Wnlerhaltungsblatt des Horwüris Nr. 79. Freiwq. den 21. Aprll. 1899 (Nachdruck verdoteu.) i4i Vev Schuldige? Roina» von Hector Malot. ..Jmmahin erwache ich des Morgens nur sehr schwer und bin dann wie stumpisinnig". sagte Courteheusc. «Das hast jedenfalls nur Du allein bemerkt, und das beweist, datz dieser Stutnpjjinn nur in Deiner Eurbildung existiert." «Haben Sie schon einen Arzt darüber befragt?" «Ich habe gar keinen Arzt." «Hanyvel ist doch einer Ihrer Klienten?" «Ja. aber ich bin nicht der seinige: Gott fei Dank, wst sind niemals krank gewesen; zudem glaube ich nicht sehr an die Arzneikunde, aber noch weniger an die Aerzte." „Erlauben Sie. Hanyvel ist einer unserer besten Kliniker. intelligent und Autor kühner Arbeiten; als er von Paris nach Ronen kam. ging ihm ein guter Ruf in der medizinischen Welt voraus, und er hat sofort eine prächtige Kundschaft de- kommen." „Und aus dem grasten Schanzer von Paris ist in Ronen ein groster Faulenzer geworden. Ich lernte ihn gelegentlich seiner Heirat kennen und habe dabei mit angesehen, wie sich ein Gehirn in einen Sack Thaler verwandelte. Er be- schästigte sich mit allem, mit Kunst, Litte ratrrr. Altertümern— nur nicht mit Medizin. Ich bin sicher, daß er feit zehn Jahren kein medizinisches Wer? aufgeschlagen hat, und wenn er ja einmal von seinem Metier spricht, so geschieht es nur, um Untersuchungen oder Entdeckungen der jüngeren Kollegen zu verspotten." „Das hinderte mich nicht, ihn. wenn ich krank wäre, holen zu lassen." „Also. Sie kommen auf die Idee zurück, mich zu ihm zu schicken?" „Ganz und gar nicht, ich weiß ja noch nicht einmal, ob Ihne» etwas fehlt." Sie beeilte sich, die Unterhaltung abzulenken 7 „Aber Courteheusc fehlt gar nichts: er ißt. geht und kommt, arbeitet wie gewöhnlich. Was würde ihm ein Arzt antworten, wenn er sich über zu guten Schlaf beklagen würde?" „Das ist kein guter Schlaf zu nennen, von den» das Er- wachen so mühsam ist." Jedes Wort brachte die Gefahr tvieder zurück, die sie un- anfhörlich abznlvcnden suchte. Würde dieser verwünschte Spaziergang inemals ein Ende nehmen? Mit Angst trat sie in die Apotheke ein. und doch mußte sie sich heiter»md lustig wie gewöhnlich zeigen, aus die Höf- lichkeiten von Madame Turlure. und auf die Liebenswürdigkeiten der Schwägerin anttvorten. aber ohne die Unter- Haltung an sich zu reißen, damit ihr Mann daran teil nehmen konnte. „Rnn. was hat der Liqueur für eine Wirkung?" fnig der Apotheker, nachdem Herr Courteheusc sein Gläschen geleert hatte. „Ich bemerke gar keine." „Das dachte ich gleich. Ihre Schlafsucht rührt nicht von einer zu langsamen Perdauung her; übrigens muß man das abwarten." „Ich möchte lieber schlafen gehen." Madanie Courteheusc erhob sich, aber ihr Gatte schien nicht geneigt, seinen Sitz zu verlassen. „Thatsache ist." sagte Herr Turlure.„daß Sie der Schlaf überiuannt. Ihre Augen sind trübe, Ihre Lider fallen zu." „Ich sehe nichts mehr." «Sie gähnen, Ihr Kopf sinkt nach vorn." „Die Arme fallen mir herunter." „Gehen wir schlafen," sagte Madame Courteheirse nach der Thür gehend,„ist es in einem solchen Zustand nicht besser, sich zu Bett zu legen? Ich finde, das hätte bereits geschehen müssen." Die Lebhaftigkeit, mit der sie diese Worte, die ihre Ge- niätsbewegung verrieten, hervorstieß, täuschten Herrn Turlure über die Ursache derselben. Beruhigen Sie sich doch, liebe Madame Corirteheuse. der Zustand Ihres Mannes ist nicht gefährlich." «Ich hoffe es." «Ich loeiß. was ihm fehlt." ..Ah?" „Vollkommen; man braucht ihn nicht lange zu beobachten, um über feinen Zustand orientiert zu fein." „Und was fehlt mir denn?" fragte Conrteheufe mit gepreßter Stimme. „Nichts liegt mir ferner, als die Rolle des Arztes über- nehmen und Ratschläge erteilen zu wollen. Jeder an seinem Platze: ich bin und bleibe Apotheker. Man wirb mich nie- mals anklagen, gesetzwidrig medizinische Praxis ausgeübt zu haben. Nachdem ich Sie beobachtet habe, glaube ich, daß Sie den Doktor Hanyoel nicht zu sehen brauchen, und kann Madame, die ich vielleicht erschreckt habe, sich beruhigen." „Aber gewiß haben Sie mich erschreckt, und das nicht wenig." „Ich habe es Wohl bemerkt. Nun. haben Sie keine Be- sorgnis mehr, liebe Moderne Conrteheufe." „Aber warum überfällt mich öfters solche Schlaffucht, wie heute abend?" „Sie arbeiten zu viel, mein lieber Herr Courteheusc. und dieses Uebermaß von Arbeit bringt eine Erschöpfung hervor, die gebieterisch eine Ruhe der Wiederherstellung fordert; daher kommt Ihr Schlafbedürfnis." „Das ist klar?" rief Madame Courteheule. „Aber ich habe heute nicht mehr als gestern gearbeitet," sagte der Notar. „Das mag schon sein; lvenn Sie aber heute so diel als gestern gearbeitet und somit zu der früheren Ermüdung eine neue hinzugefügt haben, so ist eine �derartige Erschöpfung nichts Erstaunliches." „Sicherlich." sagte Madame Courteheuse. „Und damit gute Rächt; da Sie so müde find, so gehen Sie am besten schlafen." Madame Conrteheufe mußte ihren Gatten nach Hause führen: er schlief stehend und legte sich zu Bett ohne Be» wußtsein von dem zu haben, was er that. Sie aber, nachdem sie allein in ihrem Zimmer war. wurde von toller Lachknst ergriffen, die endlich ihre Nerven von der Angst der durchlebten Stunden tvieder befreite. Dann machte sie sich über ihre Angst Vorwürfe. Eine Frau in ihrer Lage müßte stets bereit fein, der Gefahr, wo- her sie auch immer konrme, die Stirn zu bieten. Bewies nicht das,>vas früher zwischen La Vaupaliäre und dem Hospitalarzt und was jetzt zwischen dem Apotheker und ihrem Mann vorgegangen lvar, deutlich, daß es nicht schwer fei. diese Leute, die alles wissen und alles erklären wollen, zum beste« zu haben? O, diese Aerzte? Sie lachte noch, als sie La Vaupalierc die Thür öffnete. XVI. Mit dem Eintritt der schlechten Witienmg wurden die Stelldicheins viel leichter. Wenn der Westwind mit seinen Rege>ffchauern die Straßen durchfegte, oder wemi der Stunn auS dem Nordosten Pfiff, dachten ebensowenig die Klienten daran, das Kaminfcucr zu verlassen, um dem Notar ihre Angelegenheiten vorzutragen, als Herr Turlure daran dachte, zu kommen, um ein Plauder- stündchen mit ihm abzuhalten. Madame Courteheuse hatte also auch nicht mehr zu befürchten, zu unzeitgemäßen Spaziergängen am Gestade hin aufgefordert zu werden, die ihr von neuem denjenigen, der sie so sehr aufgeregt hatte, ins Ge- dächtnis rufen würden. La Vaupalierc seinerseits war nun nicht mehr in den schmutzigen Straßen und auf dem eisigen Quai unangenehmen Begegnungen ausgesetzt. Fast ganz verborgen unter seinem Schiri», den Kopf tief in eine Pelzmütze gesteckt, konnte er in seinen dicken weiten Ueberzieher gehüllt, der seinen Wuchs verbarg, an den Leuten ungeniert vorübergehen; man konnte ihn ebenso für einen vom Dienst kommenden Nachtarbeiter oder auch für einen verspäteten Bürger halten. Und dies war um so wichtiger für ihn, als er an einem schöne«, aber finstern Abend beinahe von Boulnois erkannt worden wäre, der gerade, als er im Begriff war. vom Quai in das Gäßchen einzubiegen, das er öde glaubte, einige Schritte vor ihm auftauchte. „Sind Sie es. Herr Vaupaliere?" hatte Boulnois gefragt. Glücklicherweise hatte er den Kopf nicht verloren, und seinen Weg gerade fortsetzend, antwortete er. mit von Wut entstellter Stimme, das einzige englische Wort, das er wußte: „Go on. rascal!" Das wurde in so drohendem Tone hervorgestoßen, daß sich Boulnois, der nur Wortstreitigkeiten liebte, so schnell als möglich drückte, während er selbst, ohne sich umzusehen, aus dem Quai weiterschritt. Was machte Boulnois? Vielleicht nichts, aber vielleicht belauerte er sie auch! Bei einem Charakter wie dem seinigen. immer im Hinterhalt. immer spähend. war dies sehr gut möglich. Aber wie neugierig der alte Kassierer auch immer war. so besorgt war er andererseits um seine Gesundheit. Im Sommer konnte man von seiner Spionirerei alles erwarten, im Winter brauchte man nicht viel von ihm zu fürchten. Was machte sich La Vaupaliere aus dem schlechten Wetter? Um halb zwölj Uhr verließ er in seinem warmen Zimmer den Lehnstuhl. in dem er sich. um zu lesen. aus- gestreckt hatte- und wenn er dann aus der Kälte der Straße in den durchwärmten. parfümierten Salon trat und die brennenden Lippen der Geliebten sich aus seine eisigen drückten. so war ihm das die größte Seligkeit. Eines Nachts, als er vom Regen durchnäßt, am Pförtchen ankam, glaubte er an Hortenje cnie Aufregung zu bemerken. denn ihre Finger gitterten. „Was giebt es?" flüsterte er. „Sogleich." Sobald sie in den Salon eingetreten waren, und er sich seines vom Regen triefenden Ucberzichcrs entledigt hatte, kam er auf die Frage zurück, denn sie war so unvorsichtig oder vielmehr so gleichgültig über die Gesahren, daß er für sich und auch für sie selbst aus der Hut war. „Nun. was hast Du?" fragte er. „Ich glaube, ich habe heute die doppelte Dosis Sulfonal genommen." „Wieso?" „Als ich den Grog zurecht niachte. wurde ich gestört, und nachher erinnerte ich mich nicht mehr, ob ich Sulsonal in das Glas qethan hätte." „Du mußtest die Flüssigkeit betrachten." „Das war nicht leicht: ich hätte müssen an die Lampe gehen, und das würde ihm ausgefallen sei». Ich konnte den Grog auch nicht weggießen, da ich kein Gesäß zur Hand hatte. Was thun? Wenn' ich kein Sulional hinzugethan hatte, so schlief er nicht ein. und ich hätte Dich draußen lassen müssen. Im Zweifel habe ich nicht gezögert." „Nun?" „Der Schlaf stellte sich eine Viertelstunde früher als sonst ein." „lind dann?" „Er schläft fester, als an den anderen Abenden." „Hat er sich übergeben?" „?Nuß er sich übergeben?" „Ich weiß es nicht: ich weiß nur. daß eine Dosis von einem Gramm den Schlaf bringt." „Und eine stärkere Dosis? Weißt Du nicht, ob es Gift ist? Wenn es Gift wäre I" Sie blickten einander einen Moment tief ln dle Augen und beobachteten während ziemlich langer Zeit gedankenvolles Schweigen. Er ivar der erste, der es brach: „Desto schlimmer." „Oder desto besser." Ihre Lippen schwiegen von neuem, und nur ihre Augen tauschten ihre Betrachtungen aus lFonietzung tolgt.) Gro,z und VletiO Nehmen wir einmal an. auf der Erde lebten l3 Millionen Menschen, je 10 bewohnten ein anständiges Haus von etwa 40 Fuh Höhe und Breite und 40 Fuß Tiefe, so stellren alle diese Bauten mit ihrem lebenden und toten Inventar einen Umfang von 6240 ") Aus der„Kölnischen Zeitung", Milliarden Kubikfuß dar. Eine große, kaum faßbare Summe, die aber in Wirklichkeit noch keine halbe Kubikmeile ausmacht. Denkt man sich also eine Kiste, die nach allen vier Kanten eine Meile mißt. also 7420 Meter lang, breit und hoch wäre, so hätten alle Städte, Dörfer und Häuser der Erde, samt allen Tieren und Menschen voll- ständig darin Platz, ja. es bliebe noch ein gutes Stück Raum übrig. Ließen sich aber die Menschen wie Heringe in ein Faß packen, so reichte dazu schon ein Kistchen von 2400 Fuß Länge, Höhe und Tiefe aus. Was ist groß und was ist klein? Tausend Millionen sind bekanntlich eine Milliarde, 1000 Milliarden, d. i. 1 Million Millionen, bilden eine Billion, eine t mit 12 Nullen: mnltipliciert man diese Billion 1000 mal. so be- kommen wir eine Trillion, diese, nochmals 1000 mal 1000 mal ge- nomine», machen eine Qnadrillion und sechs solcher Quadrillioiicn Kilogramm bilden das Gewicht der Erde. Gehen wir einen Schritt weiter: Die Sonne übertrifft an Masse 319 000 mal die Erde und ist noch 600 mal größer an Rauminhalt als sämtliche Planeten zu- sammeugenoinmen. Stellen wir uns die Sonne als eine Hohlkugel vor und die Erde, mit ihrem Trabanten in der gewohnten Entfernung von 50 000 Meileir. in ihren Mittelpunkt versetzt, so bliebe der Mond immer noch 40 000 Meilen unterhalb der Oberfläche jener Sonnenkugel. Unser gewöhnlicher Maßstab versagt uns schon vier den Dienst. Wollen wir uns aber von den ungeheuren Perhälttiisien, die sich hinter unserer eigenen kleinen Welt aufthun, eine ungesäbre Borstellung zu machen versuchen, so kommen wir ohne äbernienjch- liche. ja üvenrdischc Maßstäbe gar nicht aus. Hierzu bietet sich uns in erster Linie die Sonnenwcite, d. h. der Abstand der Erde von der Sonne, rund 20 Millionen geogr. Meilen oder 148 600 000 Kilometer, für noch größere Weiten aber unsere Entfennuig vom nächsten Fix- stcrn, a im Centaur, die sogenannte Sterniveile, die man zu 200 000 Sonnenweiten oder 4 Billionen geographische Meilen be- rechnet hat. Um uns diese Entfernungen einigermaßen näher zu bringen, können wir annehmen, daß ein Schnellzug, der 96 Kilomeier in der Stunde zurücklegt, bis zur Sonne gegen 200 Jabre gebrauchen, bis zum nächsten Fixstern aber schon beinahe 50 Millionen Jahre unterwegs sein würde, eine Kanonenkugel, die 200 Kilometer in der Sekunde fliegt, würde innner noch 6 Millionen Jahre gebrauchen, um diesen Slcrn zu erreichen. Was aber für den Raum, das gilt auch- für die Zeit. Auch hier tritt die Sonne an die Stelle unserer irdischen Maßstäbe und zwar mit ihrem Licht. Das Licht legt in einer Sekunde 40 000 geographische Meilen, d. i. über 300 000 Kilometer, die Entfernung bis zur Erde also in 8 Minuten, zurück und bildet in diesem Sinne fiir größere Strecken von Zeit und Rann, die Einheit. Das Licht unseres nächsten Fixsterns braucht, um bis zu uns zu dringe», schon 3 Jahre, das des Sirius 16 Jahre, während das des Sterns 7 in der Kassiopcja 326 Jahre unterivcgs ist. Unser Schnellzug würde uns demnach erst in 48 663 000 Jahren nach o des Centaurs bringen und der Preis dafür, zu l'/a Ps. das Kilometer berechnet, würde uns das stattliche Sümmchen von 22 000 Millionen Marl koste», während dieselbe Geschwindigkeit uns erst in 3 990 400 000 Jahren nach der Kässiopeja befördern würde. Was wollen diese Entfernungen ober bedeuten gegen die äußerste, bis 2500 Stcrnwcitcn entserntc Milchstraße, eine Pc, einigling von Sonnenshstemcn, deren Anzahl man aus l8 Millionen schätzt und deren Lichtpost erst nach 6- bis 7000 Jahren hier eintrifft, so daß dieselbe»Iis heute davon Kunde bringt, was zu Adams und Evas Zeiten sich dort abgespielt hat. Es giebt Fixsterne, deren Durckmesser größer ist, als die Entfernung der Erde von der Sonne. Deuten wir uns einen solchen Stern mit Wesen von entsprechenden Per» Hältnissen bevölkert wie die Menschen der Erde, so würde ein solcher Fixsternmensch über 100 000 Fuß hoch sei» und die oben erwähnte Kiste mit dem gesamten irdischen Inventar als eine kleine Spiel- zeugschachtel handhaben, die einzelne» Menschen aber nur durch sei» Mikroskop betrachten können. Denken wir uns andererseits ein Wesen mit Auge» von entsprechender Schärfe etwa auf den erwähnten Stern l der Kassiopcja versetzt, so würde es heute z. B. Zeuge dcS dreißigjährigen Krieges, ans der fünf Sternweite» von uns entfernten Wega in der Leier teilnehmender Zuschauer am denlsch- französischen Kriege sein können. Käme aber dieses Wesen aus fernen Srernen von Millionen Lichtjahren in gerader Richtung auf uns zu. so würde es aus seiner Reise nacheinander die Entstehung und Entwickelungsgcschichtc unseres Sonnensystems sowie die Phasen der Erd- und Menschengcschichte von den früheste» Zeiten bis zur Gegenwart in lebenden Bilden, sich aufrollen sehe» I Nun zun, anderen Extrem! Bekanntlich besteht das Licht aus Schwingungen des das ganze Weltall ersüllendei, Aethers. Wenn wir»»>, einen Soiiiienstrahl durch ein Prisma leiten, so sehen wir ihn in verschiedene Bestandteile zerfallen: die im sog. Spektrum nebeneinander erscheinenden Rcgenbogenfarben. Der Physik ist es gelungen, die Größe der Lichtwellen und die Schwing, mgszahlci, zu berechne», die zur Hervorbringnng jener Farben führe» und vom Rot bis zum Violett steigende Ziffern aufweisen. Danach muß zum Beispiel die Lichtwelle i» der Sekunde 360 Billionen Schwingungen niachcn, um roteS Licht, und 800 Billionen, um violettes Licht zn erzeugen. Das Sonnenlicht enthält aber sehr viel mehr Strahlen als die sichtbaren. Jenseit des roten Endes des Spcklnims be- siiidei, sich für uns nicht mehr sichtbare Strahlen, die wärmen, jenseit des violetten Endes andere, die chemisch wirken. Die Be- Wegungsgeschwindigkeit der Wellen kani, sich also über jene 800 Billionen Schwingungen in der Seknnde beliebig weiter steigern — 31 — keiner unserer Sinne reagiert mehr darauf, wie sie schon vorher, z. B. für Luftschwingungen zwischen 36 000, den höchsten hörbaren Ton, und 18 Millionen in der Sekunde keinerlei Wahrnehmimgs- vermögen befitzen. In uns selbst stellt jedes mikroskopisch kaum wahrnehmbare Teilchen eine riesige Summe von Zellen dar. und jede dieser Zellen ist wieder aus einer Unsumme von Atomen auf- gebaut, so daß die Ziffer der unfern Körper zusammensetzenden Atome ms unfaßbare geht. Für ein Infusionstierchen, wie sie zu Millionen in einem Tropfen Wasser zu finden sind, ist das Glas ein unge- heurer Raum, so ungeheuer wie die Erde im Vergleich zu einem einzelnen Menschen, und die vielen Millionen Sonnen zu dem einen Erdcnstäubchen! Was ist groß, was ist klein? Die Erde ist groß, weil sie für UNS groß ist s sie ist klein, weil sie im Weltenmeer nur einen Tropfen darstellt. Und wie mit drtn Begriff des Raumes, so steht es auch mit der Zeit. Die Zeit fließt nicht ab, sondern nur die Begeben- heiten in ihr. Sic ist die Form, in der eine unendliche Reihe von Begebenheiten so gut rückwärts wie vorwärts gelesen werden können.— Kleines Fenillekon. — Eine Art medizinischer Bilderschrift, die auf Bambus- kämmen,-büchsen und-vlnsrohren eingeritzt ist, hat, nach einem Bericht der„Nat.-Ztg.", der kürzlich verstorbene Reisende Hrolf Vaughan Stevens von den Ncgrilostämmcn der Halbinsel Malaka dem Berliner Mnsenm für Völkerkunde geschickt. Dieses einzig da- stehende Denkmal primitiver Schrift enthält auf 140 Kämmen nicht weniger als 280 Rezepte gegen 140 Krankheiten, die die Frauen treffen können, während die noch zahlreicheren Bambnsen mit Schrift- zeichen gegen Krankheiten der Männer noch nicht entziffert sind, aber ähnlichen Inhalt zu haben scheinen. Die Bilderschrift dient jedoch nicht nur zur Auffindung der heilenden Pflanzen, sondern soll auch ver- hüten, daß die Krankheit die Trägerin des Kammes befällt. Der Tradition nach hatte nämlich der Negrito-Gott Ple, um dem unaufhaltsamen Dahinsterben der Menschen Einhalt zu thun, heilige Blumen ausgewählt, welche bestimmte Krankheiten heilten, wenn man sie in Wasser umrührte, dieses austrank und mit den nassen Blumen den kranken Körperteil rieb. Zugleich erfand er für jede Blume ein Muster, das die von den Winden herangetragene Krankheit zwang, auf die Erde zu fallen, bis der Inhaber des Musters vorüber- gegangen war. Deshalb tragen die Frauen manchmal bis 16 Känime zu gleicher Zeit im Haar, die sorgsam für die Krankheiten ausgesucht sind, deren Angriff sie gerade fürchten. Die Muster gestalten sich folgendermaßen. Auf dem Blatt eines jeden Kammes verlaufen dem oberen Rande parallel durch Risse von einander getrennte Räume. Der breiteste Raum in der Mitte enthält die Tarstellung der Krankheit, worin sich besonders die Zeichen für die einzelnen Körperteile, die asfiziert sind, erkennen lassen. Allerdings sind die Shmpole so einfach, daß ohne Kommentar aus dem Munde der Eingeborenen, wie es glücklicherweise zum Teil vorliegt, nichts zn entziffern wäre. Die einander ähnlichen Krankheiten, z. B. die 19 Muster gegen Fußleiden, find, wie es scheint, lediglich durch unterscheidende Striche, die an sich keinen Sinn haben, gekenn- zeichnet. Von den anderen schmäleren Räumen des Kammes sind die obersten beiden am wichtigsten, weil sie je eine der unfehlbar heilenden Kräuter vorstellen. Sind diese nicht zu erlange», so greift man zn den in den übrigen Räumen dargestellten Pflanzen, die auch niitnntcr heilsame Wirkung haben, aber im wesentlichen nur gegen eine einzige Krankheit helfen, für die ein besonderer Kamm mit dem betreffenden Muster an oberster Stelle vorhanden ist. Natürlich ist es unmöglich, 280 Blumen durch die einfachsten Striche so zu charakterisieren, daß ein Abbild zu stände kommt. Mögen deshalb auch einzelne Zeichen der Gestalt einer Blüte entnommen sei», so ist doch die große Mehrzahl eher mehr oder weniger will- türlich geivählt, wobei nur Rücksichten mncmonischcr Art genommen zn sein scheine». Dafür zeugt besonders die systematische Änsnutznng aller Variationen, deren eine Gruppe von Strichen sscnkrechte, mehr oder weniger schräge, nach rechts oder links gerichtete, kurze oder lange Striche usw.) fähig ist. Acnßcrlich macht die Schrift den Eindruck einer bloßen Verzierung des Kammes, und es ist eine Ucberraschnng für die Ethnologen, daß eine derartige Bedeutung dahinter entdeckt ist. Die Nanicn sämtlicher Blumen hat Stevens übrigens von den Eingeborenen erfahren, so daß ein Irrtum aus- geschlossen ist.— Archäologisches. — Durchbrochene Arbeiten in Bronze fanden sich schon in Pompeji. Von Italien ist dann die Technik der durch- brochencn Arbeit bei den metallgeübtcn Kelten heimisch getvorden, die sie zu Beschlägen und Schmucksachen aller Art verwandten. Zwei Schwertscheidcn die schon früher im Rheine bei Mainz gc- fnndcn worden sind, sind lunslhistorisch von größtem Interesse, weil sich in ihnen die Anfänge des Arabeskenornaments zeigen, das man lange als eine dem Sricntc eigentümliche Schöpfung angesehen hat. Neuerdings sind nun, Ivie Anton Kisa in Köln in der.Zeitschr. für christl. Kunst" mitteilt, zwei Stücke gefunden worden, welche die be- rcits früher gehegte Vermutung verstärken, daß die durchbrochene Arbeit am Rheine selbst gepflegt wurde. DaS eine ist ein goldener Fingerring mit zierlichen Durchbrechungen, der eine Glaskamcc mit den! widdertragcnde» Merkur enthält— er wurde in der Kölner 5— Vorstadt Bayenthal gefunden— und das andere ist ein goldener Gürtelbeschlag ans Kleve, bei denr man, da er unvollendet ist, es wohl sicher mit heimischer Arbeit zu thun hat. Als Folie solcher durchbrochener Metallarbciten diente andersfarbiges Metall, gefärbtes Holz, Leder, aber auch Glas.— c. Ein persischer Talisman. In der letzten Sitzung der Londoner Archäologischen Gesellschaft sprach Ferguson über einen persischen Talisman, den er dem dortigen Institut übertvies. Es ist eine kreisförmige Scheibe aus dünnem Erz mit einem Durchmesser von 3s/4 Zoll. Im Mittelpunkte befindet sich ein Kreis mit einem roh gezeichneten menschlichen Gesicht, das die Sonne darstellen soll. Um die Sonne gruppieren sich zwölf Umrahmungen, jede mit persischen Inschriften, die die Attribute Gottes bezeichnen. Außer- halb dieser Kreise sind zwölf andere mit den Zeichen des Tierkreises. Jedes dieser zwölf Zeichen soll auf gewisse Teile des menschlichen Körpers Einfluß haben. Der Einfluß des Ticrkreis-Zeichens auf den Körper wird durch verschiedene Figuren versinnbildlicht. Die Reihe der Tierkreis-Zeichen wird regelrecht am Körper von oben nach nuten verfolgt. Sie beginnt mit dem Widder, der über den Kopf Macht bat, und endet mit dem Wasserniann für die Beine unterhalb der Knie, und den Fischen für die Füße. Dieser Talisman scheint gegen Krankheiten gebraucht ivorden zu sein.— Kulturhistorisches. — E i it Brief ans dem Jahre 1722, der die stilistische Geschmacklosigkeit, die Fremdwörtcrsucht und die Knechkscligkeit der Deutschen im vorigen Jahrhundert kennzeichnet, wird in der„Frank- furter Zeitung" abgedruckt. Er ist von einem schriftstellerndcn �otarrus et �.ritlimeticus ans Rcgensbnrg an Bürgermeister und Rat der Reichsstadt Aachen gerichtet Die Adresse lautet: Denen Hoch Edelgebohrcne Hoch Edlen Gestrengen, Hochgelehrten, Fürsichtig- Hoch- und Wohlwciscn Herren Bürgermeister und Rath. wohllöblichcn des H. Röm. Reiches freyen Stadt A a ck e n. Meinen Gebiethendcn und Hochgeehrtesten Herren I Backen im Jülichschcu. franco biß Nürnberg. Anrede: Hoch Edelgebohren, Hoch Edle Gestrenge, Hochgelehrte, Fürsichtige Hoch- und Wohlweise Gebicthende und Hochgeehrteste Herren! Ich habe zu Anfang dieses Jahres boris succisisivis Das jetztlebende Regensburg verfertiget, welches den gegenwärtige» Znstand sowohl eines Hochpreißlichen Reichs- Convents{als j-öbl. Gemeiner Stadt samt allen in deren Ring Mauern gelegenen Reiches- und andern Stiftern auch El öfter» repraesentiret; Selbiges nun hat auch den gewünschten applauaum solcher Gestalt gefunden, daß die Exemplaiia erster Edition in kurzem sämmtlich«fotribuirst worden; Dahcro nöthig befunden, solches hier und dar zu emondiren und wieder auflegen zu lasse». Habe demnach Euer Hoch Edelgebohru, Hoch Edel Gestreng und Herrlichkeiten von dieser zwcyten Edition, aus schuldigster Vensration, um so viel mehr 1ö Exsrnplaria zu überschicken mich er- kühnen wollen, als ich für billig erachtet, deren Preißivürdigcn Regenten einer so Vonrehmen Stadt, welche mit der hiesigen durch ei» Rcichsstädtisches Vinculum verbunden ist, diese mit mög- lichsten Fleiß zusammen getragene Nachrichten sowohl des hier in ihren Gesandtschafteir versammelten Reichs, als auch der Stadt selbstcn, in gebührender Lubmission zu communiciren, der tröstlichen Hoffnung gelebende, Eure Hoch Edelgebohru Hoch Edel Gestreng und Herrlichkeiten werden dieses geringe prasssnt nicht ungnädig ansehen, sondern vielmehr dasselbe, weilen es aus einem devoten Gcmüthe überreichet wird, anzunehmen sich hochgeneigt gefallen lassen. Gleichioie nun dieses zu meiner specialen Gnade mir gereichet, als will anbey in gebührendem Respekt zu Gnaden mich gehorsamst empfehle», verharrend Euer Hoch Edelgebohru. Hoch Edel Gestreng und Herrlichkeiten Regensburg, den 10. Oktober 1722. gehorsam-ergebenster Diener Georg Heinrich ParitiuS Not et Arithmeticus.— Völkerkunde. t. Himmels- und Wetterkunde bei d e n C o n g o« Negern. Die Naturvölker haben für die Himmelserscheinungen nicht dasjenige Verständnis und eine solche Beobachtungsfähigkeit, ivie sie die Kulturvölker durch jahrtausendelange Arbeit sich er- rnngcn haben, aber sie haben dafür einen anderen Vorzug. Bei ihnen ist jeder einzelne darauf angewiesen, den Gang des Wetters und den Gang der Gestirne zu beobachten und danach sein Leben einzurichten, während wir die Verfolgung der Gestirne, die Zu- sanlmenstellnng der Kalender, die Regelung der Uhren usw. den Fachleuten überlassen und uns um ihr Zustandekommen nicht viel nimmem. Selbst solche Völker, denen keine große Intelligenz zu- getraut wird, haben zu den Vorgängen über sich eine enge und sorgsam gepflegte Beziehung. Das lehrt uns mit Bezug auf die Congo-Neger ei» Bericht des Leutnant Nys im„Congo-Bclgc". Der Stamm der Abarambo z. ist von dem Einfluß der Sonne, des Mondes und gewisser meteorologiscker Erscheinungen überzeugt. Sotvcit er den Mensche» ungnädig ist, bcnuhen sie zahlreiche Fetische, unr schlechtes Wetter in gutes zu verwandeln. Stürme oder Regen zu vertreiben und die Wolken zu verscheuchen, die die Sonne oder den Mond verdunkeln. Der Regenbogen ist für sie ein Zeichen, daß im Wasier ein riefiges Ungetüm lauert, um alle, die sich in die Nähe»vagen, zu venchlingen. Sie glauben auch, daß der Stunn nichts anderes fei. als ei» solches Ungeheuer, ein Teufel. den sie Likimdu nennen, der Feuer entzündet ,md mit Steinen»virft Rys erzählt ein Erlebnis ouS der Heit seines Aufenthaltes bei den Amadi: Der Himmel drohte mit Sturm, und seit dem Morgen herrschte eine drückende Schwüle. Der Offizier überließ sich dem erschlaffenden Einfluß der Atmosphäre und hatte sich in seinem Zelte niedergestreckt. als plötzlich die Luft von einem furchtbaren Donnerschlage erfchitttert»vnrde; zu gleicher Zeit sah er einen Blitz scheinbar wenige Meter vor seinem Lager in die Erde schlagen. Er hatte sich kaum von seiner Betäubung erholt, als Eingeborene herbeigelaufen kamen, um ihni angstvoll zu berichten: „Das Ungeheuer da droben hat einem Menschen den Krieg erklärt!" Rys ging heraus und ersiihr, daß ein Reger vom Blitz getrofien »vnre. Man hatte ihn zu einem kleinen Sumpfe geschleppt, hatte ihn dort niedergelegt und mit Schlamm bedeckt,»vahrend die übrigen Schwarzen unter Gesang den Mesiertmiz um ihn aufführten, um den „Lilundu" zu vertreiben. Alle vollführten die außerordentlichsten Glicdcrverrenknngcn, und zugleich rang das unglückliche Opfer unt dem Tode. Der Belgier ließ den Menschen ans seiner üblen Lage befreien und ihn nach einem sicheren Ort schaffen. Er schien bereits tot zu sein, jedoch brachte ihn die sorgfältige Anlveudmig künstlicher Atmung nach einer halben Stunde ins Leben zurück. Sonnen- und Mond- Finstcruiffe sind selbstverständlich ftir die Reger außer» ordentliche Ereignisse von schlverer Vorbedeutung. Gerade ivie es in der nordischen Sage heißt, glauben auch sie, daß ein Ungeheuer das Gestirn zu verschlingen suche. Ilm die Kata- strophe zu venneiden, die sich nach ihrer Meinung sonst ohne Zweifel vollziehen»vürde, nehmen sie ihre Zuflucht zu dem mächtigen Ein- fluß ihrer Fetische. Die Sternen scheinen ihnen ohne Bedeutung, ivähreiid sie mit dein Lauf der Sonne und des Mondes iimig ver- traut sind. Nach diesen beiden Gestinie finden sie sich in der Zeit von Tag und Nacht, von Monat und Jahr zurecht. Die Abarambo rechnen nach Tagen, Monden»ind Regenzeiten, sie kennen die Phasen des Mondes ganz genau und können stets Uuskunst geben,»vievicl Tage seit deni Neumond verflossen sind und wieviel noch bis zum nächsten Reumond bevorstehen. Der erste Tag des MondeS ist für sie oft das Signal zu ihren Palaveni und kriegerischen Bersamm- klinge». Auch die Tänze beginnen mit dem Neumonde. Durch Er- fahrung find die Neger zu einer ziemlich genauen Bestiimnung der Jahreszeiten gelangt. Als Leutnant Rys von Djabbir nach dein oberen Helle abreisten, sagt« ihm der Sultan— es ivar gegen Ende der Regenzeit—. daß es mir noch einmal regnen würde, und er behielt recht. Die Schivarzen verstehen sich auf die Wettervor- aussage recht gut, wobei freilich zu berücksichtigen ist, daß diese Kniist in den Tropen leichter zu üben ist als bei uns. Für die Zeit der Saat und der Ernte»vissen sie stets die günstigen Tage ans- znivählen und»Verden selten durch nnvorausgesehcue Unbill des Wetters in ihren la»ldtvirtschastlichen Arbeiten gestört.— Aus dem Tierleben. — K ü i» st l i ch e U m w a n d l« n g der S ch>v e i n e z ä h n c. Wie Tcgetmeier ailf Gnmd eingezogener Erknndigmigen mitteilt, »visien die Eingeborenen der Neuen Hebriden die Eckzähne ihrer Hansschiveine in ihrem Wachsthnm derart zi» beeinflussen, daß sie z» Ringen, einem dort sehr beliebten Schnmckgcgcnstaiide, aus- ivachse». Diese Schweine sind»vahrscheinlich keine Abkömmlinge venvilderter eingeführter Schweine, wie diejenigen Reu-Seclands, sondern eine einheimische Art, die dort den Gegenstand eines leb- haften Handels ausmacht. Man kaust die Tiere jung, um sie zu mästen. Bevor die Eingeborenen mit der Fettinast beginnen, reißen sie den Männchen die beiden Eckzähne des Oberkiefers ans,»vas eine stärkere Entwickelung der Eckzähne des lluterkiefers zur Folge hat. Da diese»licht mehr dlirch ihr Gegenüber abgeschliffen werden, so entwickeln sie sich zu Hauern, aber nicht zn geradlinigen oder leicht gekrümmten, sondern sie wachsen im Kreise. dergestalt, daß sie nach einer geivipen Zeit einen geschlossenen Ring bilden, weil die Spitze sich zur Wurzel zurückgelnimnit hat. Es findet also statt, was bei einer Anzahl von Ragern sRatten, Kaninchen. Hasen ustv.j eintritt,»venn sie einen Schneidezahn verlieren, dessen Gegenstück im anderen Kiefer infolge der unterbleibenden Ab- schkeifiliig dann so lange»vächst, daß das Thier liicht niehr nagen kaim»md zu Grunde geht. Bei den Schweinen der Reuen Hebriden wächst der seines Gegenparts beraubte Eckzahn so stark, daß er manchmal zivei.Kreislinien beschreibt, eine Zahnlocke bildend,»vobri er ost seine Rachban» bei Seite schiebt,»vährend auch die ZahiNvlirzel hypertrophisch wird»ind einen über die Kinnlade hiuausivachseude» Knollen bildet. Nicht eher als bis die Zahnringe die geivünschte Bollkoinmenheit erreicht haben,»verde» die Schweine getötet und ver- zehn. Diese kretssörmig gewachsenen Schneidezähne»verde» all- gemein als Schniuckgegenstände, namentlich als Armringe, von den Eingeborenen gelrageu.— s, Prometheus") Humoristisches. — Der Mime. Herr Schulze:»Ach sieh da, Her, Hubery! Wie geht's, was machen Sie?" „ Herr Hofschauspieler Hubörtz:»Furore."-» — Darum? Hübet:.Ich wette, was Sie wollen, daß der Herr da drüben ein Schulmeister ist." Meyer:»Unsinn, wie können Sie das wissen?• Huber:»Er hat seinen Sitz untersucht, bevor er sich darauf niederließ"— — Ausrede. Man spricht im Gasthaus von dem Erdbeben. das vor kurzein das Städtchen in Ausregung verfetzt hatte.»Sie müssen eine schöne Angst gehabt haben", bemerkte ein Fremder. »vorauf ein Einheimischer sagte:»Ja. eine Mordsangst l Aber die Erde zitterte noch viel mehr als Ivir i"— (.Jugend.") Notizen. — Der Maler Johann Friedrich Hoff in Frankfurt a. M.. der Schüler und Biograph Ludwig Richters, hat der Stadt Dresden seine auf L u d lv i g Richter bezüglich« Brief- sammlung, darunter vierzig Origmalbriese Richters, sowie zwanzig Bildnisse seiner Jugendfre»mde zc. als Geschenk für das L»»dwig Richter-Ziinmer des StadtmusemnS überjandt.— —„Tragische Konflikte". Lustspiel in einem Aufzuge von Wilhelm Wolters, ist am Berliner Schauspielhause zur Aufführung a n g e n o m n» e n worden.— — Die neue Direktion des Belle-Alliance-TheaterS wird sich am 1. Mai mit einem Emil ThomaS-Eyclus einführen.— — Max K l i»» g e r S Bild.DieKreuzigung" ist für das K e st n e r- M u s e u m in Hannover angekauft worden.— — Durch ei» neues Verfahren, daS die Anlvcndung von nur ganz einfachen Apparaten erfordert,»vollen nach einer Mitteilung des„P. LI." zwei ungarische Elektrotechniker, P o l l a k und Virag, erreicht haben, daß auf einer Leittmg 7000 Telegramme per Stunde befördert»verdeu können, lväbrend die Maximal- leistung. die bisher iu Amerika erreicht»vorden ist. 1200 Depeschen per Stlliide ergiebt.— — Ei» französischer Statistiker hat heransgerechnet, daß der jährliche Gesamtverbrauch von Seidenband jeder Farbe und Qualität auf dein europäischen Kontiueut auf rund eine Milliarde kvketer geschätzt»verde» kam».— Biichcr-Einlauf. — HedwigDohm, Schicksale einer Seele. Roman. 419 S. Berlin, S. Fischer.— — Peter Nausen. D i e Feuerprobe. Kleine Erzäh- lungen. 158 S. Berlin, S. Fischer.— — Hermann Bahr. Wiener Theater(1892—1898). 599 S. Berlin, S. Fischer.— — C. Viebig, E S lebe die Kunst! Ro»uau. 475 S. Berlin, F. Fontane»i. Eo.— — Georg Freiherr von Ompteda, Philister über Dir! Roman. 327 S. Berlin, F. Fontane»». Co.— — Ilse F r a p a»». Wir Frauen haben kein Vater- land. Monologe einer Fledermaus. 159 S. Berlin, F. Fontane »>. Co.— — Gertrud Franke-Schievelbein. Die Hunger- steine. Romair. 275 S. Berlin, F. Fontane u. Co.— — Eduard A l h. Wolkenkuckucksheimer Deka- m e r o n e. 294 S. Berlin, F. Fontane u. Co.— — Guy de Maupassant. GesammelteWerke. Frei übertrage»» von Georg Freiherr von Ompteda. Lieferung 29—32. Berlin, F. Fontane u. Co.— — P. Berthold, F r a n e n r e ch t. Schauspiel in drei Ans- ziigen. 59 S. Dresden und Leipzig, E. Piersons Verlag. Preis Ml. 1,50.— —?. W. R h y s Davids. Der Buddhismus. Eine Darstellniig von dem Leben und den Lehren Gautamas, des Buddhas. Auö dem Englischen ins Deutsche übertragen von Dr. Arthirr Pfnngst. 294 S. Leipzig, RcclamS Universal- Bibliothek. Nr. 3941—3942,— — K ü r s ch n e r- P c» p, Deutsches Kartenwerk. Text- Heft 57: W r i e z e n, S t r a» ß b c r g, M n n ch e b e r g. Berlin, Herin. Hillgcr. Preis 30 Pf.— Die nächste Nummer des Unterhaltungsblattes erscheint am Sonntag, den 23, April.-'_ Berannoortlicher Rei>«cteur:«»gufl Jacobcy in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Benin.