Mterhaltungsblatt des Horwärts Nr. 133. Dienstag, den 18. Juli 1899 (Nachdruck oetDoten.) Gs lebe die Knnfl l 22] Roman von C. V i e b i g. Alle Menschen waren gut; nicht einer, der nicht freundlich gegen sie gewesen wäre! Elisabeth wußte selbst nicht, wie ihr die Tage hingingen— trübe Wintertage, und doch im gol- denen Sonnenschein! Sie sah ihr Buch in den Schau- .fenstern der Buchhandlungen, ihre„Einfachen Geschichten", kostbar gebunden,— ihr dünkte der schreiende Ein- band ein Wunder von Geschmack— sie las ihren Namen in den Zeitungen, wurde bald hier bald dort eingeladen, mit Liebenswürdigkeiten überschüttet, als eine Persönlichkeit mit Auszeichnung behandelt--- und das sollte immer, immer so weitergehen V!„Das kommt noch ganz anders I" hatte Leonore Maunhardt gesagt und befriedigt gelächelt. Wie ein Rausch stieg es dem Mädchen zu Kopf; da lagen Kritiken, ein ganzer Pack, und jede sprach ihr von Er- folg, von ihrem groß?» Erfolg! Was tönte in ihren Ohren nicht alles wieder?! Eine wunderbnre bethörende Musik 1 Rur Heider hatte nicht in die allgemeine Anerkennung mit eingestimmt i er hatte gesagt:„Daß Sie Talent haben, Elisabeth, erkenne ich gern an. Aber es ist noch nicht reif. Ihr Buch ist eine Talentprobe, aber kein Kunstwerk." Sie wollte aufbrausen. Aber unbeirrt sprach er weiter:„Wenn auch die Leute vor Bewunderung piatt auf dem Bauch liegen, so nrnß ich doch—" Sie hatte ihn nicht ausreden lassen, empfindlich sagte sie: „Geben Sie sich keine Mühe, Sie können mir meine Freude nicht verderben und mir den Glauben an mich selbst auch nicht rauben. Ich tnerde fleißig sein, arbeiten. Maier will mein nächstes Buch gern verlegen. Er hatte gefürchtet, dieses wäre nichts fürs Publikum; ich sollte den Titel äudcrn:„Leiden- schalten",— ich habe auf den„Einfachen Geschichten" be- standen. Wie lange noch, und die zweite Auslage ist nötig. Denken Sie, die zweite Auflage!" Sie lachte hell ans, glück- selig tvie ein Kind und klatschte in die Hände. Er hatte die Achseln gezuckt.„Wenn Sie d a S befriedigt!" Sie schmollte mit ihm. Oft drängte es sie, hinzulaufen, ihm dieses oder jenes nützuieüen, aber ihr Künstlerstolz verbot es ihr; sie war gekränkt und hatte es ihm übelgenommen, daß er nicht mit cinftinunte in den allgemeinen Lobes- Hymnus. Das lvar der einzige bittere Tropfen in dem Freudenbecher. Elisabeth saß und sann nach.„Scchsundzwanzig Jahre!" sagte sie kaut und hielt die gespreizten Finger gegen das Licht der Lampe. Das Blut schimmerte warm, rosig, fast glühend durch die zarte Hallt— noch jung, und schon so viel erreicht! Sie schloß, loie vom Schwindet ersaßt, die Augen--- sie war einen hohe» Berg htuaufgelausen, i» unglaublich kurzer Zeit hatte sie den Gipset erreicht, nun stand sie atemlos oben, und null— mm-- Sie dachte plötzlich an Ebel. Noch ein paar Mal hatte sie ihil geschell, bei Marie Ritter und zufällig ans der Straße; aber da hatte er sie nicht angeredet, sondern sie nur respektvoll gegrüßt. Sie hatte ihm ihr Buch geschickt mit ein paar Zeilen der Widmung— das war sie ihm doch schuldig, lliid er hatte ihr dafür in einem Brief gedankt, der weit entfernt war von jeder Schmeichelei, schlicht, ehrlich, männlich— gerade so, wie sie ihn selbst zn kennen glaubte; aber aus jedem Wort sprach innige Verehrung. Sie hatte den Brief mehr- in als hintereinander gelesen mid daraus niedergebückt, bis ihr das Llilt zn Kopf stieg. Jetzt wollte sie ihn noch einmal lesen. Sie stand langsam aus und ging wie träumend zum Schreibtisch. Draußen rührte sich die Klingel. Elisabeth schreckte zn- sarnmen. Rasch lief sie hin— Mite lvar nicht da— und sie erwartete jetzt jeden Tag ein neues Glück. Es kam ja immer mehr, mehr, es konnte gar nicht enden! Mit klopfendem Herzen riß sie die Thür ans— Leonore Mannhardt ftiwb draußen. „Ah, Du I" Elisabeth zog sie herein; Leonore warf den kostbaren Pelzmantel ab. „Fühle, wie ich glühe l" sagte sie und hielt des Mädchens Hände an ihre Wangen.„Du mußt wirklich eine andere Wohnung nehmen! Ich bin ganz außer Atem von Deinen vier Treppen. Mehr in unserer Nähe. Und dann der Auf- gang vom Hof aus, das geht doch nicht I— Ich muß Dir rasch erzählen, wunderbar, herrlich l" „Was denn? Nimm Platz I" „Denke, denke!" Leonore lief aufgeregt in dem kleinen Zimmer hin und her.„Denke, da trifft mein Mann vor acht Tagen im Wintergarten Schwertseger. Du weißt doch, den neuen Direktor I Sie sind Landsleute, sie haben zusammen auf der Schulbank gesessen. Zufällig reden sie von Litte- ratur— Mädchen, hast Dil ein Glück, müssen die gerade darauf kommen! Mein Mann verfehlte nicht. Deinen Namen zu nennen; Schwertseger kannte ihn noch nicht. Ich hatte natürlich nichts Eiligeres zu thun, als ihm Dein Buch zu schicken; nun bedankt er sich heute bei mir und schreibt, daß er ganz entzückt sei, daß ihn besonders der dramattsche Zug darin sehr gefesselt habe. Da ist es mir klar geworden"— sie machte eine Pause und sah das Mädchen bedeutungsvoll an—„Du müßt ein Stück schreiben!" „Ich?!" Elisabeth war sehr verwundert. „Ja. Du! Ich helfe Dir dabei. Ein Stück, das ist der einzige Weg, um rasch berühmt zu werden. Ein Thcatererfolg ist mehr wert als hundert Bücher. Wir werden das schon machen. Schwertseger ist uns sicher. Goedeke ist pekuniär bei dem Theater beteiligt, ich werde mit ihm sprechen." „Ah-- 1" Elisabeth lvußte nicht, was sie dazu sagen sollte, sie lachte anhaltend, laut und lustig. Frau Leonore mußte auch lächeln, des Mädchens Lachen Ivtrkte so ansteckend; aber dann sagte sie ein klein wenig ärgerlich:„Du bist kindisch!" „Ich? Hahaha!" Elisabeth schüttelte sich.„Ich soll ein Stück schreiben? Kann ich ja gar nicht, fällt mir gar nicht ein!" „Du mußt nicht eigensinnig sein! Höre auf meinen Rat!" Frau Leonore machte ein ernstes Gesicht.„Nun haben wir Dich so weit lanciert, mit Glück, das mußt Du doch sagen; nun mußt Du aber auch das Deinige thun!" „Da? Meinige?!" Elisabeth sah sie groß an, ihr Lachen lvar verstummt. ,',Uiid habe ich denn nicht daS Meinige--?" Sic stockte. „Natürlich, natürlich! D» bist ein großes Talent! Du mißverstehst mich!" sagte Leonore nach einem raschen Blick in des Mädchens Gesicht. Es klopfte an der Entreethür. „Das ist Frau Kistemacher!" Elisabeth sprang ans.„Die schellt nicht, die klopft nur." „Wie niiängenehm!" Leonore zog das Naschen kraus. „Das ist wohl die Zahnarztsrau? Ich wundere mich, Liebchen, daß Du Dich mit denen so angefreundet hast. Sind es denn loirklich gebildete Leute?" „Oh, sehr!" Elisabeth ging, um zu öffnen. Sie blieb eine ganze Weile draußen; man hörte murmeln. Dann kam sie allein zurück.„Frau Kistemachcr kommt gleich wieder." sagte sie.„Als sie hörte. Tu wärest hier, wollte sie nicht hereinkommen, sie lvar in Morgenrock und Schürze." „Also solchen Respekt! Ich bitte Dich, das ist doch wirklich nicht nötig— wenn niein Mann noch hier gewesen lväre! Aber vor mir?" Leonore lächelte bescheiden.„Aber in der That, die Frau hat ganz Recht." „Sie ist eine sehr liebe Frau, und er ist wirklich ein kluger Mensch!" Elisabeth fühlte sich gedrinigen, Kistemachers herauszustreichen und erzählte von ihnen. Leonore hörte zu, eine gewisse Herablassung in der Miene. „Sie sind sehr gut zu mir." schloß das Mädchen. Da klopfte es schon wieder. „Das ist ja sehr rasch gegangen." Frau Mannhardt setzte sich anss Sofa. Elisabeth führte Frau Kistemacher herein. Diese war sehr rot und heiß.„Ich habe noch nicht die Ehre gehabt— sehr angenehm." Sie machte der Dame im zartgrauen Tuchklcid, die so vornehm ans dem Sofa saß, eine förmliche Wer- öcugung. Dann umarmte sie Elisabeth und küßte sie schallend. Frau Mannhardt verzog den Mund. Elisabeth fühlte sich einigermaßen peinlich berührt; die zwei Paßten schlecht zu einander, und sie hatte doch jede von ihnen lieb. Man sprach von diesem und jenem, zögernd, die beiden Frauen einander gleichsam mit�den Fühlfäden be- tastend. Leonore war sehr zurückhaltend, und das Gespräch quälte sich nur so hin. Plötzlich sagte Frau Kistemacher: ,,Es freut mich wirklich sehr, Sie kennen zu lernen, gnädige Frau; Elisabeth hat uns schon so viel von Ihnen erzählt, daß ich ganz neugierig war!" „Ei, warum glicht gar?" Leonores Miene wurde ent- gegeukonunender.„Mein kleines Geniel" sagte sie zärtlich und zog das Mädchen an sich. „Sie haben sich auch so für Elisabeth interessiert, gnädige Frau!" Frau Kistemacher hätte nicht mehr Dankbarkeit in ihre Stimme legen können, wenn sie von einer ihrem leib- lichen Kinde erwiesenen Freundlichkeit gesprochen hätte. Leonore neigte sich verbindlich.„Ich bitte Sie, das würde doch jeder gethan haben l Mein einziges Verdienst ist, zuerst ihr Talent erkannt zu haben. Ich habe sie entdeckt!" Ihre zierliche Gestalt schien zu wachsen, sie nickte Elisabeth zu. (Fortsetzung folgt.) Sagen unfeeev Antipoden.� Die Phantasie der Polynesier hat die Berge und Wälder, die Seen und Flüsse der weiten über den Stillen Ocean verstreuten Inselwelt dicht bevölkert mit übernatürlichen Wesen: in den Laub- krönen der Bäume wohnen Feen und Elfen; mit allerlei Spielen belustigen sie sich auf freien Hiigelkuppen und in lichten Thülen,. sie tanzen um Blumen und schaukeln auf Lianen. Greuliche Niesen, Kobolde mit Schlangenschwänzen und weibliche Gestalten mit Vogel- flügeln tanzen in Höhlen und finsteren Dickichten. Rixen tummeln sich im Röhricht der Seenfer. an Wasserfällen und in der Meeres- strandung. Die Feen und Elfen, die der Polynesier sich nnt weißer Haut und blondem Haar vorstellt, gelten als harn, los und den Menschen freundlich gesinnt, zu den gefürchteten Wesen gehören da- gegen die„Turchu", ein Geschlecht boshafter Gnomen. Als ich einmal auf der öden Whiw- Steppe in Neuseeland kampierte, beauf- kragte ich beim Hereinbrechen der Dämmerung einen meiner Maori damit, nach den Fesseln unserer weidenden Reit- und Packtiere zu sehen. ES trieben sich auf der Steppe kleine Herden verivildcrtcr Pferde herum, und die Gefahr lag nahe, daß durch diese unsere Pferde bcunnihigt und zum Durchgehen veranlaßt werden könnten. Der Mann war kaum zehn Minuten fort gewesen, als er. wilde Schreie ausstoßend, wie toll zurückgerannt kam. Das Entsetzenhatte ihndcrmaßcn gepackt, daß er. keines Ilaren Gedankens mehr fähig, sich auf die Steine fallen ließ, die von den Weibern des Lagcrtrosses für Kochzwecke erhitzt worden waren. Wir rissen den schier Besinnungslosen rasch weg und er kam mit etlichen leichten Brandivunden davon, aber geraume Zeit dauerte es, bis er soweit seine Fassung wieder erlangte, auf meine Fragen verständliche Antworten zu geben. Er habe einen Turchu gesehen, erklärte er. Ein winziges, häßliches Männlein habe, Grimassen schneidend, unter einem Strauche gehockt. Die Glieder habe der Turchu nicht geregt, auch nicht gesprochen, aber der Anblick sei fürchterlich gewesen. Das Legendennctz der Kanaken ist, wie das anderer Völker und Rassen, in seinen Hauptteilen aus Phantasiematerial zusammen- gewoben, immerhin werden von den Maschen des Netzes auch Bruch- stücke wirklicher Geschehnisse festgehalten worden sein. In diesen von Generation auf Generation vererbten Ueberlicferungcn müssen wir die wenigen wohl je zu findenden Körnchen geschichtlicher Wahr- heit über die' fernabliegende Vergangenheit jener Insulaner suchen. Wie ich sie während eines längern Vcrweilcns auf Neuseeland und andern Südsee-Jnseln genau nach den Erzählungen der Ein- geborenen aufgezeichnet habe, so gebe ich einige der Sagen hier wieder, von denen manche an Legenden erinnern, die bei uns im Volksmunde fortleben. X Dem Helden Rata hatten Nixen die Gebeine seines Vaters ge- raubt und übers Meer entführt. Diese Gebeine wollte der Sohn zurückholen. Er begab sich in den Wald, dort den zur Anfertigung eines Kanus genügenden Baum auszuwählen. Er fand, was er suchte und giiig mit seinem Steinbeil an die Arbeit, ohne vorher zu dem Gotte des Waldes gebetet zu haben. Nachdem es Nacht ge- worden und Rata den gefällten Baum verlassen hatte, um am nächsten Tage weiter zu arbeiten, erschienen die de», Waldgott dienenden Elfen und begannen zu singen: Fliegt zusammen Splitter und Späne, Fliegt zusanimen Späne und Splitter. Und alsbald stand' der Baum wieder aufrecht und unversehrt. So fand ihn an, Morgen der nicht wenig erstaunte Rata. Unverdrossen •) Ans der„Kölnischen Z ei t« n g". fällte er den Bau», zun, zweitenmal, aßer mit dem Aus- zirnincrn wurde et auch an diesen» zweiten Tag nicht fertig. Am dritten Tage sagte sich Rata, daß er hier.wohl nie seinen Ziveck er- reichen würde, aber er wollte wenigstens wissen, wer ihn, so bösen Schabernack gespielt. So schlug er denn den Bau», zu», drittenmule um. anstatt aber am Abend heimzugehen, verbarg er sich in den Büschen. Bald vernahm er die Stimmen der Waldgeister und sah sie im, den liegenden Stamm sich sammeln. Als sie anhoben, die magische Formel' zu fingen, sprang Rata zwischen sie, packte zwei der kleinen Wesen und hielt sie fest. Auf seine Frage, warum sie und ihre Genossen seine Arbeit vereitelten, warfen sie ihm seine Nichtachtung des Waldgottcs vor. Da schämte sich Rata und ließ den Köpf hängen. Sobald die Elfen erkannten, daß der Sterbliche anfrichttg sein Verhalten bereute, trösteten sie ihn und versprachen, ihm zu helfen. Auf ein gegebenes Zeichen kamen Taufende von Elfen a»S allen Richtnngen her, und im Nu entstand unter ihren Fingern ein Ivundervolles' Boot. Dieses von den Waldgeistcrn erbaute Kanoe spielt unter dem Rainen Riwarn in verschiedenen Legenden der Polynesier eine hervorragende Rolle. Weit Iveg von Neuseeland, auf Aitutaki im Herbey-Archipek bin ich auf eine andere Wendung der Rilvaru-Sage gestoßen. Als Rata den Baum für ein Kanu fällte, wurde er Zeuge eines dreitägigen Kampfes zwsichen einer gräßlichen schwarzen Seeschlange und einem schönen weißen Reiher. Natas Zimmerarbeit erivies sich, wie in dem vorigen Märchen, stets als eitel, bis er den, Reiher beistand und die Schlange mit seinem Beile erschlug. Der in dieser Legende zum Ausdruck gebrachten Idee vom Kampfe zwischen Licht und Finsternis, zwischen Gut und Böse, den, der nur eigennützige Ziele verfolgende Mensch, sich selber zum Schaden, eine Weile gleichgültig zuschaut, bis er endlich sich zur Unterstützung des Guten entschließt und dafür belohnt wird, bringt das poetisch veranlagte Gemüt der Insulaner volles Verständnis entgegen. Die Kunst des Netzeflechtcns soll seine LandSlente ein gewisser Kahukura gelehrt haben. Dieser schritt eines Abends, als die Schatten der Rächt anfingen über die Landschaft sich auszubreiten, am Strande hin und sah dort in, feuchten Sande sonderbare, ihm unbekannte Fußspuren eingedrückt. Wer die hinterlassen, das wollte er erfahren, und so legte er sich denn i», nächsten Dickicht auf die Lauer. Um Mitternacht vernahm er vom Meere.her Stimmen von Elsen, die da draußen fischten und schließlich, fröhlich singend, land- wärts ruderten. Vorsichtig schlüpfte der Lauscher ans seinem Versteck und mischte sich unter die ans Ufer gestiegenen Fischer, die ihn, dessen Haut außergewöhnlich hell war, bei», schwachen Stcrnenlicht für einen der Ihrigen hielten. Etliche der unsterbliche» Wesen sprangen in die See zurück und hoben die Netze über die im seichten Wasser liegenden Steine, während die anderen zogen. Diesen half Kahuttira, der vorher noch nie ein Netz gesehen hatte, aus Leibes» kräften. Bald lag der erste Fisch auf de», Sande, und eine Weile spälcr war der Strand übersäet niit glitzernder Beute. Die Fische wurden gesammelt, und auch dabei half Kahukura, ließ aber öfters absichtlich die bereits aufgeschnürte» Schuppenträger wieder entschlüpfen. Einer der Elfen kam ihm zu helfen, dann noch ein zlveiter, doch immer wieder wußte es der schlaue Kahurknra so ein- zurichten, daß der Knoten am unterste» Fische aufging und nnt dem Aufreihen von vorne angefangen werden mußte. Er' wollte die Ar- beit hinhalten bis zum Aufgang der Sonne. Als endlich der Morgen anbrach und es so hell Ivurde, daß einer des andern Gesichtszüge unterscheide» konnte, erkannten die Elfen den Menschen in ihrer Mitte. In großer Bestürzung flohen sie landeinwärls, und Kahukura nahm Besitz von Fischen, Booten und Netzen. Die vulkanischen Erscheinungen auf Neuseeland erklärt eine Legende folgendermaßen: Nagatoroirangi(wörtlich: der große Läufer aus der andern Welt) verließ mit seinem Weibe und den, treuen Sklaven Nagaurohni(einer, der durch schäumende Wasser rudert) Hawaii, frenide Länder aufzusuchen. Nach langer Meerfahrt er- reichten die drei Wakari, eine kleine Insel mit einen, erloschenen Vulkan gleichen Namens in der Plenty-Bai, 43 lern von der Küste der Nordinsel Neuseelands entfernl. Dort blieb das Weib zurück, das von Hawaii mitgebrachte heilige Feuer zu hüten, die beiden Männer aber ruderten nach dem großen Lande hinüber und stiegen auf den hohen Schnecberg Tongariro, einen heute noch thätigen, den Maori heiligen Vulkan, Umschau zu halten. Die auf dem Gipfel herrschende eisige Kälte überwältigte den Sklaven, und„der große Läufer" rief seinen, Weibe zu, sie solle das Feuer bringen.' Das Weib vernahm die Stimme des fernen Gatten und beeilte sich so sehr, dem Gebote Folge zu leisten, daß unterivegs Funken und glühende Kohlen fielen. Wo immer diese in Erdspalten gerieten, entstanden alsbald Fumarolen, heiße Quellen und Geyser. Trotz aller Eile er- reichte das Weib den Gipfel des Tongariro nicht mehr rechtzeitig genug, das Leben des Sklaven zu retten, aber das heilige Feuer legte sie auf dem Berge nieder, der dadurch zu einen, Vulkan gemacht wurde, wie die Berge Hawaiis. Der Sagenschatz der zur Herveygruppe gehörenden Insel Mangaia ist ein besonders reicher. Eine große Rolle spielen dort die Tapairus, von denen die den Menschen bekanntesten die vier schönen Töchter Miras, der grimmen Göttin der Unterwelt, sind. Leldenschaftlich lieben sie den Tanz, den sie zu Ehren des Gottes Tain aufführe», umwallt von ihren prächttgen, niit Blumen durch- flochtenen, bis auf den Boden reichenden Haaren. Sie fehlen bei keiner Tanzbelustigung der Insulaner, die heute noch auf jedem Festplatze eine Stelle unbenutzt lassen und für die zarten Füße der Töchter Miras trit frisch gepflückte» Blättern überstreuen. Gesehen können die vier schönen Tänzerinnen nur von solchen werden, die sich die Augen mit einer Salbe bestreichen lassen, deren Zubereitung ein Geheimnis der Zauberer und Priester ist. Andere Tapnirus be- wohnen die ätherischen Regionen. Sie werden die Elfen des Himmels genannt, und ihre Gebieterin ist Ina, die Mondgöttin. Diese Geisterwesen betreiben mit Vorliebe das Ballspiel, das der Held Nagaru von ihnen gelernt und die Menschen gelehrt hat. Mit Stolz weisen die Eingeborenen Mangaias auf die eine Seemeile voin Strande, weg in seichtem Wasser liegenden Kelsklunipcn, von denen jeder gut feine zwanzig Tonnen wiegen durfte. Der Neber- licfernng nach sind sie von einem Riesen aus ihren Platz geworfen worden, über den die Legende folgendes berichtet: Auf Mangnia lebte einst eine Riesin, die' durch ihre Schlafsucht sich aus- zeichnete; öfters schlief sie Wochen nacheinander ohne Unterbrechung. Dieses Weib gebar ein winziges, schwächliches Kind, ein Kitäblej» so erbärmlich, dast die Mutter nichts von ihm wissen ivollte und es am Scc-Ufer aussetzte. Eine Welle spülte es fort, und eine Wasserfee nahm sich seiner an. Diese ernährte das Knäblein mit Schaum- blase», und das Knäblein gedieh bei dieser Kost; es wuchs und wuchs, bis es schlieszlich zu einem Manne herangeivnchsen lvar, sechzig Fnst hoch. Die Fee hatte ihm den Namen Moli gegeben, und unter diesem Namen pmrde der Riese weit und breit berühmt Ivege» feiner Kraft und seines Mutes. Da kamen eines Tages Boote von Noratonga und landete» zweihundert Männer ans Mangaia. Au- fänglich benahmen die Fremdlinge sich artig, später aber wurden sie anmatzend und töteten sogar einen der Mangaia-Jnsulancr. Darob ergrimmte Moli und mit einer gewaltigen Keule erschlug er alle Roratongancr bis auf einen, der nach der heimischen Insel zurück- segelte und seinen Landsleutcn Kunde brachte von dem Geschehene». Daraufhin rüsteten die Roratonganer zu einem Rachezuge unter Ansnhrnng ihres eigenen, dreißig Fnß hohen Riesen. Als Moki das Nahen der feindlichen Flotte erspäht hatte, ivatete er so weit ins Meer hinaus, dnh nur sein Kopf noch über Wasser blieb. In dieser Stellung rief er die Norotonganer an und forderte ihren Riesen auf, ans Land zu kommen und dort mit ihm durch einen Ztveikanipf die Sache zum Austrag zu bringen. Die Herausforderung Ivurde angenommen, und llangsain stieg Moki der» User zu. Jetzt erst gewahrten die Roratonganer, daß ihr Riese nur halb so groß war als der Gegner, mit dem er sich messen sollte, und entsetzt wandten sie die Boote und flohen. Moki bückte sich und brach von der nächsten Klippe drei Felsstücke ab, die er dein feindlichen Geschwader nachschlcudcrte. Von den vielen Riesen, die in den poly- nesischen Legenden auftreten, werden manche wirklich gelebt haben als außergewöhnlich große und kriegerische Helden rind Häuptlinge, die im Verlaufe der Jahrhunderte die mündlichen Ueberliefcrnngen niit einem immer fabelhafter und ungeheuerlicher sie gestaltenden Nimbus unuvoben hat. Die legendenhafte Entwicklimgsgcschichte der Elfen, Gnomen, Kobolde, Zwerge und anderer Märchengestaltcn unserer heimischen Waldwildnisse läßt sich vielleicht zurückleiten auf eine kleine, dunkel- häutige Rasse vorgeschichtlicher Ureinwohner Europas, die von den ans Osten einwandernden Jndogermancn verdrängt und ausgerottet wurden. Aehnliche Rassenverschiebnngcn werden auch ans Neusee- land sich abgespielt haben. Nachdem Mani, der große Gott, so er- zählen die Maori, die Nordinscl aus dem Abgrunde des Meeres geholt hatte, übergab er sie dem Kui. Die' Nachkommen Kuis mehrten sich und breiteten sich aus über das ganze Land. Dann wanderten die Futti-Mai-Ao ein und vermischten sich mit den Kni. Diese Mischrasse Ivurde von den Tnrchn vernichtet, und die Turchu mußten den Maori weichen. Schattenhafter noch als die Geschichte der kleinern Nordinsel ist die der großen Südinscl mit ihren Niesen- geschlechtern. Heute hausen die Ureinwohner Neuseelands nur noch als Phan- tome in den entlegensten Einöden, und auch aus diesen Asylen des Sagenglaubcns werden die Axtschläge der Ansiedler und der Pfiff der Lokomotive sie bald vertrieben haben. Die praktischen, nüchternen Kolonisten bringen den Legenden der Eingeborenen kein Interesse entgegen; mit dem letzten der Maori werde» wohl auch die Sagen seines Volkes verschwinden. Nleines — Vergiftung durch Sauerampfer. Der Genuß deS Sauer- ampfcrs