Zlnterhaltttttgsblatt des Worwäris Nr. 164. Mittwoch, den 23. August. Z5Z99 (Nachdruck verboten.) n Fofeph Conviz. Roman von John Law. Aus dem Englischen von I. Cassierer. I. Es war am Tage nach dem Besuche der Königin im Ost- ende von London. In Whitechapel flatterten lustig die Fahnen und Mile End hatte sich in seiner ganzen An Dehnung mit bunten Bannern und Guirlanden aus roten, gelben, grünen und blauen Papierblnmcn geschmückt. Es war erst gegen siebzehn Stunden her, daß ihre Majestät von vielen Ve- wohnern des Westend, die, um den Zug der Königin zu sehen, hierher nach deni London Hospital und den großen Brauereien gekommen waren,- enthusiastisch begrüßt worden war. Das Hurragcschrei der Stridenten der Medizin hallte noch in der Luft wieder und der Duft des Parfüms, mit dem die reichen Vrauersgattinnen und Doktorstöchter ihre Taschentücher be- gössen hatten, stieg zum Himmel empor. Zcitungs- Reporter ivaren eifrig an der Arbeit, Einzelheiten und kleine Vorfälle, die jetzt noch über den Zug der Königin bekannt wurden, für die Montags-Zeitungen ausfindig zu machen, und Mustler waren in voller Arbeit. Bilder von Whitechapel, wie es sich im Jubiläumsjahre dem Auge des Beschauers bot, für die illustnerten Wochenschriften zu entwerfen. Davon wollte jedoch niemand sprechen, daß, als der Zug Ihrer Majestät schon sein Ende fast erreicht hatte, sich in die schwachen Beifallsrufe auch das Zischen der Stammgäste der berüchtigten„Slums"(Schlafhöhlen) mischte; niemand wollte davon hören, daß die Menge, die vor dem„Volkspalast" stand, ein mürrisches, unheilverkündendes Aussehen hatte, das recht gut auf eine für die nächsten Jahre drohende Gefahr schließen ließ. Unbekümmert um die zerlumpten Männer, hungrigen Weiber und kleinen schmutzigen Kinder hatten sich die Damen, die die Königin begleiteten, schmachtend in die Kissen ihres Wagens zurückgelehnt, und sie wie ihre Gatten, die blasierten Besucher des Hyde-Park und der Klubs, die ihre Damen nach dem„Volkspalast" begleitet hatten und nachlässig aift das Volk heruntersahen, wurden von den Zeitungsschreibern ob ihrer Mcnschenfteundlichkeit gerühmt, mit der sie das Volk mit dem Segen ihrer Gegenwart beglückten; Künstler stellten sie als selbstlose Damen und Herren dar, die es über sich gebracht hatten, das Vergnügen eines ganzen Nachmittags zu opfern, um den Augen schlecht bezahlter Männer und über- arbeiteter Frauen den Anblick ihrer glänzenden Cylinder und prächtigen Hüte zu bieten. Es war an einem Sonntagvoruiittag gegen elf Uhr, und die Glocken der Kirchen und Kapellen mahnten das Volk, die Erde zu vergessen und sich an den Himmel zu erinnern. In einer Querstraße der Commercial Road waren die Thören einer den Methodisten gehörigen Kapelle weit geöffnet. Auf den steinernen Stufen, die zum Eingang hinauf führten, stand ein schwarz gekleideter Herr. Er beobachtete das Kommen der Gemeinde und war bereit, falls etwa ein Fremder an dein„Morgengottesdienst" teilnehmen wollte, ihm einen Platz anzuweisen," auch verteilte er Bibeln und Gesangbücher und gab auf die jüngeren Glieder der Gemeinde acht, die bislveilen Nüsse und Aepfel mit in den Gottesdienst brachten. Die Kapelle war viereckig und im Rohbau aufgeführt. Die Wände waren weiß getüncht, die Thören schwarz gestrichen. An der Wand, welche den Stufen gegenüber lag, hing zwischen den Thören eilt Kalender. Nur eine Bedingung, so stand auf dem Almanach, wurde zunächst denjenigen gestellt, die die Absicht hatten, Methodisten zu werden, und zwar die„von dem Wunsche beseelt zil sein, dein kommendm Strafgericht zu entgehen imd ihrer Sünden ledig zu werden". Sünder, die dies wollen, werden als Mitglieder aufge- uonmieu; sie werden als der„Methodisten- Gesell- schaft" zugehörig eingetragen; es ist dies eine Gesellschaft von Menschen, die im Besitze des Scheines nach der wahren Kraft der Gottsceligkeit streben, die sich zu gemeinschaftlichem Gebete zusammen gcthan haben, um das Wort der Ermahnung z>t empfangen und die über einander in Liebe wachen, daß einer dem anderen helfen kann, an seinem Werke der Erlösung zu arbeiten." Der Herr, der am Eingang zur Kapelle stand, war in seinem Berufe ein Kellner und in der Gemeinde sehr gut bekannt. Die Gemeindemitglieder, welche lachend und plaudernd durch die Thür schiittcn, grüßten ihn und begaben sich dann auf ihre Plätze. Von außen>var die Kapelle häßlich, innen aber geradezu abscheulich. Längs der Nord-, Süd- und Ost- seite lies in halber Höhe zwischen Fußboden und Decke eine Galerie entlang. An der Westseite befand sich das Orgclchor mit einigen Sitzreihen für die Sänger. Unterhalb des Orgelchors lag die Kanzel, die mit Arnisessel. Kissen und Fußbänken ausgestattet war. Zwei Treppen, deren Stufen mit hellem, blauem Samt belegt waren, führten von der Kanzel in das Schiff der Lkapelle hinunter. Unterhalb der Kanzel standen der AbendmahlStisch und der Taufstein, auch� war da eine Thür, die nach der Sakristei führte. Die Kapelle faßte fünfhundert Personen, aber au diesem Sonntagvormittag mochten wohl nur gegen zweihundert Männer, Frauen und Kinder zur An- dacht gekonnnen sein. Diese zweihundert Gläubigen waren Wohl genährt und gut gekleidet, heiter und mit sich selbst zu- frieden sahen sie ans, wie dies ja auch Leute thun müssen, die sich in einem„Gnadenzustande" befinden, die lvissen, daß, was' auch immer den..Unerlösten" begegnen möge, ihre eigenen Seelen„gerettet" sind. Unter dieser selbstgefälligen kleinen Gemeinde erschien plötzlich ein Mann in zerlumptem Anzüge und mit ein- geschlagenem Hute. Als er an dem Kellner vorbeiging, warf dieser ihm argwöhnische Blicke zu, als vennutete er in seiner Tasche Schießpulver und in seinem Hute Dynamit. Als er die Kapelle betrat, sahen ihn die anwesenden Männer scharf an und die Frauen rückten zur Seite. Auf eine dicht unter der Kanzel stehende Bank schritt er zu und blieb dort eine Minute lang stehen. Seine Hosen waren aus Barchent und oben an den 5ftücn mit Taustückcn zusammengebunden. Der lange, weite Rock, den er trug, war mit Sackleinwand, Stücken von Lcder, baumwollnen Flicken und Tuchfetzen ausgebessert. Sein Hemd war ohne Priesen, ein Kragen war auch nicht mehr daran. Um den Hals hatte er einen Flanelllappen geschlungen, den er wohl auf irgend einem Müllhaufen gefunden haben mochte, und seine Füße zierten ein paar alte Stiefel, die ihm wahr- scheinlich ein gutmütiger Lumpensammler geschenkt hatte. Sein Gesicht war aufgedunsen und er sah aus, als ob er in diesem Leben nichts mehr zu hoffen hätte und ihm seine äußere Er- scheinung auch ganz gleichgültig wäre. Infolge des Trinkens zitterten seine Hände und seine Beine hatten keinen festen Halt mehr. Er setzte sich nieder und bedeckte sein Gesicht mit den Händen, so daß der Kellner, der ihm in die Kapelle gefolgt war, sich gar nicht erst die Mühe gab, ihm eine Bibel oder ein Gesangbuch anzubieten. Nachdem zehn Minuten vergangen waren, that sich die Sakristei-Thür auf, und die Geistlichen bettaten den durch ein Gitter umgebeneu Raum, in dem der Abcndsmahlstisch stand. Sie stiegen die Treppe hinauf, die zur Kanzel führte. Der ältere, Mr. Mcek, that dies mit raschen Schritten, während Mr. Stry, der zweite Geistliche, ihm bedächtig folgte. Ein lebhafter Geist beseelte Mr. Meek; Mr. Stty hingegen war es noch nicht geglückt, die Erfahrungen, die er im Leben ge- sammelt hatte, mit seinen Ueberzeugungen in Einklang zu bringen; er war magenleidend. Es sah fast so aus, als hätte man diese beiden Geistlichen nur aus dem Grunde erwählt, mit einander zusammen zu arbeiten, um den Augen, wenn nicht auch dein Geist ihrer Gemeinde den vollständigen Gegensatz, den sie zu einander bildeten, vorzuführen. Mr. Meek war von großer Figur, breitschulteng und kräftig gebaut: er hatte dunkles Haar, das jedoch seine Stirn frei ließ, und sein Gesicht um- rahmte ein dichter Schnurr- und Backenbart von schwarzer Farbe. Seine Augen blinzelten, und wäre nicht auch Mr. Stry zugegen gewesen, so hätte man ganz gut glauben können, daß er es sich zu schulden kommen ließe, auf der Kanzel Verse zu machen. Seine Gebete bestanden in Dank- sagungen, in Benedeiungcn des Allmächttgen, der die Erde zu einem solch schönen Aufenthalte für ihre Bewohner ge- macht habe, der da versprochen habe, irdische Freude in himmlische Wonne zu verwandeln. Er dankte Gott für „Schöpfung, Erhaltung und alle Segnungen dieses Lebens", ganz besonders aber für das schöne Geschenk der Erlösung, nämlich des ewigen Glückes, welches seine Diener nur dankbar anzunehmen brauchten, ohne daß sie eS nötig hatten, sich dessentwegen viel anzustrengen. Mr. Stry war groß gewachsen, hager und von eckigen formen. Sein Gesicht war durch Vlattcruarben entstellt. Sein rötliches Haar stand fast aufrecht und sein ebenfalls rötlicher Bart lief in eine scharfe Spitze aus. Mr. Stry schmeichelte seinem Gotte nicht. Er erinnerte ihn an seine Pflichten und beschwor ihn, die Schale seines Zornes über alle, aber nur nicht über das auserwählte Volk auszuschütten, alle, aber nur nicht seine Erwählten, zu strafen. Die Schlechtigkeit der Völker, die Verderbnis der menschlichen Natur waren die Hauptpunkte seiner Predigten, und dringende Bitten an den Allmächtigen, daß er nicht Gnade statt Gerechtigkeit walten lassen und die Bösen nicht verschonen möchte, bildeten den Inhalt seiner Gebete, in denen es auch an Anspielungen auf die Verlorenen, auf Satan und die ewige Verdammnis nicht fehlte. Mr. Stry setzte sich in einen Lehnstuhl, während Mr. Meek vor einer großen Bibel, die vor ihm auf einem Pulte lag, Platz genommen hatte. Er lächelte der Galerie oben und den Bänken unten zu, nannte sodann ein Lied, das er erst Vers für Vers vorlas, bevor es die Gemeinde sang. Während die Gemeinde sich erhoben hatte, um das Lied zu singen, blieb der in Lumpen gekleidete Mann sitzen. Als das Lied zu Ende war, richtete er den Kopf empor und sah sich wohl eine Minute lang um. Dann vergrub er wieder das Haupt in seinen Händen. Er saß dicht unter der Kanzel, und da die große Bibel ihn den Augen Mr. Meeks entzog, wußte dieser nicht, daß ein Fremder anwesend war. Der Geistliche sah nur bekannte Gesichter, Gesichter von Leuten. nnt deren Freuden und Leiden er recht gut vertraut war, als er nach Beendigung des Liedes seine volle rechte Hand über seine dicke linke Hand legte und ein Dankgebet begann. Mr. Stry las ein paar Kapitel aus der Bibel, gab dann der Gemeinde von Zusammenkünften Kenntnis, die im Laufe der nächsten Woche stattfinden sollten; auch nannte er die Zeiten, zu denen Vibelstunden abgehalten werden sollten und machte noch nähere Mitteilungen über ein demnächst abzu- haltendes Missionsfest. Noch ein paar Lieder wurden gesungen, noch ein Gebet gesprochen, auf das die Gemeinde mit „Gepriesen sei der Herr" und Amen antivortete. Dann nannte Mr. Meek einen Text und begann in einem ver- traulichen Tone seine Ansprache an die Gemeinde. Mit einem Lächeln im Gesicht beugte er sich über die Kanzel; das Lächeln verschwand jedoch plötzlich, und Mr. Meek lehnte sich wieder zurück. Er hatte den zerlumpten Mann benierkt, oder richtiger gesagt, er hatte einen zerfetzten Nock, verwildertes Haar und eine so tief gebeugte Gestalt gesehen, daß deren Kopf ihre Kniee berührt haben würde, wenn ihn nicht ein paar schwarze Hände gestützt hätten. In der nächsten Minute hatte sich der Geistliche von seinem Schreck wieder erholt, und seine Augen auf die Galeric gerichtet, wiederholte er die Worte seines Textes: „Und als sie sogar Gott nichtlsim Herzen tragen wollten, verstockte er ihr Gemüt, so daß sie Dinge thaten, die nicht recht waren." „Meine lieben Freunde," begann der Geistliche.„In der letzten Zeit habe ich viel über das Wesen der Zweifler nach- gedacht. Ich bin überzeugt, und ich weiß es, daß es so ist, daß ein Mensch, der keinen Glanben hat, auch ein Mensch ist, ein Mensch sein m u ß. Ja. ich muß sogar zugeben, daß ich schon Menschen geftinden habe, die keine Religion bekennen, keinen Glauben besitzen und doch schein bar ein selbstloses, tugendhaftes Leben führen und allem Anscheine nach gute Väter, Gatten und Bürger sind. Ich habe hierfür in der Heiligen Schrift nach einer Erkläru ng gesticht, denn ich weiß recht gut, daß eine hohe und vollkommene Sittlichkeit nicht möglich ist ohne den Glauben an Gott, daß der Mensch nur erlöst werden kann durch den Glauben an die Erbsünde, an die Ausschüttung des heiligen Geistes, au das clvige Leben und die ewige Verdammnis und an die andern Lehren der christlichen Religion. Und auf meine Fragen bin ich mit einer Antwort begnadet lvorden, und ich habe herausgefunden, daß man die Zweifler nicht als ei nzelne Individuen betrachten darf. In der Geschichte der Vä lkcr müssen wir das Schicksal der Ungläubigen lesen. Der einzelne Mensch mag ja ganz gut erscheinen, wenn nian ihn allein, von seinen Genossen losgelöst, betrachtet, aber in ihrem Volke werden die Ungläubigen zu einer Macht, sie zeigen sich dann in ihrer wahren Gestalt als Trunkenbolde, Gottesleugner, Leute mit verstocktem Gemüt, die solche Dinge thun, die nicht recht sind. Ohne Glauben an Gott und das ewige Leben ist ein Mensch der echten Religiosität unfähig; dem Scheme nach mag er sie ja besitzen, aber trauet nicht dem Scheine. Die Stärke aller Moral liegt in Gott; einem Volke, das keinen Gott hat, geht es ganz gewiß so wie Sodom und Gomorrha, ja, meine lieben Freunde, wie Sodom und Gomorrha. Um einen Beweis hierfür zu haben, braucht Ihr nur um Euch zu blicken. Sehet auf England, welch hohen Platz es unter den Völkern der Erde einnimmt, sehet, wie unser geliebtes Vaterland seiner Macht wegen gerühmt, seines Wohlstandes wegen geehrt und um seiner großen Besitzungen wegen beneidet wird. Unsere Fürsten sind in Purpur gekleidet. Unsere Königin herrscht über ein Reich, in dem die Sonne niemals untergeht. Sie ist Kaiserin von Indien, Beschützerin von Birmah, Aegyptens Wohlthäterin und Königin- Mutter der Kolonieen. Und alles dies ist uns gegeben worden, weil wir ein gottesfürchtiges Volk sind. Gottes Auge ruht nnt Wohlgefallen auf uns, weil Sonntag für Sonntag unsere Danksagungen und Lobpreisungen als Weihrauch zu ihm aufsteigen. Deswegen begnadet er uns mit seinem Segen. Er füllt unsere Speicher mit Korn und Wein. Er. „Herr", fragte eine Stimme,„haben Sie schon einmal in Ihrem Leben Hunger gehabt?" Es war der zerlumpte Mann, der diese Frage stellte. Er war aufgestanden, so daß Mr. Meek ihn sehen konnte, und seine roten, entzündeten Augen hefteten sich auf das selbst- zufriedene Antlitz des Geistlichen. Seine Stimme klang tief und rauh; Musik lag nicht drin. (Fortsetzung folgt.) sNflchdrilck verboten. Es lebe die VnnZk! 48) Roma» von C. V i e b i g. (Schluß.) „Oh, Fräulein Elisabeth?" Die alte Frau hatte die Hände der jungen ergriffen.„Sie haben ein rechtes Gc- schenk vom lieben Gott bekommen. Sie müssen glücklich sein!"--- Ein rechtes Geschenk— glücklich sein! Das ging Elisabeth durch den Kopf, als sie spät abends am Bettchen des Kindes standen. Nie war ihr der kleine Knabe lieblicher erschienen. Sie fühlte sich frei und leicht, das Blut floß ihr rasch durch die Adern niit einem wannen, starken Erguß.„Die kennt uns, die hat ein Herz für uns I" Immer wieder tönten ihr diese Worte in den Ohren und sie fühlte eilt freudiges Herzklopfen, eine glückliche Erregung I Sich freuen mit den Fröhlichen, weinen mit den Weinenden, ja d a s konnte sie! Von raschem Impuls getrieben, umschlang sie ihren Mann.„Ich will weiter nichts!" sagte sie hastig.„Und wenn mich auch niemand sonst kennt, ein paar Herzen nur, vor allem Dein Herz! Und eine Kunst Hab ich doch auch," setzte sie hinzu und hob stolz den Kopf.„Ich habe sie doch!" „Bravo!" sagte er und zog sie an's Fenster; sie sprachen leise, um das Kind nicht zu stören, es klang wie das Geflüster von Liebenden.„Dein Stern!" Er Unes hinaus zum Himmel— da stand der Abeudstern, größer als alle anderen, funkelnd im blauen Licht—„der steht unwandelbar, der vergeht nicht!" Sommcrtage, Sonnentage waren dahingegangen. Schon wehen weiße Fäden immer dichter über die leeren Felder, schon sind die Morgen und Abende kühl, in den Nächten thut es wohl, sich warm aneinander zu schmiegen. Die Früchte in den Gärten locken; strotzend von Saft, schwellend von Reife hängen sie an den Bäumen, man braucht nur leise daran zu rühren, so fallen sie einem in den Schoß. Das ist die köstlichste Zeit des Jahres. Kein schmachtendes Frühliugssehnen, keine ermattende Souneuglnt— nein, herbstlich gesunde Frische, und doch noch kein Vergehen. AlleS ist reif, voll, gesättigt von freudigem Genießen. „Jetzt verlassen»vir all daS!" hatte Elisabeth gesagt, als sie am letzten Abend über die Heide schritten, Hand in Hand. Mit einem großen Blick sah sie sich weit um; mit geöffnetem Mund, mit zitternden Nasenflügeln sog sie den herben Duft ein, ihr glänzender Blick wurde feucht.„Wie der Wind geht," murmelte sie.„Wie das riecht, riecht — ha, so köstlich l" Sie breitete die Arme aus und sprang auf die kleine Erhöhung mitten im vollblüheuden Heidekraut. Hier sah sie noch weiter, hier blähte der Wind ihre Kleider und blies sie durch und durch. Sie stieß einen Schrei des Entzückens aus.„Siehst Du, Wilhelm, wie schön das alles ist? Man muß es lieben, man kann es garnicht geniig lieben. O du mein Land, du nieine Heimat!" Noch weiter breitete sie die Arme aus und drückte sie dann mit einer inbrünstigen Ge- bürde an die Brust. Er trat zu ihr und, ihr in die feuchten Augen sehend, fragte er:„Wird es Dir schwer, die Heimat zu verlassen, Elisabeth?" „Nein! Meine Heimat ist nur bei Dir, das fühle ich wohl. Und ich nehme ja all das mit"— ihre Linke faßte seine Hand, mit der Rechten wies sie weit in die Runde— „alles I" Sie hatte eingeatmet so tief, so stark, als sollte die Heimatlust ihr die Brust füllen bis zum Rand, bis zum Uebersließen.——————————— Und nun saßen sie in der Eisenbahn, noch wenige Stunden und die große Stadt, das ungeheure Häusennecr, das gierige, nicht rastende Ungetüm, das Chaos von Menschen und Schick- salen war erreicht. Der Abschied war überstanden. Wie bei der Ankunft, so waren auch heute morgen die Leute aus die Dorfstraße gc- eilt; weinend hatte die Lindnern den prächtigen Asterustninß in den Wagen gereicht und ein Körbchen rotwangiger Aepfel für ihren Liebling. Immer wieder küßte sie ihn. „Wir kommen wieder," hatte Elisabeth gesagt und der Weinenden die Hand gedrückt.„Wir kommen»nieder im nächsten Jahr, gewiß I Wir kommen immer, wenn wir müde sind. Das Kind soll Dich nicht vergessen, wie ich Dich nicht Vergessen»verde. Euch alle nicht— das alles nicht!" „Auf's Wiedersehen I" hatten die Leute treuherzig ge- rufen.„Auf Wiedersehen!" sagte dankbar Elisabeth. Sie war weich und doch froh bcivegt. sie fühlte ihr Herz stark und doch gleichmaßig pochen; ihre Wangen warm rot nnd gebräunt, ihre Gestalt von kräftiger Franensülle. DaS war wieder der sonore Klang des Organs; das Lachen war nicht mehr so sorglos übermütig, es»var znnl Lächeln gelvordcn. Ans der Bahnstation angekommen,»var sie nnangeineldet in des alten Mannhardt Doktorstnbe getreten und hatte ihren Mann an der Hand nachgezogen. „Alle Wetter, Elisabeth! I" Der weißhaarige Mann sprang ans, daß der Stuhl hinter ihm nmpolterte.„Mädel! Frauchen"" Und dann schloß er sie in die Anne. Das»var noch die alte väterliche Freundschaft, gemischt mit eincin leisen Respekt. „Was ist ans Dir gelvordcn, mein Kind", sagte er achtnugs- voll,„eine Dichterin und"— er sah Ebel mit dem klugen Blick der ungetrübten Augen scharf an, dann schüttelte er ihm herzlich die Hand—„eine glückliche Frau I Ich»vciß alles I" sagte er und nickte Elisabeth zu. „Da"— er wies auf ein Bücherregal an der Wand— „da stehen Deine Bücher. Ich habe Dich immer bc- gleitet. Und jetzt"— er klopfte ihr die Wange,»vie er es dem Mädchen so oft gethau—„jetzt sehe ich Dich nnd jetzt freue ich mich!" Es»var eine schöne Stunde gewesen, voll gegenseitiger Freude; als der Doktor Elisabeth ins Coups half, gab er ihr einen herzhaften Kuß.„Eigentlich müßte ich Dir böse sein, daß Dil Dich so lange nicht um mich gekümmert hast, aber Iveiß Kuckuck, ich habe Dich doch lieb behalten." Die Lokomotive stieß den Dampf aus.„Aufgepaßt, ab Berlin I" schrie der Schaffner. Der Alte sprang zurück, riß den Hnt vom flatternden weißen Haar und schivenkte ihn kräftig „Halloh! Mach Deine Sache gut! Lebe wohl, Elisabeth Rciicharz I" Ein schriller Pfiff— fort geht's mit Sausen nnd Dampf und Fnnkensprühcn. Die blauen Wälder bleiben»veit zurück, die rote Heide und die stillen Felder. Eine Wolke von Ranch stößt der Schornstein aus, die Lokomotive pustet nnd schnaubt und stöhnt— neue Kohlen wirft der Heizer m die Glut, der Ranch wird dichter, schtvarz steigt er in die klare Luft— immer heißer, immer rascher, immer stürmischer— fort, fort aus der Stille in die Welt! Berlin-- Berlin--! Da tauchen die Vororte auf, rastlos fliegt der Zug vorbei— da Wasserwerke und Gasrotunden— da Fabriken und Magazine— da Kohlenplätze und Lagerspcicher— da fließt die Spree, beladene Kähne schleppen Holz, Steine, Früchte. Da sind noch Aecker, mit Gemüsen und Kartoffeln bestellt— unzählige Vorposten, ins Feld gerückt, um herbeizuschaffen, um herzustellen, um ein- zuhcnnsen für das große, gefräßige Ungeheuer. Die Geleise»verde» breiter— hierhin, dorthin— sie sind nicht mehr zu zählen. Eine Riesenstraße führt hinein in den Riesenschlund. Die Wagen rollen rascher, eiliger drehen sich die Räder, die Achsen werden heiß; die Menschen können es kauin niehr erlvartcn. Sie»verde» dahingerissen, immer näher, näher. Schon sinkt die Wolke von Stand und Dunst und Qualm, fahlrötlich, durchschlvelt von Laternen und Schlöten und Lichtern. Es ist dunkel, aber keine Kühluirg weht; da arbcitm Millionen von Lungen und stoßen dm Atem aus— kein Feierabend. Da rühren sich noch unzählige Hände. Keine Ruhe, keine Rast— Berlin, Berlin! Elisabeth stattd am Fenster, vom Arm ihres Mannes umschlungen. „Berlin!" sagte Ebel und»vies hinairL. Da streckten sich die ersten Häuserreihen, riesenhoch und riesenlang, Fäden eines ungeheueren Netzes, Arme eines Polypen, der festhält und umklammert. „Berlin!" sagte sie leise rmd lehnte sich fester an ihn. „Fürchtest Du Dich?" „Oh nein!" In kräftiger Entschlossenheit richtete sie sich hoch auf und drückte seine Hand.„Mein geliebter Mann, »varnm soll ich mich fürchten? Vor der Welt? I" Lächelird schüttelte sie den Kopf. „Ich ringe ja nicht mehr nach Erfolg n»id Ruhm. Jetzt »veiß ich's— Befreiung und Frieden— das ist die Kunst!"—_ Kleines Feuilleton. — Internationale Ticssreforschnng. Das Ncsultnt der Ver- handlmigen der von Vertretern aus Dcutjchlaud, England, Rußland, den Niederlanden, Dänemark, Schlvcdeu und Norwegen beschickten internationale» Ticsscckonfcrenz(viilgo Fischereikonferenz», die zur Ausarbcitmig eines Vorschlages für geincinsame Unlersuchnugen im Eismeer, in der Nord- und Ostsee vom 15. bis 23. Juni in Stockholm tagte. liegt nuiiniehr im Druck vor. Die in Vorschlag gebrachten Ntaßnahnicii verfolgen zunächst ivisscnschaftlicheZivecke,»verdcnaberauch durch das von der Konferenz befürwortete systematische Studium der Lebensweise nnd der Existcnzbedingnugen der Fische eine»virtschaft- liche Bedeutung gewinne». Die von der Konferenz vorgeschlagene» genauen Bcobachtrmgen, die die Fische vom Larvenstadium bis zur volllouniieucu Eutwickelung verfolgen sollen,»verde» alle Verhältnisse mit in Betracht ziehen, die i» wissenschaftlicher Beziehung die Be- urtcilnng des Lebens der Fische beeinflussen können. Ihre sogen. Lokalsornicn, Wanderungen, Lebensverhältnisse ac. werden einem eingehenden Studium unterzogen»verde». Ebenfalls sollen die natürlichen'Feinde jeder Fischart, sowie die Ursache des periodische» Wechsels, ihre Existenz, Menge, Größe». dergl. ermittelt»verde». Zu dicsei» Zweck hat die Konferenz vorgeschlagen, in den ver- schiedcuen Fanggebieten sogenannte Bersnchsst'schereicn zn errichten und über das lllesnliat eine genaue Fmigstatistik anfzustelleir. Außerdem wird die Anlegung einer allgcnicincn Statistik über den Totalfang nach Anzahl, Gclvicht und Wut, über die Zahl der Fangschiffe nnd Fanggerätschaftcii solvie über die Zahl der mit Hochsccsischcrci beschäftigten Personen vorgeschlagen. Noch wichtiger als diese Vorschläge dürfte jedoch die beabsichtigte Herstellung einer Fischereikarte sein. Die Konferenz stellt schließlich die Errichtimg eines ans Vertreter» der interessierten Staaten bestehenden CentralbnreauS anhcim, das die Nesultate der künftigen llntcrnchmnngen sammeln und veröffentlichen soll. Jeder Staat soll zivci Vertreter auscrschen, nnd der Sitz des Burcans durch die kontrollierenden Staaten festgesetzt werden. Die Koste»»verde» auf jährlich RiOOv ivk. veranschlagt; davon solle» Dentschlaiid, England nnd Rußland je 25 000 M., die übrigen Staaten je 5000 M. zahlen. Sollten sich Frankreich und Belgien anschließen,»vürden sich die Jahresbeiträge etwas anders stellen. Die Mceres-Untersnchnngen werden eveiunell am 1. Mai 1901 begonnen und zehn Jahre lang fortgeführt»Verden.— io. Von der Verbreitung der Tuberkulose unter Tieren erhält man eine Vorstellung durch die Beobachtungen, die in den Gärten der Londoner Zoologischen Gesellschaft gemacht»vordcn sind und von Dr. Hutchinson ans der letzten Vcrsammlnng zur Sprache gebracht»vurden. Von 2t5 Ticrscktionc», die i» dein letztvergangene» Halbjahr durch den Projektor der Gesellschaft vorgenommen wurden. ergaben 19 oder 23 Proz. die Gegemvart von tuberkulösen Erscheinungen; es handelte sich dabei ausschließlich»m Säugetiere und Vögel. Das Vorkonunen dcr Tnberknlosc zeigte sich am hänngstcn bei Wiederkäuern und Hühnervögeln, am seltensten bei den Raubtieren unter den Säuge« ticren. sowie bei den Raubvögeln. Die Rassen- oder Familien- zngchöriglcit schien die Empfanglichleit für die Krankheit wenig zu bceinflnsicn, auch die Art der Iliitcrkimft der einzelnen Tiere schien nur wenig zu bedeuten. Dagegen waren Nahrung und Ernährungs- gcivohnhcitcn wohl von Wichtigkeit für den Erlverb der Tuberkulose. ilebrigens winde durch die Befunde der Schluß nahe gelegt, daß sowohl bei den Säugetieren»vie bei den Vögeln ein Zusammenhang zlvischcn der relativen Größe des Herzens und der Widerstandsfähig- keit gegen Tnbcrkiilvse besteht.— Volkskunde. — Russischer Aberglauben. Ju>. Ssamarasche» Gou- verueincut herrschte nuläugst durch längere Zeit grosse Hitze bei völliger Rcgenlosigkeit. Nun tauchte, wie man der„K. H, Ztg," schreibt, in einem Dorfe im Vugulmaschcu Kreise dnS Gerücht auf, der Leichnam einer jüngst verstorbenen und bestatteten Bäuerin habe sich im Sarge umgedreht. Das Gerücht fand allgemeinen Glauben, Von den Leuten wurde dieses ungewöhnliche Ereignis als Ursache der Dürre angesehen, und es galt nun, dem llcbel ab- zuhelfcn. Die alsbald einberufene Gemeindeversammlung fasstc fast einstimmig den Beschlutz, den Mann der Verstorbenen zu veranlassen, das Grab aufzugraben und die Leiche in die alte Lage zu bringen. Dann, ralknlicrtcn die Leute, lvürde das ersehnte Regen- ivcttcr eintreten. Der Witlvcr ivcigcrte sich, die ihm zugedachte Prozedur vorzunehmen, und kurz entschlossen begab sich die ganze versammelte Gemeinde auf den Kirchhof und machte sich an das Auf- graben des Grabes. Grotz lvar das Erstaunen, als man beim Oeffnen des Sarges die Leiche in der Lage fand, wie sie in den Sarg gelegt worden war. aber noch erstaunter waren die Leute, als das Gericht im Dorfe erschien und eine Untersuchung einleitete. In einem anderen Dorfe desselben Kreises gruben ebenfalls Bauern das Grab eines kürzlich verstorbenen Dorfbewohners auf und begossen die Leiche mit Wasser, was nach ihrer Meinung das beste Mittel sei, den Regen hervorzurufen. Auch hier kam es nicht zum Regen, sondern zur Verantwortung vor Gericht.— Aus dem Tierleben. — DaS Laichen unserer Küstenheringe konnte von dem Ober-Fischmeister Hinkclmann gelegentlich der Entdeckung des Herings-Laichplatzes im Nord-Ostsee-Kanal unter Kilometer 75 zwischen Sehestedt und Rendsburg aus unmittelbarer Nähe be- obachtet werden. Während die Beobachtung des Laichgeschäfts auf dem offenen Ocean außerordentliche Schwierigkeiten bereitet, nnd es bisher nicht gelungen ist, den Hering im Aquarium zum Laichen zu bringen, gestalteten sich hier die Beobachtnngs- Verhältnisse äußerst günstig. Das Wasser der Kanalrinne lag unter dem Schutze des hohen UscrS und wurde von der Aprilsonne er- wärmt. Die Lage deS Laichplatzes wurde zudem durch das in der Nähe herabstürzende Süßwasser des alten Eiderbettes begünstigt, das dem Kanalwaffer den für das Laichen erwünschten brakischen Charakter verlieh. Das klare Waffer über dunklem Steingrnnde gestattete ungetrübten Durchblick. So konnte der Ober-Fischermeister nun beobachten, wie die leicht zu erkennenden Weibchen dicht an den Pflanzen entlang fuhren und den Laich absetzten, und wie die Männchen über sie hiinveg pfeilschnell kreuz und quer dahinschossen. Am Abend und am Morgen war die beste Zeit des Laichens, Eine genaue Untersuchung des Verhältnisses der Milchner und Rogener zu einander ergab, daß auf lOO Heringe durchschnittlich 46 Männchen kamen, mithin beide Geschlechter in annähernd gleicher Anzahl ver- treten waren.— Naturwissenschaftliches. — Meerleuchten. Der.Tägl. Rundschau' wird aus Borkum unterm 13. d, M. geschrieben: Eine eigentümliche Er- scheinnng, die ich in verfloffencr Nacht in meinem Schlafzimmer zu beobachten Gelegenheit hatte, dürfte vielleicht dazu angethan sein, zur Lösung der meines Wissens noch immer nicht endgültig gelösten Frage über die Ursache des Meerleuchtens einen Beitrag zu liefern. Ich hatte auf ärztliches Anraten vor dein Schlafengehe» ein kaltes Fußbad in Seeivasser genommen und die Schüffel in unmittelbarer Nähe deS Bettes stehen lassen. Gegen vier Uhr morgens stand ich auf nnd stieß aus Versehen ziemlich unsanft an die Schüssel, deren Inhalt plötzlich aufleuchtete nnd zwar ganz in der Art, wie ich das Leuchten deS Meeres in heißen Sommernächten an verschiede»«» Gestaden beobachtet hatte, Die Erscheinung verschwand im Augenblicke; nur einige flimmcriide Pünktchen überdauerten sie hier und da ganz kurz mit zitternder Bewegung. Nach einigen Sekunden wiederholte ich die Bewegung, und siehe da, dieselbe Erscheinung I Nun fuhr ich nach kurzer Pause mit der Hand in das Wasser, das sofort wieder aufleuchtete oder vielmehr aufflimmerte; denn die einzelnen Lichtpünktchen, die sich nach Art getvisser kleiner Wasscrticre blitzschnell nnd ivirr durch- «inander bewegten, teilweise sich auch an dem Rande der Schüssel festsetzten und dann nach und nach verschwanden, waren ganz deutlich zu unterscheiden. Auch als ich meine Hand in die Wasser- kanne mit Süßwasser tauchte, um es dann in die Wasch- schüffel zu spritzen, wiederholte sich derselbe Vorgang. Bei neuem Umrühren deS Meerwassers mit der Hand aber zeigte eS sich, daß nach wenigen Sekunden die Erscheinung ganz verschwand. Zu meiner Ueberraschung aber bemerkte ich jetzt an zwei Stellen der Hand leuchtende Pünktchen, die sich lange Zeit in diesem phosphoreScierenden Zustande erhielten nnd von denen das eine, wahrscheinlich von der Wärme der Hand begünstigt, sich langsam in der anhaftenden Feuchtigkeit fortzubewegen schien. Die' größte Ueberraschung aber bot sich mir, als ich mich abennals mit der Hand der Schüssel näherte und plötzlich am Rande der Wasserfläche, wo sie die Schüssel berührte, ein Aufleuchten erblickte, ohne daß ich das Wasser vorher berührt hatte. Dies konnte nur durch eine dem Gesicht oder Gefühl ähnliche Sinneswahrnehmung möglich sein, Daß das erster« der wahren Ursache näher liegt, als das letztere, Peraotwortlicher Redacteur: Robert Schmidt in Berl scheint mir der Umstand zu verbürgen, daß auch bei langsamem Eintauchen der Hand in das Wasser, wodurch keine Erschütterung desselben möglich ivar. rund umher einzelne Pünktchen aufglimmten um alsbald iviedcr zu verschwinden. Ich füge noch hinzu, daß ich in der Nacht vom 17. zum 18. des großen Stunnes wegen aus« »ahmsivcise bei geschlossenen Fenstern schlafen mutzte, wodurch die Temperatur der Zimmerluft nnd natürlich auch des Waffers be« trächtlich erhöht Iviirde, was zweifellos auch zur Begünstigunq der Erscheinung beigetragen hat. Da das Experiment sehr einfach ist, kann es von denjenigen, die sich dafür interessieren oder die auch daran ztveifeln sollten, sehr leicht gen, acht werden.— Technisches. -�en. D i e Telegraphie ohne Draht auf den H a lv a i- I n s e I n. Man kann sich denken, datz es für die Tele- graphie ohne Draht nirgend eine näherlicgcnde Verwendung giebt, als auf einer Gruppe zahlreicher nnd dicbt zusammeng'clegener Inseln. So sollen nun auf den Hawai-Jnscln Versuche mit der neuen Telegraphie gemacht iverden, um den Verkehr zwischen den einzelnen Eilanden herzustellen. Selbstverständlich geht die Idee von den Anierikancrn, den neuen Besitzern der Inseln, aus, die zu ihrer Ansstihnmg auch bereits eine Gesellschaft begründet haben; auch einiges Material ist bereits hinübergesandt worden. Ein Mißerfolg ist angeblich ausgeschlossen, da die MccreS- anne zwischen den Inseln in keinem Falle breiter sind als der Kanal zwischen England nnd Frankreich, über den bckannternintzcn Tele- graninie ohne Draht bereits erfolgreich gesandt worden sind. Rur der Mccrcsarm zwischen den Inseln Oahu und Kauai hat eine etlvas größere Breite, so daß dort die Anwendbarkeit der Telegraphie ohne Draht erst noch.urch Versuche bewiesen werden»Nitz.— Humoristisches. Zweierlei.„Mama, Geheimrats sind doch viel feiner als wir, die essen nicht Abendbrot, die soupieren— aber mich man Schlackwurst."— — Gestillte Sehnsucht,«Weißt Du auch, Enia, daß ich bestimmte Aussichten habe, Vorsitzeuder unseres Tennisklubs zu werden «Gott sei Dank I Es war mir längst ein peinliches Gefühl, einen Mann zum Gatten zu haben, der nichts ist."— —«Wie wird Ihnen?" Moses Friedenauer hat einige Kisten Waren aus Galizien erhalten. Der Inhalt ist aber durch Regen gänzlich zerstört worden. Sofort setzt sich Friedenauer hin und schreibt an die Direktion der Staatsbahnen folgende Zeilen: Hochlöbliche Direktion I Endcsgefcrtigter--- hat Waren im Werte von fl. 1500 —(folgt Beschreibung) aus Lemberg erhalten. Diese Waren sind durch Nachlässigkeit der Bahnverivaltung gänzlich zu Grunde ge- gangen--:'hochlöbliche Direktion I Wie wird Ihnen? Ergebener Moses Friedenaner.— («Simpl.') Notizen. —«Der Zeuge", ein vicraktiges Drama von Max Petzold, ist vom Lessing-Theater angenommen worden. Es soll noch in dieser Spielzeit gegeben iverden.— —«Die Genossin", ein drcialtiges Schauspiel des Eng- länders Arthur W. Pinero,>vird als nächste Novität des Lessing-Theaters in den ersten Tagen des Septembers a u f- geführt werden.— — Die Direktion de? Dresdener H o f t h e a t c r s hat angeordnet, datz von jetzt an nach den A k! s ch! ü s s n h ö ch st e» s drei, am Schlüsse des Stücke: Höchtens sechs Hervorrufe gestattet sind. Bisher hatte man die mit- wirkenden Sänger und Schauspieler bis zu snnfzehn Mal hervor- gerufen.— — Die nach st en Bahre nther Fe st spiele sollen, nach einer Aeutzerung der Frau C o s i m a Wagner, im Jahre 1901 veranstaltet Iverden.— — Die Berliner Oper wird, nach dem„B, T,", im Juni 1900 in London gastieren. Das ganze Ensemble daS mit dem gesamten Orchester. Kostüinen, Requisiten u, s. w, hinüber- geht, soll besonders Wagnerjche Opern in der Berliner Einrichtung und einige jüngere deutsche Opern geben.— Etwas bessere Hausiercrei.— — Der Ankauf der Galerie Borghese durch den italienischen Staat ist endlich perfekt geworden. Der Kaufpreis beträgt 3 600 000 Lire, zahlbar zinslos i» zehn Jahresraten, t. Die goldene Hanbnry-Medaille ist in diesem Fahre von der Pbamlacentische» Gesellschaft von Großbritannien dem Chemiker Professor Albert Laden bürg in Breslau iür sein Werk über Allaloide und ihre Derivate zuerkannt worden.— — Das Lysol, das wegen seines Kreosotgehaltes jetzt häufig zur Desinfektion benutzt ivird, ist durchaus nicht un giftig und harmlos. Ein Wiener Arbeiter, der in selbstmörderischer Abficht konzentriertes Lysol trank, ist infolgedessen nach kurzer Zeit gestorben.—_ it. Druck und Verlag ovo Max Babing m Berlin.