Interhaltungsblatt des vorwärts Nr� 162. Sonntag, den 20 August. 1899 (Nachdruck verboren. Es lebe die 46] Roman von C. V i e b i g. Da waren die Alten, die schon alt gewesen, als Elisabeth noch ein Kind war; und da waren die Jungen, mit denen sie jung gewesen, die Buben und Mädchen, jetzt Väter und Mütter, ihre Jüngsten auf dem Arm; die größeren hingen sich hinten an den Wagen. Da waren viel lachende Gesichter, viel ausgestreckte Hände,„'n Abend, Fräulein Elisabeth, 'n Abend!" Ebel bekam auch freundliche Grüße; in einer seltsanien Bewegung fuhr er durchs Dorf. Hier war feine Elisabeth aufgewachsen. Er sah sie im Geist über das holprige Pflaster hüpfen und über die Pfützen im ausgefahrenen Fahrweg — wo der Schmutz am dicksten war, mußte sie durch, die wilde Humniel— ihre Wangen waren rot wie Aepfel, die blonden Zöpfe flogen um die kräftige 5lindergestalt. Da hatte sie mit den Dorfmädchen im Ringelreihen gespielt, da sich mit den Jungen geprügelt. Ebel faßte ihre Hand und drückte sie zärflich.„Alles wie'lüher, nicht wahr?" Sie schüttelte den Kopf.„Ich suche nieine Jugend," sagte sie leise,„und—" sie stockte. Der Kutscher hatte die Pferde angehalten, eine Frau war an den Wagen getreten. Jnl schwarzwollenen Trauerkleide, mit der breiten schwärzen Schürze stand sie als dunkler Fleck in der freundlichen Torfstraße. Alles Licht schien ihre Ge- statt zu fliehen.„Kennen Sie niich noch. Fräulein Elisabeth?" Elisabeth sah sie verlegen an. Wer war das doch? Sie konnte sich in diesen vergrämten Zügen nicht zurechtfinden. „Ich bin die Marie— Bauer Obst seine Marie!" „Marie—? Du—?!" „Ja, das glaub' ich wohl, daß Sie mir nicht erkannt haben!" Das Weib beherrschte sich mühsam, aber sie konnte es doch nicht hindern, ein paar Thräncn tropften ihr über die Wangen.„Ich habe mir gar zu sehr verändert. Vor 'nein Jahr is mein Mann gestorben. Sie wissen dock), wie lang ich den Lindners Martin lieb gehabt, wir sollten doch absolut nicht zusammenkommen!" Sie weinte laut.„Nun Kab' ich ihn endlich gekriegt, vor zwei Jahr auf Michaeli baben wir Hochzeit gemacht, so'n guter Mann— nun hat er sich im Frühjahr daS Blut erkält', im Juli is er gestorben-- mein Gott, mein Gott! Und niein Kleines hinterdrein! Ich Hab' nichts mehr auf der Welt!" Sie hielt sich die Trauer- schürze vors Gesicht. Mile fing auch an zu weinen; voll tiefen Mitleids blickte Ebel auf die Trnnenide und dann auf seine Frau. Er sah, sie rang nach Worten. Sie nahm die Hand der Jugeudgespielin.„Marie! sagte sie stockend,„liebe Marie?" Weiter nichts, ihre zitternden Lippen schlössen sich fest aufeinander, und sie unterdrückte die Thräncn. „Oh mein Gott, was macht man durch! Ich Hab nur hundertmal den Tod gewünscht!" Die Frau Ivischte sich mit der Schürze die Thrünen ab.„Ich Hab vom Förster gehört, daß Sie VerHeirat' sind, Fräulein Elisabeth, das ist ivohl der Herr Gemahl?" Sie warf einen neugierigen Blick auf Ebel. Er reichte ihr die Hand. „Freut mich, freut mich sehr!" Die Frau knickste.„Schenkeil Sie mir doch die Ehr'— da wohn ich!" Sie wies auf ein stattliches Banernhans mit Scheune und Obstgarten dahinter, mit steinerner Freitreppe und einer gnmgestrichenen Bank vor der Thür.„Da sitz ich abends innner. wenn ich müde bin. und denk an meinen Martin. Das is'ne Plackerei, lvenn einer niit fremden Leuten schaffen muß. das is nichts Eigenes, und wenn sie auch gut sind. Ach, wenn ich meinen Martin noch Hütt', da stand' ich anders da!" Sie sah den Knaben auf Mikes Schofi und heftete ihre thräuengesüllten Augen verlangend auf ihn.„DaS liebe Kiud!" Ehe sich's jemand versah, hatte sie den kleinen Wilhelm aus dem Wagen gehoben und preßte ihn an sich. „Dich möchte ich haben, Du müßtest bei mir bleiben, wie im Himmel war' ich! Oh Du Engelchen l Du Engelchen!" Sie küßte das Kind ab, daß es auffchrie.„Fräulein Elisabeth, sind Sie glücklich 1" Ungern, fast widerwillig gab sie das Kind zurück, man sah es ihr an, sie konnte es kaum aus den Augen lassen,„'nen guten Mann"— sie nickte Ebel zu—„uud so 'neu Juugeu! Meiner war uu— sie brach ab. Schluchzen erstickte ihre Stimme. Elisabeth war blaß geworden, so blaß, daß Ebel erschrak und den Arm hinter sie schob. Sie streifte ihn mit einem raschen, dankbaren Blick, inid dann neigte sie sich über den Wagenschlag dicht zu der Jugendgespielin; ihr blonder Kopf schien fast deren schwarzes Kleid zu berühren, ihre Wange streifte die Schulter der Trauernden. Sie flüsterte ihr ins Ohr:„Könnte ich Dir helfen, ach. wie gerne thät ich's, liebe Marie I Weine nicht l Ich schicke Dir alle Tage meinen Jungen, ich"— sie stockte, sie hatte den lebhaften Drang, zu helfen—„weiter kann ich ja nichts für Dich thun!" „Danke, danke!" Das vergrämte Gesicht der Frau hellte sich auf.„Sie»varen immer so gut! Ach, wenn das Kind kommt— Birnen Hab' ich schon, schöne reife, und Honig auch, und ein frisches Eichen wird ihm auch nicht schaden. Ach, was freu' ich mir!" Sie reichte noch einmal die Hand in den Wagen.„Wenn das mein Martin wüßt', der hat Sie ja auch gut gekennt, Fräulein Elisabeth. Und der Herr Gemahl, so'« lieber Herr 1" Sie schüttelte Ebel kräftig die Hand.„Und die alte Mile—" „Na", sagte der Kutscher uud drehte sich halb auf dem Sitz um.„Lindueru, die Pferde steh'» nich mehr. Hüh! Brrrrr I Vrrrr 1" Die Frau trat znnick.„Viel Glück in der Hennat!" „Das ist die reichste Bäuerür» hier'cum," sagte der Kutscher und wies mit dem Peitschenstiel über die Schutter. „Schwer reich! Aber was hat se dervon? Nu hat se nich Mann und nich Kind, und wenn sie'n Sack Geld in den Arm nimmt, das is doch nichts Lebendiges! He, Ida, alte Kaff e- rolle!"— er hieb auf das Handpferd—„willste wohl! Ja, ja, alles in der Well macht nich glücklich, nur de Liebe!" Kutscher Heinze war ein Philosoph; er räusperte sich, zog die Augenbrauen hoch,»ahm die Pfeife ans dem Mund und spuckte erst nach rechts und dann nach links.„Wonach strebt der Mensch? Ja, sehn Se, Herr, er will gerne glücklich sein. Nu? Er is nich glücklich, wenn er keine Liebe hat. Das steht ja auch schon in der Bibel geschrieben. Was mci'm Sohn seine älteste is. die Cilla, die hat's erscht gestern gelernt." Er wußte nicht recht, was und half sich mit einem:„Nu, nu, dann wär alles nix. Die Cilla sagt es sehr scheene uf-- „de Liebe is das größte", sagt se." „Arme Frau!" Elisabeth hielt den Kops gesenkt und blickte unverwandt in ihren Schoß; nun wiederhotte sie noch einuial leise:„Anne Iran!" llud dann schauderte sie. ..Ja. ja." meinte Mile,„da habt Ihr Wohl recht, Heinze!" Sie philosophierte auch gern, in Berlin fand sie nur nicht das Publikum dafür.„Ach Gott, was is der Mensch?! Da is man versessen auf was und's is einem doch nich zu gute. Als der alte Liudncr tot war. haben sie sich gleich geheirat', der hat's immer nich zugegeben, dem war die Obst's Marie nich reich genug. Nu hat sie gemeint, sie hat das Glück zu Haus, und was hat sie?" Sie stieß einen Seufzer ans.„Ja. ja.'ruuterreißeu läßt sich's nich vom Himmel! Guck, Wilhelmchen!"— sie ließ das Kind auf ihrem Schoß stehen—„da hat Deine Mamma gewohnt, da is sie'rum- gesprungen, und da von der Mauer is sie runtergefallcn mank die Scherbeln. Ach, mein Gott!"— Milie stieß einen hellen Schrei aus—„da liegt noch die attc. zerbrochene Eiserkctte. die hat immer da gelegen, da hat sich Deine Mamma ein Loch in den Kopf geschlagen!" Da war das GutShaus mitten im großen Garten; sie fuhren an der Mauer entlang, die es gegen die Landstraße zu umgab. Zwischen riesigen Baumwipfeln hindurch leuchtete das rote Ziegeldach, so behaglich und doch so Wetter- fest schaute es durch das Grün. Hähne krähten, ein Hund bellte. „Ach!" Elisabeth war aufgesprungen, sie stand im Wagen und reckte den Hals; jetzt stieg sie aus den Sitz, mit einer Hand stützte sie sich auf ihres ManneS Schulter. Ebel hieß den Kutscher langsamer fahren. „Ich sehe wcis, ich sehe was! Ach! Da ist der Kiesweg in der Mitte, die Zentifolienhecke blüht wieder, wie hoch sie geworden ist! Und da sind die Lilien, sind's dieselben, die ich gepflanzt habe? Und da die Johannisbeersträucher. und da der Pflaumenbaum— er hängt ganz voll!" Elisabeth streckte beide Hände aus.„Ach, und da ist die Eismiete, da spielten wir immer Verstecken, und da"— ihre Stimme bebte—„da ist der alte Nußbaum, darunter— da Hab ich gesessen, als ich zum erstenmal was schrieb! Ach!"— Ihre Gestalt schwankte, die Pferde hatten angezogen, sie wäre gefallen, wenn ihr Mann sie nicht gehalten hätte. Nun war es nur noch eine kurze Strecke, die kleine Er- Hebung der Straße hinauf— da— der Atem des Waldes schlug ihnen entgegen, voll harzigen Duftes. Da fingen die knorrigen Riesenstämnie an, vom letzten Abendstrahl mit rotem Gold begossen— da hoben sich die breiten Wipfel nadel- scharf vom reinen Acther— da kräuselte sich der Rauch der Försterei, und Frau Jung stand in der Thür, ihr altes, freund- liches, wohlbekanntes Gesicht lachte über und über. „Herzlich willkommen, Fräulein Elisabeth!" sagte sie, wie sie es hundertmal gesagt hatte, wenn das junge Mädchen angelaufen kam.„Das ist schön von Ihnen, daß Sie uns nicht vergessen haben! Nehmen Sie fürlieb bei uns!— Mann!" schrie sie— er war ziemlich taub, und hatte das Rollen des Wagens nicht gehört—„sie sind da I Die Elisa- beth ist da!"--- Ebel konnte in der ersten Nacht nicht schlafen; es war heiß in der kleinen Stube, sie hatten das Fenster offen gelassen, nun zog der Harzduft des Waldes herein mit jedem Windhauch. Man hörte den klagenden Schrei eines Brach- huhns und das Bitbcrit des Wachtelkönigs und traumhaften Unkenruf in der Ferne. Ein wunderbarer Strom floß durch das niedrige Fenster, ein Strom von unverbrauchter Kraft, von Tau, von stiller Sicherheit. Ueber die heißen Augen strich es wie mit kühlen Fingern. Und draußen war ein immerwährendes Rauschen, ein heimliches Flüstern— hier sang die Nacht ein Wiegenlied, so süß, so leise, wie keine Mutter es singen kann. „Schläfst Du?" flüsterte er. „Nein," gab sie eben so leise zurück. Die Förstersleute hatten ihnen ihr Ehebett eingeräumt; da lagen sie nun auf dem Lager, wo sonst die alten Menschen Seite an Seite schliefen— junge Menschen, und doch weit von einander getrennt! Ebel hatte sich ganz an den Rand gelegt; sie lag am anderen. Er lauschte: würde sie noch etwas sagen? Nein, sie sagte nichts, aber daß sie auch jetzt npch nicht schlief, wußte er, er hörte es an ihrem Atem. „Schlafe, Elisabeth!" flüsterte er wieder nach einer Weile. „Schlafe, warum schläfst Du denn nicht?" „Ich denke so viel. Ohne Liebe! Arnie Frau!--- Hörst Du, was der Wald spricht?" „Soll ich das Fenster schließen?" „Oh nein!" Sie setzte sich ini Bett auf.„Das thut mir so gut. Schlafe Du nur I" Sie sagte nichts mehr. Auch er schwieg. Draußen immer das Rauschen— immer das Rauschen— immer dasselbe Lied; seine Gedanken fingen an, sich zu vcr- wirren, er konnte nicht mehr widerstehen--— da!-- er schreckte auf— hatte sie das Bett verlassen? Er reckte den Ann, so daß er sie hätte berühren müssen— leer! „Elisabeth!" Keine Antwort. Er richtete sich auf. Da lehnte sie im Fenster, weit hinausgebeugt, und hatte ihn nicht gehört. Er sprang aus dem Bett.„Elisabeth," flüsterteer, hinter sie tretend und sanft ihren Arm berührend.„Komm, leg Dich nieder!" Langsam wandte sie sich nach ihm um, er sah, daß sie geweint hatte. „Komm, Du erkältest Dich!" „Ich habe zugehört, ich bin warm geworden dabei, ganz warm. Horch!" Sie legte den Finger auf den Mund. Draußen ward das Rauschen voller, immer stärker und stärker das Lied; die Kiefernwipfel neigten sich säuselnd, lauter schien die Wachtel zu locken— so viele Stimmen in der Nacht, in dem Wind, in dem Raum zwischen Himmel und Erde. „Ich hörte sie alle," sagte sie träumerisch.„Ich verstehe sie alle. Ich danke Dir!" flüsterte sie weich.„Du hast mich hierher gebracht!"--- iFortsctzung folgt.) Sonuksrgsplslttdvvri. Obwohl wir in unserem Militärverhältnis es noch nicht bis zum General gebracht haben, sondern einstweilen in den Anfängen eines Landsturms mit der Waffe stecken geblieben find, glauben' wir doch ein ivciiig befugt zu sein, fiir die geplante Jahrhundert- W e I t a n s st e l I u u g der Fälschungen einige Probestücke zu liefern. Wagen wir uns, gemäß unserem bescheidenen Range, nicht gleich an die Herstellung gefälschter Verräter und gefälschter Mörder, so scheint uns auch das für den Beginn zur Erbringung des Befähigungsnachweises ausreichend zu sein, ein wenig die Weltgeschichte zu korrigieren. Die nachstehenden Dokumente und Protokolle mögen dem Leser zeigen, ob die Generalssterne bereits in unserer Tinte schwimmen. *« * Graf Pnckler hatte die gesamten mit Dreschflegeln bis an die Zähne gewappneten Abonnenten der„Staatsbürger-Zeitnug" in einem kühnen Freischärlerzug nach Paris geführt. Unterwegs hatten sie sieben Vieh-.snnf Börsen-, neun Bazar-, einen Prcßjndcn, sowie einen Schächtcr heldenhaft verprügelt; letztere beiden übrigens irrtümlich, denn der eine entpuppte sich nach empfangeiier Taufe als ein crz- germanischer Nedactcur eines antisemitischen Organs, der andere gar als Rcscrvelieutcnant und Professor der Marine. In Paris hatten sie dann die Festung Gnsrin entsetzt und den befreiten kühnen Verteidiger der Unmenschenrechte zum Kaiser Gallo-Gcrmaniens aus- gerufen. An diesem Tage nun erließ Gusrin solgenden von seinem Kanzler, dem Conte Pückler gegengezeichneten Erlaß: Franzosen! Germanen I Jiidenbespcier I Am Tage unserer Errettung vor dem stinkenden Gewürm der jüdischen Wanzen, vor dem socialistischen Aasgeier und den inPara- graphcn gebrachten Läusen eines nnfranzösischen, nngerinanischcn, talniiidistischcn Rechts, in der heiligen Stunde der Verbrennung Dreyfus und Rotschilds, dieser schmutzigsten Judenkannillen, in dein Augenblick des erhabenen Sieges des nationalen, wahrhaften, frommen und tapferen, völlig ungegypsten fraiico-gcrmanischeu Ur- geistes, fühlen wir uns verpflichtet, zuerst eine schwere Dankesschuld abzutragen. Franzosen! Germanen! Generäle? Roch immer hat sich nicht der Grenzenlos-Edle der nationalen Menschheit bekannt, der den Schandfleck der Völker, den bübischen Verteidiger des nationalfcindlichcn Rechts, den elenden Anwalt einer verstockten Unschuld, der dem Schurken Labori sein mit 100 jüdisch- englisch-protestantischen Millionen Pfund Sterling besoldetes Hand- werk gelegt und dadurch die Ausbreitung der revisionistischen Beulen- pcst verhindert hat. Unbekannt und uubelohnt von seinem Volk lebt dieser Mann, dem wir alles schulden, im Verborgenen. Franzosen! Germanen! Judenbespeicr I Als damals der jetzt heilig gesprochene wackere Oberst Henry um der Ehre der Armee willen, ohne mit der Wimper zu zucken, geselbstmordct ivard, da sammelten wir für die trauernde Witwe. ilm wie viel mehr verdient der große MörderjLaboris uusern Dank? Sammeln wir eine Nationalspende für den Mörder Labori s. Trage jeder sein Scherflein bei zu dein erhabenen Werke der Dankbarkeit. Wir zweifeln nicht, daß der Brave aus seiner Anonymität hervortreten wird, wenn wir ihm die Nationalspeude überreichen werden. Bleibt er aber, bescheiden wie ein echter Held, im selbstgewählteu Dunkel, nun so bleibe das Kapital aufgehoben für seine Kinder, seine Fran, seine Geliebten oder für seine hoch- betagten ehrlichen Eltern, die wir zwar nicht kennen, von denen wir aber wissen, daß sie im Silberschmuck ihres Greiseuhaarcs mit zitternden Lippen allstündlich heiße Segenswünsche für die Macht der Annee, und' des gallo-germanische» Vaterlandes zum Himmel senden. Franzosen! Germanen! Generäle I Sammelt zur Nationalspeude für den Mörder Laboris! Gegeben im sechsten Monate unserer Belagerung, am ersten Tage unserer Freiheit. Gusrin I, I. Gl. Gl. Conte Pückler de Drsche-Flcg'e. Eine preußische M i n i st e r i a l s i tz u» g vom 18. A u g ii st 1899. Die Minister sind mit Ansiiahnie Hohenlohes versammelt. Miguel(nervös): Ist immer noch kein Telegramm da? Thielen: ES scheint nicht! Brefeld: Je länger es dauert, desto schlimmer fürchte ich, wird die Antwort. Recke: Wie der Dichter sagt, ich glaube, es Ivar Exccllenz Goethe: der Weise wartet auf Antwort. Warten wir! Hohenlohe(hercinschleichend): Guten Morgen! Alle voll- zählig beisammen? Schönes Wetter draußen. Nicht mehr so heiß. Hni, ivas ich sagen wollte. Sie haben mis also auch in zweiter Lesung die Zuchthaus vorläge nicht bewilligt. Miguel fflüsterud): Kanal vorläge, lieber Onkel: Hohenlohe: Ja richtig. Kanal Vorlage. Der Reichstag benimmt sich fortgesetzt schändlich... Miguel(leffe): Das Abgeordnetenhaus... Hohenlohe: Ganz recht. Das Abgeordnetenhaus. ES ist immer das Gleiche. Wir gelten nichts mehr. Ob Kanal, ob Zucht- haus, Reichstag oder Abgeordnetenhaus, man blamiert uns immer. Hamm erst ein: DaS Abgeordnetenhaus ist noch diel bös- artiger als der Reichstag. Den Posadowsky haben die Sozzen wenigstens angehört, als i ch sprach, lachten die Herren rechts,»nd sprachen vom Wintergarten, Pferden, und Getreidepreisen. Ich habe mein eigenes Wort nicht verstehen können. Miguel: Sie haben wohl absichtlich nicht zugehört, um nicht hören zu müssen, daß Sie gegen sie sprachen. So' wissen sie von nichts und brauchen Ihnen, lieber Kollege, nichts nachzutragen. Sie können Sie nach wie vor für ihren Freund halten. Hohenlohe: Einen Augenblick Ruhe, Kinder. Ich will und muß eine Rede über die innere Lage halten.(In seiner Rocktasche suchend, für sich leise): Wo ist doch' in ein Konzept?(Sucht weiter.) Aha, da ist's(zieht ein Blatt Papier heraus, entfaltet es und liest mit erhöhter Stimme): Meine Herren I Wir müssen energisch vorgehen! (Er setzt sich wieder.) Miguel: Ich glaube ini Nomen aller zu sprechen, wenn ich versichere, daß die Rede unseres hochverehrten Präsidenten uns allen wie ans der Seele geschnitten war. Es fragt sich nur, w i e wir energisch vorgehen wollen. Recke: Lassen wir mit'n paar Zeitungsartikeln den Aufsässigen nach den Beinen zielen. Drohen hilft, und Einseifen ist die Hauptsache. Miguel: Doch nicht! Sie werden unS auslachen. Wir müssen noch energischer werden. Thielen: Dennssionicren wir also I Miguel: Lange nicht energisch genug. Und schließlich, wer hätte den Schaden davon? Wir! Brefeld: Man muß die Bande auflösen. Miguel: Ein schwächliches Mittel. Die Kerle kommen wieder. Energischer, energischer I Sinnt doch mal nach. Recke(lächelnd): Ich weiß; Allgemeines, gleiches, direktes, geheimes Wahlrecht oktroyieren. Miguel: Das nennen Sie energisch? Das hieße doch neue Niederlagen organisieren. Hohenlohe(murmelnd): Nur recht energisch, immer noch mehr energisch! Hammcrstein, iveißt Dn nichts? H a m m e r st e i n(seufzend): Ach nein! Ich bin ja doch nur ne Null!(Er Iveint.) (Pause.) Miguel: Aber ist denn immer noch nicht das Telegramm da? Hohenlohe: Tclcgrannn? Ach richtig! Das hätte ich bei- nahe vergessen(holt ans seiner Hosentasche ein Telegramm). Ich kriegte es heute mittag. Lest es mal. (Das Telegramm cirkuliert, jeder schüttelt beim Lesen den Kopf.) Thielen: Ist das denn die Antwort? Dentsch-franzöfischer Michael... Gottcsfrieden... Ich verstehe gar nichts. Miguel(erregt): Halt— ich hab's. Das ist eine symbolische Antwort. Jetzt haben wir das wirklich energische Mittel angewiesen erhalten. Brefeld: Mir ist die Sache nicht klar. Miguel: Aber nichts einfacher als dies. W i r sind doch die Toten, und Leichen dürfen sich mit ihren Feinden-- versöhnen. Es gicbt mir eine Möglichkeit, energisch vorzugehen..... Wir Iii« s s e n nachgebe n. Recke(begeistert zustimmend): Ja wohl, der Kl ii g e r e giebt nach.. » AuS einer Extra-General-Versammlung der frei- sinnigen Volkspartei. Ans der Tagesordnung steht die Frage: Dürfen freisinnige V o I k S p a r t e i l c r M i n i st c r werden? W i e m e r: Die Junker sind zerschmettert. W i r sind die Männer der Zukunft. W i r sind die Regierungspartei. W i r sind die Minister von morgen. Fort mit der unfruchtbaren Opposition. Das Heil liegt im Absolutismus unter freisinnig volksparteilicher Verantwortlichkeit. Ist doch der Absolutismus schon im 10. oder 17. Jahihundcrt nur aus dem Grunde in das Staatsrecht eingeführt worden, um die Macht des Adels zu brechen»nd das freie Bürger- tum empor kommen zu lassen. So auch heute! Wir brauchen de» Absolutismus, um den Uebcnnut der Junker zu bändige». Darüber sind wir einig. Das Problem ist nur, ob es das Programm des Mäunerstolzes vor Königsthrone» erlaubt, gerade Portefeuilles an- zunehmen. (Rufe: Natürlich I Erst recht! Was den» sonst!) W i e m e r(mit Pathos schließend): Minister sein oder nicht sein— das ist die Frage.(Stürmischer Beifall.) Richter(schreiend): Kameele! W i e in e r: Erlaube mal Das verstehst Dn nicht mehr. Du bist z» alt dazu.(Rufe: Fossil! Blutverjüngung!> lli i ch t r r(ivütend): Wir gehen, wir haben hier nichts mehr zu suchen. Konnn Knörcke I K u ö r ck c(zögernd, verlegen): Ich möchte doch eigentlich bleiben. Denk', wenn ich das Kultusministerium bckänie. D i e Humanität I Richter(verzweifelnd): Auch Du! Ra. denn allein!(Rufe: Raus!) Ich gehe schon.(Er wirft krachend die Thür ins Schloß. Rufe: Gott sei Tank I Den sind ivir los I Nach einer Weile klopft es schüchtern!) W i einer: Her! Rickert(ängstli.� umherspähend): Ist er weg? Kreitling: Total I Rickert(stürzt auf Wiemcr zu und umarmt ihn): Jetzt können wir einig sein, auf ewig vereint! K n ö r ck e(segnet gerührt den Bund): Das ist die schönste Stunde meines Lebens! Rickert: Aber bei der Portefeuille-Vergebnng natürlich halb und halb! W i e m e r: Aber selbstverständlich. Ich schlage also folgende Liste vor: Rickert: Präsidium und Inneres, Brömel: Krieg. Knörcke: Kultur, Träger: Justiz, Lessing: Landwirtschaft, Kreitling: Handel und Pachnicke: Eisenbahn.(Großer Jubel.) Tie Liste wird einstimmig angenommen. W i e m e r: M. H. Wir haben noch eine Vorbedingung zu er- füllen vergessen, ohne die es uns nicht vergönnt sein würde, zum Wohle des gesamten Vaterlandes ohne die einseitige Berücksichtigung irgendwelcher Sonderinteressen Minister zu werden. Wir müssen das„frei" ans unserem Parteinanien streiche».(Sehr richtig! Händeklatschen.) Rickert: Und wir niüffcn ferner, um die wieder gewonnene Einheit der beiden freisinnigen Fraktionen zu kennzeichnen, einen Ausgleich zwischen VolkSpartci und Vercinignng schaffen, wobei wohl das„Volk" geopfert werden kann. W i e m e r: Ich schlage vor: Führen wir hinfort den Namen: Die sinnige V e r e i n i g u n g s p a r t e i. Meine Herren! Die sinnige Vereinigungspartei. Hurra, Hurra, Hurra I—_ Joe, Kleines Feuilleton. — AuS Wicner GerichtSsiilcn. In einem Schwurgerichts- Prozesse sagte ein Verteidiger in seinem Plaidoyer:„Dem An- geklagten ist leider keine energische Hand zur Seite gestanden, die ihn vom Abgrunde weggezogen und ihm zugerufen hätte:„Bis hierher und nicht weiter!" „Es ist nicht zu verkennen," plaidierte ein anderer Advokat, „daß die Stclliing eines Angeklagten ihre Schwierigkeiten hat. Stiehlt er bei Tag, so wird ihm die größere Frechheit, die er dadurch bekundet hat, als erschwerend zur Last gelegt. Stiehlt er bei Nacht, dann ist wieder die größere Gefährlichkeit erschwerend. Ja, wann soll d a n n e i g e n' t l i ch einer st e h l e n?" Einem Angeklagten, welcher der Kurpfuscherei beschuldigt wurde, hielt der Vorsitzende strenge vor, daß er es gelvagt habe, ohne ärztliches Diplom Kranke zu behandeln. Der Angeklagte bat sodann um Geheimerklärnng der Verhandlung, da er zu seiner Rechtfertigung etwas vorzubringen habe, was er nur dem Gerichts- Hofe anvertrauen könne. Nachdem die Verhandlung für geheim er- klärt worden, sagte der Angeklagte:„Hier, Herr Präsident, ist mein Diplom; ich bin ja Arzt, aber nieine Patienten dürfen es. nicht erfahren, sonst haben sie kein Vertrauen m e h r z u m i r I" » Vorsitzender:„Angeklagter, Sie sind zu l e b e n s I ä n g- l i ch e m schweren Kerker verurteilt. Wenn Sie die Strafe gleich antreten, zählt Ihnen schon der heutige Tag." In einer Verhandlung, in der Dinge zur Erörterung kamen, welche eigentlicki unter Ausschluß der Oeffentlichkeit hätten besprochen Iverdcn sollen, sagte der Vorsitzende:„Ich werde eine kleine Pause eintreten lassen, damit jene Damen, welche die weiteren Erörterungen nicht mit anhören wollen, sich entfernen können." Keine einzige Zuhörer!» verließ den Saal.„Run", fuhr dann der Vorsitzende fort,„nachdem sich die anständigen Damen entfernt haben, brauchen wir uns keine Reserve mehr auf- znerlegen." � „Wenn Sic nicht binnen drei Tagen", schrieb ein Advokat an einen säumigen Schuldner,„die Forderung meines Klienten samt Zinsen und Kosten begleichen, werde ich Sie zu Lande und Wasser verfolgen und dem Erdboden gleichmache n". Richter:„Angeklagter, Sie sind freigesprochen."— Aug e- klagter:„Ich rekurriere."— Richter:„Sie sind ja frei- gesprochen, wozu wollen Sie rekurrieren?"— Angeklagter: „Das Obergericht soll auch sehe», Jbaß ich nnschnldig bin." Ein berühmter Verteidiger reiste nach Jglau zu einem Prozesse, für den er ein großes Honorar erhalten hatte. Gleich zu Beginn der Verhandlung zog der Staatsanwalt die Anklage zurück, und der Angeklagte wurde freigesprochen. Er forderte nun den Ver- leidiger aus, ihm wenigstens einen Teil des Honorars zurückzugeben, da er dieses doch nur für seine Rede beanspruchen könne.„Sie haben nicht unrecht", entgegnete der Verteidiger.„Kommen Sie mit mir in mein Hotel, ich werde Ihnen dort die Rede halten. Das Geld gebe ich aber keinesfalls zurück!"—(„W. Extrabl.") Erziehung«nd Unterricht. — Die Fortschritte der Erziehung in Japan be- leuchtet ein eben erschieneuer offizieller Bericht des japanische» U n t c r r i ch t s m i n i st e r s. Danach ist seit bem Jahre 1893 die Zahl der öffentlichen Staatsschulen von 23 573 auf 26 776 im Jahre 1897 gestiegen. Die Zabl der an diesen be- schäftigten Lehrer und Jnstruktoren stieg gleichzeitig von 62 860 auf 82 54:5, d. h. um 19 695, während die Zahl der Schüler von 3 316 200 auf 4 016 003 hinaufging. Im Jahre 1897 war es so ge- lungen, 81 pCt. der gesamten männlichen Kinder des Landes und 51 pCt. aller Mädchen in den Staatsschulen zu unterrichten. Die da- mit verbundenen Ausgaben beliefen sich im Jahre 1897 auf 18 669 049 Den, wovon 12 545 243 Den durch besondere Schulsteuern aufgebracht wurden, während die Differenz durch das Grundeinkommen der Schulen gedeckt wurde. Diese Summen schliefen indes nicht die Ausgaben für die Hocbschulen und Universitäten ein. Für den Unter- fall der beiden Universitäten deS Landes, von zwei Normal-Hoch- chulen, sechs Hochschulen, fünf technischen Schulen, einer Blinden- und einer Taubstummenanstalt, einem technischen Lehrerseminar und der Landesbibliothek wurden außerdem 1 522 509 Jen verausgabt. Indes umfaffen diese Staatssckulen nicht sämtliche Erziehungsanstalten des Landes. Neben diesen existierten im Jahre 1893 noch 2021 Privatschulen, deren Zahl im Jahre 1897 allerdings infolge des raschen Wachsen? der Staatsschulen auf 1677 zurückgegangen war. Trotz dieses Rückganges aber war die Zahl der Schüler von 139 595 im Jahre 1893 auf 152 714 im Jahre 1897 gestiegen.— Archäologisches. gd. KanntendiealtenAeghpterdasPorzellan? Die bisher strittige Frage scheint durch neue Funde, von denen Berthelot auf Grund von Mitteilungen Le Chätelliers in der Pariser„AoadSmio des sciences" berichtete, in bejahendem Sinne gelöst zu sein. Man hatte zwar schon einzelne Porzellanvasen in einem Grabe, das drei- bis viertausend Jahre alt ist, gefunden und daraus gefolgert, daß die Aegypter das Porzellan gekannt hätten. Aber bei genauerer Prüfung hatte sich herausgestellt, daß das angeblich ägyptische Porzellan chinesische Inschriften aus dem 12. und 13. Jahrhundert trug: es war also kein Zweifel, daß diese Stücke chinesischen Ursprungs ivaren, und die Frage blieb offen. Le Chictellier hatte nun aber Gelegenheit, einige Porzellan-Basen, die aus einer erst kürzlich zu Tage gefördetten, mehrere Jahrhunderte vor Christt zu datterenden Totcnstadt stammten, genau zu prüfen. Die Echtheit dieser Basen ist sicher; sie tragen außerdem nicht chine- fische Inschriften, sondern Hieroglyphen. Le Chütellier teilte noch mit, daß es Basen aus Weichporzellan sind.— Völkerkunde. — Ueber den Dämonenglanben der Neger an der Goldküste giebt der englische Arzt Frcenmn einige Bemer- kungen, denen.Mutter Erde" das folgende entnimmt: Eine besonders wichtige Rolle im Leben dieser Völker spielt eine Art übernatürlicher Wesen, die Abonsam oder Dämonen. Aeußerlich sind diese von den Menschen nicht zu unterscheiden. Die Dänronennatur ist den Abonsam erblich, doch ist das Kind eines Dämonen mit einem Richtdämonen nicht notwendigerweise auch ein Dämon. Der Abonsam lebt natürlich, seinen, menschlichen Acußern entsprechend, unter den Menschen. In der Nacht aber, wenn alles schläft, steht er vom Lager auf und wirft seine Haut ab. Er erscheint dann als eine blasse, schlotterige Kreatur mit weichem, weißem Haar. In dieser Gestalt verläßt der Dämon die Hütte; er ist nun zwar unsichtbar, doch kann man seinen Weg an einem ab und zu von ihn, ausgehenden Lichtschein verfolgen. Die Dämonen der Sceküste eilen des Nachts ans Meeresufcr und schmausen dort von den zahllosen Krabben; oft aber besuchen sie auch die Menschen, saugen ihnen das Blut ans. und diese müssen an Entkräftung und Auszehrung sterben. Glücklicherweise giebt es aber Mittel dagegen. Hat man herausbekommen, daß ein solcher Dämon nächtlicherweile ein Haus aufsucht, so geht man zum Zauber- doktor des Dorfes. Dieser zündet in dem Hause ein Feuer an und streut, sobald die Asche weiß zu werden beginnt, eine„Medizin" unter gewissen Ceremonien auf die noch glühenden Kohlen. Und sobald der Rauch in die Höhe steigt, nimmt der Dänion ReißauS, das Haus ist gereinigt, und der befallene Kranke wird wieder gesund.— Ein solcher Dämon in Menschengestalt geht natürlich auch öfter die Ehe mit einem wirklichen Mensche» ein. Früher oder später entdeckt dann der Gatte doch, woran er ist, wenn er einmal die zurückgelassene Haut des Dämon vor dem Lager findet, während dieser seinen nächtlichen Ausflug an- getreten hat. Man steht dann auf.»nacht sich aus rotem Pfeffer einen Teig und schmiert damit den Dmnonenbalg innen ein. Darauf legt man sich ins Bett und wartet der Dinge, die da kommen sollen. Der Dämon kehrt endlich von seinen nächtlichen Orgien zurück und wirft seine menschlickie Haut über. Er findet aber sofon, daß-es wenig spaßhaft ist, in einer gepfefferten Haut zu steckciy und sucht eiligst das Weite.—. v Ans dem Tierlebe». — Ueber das Alter der Bogel hat ein englischer Pro- fesior auf Grund einer Anzahl zuverlässiger Angaben eine Liste zu- fammengestrllt, nach welcher ein gelbgehäubter Kakadu das höchste Alter erreicht hat. Derselbe hatte eS auf 81 Jahre gebracht. Außer diesem verzeichnet er noch einen 80jähriaen Kakadu, einen blaue» Ära. der 6t Jahre alt geworden ist. sowie eine Anzahl Papageien, zwischen 40 und 50 Jahren. Bon anderen Vögeln ist eine Gans erwähnt, die vor zwei Jahrhunderten im Alter von 80 Jahren getötet wurde. Der Gans folgt ein Schwan, der im Londoner St. Jamcs-Park ein Alter von 70 Jahren erreichte. Als vierter in der Reihe der Vogelgreise erscheint ein Rabe im Alter von 69 Jahren. Dem Raben folgt unmittelbar ein noch lebender, 63 Jahre alter Uhu, der mit seinem 53 Jahre alten Weibchen 93 Junge aufgezogen hat. Unter den Tag- Raubvögeln ninimt ein Königsadler mit 56 Jahren die erste Stelle ein. Ihm zur Seite steht ein Gaukler, der im Zoologischen Garten in Amsterdam lebt und jetzt 55 Jahre alt ist. Die Zahlen über das Alter des Steinadlers sind unsicher und als sicher festgestelltes Alter eines Steinadlers nimmt man 46 Jahre an. Ein Seeadler ist mit 42 Jahren verzeichnet. Besondere Erwähnung verdient auch noch ein Kondor im Zoologischen Garten zu Amsterdam, der jetzt 50 Jahre alt ist. Reiher sind von Liebhabern der Falkenjagd oft durch Metall- ringe mit der Jahreszahl gekennzeichnet werden. 1728 wurde in Bayern ein solcher Reiher gefangen, der 60 Jahre vorher geringelt worden war. Ein Kranich wurde im Zoologischen Garten von London 40 Jahre alt. und von einem schwarzen Storch wird berichtet, der das Alter von 30 Jahren erreichte. Auch Pelikane bleiben lange am Leben, in Rotterdam befindet sich einer, der jetzt 41 Jahre alt ist. Ein beträchtliches Alter scheinen sodann die Albatroffe zu erreichen. So wurde Anfang 1887 von einem Schiffe bei Kap Horn ein Albatros gefangen, der an seinem Halse ein Kompaßgehäuse trug mit der Nachricht, daß der Vogel im Jahre 1840 von dem amerikanischen Schiffe„Co- lumbus" gefangen worden sei. Man versah den Gefangenen mit einer»euen Hülse und ließ ihn wieder frei. Die Möven stehen an Lebensdauer nicht weit von den Albattoffcn zurück. Daß Tauben 40 Jahre alt werden können, mag vielen überraschend erscheinen. Haushähne werden bis 30 Jahre alt. Die kleinen Singvögel bringen es in d er Gefangenschaft bis auf etwa 25 Jahre, dieses Alter erreichte eine Nachtigall. Bon Kailarienvögcln ist der älteste 20 Jahre alt geworden.— Geologisches. — Ueber die letzten Ausbrüche des BesnvS und ihre Folgen veröffentlicht der gegenwärtige Leiter deS Observatoriums. Prof. T a s c o n e, einen zusammenfassenden Bericht, der mit Ende des vergangenen Juli die Thättgkeit des BnlkanS als erloschen an- nimmt. Diese Thättgkeit hatte stm 3. Juli 1895 begonnen und an- fänglich lebhaft. dann mit Unterbrechungen und tminct schwächer werdend, ungefähr vier Jahre gedauert.' Während dieser Zeit hat sich zwischen dem Hallptkrater und dem Monte Somrna am Ausgange des Attio del Cavallo ein kuppelförmigcr Lavaberg gebildet, dessen Höhe etwa 130 Meter beträgt, so daß die Form des BesuvS dadurch erheblich umgestaltet ist. Die gesamte Ausbruchsmaffe wird von TaScone auf 107 Millionen Kubikmeter geschätzt. Ein Teil dieser Lavamasse ist über die Piana belle Ginestre und in das Bettanathal hinabgeflosseil und hat das Gelände unterhalb des Observatoriums derart erhöht, daß es nur noch 27 Meter höher als die Oberfläche dieser Lava liegt. Diese Aufschüttung zu beiden Seiten des Observatoriunlshllgels ,md die Bildung des hoben LavabergeS oberhalb bewirken, daß bei knnstigen Ausbrüchen an oerselben Seite des Vesuvs das Observatorium sich nicht mehr der vollkommenen Sicherheit wie bisher erfreuen wird.— Humoristisches. — Schrecklich. Graphologe:„... Aus der Schrift eines Menschen kann man ganz genau seinen Charakter erkennen!" Bauer:.Jessas, Herr Dokter, no' muß Zf jo gar kein' Charakter hab'n— I' kann ja gar«et schreib'»,!"— — Gute Partie.„Hat der junge Schulze eine gute Partie gemacht „Und ob! Seine junge Frau hat ihm schon drei 1. Preise vom Dainenwettradeln heimgebracht!"— — Der Protz:.... Oh, bei niir zu Hanse darf keine? müßig gch'n... meine ganze Familie muß fleißig»uit helfen— C o np ons schneidenl"—(»Flieg. Bl.") Notizen. — Die zehn Sinfonie-Abende unter Leitung Felix Weingart ners werden in der Spielzeit 1899/1900 an folgende» Tagen'stattfinden: 29. Septeniber, 18. Ottober. 6. November, 11.' und 22. Dezember 1899, 3. und 22. Januar, 9.»»nd 22. Miirz, 14. April 1900.— — Marie E l s i n g e r scheidet mit Beginn der nenn» Spielzeit ans dem Verband des«Deutschen Theaters".— —„Der Triumph der Republik," eine Koloffalgnippe von D a l o n, die 14 Meter hoch ist»ind nichr als 40 000 Kilo- aramm>»negt, ist in ihren wesentlichen Teilen a»if der Place de Nation »ii Paris aufgestellt. Die Republik ist sitzend auf einem mit zwei Löwen bespannten Wagen dargestellt und von allegorischen Figuren umgeben. Am Jahrestage der Proklamation der ersten Republik (25. September 1792) soll die Gruppe enthüllt werden.— — Der zwölfte internationale Orientalisten» Kongreß wird vom 5. bis zum 15. Oktober in Rom tagen. — Das Museum der Ohrenheilkunde i>» L o n d o n enthält 3000 Paar kranker und niißgestalteter Ohren.—_ Verantwortlicher Reoaetcur: Robert Schmidt m Berlin. Drucl und Verlag von Dtax Bading m Berlin.