Anterhaltungsblait des Dorwärts Nr. 158. Dienstag, den 15. August. 1899 tNacbdruä serbctut.1 Es lobe die Vunfi! Nomon von C. V i e b i g. O dieses Lachen> Auf der Bühne sprachen sie der- wirrt— wer konnte da ruhig bleiben? Tausend Teufel des Spottes huschten durchs Hans, grinsten hinter jeder Falte. ans jedem Winkel.--„Ssss---"— Ebels Herz setzte den Schlag aus; was war das für ein Ton?! «Ssss---. Ssssss——— erst schüchtern. versuchsweise, dann anschwellend, keck—„Ssss--- Um Gotteswillen, sie zischten! Die beiden jungen Leute unten schlugen die Hände zu- fammen und schienen sehr anrüsiert: Ebel sah jeden Zug ihrer lachenden Gesichter. Sah Elisabeth sie nicht? Mit großen Augen starrte sie drein, ohne mit einer Winrpcr zu zucken. Wieder legte er den Arm um sie. sie saß kerzen- gerade. „Ssss---" Die beiden da'unten klatschten und zischten zu gleicher Zeit; andere fanden sich dazu. Ein schüch- terner Beifall wagte sich auch hervor. Das waren die Freunde der Autorin!-- Nieder mit der Parteilichkeit l Immer lauter tönte es:„Ssss--„Ssss---* „Laß uns gehen, gehl" flüsterte Ebel.„Elisabeth, geh!" Er drängte sie zur Logenthür. „Nein!" Das war das erste, was sie sagte; sie versilchte zu lächeln, nnt todestraurigen und doch entschlossenen Augen sah sie ihn an.„Ich will nicht feige sein!" Sie setzte sich wieder hin. Er rückte nah zu ihr, ihr schwarzseidenes Kleid hing ihm übers Knie, die Rosen dufteten ihn an— rote Rosen! Ein unsäglicher Jammer kam über ihn, er bückte sich und küßte verstohlen ihre Hand. Niemand sah's, sie waren ja so altein, ganz einsam auf der weiten Welt. Und nun würde die Marter von neuem beginnen, nein, eist noch eine andere: Goedcke erschien in der letzten Pause. Wo hatte er beim den ganzen Abend gesteckt? Ebel hatte ihn nirgendwo entdecken können. Brüsk trat er ein.„Fatale Jeschichtc das! Sehen Sie"— er beachtete den Mann gar nicht und tvandte sich nur an Elisabeth—„habe ich's Ihnen nicht jlcich jesagt: äudcrir Siel? Aber natürlich. Autorenstolz! Ich sage Ihnen"— er trat nahe an Elisabeth heran, sein ganzes dickes Gesicht glühte wie eine Päonie, er sah aus, als wollte er platzen—„ich wasche meine Hände in Unschuld? Sie haben nicht auf mich jehört!" Ebel trat dazwischen.„Meine Frau ist wirklich jetzt nicht in der Stiuimnug, sich zir unterhalten. Nehmeir Sie gütigst Rücksicht auf ihre begreifliche Aufregung." „Wohl der Herr Jemahl—?" Goedeke machte ein im- pertinentes Gesicht.„Rücksicht? l Wer nimmt denn auf mich Rücksicht? I" Er wischte sich den Schweiß ab.„Bin in allen Ecke»'rmnjekrochcn, mochte mich jarnicht sehen lassen. habe Angstschweiß jcschwitzt. Schreit mich der Schwertfcjcr an. schreit mich der Wadler an—!" Er redete sich in Wut.„Ich danke, ich desavouiere Sic!!" „Bitte!" Ebel stieg das Blut zu Kopf.„Wenn Sie die Güte haben wollten, in den nächsten Tagen—" er öffnete die Logcnthür und machte eine auffordernde Handbewegung. Goedeke schien ihn nicht zu hören.„Hätte ich das jelvnßt, solche Blamage! Ich will damit nichts zu--" das Wort blieb ihm im Halse stecken, er fühlte sich mit unwiderstehlicher Gelvalt nach der Logenthür geschoben. „Herr-- 1" ,. Bitte sehr I" Schon war er draußen. Ebel drehte den Schlüssel von innen um. Und nun der letzte Akt. Alle Kraft hatte die Autorin hier angesammelt, für einen Augenblick horchte das Publikum auf. Da kam der Schluß, ein jämmerlicher Schluß, dem Ganzen aufgepaßt wie ein unpassender Flicken. Der Beifall, der sich allzukühn vor- gewagt, verstummte, crwurdcuiedergezischt.niedergcstauipft. Rein. so was Jämmerliches, hahaha, das dem Publikum zir bieten, da ivar man doch anderes gewohnt! Unter vollem Zische» fiel der Vorhang. AnS.— Ein Strom schwatzender Menschen ergoß sich ln die Foyers, in die Garderoben, aus die Straße; man war aufgeregt. Nach der glühenden Hitze drinnen auch kein Luft- zug draußen. „So was Talentloses! Dafür sperrt man sich nun fast drei Stunden ein? I" „Schade um das ausgezeichnete Spiel!" „So ein Durchfall!" „Na. bei der Hitze l Durchfall an der Tagesordnung. Wir leben jetzt eben in der sauren Gurlenzcit l" Das war ein besonders Witziger. „Unerhört, einem so was zuzumuten!" Man schalt sehr viel. Die beiden jungen Leute, die in der Nähe der Orchesterloge gesessen hatten, wollten sich aus- schütten vor Lachen, sie kamen ivenigstenS aus ihre Kosten; nebenbei hatten sie FreibilletS gehabt. „Ohne jedes Lokalkolorit l" sagte ein Kritiker.„Eine Blume ohne Duft!" Am liebsten hätte er sich diese feine Be- merkung gleich notiert. „Und der Schluß?!"— Darüber war man sich einig, der paßte wie die Faust anfs Auge. „Ich kann mir nicht denken, daß daS der ursprüngliche Schluß gewesen ist," jagte Dr. Veilchenfeld. Er war nicht umsonst der gefürchtcte Kritiker, er sah durch ein eichenes Brett.„Seien wir nicht voreilig I Ich finde Talent, Spuren von großem Talent; habe, glaube ich, das DingS von Maier zugeschickt bekommen, muß doch mal drin nachlesen." Noch einige waren seiner Meinung, aber wenige; die Mehrzahl schlug sich auf Seite der Zischcr. „Unglaublich!" sagte Frau Eleonore Mannhardt im Hinabschreiten zu ihrer Freundin Wlodzünira." Sie schien doch mal recht talentvoll!" „So lange D u sie unter den Händen hattest. Du darfft das nicht vergessen. Lorle I" warf ihr Gatte dazivischen. Leonore nickte.„Sie hat sich zu Grunde gerichtet durch ihre Heirat. Ihr Talent ist ganz verkümmert!" Eisenlohr holte Mannhardts ein. „Nun?" Sie sahen ihn erwartungsvoll an. Er zuckte die Achseln.„Diese Bühnenschriftstellcrei! Sic wissen, ich habe keine rechte Fühlung dafür, arbeitet nur mit viel zu groben Effekten l" Er gab kein direktes Urteil. Volten kam mit Mia Widmann und Fräulein Rosen. Alinde war wehmütig bewegt.„Ich mochte hingehen und ihr die Hand reichen. Sie thnt mir so leid." Balte» küßte ihr den seinen Glaceehandschuh.„Sie sind rührend! Aber das lassen Sie mir. die Reinharz ist eine ganz eingebildete Person! Der erste Eindruck, den ich von ihr cnchfing, ivar der richtige." „Ah. Wlodzimira I* Frau Widmann neigte kühl das Madonnenköpfchen; seitdem die Starzynska die berühmte Autorin geworden, waren sie nicht mehr so gute Freundinnen. Mio Widniann sprach gern von männlichem Egoismus und männlicher Undankbarkeit— schade, daß Fräulein Starzynska kein Mann war!„Du gehst wohl nicht mst uuS nach Hause?" fragte sie spitz. „Thut uiirr schrr leid l Ich bin noch bei MannharrMs!" Wlodzimira legte den Arm um Lconorcs Taille.„Wirr vierr werrden uns da bcsscrr anuifierren als heute abend hierr. nicht wahre. teurerr Meister?" Sie lächelte Eisenlohr zu. und viejer reichte ihr im Gedränge den Arm. vielmehr, sie nötigte ihn dazu, denn st? legte ihm einfach die Hand aus den Aermel. Frau Kistemachcr war in einer traurigen Verfassung, ihre nmdlich» Figur schien von der Hitze ganz aufgelöst; sie seufzte nnö unstete.„Nein. Hans, komm nur schnell, laß uns machen. daß«vir nach Hause kommen l Gott, wäre das peinlich, wenn wir sie träfen! WaS sollten wir denn sagen? Unsere Be- kannten werden schöne Augen mache», wir haben sie heute abend hergelotst. Hätten sie Dich doch vorher gefragt I Thut mir das leid I Konnn schnell!" Kistemachers brauchten keine Angst zu haben; einsam waren schon die Gänge, die Garderoben wie ausgekehrt, als Ebel vorsichtig die Logenthür öffnete. „Komm, es ist niemand mehr da!" Er zog Elisabeth an der Hand heraus und leitete sie wie eine Blinde; sie sah nicht rechts, nicht links, ihre Blicke waren ganz leer gerade- ans gerichtet, jeder Glanz darin erstorben. Das schwarz- seidene Kleid rauschte als Trauerfahne hinter der hohen Gestalt drein, die roten Rosen blätterten ab; da schinimerten sie wie große Blutstropfen, den ganzen langen Gang hinunter. Nur niemandem begegnen! Sie hastete dem Ausgang zu. Wie Feuer brannte ihr der Boden unter den Füßen— diese teppichbelegten Gänge, diese Marmorstnfen, entsetzlich! „Hätte ich sie nur erst draußen in freier Lust," dachte Ebel, „und dann zu Hanse und bei dem Kindel" Er erschrak— er fühlte, wie sie zusammenzuckte. Da lehnte noch eine einsame Frauengestalt, eine Zofe, wie es schien, hinter sich. „Frau Reinharz? I" Die Dame trat mit fragendem Blick auf die Eilenden zu. Das war die schöne Lindeichahn! Die Augen funkelten ihr in dem blassen Gesicht. „Es freut mich, daß ich Sie noch treffe," sagte sie rasch, „man meinte, Sie wären schon fortgegangen. Es drängte mich, der Kollegin ein Wort zu sagen!" Sie zögerte. Elisabeth sah ste verstört an für einige Augenblicke standen sich die beiden gleich großen Frauengestalteu wortlos gegenüber und maßen sich vom Scheitel bis zur Sohle. „Ich habe Sie schon früher sehr geschätzt"— die schöne Frau neigte verbindlich den Kopf—„jetzt"— sie neigte sich noch einmal—„jetzt bewundere ich Sie!" Elisabeth reichte ihr die Hand.„Danke." Weiter sagte sie nichts.— Ebel atmete tief auf, als sie auf die Straße traten. Nun waren sie ans dem Bereich der elektrischen Kugel- lampen, es wurde dunkler und dunkler um sie, kein Theater- besucher mehr, nur vereinzelte Passanten, Liebespaare Arm in Arm, flüsternd aneinander geschmiegt. „Aus", sagte Elisabeth heiser. Und dann schluckte sie, als schlucke sie etlvas hinunter.„Sie lachten, hörtest Du, wie sie lachten?" Ihre Augen bohrten sich ins Dunkel der Straße.„Sie zischten. Höift Du, sie haben mich ausgezischt" — sie blieb äußerlich ruhig, aber ihre Hand fingerte an seinem Rock auf und nieder—„ausgezischt, meine Hoffnung, mein"— sie sconavpte nach Luft—„mein Stück I" Schauer mif Schauer überlies ihre Gestalt, sie schwankte; ein unter- drückter Laut kam aus ihrer Kehle, er klang wie Aechzen.„Sie haben mich gedemütigt— tief— ganz tief!" Ihre Gestalt schien zusammenzusinken, ohne Halt, ohne Rückgrat. „Hörtest Du denn nicht, was Frau von Lindenhayn sagte?" Ebel biß sich auf die Lippen und sah umher. Wo einen Trost, einen Trost für sie finden? I„Sie bewundert Dich— und Sie ist Deine Kollegin! Es sind doch nicht alle blind; sie bitten es Dir noch ab.„Ich bewundere Sie"— hörtest Du denn das nicht?" „Ich glaube ihr nicht!" Ihre Stimme erstarb.„Mit- leid, nichts als Mitleid! Ich bin nichts, ich kann nichts, gar- nichts— ich glaube niemandem mehr!" Ihr Kopf sank auf die Brust. „Auch mir nicht?" Eine Fülle von Liebe strömte aus seinem Ton.„Du kannst viel!" Er legte ihren Arm in den seinigen.„Komm, laß uns weitergehen, stütze Dich auf mich!" Er zog sie näher, dichter zu sich heran, ihre ganze Schwere ruhte auf ihm.„Mir kannst Du glauben. denn"— einen Augenblick dachte er nach: wie sie überzeugen? Es fiel ihm nichts ein, und ohne sich länger zu besinnen, sagte er nur: „Ich glaube an Dich l" So wenige Worte, so arme Worte, und doch— war da nicht eine Welt voll Zuversicht, voll Vertrauen in diesem festen Klang? Sie hob den heruntergesunkenen Kopf und sah ihn an, wie gebannt, sie konnte nicht anders, sein Ton bezwang sie. ----„Ich glaube an Dich!"---- Hell stand es mit Flammenschrift in der dunklen Todes- nacht---„Ich glaube an Dich I"--- Sie hing an feinem Blick; ruhig strahlten seine Augen sie an._(Fortsetzung folgt.) Anseve Vilje. Wir haben in Deutschland ungefähr 40 Arten anerkannt guter Pilze, von denen Champignons, Steinpilze und Pfesferlinge. Morcheln und Reizker obenan stehen, ganz abgesehen von der berühmten Trüffel. Früher rechnete man alle knollenförmigen Pilze, die unter der Erde wachsen, zu den Trüffeln, bis endlich die Wissenschaft die ungeheuren Nnterschiede feststellte, lehrreiche Winke gab und die Schädlichkeit des einen und anderen Pilzes hervorhob. Diese schäd- lichen„unechten Trüffeln" sind u. a. die verfchiedene» Boviste tSdörolZerma vulgaris Fr., S. Bovista Fr., S. vernicosmn Ball.) Sie sind fast kugelig, meist stiellos und haben eine sehr dicke, harte, meist schmutzig-gclbe Farbe. Tritt man auf ein altes Exemplar, so stäubt die dunkle, trockene Sporenmasse wie ein schwärzliches Pulver heraus. Im Anfange ist das Innere der Boviste weißlich und täuscht den oberflächlichen Blick, bald aber ninmrt es eine blauschwarze Farbe an, in der weißliche Fäden vorhanden sind. Der Bovist Lei. vor- racosnm ist unbedingt tötend. Ihm gleicht der Hymenogaster, der jedoch einen Stiel hat, und dessen Duft an Rettig und Lauch er- innert; das anfänglich zarte Fleisch wird später blauschwarz mit gelben Flecken. Ferner ist Vor der unterirdisch wachsenden sog. „Wurzektrüffel" lBbieopogcm rubescens Toi.) zu warnen, die wohl in ganz Mitteldeutschland vorkommt; sie ist Vollständig wertlos. Die„gelbliche Wurzeltrüffel"(Bb. luteolus Fi.), in gleichem Ber- breitungsbezirk, macht sich durch ekelhaften Geruch und Geschmack bemerkbar. Diesen mehr oder minder schädlichen Pilzen gegenüber hebt sich die echte französische Trüffel(Tuber melanosporum Vitt.) wie eine menschenfreundliche Gönnerin ab. In Deutschland ist sie nur in Baden und im Elsaß bekannt. Dafür besitzen Ivir zwei Schwestern dieser Französin, nämlich die„deutsche gute oder Sommer- Trüffel" und die„deutsche weiße Trüffel". Die erstgenannte IT. aestivum Vitt.) ist u. a. vom Elsaß bis nach Schlesien und weit nordwärts verbreitet. Ihre äußere Farbe ist ein kräftiges Schwarzbraun; allerlei kantige, leicht gestreifte, warzenartige Ge- bilde bedecken die gesamte Oberfläche. Das Fleisch ist bräunlich und weißlich, marmorartig und geädert. Die ganze Erscheinung kommt der der echten Trüffel sehr nahe. Dagegen weicht die deutsche weiße Trüffel(Cboimoryces mäandriformis Vitt.) von jenen beiden sowohl im Aeußern wie im Innern erheblich ab. Sie ist einer rundlichen Kartoffel ähnlich, in der Färbung weiß- gelb oder auch braun, meist mit hellen Riffen. Das anfänglich weiße, vielfach geäderte Fleisch geht allmählich ins gelbbraune über. Ihre östliche Grenze ist bis nach Preußen bekannt. Berühmte Botaniker und andere Kenner haben diese Trüffel außerordentlich gelobt und empfohlen: und wir können sicher sein, daß sie oft an Stelle der teuren Perigord-Trüffel(wie dies u. a. bei französischen Konserven erwiesen ist) auf die Tafel kommt. Im Herzogtum Gotha und in den angrenzenden thüringischen Staaten war bis zum Jahre 1348 die Trüffcljagd(mit abgerichteten, meist kurzbeinigen Trüffel» Hunden) eine Gereckitsame der Fürsten; durchschniNlich wurden im Jahre 100—130 Pfund Trüffeln allein im Gothaischen Lande ge- siniden. Die Eritte der echren Trilffel in Frankreich beträgt jährlich ungefähr SVi Millionen Pfund, wovon eine Million Pfund nach Deutschland kommt. Den jährlichen Ertrag seiner Trüffelernte knmr Frankreich auf 10 Millionen Francs für den Großhandel und 20 bis 24 Millionen für den Kleinhandel schätzen. Paris allein verbraucht eine außerordentliche Menge Trüffeln, aber zugleich auch andere Pilze; nirgends werden den Pasteten, Saucen ustv. so viele Pilze zugesetzt, wie ii» Paris. Trotz der riesigen Vcrlvertiing kommen in Frankreich höchst selten Pilzvergiftungen vor; in manchem Jahr hört man von keinem einzigen Falle. Zur Genüge findet das seine Erklärung in der Thalsache, daß die Pari'cr ausschließlich gezüchtete Pilze verzehren, hauptsächlich Champignons(.Agaricus campestris), diese charakteristisch gebauten Pilze, deren Merkmale ein jeder Sammler und Käufer, vor allem aber jede Hausfrau sich ein- prägen sollte. Auf hobem, gleichmäßig gewachsenem, weißem Stiele erhebt sich der weiße, halbkugelige Hut, den man heuzutage so bcgnem mit der Rndfahrcrglocke vergleichen kann. DaS Innere des Hutes ist von mattrosa Färbung, das durch die„Blätter"(oder vielmehr eng aneinander gereihten Scheiben) ein ivenig Schatten hat. Unter dem Hute breitet sich die weiße Halskrause ans. So tritt uns der erivachsene Champignon entgegen, während seine jüngeren Geschivistcr einen Stiel haben, der eine nach unten Iveiter werdende, abgerundete Keule bildet, indessen der Hut eine(unter- wärts beinahe geschlosfcnc) dicke Kappe vorstellt, von deren rosa- grauem Inneren gar wenig zu erspähen ist. Daß Champignons nur in völliger Dunkelheit wachsen mögen, ist als irrige Annahme sehr bestritten ivorden. Wenn bei diesen Pilzen der Boden ein Pferdednngbeet vorstellen muß, so beanspruchen die allermeisten Pilze Waldboden. Der Nahrungsivert der eßbaren Pilze oder Schlvämme ist zwar vielfach überschätzt ivorden, aber er nähert sich doch dem der Gemüse; mehr jedoch als letzteres sind Pilze an bestimmte Bestandteile des Bodens gebunden, d. h. an das sogenannte Mycelium, das sich bei reichlichen Niederschlägen iin Walde entwickelt, nämlich bei ungestörter Bodendeckc. Daß neben dem Walde und seiner Bodendecke als erste Bedingung auch noch die klimatischen und meteorologischeu Einwirkungen von höchster Wchtiglelt sind, versteht sich von selbst. Die meisten der bekannten, über die ganze Erde verhrciteten Pilze gehören der gemäßigten Zone an; voraussichtlich loerden in de» ivärmeren und heißen Ländern bei eingehender Forschung noch ivcit mehr entdeckt iverden. Die Gesamtzahl der jetzt bekannten Arten dürste 6000 weit überschreiten. Als Beispiel für das außer- ordentliche Fliege» und Sichausbreiten von Pilzsporen hat man in der Neuzeih die Jnsel Krakatau in der Smidastraßc anführen kömien. Bei dem im Jahre 1333 erfolgten RicscuauSbriich ihres Bnlkans war zivar die Insel nicht völlig zerstört, aber die Pflauzeu- welt ihres früheren Bodens wurde'bis auf den letzten Keim vernichtet. Räch drei Jahren hatte» die Anspülungen de? Meeres einige Algen usw. hernngeschafft: zehn bis elf Jahre später entdeckten die Naturforscher auf den von gallert- artigen Blanalgen bedeckten Flächen der in Asche und Bims- stein emgegrabenen Schluchten Schleimpilze und zwar mehrere Arten. Diese Pilze konnten mir von Java oder von Sumatra herübergekommen sein; ihre Samen mujztcn im ersteren Falle 41, im anderen 37 Kilometer geflogen sein. Die Sporen sind fast inimer mikroskopisch klein, werden jedoch meist in sehr großer Anzahl ge- bildet, so daß sie sich oft als ein massenhaftes, meist gefärbtes, sehr feines Pulver ansammeln. Gewöhnlich find die Keimkörner vom Augenblick ihrer Reife und ihrer Abtrennung vom Pilz an keim- fähig; manche aber werden es erst nach Verlauf einer Rnheperiode, die gewöhnlich den Winter über dauert. Wie sehr mm auch die Sporen umherfliegen, welche Schicksale diese oder jene Pilz- kolonie haben mag— so lange die Lebensbedingungen die gleichen bleiben, kann man sicher sein, in bestimmter Jahreszeit an bestimmtem Platze die Pilze wiederzusehen. Das weiß jeder Freund und Kenner von Pilzen, ja jedes Kind, das zum Mittag- oder Abeirdesien schnell noch ein Gericht einholen soll, wie es das schon seit ein paar Jahren gethan hat. Das haben wir selber nn- gezählte Male erlebt. Getreulich erschienen unter den alten Buchen die Steinpilze; sie kletterten auf der Terrasse hernm, die im Schatten lag und wanderten zu den Fichten und noch weiter auf dem Rasen, der meist vor Sonnenstrahlen geschützt war und immer etwas Feuchtigkeit behielt. Und ganz zu- verlässig zeigten sich auch die bösen Fliegenschwämme, das Auge entzückend, auf denselben Stellen, Ivo Fichten und Birke» und andere Bäume ungestört sich entwickeln durften. Leider be- weisen auch ganz andere Pilze dieselbe Heimatstreue, nämlich der Hansschwamm und seine abscheulichen Verwandten. Es giebt überall Personen, die einem Neuling die Unterschiede zwischen brauchbar und gefährlich erklären können; mindestens müßte in der Schule davon gesprochen werden. Die Kenntnis der hemmt- lichen Flora im allgemeine» und die der Pilze im besonderen müßte jedem Lehrer wenigstens soweit zu Gebote stehen, ivie Nutzbar- keit und Schaden in Betracht kommen. Die oft fnrchtbare» Wirkungen giftiger Pilze treten meist erst vier bis fünf Stunden nach dem Genüsse ein; als erstes Symptom ist eine beängstigende Schwere in der Magengegend zu bezeichne»; weitere Symptome folgen schnell, wie Angstgefühl, Ekel. Er- brechen, limere Schmerzen, heftigster Durst, Ohnmacht, Krämpfe usiv. Entweder stirbt der Kranke unter gesteigerten Krämpfen oder er ver- stickt in Lethargie, die mit dem Tode endet. Der Arzt Ivird bei so- fortigem Eingreifen noch manchen retten können; aber bis dahin müßten schon die kräftigsten Brechmittel usw. in Anwendung gebracht sein. Ganz überflüssig, weil wissenschaftlich längst als trügerisch er- wiesen, stnd jene Sicherheitsmittel beim Kochen der Pilze, um ihre Unschädlichkeit zu erkennen, wie z. B. eine Zwiebel und ein silberner Löffel; auch ein gntgearteter Pilz kann beides, das mugekocht wird, färben, wenn er selber schon schlecht war, während— was doch ungleich gefährlicher ist— manch ein giftiger Pilz Ziviebel oder Löffel nicht im mindeste» färbt.— („Kölnische Volkszeitung".) Kleinas Zeuillekon. —„Unter uns gesagt".�) So lange die Welt steht, war es immer so, sagen die Zaudernden. Ja, sie hat eben nie gestanden, die Welt; sie güig zu allen Zeiten. Dankbarkcitsergüsse und Regenbogen wölben schöne Brücken; aber man darf diese nicht prüfen auf ihre Haltbarkeit. Nur die Rosen, nicht ihre Dornen welke». Der Kuß ist öfter ein Anführungszeichen als ein Gedanken- strich. Das Verbot des GlückspiclS hat wenig geholfen; sogar ge- heiratet wird noch immer.— br. Moderne Prediger. In einem Londoner Briefe der „Deutschen medizinischen Wochcnschrist" finden wir die folgende Notiz:„ES ist nichts Neues mehr, daß der gewöhnliche einfache Gottesdienst nur noch ivcnig Anzichnngskraft auf die Masse des Volkes ausübt, deshalb haben unternehmende Geistliche es seit längerer Zeit versucht, durch Zuthatcn dieser und jener Art die Gläubigen anzulocken. Der eine illustriert seine Predigten mit laterna wa�iea-Bildern von Aufnahmen ans dem„heiligen Lande", der andere würzt seine Reden nnt politischen und socialen An- spiclungen, ein anderer verspricht nach Anhörung einer Predigt Thce. Butterbrot und eine Pfeife Tabak, ja in Amerika arrangierte ein besonders moderner Pfarrer nach Beendigung deS Gottesdienstes einen Wettkampf zwischen zivci berühmien PreiSboxern, der in der Sa- krisle! stalifand und dem nur fleißige Kirchenbesnchcr beiwohnen durften. Neu dürfte es aber sein, daß sich der Pfarrer einen l)r. mock. enga- giert, der für ihn predigt. So predigte vor wenigen Sonntage», *) tzliis:„Unter nnS gesagt". Von Georg von Oertzen. Wien. Hartlebens Verlag.— wie der„Surret; Mirror" berichtet, in South Mersham Dr. Usber von der Kanzel herab das Evangelium der Reinlichkeit. Nach Bc- endigung seines Hauptthcmas hatte er dann noch einiges über die zunehmende Trunksucht bei Männern und Frauen zu sagen, und er schloß seine Predigt mit einer Ermahnung an seine Znhörerinnen, sich mehr um die Küche zu kiimmern, da der Weg zum Herzen deS Mannes durch den Magen führe.— — Von der Fabrikation menschlicher Nngchcner in China erzählt I. Drerelins im„Mercnre de France". Zum Ztvecke der Schaustellnng werden gestohlene Kinder durch jahrelange Arbeit in Zwitterlvesen verwandelt. So schindet man sie allmählich am ganzen Körper und ersetzt die entfernte Haut durch das Fell von Hunden oder Bären, das nnt dem wunden Körper verwächst. Kaum einer unter zehn hält diese sehr lang- wicrige und entsetzliche Operation ans. Oder man verwnndct die Hüften zweier Kinder und läßt die beiden Körper mit einander ver- wachsen. Bei anderen wieder wird der Körper in ein enges Gefäß ge- zwängt und am Wachsen verhindert, während der Kopf sich zu nn- verhältnismäßiger Größe entwickelt. Am merkwürdigsten vielleicht war ein künstlicher Buddha, ein Kind, das in der traditionellen Stellung des Gottes jahrelang in absoluter Finsternis gehalten und eigentümlich ernährt wurde. Bleich wie Wachs, regungslos wie eine Statue, wurde dieses Geschöpf, als man es endlich ans Tageslicht brachte, von der Menge inbrünstig als Verkörperung deS Gottes verehrt. Diesen iimnenschlichen Procednren sollen uralte, geheime medizinische und chirurgische Methoden zu Grunde liegen.— Theater. ■t. Lessing-Thcater.„I r i s", Komödie in drei Akten von Sven Lange. Diesem nordischen Dichter wird nachgesagt, daß er in den kleinen aber kühnen Unterhaltniigskünsten, die in den illustrierten Zeitschriften niodernster Itichtimg als angenehme Zugabe gelten, vorzüglich geübt sei. Daher mag ihn der Jrrtiun, daß eine bestimmte Reihe für sich recht amüsanter Plaudereien ein Drama bilden, zu der Komödie„Iris" begeistert haben. Iris, die junge Heldin des Stückes liegt trotz ihres nnrnhigcn Gchabens mit Vor- liebe auf dem Divan und ärgert sich darüber, daß ihr heißgeliebter Mann, dessen Vermögen zu Rande geht, so reinweg gar nichts im Leben bedeutet. Endlich hat sie den guten Kerl aufgestachelt, sich um die vakante Stelle eines zweiten Direktors am Gewcrbemnseimr zu bemühen. Sie wird die Sache schon deichseln. Ihre, allerdings recht groben, Kokcttierkünstc müssen nun herhalten, um die vier reiferen Herren, die sowohl bei Vergebung der Stelle als auch sonst im Leven von Einfluß sind, windelweich zu machen. Da der geliebte Gatte aber zu dumm ist und ihm als Konkurrent sowohl bei dem Direktorposten als auch bei dein Weibchen ein etwas cholerisch veranlagter Mann von Wissen im Wege steht, so wäre vielleicht ein Stück ganz amüsanter Zeit- satire zu stände gckommc», wenn der Dichter sich in den von ihm verhedderten Fäden der Handlung auch ferner znrcchtgefnndcii hätte. Leider griff Herr Lange schon im zweiten Akt, in dem die Vcrführnngs- kiinste des Frauchens spielen, in osfenbarerVcrlegcnhcit zur gelvöhnlichcn Cvnlissenschieberei. Der dritte Akt aber erinnerte nur dadurch an die anfänglich berührten öffentliche» Mißstände, als er ganz für sich ein komplettes Stück Zickzackkurs bildet. Die vier chrpnsseligen Protektoren hegen zwar wegen des Bewerbers Bedenken, haben sich aber dockt von Frau Iris" völlig einseifen lassen und legen mm einzeln ihrem Manne nicht allein den begehrten Direktorcnposten, sondern auch noch ihre cigencn Würden zu Füßen. Dann kommt ein endloses, peinliches Hin und Her, halbe Aufklärung und halbe Verwickelung, ein neuer Versuch der holden Gattin, ungestüme Ver- ehrer hinter die Eonlissen zu schieben, und endlich die platte Lösung, daß der liebe Dümmling von dem reichsten der vier Eingeseiften zum Teilhaber seiner Millionen eingesetzt wird, trotzdem der bejahrte Gönner sich über den inallen FarbenschillerndcnCharattcrdes Weibchens einigermaßen klar geworden ist. Ob dieses platten Ausgangs, dem auch gar nichts mehr von den anfangs so ostentativ hervorgekehrten Stacheln anhaftet, war das Publikum mit Recht betreten. Das Stück wurde nicht nnhöslich, aber doch recht deutlich abgelehnt. Eine vielversprechende Künstlerin, Frl. Hedwig Lange, spielte die Heldin mit Geschick und hatte auf diese Paraderolle be- trächtlichcn Fleiß verwendet. Herr R e u s ch gab den Gatten in der vom Dichter gewollten Harmlosigkeit. Die Herren N i s s e l, Pfeil. Wnldow, Pagay und Leisner wußten ihre meist schablonenhaften Rollen so gut es ging zu individualisieren.— Kunst. Ii Zur Geschichte der älteren deutschen Vau- knust veröffentlicht Gustav Pauli im Angnst-Hest der„Zeitschrift für bildende Kunst" einen Beitrag. Er behandelt eins der wichtigsten Stücke in der Sammlung der Akademie der bildenden Künste zu Dresden. einen Folianten, der die Originalzeichnnngen zu der einst weit verbreiteten„Architectnra" Wendel Dietterlins enthält. Der Straßburger Meister, der in den letzten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts die Kunst neu beleben half, hat mit einer lebhast arbeitenden Phantasie aus der italienischen und mehr noch ans der niederländischen Kunst überlieferte Formen mit ge- steigerten! Leben erfüllt, und man stellt�ihn mit Recht an die Spitze des deutschen. Barockstils. Das erwähnte Werk mit dekorativen und architektonischen Entwürfen, das sehr berühmt war und großen Ein- floß gewann, erschien 1503— 1655 in vier oder fülif Ausgaben; es ist nl>cr trcchdem heute selten, d-, die Exemplare weniger in die Bil'liatheken als in die Werkstätten der Steinmetzen und Tischler gelangten und im Gebrauche verdorben wurden. Der Dresdener Foliant mnschlicstt den wertvollsten Teil von Dietterlius künstlerischer Hlnter- lasscnjchaft. Gegenüber den rohen und hastige» Nadicrungen der Ausgaben sind die in ihm aufbcivahrten Zcichiunigen in ihrer Art vortrefflich, zum allergrösttcn Teil aus freier Hand entworfen, die Konturzeichunng mit meist blauer oder schivarzer Tusche in den Schattcnparticn laviert und das Ganze mit der Feder überzeichnet. Zuweilen ist eine Korrektur auf einem überklebten Blältchen auf- getragen oder eine bezeichnete Stelle mit Bleiweih gedeckt. Einige Ausstellungen am fertigen Eutivurf, die in der Radierung dam, auch vcrbeffcrt sind, notierte sich Dietterlin auch schriftlich. So steht auf der Zeichnung zu einem wunderliche» Elefantcnofrn neben einer Giebel- Volute:„Dts ist zu klotz', und neben den Papageienringcn in der Hand eines Negers:„zu grotz'. Die vertieften Linien über allen Umrisse» weisen darauf hin, daß diese Entwürfe durchgezeichnet »vnrden; trotzdem hat Dietterlin in den Einzelheiten stets Aende- rungen vorgenommen. Augenscheinlich hat ein Sammler nach des 5'>e>sters Tode die hintcrlasscnen Zeichnungen gesammelt und ans 5 i l Bogen zusammengeklebt. Der Band, in dem die Original- zeichnnngen schlecht genug aufgehoben Ivaren, soll numnehr aufgelöst und die Blätter in entsprechender Weise anfbelvahrt Iverden.— Aus dem Tierleben. en. N e b e r d en G e ruch s si nn d er V ög el hat RaSpail der Französischen Zoologischen Gesellschaft eingehende Beobachtungen niitgeteilt, die geeignet sind, die bestehenden Auschanunge» voll- ständig«mznstoszen. Bisher glaubte man, dah von den fünf Sinnen, die die nicisten Tiere besitzen, bei den Vögeln vier nur in sehr „eringem Grade vorhanden wären, und»nr ein scharfes Gesicht tvnrde ihnen allgemein znerlannt. Was den Geruch im besonderen betrifft, so waren die meisten Zoologen darüber einig, daß er bei der ganzen Tierklaffe sehr Ivcnig entwirkelt«väre, nnd daß sich Raubvögel einzig und allein durch das Auge leiten ließen. Andere haben zugegeben, daß wenigstens die Nachtvögel über«inen ziemlich feinen Gcrnchs- siuii verfügen. Die Iliitersnchnngen von Raspail tvciscn nach, daß die Bögel einen höchst feinen Geruch besitze». Die Beispiele ans dem Naturleben, die er dafür beibringt, scheinen recht betociseiid zu sein. Zunächst handelt es sich rnn eine Schar von Holztauben, die im Winter den Gemüsegarten deS Beobachters besuchten, rnn sich dort von dem Kohlbeet' Nahrung zu holen, nnd den schnß- bereiten Inger jedesmal spürten, wem, er sein Versteck nicht nach der herrschende» Windrichtung atisgewählt hatte. Strich der Wind über das Bersteck nach dem Kohlbeet hin, so verließen es die Taube» sofort; dagegen kam der Jäger bei entgegengesetzter Lage des Anstandcs zum Schnß. Selbstverständ« lich war das Versteck so gewühlt, daß eine Wahrnehmung durch das Auge seitens der Vögel völlig ausgeschloffcn war. Roch bcmerkens- werter sind die folgenden Erzählmigeii. Raspail hatte auf seinem ländlichen Grundstück ein kleines Wafierlwsfin für seine Vögel an- bringen lasten und hörte eines Tages von seinem Gärtner, daß jeden Tag sich auch Fasanen zlMl Trinken einstellten, die zweifellos von einem über 100 Meter entfernten Hofe stammten. Es ivar gerade znr Brntzett, nnd dam, verlasse» die weiblichen Fasanen— sie waren nämlich die Besucher— ihr Rest inmier nur ans ganz kurze Zeit. Daher mußte es auch als ausgeschlossen gelten, daß sie ihre Spaziergänge bis nach den, fremden Part ausgedehnt nnd das neu- angelegte Wasicrbecken, das zudem durch eine hohe Hecke gegen das Feld abgeschlossen war. entdeckt halten. Im nächsten Jahre ließ der Besitzer das Bassin nicht mehr fülle» und hielt die Wege in der llni- gebnng stets sorgfältig geharkt, so daß der Abdruck eines Vogelsußes deutlich sichtbar bleibe» mußte. Zwei Wochen lang aber zeigte sich kein einziger Fasan i» der Rühe. Darauf wurde das Bassin ivieder gefüllt und schon am nächsten Morgen kam ein Fasan auf dem ge- radcstnl Wege zu dem Trinlplatze und kehrte ans demselben Wege Ivieder zurück, und zwar war es Wieden, in eine Henne geivesni. Daraus muß geschlossen werden, daß die Fasanen das Wasser auf eine Entfennuig von 100 Meter gerochen hatten. In einem anderen Falle streute der Zoologe bei strenger Kälte in einer Lichtung seines Parkes Gctreidekönier fiir Bögel ans nnd erneuerte täglich den Borrat. Da sah er eines Tages 5 Rebhühner dabei. Wie konnte» diese die Körner entdeckt haben? Früher waren sie nie innerhalb des Parkes, den» sonst hätte man ihre Spuren bemerken müssen, wie sie jetzt auf dem Schnee sofort nuffickcn nnd bc- wiesen, daß die Hühner direkt von dem Felde über den Zani, hernbcrgekmnmen waren. Auch sie konnten nur durch den Geruch geleitet worden sein, denn wenn sie durch Zufall in die Nähe gekommen wäre», so hätten sie keinen so direkten Weg genommen. Der Park ivar durch dichtes Gebüsch vom Felde ab- geschlossen. Hätten sie aber die Körner etwa in, Flnge ge- sehen, so wären sie doch nicht erst»ach den, Felde zurückgegangen. um dann zu Fuß nach der Lichtung zu komme», sondern hätten sich sofort an der Futterstcllc nicdcrgelasien. Von den Kohlmeisen muß es als feststehend gelten, daß sie ihre Lieblingspeise, nämlich Schiveizerkäse. ans sehr bedeutende Ent- fenlungen Witten,. RaSpail benutzte den Läse als Lockspeise für wilde Katzen und Igel in verborgenen Fallen, oftmals fand er den Käs« angefresten, und zweimal fing sich eine Meise. Das wertvollste Beispiel für den Gcnichssinn der Vögel ist folgendes letze. Im borigen Herbst überraschte unser Gewährsmann zu jeder Tageszeit einige Elsten,, die bei einer Annäherung von einem Sia'senplatze immer an dcriclben Stelle aufflogen, und bei näherem Zusehen entdecklc er eine Menge von Löchcn, an diesem Platze, die offenbar von den Vögeln herrührten. Einige Spatenstiche brachten nun den Nachweis, daß an dieser Stelle in, Boden mehrere junge Larve» von Maikäfern verborgen ivaren. und zwar führten die von den Elstern aufgehackten Löcher gerade auf die Larven hin. Es ist also ganz zweifellos, daß sie nicht aiff den Zufall hin, sondern dem Gerüche folgend auf ihre Beute losgehen. Dasselbe ist bei den Schwarzamsel» der Fall. Endlich sei nur noch an die bekannte Thatsache erinnert, daß die Tnrtettanbe jederzeit ihre Eier sofort im Stich« läßt, sobald eine menschliche Hand sie berührt hat, gleichviel ob dies in Ab» Wesenheit der Mutter geschehen ist; sie muß cS also an den Eiern wittern, wenn ein Fremder dabei gewesen ist. Aus all diesen That- suchen schließt RaSpail. daß der Geruchssinn bei den Vögeln nicht nur nicht mangelhaft entwickelt ist. sondern eine ähnliche Rolle spielt wie dein, Hunde.— Humoristisches. — Der Rücksichtsvolle. Lederer(am Stannntisch): „Du. Krause, willst nach Hanse?' Krause:„Ja. der Schlaf vor Mitternacht soll der ge- sündcst« fein.' L e d e r e r:„Mitternacht ist ja längst vorüber.� Krause:„Weiß ich I' Lederer:„Und Du gehst trotzdem erst jetzt nach Hause?' Krause:„Natürlich, um meine Frau nicht imge» s ü n d c st e n Schlaf z n st ö r e n!'— — In der Oper. Kollege A.:„Nun. wie finden Sie die neue Oper unseres Notcustciu? Eine Menge recht origineller Melodien, nicht wahr?' Kollege B.:„Jawohl, seine Musik ist zum Teil gesucht, zmu Teil gesunde n.'— — Ein Choleriker. Gast:„Kellner, einmal Radi P Kellner:„Vcdanre. Radi sind alle!" Gast saiifftcheiid):„Bcdanre gleichfalls, solche radi-kahlen Zustände passen mir nicht!'—(„Lust. Bl.') Notizen. — Au den höheren Schulen in Sachsen-Weimar- E i s e n a ch wird der 150. Geburtstag Goethe» durch«ine» F e st a k t gefeiert werden.— — Am 28. August, den, Geburtstage Goethes, soll am LeipzigerReueu Theater. G ötz von Ber- l i ch i u g e Ii' gegeben werden. Die Aufführung wird eine Frei- Vorstellung f ü r S ch u l e n u n d A r b e> t e r v e r c i n e sei».— — Hermann Bahr hat zwei»cne Stücke, ein Schauspiel „Der Athlet' nnd ein Lustspiel„Ans der Gesellschaft' geschrieben.— — Der Direkior deS L e s s in g- Th e a t e rs bat das Verbot, das den Mitgliedern verwehrte, den Hervorrufen Folge zu leiste», wieder abgeschafft.— — Adele S a» d r o ck wird nn n ä ch st e n S p i e l j a h r an einer Wiener B ü h n e den Hamlet spiele».— — Die„Meistersinger' solle» zum Herbst im Opern- hause ganz im Bayreuther Stil aufgeführt werden. Die Sänger van R o o q und Friedrichs sind für die Vor- stellunge» verpflichtet worden.— — Ein russisches O p e r» e» s e m b l e wird im Oktober im Nene» Opernlheater eine Reihe»alional-ruffischer Opern aufführen. Ihre Leitung hat der Dirigent Maxatow über- »ommen, der außer Soiisien einen eigenen Chor, eigenes Ballet nnd eigene Ansstattmig mitbringen wird.— — In Grönland erscheint eine einzige Zeitung. deren Rcdacteur zugleich ihr Drucker nnd Spediteur ist. Die ganze Zeitung ist von ihm verfaßt. Ursprünglich bestand sie nur ans einer Sa»»nlnng von Illustrationen, allmählich kamen auch Worte, Sätze und znietzt richtige Artikel über TagcSfragcn hinein.— — An« Spirdingsee bei S d o r r e n in Ostpreußen ist ein neues Gräberfeld entdeckt, i» dein bisher 200 Urne» gc- fuuden wurde». Sie enthielte» allerlei Schmucksachen, Fibeln, BcrnstcinpcAen, Brachen usw., die durch ihre schöne Form und Aus- fnhnlng auffallen. Das Gräberfeld scheint aus der Zeit von 200 nach Christi z» stammen.— — Im Boden see winde ein W e l I e r gefangen, der 107 Psnnd wiegt nnd 2,15 Meter lang i st. Er wird einige Zeit lebend ii, Friedrichshafen a. B. ansge stellt werden»nd später in eine» zoologische» Garten kommen.— — Um Bohnenpflanze» lange tragend zu er- halten, darf man keine Hülsen znr größere» Ausbildung kommen lassen, sondern muß diese immer jung wcgpflncken. Das Abpflücken selbst muß. wie der„Praktische Wegweiser', Wnrzburg, mitteilt, mit Vorsicht geschehen, daniit die Pflanze nicht ans der Erde gehoben wird.— Berantwortlicher Redacleur: Robert Schmidt m Berlin. Drua und Vermg von Max Babing in Berlin.