Mnterhaltungsblatt des vorwärts Nr. 82 Mittwoch, den 26. April. 1899 (Nachdruck verboten.) it] Der Srlzuldine? Roman von Hector Malot. Aber er kam nicht vorbei, obgleich er gemerkt haben nmfjte, daß sie ihm etwas sagen wollte. Als sie ani Montag darauf sich wieder an die Gartenarbeit begab, kam ihr Mann hinzu. „Was ergreift Dich denn für eine Tollheit, das Erdreich zu bearbeiten?" siihr er sie heftig an. „Ist es nicht die Jahreszeit dazu?" antivortete sie mit unschuldiger Miene,„es ist eine Freude, bei diesem schönen Sonnenschein hier draußen zu sein." „Es ist also die Sonne, die Dich seit Sonnabend in dem Garten zurückhält?" Sie wurde aufmerksam; es war charakteristisch bei einem Manne, der seiner Frau niemals die Ehre angcthan hatte, eifersüchtig auf sie zu sein, jetzt zu bemerken, daß sie sich länger als gewöhnlich im Garten aufgehalten hatte, Sie stellte sich aber sorglos und erwiderte spötsisch: „Der Regen würde es nicht thun." „Ich glaube gerade, es wäre Dir einerlei, ob Regen oder Sonnenschein." „Ich verstehe nicht; kannst Du mir das übersetzen?" „Ich will sagen, daß, wenn sich eine Frau in den Kopf gesetzt hat zu kokettiere», so vermag sie kein Wetter daran zu hindern." „Ich bin die Frau, die kokettiert?" „Jawohl, Du." Jetzt galt es, durch Dreistigkeit zu iinponieren. „Und mit wem?" „Ich denke nicht, daß es Boulnois gilt." „Also wird es wohl Leon gelten; im Grunde, wanim auch nicht? Der Chenibin ist allerliebst." „Gleichviel ob mit Leon oder Boulnois, Du bist jetzt gewarnt." „Es wäre vielleicht geschickter gewesen, mich auf frischer That zu ertappen; das würde Dir ermöglicht haben, Dich scheiden zu lassen." Wie immer, wenn sie von Scheidung sprach, wandte er ihr den Rücken. Sie setzte noch einige Minuten ihre Arbeit fort, dann flüchtete sie sich in den Pavillon, um über die durch die grobe Beleidigung geschaffene Lage nachzudenken. Wie jetzt La Vanpaliöre benachrichtigen? Es würde doch eine grausame Enttäusung für ihn sein, die Ztachtlampe nicht um Mitternacht an ihrem Platze vorzufinden, und er könnte ihr darüber zürnen, ihn nicht benachrichtigt zu haben. Ohne Zweifel könnte sie ihm unter seiner Hoteladresse schreiben; aber dies war gefährlich, da die Postbeamten im Rufe standen, die Briefe zu öffnen. Wie sie so nachdachte, ohne etwas Befriedigendes zu finde», sah sie La Vaupaliöre vou seinem Pulte aufstehen und seinen Hut nehmen. Sicher würde er es einrichten, am Pavillon vorbeizugehen, und sie trat sofort auf deu Balkon hinaus. Sie � hatte sich nicht geirrt. La Vaupaliöre ging den jetzt vollständig leeren Quai entlang und dicht unter dein Balkon hin. „Unmöglich für heute abend," sagte sie lebhaft,„er will keinen Grog mehr nehmen. Sonntag nach der Vesper im Walde, auf dem Wege nach Grand Essart, warte auf mich im dichten Gehölz; wenn Du mich kommen siehst, zeige Dich." Im Vorüberschrciten hatte er seinen Schritt verlangsamt, aber ohne stehen zu bleiben; jetzt setzte er seinen Weg fort und ging auf seinen Platz zurück; es war Zeit: ihr Mann kam eben aus dem Bureau. XIX. ES lvar ein dreister und gefährlicher Entschluß, denn an einem Sonntag im Fi-ühling war man den Begegnungen vieler Spaziergänger von Rouen und, was noch gefährlicher war, solcher von Oissel ausgesetzt, die Frühlingsblumen zu pflücken kamen; da sie aber weder Muße noch Freiheit hatte, clivas Besseres zu wählen, so mußte sie dieses gefährliche Abenteuer eben riskieren. Einzig am Sonntagnachmittag !var La Vanpaliere Herr seiner Zeit, und auch sie war sicher, weder aufgehalten noch von ihrem Mann begleitet zu werden. Wenn man sie im Walde träfe, so würde das ein Zufall sein. Wenn sie ihr Mann wegen ihres verspäteten Nachhause- komniens fragen würde, so würde sie antworten so gut sie könnte. Tag, Stunde und Ort ihres Stelldicheins waren festgesetzt; sie hatte nur noch darüber Sorge, was für Wetter sein würde. Sollte sie sich Sonnenschein oder Regen wünschen? Beim Regen hätten sie keine Begegnungen zu befürchten: der Wald würde verlassen, aber auch wie traurig sein! Am Sonntag erhob sich die Sonne an einem heiteren Himmel und versprach einen schönen Tag; ihre Gedanken an den beschützenden Regen wurden aufgegeben. Desto schlimmer, Ivenn man sie treffen würde l Des Morgens die Messe, das Mittagessen, die Vesper wollten ihr ewig dauern, niemals war ihr die Zeit so lang erschienen; endlich verließ sie die Kirche und schlug den Weg nach Essards ein. Wo würde sie Antonin etfvarten? Sie wußte es nicht genau, aber sicherlich im dichtesten Gehölz, dort, wo man sich ani leichtesten verbergen konnte. Sie hatte sich niemals bei einer Gefahr so tapfer und sorglos gefühlt, mit erhobenem Kopfe und strahlenden Augen schritt sie munter dahin, selbst ohne die Steile des Weges zu bemerken. Als sie den Scitenpfad verließ, um auf den Hauptweg zu gelangen, bemerkte sie nur ganz in der Ferne da und dort einige Spaziergänger: also für den Augenblick war nichts zu befürchten. Lebhaft schritt sie in der Mitte des Weges und atmete wonnetrunken am ganzen Körper erbebend. Zum erstenmal sprach der Wald mit geheimnisvoller Stimme zu ihr. Au einem düsteren Tanneildickicht angelangt, durch welches weder»ach rechts noch nach links Blicke dringen konnten, hörte sie plötzlich einen Ruf und sah gleichzeitig die niederen Zweige einer Tanne sich bewegen: „Hortense I" Eiligst überschritt sie den Graben und ergriff zwei Hände, die sich ihr entgegenstreckten. „Hierher l" Er teilte vor ihr die Zweige, die hinter ihr sofort wieder zusammenschlugen, und sie schritten auf dem mit getrockneten Baumnadeln bedeckten Erdboden hin, bis sie zu einem dichten Gebüsch kanien, wo sie vor fremden Augen und Ohren ebenso sicher, als in dem verschlossensten Zimmer waren; sie setzten sich nebeneinander hin, und er frug: «Nun, was ist denn geschehen?" „Küsse mich erst, ich werde dann sprechen; aber beruhige Dich sofort, ich habe Mittel gefunden, die Dinge zu arrangieren: wir haben übrigens Zeit vor uns." „Wie viel Zeit?" „So viel Du möchtest; ich kehre heim, wann ich eben heimkehren werde; es wird immer noch zeitig genug sein." Da sie keine Eile hatten, so konnte sie ihre Erzählung langsam, ohne etwas dabei zu vergessen, vorbringen. Als sie geendet hatte, frug er: „Und Du hast einen Ausweg gefunden?" „Ja. Du gehst noch heute Abend nach Rouen, um uns bei dem Apotheker einen Tropfenzähler zu holen." Er sah sie verständnislos an. „Du weißt wohl nicht, was ein Tropfenzähler ist?" „Ei freilich; ein kleiner Glasapparat, um Medikamente einzugießen. Und was willst Du denn damit machen?" „Ich werde mich seiner bedienen, um ihm Fowlersche Tropfen einzuschenken." „Aber die enthalten ja Arsenik!" „Jawohl." „Ihn tödtcn!" „Dieselbe Idee hatte ich; vierundzwanzig Stunden lang war ich entschlossen es zu thun, mein Plan war wohl er- wogen, wir waren frei; ich gestehe Dir, daß mir viel Kraft nötig war, um darauf zu verzichten; der Gedanke allein, daß niau nur dann zu großen Mitteln greifen soll, wenn die kleinen nicht hinreichen, hat mich zurückgehalten." »Also, was willst Du beim?" „Ihn krau? machen." „Ah!" „Nur leicht krank. Du wirst sehen, wie einfach das ist. Es ist sicher, daß durch die bloße Einstellung des Grogs das Uebelbefinden und der bleierne Schlaf verschwinden tverden. Er wird also finden, daß das vom Dostor Hanyvel ver- ordnete Regime ausgezeichnet ist, und es natürlich auch fort- setzen wollen. Wenn sich aber im Gegenteil das erste oder ein anderes Unwohlsein wieder einstellt, so verliert Hanyvel seine Autorität: seine ausgezeichnete Behandlung wird dumni, und es ist nicht mehr der Mühe wert, sich den Grog zu ver- sagen." Er blieb einen Augenblick in Nachdenken versunken, dann sagte er: „Aber wie willst Du Dir diese Fowlcrschen Tropfen ver- schaffen? Und wie willst Du ihm dieselben eingeben? Die Apotheker verkaufen doch keinen Arsenik ohne Rezept?" „Zu verschaffen brauche ich mir sie nicht mehr. Bon der Zeit her, wo ich meinen Pudel damit behandelte, ist mir ein Fläschchen übrig geblieben, das hinreichen würde, zehn Per- sonen umzubringen; ich habe es ausbewahrt, ohne daran zu denken, daß ich es je verwenden könnte. Nun brauche ich aber einen Tropfenzähler, denn der, welchen ich hatte, ist zer- brochen." „Aber wie willst Du ihm die Tropfen eingeben?" „Natürlich nicht in seinem Wein oder in seiner Suppe; da müßte ich ja bei Tische operieren, und das erheischte die Gewandtheit eines Zauberkünstlers. Ich habe etwas anderes ausgedacht. Du weißt, daß er des Abends einige Pseifen raucht; sein Tabak ist in einem Marmorgefäß aufbewahrt; ich begieße diesen Tabak mit den Tropfen; statt sie zu trinken, wird er sie einfach rauchen." „Und Du glaubst, daß das Ivirken wird?" „Ich bin dessen sicher. Als ich meinen arnren Hund damit behandelte, las ich in einem Wörterbuche, das mir Turlure lieh, über den Arsenik nach und fand da unter anderem, daß man ihn in China mit Tabak vermischt raucht." „Ohne Lebensgefahr?" „Das weiß ich nicht." �Fortsetzung folgt.) MuSdnick verSolen.) thx fovo gv m i« fe. Mo» darf die zweite Hälfte des April und die erste Hälfte des Mai geradezu als die„Hochsaison der vlattgemfise" dezeichireu, wenn auch diese vier Woche» nicht immer genau mit der tlolender- rechnimg zusmnmcusalleu. sondern sich bisweilen je norti der Laune des April etwas nach vorwärts oder cuvas nach rückwärts versckieben. Unter den Blattgemüsen, die der April in die Küche liefert, nimmt der Zeit nach der Löwenzahn die erste Stelle ein— aber auch nur der Zeit nach, denn an Beliebtheit sind ihm in Deutschland mit Ausnahme der Cichorie alle anderen FrühliirgS- gemüse bei weitem überlegen. Der Lötrvnzahn, der in Süddeutsch- kand Pfaffenröbrlein, im sächsischen Mutetgebirge Maiblume, sonst noch Hunds-, Kuh-, Milch-, Butter-, Eier-, Dotter-, Ketten-, Pnst- oder Märzblnmc, auch wohl Pippau. Wiesen-Lichorte oder Weihen- schwänz heißt, und in FrankreicU den weniger airsprechenden Namen Pissenlit(NaßinsbcU) Jährt, ist nicht bloß-ins der populärsten, sondern auch der beochtcuswertcslcii Gewächse Europas. Leider aber hat er diese Bcachwng bisher nur in Italien und Frankreich nnd in geringerem Grade in England und am Rhein gesunden, indem nian hicr nur die jungen Blätter der wildwachsenden Pflanze zu Salat verwendet, während in den beiden romanischen Landern auch die älteren Blätter und zwar zur Bereitung eines Gemüses beimtzl werden, und man in Frankreich überdies die Pflanze planmäßig im Dunkeln züchtet und die bleichgrime» Blätter unter der Bezeichnung„Kapuzinerbärtc" in Menge ans den Markt und als Salat auf den Tisch bringt. Die Bereitung des Löwenzahngemüses bietet nicht die geringsteni Schwierigkeiten, da sie mit der des Spinates überrinstmmrt. nur muß mnii das Blattwerk lange genng kochen lassen und. ivemi der bittere Geschmack gar zu stark hervortritt, mit etwas Zucker nach- helfen. Da die Pflanze sich fast überall bei uns gmiz ober• nahezu kostenlos beschaffen lägt, lohnt ein Versuch daiuit sich wohl der Mühe. Die trefflichen»icdizinischeir Eigenschaften des Löwenzahns seien hier übergangen, da wir in der Regel ein Gericht nicht deshalb essen, weil es gesund ist, sondern iveil cS uns schmeckt. Der gleichen Mißachtung wie der Löwenzahn begegnet in Deutschland die blanblunrige E i ch o r i e, Wegeivarte oder Hind- länfte, deren Blätter ebenfalls ei» gntcs Genuise liefern. In Nordstankreich wird sie zu Salatzwecken Ivie ihr Schicksalsgenosse im Dunkeln gezogen und kommen die Blätter gleichfalls als„Kapuziner- bärte" oder auch als„Bauernhaare" zu Markte. x.Luch der Meerkohl oder Seelohl, ein Vetter des Rettichs, der an den Gestaden dcS MU leime ers sowie der Nord- nnd Ostsee wild wächst, erfreut sich noch bei weitem nicht der Beachtung, die er verdient. Seine längen, breiten, nackten Blattrippen, die an der Spitze in ein verhältnismäßig kleines Blatt nnslailfen und, von ihrer Länge und Stärke abgesehen, einige Aehnlichleit mit den abgestreisten Blnttrippen des Weißkohls haben, Iverde» wie der Spargel zu» bereiter und bieten in dieser Gestalt einen Ersatz fiir denselben. Man schält sie zu diesem Zwecke wie den Spargel, schneidet sie in V— 10 Centimeter lange Stücke, bindet diese in Bündel, kocht sie in Salzwasser gar und serviert sie damr mit holländischer Sauce, mit Buttersauce oder mit frischer Butter. Uebrigeus gehört der Meer- kohl zu den Jubelgreisen dieses Jahres, da er zum erstenmal 17S9 nr London auf dem Gemüsemarkte erschien. Er hat also im Laufe unseres Säculums nur recht geringe Fortschritte gemacht. Nach- dein man aber neuerdings dahinter gekoimuen ist— noch im sechsten Dcccnnium des Ig. Jahrhunderts winde er bei uns übcrfliissigerwcije mir im Treibhairse gezogen!— daß er sich auch im Gemüsegarten mit bestem Erfolg« kultivieren läßt, beginnen die Gärtner nameuttich in Frankreich und in Süd- deutschland ihm bereits mehr Anfmerlsamkeit zu widmen. Während der Meerkohl noch eure Zukunft vor sich hat, gehört umgekehrt der P o r t n l a k zu den gefallenen Größen. Dies bei- nahe über die ganze Erde verbreitete und überall venvilderte Küchengewächs spielte nicht nur in der Küche deS Mittelalters, sondern nachdem ein geriebener Engländer es löö2 als Neuheit ans Amerika nach Europa zurückgeholt hatte, auch noch auf der Herren- tasel dcS 17. und 18. Jahrhunderts eine ansehnliche Rolle. Seitdem aber hat man mehr und mehr de» Geschmack an dem salzig-säuer- lichcn Gericht verlorcn. nnd gegenwärtig kommt dies Blattgemüse fast mir noch, wenn überhaupt, als Beimeugmig zum Sauerampser auf den Tisch. Dagegen hat der Sauerampfer feit den: Kriege von 1870/71 in Deutschland entschieden Terrain gewonnen, wenn ivir mich noch nicht dahin gelangt find, ihn iin Garte» zu ziehen, wie das die Franzosen mindestens schon seit den» Jahre 1550 thun, sondern uns noch immer mit der wildwachsenden Pflanze begnügen. Das Sauer- cimpfcrgcmiise wird entweder ans Sanerampfer allein bereitet, oder man»icngt Portnlakblätter oder noch bcsser m Salzivasscr abgekochte Hopfcnsprosscn darunter. Im Vorbeigehen sei auch noch des Lattichs imd der B r il n n e n k r e l f e gedacht, die gleichfalls im April hin und wieder als Gemüse aufgetischt werden, obgleich das in Wahrheit sie ihrer eigentlichen Bestimmung als Salatlräuter entfremden heißt. Die Bninnevliefie wird zn diesem Zioecke, luuhdem sie gereinigt worden, ist Fleischbrühe gar gekocht, dann mit in Butter gerösteten Semmel- lrmi.en gemengt, von rieuei« gekocht mid mit Eidotter gebunden; den Lattich über siedet man zmiächst in Salzwasser ab, hackt ihn dann, schlvitzt ihn mit Butter, Salz nnd Muslamiiß. gießt Fleischbrühe oder auch Sahne daran nnd kocht ihn endlich u»tcr steienr llmriihren dick ein. Beide Gerichte können indrfien mir als leidlich bezeichnet werden, da sich die Bitterkeit der Kresse und die Fadheit des junge« LntlichS selten ganz verdecken lassen. Ilm so ungeteilteren Beifall findet jederzeit der Spinat. Au-S seiner Heimat Persien irxrnderte er— wahrscheinlich erst in nachchristlicher Zeit— einerseits nach Indien und China, anderer- scitS aber Nach Klciiiasieii, Arabien, Aegypten nnd dann mit den Arabern innner weiter westwärts nach Italien inid Spanien, voir wo ans er etwa zu Anfang des 14. Jahrhunderts(1805) nach Frank- reich, im folgenden Säenlnin nach Deutschland, 1525 nach Mexiko und 1588 über Holland nach England gelangte. Seitdem ist er das typische Früblingsgeninse Europas gewordeii. Mai, che Kenner be- haupten freilich, unter allen Beilagen seien„Ochsenangeu", d. h. Spiegeleier, das einzig Richtige und Wahre, dagegen find andere schon mit gebratciieil Kartoffeln als Garnitur zusneden. Der Sieg deS Spinats war gleichbedeutend mit einer nahezu totalen Niederlage der Melde, die seitdem völlig aus den Gemüsegärten des Kouliiicuts vcrschwu>»den ist. Nur in Eng- land wird sie hier nnd da noch im Garten geduldet und in der Küche verwertet, U'ährcnd ans dem Koutnientc höchstens ab und zu cur Schivärmcr im Frühjahr dem„Hansel ain Weg" oder„guten Heinrich" nachgeht, nm ihn neben Poriulak, Schafgarbe, Löwenzahn, Wegwarte usw. zu einer LrühlingSsuppe" zu verwenden. Der Rhabarber ivurde zuerst»in 1760 von einem Mr. Myatt ans Dcptford ans denl Londoeier Geuiüjemarlt präsentiert imd fand dort bald Aiicrkeimilng. Einige sechzig Jahre später sl826) nahm Briissel den Rhabarberbmi auf, daun folgte Paris, um 1880 Düffel» darf, 1804 Tefiau»sw. Eigentlich populär aber sind die Rhabarber- gcrichle im norddeutschen Gebtete bisher nirr in Hamburg geworden, wo man die lauge». dnfteiibi(j!eU halber sei endlich cuicl) noch der Sprosse n- l o h l und der Raps er>r>ähiit, obpleich diese beiden ihre Hauptrolle nicht im April, sondern schon im Marz spiele». Der Sprosienkohl ist„das Junge vom Grünkohl", wie mein achtjähriger Sohn neulich sehr richtig bemerkte, nnd lvird daher im wesentlichen wie jener zu- bereitet, der Raps aber, namentlich eine kransblättrige, violcttstielige Spielart desselben, liefert den sogenannten„Schinttlohl", die „Pslanzerl" oder„Brockcrl" der Wiener Stürbe, sowie in vielen Gegenden Rorddeutschlands den obligaten Grünen Donnerstags- Salat. Mehr schon dem Mai gehört der Rosenkohl an, die fest- geschlossenen, wall nun- bis avfelgroszcn Blatirosettcn einer Kohl- Varietät, die zuerst gegen Ende des 18. Jahrhunderts in Brabant gezogen wurde. Damit dürfte die Liste miserer lei'zlichcu Blattgemüse erschöpft sein. Sie ist reichhaltig genug nnd bietet am Sauerampfer, Rhabarber. Rosenkohl mid Spinat hervorragende Erfcheinungcu. Bei alledem aber steht fie in dieser Hinsicht doch hinter der Liste der Svrossrngcnn'is« zurück, die freilich»nr zwei, höchstens drei Xnranern zählt, darmtter aber den Spargel. Man hielt den Spargel früher für ein durch die Römer dem europäischen Westen zugcführtes Gewächs, weil nicht blos; die romanischen, sondern auch die gcnne.nischen Sprachen den griechisch- römischen Namen Asparagus, der ursprünglich nichts werter als einen Sprost oder jungen Trieb bezeichnet, in einer oder der anderen Forin adoptiert haben. Gegen diese Annahme aber spricht nicht nur die Verbreitung des wilden Spargels über ganz Europa, sondern auch da? Vorkoninrcn echt volkstümlicher Namen. So biejj er bei den Holländern früher„Koralknlrvmt"(Koraalkinid) offenbar nach seineu roten Beeren, wie bei den Litanern„Gottes kraut", weil diese das zavtäsu'gc. duftige Kraut zu ihren Soiinlagsstränffen und zur Be- lrärrzmlg der Heiligenbilder zu verwenden pflegten. Bei den Slaven war er denr Donnergotte Brom gcivciht und heißt danach noch jetzt im Polnische» Giomowe ziele und im Böhmischen Hromowy korenj, Dorrnerkrant und Tonuerwurzcl In einige» Gegenden Rustlands führt er den Namen„Wolfsbeere" hIZoIk?cbi jagodi). in Ungarn wird er„Haseuschatten(Nyul ärvyek, weil in der Thcihiiiedcrnng die Hafen darunter ein Versteck finden) und von den Türken Lueb- kounaz genannt, d. h. Pflanze, auf die sich kein Vogel uiederlätzt (weil die schwanke Stande ihn nicht tragen würde). Die vor- christlichen Griechen scheinen den Spargel nur feiner nicdizinischen Eigenschaften wegen beachtet zn haben, nnd von de» Bövticr» wissen wir specielt, daß fie ihn zur Fabrilation von Bnmllrimze» ver- wandle». Erst die Römer nahmen nin 200 v. Chr. G. den Spargel- bau auf, und Ptiiiius berichtet, dast ihm unter allen Gartcu- gcwächscu die größte Sorgfalt gelvidmet wurde. Zugleich aber erwähnt der Kompilator. daß in Germanien sich wilder Spargel ans den Feldern finde. Mit diesem Wildling begnügte man sich in Deutschland größteuteils bis in das 10. Jahrhuudert hinein. Im allgemeinen scheint man in Teutschland den Spargel im Mittelalter als Gemüsepflanze wenig oder gar nicht geschätzt zn haben, denn die Württembergcr weihte der spätere Kaiser Ferdinand I. erst um 1520 nnd die Böhmen und Mahrcr erst 1580 in diesen Genus; ein, d. h. zu einer Zeit, Ivo die Spanier die Spargel- zncht bereits im fernen Mexiko einführten. In Dresden ivar da« Spargeleffcu sogar noch lüvs eine unbekannte Sache, wie an§ dem Erstaiinen deS tnnachsische» Leibarztes Nacvius über den ihm in Wien vorgesetzten Spargclsalat hervorgeht. In Stuttgart tu- dessen gab es schon 1505 Spargekbeete und ebenso 1578 am Nieder- rhein. Bald darauf en'chcint lllm als der Mittelpinckt dieser neuen Kultur. England erhielt den Spargelban erst 1000 ans Flandern, von wo ancti im zweiten Viertel des 18. Jahrhunderts eine neue Knltnrsori» der Pflanze, der bekannte Holländische Spargel ausging. de» der anhaltischc Arzt Dr. Daniel Geys; mn 1750 nach Dessau verpflanzte. Gegenwärtig find Argentruil und Anbcrvibiers(bei Pariss, Marchiennes und Besa»?vn in Frankreich, Gent uud Brnffel in Belgien. Görz im Küstenland, Franenhofcii. Aggsbach, Matzen und Laa in Nicderöstrciel», Jnngbnnzlan in Böhmen, Ulm, Darmstadt und Schwetzingen iu Siiddeutschland, Berlin und Blanu- schweig in Norddaitichtanb als Spargel orte berühmt. In letzt- genanicker Stadt mid deren Unigebiiiig»immt der Spargelban gegenwärtig 10 000 Morgen Land ein; der Verbrauch der dortigen «oiiservensabrike» an Rohmaterial betrug schon 1894 rund k0000 Eentner. Ter Konsum au frischem Spargel fft am stärksten in Paris, das 150—200000 Kilogramm jährlich verzehrt. Rcven dem Spargel tritt das zweite nnjerer Sprosiengemüse. die junge» Schößlinge des Hopfens oder die sogenmmten„Hopfenkeime", völlig i» den Himergnmd. nnd noch mehr ist dnS mit den Sproffcn der Waldrebe der Fall. Beide werden in der Küche wie die Spargeljtangcu behandelt.— Robert Habs. Kleines Feuilleton. Neber Jahreszeit nnd Trunksucht sprach in der letzten Sitzung der Deutschen Geseltschaft für öffentliche Gesundheitspflege Geheimer SanftätSrat Dr. B a e r. An statistischem Material anS Petersburg. Stockholm, Paris und namentlich ans Berlin ivics er nach, daß die durch Alkohol bedingten Erkrankungen in den Sommermonaten häufiger auftreten als im Winter. So kamen in den Jahren 1879 bis 1808 pon fast 10 000 in acht Berliner Krankcnhänscm behandelten Alkoholikern auf da-Z Vierteljahr April bis Juni 24,5 Proz., Juli bis September 27.22 Proz., Oktober bis Dezember 20,25 Proz., Januar und März 2l,00 Proz., alfo auf das Sounnerhalbjahr April bis Sepieniber 61,75 Proz, auf das Winterhalbjahr Ottober bis März 48,25 Proz. der Erkrankten. Die höchste Zahl der Erkrankungen fiel auf den Juli, die ge« ringste auf Februar nnd März. Die Urjachen dieser Erscheinungen dürften von zweierlei Art sei». Abgesehen davan, daß das Durst- gesühl im Sonnner, zumal bei angestrengter Körpcrarbeit nnd an trockenen Tagen, an sich schon größer ist als im Winter, verkettet auch der im Sommer reichlichere Enverb und die häufigere Gelegen, heit zur Geselligkeit zu öfterem und ausgiebigerem Älloholgeimst. Der genossene Alkohol aber wird im Sommer langsamer ans dem Körper ausgeschieden als im Winter, weil im Sommer der Stoff- Wechsel überhaupt langsamer vor sich geht, besonders die Atnmngs- thätigieit und die Harnansscheidimg geringer ist als im Winter. Zudem ist das Nervensystem, besonders das Gehirn, im Frühjahr und im Sonnner weniger»vidrrstandssähig irnd daher den Einwirknugcn des Alkohols leichter zugänglich. Diese Thatsachen lassen es auch verständlich erscheinen, warum selbst eni mäßiger Alkoholgeuuß iu den Tropenländerii viel schädlichere Folgen hat als lnisgesprochene Unmätzigkeit i» kälteren Künutte». Ob die im Sommer größere Häufigkeit der Selbstmorde und der Verbrechen gegen die Person mit dem reichlicheren Alkoholgeuns; in ursächlicher Berbindnng steht, ist eine zwar nicht spruchreife, aber keineswegs abzuweisende Frage. Die Form, in der der Alkohol genommen wird, ob als Branntwein. Bier oder Wein, macht mi sich keinen so erheblichen Unterschied in der Schndlichleit der Folgen, als man meist annimmt. Weit bedeuttmgsvoller find die wirtschaftlichen Be» diiignngcn. unter denen der Trinker lebt: der gut genährte und ge« kleidete, behaglich wohnende Stammgast eines„echten Bier-Lokals" wird dem Alkohol nicht so leicht zum Opfer werden, als ein arm» selig geklcidetcr, hungernder, obdachloser Arbeiter, mag jener auch dasselbe Quantum Alkohol zu sich nehmen, wie dieser. Die prattisch« Schlnfifolgerung, die der Bortragende aus seine» Forsch»«gen zog, ging dahin, daß man, naiucntllch im Sonuircr. für wohlschmeckende, billige und erquickende Erfrijchungsmittel, besonders auf«rbetts- stätten. sorgen solle, die geeignet seien, den Alkohol zu ersetzen und zu verdränge».—£. 8» Litterarisches. — Auch die Mai-Nummern des„Wahren Jacob" und der.Neuen Glüh lichter" liegen nmirnehr vor. Dem .Wahre» Jacob", der in fast allen seinen Gedichten, Aufsätzen und Bildern den erstell Mai feiert, ist ein doppclsettigeS Bild„Im Thale deS Friedens" beigegeben: In einer idealen Land» l'chaft sind die großen Geisteshelden der Geschichte, in Gruppen ver- einigt, dargestellt. Wilhelm Liebknecht hat den erklärenden Aufsatz dazu geschrieben, in dem er jeden der Dargestellten in seiner Be- dentnng für die Enttvicklnng des Geisteslebens kurz keimzeichnet. Hingewiese» sei noch besonders ans das letzte farbige Blatt, daS eine» Maifcstzug darstellt, der ans den engen Straßen einer alten deutschen Stadt auf die Höhen hirnrnS in die freie Natur zieht f er wird geführt von einem das Banner tragenden Schmied. Als Marschlied, daS von einer Kapelle geblasen inib von allen mitgesungeu wird, könnte das frische Lied gelte». daS diesem Bilde als Text beigefetzt ist. DaS Festbild der„Neuen Gli! I) lichter" ist diesmal von dem Berliner Künstler FidnS. dem Diefenbachfchülcr, gezeichnet. Durch die Hauptstraße der Stadt ziehen die Arbeiter zu chrcm Fest. Kopf an Kopf, dicht aneinander gedrängt füllen sie den breiten Weg, eine nniibcrsehbare Masse. Die unwiderftchliche Getvalt dieser zir einer Einheit gewordenen Masse wollte der Künstler darstellen. In dar zahlreichen Textbciträgcn, in der Dialckr-Pkanderci.Trourn-Gustck" vor allem, herrscht der frische Humor, der die„Glühllchtev" aus» zeichnet.— Musik. AnS der Woche. Einen Beweis sowohl für die trotz Lenzes noch üppige Fülle von Musik als auch für daS vorhandene Be» streben. Außergewöhnliches zu biete», lieferte der Dienstag voriger Woche. Da ivar zunächst die Lpernfnenriere, über die wir bereits berichtet. Dann natürlich die rrgelmäßigcn Aifffnhnurgcn von Oper und Operette in den dafür vorhandenen Theatern, lind daneben s n n f Konzerte, ganz abgesehen von Konzerten, die mir ettva un- bekannt geblieben; fast jedes z»lm Besuch lockend. Drei Liederabende, zwei Orchesterabende! Im Beethoveu-Snal gab Wüllner einen „Populären", im Nömischen Hos stn»,; Eorallh Böttcher mit Klavierbegleitung von W. Sacks, iin Bcchsteiw-Saal brachte die(an» scheinend noch junge) Toittüiistler-Vercinigung„Fasnerbnud* Novitäten; ferner saud da» vorletzte„Populäre Philhar» m o n i s ch e" unter Mitwirlimg der vielgeuamttcn rusfiichca Altistin Dolina-Gorlciilo statt und im Deutschen Hof ei» K'onzert des „Berliner Shniphonie-OrchesterS" unter Mitwirkung der Pianistin Viva Millard und mit einer neuen Shuiphouie von Hnltou. Selber an die Opernprmiöre gebunden konute ich nur eben Vertrcterberichte über drei dieser Konzerte erhalte». Aus deni eingehenden Referat, das mir über den Novitäten- Abend des ,. F a f n c r b n n d e s" vorliegt, ist etwa folgendes wiederzugeben. Ein Streichquartett von Slrno Sellin machte einen merkwürdig reifen und bannenden Eindruck; sämtliche Themen sind originell, ohne gesucht zu sei»; sie gewinnen«nmittelbar das Ohr, und such fcU t�rdlöMS. dvch nie pcbniilisihe Durchnrbeitimg befriedigt Vlirchivcg: Stiminsiihrimg nud Jiistmmcntcilbenutzung sind gewandt n»d wirksam: und alle diese Borziigc werden gehoben durch einen geistvollen Reichtum an Mitteln znr Belebung der strengen Form, onrch den das Werk beständig fesselt. Ans den diskreten, doch iimerlichen Beifall deS Publikums(— wo wäre denn hier eines, das eine zuversichtliche Aeußcruna über eine noch nicht officiell ab- gestempelte Leistung wagte? I—) folgte die erschütternde Mit- teilung, daß der Komponist vor zwei Tagen im 29. Lebensjahre ge- starben ist.— Eine Sonate für Klavier und Violine von Karl Kämpf verdiente achtungsvolle Verzeichnung.— Unter einem Dutzend neuer Lieder ragten hervor eines von M. v. K e h l e r und zwei von Arthur Perleberg, während eines von Hermann Noa meinem Gewährsmann als typisch für Irrwege moderner Liedervertonung erschien. Wie mir ein anderer Vertreter berichtet, wurde beim �vorletzten Symphonie- Konzert" der Philharmoniker um Frau Marie de Gorlenka-Doliua(von der Petersburger Oper) viel Lärm um„etwas" gemacht. Solche Sängerinnen haben wir in Deutsch- land noch so manche. Doch stehen Stimme und Vortrag weit über dem Mittelmaß! deutsche Sachen zu singen möge sie allerdings lieber vermeiden.— L ü d w i g W ü l l n e r war neulich hervorragend im Vortrag wie immer, wenngleich seine Stimme, wohl durch Hitze, noch rauher erschien als sonst. Was in dieser Woche mir selber an Konzerten zu hören zufiel, bewegte sich zunächst um die dreißigjährige Erinnennig des Todestages von KarlLoewe(30. Nov. 1796 bis 20. April 1869.) Vor allem kamen wieder mehrere seiner, trotz alles Stilisierens in der Textbetonung einzigarsigen Balladen in einem G n r a- Abend, dem„letzten populären", znr Geltung, diesmal mit E d u a r d B e h m am Klavier. Jetzt kommt mir Gnra's Stimme schöner, sein Vortrag matter vor als früher— vielleicht eine Täuschung durch den Kontrast mit Wüllner. Das Publikum„stand Kopf" und erzwang mit reichlichen Äbschiedsgrüßen noch zwei Zugaben. Tags darauf hörte ich von 81. H a r z e u- M ü l l e r den Locwe'schcn„Archibald Douglas", den uns Gura so oft ins Herz hinein gesnngen! dem neuen Sänger fehlt zwar das. was spccifisch Gura ist: die reife Meisterschaft und der innige Ton, aber nicht die Fähigkeit, dein Vorgänger dereinst uachzukoininen. Er und E nun a G oerke, die noch eine sehr gute Sängerin werden kann, sangen im Konzert deS K r u ck o w scheu G e- s a» g v e r e i n s. Hier kanien auch Orchesterstücke von Loewe zu Gehör, harmlos gefällige Zeugen der„Nomantik". Die Hauptnnmmern— Loewes„Walpurgisnacht" und Gades„Kalannus"— fielen so spät, daß ich auf sie verzichten mußte, um noch von dem Schubert-Abend Luise Walters einige Stücke des den Abend füllenden Cyklus „Die schöne Müllerin" zu hören. Sie ist zwar noch kein„weiblicher Wüllner", aber sie singt wenigstens schlecht und trägt ausdrucksvoll und bedeutungsreich vor. Zwei von Schubert nicht mit koinponierle Müller-Gedichte wurden von ihr gcsprockicn; doch auch der Sprech- ton erschien nicht recht ausgebildet. Dem Begleiter Coenraad V. B o s und schließlich der Wahl eines einheitlichen Programms noch unsre besondere Anerkennung I Die neuen und die neu hervorgeholten alten Koni- Positionen drängen sich gerade jetzt aufs dichteste. Hatte uns der„A eaxolla- Gesangverein" eine Reihe mehrstimmiger Chöre vorgeführt, die vom 16. Jahrhundert an Bilder verschiedener Kompositionsweisen gaben— ergänzt u. a. durch Einzelgesänge der ziemlich tüchtigen Altistin Hedwig Müller— so machte unS Heinrich N e i m a n n mit wert- vollen neuen Orgelwerken bekannt. Am interessantesten, wenn auch Wohl nicht am bedeutendsten war eine Art Programinmusik für die Orgel von dem nicht mehr unbekannten Hans Huber. eine Phantasie nach Schriftworten, in 4 Sätzen, von denen der zweite, �zuiiial durch sein schönes Ansklingen, besonders hervorragte. Auch ,n diese Musik muß nian sich erst hincinhören. Viel näher liegt die Sonate Nr. 1 von dem Wohl noch wenig bekamiten Filippo Capocci. Sie besitzt eine ansprechende Melodik, die doch alles Gemeinplätzige von sich hält. Einem fngiert beginnenden Eingangssatz folgt ein schönes Andante ini Geist Haydns; ein sehr frisches Finale rundet den erfrenlichcn Eindruck des Ganzen ab. Wohl das Originellste und trotz aller Modcrnheit recht melodiös war ein Sätzepaär aus der Sonate von dem jetzt häufiger genannten Franzosen Casar Franck, ein Allegrctto und ein l freierer) Canon. Alles eine wahrhafte Erquickung schon durch die Echtheit dieses Programms gegenüber dem, was wir sonst so oft von der Orgel herab zu hören bekommen.— bz. Geographisches. — Als die höchsten Berge in C a n a d a sind ans den Karten der Monnt Brown mit 4880 und der Monnt Hooker mit 4785 Meter verzeichnet. Der englische Forscher Professor Norman Collie, der 1897 und 1893 jenen Teil des Felsengebirges zwischen der Quelle des Athabasca-Flnsies im Norden und dem Kicking- Horse-Paß im Süden bereiste, bestätigt in einem Bericht in der �letzten Sitzung der Geographischen Gesellschaft in London die von Profesior Col'cman im Jahre 1393 erhobenen Zweifel und entthront die beiden Spitzen, die seit fast 70 Jahren auf jeder Karte als die �höchsten Erhebungen des kanadischen Felscngebirges paradieren. Der 'Monnt Brown erhebt sich demnach höchstens um 300 Meter über j den Athabasca-Paß und erreicht nicht mehr als rund 2700 Meter! der südlich gelegene Mount Hooker ist noch ctwaS niedriger. Nach Professor Collie befinden sich die höchsten Gipfel des kanadischen Felsengebirges in dem Gebiete südlich vom Mount Hooker, wo der Forschung noch viel zu thun bleibt.— Aus dem Tierleben. — Die Scharr thätigkeit des HuhneS wird nicht allein durch die Äbstammung der Nasse, sondern auch durch die Haltung und Fütterung beeinflußt. So kann, wie der„Praktische Wegweiser", Würzbnrg, schreibt, beispielsweise eine Glucke, die sehr fleißig scharrt, die Micken schwerfälliger Nassen(Brahma. Cochin) so durck, ihre Thätigkeit verleiten, daß dieselben sich das Scharren an- gewöhnen und später noch fleißig betreiben. Die Fleischhühner- Nassen, welche durch ihr Phlegma sich auszeichnen, scharren bekannt- lich sehr wenig, legen aber auch verhältnismäßig wenig Eier. Die Eierproduktion geht mit der Scharrgelegenhcit Hand in Hand. Wo letztere fehlt, wird das Legen selbst bei guten Legehühnern bald zurückgehen, weil wegen Mangels an Bewegung meistens eine Verfettung des Huhnes resp. der Eierstöcke eintritt. Zu reichliche Fütterung ist denmach nicht immer Schuld am Fettwerden der Lege- Hühner.— Technisches. en. Eine neuartige elektrische Beleuchtung einer Turmuhr wird im Pariser„Electricicn" beschrieben. Gc- wöhnlich werden öffentliche Uhren bei Dunkelheit von innen a»S beleuchtet, indem man ein transparentes Ziffernblatt wählt; aber dieses Verfahren hat seine Nachteile. Jeder wird schon bemerkt haben, daß an solchen Uhren auf einige Entfernung die von den Zeigern geworfenen Schatten so bcdcntende Täuschungen hervorbringen können, daß man sich oft nicht mir um Minuten, sondern um größere Bruchteile einer Stunde zu irren vermag. Die neue Erfindung, die diesem Ucbclstandc abhelfen will, ist höchst einfach. Die Stundenziffern ivcrden durch zwölf Glühlampen beleuchtet, die hinter dem Zifferblatt angebracht sind. Außerdem schleifen die beiden Zeiger mit ihrer Spitze auf einen den ganzen Umfang der Uhr umkreisenden Draht und erzeugen an der Stelle, an der sie sich gerade befinden, einen Lichtpunkt. Man kann nun außerdem die Stunden durch rotes Licht auszeichnen und die Minuten durch weißes, so daß ein Irrtum selbst ans größerer Entfernung dabei ganz ausgeschlossen erscheint. Dieses System wurde in Chikagö znin erstenmal zu allgemeiner Befriedigung erprobt.— Hmnoristisches. —©in Wiedersehen. M i n i st e r:„Ah, eine Lehrer- depntation! Und was sehe ich! Mein lieber alter Lehrer, zu dem ich in die Schule ging. Ach wie oft sagten Sie zu mir in der Schule: du bist ein Dummkopf, der es nie zu etwas bringen wird. Und mini Sehn Sie wohl!" „Excellenz, die Ausnahme bestätigt die Regel."— — O b e r a m in e r g a u.„Oh, Herrgott Sakra, jetzt ham's den „heiligen Johannes" beim Haberfeldtreib'n derwischt!"— («Siniplicissimus'.) Notizen. — Dr. M a x P o h l hat seine Entlassung vom Berliner Schauspielhanse gefordert. Er glaubte, in der letzten Zeit nicht genügend beschäftigi zu sein.— — In Breslau sind in den letzten Tagen das ncnerbante hygienische I n st i t u t und die neue UniversitätS- Augenklinik der Benutzung übergeben worden.— — Der Audiffred-PreiS von 15 000 Fr. wurde von der Pariser Akademie der moralischen und politischen Wissenschaften dem Kommandant M a r ch a n d zugesprochen. Der Preis ist bcstiinmt,„die schönste und größte That selbstloser Hingabe, welcher Art sie auch sein möge, zu belohnen". Marchand erhielt sie für seine Durch- querung Afrikas vom Atlantischen Lccan bis zum Noten Meere.— — Eine neue wissenschaftliche Auszeichnung ist in der letzten Versammlung der Royal Institution in London zum erstenmal verliehen worden. Es ist die H o d g k i n s- M e d a i l l e in Gold, deren erster Träger Professor James D e w a r geworden ist, und zwar in Anerkeiniung seiner bahnbrechenden Versuche znr Verflüssigung von Gasen und insbesondere der atniosphä- rischcn Lust.— — In Washington wurden erfolgreiche Versuche niit der von Crehon und Squicr erfundenen Telegramm- Maschine „Shnchronograph" gemacht. Vom Kricgsministerium wurden nach Fort Meyer über eine Entfernung von fünf Kilometern Depeschen gesandt. Die Maschine produziert 2000 Worte in der Stunde. Der Apparat arbeitet wie eine Schreibmaschine, und schlägt kleine Löcher in einen Depeschenstreifen, von welchem ein Aufnahme« Apparat Abdrücke macht, die alsbald in Morsezeichen weitergcschickt werden.— t. Fridtjof Nansen hat im N u m e d a I. das sich nördlich von dem Bergwerksort Kongsbcrg erstreckt, ein G r u n d st ü ck mit einem Touri st en- Hotel und zwei Höfen angekauft.— c. Ein Pastor an der Plymouth-5tirche in Brooklyn wählt, um die Sonntagabend-Predigten«populär" zu machen, feine Stoffe ans bekamiten Novellen.— Verantwortlicher Redacteur: August Jacobey m Berlin. Druck und Verlag von ivtax Babing in Berlin.