Unterhaltungsblatt des Hsrwärts Nr. 148. Dienstag, den 1. August. 1899 (Nachdruck vrrbotm.) 82] Es lebe die Mnnlk! Roman von C. Viebig. Heute saß Elisabeth an ihrem Schreibtisch. Ilm sie her war es still. Sie hatte sich abgehetzt; das neue Mädchen wusch heute. Mit aufgestreiften Acrmcln, bis zur Nasenspitze mit Seifenschaum bespritzt, setzte sie die Küche unter Wasser. „Sehen Sie sich vor, sehen Sie sich ja vor, das Wasser läuft sonst durch die Dielen in die untere Etage", hatte Elisabeth geninhnt.„Wir dürfen eigentlich gar nicht in der Küche waschen!"— Der Junge bekam Backzähne und war sehr weinerlich; man konnte ihn keinen Augenblick verlassen, sonst schrie er durchdringend. Mile mußte ihn hin und her tragen, auf ihrem Schoß schaukeln, mit ihm schäkern, sich ducken und Kuckuck spielen. Sie machte ein böses Gesicht, ihr Rücken war steif, das Kinderwarten wurde ihr sauer. „Ich wer's nich mehr lange machen", hatte sie zu Elisabeth gesagt.„So leid mir's thut, Sie in Stich zu lassen, aber ich muß mich zur Ruhe setzen. Sie sitzen den ganzen Tag am Schreibtisch, Sie wissen nich, was das heißt, den schweren Jungen schleppen. Und dann das junge Ding, die Bertha I Von so'ner Jöhre muß sich unsereins noch über den Mund fahren lassen?! Sie sagt, sie wäre die Köchin l" Es war Elisabeth nüt Ccntncrlast aufs Herz gefallen— wenn Mile ging! Wem sollte sie dann das Kind ander- trauen? Mit Blitzesschnelle schössen Schreckensbilder an ihr vorüber--- das Kind schreit— es stellt sich im Bettchen auf— es lehnt sich übers Gitter— es stürzt heraus, kopfüber. Die Magd schäkert auf der Treppe, sie hört nicht; und die Mutter hört auch nicht,— die sitzt am Schreibtisch. Oder an der Straßenecke, wo die Menschen hasten und die Wagen vor- überrasseln. Schienen sich kreuzen, da steht das Mädchen und begafft die Schaufenster; sie achtet nicht auf das Kind, es krabbelt auf dem Trottoir— plumpe Füße sind seinen kleinen Händchen nahe— es wird gestoßen, getreten— Ivo ist die Mutter? Die sitzt am Schreibtisch. Oder das Bübchen ist schon älter, es kriecht auf den Stuhl am Fenster— es guckt hinaus, der Wind spielt niit seinen Haare», und die Sonne vergoldet sein Gesichtchen— da, ein Lärm ans derStraße, Musik, Kindergeschrci! Neugierig legt es sich über die Brüstung— inimer weiter— immer weiter— seine kleinen Beine zappeln in der Luft, es lacht, es jauchzt,——— jetzt ein niarkerschüttcrudcr Schrei!----- Elisabeth fühlte es eiskalt über ihren Rücken rieseln. Sie ging noch einmal hinein zu ihrem Kind und starrte es an, als sähe sie es zum letztenmal; sie strich über das blonde Köpfchen, kniete nieder und preßte den Kleinen an sich— lauge, heftig. Dann ging sie, mit zusammengezogenen Brauen und einem Zug um den Mund, als litte sie korper- liche Schmerzen. Sie saß am Schreibtisch, die Feder in der Hand. Um sie kein Laut, u»d doch in ihrem Ohr fortwährend der durchdringende Schrei einer Kinderstimme. In der Nacht hatte sie wach gelegen, die Hände auf die Brust gedrückt, wie um das unbändige Klopfen des Herzens niederzuhalten. Nebenan in der Wohnung, auf der anderen Seite des Korri- dors, schlug die Uhr drei. Sie hörte es deutlich durch die Wand; ebenso ein behagliches Dehnen im Bett; wie die Bett- statt knackte, jetzt ein Gähnen und Schnarchen. Das war die Stunde vor'm Morgengrauen, in der die Glücklichen schlafen; sie konnte nicht schlafen. Mit brennenden Augen starrte sie ins leere Schwarz. So hatte sie Nächte gelegen. Es wollte sich in ihr etwas losreißen, es rang nach Ge- staltuug, es sonnte sich und zerging wieder und fornite sich von neuem in anderer Gestalt; sie warf sich ohne Rast auf ihrem Lager— hin— her— ihr Kopf glühte, ihre Pulse hänimerten, hinter ihrer Stirn tobte eine Flucht gehetzter Gedanken. Sie stemmte sich auf die Hände und saß halb aufgerichtet, den Mund geöffnet, die Angcn ins Dunkel ge bohrt— es wühlte in ihr und drängte zum Licht, sie fühlte Schmerzen in Leib und Seele, schneidend wie bei der Geburt eines Kindes. Und nun war es da. Ermattet lag sie langgestreckt, ihr Atem ging ruhiger. Nun sah sie— da war kein leeres Schwarz mehr; greifbar deutlich standen Gestalten vor ihr, lächelten sie an, traten dicht an ihr Lager und streichelten sie nnt weichen Händen.„Liebe uns. Du hast uns unter dem Herzen getragen!"— Sie hörte die Stimmen sprechen, klar und deutlich— lange Reden, Fragen, Antworten— hier war Licht, dort Schatten, die Gestalten verteilten sich auf beide Seiten, und sie brauchte nur die Hand auszustrecken, um sie mühelos hin und her zu schieben, wie Figuren auf dem Schachbrett. „Morgen, morgen l" Mit einen: Seufzer der Erleichterung, mit einem ErlösuiigSzug um den Mund war die Müde ein- geschlafen. Nachdem sie längst schlummerte, schloß erst Ebel die Augen. Auch er hatte wach gelegen; er konnte nicht schlafen, wenn sie sich ruhelos warf. Nicht das Rascheln der Kissen, nicht der laute fliegende Atem seiner Frau störten ihn; etwas anderes ließ ihn auf jeden Laut horchen, gleich ihr nüt brennenden Augen in das Dunkel starren. Wo waren sie hin, jene Nächte, in denen sie sich an ihn geschmiegt? Von Liebe hatten sie auch damals nicht gesprochen, aber doch waren die Nächte schön gewesen— sie hatte ihm ihre Gedanken anvertraut. Ihre Ideen erhielten Fleisch und Bein, wenn sie sie vor ihm erstehen ließ; sie hatte oft gesagt, es werde ihr leichter sein zu schaffen, wenn er darum wisse. Nun ließ sie ihn nicht mehr teilnehmen. Seit jenem Herbstabend im Theater war sie wortkarg und verschlossen. Sie brütete stumm, ganz in sich versunken. Er sah wohl, es ging etwas in ihr vor, aber er fragte sie nicht; er scheute sich, mit einem Wort das zu verscheuchen, was vielleicht erst im Aufdämmern begriffen war. So wartete er und wartete— trübe Tage, einsame Nächte. Er litt mit ihr. Elisabeth Reinharz schrieb ein Drama. Sie wußte nicht recht, wer ihr einmal gesagt hatte:„Nur das Theater mächt berühmt l" Sie hatte das nicht vergessen. Und hatten nicht schon Mannhardts sie darauf hingewiesen, hatte sie nicht dramatisches Talent? Sie war dessen sicher. Aber nur heim- lich, heimlich! Keinem Menschen etwas davon verraten! Und dann auf einmal dastehen als die große Frau, den Triumph von Wlodzimira Starzynska noch übertrumphen I Was würde ihr Mann sagen? Sie wußte, er litt jetzt, aber dann würde er sich freuen und stolz auf seine Frau sein, schr stolz! Sie war voll von einem fieberhaften Schaffensdrang. Wenn nur nicht die häuslichen Kümmernisse gewesen wären, diese störenden Kleinigkeiten des alltäglichen Lebens! Man wurde aufgehalten, gehemmt, heruntergerissen von der Höhe; man brauchte dann Stunden, Tage, um mühsam wieder hinaufzuklimmen. Der erste Akt war fertig, und nun arbeitete Elisabeth am zweiten. Es war ihr heute schwer geworden, sich hinein- zufinden— was mochte das Mädchen in der Küche anstellen, und ob das Kind ruhig war? Sie las die Seiten wieder und wieder durch, die sie gestern geschrieben hatte. Das konnte ihr nicht genügen; sie setzte stärkere Lichter auf, und dann gefiel es ihr ganz und gar nicht. Nein, so ging das nicht! Sie verdarb alles, was sie gestern gut gemacht hatte. Unwillkürlich dachte sie an diese Kritik, an jene— welche Fehler sollte sie doch Venneiden? Sie fröstelte, wurde bleich und abgespannt von allem Acndern und wieder Acndern. Aber endlich hatte sie sich gefunden, die störenden Gedanken ver- schwanden, nun konnte sie arbeiten. Auf ihren blassen Wangen zeichnete sich eine heiße Röte ab, die Feder flog über das Papier. So war's Recht! Sie fühlte eine Wollust, das niederzuschreiben, hier alles zusammen- zutragen, was sie gesehen, empfunden und— verachtet hatte. Einmal mußte es heraus, sie erstickte sonst daran. Mit satirischer Schärfe zeichnete sie die Schwächen der Gesellschaft; unerbittlich sahen ihre Augen; grausam wahr stellte sie die Gestalten hin, hart wie das Leben selbst. Die Kunst darf keine Rücksicht kennen! Sie hatte den Kopf kühn erhoben und sah kaum aufS Papier— das konnte sie schaffen, wirklich sie?! Oh, sie war doch etwas l Allen Kleinmut fühlte sie abfallen, sie dünkte sich groß in ihrem Werk. Die Arbeit war wie ein nervenerregendeS Reizmittel, das den Augen neuen Glanz gab, den Wangen warme Röte. Es spornte an— nichts mehr von Müdigkeit— es wischte die Enttäuschungen, die Demütigungen sort, es verlieh Selbstvertrauen und Thatkraft. Sie gab sich ganz ihrer Arbeit hin. Es hatte geklopft; sie hörte nicht. Nun steckte daZ Mädchen den 5kopf herein. Bertha schien etwas verängstigt und trocknete ihre roten Arme unausgesetzt an der nassen Schürze ab. „Der Hanswirt is da," sagte sie und bemühte sich, ein recht harmloses Gesicht zu machen.„Es soll'runterjelaufcn sein bei die Leute unten. Is das ein Nadan! Man sollte wirklich meinen— nee I" Sie setzte eine beleidigte Miene auf. Bleich stürzte Elisabeth in die 5!üche, jäh herausgerissen ans ihrer Gedankenwelt; kaum konnte sie Worte finden; sie entschuldigte sich verwirrt bei dem erzürnten Wirt. Sie that des Guten zu viel; der ungebildete Mensch trumpfte immer mehr auf. Die Mieter unten hätten nach ihm geschickt, der ganze Plafond sei ruiniert, und so weiter.„An einer Stelle trippt es sogar", sagte er;„überhaupt beklagen sie sich, Tag und Nacht dies Kindergeschrci!" Es seien gute Mieter, die würde er nicht ziehen lassen, setzte er hinzu. Ausziehen—? I Wie ein drohendes Gespenst tauchte das vor Elisabeth auf. War es denn noch nicht genug der Unruhe? Immer neue? Wochenlang nicht arbeiten können! Wie zerbrochen saß sie wieder am Schreibtisch. Wie sollte sie jetzt wieder anfangen? Das Gehirn war ihr wie ans- getrocknet; sie las die letzten Zeilen, und die kamen ihr lächerlich, ganz überspannt vor. So redete doch niemand; nein, sie mußten sprechen, wie der grobe Hauswirt, alltäglich, Platt, trivial— nur so sprechen Menschen I Ein Ekel überkam sie; die Feder fallen lassend, stemmte sie die Ellbogen ans, stützte den Kopf in die Hände und sah mit müden Augen vor sich hin. In grenzenloser Ab- spannung mußte sie gähnen. So lange man im Steigen bleibt, immer hinauf den Berg, spürt man die Müdigkeit nicht; aber lvche, wenn man stehen bleibt I Dann sind die Knie steif, die Füße schwer wie Bleiklnmpen, man fühlt die Unmöglichkeit, weiter zu gehen. Elisabeth war ganz verzagt, sie konnte nicht weiter. Drei Stunden hatte sie gearbeitet, das war noch nicht viel; war sie denn so schwach, so un- leistungsfähig? Mit einer gewaltsamen Anstrengung zivang sie sich; sie fühlte, wie ihre Nerven sich anspannten, straff zum Zerreißen, aber es mußte sein— heute noch weiter, jetzt gleich, denn morgen kam wieder eine andere Störung— nur keinen Aufschub l Sie biß die Zähne zu- sammen, ihr Kinn steifte sich, ihr Gesicht wurde streng, wie aus Stein gehauen. Der Kopf schmerzte sie. der Jdecngang wollte sich verlieren in ein Labyrinth; wie Irrlichter huschten allerlei blöde Gedanken hin und her, aber mit eiserner Energie suchte sie immer wieder den rechten Pfad auf. Sie ließ nicht ab; sie schrieb, sie strich durch, sie schrieb und strich wieder durch, und nun— Triumph I— jetzt konnte sie wieder arbeiten! Vesser als vorher. Eine trotzige Freude breitete sich über ihr Gesicht, mit keckem Aulauf nahm sie ein Hindernis, und nun noch eins; und nun flog die Feder dahin mit spielender Leichtigkeit, ein wohldrcssicrtcr Nenner, der jedem Schenkeldruck seines Herrn gehorcht. Sie fühlte keine Müdigkeit und spürte auch keinen Hunger. Flüchtig blickte sie auf die Uhr— nun ja, es war Mittags- zeit, aber was that das? Wilhelm hatte es ihr zwar zur Pflicht gemacht, auszuruhen und genügend zu frühstücken; er kam erst gegen sechs nach Haus, dann aßcu sie. Aber nein, nur keinen Aufenthalt— voran! Man hörte nichts im Zimmer, als das Kritzeln der Feder auf dem Papier, als das Wenden der Seiten. Plötzlich ein Klingeln draußen. Das störte sie nicht, dagegen war Elisabeth taub; es war auch dem neuen Mädchen streng ein- geschärft worden, wenn die Frau arbeitete, wurden keine Ve- suche angenommen, wer es auch sein mochte. Draußen fand eine ziemlich lange, flüsternd geführte Unterredung statt. Nun näherten sich Tritte der Stnbenlhür — nun ein Klopsen— zugleich wurde die Klinke nieder- gedrückt.„Guten Tag I Na, liebe Elisabeth, wie geht es Dir denn? Was macht der Junge?" Das war Frau Julie Kistemacher, die ihre Jüngste bei sich hatte.„Ich störe Dich wohl?" Die Schreibende war hoch aufgefahren, erschreckt stand sie da, wie eine aus dem Hinterhalt Uebersallene; die Feder rollte aufs Papier und machte einen häßlichen Klecks. Elisabeth war bleich, dann bedeckte sich ihre Stirn mit Zornes- röte— hatte sie dem Mädchen nicht verboten, Besuche an- zunehmen? Als ob sie's erriete, sagte Frau Julie:„Dein Mädchen wollte mich erst abiveisen, sie sagte, sie sollte keinen Besuch annehmen. Aber i ch bin doch kein Besuch! Und tvenn man so viel zu thun hat, wie ich. und wenn man einen so weiten Weg hat, wie ich, will man doch nicht gerne an der Thür wieder umkehren. Scheußlich von Euch, daß ihr so weit'rausgezogen seid, bis hier nach Schöneberg! Vor zehn Jahren war hier noch freies Feld— i was sage ich, vor sechsenl Man sieht sich ja gar nicht mehr!" „Ja, es ist sehr weit," sagte Elisabeth zerstreut; ihre Gedanken waren noch ganz bei der Arbeit. (Fortsetzung folgt.) (Nachdruck verdotcn.) LU'bcttpvoVttsite des TZo�ofens. Fast alle aus dem Hochofenbetrieb hervorgehenden Nobenprodukte haben sich nach und nach als so wertvoll erwiesen, daß mau es sich bereits abgewöhnt hat, auf diesem Gebiete der Hütten-Jiidnstrie von „Abfällen" zu sprechen. So sind schon seit längerer Zeit sogar die Schlacken, die mau früher allenfalls zur Befestigung von Landstraßen verwertete, zu Ehren gekommen; in der Bautechnil werden heute sowohl die Schlackciibanstciiie und-Pflastersteine, wie die als Isolier« Material dienende Schlackenwolle gar sehr geschätzt. Es ist nicht selten, daß ein Nebenprodukt eincS Fabrikation�« bctriebcs sich als so kostbar erweist, daß in Rücksicht auf dessen reich- liche Gewinnung der ganze Betrieb von Grund auf umgestaltet wird. Aber die Thntsnche, daß ein nicht gerade sehr ivcrtvollcs Produkt eine der wichtigsten Industrien eines Landes vollständig umzuwälzen vermag, ist jedenfalls merkwürdig genug, nm sich eingehender mit ihr z» beschäftigen. In Schottland wird die Kohle in den Eisenhütten so Der- wendet, wie sie aus dem Bergwerk kommt, also in rohein, un» verkoktem Zustande. Dies geschieht jedoch nicht etwa, Weil die schottischen Eis enhü ttenbesitz er eine besondere Borliebe für Kohlen haben, sondern Weil sie mit dem Material vorlieb nehmen müssen. das ihnen zur Verfügung steht. Sie wiflen sehr gut. daß Coaks für den Hüttenprozeß ein besseres Fenerungsmatcrial bildet. Kohlen, die sich zur Coalsbereitnng eignen, sind in Schottland verhältnismäßig selten, und Coaks ans anderen DijtriUcn herbeizuschaffen, wäre viel zu kostspielig. Nun sind aber sowohl Lanarkshire als auch Ayrshire, die beiden Kohlcngrafschaftcii Schottlands, sehr reich an Schieferkohle, welche zwar zur Verkokung geeignet ist, sich jedoch im Hochofen sehr gut nnverkolt bcrwciidcn läßt. Allerdings braucht man ungefähr 3(i Ctr. Kohlen an Stelle einer Tonne Coaks; aber dafür gewinnt man sehr schätzbare Nebenprodukte. Die Methode der Nohciienbcrcitnng im Hochofen ist bekannt. Der Hochofen selbst bildet eine runde, kegelförmige Esse von SO bis 1 Fuß Hohe bei 20—30 Fuß Durchniesscr. Der Betrieb ist kanti« »nierlich; es lvird das Erz nebst Zuschlag und Heizmaterial in gewissen Zeitabstanden aufgegeben und unten die Schlacke und das flüssige Metall abgelassen. Da oben demgemäß das Material stets aufs»nie nachgefüllt wird, ist nur ein geringer Luftzug vorhanden, so daß zur gleichmäßigen llnterhaltimg der Bcrbreiiiinng die Luft durch Ge- blase hineingepreßt lverdcn muß. Dies geschieht durch eine Reihe von Ocffmingeil im Sockel des Ofens, und zwar Wird in neueren Betrieben die Luft immer erst stark erhitzt, ehe sie in den Feuer- räum tritt. Infolge Berührung der Luft mit dem heißen Breiinmatcrial schreitet die Berbremning schnell vorwärts. Es wird eine sehr hohe Temperatur erzeugt, und die heißen Verbrennmigsprodiikte steigen in die Höhe, indem sie ihre Hitze der katten, herabsinkenden Beschickung mitteilen. Dabei kühlen sie sich selbst ab, so daß sie bei einer verhältnismäßig niederen Temperatur den Oscn verlassen. Die Gase sind brennbar, auch wenn Coaks Verwendung findet, weil bei der hohe» Temperatur und dein starken Ueberschnß an Brenn- Material der Kohlenstoff nur die Hälfte dcS Sauerstoffes auf- nehmen kann, um sich mit ihm zu verbinden. Er wird also mir halb verbrannt, d. h. statt des uirverbrennlichen Kohlen-Dioxyds entsteht das brennbare Lkohleii-Monoxtzd. Bildet aber Kohle den Brennstoff, so treten zu dem entweichenden Gase noch andere brenn- bare Produkte hinzu. Die heißen aufsteigenden Gase kämmen im oberen Teil des Ofens»üt der Kahle in Berührung und destillieren ans dieser alle flüchtigen Substanzen— Gas und Teer— die sich mit de» Rauchgase» vennische» und aus der Ofeuniündung emporsteigen. Da diese flüchtigen Stoffe oft fast die Hälfte des Gcioichtes der Kohle anS- mache», werden die Gase durch sie bedenkend„angereichert". Der feste Rückstand oder Coaks senkt sich mit der Beschickung hinab, bis au die Stelle, wo die Wirkung des Gebläse? eintritt, um hier ver- bräunt zu werden. Da dieser Brennstoff aber nur 60—30 Prozent der Kohle bildet, wird man begreifen, warum so viel mehr Feuerung gebraucht wird, wenn Kohle statt CoalS Anlvendung findet. Oül Früher ließ man in Schottland die Gase in die Luft cnt- weichen und in der oberen Mündung dcS Ofens mit fahlem Glanz verbrennen, welcher meilenweit umher das Land erhellte. Jeder Hochofen war ein glühender weithin sichtbarer Leuchtnnn. Obwohl man also den Wert der Gase für Heiz- und Leuchtzwecke lange genug erkannt hatte, und schon 1845 der erste Versuch zu ihrer Ver- Wertung gemacht ivar, dachte man gar nicht daran, ihn zlveckmäßig zu verwerten. Erzt in den letzten zehn Jahren verschwanden aus Schottland die letzten offenen Hochöfen, in einigen englischen Distrillen sind sie jedoch noch heute zu finden. Jetzt wird die Mündung durch eine Klappe bcrschloffen, die zur Beschickung des Ofens zurückgeschlagen werden kann. Unterhalb der-! selbe» wird das Gas in einen Rohrstrang geleitet, um durch Zweig-; röhre zu den Kesseln und Heizöfen zu gelange». In den meisten s bleibe». Dieser würbe sehr lange Zeit brauchen, um sich niederzuschlagen, und so werden die Teilchen durch» den fortschreitenden Strom vorwärts in den Wasserkühler oder Kondensator getragen, welcher in der Nähe steht. Der Wasscrkondensator ist-ine große eiserne Kammer von 45 Fuß Höhe, 45 Fuß Länge und 18 Fuß Breite, die in sechs abivcchsclnd oben und unten verbundene Abteilungen geteilt ist. Das Gas muß alle'diese Abteilungen durchlaufen. Diese sind durch- qncrt von 2700 eisernen S�/ezölligcir Röhren, durch welche fort- während Wässer cirkuliert. Das Ergebnis ist, daß die Gase bis auf ungefähr 60 Grad Fahrenheit, d. h.'anf die gelvöhnliche Temperattcr der Luft, abgekühlt iverden. Der Niederschlag von Teer und Wasser ist jedoch wieder ein sehr unbedeutender. Der Hauptzweck war somit, die Gase noch weiter abzukühlen. Dann gehen die Gase durch den„Scriibbcr', in welchem sie schottischen Eisenhütten ivird aller zum Maschinenbetrieb erforderliche! zun, lctztenmale gereinigt werden. Dies ist ein riesiger, 80 Fuß Dampf und die zur Erwärmung der Luft erforderliche Glut durch 8 hoher und 25 Fuß im Quadrat messender Turm, der von einer die Verbrennung dieses sogenannten Abzuggases gewonnen. i großen Menge durchbohrter Bretter durchquert wird. Das auf- Wenn die Kohle in Retorten, wie bei Vereittinq des Kohlen- s st°wnde Gas wird von einem herabfallenden Wasscrschancr X°- gascS, destilliert wird, so werden außer dem Gase noch manche andere! �tlcn der von oben m Form euics feinen Regens herabfall. Produkte frei, so werden Teer und Ammoniak stets aufgefangen � DaS Wasser Irnich auf d,e>e Weile m engste Berührung nnt und nutzbar gemacht. Wird die Kohle oben im Hochofen destilliert,> �em Gaie gebracht, und die teerigen Bestandteile sowie das so müssen dieselben Produkt- erzeugt werden. Einen augenfälligen, A'nnwmak werden herausgewaschen. Ivnhrend daS Gas Wetter zieht. Beweis hierfür liefert die große Menge von Teer, die sich in den Hauptröhren absetzte, doch war noch kein Versuch gemacht worden, dieses Produkt wiedcrzngctvinnen. Man glaubte, die Kosten wären zu groß, der Geivinn deshalb sehr zweifelhaft, und so ließen die Hüttenbesitzer jahraus, jahrein die Nebenprodukte nutzlos entweichen, Da die verschiedenen Waschapparate usw. einen beträchtlichen Widerstand bieten, nnd so den Abfluß des Gases erschweren, niuß eine Art Saugapparat angewendet werden, um es durchzuziehen und mit dem erforderlichcii Druck den Kesseln oder Oefen, Ivo es verbrannt werden soll, zuzuführen. Viele Jiigenieure dachten, das bis schließlich im Jahre 1880 die erste Anlage zur Gewinnung der Waschen werde die Heizkraft des Gases so herabsetzen, daß es für Nebenprodukte errichtet wurde. Es war eine Versuchsanstalt.! d'eZwecke. denen eSd.e.wn soll, nicht mehr verwendbar Ware. Doch in welcher festgesteltt iverden sollte, ob die Darstellung dieser Pro-' 5n* e|L' i ergeben, daß dies nicht der Fall ist. Die Entfemung dukte im großen Maßstabe praktisch und lohnend wäre. Die Firma' Teeres muß natürlich die Heizkraft etwas hcralgetzen, doch Baird u. Co. rief das Unteruchnien ins Leben, und zwar, im Anschluß' wird dadurch noch nicht seine Verlvcndbarkeit beeinträchtigt. an die Werke zu Gartsherrie. Es waren hier sechzehn Hochöfen in' gewonnene Menge rohen leeres betragt ungefähr Betrieb, die in zivei Reihen zu beiden Seiten des Wertes angeordnet!'5L.e ü"", berbrannter Kohle oder täglich waren. Die Neluperatiollsaiilage ivar zunächst für die eine Reihe• 2+80 Gallonen siro Ofen. Dieser rohe oder grüne Teer enthalt zu acht Oefen eingerichtet.; eine große Quantität Wasser. Zur Entfernung desselben wird die Wie stets bei großen Fortschritten in der Jiidustrie, so hatte' Flüssigkeit in Kessel gepmiipt und gelinde erhitzt. Der Teer ist WWWDW undWWW�WWWWWWWWMW man auch hier mit vielen' großen Schwicrigtciten zu känchfen.."der sehr verschieden bon dem bei der Kohlengas-Fabrikation ge- Vorznglick mußte man hier mit einer ricsigm Gasmenge recluien.? woiiiiciicii Pcodiitt. Denn die 3"! amiiiensetzung des Teeres hangt In den Gasanstalten liefert eine Tonne Kohlen ctiva 10 000 K.ibik-'""" W ab l.e. weiwer die Kable destilliert w.rd. Be. fuß Kvhlengas; im Hochofen jedoch kommt hierzu noch das bei weitem größere Volumen der Bcrbrennnngsprodukte, welches sich aus ungefähr t 10 000 Kubikfnß pro Tonne verbrannter Kohlen stellt. Die zu bcivältigcnde GaSmenge beträgt somit etwa 120000 Kubil- fuß für die Tvuue Kohlen. von der Teinperatnr ab, bei welcher die Kohle destilliert wird. Bei der Gasfabrikation ivird die Kohle in heiße Retorten geschaufelt, so daß die Destillation bei sehr hoher Temperatur erfolgt, ivähreud im Hochofen das Destillieren bei verhältnißmäßig niedriger Teinperatnr, fast an der Riüiidiiiig des Ofens durch die aus- steigenden heißen Gase bewirkt wird. Der Hochofen- Teer enthält daher keine Substanzen. welckie die Grimdstoffe zur Jeder Ofcu produziert innerhalb 24 Stunden ca. 40 Tonnen i da» catjcr leine>s»ll ganzen, n eiaie oie i-ornnogoge zur Roheisen und verbraucht für jede derselben etiva 32 Centner' Fabulation der verschiedenen Kohlenteer« Farben bilden, und die Kohlen, das sind im ganze.. 1280 Centner oder K4 Tonncii. t dem gewöhnlichen Sie, nlohlentecr erst ihren hohen Wert verleihen. ganzen Die Gasmenge jedes Ofens würde daher täglich 04x120 000— 7 080 000 Kubikfuß, für acht Ocfcn soniit 01 440 000 Knbik- fuß bcttagen. Von diesem ungeheuren Volumen vermag man sich nur einen Begriff zu machen, wenn man es mit der KohlengaSmenge vergleicht, die zur Versorgung einer großen Stadt nötig ist. Die verschiedenen Gasanstalten in Glasgoiv, ivclche die Stadt nebst lim-' gebung mit einer Bevölkeiimg von etiva 1000 000 Einwohnern ver-! sorgen, erzeugen 12 400 000 Kubikfnß Gas pro Tag: das ist also' geringer als die Leistung zweier Hochöscn der Gartsherrie-Eisculverke.' In dieser riesigen Gasmenge befand sich also die geringe Menge Teer und Aiumoniak verteilt, etwa ebenso viel, ivie nian gas erzeugen kann. Die mit der Ausfühning der Anlagen betrauten Jngenienre Alexander und M'Cosh kamen zu dem Schluß, daß fes au! zweck- mäßigsten sei, ein Verfahren aiizuivenden, das sich bereits bei Gas- mistalten bewährt hatte— nämlich, das Gas gründlich abzukühlen inid dann mittels Wassers den Teer und das Ammoniak heraus- znwaschen. Nur»nißte zur Abkühlung und Kondensiernng einer so miae- hcnreir Gasmenge auch eine Bctriebsanlage von ungeheurer Größe geschaffen iverden. Die Gase gingen anS dem Ofen bei einer Teinperatnr von etwa 000 Grad Fahrenheit in ein großes Gasrohr, durch welches sie nach der Kühlanlage geleitet wurden. Da dicS Rohr von be- trächtlicher Länge ivar, wirkte es bis zu cincni geivissen Grade ab- kühlend, so daß die Gase mit einer Temperatur von ungefähr 400 Grad Fahrenheit in den Luft-Kondcnsator ciiittaten. Der Luft-Kolidensator besteht a»S 200 eisernen Röhren von je zwei Fuß sechs Zoll Durchmesser nnd vierzig Fuß Länge. Sie sind senkrecht aufgestellt in Abteilungcu von je zehn Stück angeordnet und abivechselnd oben nnd»ntcn vcrbnndcil, sodaß jedes GlaSteilchcu zwanzig Röhren mit einer Länge von insgesamt 800 Fuß zu durch- laufen hat. Diese Röhre» sind frei der Lust ausgesetzt«nd bieten dahcrcineschransgcdehnte Kühlfläche. BeiheißeinWettcr werden sie mit Wasser besprengt. So werden die Gase schnell gekühlt und verlassen den Kondensator bei einer Temperatur von ungefähr 120 Grad Fahrenheit. Sie werden also bis iveit nnter den Siedepunkt des Wassers abgekühlt, und man sollte meinen, daß der Teer und daS Wasser sich kondensieren und ausscheiden würden. Dennoch ist der in diesen Röhren gewonnene Niederschlag ein sehr geringer. Ziveifel- los kondensiert sich das Wasser und der Teer, doch sind sie so fein verteilt, daß sie in den Gasen in Gestalt eines Netzels suspeiidiert Die Fabrikanten Ivnßteii daher zuerst kaum, was sie mit dem gc- wonnenen Hochofentecr ansangen sollten. Aber es dauerte gar»ich: lange, bis man dieses Nebenprodukt verwerten lernte. Jetzt ivird es' in geschloffenen Retorten bis zu einer Temperatur erhitzt, die eine Anflösung dcS Teeres zu Oclen bewirken. Diese sammeln sich über dem in den Stctortcn znrück- bleibenden Pech, Die Oele können als Brennmaterial verwendet oder auch in Lampen des„Liicigen-SystemS" verbrannt iverden; in diesen wird das ....... � � Ocl»littcks Luft oder Dampf zerstäubt. Zum Brennen in gewöhnlichen , die wieder zu gewinnen ivar: sie betrnq i �"��"�VcnistdasOel allcrdingSzn schwer. Lei geeigneter Behandlung sie bei etiva 5 000 000 Kubikfuß Kohlen-■ können aber auch anSgezcich.,ete Des.nfckt>onsm,t el daraus gewonnen . � t iverden. DaS Pech ivird von dem Oel gettennt und stndet bei ocr Brikett-Fabrikation Verivcndnng. Das kondensierte Wasser enthält daS Ammoniak. Die Flüssigkeit wird verdampft, der Dampf zieht durch Schwefelsäure, und hierdurch Ivird daS Ammoniak in schivesclstiurcs Ammoniak verwandelt, welches im Handel von großem Werte ist. Die gewonnene Menge betrüg! etiva 23 Pfund aüf jede verbrannte Tonne Kohlen; ans jedem Ofer wird täglich bedeutend mehr als eine halbe Tonne gewonnen.— __ Fred H o o d. Kleines Fenillekom ar. Dke Giftigkeit dcS SancratlipserS, von der nenkich im Anschluß an einen loilkrcte» Fall die Rede war, wird von dem Phnrmakologen nnd Toxikologe» Professor Dr. L. Lcwin entschieden angezweifelt. Er schreibt in der„D. Med. Wochenschr.": Die Bc- hanptuilg, daß der Sancrnnipser im Stande sei, einen Komplex primärer und sekundärer Symptome zu erzeugen, muß so lange von der Hand gewiesen iverden, als nicht daS Ticrexperimcnt mit den verschiedenen Teilen der Pflanze positive Ergebnisse in dieser Be- ziehnng liefert. Einstlvcilen ziveifle ich sehr aii dem Erfolge. Wären die Rnmexarte» als giftig im toxikologischen Sinuc anzusprechen,— nnd alle enthalten Kaliumoxalat nnd alle werden in derselbe» Weise in der Welt roh und als Gemüse gegcffen— so würden wohl mehr und gewichtigere Berichte über Vergiftungen vorliegen, als die jetzt vorhandene», die nicht geeignet sind, dieses Nahrungsmittel in Verruf zn bringen.— Archäologisches. — Eine Erforschung der a l t z a p o t e k i s ch e n Gräber b o u T o x o in der Nähe von Oaxaca sSüdmexik») ist nach eineai Bericht des„Globus" von Saville vorgenommen worden, welcher 1805 im Sluftrafje des amerikmiischen Nnturgcschichüichcn Museums in de» dortigen d� h. Grabhiigclu, ÄttSgrabnugeir vernnstaltete, die zu reichen Ergebnissen führteir Innerhalb der Grabhügel fand Saville Steinkammern, deren stets»ach Westen gelegene Eingänge durch mächtige davor gewalzte Steine geschlossen waren. Innerhalb der Kannnern standen schöne, in Figurcusoriucn gearbeitete Begräbnisnrnen zu je fünf und fünf ausgestellt, doch waren auch solche Urnen vor und neben den Grabkannncrn angebracht. In diesen wurden mir die Gebeine der Toten niedergelegt: es waren richtige Ossuarien; anderiveitige Gräber tvnrdcn auch bei ch'oxo gefunden. Auffallend ivar der Mangel an Steingeräten; nicht minder auffallend, das; die bei- gesetzten Knochen rot gefärbt waren; auch wurde die Beisetzung einzelner abgehauener Köpfe nachgewiesen. Während Nahrungsmittel und Räucherware in den Kammer» vorlomme», fehlen persönliche Schmucksachen, Von Belang ist es auch, day Saville das„Plombieren" und Feiten derZähne an denbestattetenSchädelnuachzuiveisenverinochte; als „Plombe" wurde Hämatit(Eisenstein) benutzt. Dieser alte zahn- technische Gebrauch findet sich von der Pucbloregion in Arizona bis zun, südlichen Mittelamerika. Von Belang ist ferner eine lange Röhrenleitung, die wie unsere ineinandergcstcckteu Drainröhren aussieht, welche Saville in einem der Grabhügel von.Poxo aus- grub. Sie führt mitten in denselben hinein, hat als Wasserleitung keinen Sinn, ist aber vielleicht als Ausflucht für die Seeleu der Beigesetzten zu deuten. Die Grabkammern sind mit Wand- bemalung und Hieroglyphen bedeckt. Die Urnen und Terracotta- fignren, welche Saville abbildet, gebe» uns einen Begriff von dein hohen Grade der Kunst, welchen die Keramik bei den Zapotcken erlangt hatte.— Geographisches. t. Eine gründliche Erforschung der arktischen M e e r e s st r ö>u u n g e n gedenkt die Geographische Gesellschaft von Philadelphia mit Unterstützung der Regierung der Vereinigten Staaten einzuleiten. ES handelt sich vor allem um den Nachweis einer den Pol umkreisenden Strömung, deren Feststellung auch ein praktisches Interesse besitzen würde. Es sollen 50 kleine Tonnen von be- soliderer Form, die in San Francisco hergestellt ivurden, an verschiedenen Stellen des nördlichen Eismeeres ins Wasser ge- warfen werden. Die Uuternchmnng soll diejenigen Verhältnisse auf- klären, die auch durch die Nmisensche Expedition noch nicht bekannt geworden sind. Trümmer, die man gelegentlich im Arktischen Ocean gefunden hat, führen zu der Annahme, das; von der Nordseite des Atlantischen Occans nach dem Pacifischcn Ocean hin eine freie Durch- fahrt wenigstens gelegentlich besteht. Zu wissen, ob dein so ist oder nicht, daran haben die Walfänger und die in der pacifische» Gegend des Eismeeres kreuzenden Schiffe ein groffes Interesse, da ihre Sicherheit im hohen Maffe davon abhängt. Im vorigen Jahre ivar die Flotte von Walfängern in jenem Teile des Eismeeres, nachdem das Meer bis dahin noch ganz offen gewesen ivar, im Laufe von wenigen Stunden derart mit Eis blockiert, das; sie sich nur»och mit Mühe zu retten vermochte. Wenn die Strömuiigeii, die das Eis in so kurzer Zeit heranführen, bekannt wäre», so ivürde seine Ankunft und damit eine etivaige Katastrophe mit Sicherheit voraus- zusagen sein. Es sind schon verschiedene Mittel vorgeschlagen ivorden, um die wahre Richtung der arktischen Strömungen zu bestimmen, aber man hat sie als unausführbar oder nicht geeignet zurück- geiviesen. lieber die Einzelheiten des nun bestehenden Planes ilärt uns ein von Paul Serre in San Francisco an die Pariser Geographische Gesellschaft gerichtetes Schreiben ans. Die Schlvimmer haben eine Länge von 36 Zoll und einen inneren Durchmesser von 12 Zoll, sie bestehen aus eichenen Daube» von etwa V« Zoll Dicke, die beiden Enden lanien in kegelförmige Spitzen aus. Diese Tönnchen sind mit starken Eiscnbändcni beschlagen, die jedenfalls für mehrere Jahre eine Zerstörung durch das Meerivasser zu verhindern im stände sind. An einer Stelle befindet sich eine Oeffnung, die durch eincii Kupferpfropfcn luftdicht verschlossen tverden kann. Jeder Schlvimmer wird eine Nummer erhalten und in seinem Innen, eine versiegelte Flasche milführcn, in die der Kapitän des betreffenden Schiffes ein Papier mit der Angabe des Datums, an dem der Schwimmer ins Meer geworfen wurde, der genauen Länge und Breite des Ortes, des Namens von Schiff und Kapitän usw. hineinzulegen hat. Auffcrdem ist eine genaue Abschrift des in die Flasche gelegten Dokumentes an die hydrographische Ab- teilung der Geographischen Gesellschaft in Philadelphia zu senden. An die Kapitäne sämtlicher Schiffe, die im nördlichen Eismeer kreuzen, wird das Ersuchen gerichtet werden, nach diesen Schwimmern auszuschauen, die gefundenen zu öffnen, eine Abschrift von dem darin enthaltenen Schriftstücke zu nehmen, das Ganze, nachdem die Oeffnung wieder sorgfältig verschlossen wurde, in das Wasser zurück- zuwerfen, und dann an die genannte Geographische Gesellschaft einen Bericht einzusenden, der den genauen Fundort, persönliche Beob- achtuugen usw. enthält.— Gesundheitspflege. — Haarpflege. Langes Haar, wie Frauen und Mädchen eS haben, sollte nie deS Abends gewaschen werden. Das Haar braucht Sonnenschein zum Trocknen. Des Abends gewaschen, ist es gewöhnlich am nächsten Morgen noch feucht; durch das lange Feucht- sein zieht man sich Kopfschmerzen, Erkältungen und Krankheiten zu, das Haar bekommt einen unangenehmen Geruch und schlechte Farbe. Das Haar wird seidenweich und sonnigglänzend, wenn man es gleich nach dein Waschen in der Sonne trocknet. An, schönsten wird es durch das Waschen mit einem Ei. Haben sich Schuppen oder Krusten gebildet, so reibt man schon an. Abend vorher die Kopfhaut mit Vaselin ein. Ist man zum Waschen bereit, so schlägt man das Eiweiß zu Schnee, dann das Gelb darunter und reibt die Kopfhaut damit ein. Hierauf tverden Kopf und Haar in reinem Wasser gewaschen und mehrere Male nachgespült, bis das Wasser völlig rein und ungetrübt bleibt. Nun setzt man sich in den Sonnenschein, der durch das Zimmer« feilster doppeltivarm auf das Haar scheint, und reibt Kopfhaut und Haar so trocken wie möglich, hält aber das Gesicht in. Schatten. Darauf bürstet und kämmt man das Haar(natürlich müssen auch Kanin, und Bürste vorher gewaschen und getrocknet werden), bis es ganz trocken und glatt ist. Diese Behandlung verhütet frühes Er« grauen und ist für den ganzen Körper gesund.— („Prakt. Wegw.", Würzburg.) Humoristisches. — D i e schivarzen Striche. Serenissimus(studiert die Generalstabskarte seines Ländchens):„Adjutant, sagen Sie doch, ähä, hm! ivas bedeutet eigentlich diese schwarze Linie?" Adjutant:„Das ist der Bach, Hoheit, der hinter der Mühle vorbeisließt." Serenissimus:„Der Bach, ähä, sehr gut, ausgezeichnet, besinne mich auf den Bach, erkenne ihn jetzt ganz deutlich wieder; da ist ja wieder so eine Linie, was mag das wohl sein?" A j u t a» t:„Das ist der Fußweg nach der Försterei." Serenissimus:„Fußweg, hm I sehr gut getroffen, vor- züglich: hier ist aber uoch'ein schwarzer ganz gerader Strich--?* Adjutant:„Hoheit, das ist der Meridian." Serenissimus:„Meridian,— kann mich nicht besinnen; wenn wir wieder dort vorbeikommen, Adjutant, vergessen Sie nicht, ähä, zeigen Sie mir den Meridian I"— — Der S ch n sterl eh rli n g. M e i st e r i n:„Was, mein Mann liegt noch immer in, Bette?" Lehrling:„Jaivoll, Mccstern, ick jloobc, Sic müssen ihn erst wieder mal mit'« Feuerhaken w a ch k ü s s e n I"— — Verfänglich. Neugebackener Adliger(seinem Personal die Ahnengalerie zeigend):„Sehen Sie, meine Herren, hier ist mein Urgroßvater, da mein Großvater, mein Vater und hier (auf den leeren Platz weisend) hier werde ich einmal h ä n g e n I"— („Lust. Vl.") Notizen. c. Die Pariser Nation albibliothek hat eine außerordentlich wertvolle Eriverbung auf den, Gebiete der japanischen Litterat ur gemacht. Von de», bekannten Sammler Theodore Durct, der mit Burty. Ceruuschi und Gonse die ersten bekannteren Kabinetts für japanische Knust in Frankreich ein- gerichtet hat, hat Banhot, der 5lo»servator des Kupferstich- kabinetts, eine Bibliothek von 1350 Bänden ertvorben, die in ganz ausgezeichneten Abzügen alle Typen japanischer Drucke enthält.— — Auf der Pariser W e l t a n s st e l l u n g wird das g o I d e n e B u ch d e r B u ch d r» ck e r t u n st zu sehe» sein. Alle Erfindungen und Neuerungen auf dem Gebiete der Buchdruckerkunst wird es in Wort und Bild enthalten. Erste sranzösische Maler und Graveure haben die Titelvignelte» und Abbildungen entworfen. Der Einband besteht ans getriebenen Kupfer mit silbernen Charnicren.— — In den Räumen der P h o t o g r a p h i s ch c n Gesell« sch a ft(Stechbahn Nr. 1) ist heute ein Originalgeinälde des Malers Vurnc-Joues:„Loblied der Lieb e", ausgestellt. Die Besichtigung ist unentgeltlich.— — Bei dem engeren Wettbewerb zur A n s s ch n, ü ck u n g des R a t h a„ s s a a l e s i i, Altona erhielt Ludwig Dett- n, a n u den A u f t rag zur Ausführung der Gemälde. Außer ihm waren Arthur Kampf, O t t o M n r c u s, B c ck c r, Klein- Chevalier und Hans O l d e n in Frage gekommen.— — Die Operette„D i e L a n d st r e i ch e r" von L. K r c n n und C. Lindau, Musik von C. M. Zi ehrer, errang bei ihrer erste» Ausführung in Wien eine» starken Erfolg.— — Ilm Ameise i, von Rosentöpfe n zu vertreiben, kann man ein mit Steinlohlentheer bestrichenes Stückchen Holz antveiidcn, vor dessen Geruch, Ivie der„Praktische Wegweiser", Würzburg, schreibt, die Ameisen fliehen.— —„Wie ich mein Kind erziehe." In der„Quatsch- Sieben" oberförstert Eine über ihr sechsjähriges Töchtcrchcn, das Deutsch und Französisch perfekt schreibe und lese und nußer diesen Sprachen auch noch Englisch perfekt spreche. Als Erziehnngsresultat wird folgender Ausspruch des kleinen Mädchens angeführt:„Aber das steht ja nur in, Buch. Und was in den Büchern steht, davon ist ja nicht die Hälfte wahr. Wenn ich zwanzig Jahre alt bin, werde ich ein Buch schreiben von einen, sehr unartigen Jungen Eduard— und—" Berantivortlicher Rcdaueur: August Jacobey u, Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.