Nr. 308. >..inern, Bevorzugung von Produktivgenossenschaften bei der Vergebung öffentlicher Arbeiten«. Freilich giebt unser Kommunalgesetz, das die Kommunen unter die Vormundichaft der Regierungsautorität stellt, keine große Mög- lichteit� zur Verwirklichung dieser Reformen; denn die Präfekten annullieren stets die von den Socialisten gefaßten Beschlüsse. Aber dann dient dies erst recht zur Propaganda; denn die Bevölkerung erkennt, daß die Socialisten Reformen' einführen wollen, und daß es die Regierung ist, die ste an ihrer nützlichen, civilisatorischen Arbeit hindert. So muß also die Handlungsweise der Socialisten in den kom munalen und provinzialen Verwaltungen stets im Gegensatz zur Centrairegierung und den gegenwärtigen Gesetzen stehen, die den Privilegien der herrschenden Klasse so günstig sind. In Bezug auf die Taktik b�ei den allgemeinen politischen Wahlen, deren Wahrscheinlichkeit fich übrigens ver- mindert hat; denn die Regierung hat infolge der letzten Wa'hlresultate eingesehen, daß die socialistische und republikanische Partei viel zu gewinnen hätten, wenn sie im nächsten Oktober Wahlen statt- inden ließ«— in Bezug hierauf haben wir folgenden Beschluß gefaßt: Unsere nationalen Parteitage(in Florenz im Jahre 1836 und in Bologna im Jahre 1837) hatten bestimmt, daß die socialistische Partei allein und gesondert von jeder anderen Partei in der Abstimmung beim ersten Wahlgang vorgehen müsse; im Falle der Stichwahl dürfe ste aber für die Republikaner stimmen. Unter den ausnahmsweiS reaktionären Verhältnissen, die bei uns herrschen, war es notwendig, daS Bündnis der socio- li(tischen Partei mit der republikanischen Partei und der radikalen Partei der äußersten Linken fortzusetzen; denn diese drei Gruppen haben den Obstruktions- Feldzug im ver- gangenen Juni, der uns die ganze Sympathie des Volles eingebracht hat. geführt. Aber wir haben daS Bündnis auf diese drei volkstümlichen Parteien, ivelche die äußerste Linke bilden, beschränkt. In der Zeit- schrift„Critica sociale", deren Wiedercrscheinen nach der Befreiung Turatts ebenfalls einer der erfreulichsten und bemerkens- wertesten Beweise für die Lebenskraft der socialistischen Partei ist. wurde von einem Genossen eine gegenteilige Meinung vertreten. Indem er wegen der Not des Augenblicks einseitig dem Kampfe gegen die Reaktion gar zu viel Wichtigkeit beimaß, hatte er vorgeschlagen, die socialistischen Wähler sollten ihre Stimmen sogar für die Kandi- baten der konstitutionellen Linken, deren Führer Zanardelli und Giolitti sind, abgeben. Aber über die augenblickliche Notlage hinaus giebt es noch Griinde, socialistische Partei als Klassenkampfpartci zu sein, und für die Individuen wie für die Parteien ist es nicht möglich, wegen eines vorübergehenden Nutzens auf höhere und dauernde Gründe für die materielle und moralische Existenz zu verzichten. Die Führer Zanardelli und Giolitti haben den Belagernngs- zustand und die Kriegsgerichte gebilligt, und sie haben sogar für die reaktionären Gesetzentwürfe bei der ersten Lesung im letzten März gestimmt. Lediglich mit Worten opponierten ste erst bei der zweiten Lesung, als sie sahen, daß unser ObstniktionSfcldzug sieg« reich war, und daß eS für sie bequem wäre, im Bewußtsein deS Volkes sich wieder eine politische Reinheit zu verschaffen. Aber ein Bündnis mit diesen sehr reaktionären. Ivenn jetzt auch antiniinisterielleii Deputierten würde jeden Klassencharakter der socialistischen Partei verwischt haben, und die parlamentarische Fraktion hat eine Niesolution gefaßt, in der.die Bereinigung der drei Gruppen der äußersten Linken unter Vorbehalt als auferlegt durch die Notwendigkeit des Augenblicks" bezeichnet wird; die Socialisten sollen aber ihre Wahlthätigkeit zur Propaganda des Ideals und der socialistischen Prinzipien benutzen, die höher stehen, als die vorübergehenden Zufälligkeiten eines Kampfes gegen die Reaktion, die nicht erst von gestern ist und auch nacki morgen noch fortdauern wird." •« Um einen nationalen Parteitag zu versammeln, was von mehreren Genoffen gefordert wurde. Häven wir erklätt, daß man die kommunalen und politischen Wahlen benutzen muß, um sich ivicder in socialen Gnippen zu organisieren; diese allein werden Vertreter der Partei auf den nationalen Parteitag senden können, an deffen Stelle es sich gcgenwärttg empfiehlt. Provinz-Parteitage abzuhalten, wie man es bereits in einigen Städten der Lombardei, Piemont« und ToscanaS gethan hat. ** » Ein anderer Beweis für die Lebenskrast unserer Partei ist in dem Wunsch enthalten, de» einige pienwntesische Genossen geäußert haben, außer den vier tvöchentlichen Journalen ein t ä g l i ch e S für •) Vergl. Nr. 204 deS.V." ihre Gegend zu begründen, um die Propaganda und den Kampf mit größerer Lebhaftigkeit zu führen, als es durch unser Ccntralorgan „Avanti", das in Rom erscheint und sehr verspätet nach dem fernen Piemont kommt, möglich ist, Thatsächlich hat in Piemont unsere Partei den größten Auf- schwung genommen und ist dort sehr gefestigt. ____ In Turin, der Geburtsstadt der Dynastie, haben wir zwei socia- listische Deputierte(Morgari und Nofri), und auch im Stadtrat haben wir jetzt daselbst eine starke Minorität. In Alexandria, der zweiten Stadt Piemonts, haben die Socialisten int Stadtrat die Majorität erobert, und der Bürgcnncistcr der Stadt ist unser Genosse, der Ilhr machcr Sacco. Der Nutzen einer Tageszeitung, die in Turin er- scheinen würde, springt also in die Augen. Aber wir haben beschlossen, daß sie nur dann zu begründen ist, ivenn durch den Verlust der Abonnenten und deS Verkaufs in Piemont unser Ccntralorgan in Rom nicht gefährdet wird. Zur Entscheidung der Frage soll eine technische Kommission eingeletzt werden. *« » Weiter haben wir noch beschlossen, eine ausgedehnte Agitation gegen die Einrichtung des Zwangsdomizils zu entfalten. DaSZioangS- domizil ist eine Art innerer Deportation(nach Inseln, ohne Arbeit, mit 50 Centimes täglich, welche die Regierung jedem Deportierten zu zahlen hay, eine rein administrative Deportation nach russischem Muster; das heißt ohne Richtcrspruch, sondern nach dem Crmessen der Polizei; sie kann bis zu einer Dauer von fünf Jahren verhängt werden. Auf den Jnsclchen zwischen Neapel und Sicilien sind jetzt mehr als hundert politische Deportierte vorhanden, Opfer von Mißbräuchen und Gesetzwidrigkeiten aller Art. Wir haben beschlossen, neben den andern Mitteln der Propa- ganda in der Presse auch einen politischen Deportierten als Kandi- baten zum Parlament zn bestimmen, um in energischerer Weise gegen daS Zwangsdomizil zu protestteren. *« » Endlich hat die socialistische parlamentarische Gruppe, um die Pflichten der internationalen Solidarität nicht zu versäumen, an die französischen Socialisten und spcciell an den Genossen I a u r ö s eine Depesche gesandt„mit dem Ansdnick unserer be- geisterten Solidarität für den edeln und mntiaen Kampf, den er mit revolutionärem Bewußtsein für die Gerechtigkeit und die Civilisation führt." Denn in Italien billigen olle Socialisten einstimmig daS Ver- halten der französischen Socialisten in der Affaire Dreyfus(mit Ausnahme des Falles Millerand); natürlich mutz man über den Jnstizirrtum hinaus, wovon leider zu zahlreiche Beispiele in allen Ländern vorkommen, die Gelegenheit besonders zum revolutionären Kampfe gegen den mit dem Klcrikalismus verbündeten Militarismus benutzen. »»» Wir italienischen Socialisten erivarten, daß die Regierung den Mut hat, die Kammer auszulösen, um zn sehen, welches Urteil das Land bei den politischen Wahlen fällen wird. Enrico Ferri. Dolitifche Mebrvfichk. Berlin, den 5. September. Die Gewesenen. Die Personalverändcriing in den preußischen Ministerien regt die Presse noch zu allerlei Betrachtungen an, ohne daß etwas Belangvolles zu Tage gefördert würde. Zu erwähnen wäre, daß fast alle Blätter den getvesenen Ministern nichts sonderlich Gutes nachreden. Ein toter Minister hört eben auf. Gegenstand von Lobeserhebungen zu sein. Ueber die Gründe der Entlassung wird nichts Sicheres mitgeteilt. Ein Teil der Presse teilt die Vermutungen, die wir gestern geäußert. Noch weniger wird über die neuen Männer berichtet. Daß der jetzige Kultusminister Stndt mit den Bodelschwinghschen Bemühungen in Verbindung gestanden hat, zeigt, daß Herr Bosse wenigstens keinen gottlosen Nach- folger bekommen hat. Einen Systemwechsel nimmt niemand an„Daß... ein Umschwung unserer Polittk oder eine besondere Ge- staltung der Verhältnisse zu erwarten wäre, glauben wir nicht. Die Persönlichkeiten der Minister kommen heutzutage recht wenig in Betracht. Deshalb läßt uns auch der ganze Ministerwechsel recht kühl." So schreibt die bündlerische„Deutsche Tageszeitung", deren Urteil wir vollinhaltlich unterschreiben. Die einzige Aufgabe, die wir haben, ist, uns an die neuen Namen zu gewöhnen, eine Bemühung, die schwieriger und weniger lohnend ist, als die alten zu vergessen.— Nationalliberale Zuchthausagitation. Die„National-Zeitung" zeigt ungebrochenen Eifer im Kampfe gegen das Koalitionsrecht der Arbeiter. Schon setzt sie ihren Ehrgeiz in den Nachweis, daß ihre Partei in der Frage des Zuchthausgesetzes eigentlich gar nicht zurückstehe hinter den— Konservativen: „Was den Kampf gegen den Umsttirz betrifft, so haben d i e Konservativen die meisten Bestimmungen deS in der vorigen Session im Reichstag eingebrachten Entwurfs ebenso skeptisch anfgcnonnnen, iv i e wir und unsere Gesinnungsgenossen; sie machen allerdings viel Wesens davon, daß sie die einer sorgfältigen Prüfnng werten Vorschläge zur Ausgestaltung des§ 153 der Gewerbe- Ordnung einer solchen unterziehen ivollten, während ein Teil der Rationalliberalcn, im Gegensatz zu der von»ns vertretenen Ansicht, die« für überflüssig hielt. Der Unterschied war— im Hinblick auf die ablehnende Haltung des Centrums— mehr taktischer als sachlicher Art, und die von uns nicht gebilligte Taktik beruhte, wie wir alsbald hervor- gehoben, auf ungenügender Würdigung der norddeutschen, in- fonderheit preußischen Verhältnisse seitens einiger national-liberaler Wortführer aus den süddeutschen Kleinstaaten. Wir hegen keinen Zweifel, daß die zweite Beratung der Borlage nach der Wirderaufnahme der Reichstags-Berhandlungen anders verlaufen wird." Um neben den Konservativen das freundliche Auge der Regierung zu haben, ist diesen Nationalliberalen jede Büberei gegen die Arbeiterklasse willkommen.— Deutsches Peich. Amtliche Streikstatistik. In den Vierteljahresheften zur Statistik des Deutschen Reiches wird soeben die amtliche Streikstatistik für das 2. Quartal d. I. veröffentlicht. Es wurden vor dem 1. April 1833 begonnen(aber erst später beendet) 43 Streiks, im 2. Quartal d. I. wurden begonnen 357 Streiks. Beendet wurden im 2. Quartal 352 Streiks. An den beendeten Streiks waren 2476 Betriebe be- teiligt. in denen bei Ausbruch des Streiks 63 333 Arbeiter beschäftigt waren. Die Höchstzahl der gleichzeitig Streikenden betrug 34 503. AIS kontraktbrüchig werden davon wieder 8333 Arbeiter bezeichnet. Wie weit diese Zahlen der Wirklichkeit entsprechen, wird noch zu untersuchen sein. Daß sie mir großer Vorsicht aufzunehmen sind, haben wir schon bei den Angaben für das erste Quartal nach- zuweisen vermocht. Die Zusammenfassung für beide Quartale ergiebt 574 begonnene Streiks(und 12 vor dem 1. Januar begonnene) und 533 beendete. An den beendeten Streiks waren 2310 Betriebe mit 83 048 Arbeiten! und höchstens 43 382 gleichzeitig Streikende beteiligt. Davon sollen 12 594 kontraktbrüchig gewesen sein. Eine kritische Besprechung der Angaben behalten wir uns vor. Wer nicht gemastrcgclt worden ist. Nach den der „Deutschen Tages- Zeitung" gewordenen Nachrichten scheint es festzustehen, daß alle Regierungspräsidenten und Landräte in den einstweiligen Ruhestand versetzt worden sind, die in der zweiten und dritten Lesung gegen den Mittellan."Kanal gestimmt haben. Dagegen scheint der Landrat von H a s s e l b a ch, der vor der dritten Lesung sein Mandat niederlegte, nachdem er in der zweiten gegen den Kanal gestimmt hatte, noch für geeignet erachtet zn werden, dieKanalvorlage in seineinKreise zu ver- treten. Auch davon haben wir nichis gehört, daß die Landräte B r ü t t, Dr. Jderhoff und R i e s ch, die bei der zweiten Lesung gegen den Kanal gestimmt hatten, bei der dritten aber entschuldigt fehlten, zur Disposition gestellt worden seien. Sie scheinen also dadurch, daß sie durch irgend welchen Zufall an der dritten Lesung nicht teilnahmen, dem Schicksale entgangen zu sein, und dieser Zufall scheint sie in den Augen der StaatSrcgierung zur Wciterführung ihres AmteS geeignet zu niachen. Wie sagte doch Schiveinburg! Die Maßregelung hängt mit der Abstimmung in der Kanalfrage nicht zusammen. Uebrigens ist der Verantwortliche der Maßregelungen schlinmier daran: Recke ist ent- lasse», die Landräte sind nur aus Wartegeld gesetzt.— Noch ein NbschiedSbricf. Herr v. B o n i n verabschiedet sich in einem Extrablatt zum„Neustettiner Kreisblatt" also von seinen Kreiseiugescsscnen: „Des Königs Majestät haben auf den Vortrag des köuig- licheu Staatsmiuisteriums zu genehmigen geruht, mich in den einstweiligen Ruhestand zu versetzen. Indem ich denigemäß mit dem heutige» Tage mein Amt niederlege, danke ich allen Kreiscinsassen, insbesondere den Herren Beamten, welche mir unterstellt waren, wie auch denen anderer Ressorts für das Vertrauen und die Ivirksame Unterstützung, welche sie mir während meiner mehr als 25jährigcn Thätigkcit als Landrat des Kreise? entgegengebracht und gewährt haben. Ich scheide aus dem Amte init dem Bewußtsein, in meinem amtlichen und außeramtlichen Verhalten immer nur das Wohl des Vaterlandes und des Kreises im Auge gehabt zu haben, und bitte die Bewohner des Kreises, mir ihr bisheriges Vertrauen und Wohlwollen auch ferner erhalten zu wollen. Neustettin, den 2. September 1833. v. Bonin, Landrat z. D. Herrn v. Bonin hat also weder der mahnende Erlaß des Fürsten Hohenlohe noch die Aussperrung zur Raison bekehrt. Der Störrische meint noch immer, durch sein anßeramtliches Verhalten, d. h. durch seine Gegnerschaft gegen die Kanalvorlage der Regierung dem Vaterlandc gedient zu haben. Ein arger Ketzer!— Ueber Rächt anders besornien hat sich die„Post". Am Montag bemerkte sie zum Ministerwechsel, „daß die mit der Verfassung nicht in Einklang zu bringende Ein« Wirkung, welche der Minister des Innern auf die Abgeordneten, welche zugleich Vcrwalwugsbeamte sind, versuchte, den unmittcl» baren Anstoß zu seiner Demission gegeben hat." Vierundzwanzig Stunden später schreibt dasselbe Blatt: „Thapächlich wird in einem Teile der Presse, und zwar so« wohl in der äußersten Rechten, wie in der socialdemvkratischen Presse der Rücktritt der beiden Minister als ei» Erfolg der scharfen, gegen ihre Maßnahmen gerichteten Kritik bezeichnet. I n Wirk- lichkeit kann davon natürlich nicht die Rede sein." Die„Post" bezieht ihren politischen WeisheitLwechsel offenbar vom—„Berliner Tageblatt". In empfehlende Erinnerung bringt sich, wie gewöhnlich, das freisinnige„Berliner Tageblatt" bei den neuen Ministern. Sie widmet ihnen so verzückte Huldigungen, als ob es sich um Picguart oder Freystätter handelte. Wenn die neuen Männer dereinst wieder gehen werden, wird das Organ MosseS wieder schimpfen.-- So etwas nennt man Freisinn!— Der„Märkischen Bolks-Zeltnng" hat unsere Betrachtung über den Katholikentag gar nicht behagt. Sie widmet uns zur Ab- wehr einen umfassenden Sermon, dessen sachlicher Gehalt in um- gekehrtem Verhältnis zur Fülle seiner wütigen Schimpf« traft steht.„Geschworene Feinde de? Christentunis" seien wir, weil wir nachwiesen, daß die Handlungen der Centrums- Partei mit Christentum nichts gemein haben— in dieser Art glaubt das katholische Organ sich von unserer Kritik los- stehlen zu dürfen. Natürlich hütet sich die„Märk. Volksztg.", da», was unser Artikel wirtlich sagt, ihren Lesern irgendwie mitzuteilen. Ecr STrtilcI ist uns lediglich ein neuer Beweis für dst Richtigkeit liufcrcr Aufst.stung. daß der Centrnmsparte!, so mächtig und stark sie äußerlich erscheint, doch nichts innewohnt von jener Äraft der Wahrheit, die allein schöpferische Werke wirkt.— _ Zur„Hrbmig" des OstcnS. Sonnabend ist bei der Durch- rege nach Posen Oberbürgermeister 2B i 1 1 i n g von dein Minister Miguel empfangen wordein Man wird, der.Nalional-Ztg� �u- folge, in der Annahme nicht fehl gehen, daß es sich um enieule Be- sprcchnngen über verschiedene umfassende Maßregeln handelt, ivelche die StaatZregicruug in Ausführung ihres Kultur« und Wirt- l ch a f t s p r o g r a m m s für die'Ostp rov inzcn plant.— Bochum. 4. Sept.(Eig, Bericht.) In einer.Sedan-Sißung" des viesigen Landgerichts wurden unter dem Borsitz des Landgerichts- Direktors Pellinghof acht Teilnehiucr am Herner Streik ab- gcurteilt. Die Angeklagten sind der Nötigung bezw. Körperverletzung, die ste in der Nähe von Zechen am 26. bezw. 27. Juni an Kameraden begangen haben sollen, beschuldigt. Es wurde insgesamt auf VI Monate GcfängukS erkannt. Wozny erhielt 1 Jahr 11 Mo- nate, Schmielewsky und Krumreyjel Jahr, L u d v i c z a k, Golocik, MerteS und Saletzty je 9 Monate und So- b r e i s k h 8 Monate Gefängnis; Nowakowsky wurde freigesprochen. Wie der„Bochunier Anzeiger schreibt, sind noch so viele in llmersuchung, daß die Gesamtsumme der erkannten Arei- heitöstrafen»vcit über hundert Jahre übersteigen dürfte. Nach sorgfältigen klufzeichinlugen, die Schreiber dieses vorgenommen hat, sind verurteilt worden: im Juli 21 Angeklagte zn 165 Monaten 6 Wochen und» Tagen, im August 6 Angeklagte zu 52 Monaten, im September 8 Angeklagte zu 91 Monate» Gefängnis; das macht ius- gesamt: ÄS Jahre 8 Monate« Wochen» Tage Gefängnis. Freisprechungen erfolgten bisher nur fünf. Bei Abmessung des Strafmaßes wird die„Gefährlichkeit der dainaligen Situation" mit i« Betracht gezogen.— Ttretkhrozest i« Dresden. Schon wieder wurde ein Maurer wegen angeblichen Vergehens gegen ß 158 der Gewerbe-Ordnung zu drei Wochen Gefängnis verurteilt. Er soll einen Streik- brecher Lump genannt habe». E i n z i g er Belastungszeuge war der„Genötigte" selbst, aus dem mit aller Not und Mühe die Be- stätigung der Anklage herausgebracht wurde. Der Angeklagte— Maurer Sträck— bestritt das ihm zur Last gelegte; er will nur von Lumperei in straflosem Zusammenhange gesprochen haben. Ein Entlasliuigszeuge bestätigt« das im wesentlichen. Trotzdem die hohe Strafel— AuS der Wahlbewcamig im Pirnaer Kreise. Wieder«me soeialdemokratische Wahlversammlung behördlich vereitelt! Auf einem Feldgnlndstück in Maxen sollte am Sonntag Konrad Hönisch über die Bedeutung der bevorstehenden Reichstagswahl sprechen. Aber die Arbeiter denken— und die Behörden lenken. Am Freitagabend waren ein Vertreter der Anitshanptmannschast, der Gemeinde- vorstand und als Dritter im Bunde der Gendarm bei dem Be- sitzer des Grundstücks erschienen und hatten allerlei Bedingungen über die Beschaffenheit des Platzes gestellt, die beim besten Willen nicht erfüllt werden konnten. Da sollte das ganze Roggenfeld um- gegraben, der Strohfeimen sollte um nicht weniger als 200 Meter von seinem Platze entfernt nnd endlich sollte auch ein in der Nähe befindlicher Misthaufen mit Brettern zugedeckt und verschlagen werden. Ob letztere Maßregel mit Rücksicht auf die zarten Geruchsnerven der soeialdemolratischen Arbeiter getrosten werden sollte— die Behörden sind uns gegenüber ja immer recht aufmerksam— entzieht sich unserer Kenntnis. Die beiden erstcren Forderungen hat die Behörde angeblich mit Rücksicht auf etiva entstehende Feuersgefahr gestellt. Um die Versammlung zu ermöglichen, wollte der Einberuser dafür garantieren, daß niemand rauche, das>var von der Behörde nicht acccptiert worden. So konnte die Versanmiiuug, zu der von nah und fern sehr zahl- reiche Besucher herbeigekommen ivaren, nicht stattfinden. DaS ist nun schon die zweite in der Maxener Gegend von der Behörde vereitelte Wahlversammlung. Ob die Behörde durchaus eine nochmalige Kassie- rung der Wahl durch solche ungerechtfertigte Eingriffe in den Wahl- kämpf herbeiführen will? Trotz solcher Hindernisse nimmt die Agitation im Wahlkreise aber sehr lebhafte» Fortgang. Am letzten Sonnabend und Sonntag waren von unserer Seite acht Versammlungen, sämtlich unter freiem Himmel, arrangiert. Außerdem wurde die Nummer 3 der.Wahl-Zeitung" in 32 000 Exemplaren in den Jlidnstriebezirken verbreitet. Auch die Freisinnigen hatten sieben Versammlungen, welche fast alle von unserer Seite mit Diskussionsrednern beschickt wurden, ein- berufen.— Gi» Trinkspruch. Der Kaiser hat am Montagabend bei der Paradetafel im Schloß zu Straßburg«inen Trinffpruch auf das 15. Armeekorps ausgebracht: Der kommandierende General habe das Korps in ganz vorzüglicher Berfaffung vorführen können.„Ich tvünsche, daß es alle Zeit, auch im nächsten Jahrhundert, so brav und tüchtig seine Friedensausbildung betreiben möge, damit es stets seiner hohen Aufgabe gerecht bleiben möge, im Schatten des ewigen Münsterdomes dieser herrlichen Stadt."— Der bayrische Landtag ist, wie aus München telegraphisch gemeldet wird, auf den 28. Septenrber einberufen worden.— Auch eine„Berstaatlichmig". Zu der Angelegenheit der Zeitz-Stiftung wird unS weiter auS Jena geschrieben: Wer da geglaubt hat. daß sich der in letzter Zeit fast ebenso oft als Professor Abbe genannte Oberbürgermeister Singer von Jena mit der ihm seitens des erster«» zu Teil gewordenen Abfertigung zufrieden geben würde, hat sick, geirrt. Am Tage nach dem Er- scheinen oer erwähnten Erklärung des gesetzlichen Ver- treters des Vorstandes der Karl' Zeiß- Stiftung ließ der Oberbürgermeister unter dem ironischen Titel„Professor Abbe contra Karl Zeiß- Stiftung" ebenfalls eine Erklärung vom Stapel, die den Ziveck hatte, seine Haltung zu rechtfertigen, iii Wirklichkeit aber ihren Urheber nur noch etwas tiefer in die Tinte ritt. Herr Singer veröffentlichte nämlich einen Briefwechsel, der zwischen ihm und Pxofessor Abbe stattgefunden hat. Zunächst kam ein Brief des Oberbürgermeisters an die Reihe, welcher, nachdem Singer seine Behauptungen aufrecht erhalten, folgenden Schlußsatz enthielt: „Daß diese Zustinummg(deS Stistungskommissars) zur Unterstützung der Lesehalle, in ivelcher auch soeialdemokraiische Schriftwerke ausliegen müssen, gegeben worden ist, habe ich immer abfällig tritisiert, in Jena sowohl als in Greiz, Da aber diese meine Kritik sich zunächst nicht gegen Sie fAnmerkung: sondern gegen die„Aufsicht" führende Sfiftungsverwaltung), verehrter Herr Professor, richtet. sehe ich keinen Grund ein, warum ivir beide die Waffen kreuzen sollen. Wir wollen uns doch lieber freuen, daß in unserem freien, monarchischen Lande Sie. als Staatsbeamter, die Sache der staats- gefährlichen Socialdemokratie— Oberbürgermeister Schmidt- Erfurt nanute in Greiz die soeialdemokratischen Lehren das schlimmste Gist für uiiser Volk— fördern, und ich als Beamter die Stellungnahme des Staates zu Ihrer Thätigkeit bedauern können. In dem soeialdemokratischen Staat der Tyrannei würden ivir uns das nicht erlauben dürfen. Und wenn wir es wagten, dann flögen wir beide hinaus; ich voraussichtlich zuerst. Sie aber, verehrter Herr Professor, mir gleich hinterdrein. Hochachtungsvoll und«rgebenst Oberbürgermeister Singer. In seinem Antwortschreiben spricht Professor Abbe seine Freude aus über die Bestimmtheit der von Sstiger abgegebenen Erkliiruiigen, die es ihm ermöglichte», die Sache vor den Gerichten zum Äustrag. bringen zu lasten und zugleich die von ihm(Abbe) zu wahrenden Interessen Singer gegenüber in ganz akademischer Form vertreten I zu können. Am Schließ schrieb Proffessor Abbe:> Mit Bezug auf den Schluß Ihres Briefes aber bemerke ich noch, daß ich in diesem Punkt: unsere Leidensgenossenschaft im socialdemokrasischen Staat— ganz und gar mit Ihnen übcreiii- jttmnie. Nur der Unterschied besteht für mich, daß ich— als ungläubiger Tbomas, der ich nun einmal bin— auch an diesen Staat nicht glaube. Infolge dessen kaim mich der Gedanke an die mir in Aussicht gestellte Leidens'genosicnschaft nicht daran irre machen, bis an mein Lebensende für die Verbeffecuug des uichtsocial- demokratischen Staates einzutreten und die Socialdemokratie— nickt zu„fördern", wie Sie mir fälschlich nachsagen— sondern auf meine Art zu bekämpfen, indem ich helfe, die im Vergleich mit socialdemokratischen Lehren noch viel schlimmeren Gifte unschädlich zu machen, die im nichtsocialdemokratischen Staat unser Volk bedrohen. Hochachtungsvoll eraebenst Dr. E. A b b e. Diese Charakteristik des heutigen Staatswesens und eine solche „Bekämpfung" läßt sich die Sociaidcmokratie ganz gern gefallen. Um seinen Standpunkt zu„rechtfertigen", citwrte Singer dann eine Reihe von Bestimmungen miS dem Statut der Karl Zeiß- Stistung, die s ch e i n b a r seine Auffassung unterstützten, die sich aber bei näherer Betrachtung als vollständig falsch er- wiesen. Wie sehr Herr Singer im Unrecht ist, beweisen folgend« Stiftungs- bestimmungen: Zweck der Stiftung ist nach§ 1 sud L Absatz 2: Bethätigung in gememnützigen Einrichtungen und Maßnahmen zu Gunsten der arbeitenden Bevölkerung Jenas und seiner nächsten Umgebung. § 103 hat folgenden Wortlaut: „Unter dem in§ 1 snb B an zweiter Stelle benannten Titel sollen alle Aufwendungen gerechtfertigt sein zu Gunsten gemein- nütziger Einrichtungen oder Veranstaltungen m Jena und seiner nächsten Umgebung, ivelche geeignet find, das leibliche Wohl, die wirtschaftliche Lage oder die Lebensannehinlickkeit der in industrieller oder kleiugewerb sicher Arbeit stehenden Volkskreise zu befördern, oder gewerblicher. allgemein bildender Belehrung und geistiger Anregung ihrer Aitgehörigen zu dienen." Es besteht kein Zweifel darüber, daß die Subventionierung der Lesehalle unter die Gesichtspiiuktc dieses Paragraphen fällt. Von niaßgebeuder Bedeutung für das Mitbestimmungsrecht der Stiftungsverwaltung und des Stiftungskommisfars(dem Vertreter der Staatsbehörde) find jedoch folgende Bestimmungen: ß 5, Absatz 3. Stiftungsverwaltung und Stistungskommissar find verpflichtet, die Angelegenheiten der Karl Zeiß-Ssiftung in allem nach den Vorschriften des Statuts und gemäß den aus ihm erkennbaren Absichten des Stifters zu leiten. Sie dürfe» dabei auf Staatsintereffen, welche den ausgesprochenen Zwecken der Stiftung fremd sind, nicht weiter- gehende Rücksichten nehmen, als auch für Privatpersonen gesetzlich geboten ist. § 108. Die Verfügung über die Mittel der Karl Zeiß- Stiftung mit Bezug auf die in§ 1 dieses Statuts sab B namhaft gemachten Zwecke steht der Stiftungsverwaltung zu. Jedoch haben der Stiftuiigskommissar und die Vorstände der Stiftungsbetriebe das Reckt, jederzeit Anträge aus§ 1 B stellen zu können und Über alle Anträge anderer sowie über Absichten der Stiftungsverwaltung, soweit es sich nicht um innere Angelegenheiten des Umverfitäts- sonds handelt, vor der Beschlußfasiung gehört zu werden. llehereinstiinmeiiden Anträgen sämtlicher Vorstands- Mitglieder der in Jena bestehenden Stiftungsbetriebe in Bezug auf Aufivendungen zu Gunsten der in den jsH 101—103 benannten Zwecke ist stets stattzugeben. Gegen das einstimmige Votum dieser Personen sind Aufwendungen der genannten Art nicht zulässig. Wie nach einer solch' klaren Formulierung der Absichten deS Stifters von einer„besonderen staatlichen Aufsicht" die Rede sein kann, ist einfach.unersindlich. Es dürfte außer dem rechtskundigen Herrn Oberbürgermeister schwerlich jemand geben, der so etwas fertig bringt.—_ Chronik der MajestätsbeleidigungS-Prozesse. Dresden, 3. September. Ein interessanter MajestätS- beleidigungs-Prozeß wurde heute vor der fünften Straf« kainmer des hiesigen Landgerichts verhandelt. Der Angeklagte war ein in den hiesigen Militärwerkstätten beschäftigter ver» heirateter Sattlergehilfe Patschwitz. Gelegentlich irgend eines Jubi« läums erhielten die Arbeiter der Militärwerkstätten je fünf Mark als Geschenk. Darüber soll sich nun P, geringschätzig ausgesprochen und dabei eine den sächsischen Königs?) beleidigende Anißerung ge- than haben. Die Anklage wurde erhoben auf'die Denunziation eines entlassenen Mitarbeiters, Namens Böhmig, hin. Dieser glaubte durch diese Heldenthat sich einzuschmeicheln und seine verlorene Stelle wieder zu erlangen. Zu der Hauptverhandlung — die während der Beweisausnahme wie üblich geheim geführt wurde und viereinhalb Stunde» währte— waren dreizehn Zeugen geladen. Vier davon, darunter der Deimiiziant, erklärten unter Eid, die fragliche Aeußernna bestimmt gehört zu haben. Acht Zeugen sagten, entlastend aus. Sie konnten nicht sagen, die Aeußerung ist nicht ge- fallen, sie erklärten aber bestimmt, in allernächster Nähe des Angeklagten sick aufgehalten und nichts gehört zu haben von einer derartigen Aeußerung. Dem Angeklagten, der noch völlig unbe- schölten ist, wurde von allen Seiten, auch vom Werkmeister, das beste Leumundszeugnis ausgestellt. Auf Grund dieser Ergebnisse der Beweisaufnahme erfolgte Areisprechmlg des Angeklagten. Das Gericht hat Bedenken getragen, wie es in der Urteflsbegründung hieß, unter Berücksichtiguug dessen, wie die Anklage zu stände kam, und anderer Umstände den Belastungszeugen volle Glaubwürdigkeit beizumessen. Es müsse auch deshalb bezweifelt werden, daß die Beleidigung gefallen ist, weil sie nach Lage der Sache gerade birnverbtannt hätte genannt werden müsse», da sich der Angeklagte gar nicht im Zweifel darüber sein konnte, daß er durch eine derartige Aeußerung nicht nur ins Gefängnis, sondern auch um feine gutlohnende— 30 M. Wochen- verdienst— Stelle gekommen wäre, die er seit 13 Jahren iuue hatte. Es käme dabei gar nicht in Betracht, was für eine politische Gesinnung P. habe, obwohl er erklärt hat, königstreu zu sein. Ausland. Die Pest. Der Petersburger„RegierungSbote� enthält folgende Bekanntmachung' der zur Bekämpfung der Pest eingesetzten Kommission: Die erste Erkrankung in dem Dorfe Kolobowka un Kreise Zarew des Gouvernements Astrachan fand am 16. Juli alten Stils statt. Im Laufe der Zeit erkrankten 24 und starben 23 Personen. Dex letzte Todesfall erfolgte am 12. August, die letzte Erkrankung fand am 9. August statt. Sonnt befindet sick noch eine Person in Behandlung'; diese ist in sichtlicher Genesung begriffen. Der Bericht fährt dann fort: Die Krankheit wurde ohne Zweifel eingeschleppt, doch ist noch nicht festgestellt, woher. Die von dem Prinzen von Oldenburg, der seit einigen Tagen bereits nach Peters- bürg zurückgekehrt ist, getroffenen Maßnahmen bestanden, abgesehen von der Erforschung der Natur der Krankheit, in der völligen Ab- sperrung des Dorfes Kolobowka durch einen militärischen Kordon und der Leistung ärztsicher Hilfe. Ferner wurden die Gesundheits- Verhältnisse des ganzen Gouvernements Astrachan untersucht; hierbei wurde festgestellt, daß außer im Dorfe Kolobowka nirgends ver- däcktige Krankheiten herrschten. Zugleich mit der Ergreifung der bezeichneten Maßnahmen wurde ein Nachlassen der Krankheit bemerkt. Seit dem 3. August erfolgten die Erkrankungen weit seltener und hörten seit dem 10. August völlig auf. Zur genauen Bestimmung des Charakters der Krankheit wird demnächst eine besondere ans Mitgliedern des MedizinallonseilS und anderen Sachverständigen be- stehende Kommission einberufen, deren Gutachten bekannt gegeben werden wird. »« Cardiff, 5. Sept. Das aus Oporto gekommene Schiff, welches einen Pejflränlcn an Bord hatte, ist einer dreiwöchigen Quarantäne unterzogen wordep.—_ Der Prozeß gegen die royaliftische Verschwörung. Bis jetzt sind 44 Personen in die Untersuchung wegen Komplotts gegen die Sicherheit deS Staates verwickelt; davon sind 25 Personen im Gefängnis, die übrigen in Freiheit oder auf der Flucht. Der Bericht des Gcneralprokurators Fader, welcher die Grundlage der Untersuchniig bildet, wird einer aus neun Mit- gliedern destcheiiden, unter dem Vorsitze desSenators Beranger stehenden Uniersuchungskommission überwiesen iverde». Die Arbeiten der Untersuckungskominissioii werden voraussichtlich 5 bis 6 Wochen "daneril, so daß die öffentliche Verhandlung des Staatsgerichtshofes nicht vor Ablauf von zwei Monaten beginnen dürste. Unter den be- schlagnahmten Papieren sollen auch Beamtenlisten sich befinden. welche bei der Rückkehr des Herzogs von Orleans zur Grundlage von Ernennungen gemacht, werden sollten. In den Listen befinden sich die Namen verschiedener Generale a. D. In A v i g n o n und Bordeaux wurden ebenfalls Haus- suchnugen in den Redaktionen rohaliftischer Zeitungen gehalten und Papiere beschlagnahmt.—_. Transvaal-Krisis. Die Nachrichten kauten heute wieder kritischer. Der„Standard" meldet aus Johannesburg von Montag: Selbst diejenigen Persönlich- leiten, die den Büren ernstlich geraten haben, ein matzvolles Ver- halten anzmiehmen, haben jetzt angefangen, alle Hoffnung anf- zugeben, daß die Feindseligkeiten noch abgewendet werden könnten. Eine dieser Persönlichkeiten hat sich dahin geäußert, Transvaal würde 30 000, der Oranje-Freistaat 20 000 Mann ins Feld stellen können. Dem„Reuterschen Bureau" wird auS Blömfontei« telegraphirt, daß daselbst eine große Masse Kriegsvorrat auf dem Marktplatz niedergelegt worden sei. da Waffen und Munision unter die Bürger des Oranje-Freistaates verteilt werden sollen. Nach einer Schätzung von einer dem Oranje-Freistaate freundlichen Seite find dort aus Transvaal 1000 Mausergewehre und 6000 Patronen eingetroffen._ Frankreich. Paris, 5. September. In Marseille, Toulouse, Pau, NeverS, AngonIKme und anderen Orten haben beute Haussuchungen bei Mitgliedern der royalistischen oder antisemitischen Komitees stattgefunden. Einige Papiere wurden beschlagnahmt.-- Spanien. Madrid, 5. September. Der Unterkommanbmit bei dem früheren Geschwader CerveraS, ParcdiS, und der Kommandant des „Christobal Colon". Diaz Meten, welche wegen der Niederlage bei Santiago de Euba vor dem Kriegsgericht standen, find frot- gesprochen worden.— Serbien. Der verstorbene ehemalige NtinisterpriisidentJowan Ristitsl» war 1831 geboren, studierte in Heidelberg, Berlin und Pari«, und er- langte bereits 1865 die Stellung eines Ministerpräsidenten. Nach der Ermordung deß Fürsten Mickael war er während Milan« Mnder- jähriakeit Mitglied der Regentschaft. 1878 vertrat Rissic Serbien auf dem Berliner Kongresse und es gelang ihm, für sein Land nicht nur die Unabhängigkeit, sondern auch eine bedeutend« Gebietserweiterung durchzusetzen' Als er aber Oestreich schroff entgegentrat, erzwang die« durch eine Note 1880 seine Entlassung. Doch bereit« 1887 stand Ristic, der sich inzwischen der liberalen rnssenfreund« lichen Partei Serbiens angeschlossen hatte, an der Spitze eines Ministeriums und 1889—93'war er zum zweitenmal« Mitglied einer Regeiitschaft, und zwar für den Sohn MilanS, den jetzigen König Alexander. Nach seinem Ausscheiden aus der Regentschaft zog er sich ganz ins Privatleben zurück.— Belgrad, 6. September. Der Beginn deS Hochderrats- Prozesses ist wegen des Ablebens deS früheren Ministerpräsidenten und Regeuten Ristitsch auf Freitag verschoben Wörde»». Parteikonferenzen. Am Sonntag tagte in Freienwalde eine Konferenz des Wahlkreises Oberbarnim, an der 32 Dele« gierte teilnahmen. In ihrer Stellungnahme zu den Gemeinde- wählen nahm die Versammlung eine von Solomon«Wriezen gestellte Rcsolutton an, in der festgelegt wurde, daß die Partei- genossen aller Orte an den Kommunalwahlen sich zu beteiligen haben und ivenn nösig, Kompromisse mit anderen Parteien abschließen. Der erste Teil fand allseitige Billigung, während sich um den Sckluß ein hartnäckiger Kampf entspann. Schließlich wurde auch der zweit« Teil der Resolution mit 18 gegen 12 Stimmen angenommen. Der Kassen- bericht ergab eine Einnahm« von 804,98 M., eine Ausgabe von 700,75 M.. sodaß ein Bestand von 104,28 M. verbleibt. Außerdem sind für die Hinterbliebenen der Löbtauer 140,10 M. abgesandt. Ll» Delegierter für Hannover wurde Former G. Stein- Wriezen und für die Provinzialkonfereuz in Berlin S a l o m o n» Wriezen, Ä o l d b a ch- Eberswalde und H i r s« la n d« Biesenthal gewühlt. Zum Sieichstagkkandidaten wurde, wie bisher Bruns- Berlin und als Kreisoertrauensmaiin Solomon- Wriezen und als Stell« Vertreter G. Stein- Wriezen bestimmt. Der Parteitag für Ost- und West Preußen tagte diesmal in D a n z i g. Es war den dortigen Genoffen gelungen, für diesen Zweck ein Lokal«n erhalten nick konnte so zum erstenmal ein Arbeiterparlameiit in Danzig tagen. Au« den Berichterstattungen ist zu ensiiehmei?, daß die Agitation eine günstige Entwicklmig genommen hat. Es konnte lonstasiert werden, daß die Partei fast in allen Kreisen der Provinz Anknüpfungspulikte gefunden hat. In seinem Referat über den Parteitag in Hannover bemerkte NeichStagS-Abaeordneter H a a s e unter anderem:„Die Partei ist nicht dogmatisch und muß daher ihr Programn, oft einer Prüfung unter- ziehen. In letzter Zell haben bedeutende Parteigenossen An« sichte» geäußert, die sich gegen Misere bisherige Taktik richten. Wenn Parteigenossen, wie Bernstein, an die Partei heran- treten und sagen, unser Programm ist nicht mehr ganz einwandfrei, daim müssen wir wohl seine Argumente einer eingehenden Prüfung unterziehen. Die Gegner km den schon triumphiert, doch zu früh, das wird der Partefläg in Haimover beweisen. Gerode weil es sich in Haimover um eine» so wichtige» Punkt handelt, müßten die Genossen demselben erhöhte Bedeutung beilegen. Ich stehe aus dem Standpunkt. Bernstein sieht die Entwickelung der Dinge m Deutschland nickt mebr richtig an. Das macht sein Aufenthalt in England. Wir stehen fortwährend mit den Arbeitern in Ver- bindung und kommen zu ganz andere» Schlüssen. Bernstein nimmt an, daß sich alle Staaten un Zustande einer zunehmenden Demokra« tisieruiig befinden. Er hält den Sieg der Demokratie für unsern Sieg; daß das falsch ist, beiveijt die Schiveiz. Er wirft un? vor, daß wir auf die vollständige Verelendung der Arbeiter warten, um unsere Ziele zu verwirtsichen. Unser Wirken beweist aber das Gegenteil, denn wir arbeiten gerade darauf hin, die Lage der Arbeiter zu verbessern und setzen alles daran, sie vor der vollständigen Verelendung zu beivahren. ES wird aus dem Parteitag in Hannover nicht nur die Frage deS Princips erivogen werden, sondern ein äußerst ivichtiger Beratungspunkt wird auch die Taksik sein. Die Partei hat ihre Taktik stets nach den gegebenen Verhältnissen zu wählen, natürlich_ darf gegen unsere Principien nicht verstoßen werden. Die Vorgänge in Belgien, m Oestreich und Bayern zeige» uns. daß wir allen Grmld haben, über unsere Taksik gründlich zu sprechen, damit wir nicht vom richtigen Wege abkommen.".. Zur Agitation soll ein für Westpreußen geeigneter Kalender wie in Ostpreußen herausgegeben werden. Tic Parteitage West- und Ostpreußen werden in Zukunft nicht mehr abgehalten, sondern Westprcußen soll seiner eigenartigen Bc- völlerung wegen die Agitation allein betreiben und auch demgemäß seinen eigenen Parteitag abhalten. ...L» Lollar fand am Sonntag eine Kreiskonferenz des ersten heisischen Wahlkreises fGießen) statt. Vertreten waren 17 Orte durch ca. 10 Delegierte. Gegenstände der Tagesordnung waren die bevor- stehende Landtagswahl im Kreise Gießen-Land und der Parteitag in Hannover. Die Beschickung des Parteitags wurde beschlossen, als Delegierter Genosse Scheide mann gewählt. Nach längerer Diskussion über die Benisteinfrage kam die Konserenz zu dem Schluß, daß dem Delegierten vollständig freie Hand zu lasse» sei. Obwohl sich niemand direkt für Bernstein aussprach, war die Konserenz doch einmütig der Ansicht, daß eS ein großer Fehler sein würde, Bemstein etlva auszuschließen. Zum Parteitage. Eine Parteiversammlung für den vierten sächsischen Reichsrags-Wahlkrcis beschloß, beim Parteitag den Antrag einzubringen, über ganz Deutschland ein gegen die Zuchthausvorlage gerichtetes Flugblatt, das der Parteivorstaild herausgeben soll, zu verbreiten. Der grobe Uufug. Eine neue eigentümliche Anwendung hat der so dehnbare Begriff des Strafgesetzbuches gegen den Rcdäcteur des Bochumer Partei-Organs erhalten; er ist zun» Schutzwächter des Sedanfestes vom Bochumer Amtsgericht erkoren. In vcm genannten Blatt war eine Notiz erschienen, die in herben Worten den Sedan- rummel kritisierte; darauf hat das Amtsgericht gegen den ver- antivortlichen Redacteur einen Strafbefehl auf sechs Wochen Hast lautend, erlassen. Es wird ja in der Sache noch die Berufungs- instanz abzutvarten sein, aber es bestätigt sich damit nur. daß fortgeietzt neue Schönheiten dieses vagen Begriffes der Rechtsprechung entdeckt iverden. Zeh» Fahre Kampf. Am 1. September d. I. konnte unser Düsseldorfer Parteiorgmi, die„Niederrheinische Volks- t r i b ü n e auf ein zehnjähriges Bestehen zurückblicken. Es ist eine Periode des Kampfes, des schweren, opferreichen Ringens, wie es keinem Blatte erspart bleibt, das unsere Parteianschauuuge» vertritt, die unsere Kollegin in Düsseldorf durchzukämpfen hatte. Allein 5 Jahre, 11 Monate und 13 Tage Gefängnis, sowie 6657 M. Geldstrafe weift die Strafliste der in diesem Zeitraum am Blatt gewesenen Redacteure ans. Aber_ dem gegenüber ist die erfreuliche Thatsache zu ver- zeichnen, daß die Parteibewegung von Jahr zu Jahr wuchs und die Stimmenzahl bei den Reichstagswahlen von 2ö33 im Jahre 1337 sich auf 12 657 im Jahre 13S8 erhöhte. Auch in der Unsgestalwna konnte das Blatt nach und nach höheren Ansprüchen genügen un seit dem Jahre 1334 erscheint es in einer täglichen Auflage. So ist der Tag ein Ehrentag, unsere Parteifreunde können mit innerer Gcnugthuung auf die zehn Jahre des Wirkens und Schaffens für die Partei zurückblicken. Wir hegen den Wunsch, daß unser Bruderorgau, das unter so schwierigen Berhälwissen die Propaganda für unsere Ideen zu führen hat, auch ferner nnt bestem Erfolg für unsere Sache uvirken möge._ Stimmungsbilder von der„Affaire". lieber die Connabend-Titzung, in der General G o n s e von L a b o r i und General R o g e t vom Zeugen Hauptmann D e f o n ds L a in o t t e einem scharfen Verhör unterworfen wurde, schreibt unser Berichterstatter aus Reimes unterm 2. September: Mit dem Wetter, das traurig, düster, regnerisch gelvorden ist, ist auch der Ort des Kriegsgerichts düster geworden.' Uin 6>/i Uhr kommen die militärischen Zeugen und setzen sich auf ihren Platz. Die Schlackt wird weiter gehen. Wir erleben sofort eine der bewegtesten und entscheidendsten Sitzungen, die von den bisherigen nur niit der vergleichbar ist, in welcher der Hauptn, ann Freystätter auf den Zeugeusland trat, um Worte der Wahrheit zu sprechen. Ganz zuerst setzt der Kommandant Hartmann seine Aussage fort und beschließt sie mit bemerkenswerter Klarheit. Er bringt die Generale Mercier und Deloye auf den Zeugenswnd, welche versuchen, die Wirkung, welche diese lichtvolle Erörterung über daS Bordereau auf die Richter hervorbrachte, abzuschwächen. Vergebliche Mühe. Der Kommandant Hartmann hat auf alles eine klare Ant wort. Und nach Verlauf einer halben Stunde mutz der perfide und unter den, Scheine eines gutmütigen Junggesellen ausschweifende General Tcloye sich für besiegt erklären. Habet, Mitglied des Instituts, Professor am Eollöge de France und an der Sorbomie, tritt danu auf, um seinerseits das Bordereau zu besprechen. Aus ihm spricht der Gelehrte und er beweist nnt den feinsten gramniatischen und philologischen Gründen, daß Esterhazh der Verfasser des Bordereaus ist, daß eS seinen Stil zeigt, und daß der Hauptmann Dreysus ihm sicherlich eine andere Form gegeben hätte, falls er es geschrieben hätte. Doch ich komme zum ersten der beiden bedeutenden Zivischenfälle der Sitzung. Als in der gestrigen Sitzung der General G o n s e in die Dis- kussion eingegriffen hatte und dabei voik neuem den Oberst P t c q u a r t angegriffen hatte, verlangte L a b o r i die Verlesung der Briefe, die General Ganse an Picquart in dem Augenblick schrieb, als der Äeneralstab und er selbst diesen zu verderben suchten. Diese Verlesung wurde heute bei der Wiederaufnahme der Sitzung durch den Gerichtsschreiber Couppois vorgenommen. Da die Verteidigung über die Zeichen„herzlicher Achtung", die Gouse Picquart nach seinem Abgange vom Ministeriuni bezeigte, sich billig verwunderte, so kam General Ganse, um sich zu erklären. Aber er ließ nur seiner Leidenschaft von neuem freien Lauf und griff Picqnart in jesuitischer Weise an. Jedoch zu seinem eigenen Schaden. Labori legte ihm aus dem Stegreif eine Reihe fürchterlicher, mederschmettenider Fragen�vor, in deren Netz sich der General Göns« vergeblich eine halbe Stunde lang wehrte, um schließlich elend zusammenzubrechen. lim diesen Teil der Sitzung verständlich zu machen, muß ich jedoch in einigen Worten an die Machinationen des Generalstabes erinnern, als Oberst Picquart„das Geheimnis der Unschuld Drehfus' nicht in das Grab mitnehmen wollte" und deswegen aus dem Ministerium verbannt und nach Afrika geschickt wurde. Während Picquart in GabeS war, öffnete man seine Briefe im Nachrichten- bureau. In einem derselben, der von einem Freund, der häufig mit Picquart Frau de Comminges besuchte, geschrieben war, fand man häufig die Ausdrücke Gott und Halbgott angewendet. Da man diesen Brief gegen Picquart nicht benutzen konnte, wurde er ihm gesandt. Aber die Fälscher verfertigten einen anderen, kompromittierenden, in welchem fie dieselben Aus- drücke benutzten. Derselbe wurde der Post übergeben, a n g e- halten und dem Aktenbündel Picquart einver- leib tl Tann wurde das famose„Petit bleu", daS vom Oberst Schwarty koppen herrührt und daS Oberst Picquart gegen Esterhazy hervor gehoben hatte, gefälscht. Die Adresse war: Esterhazy, 27 rue de la Bienfaisance. Paris. Diese Adresse wurde ausradiert und auf die Radiming schrieb man von neuem dieselbe Adresse. Die Fälscher wollten den Verdacht hervorrufen, daß Picquart den Namen des Adressaten geändert habe, um Esterhazy bloßzustellen, und versuchte» so, den Zeugen der Wahrheit der Fälschung zu überführen. Schließlich wurden dann an Picquart falsche und bloßstellende Depeschen adressiert. lind ich betone hierbei, daß all' dieses geschah, während General Gonse brieflich Picquart seiner Frenndschast versicherte. Labori konnte an alle diese Dinge erinnern und fie in einem Verhör von Fragen, das ein wahres Meisterwerk bildete, klarstellen. „Sie sagen," rief er aus.„daß Sie die Uintriebe des Oberst Picquart überwachten. Umtriebe, die Ihnen zweifelhast und verdächtig er- schienen? Aber warum schreiben Sie ihm den» freundliche Briefe, und wie vereinigen Sie diese Zweideutigkeit Ihres Verhaltens mtt der militärischen Loyalität? Sie sagen, daß Sie nur die verdächtigen Briefe öffneten? Aber woran erkannten Sie denn diese? Und wie kommt«S. daß Sie an den Oberst Picquart alle authentischen Briefe gelangen ließen, die von seinen Freunden stannnten, und daß Sie nur den eineu, gefälschten, im Ministerium verfertigten, zurückbehielten und in das Aktcnbündel einverleibten?" Und Ganse stammelte unter dem rächenden Verhör Laboris, unter dem mühsam unterdrückten Hohngefchrci des Publikums, unter der wachsenden Verwirrung der Offiziere des Generalstabes, die ihren Wortführer in der Lüge und Dummheit versinken sahen. Aber weiter, General Gonie mußte fich auch stiber die Ra- dierungen im„Petit bleu" erklären. Er mußte anerkennen, daß die Feststellung dieser Radierung, die von den Fälschern des General- stabcs verübt war, in dem Moment geschah, wo die Verfolgungen gegen Picquart begannen. Run sprang General Roget herzu, um zu versuchen, die Richter über die Radierungen des„Petit bleu" zu verwirren. Aber die Berichte der chemischen Sachverständigen befinden sich im Altem bündel der Affaire Dreyfus, und sie werden auf Antrag Laboris den Richtern in der nächsten Sitzung vorgelesen werden. Das Kriegsgericht wird dann wissen. falls es nicht jetzt schon Kenntnis davon hat, daß die Sachverständigen unter der neu geschriebenen Adresse die alte Adresse Eftechazys haben entdecken können, die von dem wirklichen Absender des„Petit bleu" geschrieben war. Die Ritter von: Radiermesser hatten schlecht operiert und hatten nicht sie genug radiert. Indem er schließlich von der Fälschung Henrys spricht, stagt Labori:„Warum hatte Henry die Fälschung verübt?"— Gonse giebt die unauslöschliche Antwort: Um neue Beweis gegen Dreyfus zu suche nl Die Fälschungen werden von den Generalen als neue Beweise betrachtet. Als General Gonse schließlich gefragt wird, ob die Fälschung für die hohen Generale oder für die öffentliche Meinung bestimmt war, muß er antworten:„Diese Fälschung war für uns." Also der Beweis für Dreyfus' Schuld, der Beweis, der immer flieht, er fehlte selbst für die General« zu dieser Zeit vollständig, und ste brauchten neue überzeugende Gründe. Aber wozu durch Erläuterungen die Geständnisse dieses Generals abschwächen, den der wirklich große Labori vollstäudig ausgequetscht und dann achselzuckend auf seinen Platz unter seine Genossen die militärischen Zeugen, geworfen hat, die die wirklichen An geklagten sind. Roch eine andere Aussage ist sehr wichtig gewesen, die HauptmanS Defonds-Lamotte. Dieser geht entschlossen gegen den Generalstab vor und unter- streicht die Niedertracht, mit welcher man dem Bordereau ver- schiedene Daten erteilte, indem es vom August in den April und schließlich wieder vom April in den August datterte. Im Jahre 1334 datierte man das Bordereau vom August in den April, damit DrehfuS einen ministeriellen Brief vom 17. Mai 1834, in welchem den abkommandierten Offizieren mitgeteilt wurde, daß fie nicht ins Manöver gehen würden, nicht benutzen könitte Seitdem wurde das Bordereau. und ich habe die Gründe dafür schon früher angegeben, wieder auf den August datiert. Aber der Hauptmann Defonds-Lamotte ist eine Kampfnatur, und er besteht daraus, den General Roget aus den Zeugenstand zu fordern. und redet ihn folgendermaßen an: „Wohlan, Herr General I Sie richten bcftöndig Fragen an die Zeugen; lvollen Sie mir nicht gestatten, auch eine an Sie zu richten? Sie sind vom Minister Cavaignac beauftragt worden, vor dem Kassattonshof alle Schriftstücke, welche die Affaire Dreyfus betreffe», vorzulegen und zu erläutern. Können Sie mir sagen, warum Sie nicht von dem ministeriellen Briefe vom 17. Mai 1834 ge sprachen haben? Warum haben Sie diesen Brief den Richter» nicht gezeigt? Etwa deswegen, weil das Bordereau heute nach Ihrer eigenen Theorie vom August datiert ist, und dieser Brief nun die Unschuld Dreyfus' beweisen würde, da er nach einer Kenninis dieses Briefes doch nicht die Wendung benutzen kornne: Ich reis« zu den Manövern ab?" Nach einander entriß Defonds-Lamotte dem Hahn Dindoil die Federn, und seine mala tickes sBöswilligkeit) wurde vor den Richtern dargelegt. Ich denke übrigens, daß fie jetzt bereits eine allgemeine Idee vom Wesen des Generalswbs haben könnten. In Neun es. Der abenteuerliche Zeuge Ccrunschi. Mit Bezug auf den Zeuge», der in der M o n t a g s- S i tz u n g des Kriegsgerichts in Reimes aufgetreten ist und behauptete, von einer serbischen Fürstenfamilie abzustammen, wird der„Neuen Freien Presse" mitgeteilt: Das Fllcstengeschlecht Lazarevic ist' im Jahre 1440 in männlicher und weiblicher Linie ausgestorben, ein Fürsten- geschlccht Zalusti oder Cernuschi, wie sich der Zeuge auch nannte, giebt es nicht. Ebenso falsch ist seine Behauptung. daß er 1834 aus Oeslreich wegen politischer Schwierigkeiten auslvandern mußte, in die er infolge seiner Abstammung verwickelt wurde. Solche Affairen gab es 1834 weder in Oestreich noch in Serbien, am allerlvcnigsten war ein Träger solcher Namen darin verivickelt. Der Zeuge kann nur ein verwegener Abenteurer sein, der auf die Uukeimtnis des französischen Publikums baut. � Die DienStag Sitzung wurde vonj 6l/« bis 7»/« Uhr geheim geführt. Dieselbe war vollständig mit der Prüfung des Geheim- akten-Blludclß über die Spionage ausgefüllt. Ceruuschi wurde in der geheimen Sitzung nicht veruomuie«. Die öffentliche Sitzung wurde um 8 Uhr eröffnet; ein überaus zahlreiches Publikum wohnte derselben bei. Die Beteidigung ruft das Ausland. Labori bringt folgenden Antrag ein: „Da in der Sitzung vom 4. d. M. der Vorsitzende des Kriegs- gerichtS kraft seiner diskretionären Gewalt de» früheren Offizier des ostrcichisch-nngarischen Heeres, Cernuschi, als Zeugen geladen, der be- hauptete, daß Dreyfus ihm von einem Abteilungschef im Ministerium einer mitteleuropäischen Macht als Berichterstatter in, Dienst einer fremden Nation bezeichnet worden sei. ist die Verteidigung genötigt, a u S der Reserve, die sie fich bisher auferlegt hat. h« r v o r z u- treten»nd die Nebermittelnng der im Bordereau auge- führten Dokumente an das Kriegsgericht zu' beantragen. Diese müssen in eklatanter Weise die Unschuld von DreyfuS gegenüber den Anschuldigungen beweisen, welche nicht zutreffend sein könne» und die durch die offiziellen Dokumente sofort zerstört werden müssen. Zu diesen, Zwecke möge Regierungskomnussar Carriöre beauftragt werde», die Regierung zu ersuchey, von der oder den interesfierten Mächten auf diplomatischem Wege die Aus- licscrung der im Bordereau ausgesührte« Dokumente zu er- bitten." Labort erklärt, er beabsichtige nichts seinen Anträgen hmzuzu- »gen, da sie sich von selbst verständen; aber er benachrichtige das Kriegsgericht, daß er Schwartzkoppeu und Panizzardi habe vor- laden lassen. Labori fügt hinzu, nur die ungewöhnlichen Umstände hätten ihn gezwungen, einen Appell an die Zeugenaussagen fremder Offiziere zu richten; dies stimme auch mtt früheren Vorgängen übereil, und könne niemand beunruhigen. hkarritzre erwidert: Er wisse nicht, ob er als Regierungs- konmnssar die Befugnis habe, eine Aufgabe zu erfüllen, die sehr heikel sei und dahin gehe, daß die Regierung auf offiziellem Wege Schriftstücke veilangen solle, die von ganz besonderem diplo« maiischen und offiziellen Eharakter seien. Man könne sich nicht vor- stellen, daß eine Regierung ein derarttges Ersuchen an eine andere Regierung richte. Er glaube nicht, daß die Möglichkeit bestehe, j das angestrebte Ziel zu erreichen. Die Verteidigung würde mit den ihr zur Berftigung stehenden Mitteln die Vorlegung der Dokumente herbeiführen können, hingegen glaube er, daß die Regierung keinen Schritt in dieser Richtung thun könne und er mache alle Vorbehalte in dieser Beziehung. WaS die Vor- ladung SchwartzioppenS und Panizzardi» betreffe, so stehe ihrer Berehmung nicht» entgegen. Hierauf verlangt Botschaftsrat Paltologue daS Wort; er erklärt, er verstehe, welche Wichtigkeit die- Herbeischaffung der frag- lichen Dokumente für die Verteidigung habe, indessen sei der juristisch und logisch wohlbegründete Antmg diplomatisch»man- »»ehmbar, und Erwägunge» vornehmster Art stünden dem eiUgegen, daß die Regierung einen solchen Schritt thue. Der Präsident teille darauf mit, daß das Gericht seinen Be- schluß später fassen»verde. Rene Esterhazy-Briefe. Hierauf wird das Zeugenverhör wieder aufgenomrnen. Der Journalist Stile«» vom„Matin" berichtet über seine Unter- redungen mjt Esterhazy in London; Esterhazy habe ihn» gestanden, das Bordereau auf Verlangen des Obersten S a u d- Herr angefertigt zu haben.. Rcgieruugskommissar Carriöre erhebt gegen diese Bekundung namens des Andenkens SandhenrS Widerspruch, Sandherr sei nicht der Mann gewesen, einen derartigen Befehl zu erteilen.(Bewegung.) Auf eine Frage LaboriS erklärt General Roget, er habe dieser Tage ,n ehrer e' Briefe vonEsterhazh erhalten; diese Briefe habe er dem Präsidenten des Kriegsgerichts zugestellt, um zu vereiteln, daß er, wie Esterhazy versuche, bloßgestellt werde. (Bewegung.) Labori verlangt die Verlesuiw der Briefe. VorsiNcuder: Rein l Das ist ohne jeden Zusammenhang mit dieser Strafsache. Labori: Wie! Unsere ganze Verteidigung ist darauf gerichtet, zu beweisen, daß der Schuldige Esterhazy ist. Dieser eigentliche Schuldige entzieht fich jedem Verhör, und Sie wollen keinen Zusammenhang zwischen seinem Fall und dem Fall Drcyfns erkennen? Da wir unmittelbar in keiner Weise an Esterhazy heran- können, so ist j e d e s W o r t von ihm wichtig, wo und wie wir es auch erlange!, können. Ich fordere, daß alle seine Briefe vorgelesen»verde». Wenn Sie es verweigern, so werde ich die erforderlicken Anträge stellen. Vorsitzender: Die Briefe haben gar keine Bebeuwng. Labor»: Die Verteidigung muß in die Lage versetzt iverden, auch ihrerseits die Wichtigkeft oder UnWichtigkeit der Briefe zu beurteilen. Auf eine weitere Frage LaboriS erklärt General Roget. nach seiner Ansicht sei den Geständnissen Esterhazys kein Wert bei- zumesse»; er möchte glanben. daß Esterhazy ein Strohmann ist. Er gründet seine Ansicht auf die Rolle, welche Esterhazy im all- gemeinen in der Angelegenheit spielte. Er»visse mcht, weshalb Esterhazy nicht beim Prozeß Zola Geständnisse abgelegt habe. Labori giebt seine», Erstaunen darüber Ausdruck, daß man erst so spät behaupte, Esterhazy sei ein Strohmann, obwohl doch alle ihn, zu», Vorwurf gemachten Thatsachen seit langer Zeit bekannt gewesen seien. Auf weiteres Ersuchen Laboris wird der Bericht des Untersuchungsrathes verlesen, welcher die Entlassung Esterhazys verfügte. Nochmals:„Fch werde abreisen". General Roget erwidert hierauf auf die Erklänmgen Defonds- Lainottes bezüglich des Satzes im Bordereau:„Ich werde zu den Manövern abreisen", und wiederholt seine früheren Auslassungen bezüglich der Offiziere, die im Jahr« 1334 zeitweilig zum Generalstab kommandiert waren. DreyfuS erwidert auf die Bemerkungen Liogets über die zum Generalstabe kommandierten Offiziere, das Kriegsgericht könne ja aus den, vorliegende» Rundschreiben vom 17. Mai 1834 ersehen, wie klar die Bestimmungen in dieser Beziehung gewesen seien. Dreysus erinnert ferner daran, daß die bctressenden Generalstabs- offiziere im August auf Befehl diejenigen Regimenter näher be- zeichneten, bei welchen sie zeitweilig eingestellt zu werden wünschten, und daß alle jene Offiziere im Juui an einer GeneralstabSreis« teil« »ahmen. Er betont schließlich nochmals, daß er niemal» zu den Ma- növern zu gehe» verlangte. Der betreffende Satz im Bordereau, fügt er hinzu, lautet positiv:„Ich werde abreisen." Run bin ich nicht nur nicht zu de» Manövern abgegangen, fondern habe auch niemals dorthin abgehen sollen:(Anhaltende Bewegung.) Der Redacteur des„Tcnips". Deffe, der hierauf als Zeuge ver« iiommen wird, sagt aus, Esterhazy habe ihm in London erklärt, das) er der Urheber deS Bordereaus sei. Er habe auch den Ein- druck gehabt, daß Esterhazy zugab, der Urheber, de» bekannten .Ulanenbriefes" zu sein. Traricux. Trarieitj ist von den bisher Geladenen der letzte Zeuge der Verteidigung. Trarieux spricht, auf- und abgehelid, mit großer Wucht und die Stimme laut erhebend: Ich muß zuerst mein Verhalten in der Affaire darlegen. Als das Kriegsgericht die Verurteilung ausgesprochen, habe ich wie alle Well an die Schuld Drehfus geglaubt. Indessen die Polemiken, die sich erhoben und zivar speciell gegen Dreyfus al« Juden, beunruhigten mich. Ich fragte mich, ob die Richter selbst nicht die nötige Ruhe und Klarheit verloren haben möchten, Des- halb habe ich mich, als ich 1836 Ju st iz minister war. an meinen Kollegen Hanotaux gewendet und ihn um Auskunft gebeten. Hanoraux habe, um ihn zu beruhigen, von dem Schriftstück«oo cinmilla de D." gesprochen. Als er später erfuhr, daß dies Schrift- stück den Richten, ohne Vor wissen des Angeklagten mitgeteilt worden sei, habe er gesehen, daß eine Ungesetzlich- !eft vorgekommen sei. Cr habe sich dann an TevssonniöreS gewandt, welcher seine Ueberzeugnng hinsichtlich der Schuldfrage nicht teilen konnte. Später habe ihn da» Vorgehen Schenr er- e st n e r s in der Ueberzcngnng bestärkt, daß man sich hinsichtlich Dreyfus' getäuscht habe. Trarieux begreift nicht, daß Picquart seine Vorgesetzten nicht habe von der Richtigkeit semer Ansicht überzeugen können. Nach langen Auseinandersetzungen über die Verhaftung PicqnartS und die Manöver Henrys und einer Umgebung erklärt Trarieux, die Art der Lebensführung Esterhazys prädisponierte ihn zum Verbrechen. Trarieux glaubt nicht, daß im Jahre 1836 ei» einziger Beweis gegen Drehfus vorlag, dann hätte Gonse von demselben Picquart Mitteiluitg gemacht, damit dieser mit seinen Nachforschungen aufhöre. Trarieux fährt fort: Nachdem sich die Ueberzeugnng von der Unschuld Drehfus' in mir gebildet hatte, glaubte ich zu dem Botschafter einer fremden Macht(Italiens) gehen u können und ihn un, nähere Auskunst zu bttten. ch hatte mehrere Gespräche mit ihm. Ich war bettoffen von dem Ton, mit dem er mir sägte:„Nein. eS ist Ihre Regierung, die einen Irrtum begangen hat. DreyfuS ist nicht schuldig. Nicht nur hat keiner unserer Attaches jemals Verbindung mit DreyftlS ge- habt, so»den, auch keiner unserer Offiziere kannte auch nur seinen Namen." Ich fragte:„Sind sie sicher?" Der Botschafter ant- wartete:.Esi st meineabsolute Ueberzeugungl' Er erzählte mir ferner, daß er 1888 in den Händen Panizzardis eine» ßBrief gesehen habe, worin der Agent A(Schwartzoppen) genau die Vorgänge mitteilte. Der wahre Verräter war Esterhazy. Trarieux wiederholt dann seine Aussage vor dem Kassationshof. Zu dem Vorivurfe, daß er Zeugnisse au« dem Auslände beibringe, bemerkt Trarieux. das Gesetz schließe ein solches Zeugnis nicht au«; übrigens beständen dafür Präzedenzfälle, da ja da» Kriegsgericht Cernuschi venionimen und Galliffet vor dem Kassatioiishof das Zeugnis Talbots vorgebracht habe. Zeuge erinnert sodann daran, ,aß er Cavaignac auf die Fälschung Henry« hingetviesen habe, mid 'pricht seine Verwunderung aus. daß Mercier die offizielle Uebersetzung der Depesche vom 2. November dem Dossier nicht beigefügt hat. Hierauf wendet fich Trarieux gegen die Ausführungen Cuignets und Rogets hinsichtlich dieser Depesche. Carrtäre kommt auf den Teil der Aussage Trarieux' zurück, der fich auf die Zeugnisse aus dem Auslände bezieht, und ertlärt. daß,»venn man auf Umwegen e» erreichen könnte, daß die von Trarieux erwähnten Dokumente hier vorgelegt� werden, er sich sehr freuen würde. Auf eine Anfrage LaboriS erklärt Trarieux» daß von aus- ISndischem Gelbe bei der DreyfuS-Kampagne durchaus keine Rebe sein könne. Di» gegenteiligen Behauptungen seien Verleumdlingen. welchen General Mereier mit Unrecht Glaube» geschenkt habe. .„ Kriegsgericht verwirft nunmehr einstimmig die An- »rag- Laboris und erklärt, dab es sich nicht für befugt halte, durch einen Nlchterspruch diplomatische Schritte der Regierung zu ver- anlassen. Weiter beschließt das Kriegsgericht einstimmig, morgen den Zeugen C e r n u s ch i unter Ausschluß der Oefsentlichkeit zu ver nehmen. Die Sitzung wird sodann aufgehoben. Ladung der ausländischen Militärattaches. „Agence Havas" meldet: An v. Echwarykoppen und Panizzardi werden Vorladungen ergehen, vor dem Kriegs- gericht in ReuncS zu erscheinen. Die Vorladungen werden zunächst dem Kriegsminister zugestellt, dieser giebt sie an den Justizminister und letzterer an den Minister des Aus wältigen, Delcasss, weiter. Delcassö teilt die Vorladungen den französischen Botschaftern in Berlin und Rom mit; diese veranlassen dann das ßübrige. v. Schwartztoppen und Panizzardi können entweder persönlich vor dem Kriegsgericht erscheinen oder ihre Aussagen vor einem Justizbeamten ihres Landes abgeben. Dieser läßt die Aussagen sodann auf diplomatischem Wege an das Kriegs gericht gelangen. Durch das Verhör dieser beiden Zeugen— gleichviel wie dasselbe erfolgt— wird die Dauer des Prozesses in Rennes sich um mindestens eine�Woche verlängern Paris, 4. September. Anläßlich der herannahenden Beendigung des Prozeßes Dreyfus ordnete der Kriegsminister Galliffet an. daß alle militärischen Zeugen unmittelbar nach Beendigung der Ver Handlunge» Rennes zu verlassen haben. Witn, ö. September. In amtlichen und militärischen Kreisen wird ver>lchert, gegen den Zeugen im Prozeß zu Rennes, Cemuschi, solle ein militärgerichtliches Verfahren wegen Desertion ein- geleitet werden, weil er, obgleich er noch dem östreichischen Heeresberbande angehört, Oestreich ohne Erlaubnis verlassen hat. Se,ne Kameraden bezeichnen ihn als geistig nicht normal; auch glaubt man, daß er erblich belastet ist, zuinal seine Mutter im Jrrenhause gestorben ist. Er wurde wegen Unzurechnungssähigkeit dauernd beurlaubt und unter Kuratel gestellt; Oestreich soll er nicht ans politischen Gründen, sondern wegen Schulden verlassen haben. GemvvKfchasklidiess Verlin und Umgegend. I» Sachen deS Steinarbeiter-StreikS brachten verschiedene Blatter die Meldung, daß es vor dem Einigungsamte zu einem Vergleiche nicht gekommen wäre. Man vergaß dabei jedoch zu registrieren, � daß, nachdem die Parteien sich nicht verglichen haben, ein Schiedsspruch gesällt worden ist, welcher im weientlichen die Vergleichsvorschläge zur Grundlage hat. Da die Unternehmer bereits den Vergleichsvorschlägen ihre Zustimmung gegeben, durfte zu er« warten sein, daß sie auch den Schiedsspruch annehmen werden. Die Frist, welche vom EinigungSamt zur Erklärung der Parteien ge stellt ist, läuft am 1ä. Septeniber ab. Ueber den Verlauf der Lohnbewegung der Isolierer und Rohrumhiiller wurde in einer öffentlichen Versammlung ver- handelt, die gestern(Dienstag) nachmittag in Anwesenheit der meisten Unternehmer stattfand. Die Mitglieder der Lohnkommission berichteten zunächst, daß bis auf wenige„Arbeitswillige" am Montag früh die allgemeine ArbeitSein st ellung erfolgt ist. Die gemeinsamen Verhandlungen der Lohn- kommission mit den Unteniehmer-Verlretern seien gänzlich gescheitert. Luch in der Versammlung erklärten sänitliche Unter nehmer, daß sie nicht bereit seien, unter den gegenwärtigen Ver Hältnissen die Forderungen der Arbeiter zu bewilligen. Do aber die Arbeiter mit allen gegen eine Stimme beschlossen, iveder von den auf- gestellten Forderungen nachzulassen, noch unter diesen Bedingungen die Verhandlungen mit den Unternehmem fortzusetzen, verließen die letzteren das Lokal. Es wurde nunmehr allen ausständigen Arbeitern zur Pflicht gemacht, Mittwoch früh, den 6. Sepien, ber, von den Unternehmern ihre Lohnbücher einzufordern, keine Arbeit unter den bisherigen Bedingungen anzunehmen und sich jeden Morgen im Bureau D r a g o n e r st r. IS zur Kontrolle zu melden. Wer sich dieser Kontrolle entzieht, erhält keine Unter- stützung. Die Unterstützungsfrage selbst soll in einer im Verlaufe der Woche noch stattfindenden Versammlung geregelt werden. Alytung, Bauarbeiter! Gemäß dem letzten Versammlungs- beschlusse sehen wir uns veranlaßt, über den Bau der Firma e l d u. F r a n k e in der Hardenbergstraße die Sperre zu ver- ängen. Die genannte Firma hat dem Kolomrenfllhrer Konig die Hilfsarbeiten(Kalk- und Steinetragen) in, ganzen übertragen. Dieser will nun Löhne zahlen, die entschieden zu niedrig sind. Der Polier will 35 Pf. Stundenlohn geben, währenddem wir 40—45 Pf. fordern, was die Firma auch auf mehreren anderen Bauten zahlt. Wird der Zuzug ferngehalten, dann werden wir unsere Forderung auch durchdrücken. Die Lohnkommission der Bauarbeiter Berlins. Deutsches Reich. Der Streik der Tabakarbeiter und-Arbeiterinnen in Schwiebuö dauert unverändert fort. Zuzug ist fernzuhalten. Nähere Auskunft erteilt W. Becker, Sch wiebus, Frankfurter- straße 27. Die Gewerkschaftsorganisation als Berhiiterin von Streiks. In der Belegschaft der Grube A I t- Z s ch e r b e n im Mansfelder Braunkohlenrevier kriselte es schon längere Zeit; die Belegschaft forderte bessere Löhne und Ausgleichung der Lohnunterschiede. Am Mittwoch, den 30. August, brach es los. Die Arbeiter, zu zwei Dritteln organisiert, wollten bindende Erklärungen haben und fuhren nicht an. Donnerstag»ahm eine Deputation Rücksprache mit dem Grubendirektor; dieser versprach im Beisein des Obersteigers und des Inspektors eine Ausgleichung der großen Lohnunterschiedc und es sollten auch einige Pfennige Lohn zugelegt werden. Darauf veranlaßten die Führer der organisierten Arbeiter die sofortige Wiederaufnahme der Arbeit. Widerstand fanden sie hierbei vornehmlich bei den Nichtorganisierte», die nun mit aller Rtacht mit dem Kopf durch die Wand rennen wollten. Dem ein- dringlichen Zureden der Organisierten gaben sie nach. Für die organisierten Arbeiter dürste dieser Vorgang durchaus nichts besonders Neues enthalten, denn ähnliches läßt sich bei manchem Streik beobachten, in, Zeichen der Zuchthausvorlage aber, die den Gewerkschafts-Organisationen am liebsten den Garaus machen möchte, ist es nicht überflüssig, derartige Vorgänge weiteren Kreisen zur Kenntnis zu geben. AuS Krefeld ivird uns vom 5. September depeschiert: Heute früh reichte die gesamte Arbeiterschaft der hiesigen Aktien- Seide nfärberci, zirka 300 Mann, die Kündigung ein. Da die Kündigungsfrist nur einen Tag beträgt, dürfte morgen der Streik bereits perfekt fein. Die Ursache der Differenzen ist die Maßregelung von 14 Arbeitern. Die Nürnberger Tischler sind schon vor einiger Zeit in eine Bewegung zur Ernngung des Reunstündentages eingetreten. Das Resultat ist ein günstiges: Bis jetzt haben bereits 17 Unter- nehmer, darunter die größten Firmen bewilligt. Es soll dahin ge« strebt werden, folgende Einteilung der Arbeitszeit gleichmäßig durch- zudrücken: Die Arbeitszeit währt von morgens 7 Uhr bis abends 5�/, Uhr mit einer Mittagspause von 12— IVe Uhr— oder Montags von früh 8 Uhr bis abends 0 Uhr mit IV» Stunden Mittagspause, Sonnabends bis 4 Uhr, die anderen Tage von 7—3 Uhr mit einer Mittagspause von ebenfalls l1/» Stunden. Die Frühstücks- und Vesperpausen sollen ganz abgeschafft werden. Gewerkschaftsbewegung in Elsaft-Lothringe». Zu dem kürzlich an dieser Stelle erwähnten freisprechenden Erkenntnis der Strafkammer des Landgerichts M e tz in der Änklagesache gegen den Steinhauer Peter Matz daselbst wegen Vergehens gegen das Bereinsgesetz(„Zugehörigkeit zu einem nicht genehmigten Verein") liegt jetzt die aussührliche Urteilsbegründung vor. Dieselbe dürfte sich als eine gerichtliche Entscheidung von aller größter Tragweite für die künftige Entwicklung des Gewerkschasts lebens im Reichslande erweisen, nachdem dasselbe bisher unter dem Drucke polizeilicher Maßregeln aufs schlimmste darnieder- gelegen hatte. Matz hatte im Herbst vorigen Jahres mittels reger Agitation unter den Maurern und verwandten Berufs- genossen von Metz und Umgebung die Errichtung einer Zahlstelle des Centralverbandes der Maurer Deutschlands durchgesetzt und seine Berufsgenossen in der Folge zu periodischen Versammlungen zusammenberufen. in denen u. a. auch regelmäßige Beiträge zur Verbandskasse geleistet wurden. Die beim Bezirks Präsidium für Lothringen nachgesuchte vereinspolizeiliche Genehmigung der Verbandsstelle wurde jedoch durch Verfügung vom 29. Februar d. I verweigert. Die genannte Vereinigung stellte jedoch trotz dieses Entscheides ihre Thätigkeit nicht ein. erhob vielmehr»ach wie vor Beiträge, hielt Versammlungen ab. in deren einer u. a. der Anzeklag:c auch als Delegierter zu dem Ende März d. IS. in Berlin abgehaltenen Verbandstage der Maurer und verwandten Berufsgenossen erwählt wurde. Hierin erblickte die Staatsanwaltschaft ein Vergehen gegen den Artikel 291 des cocke pönal und die Artikel 1 und 2 des französischen Gesetzes vom 10 April 1834. Matz wurde als Vor sitzender der Vereinigung unter Anklage gestellt, erzielte jedoch, wie bereits erwähnt, seine kostenlose Freisprechung unter der folgenden Begründung: Der den Arbeitern die sogenannte Koalitions sreiheit gewährende§152 der Gewerbe-Ordnung hat alle landesrechllichen Verbote und Straf- bestimmun gen aufgehoben, soweit solche gegen Ar- beiter wegen Verabredungen und Vereinigungen zum Bchufe der Erlangung günstigerer Lohn- u n d A r b e i t s b e d i n g u n g e n g c r i ch t e t s i n d. Da der er- wähnte Verein sich von politischen Bestrebungen fernhielt und nach den Ergebnissen der Beweiserhebung die Grenzen des§ 152 der Gewerbe- Ordnung nicht überschritten hat.sowarergesetzlich erlaubt, ohne daß die Verwaltungsbehörde um Erteilung der Genehmigung angerufen zu iv erden brauchte. Die Auffassung der Anklage, daß der§ 152 der Gewerbe-Oordnung nur vorübergehende Vereinigungen, keine dauernden Vereine, im Auge habe, findet weder in der wörtlichen Fassung des Gesetzes, noch in dem sprachlichen und logischen Zusammenhang dieser Bc- stimmung eine Stütze. Der Begriff„Vereinigung" erscheint vielmehr als der allgemeine Ausdruck, unter dem die Begriffe von Verein, Gesellschaft, Verband zc. zusammengefaßt sind, keineswegs aber kann aus dieser Ausdrucksweise geschlossen werden, daß darunter nur ein vorübergehendes Sichzusammenschließen von Personen gemeint sei. Die Bestimmungen des französischen Vereinsrcchtes konnten somit auf denAngeklagten keine Anwendung finden. Diese gerichtliche Entscheidung bedeutet eine radikale Durch- brechung der bisher von den reichsländischen Verwaltungs- und Polizeibehörden gegenüber den gewerkschaftlichen Arbeitervereinigungc» praktizierten Anschauungen. Man verlangte bisher nicht bloß den Nachweis der vereinspolizeilichen Genehmigung solcher Vereine, sondern v e r s a g t e die letztere auch in den meisten Fällen, wo darum nachgesucht wurde. Erst aus allerjüngster Zeit liegen eine ganze Reihe derartiger Genehnngungsverwcigerungen vor. Da gegen mehrere derselben das Beschwerdcvcrfahren bei den höheren Verwaltungs- behölden schwebt, so darf man gespannt darauf sein, ob man an dieser Stelle die Rechtsauffassung des Metzer Gerichts zu der seinigen machen und der Arbeiterschaft die unter dem Puttkamerschen Diktatur- regime nt doppelt wertvolle gewerkschaftliche Bewegungsfreiheit ein- räumen, oder aber ob es nötig wird, durch eine zweite gerichtliche Entscheidung der Arbeiterbevölkernng der Reichslande ihre spärlichen Rechte zu sichern und die Polizeibehörden ein für allemal in die Schranken der ihnen vom Gesetz eingeräumten Befugnisse zurück- zuweisen. Ausland. Zum Ende der dänische» Aussperrung. Aus Kopen- Hagen wird berichtet: Nachdem der Fach ver ein der Bau- tischler, der außerhalb der Verbände der Fachvereine steht, sich dem Vergleiche zur Beendigung der Arbeitersperre angeschlossen hat, haben die Leiter des Vereins der Arbeitgeber sowie' diejenigen der Fachverbände heute nachmittag 3 Uhr das definitive Uebereinkommen über die Aufhebung der Sperre untcrzcichuet. Die Arbeit soll sofort wieder aufgenommen werden, spätestens jedoch am Sonnabend. Sociales. Aufruf an alle in der Bürsten-und Pinfel-Jndustrie, in erbereien, Roßhaar-Spinnereien beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. Veranlaßt durch fortgesetzte Milzbrandvergistungen wurden vom Bundesrat Vorschriften zum Schutze von Leben und Gesundheit der in obengenannten Industrien beschäftigten Arbeiter erlassen, welche am 1. Juli dieses Jahres in 5lraft traten. Gewähren diese Verordnungen auch nicht vollständigen Schutz gegen die Gefahren der Milzbrand- Infektion. so iverden dieselben doch zweifellos die Gefahr wesentlich abschwächen. Um nun in abfehbarer Zeit ein Gutachten über die Wirkung dieser Vorschriften abgeben zu können, ist es notwendig, daß dieselben 'owohl von Unternehmern wie Arbeitern genau beachtet und ein- gehalten werden. Aus diesem Gninde richten wir an alle Arbeiter und Arbeiterinnen die Bitte: uns über die Handhabung und Wirkung der erlassenen Vorschriften, event. über Erkrankungen und Todesfälle jederzeit um- gehend zu benachrichtigen, damit wir, bezugnehnicnd ans das ge- sammelte Material, den Bundesrat veranlassen können, die bestehenden Verordnungen zweckentsprechend zu ergänzen. Die M i l z b r a n d« K o m m i s s i o n. I. A.: K. Dorn. dlL. Alle Zuschriften wolle man direkt an Konrad Dorn, Nllrn- berg, Wendlerstr. 3, richten. Allenfallsig entstehende Kosten sind wir gern bereit, zu ersetzen._ Die sächsische Tafelglas-Industrie sieht gegenüber der preußischen ihre Interessen gefährdet durch den Fortbildungsschul- zwang, die Vorschriften über die Sonntagsruhe und das sächsische Gesetz über die obligatorischen Feiertage. Das erklärt ungeniert der Bericht der Dresdener Handels- und Gewerbekammer. Es beweist, wie jämmerlich der Arbeiterschutz in Preußen beschaffen ist, wenn sich sächsische Unternehmer unter Berufung auf Preußen über Bc- fchränkung ihrer Ausbeutungsfreiheit beklagen können. Bo» dem schmählichen Mädchenhandel, der sich in der Stellenvermittlung für Kellnerinnen für Animierkneipen entwickelt hat, giebt ein hiesiges' bürgerliches Blatt einen Bericht, der einen tiefen Blick in die Gchcinmisse diestS schändlichen Gewerbes thun läßt. ES heißt in dem Bericht: „Der Inhaber einer Kellnerinnen-Agentnr in Ostdeutschland, den wir dieser Tage durch«iiie Vertrauensperson ausfragen ließen, gab derselben auf Grund von Postanweisungs-Abschnitten, Telegrammen und einzelnen Briefen folgendes Bild von der Geschäftsthätigkeit folcher Agenturen. Der Agent sagte:„Ich verschaffe Kellnerinnen Stellungen am Platze, in Berlin, Breslau, in deir Ost- und Nordsee- bädern usw. Das Geschäft ist durchweg ein recht gutes. Am Platze bekomme ich für eine Kellnerin allerdings nur 5—10 Mark Provision, von den Berliner Restaurants schon 30—50 Mark, von Restaurants im Westen, in den Bädern usw. 30—75 M." Zum Beweise legte der Agent die Postknpons vor. die er in einer Woche im August erhalten hatte. Es waren 38 Stück, er hatte also allein in einer Woche nach außerhalb 38 Abschlüsse gemacht. „Das Geschäft ist übrigens sehr einfach", fuhr der Agent fort,„eine zeitraubende Korrespondenz wird nie geführt, die Abschlüsse erledigen sich meist auf dem Drahtwege. Da heißt es einfach:„Gewünscht 1. 2 oder 3 Kisten". Oder es wird depeschiert:„Mittelstark, stark, schwache oder dicke Kisten senden," ferner:„feine, elegante Kiste nötig." Kisten sind nämlich in unserer Geschäftssprache Kellnerinnen. Eine feine, elegante Kiste ist eine chicke Kellnerin mit eleganter Toilette. Für den Osten werden auch noch Doppelkistcn verlangt und niemand außer den Beteiligten ahnt, dag diese Doppelliste eine Kellnerin ist, die deutsch und polnisch spricht. Ebenso giebt es„faule Kisten", das sind Kellnerinnen, welche nicht oder schlecht zu „animieren" verstehen. Bei weiterer Befragung des Agenten ergab sich, daß die Reise- kosten für eine Kellnerin stets der betreffende Restaurateur trägt, der das Mädchen engagiert. Das ist aber auch fast alles, was der be- treffende Restaurateur für das Mädchen thut. Denn Gehalt zahlt er nicht. Die Kellnerin muß eben die Gäste„animieren", zu deutsch gesagt rupfen und nur dafür erhält sie von: Wirte eine Belohnung. Diese Prämien oder„Provisionen" zusammen mit den Trinkgeldern sind ihre Einnahincii. Natürlich bringen es viele derartige Kellnerinnen zu einer Virtuosität im „Animieren", und jeder Wirt einer Aniniierlneipe bemüht sich, eine solche Virluosin zu erhalten. Dann depeschiert er: Brauche Goldkiste!" Diese„Goldkisten" werden so lange als möglich im Lokale ge- halten, und ist der Wirt noch ledig, so heiratet er öfters schleunigst diese Goldkiste. Sonst bleiben gute Goldkisten oft bis zu einem Jahre und länger in einem Lokale, während die anderen Kellnerinnen fortwährend wechseln, und aus dem Grunde ununterbrochen wechseln müssen, da die Gäste stets neue Gesichter sehen wollen. Man liest auch beständig in den Annoncen solcher Kneipen:„Vollständig neue Bedicmmg". Dieser unaufhörliche Wechsel der Kellnerinnen ist die Hauptursache der glänzenden Einnahmen der Agenten. Viele Kellnerinnen wechseln jeden Monat ihre Siellungen, und jedesmal bezieht der Agent seine Vermittler- Provision." Wenn es möglich wäre, mit polizeilichen Mitteln etwas gegen diesen schändlichen Menschenhandel zu thun, hier würde sie jedermann gut heißen._ Ueber die Stellung zum Parteitag haben gestern abend die Berliner Parteigenossen in sechs öffentlichen Versammlungen verhandelt. Wir beschränken uns für heute darauf, unseren Lesern die Resultate derselben, soivcit sie uns bis Schluß der Redaktion vorliegen, mitzuteilen. Wir werden morgen ciiicir der Bedeutuung der Sache entsprechenden längeren Bericht nachtragen. Die Parteigenossen des ersten Kreises, die bei Herzberg, Alte Jakobstraße tagten, wählten Ch. Bahn, Oppel und P et ermann als Delegierte zur Brandenburger Pi-ooinzialkonfrrcnz und August T ä t e r ö w und Frau W e n g'e l S als Delegierte zum Parteitag in Hannover. Der Antrag, nach welchem die Rechte der PreßkoninrissioN erweitert werden sollen, wurde gegen 2 Stimmen angenommen. Außerdem wurde ein Antrag beschlossen, der die Herausgabe eines Abendblattes vom„Vorwärts" befürwortet. Ferner gelangte ein Antrag zur Annahme, der wünscht, daß nach Schluß der Session von den Vertrauensmännern ein Flugblatt über die Thätigkeit der einzelnen Parteien im Reichstage zur Verbreitung gebracht wird.> Die nach dem Friedrich st ädtis che» C a si n o einberufene Versammlung für den zweiten W a h l re i s ivar von etwa. 500 Personen besucht. Zunächst wurden die Genossen Coblenzer, B r u n z e I nnd Glashagen als Delegierte für den Branden- burger Provinzial-Parteitag gewählt. Dann ivurde»ach einem ein- leitenden Vortrag Fischers und längerer Diskussion über die Bern- steinschen Vorschläge ein Antrag Stadthagen einstimmig angenommen, daß die Delegierten den Standpunkt vertreten sollen: Es besteht kein Anlaß, unsere Grundanschaungen und unsere Taktik zu ändern. Nachdem noch verschiedene Anträge zum Parteitag gestellt und bis- kutiert worden waren, wurden die Genossen Ewald. K o b- lenzer, und Gustav S ch m i d zu Delegierten für den Partei« tag in Hannover gewählt. Zu Revisoren des Verlraueusmannes wurden die Genossen Berger, Scholz, Schmidt und Schräder gewählt. Die Versammlung des dritten Wahlkreises in den Arminhallen war gut besucht. Ueber die Brandenburger Provinzialkonferenz spricht D i m m i ck. Der Antrag der Frauen auf alljährliche Abhaltung von Frauenversammlungen in allen Wahlkreisen wird abgelehnt. Zu Delegierten der Brandenburger Konserenz werden gewählt Hermann Lehmann, A. Harndt und Brückner. Die Stellung der Partei zu den taktischen Fragen ruft eine große Diskussion zwischen Dr. Siosa Luxenburg und Rechts- anwalt Heine hervor. Als Delegierte für den Parteitag werden die Genossen W. Hinz und G. Wagner gewählt. Die Versammlung des vierten Wahlkreises nahm einige schon aus früheren Versammlungen bekannte Anträge zur P r o v i n z i a l- K o n f e r e n z an und wählte als Delegierte Otttlie Baader, Bär und Q u i n t i n g.— Zum Parteitag« wurde ein Antrag angenommen, welcher im§ 17a des Organisattons« statuts die Festlegung der Gleichberechtigung der Preßkoinmission mit dem Parteivorstand in allen den„Vorwärts" betreffenden Angelegen- heften verlangt. Als Delegierte für den Parteitag wurden Adolf Hoffmaiin, Menzel und Weise getvählt. Im fünften Wahlkreise wurden nach dem Bericht der Agitationskommission die Genossen L i e p m a n n, Frl. H a a s e und Roth zu Delegierten für die Brandenburger Konferenz gewählt. Bei Besprechung der Tagesordnung des Parteitages wurde ein Antrag angenommen, vom„Vorwärts" eine Abend- ausgäbe herauszugeben; ferner wurde bcantt'agt, im Organisattons- statnt die Bestimmung. die den Frauen gestattet, in be- sonderen Versammlungen zu wählen, zu streichen; ein dritter Antrag dehnt die Befugnisse der Preßkommission aus. In der tveiteren Debatte, an der'sich K o tz k e, L i e p m a n n und Schmidt beteiligten, wurde über parteitaktische Fragen gesprochen, schließlich aber die Debatte vertagt und Genosse Rod. Schmidt zum Dele- gierten gewählt. Im sechsten Wahlkreis wurden als Delegierte für den Parteitag in Hannover die Genossen E r n st, Leid und Rietz ge- wählt. Zur Provinzial- Konferenz werden entsandt: Grolle, G n ß m a» n und Schröder. Angenommen wurde ein Antrug auf Streichung der Bestimniung im Organisationsstatnt, wonach Frauen in besonderen Frauenversanrmlungcn gewählt werden können. Uetzte Nscheichken und Depeschen. Frankfurt a. M., 5. September.(B. H.) Die„Franks. Ztg." meldet aus Konstantinopel: Der Besuch des Fürsten und der Fürslm von Montenegro verläuft programmmäßig. Der russische Bot- schafter Sinowiew giebt in seiner Sommerresidenz zu Ehren deS Fürstenpaares ein Galadiner, zu dem wegen des beschränkte» btaumes nur die Botschafter geladen werden. Bei dein vorgestrige» Bestich des Fürstenpaares in der russischen Botschaft gaben die russischen Stationäre einen Ehrensalnt von 21 Schüssen ab, und sie landeten den größten Teil der Besatzung, welcher sich vor der Bot- schaft als Ehrenkompagnie forcierte. Der Sulran betrachtet dieses Vorgehen als einen Eingriff in seine Hohheitsrechte und dürfte da- gegen die Pforte protestieren lassen. jtonstantiuopcl, 5. Septbr.(B. H.) Der hier angenommene Pariser Bankdircllor Berger unterhandelte mit dein Finanzminister wegen der Konversion der Zoll- und Tftiubechi-Prioritäten-Anleihe. Die Konversion der Fischerei- Anleihe ist noch nicht in Aussicht ge« nomnien. Durban(Natal), 5. Septemb.(Meldung des„Reut. Bureaus.") Hier sind 147 Personen eingetroffen, die Transvaal in Eile verlassen haben. Die Freiwilligen werden nächtlicher Weile einexerziert. Nach Pietermaritzburg und Ladysmik sind eine Million Patronen gesandt worden. Oberst Kuox ist zur Uebernahme des Oberbefehls im Bezirk Kimberlcy eingetroffen. Aus Betschunaland gehen viel« holländische Farmer über die Grenze, wo sie„Laager" bilden. Pretoria, 5. August.(Meldung des Rcuterschen Bureaus.) Der Volksraad nahm heute vormittag den von Coester eingebrachten Antrag an, die Regierung zu befragen, tvarum britische Truppen an der Grenze zusammengezogen seien, und beraumte die Beratung der Interpellation durch einstimmigen Beschluß auf Donnerstag an. Nach Lage der Dinge dürfte der Antrag noch weiter zurückgestellt werden. Verantwortlicher Redacteur: Heinrich W«tzk«r.«rob-Lichterfelde. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Mar Bading in Berlin. Hierzu I. Beilage und Unterhaltuugsblatt. Jr. 208. 16. mtmi. Keilllje des Jonoitto" Kerlim Wsdllltt. Mi»mch.K SkMi.tt i8ss. An die lZellltrUilstell und Ardeiter BeriillS! Durch das einmütige Zusammenhalten der dänischen Arbeiter ist der Plan des dortigen Unternehmertums, der auf die Vernichtung der Organisationen der Arbeiter gerichtet war, zerschlagen worden. Die dänischen Arbeiter sind als Sieger aus der vier Monate langen Ausiperrung hervorgegangen. Zu diesem Siege haben die deutschen Ar- detter nicht unbedeutend beigetragen, indem sie ihre kämpfenden Brüder nach Kräften unterstützten. Weit über 100 000 M. sandten sie denselben um ihnen ihr internationales Solidaritätsgesühl auch praktisch zu beweisen. Dannt wäre dieser Kampf beendet, aber iin Jnlande toben die Kämpfe weiter. Unter andern stehen in Berlin gegen 300 Steinarbeiter in der s i e b e n t e n W o ch e im Ausstande. Die Vertreter der Gewerkschaften haben diesen ihre moralische und niaterielle Unterstützung durch einstimnugen Beschluß in der Berliner Gewerkschafts- Kommission zugesagt. Jetzt gilt es, dies zu bethätigen; darum bitten wir, die Sammlungen nicht einzustellen, sondern die Streikenden im Jnlande zu unterstützen. Der Aus schütz der Berliner Gewerkschafts-Kommission. Für die ausgesperrte« Arbeiter Dänemarks gingen bei der Gewerl schastslo tu mission folgende Beilriige ein: Pletzner, Thaerstrabe, M. 2,-. Buchdruckerei Ferd. Ashelm 12,50. 4 Bildhauer u. 2 Tischler v. Prof. Riegeliuann 7,50. Personal der Buch- druckerei von Zacharias, 2. Rate, 9,50. Ueberschub des Erntefestes„Lustige Hohe-, Thonicrstrahe, 15,-. Ges. von Skandinavier, darunter die Werk. statte Hering u. Sinunerlein, Käniling, Gebr. Paul, C. Krause, Stall- kriecht u. Co., A. Dunski, Katz, Krüger u. Hohmann, zusammen 167,95, davon o? M. an die Bautischler Kopenhagens. Soiniabendtisch bei Günther, Schönhauser Allee, 14,-. Tischl. v Rööleru. Schmidt, Frankfnrterstr., 6. R., 8,10. ®. Koblenzer 8,86. Möbelttschl. v Barth, Fruchlstrahe. 7. R.. 16,65. Ueberschnh v. zwei Achteln, d. Kruiuö 2,—. Leistcnfabrik v. Stigha» 7,35. Buchdruckerei �DieseS Blatt gehört der Hausfrau" 6,05. gtauchllub„Vorwärts" 3,—. Bildhaner-Zusammenkunft Trebbin-Luckenwalde d. Krippahle 10,—. Handels- Hilfsarbeiter(central) darunter Sandniann, 2. Rate d. Hoffmann 69,40. Gastwirtsgehilfeii 8.60. Enitefest bei Dumack 1,30. Durch Skandinavier 42 o0. Ein gemütlicher Geburtstag 1,50. Gesellen durch Finna Hochstein 0v Bildhauer- Werkstatt Dinse 2. Rate 6,25. Bautischlcrei Weise, Beussclstrage, 6,—. Kommission der Tabakarbeiter Berlins 30,—(davon die Hälfte an die Steinarbeitcr). Gesangverein„Lorbeerkranz", Weiustrasic, 10,—. Möbelfabrik v. Hanke u. Keber, 4. Rate 12,—. H. Sch. I,—. Silber- warensabrik v. Kürner u. Proll, drei«oll. 1,50. Buchdruckerei v. Kerles 5,75. Arb. d. Galanteriewarensabr. v. Habild 8,30. Tischlerei v. Weilandt, Fnicht- strafje, 5. Rate, 12.—. Bon Tischlern nnd Tapezierern der Möbelfabrik von 3i- Pftiff, Zeughofftraffe, 65,55. Tischlerei v. Witte, Königsbergerstraffc, 7,<0. Tischlerei v. Weugler u. Mohrman», Köpilickerstraffc, 2. Rate 4,05. Pianofadrik v. Jaiiowsii, Memelerstraffe, 9,20. Albumfabr. v. Michaelis u. Reichelt 7,05. Klaviawrfabr. v. Merseburg 5,70. Tischlerei v. Ungar, Könlgsbergcrstraße, 6. Rate 8,70. Buchdruckern v. Harwitz Nachf. 8,15. Pfennig(35)7,40. Setzer u. Drucker v. Wcichert 5,90. Weikert u. Oesterle 3,—. o„Wilde Schustelgescllen", 3. Rate 2,50. D. Meyer 9,40. Ofenmaurer der Gas- aiistalt 2. Charlotteuburg, 2. Rate, 9,-. Lese- und DiSkutierklub Leopold Nacobi 10,—. Perf. Janiszeivsky, 7. Rate, 4,45. Bauarbeiter vom Bau Grollmannstr. Charlottenburg, 2. Rate, 4,—. Ziuiinerer d. Hofzimulermstr. Krauie, Platz Zirnmerniann u. Sohn 11,80. Tischsabrik v. Richter, 5. Rate, 18,30. Tischlerei Stern, Seliger u. Co., 7. Rate, 6,35. Filiale 3 2,—. Sämil. Arb. v. Hiilsebeck, Kroll u. Co., Möbelfabrik 8. Rate 45,05. Buch- binderei I. Stttcnfeld 6,05. Sedanfeier Lipps 1,50. Klaviaturfabrik von Sühnng 7,35. Maler auf Bau Christburgerstr. 5 4,70. Pianofabrik Werner 7,50. Für Bautischer Kopenhagens von Gemütlicher Zu- saylnienkunft von 16 Kollegen, welche früher bei Elsholz streikten, 4,30. Organisierte Hutmacher, 6. Rate, 50,-. Tischlerei von Böttcher, Adalbert- straffe, 5,55. Pianofadrik voll Ecke, Markuostraffe, 16,05. Glasarbeiter Stralaus 50.—. Maurer und Bauarbeiter, Dunckerstraffe 68, 23,75. Buch-, diuckerei-Hilssarbeitcr Berlins durch Jahns, 6. Rate 61,90. Werkabteilung k.:.w P 4,95. Tischlerei Knöchel, Fricdrichstraffc, 4,50. Tischlerei Gabel. 'ä. uchtstraße, 2,15. Scherbcgaffe 1,—. Knopsfabrik Manape, Wallstraffe, 8,35. tiuchthauSkandidateu d. Charlottenburger- Kietz 4,60. Buchdruckerei von Paff u. Garleb, 6. Rate, 26,20. Tapeziereriverkstatt von Jahn(außer einem) 5,80. Centralverb»ni> der Maurer aus Landpartie Berlin II. 18,85. Bauarbeiter Accumulatorensabrik, Ober-Schöneweide, 3. Rate, 8,—. Mafchiniste» und Heizer durch Zabel 24,50. Bei eineni Be- gräbuis b. Abendrodt d. 9. 9. 3,-. Arbeiter v. Stoos 4,-. Arbeitergcsang- verein„Hoffnung" 3,-. Friedrichsberg 10,—. Gesangverein„Bruderbund", Usedomstraße, 3. Rate 6,—. Lackirer und Vergoldcr von I. C. Psass 7 15. Pianofabrik von Nieder u. Co., 5. Rate 19,55. Tischlerei L. Löwe, Martinickenfelde, außer 3, 2. Rate 12,35. Fabrik- und Hilfsarbeiter Berlins (central) 15,55. M. u. E., Cuvrqslraße, 5,—. Maurer(central) durch W. Schulz 131,95. Ma u. Mi, Annenslraße, 6,—. Tapezierer von Fort, Kretschmar, Co., 5. Rate 15,—. Gesangverem„Keramik", Charlottenburg, 10,—. Arbeiter-Tuniverein„Freiheit", Nowawes, 3,55. Bildbauer- Werk- statt Knauer 4,15. H. Bernhardt, Ripdorf, 2,50. C. Werner 2,—. Weitere Beiträge werden im Berliner Gewer lschastsbureau, Annenstr. 16, I, vormittags 10— 1 Uhr, nachmittags 6—8 Uhr entgegen ge- uominen. Der Ausschuß der Berliner GewerkschastS-Kommtssion. VoKsIes. Zu den bevorstehenden Stadtverordnetenwahlen rüsten nun auch die bürgerlichen Parteien. Allem Anscheine nach wird der Kampf um das rothe Haus, der in den nächsten Wochen in Berlin entbrennen ivird, diesmal heftiger als sonst werden. Von dt. Neueinteilung d e r W a h lb ezirk e, die in der 3. Ab- teilung für die äußern Stadtteile eine nicht unvorteilhafte Ver- schicbung gebracht hat. wird auf bürgerlicher Seite eine Stärkung der Socialdemokratie befürchtet. Diese Befürchtung unserer Gegner kann sich bestätigen, falls ihnen nicht eines zu Hilfe kommt: Die SiegeSgewitzheit der Arbeiterbevöllerung. Wer sich bewußt ist, eine gerechte Sache zu vertreten, der neigt nur zu leicht dazu, sich dem Gefühl der Siegcsgelvitzheit hinzugeben. DaS ist erklärlich und vielleicht auch verzeihlich, aber im Wahlkampfe ist es vom Uebel, und gerade bei den Berliner Stadlverordneten- Wahlen hat das mehr als einmal dazu geführt, daß der Erfolg nicht so glänzend ausfiel, wie er hätte sein können. Sache der Arbeiterbevölkerung Berlins ivird es sein, dafür zu sorgen, daß>v irllich in Erfüllung geht, was unsere Gegner von den diesjährigen Wahlen befürchten. Eine Stärkung der socialdemokratischen Fraktion im roten Hause ist schon deshalb notwendig, weil die Vermehrung der Stadtverordneten-Mandate um 18 neue Sitze— 6 für jede der 3 Abteilungen—, die man mit der Neu- Einteilung der Wahlbezirke verbunden hat, den bürgerlichen Parteien durch die 1. und 2. Abteilung ohnedies ein Mehr von zweimal sechs Sitzen sichert. Daß bei den Verhandlungen der städtischen Behörden sehr oft recht wichtige Interessen der Arbeiterklasse in Frage kommen, das hat namentlich in den letzten Jahren manche Stadtverordneten-Sitznng gezeigt. Die Arbeiterbevölternng Berlins und ihre Interessen kommen schon durch die zahl« reichen Arbeiter, die in den städtischen Betrieben beschäftigt sind, in direkte Berührung mit der städtischen Verwal- tung. Die Grundsätze, die der Magistrat bei den viel- fachen Konflikten zwischen der Gemeindeverwaltung und ihren Arbeitern verfolgt hat. die Behandlung, hie den um bessere Arbeits- bedingnngen kämpfenden Arbeitern der Stadt Berlin zu teil ge- worden ist, haben leider sehr selten die Mißbilligung der freisinnigen Mehrheit der Stadtvcrordncten-Versanunlung gefunden. Der Arbeiter hat aber auch rein als Bewohner und Bürger der Stadt Grund genug, sich einen möglichst weitgehenden Einfluß auf die städtische Verivaltung zu sichern und sich dem entsprechend an den Stadtverordneten-Wahlen zu beteiligen. Die Leistungen der Stadt auf dem Gebiete des Schul- und Erziehungswesens, der Kranken- und Armenpflege, der Hygiene usw. sollten vernünftigerweise doch mindestens dem Bedürfnis angemessen sein, man läßt sie aber aus Rücksicht auf den wohlhabenderen Teil der Bevölkerung weit dahinter zurückbleiben. Hier berühren sich auch mit den Interessen der eigentlichen Arbeiterbevöllerung die des kleinen Gewerbe- und Handeltreibenden und des niederen Beamten. Diese Schichten der weniger bemittelten Bevölkerung hätten daher allen Anlaß, bei den Stadtverordneten- Wahlen Schulter an Schulter mit der Arbeiterbevöllerung zu marschieren. Ei» Parteigenosse schreibt u»S: Einen tiefen Eindruck machte es auf uns, als wir am Sonntag nach der Beerdigung unseres I a c o b e y an der L a u b e n k o l o n i e in der Gegend der Schön- hauser Allee vorüberkamen. Jeder Laubenbesitzer sucht bekanntlich seinen Stolz darin, sein primitives Besitztum mit einer Fahne zu schmücken. Am Sonntag nun war ein großer Teil der Fähnchen auf Halbmast gehißt und ferner war an ihnen nicht selten Trauer- flor angebracht. Diese stille und sinnige Ehrung des Andenkens an unseren toten Mitkäntpfer ist, weil sie rein aus eigenem Antriebe kommt, um so erhebender und giebt der Pietät der arbeitenden Be- völkernng ein ehrendes Zeugnis. Sie steht sittlich hoch erhaben über die Art,' in der die Hoflieferanten und ähnliche Herrschasten an „nationalen" Gedenttagen marktschreierisch ihren Patriotismus an den Mann bringen. Größere Baumabholzunge» wegen der elektrischen Hoch- bahn finden gegenwärtig wieder eimnal am Halleschen Ufer zivischen der Großbeeren- und Möckembrücke'statt. Die schönen hohen, ganz besonders prächtig entwickelten Rüstern, die hier an der Innenseite des Promenadenwegrs nach dem Kanal zu stehen, werden sämtlich niedergeschlagen, da der immer mehr nach Westen vor- schreitende Viaduktbau durch die sich weithin erstreckenden Aeste und Zweige gehindert wird. Nur die am Straßendamm stehenden Bäunie bleiben erhalten; diese sind aber viel geringer entwickelt, als die jetzt der Axt zum Opfer fallenden Bäume. Die Streitfrage, wann daS neue Jahrhundert beginnt, ist nach dem August Scherl-Anzeiger endgültig und zwar überaus einfach entschieden worden. Das Blatt schreibt wörtlich: „Aus feiten derer, die das Jahr 1g als den Anfang des neuen Jahrhunderts bezeichnen, hat sich auch der Kaiser durch seinen Trinkspruch, welchen er bei der Paradetafel auf das Garde korps ausbrachte, gestellt. Er wies darauf hin, daß an jenem Tage die Fahnen der Garde„zum letztenmale in diesem Jahr- hundert" gemeinschaftlich aus dem Tempelhofer Felde geweht hätten; hierauf gab er dem Wunsche Ausdruck, daß die Truppen sich auch im neuen Jahrhundert, wie sie eS im alten gethan, aus zeichnen ntögen. Hoffentlich wird durch diesen kaiser- lichen Ausspruch der Streit, wann das neue Jahr- hundert eigentlich beginnt, geschlichtet werde n." Hoffentlich macht es der Staatsanwalt gnädig und verschont diejenigen mit Konfiskationen und Strafprozessen, die trotz der Mit teilung des„Lokal- Anzeigers" das neue Jahrhundert erst mit deni Jahre 1001 beginnen lassen. Die Kiitdcr-Sterblichkeit ist in Berlin in der dritten Auanst- woche am stärksten gewesen. Während die Zahl der Kinder-Todessälle in den ersten Wochen des Jahres selten über 200 hinausgegangen war. betrug sie in der dritten Auguftwoche, nachdem sie von Anfang Juli konstant gestiegen war, 404. In der vierten Augustivoche ist ein Rückgang eingetreten. In ihr sind 410 Kinder unter einem Jahre gestorben. Die Berliner Unfallstationen sind im Monat August d. I. in 3852 Fällen gegen 3230 im gleichen Monat des Vorjahres für erste Hilfe in Anspruch genommen worden, und zwar 3289 mal bei Unfällen und 603 mal bei plötzlichen Erkrankungen. In den Stationen wurden 3589, außerhalb derselben 263 Personen be handelt. Mit den Krankenwagen der Unfallstationen wurden im verflossenen Monat 113 Transporte ausgeführt. Die Zahl der polizeilichcrscits den Stationen übergebenen, teils bewußtlosen Per soncn betrug 170, die unentgeltliche Inanspruchnahme von Eis in Krankheitsfällen geschah in 298 Fällen. Durch die Hilfe zweier Offiziere gelang es, einen Unhold festzunehmen, der auf dein Tempelhofer Felde an der einsamen Pappel ein unsittliches Attentat auf ein 14jährigeS Lehrmädchen unternahn. Um sein Opfer am Schreien zu verhindern, hatte der Bursche demselben den Mund verstopft und wäre sicher auch zu seinem Ziel gekommen, wenn nicht zwei Offiziere auf den Vorgang aufmerksam geworden wären und den bei ihrer Annäherung ent- fliehende» Patron unter Beihilfe eines dritten Herr« verfolgt und so lange in Schach gehalten hätten, bis seine Feswahme durch einen Gendarm erfolgen konnte. Der Wüstling, ein stellenloser Schreiber G.. der kurz zuvor an derselben Stelle schon zwei Frauen mit un- sittlichen Anträgen belästigt hatte, Ivurde inS Amtsgerichtsgefängnis zu Rixdorf eingeliefert. Ein tragisches Ende hätte beinahe der vielgenannte frühere Gefangenenaufseher Bertram aus Plötzcnsee genommen, der sich seit niehr als eineni Jahr in Untersuchungshaft befindet und ivegen Durchstechereien mit Gefangenen zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt worden ist. Nachdem das Reichsgericht das erste Urteil aufgehoben und die Sache zur enleute» Entscheidung an die Bor instanz zurückverwiesen, die ziveitc Strafkammer am Landgericht II aber von neuem auf drei Jahre Zuchthaus erkannt hatte, bcniächtigte sich des Angeklagten eine tiefe Schwermut, die sterig wuchs und gegen Ende Angnst so hochgradig ivurde, daß Bertram von Selbstmordgedanken erfaßt wurde, zum Hosenträger griff nnd sich am Fensterwirbel seiner Zelle auf- hängte. Es blieb aber beim Versuch, zufällig warf ein Aufseher einen Blick durch das Guckloch in der Thür der Zelle, er sah den Gefangenen hängen und so ivurde der Unglückliche noch rechtzeisig abgeschnitten und ins Leben zurückgerufen. Ehe Bertram einen neuen Selbstmordversuch zur Ausführung bringen konnte, traf die Nachricht ein, daß das Reichsgericht auf die vom Verteidiger Dr. Werthauer eingelegte Revision auch das zweite Urteil aufgehoben und die Sache nunmehr zur erneuten Entscheidung an ein anderes Gericht, nämlich das Landgericht 1, verwiesen hat. Daraufhin scheint Bertram von neuem Lebensmut erfüllt worden zu sein und seine Selbstmord- gedanken vorläufig aufgegeben, zu haben. An Verbrühungen gestorben ist der fünfjährige Sohn Fritz des Malers Zellmeier ans der Lortzingstr. 23. Frau Zellmeier ließ vor einigen Tagen in der Küche einen Eimer niit heißem Wasser zum Abi'vaschcn des Eßgeschirres stehen, als sie sich mit ihren» Manne und dein einzigen Sohne zum Abendessen in die Wohnstube begab. Die Großmutter blieb noch in der Küche zurück. Zu ihr lief nun plötzlich der etwas wilde Knabe hinein und rannte den Eimer um. Das Wasser ergoß sich ihn,, nachdem er hingefallen war. über Brust und Hals nnd verbrühte ihn so schwer, daß man ihn sofort mit einer Droschke in das Lazarus- Krankenhaus bringen mußte. Hier ist er seine» Verletzungen erlegen. Zwei dreizehnjährige Durchbrenner werden seit einigen Tagen von der Polizei gesucht. Der Schüler der dritten Klasse der Gcmeindeschule in der Wrangelstraße. Paul S., der bei seiner Tante, Frau St. in der Wrangelstr. 119 wohnte, war in der Schulfcricnzeit Laufbursche in einem Geschäft der Wasserthorstraße. Sein Mit- schüler Willy K. aus der Köpenickerstraße 158 verdiente sich in den freien Stunden ein paar Groschen, indem er auf Fuhrhöfen beim Wagenwaschen half. Die beiden Bürschchen verkehrten viel mit ein- ander. S. gefiel es in Berlin nicht mehr, er wollte aufs Land gehen und dort arbeiten. So wenigstens erzählte er anderen Jungen. Am Freitagnachmittag voriger Woche entnahm er im Geschäft ein Quittungsformular, das bis auf die Unterschrift des Geschäfts- inhabers ausgefüllt war. Diese Unterschrift fälschte er und erhob dann mit der Quittung bei einem Kunden in der Lindenstraße 27 M. So mit Geld versehen, begab er sich auf einen Fuhrhof in der Wrangelstraße, um seinen Freund abzuholen. Der Fuhrherr machte Schwierigkeiten. Aber S. wußte Rat. Sein Freund müsse unbedingt mitkommen, denn sie seien beide zum Prediger Grauen- Horst von der Enimauskirche bestellt, um sich zur Konfirmation an- zumeiden. Nun ließ der Fuhrherr sie ziehen. Am Sonnabend ver- säumten beide die Schule. Nachmittags trafen einige Mitschüler sie auf dem Mariannenplatz. S. sprach wieder von dem Plane, aufs Land zu gehen, und seitdem sind beide verschwunden. Der Feenpalast hat in diesem Sommer den so notwendig ge- wordenen neuen Anstrich erhalten und ist auch sonst verschiedentlich renoviert worden, so daß er jetzt von innen in seinem freundlichen Weiß einen sauberen, ja beinahe vornehmen Eindruck niacht. Dafür ist das Lokal denn auch Pala st- Theater genannt worden. Man sitzt in den vorderen Reihen auf einer Art Subsellien. deren gutes, festes Holz mit Oelfarbe hübsch braun angestrichen ist. Bevor der Besucher aber an seinen Platz gelangt, führt ihn_ der Weg an zwei Damen mit recht sympathischen Zügen vorbei, die ihn energischer als dies sonst in Specialitätentheatern zu geschehen pflegt, daran erinnern, daß er der Garderobe seinen Tribut zu zollen hat. Wir sahen, nachdem dies überwunden war, im Palast- Theater em Stück, das Spreelottchen genannt wird. Die Heldin des Sing- spiels schleppt in ihrem Namen kein tragisches Schicksal auf die Bühne; iveder hat sie sich ins Wasser gestürzt, noch ist sie auf einer Kahnfahrt bei Treptow verunglückt. Möglicherweise haben ihre Be- ziehliiigen zur Spree einen Gnuid in dem Umstände, daß sie früher an der Weidendammcr Brücke mit Streichhölzern gehandelt hat. Noch vor Beginn der Handlung gestaltet sich ihr Schicksal und auch ihre Natur recht merkwürdig. Ein reicher Rons, ein furchtbar unanständiger Patron, liest die Streichholzhändlerin von der Brücke auf, möbliert sie, zieht ihr noble Kleider an und richtet ihr sogar ein Geschäft ein. Wer nun denkt, daß so ein Schickfals- ivechsel das vielleicht von vornherein etwas wurmstichige Renommee der Heldin vollends verdürbe, der irrt sich gewaltig. Denn als der wollüstige Nothclfer nach soviel Selbstlosigkeit an Lottchen das un- billige Verlangen stellt, ihm zum Dank ein Kiißchen zu geben, wird er von dem weiblichen Schützling entrüstet die Treppe hinunter geworfen. Nun kommt die Prüfung über Lottchen in Gestalt eines Gerichtsvollziehers und dann der wahre Retter. Dies ist gleich Lottchen ein Mensch von abnormen Eigenschaften. Der Mann arbeitet als Mechaniker oder so was, verdient 45 Mark die Woche und weiß nicht, wo er so viel Geld lassen soll. Er fleht Lottchen an, ihn aus der Verlegenheit zu retten, und das gute Kind erklärt sich endlich bereit, als treue Gattin an seiner Seite dafür zu sorgen, daß der Wochcnverdienst alle werde.— Als das Stück er- ledigt war, kamen Specialitäten auf die Bühne, von� denen einige«s zu achtungswerten Leistungen brachten. Bemerkt sei noch, daß die Darstellerin des Spreelottchen ihre Rolle realistisch auffaßte und sich erfolgreich bemühte, in Sprache und Geberden das Publikum davon zu überzeugen, daß man es in der Heldin trotz der Standes- erhöhung intmer noch mit der biederen Wachskerzenhäiidlerui zu thun habe. Theater. Die erste«ufführuiig von Ibsens„Rosine rSholm' im Deutschen Theater ist auf Freitag, den 15., angesetzt. Morgen geht Max Dreyers„Hans" mit Louise Dumont in der Titelrolle neu m Scene. In dein vorausgehenden Einakter vonVacano:„Mutter herz' spielt Gisela Jnsberg zum erstenmal die Rolle der Anna.— Im Ostend- Carl Weiff-Theater findet heute die erste Vorstellung von der Novität „Um 1000 Mark" statt.- Im Schiller-Theater beginnt der Vor- verkauf für die ani Sonnabend stattfindende Erstaufführung des Schauspiels „Die Ehre" von Hermann Sudermann heute an der Tageskaffe.— Das Victor ia-Theater am Alcranderplatz wird Sonnabend mit dem Vaudeville„Die weihe Henne" eröffnet.— Am Sonnabend wird auch im Friedrich-Wilhelmstädtischen Theater ein neues Stück«Die Reise nach der Teuselsinsel" gegeben. Ans den Nachbarorte». Moderne Entbchrungslöhne. Bierundzwanzig Millionen Mark sind den Grundbesitzern in Charlottenburg in den Schoß ge- fallen, ohne daß sie eine Hand darum zu rühren brauchten. Der G r u n d iv e r t der Stadt Eharlottenburg wird nänilich vom Statistischen Amt der Stadt in einer soeben ausgegebenen Zusammen- stellung auf 772 Millionen Mark veranschlagt. Davon entfallen auf die bebauten Grundstücke 588 Millionen, auf die unbebauten 184 Millionen Mark. Der Mehrwert, der den Grund- b e s i tz e r n infolge der Steigerimg der Grundrente in dem einen Jahr von 1897 auf 1898 zugefallen ist. ivird auf nahezn 24 Millionen Mark berechnet. Diese Berechnung stützt sich auf die Veranlagung zur Gemeindegrundsteuer. Sie läßt demnach die Grundstücke des Staats, der Provinz, deS Kreises, der Gemeinden usw.. sofern sie zum öffentlichen Gebrauch bestimmt sind. außer Betracht. Im Durchschnitt kostet der unbebaute Quadratmeter 12,35 M.. der bebaute 117,61 M. gegen 11,28 M. und 115,08 M. im Vorjahre. Die Zunahme des Wertes betrug demnach 9,49 Proz. bei den unbebauten und 2,2 Proz. bei den bebauten. Am größten war die Zunahme de» Werte« der bebauten Grundstücke im Osten von der Knesebeckstraße und der Kurfürsten-Allee. Sie betrug dort 5,31 Proz. An zweiter Stelle steht Westend mit 4,03 Proz. Eine Vcrbefferuna im Zu- und Abgang erhält der Bahnhof Großgörschen st r atz e. Dieser war bisher nur vom Platz von der Mansteiiistraßc ans zugänglich. jJetzt wird an der Ueberfüyrung der Bahn eine Mauer durchbrochen und so ein Thor hergestellt, durch das man vom Bahnhof in die nach rechts und links sich erstreckende Großgörschenstraße gelangt. Die Arbeiten find nahezu vollendet. Schölleberg. In ihrer Sitzimg am Montag vollzogen die Stadtverordneten gemeinsam mit dem Magistrat zuerst die Wahl von drei Provinzial«Landtags-Abgeordlieten;.bei der Stadtverordneten- Vorsteher Müller, Erster Bürgermeister Wilde und Stadttat Hehl die meisten Stimmen erhielten. Zu der Vorlage des Magistrats, betteffend die Beschwerde deS Bezirksvereins am Botanischen Garten gegen Unterbringung von katholischen Klassen im Reform- Gymnasium wurde beschloffen, dem Magistrat in seinem Bestreben, die schul« pflichttgen Kinder unterzubringen, nach Möglichkeit zu unterstützen. Zur Kennwisnahme gelangten ferner: 1. eine Borlage betteffend An» legung einer Straße von der B a h n st r a ß e nach der Co« l o n n e n st r a ß e; 2. die Antwort der Großen Berliner Straßenbahn wegen E r r i ch t>l n g einer Haltestelle in der E i s e n a ch e r- st r a ß e, Ecke Hauptstraße; 3. die Antwort der Polizeidireltion betreffend das AuSklingeln von Waren auf den Straßen und Plätzen Schön ebergs. Nachdem der Ab« schluß eines Vertrages mit der Eisenbahndirektion Berlin wegen Pachtung von Bahngelände die Genehmigung gefunden, kam ein Antrag betr.«Verschärfung der Nahrungs- mittel-Koi, trolle auf den Wochen Märkten" zur Diskussion. Stadtv. Richter wies auf die Unzulänglichkeit der jetzigen Kontrolle hin und ersucht um Abhilfe. Einstimmig beschloß die Versammlung, den Magistrat zu ersuchen, ivegen einer ver- chärften Kontrolle geeignete Schritte zu thun. Hierauf fand ein Magisttatsbeschluß Annahme, wonach ans dem allgemeinen Dis» zositionsfonds ein Betrag von 4000 Mark bewilligt werden öll, um einen Versuch zu machen, durch Zahlung von Bei- trägen Einwohner zu veranlnsien, die Unterbring ung der Einquartierung freiwillig zu übernehmen. Die Kosten sollen püter von den Hansbesitzern nach Ortsstatut aufgebracht werden. Weiter beantragt der Magistrat: 1. ES wird zum 1. April 1CC0 die Stelle eines zweiten besoldeten Stadtrats mit der Oualifitario» zum höheren Snftjg' oder VerwaltungSdienjt unter den für die schon vorhandene Stelle llcltcudcn Bcdi»llungcn geschaffen; Gehalt und Wvhnuiigsgeld sind in den nächsten Etat einzustellen. Dieser Antrag stieß auf den Widerspruch der Lcrsanunlung; es wurde beschlossen, eine neunflliedrille Kommission zur Prüfung der Forderung einzusetzen. Die Bewilligung der ersten Rate von 28 600 M. zur Tilgung der in diesem Jahre aufgenommenen Anleihe erfolgte ohne Widerspruch, ebenso die Beschluffsassung betreffend Teilung der zweiteil Vorschulklasse am Nefomi- gyinnasium und Anstellung eines Vorschullehrers. Skandalscenen spielten sich am Sonntagabend bor den Thoren Bcrliiis ab. ES wird darüber berichtet: Radauparabcn der Berliner Rowdics— und zivar zmneist derer vom jüngsten„Jahrgange"— finden seit einiger Zeit regelniäßig an den Sonntagabenden in jenen Straffen Rixdorfs statt, die a>i Berliner Gebiet grenzen. Als Rendezvous bevorzugen die jugendlichen Träger der Ballonmützen besonders die Biffinonnsirahe sowie die KarlSgarten» und Hermann- straffe. Die Burschen schlicffen sich zu förmlichen Sektionen und Zügen zusammen und ziehen dann gegen 10 Uhr abends die Straffen entlang unter ohrenbetäubendem Gejohle, Pfeifen, Singen und Lärmen. Am Sonntag wollte» zwei Rixdorfer Gendarmen, die durch deii Lärm angelockt waren, der» Unfug ein Ende machen, wurden aber, als sie zwei der Hauptkrakehlcr festgenommen hatten, von der Menge thätlich angegriffen, so daff sie von ihrer Waffe Ge- brauch machen uiuhteu. Dadurch, daff ihnen ein Nachtwächter und ein Droschkenkutscher zu Hilfe kamen, gelang es ihnen, drei der Ex�cdenten in die Droschke und mittels dieser inS Rixdorser Polizei- gcfänguis zu bringen. Die Sccne hat, wie wir hören, Veranlassung zu einer beträchtlichen Verstärkung des Sicherheitsdienstes an den Soniitagabendcu in jener Gegend gegeben. Wilmersdorf. Im Socialdemokratischen Verein. Berliner- straffe 40, spricht heute abend Genosse Lankow über die Eni- Wickelung Frankreichs vom 1ö. bi« 18. Jahrhundert. Geviilzks �ÄetkmtA. Wie man zu einer Anklage komme» kau«. Begreifliche Elltrüstmig leuchtete auS den Augen der Inhaberin eines Blunien- geschäfts Frl. K., die gestern vor dem Schöffengericht erschien, um gegen ein ihr übermittelte« polizeiliches Strafmandat in Höhe von V Mark anzukämpfen. In dem Strafmandat, welches sie als „Büffettdame" bezeichnete, wurde behauptet, daff sie eines Nachts mit einer Biermamsell auf der Straffe groben Unfug verübt habe. Das Fräulein bebte vor Zorn und Scham. Sie ist noch nie Büffettdame gewesen und hat keine Zeit, sich nachts mit Biermamsells auf der Straffe umher zu treiben. In der That be- kündeten denn mlch zwei Schutzleute, daff die Angeklagte absolut nicht das Mädchen sei, welches von ihnen in der fraglichen Nacht zur Polizei lvache sistiert worden war. Ohne Zweifel ist ihr Nationale von einer Unbefugten mihbräuchlich ver- wendet worden. Frl. K. hatte daher alle Ursache, böse zu sein. Sie verlangte nachdrücklichst Entschädigung, da sie, um den Termin wahrnehme» z» können. ihren Laden habe schliefen müssen und den ganzen Bormittag nichts habe verdienen können. Der Gerichtshof lieff die Angeklagte nicht im Zweifel darüber, daff ihr Mißgeschick sein volles Mitgefühl erwecke, er lonnte jedoch ihren Eni- schädigungsansprnch nicht erfüllen, sondern muffte sich darauf be- schränken, sie freizusprechen. Ter Anitsanlvalt versprach ihr aber, sein möglichstes zu thnn, um die wirklich Schuldige zu ermitteln und auch wegen des Namensmiffbrauches zur Verantwortung zu ziehen. Der Fall bedarf in der That einer eingehenden Untersuchung und zwar schon deshalb, um festzustellen, wer schuld ist. daff aus eine niederträchtige Düpiernng oder Denunziation hin über eine ehrenhaste Dame alle Qualen. Aufregungen und Schädigungen verhängt wurden, die eine gerichtliche Prozedur unvermeidlich mit sich bringt. Ei» Unglürköfall, der sich beim Bau eine« Brunnens in der Schnltheiffschcii Brauerei ereignete, wurde dem Monteur Fritz Hebel zur Last gelegt, der gestern wegen fahrlässiger Körper- Verletzung vor der zweiten Ferienstrafkaniincr dcL Landgerichts I stand. Der erwähnte Brunnen sollte mit einem neuen Pumpwerk versehen werden. Um das Material an« der Tiefe hinauszubefördern, war mittels ein Seiles und daran befestigten Korbes eine Ein- richtung hergestellt. Einer der Arbeiter hatte die Aufgabe, das Seil so zu lenken, daff der Korb nicht an die vor- springenden Ecken im Jimern der Brnmienwandung aufstieß. Dieser Manu, den die Brauerei gestellt hatte, war im hohen Grade schwachsichtig, während cS gerade eines guten Auges bedurfte, nni die im Brunnen herrschende Dunkelheit zu durchdringen. Der Korb stieß dg»» auch einmal so heftig auf. daff er eine schräge Richtung annahni, dazu kam, daff der Karabiner, a» dem der Korb befestigt war, versagte. Der Korb mit seinem ziemlich schweren Inhalt stürzte hmab. Der unten in, Brunnen arbeitende Kupferschmied K. wäre ,», sehlbar erschlagen worden, wenn er von dein Korb auf de» Kopf getroffen worden wäre. So wollte es ein glücklicher Zufall, daff er nur gestreift wurde und mit m» erheblichen Verletzungen davonkam. Der gerichtliche Sachverständige, Ingenieur Peschkc, meinte nicht, daff der Angeklagte veranuvortlich zu»»«che» sei. Die schiefe Richtung des Korbes hätte nicht ge- schadet, sondern der Umstand, daff der Karabiner nicht schloff. Da aas gesamte Material von der Vranerei geliefert Ivorbe» sei und Tage zuvor benutzt wurde, so habe der Angeklagte keine Veraulasstmg gehabt, es eingehend auf seine Zuverlässigkeit zu prüfen. Der Gerichtshof war mit dem Staatsanwalr anderer Ansicht. Als Monteur sei der Angetlagto nicht nur fjir die Arbeit, sondern auch für das Material verantwortlich. Das Urteil lautete aus 100 M. Geldstrafe. VevfammlttNZrtt. Die Filiale Nord des Tapezierer- Verbandes hielt am Montag eine Versammlung bei N ü m a n n in der Vrmuienstrahe ab. Vor Eintritt in die Tagesordnuna fordert der Vorsitzende die Anwesenden auf, sich zu Ehren des versiorbencn Genossen I a c o b e h von den Plätzen zu erhoben. Ueber den gegenwärtigen Stand der Lohnbewegung referiert Pö nicke. Der Redner giebt zunächst einen Ucberblick über die Bewegungen 1886/86 und 1804; alsdann geht er zur gegenwärtigen Bewegung über. Bewilligt haben die Forde derungcn ohne jeden Streik sofort 6 Firmen. Herr Markiewicz ging sogar soweit, zu erklären, daff er inZukunftbei schlechter Koiijnnktur keine Entlassungen mehr vornehmen, sondern die Arbeitszeit vorübergehend soweit reduzieren werde, daß Entlassungen nicht nötig seien. Er hoffe damit, einem Princip der Arbeiterschaft eittgcgenzukominen. Zum Streik kam es bei der Firma Li cht enstein. lvo es am Sonnabend zu einer Einigung kam. Bei der Firma I ä ck e l, wo der Unteniehmer aus der Patentarbeit einen ungeheuren Gewinn zieht, herrschen trotzdem die traurigsten Zustände. Dort dauert der Streik»och an. Bemerkenswert ist noch, daff sich die Polizei des Unternehmers Lichten st ein ganz besonders annahm. wurden dort wegen Postenstehens in Summa 4 Kollegen zur Polizei sistiert; einer vom Polizcilicutenant in eigener Person. Der so Geehrte ist auf dieses Abenteuer nicht ivenig stolz. In, ganzen ist die Lage eine giinstige. In der Disiussion wird„och mitgeteilt, daff auf der Wache des 19. Polizeireviers zwei Kollegen darüber vernommen worden sind, ob sie etwa von Strei kenden von der Arbeit abgeholten worden seien. Das Verhör hatte ein negatives Resultat. Der eifrigste Postensteher war übrigens der Unteniehmer Lichten st ein; derselbe ist aber nie von der Polizei abgefaßt worden.— Schließlich wird»och Schütz als Zeitnngs- expedient gewählt, da der alte Expedient sein Amt niedergelegt hat. Strasser regt eine Diskussion über den neugegründeten Verein der Kleber an. Auf Antrag Schmidt wird darüber zur Tages- ordnung übergegangen. Eine öffentliche Kleber-(Tapezierer-) Versammlung fand am Sonntagvormittag in den Arminhallen statt. Den Hauptpunkt der Tagesordnung bildete die Konstituierung eines Vereins der Kleber für Berlin und Umgegend. Das Referat hatte Holz- Hammer übernommen. Derselbe warf dem bestehenden Central- verband der Tapezierer vor, daff er den Kleben, gegenüber nicht seine volle Pflicht gethan habe. Dies sei die Ursache, daß die Kleber zur Gründung einer eigenen Organisation schreiten müßten. Noch vor 8 Tagen hätten die Kleber beschlossen, eine Branchen- Organisation innerhalb des Verbandes zu gründen, der Vor- stand des Verbandes habe jedoch mit 8 gegen 3 Stimmen den Klebern das Recht dazu abgesprochen. Nunmehr bleibe denselben nichts übrig als die Gründung einer Sonder- Organisatton. Schmidt stellt nach Beendigung des Referats den GeschäftSordmings- Antrag, zunächst festznstellen, wieviel Kleber und Ivieviel Polsterer anwesend sind. Nach einer äußerst heftigen Geschäftsordmmgs- Debatte wird über diesen Antrag zur Tagcsordmmg übergegangen. Bevor zu einer Diskusston über das Referat oder zur endgültigen Konstituienmg des neuen Vereins geschritten wird, schreitet nunmehr der Vorsitzende zur Aufnahme neuer Mitglieder. Dagegen wird von den Vertreten, des Tapezierer-Verbandes heftig opponiert, weil ja die Grülidimg deS Vereins noch nicht vorgenommen fei. Trotzdem wird, anfänglich unter großem Tumult, die Aufnahme von Mit- gliedern vorgenommen und dann auch sofort zur Wahl deS Vor- standes geschritten. Nacki geschehener Wahl erklärt der Vor- sitzende den Verein ftir konstituiert. In der Diskussion spricht Schmidt die Ueberzeugung aus, daff es besser gewesen wäre, wenn die Agitation, die zur Gründung des neuen Vereins entfaltet worden ist, zur Gewinnung neuer Mitglieder für den Verband aufgewandt worden wäre. Von den Mitgliedern des neuen Vereins wird jedoch ausgeführt, daß es nicht möglich gewesen wäre, die Kleber für die alte Organisation zu gewinnen; daß d,eS der neuen Organisation gelang, beweise ihre Notwendigkeit. Während der Diskussion geht dann ein Antrag ein, zunächst die ge- schäftsmäffigcn Angelegenheiten: Wahl einer AgitationS-Kom- Mission, Festsetzung eines Versammlungslokals usw. vorzu- nehmen und erst alsdann die allgemeine Diskussion fort- zusetzen. Während der Erledigung dieser Geschäfts-Angelcaen- Heitel, verlassen die Anhänger des Verbandes zum. größten Teil das Lokal. Bei Fortsetzung der allgemeinen Dislussion begrüßt Kielmeyer eS mit Freuden, daff es endlich zur Gründung einer Organisation der Kleber gckommcii sei. Die Agitationskominission der Tapezierer habe die Interessen der Kleber deswegen nicht wahren könne», weil ihr die Kenntnis der Lage derselbn» abging. Er spricht die Hoffnung aus, daff der neue Verein gedeihen' möge. Nähern sich dann die Kleber dem Verbände, so wird man ihnen sicher mit Freuden die gewünschte Selbständigkeit im Rahmen des Verbandes gewähre». Sämtliche übrigen Redner wiederholen die mehrfach aus- gesprvcbeno Ueberzeugung. daß ohne Gründung deS Vereins die Interessen der Kleber nicht die verdiente Würdigung geftniden hätten. Vor Schluß der Versammlung forderte der Vorsitzende die An- wesenden noch auf, sich zu Ehren des verstorbenen Genossen I a c o b e h von den Plätzen zu erheben. ZpittevAvilihes. Stenogramm des Dreyfus-ProzeffeS. Die Zeitungsberichte über die ungeh'enre Jnstiztragödie, die sich jetzt von neuem inReuneS abspielt, können auch nicht annähernd ein genaues und klares Bild der Vorgänge geben. Der Prozeß in NenneS hat aber keineswegs nur ein Jiitcrcffe durch die Aufdeckung der Abscheulichleitei, der ein- zelnen hohen Militärs, sondern er giebt eine Fülle von Keimtnissen vom Wesen des MilitartSnmS, von den mit Notwendigkeit au« ihm folgenden Gemeinheiteil de« internationalen Spionagesystems usw. Der Prozeß bietet ein»»gen, ein bedeutsames Bild des kapitalistisch- militaristische» Unkultur-Zeitalters und sein gesamter Inhalt wird auf lange hinaus für die Kultnrhistoriker wie für Politiker und besonders für den Bekämpfer des unseligen Militärsystems in höchstem Waffe beachtlich bleiben. ES ist deshalb«in trefflicher Gedanke des Ver» lages von Kaden u. Comp, in Dresden(„Sächsische Arbeiter- Zeitung") gewesen, dem deutschen Publikum die Verhandlungen in Renne« stenographisch zugänglich zu machen. Das gesamte Stenogramm ist auf 8 Lieferungen a 20 Pf.(Gesamtpreis 1,60 M.) berechnet. Bisher sind bereits mit löblicher Beschleunigung zwei Lieferunge» jerschienen. deren jede 64 Selten umfaßt Ju»b sich im saubere» Einschlag darbietet. Wir empfehlen die Anschaffung der Hefte, die in der Buchhandlung Vorwärts erhältlich>si»d. aufs beste. Eingegangene Druckschriften. U moiivernent soclaiitU.(Die socialistische Bewegung.) Internationale Halbmonatsrevue. Ericheint jeden 1. und ib. des Monats. 64 Seiten stark. Herausgeber Äcorges BellaiS, PartS, Rue TufaS 17. Preis in Deutschland fftt 8 Monate S FraniS. Inhalt der Nummer vom 1. September-. Die Kräfte der industriellen Demolratle, Antwort an grl. Luremburg von Ed. Bernstein.— Der allgemeine Kongreß der(ocialiftilchen Partei, von LputS Rävelln.— Das G»n-iie»lchafts,oes«n in Belgien. August Dewüine.— Der Soeialisinu» •uf den AnttUen. Rens Arot.-«. Gold- nnd Stlberarbciter. Am LS. August tagte im Lokal Dresdener Garben die Generalversammlung der hiesigen Zahlstelle. Das Mitglied Heynemann hatte das Referat übernommen. Er sprach über die gegenwärtige Lage des BorbandeS. Der Referent gab zmiächst einen kurzen 71'....lick'über die Entstehung und das Wachs- mm der Orgmnsatton, tum sodann auf den Streik der Nürnberger Kollegen zu sprechen, und auf die schlechte Lage, in die die Organisation durch den Streit geraten ist. Redner machte der Berbandsleitung, be- sonders dem Eentralvorsttzeiiden den Vorwurf, daß er die Organi- sation zu Gunsten des Mctallarbeiter-Vcrbandes ruiniert habe. Eine Resolution, in der das Verhalten des Ccntralvorstandes entschieden verurteilt wird, wurde nach längerer Diskussion, in der ftch nahezu alle Rednor im Sinne des Rcfcreiiiei, ausgedrückt hatten, mit großer Mehrheit angenommen. Nachdem der Borsitzende noch einige Mil- t eilungen zu den. Streit bei Meierheim gen, acht hatte, erfolgte Schluß der gut besuchten Versammlung. Sine Versammlung der Arbeiter und Arbeiterinnen war am Montag für Moabit einbcnifen, die leider nur mäßig besucht war. Besonders hierzu eingeladen waren die Arbeiter»nd Arbeite- rinnen der in Moabit sich befindenden Mörtelwerke, Cichorien- und Ehokoladenfabriken, Pappen-, Seifen- und Gumniifabriken. Adolf H o f f m a n n referierte über„Modernes Raubrittertum" unter leb- haften, Beifall der Anwesenden. Schumann vom„Verband der Fabrik«. Land« und Hilfsarbeiter Deutschlands" bedauerte die Teil- nahnllosigkeit oben benannter Arbeiter nnd Arbeiterinnen, die. irotz eifriger Agitation, dieser Versammlung fern geblieben waren. Man werde aber nicht erlahmen, die Berufsangchörigen aufzu- rütteln, um nicht nur ihre traurige Lage zu verbessern, londern auch sie zum Anschluß an dieie Organisation zu veranlassen. Der Beitrag beträgt für männliche 16 Pfg., für weibliche Mitglieder TVe Pfg. pro Woche. Dafür geivährt der Verband eine Reihe von Unterstützungen, VtechtSschutz usw., ferner erhalten die Mitglieder das alle 14 Tage in Hannover erscheinende Vcrbaudsorgan: „Der Proletarier". Im übrigen sei es Zweck des Verbandes, namentlich die nngvlernten und Hilfsarbeiter und-Arbeiterinnen für die Geivevkschaftsbewegung zu gewinnen. Charlottcnburg. An, Sonntag, den 3. d. M., vormittags IQi/a Uhr, fand im Lokale von Leder eine Bezirlsversammlung des Deutschen Metallarbeiter-Verba n de« statt. Bei Er- vffnung derselben ehrten die Amoejenden den verstorbenen Redacteur August Jacobey in üblicher Weise. Alsdann hielt Herr Dr. R ö s e m e i e r seinen Vortrag über das Thema„Vor hundert Jahren". Dem hochinteressanten Vortrage folgte eine kurze Diskussion. In den weiteren Punkun der Tagesordnung wurde den Kollegen mitgeteilt, daff Montag, den 18. September, eine aufferordent« liche Generalversammlung der Mitglieder des deutschen Metall- arbeiter-Verbandes stattfindet. Gleichzeitig wurde mitgeteilt, daff Donnerstag, den 7. September, abends 8 Uhr. in der»Äambrinus- Brauerei", Wallstr. 94, eine allgemeine Gewerkschaftsversammlung stattfindet, in welch er den Kuratoriunismitgliederii des städtischen Arbeitsnachweises die weitere Direktive für die Zukunft gegeben werden soll. Im ivcitcrei, beschloß die Versammlung ei» Herbst- vergnügen avznhalteu, wozu alles Nähere noch betauut gegeben wird. Charlottcnburg. Die Bautischler von Charlottenburg, Wilmersdorf, Schöneberg und Steglitz beschästizten sich am Sonntag, den 3. September, in Wilmersdorf in einer öffentlichen Versammlung mit den Errungenschaften der Lohnbewegung und deren Erhaltung. Der Referent V l e c ck wies in seinen Äusführuiigen nach, daß die Ernulgenschastei, als günstige zu bezeichnen sind und namentlich in de» schlechteren Wrrksiellen sind Forderungen durchgeführt, die es ermöglichen, ein Rdehr von 2 bis 3, ja 4 M. die Woche zu verdienen. Das Hauptgelvicht ist aber auf die Erlangung des Kostgeldes von 27 M. die Woche zu legen; den» dieses ist ei» Schritt näher zur Einführnng der Lohnarbeit. Wem, der Verlauf der Lohn- bewegung ein so schneller und günstiger gewesen ist, so sei dies nicht der Humanität der Unternehmer zuzuschreiben, sondern lediglich deren Furcht vor der Organisation der Arbeiter. Leider ist unsere Or- aanisation noch nicht in dem Maße ausgebaut, wie sie sein müßte; deshalb ist es je dos organisierten Kollegen Pflicht, seine Mitarbeiter, die der Organisatüoii noch fern stehen, aufzurütteln und dem Ver- bände zuzuführen. Die Diskussion bewegte sich im Sinne des Refe- renten. In Pankow tmirde am Sonnabend die am 23. Angnst poli- zeilich aufgelöste Parteiversammlung fortgesetzt. Vor Eintritt in die Tagcsordmmg ehrte man das Andenken des Genossen Jacobey durch Erheben von den Plätzen. Die Versammlnna beschäftigte sich zunächst mit Antrügen zur Kreiskonferenz und Wahl von Delegierten zu derselben. Es wurde der Antrag zur Verbilliguna des„Vorwärts" cinge- bracht, über welchen, nachdem Freilva'ld bemerkte, daß dies gegemvärtig unmöglich sei, da der„Vorwärts" das beste politische Blatt ist und wegen der Preisherabsetzung nicht gleich an Aboimentei, zunimmt, nicht abgestimmt wurde. Betreffs der Agitation wurde bemerkt, daß in nächster Zeit ein neues Organ,„Die Fackel", erscheint, und daff dieses Blatt als Agitationsschrift sehr zu empfehlen sei. Es wurde sodann die Dis- kussion vom 28. August fortgesetzt, welche nur kurz gehalten wurde, da der Gegner Mangelsdorf diesmal nicht erschienen war. Als Delegierte zur Kreiskonferenz wurden gewählt Wilhelm Schocke!, Ernst Krause und Albert Sonntag. Nummelsburrg. Eine leider nur schwach besuchte öffentliche Parteivcrsammlung fand am Sonnabend im Wcigelschen Lokale hier- selbst statt. Vor Eintritt in die Tagesordnung wird der verstorbene Genosse Jacobey in der üblichen Weise durch Erheben von den Plätzen geehrt. Gebauer referierte alsdann über„Die bevor- stehende Probinzialkonfcrenz für Brandenburg und den Parteitag in Hannover". Die Dislussion drehte sich in der Hauptsache um die K'ompromiffpolitrk der Bayern und die Bernstemschen Vorschläge. Als Delegierte zur Kreistonferenz werden gewählt: Oe Iking, Pramschiefer mid A l s ch n e r, als Ersatzmann Jäkel. Es wird dann zum Schluß mit geringer Majorität eine Resolution angenommen, welche sich gegen die Bernsteinschen Vorschläge wendet. Die Parteiversammlmig, welche am Freitag in Spandau im Wehckschen Lokale tagte, beschäftigte sich mit den bevorstehenden Stadtvcrordnetai- Wahlen. Stadtverordneter Ducksch berichtete über die Ergebnisse der ftatttgefundenen Konferenz focialdemokratischer Gcmeindeverttctter und das von derselben aufgestellte Kommunal- Programm. Der Stadtverordnete Pieper erstattete über die Thätigkeit unserer Vertreter'im Rathause Bericht. In der Diskussion geißelte R i e g e r die von den Spandauer Gememdebehörden seit Jahren geübte Finanzpolitik«nd da« bisher gebräuchlich ge- ivesene Wahlsystem, wonach die Stadtverordneten- Wahlen nach Alphabet(je nach dem Anfangsbuchstaben der Namen der einzelnen Wähüer) vorgenommen wurden. Auf seinen Antrag fand eine Resolution einstimmige Annahme, worin ausgedrückt wird, daß dieses Wahlsystem es einein großen Teil der Arbeiter un- möglich macht, an den Stadtverordneten- Wahlen überhaupt teil- zunehmen und deshalb von den städtischen Behörden die Einrichtung von Wahlbezirken dringend verlangt wird. Einen breiten Raum nahm die sich hieran anschließende Besprechung deS Bier« boykottS gegen die Pichelsdorfer Brauerei ein. S ch r o e r schildert den Verlauf und das Resultat des Boykotts, welches kürzlich bereits im„Vorwärts" bekannt gegeben wurde. Rieger und Ducksch beachten über die von ihnen„amenS der Boykott« leitung mit dam Aufsichtsrat der Pichelsdorfer Brauerei gepflogenen Unterhandlungen. Die von den leitenden Berliner Genoffen dem Boykott gegenüber eingenommene Haltung habe dem letzteren ein vorzeitige? Ende bereitet und ihn nicht zur vollen Wirkung gelangen lasisn. Hierauf wurde der am 16. Juli er. von der Spandauer Arbeiterschaft gefaßte Boykottbeschluff gegen fünf Stimmen wieder aufgehoben. Zu der am 10. September er. in Potsdam stattfindenden Krciskonferenz wurden die Genossen Ducksch, Pieper und R i eZ e r delegiert. Die Versammlung ehrte schließlich das Andenken des verstorbenen Genossen Jacobey durch Erheben von den Plätzen. Lese- nn»«diskntierNnbs. Nttitivoch.„Alelchhett", abends R/, Uhr, Stramm. Rittersir 123.—„Heine", Mixdorf, abends 8»/, Uhr, Prinz Hand- jerystr. 60.— Eintgicit", abeuds«,/, Uhr, Zeige, Tristsir. 1.—„Morgen- rot", abends 9 Uhr, Diele, Lotbringerslr. 67.—„Socialdemokr. Agitation«- klub Cftcn", albendS 8V, Uhr, Inner, Frucht str 62.—„Freigeist Arkona", abends S Uhr, Wescner, Arlonapla» 3.—„Friedrich Engels Norden", v Uhr ahends, Aeiben, Voltaftr. 84. Arbeiter- Sängerbnud Berlins und der Umgegend. Vorsitzender Adols Neumarm, Brunnenstr. 160. Alle Acndenmgen im Bereinskalender sind zu rkhien an Fried r. iiortum, Lausiberstr. 83. Mittwoch. UebnnaS- stunde abeuds 9 Uhr, Aufnahme von Mitgliedern.—„Liedesfretheit I", Nedelln, Langrslr. 106.—„Norddeutsche Schleife«, Lübble, Melchiorstr. 16. kränze ..Spandan", tu Spandau, madtle, Sleumem««»...__________ Zinimermann, Äriiner Weg 2«.—„Allegro", Engelle, Wicnerstr. 64.— „Freier Mä, murchor„Ztord-Wcst", Lautsch. Slcphanstr. 31.—„Kupferschmiede", Feind, Wcinstr. 11.—„Bleich heil".Ewald. B criiauersir. 26.—„Schneeglöckchen I", Rirdorf, Kbple. Hermann- u. Karlsgartenstrahen-Ecke.—„Hoffnung I", Branden- bürg a. H., Warthenoio, Wredolvsrr. 17.— Arbeiter- Gcsangverem„Britz" M Britz, Dorn. Bürgersir. 4.—„Maiengrutz", Eharlottenburg, Bartsch, Seesm- heimerstr. II.—„Hcimatklange", Köpenick, Meyer. Nosenstr. 101.— ..Wacht ans" Dambetl, Daiizigerstr 71.—„Vorwärts X", Nauen. Hobnich. Vlarkststr 18.—„Treu und Fest I", Oirunow, Arüner Weg 110.— „Bruderbund". Fvkioger, Usedom str. 22.—„Ost- u. Weswreutzen", Zimmer- inann, Alexaiiderstr. 30.—„Keramik", Charlottenburg. Prestel, Osnabrücker- ftrasie 1.—„stzagel Nicht", Stcglttz, Kaiserhallen, Albrechtstr. 130.—„Liedes- iust II", Potewom, Voigt'« Blumengarten, Spandauerstr. 33.—„Weltcnrus", aschilier. Ro�emiialerstr. 57.—„Enterbten", Tollkühn, Pmbuser- striche 22.—„Frohe Stunde", Schulz, Manteuffetstr. 72.—„Treu mid Fest II", Schüneberg, Krahayn, Grunewaldstr. 116.— Zukunft IH", Nieder- �chiinAausen. Settckorn, Lwdenstr. 1.—„Vorwärts I", Roll, Adalbert- st raste 21.— ,.Smd«",Sebebera, Schönhaus. Allee 86.—„Eicheritranz II", Knoblich, «»Idineüsir. S6.—„Friedttchsimgener Sängerchor", Friedrichshage», Eourad, Friedrichstt. 138.—„Frisch aus II", Barnim b. Potsdam, Fähnrich, Mittet- strotze 12.-»„Trehen'cher Gcsangv", Schulz, Zorndorferstr. 6.— ,. Diana", Moabit, Kamfch, Rostorkerstr. 58.—„Freundschaft", Restaurant Ecke Jnster- buxgerstratze u. Weidenweg.—„Zwunerer", FnedrichSbexg, GorzaS, Warten- bergftr. 68.—„Melodia II" Hinze, Danzigerstr. 39,—„Freiheit-Nord", Frauke, SckMlftr. 21.—„Süd West", Ladewig(Klosterglocke), Komuiandante»- stratze 88.—„Fortschritt", Fürsten hak. Köpnickerstr. 187/133.—„Rixdorser Männerchor", Atrt>orf, Klemke. Beraftr. 136/137. Wesaiig-, T»r« und gesellige Bereine. Mittwoch t Skaiklub „Revolutiom", Golz, Grünaueistr. 3.— Gesell. Verein„Hoffnung", Dieseler, Lebuserstr. 14.— Artisteiw.„Vereinte Straft", Zepke, Plan-Ufer 92a, Mittwoch abends nnd Sonntag»ormiitags.— Athleten«.„Atlas" Das«, Brunnenstr. IIB.—«qell. Verein„Türkische Pfeife", Hausen, Danzigerstr. 93.— Tambour».„Froh-Frer", Bolz, Wleseustr. 27, Mittwochs u. Soimabeuds.— Mnsikv.„Kriaatsch", Mathe«, Hnssitenstr. 40,— Pfropfen».„Nord-Ost", Jonas, Elbrngerstr. 9.— Ranchll.„Schmäle's Werke". Hegcner, Krautsir. 39.— Illesangv.„ Saug«streue". Spreetcrraff« an der Jannowitzbrücke.— Aesangv. „Lerche", yv. Äerb«, Schönbauser-tzlllee.—„Vereinigung der Turnfreunde", Demmiuersir. 66/67. ist/.— 10V, Uhr abds.— Turnv. Josten", Männerabt., Blnmenstr. 63a,«Va— 10 ÜhrabdS.— Mufikv.„Vorwärts", Nebelin, Langestr. 108. — Zither» l.„Al peiiglSckcheu-Edelwetd", Gipsstr. 11.— Theaterv.„Proletariat", DreSdennr Garten, Dresdener str. 4b.- Slattl.„Pique Bube", Jost, Adalbert- praße 99.— Nrtistenkl.„Freiheit", Schulz, Dunckerstr. 90, Mittwochs und Sonnabends.— Skntkl.„Naturstock", Wittwer, Markusstr. ZI, Mittwochs und Sonn- abends.— Skatkl.„Nmuenlos", Emulich, Reichrnbergcrslr. 140.— Theaterv. „Freier Wille", Märkischer Hof, Admiralstr. lila.— Anglcrverein„Freundschaft", jeden Mittwoch nach dein 1. und 1». im Monat. Vereinslvtal Wilhelm- slraste 27.— SkatNub„Oller ehrlicher Seemann", Dielen Ackerst r. 123.— Theaterverein„Biolctta 1S86", Linder, Danzigerstr. 23.— Gefaugverem „Stern", Rnmlow, Schönhauser Alice 13ö.— BläferkorpS„Harinonie", Lokal„Zur Hütte", Skalttzerstr. 31.— Muiidharuionikaverein„Smuphonie", Ubl, Anton- und Prinz Eugenstratzen-Ecke.— Theaterverein„Felieuseft", Kühne, Breinerstr. 4S.— Verein„Moabiter Zitherfreunde", Nückert, Lübcaer- ftrahe 28.—„Xyrnplr-re-r alba", Verein für Aquarien- und Tcrrarienlunde zu Berlin. Jeden Mittwoch nach dem 1. und 19. des Monats, Tettenborn. Wallstr. 91. Slrbritcr.Turuerbnnd. Mitttvoch: Tuniv.„Fichte", Berlin, abds. von 8—10 Uhr: 1. Männer-Abt. Friedenstr. 37. 3. Männer-Abt. Böckh- ftrabe 17/20. 8. Männer-Abt. Höchstestr. 30/37. 2. Lehrlings-Abt. Skaliv-r- straste bb/ss. 4. Lehrlings- Abt. Stephnnstratze 3.—„Freie Turner- schast Rudorf- Britz", 2. Schüler-Abt. von OVe— SV,, 2. Männer- und Lehrlings- Abt. von s'/z— IOV2 Uhr abcuds, Bethge in Britz, Chausseestrahe 39. Schülerinnen- Abt. von 0�,— 8»/-, Frauen- Abt. von fN/z-IOV2 Uhr abds., Wierssng, Knescbeckstr. 113.—„Freie Turnerschaft Johannisthal",, abds. 8—10 Uhr, Senfrlebcn.—„Arbciter-Turnv. Adlershof", Uebungsstunde von 8l/z— l0>/2 Uhr abends, Sckmiauser, Bisniarckstr. 16.— „Turnerschast d. B. Nereus"(Gegründet 1882), Lchrlingö-Abtetluna von 8—10 Uhr Reichenbergerstr. 131/132. Zlrbciter Nancherbnnd Berlins und Umgegend. Aenderungcn im Verriuskalender sind zu richten an Eugen Raschle, Ripdorf, Mahlowerstr. 1, IV Mitttvoch:„Arkona", Armer Konrad, Retchenbcrgersir. 16.—„Sumatra Eüd-Ost", Manegold, Lirgnitzcrstr. 18.—„Waldcsgrün", Kunze, Forster- i' raste 30.—„Virginia", Schnieder, Admiralstr. 21.-„Frei Weg", Schöne- berg, Klein, Merseburgerstr. 7.—„Fidele Raucher", Rtrdors. Klinik«, Nanwnstr. 1.—„Intelligenz", Liebisch, Manteusselstr. 06.—„Granate", Engel, Forsterstr. 08.—„Fidele Brüder", Fricdrichsselde, Lohse, Luisen- straste 20.—„Frohsinns-Heimat", Schebora, Enrdenerstr. 12.—„Deutscher Michel", Pankow, Griffel, Kaiser Friedrichstr. 15.—.Ohlauer", Rixdorf, Elias, Berlinerslr. 14.-„Abguh 1", Äorn, Markussir. 23.-.Die Dampfenden". Jerat/ch, Rcicheubergersstr. 160.-„Meiste?!elke", FelSke, Lausitzerstr. 26.- „Zufriedenheit", Ripdorf, Karras, Kopf- und LesfuMr.-Ecke.—„Apsclblütc", Schmidt Pankstr. 3b.-„Fliederdust" Kutsch, Fruchtstr. 61.-„Weichsel- „F"..�iirlitz, Stargardcrftr. 17.—„Kein Ton", Necket, Nnle- straste 13.—„Note Fahne", Sievrrt, Görlitzerstr. 90.—„Korn- blume 1", Menzel, Gneisenaustr. 71.—„lAniglcit II", Peukert, Köpnicker- mähe 38.—„Guter Zug", Prell, Oderbergersiraste 34.—„Kräftiger Zug", Fürstenau, Reichenbergerstr. 39b.—„Alter-Stamm", Ruxpcl, Böckhslr. 4g. —„Volldampf", Werder a. H., Martin, Kngelweg 08.—„Lebensblüte", Cbenitg, Grüner Weg 120.—„Fidclibus", Zimmermann, Petersburger- ur 00.—„Rote Nelke", Neu-Weihensce, Motzewsfl, Sedanstr.I.—„Ohne Furcht", Sckimtdt, Wiencrstr. 44.-„Einfach", Kltemke, Cliorustr. 27.-„Frisch gewagt", Häusler, Memelerchr. 01.-„Flotte Raucher", Rirdorf, Engelhardt, Jagerstr. 04.—„Kolumbus S.-O." Löwert, Oppelucislr. 19.—„Veilchen- dnfl", Gaudt, Huisitenstr. 24.—„Verzaget nie", Schöneberg, Kreyer, Sedan- straste 43.—„Pseijendcckel", Sichlet, Fruchtstr. 09.—„Vorwärts", Görlitzer- mäste 05.—„Bulgarien", Weidenwcg 12.—„Eintracht", Kranke, Zorn- dorferstraste 9.—„Granium", Lenz, Frankfurter Allee 104. Arbettcr-Schivlinmerbund. Anfragen sind zu richten an E. Bratke, Schuistr. 24. Atittwoch: Schwimmverein„Nord". Uebungsstunde abends ' ,t Uhr im„Seebad- Reinickendorf „Seebao-Neinickendorf". Bolksversani-.ilnng. Donnerstagabend 8 Uhr bei Stechert, Andreas- straste 21. Tageso.diuuig: Die Berechtigung des Straste»? Kandels. Diskussion.— Zu dieser Bcrsammluiig sind die Gegner des Strastenhaudels, namentlich die Hausbesitzer sowie der Bund der Gewerbe- treibenden«wgeladen. So�'dsmannfchaft de Sleswig-Holsteenrr to Berlin. Hvt (Middlv: h denn 0. September 1899), abends Klock 1/i9 im Vcreenslo.'al, Ote Jatabstroot 75(G Füersteen? Festsaal): Tolamelikunft von de SIrSwtg-HolfteenerS lFroonslüd un MannSIÜd), de in Berlin fünd. Vottaz ober de Treptower Steernwart. Afreknung. Nee Mitglieder ward opnahm. Landslüd fünd iniaden. Vsvmifchkes- Eine schreckliche Braudkatastrophe, der fünf Menschen zum Opfer gefallen find, hat einen Vorort von Basel, Binningen, heimgesucht. Dort stand an der Bottminger Sirabo ein tleincs, dreistöckiges Wohnhaus, das von mehreren Familien, im ganzen von nicht Ivcmger als 25 Personen, bewohnt war. Nur eine einzige hölzerne Treppe führte austerhalb auf der Hintcrscite des Hauses in die oberen Stockwerke. Unter der Treppe waren Rcisigbündel und gespaltenes Holz aufgeschichtet. Gerade hier, am verhängnisvollsten Orte brach das Feuer aus, dos ver? nnitlich von Verbrecherhand gelegt worden ist. Zwei Kinder des Schneiders Ltudin, ein 16 jähriger und ein 4 jähriger Knabe, die im gleichen Bett schlicfen, sistd Seite au Seite erstickt, bevor sie erwachten; t>as gleiche Schicksal hatte ein auf Besuch weilendes 4 jähriges Mädchen. Ein Schneidergeselle kroch durch eine Lücke auf das Dach und lvurde durch die Feuerwehr heruntergeholt, starb aber bei der Spital; ein Arbeitsgenosse, der in der Todesangst die annnen um. Das Feuer hatte Feuerwehr trotz allen: Pflichteifer Damcn-Abt. abends 7 Uhr im Ankunft im Treppe suchte,', kam in den so rasch um sich gegriffen, daß d zu spät kam. Selbstmord eiucs Schriftstellers. Aus Hamburg wird berichtet: In den äffeiitlichcn Anlagen der Stadt wurde heute früh der Journalist B u ch m ü l l e r erschossen aufgefunden. Die„Hamb. Neuesten Nachrichten" empfingen einen Brief BuchmüllerS, daß der Abdruck der von ihm eingesandten Novelle umwtig wäre, da er sich das Leben nehmen würde. Blitzschlag. In Waldow(Pommern) erschlug gestern der Blitz die Arbeiterinnen Almine Schamuhn und Auguste Ueck; fünf Männer und drei Frauen wurden betäubt und leicht verletzt. Unschuldig verhaftet. Aus Lands berg a. W. berichtet man: Der Schneidergeselle Anton Heda, der, wie berichtet, den Bäckergesellen Mertke ermordet haben sollte, ist infolge eines richtigen Alibibeweiscs auS der Hast entlassen worden. Auch der Weber August Stenzel ist außer Verfolgung gesetzt worden. Die beiden Schiffbrüchigen. Dje norwegische Barke.Droit" ivurde, wie bereits kurz gemeldet, am 11. August auf der Fahrt nach Buenos Aires in der Straße von Florida ein Wrack. Neun Mitglieder der Maimschast wurden über Bord gewaschen und die Boote gingen bald verloren. Acht der übrigen Seeleute machten ein Floß, das sich aber bald in zwei Teile teilte, so daß zwei Personen auf dem einen Teile blieben und sechs auf dem audercu. Einer dieser Leute fing, wie die>,Frkf. Ztg." schreibt, Fische mit einer Angel and hielt dadurch seine Kameraden am Leben. Dann wurde er wahnsuwig und sprang über Bord. Zivci andere starben vor Hunger und Durst, und ihre drei über- lebenden Kameraden äßen von ihre» Leichen und trauten ihr Blut, Da sich iunucr noch kein Segel zeigte und die Leichen übelriechend wurden, zogen die drei Ncbcrlcbenden das Los, imi denjenigen, den das Los traf, zu töten. Das Los fiel auf einen Deutschen. Dieser nahm sein Schicksal ohne Murren hin und riß sogar seine Klelvkmg auf, um de» TodcSstrcich zu empfangen. Al« der Dampfer„Woodruff" das Floß mit den beiden Norwegern entdeckte, aß einer derselben noch Fleisch von seinem todtcn Kameraden und das Floß war nmfchwännt von Haifischen. Beide hatten das Blut des Deutschen getrunken und Teile seines Körpers verzehrt, Von den beiden Neberlcbcuden ist Anderson irrsinnig und Thomassen furchtbar verstümmelt, da Anderson ihn angriff und Teile von seinem Gesicht und seiner Brust abbiß. Fortbilduugöschulwescn. Am 30. September und 1. Oktober wird zu Frankfurt a. M. der vierte deutsche Fortbildungsschultag slattfludc», mit welchem die diesjährige Generalversammlung des Deutschen Vereins für das Fortbildungsschulwesen verbunden sein wird. Anmeldungen find bis spätestens zum 27. September bei Direktor Back. Junghofstr. 18. Frankfurt a, M., zu bewirken. Briefkasten der Redaktion. Die inristische Sprechstunde wird Dienstags. Donnerstags und Freitags abends von 6 bis 8 tthr abgehalten. Pankow 8g. ES flieht eine Anzahl jüdischer Offiziere in der französischen Armee. (£. B. 1899. Das betreffende Gesetz ist am 12. März 1893 vervffent- licht, und die mitteleuropäische Zeit ist darauf im Eisenbahndielist ain 1. Avril 1893 eingeführt worden. F.®., Bochum. Dle Erledigung Ihrer Angelegenheit verzögert sich leider dadurch, dass unser Mitarbeiter sich auf Urlaub befindet. G. L. 1. Melden Sie sich bei einer der Eisenbahn- Werkstätten- Inspektionen Ostbalmbos. Markgrnsendamm, Grunewald, Tempelhos. 2. Deutsch-Ostafrikamsche Gesellschast, Behrenstr. 10. K. L. Der„Lokal-Anzejger" nennt sich unparteiisch, thatsächlich ver- tritt er die große Partei der Charakterlosen. Die„Vossifche Zeitung" Ist liberal und vertritt im allgemeinen die Richtung der freisinnigen Ver- einignng. Marktpreise von Berlin am 4. September 1899 nach Ermittelungen des kgl. Polizeipräsidiums. D.-Ttr. ZTelzen Moggen Sutter-Gerye„ aser gut „ mittel „ gering Rlchtstroh He», «Erbsen söSpeisebohueu„ stfLinlett Kartoffel», neue Rüidsseisch, Keule IVg do. Bauch, ) Ermittelt pro 10.40 14,70 13,20 15,20 14,00 13,80 4,32 6,80 40,- 60,- 70,- 7,- 1,60 1,20 Tonne I Schweinefleisch Kalbfleisch Hammelfleisch Butter Eier Karpfen Aal- Zander Hechte Barsch« Schleie Bleie Kreise iig «0 Stück 1kg per Schock 1,60 1,60 1,60 2,60 4, 2,20 2,80 2,60 2,40 1,80 2,00 1,40 12,- 1,10 1,- 2'.- 2,40 1,20 1,20 1,20 1,20 0,80 1,20 0,80 2,— 14,60 13,90 12,00 14,60 13,90 13,30 4,18 i- 26,- 25,- 30,- 5,— 1,20 st- ______..... von der Eentralstelle der PmiB. Laudwirl- schastekammern— Noticrnugsstelle— und umgerechnet vom Pollzeipräsidium für den Doppel-Eentner. st) Lletuhandelsprcise. Produkte»markt vom 5. September, Der Verkehr war beS iüdischen Feiertags wegen sehr flau. Weizen stellte sich um 00 Pf,, Roggen um 20 Pf. niedriger als gestern. Haser, Mais, Mehl und Rübäl halten nominell gestrige Kurse. Spiritus stellte sich bei einiger Frage für loco und Lieferung 10 Pf. besser als gestern. Spiritus loco ohne Faß mit 70 M. Abgabe Ist heute von den Kursmailem mit 43,0 M. gehandelt worden. Kartoffel st ärke und-Mehl Septemberlieferung 19,50 M., Oktober- Dezember 19,75 M, E i« r b e r i ch t vom 0. September. Normale Eier je nach Qualität von 3,00—3,30 M. per Schock. Aussortierte kleine Ware je»ach Qualität 2,70- 2,70 M. per Schock. Kalkeier je nach Qualität von— M. bis — ,— M. per Schock. Tendenz: ruhig. Bsit t-lungviiberftcht vom 8. September 1899. morgen» 8 Uhr. Stationen Swinemde. iirllii Wiesbaden München Wien 765 Ii if SW 764 SO 700 SSO 765 NO 708 SO 708�Still Wette e 2 wölken! 1 wolkenl 3 wolkenl 0 2 wolkenl Owollenl *3; c"? Stationen Haparanda Petersburg Cork Aberdeen PartS « B !* 2® a 3 5 3 ss I llvetier it »» ßlö 762 709 706 NW 703SO NO SSO 0 wolkig 2- 2 wolkig 1 bedeckt ihlb.bed 00 18 13 18 Wetter-Prognose für Mittwoch den 9. September 1899. Zunächst ziemlich heiter, etwas wänner bei mähigen südlichen Winden; nachher zunehmend« Bewölkung und etwas Neigung zu Gewittern. B e r t i n e r W»t t« r b u r e a n. Soeben erschien im Verlag der„Sächsischen Arbeiter-Zeitung": Stenogramm der verdandlmgen im ProK& Drcyfus vor dem Kriegsgericht iv Reimes. Lieferung 1 und 2. Lieferung 3 erscheint Ende dieser Woche. 64 Seiten 8«. Preis: 2« Pfg. 233/12 Zu beziehen durch alle Kolporteure und die VttdjszanMtmg VovtvÄvts. Deutscher Holzarbeiter-Verband. (Zahlstelle Berlin.) Heute�, Mittwoch, abends 8 Uhr: VeltraukilMömler-Versllmillliiligk«. �ii!i?ii» bei l4i?lex«r>, Wafferthorstraße K8. Friedrichsberg bei»elnloll«. Friedrich-Karlstr. II. Tages-Ordnung: 1. Bericht des Obmanns. 2. Werkstattangelegenhelten. 109/19 Jede Werksiatt muh vertreten sein. Die Korbmacher und Stellmacher sind hierzu besonders eingeladen. .WE6j_ Holzarbeiter Mliyal R 1 x d o r f s. Donnerstag, den 7. September 1899. abeudS 8 tlhr. CefKlemke(Dentaiclies WlrtHhaus), Bergstraße 130/137: OeffentlicheHolzarbeiter-Versammluttg. TageS-Orduung: 1.„Der Vergleich der Bautischler-Lohnbeweguna". Referent: Kollege Stosvkv. 2. Bericht des Vertrauensmannes und Neuwahl desselben. Der Bertrancnsman». Zahlreichen Besuch erwartet 109/20 XN. Montag, den 11. September 1899, abends 8 Uhr, bei Witten- berg, Prinz Handjerp- und Lessingstrahen- Ecke: Vei'Maiiuuliing der Einsetzer Rixdorfa. Es ist Pflicht eines jeden Einsetzers, gleichviel ob derselbe in Ripdorf wohnt oder arbeitet, in di-ser Versammlung zu erscheine».__ D. O. Mtillg! Rabitzpntzer u. Platteilanfsteller. Donnerstag, den 7. September, abends 8 Uhr. im Lokal des Herrn Z n b e 1 1, Ltndeuftrake 106: Außerordentliche NM' Mitgliedor-NcrsnHNmluttg der Zahlstelle Berliu III deS Central-Berbandes der D> Maurer und verwandte» Berufsgenossen. TageS-Orduung: Bericht über die Etnigmigsverhandlungen und weitere Stellungnahme zu denselben.' 202/9 Der Vorstand. F. v.:«»vi Kieke. veutscheu ! NSaurer. AAllllg! Donnerstag, den 7. Sept., abends 8'/» Uhr, in Cohns �estsäleu, Beuthstr. 20—21: Gramme Versammlung� her Mitglieher her Zahlstelle Berlill II Heß Central-VerbaM deatslher Maiim. Tages-Ordnung: l. Ziel« und Praktiken der Unternehiner-Organisattonen. Referent Kollege»'Z?lt-«vl,. 2. Verschiedene Anträge und Gewerkschaftliches. 137/8 Auien Besuch erwartet Der Borstand. I. A.: Karl Panaar. AAnng! Bildhauer! AAung! Donnerstag, den 7. September. abcndS 8 Uhr. im Lokale„Rcrlliicr It«>Ma«iii>ce", Äommandantenstrasie 57: Oeffenftl. Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Kassenbericht des Vertrauensmannes. 2. Ersatzwahl zum inter- nationalen Nomttee. 3. Wie stellen sich die ttollcgen zu einer Lohn- beweguug in der Hotzdrauche 7 4. Bericht de» Delegierten zur Ae- Werkschaftskommission. 20/20 Zahlreiches Erscheinen unbedingt nötig. Der vertraneillniann. ______ Otto«rippalilc, Wraugelstrabe 10. ! TertilarKeiter. Dounerötag, de» 7. September, abends Uhr, im Saale drö Herr» Stechert(fr. Joel), AudreaSstr. S1: Leffeutliche Versammlung aller i» der Textilinhustrie beslhaft. Ärhtittr u.ArbtitttiilnellBtrlills. Tages-Ordnung: 1. Bericht über die gegenwärtige Lohnbewegung der Berliner Teppich- weber. Referent 5. KotrKe-Bcrlin. 2. Verschiedenes. 272/7 Jjß&~ Zu obiger Versammlung sind besonders eingeladen, die Arbeiter der Armen: Becker u. Hofbauer, Paatz, Baader, Benjamin und Feibisch, auherdem die bei obigen Firmem in der Hausindustrie deschäsligte» Portieren- und Teckenweber. Wir ersuchen die Fabrik-Vertrauenslente, für zahlreichen Besuch zu dieser Versammlung, Propaganda zu machen. va«»gltatlonatromlta» dar Textilarbeiter und Arbeiterinnen der Provlnt Brandenburg. Mtniig! Former. MIuiki! Donnerstag. 7. September, abends 8� Uhr, im kolberger Salon, Kolbergerftr. 29: Große öffentliche Verfammlung der Former und Beeufsgvnoffen. Tages-Orduuug: I. Bericht der Gewerkschaftskommission Delegierten. 4. Der Leipz' Kollege Grenz aus Leipzig Pflicht eines jeden Formers und Berufsgenoffen ist es, der wichtigen Sache halber in der Versammlung zu erscheinen. vor LlaI»ov»K«r. >erkschaftskonmrission. 2, Diskussion. 3, Neuwahl der Leipziger Foriiierstrelk und ferne Folgen. Referent ipzig. 0. Diskussion. 61/14 Möbel und Polfterwaren. Reelle Arbeit Ganze Einrichtungen zu billigen Preisen. l2437L» Franz Tutzaner, Brunnenstraste 152. Möbel auf Teilzahl. OraoieDsir. 181. Co» laute U l II I Btuont Beamten Zahl.ved.".Ol«. L6 Weilt. pH«, Anzahl. Achtung! Vereine! Liigllseher varteu �l.l«»and«r»tr. 97 a. Neu renoviert! 2 grotae Parkettsäle sind noch einige Sonnabende und Sonntage im Sep- temder und Ottober zu vergeben. .'23601!* C. Holfraann. Ick suche auf sofort Mtödel-Ber- treiungen für ganz Deutfdlland von letsninge-fähigen Tleoblermeletern und erbitte mir Offerten snd F. C. 4280 an Rudolf Messe, Caeeel.[110/16 Allen Freunden und Bekannten di� tranttge Nachricht, dah am Sonnt ag den 3. d. M., nachm. 3 Uhr, unser guter Bruder und Schwager, der Bnchbmder Anglist Hedt im Alter von 42 Jahren sanft ein- schlafen ist Die trauernden Hinterbliebenen, Ferdinand Hedt u. Frau. Die Beerdigung findet Donnerstag, nachmittags 6 Ubr, van der Leichen- halle des Städtischen Ccnlral- Fried- hoss in Friedrichsselde aus statt! Dodes-Anzeig«. Allen Freunden n. Bekannt«« zur Mitteilung, daß meine liebe Frau, unsere herzensgute Mutter Fra» Antouie MTaack geb. Heinrich am Montag, den 4. September, früh t/.l Uhr nach langem schweren Leiden verschieden ist.- Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 7. d lv� nachm. 3Vj Uhr, von der Lelchenhafle des Heiligen Kreuz« Kirchhose» in Mariendors aus statt. Dies zeigen statt besonderer Meldung an- 2392b Die trauernden Hinterbliebenen 7b. Nauck u. Kinder. Allitmig! Maler. Mnng! Donnerstag, den 7. September, abend? 8V, tlhr, in den ,.Ari»l»kalI«»", Iss.»iiKaia»daato»ntrai>izv«9: Kombinierte Versammlung. TageS-vrdnung: 1. Vortrag:„Wie gelangen wir zu einer einheitliche« Verwaltung in Berlin." 2. Bericht der Fachschul-Kommlssion. Wahl der Mitglieder der- selben. 3. Bericht des Arbeitsnachweises.— Mitgliedsbuch legitimiert. 124/0 W. Bemdt, Obmann. Charlottenburger Arbeiterinnen u. Arbeiter! Donnerstag, den 7. d. M.. abends 8'/« Uhr: Oeffeutliche Versammlung sämtlicher Gewerkschaften w der„sSaiukHiniM-IJrauvirel", Wallstraße 94. Tages- Ordnung: 204/1 Welche Stellung nehmen die Gewerkschaften zum pädttschen Arbeits- nachwets.— Wetterführung der DtSkufsion und Beschlußfassung.— Ber- schieden es. Zahlreiches Erscheinen wünscht. Der Bertrauensmann hiestger Gewerkschaften. »Trinkt vom Faß!k ö Goldklares Weissbier» aus der Weihbier Brauerei„Friedrichstadt" Jalliis Horsdorf, Neue Königstr. 31!32. Es ist das btftt Meißbier und wird stets j ohne Wasserzusatz verkauft! 2480C* Nur beu Inhalt der Inserate itberniiumt die Rebattio« bei» Pnblirnin gegenüber keinerlei Uerantivortung. Mittwoch, S,September. Opernhaus. 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Jnbalibeustr.«?/«» Tiigllch abends von b-10 Uhr: Sternivarte. Tanbenstr. 48/4S. Im Theater DaS Land der Fjorde. Anfang 8 Uhr. SchiilerThttter tWaIliier> Theater). Mittwoch, abends«Uhr: Iphigenie aal Taarlu Schauspiel in 6 Aufz. von W. Goethe. Donnerstag, abends LUHr: Zwei glückliche Tage. Freitag, abends 8 Uhriphigenie anf Tan et». Sonnabend, abends8UHr: Zum erstenmale I vte ühee. Schauspiel in 4 Akten von Hermann _ Sudermann. EvnkVÄl Thvkltvv Direktion: lo»s p«roncr>. — Qa»t»piel-I!n»eiahle.— Wegen Beginn der Operetten-Saison letzte Woche! Der Heiratsmarkt. Schwank in 8 Akten v. G. Okonkowski. Anfang 8 Uhr. Morgen bis inkl. Sonnabend: Die- selbe Vorstellung. Sonntag: Eröffnung der Winter- Saison. IMe tieluha, oder: Eine japanische Theehausgeschichte. Anfang 7V2 Uhr. Krieiirich-Mhelmsl. Theater cb»u,»so»tr. 25/26. Abends 8 Uhr: Zum 82. Male: Germinal oder: Der Streik der Bergarbeiter. Sensationsstück in v Aufzügen nach dem gleichnamigen Roman v. Emile Zola. In Vorbereitung: Die Reise nach der Teufelsinsel. LstM-Carl Weiii- Theater. Gr. Franksiirterstraste 13«. Zum erstenmale: Novität! Novität! Um tausend Mark. Volksstück mit Gesang in S Bildern v. H. Buchholz u. E. Felsch Mustk von Fr. Reinhardt. In Scene gesetzt von Jos. Dill. Orchester-Dirig. Kapellmeister Corn. Schüler. ilnfang 3 Uhr. Vorzugsbillets haben Gültigkeit. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Sonntaanachmittag 3 Uhr: Die Kubanerin. 'nulia-TdöÄvr. Dresdenerstr. 7L-73. Telephon; Amt IVa No. 6440. EröfflniUS-Vorstklllliit n 9. Äitmbtt. Novität! Der Novität! Platzmajor. GesangSposse in 3 Akten von Jean Kren und Alfred Schönseld. Musik von Gustav Wanda. Hauptrollen: llmll Thoma», vuliio Thiel, eher, prltr«elmercklng, «an» lunhermann, Oerita Walde, Margarete Aratep, Nelly Roland, Johanna Junker-Schatz. 15� Neue Ausstattung.� Bor der Borstelluug: Konzert der Theater-KMlle im Tnuuel. RIIlet-Zeatellungen im Theaterbureau. 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