Anterhaltungsblatt des vorwärts Nr. Z3I. Freitag, den 7. Juli. 1899 (Nachdruck verboten.) 15� Es lobe die Vunst! Roman von C. V i e I> i g. VI. Frau Kistemacher und Elisabeth Reinharz begegneten ein- ander auf der Treppe. Es tvar ain frühen Nachmittag. Durch das geöffnete Flursenster wehte eine verhältnismäßig reine Luft, die Luft des beginnenden Herbstes. Ein Strom von Duft kam aus dem Körbchen, das Frau Kistcmacher trug. Sie hatte Frückste geholt zum Einmachen und war sehr geschäftig, sehr in Eile. „Du läßt Dich ja gar nicht mehr bei uns sehen!" rief sie. Und setzte in spitzem Tone hinzu:„Deine neuen Beziehungen nehmen Dich Wohl ganz in Anspruch?" „Ich war ja erst gestern bei Euch." Elisabeth sah sie ganz verdutzt an. „So—? Ach richtig, zwei Minuten. Ich muß Dir sagen. liebe Elisabeth, mein Mann ist sehr gekränkt, und auch mit vollem Recht. Früher kamst Du und fragtest um jede Kleinig- keit: es sind noch kaum fünf Monate her, da trautest Du Dich nicht ctivas einzureichen, ehe Hans sein Urteil darüber abgegeben hatte." Sie war ganz rot geworden und hatte Thränen in den Augen.„Wir meinen es immer gleich gut mit Dir. ich will auch gar nicht Persönlich werden. Aber wir finden Deine letzte Geschichte— mein Mann hat sich natür- lich gleich die Nummer der„Jugeird" gekauft— lange nicht so gut, wie Du früher schriebst. Du hättest besser gethan, sie Hans vorher zu zeigen." Elisabeth hatte eine scharfe Erwiderung auf der Zunge. Gerade diese Arbeit war gut. sie fühlte das und nun sollte sie hier von dieser kleinen Frau ihre Novelle heruntermachen lassen? Empfindlich sagte sie:„Da steht Ihr zienUich ver- cinzelt mit Euerem Urteil da; sie sagen alle, daß die Novelle gut ist." „Gott I" Frau Julie stellte das Körbchen auf die Stufen und schlug die Hände zusammen.„Daß Du das noch glaubst, was die Leute sagen! Ich habe Urteile hinter Deinem Rücken gehört— aber ich will Dich nicht ärgern. Wir haben all unsere Bekannten für Dich interessiert, nun kommt jeder und sagt mir seine Meinung. Ich fürchte, der Kreis, in dem Du Dich jetzt mit Vorliebe bewegst, hat keinen guten Einfluß auf Deine Schreiberei. Ich bin Deine aufrichtige Freundin und meine es wahrhaftig gut mit Dir und hätte es Dir längst sagen sollen!" Frau Kistcmacher sprach nicht mehr gereizt, fondern im Ton wirklicher Bekünunernis. Sie stieß einen Seufzer aus:„Schade!" Elisabeth stand betrofien— war das wahr, ließ sie denn nach? Ein glühendes Rot färbte ihre Wangen, und ein Schreck durchfuhr sie. „Sieh' mal," Frau Julie schlang den Arm um sie,„es ist wahrhaftig nicht gut, daß Du so viel mit diesen jungen Litteraten verkehrst. Die mögen ja sehr talentvoll sein, aber ver- rückt sind sie alle, das mußt Du doch sagen. Und so frei! Man hört genug, wie cS da zugeht I Es ist mir schrecklich, daß Du dazwischen steckst; so allein, ohne jeden Schutz I" „Ich brauche keinen Schutz." Elisabeth machte sich von dem sie umschlingenden Arm frei.„Du beleidigst meine Freunde I" Finster sah sie vor sich hin. „Na, na, sei nur nicht gleich böse I" Frau Julie streichelte sie.„Die Leute reden Dir eben so viel vor, daß Du die Wahrheit gar nicht nichr vertragen kannst. Aber was sie wirk- lich denken, das sagt Dir keiner. Ich habe vorgestern die ganze Nacht nicht schlafen können, als ich Dich abends noch nnt dem Heider fortgehen sah. Ich traue Dir freilich einen besseren Geschmack zu— so ein häßlicher Mensch! Und sonst soll er doch auch nichts haben. Aber was denken die Leute? Mit'ner Schriftstellerin nimmt man's ja nicht so genau, das Extravagante liegt im Beruf, aber Du wirft Dich doch am Ende mal gut verheiraten wollen. Was nutzt Dir sonst die ganze Schreiberei? I Wenn Du mal gern zu einem Vergnügen gehen willst, sag's, mein Mann und ich gehen gern mit Dir. Wahrhaftig, Elisabeth"— sie sah das Mädchen an, wie ein Kind das Spielzeug, das man ihm entreißen will—„wir meinen es am besten mit Dir!" „Das weiß ich." Elisabeth gab ihr hastig die Hand. Sie fühlte plötzlich eine quälende Verstimniung. Sollte Frau Kistemacher recht haben mit dem, was sie da im Ton auf- richtiger Teilnahme sagte? Nein, nein— Elisabeth mußte lächeln— nichts als Eifersucht! Zum erstenmal hatte die sich gezeigt auf dem Fest bei Kroll, aber es war ja nur Liebe, wirkliche Freundschaft, die diese Eifersucht hervorrief; warum also die guten Menschen kränken? Ihr Ton klang versöhnlich, als sie sagte:„Soll ich morgen abend zu Euch konimen, paßt es— Dir?" Daß„Du" wollte immer noch schwer über ihre Lippen. Mit wem alles nannte sie sich nicht„Du"! Mit Leonore Mannhardt, mit Alinde Rosen, mit der Starzhnska; die hatte es ihr in dem letzten Nionient ihres Sommerfestes bei Kroll enthusiastisch an- getragen. Wenn das so weiter ging, hatte sie bald ein Dutzend Duzschwestern. Frau Jrilie war vollständig versöhnt. Sic machte keine einzige Bemerkung, als das Mädchen auf ihre Frage:„Wohin gehst Du?" antwortete:„Heider will mir entgegen kommen; wir machen mit seinen Freunden eine Partie." Langsam ging Elisabeth über die Straße. Die große Freudigkeit, mit der sie sich zu dem heutigen Ausflug gerüstet, war verschwunden. Sie hatte einen bitteren Geschmack auf der Zunge; immer noch hörte sie Frau Kistemachers ctwaS scharfes Organ. War es denn wirklich so? Brauchte sie einen Schutz? Ihr Leben feit dem ersten Frühjahr schoß mit Blitzes- schnelle an ihr vorüber. Da war ihr reger Verkehr im Mannhardtschen Hause— jetzt war Leonore ins Bad gereist, vergeblich hatte der Strohwitwer sie gebeten, ihn zuweilen in seiner Einsamkeit zu besuchen. Da waren die Besuche auf Redaktionen, dieses Warten in Vorzimmern. Da war eine Scene im dunklen Wagen in stürmischer Gewitter- nacht, die sich immer und immer noch nachts in ihre Träume mengte und sie anekelte. Da war vor allen: zuweilen ein Sicheinsamfühlen mitten unter vielen Menschen. Auch bei der Arbeit überkam sie's, dies Gefühl der großen Einsamkeit. Wie schön mußte es sein, wenn die quälenden Gedanken kamen, wenn das Ringen nach Gestaltung Seele und Körper erschütterte, hingehen zu können und den heißen Kopf an eine treue Brust zu betten. Man hört den Schlag deS eivzigcn Herzens, das einen ganz versteht. Man fragt, man zweifelt:„Wird es gelingen?" Und das Herz ant- wortct:„Ja I" Wo war dieses Herz? Wie eine bange Frage lag es in den Mädchenaugen, sie strahlten nicht mehr so hell. An den langen Sommerabendcn saß Elisabeth oft am Fenster, stützte den Arm auf und blickte unverwandt zu den Sternen. Eine Flucht von Gedanken, ein Heer von Zweifeln jagte durch ihren Kops. War das ihr Stern, der da oben funkelte? Würde sie ihn erreichen? I Niemand antwortete. Elisabeth beugte sich weit hinaus im Uebennaß der Empfindung und streckte die Hände in die Nacht. Sic arbeitete viel.„Viel zu viel I" brummte Mile. „Immer noch nicht genug, mehr,.mehr I" stachelte Leonore. „Du bist aus dem besten Wege, berühmt zu werden. Sowie Dein Buch heraus ist, gebe ich ein Diner." Und Mannhardt sagte: „Wenn Dein feiner Geist, liebe Leonore. sich mit dem Temperament von Fräulein Reinharz verbände, könnte ein geradezu hervorragendes Werk entstehen. Weißt Du was. Lorle, nächstes Frühjahr, oder auch noch im Winter entführen wir Fräulein Rcinharz in irgend einen entlegenen Winkel, Ihr beide müßt da gemeinsam etwas schreiben." „Das wäre herrlich I Eine wunderbare Idee von Dir, Liebster I" Leonore fiel Elisabeth um den Hals.„Wollen wir, Herzchen? Ja, natürlich!"— Elisabeths Gesicht hatte nicht mehr die runde Fülle, die das ruhige Landleben giebt. Die Wangen waren von zarterer Röte und ein wenig schmal geworden: ein sehnsüchtiger Hauch lag im Lächeln um die leichtgcsenktcn Mundwinkel. Sie ermüdete eher, denn sie hatte nicht mehr die unverwüstliche Gewißheit des Erfolges. Was waren all die kleinen Zag- hastigkeiten der ersten Zeit gegen diese Zweifel? Damals konnte ein einziges anerkennendes Wort, Herrn Kistenlachers Lob schon, sie in alle Himmel erheben. Und jetzt? Sie hatte Nächte, in denen sie sich schlaflos umhcNvärf. Ihr Kinderschlaf, den sie bis dahin immer noch bewahrt, kam nicht mehr; er war weggeflogen, weit weg, Vertrieben vom Länn der Grogstadt, verscheucht von den Menschen. Sie kamen alle und drehten die Seele des Mädchens zlvischen ihren Fingern und tvollten sie formen wie Wachs, je nach Belieben. T!as that weh; und da sollte man ruhig schlafen? Ja, sie brauchte einen Schutz. Einen, der sich wie eine Mauer zwischen sie und die Welt schob, dag sie deren Geschwätz nicht hörte. Der da wachte, dag sie träumen konnte. Immer wieder kamen ihr Frau Kistemachers Worte in den Sinn. Was der gute Hcider wohl sagen würde, wenn sie's ihm erzählte? Lachen würde er:„Ich pfeife drauf!" Er hatte gut lachen! er war* ein Mann und hatte derbe Fäuste, und wenn das Wasser ihm bis an die Kehle ging, schwamm er durch. Ach, sie enipsand die ganze Unzulänglich- keit des Weibes. Tie Herbstsonne schien warm, aber nicht hcig. Die elegante Welt von Berlin war noch in den Seebädern und in den Höhenkurorten. Und doch hatte Berlin auch jetzt seinen Reiz. Elisabeth fühlte die Luft durch die breiten Stragm streichen: die waren weniger lärmend als sonst. Arbeiter lagen ruhig zivischen einem aufgerissenen Pflaster und schliefen, Kinder spielten vor den Häusern; auf allen Baikonen Blumen, leuchtende Geranien und buntgefärbter wilder Wein. Bor den Obstkellern Körbe voller Früchte, blaue Pflaumen, goldige Birnen und rötliche Aepfel; schon Trauben und Nüsse. Umjurrt von Bienen, umschwebt von lockendem Duft gaben sie ein Stück Poesie. Sie erzählten vom Land, von der Freiheit draußen, wo die Obstbäume auf grünen Wiesen stehen, wo der Wind sie schüttelt und die reifen Früchte in das Gras wirft. Elisabeth erinnerte sich ihrer Kindertage mit einer sonst nie empfundenen Weichheit. Wäre sie doch nie fortgegangen aus ihrer Stille l Was war das nur heut? Immer stiegen ihr Thränen in die Augen. An der Bülolv-Strage traf sie mit Heider zusammen. Ersah sie an mit seinen braunen Augen, wie ein treuer Neufund- länder seinen Herrn; er fühlte sofort, da stimmte nicht alles. Sie hatte sich mit Sorgfalt gekleidet und trug ein helles Kleid, aber ihr Gesicht paßte nicht dazu. lFortsetzung folgt.) V i o � n f e n. lNach dem Polnischen.) Die kleine naive Tränmerin an meiner Seite wiederholte»ntcr schwärmerischen Seufzern, indem sie den cntziicklcn Blick über die Gegend schweifen lieh:„Ach wie schön ist es hier!" Beim Anblick der malerischen Schlotzniine, deren Schönheit ich ihr erklärte, verfiel sie nach niid nach in jenen halbwachen Znstand romantischer Schwärmerei, in den die jungen Mädchen bei der Lcltiire eines rührenden„Heldenroinans auf historischem Grunde" zu geraten pflegen. Aus ihren schwärmerischen Blicken und abgerissenen Bemerkungen trat immer deutlicher jene flache sentimentale»nd kritiklose Verehrung für das Gewesene hervor, für alle verstorbenen Großen und alle falschen Helden der für die Jugend bearbeiteten Geschichtssageir. Es war die Begeisterung, die genährt wird durch tendenziöse, populäre Handbücher und patriotische Komödianten, die ihre chauvinistische Melodie herunterleiern wie der Leiermann den Leierkasten. In freundschaftlicher Art spottete ich ihrer einfältigen Ideale und mit der Nücksichtslosigkcit eines Entnnchterlen, für den es außer de» Ueberrcsten der Kunst und dein Martyrium der Nanienlosen nichts Achtungslvertcs in der vielgerühmten Vergangenheit gicbt, suchte ich sie über jene Jahrhunderte der Finsternis, Gcivalt»nd Nieder- trächtigkcit aufzuklären und die romantische Hülle, welche ihre naive Phantasie über das gewesene Nanbschloß und dessen einstige Besitzer geivorfen hatte, gcwaltsain abzureißen. „Sagtest Du doch selbst, wie schon das sei," unterbrach sie mich in vorwurfsvollem Tone, indein sie auf die Nuinen hiulvics. „Die Mauern?— oder was darin geschehen ist?" Eigentlich hätte ich lvicdcr von vorn ansangen müflen, aber wir wurden durch einen Bauer mit Erdbeeren von unserem Gespräch abgelenkt. Wir kauften ihm seinen Vorrat ab, setzten uns auf den Schlotzabhang und begannen die schmackhaften Beeren zu verzehren, zuerst einzeln, dann zu zlvcieii, dann gleich die ganze Hmidvoll, bis wir schlietzlich zu unserem großen Bedauern die letzte verschluckt hatten. Als ich mich nach dem Bauer umdrehte, ob er nicht noch mehr Erdbeeren hätte, frappierte mich der Anblick seiner Jammergestalt mit dem bleichen eingefallenen Gesicht, dem abgerissenen Gewände und jenem namenlos traurigen Gepräge der Amrut. des Druckes und der Verkrüppelung, das den polnischen Bauer» und ihren Gäulen so eigcil ist. „Diese Gegend ist wohl sehr arm?" fragte ich. Er bestätigte es wie etwas, das iür ihn nicht mehr neu war. worüber nia» schon unzählige Male erfolglos geklagt hatte. Doch allmählich taute er auf. „Das Dorf"— sagte er—„zählt dreihundert Hütten, deren arme Bewohner kein eigenes Grundstück haben, sonder» die vom Grafen gemieteten kleine» Grundstücke bebauen. Derlei gicbt's nicht viele, auch sind sie zersplittert, zerstreut und taugen wenig. Regen, Wind und Hagel thun das Ihrige, um die Früchte der Arbeit zu zerstören, und da man davon nicht zu leben vermag, herrschen im Dorfe nur Hunger, Krankheit und Not." „Warum wendet Ihr Euch nicht an den Grafcir nn: Hilfe?... Der hat ja viele Ouadratmeileu Erde, Wiesen und Wälder, dem kann es nicht schwer fallen, etivas für Euch zu thun." „Wohl sind manche zu ihm gegangen, aber erfolglos, sie sind noch lvcgen Aufwiegelei destraft worden." Er ließ seine Augen über die Hügel und Felder schweifen, wo er im vergeblichen Kampfe mit seiner sklavischen Existenz Kraft und Leben einsetzte, seufzte schwer auf, und während sich sei» Antlitz noch mehr verfinsterte, sägte er grollend hinzu: „All dicS ließe sich noch ertragen, wenn nur nicht diese Hasen...." „Was für Hasen?" „Die Hasen des Grafen, deflcn Güter sich durch prächtige Jagd« gründe auszeichnen. Die Gegend ist besonders au Hasen reich, die hier zu Tausenden von deS Bauern Arbeit leben. So ist es in der That, die Bauer» müssen die herrschaftlichen Hasen füttern, die aus den angrenzenden Wäldern in unsere Felder komnicn»md hier un- gestört weiden, als wüßten sie, daß den Bauer die strengsten Strafen treffen würden, wenn er sie tötete. Er muß es ruhig geschehen laffen, danlit die hohen Herrschaften etwas zu schießen haben." „Wie?... gicbt es keine Abhilfe dagegen?" „Keine, höchstens eine Hasenscuche." Kann es etivas Ungerechteres geben? Ein elendes Stück Erde ivird dem Bauer teuer verpachtet, von ihm im Schweiße seines Angesichts bearbeitet inid dann dem schädlichen Tier, dem Hasen, zur Vernichtung ausgesetzt. Was des Aermstcn einzige Kuh nicht auf nieileniveitcit herrschaftlichen Wiesen thun darf, das ist Tausenden von Hasen auf einem halben Morgen Banernacker gestattet! „So wehrt Euch doch! Führet Klage! Suchet Gerechtigkeit!"_ Der Bauer machte eine Verziveifelte Handbelvegnng. Wie käine er dazu, mit den gräslichcu Hasen Krieg zu führen? „Wie findest Du das?" fragte ich das junge Mädchen an meiner Seite. Sieh da!... Wanda hatte Thränen in den Augen, leichte, wie Thau vergänglich, aber dennoch Thränen der Entrüstung und deS Mitleids. Sie hatie also das Schreckliche herausgefühlt. Jetzt war der Augenblick gekommen, dachte ich mir, wo an ihre Seele, die für so vieles verschlossen ivar, gepocht werden müsse, Ivo der Strahl des Denkens hinciudringen und alles darin erivccke» könne, was über den Instinkt deS Weibchens und die Träume eines Kindes geht. Ich zog sie niit mir in den Wald und begann voll Eifer: „Siehst Du, siehst Du, was man aus dem Bauer gemacht hat? Was man aus dem Menschen gemacht hat? Das Schloß ist längst zusammengestürzt, ringsum aber stirbt der Bauer wie ehedem Hungers und ist das geduldete Lasttier der Magnaten. Während von der einen Seite des Waldes sich das luxuriöse Leben der großen Herren abspielt, fressen deren Hasen von der andern Seite dein Bauer all das auf, was ihm Frost, Dürre, Hagel, Regen, Wind, Mäuse, Käser und die Füße der Vorüber« gehenden nicht zu zerstören vermocht habe». Der Bauer mutz auf seine Koste» all das erhalten, was in der Welt böse und unnütz ist, angefangen vom fremden Luxus bis zur eigenen Not und Finsternis. Mit diesem Finch ist er zur Welt gelomnien. Für diese riesige und koiuplizicrte Pumpe, welche die gesellschaftliche Ordnung genannt wird, die mcnschlichc Niedertracht ersonnen und eingerichtet hat, muß der Bauer Säfte zuführe», ebenso wie er im Märchen dem Drachen Blut zugeführt hat. Und schließlich geht dieses arme, schwache, dumme Tier, das in Fäulnis wohnt. Abfälle ißt, und sogar dem Hasen weichen muß, und opfert sein Blut auf dem Schachbrett blutiger Kombinationen, wo..." Hier unterbrach mich Wanda, indem sie mir erschrocken zu« flüsterte: „Pst!... Mir war's, als ob jemand käme!" „Nun, was ist dann?" „Wenn man Dich hören würde..." «Nun, was weiter?..." fragte ich erstaunt. „Man könnte Dich noch für einen Socialisten halten und Du hättest Unannchmlichkeitcn... Rentiert sich das?... Ist es denn ivert, sich mit anderen zu beschäftigen, wenn man ihnen nicht helfen kann?... Wie es einmal ist, so � ist es immer gewesen, und so muß es eben sein. Alle können es nicht gut haben, das ist un- möglich.... UebrigcnS können sie sich allein helfen: Du trägst keine Schuld daran, also was qcht es Dich an? I... Wozu mit solchen Dingen den Ausflug verderben?" Armes Tierchen I Sie hat mich vollständig entwaffnet. Niflit sie also ist schwärmerisch veranlagt, sondern ich bin es. Nicht sie ist schuld daran, dast sie so ist, wie sie ist, sondern ich, der ich mich zuweilen Täuschungen über sie hingebe!... Denn eigentlich ist sie nicht böse. Sic hat sogar unzweifelhaft Borznge, einen sehr graziösen Fntz z. V.. ein äußerst wohlklingendes Organ, große sanfte Auge» und einen üppigen Haarwuchs.... Dabei ist sie so jung, so frisch, so uneigennützig, liebt mich von ganzer Seele.... Aber sie hat einen verhängnisvolle» Fehler: sie hat dieselben Anschminngen wie ihre Mutter, ihr Vater und der Herr Pfarrer, deren Mund sie als Qncllcl der Weisheit betrachtet, und eben dieser Mund ist es, der von Unsinu überströmt.— Kleines �euillekon. dt. Die Nhrenpriisuiigöstelle der Urania. Die Urania- Sternwarte in der Jnvalidenstraße hat im Verein mit dem deutschen Uhrmachcrbund eine PrüfnngSstelle für Taschenuhren eingerichtet, die am Mittwoch eröffnet wurde und auf deren Bedeutung ein Haupt- sächlich aus Uhnuachcrn und Vertreter» der Presse bestehendes gc- Indcncs Publikum hingewiesen wurde. I» dem einleitenden Vor- trage über die Bedeutung einer solchen öffentlichen Prüfung von Taschenuhren betonte Herr Professor Nculeanx, daß cS sich hier in erster Linie um eine Veranstaltung handle, durch ivelche die deutschen Uhrmacher in ihrcin Wettbewerb mit dem Auslände unterstützt und dieser wichtige Zivcig der Industrie, der gegenwärtig in lebhaftem Anfschwung begriffe» sei, noch mehr gehoben werden solle. Die Veranstaltungen, die zur Prüfung von Uhren nötig sind, die Herstellung gleichmäßiger hoher und niederer Temperaturen, Ansstcllnng geeigneter Apparate ic. sind derartig kostspielig und zeitraubend, daß selbst große Firmen ihre Uhren nicht selbst prüfen. Für die Schweiz hat die Ncncnbnrgcr Stcrilwartc durch die Uebernahme der Uhrcnpriisung Erhebliches geleistet; in Deutschland sind einige Sternwarte» mich damit vorgegangen, und für die Ece-Uhren ist eine PrüfnngSstelle durch die Vereinigung für Chronometrie geschaffen. Für Taschcnnhrc» soll die nengeschasfcne Stelle dasselbe leisten, und es steht zu hoffen, daß auch das Publikum niit der Zeit mehr auf größere Genauigkeit achten und einer mit einem guten PrüsnngSfchcin versehenen Uhr vor anderen de» Vorzug geben wird. Auch die mit der Sternwarte verbundenen Normaluhren dienen ja demselben Ztvcck und erfüllen denselben auch in erfreulicher Weise. Dann fügte Herr Witt noch einige durch interessante Experimente erläuterte Worte über die Einrichtung der neuen PrüfnngSstelle hinzu. In zweifacher Hinsicht muß die Prüfung einer Taschenuhr erfolgen, in Bezug auf Tempcratnrändernngen und in Bezug auf Lagen- änderungen. Der Einfluß von Tcmpcratnrschwnnknngc» auf den Gang einer Uhr ist klar. Die sogenannte Unruhe, ein mit einer feinen Spiralfeder verbundenes leicht bc- bewegliches Rädchen, vertritt in Taschenuhren die Stelle des Pendels, indem es beständig hin und her schwingt und die Schwingungen in gleichen Zciteir vollendet. Die Dauer dieser Schwingnnge» hängt aber sehr von der Größe des Unrnhrädchens ab. Steigt die Tem- pcratnr, so dehnt es sich ans und schwingt dann langsamer; die Uhr geht infolgedessen zu langsam. Sinkt die Temperatur, so schtvingt das sich zusammenziehende Rädchen schneller, die Uhr geht vor. Mancher- lci Vorrichtungen werden getroffen, um die Ungleichmäßigkeiten zu beseitigen und einen gleichmäßigen Gang für die verschiedensten Temperaturen zu erzielen. Sehr häufig wird das Rädchen ans. zwei Halbrädcheu oder Halbbügcln verfertigt, die sich nicht vollständig schließen, sonder» je ein freies Ende zeigen. Ist nun jeder dieser Bügel nicht ans einem Metall verfertigt, sondern sind in jedem zwei verschiedene Metalle, etwa Messing und Stahl, an einander gelötet, so dehnen sich diese bei gleicher Tcmpcratnrcrhöhnng verschieden stark aus: hat man eineil grade», aus Messing und Stahl zusammen- gelöteten Streifen, so muß derselbe bei Tcniperatnrändernngcn eine Krümmung erleiden, er muß sich werfen, und.cttvas Achnliches tritt auch bei einem solchen Bügel der Unruhe ein. Er krümmt sich in solcher Weise, daß sein freies Ende dem Mittelpunkt der Unruhe näher rückt, wenn bei der Ausdehnung das Ganze größer wird. Dadurch kau» erreicht werden, daß die Schtvingnngsdancr der Unruhe und damit der Gang der Uhr bei verschiedene» Temperatlire» sich gleich bleibt. Darauf aber kommt es vor allem bei einer guten Uhr an; ein vollständiges Ucbereinstimmen mit dem Gange der mittleren Sonne, nach welchem die Zeit eingeteilt wird, ist ausgeschlossen: die Abweichiuigcn solle» sich aber Tag für Tag in gleicher Weise wiederholen, da mau nur dann auf die Uhr sich verlassen und die genaue Zeit aus ihrer Au- gäbe berechnen kann. Herr Witt zeigte unter anderm da? Prüfimgsresnltat einer Taschenuhr, welche für Tcmperaturdiffercnzen sehr gut kompensiert war; trotzdem aber zeigte sie in ihrem Gange sehr unregelmäßige Schtvankungen, wenn man sie in verschiedene Lagen brachte i mit dem Bügel»ach rechts liegend ging sie anders, als mit dem Bügel nach links liegend, und wiederum anders, wenn das Zifferblatt bei horizontaler Lage oben, als wenn es unten lag. Gerade für Taschen- uhrcn, die in die verschiedensten Lagen kommen, ist die Prüfung des Ganges für Lagcnändenmgen sehr wichtig. Sehr interessant war die Beslinnnnng der SchwingnngSzcit einer gewöhnliche» Unruhe. die mit Hilfe dcS Hippschc» Chronometers bis auf Tausendstel Sekunden vorgenommen wurde. In t,4. also etwa 1�/2 Sekunden war die Schwingung vollendet. Wurde die Messung in vertikaler Stellung der Unruhe ausgeführt, so ergaben sich deren noch 55, bei horizontaler Lage der Unruhe dagegen nur 35 Tausendstel Sekunden; um t.0 Tausendstel oder'/so Sekunde war die Schwingnugszeit also kürzer in der horizontalen Lage. Manchem erscheint es vielleicht pedantisch, auf eine so geringe Zeitdisferenz z» achten. Doch bekommt die Sache sofort ein anderes Gesicht, wenn man bedenkt, daß diese kleinen Differenzen sich bc- ständig zu einander addieren. Eine Unruhe, die in IV2 Sekunden eine Schwingung vollführt, schtvingt im Laufe eines Tages von 24 Stunden 57 600 mal hin und her. infolgedessen macht eine Abweichung von mir Vso Sekunde bei der Dauer einer Schwingung für de» ganzen Tag schon IS Minuten und 12 Sekunden aus, und das ist eine Abweichung, die wir uns bei den Uhren unseres tägliche» Gebrauches denn doch nicht mehr gefallen lassen. Eine Uhr, die so große Unterschiede zeigt, je nachdem wir sie in der Tasche tragen oder ans dem Tische liegen lassen, tverdcn wir zu den guten nicht mehr rechnen. Die Feststellung selbst sehr kleiner Zcildisfcrcnzen ist also durchaus keine überflüssige Sache, sondern wird gerade dem an Ordnung und Pünktlichkeit Gewöhnten als wichtig erscheinen.— — Ei» Ranchberbot. Ans Wallis wird der„N. Fr. Pr/ geschrieben: Ein Gesetz des Kantons Wallis vom Jahre 184S unter- sagt allen Personen, fremden und einheimischen, die im Kanton domiziliert sind, das Rauchen vor vollendetem 20. Lebensjahre bei einer Buße von 2 Frank, die im Rückfalle verdoppelt wird und bei Nichtbezahlung in Gefängnis von ein bis drei Tagen nmgetvandclt tverdcn kann. Es scheint, daß diese tun» 50 Jahre alte Be- stimmnng au Kraft etwas eingebüßt hatte. Der Staatsrat hat daher voriges Jahr die Gemeinderäte und Polizeicorps zu vor- schärfter Aufmerksamkeit eingeladen und sie ersucht, mit ganz besonderer Sorge iibcr die Beachtung dieses Gesetzes zu wachen und jede Zutviderhandlung strenge zu bestrafen. Die Berichte, welche nun eingelaufen sind, zeigen, daß dieses Gesetz schwer durchzuführen ist. Ans einem einzigen Berichte wird mitgeteilt: Nur in zwei Gemeinden sei dieser Mißbrauch nicht zu konstatieren, alle anderen lauten un- günstig, der Gebrauch dcS Tabaks sei fast allgemein geworden und mehre sich von Jahr zu Jahr. In anderen Berichten wird geklagt, das Verbot werde fast nicht oder gar nicht beachtet, daß„die Gemeinde- Polizei ihre Pflicht in dieser Hinsicht nicht ersiille oder daß Zuwider- Handlungen nicht strenge genug bestraft tverdcn".— Archäologisches. — E i n altbyzantinisches Schreibzeug ist. nach einem Bericht des„Bulletin de la Socists des Antiqunires", kürzlich in Egypten gefunden tvorden. Es wurde durch die von dem franzö- sischcn Archäologen Gaget anf dem Gebiet der alten Stadt Antinoe vorgenommen Ausgrabungen ans Licht gebracht. Es ist ein Schrcibrohr-Etni von langgestreckter Form und mißt 225 Milli- mcter in der Länge und 85 Millimeter in seiner größten Breite. Ein byzantinisches Schreibzeug von ähnlicher Form und mit reicher Ausstattung wurde schon im 1«. Jahrhundert in der Abtei von Saint-Dcnis gesunden und geht etwa auf daS 11. Jahrhundert zurück. Das Etui des Schreibzeugs von Antinoe wird von einer winzigen Bronzeplatte gebildet, die von� gepreßten» Leder überzogen ist. Auf diesem befinden sich mehrere Inschriften, von denen die eine»ms den Namen des Schreibers, dem dieses Schreibzeug gehörte, und in dessen Grab es gefunden»vurde, mitteilt. Ganz oben am Etui liest man eine Aurusnng des heilige» Philotetes, des Schutzpatrons des Schreibers Painios. Daniiiter ist der Schutzheilige abgebildet, a»if- rcchtslchcnd, mit den Zügen eines Kriegers und mit einem Heiligen- schein. In der rechten Hand hält er eine spitze Lanze, mit einem Fähnchen versehen, deren Spitze er in den» Kopf einer Art von zusanmiengcrolltcr Schlange versteckt. Die linke Hand des heiligen Philotetes ist aus einen Schild von ovaler gestreckter Foni» gestützt. Darunter folgen 13 Zeilen, von»»gleicher und ab- nehmender Länge, der gestreckte» Form des Etuis angepaßt, anf denen man eine Anrufung oder eine gnostische Litanei liest. Alle Zeilen enden mit einer Art Refrain. Neben diesem Schreib-Etui fand man auch das Tintenfaß des Schreibers,»och mit aus- getrockneter Tinte darin. Es ist eine Art Tasse ohne Henkel und von niedriger Form, in der eine andere Tasse derselben Art und von fast gleicher Größe n>it Hilfe eines leichten Papyrus-Polstcrs befestigt ist. Sie mißt 7 Centimeter und ist von einem auch in Bronze ciselierten Deckel in Form eines Kegels bedeckt, der an der oberste» Spitze ein Loch aufweist, das aber zu klein scheint, als daß man das Schreibrvhr hindurchstecken könnte.— Geographisches. — Eine neu e G r a d m e s s n n g in Afrika, die sowohl hinsichtlich ihres Ilmfangs, als auch ihrer Wichtigkeit alle bisher ausgeführte» übertreffen wird, ist von englischer Seite geplant und durch den Leiter der Kap-Sterntvarte, David Gill, bereits thatkräftig in Angriff genommeil worden. Es handelt sich»im eine längs oder doch nahe den» dreißigsten Längengrad söstlich von Greeilwich) auszuführende, mit astronomischen Bestiiuniungelt zu verknüpfende Trian.Micrnng, die, in Süd-Lit�edesia(Vriiisii Betschiwna- Land) beginnend, zunächst durch Britisch- Oslasrila lind bis an die Grenze von Dentsch-Ostafrika gejährt tvcrde» soll. Gill spricht die Hofsnnng aus, dak die Deutschen nicht zögern Iverdcn, die Trinngnlicrnngsarbciten am Oslufcr des Tangaiijika- Sees entlang durch ihr Gebiet und bis»ach Uganda ivciter- zuführen, woraus wieder britische Wissenschaft das grosze Werk durch den Sudan bis nach Alexandria fortsetzen und zu Ende führen wird. Unter Bcnntzung der vor fünfzig Jahren von Maclcar am Kap ausgeführten Gradmessimg umfajzt der neu zu messende Meridiaubogen die bisher unerreichte Länge von b6 Grad oder rund 1000 geographische Meilen. lind da die von W. Struve vor etwa siebzig Jahren ausgeführte russische Gradinesinng ebenfalls sehr nahe dein gleichen Meridian verläuft, wird, wenn die geplanten Messungen samt den notwendigen Anschlutzarbeilen wirklich zu slnnde komme», die genaue Länge eines vom Kap der guten Hossnung sLrcite Grad südlich) bis znin Kap Fuglenäs(nahe dem Nordkap, nördliche Breite 702/3 Grad). also zienilich genau über 10S Grad sich crstreclcndcn, die beiden Kontinente in ihrer ganzen Ausdehnung diirchgucrenden Meridian- bogcns abgeleitet werden können. DaS Zustandekommen des Unternehmens scheint gesichert.— Physiologisches. n. M e r k tu n r d i g c F a r b e» v e r t a n s ch n n g. Zn den interessantesten Erscheinungen der Optik gehören die negativen Nach- bilder', man versteht unter negativen Nachbildern die Erscheinung, dafz, wenn man eine bestimmte Farbe einige Zeit hindurch angesehen hat und dann das Auge auf eine weihe Fläche richtet, diese Fläche nicht weih erscheint, sondern farbig, und zwar so gefärbt, dah die scheinbare Farbe der weihen Fläche und die vorher wirklich fixierte Farbe, wenn man diese beiden Farben mit einander mischt, zusammen weih ergeben. Wegen dieser Mischimg der wirklich fixierten Farbe und der Farbe, die die weihe Fläche scheinbar annimmt, zum Weih nennt man diese scheinbare Farbe der weihen Fläche auch die komplementäre ld. h. Ergnnzimgs-) Farbe der zuerst fixierten. Der Engländer Shclford Bidivell beschreibt nun einen Versuch, bei den: man mir das komplementär gefärbte Nachbild sieht, aber gar nicht zum Vcwnhscin kommt, die fixierte Farbe gesehen zu haben. Von einer Kreisscheibe wird ctiva ein Vlertel deS Kreises herausgeschnitten und der Nest der Scheibe zur Hälfte schwarz, zur Hälslc iveih angestnchcii. Wird die Scheibe min grell beleuchtet und mitlels einer Kurbel so schnell gedreht, dah sie in einer Sekunde sechs bis acht Umdrehungen macht, wobei hinter der Scheibe irgend ein farbiger Gegenstand aufgestellt wird, so dah dieser durch deii Kreisausschnitt gesehen wird, durch die Scheibe sclvsl aber verdeckt ist, so sieht das ineuschliche Auge die Farbe des bald sichtbaren, bald verdeckten Körpers überhaupt nicht, sondern nur ihr komplementär gefärbtes Nachbild; eine grüne Karte hinter der Scheibe sieht rot ans, eine rote grün, eine blaue gelb usw. Diese Erscheinung ist eine eigenartige Folge der Ermüdung des AugrS für die in Wahrheit fixierte Farbe. Bidivell zeigte der Royal Society das Bild einer Dame mit indigoblanem Haar, smaragdgrünem Gesicht und einem scharlachrolen Kleide, welche eine violette Sonnenblume mit purpurfarbigen Blättern bcwnndcrte; sobald man dies Bild durch die oben beschriebene rotierende Platte betrachtete, hatte die Dame Flachshaar, eine zarte rosa Gesichts- färbe, ein pfaublancs Kleid, mährend die Strahlblüten der Sonnen- blinne, wie es allen Sonnenblumen zukommt, gelb und ihre Blätter grün aussahen.— AnS dem Tierreiche. — Riesen-Rochen. Bon grohen Haifischen werden viele Matrosengeschichten erzählt: weniger bekannt ist, dah unter den Rochen, den Vettern der Haie, ebenfalls gigantische Exemplare vorkommen. Im„Zoologist' giebt A. D. Millar einige Angaben darüber mit den photographischen Ausnahmen eines lltochens, der im April 1898 zu Durban an der Küste von Natal mit seinen Jungen im Netz gefangen tvnrde. Man konnte ihn nur mit Mühe zum lifcr ziehen, denn die Breite dieses zum Geschlechte der Tcufelsrochen ge- hörigen Tieres betnig 4,3S Meter, während die Länge von der Schnauzen- bis zur Schwanzspitze 3,00 Meter erreichte. Das Tier wog nahezu 700 Kilogramm. Ein im Mittclineer gefangenes Exemplar derselben Gattung wog bei 8,14 Meter Breite und B,30 Meter Länge gegen 1000 Kilogramm. Von der verwandten Nochen- Gattung Eoratopter» wurden im Golf von Californien wiederholt Exemplare von ähnlicher Schwere gefangen. Noch größerer Nochen ci» bestimmter Art gedenkt Lacvpsde, unter andern eines bei Barbados gefangenen, der sieben Joch Ochsen erforderte, um ans Land gezogen zu Iverdcn. Gosse erzählt von einem Rochen, der sich in die Anker- kette eines grohen Schisfes verlvickelt hatte und dasselbe in starke Schwankungen versetzte. Er hatte eine Totallänge von 19,40 Meter bei 20 Meter Breite und 158S Kilogr. Gewicht. Die Mundöffnung allein war 1,20 Meter breit. Einen Menschen zn verschlingen wird für diese Nochen keine Schwierigkeit haben. Solche Tiere haben auch ihrer Größe entsprechende Mitesser, und bei einer Art der Teufels- rochen findet man einen fleischfarbenen meterlangen Saugfisch, der sich in der Mundhöhle oder in den Kiemen festsaugt.— („Prometheus'.) Humoristisches. — I n der Menagerie. Tierbändiger(erklärend): „Dies ist die große Riesciischlange. genannt boa consteictor, welche gewöhnlich zum Morgcnimbih ein ganzes Schaf verzehrt. Bitte. nicht so nahe herangehen, mein Herr I'— — Traucrfall:„Sie müssen also eine Entfettungs« k n r durchmachen?' B i e l fr a ß(traurig):„Ja, mein Arzt hat mich auf Halb« in a st gesetzt.'— — Abgeblitzt. Verehrer:«Für Sie, Fräulein, ginge ich durchs Feuer I' Fräulein:„Nun, dann gehen Sie zum Teufel I'— („Jugend'.) Notizen. — Von einem„Einaktercyllus:DasJahrhundert', der im kommenden Herbst im Berliner Theater gegeben werden sollte, gingen in de» letzten Tagen mysteriöse Licklame- Notizen durch die Presse. Jetzt lichtet sich das Dunkel: Josef Laufs marschiert an der Spitze mit einer Episode aus der Sciilacht bei Leipzig. Ernst v. Wolzogen will Weimar und Goethe be« handeln. George Engel das Jahr 1343, Georg v. Omp- teda 1870 und Richard Skowronnek daS Ende des Jahr« Hunderts.— — Max Grube soll, wie die„Leipziger Kunst' berichtet, die Absicht haben, vom Jahre 1902 ab ivkitleiter des Leipziger S t a d t t h e n t c r s zn werden, um dessen Pachtung sich der Musik» referent der„Leipziger Zeitung', F. R. Pfau, bewirbt. — Das Berliner Ensemble erzielte im Wiener Raimund- Theater mit der Ausstthning von JbjcnS „Gespenster" einen außerordentlich großen Erfolg.— — In der Aula der Düsseldorfer K» n st a k a d e m i e wurde am Mittwoch die Goethe-Ausstellung und damit die Lthcinischc Gocthe-Fcier eröffnet.— — Für die Kandidaten des h ö h e r e n S ch u l a m t e S sollen im nächsten Winterhalbjahr Kurse in der Schul- Gesundheitspflege eingerichtet werden.— — Adalbert v. C ha m i s s o s„Peter Schlemihl' ist von Luis C o in u l a d a ins Spanische übertragen.— — Die Gebeine Francesco Goyas sind von Bordeaux nach Madrid überführt worden.— — Der Fisch m a l e r Paul Delitz war von der Kongo« regieriing nach Afrika entsendet worden, um eine Sammlung von Fischen anzulegen und eine Aquarelle jeder Fischart mit ihren natürlichen Farben, die bei der Ansbewahnmg der Fische im Alkohol verloren gehen, anznfrrligcn. Dellez ist jetzt, Ivie die„Voss. Ztg." mitteilt, nach nchtmoiiatlichein Aufenthalte am See Leopold II. nach Brüssel heimgekehrt und hat 1000 Fische, die mehreren hundert verschiedenen Arten angehöre», mitgebracht. Der Konservator am Britischen Museum, Bonlenger, hat diese 1000 Fische gezahlt, 30 sür die Wissenschaft neue Arten festgestellt nnd crtiärt, daß sich unter diesen drei n e n e Gattungen befinden. Man kennt bis jetzt 150 Kongofische, darunter 70 bisher nnbckatint ge« wcsene Fische. Die ganze Sammlmig soll in dem Kolonialmuseuin zu Terbiiren ausgestellt werden.— — Der K r u in m w n ch S des Spargels, die Hohlheit der dicken Stangen nnd andere Verdildnngen sind nach Pros. Sorauer ans Ileberfüttcrung der Pflanzen mit Nährstoffen zurückzuführen.— — In Nizza erreichen die Erdbeeren, wie der„Franks. Z.' von dort geschrieben wird, infolge des nngeivöhnlich regnerischen Sommers Birnengröße. Feigen gedeihen bis zu 15 und 20 om Höhe nnd 27—30 om Umfang.— — Biegsame Spiraldraht wellen sind, wie die „Ungarische Baiizcitnng" mitteilt, am besten zum Reinigen von NohÄcitungcn nnd Kanälen mit Biegungen geeignet, Ivcil sie diesen folgen, ohne selbst die Biegung dauernd zu behalten. Sie behalten dabei ihre volle Drchnngsfcsligkeit, so daß sie Reinignngsbiirsten ans Stahlbraht drehend durch die Röhren hindurchbringen. Ebenso laffcn sich mittels eines als Knopf aufgesetzten Ansziehcrs, der einem ans zwei Drähten gewundenen Korkenzieher gleicht, mit leichter Mühe Zeilgreste je., welche die Röhren verstopfen, herausziehen.— — London hat unter allen europäischen Städten den größten E i s k o n s u in. ES verbraucht im Sommer an jedem Tage ungefähr 1500 Tonnen Eis, bei großer Hitze steigert sich der Konsum auch auf 2000 Tonnen. Die milden Winter, wie der 1897/93, haben stets eine große Preissteigerung zur Folge. So ist der Preis für 100 Kilo nach dem letzten Winter von 1,20 M. auf 4,40 M. gestiegen. Norwegen, da? gewöhnlich Blöcke von 40—50 Centimctrr Dicke liefert, gab nur solche von 25 Ceutimetcr Dicke.— — Nach dem„Scientific American' repräsentiert die A u S« fuhr von amerikanischen Fahrrädern im Laufe der vier Jahre von 1896—99 einen Wert von rund 80 Millionen Mark, von denen 16 Millionen ans Europa konnnen. Im Jahre 1393 wurden eingeführt: in Großbritannien für 7,2 Millionen Mark, in Deutsch« land für 6,9, Canada 2,4, Frankreich 1,9. Australien 1,2, Holland 1, Dänemark 0,9, Afrika 0,7, Japan 0,3, und in China für 0,03 Millionen Mark.—___ Die nächste Rümmer des Unterhaltungsblattes erscheint am Sonntag, den 9. Juli. Verantwortlicher Redaclcur: Zlugust Jacobey m Berlin. Druck und Verlag von Max Bading m Berlin.