Htnterhaltungsblalt des vorwärts Nr. 92. Donnerstag, den 11. Mai. 1899 (Nachdruck verbotcu.) 27] Dev Schttldige? Roman von Hector Malot. „Hier," sagte sie und warf den Trumpf auf den Tisch, den ihr Mederic zugesteckt hatte. So schob er ihr mehrmals im Laufe des Wends die Karten zu, durch die sie gewinnen mustte, und stets nahm sie dieselben ohne Zögern an. Es war bereits eine zwischen ihnen vereinbarte Sache: sie lächelten einander zu, und der Streich wurde ausgeführt. La Vaupalivre und Frau Artaut waren erstaunt über das Glück, das Hortense im Spiel so beharrlich hatte. „Das ist doch zu stark," meinte La Vaupaliöre. „Sie könnten vielleicht noch mehr davon zu sehen be- kommen," antwortete Hortense, Mederic zulächelnd. „Das Glück hat vielleicht erst angefangen," bemerkte dieser. „Hoffentlich fährt es fort," erwiderte sie. Bevor die Gesellschaft sich trennte, hatten beide Gelegen- heit, einige Worte unbelauscht zu tauschen. „Warum haben Sie mir Ihre Trümpfe gegeben?" „Um das Vergnügen zu haben, Ihre Freude zu sehen, wenn Sie gewinnen." Sie antwortete nichts, richtete aber einen so vielsagenden Blick auf ihn, daß er nicht glücklicher gewesen wäre, wenn sie ihn umarmt hätte.. � So war denn das Einvernehmen, das er gewünscht hatte, zu stände gekommen, freimütiger, vollständiger noch, als eres sich hätte wünschen können! Was konnte er daraus nicht für weitere Hoffnungen schöpfen! Sic hatten nicht nur eine Vereinigung gebildet, sondern sie hatten bereits ihr Geheimnis. So vergingen fünf Tage, ohne daß er wieder an dem- selben Tische neben ihr sitzen konnte— eine Ewigkeit für ihn, aber dabei eine Zeit voll Träumen. Plänen. Hoffnungen, Schwärmereien. Diesmal stieß er sie nicht bloß leicht mit dein Ellbogen an, sondern erlanbte sich bereits einen langen Druck. Wie ward ihm, als er fühlte, daß. sie denselben dreist erlviderte! Kaum seiner Sinne mächtig, blickte er sie an und sah, wie sie mit halbgeöffneten Lippen ihm zulächelte. „Ist es das, was Sie wünschen?" flüsterte sie mit einem zärtlichen, versprechenden Blick. „Was sagten Sie?" frug La Vaupaliöre, betroffen mehr noch über die Betonung, die sie diesen Worten gegeben hatte, als über ihren Ungewissen Sinn. „Ich frage Herrn Mederic, ob er mit seinem Spiel zu- frieden ist," antwortete sie. Mederic blieb den ganzen Abeud über wie trunken in seiner Träumerei, in seiner Bewunderung ihrer Geistesgegen- wart. Er fühlte noch beständig den Reiz ihrer Berührung. Bald schwatzte er rmaufhörlich ivie ein Verrückter, bald ver- sank� er in stille Seligkeit über sein inneres, aufregendes Glück, sodaß Madame Artaut und La Vaupaliöre gar nicht wußten, was sie von ihm denken sollten; sie hatten ja für sein wider- sprechendes Benehmen keine andere Erklärung als die Wechsel- fälle des Spiels. Nur Hortcnse kannte die Ursache dieser Umsprüuge vom Schweigen zu unbändiger Fröhlichkeit, und von Zeit zu Zeit gab sie ihm durch ein Lächeln oder einen Druck mit dem Fuße deutlich zu verstehen, daß es ihr inniges Vergnügen bereite, ihn so glücklich zu sehen. Das von Mederic angenommen« System, seine Trümpfe Hortensen zuzuschieben, hatte zur notwendigen Folge, daß diese doppelt so oft gewann, als sonst, da sie jetzt statt nur ihre eigene Gewinnchance zu haben, deren zwei besaß. Ihr fort- gesetztes Spielglück brachte La Vaupaliexe außer sich, der es nicht verstand, schweigend zu verlieren; er war um so ver- drießlicher, als es seine Frau war, die aus seinem Verlust Vorteil zog; einmal konnte er seine üble Laune nicht mehr unterdrücken und sagte: „Das ist ja gar nicht möglich, daß man so gewinnen kann!" „Du siehst aber, daß es doch tnöglich ist," erwiderte sie lachend, indem sie sich au den Fuß McdericS andrückte. „Hast Du etwa einen Bund mit dem Teufel geschlossen, wie in den Operetten?" „Warum nicht mit meinem Schutzengel, wie in den Legenden?" Und dabei schmiegte sie sich heimlich noch inniger an den jungen Mann. La Vaupaliöre warf die Karten auf den Tisch und rief: „Misti habe ich auf alle Fälle jetzt genug gespielt; wie wär's mit einem Whist?" Frau Artaut fand, daß man im Grunde bereits genug gespielt habe, aber Mederic protestierte: „Wie? Es ist ja noch nicht neun Uhr!" Da Frau Artaut außer stände war, ihrem Sohne irgend etwas abzuschlagen, so wurde eine Whistpartie gemacht. Hier fügte der Zufall die Partner zusammen; Mederic wußte also nicht im voraus, ob er Hortense zur Nachbarin oder zum Visavis haben werde, worauf es ihm allein ankam. Die Karten gaben sie ihm zur Partnerin, so daß sie ihm gegen- über zu sitzen hatte. Verdrießlich darüber, daß er Hortense weder mehr mit dem Arme streife», noch ihr seine Trümpfe zustecken, sondern höchstens noch dann und wann einen zärt- lichen Blick mit ihr austauschen konnte, saß er mürrisch da. als er plötzlich sein Knie berührt fühlte. Er sah Hortense fragend an. Sie antwortete lächelnd: „Jawohl." „Was denn: Jawohl? Wenn Ihr dazu sprecht, so ist ja kein Spiel möglich!" sagte La Vaupaliöre. Seine Frau aittwortete ihm nur durch ein langes Lächeln, welches ausdrückte: „Man hat uns trennen wollen, aber es wird nicht ge- lingen." Als sich die Gesellschaft zu gewohnter Stunde trennte. reichte Mederic wie sonst Hortense die Hand zum Abschied: sie drückte aber die seinige mit solcher Innigkeit, daß er über ihr Gefühl ihm gegenüber nicht den geringsten Ziveifel mehr hegen konnte. Als sie seine Hand losließ, fühlte er, daß sie ihm einen Ring an den Finger gesteckt hatte. Vor Entzücken außer sich, hörte er kaum, was seine Mutter und der Notar zu ihm sagten. Beim Nachhausegehen hob er in seiner Auf- regung einmal beide Arme zum Himmel empor. „Was hast Du nur?" frug ihn seine Mutter. „Ich?... Ich freue mich nur über die wundervolle Nacht." VI, Der Ring hielt Mederics erhitzte Phantasie wach. Nach- dem er einige Stunden in fieberhafter Träumerei sich'auf seinem Lager umhergewälzt, erhob er sich, setzte sich an seinen Schreibtisch und richtete an Hortense einen langen Brief, in welchem er ihr nnt den leidenschaftlichsten Ergüssen und glühendsten Worten sagte, wie er sie liebe, anbete und der glücklichste aller Menschen sei. Blatt auf Blatt füllte er so an, und der Morgen traf ihn noch am Schreiben. Er mußte sich losreißen, um sich an- zukleiden und, wie alle Tage, nach Ronen zu fahren und seine juttstische Stunde zu nehmen. Sein Lehrer hatte ihn noch nie in einem solchen Zustand gesehen und frug ihn wiederholt, ob er von Sinnen oder krank sei. „Nur aufgeregt; das schöne Wetter macht mich ein wenig nervös." „Ein wenig nennen Sic das? Hoffentlich sind Sic bis morgen ruhiger; sonst wäre es besser, Sie blieben zu Hause und pflegten sich." Ruhiger! Ja, wenn morgen ein Montag oder Dienstag gewesen wäre; dann hätte ihn vielleicht der Gedanke, daß er s i e nicht sehen könne, ruhiger gestimmt. Aber so war der nächste Tag gerade ein Freitag, da mußte La Vaupaliöre nach Rouen fahren, und sie blieb allein zu Hause! Koste es, was es wolle, er war entschloffen, sie zu sehen; wie sollte er bei diesem Gedanken ruhig bleiben? In Eile speiste er mit seiner Mutter zu Mittag und ver- ließ sie schon eine Stunde vor der gewohnten Zeit, um nach dem Bureau zu gehen. Als er mit raschem Schritt an der Apotheke herbeikam, trat Turlure heraus und rief ihn an: „Sie kommen nicht herein?" „Ich habe keine Zeit," antwortete'Mederic, innerlich wütheud über den Aufenthalt. Nnchdem er dein Apotheker noch über die Rechtskapitcl. die er heute studiert habe, Auskuust hatte geben und einige weise Bemerkungen desselben hatte anhören müssen, konnte er sich endlich von ihm freimachen und suchte die verlorene Zeit durch schnellere Fortsetzung seines Weges einzuholen. Im Bureau angelangt, war er außer Stande, an seinem Pulte zu bleiben, zu lesen oder zu schreiben; er lief auf und ab, wie ein Tier in einem Käfig. Llls Boulnois diesen Vergleich zog, antwortete Mederic: „Das ist gerade mein Fall, und wenn ich nicht Madame La Vaupalisre um Noten bitten müßte, so wäre ich schon aus dem Hause." „Nun, so lassen Sie sich doch Ihre Noten geben und gehen Sie; wegen dessen, was Sie heute arbeiten würden, lohnt es sich wirklich nicht, dazubleiben." „Ich nwchte die Frau nicht gleich nach ihrem Mittagessen stören." „Sind Sie gewiß, daß Sie sie stören?" „Es ist wahr: ich werde doch lieber gleich gehen", ant- wartete Mederic, der vor lauter Begierde, Hortense zu sehen, die ironische Anspielung, die in Fanchous Frage lag, un- beachtet ließ. „Finden Sie ihn nicht schon recht blasiert?" nieintc Boulnois, als der junge Mann draußen war. „Nicht sehr; gegen die Frau Notar zeigt er sich eher grün." Sie empfing ihn im Salon des Erdgeschosses. Er war rasch eingetreten, aber an der Thüre blieb er stehen und blickte sie nnt stummer Erregung an. „Nun?" sagte sie lächelnd. Er rührte sich nicht. „Wie blaß Sie sind I" fuhr sie fort, indein sie ihn freund- sich anblickte. „O. wenn Sie wüßten!" sagte er, indem er sich ihr lang- sam näherte. „Ich glaube schon zu wissen... Sie wollen nur gewiß eine Liebeserklärung machen." „Und Sie finden das... lächerlich." „Nun ja, ein wenig schon." „Also sehen Sic, daß meine Aufregung, nieine Angst und Blässe nicht grundlos war." „Weshalb?" „Aber..." „Sie wollen mir doch wohl sagen, daß Sie niich lieben?" „Und so leidenschaftlich I" „Und ferner?" „Und ferner?" „Sicher wollen Sie Mich auch fragen, ob ich Sie gleich- falls liebe. Wozu dies, da Sie es doch schon wissen?" Er kniete vor ihr nieder und küßte ihre Hände, ohne ein Wort zu sprechen; nur seine Seufzer verkündeten beredt, was er empfand. Nach einer Weile machte sie sich sanft von ihm los und sagte: „Setzen Sie sich hierher, dicht an nieine Seite; so, Nim wollen wir plaudern. Also Sie sind gekonimcn, um nur zu sagen, daß Sie mich lieben, und das Geständnis niciner Gegenliebe zu hören. Aber ist denn nicht unser Ein- Verständnis am Spieltische schon der Beweis unserer Liebe? Nicht die Freude am Betrug einigte uns, sondern der Ge- nuß des Einvernehmens und der gemeinsamen Schuld. Unser heimlicher Händedruck hat Ihnen alles sagen niüssen. Und als ich Ihnen meinen Ring an den Finger steckte, den Ring meiner Mutter, niein teuerstes Kleinod, was fühlten Sie da?" „Ich war außer mir vor Glück, dem höchsten, das ich je empfunden!" „Und doch verlangen Sie noch Worte. Im Roman, auf der Bühne mag die Erklärung notwendig dazu gehören: aber wir sind über die Zeit der Troubadoure hinweg, und das Leben ist Gott sei Dank kein Theaterstück." Diese spöttischen Worte, wie sanft und zärtlich sie auch ausgesprochen wurden, brachten ihn außer Fassung: sie fuhr fort: „Sie lieben mich, ich liebe Sie.. „O Teuerste!" „Ja, ich liebe Sie. Und jetzt?" Er blickte sie an. verwirrt, sprachlos. Träumte er? Sprach sie ernsthast? Oder machte sie sich über ihn lustig? (Fortsetzimg folgt.) (Nachdruck•«'tatRU Dov Nönig«nd der Nafieltau. Von M i k a e l Lybe ck.1*) Sehen Sie selbst auf der Karte nach: das Reich liegt im Bor» stellmigskreise, nahe der Grenze des Unmöglichen.... Eines der hohen Schlotzfenster im Gesandtschaftssaal steht gegen den Park hin offen. Die Morgensonne glitzert im Tau auf den Rasen. Im Fenstcrbogen steht der Kastella», die Ellbogen auf die Sammctdeckc des Fensterbrettes gestützt, mit einer feinen, starken Havanna im Munde, und betrachtet nachdenklich die herrliche Aussicht. Links schimmert ein Stück des Flusses mit den Brücken hervor, und rechts, über den Wipfeln der Bäume, der am Fntz des Berges an- gelegte Stadtteil, Kirchtürme, Fabrikschorusteine, Dächer; in weiter Ferne verzieht sich ein bläulicher Nebel. Das alles ist ihm wohl- bekannt, fast allzu bekannt, hat aber heute gleichsam eine neue Be- leuchNMg. Nur einmal hat er mit erhobener Stimme den Männern, die unten ans dem Kieswege in Haufen stehen, zugernfen: „Erinnert die andere» daran, datz sie uns in Frieden lasten sollen, wie es beschlossen wurde... Ich denke. der* Alte erwacht bald Nachdem der Kastellan genügend die anmutige Landschaft ge« nossen hat, zieht er den Oberkörper herein, sieht nach seiner Uhr, holt ciiicn großen Nickelschlüssel hervor und durchwandert mit gemächlichen Schritte» eine lange Reihe von Sälen, die alle leer sind. Dann biegt er noch rechts ab, passiert den Raum der Leibwache— kein Mensch zu sehen— das Zimmer des jonrhabenden Offiziers, auch dieses ist leer. Hier bleibt er stehen und zündet die Cigarre, die ausgegangen ist, wieder an. Dann ber- schließt und versiegelt er alle Thüren, bis ans eine. zieht seinen trcssenbesetzten Rock aus, hängt ihn an einen Haken, setzt sich neben den Ofen hin und starrt auf seine Schnhspitzen hinab. In dieser Stellung bleibt er noch sitzen, als?eine Glocke läutet, und eine dünne, zornige Slininie etwas ruft. Niemand gehorcht. Noch ein Ruf... dasselbe grabähnliche Schweigen... Schnelle Schritte über den Boden de? Ncbengcmachs, mit Unterbrechungen, wenn der Laut iii den Teppichen erstickt... etwas wird mit leisen, Gepolter umgestoßen... die Glocke läutet noch einmal... wieder Schritte. Der Köllig steht ans der Schwelle. Es ist nictit der Sagcnkönig mit Krone. Reichsapfel nnd Scepler, sonder» ein kleiner, gelbblasser, zorniger Herr ,»it einem Kahlkopf. kleinen klirzsichtigcn Aiigen und graiigespreiikcltei» Backenbart. Er ist ganz plötzlich stehen geblieben vor bloßem Erstaunen. Sein unterer Kinnbacken zittert, während sich die Hände so hart a»ci»a»der-" pressen, daß die Knöchel weiß werden. Der Kastellan erhebt ein wenig den Kopf nnd nickt freundlich gutcii Morgen... Er nickt gutci, Morgen!... „Was... ivas soll das heißen... Der Kastellan bläst den Cigarrenrauch in einer Reihe leichter Ningeln in die Luft, che er antwortet: „Dl, stehst spät ans... wie gewöhnlich... Vielleicht sollte ich Dich Onkel iiemlen, da Du ja neunzchn Jahre älter bist, als ich Die Wirkung dieser Worte war überraschend. Der König sinkt kraftlos ans einen Stuhl an der Wand nieder nnd fährt niit der linken Hand ein paar Mal von der Stint nach de», Nacken hinunter. Seine Angen stehen weit offen. Schließlich mnrmclt er mit voll- komnici, veränderter, schlaffer und eintöniger Stimme: „Wo ist Jean, wo ist der Barbier... und alle andern?" „Das weiß ick, wirklich nicht I Wahrscheinlich irgendivo unten oder zu Hanse bei sich!" Der König erhebt sich mühsam nnd sagt mit ansdnickslosem Lächeln: „Ich verstehe das nicht, gar nicht! Ich bin gewiß krank."... Er macht eine gebietende Handbcwcgmig...„Seien Sie so gut, den Wachthabende»..." „Wache?"...Wieder einige Rauchringe..•.„Es ist am besten, wen» jeder sein eigener Wächter ist. Es ist niemand da, den ich rufen könnte!" Der König hat plötzlich beide Arme Über den Kopf erhoben nnd ist mittel, ins Ziminer gesprungen: aber der Kastellan hält ihn mit einer warnenden Gebärde zurück, indem er gleichzeitig die Gelegen- heit benutzt, sciiien Stuhl vor die einzige unverricgelte Thüre zu rücke», diejenige, die sich soeben geöffnet hatte. „Nein,»ein. Liebster," sagt er dabei,„keine Thätlichkeiten: ich bin ja siebenmal stärker als Du. wie Du Dir lvohl denken kannst. Reden wir hübsch ruhig weiter!" „Ich soll.. Ich soll mich in ein Gespräch einlassen mit nieine»,...?" *) Mi lad L h b e ck, der Sliitor dieser Skizze, ist ein Finne, einer der angesehensten Lhriker seiner Heimat, der aber auch vielfach kleine psychologische und satirische Skizzen schreibt. Auch seine Gedichte sind vielfach politisch. Charakteristisch für seine leidciischast- liche Parteinahme sind folgende Worte, die er kürzlich an de» lieber- setzer dieser Skizze richtete:I„Sie lvinischen meine wichtigeren Er- lcbnisse zu wiffci,? Das für alle Bürger Finnlands Gemeinsame: die Gclvaltthat gegen nnsere Staatsköiistitution vom 15. Februar 1899; Vor diesen, Ereignis wird alles Persönliche unbedeutend I"— Das Gesicht deS Kastellans nimmt einen simften Ausdruck an. .Ja, das sollst Du gerade, Oulclchen.' „Oh, das ist empörend!" .Wie dem auch sei... Nein, nein, versuche nicht, die Tsture zu öffnen, das hat keinen Zweck I Alles ist abgeschlossen, verstehst Du! Und auf dem Hose find...* Ihre Blicke trafen sich. .Ja. sie konnten Dich vielleicht auslachen.... Uebrigens kannst Du Dich darauf verlassen, daff wir das auch früher schon gethan haben; aber nun würde Dir wohl gerade ins Gesicht gelacht werden. Und das ist wirklich unangenehm I... Oder meinst Du nicht?' .All das ist empörend!.. Der König wiegt sich auf dem Stuhle hin und her, er hat den Kopf in den Händen verborgen, während groffe Thränen zwischen seinen schmalen, ringgeschmückten Fingern hcrabtröpfeln. .Ich bin verrückh ich bin ganz offenbar verrückt I Und doch bin ich so klng gewesen!' � .Na, na. mit Maff. mit Mast! Aber alles hat ja seine Zeit. Im Grunde genonimen ist die Sache sehr einfach,... es giebt keine Obrigkeit mehr, siehst Du." .Keine Obrigkeit! Was ist denn ans ihr geworden?' Der Kastellan nickt vertraulich und flüstert: „Es ist ans mit ihr, Onkclchen!' „Aber ich existiere doch noch!' .Ach, das hat keine Bedeulung!' Diese Antwort ruft unwillkürlich Schweigen hervor. Es ist so still, daff man durch die alten dicken Schloffmauern unten vom Park eine Lachsalve hören kann. .Nimm nun die Sache praktisch, dann will ich gut gegen Dich sein. Ich habe hier geduldig drei Stunden gewartet, um Dir einen feinen Wink über die vollzogene Umwälzung zu geben. Ich über- nahm den Auftrag, da kein anderer sich dazu Zeit lieff. Anfferdem meinen sie, ich hätte eine so nette Art. Nicht wahr? Du wirst später schon genau Bescheid bekomme», wenn Du nur abwartest. Du hast es mir zu danken, daff Du hier so lange Haft schlafen können." „Wie ist das nur möglich? Und wer ist auf den Einfall gc- komme»?" .Alle auf ciumal... Alle ans einmal. Das ist eben das Gc- heirnnis. Aber dergleichen geschieht selten in der Wirklichkeit." Ter Blick des tiönigS verklärte sich: '�Dacht ich's nicht!... Ein kleines Märchen, ein Scherz!' „Na ja, wenn Du es so nenne» willst. Aber da wir beide nun in dein Märchen mitspielen, müssen wir uns auch danach verhalten. So geht es ja allen Menschen." „Kann man es denn nicht ändern, z. B. den Schloff? Ich habe ja doch Truppen, denke ich. Und ich werde Ench allen ver- zeihen." „Truppen? E? giebt keine Truppen mehr! Findest Du das nicht pfiffig. Oukelchen?" „Wollt Ihr versuchen, Ench ohne mich einzurichten?' „Einzurichten? Wir wolle» überhaupt nichts„einrichten'. Wir wollen nur abschaffen: die Titel und Würden usw. usw.! Aber noch eins: Wie gedenkst Du Dir Deinen Unterhalt zu erwerben?" Die Wanduhr schlug zwölf klingende Schläge. „Hörst Du nicht, ich frage, tvic Du Dir Deinen Unterhalt zu verschaffen gedenkst?' „Ich habe überhaupt an nichts gedacht.' „Das ist wahr. Aber damit solltest Du Dich setzt ein wenig abgeben, ich meine so in den Zwischeiistnnden. Was kannst Du? Die Weste richtig zuknöpfen, denn Du hast Dich heute ja wohl allein angezogen." „O, ich liin ein grenzenlos unglücklicher Mensch 1" „Unsinn I Du bist ein grenzenlos gewöhnlicher Mensch, weiter nichts. Das bist Du, Oukelchen! Aber Du lauust ja Sprachen? Nicht wahr." Schweige«... „Muff ich alles zweimal fragen? Kannst Du Sprachen?" Der König lacht bitter. „Ja... ich kann Sprachen!" „Gut, dann kannst D» Dich bis auf weiteres durchschlagen. Du mufft anfangen, Stunden zu geben. Das ist eine vortreffliche Idee!' „So... eine vortreffliche Idee! Ich werde also nicht gefangen gehalten?' „Keineswegs. Ich werde Dir gleich die Thüre öffnen, sobald Du vernünftig geworden bist. Ich sagte gerade heute morgen zn den andern: Lafft mich nur machen! Ich kenne ihn... Ich! Aber dann mufft Du mir versprechen, Onkclcben, Dir nicht selbst etlvaS Böses anzuthun. Das würde uns wirklich von Herze» leid thun... und ist auch nicht unsere Absicht!" „So. das ist nicht Eure Absicht. Und ich darf mich nun ent- fernen, wenn ich will?" „Bon Herzen gern, Oukelchen. So, der Weg ist frei! Die groffe Ansgangsthüre im Vestibüle läfft sich etwas schwer öffnen; aber vielleicht kannst Du es doch. Uebrigens thust Du mir leid, aber Du wirst Dich wohl bald daran gewöhnen! Denn siehst Du, die Gewohnheit macht alles!' Der König Hort nicht, Ivos er sagt, sondern schluchzt: „lind all' das jetzt, wo ich hätte regieren könne»!...' Meines Feuilleton. — Tic Ncrnst-Lainpc. Vor einer Versammlung vonPhhsikem, Elektrotechnikern und andern Sachkundigen hielt dieser Tage Professor N ernst über das von ihm erfundene elektrische Glüh licht einen Vortrag, mit dem Vorweisungen zur Erläuterung der Erfindung in ihrem Werdegänge und zur Darstellung ihrer Bcdcuwng verbunden waren. Prof. Rernst ging, wie wir einem Bericht der„Voff. Ztg.' entnehmen, in seinen Darlegungen von der jetzt gebräuchlichen Glühlampe mit dem Kohlenfadc» ans. Bei der Untcrfuchung dieser Glühlampe hat sich gezeigt, daff von der elektrischen Energie, die durch die Kohle geschickt wird, 97 Proz. in Wärme umgesetzt wird, nur 3 Proz. werden als Licht ausgenutzt. Ein Mittel, den Lichteffckt zn erhöhen, wäre die Steigerung der Teniperatur im Kohlenfaden. Aber hierbei ist man nahezu bei der Grenze des Erreichbare» angekommen. Es muff daniit gerechnet werden, daff bei Steigerung der Wänne der Kohle- faden nicht Stand hält. Giebt es einen andern Weg, den Nutzeffekt in Hinsicht auf daS Licht zn erhöhen? Schlüsse aus Kirchhofffchen Lehren geben einen Fingerzeig. Es kam darauf au, die Kohle durch einen Stoff zn ersetzen, der, von dem elektrischen Strom durch- flössen, den gröfften Teil der Energie in Licht umsetzt. Solche sind in nicht-metallischcn elrktrolytisch'en Körperu gegeben, das sind Körper, die den elektrischen Strom leiten, dabei aber chemische Nmsetznngen erfahren. Ans diesem Wege ging vor 20 Jahren Jablochkoff vor. Er lieff die Fnnken eines Jndnktoriimis auf ein Stück Kaolin wirken(Rernst zeigte den Jablochkoffschen Versuch) und bewirkte damit, daff das vorgewärmte Kaolinstück nn milden, angenehmen Lichte strahlte. Die Jablochkoffschen Versuche haben zu einem praktischen Ergebnisse nicht geführt» im wesentlichen wohl, weil für die Erzeugung des Jablochkoffschen Kaolinlichtes sehr hoch gespannte, für den Menscben lebensgefährliche Ströme verwandt werden mufften. Jablochkoffs Experimente ge- riethe» in Vergessenheit; als Rernst seine einschlägigen Studien be« trieb, lvuffte er von ihnen nichts. Von den elektrolytische» Leitern tvählte Rernst zur Prüfung zuerst ein Gemisch von Magnefiaoxhden mit anderen Oxyden. Die elektrolytischeu Körper sind kalte Isolatoren, d. h. sie leiten die Elektricität nicht fort. Sie werden aber lcitfähig, sobald sie erwärmt werden. Wird durch einen er« wärmten Elektrolyten ei» Strom geleitet, so wird die ganz über« wiegende Menge der Energie in Licht umgesetzt. Das ist der Grundpfeiler, auf dem die Rernstsche Erfindung ruht. Studien am Anerlicht wurden bei der Ausmittelnnq eines geeignete» GliihkörperS wichtig Aber eS waren noch eine Reihe Vorfragen zu erledigen. Zunächst war zu prilfe», ob nicht die Glühkörper bei der Durch- leitnng des elektrischen Stromes zersetzt»verde». Dem läfft sich aber leicht vorbeugen. Wichtiger Ivar etlvns anderes. Der Rernstsche Glühkörper»vird erst dann leitend und komnit demnach erst dann ins Glühen,»venu er erwärmt ist. Bei offenem und kleinem Ncnistschen Lichte muff diese Vorlvärnrnng mit einem brennenden Streichholz geschehen. Für gröffe're Rernstsche Lampen muff aber ein besonderer Apparat eingefügt»verde». Er besteht im»vesentlichen ans einer Drnhtspirale, die unmittelbar unter dem Glühkörper angebracht»vird. Solvohl durch die Spirale »vie durch de» Glühkörper wird der Strom geleitet,»venu eine Lampe angezündet»verde» soll. Die Spirale kommt dann schnell ins Glühen, die dabei cntlvickelte Wärme wirkt a>lf den Glühkörper und macht ihn elektrisch leitend. Der Glühkörper kommt ins Glühen. Es vergeht darnach ein kleiner Zeitraum von 20—40 Sekunden, ehe das Rerustsche Glühlicht zu strahlen beginnt; in der voraufgehenden Zeit sieht man den roten Schimmer der glühenden Spirale. Nach Rernst»vird sich aller Voraussicht nach die Zeit der Vorivarmung abkürzen lassen. Das Rernstsche Licht ist kräftiger als das jetzt im Gebrauche befindliche Glühlicht; vor allem aber zeichnet es sich vor diesem dadurch aus, daff es bei seiner Jiitensität dem Sonnenlichte gleicht. Bei den Rernstsche» Lampen fällt das Lnftleermachen der Birnen, die in der äußeren Form vo» den jetzigen Glühbirnen nicht ablveichen,»veg.— '♦e* c. Eine Wanderbibliothek für Eisenbahubeantte. Eine amerikanische Eiscnbahn-Gcsellschaft— die Baltimore and Ohio Railivay Company— hat fchon vor einer Reihe vo» Jahren den Versuch gemacht, eine Bibliothek zum ausschlicfflichen Gebrauch ihrer Angestellten und deren Familien zn schaffe». Die Gesellschaft hatte iin Jahre 1886 3000 Bände gekaust, und dieser erste Fonds ist so« fort durch Personen, die sich für das Unternehmen interessierten, mn ISOO Werke vermehrt worden. Gegenlvärtig besitzt die Bibliothek 14 000 Bände. Das Ccntralbureau befindet sich in Baltimore. Von dort Iverden die Bücher, Revnen und Tagcszcit»»»gen den Beamten, die solche fordern, durch Vermittlung von 674 lokalen Agente»» zu« geschickt. Jede Sendling soll in den 24 Stunden, die dem Auftrag folgen, an den Besteller gelangen. Die Zahl der Ausleihungen hat in den letzten Jahren eine bedeutende Zunahme erfahren. Im Jahre 1896 wurden 39 505 Werke von 2500 Personen entliehen. Es ist dabei zu bemerken, daff Romane, die»vährend des ersten Jahre? 64 Proz. der Cirknlation ausmachten, jetzt nur noch 53 Proz. be« tragen.— Mufik. Die ersten zwei Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts hatten der Dichtkunst und Musik eine ganz eigene und specifisch deutsche Gabe ge- 368 bracht: den mehrstimmilM(meist vierstimmigen) Mnnnergesang. Als äußerer Ausdruck dafür entstanden— abgesehen von den studentischen Bestrebungen(„Burscheulieder*)— die Männergesangvereine; ihr anderer, die gesellige Tendenz betonender Name. .Liedertafel", gab bei der späteren Ueberwucherung eines weniger künstlerischen Gesangsstiles Gelegenheit, von„Liedertafelmusik" zu sprechen. Voran ging Norddentschland, mit dem Anfangsdatum 1809(Berlin) und mit einen: Vorwiegen der höheren und künstlerisch beteiligten Gesellschastsschichten. Im Gegensatz dazu entfaltete sich in der Schweiz, zumal unter dem Komponisten und Pädagoge» Naegeli, eine mehr bolkstiimliche Richtung des Männergesangs lzucrst Zürich 1810); seit 1824 griff sie auch auf Südwestdeutschland über. Die zurückgehaltene politische Stimniung des„Vormärz" entlud sich n. a. besonders in diesen Vereinen und in den sie zusammenfassenden „Sängerbünden"; schließlich lebte die Sehnsucht nach nationaler Gemeinschaft hauptsächlich in den über alle deutschen„Gaue" ver- breiteten Sängerscsten, und das zu Schleswig voni Jrili 1844 gab specicll dem Verlangen nach„Schleswig-Holstein meerumschlnngen" Ausdruck Eine ebenso neue Bereicherung für die Liedcrtnnst, wie sie die Zeit der Freiheitskriege gebracht hatte, war allerdings den Kreiheitstämpfen der Jahrhundertsmitte nicht mehr zu danken; doch der Männergesang als solcher blühte kräftig weiter. Ob nun die modernen socialiftischen Freiheitskänipfe ebenfalls eine Bereicherung der Liederkunst in sich bergen, ist mindestens schwer zu sagen. Am ehesten gilt dies noch von Dichtungen; hier haben Henckell(Anthologie„Buch der Freiheit"), R. Seidel(„Aus Kampfgelvühl und Einsamkeit"), Mackay, Dehinel, A. Scheu u. a. manches Wertvolle geleistet. Auf musikalischer Seite jedoch fehlt »och fast alles; wir kennen außer Vereinzeltem, das wir zum Teil schon besprachen, vorerst nur das n»S jetzt vorliegende„A r b e i t e r- Liederbuch f ü r v i e r st i m m i g e n M ä n n e rch o r. Heraus- Begeben von Josef Scheu(Dresden, I. Günther). Zunächst ei bemerkt, daß wir dieses— noch dazu billige und freundlich aus- gestattete, auch die Atemzcichen nicht vergessende, aber leider selbst über die Berichtigungen hinaus noch verdruckfehlerte— Wcrkchen aus vollem Herzen empfehlen können. Möge es jedem, ob er nun mehr künstlerische oder niehr sociale Absichten verfolgt, ein lieber Begleiter werden und möge der Wunsch des Herausgebers nach der Ennöglichung weiterer Hefte recht bald erfüllt werden! Eine eigentliche Bcrcichernng oder gar reformatorische Vorwärts- bewegung der Tonkunst liegt hier allerdings nicht vor. Die dar- gebotenen Kompositionen kommen über den allzutaktmäßigeii Rythmus, der in dieser Kunstart überliefert ist(„Liedertafelei") und eine innigere Verbindung von Wort und Ton hindert, nicht hinaus und helfen dadurch jene Verkünstcluua des Volksgesanges konservieren, wie wir sie auch seiner Zeit im Gegensatz zu den serbischen Volksliedern bedauerten. Anffälligerlveise herrscht hier auch durchgehende ein wohl nicht ganz echter heiterer Zug. lind dann noch eine Hauptsache I Weit verbreitet ist die Klage, daß wir neben dem üppigen Männergesang und neben dem, übrigens auch nicht überreichlichen gemischten(männlichen und weiblichen) Gesang allzu- wenig an mehrstimmigen Gesängen für Frauenstimmen be- sitzen. Eine interessante Spiegelung socialer Verhältnisse! Vielleicht wird es doch möglich sein, ein weiteres der- artiges Heft dem„vierstimmigen Frauenchor" zu widmen. Allein schon für Männerstiminen liegt aus dieser Litteratur nicht viel vor. Das in jenem Büchlein Gebrachte ist anscheinend wohl alles schon bekannt und großenteils ziemlich alt(von Marschner, Kreutzer, Silcher u. a.). Unter den neueren Liedern ragen die von Riva und besonders die von dem Herausgeber selbst komponierten hervor. Sollte sich aber nicht unter den Kompositionen Alexander Ritters einiges hier Branchbare finden, das, auch wenn es anfangs etwas „schwer" ist, trotzdem zu einer der socialen Strömungen würdigen neuen Kunstforni Anregung geben könnte? Doch nochmals dem Büchlein die beste Empfehlung und An- erkennungl— sz. Geographisches. — Einen Bericht des Leutnants Lemaire. der zu wisscinchaft- kchen Forschungen über den Tanganhikasee nach Katanga, der Südprovinz des Kongostaates, ausgesandt ist, veröffentlicht die „Belgigue Coloniale". Auf dem Marsche durch die Ebene des ttaschischiflusses, der nur 1.60 Meter breit sich nach dem Kilongwe ergießt, kam Lemaire nach dem von Sagen umwobeneit See S u z i nach achtstündigem Marsche. Der See ist in Wahrheit ein 900 Meter breiter, 1200 Bieter langer Teich, dessen sumpfige Ufer jede Anuähernna unmöglich machen. Die große Ebene, in der sich dieser Teich befindet, ist außerordentlich wildreich, hat gute für den Ackerbau geeignete Erde und ist mit dichten sehr hohen Gräsern belvachsen. Der sich von Osten nach Westen hinziehende Teich wimmelt von Flußpfcrden; er befindet sich 1180 Meter über dem Meeresspiegel, und die Temperatur ist sehr niedrig. Es herrscht am See eine scharfe Kälte, unter der die farbigen Mitglieder der Expedition schlver litten. Die Expedition schlug einen Krlomctcr von dem See entfernt ihr Lager auf; alle Ver- suche, sich den Ufern mehr zu nähern, scheiterten an dem sumpfigen Boden. Nach den Erzählungen der Eingeborenen kann man lein Wild ani See fangen noch töten. Die„Zin>n", die Geister des Sees, rufen jedes von den: Jäger verwundete Tier zu sich. I» Wahrheit findet jedes von dem Jäger venvundcte Wild in den unzulänglichen Sümpfen am See sichere Zuflucht. Die Eingeborenen glauben steif und fest daran, daß diese Geister ständig in diesem Gebiete umHerreisen und nachts sich in den Dörfern ausruhen. Um sich diese Geister günstig zu stimmen, hat jedes Dorf für sie ein„Nimuba na Zimu" ein Haus der Geister er- baut, in dem sie ruhig schlafen können, wofür sie das geistfreie Dorf nicht belästigen. Dieses stets von einer festen Hecke umgebene Haus ist eine kleine am Eingange oder im Mittelpunkte des Dorfes be- legene Hütte, in der man eine Lebensmittel enthaltende Kürbisflasche niederlegt. Das Haus der Geister wird sehr sauber gehalten. In der Mitte befindei sich unter einem grünen Strauche ein steinerner Altar mit darüberhängenden Stoffen als Draperie. Der weiße den Boden bedeckende Sand bildet Zeichnungen. Das schönste HaiiS der Geister befindet sich in Kitope dicht am Eingänge in das Dorf; diese Häuser werden sehr sorgsam unterhalten.— Ans dem Tierleben. — Absonderliche Rist Plätze. Ein Mitarbeiter der „Magdeb. Ztg." beobachtete bei Westerhüsen das Nest eines Stein- schwätzers oder Stchgnckers, das hart am Bahnhofe in einem kqsten- artigen Weichenverschluß stand; im Herrenlrug das Nest einer Hecken- braunelle oder Jsserlings unter einer alten Strohniatte, die über ein Stocket geworfen Ivar; das Nest einer kleinen Kohl- oder Hnnde- meise im Standrohre eines abyssinischen Brunnens neben der Hebe- stange; auf dem Gr. Werder das Nest des schmücke» Gartenrötlings mit den schönen grünen Ei cm in einen: Tischkasten eines Kegel- Häuschens; das Nest desselben Vogels sogar in der durchgehenden. etwa 8 Centimcter breiten Oefstmng einer etwa 60 Pfd. schweren Rannne usw. Nester der Nachtigallen in Blumentöpfen, von Amseln in Myrten und Lorbeerbönmchen auf Terrasse:: usw. find keine Seltenheit. Gegenwärtig brütet innerhalb der Succulentenabteilnng der Grnsonhäuser ans einem Träger des Glasdaches der Hansrötling, und an der ans Tropfsteinen hergestellten, mit zierlichen Farren bekleideten Wand eine Schivarzdrossel.— Humoristisches. — Schön gesagt. A.:„Von Ihren Tanten malt eine, die andere dichtet, eine weitere musiziert?" B.;„Jawohl, habe lauter D i l e t t a n t e n t a n t e n l'— � Appell. Angeklagter:„Jessas, seien S' still, Herr Stimtsanwalt I So arg wie Sie jetzt mi' ja nit mal n: e i' Alte runter."— — Vom Stammtisch. Förster:„Ja, meine Herren, einst bin ich in einen so tiefen Abgrund gefallen, daß ich mich aus demselben nicht einmal— herauslügen konnte."— („Mcggend. hnmor. Bl.") Notizen. — Von der Gesellschaft für Anffnhnmg dramatischer Werke in: Theater der Urania(Jnvalideiistraße) wird an: Sonntag, den 14. Mai, 12 Uhr mittags, eine Aufführung von drei Einaktern von Pank Er n st:„Wenn die Blätter fallen",„In: cbsmbrv schmres",„Die schnelle Verlobung" veranstaltet. Das nnS vor- liegende Einladungsschreiben enthält den Satz:„Wir bemerken dabei, daß„Im cbamdrs sepaiee" für ganz junge Mädchen nicht geeignet ist."— — Der Einakterzhkkus„Die Befreiten" von Otto Erich Hartleben hatte bei seiner ersten Aufführimg im Neue» Deutschen Theater in Prag einen durchschlagende» Erfolg.—. — Die Kapelle und das S o I o p e r s o n a l der S ch>v e- riner Hofoper wird in der Zeit vom 12. bis 20. Mai die Schillingsche Oper„I n g>v e l d e" sechsmal in: Neue» O p e r n h a u s e(Kroll) zur Aufführung bringen.— —„La Nave"(Da» Schiff), eine neue Oper von Van- b i a n ch i, Libretto von M a c ch i. gelangte unlängst in Genna zur ersten Auffiihnmg und hatte nach einer Meldimg' des„B. V.-C." einen sehr guten Erfolg.— t. In der Royal Society in London besprach Croolcs die Ergebnisse seiner neuen Uiitersiichungcn über phosphorescierende Spectra, die zur Entdeckung eines neues Elementes geführt haben; der geftindene Grundstoff gehört zu der Elementen- gruppc des gsttrinm und ist mit dem Namen Victorium belegt ivorden.— — Frane» in Chicago und Rew-Dork haben einen G e- s n n d h e i t s- K l i, b begründet, der sich die Bekämpfung des Korsetttragens zum Ziel setzt.— Bernntwvttlichcr Redacteur: Angiist Jacobey tot Berlin. Druck und Verla» von Dtax Babing m Berlin.