der Ausdruck seiner Augei, und seines Gesichtes war der eines,.der den Tod verachtet", ein Blick der Verachtung und der Widerstandskraft.— — Ist der Hummer ei» Fisch? Ucber diese Frage liegen zur Zeit die französische und die englische Diplomatie in Streit. Die Franzosen bejahen die Frage ohne weiteres, die Engländer verneinen sie hartnäckig. Die Neufundlandfrage hat auch dieses Problem auf- geworfen. Der Iltrechter Vertrag vom Jahre 1715 gesteht nämlich Frankreich das Recht des Fischfanges'in einem bestimmten Gebiete zu. England behauptet, dafi dieses Zugeständnis sich nicht auch auf die Hummeni beziehen könne, denn diese seien Schaltiere. Die Meinungsverschiedenheit ist von um so gröberer Bedeutung, als der Reichtum an eigentlichen Fischen in den ncnfundländischcn Gewässern sehr abgenommen� während der Hummer sich vennehrt hat. Wenn man sich einfach an die Klassifikation der modernen Naturgeschichte hielte, dann wäre der Streit bald zu Gunsten Englands entschieden. Aber von französischer Seite macht man geltend, daß man, um einen Vertrag finngemäst auslegen zu können, sich auch um die An- schauuugeu, die zur Zeit seiner Unterzeichnung herrschten, kümmern müsse. Und da ist eö denn gewist, dag zur Zeit des Utrechter Ver- trage« die Naturhistoriker sich noch an die alte PliniuSsche Klassi- fikntio» hielten, die unter die Fische alle im Wasser lebenden Tiere zählte. Was wird nun die moderne Diplomatie aus dem Hummer machen?— Ei» Postamt auf Rädern. Eine eigenartige, gänzlich neue Posteinrichtung ist kurz nach Ostern in Wcstminster, mr Nordamerika- nischen Staate Marhland, in Funktion getreten. Es handelt sich um einen von Ort zu Ort führenden Wagen in Form eines geräumigen OnmibnS, dessen eine Breitseite einen» regelrechten Postschalter gleicht, hinter dem der sogenannte„Postmaster" genau dieselben Pflichten zu erfüllen hat, wie seine mehr sebhaften Kollegen in den„stehenden" Postämtern. Er verlauft Marken, nimmt Packcte, Geldsendungen und einzuschreibende Briefe zur Befö.-derung an, teilt Journale, Briefe und Packcte aus und lägt durch seinen Gehilfen alle am Wege liegenden Postkasten leeren. Während jeder seiner täglichen Fahrten, die früh 7 Uhr beginnen und gegen 5 Uhr nachmittags ihr Ende er« reichen, legt das reisende Postvurcau einige 30 englische Meilen der schlechtesten, durch die abgelegensten Ortschaften führende Landwege zurück.— Geographisches. — Von der dänischen Pamir-Expedition unter Leitung dcS Leutnants Olufsen erhielt das Kopenhagener Blatt „Danebrog" eine Nachricht, ans der die ,N. Pr. Z." folgendes mit- teilt:„Wir verlieben am 1. März unsere Winterstation und gehen jetzt südivärtS längs des H i n d u k u s ch durch W a k h a n, von wo ans wir uns in nordöstlicher Richtung über chinesisches Territorium nach der Stadt K a s h g a r begeben werden. Durch die Pässe gegen Nord und Sud wagen sich nur die Kirgisen aus ihren groben aus Weiden geflochtenen Schneeschuhen. Den ganzen Winter haben sie Briefe nach Turkcstan besorgt; aber mehrere von ihnen sind auch im Schnee verschtvundcn. Mit Lasttieren und Bagage ist es unmöglich, die Pässe in dieser Richtung zu passieren. Für unsere Expedition Begleiter zu erhalten, hielt sehr schiver, da unter de» Eingeborenen allgemein der Glaube vorherrscht, dah sie, wenn sie über die Berge hinausgehen, welche den Horizont begrenzen, sterben müssen. Dieser Aberglaube ist nicht ganz unbegründet, da eS mchreremal geschehen ist, dah Eingeborene. welche sich von hier nach Turlestan gewagt haben, gestorben find, wenn sie ins Tiefland kamen. Leute, die von Kindesbeinen an unter dc»n niedrigen Luftdruck in den Gebirgen gelebt haben, können den hohen Lustdruck im Tieflande nicht vertragen. Wahrscheinlich ist es aber nur die Angst vor dem Unbekannten, welches die Hauptrolle spielt. Die alten Geschichten, die auch in der Heimath bekannt sind, dag alle Fremde, welche beispiclsiocise nach Bolhara kommen, sofort geköpft oder in einer groben Pfanne gebraten würden, was vor S0 Jahren auch wirklich der Fall war, werden hier noch immer erzählt. Nach Kashgar dürfe nie»nand gehen; denn die Chinesen seien Meuschcnstesser. Kämen Fremde nach der Stadt Osh m Ferghana, dann würden sie gleich getödtet. Ferner erzählt man sich, dab m ge- wissen Gegenden eine Menge böser Geister Hausen, unter denen be- sonders Simafti gefürchtet fei. Dieser Slmasti soll sich besonders damit amüsieren allen Menschen und Tieren die Haare auSzureisten. Man weist wohl, daß die Russen, welche„AaruS" genannt werden, die Länder in Besitz genommen haben; aber man verbindet hiermit keine anderen Gedanken oder Vorstellungen, als daß der russische Ak Pascha sweister Pascha) ein turkestanischer Khan ist, welcher äugen- blicklich persönlich Erobenmgen macht. Derartige Dinge ist man hier gewöhnt, indem bald der eine bald der andere Khan hier seine Bergklüfte gehabt und von Bewohnern Steuern eingetrieben hat. Sie freuen sich mir, daß sie gegenwärtig von Plünderungen frei sind,»»einen aber in» übrige», dah bald ein anderer Pascha, Schah oder Emir kommt und die„Aarus" fortjagt und dann müsien sie ihm gehorchen. Keiner von den Leuten, die wir hier habe»», will die Expedition weiter als bis zum östlichen Wakhan begleiten; wir haben deshalb Leute und Kameele von einen» Kirgisenstamm gemietet, welcher dort in der Nähe wohnt. Vor einigen Tagen hatten wir ein ungewöhnliches Phänomen in Form eines starken Sturmes. Seit über vier Monaten»varcn wir an durchaus windstilles Wetter ge- wöhnt, welches auf die Dauer unendlich langweilig wird. Durch die Abwechselung wurden wir so erfreut, dast»vir, trotz eingetretener Dunkelheit, uns in Pelze hüllten und den Wind auf dem StattonS- dache genossen. Die Sonne hat schon jetzt so grobe Macht, dast sie die Lawinen ins Rollen bringt, und jeden Tag dröhnt es in den Bergen. Es sind Klippenstücke, welche losgerissen werden und ins Thal hinabrollen. Es ist interessant, zu sehen, wenn die gewaltigen Steine hinabfahren, selbstredend nur dann, wenn man Weib, dast sie die Station nicht erreichen können. Um bei» Frühjahrslalvinen u>ld den Bergstürzen zu entgehen, ziehen wir jetzt von dannen.— Medizinisches. — Auf dem 17. Kongreb für innere Medizin, der vom 11. big 13. April in Karlsbad tagte, hielt Professor v. Schrötter(Wie»») einen Vortrag über Erlahmung des Herzmuskels unter dem Einflüsse verschiedener innerer und äuhercr abnormer Be- dingungen. Nach einem Bericht der„Neuen Freien Presse" führte er unter anderem aus: Mit einem gesunden Herzmuskel lasten sich ausgesprochene Klappenfehler Jahrzehnte ertragen, andererseits unter» liegt ein von Natur aus nicht funktionskrästtges Herz frühzeitig auch ohne greifbare anatomische Läsionen bei abnonner Inanspruchnahme der Hcrzkraft. Hierher gehören die verhängnisvollen Einflüsse der übertriebenen Sportübungen auf das Herz. DaS menschliche Herz hat kein eigenlliches Ermüdungsgefühl, und so kommt eS, dast so viele Menschen,„die zu viel mrt den Muskeln und zu wenig mit dem Verstand arbeite»»", bei den verschiedenen sportlichen Körperübungen, wie Radfahre», Bergsteigen, Athletik, Wettlaufen usw., zu spät den erlittene»» Schaden bemerken und sich irreparable Verändeningen des Herzmuskels zuziehen. Allerdings besitzt der Organismus mächtige Kon»peilsations-Vorricht»mgen, und schlieblich antivortet das Herz den gesteigerten Anforderungei» gegenüber mit einer Massenzniiahiiie, der logenannten Hypertrophie seines Fleisches. Aber dies»st und bleibt einmal ein pathologischer Zustand, der früher oder später zu völliger Erschöpfung führt, und selbst Athleten gehen an ihr nicht selten zu Grunde. Durch Uebung lästt sich wohl im allgemeinen eine Kräfti- gung des angeborenen schwachen Herzeirs herbeiführen, doch hält sich das erreichbare Mab in enge»» Grenzen. Jnterestant ist die Herz- schwäche unter nervösen Einflüssen, ja, Professor v. Schrötter giebt selbst die Möglichkeit des TodeS.an gebrochenem Herze»»" zu. Sodann kamen die verschiedenen Formen der HerzmuSkel-Er- krankungen zur Sprache, und der Wiener Kliniker stellte bei dieser Gelegenheit die Forderung auf, derartige Kranke nicht zu früh, selbst wenn fie sich relativ wohl fühle», aus dem Hospital zu entlasten, da ein lädirteS Herz allzu leicht gesteigerten äußeren Anforderungen des täglichen Lebens erliegt. Für solche Patienten ist der nachttägliche Aufenthalt in ReconvaleSzentenhä»lsern ein dringendes Bedürfnis. In der Erörterung über die Herzmuskel- Erlahmung streifte Profestor Romberg die so häufige Herzschwäche der Fettlelbigei», die er im Einklang mit anderen Forschern nicht so sehr auf die Fcttveränderung deS Herzmuskels alS auf das Mist- Verhältnis zwischen seiner Entwicklung und der abnormen Körper» masse zurückführt, während sonst in der Regel ein Parallelismus zwischen den» Gewichte deS HerzenS und dem Gesamtkörper besteht. Da bei Fettleibigen der Herzmuskel gewöhnlich dieselbe Schlaffheit aufweist wie die Skeletttnuskeln, so ist vom therapeutischen Stand- Punkt eine vorsichtige gymnasttsche Uebung dringend geboten. Auch die Eittstchung des„BierherzenS", d. h. deS d»irch abnormen Bier- genuk krankhaft veränderten HerzenS bei jungen Leuten, insbesondere bei Studenten, kam zur Sprache und hierfür wl»rde der plötzliche Uebergang aus geordneten Familienverhältnissen in ein zu freies Gasthausleben Verantivortlich gemacht. Da die Pathologen allster dem Fettherz, dem Mastherz im Sii»ne Professor KischS, und dem Bierherz auch noch ein Arbeiterherz, d. h. die emsache Arbeits» Hypertrophie deS HerzenS infolge Ueberanstrengui»g. unterscheiden, so spiegeln sich thatsächlich zwanglos in dieser Reihenfolge krank- hafter Herzzustände so manche Zustände deS socialen LebenS wieder.— Astronomisches. — Neue Fernrohrtypen. Das Verhältnis der freien Objeltivöffuung zur Brennweite ist bei der überwiegenden Mehrzahl der modernen groben Refraktoren so ziemlich das gleiche, eS schwankt etwa zlvischen den Grenzen 1: 16 und 1: 18. Für photographische Fernrohre dagegen hat man, so wird der„M. Allg. Ztg." geschrieben, nach dem Borgang von Prof. Max Wolf in Heidelberg, seit ungefähr zehn Jahren die Fokallänge bettächlich kürzer gemacht und hat damit ganz»vesentliche Vortheile erzielt. Ein Typus dieser Art von Jnstru- menten ist daS der Harvard- Sternwarte in Cambridge bei Boston von Mist Bruce zum Geschenk gemachte photographische Doppelfern- rohr, daS bei 24 Zoll(0,6 Meter) Objektivöffnung nur 12 Fuß (3,6 Meter) Brennweite besitzt. Die hervorragenden Erfolge, die mit diesen» schönen Instrumente auf der Arequipa-Sternwarte in Peru, einer Filiale der Harvard-Sternwarte, erzielt wurden, ver- anlaßte den Direttor der letzteren, Prof. E. Pickcring, den Bau von Fernrohren vorzuschlagen, bei denn? da? Verhältnib der freien Oeff- liung zur Brennweite von dem bisher üblichen nach der entgegen- gesetzten Seite stark abweichend, nämlich etwa gleich 1: 100 oder noch kleiner, gewählt wird. Solche Jnstnmiente müssen wegen ihrer enorme» Länge natürlich(horizontal) festliegend nwntirt werden, die zu beobachtenden Objekte werden mittels eines vor dem Objektiv be- festigten planparalleleir Spiegels in das Fernrohr reflektiert, lim die Rotationsbewegung der Erde unschädlich zu machen, würde es bei photographischen Änfnahmen g einigen, statt wie bisher das ganze Fenirohr, lediglich die Kassette mit der lichtcnipfindlichen Platte durch ein Uhrtverk zu bewegen, wie dies jetzt schon bei dem dortigen, in gleicher Weise nionticrten Photoheliographen geschieht. Abgesehen von der verhältnismäßig großen Billigkeit derartiger Instrumente, ist als deren Hauptvorzng die bedeutende Bildgröße zu betrachten, die auf solchem Wege zu erzielen ist; dieselben würden sich also vorzugsweise für photographische Aufnahmen der Sonne, dcS Mondes und der großen Planeten(Jupiter, Saturn, Mars), dann aber auch für phot'ographische Bestimmungen der Sonncnparallarc vortrefflich eignen. Wie bereits mitgeteilt, wird ein für direkte(visuelle) Bcob- achtung eingerichtetes derartiges Instrument(bei welchem der vor dem Objektiv befestigte Spiegel durch ein Uhrwerk getrieben wird). auf der im nächsten Jahre stattfindenden Pariser Weltausstellung zu sehe» sein.— Geologisches. !o. Gläserner Meeresboden. Eine bemerkenswerte Mitteilung legte der Mineraloge Termier der Pariser Akademie der Wissenschaften vor. Der Gelehrte hatte von einem Ingenieur der französischen Telcgmphenkabel- Gesellschaft einige Gesteiusplitter zur Untersuchung erhalten, die aus einer Tiefe von etwa 3100 Meter aus dem Atlanttschen Occan heraufgeholt waren. Im Jahre 1898 sollte in diesem Meere etwa in der geographischen Breite von Paris und der geographischen Länge der Azoren ein Telegraphenkabel gc- hoben werden, und zu diesem Zivcikc ließ man einen eisernen Greif- haken über den Meeresboden hinschleifcn. Die Arbeit war an dicserStellc von nnverhältniSmüßigen Schwierigkeiten begleitet, da gerade dort der Meeresboden eiiie ganz ungewöhnliche Ausbildung besitzt. Der Grund des Occans bietet in jener Gegend nämlich ganz den Charakter eines GebirgslandcS mit hohen Gipfeln, ttcfcn Thäleni und steilen Abhängen. Die nntcrmcerischcn Gebirge sind felsig und nackt, nur auf dem Grunde der Thäler findet sich etwas Schlamm. Auf diesem unebenen Meeresboden verfing sich der Greifhaken oft an harten Fclsspitzen und Fclszacken, er kam mehrmals in zerbrochenem oder verbogenem Zustande an das Tageslicht herauf und zeigte an seinem Eise» tiefe Risse und Schrammen. Zuweilen fanden sich zwischen den Zähnen des Hakens kleine GestcinSspIittcr, die einen ganz frischen Bruch zeigten und demnach eben erst von einem unter- meerischen Felsen losgerissen sein mußten; alle diese Splitter gehörten sichtlich derselben Gesteinart an. ES sei noch er- wähnt, daß die Untersuchungen des Meeresgrundes das Ergebnis geliefert haben, daß sich dort die höchsten nntermccrischen Berge befinden, die man bisher überhaupt angetroffen hat, und daß auch die Nacktheit rurd Schlaminlosigkcit deö Grundes auf eine weite FlächenanSdehnung hin im höchsten Maße auffällig ist. Die Sache wird aber nur»och wunderbarer, wenn wir nun das Gutachten des Mineralogen über die Beschaffen- heit und de» Ursprung jener Gcsteinssplitter hören. Sie sind näm- lich Teile eines echten Glases, eines Erzeugnisses der Natur, wie es sich in vulkanischen Gebieten der Erdoberfläche nicht selten findet. Wenn eine flüssige glühende vulkanische Masse aus dem Erdiniicrn aufdringt und sehr schnell erkaltet, so entsteht ein solches glasartiges Gestein, weil zu der Ausscheidung der einzelnen Bestandteile zu bc- sonderen Mineralien und Krystallen keine gelingende Zeit bleibt. Je schöner die Krnstalle in einem Gestein ausgebildet sind, desto lang- samer muß dieses Gestein erkaltet sein. Am langsamsten geht die Abkühlung einer glntflüssigen GesteinSmasse in großen Tiefen vor sich, wenn sie nämlich die Erdoberfläche gar nicht erreicht. Man sollte nun denken, daß auch in der Tiefe deS MeercS,»venu dort große Lava- Ausbrüche aus dem Erdinnern erfolgen, ähnliche Bedinglingen gegeben sind, die eine langsame Abkühlung der vulkanischen Ergüsse gestatten. DicS kann aber an jener Stelle im Atlanttschen Ocean nicht der Fall gewesen sein, denn sonst könitte dort der Boden nicht aus solchem Glase bestehen. Dieses aleicht durchaus dem sogenannten Obsidian, der dadurch entsteht, daß eine flüssige Masse von Basalt an der Erdoberfläche sehr rasch erkaltet. Das untermeerische GlaS aber ist fast ganz undurchsichtig, und die Bruchflächen sind etwas weniger glänzend als beim eigentlichen Obsidian. Die chemische Zusammensetzung konnte leider wegen der geringen Zahl der Glassplitter nur unvollständig ermittelt werden, aber die mikroskopische Untersuchung hat keine» Zweifel über die vulkanische Entstehung dieser Felsbruchstücke gelassen. Besonders die große Zahl winziger Olivin« Krystalle, die sich im Basalt beinahe stets finden. zeigen deutlich die Gesteins- art an. Unter dem Mikroskop erscheint das untermeerische GlaS in hellbrauner, gleichmäßiger Färbung, aus der sich nur kleine Krystalle von durchsichttgem Olivin und noch zahlreiche Gruppen haarförnnger schwarzer Gebilde heraushebe». Die Olivin- Krystalle, von denen die größten höchstens h'w Millimeter laug sind, enthalten Einschlüffe von GlaS und gelegentlich auch von Gasblasen. Die haarförmigen Gebilde stellen winzige unvollkonnnen ausgebildete ' Bcrantwortticher Redacteur: August Jacobey in Be KrystaMörperchen dar, die nicht über Millimeter lang sind und sich zu parallelen Bündeln zusammenschließen. Die übrige Masse des Gesteins ist vollkomineu gleichmäßig und zeigt niit Ausnahme einiger Einschlüsse von Gasblasen keinerlei Ansscheidung. Die Meereskunde ist durch diesen Fund um die interessante That- fache bereichert, daß der Bode» des Atlanttschen Oceans in einer Erstreckimg von den Azoren»ach Island hin aus einem glasartigen vulkanischen Gestein besteht. Tcruncr nimmt an, daß dieser Meeres- gnmd zur Zeit jener vulkanischen Ausbrüche weniger tief gewesen sein muß als heute, da sonst die Lava nicht zu einem Glase erstarrt sein könnte.— Humoristisches. — Frappantes Beispiel. Sl.:.Ist es ganz aus- geschlossen, daß der Meier seine Schulden bezahlt?' B.:.Eher bekam' eine Milliouärsfrau mehr alszwei Kinder.'— — Zurückgewiesener Verdacht. Hans:.Na, Karl, jetzt bist Du erst zwei Wochen verheiratet und hast schon ein blaues Auge.' Karl:.Bitte, lieber Freund, das Hab' ich außerehelich erhalten.'— — B u r e a n z o p f. Bureau vor st and:„Wie kommen Sie dazu, ohne anzuklopfen hereinzutreten!?" „Entschuldigen Sie, ich habe zweimal geklopft!' B« r e a u v orst a n d:„Ilm so schlimmer! Sie hatten zu warten, bis Sie beim ersten Klopfen gehört wurden!'— („Mcggeud. hmn. Bl.') Notizen. —„DegaS, eine kritische Studie' von Prof. Max L i e b c r m a n n, ist im Verlage von Bruno und Paul Cassircr soeben erschienen. DaS Heft enthält Illustrationen.— — Ebenso wie schon seit längerer Zeit für die deutsche S ch w e i z wird jetzt ein Idiotikon auch für die französische Schweiz mit Ilnterstützimg des Bundes herausgegeben. Chef- redacteur desselben ist Dr. G a u ch a t in Zürich.— — Die nächste Novität des Schauspielhauses wird „Ewige Liebe", ein Schauspiel von F a b e r, sein.— — Im Wiener Bnrgtheater wurde Ernst RosmerS (Frau Bernsteins) Komödie„ T e d e n m", deren Titel ans Censur- rückfichten in„ P e t c r K r o n' abgeändert war, aufgeftihrt. Nach dem ersten Akt folgte Beifall, der Schluß wurde abgelehnt.— — In Petersburg soll ans Betreiben der Schauspielerin Frau S a w i n a. die bei Gelegenheit ihres Gastspiels in Berlin das Schiller-Theater keime» lernte, eine diesem Theater e» t- sprechende Bühne begründet werden.— — Die neueste Mode in den Pariser Salon? find M a- rionetten-Aufführungen. Judith Gantier, die Tochter Theophile Gautiers, bietet ihren Gäste» Borsühninge» von Wa g n er- O p e rn uiit Marionetten; Sänger und Sängerinnen ersten RmigcS fingen hinter der Scene. In einem midern Salon wurde kürzlich Ibsen S„Nora" in derselben Weise gespielt.— — Eine zweite Sieges-Allee soll, wie das„B. T." er- fährt, aber nicht glauben will, in einem der Berliner Museen er- stehen. Dort sollen die sämtlichen Gipsmodelle der Sicgesallee» Tcnliiiäler„zu Sttidienzwecken' Aufstellung finden. — Die belgische Regierung beschloß, die ans 309 g r i e ch i- scheu und 402 römischen Münze ii bestehende Sammlung des Grafen A. du Chastcl in B r ü s s e l für 300 000 Fr. auzii kaufen. Nach Ansicht von Fachleuten steht die nur aus Pracht st ücken bestehende Sammlung i» ihrer Art einzig da.— — Auf der Gartenbau- Ausstellung zu Ehren Van Dycks in Antwerpen wurden für drei Orchideen hundert- tausend Franken geboten. Der Besitzer lehnte das Gebot als zu u i e d r i g ab.— — lieber die Entdeckung»euer Planetoiden wird gemeldet: Am 9. März hat der belaiinte Planetenentdecker Dr. I. Palisa von der IIiiiversitätS-Sternwartc in Wie n beim Aufsuchen belannter kleiner Planeten auf visuellem Wege einen solchen neu aufgefunden. Die Anzahl der von Dr. Palisa eindeckten kleinen Planeten ist damit auf 83 gestiegen. Ebenso entdeckte G. Witt von der Urania- Sternwarte in B e r l i u am 2. April einen neuen Planetoiden auf photographischein Wege. Beide neuen Planeten sind ziemlich licht- schwach, etwa 11. bis 12. Größe.— — Flüssige Luft zu Spreng zwecken wurde, wie die „N. Fr. Pr." mitteilt, in den Ober-Sieveriuger Steinbrüchen bei Wien mit gutem Erfolg verwendet.—___ lin. Druck und Verlag von Max Badina in Berlin.