MnttthalilMgsUM des vorwärts Nr. 87. Donnerstag, den 4. Mai. 1899 (Nachdruck verboten.) 22] Der Schuldige? Nomon von Hector Malot. In Wirklichkeit sah der Notar so furchtbar schlecht aus, daß jemand, der ihn nicht kannte, ihn für einen Greis gehalten hätte, so mager und eingefallen tvar seine Gestalt, so gehöhlt waren seine Wangen, so verzerrt seine Züge. „Daun täuscht mein Gesicht." sagte der Notar,„denn ich kann es nicht aushalten vor Schnierz in den Gelenken, in den Hüften und namentlich im Kopfe. Und dabei ein Schwindel!" Turlure wandte sich gegen Frau Courtehense: „Diese Kephalalgie ist eines der sichersten Kennzeichen der von Dr. Hanyvel konstatierten Grippe; wir brauchen uns also nicht darüber zu beunruhigen." „Ach was. Hanyvel," unterbrach ihn Conrteheuse,„das ist der Doktor„Um so besser", der findet alles ausgezeichnet und naturgemäß: eS scheint, wenn man ihm zuhört, als dürfe mirs gar nicht anders fein, als mirs ist, nur damit er Recht behält. Doch reden wir nicht mehr davon. Mit was kann ich Ihnen dienen, mein lieber Herr Turlure?" Courtehense blickte seine Frau an, aber diese hatte sich dicht vorS Fenster gesetzt, um ihren Mann und den Apotheker im vollen Lichte zu beobachten, und schien nicht zu begreifen, daß man ihr zumuten könne, das Feld zu räumen. Das Geschäft, wegen dessen Turlure gekommen, war so wichtig, daß er sich seinetwegen für ermächtigt erachten konnte, sogar einen Kranken zu belästigen. Es handelte sich nämlich um nichts Geringeres, als um die Versorgung von Paris mit neuen, ergiebigen Wasscrquellen. Diese Quellen, bei Moulincaux entspringend, speisen ein Bächlein, daß sich nach kurzem Lauf über die Wiesen der Vacherie in die Seine ergießt. Man konnte die Quellen an ihrem Ursprungsorte auffangen und durch ein Pumpwerk auf die Seine- Hügel heben und von dort den Strom entlang nach der Haupt- stadt leiten. Das Unternehmen erheischte Wehl beträchtliche Bauten, aber dafür war keine Mühle, keine Wasserkraft ab- zulösen. Wer dieses Geschäft mache, der müsse viel Geld daran verdienen.* „Und womit kann ich Ihnen bei der Sache behilflich sein?" friig der Notar, der wiederholt während der weit- schweifigen Auseinandersetzungen Turlurcs Zeichen der Ungeduld und des Schmerzes gegeben hatte. „Zunächst damit, daß Sie den Gcsellschaftsvertrag für uns entwerfen nnd dann, indem Sie, unter Vorbehalt der zu vereinbarenden Bedingungen, den Ankauf der Quellen und einiger anstoßenden Grnndstücke vermitteln." „Sie bilden also eine Aktien-Gesellschaft für den Zweck?" „Ja, die Sache ist ganz reell, sorgfältig studiert, und wenn Sic sich beteiligen wollen, so können Sie eines bedeutenden Gewinnes sicher sein." „Bei meinem Zustande soll ich an dergleichen denken I" „Aber Ihr Zustand wird sich rasch bessern." „Wie können wir das wissen?" antwortete Courteheuse mit trostlosem Lächeln. „Bei Ihren Jahren und als Sohn gesunder Eltern— wenigstens nehme ich das an..." „Beide sind in der That nie krank gelvesen..." „Sowie bei der trefflichen Pflege, die Ihnen zu theil wird"(hier verbeugte sich Turlure achtungsvoll vor Madame Courtehense)„müssen Sie unbedingt bald wieder genesen." „Ich habe es auch geglaubt, aber jetzt kann ich es nicht mehr glauben." „Nach den Rezepten des Doktor Hanyvel zu urteilen, die durch nieine Hände gehen, behandelt er Sie aber doch nur gegen Grippe!" „Habe ich aber auch wirklich nur Grippe?" „Wie können Sie zweifeln? Bei einer so klassischen Krank- hcit ist ein Irrtum Hanyvels in der Diagnose völlig aus- geschlossen." Bei diesen Worten bemerkte Frau Courteheuse, die bis dahin geschwiegen hatte: „Ich wollte noch einen Arzt nifcn lassen M.• ..Ah!" „Allein der Widerstand meines Mannes war nicht zu überwinden." „Ich will keinen haben!" rief der Notar,„einer ist gerade genug im Hause, nnd wenn Sie etlva dazu gekommen sind, mir einen vorzuschlagen, so geben Sie sich keine weitere Mühe, Herr Turlure." „Aber ich versichere Sic, daß ich gar nicht daran denke; Doktor Hanyvel ist dem Falle vollkommen gewachsen, davon bin ich fest überzeugt." „Haben Sie mit ihm über meine Krankheit gesprochen?" „Stein, ich habe ihn in letzter Zeit gar nicht gesehen; zudem bleibe ich stets in der Zurückhaltung, die meiner Stellung zukonnnt. Der Apotheker ist nicht der Kollege des Arztes, und Hanyvel zumal läßt sich nichts dreinreden. Nein, ich weiß von Ihrer Krankheit nur, was mir Ihr kleiner Schreiber und Ihr Dienstmädchen erzählen, wenn sie nach der Apotheke kommen nnd ich mich nach Ihrem Befinden erkundige, wie es sich gehört.- Auf diese Weise erfuhr ich auch, daß Sie in den letzten Tagen häufig Nasenbluten hatten. Haben Sie in ein Taschentuch oder in eine Waschschüffel geblutet?" „In beides." „Könnte ich wohl eines der Taschentücher sehen?" fragte Turlure, indem er sich höflich an Frau Courteheuse wandte. „Ich werde Ihnen sogleich eins davon holen." „Besten Dank." Sie kam schon nach einem Augenblick mit den Worten zurück: „Soeben hat das Dienstmädchen die Tücher zum Waschen eingelveicht, und da ist natürlich das Blut schon abgegangen; wenn Sic aber ein solches Tuch untersuchen wollen, so kann ich Ihnen ja eines schicken, sobald mein Mann wieder frisches Nasenbluten hat." „In der That möchte ich es gern unkcrsiichett. denn wir Chemiker beurteilen die Dinge anders als die Aerzte. Haben Sie denn Appetit?" „Gar keinen." „Und wie ist Ihre Verdauung?" „Aeußcrst schmerzhaft." „Sie sollten etwas Baumesche Tropfen nehmen; die wirken sehr wohlthötig aus den Magen und die Verdauung." „Meinen Sie?" „Ich werde Ihnen ein Fläschchen schicken; fangen Sie mit zehn Tropfen an und nehmen Sie täglich einen mehr. Das wird Jhiten sicher gut thun. Aberbitte, sagen Sie Herrn Doktor Hanyvel nichts davon; er nähme mir sicher übel, daß ich als bloßer Apotheker mich erdreiste, über seinen Kopf hin- weg zu medizüneren." Turlure erhob sich und sagte mit einer Verbeugung zu Frau Courtehense: „Ich darf also ans das Taschentuch rechnen, nicht wahr. gnädige Frau?" „Sobald ich eins habe, schicke ich es Ihnen." Dann reichte er Conrteheuse die Hand mit den Worten: „Werden Sie mir recht bald wieder gesund, mein lieber Notar, damit Sie sich unserer geschäftlichen Angelegenheit von Moulineaux widmen können; inzwischen bitte ich Sie um berufsmäßige Verschwiegenheit." „Selbstverständlich." Am anderen Morgen brachte Löon ein in Papier ge- wickcltes, mit Blut beflecktes Taschentuch, aber Herr Turlure nahm es nicht an. ohne den kleinen Schreiber ein Verhör b& stehen zu lassen: „Wer hat Dir dieses Taschentuch übergeben?" „Madame Courteheuse." „Bist Du im Zimmer des Herrn gewesen?" „Nein, heute Morgen nicht; die gnädige Frau hat mich gerufen und mir gesagt, ich soll Ihnen dieses Packet sofort bringen." „Weißt Du, ob der Herr mehrere Male Nasenbluten gehabt hat?" „Das weiß ich nicht." „Hat Dir das Dienstmädchen nichts gesagt?� „Stein; aber es kann doch sein.", „Woraus schließest Du das?" „Weil ich noch zwei andere befleckte Taschentücher t» einevl Zuber Wasser gesehen habe." „Hat man sie gestern oder trst heute Morgen hinein- gethan?" „Das kann ich Ihnen nickt sagen." „Du wirst das DiensNnädchen fragen und es mir sagen, Wenn Du wieder Medizin holst, nicht wahr?" „Ja, mein Herr." Trotz dieses Ja's nahm fch Leon vor, kein Wort von alledem zu sagen: diese Fragereien ärgerten ihn und er fand den Apotheker mit diesen Berhörer, die niemals ein Ende nehmen wollten, langweilig; als er in das Bureau zurückkam, teilte er seinen Entschlus; Fanchon mit, der ihn billigte, ja sogar vorschlug, einen Jux ans der Sache zu machen; aber La Vanpaliöre widersetzte sich: „Mischen wir uns nicht in diese Geschichten ein; der Herr ist so krank, daß»vir mit seiner Krankheit nicht noch Spaß treiben dürfen." „Nicht über den Herrn, sondern über Herrn Turlure wollten wir uns lustig machen." „Nun, Sie können machen, was Sie wollen; Sie sind groß genug, um sich selbst zu leiten; aber Leon verbiete ich, sich nm Ihre Spaße zu bekümmern." Fauchon, der weder eigensinnig noch empfindlich war, sagte: „Gut, lassen wir allo den Herrn Bürgermeister; aber er hätte wohl verdient, daß man sich über ihn ein wenig lustig macht." „Vielleicht nicht so sehr, versetzte Boulnois." „Was soll das heißen?" „Was Sie wollen." „Sie wissen, Herr Boulnois. Sie sind zu tief denkend für mich; das geht über mein Alter hinaus," sagte Fauchon� mit spöttisckier Demut. Zwei Tage darauf benachrichtigte Celanie am Morgen ihre Herrin, daß der Barbier gekommen sei, Herrn Courteheuse das Haar zu schneiden. „Du hast ihn holen lassen?" fmg sie ihren Mann. „Ganz und gar nicht." „Ich»verde sehen,»vas das bedeutet." Seit Herr Courteheuse das Zimmer hütete. hatte er sich weder rasieren noch das Haar schneiden lassen; diesen Besuch des Friseurs konnten sie sich nicht erklären. „Wer hat Sie heute morgen kommen heißen?" frug sie. „Mein Gott, gnädige Frau, ich habe gedacht..." stammelte der Barbier bestürzt über die barsch hervorgebrachte Frage. „Sie haben ganz und gar nichts gedacht;.man hat Sic aufgefordert, zu sehen,»vie eL Courteheuse gehe, und da sind Sie gekoininen." „Aber gnädige Frau, ich versichere Sie.. Sie zögerte zwei bis drei Sekunden: „Nun, Sie können ihn sehen:»venu er sich das Haar schneiden lassen will, so»Verden Sie es schneiden; das einzige, was ich verlange, ist, sich nicht merken zu lassei», daß Sie ihn verändert finden." „Keine Gefahr, Madame!" „Da ist Herr Isidor." sagte sie eintretend,„der die Idee hatte, Dir das Haar zu schireideu." „Und Sie zu rasieren," setzte Isidor, sich verbeugend fort, »das ist für Kranke gut." „Wenn Du nicht zu niüde bist, könntest Du es" versuchen." „Im Grunde, warum auch nicht?" sagte Courteheuse, mit Mühe sein Sopha verlassend und sich gegenüber dein Fenster zu setzen;„sangen Sie beim Haar an, wenn es»»»ich nicht zu sehr ermüdet, fahren Sie beim Bart fort; schneiden Sie es kurz." Sobald der Barbier angefangen hatte, verließ sie das Zimnier, nm sich in das ihrige zu begebe»», dessen Thür offen stand und von den» aus sie alles beobachten und hören konnte. lFortsetzung folgt.) (Nachdruck verSolen.) Neimfhhvk. Gii»e Schaiispielcr-Geschichtc von Karl v. Heugel. �.„Na, seid Ihr alle da?" rief Direktor Schenk, und überflog mit prüfenden Blicken den Leitcrlvagen, der sein Schanspiel-Ensemble noch Dorum zurückbringen sollte. Auf und zivischen den Brettern des Wagens ruckte, stieß und drängte sich das Künstlervölkchen. Jeder suchte einen möglichst bc- quenien Sitz zu erhaschen. „Ob Ihr alle da seid, frag ich, in des Teufels Namen?" schrie der Direktor zum ziveitcnmal mit den» Ton eines Karl Moor. Nun antlvortcte ein buntes Stinnnengetvirr:„Ja wohl I Getviß l Losfahren I"» „Rein, Herr Robert ist noch nicht da I" „Unsinn, ich sitze schon seit einer Mertelstnnde in dieser miserablen Ecke, Ivo ich die Beine nicht ausstrecken kann", opponierte der fälsch- lich Lermiizte ans der Tiefe des Wagens. „Komm' man rnss, Direktor,'s fehlt keiner", sagte HerrZiegler, der Charaktcrspicler und Zcttelträger, inden» er eine einladende Handbcivcgung gegen den Bühnenvorstand machte, der sich noch unten bei dem Pferde befand. Nun stieg der Direktor mif ein Wagenrad und schlvang sich eben- falls auf eines der übergelegten Bretter, dicht hinter dem Kutscher, Ivo er an der Seite einer Dame Platz nahm, die er an ihrem starken Lcibcsmnfang als feine Gattin rckognoscierte. Es»vor nämlich ziemlich dunkel, da der Mond sich trotz der vor- gerückten Nachtstunde noch innncr konsequent hinter einer schlvarzen Wolkenschicht verbarg. „Haste die Kasse, Mutter?" flüsterte der Direktor und tastete nach den» Schof; seiner Ehehälfte. Die Uiltcrsiichung nintzte ihn Ivohl befriedige»», obgleich er keine Antlvort erhielt, denn er gab unverzüglich den Befehl zur Abfahrt. „Los!" Der Thespiskarren setzte sich in Veiveguiig. Man halte gut drei Stunden zu fahre», che man Dorn»»», das gebildete Dorf, in ivclchcn» der Direktor zur Zeit sein künstlerisches Hauptquartier aufgeschlagen, erreichen konnte. In Dormn selbst»viirde aber nur dreimal die Woche gespielt. An den übrigen Tagen mackte»»an Abstecher in die Unigegcnd. Das„Theater"»var leicht abzubrechen, die sogenannten Conlisscn und Dekorationen fanden auf dem grötzten Lciterivagen des Dorfes Platz, ebenso die Künstler selbst. Eine Bahi»verbinduiig gab es natiirlich ans ein paar Stunden in der Runde nicht. Das„Aufschlage»»" der Bühne besorgte der Direktor, der hierbei die Geschicklichkeit eines Zin»n»clinaims entfaltete, untcrstützt von Herrn Zicglcr, den» Charakter- spieler und Zettclträgcr. Hentej hatte man bor den Pfahlbancn» von Lammstedt Snder- mmmS„Heimat" aufgeführt. Die Bevölkerung war ernst veranlagt und lieble keine Possen»iid Schwänke., Tie Schauspieler selber»varcn vo»» dem Stück, daS ncn- cinstndiert worden, noch ganz begeistert und unterhielten sich »vährend der Heimfahrt lebhaft über die Erfolge, die sie erzielt zu haben glaubten. Schauspieler können unter sich überhaupt von nichts»veiter äls vom Theater spreche»». Es ist, als ob kein anderes Gcsprächstheu»a für sie existierte. „Ja, ja, es geht an die Niere»»," sagte Herr Robert, der Väter- spieler. „Halten Sie doch Jbrc Beine ruhig!" crlviderte die Anstands- damc ans die geistreiche Beincrkniig des Bätcrspiclcrs. „Na, Panlsci», Sie habenstientc Abend»vicder schön geschwo>nn»en," ließ sich jetzt der Direktor vernehmen, und ivandte sich von seinem Brett nach der Anftandsdaine nm, die an der Seite des dicken Väterspielers, vorn, in der Tiefe des Wagens, auf dem Stroh kauerte. Unter„Schwinnnen" versteht nian im Theatcrjargoi», wenn eii» Schauspieler seine Rolle fchlcchr memoriert hat und hauptsächlich „auf den» Souffleur" spielt. „Das ist nicht lvahr, Direktor! Zicgkcr, als Schlvartze, hat nie ein richtiges Stichivort gebracht, und' das hat mir konfus ge- macht!" „Mich!" rief Oberstkeiilnant Schlvartze, alias Herr Ziegler, vom letzten Brett des Wagens herüber. „Nee, mir!" „Na, ooch gut, also»neinetlvegen Ihnen!" Die ganze Gesellschaft brach in Gelächter ans. „Die PanIsen»vird ihr Lebtag nicht richtig> Deutsch lernen," murmelte die Direktorin, deren Haupt bereits jchlasmüde an der Brust ihres Gatten lag. „In, es ist ein Skandal, daß man sakcheS Frauenzimmer Kollegin nenne» muß," flüsterte der jugendliche Liebhaber und Boiivivant der Darftcllcrii» der„Magda" zu. „Lassen Sie meine Hände los," antwortete diese leise.„Mein Oller beobachtet mis." In der That hatte Herr Zieglcr, im gclvöhnlichcn Leben der Gatte der„Magda", den Kopf halb nach den» Pärchen gelvendct, das in den Hinteren Tiefgründen des Wagens Play gefunden. Aber die Dunkelheit»var so groß, daß der würdige Zettelträger und Charakterspicler nichts von der zärtlichen Vertraulichlcit»vahr- nehmen konnte, die der junge Kollege sich gegenüber seiner, Zicglers Galtin, herausnahm. „Die Dircktoriir sollte sich mai» an ihre eigene Nase fassen," bemerkte Fräulein Panlsei» getränkt, aber in so unterdrückte!»» Ton, daß nur ihr Nachbar, der Böterspieler, es hören konnte. „Lassen Sie nur gut sein, Paulsen," tröstete Herr Robert.„Mir haben Sie äls„Tante Fränzchen" außerordentlich gefallen." Dabei gab er ihr, seine langen Beine zusaminenziehend, von einem plötzlichen Ruck des Wagens nnterstiitzt. mit den Knien einen bekräftigende»» Puff,»velche Beivcgnng voi» Fräulein Paulsen dies- mal nicht weiter nnangenehm empfunden zu werden schien, denn sie rügte dieselbe nicht. .Kinder, ich setze mich auch ninter. ich kann eS auf dem infamen Brett nicht aushalten I" ertönte jetzt die Stimme der Naiven, und den Worten gleich die That folgen lassend, glitt sie behende auf das Stroh nieder. „Magda" und der.Regieningsrat v. Keller", das helfet die Frau des Charaktcrspielers und der Bonvivant, rückten dichter zu- sammen. Paula Blumenbergs bisheriger Gefährte auf dem zlveiten Brett blieb mit enttäuschtem Gesicht allein auf demselben zurück. .Und ich sage Ihnen, der Olle hat den Hefterding ganz falsch aufgefafet," antlvortete Zicglcr in diesem Augenblick auf eine gegen- teilige Acnfeemng des Klavierspielers. Direktor Schenk hatte gute Ohren. Die Benierknng seines Duz- freundes war ihm, trotzdem sie nur mit halblauter Stimnie gemacht worden, nicht entgangen. „Halts Maul, Zieglcr I" rief er wütend nach dem hinteren Brett des Wagens hinüber.„Meine Auffassung ist nach der des Residenz- Theaters in Hannover gebildet und geht Dich'neu Dreck an!* Der Charakterspieler wollte eine heftige Antwort geben, aber eine Hand aus der Tiefe knuffte ihn in die Seite, und die Stimme seiner Gattin raunte ihm zu:.Sei doch still, sonst gicbt er morgen leinen Vorschufe." Dies Argument entwaffnete sofort den Zorn des trefflichen Oberstleutnants, und er begnügte sich damit, blofe etwas Unverstand- liches vor sich hin zu brummen. Allmählich wurde die Unterhaltung einsilbiger. Man fing an schläfrig zu werden. Der Leiterwagen schaukelte träge durch den Staub der Chaussee dahin. Der Herbst schickte sich bereits an, dem Sommer die Herrschaft streitig zu machen. In der Sonnenglnt des Tages spürte man freilich noch wenig davon, aber die Nächte wurden kühler. Die Damen erschauerten leicht und hüllten sich dichter in ihre Tücher und Mäntel. „Frieren Sie?" fragte Paula Blnmenberg den jungen An- fängcr, der ohne Uebcrrock, einsam auf seinem Brett, hinler der Direktion safe. Er schüttelte stumm den Kopf. (Schlufe folgt.) Kleines �euillekem. ckg. Die Vntwickrlung dcS märkische» SalchandelS. Die älteste Zeit kannte ansschliefelich das Seesalz, das die Mark von der Nord- und Ostsceküstc herbeizog. Als man zu Ende des 14. Jahr- Hunderts<138li> anch die Heringe cinznsalzcn begann, und der Konsum infolge dessen tvuchs. mnfetcn sich die Märker»ach billigcrem Material umsehen. Es bot sich solches in dcni Voy-Salz, das von der portu- giesischen Küste auf dem Scetvege nach den norddeutschen Häfen und von da in das Innere kam. Der ganze Salzhandel war ursprünglich landesherrliches Regal. Die Fürsten verpachteten ihn gegen schwere Abgaben an die Städte, die ihrerseits wieder«Salzmcislcr" anstellten. In» 15. Jahrhundert benutzte die Mark neben dem Halleschen Siede- salz anch das in den Lüncburgischen.Salzpfannen" gewonnene Produkt. 1441 durfte überhaupt kein anderes als Lüncbnrger Salz durch die Mark transportiert werden. Im 16. Jahrhundert findet man schon verschiedene einträgliche Salzwcrke anch in der Mark, deren bedeutendste zwischen Treuenbrietzen und Beelitz lagen. Zu � Anfang des 16. Jahrhunderts wurde von hier miS nicht nur die ganze Mark mit Salz versorgt, es ging anch solches nach dein Auslände z und ein Befehl von 15(30 sagt, dafe jedermann sei» Salz„nfm Turm bei Belitz unib zimliche pillige Bezahlung holen solle". Der Bcrkauf fremden Salzes war verboten. Nach 1583 gingen die Beelitzer Salziverke ein, und man »mfete wieder zum Lünebnrgcr Salz zurückkehren. In der.Salz- ordiuulg" von 1583 wird der Preis der Salztonne genau scstgcsetzt. Beim Verkauf auf der„Niederlage" mufeten zuerst die.Einheimischen" bedient werden. Das Regal lag noch immer in den Händen des Fürsten»nd jeder Handel als mit den von ihm privilegierten Salzen wurde streng bestraft. Die Lasten, die das Regal mit sich brachte, legte man einfach den Untcrlhanen auf, die die Unkosten durch Stenern'zusammenbringen mufeten. Der„Prälaten-, Herren- und Ritterstand" konnte sich Salz ans der Niederlage holen, ohne die übliche Abgabe entrichten zu müssen. Erst im Mai 1634 wurde der Salzhandel völlig frei gegeben.— kg. Unfreiwilliger Humor in englischen Zeitungen. Dafe auch die englischen Zeitungen reichliche Beiträge zu dem viel be- handelten Kapitel des unfreiwilligen Zcitnngshnmors liefern, zeigt die Thatsache, das; selbst die.Times" gelegentlich eine Beisteuer liefern. In einer Würdigung eines irischen Richters schlafe der Schreiber der Zeilen niil folgendem ergreifenden Ausruf:«Ein grofecr Ire ist dahin gegangen. Gebe Gott, dafe viele der arofeen Männer, die ihr Vaterland verständig lieben, ihm folgen möge»!" Vor kurzem erst stellte ein Bericht des .Spcctator" fest, dafe„Sir William Harcourts Harpunen das Feuer versagt hätten." Im Feuilleton eines lveniger berühmten Blattes war zu lese»:.Die Gräfin wollte gerade anlivorten, als eine Thür geöffnet wurde und ihr den Mund verschlafe." Cxncm Reporter passierte es. dafe er einen Mord folgendermafeeu schild.'rte:„Offen- bar brauchte der Mörder Geld. Aber Mr. Dnean hatte glücklicher- Iveise am Tage vorher sein Geld in eine Bank gebracht und so verlor er nichts als sein Leben."— Die indischen Rcdactcnre stehen jedoch konkurrenzlos da. was echten Humor betrifft. So entschuldigte sich ein Redacteur, der sein Blatt fast zur Hälfte nnbcdruckt liefe, in folgender Ankündigung: „Dies ist nur der Anfang unserer Zeitung. Wir wufeten nicht, wieviel Material erforderlich zum Ausfüllen des Papiers wäre, und da wir glaubten, dafe wir genug hätten, haben wir uns nicht bemüht, mehr zu bekommen. Wir geben indessen das Ver- sprechen, es künftig besser zu machen." Ein anderer, dem es ähnlich mit dem Druck seines Blattes ging, schrieb seelenruhig:„Eine grofee Menge von hervorragend interessantem Stoff mnfete fortgelassen werden ans Mangel an Stoff". Und ei» Dritter zeigte an, dafe sein Blatt eine unbestimmte Zeit lang nicht erscheine» würde.„Mit Einwilligung unserer Leser möchten wir uns erlauben, die jährlichen Ferien anzutreten. Sicherlich wird uns niemand diese Erholung mißgönnen."— Theater. �r. Das Thalia-Theater ist den Thomas los, aber die Thomas-Possc ist ihm geblieben. Als Ersatz für den altbekannten Komiker, den voriges Jahr die Hofbühne nicht befriedigen konnte, und der jetzt an einem Vorstadtthcnter mimt, hat die Direktion Hase- mann von den Herren F. G u t h e r y und W. V. H o x a r eine Gesangspossc anfertigen lassen.„Berlin bleibt Berlin" heifet sie. Es ist ei» durch Mangel an Erfindungsgabe traditionell ge- hciligter Brauch, dafe die Berliner Gefimgspossen nur die elvig eine Handlung habe»: der Provinziale stürzt sich in den Weltstadtstrndel. macht Dummheiten über Dummheiten; und die Bombe platzt, sobald die teure Gattin dem Abenteurer auf die Fersen gekommen ist. So geschah es dereinst in Salingrös„Reise durch Berlin"»nd so geschieht es heute noch. Den Erfolg der unzähligen Possen dieser Art hat nicht ihr eigentlicher Gehalt entschieden, sondern das Beiwerk, die Kouplets, Kalauer und Ausstattungstricks. Die Ver- fasscr haben sich diesmal nach Kräften bemüht, der alten Walze neue Weisen zu entlocken. Der Erfolg war nicht mit ihnen. Selbst der in eigener Person erscheinende Klub der Harmlosen, der sich beim Herannahen der Polizei in einen Atyenklub verwandelt, ist schon längst von einem Theatemiiternehnicr dritten Ranges ausgebeutet worden. WaS dem Stück zu einer leidlichen Aufnahme verhalf, war das übermütige Spiel, in dem sich W o r l i tz s ch und Junker- m a n n, sowie die Damen W e h I i n g und Kraft besonders hervor- thatcn. Kunst. — n. M u s e n m s b e s u ch. Die Bevölkerung der Stadt Dresden mit ihren Vororten betrug im Jahre 1898 nicht viel weniger als eine halbe Million, fast eine drittel Million hat im ver- slossnicii Jahre vorübergehenden Aufenthalt in der sächsischen Haupt- stadt genommen. Ein nicht unerheblicher Bruchteil dieser nicht Ortsansässigen hat Dresden wegen seiner weltberühmten Kimstschätze zum Reiseziel genommen. Berücksichtigt man dies, so erscheinen die im eben publizierten statistischen Jahresbericht der Stadt Dresden für 1898 mitgeteilten Ziffern über den Besuch der Schensivürdigkcitcn sehr niedrig. So wurde die Gemäldegalerie von 304 122, das Kupferstich-Kabinet von 70 056, die Sknlptnrensammlnng von 55 402, das grüne Gewölbe von 42 260, das historische Museum von 17 082, die Porzellan- sammlung von 10 543, das zoologische und anthropologisch-cthno- graphische Museum von 67123 und die übrigen Sehenswürdigkeiten von 14 887 Personen besucht. Nicht einmal auf je einen im Jahre 1893 in Dresden Anwesenden kommt somit auch nur ein Besuch einer dieser Anstalten. Wie viele Taufende Bilbungsdnrstige gehen aber alltäglich an den Gebäuden vorüber, die diese Wissens- und Kunstschätze bergen, ohne je Gelegenheit zu finden, zu genießen, ivaS menschliches Genie vollbracht I— Kulturgeschichtliches. c. AuS der Vergangenheit der preußischen Volksschule. Im„Deutschen Schulmuseum" zu Berlin befindet sich, wie der„Bär" in Erinnerung bringt, ein„Schul- Catalogus" der Schule zu Schmarffendorf sim Kreise Königsberg in der Reu- mark) aus den Jahren 1774—1775 und 1730—1781. In diesem Catalogus heifet es:„Im Sommer kommen die Kinder gar nicht wegen' der Feldarbeit und Dienste der Eltern, da sie dann denen Eltern dienen müssen. Küster ist zwar bereit Schule zu halten, aber die Kinder kommen nicht." Ein ähnliches Bild von dem Zustande der preußischen Volksschule im vorigen Jahrhundert liefern die Lübbcncr PatronatSaktcu. Darin heißt es, dafe 1755 ein„Schneider- pursch" als Lehrer angestellt wurde, der knapp schreiben konnte. In Bcucholv nahm man dazu einen Militärinvalidcn, der nebenbei noch das Bich zu hüten und Nachtwächterdicnste zu leisten hatte. Früh von fünf bis acht Uhr unterrichtete er, dann hütete er bis abends das Vieh und nachts ivaltete er seines WächtcraintS. Es wird berichtet, geschlafen habe er im— Unterricht.— Völkerkunde. — lieber die Tänze der Pneblo-Jndianer sprach Karl von den Steinen in der letzten Sitzung der Berliner Anthro» pologischcn(SefcKfifjnft. Dem Vortragenden, der im Mm v. I diesen Vvlksstannn besucht hat, ist es gekungen, von zivci Tänze», dem Ana. Katsina und dem Hehea Katsina, photograpdische Aufnahmen zu machen. Es handelt sich, wie wir eincni Bericht der „Tägl. Rundschau' entnehmen, um M a s k e n t ä n z e, die teilweise mystische Bedeutung haben, indem die Tanzenden höhere Wesen darstellen sollen, die zwischen den Menschen und den Göttern vermitteln und um Regen bitten. Die Tänze sind ungcinci» malerisch und die Masken mit Schmuck in allen Farben reich verziert. Wesentlich bei den Tänzen sind die Clowns. Ter Aus- spruch Pcschcls, daß der Indianer niemals lache, trifft nicht zu. Der uordamerikanische Indianer kann sich vollkommen humoristisch bc- wegen, wie der Beste im rheinischen Karneval, oder wie ein ZUowu in der Aujustrolle unserer Cirkusse. Ter Jndianerclotvn erscheint bei diesen Tänzen nicht maskiert, wohl aber reichlich mit Farben be- schmiert, wie unsere Clowns auch. Die Unterhaltung, die sie biete», besteht in groben, rüpelhaften Epäßcn. die immer in eine Prügelei ausarten. Einen ganz gewaltigen Jubel erregte ein Waldmcnfch. ein Wesen halb Tier, halb Mensch, das von nichts in der Welt eine Ahnung hat, und dem die Clowns beibringen, wie man ißt, wie man raucht und wie man nn't einem Messer umgeht. Bei seinen ungeschickten Versuchen, das Messer zn ge- brailchen, verletzt er•sich dann schließlich arg an einem sehr enipfind- lichcn Körperteil; Ströme von Blut schießen hervor und der Wald- mensch liegt wie tot da, bis ihn eine gehörige Tracht Prügel wieder lebendig macht und er davonlänft. Eine ganz ungewöhnliche Er- scheinnng in diesen Tänzen war ein photographierendcr Clown. Diese Indianer haben schon hänsig Gelegenheit gehabt, Reisende mit Photographie-Apparatcn hantieren zn sehen. Einem solchen hatte jedenfalls ein Jndiancrklolvn das Gcbohren abgeguckt und spielte nun selbst den Photographen. Er hatte einen � zerlumpte» europäischen Anzug an, dabei eine Maske vor dem Gesicht und das Haar mit einem Tuche bedeckt, so daß von einem Indianer nichts zn sehen war. Ein IleineS Kistchen, das er sich mngehängt hatte, sollte das Futteral für den Apparat bedeuten; in der Hand hatte er ein Stativ, darauf eine alte viereckige Konservenbüchse mit einem dicken Knipser daran als Kamera befestigt n»d darüber einen Lumpen als Dnnkelschntz- So ausgerüstet photographierte er nach allen Seiten, steckte den Kops unter seinen Dnnkelschntz und stelllc seinen Konserven büchsenapparat ein; hinterher verzeichnete er in einem kleinen Taschenbuch Bemerkungen, die ihm die anderen Clowns mitteilten. Schließlich richtete er seinen Apparat auch ans Steinen und dieser den seinen auf den nidianischen Kimstgenossc», imd so wurde dieser sonderbare Jiidiaiier-Clown ans die Platte gebannt. Auch diese Scene endete mit einer gewaltigen Prügelei, aus der der indianische Forschnngsreisende völlig ausgeplündert hervorging.— Aus dem Pflanzeulebe». — Die biologische Abteilung des Gesundheitsmntes beabsichtigt in den Fällen, Ivo ausführbare Maßregeln von erprobtem Erfolge zur Bekämpfung gemeingefährlicher Pflanzcu- feinde empfohlen werden können, von der Berteilimg gemein- verständlicher, von den Fachgelehrten der Abteilung verfaßter Flug« blätter an die Land» und Forstwirtschast treibende Bcvölkermig Gebrauch zu machen. So behandelt das erste, jetzt zur Verteilung kommende, von dem Leiter der biologischen Abteilung. Professor Dr. Frank, bcrfaßte Flugblatt die gerade gegenwärtig lirennende Frage der S ch o r f k r a n k h e i t des K e r n o b st e S. ES lautet: Die sogenannten R o st- oder S ch o r f f l c ck e ans den A e p f c l n und Birnen, bei deren starkem Auftreten die Frucht unansehnlich wird und klein bleibt und der Baum im Ertrage nachläßt, sind eine allbekannte Erscheinung. Sie werden durch Schmarotzerpilzc verursacht und sind unter dem Muiicii Fusiclaclium clendiiticinu(jiiv Aepfelbäume) und Fusicladium pirinum(jüv Birnbäume) schon lauge bekannt. Neuerdings habe» sich aber diese Pilze auf den Objtbänmeii luie in anderen Ländern, so auch in Deutschland, von Jahr zu Jahr stärker entwickelt und sich zu Obstfcindcn ersten Ranges empor- gearbeitet, so daß eS im Interesse des heimischen Obstbaues liegt, dem weiteren Anwachsen der Kalamität allgemein entgegen zu treten. In vielen Obstkulturen ist erst in den letzten Jahren. besonders im Jahre 1808, die daselbst früher nicht gekannte Miß- ernte der Aepsel eingetreten. Die Aepselbäume, die in dieser Weise hochgradig von dem Pilz befallen sind, zeigen im Sommer ihre Blätter von ranchbraimen Pilzflecken bedeckt, imter deren Einfluß die Blätter leiden und meist vorzeitig abfalle». Diese Blatt- krankhcit beeinträchtigt die Fruchtbildung, die Bäume setzen lvcniger und klein bleibende Früchte an, die nun noch direkt beschädigt tverdcn, weil auch auf ihnen der Pilz in den bekannten schwärzlichen rmiden Schorfflecken in ungewöhnlich großer Menge sich ansiedelt, wodurch die Früchte sehr unansehnlich werden, ost verkrüppeln, vielfach auch vor der Reife abfallen, sodaß solches Obst nnverlänflich wird. Die Krankheit hat sich bis jetzt mehr oder tveniger heftig in folgenden Teilen Deutschlands gezeigt: Schlesien, Posen. Brandenburg, Pommern, Mecklenburg, Hamburg, Hannover. Oldenburg, Provinz Sachsen, Thüringen, Großherzogtinn Hessen, Franken, Württemberg. Hohenzollern, Baden, Elsaß- Lothringen, desgleichen auch in außer- deutschen Ländern. Zum Glück ist der Kampf gegen diese Schädlinge nicht schwer. Wir befitzen im Bespritzen der Bäume mit Bordelaiser Brühe ein Mittel, welches schon vielfach 'v'","1'' Verantwortlicher Nedacteur: August Jacobey in Ber 'seine vortreffliche Wirkimg bewährt hat.(Die damit im ver» gangeuen Jahre iu Blankenfelde bei Berlin von Dr. Krüger an» gestellten Versuche sind sehr günstig ausgefallen.) Dies Bespritzen mit Bordelaiser Brühe ist auch für die Monilia-Krankheit der Kirschbäume sehr zu empfehlen. Nur ist die Zeit der Be- spritzung wegen der verschiedenen Eutwickelung der Pilze ungleich. Während gegen Monilia die wichtigste Bespritzmig die zur Zeit der Blutenknospe ist, handelt es sich beim Fusicladtiim darmn, den Pilz durch Bespritzung des jungen Landes am Befall des letzteren zu hindern. Es kommt sehr darauf an, daß die Bespritzung zur richtigen Zeit gcmnckit wird. Der Gnnid des manchmal unbefriedigenden Erfolges liegt sicher ost darin, daß zn spät gespritzt ivird. Die Bordelaiser Brühe nmß richtig zubereitet sein; fehlerhafte Brühe kauu ätzend wirlcn.— Technisches. — Cell» lose als elektrischer Isolierstoff. Die sogeumiute Lufiisolntion in elektrischen Leituiigskabclu besteht in einer llmwickclimg der cinzrlucn Drähte mit uugclcimteni Papier und nachfolgender sehr sorgfältiger Austrockiinng.'Nach allgemeiner Ansicht wirkt hier nicht das Papier oder die Cellulose,' sondern die m ihr enthaltene trockene Lust als wesentlicher Isolator. Es sind indessen neuerdings in Oestreich nnd Ungarn Versuche über Leitungen gemacht worden, die mit Cellulose umkleidet tvaren, welche man mit einem wasserfesten Stosf getränkt hatte, und sie haben nach dem»Elektrot. Ncuigk.-Anzciger" vorzügliche Ergebiiisie geliefert. Es ist'allerdings auch hier zn bemerken, daß eigentlich »icht die Cellulose. sondern das Tränknugsmittel als Isolator auf- zufassen ist. Die eleltrischen Leitungen mit Cellulose- Isolation iverdeu Iii der Weise hergestellt, daß man den blanken Litzcnlciter abwechselnd mit zwei Baminvoll- und zwei Cclluloselagc» umgiebt und mit gut isolierender Masse nach einem eigenartige» Verfahren vollständig imprägniert. Nach dem Meßprotokvll über vergleichende Messungen des niigarischen Gcwcrbcnnisclinls in Budapest er» giebt sich, daß der Jsolntionslvidcrftand des unter dem Namen«Cellulose- Leituugsdraht" eingesandtcu Drahtes so- wohl in trockenem als auch iu feuchtem Zustande vielmal größer ist als der Jsolatioiistvidcrstaiid des mit Paragnmnn hergestellten VcrglcichSdrahtcs. Besonders in feuchtein Znjtailde konnte ein überaus hoher Jiölaiionswiderstand dcS„Cellulosedrahtes' in Bezug auf den des Vergleichsdrahtes koustatirt werden, imd der- selbe vernliiidert sich vcrhältuißmäßig so langsam, daß er nach 21stü»digeln Wasserbade noch immer circa zchimial größer Ivar als der Jsolativi!s>vidcrp«»d des VergleichSdrahteS nach einem Wasser- bade von acht Minuten. Die„Tech». Rimdschan' glaubt aber, zur Vorsicht mahne» zn müsse», da ein praktisches, de»» Pnragmnnü überlegenes JsoUermittel vorläufig nicht bekannt gctvordeu ist.— Humoristisches, — Verschnappt. Herr(im Konzertsaal):«Wann tritt denn der s ü n s jährige Klaviervirtnosc ans?" Diener:«In der nächsten Nuimner... er wird eben r a s i c r t I'— — Professors Mittagstisch. Sie:«Run. Männchen, die Suppe schmeckt schön?" E r:«Kind,, schön' ist ein Begriff a>iS der Aesthetik...* Sie:«Ra. sie schmeckt doch gut?" Er:«.Gilt' ist ein Begriff— aus der Ethik——' Sie:«Na, dann schmeckt sie hundsmiserabel. Du Begriffs- jäger!"— — Variante.«Mein Sohn tvill Taucher werden.' «Also liegt seine Zukunft unter dein Wasser.— („Meggend. hum. VI.') Büchcr-Einlauf. — Nene Lieder der besten ii eueren Dichter für'S Volk. Znsamiiiengestellt von Dr. Ludlv. Jacob owski. Buch» slbinixk von Herrn. Hirzel. ICO S. M. Liemann in Berlin. 10 Pf.- — Adolf Schafheitlin, Gedichte. Ziveite verbeffcrte Auflage. 203 S. Berlin, S. Rosenbaiun. 3 M.— — Adolf Schafh cit lin, Satnr nische Phan- tasien. Gedichte. Zweite verbesserte und vermehrte Auflage. ISO S. 2 M.— — Roman S ch a i ch, Armut. Schauspiel in drei Aufzügen. 82 S. Leipzig, Otto Weber. 1.50 M.— — Henrik JbsenS dramatische Werke. Heraus« gegeben und übersetzt von Wilhelm Laiige. Band ll. Rosmersholnr. 122 S. Berlin, Hugo Bcrmühler. Bolls- ausgäbe. 30 Pf.— — Helene Bühlau, H a l b t i e r. Roma». 3S0 S. Berlin, F. Fontane u. Co.— — Graf Leo T o I st o i s„A n f e r st e h u n g'. Leipzig, Wilhelm Friedrich. Liefemiig I. 40 Pf.— n. Druck und Verlag von ivtax Bading m Berau.