Ur. 211. Ablnmrmtitt»-Kedtngunge«: Abonnement»- Prei» pränumerando: Yierteljährl. 3.30 Mb, monatl. 1.10 Mb. wöchentlich 23 Pfg. frei in» Hau». Einzelne Nummer s Pfg. Sonntags» Nummer mit illusiricrter Sonntag»» Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Mark pro Quartal. Eingetragen in der Post-Zettung»- Preisliste für lS8S unter Dr. 73 SO. Unter lireuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat. 16. Jahrg. Erschein! l-glich nutzer W anlag». Vevltnev Volksbl�tk. Die Inserttons- Gebühr beträgt für die sechSgespaltene Kolonel- zetle oder deren Raum so Pfg., für politische und gewerkschaftliche Verein»- und Versammlung»-Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Anscigen" jede» Wort 5 Pfg. (nur da» erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bi» i Uhr nachmittag» in derExpeditian abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bi» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bi» 3 Uhr vormittag» geöffnet. Fernsprecher: Amt l, Dr. IBOS. Telegramm-Adresse: „Socinldrmoktra! Berlin" Centraiorgan der sociatdemokratischen Partei Deutsctstands. Redaktion: SW. 19, Beuttz-Stratze 2. Sonnabend, den 0. September 1899. Expedition: SW. 19, Benth-Strasze 3. Die amtliche Streikstatistik für das zweite Omartal 1899. i. In dem soeben ausgegebenen dritten Vierteljahrs-Hefte zur Stattsttk des Deutschen Reiches wird die Zahl der Streiks und Aussperrungen im zweiten Quartal dieses Jahres der- öffentlicht. Im Auszuge gehen augenblicklich die Schlußziffern des Berichts durch die Tagespresse und es werden daran parteipolittsche Folgerungen von ziemlicher Tragweite geknüpft. So wird angesichts der Zuchthausvorlage namentlich die Zahl der Kontraktbrüchigen im Verhältnis zur Zahl der Streikenden überhaupt von den Gegnern einer freien Arbeiterbewegung ohne Besinnen ausgenutzt werden. Und alles dies geschieht unter Berufung auf den amtlichen Charakter der Streikstattstik, deren Angaben autoritativen Wert besitzen wollen. Angesichts dieses Umstandes halten wir es für angezeigt, die völlige Unzulänglichkeit der amtlichen Streikstatistik aber mals zu beleuchten. Wir haben über das Ergebnis im ersten Quartal aus Grund einer Privat-Enquete, die bei den in Be tracht kommenden Vertretungen der Arbeiter angestellt wurde, die hohe Ziffer der Kontraktbrüchigen in ihrer Unrichtigkeit er weisen können. Die Statistik des zweiten Quartals bedarf einer besonders eingehenden Einzelkritik schon nicht mehr. Denn es ist leicht, nachzuweisen, daß die Arbeit, die das kaiserliche Stattstische Amt auf Grund der ihm eingereichten Nachweise zu publizieren gezwungen wird, so lückenhaft und unvollständig ist, daß kein Socialpolittker, welcher Richtung er auch an> gehören mag, es noch wagen wird, in der Erörterung von Tagesfragen auf diese vorläufigen Zusammenstellungen der Streiks und Aussperrungen sich zu berufen. Nach der amtlichen Stattsttk haben im zweiten Quartal 1899 357 Streiks begonnen. Wir wollen uns nicht in Nebensäch lichkeiten verlieren und darum nicht untersuchen, ob in der vorliegenden Statistik mit Unrecht oder Recht eine einzige Streikbewegung, die sich über eine Reihe von benachbarten oder zusammenhängenden Orten erstreckt, als ein oder als mehrere Streiks zu registrieren sind, aber was wir wenigstens verlangen, das ist Einheitlichkeit der Methode. Und diese fehlt bei der Zusammen stellung. Doch das ist, wie gesagt, Nebensache. Von höchster Bedeutung dagegen ist die Thatsache, daß eine ganz erhebliche Zahl von Streiks, die im zweiten Quartale be gönnen haben, in der amtlichen Statistik überhaupt ganz und gar fehlen. Es handelt sich nicht etwa um einzelne wenige unbedeutende Ausstände, die gerade sonst der offiziellen Statistik nicht entgehen, sondern nm Ausstände, von denen die Arbeiterpresse ausführlich berichtete und von denen teil weise sogar die Tagespresse aller Parteien voll war. Nachfolgend seien diejenigen Ausstände der Reihe nach aufgeführt, über die wir in der offiziellen Statistik des kaiserlich statistischen Amtes keine Angabe finden konnten, die jedoch im zweiten Quartal dnrchiveg begonnen, meist auch geendet haben. Es dürfte von Interesse sein, die Liste der fehlenden Streiks vollständig kennen zu lernenf, da nur so die gänzliche Die hier aufgeführten 53 Streiks, die nicht in der amt- lichen Streikstattstik verzeichnet sind, umfassen mindestens 6000 Streikende, da schon für 25 allein die Zahl von 5000 nachgewiesen ist. Nun fragt man sich allerdings an- gesichts dieser Liste verwundert: Wie ist es möglich, daß der amtlichen Stelle diese vielen und zum Teil recht bedeutenden Ausstände, die in der Arbeiterpresse durchweg mitgeteilt waren, entgangen sind? Sollte es möglich sein, daß diese Streiks, die wir in obiger Tabelle aufgezählt haben, über- Haupt nicht stattgefunden haben? Selbst zugegeben, diese Möglichkeit träfe für eine Reihe der kleineren Ausstände zu, so wird man das nämliche doch nicht von den verschiedenen großen Streiks behaupten können, die tage- und wochenlang die gesamte Presse beschäfttgt haben? Uebrigens haben wir Grund anzunehmen, daß so ziemlich alle oben genannten Streiks in der That stattgesunden haben, daß nur von den Polizei- respekttve Verwaltungsbehörden darüber nichts nach Berlin gemeldet wurde. Denn daß die von uns angeführten Ausstände nicht Falschmeldungen waren, geht einmal daraus hervor, daß sie in der Arbeiterpresse mit Be- stimmtheit und wiederholt abgegeben waren, daß Arbeiter- organisntionen sie teilweise bekannt gemacht haben und daß die private Streikstatistik im„Arbeitsmarkt", die trotz ihres privaten Charakters weit zuverlässigere Angaben über die wichttgeren Ausstände macht, als die amtliche Statistik, die meisten obigen Streiks gewissenhaft verzeichnet. Es bleibt also nur der eine Schluß übrig: in der amtlichen Statistik sehen 16,22 Proz. aller.Streikfälle im zweiten Quartale und etwa 17,4 Proz. aller Streikenden sind nicht angegeben. Das ist der schlimmste, aber nicht der einzige Fehler an der Streik- stattsttk fürs zweite Quartal. Fast ebenso schlimm ist die exorbitante Ungenauigkeit und UnVollständigkeit in den Angaben über die mitgeteilten Streiks. Bei einer Reihe von Streiks, die im zweiten Quartale be- endet sind, werden über die Zahl der Streikenden entweder gar keine oder entschieden zu niedrige Angaben gemacht. Wir nennen hier nur folgende: Beim Bäckersteik in München wird keine Zahl der Streiken- den angegeben. Sie beträgt etwa 457. Beini Maurerstreik in Blankenburg, der 122 Streikende zählte, fehlt eine An- gäbe. Ferner feljlen die Angaben der Streikenden bei folgen- den Streiks(in Klammern ist die ungefähre Zahl der Streiker unsererseits verzeichnet): Maurer in Weißenfels(179), Gold- schläger in Schwabach(250), Tischler in Stuttgart(an 1000), Maurer in Augsburg(ca. 800), Maurer in Dresden (gegen 3000), Flaschner in Stuttgart(150). Wir könnten noch eine Liste von Streiks mit offensichtlich ungenauen Angaben aufstellen, da wir über die betreffenden Ausstände von be- teiligter Seite genaue Angaben haben. Aber wir glauben, die bisherigen Angaben genügen. Insgesamt schätzen wir, daß die Zahl der Streikenden im ziveiten Quartale gut und gerne um 12—13000 zu niedrig in der Gesamtaufstellung angegeben worden ist. Prozentual ergiebt sich dann, daß nicht etwa nur 17,4 Proz. aller Streikenden, wie oben berechnet, sondern mindestens rund ein Drittel in der amtlichen Streik- statistik ausgefallen ist. Dies der Thatbestand; in einem zweiten Artikel wird seine Würdigung folgen._ politische Mebeeficht. Berlin, den 8. September. Wilhelm II» und der ewige Friede». Gelegentlich der Kaiserparade hielt der Oberbürgermeister von Karlsruhe, Schnetzler, eine stark militaristisch gefärbte An- prache an den Kaiser. Er bezeichnete den Kaiser als den obersten Kriegsherrn des Reiches und stark bewehrten Hüter und Wahrer des Friedens; Gerechtigkeit und Tugend könnten derzeit in den Kämpfen des Lebens nur dann wirksam bestehen, wenn sie mit hinreichender Macht ausgestattet seien. Redner dankte dem Kaiser für die unermüdliche Sorge um die Wehrhaftigkeit der Nation und sprach die Hoffnung aus, daß der Kaiser in dem wachsenden Wohlstande, in dem Bildungsstande und dem Glück eines freien und treuen Volkes einen segensvollen Lohn finden möge. In seiner Antwort führte der Kaiser aus: Er komme von einem schönen militärischen Bilde zurück. Was er von den Truppen dieses Landes gesehen habe, habe ihn mit großer Befriedigung erfüllt, und er könne den Großherzog und das Land nur herzlich dazu beglückwünschen. Er sei felsenfest überzeugt, daß der Teil des gesamten deutschen Heeres, der dem Lande angehöre, an seinem Teil dazu beitragen werde, für den Frieden zu sorgen. Ehe die Theorien dcö ewige» Friedens zur allgemeine» Zlnwcndung gelangen, würde noch manches Jahrhundert vergehen. Vorläufig sei der sicherste Schutz des Friedens daS Deutsche Reich und seine Fürsten und das von diesen geführte Heer. In Wiesbaden hat der Kaiser beim Beginn des Haager Kongresses zum Geburtstag des Zaren in einem Trinkspruch den Wunsch ausgesprochen, Nikolaus II. möchte mit den Erfolgen der Friedenskonferenz zufrieden sein können. Jetzt geivahrt man, daß der Kaiser eine weit abweichende Ansicht über den Frieden hat als der Zar. Der Umsturzbund der Landwirte. Bei der Beratung der Köllerschen Umsturzvorlage wie des Recke-seligschen'Vercinsgesetzes wurde oft darauf hin- gewiesen, daß die konservativen Agrarier gelegentlich durch die Bestimmungen getroffen werden könnten, durch die man die Socialdemokratie zu drangsalieren wünschte. Trotz- dem haben die Junker stranim für jene Gesetzentwürfe ge- warben und gestimmt. Wären sie aber Gesetz geworden, so würden sie jetzt zweifellos gegen den Bund der Landwirte von strebsamen Staatsanwälten angewandt werden. Das„Posener Tageblatt" meldet: „Der Erlaß des Staatsmiiiisterium über das Verhältnis der Stnatsbcniiiteii zum Bunde der Landwirte ist in der That bereits vor einigen Tagen ergangen. Er ist an alle O b e r p r ä s i d e n t e n und den Regierungspräsidenten in Sigmaringen gerichtet und st r e n g s e k r e t. Was darüber in mehreren Blättern verlautet, ist danach mit Vorbehalt aufzu- uehmkii. In dem Erlaß soll den Laudrätcn und ander» politischen Beamten verboten werden, dem Bunde der Land- Wirte anzugehören und seine Bestrebungen zu unterstützen, den Krrisblättcru soll die Aufnahme von Publikationen des Bundes der Landwirte untersagt werden u. dergl." An der Richtigkeit dieser Meldung ist nicht zu zweifeln; das geht schon aus dem Ernst hervor, mit dem die bündlerische Presse die Angelegenheit behandelt. Der Bund der Landwirte ist damit unter die Vereine aufgenommen, vor denen sonst nur die U n t e r b e a m t e n„getvarnt" werden. Landrat, Kreisblatt, Bund der Landwirte, Konservattve — das ist auf dem Lande seit längerer Zeit eine Klique. Die Kreisblätter treiben vielfach unter amtlichem Siegel die agrardeniagogische Politik des Bunde?. Wird ihnen jetzt eine gouverncmcntale Politik anbefohlen, so geraten sie in einen ergötzlichen Konflikt der Geschäftsinteressen. Sie leben von dem Monopol der amtlichen Anzeigen(Holzverkäufe usw.) und machen dadurch eine unabhängige Lokalpresse finanziell unmöglich. Andererseits sind ihre Abonnenten zum großen Teil Landwirtsbündler. Wie also soll man jetzt ver- fahren? Treten sie für den Bund ein, entzieht die Regierung ihnen die amtlichen Inserate. Unter- stützen sie die Regierung, so laufen ihnen die Abonnenten fort. In beiden Fällen werden sie geschädigt. Es wird ein lustiges Schauspiel sein, zu beobachten, wie sich die leider immer noch recht einflußreiche volksverdummende Kreisblatt- presse aus der Klemme ziehen wird. Für den Bund der Landwirte würde diese amtliche Ber- fehmung eine Kraftprobe bedeuten können, wie weit die agrarische Bewegung aus eigenen Mitteln ohne behördlichen Schutz sich zn entfalten vermag. Das innerlich Starke und Berechtigte wächst ja unter Verfolgungen. Freilich allzu schlimm wird die Sache nicht werden. Die Bündler werden eben so wenig Gelegenheit erhalten, wirklich Märtyrer ihrer Ueberzeugung zu werden, wie es die mit vollem Gehalt in Ruhestand versetzten Landwirte nötig haben, betteln zu gehen. Die„Deutsche Tageszeitung" schreibt ganz umstürzlerisch: „Wir wollen bleiben, was wir gewesen sind. Unsere Gegner sollen nicht den Triumph erleben, daß die Maßregeln uns in ein anderes Fahrwasser getrieben hätten. Von nnsern Ueberzeugungen geben wir nicht ein Titelchen preis... Was wollen so kleine, so ileinliche Maßregeln sagen gegen die große Bedeutung unserer Sache, gegen die'gcwaltigen Kämpfe, die wir in erster Linie zu führen berufen sind! lieber solche Dinge schreitet die Geschichte ehernen Fußes hinweg, und sie richtet auch darüber. Wir überlassen ihr das Gericht." Auch sonst umwittert schlimme Umsturzluft die ordnungs- stützigen Bündler. Die braven Stadtverordneten in D r a m- bürg habe» Einspruch erhoben gegen den Fackelzug zu Ehren des gemaßregelten Landrats v. Brockhausen. Die hiergegen an den Regierungspräsidenten von Köslin gerichtete Beschwerde lautete: Morgen Abend soll hier in der Stadt mit polizeilicher Ge-- nehmigmig ein Fackelzug dem Landrat z. D. v. Brockhauscn dar- gebracht werden. Die Veteiligimg ans städtischen Kreisen wird sehr gering, die aus ländlichen sehr stark sein. Die Stimmung der Bürgerschaft ist erregt und gegen die Ovation, weil sie die Deutung einer politischen Demonstration und darum Störung der öffentlichen Ordnung befürchtet. Wir bitten, die Polizeiverwaltlmg anzuweisen, die Genehmigung zurück- zuziehen. Politische Demonstration— Störung der öffentlichen Ordnung: ganz, als ob es sich um einen Straßenumzug von Socialdemokraten handelt. Auch die Knegervereine von und um Dramburg wollen an dem Fackelzug teilnehmen. Die ganze konservativ-agrarische Press? fährt fort, den „hingebenden Opfern der Märtyrer ihrer Ueberzeugung". d. h. den geniaßregelten Landräten Lob- und Trostlieder zu singen. Die„Nordd. Allgcm. Ztg." aber läßt einen sanften offiziösen Wind streichen, um den Sturm zu beschwichtigen: „Es ist nur zu wünschen, daß die konservative Presse und Partei recht bald von dem Jrrgang zurückkommt, welcher von der früher mitgeteilten Billigung der in dem Erlaß des Staats- Ministeriums vom 31. v. M. über die Pflichten der politischen Beamten ausgesprochenen Grundsätze durch die„Konservative Kor- respondcnz" zu Auslassungen wie die der«Kreuz-Zeitung* und ähnlichen anderer Blätter führt." Der lustige Krieg gegen die Kanalrebellen wird bald verebben. Der Sieg wird sicher nicht auf feiten der kleinlich strafenden Regierung sein.— Ein? Pflicht der Menschlichkeit. Der Verteidiger des wegen Landesverrats angeklagten französischen Kapitäns Dreyfns hatte das Zeugnis des deutschen und italienischen Militärattaches in Paris im Jahre 1894, der Herrens Schwartzkoppen und Pa> u i z z a r d i angerufen. Nach Labori's Mitteilung war diesen beiden Offizieren von ihren Regierungen zwar nicht ein Erscheinen vor dem Kriegsgericht in Rennes erlaubt worden, Wohl aber die Vernehmung durch eine vom Kriegsgericht entsandte Kommission. Das Kriegsgericht lehnte die Entsendung einer Kommission ab und der Präsident des Kriegs- gerichts, Oberst Jouaust, weigerte sich von dem ihm zu- stehenden Rechte einer solchen Kommissionseutscndung Gc- brauch zu machen. Die deutsche Regierung hat sich nun, in letzter Stunde fast vor dem Urteil des Rcnneser Kriegsgerichts entschlossen, nochmals ihre früheren Erklärungen zu Gunsten des angc- klagten französischen Offiziers klar und unzweideutig zu wiederholen und zu bekräftigen. Der„ReichS-Anzeiger" bringt folgende bedeutsame Erklärung: Wir sind ermächtigt, nachstehend die Erklärungen zu wieder- holen, welche hinsichtlich des französischen Hauptmanns Dreyfus die kaiserliche Regierung, bei loyaler Beobachtung der einer fremden inneren Angelegenheit gegenüber gebotenen Zurückhaltung, zur Wahrung ihrer eigenen Würde und zur Erfüllung einer Pflicht der Menschlichkeit abgegeben hat. Der kaiserliche Botschafter bei der Französischen Republik, Fürst Münster von Derneburg hat nach Einholung der Allerhöchsten Be- fehle Seiner Majestät des Kaisers im, Dczeinber 18S4 und Januar 1895 dein Minister des Auswärtigen, Herrn Hanotgux, dem Ministerpräsidenten, Herrn Dnpuy und dem Präsidenten der Republik, Herrn Kasimir Perier wiederholt Erklärungen dahin ab- gegeben, daß die kaiserliche Botschaft in Frankreich niemals, weder direkt noch indirekt, irgendivclchc Beziehungen zum Hauptmirn» Drcyfuö unterhalten hat. Der Staatssekretär des Auswärtigen Aints, Stäatsminister Graf von Biilow hat am LI. Januar 1893 in der Budget- louimission des deutschen Reichstages folgende Erklärung ab- gegeben: „Ich erkläre auf daS allerbestiinmtcstc, daß zwischen dem gegenwärtig ans der Tenfclsinscl befindliche» französischen Exkapitä» Dreyfils und irgend welchen deutschen Organen Beziehungen oder Berbindunge» irgend tvelchcr Art niemals bestanden haben." Die Erklärung ist im anitlichcn Teil des„Reichs- Anzciger" veröffentlicht. Tie deutsche Regierung erklärt da- mit autoritativ und feierlich die Unschuld Dreyfus', denn an Deutschland sollte dieser jene im Bordereau bezeichneten Akten- stücke ausgeliefert haben. Nur verbrecherischer Wahnwitz kann an der Aufrichtigkeit einer solchen Erklärung zweifeln. Möge sie dazu beitragen, die furchtbare Jnstiztragödie, welche die französische Nation bis in ihre Tiefen aufgewühlt hat, endlich zu einem heilvollen Ausgang zu führen.—_ Vor dem Kriege? Einige Anzeichen deuten darauf, daß der Krieg in Süd- a f r i k a doch noch vermieden werden kann. Auffällig ist besonders, wie unser Londoner Korrespondent bemerkt, daß die Börse diesmal sehr viel ruhiger bleibt als die gerade von ihr gelesene Presse. Natürlich sind die Preise der „Kaffern"— wie sie die Goldminen-Aktien getmfft hat— von den Kriegsdrohungen nicht unbeeinflußt geblieben. Aber bis jetzt ist von einer Panik noch nichts zu verspüren, man hofft in der Finanzwelt offenbar, daß die Büren im letzten Moment klein beigeben werden. Dennoch erscheint die Lage höchst kritisch. Noch liegt kestre Nachricht vor über die Beschlüsse des heutigen Ministerrates in London. Es wird vermutet, daß das Parlament einberufen werden soll, um die Einberufung von Ersatztruppen zu bc- willigen. Inzwischen wird aus England und Indien, sowie aus Transvaal von der Mobilisierung bedeutender Truppenmassen gemeldet. Im Ersten Volksraad in Pretoria zeigte sich am Donnerstag bei Beratung des Antrages Coefter, betreffend die Ansammlung britischer Truppen an der Grenze Transvaals, eine überaus heftige und kriegerische Stimmung. Staats- sekretär Reih verlas das Antworttelegranim Sir A. Milners auf das an ihn gerichtete Ersuchen Transvaals um Aufklärung: „Ich weiß nicht, was Rcitz meint, wenn er auf die An- sammlung von Truppen anspielt. Es müssen die britischen Truppen in Südafrika sein, deren Stellung und Zahl kein Geheimnis ist. Aber jedermann weiß doch, daß sie hier sind, um die britischen Interessen zu schützen und gegenüber Eventualitäten bereit zu sein." Viele Mitglieder des Ersten Volksraads hielten darauf kriegerische Reden und drangen ans Entsendung von Truppen an die Grenzen. Dagegen mahnten Mitglieder des Aus- führenden Rats zur Ruhe und Mäßigung.— Aeulsches Weich. DaS streikfcindliche Eisenbahnininisterinm. Die„Berliner Neuesten Nachrichten"— das Organ der Groß- ilidustriellcn— schreiben: „Der königlich preußische Eisenbahnministcr hat eine Berfiigung erlassen, wonach bei den eisenbahn-fiskalischen Baute» kein kontrakt- brüchige» Arbeiter eingestellt werden soll. DaS Ministerium hat den großen Baugeschäften von dieser Verfügung Mitteilung gemacht. Eine Kontrolle kontraktbrüchiger Arbeiter ist natürlich nur durch Rückscheine möglich; die Baugeschäfte haben deshalb den Arbeitgeberbnnd für das Mauer- und Zimniergewcrbe hiervon benachrichtigt, so daß der Bund voraussichtlich in Kürze hierzu Stellung nehmen wird, Im übrigen hat der Bund für ggiiz Deutschland bereits die obligatorische Einsiihrnng sogencinntcr „einheitlicher EntlassungSscheiiie". die von un paritätischen (das sind natürlich solche, die von den Unternehmern geleitet werden, Red. d.„V.") Arbeitsnachweisen ausgegeben werden, bc- schlössen. Arbeiter ohne Entlassungsschein iperden nicht ein- gestellt. Ans diese Weise wird es auch dem Eiscnbqhn-Ministerium ermöglicht, eine Kontrolle darüber zu üben, daß Streikende bei eisenbahn-fiskalischen Bauten nickjt eingestellt werden." Es ist sehr charakteristisch für die Bedeutung dieser Maßregel des Eisenbahn-Miuisterinnis, daß sich die„kautrgktbrüchigen Arbeiter" für die„Neuesten Nachrichten" mit verblüffender Geschwindigkeit in einfache„Streikende" nmivandeln. Das Elsenbahn-Mimsterinm wird an seinem Teile dazu beitragen, daß Arbeiter, die sich zu streiken unterstehen, durch den Hunger bald wieder gezwungen werden, sich de» Bedingungen ihre? Herren zu fügen. Die Arbeiter werden aveS einsetzen müssen, den Wirkimgeu dieser socialpolitischen That dadurch zu begegnen, daß sie sich die „einheitlichen Entlassungsscheine" der„uiiparitätischen" Arbeits- nachweise, deutlicher Maßregelungsbureaus, nicht aufzwingen lassen. Der bisherige Minister des Innern, Freiherr v. d. Recke, ist an Stelle des neuen Kultusministers Etndt zum Oberprästdenten der Provinz Westfalen ernannt worden. Eine amtliche Bestätigung der Meldung liegt bisher nicht vor.— Ministcrkonsnm nnterm ncnen Knrö. Wir hatten erwähnt. daß durch den Rücktritt der Minister Bosse und v. d. Recke die Zahl der gegenwärtig lebenden inaktiven Staatsminister sich auf LI erhöht habe. Diese Angabe ist, so bemerkt die„Magoe- burger Zeitung", nur in sofern richtig, als eS jetzt 21 ehemalige Staatsininistcr giebt, die diesen' Titel noch führen. Die Zahl sämtlicher noch lebenden ehemaligen Staatsministcr ist noch etwas größer. Es trete» jeneii 21 noch hinzu der frühere Finanzminister Hobrecht, dem bei seinem Ausscheiden die Fortführuiig■ des Titels als Staatsminister nicht gewährt wurde, und die Kriegsminister, die nach ihrem Ausscheiden den Titel Staatsministcr nicht mehr führen. Bon früheren KricgSinjiüsteril leben noch v. Verdy du Bcrnois und Bronsart v. Schellcndorff U. Im ganzen giebt eS also jetzt 24 ehemalige Staatsminister. Von ihnen sind nur v. Delbrück, Falk, v. Hofmann, Gras Hatzfeldt und v. Puttkamer vor dem Regiernngs- antritt des jetzigen Kaisers aus dem Dienste geschieden, die übrigen 19 erst später. Von den seit 1883 ansgeschiedeiien Mitgliedern des Ministeriums sind außerdem schon fünf gestorben. Fürst Bismarck, Graf Caprivi, v. Friedberg, Bronsart v. Schellendorff I und v. Kaltenborn-Stachan. In den letzten 1t Jahren sind also schon A4 Minister als solche ans dem Amte geschieden. Das kann unterm parlamentarischen Regime nicht schneller gehen!— Benachteiligung der Scelcnte. Wiederholt ist von uns und im Reichstage von socialdeniolratischen Rednern darauf hingewiesen, daß die im Dienst Krüppel gewordenen Seeleute und die Wittwen und Kinder solcher Seeleute, die durch einen Unfall im Beruf getötet sind, hei Bemessung der Renten im Widerspruch zum Gesetz verkürzt sind. Nach dem§ 6 des See- Unfallvcrsichcrungs- Gesetzes gilt als Jahresarbeitsverdienst der zur Schiffsbesatzung gehörigen Personen im Sinne des Unfallversicherimgs-Gcsetzes das Neunfache desjenigen vom Reichskanzler f est zusetzenden Durch« schuittsbetrages, welcher bei der Anmusterung oder Anwerbung durchschnittlich für den Monat an Heuer, Lohn oder Gehalt gewährt wird, nuter Hinzurechnung von 2/5 des für Vollmatrosen geltenden Durchschnittslohnes als Geldwert der auf Sccfahrzeugcn gewährten Beköstigung. Außer- dem sind bei Festsetzung des Dinchschnittshctrages»och regelmäßige Nebcncinnahmen unterlassen. Der Reichskanzler hat nach dem Gesetz mindestens alle fünf Jahre eine Revision des Durchschnittsbetrages vorzunehmen. Diese Revision wurde im Jahre 1808 unterlassen: statt einer Revision, die z. B. für Vollmatrosen mindestens 53.26 M. als Durchschnsttsbetrag hätte feststellen müssen, erfolgte einfach eine Wiederholung der 1583 festgesetzten Sätze. Hierdurch wurden die Matrosen, deren Turchichniltsheuer da- rnalS auf nur 45 M. angenommen war, und die anderen Kategorien der seefahrenden Bevölkerung erheblich beeinträchtigt. Dies Unrecht steigerte sich dadurch, daß auch im Jahre 1893 statt eine ivirkiiche„Revision" vorzunehmen, einfach erklärt ivnrdc, hierzu läge keine Bera.ilassnng vor. Bei Gelegenheit der Etatsbcratiing und bei der Beratung des Invalidenvcrsicherintgs-GcsetzcS wnrde diese schwere, mit dem Gesetze unvereinbare Schädigung der See- Icnte im Reichstag von uns angegriffen. Der Staatssekretär des Innern versprach dann eine Prüfung der Angelegenheit vor- zunehmen. Als Resultat dieser Prüfung ist im„Rcichs-Anzeiger" eine vom 22. August 1899 datierte Bekanntmachung anzusehen, die den Tnrchschnittsbctrag für 9 Klaffen von Seclcntcn in einer den Seeleuten günstigeren Weise festsetzt. Die Hencrsätze sind danach für die Kategorien der Schiffer um 35, der Bootsleute, Zimmerleute, Vollmatrosen. Heizer, Kohlenziehcr und Trimmer um 5, der Leicht- Matrosen um 4, der Schiffsjungen um 2 M. erhöht. Wenn wir auch gern anerkennen, daß die neue Veröffentlichung beiveist, daß die öffentliche Besprechung des ungesetzlichen Zustandes durch die social- demokratischen Organe auch nach Ansicht des Reichskanzlers eine durchaus berechtigte war, so ist doch durch die Veröffentlichung dem Gesetze noch keineswegs voll genügt. Zunächst fehlt in der Fest- setzung die Bewertung der regelmäßigen Nebcncinnahmen. Außer- dem aber entspricht die Höhe des festgesetzten Dnrchschnittsbetragoö nicht dem nach dcni statistischen Jahrbuch Ihatsächlich vorhandenen. Das amtliche Jahrbuch weist als Durchichpirtsbetrag z. B. für Vollmatrosen auf: 1896: 51,74, 1897: 54,03, 1898: 56,52 M., also als dreijährigen Durchschinttsbetrag 54,10 M. Der Reichskanzler bat aber den Durch- schnittSbetrag nur auf 50 M. beziffert. Wie erklärt sich das? Giebt das amtliche statistische Jahrbucb unrichtige Sätze au oder hat mau bei Festsetzung der DUrchschnittsheucr in der Bekanntmachung voni 22 August 1899 die klare» gesetzlichen Bestimmungen abermals, wenn auch in minder erheblicher Weise>uie 1893 und 1898 miß- verstanden? Die in Ausübung ihres harten Berufs«rwerbs- unfähig gewordenen Seeleute und die Witwen und Waisen dieser mühevoll arbeitendeu Männer babcn ein Recht dar- aus, daß das Gesetz voll zu ihren Gunsten zur Auwendlmg gelangt. Bleibt doch auch dann»och der bei Bemesinng von Unfallrenten anzunehmende Jahres-Arbeitsverdieust weit hinter dem thatsächlichen Jahres- Arbeitsverdienst zurück. Bemerkensivert ist. daß die gesamte tapitalistische Presse für die Ungerechtigkeit des bisherigen Znstaiidcs. kein Wort des Tadels gefunden hat und auch den jetzige» etwas minder ungerechten Zustand zu billigen scheint. Für die Gesetzlichkeit sind auch auf diesem Gebiete bislang allein die socialdemokratischen Organe eingetreten. Prestsünder in preußischen Gefängnisse». Der Redacteur unseres Parteiblattes in Kassel. Genosse Garbe, wurde am Mitt- woch nach Verbiißung einer vierwöchigen Strafe aus dem Gefängnis entlassen. Er wurde mit Rumfutsch und blauem Heinrich ernährt und dabei mit den Geheimnissen des MontierenS von Korsettstangen vertraut gemacht. Nicht einmal eine Zeitung durfte er lesen und selbst einen Besuch seiner Frau durfte er nicht empfangen. Das gehört so zur preußisch-deutschen Kultur.■— Kein Arbeiter für die ZnchthailSvorkage. Ein Arbeiter L. R. i» Bromberg, Miiolied des Gewerkvercius der Lederarbeiter, sollte sich vor einiger Zeit für die Zrichthausvorlage ausgesprochen haben und dieser eine wnrde von der Zuchthanspresse eifrig ver- kündet. Jetzt hat der genannte Arbeiter an die Redaktion der „Bolksivacht" in Breslau ein Schreiben gerichtet, Ivorin er die ihm nntprstellte Meinung ganz entschieden in Abrede stellt, und erklärt, daß er die Vorlage durchaus verurteilt.— Also auch nicht«in Arbeiter für den„Schutz der Arbeitswilligen".— Mainz, 8. September. Der 14. deutsche AnwalkStag, zn welchem etwa 500 Anwälte aus allen Teilen Deutschlands erschienen sind, ist heute hier eröffnet Ivorden. Jusüziniuister Dr. D i t t m a r begrüßte die Versancmknng. Ans Antrag des Justjzrnts Dr. G o I d sch m i d t- Berlin beschloß der Anwaltstgg mit Rücksicht auf das Bürgerliche Gesetzbuch eine baldige Neuregelung des j u r i st i s ch e n U n i v e r s i t ä t s st u d i u m s, des Vorbereituiigs- diensies und des Prüfungswesens im Wege der Reichsgesctzgebung zu empfehlen. Ferner wurde hie Schaffung emes einheit- üchen deutschen Wasser- und Bergrechts als notwendig bezeichnet. Nach Erledigung einiger anderer Fragen wurde der Anwaltstag ge- schkossen.— Ein Dresdener Prozeß. Der Streikprozeß gegen den Maurer Schönherr, über den schon sehr interessante Einzelheiten berichtet wurden, ist nun, nachdem er am 19. August vertagt war, ani L. September vor dem Schöffengericht in Dresden zu Ende geführt worden, und zwar endete die Verhandlung mit der Verurteilung des Angeklagten zu einer Wockie Gefängnis. Es mögen noch einige äußerst charakteristische Momente hervorgehoben werden. Die frühere Verhandlung wurde vertagt, weil die zlvci HanptbelasiimgSzengen völlig versagten. Sie konnten trotz heißesten Bemühens des Vorsitzende» nicht bezeugen, daß der Angeklagte die ihm von der Anklage in den Mund gelegten Aeußeruiigen gelhan hat. Es waren nun drei wsitere Zeugen, ein Polier, ein Polizist und ein Staatsanwaltschafts- Assessor geladen. denen gegenüber die zwei Hanptzengen Angaben im Sinne der An- klage gemacht haben sollten. Doch vermochten diese Zeugen nichts Erhebliches vorzubringen. Dagegen erklärte nunmehr der eine Haupt- zeuge, bestimmt vom Angeklagten die Beiiierkniig gehört zu haben: „Euch Brüder werden wir schon rausholfen". Däraufhiu erfolgte die Verurteiluilg. Nun hat aber dieser Zeuge in der ersten, ver- tagte» Pcxhandlung in Bezug auf diesen Satz, trotz energische» Vorhalts und unter Bereitwilligkeit, es zu beschwören, aus- gesagt, er könne nicht behaupten, daß diese Bemerkung vom Angeklagten gemacht worden sei. Der Zeuge hat überhaupt seine Aussagen dreimal geivechselt offenbar nicht aus Ab- ficht und bösem Willen, sondern weil ihm ganz augenscheinlich die Fähigkeit, etwas richtig zu fassen und wiederzugeben, völlig abgeht. Das' wurde auch bon der Verteidigung eingehend erörtert. Trotz« dem die Verurteilung! Bon dem Dresdner Bcamtcnjonrnak. Das„Dresdner Journal", dessen Redacteure als Privatleute beleidigen, aber als Beamte beleidigt werden, rügt in einer Zuschrift die freisiuuiac Tflktik, den Soeialdemokraten zu raten, daß sie recht„gemäßigt" in Hannover auftreten, denn ei» Vorgehen mit„blutrünstigen Reden" sei nur eine Unterstützung der Sammlung und der Herrschergelüste der Konser- vativen. „Diese Ratschläiie". so führt die Zuschrift aus,„sind unseres Erachtens gar nicht einmal nötig; denn die Soeialdemokraten wissen selbst viel zu genau, daß sie augenblicklich mit ihrem„gemäßigten" Austreten die besten Geichäftc machen; sie zeigen aber, daß die bürgerliche Demokratie nicht etwa mehr nur unbewußt, sondern jetzr in vollem Bewußtsein der Socialdcmokratie als Borsnicht dient. Die Konservativen werden von der Linken in solchen Fällen gewissermaßen als„reaktionäres Gespenst" an die Wand gemalt; denn auf die stnatserhaltendcn Parteien wird auch die saus, mistigste Taktik der„Genossen" und der friedfertigste Ver- lauf' des socialdemokratischen Parteitages keine ein- scbläfernde Wirkung ausüben. Man braucht bloß auf die Eutwickelung der Socialdemokratie in anderen Ländern, auf die Revolutionslchürring beispielsweise in Belgien, zu blicken und in Betracht zu ziehen, daß die deutsche Socialdemokratie allem solchen Revolutiousheldcutum die stärksten Sympathien entgegenbringt und es der deutschen Arbeiterschaft als Muster vorhält, um sich bewußt zu werden. daß die jeweilige Taktik und Haltung der „Genossen" nur den Zweck hat, sich den Verhältnissen anzupassen und dje Lage ausziüiutzeir. Verfolgt die Socialdemokratie heute eine„gemäßigte" Taktik, vermeidet sie„blutrünstige" Reden und Provokationen, so geschieht dies, um den Blick von dem eigentlichen Zweck der Ilinstiirzlcr abzulenken und die Bevölkerung in eine falsche Sicbnchcit zu wiegen, nicht aber, um ihre Bestrebungen und ihr Endziel zu revidieren. Die Linke färbe aus Partei-Jntercsse optimistisch, weil sie die socialdemokratischen Krücken zu ihren Mandateu brauche. Aber auch scheinbar Gemäßigte, wie Bernstein, das Endziel unentwegt im Auge behielten. Es beißt ferner: „Ja, das Endziel! Bernstein arbeitet für seine Erreichung, er will es genau so, wie die„blutrünstigen" Parteimitglieder, und dieses ist: die sociale Nepublikl Also der Umsturz! Dies kann keine Sophistik und kein Idealismus hinwegdisputieren. Weil» schon ein so„gemäßigter" Mann, wie Bernstein, die Frage in Erwägung zieht,„ob es möglich sein werde, in Deutschland jib�r die Phase eines bürgerlich-lonstitutivuellen Rcgierungssystcms hinwegzukommen", oder ob eine solche Epoche nicht mehr nötig sei, so muß doch der ehrliche und nicht ganz verblendete Politiker zugeben, daß es für die Beurteilung der Socialdemokratie ganz glcichgiltig ist, ob„Genosse" Bernstein oder„Genosse" Liebknecht, ob v. Vollmar oder Bebel angiebt, wie die augenblickliche Taktik beschaffen sein soll. Die Socialdemokratie will den Umsturz, die ganze Agitation ist danach eingerichtet, um dem Ziele näher zu führen. Diese Thatsache zu verschleiern, ist frivol und kiegr nur im Interesse der Socialdemokratie; daß der Frei- sinn und die bürgerliche Demokratie der Bevölkerung über die socialdernotratische Gefahr ein 3E für ein II machen wollen, beweist nur. daß es doppelt nötig ist, das Volk über den tvahren Eharakter der Socialdemokratie sortlaufend zu unter- richten." Will uns da?„Dresdner Journal" in unseren Bemühungen nntcrslützen, da" Volk über den wahren Eharakter der Socialdcmo- kratic aufzuklären, so wird uns das sehr willkommen sein. Das Bcamten-Joumal inun diesen Aufkläruugshienst arn besten dadurch erfüllen, daß es wöchentlich zweimal unser Programm abdruckt. Oder will es über den„wahren Charakrcr" durch den Korb-. machcr Fischer, die Beamten-Redaeteure des„Journals" und ähnliche Aufklärer die Wahrheit verbreiten?— Jagd ans die Streikposten. Die Zuchthausvorlagc will die Streikposten der Arbeiter unter- drücken. Doch der Haß des Unternehmertums versucht auch jetzt schon alle Mistel, uni Polizei und Justiz gegen dieses Kampfesnuttel der Arbeiter aufzubicte». Eifrig wurde bald hier bald dort der zu so vielem brauchbare Paragraph vom Groben Unfug auch gegen das Streik- postcnstehen geivxndct. Und wo er nicht hinreicht, da greift man zur— P o l i z c i v e r v r d n ii u g. So hat letzthin eine Ferien- Strafkammer des Berliner Landgerichts einen Streikposten wegen Uebertretung der Polizeivcrordnung verurteilt, welche das lange Umherstehcn aus den Bürgersteigcn mit Strafe bedroht. So wird eine Polizeivcrordnung mächtiger denn das Gesetz. Was kein Gesetz vermag, die Polizei vermag es. Zwar hat die Polizei oft ein Herz voll Sanftmut und Milde. Man gehe auf eine Straße und man findet Menschen, die aus irgend welchen Gründen an einer Stelle längere Zeit verweilen. So lange sie nicht den Verkehr hemmen, wird kein Polizei- bcamtcr ihnen zu nahe treten. Aber oft sehen wir auch den Ver- kehr gehemmt, stundenlang gehemmt durch Menschen, die un- beweglich feststehen auf dem Bürgersteige, die sich zu dichten Massen zusammenballen. Und doch schreitet kein Diener der heiligen Hermandad ein. Freilich da giebt es den Einmarsch der Soldaten. den Aufzug der Wachparade oder gar die höfischen Herrschaften zu ehe». DaS alles bleibt straflos, ist unter Umständen ein Zeichen braver Gesinnung. Wehe aber dem Arbeiter, der im Kampfe für geringe Verbesserung seines clendensLebens Umschau halten will, ob nicht Thor- heit und Schlechtigkeit dem gesperrten Jndustrieherrn Streikbrecher zutreibt; er hindert zwar niemanden im freien Verkehr auf der Straße; er slört keinen Nebennicnschen— außer den Streikbrecher suchenden Kapitalisten, aber die Polizei zieht ihre Verordnung hervor, wendet sie an auf den Fall, auf den sie anzuwenden ihrem Ursprung und ihrem Sinne nach nimmer- mehr möglich ist. Und es finden sich Richter, welche diese Beschränkung des Arbeiter- Konlitionsrechts durch derlei Polizeimethoden gut- heißen! Aber vielleicht verfolgen die Richter die löbliche Absicht, zu er- weisen, daß das Zuchthausgesetz unnötig ist!—, Ehronik der MajestiitsbeleidignngS-Prozesse. Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit verhandelte die Essener Strafkammer am 6. September gegen den Maurer Wilh. Bunse ans Gelsenkirchen. Der Angeklagte soll sich einer Majestätßbeleidigung schuldig gemacht haben. Auf ö Monate Gefängnis lautete das Urteil. Ausland. Attcntatöprozcß in Serbien. Der Prozeß wegen des angeblichen Mordanschlages auf Exkönig Milan hat am Freitag begonnen. Vor dem Gerichtstische liegen blutbefleckte Kleidungssiiicke des Adjutanten Lukitsch. Auf der An- klagebank nehmen 24 Personen Platz. In der vordersten Reihe sitzt Kneze witsch, von vier Gendarmen bewacht. Knezewitsch, wie alle andern Angeklagten, sind ungefesselt, doch sieht man an seinen Handgelenken die Zeichen der bisherigen Fesselung. Im Zuschauerräume befinden sich etiva 200 Personen, darunter Mitglieder des diplomatischen Korps, sowie aus- wärtige und hiesige Journalisten. Unmittelbar nach dem Eintritt der Angeklagten beginnt die V e r- lesu n g der Anklage. Diese richtet sich in erster Reihe gegen Knezewitsch, der das Attentat auf Milan ausgeführt hat. Die Anklage erzählt den Vorfall, wie er aus den damaligen Mitteilungen wohl- bekannt ist. Es geht auch daraus das Geständnis des Attentäters hervor, daß er für das Attentat gedungen»sei, um die Dynastie Karageorgievicauf den Thron zu bringen. Es wird ferner behauptet, daß das Attentat nicht der Ausfluß eines augenblicklichen Entschlusses, sondern wohldurchdachter Ueberlcgung und einer lange vorbereiteten Verschwörung sei. * Ans Belgrad wird telegraphiert: Der in dem Hochverrats- Prozesse angeklagte Präfekt Zivko Angjelitsch ivurde am Freitag früh in seiner Kerferzellc erhängt aufgefunden.— Schweiz. Zürich, 7. September.(Eig. Ber.) Ende Oktober finden die Ratlonalratswählen statt und bereits sind unsere rührigen Genossen als erste auf dem Plane erschienen. Am Montag fand eine Vertrauensmänner-Versaminlung statt, in der einstimimg be- schlössen wurde, wiederum wie 1896 eine voll? Sechserliste änfzu- stellen, da der Wahlkreis Zürich sechs Abgeordnete für den National- rat zu wählen hat. Bekanntlich ivar vor drei Jahren in Zürich Genosse Greulich im dritte» Mahlgang nahe daran, gewählt zu werden, trotzdem Liberale, Konservative und Demokraten, alles sonstigen Haders vergessend, wie ein Mann zusammenstanden, um die socialistische Gefahr abzuwenden. Vielleicht gelingt es dies- mal, neben Vogelsanger einen zweiten Abgeordneten durchzubringen.— Portugal. Oporto» S. September. Gestern sind hier zwei«eue Pcstfälle vorgekommen. DaS Amtsblatt der portugiesischen Regierung veröffentlicht eine königliche Verordnung, durch welche die Professoren Ricardo Jorge und Pestan beaustragt werden, als Delegierte der Regienmg gemeinsam mit den von fremden Regierungen zum Studium der Pest nach Oporto entsandten Aerzten zu einer außerordentlichen Komniission zusammenzutreten, um die Wirkung der verschiedenen Arten von Senim und Impfstoff zur Verhütung oder Heilung der Pest zu prüfen und über das Ergebnis zu berichten. Amerika. New Dorf, 8. September. Das Kriegsdepartement hat ein Telegramm an den General Otis gesandt, in welchem ihm mitgeteilt wird, daß er als Kommandant der philippinischen Truppen durch den General Miles ersetzt wird.— ZDavkei Eine Derbrcchcrbandc. Aus den im Notizkalender für 1900 gegebenen biographischen Angaben über unsre 57 Reichstags- Abgeordneten geht hervor, daß 40 von ihnen mit Freiheitsstrafen belastet sind von zusammen 565 Monaten oder durchschnittlich der Mann mit 13�/8 Monaten. Diese Strafen, die sämtlich im Dienste der Freiheit erworben wurden, bilden ein Ivertvolles Stück Geschichte aus den, Befreiungskampfe der deutschen Arbeiterklasse. Und sie sind doch nur ein kleiner Bruchteil der über die organisierten Arbeiter und ihre Vorkämpfer seit dem Bestehen der deutschen Socialdemokratie ver- hängten Strafen. Parteikonferenzen. Sluf einer Parteikonferenz für den 8. u n d den 10. schleswrg-holsteinschen Wahlkreis wurde zerichtet, daß am 4. September 1893 noch eine aus der RcichstagSwahl herrührende Schuld von 5278 M. vorhanden war, die jetzt gedeckt ist. Die Einnahme der Organisation betrug im ab- gelaufenen Jahre 4195 M. und die Ausgabe 3970 M. Die Kosten der RcichstagSwahl belaufen sich auf 22 030 M. In, vorigen Herbst wurden in beiden Kreisen 20 000 Volkskalendcr verreilt. Es wurde in der Debatte hervorgehoben, daß die Genossen von Altona und Wandsbek die Kosten für die Agitation im 10. Kreise fast allein aufzubringen hätten, und daher komme es, daß sie für die. Provinz und für die Hauptkasse nicht soviel leisten könnten, als es ihrer Bedeutung an- gemessen wäre. Die Kreiskonferenz für den Wahlkreis Bielefeld nahm den Antrag an, daß nur solche Delegierte nach Hannover geschickt werden, die dort einer möglichst kräftigen Beteiligung an den Landtagswahlen durch ihre Abstimmung keinen Stein in den Weg legen. Die Abrechnung ergab 1500 M. Einnahme und 509 M. AnS- gäbe. Dem Parteiblatte wurde» dann 500 Mk. bewilligt. Auch die Kreiskonferenz für den Wahlkreis H e r f o r d- H a Ijl e beauftragte ihren Delegierten zum Parteitage, für Beteiligung an den Landtagswahlen einzutreten. I» einer Partei- Versammlung in Halbcrstadt sprach Dr. Crohn über Bernstein. Er sagte: „Nicht durch Majoritätsbeschlüsse, sondern nur durch Wissenschaft- liche Forschung, durch das Für und Wider bildet sich die Erkenntnis weiter; lassen ivir also ruhig die Theoretiker allmählich das heraus- finden, was richtig ist. Die Partei der Socialdemokratie, sagte ich, bleibt bei alledem was sie ist und was sie war. An bestimnsie Leitsätze von Marx und Engels ist sie nicht gebunden, wenn neue Erscheinungen auftauchen, die denselben widersprechen. Wir würden zu einer dogmatischen Partei herabsinken, dürften wir unter allen Umständen nicht davon abgehen, was unsere großen Männer gesagt haben. Wir sehen es an Lassalle, dessen Andenke» hochgehalten wird, trotzdem einzelne seiner Theorien heute für uns nichr mehr gelten. Das zeigt gerade die Kraft und die Gewalt der Socialdeinokratie, daß ihr Be- stand gar nickt von einzelnen Theorien abhängt. Was aber als ihr Ziel unverrückbar bestehen bleibt, ist ans socialem Gebiete die lleber- führnng der Produktionsmittel in den Besitz der Gesamtheit und auf politischem Gebiet das Streben nach politischer Macht, nach frciester Demokratie. Die Wege, die zu diesem Ziele führen, können ab- geändert werden, die Socialdemokratie bleibt bestehen/' Der Abhaltung der Parteikonferenz für die Provinz Posen hatten sich anfangs vielerlei Schwierigkeiten in den Weg gestellt. Diese sind jetzt jedoch beseitigt, so daß die Verhandlungen nun am 10. September in Kolmar beginnen werden. Der frühere Polizeikommissar Köster aus Bochum, jetzt Agent, wird von der Armenverwaltung in Bochum steckbrieflich ver- folgt. Er hat seine Familie im Stiche gelassen, so daß diese der öffentlichen Fürsorge anheimgefallen ist. Die Armenverwaltung fordert auf, ihn festzunehmen und auf Grund des§ 361 des Straf- gesetzes gegen ihn vorzugehen. Auch der Verfasser der neuesten Sudelei gegen die Social- demokratie heißt Köster, stammt aus Bochum, war früher Polizei- beamter und ist jetzt Agent. Stimmungsbilder von der„Affaire". Ueber die Mittwoch-Sitzung schreibt unser Berichterstatter aus Reimes unterm 6. September: Hier weht ein scharfer Wind. Die skandalöse Haltung, die schamlosen Lügen, die verleumderischen Verdächtigungen der Ver- trcter des Gcneralstabes haben die Erregung der Freunde Drehfus' bis zum Ueberinaß gesteigert. In der That ist es unmöglich, sich eine genaue Vorstellung von der niedrigen Gesinnung mancher Offiziere zu machen. Heute stieg der Kommandant Lauth noch unter den Schnmtz hinab. Dieser Kommandant, der sich bis jetzt in alle schmutzigen Affaire», injalle im Kriegs- Ministerium begangenen Verbrechen eingcnwngt hat, dieser Kommandant. der der Urheber der Radierung des„Petit bleu", also einer Fälschung ist, hat sich erlaubt, vor den Gerichtshof niedriges Polizeigeschwätz gegen den Oberstlientenant Picquart zu bringen. Er sagte, daß er eines Tages einem Kameraden, der nach den Kolonien abging, ein Abschiedsdiner gab, zu dem er alle Offiziere des Bureaus nnt Ein- schlug des Oberst Picquart geladen hatte. Und Picquart habe zu diesem Diner, an dem Frau Henry und Frau Lauth teilgenommen, ein leichtfertiges Frauenzimmer mitgebracht, um so seine Mißachtung gegen die Offiziere seines Bureaus zu bezeugen. Zweifellos aber ist die von Lauth erzählte Geschichte in allen Punkten ungenau. Picquart verlangte von seinem Platz, dem Kommandanten Laulh zu antworten. Aber der Präsident Jounust war wachsam und mit seiner gewohnten Parteilichkeit verbot er es, dem niedrigen Verleumder entgegenzutreten, der soeben ans dem Zeugenstand miter seinem Eide eine: Lüge mehr erzählt Chatte. Daher beabsichtigte Picauart, den Kommandanten Lauth beim Verlassen des Saales zu treffen, um ihn zu ohrfeigen. Ohne das Dazwischentreten von Picqnarts Freunde» sowie der SicherhoitSwache hätte Lauth eine kräftige Berichtigung erfahren. Er verbarg sich, blaß vor Furcht, hinter den Generalen. Allmählich kommen alle, die den Verhandlungen folgen, in eine überaus erbitterte Gemütsverfassung. Es scheinen sich Geivaltthätig- leiten vorzubereiten und mangels änderer Waffen werden vielleicht bald die Fäuste gebraucht werden. T r a r i e u x setzte heute seine Auslage oder vielmehr sein Plaidoher fort. Die Generale, die förmliche Anklagereden gegen Drehfus gehalten hatten, verhehlten nicht ihren Aerger, auf dem Iengenstniid die ganze Affairc von dem früheren Siegelbewahrer ex- zählen zu hören. Ter Präsident I o u a u st begnügte sich, während der meisterhaften Ausführungen Trarienx' die Stirne zu runzeln uild verzweifelt seinen Iciimcii Schnurrbart zu jtrxickcii, aber er wagtevas die Menschen selbst als auch was ihre Beschäftigungen anbetrifft. Gerade die großen Gesell- schaften mit ihren regelmäßig laufenden Dampfern sollen von der Bewegung fast gänzlich unberührt geblieben sein.— Für die ausgesperrten Arbeiter Dänemarks gingen bei der Berliner G e w e r I s ch a s t S k o in m i s s i o n folgende Bcilröge ein: Klaviaturfabrik von Schwohls, Äöpnickcrstraize, 13,55. Droschkenkutscher, SchLnholzerstabe, 3,59. Möbelfabrik von Klug, Waschauersirahc, 43,39. Buch- druckerei von Greve, 6. Rate 7,95. Maschinenfabrik von Malik u. Walkows, 9. Rate 7,39. Gehilfen der Bildhauerei von Polschewskv, Fruchtstrabe, t6,—. Möbelfabrik von Hanke u. Keber, Köiiigsbergcrstrabc, 5. Rate 15,55. Prägern von Littaner u. Boysen 8,59. Rauchklnb„Frei weg", Schöneberg 9,—. Vier Bildhauer 2,—. Kaiserschcr Männerchor 19,—. Gieberei Matthiasstrabe 3,—. Glasschleifer, Borschnb auf Listen durch Lcntel 59,—. Tischlerei A. Bingcr, Görlitzcr User 21,69. Tischlerei Rnsl 2,75. Möbelfabrik von Groschkus, Werlstätte 1—2 6,45; 3— 3a, Drechsler und Polierer, 5,79; W. 5 mit Budiker 5,79; W. 6 3,55; Fräserei 1,35; Polierer von Dallmann 1,49; zusaiuincii 24,15. Verband der Bau-, Erd- u. gcwerSl. Hilfsarbeiter 159,—. Möbelfabrik von Friedrich 2. Rate 13,59. 9 Kollegen der Pianosabrik von C. Siewcrt 4,29. Tischler von Markgraf u. Tau 6,—. Werkzeugmacher von S. u. H. 3,29. Tischlerei von Fülle, Fnichtstrabe, 14,25. Piano- mechanil-Fabrik von Schütze u. Freund 3. Rate 14,45. Tischlerei von Spränge, Liebeiuvaldcrstrabe, 14,75.„Widerstand" 2. Rate 8,—. Tischlerei Feldmann 3. Rate 11,99. Möbelfabrik von Schröp u. Ritter 2. Rate 17,39. Bodensleinsche Maler im Monopol- Hotel d. Ed. Seiler 29,29. Piaiiofabrit von Kliligmaim, Cuvrvstrabe, mit Ausschlub der Dänen, und anderer 6,69. Treppengeländer- Fabrik von Vogt u. Faulmann 7,59. Tischlerwerkstatt v. Neumaim 6,25. Betrieb L. Löwe d. d. Weber— 59 11,55. Stuccateure v. Wollstädter, Postbau Potsdam 19,—. Arb. d. Schuh- fabrit v. Gräf, Markusstrabe, 19,59. Glaser d. Starke 15,65. Drechslerei v. H. Schmidt, Blumenstrabe, 2. Rate 6,59. Arb. d. Firma Schulz, Nieder- Schöncwcide 3,59. Tischlerei Schütze, Skalitzerstrabe 6,89. Arbeiler-Raucher- bund Berlins u. Umg. d. Ehrke 199,—. Möbelfabrik v. Osten, Brunnen- strahe, 5. Rate 7,69. Mübelpolierer v. Seifert u. Wulf, Fruchtstrabe, 3. Rate 19,15. Lehmanil 14,95. Schuhmacher d. Hermann 32,45. Schuhfabrik v. Wolf, Ueberschuß v. d. Landpartie 22,59. Schuhfabrik v. Scngcr n. Stoikwaldt 5,69. Vertrauensmann der Graveure u. Cifeleure 11,55. Des- gleichen 14,—. Tischlerei Lübcke, Britzerstrahe, 12,—. Tischlerei d. Union, Martinickenfelde 39,49. Tischlerei von Alschncr u. Hagen, Hagelsberger- straße, 12,79. Tischlerei Rose, Schinkestrabe, 4,59. Arb. d. Klaviaturfabrik v. Buchholz 13,85. Möbelfabrik v. Lennig u. Jatzky 19,65. Tischler d. Möbel- fabrik v. Kümmel 59,—. Arb. d. Pianosabr. v. Bechstein, Johannisstr., 38,85. Tischlerei v. Kaste, Landsbergerstr., 8,—. Arb.-Gcsangver. Nord, 2. Rate 25,—. Spitzenvapierfabr. v. N. Heimami u. Co. 6,—. Bronzewarcnfabr. v. Robert Meden 3,29. Pianosabrik von A. Herbst, Zossenerstrabe, 6,89. Buchdruckerei Gebr. U., 6. Rate 5,—. Kortarbeiter Berlins 11,95. Tischlerei Kämling 14,79. Seifenfabrik Spiclhagen 3,29. Buchdruckerei L. Schumacher. 4. Rate 8,79. Tischlerei von Kicölilig, Waldemarstrabe, 8,39. Fabrik- und Hilfsarbeiter und Arbeiterimien d. Haupt 9,39. O. Bobreck, Dachdecker- nieister, 1,29. Schuhfabrik, Brunnciistr. 9, 6. Rate 6,55. Vortrag bei den Bildhauern, d. Dr. F. 6,—. Rnuchklub„Collegia" 4,75. Pianofabrik von Hansen, Ncueuburgcrstrabe, 18,19. Gesangverein Süd-Ost bei Zwarg, Glogauerstrahe, 5,59. Ges. d. Skandinavier 63,45, davon 31,— an die Bau- tischlcr Kopenhagens. Bildhauer der Möbelfabrik von Groschkus 3,25. Tischlerei von Hclluer, Waldemarstrabc, 12,—. Tischlerei v. Klinke, Königs- bcrgcrstrabe, 6 Rate 5,15. Tapezierer von Otto Schöbe!, Kurfürstendaimn, 2. Rai- 11,55. Arbeiter der Möbelfabrik von W. Appelt, Reichcnberger- straße 11,59. Tischlerei von Denecke, Fürstcnstrabe 2,59. Ortsvercin der Weihgerber in Königsee i. Th. 7,—. Arbeiter von Knoblauch, Reinickendorf 3,55. Gesangverein„Bruderbund", ges. bei einer Geburtstagsfeier 19,—. Kupferschmiede Berlins, d. Reiner 59,—. Privatbau Ntederschöneweide 21,99. Vcrtraucnsmnnil der Gewerkschaften Weibeusce, Mcnk 39,65. Stuccateure und Bildhauer von Ullrich u. Frommer in Steglitz 19,—. Buchdruckercl von Pab n. Garleb, 7. Rate 21,29. Liixusmöbelfabrtk von Rcichardt 2,59. Tischlerei Stein, Gr. Franksurterstr., 9. Rate 6,89. Bucbdruckerci Aöhelm 19,—. Tischlerei v. Equitz, Franksurterstr., 19. Rate 7,69. II. Wkr. d. Glaöhagen 15,35. Holz- und Bretlerträzer nachträglich 37,30 u. 30,05 HandelShilfSarbeiter (lofall 50,— u 21,25 nachträglich Beamte der Oris-Krankenkasse der Maschinenbauer 19,—. Lackiere: d Rautenhaus 37,89 Maurer(central) d W Schulz 188,64, Buchdruckerei-Hilfsarbeiteriimeu Berlins d Frau G. 24,89 Berichtigungen aus Nr 294� Es muh heißen Pianosabrik v Klingmann, Cuvrvstrabe usw, serner aus Nr 298 bei Bildhauer von Dinse 5. Rate, Kuopssabrik von Manasse statt Manape, Scherbelgasse statt Schcrbegasse, Weitere Beirräge werden im Berliner Gewerkschasisbureau, Annenstr 16, l, vormittags 9—1 Uhr, nachmittags 6—8 Uhr. entgegen ge- nommen, Ter Ausschub der Beritner Gemerkschasis-Kom Mission. Die Firma Gebr. Zeidler, Berlin, Mühlenstr. 15/17, sendet uns nachstehende Berichtigung: In dem von Ihnen gebrachten Artikel am 1 September d I., betreffend die Verhandlungen der Sieinarbeiier mit den Arbeitgebern vor dem hiesigen Einigungsamt, haben Sie milgeteilt, daß in einer gegen unsere Firma von dein Steinmetz R i ch l e r beim Gewerbeg'errcht geltend gemachten Klage ein obsiegendes Urteil des Richter gegen uns erzielt sei. Wir teilen Ihnen hierdurch mil. daß diejes nicht der Fall ist, sondern Richier der unterliegende Teil war. Aus dev FrÄuenbetuegnng. Bürgerliche Franenversammlungen. Vom 1. bis 4. Oktober ivird in Königsberg die Generalversammlung des Allgemeinen deutschen Frauenvercins tagen. Die damit verbundenen öffeiitlichcil Versammlungen werden unter anderem Referate über obli- gntorische Fortbildungsschulen für Mädchen und Arbeiterinnen- schütz bringen. In München wird ferner vom 13. bis 2l. Oktober ein Bayrischer Frauentag stattfinden, der insofern unter allen Oktober- Veranstaltungen der Fraueirrcchtlerinucn ein iveißer Rabe ist, als er die Dienstbotenfrage in sein Programm auf- genommen hat. Er bringt außerdem noch folgende Referate: Uebcr die Lage der Heimarbeiterinnen, über die Lage der weiblichen An- gestellten im Gastwirtsgewerbe und über die Thätigkeit der Frauen- kommffsion am städtischen Arbeitsamt in München. So einseitig der Standpunkt der Damen in Bezug auf diese Fragen gewöhnlich zu sein pflegt, so ist es immerhin schon ein Zeichen des Fortschritts, daß sie sich überhaupt mit ihnen beschäftigen. Die vorwärts- treibende Kraft der Sociatdemokratie zeigt sich auch darin: sie nötigt die bürgerliche Gesellschaft, gewissen Zuständen ins Gesicht zu sehen, die sie bisher mit dem Mantel des Egoismus zu bedecken pflegte. Ei» Kongreß polnischer Frauen fand kürzlich in Zakoparn in der Tatra statt, an dem sich 200 Frauen und Mädchen beteiligten. Nach einem Vortrage über die Lage der Bäuerinnen wurde be- schloffen, eine Zeitschrift für Bäuerinnen und Kleinbürgeriiinen herauszugeben, um etivas Aufklärung unter ihnen zu verbreiten. Die Berichte über die Mädchengymnasien in Lemberg und Krakau — über letzteres sprach Frau Dr. Sofia DaszhiiSka-Jolinska— gaben ein außerordentlich günstiges Bild von de» Fortschritten und Erfolgen der Schülerinnen. Die Errichtung von Landwirtschaftsschulen für Baucrntöchtcr wurde lebhaft befürwortet. Frauenstimmrecht in Australien. Die gesetzgebende Körper- schaft von Westaustralien hat ein Gesetz angenommen, welches den Frauen gleiche Bürgerrechte giebt. Dies fortschrittliche Land hat sich dadurch Südaustralien und Neuseeland angeschlossen, indem es allen Bürgern gleiche Rechte zugestand ohne Rücksicht auf das Geschlecht. Frauenvcrein in Japan. In Tokio hat sich ein Verein ge- bildet, der auch die Hebung der Lage der Frauen in den Bereich seiner Thätigkeit ziehen will. Der Verein lzählr schon viele Mil- glieder._ Vetzke Mschvichken und Depeschen« München, 3. September.(W. T. B.) Die Brüder Loibl, die bei der hiesigen Filiale der Deutscheu Bank 40 000 M. unterschlagen hatten und flüchtig wurden, sind in der vergangenen Nacht in Luzern verhaftet worden. Die defraudierte Summe wurde bei ihnen noch vorgefunden. 'Tcplitz, 8. September. sW. T. B.) Gcftcrii Abend sammelten sich gegen 1500 Personen auf dem Marktplatz und zogen von da auf den Schillplatz, wo socialdemokratische Redner und Deutschnalionale sie aufforderten, sich zu zerstreuen. Später sammelten sich auf de», Mnrktglatz wieder etwa 500 Personen an, ivelche unter Geschrei gegen das Stadthaus zogen. Die Polizei schritt ein und räumte den Platz. Vier Verhaftungen wurden vorgenommen. Lüttich, 3. Sept.(B. H.) In' einer gestern abend abgehalteneii socialistischen Volksversammlung kam es zu heftige» Aus- einandersetzungen wegen der Wahlvorlagc. Es wurde eine Tages- ordnung angenommen, in der die Abgeordneten bcariftragt werden, gegen die Verhältniswahl und für das allgemeine gleiche Stimmrecht eiiizutreteu. PariS, 8. September.(28. T. B.) Mehrere Deputierte der Nechtcu, ivelche von de Raniel einberlifen ivare». traten heute Nach- mittag im Palais Bonrbon zusammen, um über die politische Lage, insbesondere betreffend die Einberuftmg des Staatsgerichtshofes zu beraten. Sie beschlossen, sich in Permanenz zu erklären und wählten ein Bureau, dem de Ramel, Cassagnac und Cochin angc- hören. Paris. 8. September.(W. T. T.) Eine Sonderansgahe des „Figaro" meldet, Lobori sei angesichts des glänzenden Plaidoyers von Demange entschlossen, mir wenige Minuten zu sprechen. Zweifellos iverde morgen Mittag daS Urteil gefällt.— Der ehemalige Gouverneur von Madagaskar. Laroche, richtete an den Präsidenten des Kriegsgerichts in Reimes, Jouaust einen Brief, in welchem er Hauptmaini Frcystätter gegen die Beschuldigungen Mercicrs verteidigt. London, 8. September. Das„Reutersche Bureau" erfährt, daß als Ergebnis der. Beratungen im heutigen Ministerräte eine in entschiedenen Worten abgefaßte Depesche nach Transvaal gesandt worden sei, welche hier veröffentlicht werden wird, sobald sie in Prätoria eingetroffen sein ivird. Aus anderen Quellen verlautete, daß weder das Parlament einberufen wird, noch Reservemaimschasten eingezogen werden; daß jedoch 10 000 Mann nach Südafrika ab- gehen sollen. London, 8. September.(W. T. B.) Der heutige KabinetSrat dauerte 2]h Stunden, von 121/2 Uhr bis kurz vor 3 Uhr, also nicht außergewöhnlich lang. Die Minister, iiameutlich Lord Salisbury, wurden von der Menge vor dem AuSivKrtigen Amte mit lauten Rufen begrüßt. Chamberlain bcmitzte zum Hin« und Rückwege einen nicht nach der Straße zu liegeiiden Eingang. London, 8. Scpteinber.(W. T. B.) Eine Sonderausgabe der „Pall Mall Gazette" meldet: Die Minister waren im heutigen Kabinetsrnt vollständig einig. Das Ergebnis der Beratungen wird eine entschieden abgefaßte Antwort an die Regierung von Trans- vaal sein, welche eS durchaus ablehnt, auf deren Vorschlag betreffend Verzicht ans die Suzeränität eiiizngehen und sie daran crimiert, daß das Anerbieten bezüglich einer gemeinschaftlichen Kommission nicht für uiibeftiimnte Zeit offen bleiben könne. Die Depesche wird auch einen scharfen Hinweis darauf enthalten, daß keine Antwort an- nehmbar sei, die hinsichtlich einer wesentlicheu Bedingung cuiSweichend oder ungünstig sein werde. Belgrad, 3. September.(W. T. B.)(Meldung des Wiener K. K. Tclegr.-Korresp.-Bureaus.j Der heute im Gefängnis tot aus- gefundcne frühere Präfctt von Schabatz, Slngclitsch, hat, ivie die ärzt« liche Untersuchung ergab, Selbstmord begangen. Angelilsch sandte Briefe a» seine Frau und seiiien Bruder, in denen er erklärte, er habe diesen Entschliiß gefaßt, um sich eine Schande zu ersparen uiio seiner Frau den Bezug einer Pension zu ermöglichen. Hierzu 2 Beilage», Verantwortlicher Redacteur: Robert Schmidt in Berlin. Für de» Jnlcratenleil verantwortlich: Th.(Siockc in Berlin. Druck und berlag von Max Bading in Berlin. Kr. 211. 16. I.fifilajt Ks Lmärls" KM» UcksM Sonllilbend, 9.StMber 1899. Kongreß der englischen Trade- Unions. London, 6. September 1899. Der Gewerkschaftskongreß zu Plymouth ist vor- gestern unter den übliche» Formen eröffnet ivordcn. Im prächtigen Ratssaal der Stadt installiert, den der Gcmeinderat von Plyiiionth dem Kongreß unentgeltlich zur Verfügung gestellt hat, ivard er vom Mayor von Plymonrh, einem Grosznnlcrnehmer. der schon manchen harten Strauß mit den Gewerkschaften ausgcfochten hat, mit einigen anerkennenden Worten über die Gröhe und Bedeutung der Gcwcrk- schaftsbewegung und die Aufgaben des Kongresses offiziell begrüßt. Mit einigen weiteren Ansprachen, der Wahl des Bureaus und der verschiedenen Komitees, sowie der Verteilung des Jahresberichts des Parlamentarischen Gewerkschaftskomitees war der geschäftliche?eil des ersten Kongreßtagcs erledigt. Am Nachmittag waren die Delegierten zu einem Mitglied der Aristokratie, dem Lord Mount Edgcumbc, auf dessen Besitzung zu Gast geladen. Doch war der Empfang ein solcher, daß er die Geladenen aufs höchste empörte.— Der Bericht des Parlamentarischen Komitees giebt Auskunft über das Schicksal der auf den Arbeiterschutz bezüglichen Anträge und Vor- schlage, welche in der abgelaufenen Parlamentsscssion zur VerHand- Iniig kamen. Nur die wenigsten davon— darunter der Antrag auf Erhöhung des Alters der Halbzeitler und der Antrag auf Beschaffung von Sitzen für Ladenangesrcllte— sind Gewtz geworden, die große Masse sind teils gar nicht verhandelt worden, teils nur bis zur zweiten Lesung gelangt. Eingehend verbreitet sich der Bericht über die Frage der A l t e r s p e n s i o n e n und die Aufbringung der Kosten derselben durch eine Steuer auf Grundwerte und Erhöhung der progressiven E i n k o ni ni e n st e u e r. Er berührt ferner die vom Handelsministor Ritchic uuternommenen Ver- suche auf Errichtung eines nationalen E i n i g>i n g s a m t s, die an der Opposition der Unternehmer scheiterten, während das Gewerkschaflskomitee die Bemühungen des Ministers zu unterstützen bereit war. Weiter konstatiert er, daß die Arbeiterabgeordneten im Parlament sich zu einer besonderen Gruppe zusammengethan haben, mit John Burns, Sam. Woods und Eh. Fenwick als„Einpeitschern". Dcni Bericht liegt ein Special- berichi von William Thorue über die Reise bei, die Thorne zu- sammen mit dem inzwischen verstorbenen I. Jnskip im Auftrage des vorjährigen Kongresses nach den Vereinigten Staaten unter- nommen hat, sowie ein Bericht über den schon erwähnten Zivist zwischen dem Gewcrkverein der Maschincrbauer und dem Verein der associierten Schmiede, bezw. den Gründen, die zum Ausschluß des erstercn Vereins aus dem Kongreß führten. Der zweite Tag brachte die P r ä s i d i a l a n s p r a ch e. Präsident des Kongresses ist ein noch ziemlich junger Vertreter der Schriftsetzer von Plymouth, W. I. V e r n o n, der zugleich Mitglied der socialdcmokratischrn Föderation ist. Seine Rede war sehr fach- lich und gedankenreich. Er ging die Reihe der notlvendigen Arbeiter- schutzgesctze durch, die von der Arbeiterschaft gefordert würden, und schilderte die Schwierigkeiten, niit denen sie im Parlament zu kämpfen hätten. Diese Schivierigkcitcn ivürdcn ver- schlvindcn, wenn die Arbeiterklasse in angemessenem Ilmfange im Parlament vertreten wäre. Er hoffe, daß der Kongreß die Frage der Vertretung der Arbeiter im Parlament ernsthaft in Betracht ziehen werde. Die Arbeiter Englands hätten ein Stimmrecht, das ausreichte, ihnen eine gehörige Vertretung im Parlament zu ver- schaffen, aber es scheine ihnen an den nötigen Grundsätzen zu fehlen, ihm Kraft zu verleihen. In den Reihen vorgeschrittener Denker sei die Ansicht verbreitet, daß wir am Vorabend eines großen socialen Zusammenbruchs ständen, und dieser! Anschauung seien nach feiner, des Redners, Ansicht, vielleicht die außcrordeut- lichcn Fortschritte zuzuschreiben. ivelche die radikalen An schauungen in den letzten Jahrcu gemacht hatten. Die un- ablässige Kapitalanhäufung habe die Produktionsmittel und die Produkte enorm vermehrt, aber sie habe gleichzeitig die Arbeit ver- sklavt, und wenn auch die Gewerkschaften viel gethan hätten und thun könnten, die Bürde des Arbeiters zu erleichtern, so könnten sie ihn doch nicht emanzipieren. Die Unternehmer schlössen sich zu großen Verbänden zusammen, die Arbeiter thätcn des- gleichen. Dies bedinge den gewerblichen Krieg. In der That stünden sie inmitten dieses Krieges—„unser Herr ist unser Feind"— und er würde sich noch verschärfen. Wäre es aber nicht vernünftiger seitens der Arbeiter, ivcnn sie danach strebten, die Ursachen des Krieges zu beseitigen, statt sich auf ihn zu rüsten? Dies könne geschehen/ wenn die Arbeiter ihre Vorurteile und gegenseitigen Zwisligkeiten ausgeben und die Energie, die sie heute im Kampfe gegeneinander ver- schwenden, für eine heiligere Sache, für die Durchführung eines freundlicheren und besseren Gesellschaftssystems aufwenden würden. Die Rede, im Verlaufe derselben der Redner u. a. ausführlich bei der Altersversicherungsfrage verweilte und eine auskömnilichc staatliche Pension für jeden Arbeitsunfähigen verlangte, ward mit vielem Beifall aufgenommen. In der Debatte über den Bericht des Parlamentarischen Gcwcrk schaftskomitees ward ein Antrag, keinen Kandidaten bei der Wahl zu unterstützen, der nicht das Programm des Kongresses von 1895 sVergesellschaftung der Produktionsmittel zc.) unterschreibt, mit großer Mehrheit verworfen, dagegen etwas später eine Resolution angenommen, die empfiehlt, die Frage des gesetzlichen Achtstundentages zur Probefrage bc» Wahlen zu machen. Der Ausschluß des Maschinenbauervereins aus dem Kongreß gab zu einer lebhaften Debatte Anlaß, die mit Uebergang zur Tagesordnung endete. Es ward allgemein anerkannt, daß das Parlamentarische Komitee in der Sache durchaus unparteiisch gehandelt habe, aber eine Minderheit von Delegierten verlangte Acnderung des Statuts, auf Grund dessen der Ausschluß der Maschinenbauer erfolgt sei. Dies kann aber nach der Geschäftsordnung des Kongresses nicht in der Debatte über den Bericht des Parlamentarischen Komitees geschehen. Soweit die Verhandlung der ersten zwei Tage. Noch sei be- merkt, daß der Kongreß aus 389 Delegierten besteht.' Ein Delegierter, der Vertreter eines Arbeiterbundes im Nordosten Englands, ivard grade bei der Ankunft in Plymouth das Opfer eines Schlaganfalls. Der Kongreß ehrte sein Andenken und veranstaltete eine Sammlung, um die Leiche in würdiger Weise in die Heimat des Verstorbenen befördern zu lassen. Ueber die heutigen Verhandlungen meldet ein Telegramm, daß der Kongreß Resolutionen zu Gunsten des gesetzlichen Achtstunden- tages für Kanalisattonsarbclter, Verkürzung der Arbeitsstunden für Jrrenwärter zc. annahm, den Antrag auf Erhebung eines Wochen- Beitrages von Penny(4 Pf.) pro Mitglied jeder Gewerkschaft für einen Parlamentsfonds dagegen ablehnte.— MonrnrunKles. AuS der Magistratöfitzung am Freitag. Den hundertsten Geburtstag Stolzes beabsichtigt der Stenographenverband Stolze- Schreh durch Veranstaltung eines öffentlichen Stenographentages zu feiern. Der Vorstand hat sich daher an den Magistrat mit dem Er- suchen gewendet, ihm zu diesem Bchufe den Feslsual des Rathauses zum 1. Oktober d. I. zu überlassen. Das Magistratskollegium hat beschlossen, dem Gesuche Folge zu geben. Den vom Stadtbaurat Hoffmann vorgelegten Projekten zur Er- bauung von neuen Gemeindeschulen, welche sowohl von der Hochbau- wie von der Schuldeputation genehmigt worden sind, hat das Magistratskollegium seine Zustimmung gegeben. Dieselben be- treffen den Doppelschulbau in der Wiclef- und Emdencrstraße mit einem Kostenaufwande von 725 009 M., und eine einfache Schule in der Waldemarstr. 77 mit einem Kostenaufwande von 468 009 M., sowie eine Doppclschule iir der Rigaerstratze niit einem Kosten- aufwände von 725 999 M., und eine Doppclschule in der Waldenscr- straße 25/26 mit einem Kostenaufwande von 677 999 M. Der Schul- bau in der Wiclefstraße soll noch im Laufe dieses Monats, der der anderen drei erivähnten Schulen im Laufe des Monats November in Angriff genommen werden. Die städtische Schuldeputation hat nunmehr an den Ma- gistrat das Ersuchen gerichtet, er möge beim Polizeipräsidium den Erlaß einer Polizeiverordnung in Anregung hinsichtlich der Erwerbsthätigkeit der schulpflichtigen Kinder bringen, ivie dies die Deputation in ihrer letzten Sitzung am Mittlvoch beschlossen hat. Das Magistratskolleginni hat beschlossen, dein Antrage der Schul- deputation zu willfahren und dem Polizeipräsidium folgende Vor- schlüge zu unterbreiten: t. Kinder bis zum 9. Jahre dürfen außer dem Hause gewerbliche Thätigkeit nicht ausüben; 2. Kinder vom 9. bis zum vollendeten 14. Lebensjahre dürfen außerhalb des Hauses eine mechanische Erivcrbsthätigkett abends nicht nach 8 llhr und morgens nicht vor ö�/s, in den Monaten Oktober und März nicht vor GVa Uhr ausübe». Für Uebertretungcn sollen strafbar haften die Eltern oder die Erziehungsverpflichteten und diejenigen Personen, welche Kinder für ihre Zwecke beschäftigen.— lieber die elektrische Beleuchtung des Tier- g a r t c n s ivill der Magistrat, nach Beschluß des Kollegiums, der Stadtverordueten-Bcrsammlung eine Vorlage dahin unterbreiten, daß zunächst diese Beleuchtungsart in der Bellcvue-Allce, in der Ahorn-, der Großen Oucrallce und der Zcltenallee zur Ausführung gelange. Es sollen im ganzen 37 Hängelampen und 55 Kandelaber- lampen angebracht werden, von denen 49 die ganze Nacht und 43 die halbe Nacht brennen sollen.— Der Bürgermeister K i r s ch n e r verläßt morgen(Sonnabend) auf einige Tage Berlin und wird während dieser Zeit amtlich vom Stadtrat Haack vertreten. ValiAles. Wahlverein für den 3. Bcrliucr RcichStagö-Wahlkreiö. Morgen, Sonntag, den 19. September, findet der letzte diesjährige FamilicnanSflng nach Grünau zu Lindenhayn, Fricdrichftr. 1— 2, statt. Ein Mnsikverciu hat feine Beteiligung zugesagt. Nachmittags gc- ineinsanicr Spaziergang nach dem Spielplatz im Wald, abends Tanzkränzchen. Gäste haben Zutritt, Entree wird nicht erhoben. Rege Beteiligung erwartet der Vorstand. Achtung, Moabit! Am Sonntag veranstaltet der Gesangverein „Moabiter Licdcrkranz" eine Matinee zum besten der dänischen Arbeiter. Rege Beteiligung ist erwünscht. Das Komitee. Im Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse Ivird am Montag in den„Arminhallcn", Kommandantcnftr. 29. Herr Dr. 5t n r t F r c u d c n b e r g über:„Arbcitcrschutz und Volks- gesundheit" sprechen. Um zahlreichen Besuch bitter Der Vorstand. Zum Gaudium des ScharfmachertumS sucht die ultra- montane Presse bekanntlich etwas darin, alle Zuträgereien über an- geblichen T e r r o r i s m u s socialdemokratischer Arbeiter unbesehen breitzutrete». Diesem verdächtigen Streben der angeblichen Gegner des Zuchthauskurses tritt die„Hilfe" energisch entgegen. Das national-socialc Blatt schreibt: „Ein neuer Kniff der Scharfmacherpressc, den leider auch gut sociale CcntrumSblätter in kurzsichtigster Weise mitmachen, muß einmal kurz beleuchtet werden. ES handelt sich um die jetzt so häufig wiederkehrenden Erzählungen von Vergewaltigung friedliebender Arbeiter durch gewerkschaftlich organisierte.Kameraden. Wenn so ein wilder Nichtorganisierter keine„reine Wüsche" hat, oder wenn er Mitglied einer christlichen Gewerkschaft ist, so weigern sich öfters die gewerkschaftlich(„socialdcmokratisch") organi sicrtcn Kollegen, auf demselben Bau, in derselben Fabrik, weiter mit solchen Leuten zusammen zu arbeiten. Das Ende vom Licde ist dann in jenen Fällen, wo die„socialdcniokratischcn Friedensstörer" in der Mehrheit sind, die Entlassung des braven Arbeitswilligen. Und lvcnn solche Vorfälle nun mit der nötigen Entrüstung von den großen und kleinen Schleif steinen täglich behandelt tvcrden, dann schütteln schließlich wohl auch ernste, social dcnkcndc Leute den Kopf ob des„Terrorismus gegen Arbeitswillige". Und doch ist das grundverkehrt. Wer einmal ehrlich und klar erkannte, daß der Arbeiter das Recht hat, über seine Arbeitsbedingungen m i t z u b e st i m in e n der muß auch zugeben, daß der Arbeiter dann das Recht hat, sich diejenigen Mitarbeiter mit auszusuchen, die ihm gefallen. Wer soweit in seinem socialen Denken vorgeschritten ist, daß er Mitbcslimmnng des Ar- bcitcrs über Lohnhöhe, Arbeitszeit zc. fordert, der kann auch grundsätzlich nichts dagegen haben, wenn gewerkschaftlich Organisierte niit gleichgültigen, unzuverlässigen Arbeitswilligen oder mit minderwertig Organisierten(„Christlichen") nicht zusammenarbeiten mögen. Wenn nur keine persönlichen Vcrgcivaltigungcn und Rohcitsaktc dabei vorkommen— die übrigens von allen' vernünftigen Arbeitern, auch von den ver- bissenstcn Socialdemokrnten, ge mißbilligt werden. Auch die kartellierten Unternehmer wollen ja mit den Nicht- kartellierten keine Geschäfte mehr machen! Anders liegt jene Unduldsamkeit, lvcnn man sie nicht vom theoretischen, sondern vom praktischen und taktischen Gesichtswinkel aus betrachtet. Dann ist sie unter allen Umständen verwerflich, weil sie die Arbeiter nur unter ein- ander verbittert und daher schwächt, den Gewcrkschafts-Organi- sationen keinen Vorteil bringt und den Scharfmachern nur billig Wind in ihre Zuchthaussegcl liefert. Das fangen aber bereits die Arbeiter selbst an einzusehen. In Berlin wurde vorige Woche in öffentlicher Gewerkschaftsversammlung vor solcher lhörichtcn Un- duldsamkeit gewarnt! Und so steht zu hoffen, daß der neue Kniff der Scharfmacher nicht mehr lange verfängt. Ei» gleiches wollen auch wir hoffen. obgleich cS den Förderern des ZuchlhauSkurfes verhältnismäßig gleichgültig ist. ob der ehren- hafte Teil der Arbeiter„terrorisiert" oder nicht. Die Scharfmacher wollen die Vernichtung des Arbciter-Koalitiousrcchtes an sich und würden auch dann für das Monstrum der Zuchthansvorlagc eintreten, wenn kein einziger Frommhold Gelegenheit fände, gciverk- schaftlich organisierte Arbeiter ins Gcfängniß zu schicken. Das Märkische Proviiizialmnscmn erhielt am Mittwoch den Besuch des Bürgermeisters Kirschncr und am Donnerstag den einiger Mitglieder der Provinzialkommission für die Denkmalpflege in Brandenburg, die an den älteren der Provinz entstanimcndcu 51ünst- werken ein besonderes Interesse bekundeten. Da trotz aller Ein- Wendungen der Abbruch des Köllnischen Rathauses nunmehr schon zum 15. Oktober verfügt ist, befindet sich die Museumsverwaltung, wie die„Voss. Ztg." schreibt, in der außerordentlich schwierigen Lage, den Umzug mit einer für derartige Sammlungen ganz ungewöhnlichen Schnelligkeit bewirken zu müssen. Die durch den Provinzialkonscrvntor Geheimen Baurat Bluth in der letzten Zeit wiederholt geltend gemachten Bedenken crlveisen ich bei der jetzt stattgehabten örtlichen Besichtigung als in jeder Beziehung gerechtfertigt, da es offenbar nicht möglich sein wird, in der nun plötzlich gesteckten kurzen Frist die wertvollen Altarschreine, die zum Teil sehr seltenen Holzfiguren, die Gläser, die Münzen, vor allem die großartige Urnensammlung, die kunstvollen Schränke und anderes ohne Beschädigung oder ohne Zerstörung der übersichtlichen Ordnung nach der Zimmerstraße überzuführen. Bei der gegebenen Sachlage muß man erneut bedauern, daß die Stadt Berlin nicht einen besonderen Konservator hat, der bekanntlich auf den Geschichts- tagen in Stuttgart, Konstanz und Münster gefordert und auch in dem im Arbeitsministerium herausgegebenen neuen Organ„Die Denkmalpflege" ziemlich entschieden befürwortet wurde. Für die nächste VolkSzählnug(am 1. Dezember 1999) Haider Berliner Magistrat bekanntlich den Wunsch, die Bearbeitting des Volks- zählungs-Materials auch dcrVorortge mein den mit zu über- nehmen, um so auf gleichartiger statistischer Grundlage ein Zählungs- crgebnis für das ganze Gebiet von Groh-Berlinzu erhalten. Diese Absickit des Berliner Magistrats ist von den Vorortgemeinden allgemein beifällig aufgenommen, und namentlich Charlotten bürg wie Ripdorf haben ihr alsbald zugestimmt, weshalb dann auch der S ch ö n e b e r g e r Magistrat ein Gleiches beschlossen und den Stadt- verordneten jetzt bereits eine Vorlage zwecks Bewilligung der anteiligen K o st e n<3999 M.) unterbreitet hat. Wie aus dieser Vor- läge des weiteren sich ergicbt, haben an der schon am 15. vorigen MonatS stattgehabten ersten Besprechung der Angelegenheit außer Vertretern Berlins und der schon genannten drei städtischen Bororte noch solche von Rummelsburg, Stralau, Tcmpelhof, Treptow, Lichtcnbcrg-Friedrichsberg, Weißensce, Pankow, Hohcn-Schönhauscn und Groß-Ziethen teilgenommen, während andere Gemeinde» sich entschuldigt hatten. Diese erste Besprechung hatte folgendes Resultat: Die Stadt Berlin soll den Minister des Innern ersuchen, die Formulare für Berlin so einzurichten, daß sie auch mit für alle Vororte gelten können, und dann gestatten, daß die Aus- zählung und Durcharbeitung des ganzen Volkszählungs- Materials auch der Vororte von einer Centrale der Stadt Berlin vor- genommen wird, nachdem die erste Revision bei den einzelnen Ge» m e i u d e n erfolgt ist. Die Kosten dieser Zählungsmethode sollen der Stadt Berlin nur so weil vergütet werden, als sie ihr selbst entstehen, und zivar sind sie vorläufig für Berlin pro Kopf der Einwohnerschaft auf 11Vs Pf. und für die Vororte auf 4—6 Pf. be- rechnet worden. Die Mehrkosten der Formulare, wie überhaupt die Gencralkostcn für das ganze Zählungsgeschäft will Berlin über- nchnicn; sobald die Staatsregicrung sich über die zu stellenden Zu« satzfragen der Zählformulare geäußert haben wird, soll später eine weitere Sitzung der Gemeinden stattfinden. Beim Bau der städtischen Wavin-Badeanstalt in der Qdcrbcrgcrstrasic ist jetzt mit den Ausschachtungen begonnen worden.'Die Verhandlungen über die Einrichtung einer Badeanstalt in diesem Stadtteil haben von Oktober 1893 bis Januar 1899 ge- dauert. Die Anstalt erhält 63 Wannenbäder, 63 Brausebäder und ein 299 Quadratmeter großes Schwimmbecken. Sie wird mit ihrer Front in der Flucht der Oderbergerstraße liegen, wird aber von den Nachbargrundstücken durch zwei breite Zu- gänge getrennt tvcrden, so daß sie von allen vier Seiten frei liegt. Dadurch Ivird es möglich, daß jede Zelle ein Fenster nach außen bekonimt. Die Kosten des Baues sind auf über 899 999 M. veranschlagt. Mit seiner Fertigstellung wird in diesem Stadtteil einem Bedürfnis abgeholfen werden, das namentlich in den letzten Jahren, nachdem die Privatanstalt in der Schönhauser Allee ein- gegangen war, immer dringender geworden ist.— Auf dem Hinter- land' desselben Grundstücks der Oderbergerstraße ivird eine Gcmeindc-Doppelschnle errichtet. Sie soll zwei katholische Schulen aufnehmen. Das Gebäude wird als Putzbau ausgeführt und ist im Rohbau in der Hauptsache bereits fertig. Daö Vich-KurSbuch. Ein neues Kursbuch wird vom Reichs- Eiscnbahnamt vorbereitet und voraussichtlich am 1. April n. I. zur Ausgabe gelangen: ein Bieh-KurSbuch. Dieses neue Reichs-KurLbuch verdankt seine' Entstehung der Anregung der_ Centralstelle der preußischen Landwirtschaftskamnicr. Das Buch wird die Fahrpläne sämtlicher Züge auf deutschen Bahnen und außerdeutschen Anschluß- strecken enthalten, die zur Beförderung von Vieh dienen. Außerdem wird das Buch die wichtigeren der Vorschriften für den Viehverkehr und eine Zusammenstellung der Normaltarife für die Beförderung von Vieh enthalten. Wird dadurch auch nur ein Mörder mehr cingcfangcn werden? Diese Frage wird berechtigt sein wenn man folgende Reportcrnicldung liest: Die Arbeiten der Reorganisation für die Berliner Kriminalpolizei sind vorläufig auf einem toten Punkte au- gelangt, nachdem die von der Staatsregierung für diesen Zweck zugestandenen Mittel verbraucht worden sind. Das Abgeordnetenhaus hatte seiner Zeit bekanntlich vorläufig die Gehälter für 59 neu ein- zustellende Polizeiwachtmeister bewilligt. Es sind daraufhin entsprechend in den Berliner Polizeirevieren 59 selbständige Kriminalrevicre gebildet worden. In der nächsten Landtagsscssion wird die Nachtragsforderung für 5t Polizciwachtmcister gestellt und sobald diese bewilligt, der Dienst der Polizeireviere in der gleichen Weise organisiert werden. Die Ergebnifie aus den bereits ümgeändertcn Revieren sind recht günstig. Durch die Neueinrichtung sind nicht nur die Reviere erheblich cnt- lastet, sondern es sind auch für die Abteilungen des Präsidiums be- deutende Erlcichtcrnngen geschaffen, indem die Revicr-5triniinal- abtcilnngcn alle bisher von dem Präsidium aus geleiteten Vor- rccherchcn hei Einbruchsdiebstählcn, betrügerischen Handlungen usw. übernehmen. Erst nach Durchführung der gesamten Organisation und einer längeren selbständigen Thätigkeit der Kriminalreviere wird es möglich sein, einen endgültigen Ilcbcrblick über die Bedeutung der auf Anregung des Polizeipräsidenten Herrn v. Windhcim gegebenen Acnderung zu gewinnen. Die Ttraffcnliändler nnt» Händlerinnen sind von neuem in eine Protestbeivcgung gegen die Beschränkung des Straßen- handeis eingetreten. In einer Versaminlung, die am Donnerstag- abend in den Andreassälen stattfand, wurde nach einem Referat des National-Socialen Tischcndörfcr folgende Resolution angenommen: „Die Versammlung der Händler und Händlerinnen protestiert gegen jede Einschränkung des Straßenhandels im Interesse anderer Ge- werbctrcibcnder und erwartet von den BcrufSgenossen, daß sie selbst alles aufbieten werden, um den billigen Rücksichten auf den Verkehr, die Ordnung, Reinlichkeit und ansässige Konkurrenz Rechnung zu tragen. Sie' erblickt unter den gegenwärtigen wirtschaftlichen Ver- Hältnissen für zahllose Personen ini Straßcnhandel das einzige Mittel redlichen Erwerbs und ersucht daher das kaufende Publikum um Unterstützung. DaS Bureau wird beauftragt, dem Polizeipräsidium von den Verhandlungen Kenntnis zu geben." Eine außcrgewöhnlichc Steigerung des SchiffahrtSvorkehrS auf der Spree ist in diesem Jahre zu verzeichnen. Der Verkehr dürste sich gegen das Vorjahr in Bezug auf die Zahl der Fahrzeuge. die den Sprcelauf passierten, nahezu verdoppelt haben. Am meisten macht sich die bedeutende Verkehrssteigernng an den beiden Stadt- schleusen bemerkbar. Diese sind ununterbrochen vom Morgen bis zum Abend in Thätigkeit. trotzdem muß stets eine größere Zahl von Fahrzeugen warten, ehe ihre Durchschleusung erfolgen kann. Dieser plötzliche Aufschwung in der Schiffahrt soll vorwiegend auf die cnt- wickelte Bauthätigkeit zurückzuführen sein. Die Mehrheit der Zillen befördert Baumaterialien aller Arten. Auch die Frachtschiffahrt hat in diesem Jahre eine nicht unbedeutende Zunahme erfahren, wiewohl augenblicklich durch den niedrigen Wasserstand der Elbe der Schiffs- verkehr von Hamburg beeinträchtigt ist. An den Ladestellen für den Frachtverkehr am Humboldhafcn, am Schlcswiger- und Holsteiner- Ufer müssen die großen Frachtdampfer häufig tagelang liegen bleiben, che sie ihre Löschung bewirken können. Auch der Schleppcrverkehr auf der Spree hat einen bedeutenden Umfang angenommen. GcläufigkeitSnntersnchnngen der Schrift und in steno- graphischen Kreisen in Anregung gebracht worden. Zu diesem Zwecke sind die Vertreter der verschiedenen Stenographicsysteme zu einer Besprechung über die Möglichkeit und die Art der Durchführung der- artiger Untersuchungen geladen. Die Anregung zu dem Plane hat der' als Förderer der Stolzeschen Stenographie bekannte Herr Käding gegeben, der schon seit Jahren die Häuffgkeitsnntersuchungen der deutschen Sprache leitet, die sich über 11 Millionen Wörter er- strecken und iiberrasckicnde Resultate gegeben haben. So hat sich ii. a. gezeigt, datz 49,76 Proz, aller gezählten Wörter einsilbig sind, 28,94 Proz'. sind zivcisilbig, 12,93 Proz. dreisilbig, 6,93 Proz. vier- silbig und nur 2,44 Proz. mehrsilbig. Die häufigsten deutschen Wörter sind„die",„der" und„und". 99 verschiedene Wörter bilde» die Hälfte des gesamten ausgezählten Sprachschatzes. Noch weit ein« geschränkter ist der Sprachschatz einzelner Specialgebiete. So bilden in der Bibel 42 Worte die Hälfte des ganzen Sprachschatzes. Ein seltsames Plakat.„Ein Lohn für treue Pflichterfüllung nach bereits zehnjähriger Dienstzeit". Plakate mit dieser Aufschrift fand man gestern an den Anschlagsäulen und sonst an öffentlichen Orten angeklebt. In wunderlichen Neimen giebt darin ein„ehe- maliger Sergeant" kund und zu wissen:„Mit Berechtigung habe ich mich über meinen Kompagniechef beschwert— dafür hat man mich für vernickt erklärt— entlassen ohne Civilversorgungsschein— nur mit 24 Mark Pension— welch' ein Lohn". In dieser Weise geht die seltsame Reimerei des Unglücklichen Weiler. Die Plakate wurden bald von den Anschlagsäulen entfernt. Das Köllnischc Nathans war einst dazu misersehcn, dah zu werden, was heute da§ ehemals Berlinische Rathaus an der König- straffe ist: das Haupt- Verwaltungsgebäude der Gemeindebehörde, das Rathaus der Residenz. Als im Jahre 1799 die Verwaltungen der alten Schwesterstädte Berlin und Kölln und der später ent- standencn„Städte" Dorotheenstadt, Fricdrichswerder und Friedrichs- stadt niit einander vereinigt wurden, wurde beabsichtigt, das Köllnische Rathaus zum Sitz der gemeinsamen Verwaltung zu machen. Nur die Unzulänglichkeit und Baufälligkeit des Hauses war der Grund, datz das Berlinische Nathans Verwaltungsgebäude des gemeinsamen Stadtrates>vurde. Es ist dann später dabeigeblieben, auch nachdem das Köllnische Rathaus 1719 abgebrochen und so, wie es bis heute bestanden hat, neu erbaut worden war. Die Tollwutstation hat nunmehr auch den ersten Soldaten als Patienten aufgenommen. Es ist dies ein Husar von der ö. Schwadron des Husaren-Regiments Nr. 5, welchem im Monövergelände bei Rosenberg in Westpreutzen ein plötzlich wild gewordenes Pferd zwei Finger der rechten Hand glatt abgebissen hatte. Der Regimentsarzt konstatierte, datz das Tier von der Tollwut befallen war, worauf es erschossen und der gebissene Soldat unverzüglich in die hiesige Toll- Wutstation geschickt wurde, um sich daselbst der Schutzimpfung zu unterziehen. Die täglichen Znsa«nmc»stöste mit der„Elektrischen" mehren sich in geradezu erschreckendem Umfange. Für heute liege» folgende Meldungen vor: Der elektrische Wagen Nr. 1619 der westlichen Vor- ortbahn der Strecke Steglitz— Zoologischer Garten fuhr Frcitagmittag um ILVe Uhr den Omnibus Nr. 173 der Strecke Dönhoffplatz— Zoologischer Garten über den Haufen. Der Zusammcnftotz erfolgte in dem Augenblicke, als der elektrische Wagen, vom Nollendorfplatz kommend, die Kaiser Wilhelm-Gcdüchtnitzkirche passiert hatte und in die Kantstratze einbiegen wollte. Z>vei Frauen aus dem Omnibus wurden bei dem Zusammcnstotz schwer verletzt und der Omnibuskutscher flog in weitem Bogen auf das Straffen- Pflaster und trug ebenfalls starke Verletzungen davon. Wen die Schuld an dem Zusammcnstotz trifft, konnte noch nicht festgestellt werden. Der Unfall hatte eine grotze Menschenmenge angclockff der Omnibus ist stark beschädigt worden. Weiter erfolgte ein Znsammcnstotz eines elektrischen Stratzenbahn- tvagcns der Linie Btarheinickcplatz— Gesundbrunnen mit einem Flaschenbicrwagen der Patzcnhoferschcn Brauerei mittags kurz nach 12 Uhr in der Zoffencrstratze. Durch den Zufamnienprall wurden 29 Kasten mit 699 gefüllten Bierflaschen hcruutcrgeschlcudcrt, die den Stratzcndamm in einen mit Glasscherben bedeckten See vcrivandelten. Von Hunderten Kindern, welche, eben auS der Schule kommend, die Straffe belebten, lvnrde glücklicherweise nur ein Knabe durch herum- fliegende Glasspittcr an der Hand verletzt. Der elektrische Wagen konnte die Fahrt fortsetzen, während die Brankutsckier mit dem Zusammenfegen der Glassplittcr, welche mehrere Säcke füllten, längere Zeit zu thun hatten. Weiter ereignete sich ein Zusammenstotz in der Potsdamerstratzc in der Nähe der Lützowstratze. Ein mit Gurken und Sauerkohl- fässern beladener Geschäftswagen fuhr hinter einem Omnibus her. Als dieser plötzlich hielt, wollte er rechts von ihn: vorbeifahren, wurde nun aber von einem elektrischen Wagen der Linie Schöne- berg— Alcxanderplatz angerannt und hundert Schritte Ivcitcr gc- schleift. Der GeschäftSwagcn wurde stark beschädigt, das Pferd ize- schunden. Ein Fas; Sauerkohl wurde unter den Räder» des elektri- sehen Wagens zerdrückt. Personen wurde» in diesem Falle nicht verletzt. Ei» Pretioseudicbstahl ist, wie ein Berichterstatter meldet, Donncrstagnachmittag an der Schanspiclerin Frau AgneS Freund, geb. Votz, im Kölner D-Zuge verübt worden. Die Dame fuhr mit dem Zuge nach Berliiu Bis HildeSheim satz sie lesend auf dem ihr durch die Karte angewiesenen Platze. Nachdem in HildeSheim nach zahlreiche Fahrgäste eingestiegen waren, begab sie sich in den Speise- wagen. Eine schwarze Ledertasche wollte sie dorthin mitnehmen, da ihr aber bedeutet wurde, datz das nicht zulässig sei, trug sie sie auf ihren Platz zurück und deckte sie mit einem grauen Umhang zu. Die Tasche, die schon ziemlich viel gebraucht ist, enthielt n. a. ein Schmuckkästchen mit Pretiosen im Werte von 8—19 999 Mark. Andere Schmucksachen trug die Dame in einem Beutel ans der Brust. Nach einiger Zeit be- auftragte Frau Freund den Kellner, ihr einige Biickicr von ihrem Platze nach dem Speisewagen zu holen. Hier blieb sie dann lesend sitzen, bis der Zug in die Nahe von Berlin gekommen war. Erst jetzt kehrte sie an ihren Platz zurück, um sich nach ihren Sachen mn- zusehen! nun war die Tasche verschwunden. Frau Freund schlug sofort Lärin, aber niemand von den Anwesenden hatte die Tasche gesehen. Die Kriminalpolizei, der die Bcstohlcne bei der Ankunft in Berlin den Diebstahl anzeigte, traf auf den Bahnhöfen usw. entsprechende Vorkehrungen. Bis gestern mittag war jedoch noch keine Spur gefunden.. Die Lcdertasche enthielt in äutzere» Fächern einige Manuskripte, Zeitungen. Photographien der Frau Freund, die von Rcutlingcr in Paris gefertigt, und Toilettesachen »flu. Das Schmuckkästchen enthielt Sachen verschiedener Art. Uebrigcns ist die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, datz die Tasche nicht gestohlen, sondern irrtümlich mitgenommen worden ist. In Magdeburg verlieh das Abteil, in dein Frau Freund satz, eine Dame, die mit zwei Kindern in Hildesheim eingestiegen war; sie wollte die Kinder zu ihren Grotzeltern bringen. Statt dieser Dame stieg in Magdeburg eine andere ein, die mit nach Berlin fuhr; diese hat die Tasche auf dem Platze nicht mehr gesehen. Sturz von der Lokornotive. Vorgestern mittag verunglückte der nnf der Station Schlesischer Bahnhof stationierte Lokomotiv- führcr Schubert, indem er aus bisher unaufgeklärter Ursache ans der Fahrt zwischen Westend mid Charlottenburg von der Lokomotive seines sich in voller Fahrt befindenden Zuges stürzte. Er trug erhebliche Verletzungen im Gesicht und an den Fützen davon. Pom Dache gestürzt ist gestern vormittag in der Wieseitstratze der Klenlpnergesclle OSkar Pcnckcr. P. wollte die Dachrinne des Hauses Nr. 29 im Auftrage seines Vaters, bei dem er in Arbeit steht, reinigen. Er stieg zu dem Zwecke durch ein Mansardenfenster auf das Dach, vorschriftsmätzig mit einem Seile umgürtet, dessen oberes Ende von einem Kollegen gehalten wurde, und war gerade im Begriff, sich bis zur Rinne hinabzulassen, als bnS morsche Tau ritz, so'datz der Bedanernswertc, der sonst nirgends einen Halt fand, auf den Hof hinabstürzte. Schwer verletzt' wurde er mit einem Wagen der Unfallstation nach der Charits gebracht. Der Gerüstunfall in der Sivinemünderstratze hat noch Donnerstag Abend ein Menschenleben gefordert. Die beiden Ver- unglückten, die nach dem Laznrus-Krankcnhause gebracht wurden, waren der Polier Schiemcher, der Vater des mitvernnglückten Paul Schiemeher und ein Arbeiter Wilhelm Alber. Der alte Schiemcher ist»och gestern abend im Krankenhause seinen Verletzungen erlegen. Auf der„Treptow« Sternwarte" spricht Direktor F. S. Archenhold Sonnabend abend 7 Uhr über„Eine Wanderung durch das Weltall". Sonntagnachmittag lautet das Thema um 5 Uhr „Ein Ausflug in die Sternenwelten" und um 7 Uhr„Kometen und Sternschnuppen". Mit dem Ricscnrefractor wird in der Dämmerung der Mond, von 7—8 Uhr der Jupiter, von 8—>/s19 Uhr der Saturn und alsdann bis 12 Uhr nachts der Ringnebel in der Leher be- obachtet. Im Schiller- Theater ist die Besetzung bei der heute stattfindenden ersten Aufführmig des Schauspiels„Die Ehre" von Sudcrmann folgende: Kommerzienrnt Mlihliugk: Max Pategg; Amalie: Elisabeth Nückel; Kurt: Georg Päschke; Lconore: Marianne Wulf; Lothar Brandt: Richard Bendey; Hugo Stengel; Reinhold Köstlin; Graf v. Trafj: Albert Patry; Robert Hcinecke: Ewald Bach; Der alte Heinecke: Julius Eyben; seine Frau: Agnes Werner; Auguste: Grete Meyer; Alma: Alma Riigheimer; MichalSly: Alfred Schmasow; Frau Hebenstreit: Marie Gundra. Aus de» Nnchbarorte». Nixdorf. Zu den Vorgängen in der letzten Sitzung der Rix- dorfer Stadtverordneten- Versammlung wird uns noch geschrieben: In Pnrteikreiscn Berlins und seiner Vororte konnte man öfter hören, datz sich ja die Mehrheit der Rixdorfer Stadtverordneten vor der anderer kommunaler Vertretungen vorteilhaft auszeichne, indem sie vorurteilslos mit den socialdcmokrntischen Mitgliedern zusammen arbeite und ihnen Gehör schenke. In einem gewissen Grade traf dies auch zu. Wenigstens räumte man ihnen Sitze in allen Kommissionen und Deputationen ein, ausgenommen die Schuldeputation, und bei dieser konnten sich die Gegner auf ministerielle Erlaffe, auf das angebliche Bestätigungsrecht und seine Handhabung berufen. Jetzt scheint es anders werden zu sollen. Das Verhalten der Mehrheit gelegentlich der Beratung der Wahlen für die Militär- Ersatzkommission und für die Steuer- veranlagnngs- Kommissionen, das die Socialdemokraten zu dem demonstrativen Abgange bewegte, war thatsächlich nichts anderes als eine Kriegserklärung an die socialdemokratische Fraktion. Und wohl vorbereitet war diese Aktion. Es war geradezu verblüffend. mit welcher Geschlossenheit die beiden sich häufig recht feindlich einander gegenüberstehende» bürgerlichen Gruppen gemein- same Sache machten, um die Soci von den genannten Kommissionen fernzuhalten. Herr Rechtsanwalt Abraham, der Führer der bisher noch unbenannten größeren Gruvpe, schlug zur Vorbereitung der Wahl die Einsetzung einer Kommission vor. Herr Rahmig von der anderen Gruppe, der sogenannten Fraktion Beltz- Rahmig, machte denselben Vorschlag und hatte zugleich eine Liste bei der Hand, die von den Anhängern seines Gegners Abraham und von diesem selbst widerspruchslos acceptie'rt wurde. Fruchtlos blieb der Appell des socialdemokratischen Redners, aus Gcrechtigkeitsgründen auch die socialdemokratische Fraktion als Vertreterin des weitaus größten Teils der Rixdorfer Bürger bei dieser Konimission, deren Vorschläge entscheidend's e i n d ü r f f e n, zu beteiligen. Bezügliche An- träge wurden von den vereinten„Vetretcrn von Besitz und Bildung" platt n i e d e r g e st i m m t. R e tz e r a u s Erklärung, datz man den angebotenen Kainpf anfnchnien werde, blieb ohne Erwiderung. Selbst der sonst so zungenfertige und angeblich so äntzcrst fricd- liebende Rechtsanwalt Abraham schwieg. Stumm legte er sich über seinen Tisch und stimmte mit seinem christlichen Feinde Beiß, lind doch hatten sich die beiden erst beim Beginn der Sitzung in Person- lichcn Bemerkungen mit duftenden Redeblüten überschüttet. So war es denn ganz klär, datz mau sich verschworen hatte, die Vertreter des arbeitenden Volkes in jener wichtigen Kommission imvcrtreten zu lassen. Die Fraktion verließ den Saal und das Gebäude, mn da- durch ihre Verachtung vor einer solchen Rechtlosmachung ans- zudrücken. Aus Rixdovs. Ein 18jährIgeZ Mädchen, Luise R., war vor einigen Wochen ihren Eltern, einem in Stettin wohnhaften Arbeiter- chepaar, ausgerückt und war nach Berlin gekommen, Ivo sie bei einer Schulfrcnndin, die schon seit mehreren Jahren in Berlin wohnt, Aufnahme fand. Sie war damit aber in schlechte Hände geraten. denn die Freundin Ivar ein Dämchen der Halbwelt, welche nun auch das junge unerfahrene Mädchen aus Stettin der Schande in die Arme führte. Vorgestern Nacht hatte die Freundin die R. auf den Männerfang ausgeschickt, wobei sie von mehreren jungen Burschen nach Rixdörf verschleppt, dort betrunken gemacht und schließlich in hilfloser Lage„versetzt" wurde. Am nächsten Morgen 'and ein Gendarm die R. an der Rcnterstratzc schlafend vor und lieferte sie in das PolizeigefängiuS ein. Man will nun die R. wieder nach Hause schicken, während gegen ihre Berliner„Freundin" eine Untersuchung wegen Kuppelei ein- geleitet worden ist. Am Donncrstagnachmittag beobachteten zwei Arbeiter, wie ein Mann am Temvelhofer Felde, nahe der Hermannstratze, mit einem Schnlmädchen unzüchtige Handlimgen vornahm. Als der Th fiter sah. daß er beobachtet wurde, suchte er zu entfliehen, wurde jedoch von den Arbeiter» verfolgt, festgenommen und der Polizei zugeführt, woselbst sich der Unbekannte als der Schneider Ernst Schivert- n e r aus der Annciistratzc 2 in Berlin entpuppte. Das Kind war die Tochter einer Frau G., welche in der Nähe auf dem Jakobi» Kirchhofe beschäftigt ivar. Beim Dlnlneilsuchcn Ivar die Kleine von dem Wüstling überfallen worden. Sch. wurde dem Berliner Polizei- Präsidium zugeführt. Die R a u p e n p l a g e auf den Feldern in den Köllnischc» Wiesen ist in diesem Jahre wieder so groß, datz die lästigen Jnscklen in ganzen Scharen nach den angrenzenden Häusern wandern, so datz keine Wohnung vor ihnen sicher ist. � Schüncbcrg. Der jüngste clnstimmtge Beschluß der Stadt- verordnetcil-Vcrsannnlnng zu' Gunsten einer Verschärfung der Marktkontrolle, dürfte, so sehr auch seine Durchführung zu wünschen wäre, doch ans dem Papier stehen bleiben. Es ist nämlich wahrscheinlich, datz die Marktkontrolle schon zum 1. Oktober in die Hände der königlichen Polizeidirektion übergehen wird.— Die S t r a tz e n b a h n- E n d h a I t e st e l l e in der E t s e n a ch st r a tz c wird demnächst wieder die städtischen Behörden beschäftigen. Die Gesellschaft ist mit einem neuen Gesuch an die Stadt heran- getreten und fordert bezüglich der Kündigung für sich günstigere Bedingungen, als sie seiner Zeit von Magistrat und Stadtvcrordnetcn-'Vcrsammlnng gewährt wurden. Die Angelegen- heit ist insofern dringend, als' jetzt die provisorische Pflastcnmg der Eiscnachstrnhe zwischen Haupt- und Belzigerstratze m Angriff genommen wird, die bis zum Oktober beendet sein mutz.— Die Wahl der vier Schulärzte, die bereits am 1. Oktober ihr neues Amt antreten sollen, wird in einer der nächsten Sitzungen der Schöne- bcrgcr Stadtverordneten vorgenommen werden. Außerdem sind je zwsi Armen- und Jmpfärzte zu wählen, für die 1999 M. bewilligt werden sollen. Anö Erkner berichtet man uns: Bei der Ergänzungswahl zur Gemeindevertretung errangen die verbündeten Konservativen und Freisinnigen mit 16 Stimmen Majorität einen Pyrrhussieg über nnscre Kandidaten. Da wir im Januar, als die Wählerliste auslag, noch nicht mit der Möglichkeit rechnen konnten, uns an der Wahl zu beteiligen, hatten wir damals unterlassen, Einblick in dieselbe zu nehmen, so datz über 39 Genoffen ihr Wahlrecht nicht ausüben konnten. Das nächste Mal wird's anders. Wegen gewerbsmäßigen Verbrechens wider keimendes Leben war vor einigen Wochen in Potsdam eine Frau Toten- höfcr in Haft genommen. Der Fall war dadurch zur Anzeige gelangt, datz ini städtischen Krankenhause ein Mädchen Aufnahme fand,' das infolge von Manipulationen der Frau Totcnhöfcr schwer erkrankt war. Die Untersuchung erstreckte sich darauf, ob, wie ver- mutet wurde, noch andere weibliche Personen mit der Verhafteten zu thun gehabt hatten. Nach Abschluß der Untersuchung wurde nun am Dienstag Frau Totcnhöfer zu ihrer Familie entlaffen, sie ist aber in der darauf folgenden Nacht in Tobsucht verfallen und mutzte unter Zuhilfenahme von Wärtern und Poltzeibcamten nach dem städtischen Krankenhaus gebracht werden. DaS rapide Steigen der WohnnngSmieten in Charlotten» bürg weist das neue Monatsheft der städtischen Statistik ziffern- mätzig nach. Nach der von der königlichen Polizeidirektion im Mai 1896. November 1898 und Mai 1899 vorgenommenen Au:- nähme aller leerstehenden Wohnungen stieg der Durchschnittspreis eines Zimmers in allen leerstehenden Vorderwohnnngen von 269 M. im Mai v. I. auf 296 M. im November v. I. und auf 339 M. im Mai d. I. Die Miete stieg also innerhalb Jahresfrist um 61 M. für das Zimmer einer Vorderwohnung. Im Mietspreis der Hinter- Wohnungen trat vom Mai 1898 zum November desselben Jahres eine Steigerung von 174 auf 241 M. ein. Sie stieg demnach um 67 M. Seit dem ist die Dnrchschnittsmicte wieder gefallen ans 213 M. im Mai d. I. Eine Vergleichung der' Mietspreise der Wohnungen nach ihrer Größe ergicbt, datz für das heizbare Zimmer um so mehr verlangt wird, je größer die Wohnung ist. In der Wohnung mit zwei Zimmern wurde für das Zimmer 178 M. verlangt, in der Wohnung mit 12 Zimmern oder 666 M. Miete. Das einzelne heizbare Zimmer kostet im Durchschnitt bei den Wohnungen von 2 Zimmern 173 M., bei 3 Zimmern 228 M., bei 4 229 M.. bei 6 267 M., bei 6 393 M., bei 7 339 M., bei 8 363 M.. bei 9 494 M.. bei 19 427 M., bei 11 666 M. Bei tzinterwohnungen kostet daS Zimmer bei 2 Zimmern 181 M.. bei 3 241 M., bei 4 232 M., bei 6 246 M. Der Miets- wert der Wohnungen, ivie er durch den Mictsvertrag festgestellt wird, mag in Wirklichkeit etwas zurückstehen. In Betracht gezogen sind hier nur die Preise der leerstehenden Wohnungen, bei denen die Höhe des geforderten Preises vielfach die Ursache des Leerstchens bildet. Man sieht an diesen, den Wohnungswucher klar demonstrierenden Zahlen, wie notwendig es Ivar, datz der Arbeiter sich mit Hilfe seiner gewerkschaftlichen Organisation eine entsprechende Erhöhung seines Einkommens zu verschaffen trachtete, wo dies angängig war. In Britz sind in letzter Zeit zahlreiche schwere Er- krankungen vorgekommen, welche man auf den Genuß schlechten Trinkwassers zurückführt. Auf den dortigen Gehöften findet man noch in vielen Fällen Brunnen und Dimg- hänfen dicht beisammen, so datz Verseuchungen deS Trinkwassers leicht borkonimcn können. Die Behörde hat daher cms zahlreichen verdächtigen Brunnen Wasserproben behufs chemischer Untersuchung entnehmen lassen. Ein gewissenloser Lehrer hat in dem hinter dem Neuen Palais belegenen Torfe Eiche seit etwa Vi Jahr mit den ihm anvertrauten Schulmndchcn sein Unwesen getrieben. Die Schule in Eiche war längere Zeit geschlossen fl), weil der alie, inzwischen verstorbene Lehrer Tietz erkrankt war und ei» Stellvertreter nicht so schnell zu haben war. In der Person des zwanzigjährigen � Lehrers Pflug ans Gram'ee wurde endlich ein neuer Erzieher der Dorfjugend gefunden und die Schule wieder eröffnet. Nun ist zur Anzeige gekommen, datz Pflug fortgesetzt mit einer großen Anzahl Schulmädchcn die skandalösesten Sachen innerhalb der Schulstube begangen hat. Er wurde sofort vom Amte entlassen und die Eltern der initzbrauchtcn Kinder gingen höchst aufgebracht zur Schule, um an dem Sitten- verderbcr Lynchjustiz zu üben. Der aber hatte wohl geahnt, was folgen würde und war schleunigst entflohen, so daß er dadurch auch vorläufig der ihm drohenden Verhaftung entgangen ist. GeviMs-SeiZung. Die täglich vorkommenden Zusammenstöße zwischen Motor- wagen und anderen Fuhrwerken habe» eben so viele Anklagen zur Folge, die einen ständigen Teil der Verhandlungen in den Straf- tammern bilden. Gestern gelangten zwei derartige Fälle vor der ersten Ferien-Strafkammer deS Landgerichts I zur Erörterung. In beiden Fällen hatten sich die Wagenführer bei der Schätzung der Schnelligkeit, mit der die Motorwagen fahren, geirrt. Der an- geklagte Droschkenkutscher Fröhlich, der am 11. Juni durch die Bülow- straffe fuhr, kreuzte die Schienen in der Boranssetzung, datz der hinter ihm sich nähernde Motorlvagcn ihn nicht mehr erreichen würde. Er irrte sich darin, denn sein Wagen wurde von dem Motorwagen erfaßt und beiseite geschoben. Der Gerichtshof meinte nicht, das; dem Angeklagten der Borwurf der Fahrlässigkeit zu machen sei und sprach ihn frei. Schwerer lag der Fall, der gegen den Kutscher Henze verhandelt wurde. Am Nachmittage des 1. April wollte der Angeklagte Bier nach den RcichShallen' bringen. Er mutzte längere Zeit auf der Stratzenscite am Dönhoffsplatz warten, da ein ununterbrochener lebhafter Verkehr ein Hinüberfahren nach der anderen Stratzcn- feite verbot. Schließlich ritz dem Angeklagten die Geduld, er fuhr über die Schienen, obgleich ein Motorwagen, vom Spittcl- markt kommend, nicht mehr fern war. Der Führer des Motorwagens bremste ans Leibeskräften, vermochte aber den Zusammcnstotz nicht mehr zu verhindern. ES erfolgte auch ein so starker Zusammenprall, datz der Vorderperron deS Molonvagcns zertrümmert wurde. Zum Glück erlitt keiner der Fahrgäste Verletzungen, mir dem Motorwagen- führcr wurde ein Finger gequetscht. Der Angeklagte entschuldigte sich cbcnfatls damit/ datz er geglaubt habe, der Motorwagen würde nicht so schnell fahren. Der Gerichtshof belegte den Angeklagten nach dem Antrage deS Staatsanwalts mit einer Geldstrafe von 29 M. Zur Notlage der Postiinterbcamteu. Eine eigenartige Form der Unterschlagung hat der Posthilfsbote Friedrich Wiemann gewählt, der sich gestern wegen amtlicher und einfacher Unter- schlagtmg und wegen Nrknndenfälschnng vor der ersten Ferien- stmffammet am Landgericht II zu verteidigen hatte. Der Angeklagte war als Briefträger bei den: Postamte in Grotz-Lichtcrfelde angc- stellt. Im Dezember v. I. übergab ihm der Major uon Thilo 6,49 M.. um bei der Postanstalt das Abonnement auf eine hiestne Zeitung zu bezahlen. Der Angeklagte behielt das Geld für sich, kanfte aber täglich eine Nummer der bestellten Zcltniiq und überbrachte die- selbe dem Besteller. Er machte sich damit der Unterschlagung schuldig und zahlte obendrein noch Geld zu, da das Blatt im Einzelverkans thcurer ist, als wie im Abonnement. Im Monat März d. I. über- gab der Herr v. Thilo dem Angeklagten Ivicder 6,49 M., um das Quartals- Abonnement dafür zu erneuern und auch diesen Betrag unterschlug der Angeklagte, doch lieferte er jeden Tag die neueste Nummer ab. Nu» wollte aber der Herr Major verreisen und sich seine Zeitung nachsenden lassen. Er begab sich deshalb persönlich zum Postamt, um seine neue Adresse anzugeben, die Post-Abonnenten- liste wurde nachgeschlagen und da stellte sich natürlich heraus, datz er gar nicht als Abonnent eingetragen war. Der Herr Major brachte seine Postquittungen zur Stelle und da ergab sich, datz der Angeklagte die ihm zugänglichen ynittungsfornmlare mit dem Namen des Schaltcrbeamten unterschrieben hatte. Er wurde sofort suspendiert, der eiserne Bestand von Marken und die berein- »ahmten Portos, Strafportos ic. wurden ihm abgenommen und auch dabei stellte sich ein Defizit heraus. Bald darauf reklamierte der Friseur Schulz 7,69 M. und der Schaffner Kalla 67 M. Beide hatten dem Angeklagten die genannten Beträge übergeben, um die- selben auf Postanweisungen an bestimmte Adressen einzuzahlen. Auch diese Summen hatte der Angeklagte, der sich mit seiner Not- läge entschuldigte, unterschlagen. Er wurde dafür mit sechs Mönaten Gefängnis bestraft. Ein Nesse Nobiliugö. der am 2. Juni 1878 unter den Linden auf Wilhelm I. schoß, stand dieser Tage unter der Anklage der schweren Kuppelei, Erpressung und Verleitung zum Meineide bor der Kölner Strafkammer. Nach dem Attentat erhielten die beiden Brüder Nobilings die Genehmigung, den Namen Edcling zu tragen. Einer dieser Brüder ist der Vater des Angeklaaten, des Zuhälters und Mechanikers Heinrich Edcling. Die fünfzehnjährige Elise Schmidt kam im Winter borigen Jahres als Dienstmädchen von Saarbrücken nach Köln. Die Unerfahrene geriet bald in schlechte Gesellschaft. Im Jannar lernte sie' den Edeling kennen, und schon im Februar stand sie unter Siltenkontrolle. Edeling spielte den Zuhälter; wenn das Mädchen nicht»ins Ge- ' f djäft* gehen oder kein Geld hergeben trollte� mißhandelte er eS. Auch soll er versucht haben, die Schmidt, als sie nach Saarbrücken zurückgekehrt war, in seiner Sache zum Meineid zu verleiten. Von dieser Anklage wurde er freigesprochen. Wegen Kuppelei und Er- Pressung erkannte das Gericht gegen den schon wegen Diebstahls vorbestraften Edcling auf ein Jahr Gefängnis. Vom Kampfe gegen die Streikposten. Zu dem am Donnerstag gebrachten Bericht über die Verhandlung gegen den Drechsler G. teilt uns dieser mit, dag er in dieser Verhandlung keineswegs zugegeben habe, dag seine Absicht gewesen sei, Arbeits- willige gewaltsam fernzuhalten: seine Aufgabe habe darin bestanden, eine Kontrolle darüber auszuüben, dag niemand, der Streikunter- stützung beziehe, in der Fabrik weiterarbeite. Versammlungen. Steinarbciter. Eine am 7. September stark besuchte Ver- sammlung der ausständigen Stcinarbeiter Berlins nahm den Bericht über die ausgesperrten Stcinarbeiter von Dresden und Pirna ent- gegen. Von der Vereinigung der Steinmctzgcfchäfte Dresdens und Pirnas war beschlossen: alle aus den Strcikgcbieten Berlin, Bnnzlau, Breslau eingestellten Steinmetzen zu entlassen, und, wenn bis Mon- tag, den 4. September, bei der Firma Schilling in Pirna die Arbeit nicht wieder aufgenommen ist, kein Stück Arbeit mehr auszugeben. i»S in Amerika voraus ist, zeigt die Nach- ncht, daß in Chicago die historischen Leiche nrappen ab- geichafft und Auto mobil-Leichen wagen eingeführt werden. Auch in andern großen anierikanischen Städten ist die von Chicago ausgegangene Anregung auf fruchtbaren Boden gefallen. Eine Anzahl bedeutender Leichenbestattungs-Untcrnehmungcn in den Bereinigten Staaten haben bereits Vorkehrungen zur Einführung des neuen Bcstattungssystems getroffen. Die Konkurrenz erwies sich auch hier als bedeutende Triebkraft. Die Pioniere der neuen Bewegung in Amerika glauben,' daß die Tage der Be- gräbniffe, die mit feierlicher Langsamkeit vor sich geben, gezählt lind. Es ist nach ihrer Ansicht nicht länger möglich, sich inr lang- samen Schritt zum Friedhof zu begeben, sowohl wegen der großen Entfernung der Friedhöfe als auch wegen der Unterbrechung, die der Verkehr auf der Straße� durch langlame Leichenzüge erleidet. In Chicago bewegen sich die Lcichenprozessionen übrigens ohnehin in ziemlich raschem Tempo, so daß das neue System— für Chicago wenigstens— keine bedeutende Neuerung sein wird. Schiffsunfälle an der deutschen Küste während des Jahres 18N7. Die Zahl der amtlich bekannt gewordene», an der deutschen Küste(ausschließlich Helgoland) im Jahre 1887 vorgekommenen Schisssunfälle beziffert sich auf 388, welche(bei 117 Kollisionen zwischen je 2, 4 zwischen je 8 und 4 zwischen je 4 Schiffen) SM Schiffe betrafen. Von llnfällen an der deutschen Küste wurde» betroffen 172 deutsche und 62 fremde Segelschiffe und 183 deutsche und 88 fremde Dampfschiffe. Gänzlich verloren gingen infolge der Unfälle 23 deutsche. 13 fremde Segelschiffe und 6 deutsche Dampfschiffe. Menschenleben gingen bei den Unfällen ver- loren: von der Besatzung 4ö, von den Passagieren 7. Gestrandet sind 127; gekentert 11; gesunken 21; in Kollision gerieten 262 und von sonstigen Unfällen. betroffen 83 Schiffe an der deutschen Küste. Die deutsche Kriegsmarine war bei den Unfällen mit 14 Kriegs- schiffen und sonstigen Fahrzeugen beteiligt(2 Panzerschiffe, 2 Panzer- Kanonenboote, 1 Aviso, 1 Schulschiff, 4 Torpedoboote, 1 Schlepp- Kämpfer, 2 Dampfbeiboote und 1 Segelbarkasje). An der Küste und in der Nähe der Insel Helgoland haben im Jahre 1837 nur deutsche Schiffe � 1 Segelschiff und'2 Dampfschiffe— (durch Stranden) Unfall erlitten, wobei glücklicherweise weder Menschenleben noch Schiffe verloren gingen. Wofür man heutzutage Lorbeerkränze bekommen kann, zeigt folgende vom„Luzerner Tagblatt" veröffentlichte Mitteilung:„Herr Schweinehändler M. in Appenzell verkaufte an Herrn I. W. in Sirnach, Thnrgau, eine aus 101 Schweinen bestehende Sendung. Der Empfänger war so entzückt über die ausgezeichnete Primaware, daß er dem Verkäufer einen Lorbeerkranz zusandte." Briefkasten der Redaktion. Tie inrißischc Sprechsiiinde wird Ticiistags, TouiierstagS und Freitags abends v»» V bis 8 Uhr abgehalten. Bauarbeiter sRabihspanner). Ist Ihre Notiz durch die der Rabitz- putzer erledigt? A. Tch. 777. Vorsichtiges Waschen in Seifenlaug« mit Zusatz von Salmiakwasser, dessen Quantum nach Alter und Stärke der Flecken zu be- messen ist. Bester allerdings ist chemische Reinigung. llscdoinsiraste. Die Ztonslirche ist 18SK— 1873 erbaut worden. Arbeiter von K. u. Co. Sie müssen uns Ihren Namen und Ihre Adresse nennen, wenn wir nnS Ihrer Beschwerde annehmen sollen. (E. F. B. Zeichnen, Algebra, Französisch ,c. wird in der Arbeiter- BildungSschule nicht gelehrt. Vielleicht entspricht ihren Bcdürfntsien eine der städtischen Fortbildungsschulen, die zum Herbst neue Kurse eröffnen; auch wäre der Besuch der Humboldt-Akademie zu empfehlen. P. T. 26. An daS hochlöbliche Polizei-Meldc-Amt in H. Die Nedaktion bittet um Mitteilung, wo in Berlin die„Sächstfche Arbeiter-Zeitung" öffentlich einzusehen ist. M. G. IS. Königliches Seminar ssir Stadtschullehrer, Berlin, Fricdrichstr. 228. Ausnahme: Ostern. Kostgeld 8,75 M. pro Tag.— Schul- gcld:? 186 Seminaristen, davon 88 mit Wohnung in der Anstalt. Mit dem Seminar verbunden ist eine dreiklassige Präparanden-Anstalt sür circa 188 Schiller. Aufnahme: Osten:. Schulgeld: 68 M. pro Jahr. Seminar- Stipendium, jährlich 8838 M, Staatsrente, verteilt unter 18 Seminaristen, verlieben durch das Ministerium für geistliche zc. Angelegenheiten, Unter- stützungsfonds des Seminars für Stadtschulen jährlich 888 M. aus Staats- fonds,'verteilt unter? Seminaristen, verliehen durch das königliche Provinzial- Schulkollegium, 31. B. Er hat be! Beendigung des Arbeitsverhältnisses zu zahlen.— Jnowrazlaw. Schriftliche Antwort zu erteilen lehnen wir ab. 1. Es kann eventuell auf Berichtigung des Zeugnisses geklagt werden. Eine andere Form ist nicht möglich. 2. Nein. 3. Ja. Das Gcwerbcgericht ist zuständig; Berufung giebt es in Ihrem Fall nicht.— Invalide lv. Richten Sie ctn Gesuch um Bewilligung der Invalidenrente au den Landrat. K. W. B. Bis zum Ablauf des Vertrages. Dieser tritt erst durch cn werden. erabredung Kündigung ein. Vom Lohn kann ober das Krankengeld — Riidersdorf. 1. Nein. 2. Bandendiebstahl letzt zur gemeinschaftlichen Begehung von Diebstählen voraus. 3. Der Fall kann als Diebstahl oder als Unterschlagung erachtet werden. Nimmt man ersteres an, so kann nur auf Gefänguisstrase, nimuit man das Vorliegen einer Unterschlagung an, so kann auf GcsänguiS- oder auf Geldstrafe erkannt werden,— F. I. Sit. Ein Kluderüberlaffungs-Vertrag in dem von Ihnen gewünschten Sinne kann nur unter Zustimmung der Mutler, des Vormunds und des Vormiindschaftsgcrichts abgeschlossen werden.— 31. F. Nein. — I. 31. Ist nichts anderes vereinbart, so kann ein möbliertes Zimmer nur bis zum IS. zum 1., nicht umgekehrt am I. zum 1ä. gekündigt werden. — I. T. 126. Bis zum vollendeten 7. Lebensjahre haftet der Bater für den durch seinen Jungen angerichteten Schaden.— 3l. S. 36. Nein, der Lohn ist, falls die Beendigung des Vertragsverbältniffes vor dem gewöhn- lichem LohnzahlungStage stattfindet, bei' Beendigung des Ärbeitsvcrhält- niffes zu zahlen.— M. I. Nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch sind Geschwister nicht unterhaltspflichtig— BS. Z. In voriger Nummer. — P. 3. 106. Wenn das Geschenk seit längerer Zeit als seckis Monaten datiert ja, sonst nein,— Zlrgeiitiiiie». Fritz kann hier in Berlin die Ehe- schcidungsklage durch einen Rechlsanwalt anstrengen.— 3ilbcrt 66. 1. Der Chemnitz.— I. P. 4. Der Kostenpunkt richtet Stiefvater besitzt ein dahingehendes Recht nicht. 2. 1. Ja. 2. und 8. Nein. 4. Notarieller Akt genügt... sich nach der Höhe des Obiekts.— Hausdiener hier. Ja.— L. 8611. 1. Wir geben über Solidität oder Unsolidität von Berstcherungsgefellschaftcn kein Urteil ab. 2. Warten Sie bis nach dem 1. Januar 1888. Dann ge- nügt notariell oder gerichtlich beglaubigte Einwilligung beider Eheleute. Ist das Kind von dem Ehemann erzeugt, so ist der Weg noch einfacher,— F. F. 1. Ja, einfache schriftliche Erklärung, daß man ausbleibt, genügt. 2. und 3. Ja.- W. S. 6666. 1. und 2, Ja. 3. und 4. Nein. - N. B. 42. 1. Wahrscheinlich 1V2 bis 2Vj Proz. 2. Ja.- F. L. S2. Sie können daS Ungeziefer, da Ihre Aufforderung nutzlos war, auf Kosten des Wirts entfernen lassen.— St. T» 11. 1. Auch wenn die Mutter Ehe- lichung weigert, muß weiter gezahlt werden, 2. Der Vater hat Wecker zu zahlen. 3. DaS Recht, vom 4. Lebensjahre ab das Kind zu verlange» oder Alimentenzahlung einzustellen, steht bis zum 1. Januar 1388 dem Vater zu, — Nnunynftraße. 1, Das Landrecht oder daS Bürgerliche Gesetzbuch hebt nirgends den Vertrag der Schlasburschen als einen rechtlich anders als jeden anderen Mietsvertrag zu behandelnden hervor. Es ist der zwischen Schlafvater und Schlafbursche abgeschlossene Vertrag ein Mietsvertrag wie jeder andere. Welche Befugniffe der Schlafbursche hat, ob er insbesondere Sonntags in seiner Behausung sich aufhalten kann, richtet sich»ach der be- sonderen Abrede. Ist solche nicht getroffen, so entscheidet der OrtSgebrauch. Hier in Berlin steht dem Schlafburschen mangels anderer Abrede nicht nur Benutzung des Bettes, sondern auch Benutzung der Räumlichkeiten zu. 2. Der betreffende könnte pfänden und muh sich an das Gericht wenden.— Otto Preust. Die Durchsuchung ist zulässig. Sie kämmen sich aber eine schriftliche Mitteilung darüber geben lassen, aus welchen Gründen die Dnrchsiichüna stattgefunden hat,— 3S. W. Rcicheiibergerstrnße. Nein. — G. N. 1. Nein. 2. Sie können auf Grund des Anerlenntuiffes klagen, Marktpressc von Berli» am 7. September 489S nach Ermittelmigcn des kgl. Polizeipräsidiilms. »)W-izen D.-Ctr. 15, 4ö »)Noggen„ 14,80 Fulter-Gerste„ 13,20 Hafer gut„ 15,28 „ mittel„ 14,50 „ gering, 13,80 Nichlstroh„ 4,16 Heu, 6,40 5) Erbsen„ 40,— IckSpeisebohnen. 50,— tyLiusen„ 70,— Kartoffeln, neue„ 7,— Rindfleisch, Keule 1 kg 1,60 do. Bauch„ 1,20 •) Ermitlelt pro Tonne 14,68 13,88 12,68 14,68 13,88 13,38 3,66 3,88 25,- 25,— 30.— 6,- 1,20 1,- der Schweiuesleifch Kalbfleisch Hammelfleisch Butter Eier Karpfen Aale Zander Hechte Barsche Schleie Bleie Krebse 1kg 68 Stück 1kg per Schock 1,68 1,68 1,68 2,60 4,- 2,20 2,80 2,60 2,40 1,80 2,50 1,40 12- 1,10 1- 1- 2- 2,60 1,20 1,20 1,20 1,20 0,80 1,20 0,80 2,- vo» ........ Centralstelle der Preith. Landwirt- schaftskammern— Notierinigsstelle— und umgerechnet vom Polizeipräsidium für den Dvppel-Centner. ff) Kleitthaudelspreife. Produkten markt vom 8. September. In Getreide hielt sich das Geschäft in den engsten Grenzen. Weizen und Roggen waren 0,50 M. billiger offeriert. Die Umiätze beschränlten sich im wesentlichen aus den Berschluß einer Teilladung schwimmenden amerikanischen Weizens zu geheimgeblicbenen Preisen. Hafer blieb fest aus bekannten Gründen. Der Spiritus markt zeigte durchweg schwache Tendenz. Am Markte waren 15 808 Liter loco 70 er, welche mit 43,60(— 0,20) Unterkunst fanden. Termine waren still, schwächer. Kartoffelfabrtkate. Feuchte Kartoffelstärke per 188 Kg. Brutto inkl. Sack 18,50 M. Prima trockene Kartoffelstärke per 188 Kg. Brutto inkl. Sack und Mehl 28,58 M. Supra trocken« Kartoffelstärke— M. Kartoffelmehl per 180 Kg. Brutto— ,— M. Prima Kartoffelmehl 22,25 M., prompt— M. per 100 Kg. «»«tter,„istStibersicht von, 8. September 1666. morgens 8 Uhr. Statloneii Swinemde. Hamburg Berlin Wksbade» Miincheii Wien s» 85- Ii if 76l!WSW 761 Still 761 iSO 760 1 539 784,39 761 1® litt Willer 2 heiter -Dunst 1 wolkig libedeckt 4bedeckt —)vollig s£ g« Stationen LS s s 1-° c 2 85- Haparauda Petersburg Cork Aberdeen Paris S I g;§■ 753 31 748 N® 765NNO 762- - WNW Willer tedeckt bedeckt Zheiter 3tvolkig 5 K St» s 8 14 13 BSeller-Prugnose für Sonnabcnb, den S.September 1866. Ein wenig lühler, ziemlich trübe mit leichten Regensällen und schwachen westlichen Winden. Berliner Wetterbureait. 1V«: Deutscher Holzarbeiter-Verband. Somitag. 10. Sept.. vorm. 10V- Uhr. bei«ndvll, Lindenftr. Einsetzer Versammlung. Tagesordnung t 1. Wahl einer neuen Kommission. 2. Wa8 lehrt uns der Streik. 3. Verschiedenes. t2l/l Pflicht jedes Verbandskollegen ist es, zu erscheinen. Bücherkontrolle findet statt. Gäste haben Zutritt. vlv«i»t»vvrevaltviix. Die nächste öffentliche Versammlung muß Umstände halber am Montag, den lt. September, abends 8 Uhr, In Steoliei»t» r'vststlle», stlnbreasstr. 21. stattfinden(nicht Dlenstag, wie beschlossen). Cirkulale sind allen Werkstätten zuaeschickt; sollten dieselben nicht in die Hände der Kollegen gelangt sein, so bitte ich, solche von der Lohnkommisston, Köpnickersir. 62, zu fordern. 2l/1 Her Vertrauensiuunn, Achtung! Glaset*! Achtung! Sonntag, den 16. Scptrmber, mittags 1 Uhr: Grohe össentliche Versammlung in den Zlrminhalleii, Kommandantenstr. 20. Sämtliche Arbeitgeber sind zu derselben eingeladen. 7�/2. vi« liOhnkoninilBslon, Posameiitlerer. Sonntag, den 10. September, vormittags 10 Uhr, bei Herrn Feuerstein, Zlltc Jakobstrnste 73: (Deffimtl. Nevlenntnlung. Tages- Ordnung; 1. Der Stand unseres Streiks. 2. Verschiedenes. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. 1b3/b Die Lohnkommtssion. M Rixdforf. M Am M o n t a g, den 11. September 1899, abends 8 Uhr, im„A p o l l o- T h c a t c r", Hermannstrastc: Uolks-Uersammlnng �insbesondere der Kommnnalwähler). Tages-Ordnung: 1. Die ablehnende Haltung der bürgerlichen Stadtverordneten bei der Wabl von foeialdemokratischen Stadtverordneten zur Gebäudesteuer- und Einkoinmenstetter-VeranlagtingSkomniisston und welche Folgen hat dies für dte Stadtvertretung. 2. Disliission. Da die TageSordnimg für alle Steuerzahler eine hochwichtige ist, so wird um pltnktltcheu Besuch gebeten. 204/3 Zur Deckung der Unkosten Entree 10 Pf. Tic socinldrmokrntische Stadtverorbneten-Fraktio» Deutscher Metallarbeiter-V erband. Ver« nUnnjfastelle Berlin. 113/17* Sonntag, 10. September, vorm. 10 Uhr, bei Herrn Cohn, Bcnthstr. 20— Sl, 1 Tr.: Allgemeine Versammlung der Klempner. sowie die Antwort der Unter- die Lohnbewegung. Kollegen! In dieser Versammlung muß jeder erscheinen, dem an der Wahrung seiner Interessen etwas gelegen ist._ Ute Ortsvcrrviiltiing. Tagesordnung: 1. Bericht über daS Resultat der aitsgegebetten Fragebogen, nchmer-Otganisallonen. 2. lsiidgiiltige Beschlußfassung über de» Eiutritt iu Hixtiorf« Sonntag, den 16. September 1866. vormittags I1V- Uhr. im.A|ioI1o-T>ie»ter, Hcrmanustr. 48/56(Jnh. t Ph. Thoma»): Mc Wohllhäligkeits-Matinee zu Gttuften der iu Diiucinark ausgesperrten Slrbeiter unter gütiger Mitwirkung der Gesangvereine„Rixdorfer Männcrchor". „Tchneeglöckcheu«, Gesangverein der Maurer, Slrbeiter- Gcsangvereiu „Britz*(M. d. Arb.-Sänger-BundeS), sowie der HauSkapclle(Mitglieder der Freien Bereinigung der Cioil-Berufsmustker). Auftreten des Komikers Arthur Scheuch und der Duetttsten Gebrüder Ncnberti. In Anbetracht der guten Sache bittet um zahlreichen Besuch Das Gewerkschaftskartell Rixdorf. Sollte sich jedoch die Unterstützung für die dänischen Arbeiter nicht mehr nötig machen, wird der gesamte Ueberschutz anderen im Kampfe befindlichen Arbeitern überwiesen. 284/2 ZäimeZM. tO Jahre Garantie. Vollkommen«chmerzloee» Zahnziehen l M. Plomben 1,50 M. Teilzahl. wOchentl. 1 M Zahnarzt Wolf, Lelpzlgerstr. 32. Sprechst. 9-7. Pasters Gesellscliafts-Säle Inselstr. 10, I. Den geehrten Vereinen und Gewerk- schaften bringe meine Säle u. Vereins- ztttttttcr in gütige Erimierintg. Jeden Sonntag u. Mittwoch: Tanz U. GesollschafU-Abend, wozu Freunde und Bekannte ergebenst einladet 2398L*«. B. Poster. Todcs-AiiBeiafc. Allen Bekannten und Vcrwandlen die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau, unsere gute Mutter 2445b Elisabeth Hintz, geb. Collastus, nach schwerem Leiden verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag nachm. 3 Uhr von der Leichenhalle des alten Thontas-Kirchhofs aus statt. Der trauernde Gatte Karl lllntz nebst Kiiidern, Mariannenstr. 48. Todes-Attzeige. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau und herzensgute Mutter, Frun Vliercsc Krenschncr am Donnerstag, den 7. September, früh B1/- Uhr, nach kurzem, schweren Leiden verschieden ist.— Dte Beerdigung findet Sonntag, de» 18. d. M., nachm. 5Vz Uhr, von der.Leichenhalle des Etutnaiis-Kirchhofes ans statt. Die träueniden Hinterbliebenen lt. Kreuechner u. Sohn. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, unser guter Vater, Bruder, Onkel«.Schwager, derManrer Wilhelm Waper am Mittwoch, den 6. b. M., vorm. 11 Uhr, verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag,' den 18. Sept., nachm. 4»/- Uhr, von der Halle des Neuen Rixdorfer Kirch- Hofes auS statt. 2437b Um stilles Beileid bittet Wiv. Wngner u. Kinder. Fretinben und Bekannten tneiii Weiß- u. Bayrisch- Bierlokal. KeiiiholS streit, Kirchstr. 22, ftity.Natttiynstr. 86. 2308L» Heute und svlgende Tage: Prels- Billur(1-l8niol im Restaurant von W. Erbe,«nvrystr. 25. 1. Preis: Piaitino. Z482L* 2.„ 1 goldene Danten-Uhr. 3.„ 1 stlb. Herren-Reutoitloiruhr. 4.„ 1 Mustk-Album. Btllet 60 Pf. W- Erbe. Verband der Möbelpolierer. Morgen, Sonntng. vormittags 16 lthr. Koppenstr. 26: Ausjrrordciislichr Eenewl-Nttstmmliillg. Tagesordnung: 1. Abrechnung von der Dampferpartie. 2. Sin die Mitglieder gewillt, die tderung sti" W Sind jetzige Geschäftslage auszunützen? 3. Welche Forderung stellen wir? 4. Verschiedenes. 147/8 Das Mitgliedsbuch oder Karte muh an der Kontrolle vorgezeigt werden. Der Kassierer ist von 8 Uhr an anwesend. Montag, den 11. September, abends 81A. Uhr, Brunncnstr. 150: Berfammlnn g. Tagesordnung: 1. Vortrag der Frau Mesch: Hat die Frau ble> Pflicht, für bessere wirtschaftliche Verhältnisse mit einzutreten? 2. Tlsrnssivn. 3. Verschiedenes und Ausgabe der Billets zum Stiftungsfest am 7. Oktober I In Kellers Festsälen, Koppenstr. 23. vor Vorstand. V Eilt Weiter RetAteur, der gleichzeitig die Expedition zu leiten und die Buchführung zu übernehmen hat, wird für die dreimal wöchentlich erscheinende„KönigSberger Volks- tribüne" sofort gesucht. 2483C Offerte» an H. r.lnde, Königsberg i./Pr., Tipoltstr. 22, zu richten. Verband der in Buchbindereien, der Papier- und Leder- Galallteriewaren-Judustrie beschäft. Arbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Uiisere nächste Bersammlung findet am vlenstajr,>S. 8ep- tenidvr statt.— Tagesordnung siehe nächste Sonuabend-Nummer d. Bl. Billets zur Kunstausstellung„Secession" sind noch zum ermäßigten Preise von 35 Pf. tm Bureau Annenstraße 50 zu haben. Sonnabend, den 23. September, abends: Besuch der Treptower Sternwarte. Die nähere Bekanntmachung erfolgt in der„Buchb.-Ztg." Sonnabend, den 16. September 18S9, in Kellers Fcstsälen, Koppenstrastc 39: Grosze humoristische Soiree der Lllilgsteilgelschell Zeipziger Sauger. Nach der Soiree in beiden Sälen: SäH. Herren, die daran teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. Anfang der Soiree Punkt Vev Uhr. Billet 30 Pf. Abendkasse findet nicht statt."MSI BilletS sind heute noch in sämtlichen Zahlstellen, bei allen Wsrlstuben- Dcrtrauenspersonen, sowie im Bureau bis Sonnabend, den 16. September, abends 6 Uhr, zu haben. 25/5 _ Die Ortavcrwalinng. C. Joels Victoria-Garten so., Köpnickcr Landstraße Nr. 4. Grosser Saal, Konzert■ Garten, geschützte Veranden, 23S7L* für Vereine u. Festlichkeiten, 6000 Personen fassend. II Kegelbahnen. Kafseeküche und allerlei Volksbelustigungen. 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Gentrnin: P. Harsch, Gipöstr. 27. A. Tietz. Breitestr. 23. Charlottenbnrg: Gust. Scharuberg, Schillcrstr. 941. Friedenau: H. Bernsee, Kirch stt. 15. L'riedrichsbcrg: Anton Kopp. Friedrich Karlstr. 4. L*ankow: Knnintert. Kaiser Friedrichstr. 15. Kixdorf: E. Ostermanu. Erckstr. 6. E. Retzeran. Heruiannstr. 50. Schöneberg: Wilh.Bäumlcr.ApostelPauluSstr.lS. tVelssensee: Heinrich Bachmauu, Lehderstr. 1. Julius Schillert, Köuigchauffee 39a. Rod. Liebschwager, Gustav-Adols- straße 16. Verantwortlicher Redaeteur: Robert Schmidt in Berlin. Für den Inseratenteil veranttvorilich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Ar. 21h 16. Jahrgang. z. KkiiM Ks„UirMs" Kttlimr VcksdlÄ!....>*«*» VevrÄttrmlnngen» Eine öffentliche Bildhaner-Versammlung fand cim DonncrZ- teq in der Berliner Ncsiourcc ftatl. Den Kassenbericht erstattet P e s ch c 1� als Revisor. Dem Vertrauensmann wird Dccharqe erteilt. W i n k l c r erstattet den Kassenbericht vom internationalen Komitee. Auch dieser Kassenbericht ivird genehmigt. In das inier- nationale Komitee werden gewählt M i e s; b a ch und S ch e n o a. Zu Punkt 3 der Tagesordnung ergreift das Wort D u p o n t. Redner greift zurück auf die Bewegung im Jahre l88S. welche eine Vcr- iiirzung der Arbeitszeit erstrebte, und kommt dann ans die gegenwärtige Lage zu sprechen. Nach seiner Ansicht ist der industrielle Aujschwung nur der Hohe angelangt und es ruachen sich bereits Anzeichen der kommenden.Krise geltend. Immerhin ist dieselbe noch nicht da und der Zeitpunkt zum Vorgehen noch nicht versäumt. Die Errungen- schaften von 183S gingen leider in der Zeit des wirtschastlichcn Niederganges, naincnttich von 1892— 94, teilweise verloren. Ein Versuch, im Jahre 1899 eine Aufbesserung zu erlangen, brachte nur verhältnismäßig geringfügige Erfolge. Mit der gegenwärtigen Lage beschäftigte sich nun am Dienstag eine Dclegicrtensitzung, die sich mit großer Majorität für die Lohnarbeit aussprach. In de>j Fragen der Lohnerhöhung und der Arbektszeitverlürzung konnte eine imponierende Majorität nicht erzielt werden. Die Durchführung der achtstündigen Arbeitszeit lüilt Redner zur Zeit nicht siir möglich, dagegen tritt er für die Forderung der Lohnarbeit auch in den Tischlereien und Fabriken ein. Den bisherigen Minimallohn von 21 M. wünscht Redner ans 24 M. erhöht. Er erinnert daran, daß andere Arbeiter- lategoricn von weit geringerer Qualistkation als die Bildhauer durch festes Zusammenstehen schon weit böhcre Minimallöhne errungen haben. Um die Uebcrstunden nach Möglichkeit zu beschränken, soll für dieselben ein Aufschlag von S9 Proz. gezahlt werden. Redner hält einen Eintritt in die Bewegung für nötig im eigenen Interesse, im Interesse der Familie und im kulturellen Interesse. In der Diskussion sprachen sich Hildebrand. Koppisch und M i e ß b a ch für die Forderungen des Referenten aus. Abel hält sotvohl die Forderung Lohnarbeit als auch die der Lohnerhöhung nicht für durchführbar. Er ist der Meinung, daß man zunächst dcii Minimallohn von 21 M. überall durchführen möge. Schulz hält es nicht für im Interesse der Kollegen liegend, daß bei Pfast an Stelle der Accordarbeit Lohnarbeit eingeführt wird. S a Hasch hält sogar die achtstündige Arbeitszeit für durchführbar, wenn man von einzelnen Werkstätten von vornherein absieht, wo der Jndifferentismus der Kollegen sie am Vorgehen verhindert. Der Redner hält es sür nötig, daß die Agitationskommission immerwährend auf dem Posten bleibt, Jim die zurückgebliebenen Werkstätten im Einzclkampf zu gewinnen. .Die Diskussion deckt sich in der Folge um die Frage der Lohn- und Accordarbeit' und um die Verhältnisse bei der Firma Pfaff. Nach dem Schlußwort des Referenten wird zunächst zur Abstimmung über die principielle Frage geschritten, ob die achtstündige Arbeitszeit zu fordern ist oder nicht. Diese Forderung wird abgelehnt. Mit 29 Stimmen Majorität wird darauf die Forderung einer Arbeitszeit von wöchentlich 50 Stuirden aufgestellt. Wegen der geringen Majornät wird jedoch noch einnial per Hammelsprung abgestimmt. Dabei stimmen 237 für die Forderung, 144 dagegen, 3 ent« -halten sich der Stintme. Für die Einführung der Lohn- arbeit in allen Werkstätten stimmt die überwältigende Majorität, ebenso für einen Minimallohn von 24 Mark und eine Lohnerhöhung von 19 Proz. für alle, welche den Minimal- lohn schon erhalten. Für llcbcrstundcn wird ein Aufschlag von 60 Proz. einstimmig gefordert. Auf Vorschlag von D u p o n t werden die Forderungen am Sonnabend den Prinzipalen unterbreitet und eine Antwort bis Dienstag erbeten. Es wird darauf eine sieben- gliedcrige Lohniommission gewählt. Wegen der vorgeschrittenen Zeit kann Punkt 4 der Tagesordnung, Bericht des Delegierten zur Ge- Werkschaftskommission, nicht mehr erledigt werden. Der Vorsitzende schließt die Versammlung mit einem Hoch auf die moderne Arbeiter- bewegung, Rabitzputzer. In der am 7. September er. bei Herrn Zubeil, Lindenstraße 196, stattgefundenen Versammlung der Rabitzputzer Berlins erstattete Kollege N i e k e Bericht über die Einigungsvcr- Handlungen mit der Siebencr-Konnnissio». Danach bestritten einige der Unternehmer, von der Lohnerhöhung der Rabitzputzcr in Kenntnis gesetzt Ivorden zu sein, und schlugen vor, die Lohn- crhöhung vom 1. Januar 1999 einzuführen. Von feiten der Streik« leitung wurde dieses abgelehnt. Aus dem Bericht ging hervor, daß sich im ganzen 81 Kollegen im Ausstand befanden, davon ivarcn 26 Kollegen ausgesperrt. Von diesen 81 Mann sind einige abgereist und ein Teil hat die Arbeit zu aufgenommen, so daß im ganzen stützen bleiben. Die Vcrsanmilnng Forderungen ungeschmälert aufrecht zu Freitag angesetzte Verhandlung resultallos verläuft, dieselben abzu brechen. Die Firma Ehlert u. Gollnack, welche, ohne daß eine For- derung an dieselbe gestellt war, die Kollegen aussperrte, irnirdc durch Beschluß der Versammlung von Freitag ab gesperrt. Die Streik- leitung wurde ermächtigt, den Stundenlohn von 75 Pf. bis zum 1. Januar 1999 festzusetzen und über die Übrige» Forderungen nach bestem Ermessen zu verhandeln. Die Former und Vcrufsgcnossen hielten am Donnerstag im „Kolbcrgec Salon" eine gutbesuchte Versammlung ab. D e lv i tz be- richtete über die Thätigkeit der Gewerkschaftskommission und P I a t h vervollständigte den Bericht, indem er besonders die neueren Vor- gänge behandelte. Beide Redner betonten die große Bedeutung der Kommission. Plath billigte ausdrücklich die Einführung des projektierten nencir Abstimmimgsmodus. Die Versammlung dcle gierte dann M ü l l c r und Dewitz in die Kommission. Hierauf referierte Genosse Grenz aus Leipzig über den Leipziger F o r m e r st r e i k und seine Folgen. Redner legte dar, wie es dem llnternchmer- Terrorismus gelungen sei, den partiellen Streik bei der Firma Becker zu einer General- Aussperrung' der Leipziger Former zu erweitern. Bekanntlich hatte der Fabrikantcnring beschlossen, daß die streikenden Bcckcrschen Former, die mir winzige Forderungen gestellt hatten, in Leipzig zwei Jahre lang keine Arbeit erhalten sollten, tvenn sie nicht bedingungslos bis zu einem bestimmten Tage die Arbeit wieder auf- nähmen. Es handle sich jetzt, meinte Redner, lediglich um einen Kampf um das Stecht auf Koalition. Das gehe auch ganz klar aus den Gründen hervor, mit denen die Fabrikanten ihre Ablehnung einer Verhandlung vor dem Einigungsamt zu rechtfertigen versuchten. Der Kampf sei einzig und allein durch die Brutalität der Unter- nehmcr verschuldet worden. Neben den tiefernsten Folgen, den ivirt- schaftlichcn Schädigungen zc.. habe er so manches Kunos, im gezeitigt. So habe ein Fabrikant einen seiner Meister gebeten, darauf zu ackitcn, daß seine Tochter mit ihrem Bräutigam, einem streikenden Former, während des Streiks nicht verkehre. a r� Körner und H ö f e r gewählt. Bekannt gegeben wurde, daß am Sonntag, den 19. d. M., vorniittags 19 Uhr, eine außerordentliche Generalversammlung des Verbandes der Möbelpolicrer im Kellerschen Lokale stattfindet, in der weitere Beschlüsse gefaßt werden. Nicht Mitglieder können, uin das Zntrittsrccht zu erlangen, sich am Sonn abeiid vorher noch in den Zahlstellen aufnehmen lassen. Eine öffentliche Tchnhmachcr-Vcrsammlung, die am Mittwoch im„Englischen Garten" tagte, nahm Stellung zu den letzten Vor- gängcn in der Geiverkschaftskommission. Der Gcwcrkschaftsdclcgiertc Burghagen verurteilte die Haltung, welche die Vertreter der großen Gewerkschaften in der Frage einer Acndcrung des Abstim iitungsmodus eingenommen haben und vertrat die Ansicht, daß die Schuhmacher wie überhaupt die kleinen Gewerkschaften keinerlei Vorteil von ihrem Vcrhällnis zur Kommission haben. Der zweite Delegierte H e r m a n n schloß sich im wesentlichen der Meinung des Vorredners an. er trat ober dafür ein, daß sich die Schuhmacher nicht von der GcwcrkschaftSkommission trennen. Gerade jetzt sei es notwendig, innerhalb der Kommission gegen das Verhalten der Vcr- tretcr der großen Gewerkschaften Opposition zu machen und die Interessen der kleinen Gewerkschaften zu vertreten. Der Redner cmpsahl eine Resolution, welche bedauert,„daß cS durch das Verhalten der Vertreter der größeren Gewerkschaften zn einer Spaltung innerhalb der GcwerlschaftSkommission gekommen ist". Weiter wird in der Resolution die Beibehaltung des Verhältnisses zur Konimission befürwortete. Die nachfolgenden Redner stimmten in der Verurteilung des Verhaltens der großen Gewerkschaften vollkommen überein. Einzelne Redner machten der Gewerlschaftslommission heftige Vorwürfe, weil sie den Schuhmachern in ihrer Lohnbewegung Knüppel Zwischen die Beine ge lvorken und dadurch verschuldet habe, daß die Organisation der Schuhmachcr zurückgegangen sei. Da die Schuhmacher von der G ewcrkschaftskommission nichts zu erwarten hätten, so müßten die Delegierten zurückgezogen werden. Andere Redner ver- traten dagegen die Ansicht, daß man im Princip für die Zurückziehung der Delegierten sein, aber es auS taktischen Gründen bei dem bisherigen Verhältnis lassen müsse. Es wurde auch die Frage aufgeworfen, ob es nicht ratsam sei, daß sich die Schuhmacher, gleich den ans der Konimission ausgetretenen lokalen Gewerkschaften, der GeschäftSkommijsion der Vertrauensmänner- Ccntralisationcn anschließen könnten. Dagegen lvurde aber ein gewendet, daß dies ivcgen der Verschiedenheit der beiden Organi- sationsformcn den Schuhmachern, ivcil sie ccntralorgauisiert sind. nicht möglich sei. Die Versammlung beschloß mit 56 gegen 41 Stimmen: Die Delegierten der Schuhmacher von der Berliner Gewcrlschastskommission zurückzuziehen. Ter dentsch-nationale Haudliiugsgchilfcn-Vcrband hielt am Donnerstag bei Keller in der Köpiückerstraße eine öffentliche Versammlung ab. Dieselbe nahm nach einem Vortrage des Herrn Döring ans Hamburg, der über die dem Reichstage vorliegende Novelle zur Gewerbe-Ordnung sprach, eine Resolution an. worin der Reichstag ersucht wird, dem obligatorischen 0 Uhr-Ladenschluß zuzu stimmen. Tic Textilarbeiter und-Arbeiterin»«! in der Tcppich- tvcbcrci hielten am Donnerstag bei Stechert eine äußerst stark be- suchte Versamnilung ab. Kotz'ke erstattete den Bericht über die Lohnbewegung der Berliner Ceppichlvcber, insbesondere der in der Fabrik von Fe i b i sch beschäftigten. Eingeladen zur Versammlung ivaren namentlich die in den Fabriken von Becker u. Hofbaucr, Patz, Baader zc. beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. Die Fabrik von Feibisch beschäftigt in Berlin ctiva 179 Arbeiter und Arbeiterinnen: in Bernau sind ebenfalls siir diese Firma eine bedeutende Zahl Heim- a r b e i t c r thätig. Schon vor einigen Wochen war es zwischen der Fabrikleitung und dem Arbeiterausschuß bcziv. dem Arbeitspersonal zu Differenzen gekommen, weil Herr F e i b i s ch die O r g a n i s a t i o n der Textilarbeiter nicht anerkennen wollte und die Arbeiter auch niit den Lohn- und Fabrikvcrhältnissen nicht zufrieden waren. Die Vor sicllungen des Arbciterausschusses hatten nur dessen Maß- rcgclung zur Folge. Da sich aber sämtliche Mitarbeiter bis auf etwa zehn„Arbeitswillige" mit den Gemäß- regelten solidarisch erklärten, erfolgte deren Wieder-Ein- stellung. Auch die Organisation lvurde nunmehr anerkannt. Ja Herr Fcibisch verstieg sich sogar soweit, nachdem er die Macht der Organisation zu fühlen bekam, den Arbeitern besondere Räume zur Erledigung der Verbandsangelcgenheiten bewilligen zu wollen. Als aber die Arbeiter ihn in allem Ernst an sein Versprechen erinnerten, machte er Ausflüchte; er ivollte nur die Organisierten allenfalls beschäftigen, wenn sie sich hübsch artig und ruhig verhalten. Es dürften aber weder Marken und Zeitungen verteilt, noch Verbands- beitrüge entgegen genommen werden. Damit erklärten sich aber die Arbeiter nicht zufrieden und kehrten den Spieß um. Sic verlangten jetzt eine Lohnaufbesserung von 19— 39 Proz., iveil in dieser Fabrik die schlechtesten Löhne von ganz Berlin gezahlt werden, d. h.: für männliche Arbeiter 15 b i s 18 M., für w e i b l i ch e höchstens bis 8 und 19 M. pro Woche; Accordarbeit im Verhältnis noch schlechter. Damit rn Verbindung ivcrdcn bessere sanitäre Ein- richtungen: besondere Ankleide- und Klosetträume, genügende Wasch- gclcgenheit für beiderlei Geschlechter, Reinigung der Fabrikränmc und Lüftung derselben verlangt. Denn obwohl vor einiger Zeit ein Polizcibcamtcr dort war und die Zustände rügte als gegen die Gcivcrbe- Ordnung verstoßend, ist bis heute nichts geschehen zu deren Beseitigung. Auch den Neunstundentag und die unbedingte A n- e r k e n n u n g der Organisation werde man verlangen. Da man aber bereits versucht habe, von Bernau Arbeiter herüber nach Berlin zu bringen, werde man auch dort Vcr- sammlungen abhalten, um jene Arbeiter über den wahren Sachverhalt aufzuklären und sie für die Organisation zu gewinnen. In der hierauf folgenden Besprechung wurden die Zustände dieser und anderer Fabriken von mehreren Arbeitern und Arbeiterinnen in oft sehr drastischer Weise geschildert. Die an- gestrengte Thätigkeit, verbunden mit einer hoch enttvickelten Geschick- lichkeit'nnd Fingerfertigkeit in einer stets mit Staub geschwängerten Atmosphäre stehe im krassesten Gegensatz zu den niedrigen Arbeitslöhnen für Kunstgegenstände, die den Luxus der Reichen befriedigen und zu hohen Preisen gekauft werden! Von einem Arbeiter, der in der Nähe der Fabrik ivohnt und nur eine mit ihrem Vater, später mit dem Buchhalter daher kommende „arbeitswillige" Arbeiterin angesprochen hatte, wurde u. a. erzählt, ivie er auf deren Veranlassung verhastet und auf der Wache be- handelt, in einen„dunklen Raum" gebracht und nur deshalb wieder entlassen sei, weil er ja in der Nähe wohnte und verheiratet war. In einer Fabrik lvaren die Zustände derartig, daß die Berufsgenossenschaft eingriff, weil infolge der mangelhaften Schutzvorrichtungen innerhalb 6 Wochen vier schwere Unglücksfälle vorkamen; mich sollten die Fabrikfcnstcr während acht Jahren nicht geputzt worden sein. Alle Redner fordern in schlichten, aber treffenden Worten unter leb- haftem Beifall zum einmütigen Ausharren der Ausständigen auf, da man die neu herangezogenen Streikbrecher wegen Unsähigkeit bereits wieder entlassen mußte I Nachdem unter„Verschiedenes" noch mit- geteilt war, daß im Verlaufe der nächsten Woche Versammlungen für die Arbeiter ic. der anderen Fabriken stattfinden werden, ge- langte nachstehende Resolution ein st im m ig zur An- nähme: „Die am 7. September tagende öffentliche Versammlung der in der Teppichweberei beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen erklären sich mit de» Ausständischen bei der Firma Fcibisch solidarisch. Die Versammelten erachten in ihrer Entrüstung die Maßregelung ihrer Berussgcnossen. namentlich vom Arbeilcrausschuß dieser Fabrik, als einen Schlag gegen die Organisation der Textilarbeiter. Die Anwesenden verpflichten sich, dafür einzustehen, daß folgende Forde- rnngcn der Arbeiter erfüllt werden: Verkürzung der Arbeitszeit auf 9 Stunden; Erhöhung der Löhne von 5 bis 39 Prozent; Bezahlung aller Nebenarbeiten; Entschädigung für daS Anlernen der Schießer; Abschaffung sämtlicher Slrafgeldcr," Hierauf wurde die imposante Versammlung mit einem begeisternden Hoch aus die Textilarbeiter- bewegung geschlossen. Ter Fachvcrciu der Miisikinstrittlicntcli-Nrbcitcr Berlins »ud Umgegend hielt am 4 September d. I. feine regelmäßige Mitgliederversammlung bei Granmann, Nnnnynstr. 27, ab. Nach Eröffnung der Versammlung machte der Vorsitzende bekannt, daß es ihm nicht möglich gcivescn sei, einen Referenten zu gewinnen, teilt aber gleichzeitig mit, daß es ihm gelungen fei, für die nächste und nächstfolgende Versammlung tüchtige Referenten zn besorgen, und ersucht die Kollegen, recht rege für den Besuch dieser Versammlungen zn agitieren. Demnach mußte der 1. und 2. Punkt der Tagesordnung weg- fallen und zum dritten Punkt: Fortsetzung der Diskussion über den Bericht der Agitationskommission nahm zunächst Kollege S e i b t das Wort, um einige von Klcinlein in seinem Berichte gemachte Fehler zn kritisieren, während er sowie sämtliche nachfolgenden Redner sich mit der taktischen Thätigkeit der Agitationskommission einverstanden erklärten und anerkennen, daß diese tüchtig gearbeitet habe; wenn diese Arbeit nicht immer mit genügendem Erfolg gekrönt gewesen sei, so ist es nur der Gleichgültigkeit zuzuschreiben, die leider in den Kreisen der Klavierärbcitcr eingerissen-sei. Böttcher richtet noch einen warmen Appell an die Kollegen, die Thätigkeit der Agitationskommission, die in der nächsten ja sehr flotten Geschäftszeit wieder in vollem Maße aufgenommen wird, durch entsprechende Mitteilungen, besonders auch durch genauen Nach- weis der zu Werkstatt« ersanunlungcn geeignen Lokale in jeder Weise zu unterstützen nnd hiermit ihre schwierige Arbeit erleichtern helfen. Der zur Gcwcrkschastslomniissiou delegierte Kollege A r e n d t giebt bekannt, daß die Gewerkschaft mit einer großen Anzahl anderer lolalorgmilsiertcr Gewerkschaften endgültig ans der Kommission ans- geschieden sei, und daß seitens der GeschäftSlounnission der durch Bertraueiismaimer centralifierten Gclocrkschnften bereits Schritte gcthan sind, um eiue geeignete Vertretung� der Lokalorgani- sicrtcn ins Leben zn rufen. Nachdem noch aufgerördert, durch Abnahme und regen Vertrieb der Marlen zum Streikfonds die im Streik befindlichen Genossen, besonders aber die dänischen AuS- gesperrten zu uiiterstiitzeu, erfolgte Schluß der Versammlung. Textilarbeiter. Am 22. August fand die Versammlung der Filiale II des Textilarbeiter- Verbandes statt. Der Vortrag des Herrn Dr. Bruno Wille über das Schicksal wurde niit großem Beifall aufgenommen. Die Abrechnung der Filiale ergab ciucii Bestand von 111.64 M. Der Bestand des Vergnüguiigsfonds betnig 73,39 M. Der UiitcrstiitzuugSfonds bcläuft sich auf 287,87 M. Tie Bauarbeiter und verwandten BcrufSgenossen Char- lottcnbnrgs hielten am 2. September eine öffentliche Versammlung ab. Der erste Punkt der Tagesordnung mußte vertagt werden, weil der Referent nicht erschienen war. Im zweiten Punkt gab S elvi low den Bericht Über die Verhandlungen mit den Unternehmern seitens der Lohnkommission, ivclchc dahinmisging. daß die eingesetzte Neuner- Kommission wohl den Bauarbeitern ihre Forderung zugesagt habe. aber die Generalversammlung des Arbeitgeber- Bundes zwar die Forderungen der Lohnarbeiter bewilligt, aber die Forderungen der Accordarbciter strikte abgelehnt hat.— Die Mißstände bei den Bauten der Firma Held u. Franke, namentlich bei dem Bau der elektrischen Hochbahn, und das Vcr- halten des bei der Firma beschäftigten KolonnensnhrorS König wurden einer scharfen Kritik unterzogen.— Maurer S ch ö n b o r n gab eine Statistik über Streiks nnd ermahnte die Anwesenden zum Schluß seiner Rede, für eine einheitliche feste Organisation Sorge zu tragen.— S a b l o tz k i wurde in die Arbciterschntzkommission gewählt.— Zum Schluß ehrte die Versammlung daS Andenken des verstorbenen Genossen Jacobey in üblicher Weise. Wilmersdorf. Am Mittwoch, den 6. September, tagte in „Wittes Volksgartcn" Bcrliiicrstr. 49, eine gut besuchte Versammlung des socialdeniolratischeii Vereins. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrte die Versammlung in üblicher Weise das Ableben des Genossen Jacobey. Lankow biclt einen lehrreichen Vortrag über die „Entwicklung Frankreichs vom 16. bis Ende des 18. Jahrhunderts". Dann erledigte der Verein interne Angelegenheiten. Die nächste Vcr- sämnllung findet am 29. September statt, in der ein Vortrag ge- halten wird. Rixdorf. Der Verband der M ö b e l p o l i e r e r hielt am 4. September seine regelmäßige Mitgliederversammlung- bei Babcn- schneider, Hcrmannstr. 197 ab, welche sich eines guten Besuchs er- freute. Kollege H v f e r leitete die DiStnssion über„Die Ausnützung der jetzigen guten Geschästskonjnnktur" ein, welche eine rege Debatte zeitigte und. sich bis 12 Uhr hinzog. In Nnmmclöburg tagte am Montag eine gut besuchte Vcr- sammlung der A n i l i n a r b e i t e r. Genosse K n t e r hielt einen beifällig aufgenommenen Vortrag über:„Der Kampf nmS Dasein". Eine Diskussion wurde nicht beliebt. Unter Verschiedenem wurden die Mißstände der Anilinfabriken einer herben Kritik unterzogen nnd die Anwesenden aufgefordert, der Organisation beizutreten. Im weiteren wurde im Lokal von Piatkoivski, NumiiielSburg, Haupt- straße 33, eine Zahlstelle gegründet. Slrbeitcr-Säugcrbmid VerliuS»nd der ttiiigegend. Borsitzender Ad. Ncnmann, Brunnenstr. Ivb. Alle Aciideruiigen im Bereinskalcnder sind zu richten an Friedrich Kortum, Lansitzcrstrnsie 33. Sonnabend, abends 9—11 Uhr: Uebungsstnnde und Ausnahme neuer Mitglieder.— „Lyrania", Göbel, Landsberger Allee 156.—„Sanges- Echo", Scholz, Naunynstr. 6.—„Immergrün", Tegel, Rentner, Spandauerstr. 13.—„Glück zu", Lorisch, Pankstr. 326.—„Hand in Hand II", Fricdrichsbcrg, Hcinecke, Friedrich Karlstr. 11.—„Frisch auf I", Frtcdrichsberg, Paul, Runniiels- burgerstr. 45.—„Weiße Rose II", Weibeusee, Sorrer, Straßburgstr. 56.— „Eintracht I", Teltow, Deich, Zchlendorferstr. 6.—„Siingcrlust", Luckenwalde, Schulze, Bcelitzcrstr. 34.—„Septime", Drathschmidt, Skalitzerstr. 102. —„Frohsinn", Ruiumclsbiirg, Breioes., Goethe- u. Kantstraßen- Ecke.— „Echo II", MarkgrasenSpieLke bei Fürstemvalde, Grasnick.—„Gem. Chor", Luckenwalde, Gerhart, Haag 5.—„Ober-Schöneweider Liedertafel", Ober- Schiincwcide, Wagener, Edisonstr. 6.—„Vorwärts VII", Rummelsburg, Beutling, Goethe- u. Kantstraßen-Ecke. Arbciter-Naiichcrbuiid Berlins und der Iliiigcgciid. Aendcrungcn im Vercinsknlender sind zu richten an Eugen Raschle, Rixdorf, Mahlower- straße 1, 4 Tr. Sonnabend:„Angler I", Rnppert, Zimmerstr. 59.— „Havana II", Nowawes-Neuendorf, Simon, Priestcrstraße.—„Glück Ans", Rüdersdors-Kalkberge, Greve, Heinitzstr. 19.—„Kuba",?? Pönitz, Brnudenburg- siraße 54.—„Pappel", Dahmle, Buckcholzerstr. 5.—„Arbeiterfreunde", Dietrich, Rathcnowcrstr. 43.—„Havana I", Rixdors, Philipp, Juliusstr. 59.—„Blauer Dauipf", Doyc, Müllerslraße. Arbeiter- Tnrnerbund. Sonnabend: Turnv.„Fichte", Berlin. abdö. 8-10 Uhr: 1. Männer- Abt. Friedenstr. 37.- 3. Männer-Abt. Boeckhstr. 17/20- 8. Männer-Abt. Höchstestr. 36/37.- 2. Lehrlings- Abt. Slalitzerstr. 55—56.— 4. Lehrlings-Abt. Stephanstr. 3.— 5. Lehrl.-Abt. Ackerslr. 67.—„Freie Turncrschast Johannisthal" abdS. 9—10 Uhr Seilst- leScn.— Tnnicrschaft t). B„Jlcreiiä" fgegNiudct 1882), LehrlmgS-Ait. 8—10 Uhr nbdS� Ncichnitergerstr. ISl—lHä.—„Mb.-Tuniv." m Adlershof, Schniaiiser, BiSnwnkstr.!K Z>/z— 1k>V- Uhr«brnds. Gesang-, Turn-»nd gesellige Vereine. Sonnabend! Thentcru „Boheinia",«Schulz, Veteranen str, 18,— Thcaterv,„Nonnania" jeden letzten Sonnabend ii» Monat, Langncr, Gr, Franlsnrtcrslr, IIS,— BergntianngSverein «Helgoland II", jeden Sonnabend nach dem 1, im Monat, Lehmann, Lnbbcncrstr, s, — Slatklnb.Fortuna", Lratzat, Hutlcnstr, 1,— Rauchklnb„Dornröschen", Krüger, Fennstr. 3.— Theatern,„Nordstern", Schulz, Dunckerstr, SV,— Theatcrv,„Alpenrose", Badstr, 3Z— 36.—„Bereinigung der Turnfreunde", S'/j— lO'/j Uhr abdS. Deinininersir. 5S—57.— Tnrnv,„Osten", Turnhalle Bluuicnstr,«Sa, 8'/-- 10 Uhr nbdS. Männer- Abt,- ZithcrNub„Ertla", Müller, Hessische- und Haniioverichestr.-Ecke.— Thcaterv,„Othello 1", Rowack, Manteuffelstr. S,— Skatklub„Hurra", Sinke, Skalitzerstr, öS, — Theatern.„Thalia", jeden Sonnabend nach dem 1, u, 1ö. im Monat, Linderte, Andreaostr, 33,— Kegelklub„Kalte Neune", Holzurarktstr, 72,— Theater- Gesellschaft„Einigkeit", Bartz, RheinSbergerstr, 53,— Schau- spielklub„Goethe", Koppenstr, 6S,— Zitherklub„Edelweiß", Rosenthaler- straße 11/12,— Nad-Renn-Kliib„Allemania", Horney, Zorndorfcrstr, 20.— Bergnügungsv,„Frisch- Ans", Köpnickcrstr, 3ga,.— Humoristischer Verein „Einigkeit", MillbrodtS Festscile, Müllcrslr, 7.—„Theaterverein der Louisenstadt". Annenstr, 9. Bildungsvereii,„Mehr Licht.« Btbliothekstunde 9-10 Uhr abds,, Gärtner, Molkcnstr, 12, Böhmisch-slnvischer BildungSV.»Hawlischek«. Nestaur, Zur nencn Post, Beuthstr, 21, Deutscher socialdemokratischer Seseklub in Paris. Eafs Le Procope, stlne de l�liictenne-Eoniedie 13, Jeden Sonnabend öffentliche Ber- fammlung; reiche Bibliothek, Zeitungen, frauzöflfcher Unterricht, London. Der einzige hiesige focialdcmokr, Verein Londons, der alte, von Karl Marx und Friedrich Engels 1816 mitbegriindete Komulunistische Arbeitcr-Bildnngsverein bcsindet sich nach wie vor 49 Tottcnham Street, Tottenham Court Rd,, W, London, Alle Anfragen in gewerkschaftlichen und parteigcnössischen Angelegenheiten sind an vorstehende Adresse unter Bezeich- nung:„An den 1, Sekretär" zu Händen deö Vereinsvorstandes", zu richten, Verein Vorwärts. Johannesburg(Transvaal). Vereiuslokal Progreß-Bierhalle, Corner of Marshall and Sniall Street. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 19. September, vorm, 8>/, Uhr, im oberen Saal des„Englischen Gartens", Alcxanderstraße 27o, Versammlung: Freireligiöse Vorlesung,— Um IG/»'Uhr vormittags eben- daselbst: Vortrag des Herrn Wilhelm Bölschc:„Optimismns und DariviniSmus", Gäste, Damen und Herren, sehr willkommen. Tischler-Verein. Heute abend Sl/2 Uhr, Melchiorstraße 15: Versammlung._ Eingegangene Drnckschriften. Don der„Neuen Zeit"(Stuttgart, Dietz' Verlag) ist soeben daS 50, Heft des 17, Jahrganges erschienen. Ans dem Inhalt heben wir her- vor: Zur dänischen Ricsenaussperrung, Von Dr, Gustav Bang,— Trusts in den Bereinigten Staaien, Bon M, Beer,— Für Arbeiterswutz— gegen Ardeitertrutz. Von I. Karsli.— Ein Prolctarierdichler des Ghetto, Van Dr. S, R, Landau.— Revue der Revuen,— Littcrarische Rundschau: Adolf v. Wknckstern, Ein Prozent, die Schaffung und Erhaltung einer deutschen Schlacktflotlc,— Marcel Prsvost, Camilla. Die Sünde der Mutter, Der Skorpion. Späte Liebe, Liebesbeichte. Nimba. Pariser Ehemänner.— Feuilleton: Der Kämpfer, Don I. H, RoSny. Autorisierte Ueberfetzung aus dem Französischen von Ina Bach.(Schluß.) Die„Socialistischcn Monatshefte"(Admiuistration: Berlin W. Gleditschslr, 23) haben soeben das 9. Heft ihres V, Jahrgangs erscheinen lassen. Aus dem Inhalt desselben heben wir hervor: Heinrich Krisch: Die politische Lage in Ocstreich, Zum Brünner Parteitag,— Dr. W, Ellen- bogen: Der Wiener Antisemitismus,— Otto Lang: Endziel und Be- wegnng i» der schweizerischen Socialdemolratie,— Dr, Leon Winiarski: Bersuch einer socialen Mechanik,— Ludwig Klages: Bemerkungen über Goethe,— Prof, Pedro Dorado: Die Krise in Spanien.— Dr, Franz Stahl: Oppenheimer und seine präcise Polemik.— Rundschau: Oeffent- lichcs Leben,— Kunst.— Bücher,— Revuen.— Der Preis des Heftes beträgt 50 Pf,; pro Quartal 1,50 M, Zu be- ziehen durch alle Buchhandlungen, Kolporteure und Postanstalten(Post- Zeiwngskatalog Nr, 7075), ferner direkt durch die Expedition: Gleditschstr. 23, Berlin IV,(Zusendung unter Kreuzband oder in geschlossenem Convert.) Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Nedaktio» dem Pnbliknm gegenüber keinerlei Veranlwortnng. Mhenkev. Sonnabend, 9. Sepien, ber. Opernhaus. Don Juan. Anfang 7»/, Uhr, TchnniPielhanS. Caub. Anfang � 71/, Uhr. Neues Opern- Theater(Kroll), Die Fledermaus, Anfang?>/, Uhr, Deutsches. College Crampton. An- fang 7-/, Uhr, Lessing. Neigung, Anfang 7>/, Uhr, Berliner. DaS Erbe, Ansang T/, Uhr, Schiller. Die Ehre, Anfang 8 Uhr, RrneS. Kiwito. Anfang 7-/, Uhr, Residenz. Der Schlafwagen- Eon- trolcur,«orhcr: Zum Einsiedler, Anfang 71/2 Uhr, Westen. Der Mikado, Ans. 7'/, Uhr, Thalia. Der Platzmajor. Anfang 7V» Uhr. Lnisen. Bunte Kreise, Vorher: All Heil! Anfang 8 Uhr, Ecutrat. Der Heiratsmarkt. Anfang 8 Uhr, Friedrich. WilhclmstitdtischcS. Gcrminal oder: Der Streik der Bergarbeiter, Anfang 8 Uhr, Ostend. Um tausend Mark, Ansang 8 Uhr, Victoria. Die weiße Henne. An- fang?»/, Uhr, Mctropol. Berlin lacht, Anfalig 7'/. Uhr, Belle-illlliance. Specialiiäten-Vor- stelluna. Anfang»/.S Uhr Rpollo. Frau Lima, Specialitälen- Vorstellung, Anfang 8 Uhr. Rcichshallc». Stettincr Sänger, Ansang 8 Uhr, Passage< Panoptltni». Spcclali- täten-Vorslcllnng. Urania. Jnvalidenstr. Täglich abends von 5—10 Uhr: Stcriiwaite. Tauben, ir. 48/4». Im Theater: Der Sieg des Menschen über die Natur. Ansang 8 Uhr, Crntvnl Tlzrntev Direktion: lose Ferenozy. — liiintHpicI-EiiBcmble.— Letzte Aufführung! Zum 50, Male: Der Heiratsittarkt. Schwank in 3 Akte» v, G, Okonkowski. Anfang 8 Uhr, Sonntag: Eröffnung der Winter- Saison, Dtv Gcishu, oder: Eine japanische Thechansgcschichte. _ Anfang 7'/, Uhr. Thalia- Theater. Drcsdenerstr. 718—73. Telephon: Amt IV a No. 6440. Heute Sonnabend, den 9, September: Novität! Zum erstenmal: Novität! Dkl WjMM. GssangSposse in 3 Alten von Jean Kren und Alfred Schünfeld, Musik von Gustav Wand«, Gänzlich»cne Slnssinttniig. Bor d. Vorstellung Konzert im Tunnel, Anfalig 7»/. Uhr. Kasscnerössilniig 6V» Uhr. Die Tageskasse geöffnet von 10—2 Uhr, Urania Xaiibennlrasse 4.8/40. Im Theater: Abends 8 Uhr zum erstenmal; Der Sieg des Menschen über die Natur. Invalidcnstr. 57/018: Tägl. Stermvarte. Nachmittags 5—10 Uhr. Metropol-Theater. Behrenstr. 55,57. Direktion;(tlcliard Schale. Jaise Fleriiy. Alice llunbcur. Fleury Ita.ybaiul-Trlo. Tbc 6 lialiiclT. Berlin ladji! und das sensationelle Speciaiitäten- Programm. Ansang Vi 8 Uhr, Ende gegen II Uhr, SHT" Da» Rauchen ist in sämt- liche» Ränincn gcsiallct. (Wallncr-Thcäte»). S 0 11» a b c n d, a b- n d s 8 U h r: Zum«rftenmake:»ie«Iine. Schauspiel in 4 Akten von Hermann Sudermaiiil. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Iphixeais aar Taarln. Sonntag, abends 8 Uhr: Die Ulu-c. Montag abends 8 Uhr: Wie Ein e. Wtisj'AMltr. Gr. Frankfnrirrstraske 1318. Täglich: Um tattsetld Mark. Anfang 8 Uhr. VorzngöbillctS haben Gültigkeit. Sonnabend: Letztes Volks-Sommer. nachts- iind Kinderfest, Sonntag: Letzte Specialitäten-Boistellung, Im Theater, nachm. 3 Uhr, klenie Preise: Die Kiibaneriu. Frirdriili-Willjclmsl.Nicitct chausseeste. 25 21. Abends 8 Uhr: Zum 35, Male: Letzte Woche! Letzt« Woche! Germinal oder: Ter Ltrcik der Bergarbeiter. Scilsatioiiöstllck in 0 Auszügen nach dem gleichnainigen Roman v, Emile Zola, Montag. Ii, September: Dir Reise nach der Tciifclsiiiscl. Morgen nachmittag 4 Uhr zu kleinen Prelien: Der Glöckner von Notre- Dame.— Morgen nachmittag im Konzertpark: Konzert, Theater- und Specialitäten-Borslellnng. ksIast-Thester MT früher Feen.l'alaBt, Biirgs, raste 23. In den wunderbar renovterteu Itienea- Fracht. Itttaiao» allabendlich um 81/. Uhr die mit großem Erfolg ausgeuommeiie Berliner AuSstattungS- GesangSpofle Spver-'Uottrtzen! Erbmann.... Aich, Wiiikler, Herzchen..... Wilb, Fröbel, Spree-Lottchen... Helene Voß, DM- Stürmischer Beifall!"MD Helene Vos» und Wilhelm FrBbel als Tanz-Duettisten(Pankow kille-e.) Dazu das phänomeiiale große Gpeciaiithtca- Profi-anini. Anfang 7«/, Uhr, Sonntags 6 Uhr, Kassenöfsiiung 1 Stunde vor Anfang, Billet-Vorverlauf vorm, v, II— 1 Uhr. Apolio-Itiester. — SUirmlKchci* Erfolg:— Abends S> Uhr: Forner: Otto Rentier, Yumala Tiero, Paulelte Darly etc. ctc. etc. Kassonoröffnunc; 7 Uhr. Anfang dar Vorstoüung 8 Uhr. Vorverkauf täglich im Tlicator und beim„KUnslIerUank", Unter den Linden 69. Neichshallen. Stettiner Sänger (Mev sei. Pletro, Brition, Sieidl. Kenne, K i e ch in»her. Sriiiieidee und Schräder). Zum Schluß, neu: Gtnckes Pfingstfahrt. Ensemble von Meysel. QM* Tenor Bilckmann ("Wachtel redivivus). Ansang 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr, Tageskasse 11-1 Uhr. Die Plätze zu den nilinerierteil Sitze» sind fteis 8 Tage vorher zu haben! Paiioptieulu Geöffnet von 9 Uhr früh bis 10 Uhr abends. Hippels Stettiner Quartett- u. Humoristen- Ensemble. K CASTANS iPANOPTICÜM Bic aoaNntionclIcn ILM- lebenden'»fe [Photographien! in LebensgrSsse. Die russische Minanit" Damenkapelle sjUliyilUll In moskowltlschen KcstUmon. "Viele ncae itlaNtlschc Gs-nikiten iiikI Eljguruii. Alcazar-Tlieater Vnrlötö I. Kans'es Dresdenerstr. 52-53. Annenstr. 42-43. Allstreteil höh absolilt erstkillssigeit 2i)cciii(if(itei! 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Paul Frey etc. Anfang 8 Uhr, Sonntags 8 Uhr, Borzugskarten an Wochentagen gültig, Victoria-Theater C. Alexanderstr. 40. Fernfp, VII 1711. Direkt,; V. Bausenwein II, C.Emmerlch, Eröffnungsvorstellung am 9, Septemb, Anfang l/z8 Uhr. Zum 1. Mal mit vollständig neuer Ausstattung: Novität! Die weisse Henne. Novität! (La poule blanche). Baiideville in 3 Akten von Hcnncquin und MarS, Deutsch v, Boltcii-Bälkers, Musik v, V, Roger, JnParismttscnsat, Erfolge über 500 mal gegeben, R. Ballsclimieclers „Kasianienv/äldchen" «. Badstr. 16. Gesundbrunnen. Badstr. 16. Täglich: Gr. Promenade»- Konzert. Jede» Donnerstag: Elite-Streich-Kolizert. Soiuitags: Grofter Ball im iiciierbaute» Saal. Empsehle meine Säle zu allen Fest- lichleitcn, R. Ballschmleder. KottbnaerNtx-. 4 a. Täglich außer Sonnabends Hoffmanns Norddeutsche Säuger. Anfang wochentags 8 Uhr, Entree(Vorverkanf) 30 u. 50 Pf, Sonntags 7 Uhr, Entree 50 u. 75 Pf, Donnerstag und Sonntag nach der Soiree: Tnme-Krän�chen PSW«"»" Hüte, S�'1 rme. 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Um das Zitber'piel zu erleichtern und auch dem weniger Geübten daS Anschlagen der Akkorde zu ermöglichen, find die Begleitsaiten in einer Anzahl von Gruppen derartig angeordnet, daß je immer eine Gritppe einen Akkord bildet. Turch diese eigenartige Anordnung der Begleitsaiten wird das Zither- spiel nicht nilr ganz bedeureud vereinfacht, sondern es ist auch daS Greifen unreiner Akkorde vollständig ausgeichloüen. ein Umstand, welcher im hcheu Grade jür die Z'.vechmSßigkeit der Neuerung svricht. chchäuse de? Aitller imitiert Sbenüot,. yschkew polirk, Prachivoll aus» « �..- am»-.,.------ tcn Versandt komplet mit Stimm» kann sofort nach Notenblättern ........... W> Jedermann staunt über den fabelhaft billigen Preis. Täglich zahlreiche Nachbestellungen und Anerkennungen. Man be» stelle dirett ohne Zwischenhändler bei der Lolumbia-Fittser-�abrik fstigk. Süll!'. viUiNkSde 6 i. w. «-.cil-iulr»rr pnncr rmuirn eirnc»:,. qh «rflsHct, 41 Seiten, S Kässr. i AStotS-�tussm. 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Orchesterpianos mietSweise Keibcl- straße 30.(145/16" Für die Familie eines nn- glücklichen BernsSgenossrn erbittet der Vorstand des Vereins Berliner Berichterstatter die Hilfe der Oeffent- lichkcit. Es handelt sich um Or, plril. Max Baumgart, der zuerst als Leyrer, dann mehr als 20 Jahre hindurch als Schriftsteller und Mitarbeiter von Zeitungen thätig gewesen ist und ferner durch populär-wissenschaftliche Vorträge in Vereinen, viele Jahre auch als Wanderrcdncr für den All- gemeinen Deutschen Schulverein ge- wirkt hat, Aull, litterarisch hat er sich durch verschiedene Bücher, die zum Teil mit amtlicher Unterstützung erschienen, nützlich zu machen gesucht. Leider hat der Kampf umS Dasein seine Kraft aufgerieben. Nahrungs- sorgen und Ueberanstrengung erzeugten bei ihm eine hochgradige Nervosität, die schließlich in Geisteskrankheit aus- artete. Am 10, August wurde Dr, Baumgart als unheilbar nach Dalldorf stbcrgefsthrt. Seine Frau mit" zwei unerwachseneii Kindern ist dadurch in die bitterste Notlage gc- raten, zumal sie selbst schwach und kränklich ist. Vielleicht wird auch in diesem Falle die oft erprobte Gut- Herzigkeit der Berliner nicht versagen. Es wird gebeten, freundliche Unter- stützungen an Frau Auguste Baum- gart, Kopischstr, t, zu richten. Berantwortlichcr Redacteur: Robert Schmidt in Berlin. Kür den Inseratenteil verantwortlich: Td. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Mnx Bnding in Berlin.